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ARCHITECTURAL DIGEST.

Stil, Design, Kunst & Architektur


Deutschland
Mai 2019 / 8 Euro

Im Zaubergarten
Das Geheimnis der neuen
Outdoormöbel

Das Bauhaus lebt


Smarte Reeditionen und eine
überraschende Spurensuche

Generation Vintage:
Designklassiker neu interpretiert

Forever
young
8 € Deutschland,

13 SFr Schweiz
Deutschland

Österreich/
Mai 2019

News &
Ideen:
Küche
2019
BOUTIQUES
hublot.com BERLIN • FRANKFURT • MUNICH
#CHANELhandbagStories
MINOTTI.COM
MALEDIVEN

usgezeichnet als das romantischste

A Resort der Welt, ist Baros ein wahres


Eldorado für alle, die Barfuß-Feeling
gepaart mit viel Ruhe, persönlicher Atmosphäre,
herzlichem Service und hervorragendem Essen
erleben möchten. Entspannung pur ist garan-
tiert, motorisierten Wassersport gibt es hier
nicht. Eines der schönsten Hausriffe liegt maxi-
mal 30 Meter vom Strand entfernt!

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Come Together sofa designed by Ludovica + Roberto Palomba
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Inhalt
Mai

54
Adresse
Wie Laura Gonzalez mit Cartiers
Pop up-Apartment Pariser
Flair nach München brachte.

58
Praxis
Die Küche des Monats von
The Archers und jede Menge kleine
Leuchten mit großer Wirkung.
52
Nadia Olive 60
Schnack Special Reeditionen
Originalgetreu oder in neuem Gewand:
Diese Entwürfe feiern das Bauhaus.

72
Special Kulthaus
66 Ein Besuch im Haus Auerbach, Gropius’
New konsequent im Stil des Neuen
Tendency Bauens gedachtem Jenaer Wohnhaus.

64
17 Editorial
18 Impressum „Halle“
heute
23 Wunderkammer
24 Agenda
29 AD stellt vor

31

Stil
32
Inspiration
Nicht ganz von dieser Welt: Die neuen
Outdoormöbel von Sebastian
Herkner und Werner Aisslinger lassen uns
Cover: Sharyn Cairns; Fotos: New Tendency; KPM Berlin; Porträt: Jasper Carlberg

von exotischen Orten träumen.

38
Neuheiten
Generation Vintage – ein Design-Reigen
von Børge Mogensen über Dimore Studio
bis Christian Dior und Jean Cocteau.

50
Projekt
Manchmal ist Fortschritt auch ein
Schritt zurück. Vitra-Koryphäe Rolf
Fehlbaum über die Rückkehr des
„Eames Side Chair“ als Fiberglasmodell.

52 Talent
Inhalt
Mai

72 102
Auerbachs Infinite
Treppe India

g Schl
os s Frie
de nstein
Goth
a (Hg.
)
aus-Bücher
Stiftun

76 Special Bredendieck
78 Special Bücher

96
85
Helen Architektur
Cammock
AUS
BAUH
DAS DER WEG NE
UN D DE R
IE MO
IN D
86
Projekt
Assemble, Londons hippes
Architekturkollektiv, erschließt ein altes
Schwimmbad für die Kunst: das
Goldsmiths Centre for Contemporary Art.

90 Radar

95

Panorama
96
Kunst
Fotos: Siegfried G. Koezle; SV Photographic; Arnoldsche; Porträt: Stefan Giftthaler

Helen Cammock war Sängerin, dann


Sozialarbeiterin, bevor sie sich ganz für
die Kunst entschied. Heute komponiert
sie das Persönliche und das Politische
zu schwebenden Bild-Text-Sinfonien.

100 Ausstellungen

102
Reise
Wo andere den Sinn des Lebens suchen,
fand das Ehepaar Bhatia ein
verlassenes Stück Land. Und schenkte
einem alten Hotel neues Leben.

106 Reise Neuheiten

13
Inhalt
Mai
109

00 Leben
Namerich
Name 110
Noch einmal mit Gefühl … 150

Insel des Pop


White Cube? Nicht mit ihm! In der
Steiermark gab Luis Laplace dem Haus
eines Sammlerpaars eine neue Innigkeit.

118
Sicherer Hafen
In Kopenhagen, wo einst Admiräle
residierten, lebt nun die Teppichdesignerin
Bettina Gedda mit ihrer Familie.

124
Flack back
Mit Seventies-Glam und Humor befreite
Designer David Flack aus Melbourne
ein Haus aus seiner beigen Eintönigkeit.

132
Form follows fiction
Auf dem Landsitz Charleston fand
die Bloomsbury Group einen
Ort für Experimente. In den Künsten
wie in der Liebe.

142
Aalto? Neu!
Eine Wohnung wendet sich von
der Stadt ab, ohne ihr die
kalte Schulter zu zeigen – Marcos Cataláns
Meisterwerk in Barcelona.

124 150
Drei in Ferien in Technicolor
Ivanhoe Außen ein schlichtes Landhäuschen,
innen ein Feuerwerk des Pop:
das 23 m2-Ferienhaus von Iraklia.

156
Festung der Leichtigkeit
Fotos: Nathalie Krag/Living Inside; Gavin Kingcome; Sharyn Cairns

Als Alex und Philippe Gabriels ihr Haus


in einer belgischen Kleinstadt bauten,
dachten viele, jemand errichte
hier eine Kirche. Nicht von ungefähr.

164 Summaries
168 Apropos
170 Genie & Spleen

132
Charleston
revisited

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Editorial

„Viele Antiquitäten tragen auch die Revolution in sich, die sie einst
gewesen sind. Das zu entdecken ist ein Blick nach vorn.“

E
fen. Vintage nennen wir das, ein Phänomen, das sich nach wie
vor größter Beliebtheit erfreut. Dieser Rückgriff in eine Zeit, die
vermeintlich übersichtlicher als unsere Gegenwart und zugleich
ine Wohnung ist immer auch ein Roman über den, der darin lebt. hoffnungsvoll erfüllt von Verheißungen einer weich geformten
Auswahl und Arrangement fügen sich zu einem Museum des Ichs, Zukunft war. Dieses wohlige Gefühl, sich mit leicht angekratz­
dessen Geschichte sich auch anhand der Einrichtungsgegenstände ten, abgewetzten, verblichenen Stücken einer anderen Zeit zu um­
erzählen lässt – egal ob sie vom Flohmarkt stammen, aus einem geben. All das verrät viel über die Gegenwartssorgen und Zu­
schwedischen Discounter oder aus einer New Yorker Galerie. kunftsängste einer chaotischen Zeit, in der der Blick nach vorn
Wie vielgestaltig, wendungsreich und voller Fantasie dieser Le­ wenig Erstrebenswertes zu versprechen scheint.
bensroman in Charleston gewesen sein muss, ahnt schon, wer sich Vor allem die Klassiker geben Sicherheit. Zugleich liegt ei­
nur ein paar Fotos (oben ein Blick in Clive Bells Studio) dieses ne Schicht unter den patinierten Oberflächen, über die unsere
Farmhauses ansieht, das sich im englischen East Sussex zwischen Hand so traumverloren fährt, ein weiterer Aspekt der Geschich­
die Hügel schmiegt (S. 132). Seit 1916 trafen sich hier auf dem te verborgen – das revolutionäre Moment, die technische Inno­
Landsitz des Malerpaares Vanessa Bell und Duncan Grant die vation, der gewagte gestalterische Schwung, mit denen die An­
Mitglieder der Bloomsbury Group, jener legendären Gemeinschaft tiquität einst als Novum erlebt und nicht immer gleich gefeiert
Londoner Künstler und Intellektueller, zu denen Virginia Woolf wurde. Wer einmal das reinweiße, streng grafische Kinderschlaf­
ebenso zählte wie Roger Fry, Quentin und Julian Bell, Frances zimmer im Wiener Leopold Museum bestaunt hat, das der In­
Partridge oder Raymond Mortimer. Keine Wand, kein Kaminsims, dustrielle Max Biach 1902 von Josef Hoffmann für seine Tochter
kein Möbel, das nicht in den buntesten Farben verziert, bemalt anfertigen ließ, mag eine Ahnung bekommen, wie verwundert
und ausgeschmückt wäre, voller endloser mythologischer Anspie­ (oder verwundet?) man sich im Morgengrauen der europäischen
lungen. Lyrisch leicht verwebt sich alles hier zur Geschichte die­ Avantgarde die Augen gerieben haben wird. Diese vormaligen
ses Zirkels und seiner empfindsamen Rebellion gegen das Korsett Boten einer neuen Zeit, die nichts von ihrer erzählerischen Tie­
viktorianischer Konventionen. fe verloren haben, erzeugen auch einen Abwehrzauber gegen die
Auch an solche Häuser und ihre Lebensromane denken wir Welt da draußen. Lauschen Sie doch einmal, welche Geschichte
Foto: Gavin Kingcome; Porträt: René Fietzek

mitunter, wenn wir bei einem Trödler stehen und alte Möbel kau­ Ihre Möbel Ihnen zuwispern.

O liver Jahn

17
www.draenert.de

ARCHITECTURAL DIGEST. STIL, DESIGN, KUNST & ARCHITEKTUR


erscheint in der
Condé Nast Verlag GmbH
Oskar-von-Miller-Ring 20, 80333 München
Telefon 089 38104-0
mail@condenast.de, www.condenast.de
ad@admagazin.de, www.admagazin.de

Chefredakteur
Oliver Jahn

Redaktion
Stv. Chefredakteur & Style Director Dr. Simone Herrmann
Art Director Inka Baron
Textchef & Kunst Barbara Gärtner
Managing Editor Eike Schrimm
Interior/Küche/Bad Karin Jaeger
Textredaktion Andreas Kühnlein, Florian Siebeck
Stil Sally Fuls (Ltg.), Mona Bergers,
Nina Luisa Vesic, Friederike Weißbach
Bildredaktion Thomas Skroch (Ltg.), Isa Lim, Samantha Taruvinga
Art Department Viviana Tapia (Stv. Art Director), Judith Pretsch,
Anastasia Novikova (Trainee)
Assistenz der Chefredaktion Johanna Hänsch
Mitarbeiter dieser Ausgabe Reinhard Krause, Carola Plappert, Iain Reynolds
Autoren dieser Ausgabe Larissa Beham, Gesine Borcherdt,
Ulrich Clewing, Oliver Koerner von Gustorf
Fotografen dieser Ausgabe Sharyn Cairns, Stefan Giftthaler, Kristofer Johnsson,
Gavin Kingcome, Siegfried G. Koezle, Nathalie Krag,
Eugeni Pons, Matthieu Salvaing, Jan Verlinde
Illustratoren dieser Ausgabe Tishk Barzanji, Emiliano Ponzi

Büro Mailand Anna Riva, Paola Dörpinghaus


Tel. +39 02 29000718, p.dorpinghaus@condenast.it
Büro New York Christina Schuhbeck
Tel. +1 212 2866856, christina_schuhbeck@condenast.com
Schlussredaktion/Dokumentation Lektornet
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Redaktion admagazin.de Andreas Kühnlein (Ltg.),
Valerie Präkelt (Feature & Social Media Ltg.)

Verantwortlich für den redaktionellen Inhalt


Oliver Jahn

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ESSTISCH FONTANA Bestellung von Einzelheften Preise, Verfügbarkeit und Bestellung unter
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Zurzeit gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 23 vom 1. 1. 2019. Alle Rechte


vorbehalten. Die Zeitschrift und alle darin enthaltenen Beiträge
und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Mit Ausnahme
der gesetzlich zugelassenen Fälle ist eine Verwertung ohne Einwil­
ligung des Verlags strafar. Für unverlangt eingesandtes Text­ und
Bildmaterial wird keine Haftung übernommen. ISSN­Nr. 1433­1764

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WILDENBERG HANDELSAGENTUR (PLZ 0,1,2,3,4,5,6) – TEL +49 221 98740944 – MW@AGENTUR-WILDENBERG.DE
AGENTUR G-FORM (PLZ 7,8,9) – TEL +49 170 242 250 09 – RB@AGENTUR-BRUNNACKER.COM
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Entdeckung

Wunderkammer
Rendering: Brani & Desi

Frühstück mit Mondrian: Die bulgarischen Designerinnen Branimira und Desislava Ivanova haben
eine experimentelle Apartment-Studie eingerichtet, die wie eine dreidimensionale Adaption der
Kompositionen des niederländischen Malers wirkt, der zeitlebens alle Objekte abstrahierte,
um ihrer „grundlegenden Qualität“ und letztlich der Wahrheit so nah wie möglich zu kommen. FS
branide si.com

23
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Agenda

Wer, wie, was? Neu eröffnet


1stdibs Gallery, New York
Der Online­Marktplatz jetzt auch
Redak tion Johanna Hänsch und Karin Jaeger Tex t Reinhard Krause
zum Anfassen, 11th Avenue 269
1 s tdib s.com

Santa Maria Novella, München


Store des italienischen Kosmetik­
labels im Hotel „Bayerischer Hof“,
Promenadeplatz 2–6
smnovella.com

Galeries Lafayette, Paris


Flagship­Design von Bjarke Ingels,
52, avenue des Champs­Élysées
galerie slafaye t te.com

Buns & Buns, London


Bistro­Restaurant von Michaelis
Boyd, Covent Garden Piazza 5C
bunsandbuns.com

Alles kreist ums Bauhaus Tim Van Laere, Antwerpen


Fünf Chromringe bilden Josef Albers' Tischleuchte „Saturn“ (Tecta). In der Schau Galerie­Restart u. a. mit Jonathan
„Re:Form“ bringt das Stilwerk noch Farbe ins Spiel – und visualisiert an 80 Bei­ Meese, Jos Smolderenstraat 50
spielen die Bauhaus­Matrix. 8.5.–8.6. in Hamburg, später in Berlin und Düsseldorf. timvanlaere galler y.com

s tilwerk.de

Drei Fragen an
Nacho Carbonell Aufgeklärt
Das Institut de France am Pariser Quai de
Zur Biennale in Venedig präsentiert die Conti stammt aus dem siècle des Lumières.
Carpenters Workshop Gallery neue Laurent Grasso schuf für die Fassade und
Arbeiten von Ihnen. Was erwartet uns? den Hof zehn Leuchtzeichen aus Onyx und
Ich habe leuchtende baumartige Skulp­ LEDs, u. „Omega“ und „Auge“. Lockende
turen geschaffen. Die Mosaike aus Symbole aus dem Universum des Wissens.
dem 15. Jahrhundert im Innenhof des laurentgras so.com
Ca’ d’Oro sollen funkeln wie ein Wald!

Fotos: Appold, Brueninghaus, Sandfort; Claire Dorn; Porträt: Lisa Klappe


Wieso wirken Ihre Werke so lebendig?
Mir geht es um eine Symbiose von
Mensch und Objekt. Zu etwas Leben­
digem finden wir viel unmittelbarer
Kontakt. Das mache ich mir zu eigen.

Sind Sie mehr Designer oder Künstler?


Das weiß ich selbst oft nicht. Für alles,
was wir tun, gibt es Grenzen – und die
Aufgabe, sie immer wieder zu sprengen.

Unterstützt von Lombard Odier, zeigt die Galerie


Werke von 17 ihrer Künstler­Designer. „Dysfunctional“,
8.5.–24.11. car penter swor ksh opga ll er y.com

24
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Agenda

…im Mai
Bauhaus, grand plié
Bei der Stuttgarter
Uraufführung des

Extrem mondän
„Triadischen Balletts“
tanzte Oskar Schlem-
mer 1922 selbst mit –
Naum Slutzkys Metallarbeiten sind so fu-
als Walter Schoppe.
turistisch wie schick. Sein silbernes Tee-
Für die Eröffnung der
und Kaffeeservice mit Tablett (o., 1927/28,
Potsdamer Tanztage
Schätzpreis: 180 000 bis 240 000 Euro)
schlüpfen die Tänzer
bildet ein Highlight der Auktion „bauhaus
des Bayerischen Ju-
forever!“ von Grisebachs Orangerie am 31.5.
nior Balletts München
grisebach.com
in 18 rekonstruierte
Kostüme. Hans Otto
Theater, 14.–16.5.
p ot sdamer-tanz tage.de

Nicht verpassen
Lux Limited Edition, Hamburg
Wohnkultur 66 zeigt Mats These-

Einfach zegnial
lius und Glen Baghurst. Start: 9.5.
wohnkultur 6 6 .de

In Manhattan krönt Stararchitekt Peter Marino seine Karriere – im Crown


58. Biennale, Venedig
Building von 1921 gestaltete er den Global Store der Mailänder Herren-Luxus-
Die Mutter aller Großereignisse in
marke Ermenegildo Zegna. Das Erdgeschoss ist Lederwaren und Schuhen
der Kunstwelt, 11.5.–24.11.
vorbehalten, das Mezzanin der Modekollektion – unten die Schreine für couture
labiennale.org
sneakers. Von hier geht's hinauf in den Olymp: zum Maßatelier mit Vintage-Bar.
ze gna.com
Food: Bigger than the Plate,
London
Vom Kompost zur Tafel:
Das V & A dekliniert unser Essen.
18.5.–30.10.
vam.ac.uk

Clerkenwell Design Week,


Fotos: Wilfried Hösl; Denise Bodden; Ermenegildo Zegna

London
Das Designfestival feiert seinen
zehnten Geburtstag, 21.–23.5.
clerkenwellde signwe ek.com

Bauhaus_Sachsen, Leipzig
Das Grassimuseum als historische
Bauhaus-Bühne. Bis 29.9.
gras simuseum.de

26
D E S I G N P O R T R A I T.

B&B Atoll, sitzsystem design von Antonio Citterio. www.bebitalia.com


B&B Italia Stores: München, Maximiliansplatz 21 - T. +49 0894 613680
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Plz 5 6 7 Thomas Köber T. +49 1737 490937 k2agentur@arcor.de
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stellt vor

Max Scharnigg
brannte so fürs Thema Küche, dass seine
Glosse für uns 3000 Zeichen zu lang geriet.
Vermutlich weil der „SZ“-Redakteur gera-
de privat ein halbes Jahr mit Planung, Ein-
bau und „der zähen Jagd nach Installateuren
und Elektrikern“ beschäftigt war. Sei's
drum, die Küche steht, und Scharnigg hat
endlich das perfekte Zuhause für sein SENTIDO
Alessi-Besteck gefunden. „Das ist nämlich
das Beste daran: Auch die Accessoires
DER LICHTSCHALTER
kommen auf den Prüfstand!“ Beilage NEU ERFUNDEN

Larissa Beham
trotzt allen Widrigkeiten. Ob
offroad in der Münchner (!)
Wildnis (siehe li.) oder zu
Hause im explorierten Wohn­
zimmer: „Offen gestaltete
Räume mögen Furcht einflö­
ßend sein – sie sind mir
dennoch die liebste Variante,
weil sie die Natur meist fas­
zinierend integrieren.“ Kein
Wunder, dass die Autorin
(gerade schrieb sie einen
Essay für den Fotoband „Lu­
beca My Reflection“) sich
für das verglaste Brüsseler
Wohnzimmer zweier Werber
begeisterte: „Wie ein Gemäl­
de aus Jahreszeiten!“ S. 156

Der Sentido Schalter ist völlig


touch-empfindlich wodurch Leuchten,

Tishk Sonnenschutz und sogar Musik mit


der leichtesten Berührung gesteuert

Barzanji werden können.

entwirft sich die Welt, wie sie Wählen Sie eine der sechzehn
ihm gefällt: Für uns stattete hochwertigen Oberflächen, die sich
der Illustrator „ein surrealisti- perfekt in Ihren Wohnraum einfügen.
sches modernes Utopia“ mit Sentido ist für KNX Smart Home
den neusten Gartenmöbeln aus – Systeme entwickelt und handgefertigt
Fotos: Julian Baumann; Thomas Elsner; Daniel Riley

deren Formen und Farben den in Belgien.


Wahllondoner zu schummerigen
Architekturen aus Arkaden in-
spirierten. „Ich gestalte Orte,
die ich gerne selbst entdecken www.basalte.de
würde.“ Und bis seine Träume
zu gebauten Zielen werden, reist
Barzanji weiter per Stift und
Screen, am liebsten: „mit dem
Betrachter an meiner Seite“. S. 31
armanicasa.com

Milan, Paris, London, New York, Los Angeles, Miami, Shanghai, Beijing, Tokyo
Stil
Inspiration, Neuheiten, Projekt, Talent, Adresse, Praxis und Bauhaus Special

Rote Sonne
Nicht ganz von dieser Welt – scheinen die schönsten Garten-
möbel der Saison. Deswegen hat unser Illustrator Tishk
Barzanji sie in vier fantastische Zwischenwelten gestellt. Vorn:
Sebastian Herkners „Maraca“ für Ames, Baumwollliege auf
pulverbeschichtetem Stahlgestell, 935 Euro. Links dahinter:
Emus stapelbarer Stahlstuhl „Miky“ in Azurblau (129 Euro),
hinten re. Werner Aisslingers „Cirql“ für Dedon, handgefloch- Redak tion Simone Herrmann und Sally Fuls
tene Kunststofffaser auf einem Aluminiumrahmen, 790 Euro. Illus tration T ishk Bar zanji
Stil
Inspiration

Im Glanz des Abendrots: Sonnenschirm „Oazz“ (hinten li.) faltet sich per Be-
rührung zum Schattenspender aus, von Royal Botania, ab 1868 Euro. Der
Sessel „Contis Plage“ daneben wird mit allwetterfestem Textil aus der „So-
lid“-Kollektion von Sunbrella x BOSC bezogen, 1836 Euro. Vorn: Diablas
Beistelltisch „Mona“ aus verzinktem Stahl, in diversen Farben, ab 430 Euro.

32
Stil
Inspiration

Sprung ins Ungewisse: Barwagen „Outdoor Trolley“ (links) aus Aluminium,


Teak und Ceppo di Gré von Kettal sorgt für eine erfrischende Sommer­
zeit, 2450 Euro. Daneben Tribùs Coffeetable „Tao“ aus Beton (1795 Euro)
und Gandiablascos modulares Sofa „Solanas“ (ab 3050 Euro). Dahinter
funkeln Sommerblüten auf Bisazzas Mosaik „Bougainvillier“, 1175 Euro/m2.
Stil
Inspiration

Nur die Sonne war Zeuge: Sebastian Herkners Coffeetable „Dune“ (M.) für
Gloster aus Aluminium mit Keramikplatte (2000 Euro), daneben Rodas Sofa
„Piper 001“, nachhaltiges Mischtextil und Aluminium, ab 2770 Euro. Am
Wasser von li.: Lounger „Kobo“ (4375 Euro) aus Rope-Geflecht von Manutti,
daneben Emus „Luciole“-Steckleuchten, ab 268 Euro. Die Blumen an der
Wand lässt Bisazza aus Glasmosaiken wachsen, „Hameau“, 927 Euro/m2.

36
THE ITALIAN LIFESTYLE
OF LIVING OUTDOORS.
Shared values have given rise to a cooperation between EMU and FAI Fondo Ambiente
Italiano to protect and promote our natural landscapes and artistic heritage.
Studiopiù International

OUTDOOR DESIGN COLLECTION Fai Saline Conti Vecchi.


RIVIERA by Lucidi - Pevere Loan for use basis by Ing. Luigi Conti Vecchi, SYNDIAL ENI

emu.it
Stil
Neuheiten

Wein auf Bier,


rat ich dir
Egal ob zum Frühstück, Miag- oder Abendessen,
ob für Wasser oder Alkoholisches. Praktisch zu
stapeln und universell einsetzbar – als Grethe Mey-
er und Ibi Trier Mørch 1958 die Glas-Serie „Stub“
entwarfen, trafen sie den Nerv der Zeit. Ihr Glas
stand für gesellschalichen Wandel im Kleinen:
die Küche als Zentrum des Familienlebens, infor-
melle Mahlzeiten, dasselbe Glas für den täglichen
Gebrauch, aber auch für besondere Anlässe. Hol-
megaard legt das zeitlose Design nun in zwei
stapelbaren Größen neu auf, 4er-Set ab 55 Euro.
holmegaard- design.de

Frank in Frankfurt
Die Galerie Frank Landau ist spezialisiert auf italienische
Leuchten und skandinavische und amerikanische Design-
Originale – wie der Sofatisch von 1950 aus Nussbaum mit
Schublade von Edward Wormley für Dunbar, 4600 Euro. FW
franklandau.com

Brazilian
Dream
Ein Österreicher, der nach
Südamerika ging, wo er dem
brasilianischen Midcentury-
Design seinen Stempel auf-
drückte. Martin Eislers Ent-
würfe sind heute selten und
Fotos: Holmegaard (2); Frank Landau; Maxi Moreno

begehrt. Grund genug für


das Familienunternehmen
Tacchini, die Reedition des
Sessels „Costela“ von 1952
zu planen, dessen namen-
gebendes Gerippe im Origi-
nal li. aus Palisander und
Eisen ist. Wir sind gespannt
auf das Debüt in Mailand!
tacchini.it

38
www.baxter.it
ph. Andrea Ferrari
Stil
Neuheiten

Croquant, ce Monsieur!
Ohne ihn wäre Paris nicht Paris: der Bistrostuhl aus
Rattan und Geflecht. Über ein Jahrhundert sonnt er Absurd schön
sich schon auf den Terrassen der Cafés, nun hat Ro- Sind sie den Wänden der
bert Stadler ihm ein neues Habit verpasst, und „Corso“ Villa Santo Sospir ent-
stolziert auf Aluminiumbeinchen über die Boulevards. stiegen? Oder dem
drucker.fr
Filmset von „Orphée“?
Auf jeden Fall entstam-
men sie der Fantasie
des fabelhaften Jean
Cocteau, Kopfgeburten
sozusagen, auf Keramik-
teller gebannt. Nun bringen
sie das surreale Flair längst
vergangener Sommernäch-
te von der Côte d’Azur
auf unseren Tisch. „La
Magie du Cap d’Ail“
(li. o., 1960) und „Indes“
(links, 1958). Limitierte
und signierte Editionen.
lebre tongaller y.com

Wer passt
zu wem?
Fotos: Fabrice Gousset (4); Lebreton Gallery (2); Diptyque

Tuberose zu Sandelholz, Feigenbaum zur Zypresse,


aber: Leder und Veilchen? Unbedingt! Die Welt der
Düfte ist ein Spiel mit Erinnerungen, ein olfaktori­
sches Memory. Um aus dem Griff in Diptyques Duft­
repertoire keine riskante Partie zu machen, gibt es
für Spielanfänger jetzt fünf Kerzenduos – duftig ver­
packt in Dessins von Pierre Frey, 100 Euro. NLV
dipt yqueparis.com

40
Düsseldor f
w w w.goldschmiede-schubar t.de
Stil
Neuheiten

Amore Dimore
Dimore hat den Dreh raus: Man
dekonstruiere Möbel des 19. Jahr-
hunderts, ordne ihre Elemente
neu und füge zeitgenössische
Materialien hinzu. Heraus kom-
men neun charismatische Uni-
kate, die zu einer Reise durch
Raum und Zeit einladen. Wie
der Low Table „115KKZ“ aus la-
ckiertem Holz mit einem rotie-
renden Einsatz aus Walnuss, der
auf leisen Löwentatzen zum
Sprung ins Heute ansetzt! NLV
dimore galler y.com

In weiter
Ferne, so nah
Ein Knüpfwerk, das Bauhäusler inspirierte und
in den Koffer von modern nomads passt: Gerade
einmal 87 × 91 cm misst der Meditationsteppich
aus dem Wangden-Gebiet in Zentraltibet.
Ursprünglich war er den Vorstehern buddhisti-
scher Klöster vorbehalten – jetzt schüttelt er
seine Mähne auch bei uns. Aus Schafwolle,
zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, 1700 Euro.
thomaswild.de

Schon früh geschnallt!


Eine Jagdhüe stellte sich
Børge Mogensen vor, als er
1950 den „Huntsman Chair“
entwarf. Aus kerniger Rauch-
Fotos: Simone Fiorini; Thomas Wild; Carl Hansen & Søn (2)

eiche und Saelleder gefertigt,


aber leicht und organisch in
der Form – mit dieser Ästhetik
prägte der Möbelpurist die
dänische Moderne. Reedition
von Carl Hansen & Søn, in
Eiche und Nussbaum, un-
terschiedlichen Lederfarben,
mit Schnallen aus Messing
oder Edelstahl, ab 2671 Euro.
carlhansen.com

42
Stil
Neuheiten

If you like
it, put a
ring on it!
Die Spülmaschine brachte dem einstigen Besteck-
klassiker „Mono Ring“ das Aus. Mit Einverständnis
des Erfinders Peter Raacke übertrug Mark Braun
für Mono das Design von 1962 in Edelstahl und
spülmaschinenfestes Polyamid (auch in Weiß, Grau,
Schwarz und Blau) – direkt ins Heute! Ab 19 Euro.
mono.de

Herr über die Zeiten


Max Rollitt macht die Welt, wie sie ihm gefällt: Der Londoner handelt
nicht nur mit Antiquitäten – wie dem verglasten Wandschrank (li.,
2600 Pfund) aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Auf Anfrage fertigt
er auch originalgetreue Kopien historischer Stücke wie die Wasch-
tische im Stil des 18. Jahrhunderts (li. u., 1950 Pfund) oder mit „Uppark“
(g. u. li., 6836 Pfund) seine Interpretation eines Gillow & Co.-Sofas. FW
ma xrollit t .com

Fotos: Haw-lin Services; © 2018 Jeffery Cross; Max Rollitt (3)

Ein Finne in San Francisco


Verwandte Geister: Alvar Aaltos Bugholz-Design von 1937 trifft
auf experimentelle Keramikglasur. Als Sonderedition wird Arteks
klassischer „Tea Trolley 900“ aus Birke in den Werkstätten von
Heath Ceramics in Sausalito mit farbigen Kacheln aus den Forties
belegt. 6 Stück je Dessin, nur in den USA erhältlich, 6800 Dollar.
heathceramic s.com, ar tek.f i

44
AMBIENT & KAY COLLECTIONS BY HENRIK PEDERSEN

WWW.GLOSTER.COM
Stil
Neuheiten

San an
der Wand
Pierre Guariche, der französische Designer und Ar-
chitekt, gilt als einer der wichtigsten Gestalter des
20. Jahrhunderts. Acht seiner Lichtentwürfe werden

Fotos: Morgane Le Gall; Mis en Demeure; Fredericia; Porträt: Décor d’Aujourd’hui n°87, 1954 / Sammode Studio
nun von Sammode Studio wieder aufgelegt. Darun-
ter die Appliken „G3“ aus dem Jahr 1951. Trotz der
kantigen Form aus lackiertem Metall fällt durch ihren
perforierten Stahlschirm gedämpftes, indirektes Licht
und taucht alles in betörende Eleganz, 476 Euro. FW
s tudio.sammo de.com

Für Lektüre mit Allüre


Schlicht, schön, schlau: 1949 gab
Jens Risom seinem „Magazine
Table“ ein praktisches Fach für
bunte Blätter. Die dänischen
Modernisten von Fredericia
bringen den tragfähigen
Beistelltisch nun zurück. In
klar oder schwarz lackier-
ter Eiche, 469 Euro. NJS
fre dericia.com

Schöne Aussichten
Am liebsten stöbert Philippe Daraux, Interiordesigner, Antiquitätenhändler und
Gründer von Mis en Demeure, selbst auf Flohmärkten nach Vintage-Schätzen, die ihn
zu Stücken wie dem tapetenbezogenen „Paravent Haussmann“ (1710 Euro) inspi-
rieren. Die illusionistische Landscha lässt an Waeau-Gemälde en grisaille denken.
misendemeure.com

46
Tosca armchair & Tao table, design by Monica Armani

Living the good life outside.


Love it, live it, share it.

www.tribu.com
Stil
Neuheiten

Von der Wand auf den Tisch


Tout en toile de Jouy. 1947 ließ Christian Dior in seiner Boutique u. re. Wände, Tische, Baldachine und selbst die Treppe in dem
mit Schäferszenen bedruckten Stoff beziehen. Zehn Jahre später schaffte es das Muster auf ein Dior­Kleid und hat seitdem jeden
Kreativdirektor der Maison bezaubert. Zuletzt auch Maria Grazia Chiuri, die den lieblichen Print in Szenerien voll wilder Tiere ver­
wandelte und damit – Höhepunkt der kreativen Nahrungskette! – Diors Tableware aus Limoges­Porzellan zierte. Teller ab 80 Euro.
dior.com, mehr Tableware auf ad-magazin.de

They see
me rollin’
Josef Franks Oldtimer aus den 30ern rollt mit einem Gestell
aus Gusseisen und Nussbaum. 50 Jahre später überarbeitete
Svenskt Tenn den „Trolley 691“ zu dem heutigen roten Flitzer
aus pulverbeschichtetem Metall mit Glasböden, 1600 Euro.
svensk t tenn.se

Fotos: Jérôme Galland; Association Willy Maywald; Nemo Lighting; © Svenskt Tenn
Zu Hause
bei Corbu
Seit Ende letzten Jahres ist Le Corbusiers
Apartment in Paris wieder zu besichtigen.
Im Salon fällt an einer grauen Wand sofort
die „Applique de Marseille“ ins Auge, die
der Architekt 1938/39 für sein Zuhause ent­
warf. Eine minimalistische Schönheit, die
sofort Begehrlichkeiten weckt. Gut, dass
Nemo die Leuchte aus lackierten Alumi­
niumkegeln wieder auflegt, 416 Euro. FW
nemolighting.com

48
SPINNAKER, DESIGN GORDON GUILLAUMIER
HARP, DESIGN RODOLFO DORDONI www.rodaonline.com
Stil
Projekt

Vitra steht Kopf! Das


Comeback des „Eames
Side Chair“ aus Fiber-
glas (559 Euro) ist das
Ergebnis neuer Her-
stellungstechnologie.
Graue Eminenz: Rolf
Fehlbaum (links) über-
sieht die Aktivitäten.
Die sechs Fiberglas-
farben orientieren sich
an der Palette unten,
die Ray und Charles
Eames einst vorsahen.

Wann ist ein


weiß nur zu gut, dass ein echter „Side Chair“ in keinem designaf-
finen Haushalt fehlen darf, kein Stuhl so oft kopiert wurde. Aber
wann gilt er als Original? Und was ist mit dem „Plastic Chair“ aus

Eames ein Eames? Polypropylen, den Vitra 1999 vorstellte? „Ein Original ist definiert
durch die legitimierte Produktion in Absprache mit den Desi-
gnern oder ihren Vertretern, natürlich mit entsprechenden Rech-
Manchmal ist Fortschritt auch ein Schritt zurück. ten.“ Das Thema liegt Fehlbaum am Herzen, schließlich sei De-
Vitra-Koryphäe Rolf Fehlbaum über die Rückkehr sign ja nicht endgültig wie die Kunst. „Charles Eames strebte
des „Eames Side Chair“ als Fiberglasmodell. stets danach, seine Entwürfe zu verbessern. Auch durch neue
Materialien. Darum wäre der ,Plastic Chair‘ in seinem Sinn ein
Fortschritt.“ So gesehen ist die Neuauflage in Fiberglas eigentlich
Tex t Friederike Weißbach
ein Rückschritt. Nur geht es im Design nun mal auch ums Ausse-
hen. Und das ist – endlich – wieder so wie früher!

D
as Aus der Ikone kam 1993. Der „Eames Side Chair“, fast 40 Jahre
lang in Weil am Rhein gefertigt, ging aus der Produktion. Zu hoch
Fotos: © Vitra; © Eames Office LLC; Porträt: Lars Petter Pettersen

die gesundheitlichen Risiken bei der Arbeit mit freien Glasfasern,


die dem Stuhl sein charakteristisches Aussehen gegeben hatten
und ohne die Ray und Charles Eames 1949 diese neue Gattung von
Möbel – praktisch, leicht, robust und günstig zu produzieren – nie
hätten entwickeln können. Auch Umweltschutz spielte beim Pro-
duktionsstopp eine Rolle, denn Fiberglas ist nicht recycelbar.
„Heute wird sicher kein einziger dieser Stühle mehr weggewor-
fen.“ Rolf Fehlbaum, der langjährige frühere Vitra-Chef und das
Gedächtnis der Marke, zerstreut die Bedenken angesichts der relan-
cierten Fiberglasmodelle, die in einem neuen, für die Gesundheit
unbedenklichen Verfahren gefertigt werden. Der Firmenpatriarch

50
Stil
Neuheiten

Talent

Nadia Olive Schnack


Redak tion Nina Luisa Vesic

Fast wie ein Teppich wirkt der geometrische Anstrich auf dem historischen Holzboden (o. li.). Im Eingangsbereich eines Apartments in
Kopenhagen (o. re.) setzt Schnack der farbsatten Streifentapete einen ozeanblauen Boden und eine zart mintfarbene Treppe entgegen.

W
kann man mit Kontrasten spielen. Mein
Trick ist es, das schönste Detail zu betonen,
häufig ist es die Treppe.“
enn man sich in Nadia Olive Schnacks Inte- Schnacks Farblust wurde ihr schon in die
rieurs umsieht, hat man das Gefühl, dass es Wiege gelegt. Ihre Mutter: Russin, der Vater:
überall fröhlich schwirrt und tiriliert. So Engländer. „Da mischten sich grundver-
Fotos: Mikkel Adsbøl; Asger Mortensen; Porträt: Jasper Carlberg

unerschrocken und wagemutig setzt die schiedene Kulturen.“ Und das zeichnet bis
Dänin – gänzlich unskandinavisch – Far- heute die Raumentwürfe der Dänin aus:
ben ein. „Am Anfang eines Projektes sauge Denn gerade die Brüche bewahren ihre Aus-
ich die Atmosphäre der Räume in mich auf wahl an Vintage-Möbeln vor der Gestrigkeit,
und verlasse mich bei der Farbwahl auf und Materialcollagen geben Spannung. Wie
Nadia O live S chnack
meine Intuition.“ Klar, dass die Wände Dries Van Noten, dessen Mode ihre Arbeit
skurrile Töne anschlagen, aber auch Fußbö-
den und Decken erhalten bei Schnack einen
„Wenn das Interieur inspiriert, kann auch Schnack nichts mit
perfekter Schönheit anfangen. „Wenn Dinge
Anstrich. „Warum gibt man ihnen nicht mal nicht funktioniert, nicht funktionieren, steht meist die Schön-
die Hauptrolle? Sie werden häufig unter-
schätzt.“ Genau wie Entrees. „Dabei be-
steht meist die heit im Weg. Wenn alles zu gut passt, fliegt
die Seele aus dem Fenster.“
ginnt hier die Reise durch das Haus. Hier Perfektion im Weg!“ nadiaolive schnack.dk

52
Stil
Adresse

Puin'
on the
Glitz!
Oder wie Cartier und
Laura Gonzalez mit einem
Pop up-Apartment Paris
nach München brachten.

Tex t Simone Herrmann

Arkitect mischt Gonzalez, wie Jacquemus


in der Mode, gerade das französische Inte-
riordesign auf. Ganz Paris feiert „chez Lau-
ra“: im „Alcazar“, in der „Brasserie Auteuil“,
im „Noto“, Restaurants und Bars, in de-
nen Blumentapeten und gemusterte Stoffe,
Vintage-Möbel, Samt, Marmor, Holz und
Messing fröhliche Stilallianzen eingehen
und dieses „Yéyé“-Gefühl der 70er wieder-
beleben, das im allzu gemütsarmen Mini-
malismus der letzten Zeit untergegangen
schien. Convivialité statt Schwellenangst!
Seit zwei Jahren macht Gonzalez, die mit
wehendem dunklen Haar, Hippieröcken,
klirrenden Armreifen und schallendem La-
chen ihren nonchalanten Look lebt, auch
im Hotel- und Shopdesign von sich reden.
L'Occitane und Pierre Hermé, Louboutin Sie sieht mit ihren hellen Golem-Fliesen
sind nur einige ihrer Kunden, für Cartier und dem Marmortresen zwar sehr pari-
gestaltet sie gerade einige Shops neu, da- serisch aus, aber die Basis sei nicht „aus
runter auch das Remake der Boutique an Messing wie in Frankreich, sondern“, Les-
der Place Vendôme 23. Und nun das tringant klopft leicht dagegen, „aus Holz“.
V Münchner Pop up-Apartment. Hinter der
Tür im vierten Stock prickelt champagner-
Auch der Lüster, findet er, habe „etwas ty-
pisch Münchnerisches, Kull-Artiges“. Nach
ierte Etage, bitte schön!“ Ein rot betresster farbenes Licht, ein Kaleidoskop aus Sei- Stationen in Japan, den Emiraten und der
Herr in Cartiers Pagenuniform zeigt zum denteppichen, Samtsesseln, Lüstern, keck Schweiz kam der Franzose 2014 zu Cartier
Fotos: Cartier (3); Porträt: Montse Garriga

Lift, während hinter dem Bretterzaun an gemusterten Tapeten, Messingleuchten, Fo- nach München – „und der Stadt nicht zu-
der Maximilianstraße 20 Baulärm dröhnt, tografien. Drei Räume, ein Boudoir. Und letzt in den Restaurants von Rudi Kull na-
es staubt. Umbau. Die Cartier-Boutique ist eine Bar. Auf die ist Cartiers Nordeuropa- he“. Paris in München, das sei quasi das
nach oben gezogen, aber nicht in irgend- Chef Renaud Lestringant besonders stolz. Thema des Apartments, „wie auf der Tape-
welche Behelfsräume, sondern in ein tem-
Cartiers Hall of Fame: Im Boudoir des Münchner Pop up-Apartments (g. o.), das Laura
poräres Apartment. Und zwar eines, das Gonzalez (o. li.) gestaltete, wirken Fotowand, Sofa, Sessel und Blütentapete, als wäre
die Pariser Stardesignerin Laura Gonzalez man chez soi. Und in den Vitrinen funkeln die Stars der neuen „Galaxie“-Kollektion (o.):
eingerichtet hat. Mit ihrem Studio Pravda Armreif mit Tahiti-Perlen und „Weltkugel“ mit Diamanten, Saphiren und Feueropalen.

54
DIE NEUE WOHNMODERNE So wohnen wir heute: mit Möbeln, die frei sind und selbstbewusst.
Poetisch. Freundlich. Klar. Die Formensprache der Moderne – jenseits
aller Moden, schon immer für morgen.

Living Landscape, The Farns, Oki Table. Design: EOOS.


walterknoll.de Badawi Pillow, Legends of Carpets. Design: Helmut Scheufele.
Stil
Adresse

te hier“, lächelt er, „Toile de Jouy und da­ Einkaufserlebnis, denn mittlerweile“, er­
rauf ein bayrischer Wald!“ Obwohl sie aus klärt der Manager, „werden selbst Haute
England stammt. Wie übrigens auch die Joaillerie­Stücke online gekauft. Die Men­
turbulente House of Hackney­Blütentapete schen haben immer weniger Zeit, wissen
im Boudoir. Die Barstühle sind von Minot­ dafür aber genau, was sie wollen. Auch
ti, die mit moosgrünem Samt bezogenen wie sie ihre Freizeit gestalten. Wir möch­
Sessel von Gubi, selbst „Nimbus“, ein Lüs­ ten unsere Kunden zu uns einladen, in eine
ter, der mit seinen klingelnden Seventies­ Welt, die sie zu ihrer eigenen machen kön­
Glasplättchen zum Signature­Piece von nen. Und wir wollen gemeinsam unsere
Laura Gonzalez geworden ist, stammt von Lebensart feiern. Es wäre wunderbar“, sagt
CTO Lighting aus London. Nur im Boudoir Flohmärkten, aber noch mehr bei 1stdibs, Lestringant, „wenn wir eine Art deutsch­
gesellen sich zu Pierre Freys Sofa die zart­ und überhaupt im Internet“, gesteht sie. französischen Salon etablieren könnten.“
rosa „Babylone“­Poufs der Designerin. „Eben!“, sagt Renaud Lestringant, während Diners, Konzerte, Lesungen, Kunst – natür­
„Das Pariserische“, erklärt Gonzalez, die der Barkeeper eine Champagnerflasche lich auch Soireen mit den Kunststücken
„von München leider nur den Flughafen entkorkt. Einen Rosé aus der Cartier­Fla­ von Cartier. „Die Juwelen“, schwärmt Gon­
und die Maximilianstraße“ kennengelernt sche. Diamantschliff versteht sich. Übri­ zalez, „haben meine Fantasie beflügelt, be­
hat, sei ja gerade „die Kunst der Melange“. gens sei die Bar besonders freitags und sonders die ‚Chimères‘!“ Apropos Schimä­
Dass sie dabei auch hier jenes Hippieflair samstags so gut besucht, dass man in Kulls re: Ist es nicht schade, dass das Apartment
aufblitzen lässt („das steckt irgendwie in Restaurant „Brenner“ gleich vis­à­vis einen bald schon wieder Geschichte sein wird?
mir drin!“), passt gut zu einer Stadt, die sich Pariser Kiosk eingerichtet habe, wo sich Renaud Lestringant schaut hinüber zum
immer noch viel auf ihre Helmut Dietl­Läs­ „unsere Gäste bei Croissants und französi­ Fenster, wo die bierblonden Häuserfassa­
sigkeit zugutehält. „Ohne Vintages komme schen Journalen die Wartezeit verkürzen den der Maximilianstraße hereinspitzen,
ich nicht aus, auch privat kaufe ich viel auf können. Es geht uns um das etwas andere und lächelt. „Unten wird noch bis in den
August hinein gebaut, vielleicht wird es
Vom Kiosk direkt in die Bar: Mit dem Marmortresen, Minottis Samtsesselchen, dem „Spi-
der“-Lüster und Toile de Jouy an den Wänden ist bei Cartier (unten) immer Happy Hour. auch Herbst werden – Denkmalschutz!“,
Und wenn die Plätze nicht reichen, wartet der eigens gebaute Kiosk (oben) bei „Brenner“ sagt er, und nie sah ein Mann vergnügter
auf Freunde und Kunden des Hauses – und solche, die es noch werden wollen. car tier.com aus – angesichts einer Baustelle.

Fotos: Cartier (2)

56
SOLID und PR ATO Kollektionen entwor fen von Manutti Studio.
Mehr Inspiration auf manutti.com.
Stil
Praxis

Bad des Monats D e signer: The Archer s,


team -archer s.com
O r t: Los Angele s
Redak tion Karin Jaeger Tex t Mona B erger s, Karin Jaeger und Nina Luisa Vesic
Aus s tat tung:
∙ Duscharmatur von California
Faucets
∙ maßgefertigter Waschtisch
aus Schwarznuss
∙ Holzhocker von Lisa
Johansson-Pape aus den
1950er Jahren

Materialien:
∙ farbige Keramikfliesen von
Ann Sacks
∙ hexagonale Zementfliesen
(die durch das ganze
Haus laufen), maßgefertigt
von Aggregate Art
∙ Wandfarbe von Farrow & Ball

Fotos: Richard Petit; Gerhard Kellermann/Burgbad; Wästberg (2); Nimbus; aytmdesign; Iittala; Marset; Little Sun; Courtesy of Diabla; Keuco (2)

Das macht es besonders:


Was aussieht wie Pixel aus
dem Digitalzeitalter, geht zu-
rück auf einen Entwurf von
1918: Theo van Doesburg ge-
staltete so den Boden der
Villa De Vonk, nun umfließt
sein De Stijl-Muster die run-
de (!) Duschfläche in diesem
kalifornischen Cottage.

58
1 3
#picobello
2
E
s war ein Highlight der Badmesse
ISH in Frankrt: Designer Stefan
Diez stellte Waschtische (o.), Ablagen
und Duschabtrennungen der Serie
„rgb“ vor, die er für Burgbad entwor- 4
fen hat (burgbad.de ). Minimalistisch
und modern, weit und offen wirkt
Glas im Bad ja ohnehin; nun setzt es
8
dazu noch Farbakzente! Kalkspuren
und Shampoo-Schlieren düre „rgb“
allerdings ähnlich klar zur Geltung
bringen wie seine transparenten Kol-
legen. Im Grunde nicht weiter pro-
blematisch, denn leicht vermeidbar:
Getreu dem Prinzip „Vorsorge ist
die beste Pflege“ muss man nur die
Disziplin auringen, die Glaswän-
de nach jedem Duschen in gleich-
mäßigen Bahnen trocken zu wischen, 5
mit einem Tuch oder dem Gerät, das
auf Englisch schön lautmalerisch
squeegee heißt. Wenn es nur nicht
ähnlich unschön aussähe, wie es

7
auf Deutsch klingt – ein „Abzieher“,
der aus einer Autowaschanlage stam-
men könnte, zerstört zuverlässig jede 6
Illusion von Wellness-Oase. Da traf es
sich gut, dass auch die Firma Keuco
auf ebenjener ISH vertreten war. Sie
präsentierte: einen schlanken Wi-
Mobiles Outdoor-Licht
scher, der sich unsichtbar macht, in-
dem er sich magnetisch unter eine
Ablage der „Edition 90“ schmiegt (u., Freunde
keuco.com ). Eine saubere Lösung!
der Nacht
1 + 5 Hommage ans Feuer: Öllämpchen der Serie „Holocene“ von David Chipperfield
(aus Messing) und John Pawson (aus Edelstahl und Aluminium), 195 bzw. 349 Euro
wa s tb e r g .c o m 2 Wendig und flexibel: Nimbus' „Roxxane Fly“ ist magnetisch,
299 Euro c able le ss-light.c om 3 Kerzen-Kuppel: „Tota“ aus Glas, in vier Farbkom-
binationen, 60 Euro ay tm.dk 4 Viel Wind(-schutz) um ein kleines Teelicht: „Lan-
tern“ von Harri Koskinen, 85 Euro iit tala.c om 6 Hütchenspiel: Christophe Ma-
thieus Akku-Leuchte „Bicoca“ aus leichtem Polycarbonat, 182 Euro mar set.c om
7 Solarzellen laden Olar Eliassons „Lile Sun Diamond“, 30 Euro lit tle sun.com
8 Zehn Stunden leuchtet „Plisy“ nach dem Aufladen, 124 Euro diablaoutdo or.com

59
B
a
u
h
a
u
s

S
p
e
c
i
a
l

Fotos: Hans Georg Esch (4); (P)Leisure Industries, Mike Meiré; Santi Caleca; Tapetenfabrik Rasch; Junghans
Bauhaus 3.0
Mehr Bauhaus-Entwürfe als Tecta re-
ediert niemand. Zum Jubiläum wurden
einige Klassiker einer Frischekur unter-

Die Geschichte
zogen: Dank Katrin Greiling trägt der
Gropius-Sessel ganz oben links als „F51N“
jetzt Glanzlack und Raf Simons-Stoff,

geht weiter
2875 Euro. Ebenfalls noch aus Weimar
stammt Erich Brendels Teetisch g. o. re.,
den Tobias Groß weiter reduzierte („K10N“,
je nach Lackierung ab 1890 Euro). Peter
Kelers Sesselkubus oben rechts („D1N“,
Ob originalgetreu oder in neuem Gewand: ab 2698 Euro) erhielt ein neues Kolorit: au-
Diese Editionen feiern das Bauhaus. ßen dunkel, innen hell. Und Esther Wilson
versah Marcel Breuers Klappstuhl mit ge-
Text
stickten Streifen-Applikationen („D4N“,
Mona Bergers,
Reinhard Krause,
2980 Euro), die sie der Typografie des Bau-
Nina Luisa Vesic und haus-Manifests vom April 1919 entlehnte.
Friederike Weißbach te c ta.de, bauhausnowhaus.de

60
Es muss nicht immer schwarz sein
In Dessau hatten Industrieprodukte sachliche Namen, oft
genügten schlichte Ziffern. Aber hinter „90042“ verbirgt
sich etwas durchaus Poetisches: Marianne Brandts und Hel-
mut Schulzes „Sahne- und Zuckergarnitur“ von 1928.
Alessi produziert das Set in glänzendem Edelstahl, 229 Euro.
ale s si.com

„Mies van der Rohe“


Mike Meiré
für (P)Leisure Industries
T-Shirt, 60 Euro
pleisureindustr ies .com

Zeit ohne Zahl


Seine elegante Wanduhr
für Junghans entwarf
Max Bill 1956, kurz bevor
er die HfG Ulm verließ.
Im Jahr darauf reichte er
eine Variante mit Ziffern
nach. Aber braucht es
die wirklich? 315 Euro.
junghans.de

Wand als Modul


Die Tapetenfabrik Gebrü-
der Rasch in Bramsche
zählt zu den frühesten
Kooperationspartnern des
Bauhauses. Die Jubilä-
umskollektion „Bauhaus
Tapete Struktur + Farbe“
kombiniert 40 hochpräzi-
se Vlies-Oberflächen
(95 Euro/Rolle) mit 72
Farbtönen von Sikkens.
bauhaus tap e te.de

61
B
a
u Türdrücker „FSB 1021“ Auf dem Holzweg
h Wilhelm Wagenfeld
a Reedition von FSB Ferdinand Kramer ging 1919 ans Bauhaus. Und verließ es
Edelstahl
u nur Monate später wieder, weil er eine reguläre Archi-
145 Euro
s f s b.de tekturausbildung vermisste. Was hängen blieb, zeigt sein
Eichenstuhl „Karnak“ mit Leder für E15 (ab 1000 Euro),
hier mit Philipp Mainzers Tisch „Sloane“. MB
e1 5 .com

Plaid „Bauhaused 2“
Sophie Probst und Michele
Rondelli für Zigzagzurich
Neuseeländische Wolle
175 Euro
zigz agzur ic h.com

Balanceakt!
Einen Schwenk zum Bau-
Fotos: FSB; E15; Woka Lamps Vienna; Palaash Chaudhary; Zigzagzurich
haus macht die handgear-
beitete „AD 5“-Stehleuch-
te aus Messing von Woka,
2950 Euro. Der neu auf-
gelegte Entwurf von 1924
geht auf die Pariser Archi-
tektengemeinschaft De-
Nichts Halbes und nichts Ganzes? sign New York zurück. Ihr
Den Zentauren der Elementarlehre entwarf Soft-Geometry. gewichtiges Lichtobjekt
Halb im Rechteck, halb im Kreis schwingt sich pulver- spielt noch heute mit der
beschichteter Stahl beim „SW Coffee Table“ samt Ablage- klaren Formsprache des
flächen um die Ecken, Pardon, Kurven! 749 Dollar. deutschen Stilvorreiters.
sof t- ge ome tr y.com woka.com

62
B
a
u
Porzellanvasen „Halle“
h
im Rasch Tapeten-Dekor
a Marguerite Friedlaender-Wildenhain
u Reedition von KPM Berlin
s ab 128 Euro
kpm-berlin.com

Linientreu?
Nein, visionär verwob Anni Albers
Kunst und Handwerk! Kein Wunder
also, dass das New Yorker MoMA
ihr 1949 seine erste Textilausstellung
widmete. Eine Albers-Skizze (1925)
des Museums stand nun auch Pate für
Christopher Farrs „Smyrna Rug“. Aus
handgeknüpfter Wolle, 12 000 Euro.
chris topher farr.com

Klar linear
Meister der Reduktion: Auf massive Materialien und klare
Kanten setzt die dänische Möbelmarke Million. Und ent-
warf in bester Bauhaus-Manier die Serie „Mies“. Der Con-
ference Table besteht aus laminierter Eiche und Stahl, die
Bank aus Stahl und Kvadrat-Stoff, ab 3700 und 1250 Euro.
millioncph.com

Fotos: KPM Berlin; Christopher Farr; Courtesy of Knoll; Line Thit Klein

Derselbe in Grün
Forever young! ist der „Barcelona Chair“ seit sei-
ner Erfindung 1929. Zum Jubiläum legt Knoll
Mies van der Rohes Ikone jetzt als limitierte Bau-
haus-Edition von 365 Stück auf – für jeden Tag
des Jahres eines. Nummeriert, aus Rindsleder in
Grün, Schwarz und Elfenbein, 6700 Euro. NLV
knoll-int.com

64
#love of
Parkett
Lassen Sie sich von unseren einzigar tigen Parkett-Ausstellungen inspirieren
Wuppertal | Köln | Krefeld | Dortmund | Hamburg | www.parkett-dietrich.de

AUSSTELLU NGSRAUM im PAR KETTHAUS DORTMU N D - Musterboden Vienna Eiche Antico


B
a
Spanische Interpretation
u
h Der Textilverlag Güell Lamadrid
a ließ sich von Bauhausgründer
u Gropius zum gleichnamigen
s Stoff inspirieren. Klar, dass archi-
tektonische Muster den Samt-
Jacquard aus Viskose und Baum-
wolle schmücken, 73 Euro/m.
g -lamadrid.com

Bauer, Dame, König – Revolution!


Nicht sozialer Stand, sondern die Funktion im Spiel bestimmt das Aus-
sehen von Josef Hartwigs Schachfiguren (292 Euro) von 1923. So rin-
gen geometrische Formen aus Kugeln und Würfeln auf dem Ahorn- Dell oder nicht Dell?
brett (184 Euro) des Schweizer Spielzeugherstellers Naef um den Sieg. Nein, Brit-Design. Stich
nae f spiele.ch für Stich führt das Kabel
der „London“ vom Alu-
Schirm zum verchrom-
ten Sockel, 635 Euro.
originalb tc.com

Fotos: Güell Lamadrid; Original BTC; New Tendency; Heiko Hillig/Naef Spiele; The Josef and Anni Albers Foundation
Satztische „Nesting Tables“
Josef Albers
Reedition von Klein & More
Eiche, Buche, Glas
1795 Euro
k le i nu n d mo re.d e

My Bauhaus is better than yours


… hieß New Tendency einst. Dann wurde dem Berliner Studio die
Verwendung des Namens durch eine Baumarktkette untersagt.
Doch das Motto blieb und zeigt sich heute in den schlicht-schönen
Designs – wie dem kastigen Sofa „Standard“ aus Alu und Kvadrat-
bezogenen Polstern (auch in Schwarz und Grün), ab 3200 Euro. FW
new tendency.com

66
Frankfurt am Main . Baden Baden . 00 49 69 28 41 41 . friedrich.eu

#friedrichhautejollerie
B
a
Zeit im Fadenkreuz
u
h Hinter dem Label Wal­
a ter Gropius steckt der
u Designer Daniel Eltner,
s hinter dem Saphirglas
seiner Armbanduhren­
kollektionen ein Ziffer­
blatt, das von Eltners
Verehrung für Bauhaus
und Memphis zeugt.
Hier die Sonderedi­
tion „Crossway Deluxe“
zum 100. Bauhaus­
Geburtstag, 249 Euro.
waltergropius.de sign

Weiche Kurven
Zum Bauhaus­Jubiläum verordne­
te das Hamburger Designbüro Be­
sau Marguerre Mies van der Rohes
Sessel „S 533 F“ eine femininere
Optik – mit Gestellen aus Champa­
gner­ bzw. Perlglanzchrom und
roséfarbenem oder grauem Leder.
Je 100 Exemplare à 2284 Euro.
thone t .de

„Coco Table Lamp“


Arnau Reyna für
Almerich
Messing
Preis auf Anfrage
a l m e r i c h .co m
Fotos: Watchpeople; © Thonet; Almerich; Christiane Bernstiel

Klare Linie
Die Kontur seiner Kannen ist atemberaubend. Otto Lindig
entwarf sie in den 20ern in Dornburg (600 bzw. 900 Euro);
die Mokkakanne links (600 Euro) entstand 1958 in Hamburg.
Seine Tochter Christiane Bernstiel fertigt mit den originalen
Gießformen noch heute fünf Kannen pro Jahr – maximal. RK
chris tiane -b erns tiel.com

68
STUHL GAIA
Design Monica Armani

TISCH NIGHTINGALE
B
a
In neuem Takt
u
h Bethan Laura Wood gibt dem Gropius-Service
a „TAC“ Rhythm, so der Name des Dekors zwischen
u Webkunst und Suprematismus. Kanne 249 Euro.
s rosenthal.de

Archäologie der Moderne


So manche Designentwicklung wird von der Geschichte verschüttet.
Pamono hilft, sie wieder auszugraben. Das Stahlrohrbüro o. stammt
aus Ungarn und ist eins der aktuellen Vintage-Highlights auf dem On-
linemarktplatz. Mit zwei Stühlen und einem Standascher 8120 Euro.
pamono.de

Fotos: Pamono & Möbelkunst; Rosenthal; Werner Huthmacher, Stiftung Bauhaus Dessau; Berker; Manufactum
„Geschirrtuch Bauhaus“
Anna Teuber und Franzi
Kohlhoff für Schlitzer
Leinen-Industrie Driessen
2er-Set 38 Euro, über
m a nu fa c t u m .d e

Konzentration auf das Wesentliche


Auch Berker wurde vor 100 Jahren gegründet – und ließ im
Bauhaus Dessau rechts das Licht angehen. 1919 kam er auf den
Markt: ein schwarzer Lichtschalter auf weißem Rahmen, mini-
malistisch, Zeichen setzend. Der Hersteller aus Schalksmühle
steht seither für architektonisch straffe Schalterprogramme, zu
denen längst „intelligente“ Steuerungslösungen fürs ganze
Haus gehören. Desto erfreulicher, dass eine Serie wie „Glas“ mit
dem ikonischen Drehschalter aus Duroplast weiterhin produ-
ziert wird. An / aus – und basta! Lichtschalter o. ca. 71 Euro. RK
hager.de/ b erker

70
tHe turn of a friendly deSign
new mileS aHead collection
by SebaStian Herkner for wittmann

foto: gregor titze

Sessel MERWYN LOUNGE und MERWYN SIDE TABLE LOW von Sebastian Herkner. www.wittmann.at
B
a
u
h
a
u
s

K
u Moderne
zum
l
t
h
a

Anfassen
u
s

Text
Andreas Kühnlein
Fotos
Siegfried G. Koezle

Mit dem Bauhaus leben: ein Besuch im Haus Auerbach, Gropius’


konsequent im Stil des Neuen Bauens gedachtem Jenaer Wohnhaus.

72
seum. Aber Bauhaus zum Leben, das können sich nur
wenige vorstellen. Zu fest verankert das Bild von wei-
ßen Kisten, kalten Räumen, verkopfter Strenge auf
Kosten jener „Gemütlichkeit“, die die Moderne den
Menschen um jeden Preis auszutreiben suchte. Oder?
Wenn man mit Happe und Fischer durch die Räume
geht, fühlt sich Bauhaus plötzlich ganz anders an. „Gu-
cken Sie mal hier, das Einbauregal, das ist der Hit“, sagt
die Hausherrin, und Schuhe stehen bei ihr dank Gro-
pius’ schlau integrierter Schränke auch nicht herum.
Leer oder unwohnlich aber wirkt das Haus nicht, auch
wenn Barbara Happe den Sammeltrieb mancher Leute,
die jeden Raum zum Setzkasten machen, nicht so recht
nachvollziehen kann. Das immerhin ist für das Leben

B
im Bauhaus keine schlechte Voraussetzung.
arbara Happe und Martin S. Fischer sind freundliche Gebaut hatte Walter Gropius das Haus für das jüdi-
Gastgeber und routinierte Führer, und wenn sie über sche Intellektuellenpaar Anna und Felix Auerbach. Die
ihr Bauhaus sprechen, klingt das beinahe ganz normal. Auftraggeber, beide bereits in ihren 60ern, wollten
Nicht weil sie es nicht zu schätzen wüssten; auch nicht einen Alterssitz in dem kleinen Villenviertel im Jenaer
weil sie sich nach 25 Jahren allzu sehr daran gewöhnt Westen, aber auch ein selbstbewusstes Zeichen setzen
hätten. Sondern weil sie die Frage nicht verstehen, die für eine neue Zeit. 1924, nur ein Jahr bevor das Bau-
ihnen so ziemlich jeder als Allererstes stellt: Wie das haus von den erstarkenden Nationalsozialisten aus
denn so sei, das Leben im Bauhaus, und wie sie sich seiner Gründungsstadt Weimar vertrieben wurde, eine
mit ihrem Haus arrangieren würden. „Arrangieren?“ mutige Geste, erst recht zwischen all den Jugendstil-
Barbara Happe runzelt die Stirn. „Wieso denn arran- villen drumherum. Haus Auerbach wirkt hier bis heu-
gieren? Das hier war 1924 ein wunderbares Haus für te wie ein gestalterischer Paukenschlag, Gropius’ erstes
moderne Menschen, und es ist immer noch eines.“ Und konsequent im Stil des Neuen Bauens geplantes Wohn-
es steckt voller Details, die heute nicht weniger genial gebäude, vom ein Jahr zuvor entstandenen Haus am
wirken als vor einem knappen Jahrhundert. „Das Bau- Horn in Weimar abgesehen. Dabei interessierte ihn
haus“, sagt Fischer, „ist nicht anstrengend. Für uns ist nicht allein die Schönheit des Entwurfs. Sein bis heu-
es die große Befreiung, als die es gedacht war!“ te aktueller Anspruch war, aus wenig mehr zu machen:
Es wird so einiges geschrieben werden über dieses Haus Auerbach ist aus Schlacke, zu sogenannten Jurko-
Haus in diesem Jahr, und tatsächlich hat es eine Menge Steinen geformten Koksrückständen. Als Geländer die-
zu erzählen. Bauhaus, das kennen die meisten 100 Jah- nen lackierte Wasserrohre, die Schränke sind aus billi-
re nach der Gründung als Idee, vielleicht auch als Mu- ger Fichte. „Teuer bauen“, sagt Fischer, „kann jeder.“
Außenaufnahme: Hans-Christian Schink; Porträt: Van Gogh Museum, Amsterdam

Re.: Der dominan­


te rechte Turm ist
bloße Servicefläche:
Küche, Bad, Trep­
penhaus, Waschkü­
che. Zum Wohnen
begnügten sich An­
na und Felix Auer­
bach (o. im Porträt
von Edvard Munch)
mit dem kleineren
Teil, der sich in den
Garten öffnet. Li.
Seite: Die kräftigen
Farben im Inneren
entsprechen ganz
dem Originalplan
von Alfred Arndt.

73
B
a
Gropius’ Einbau­
u
schränke sind „der
h Hit“, sagt Barbara
a Happe – praktisch
u und wie li. in der
s Küche bis heute be­
stimmungsgemäß
K in Gebrauch. Eigens
u für das einstige
l Musik­ und heutige
Wohnzimmer u.
t
entwarf Frank Stel­
h
la einen Wand­
a teppich (gewebt
u von Barbara Müller),
s die Möbel sind
von Mies van der
Rohe, Bertoia
und Yves Klein.

Mar tin S . Fischer

„Was könnte schöner sein als


ein Haus, das einen zum
Denken anregt und ein Leben
lang zum Lernen bringt?“

74
Das aus zwei ineinandergeschobenen Quadern zusam- Eingerichtet ist es mit Respekt vor der Historie, aber
mengesetzte Haus mit leicht aus dem Zentrum ver- ohne sklavischen Gehorsam. Die Möbel, alles Klassiker
rückter Mittelachse erschließt sich erst, wenn man der Designmoderne, haben die beiden über Jahre ange-
herumgeht. Nach Norden, zur Straße hin, gibt es sich sammelt, die Küche ist neu, das Bad zeitgemäß. Leben
verschlossen, nur ein schmales Fensterband und der mit dem Bauhaus kann ganz einfach sein, und große
Eingang durchbrechen die subtil reliefierte Fassade. Umbauten waren hier nie nötig. „Wenn ich mir ein
Ähnlich die Ansicht von Westen; erst nach Südosten Kostüm von Lagerfeld kaufe“, sagt Happe, „mach ich ja
öffnet sich der weiße Bau mit großflächigen Fenstern auch keine größeren Knöpfe dran, weil ich die schicker
und dem Wintergarten zur Sonne, zum Licht und ins finde.“ Dass aus Haus Auerbach trotzdem auch ein
Grüne. 1994, als Happe und Fischer das damals unbe- Haus Happe-Fischer wurde, liegt am Leben, mit dem
wohnte Haus kauften, sah das noch ganz anders aus: die beiden ihr Lebenswerk füllen. Mit ihrem Haus hat-
der Garten verwildert, das Haus hinter braun verfärb- ten sie wohl einfach Glück. Und dieses mit ihnen.
ten Fassaden nicht minder. Dem Garten rückten die
Den wild gemuster-
Kulturwissenschaftlerin und der Zoologe aus Tübingen ten Teppich von
mit Motorsägen und dem Weimarer Landschaftsarchi- Gertrud Arndt im
tekten Michael Dane zu Leibe, dem Haus mit gesundem Schlafzimmer oben
Menschenverstand und zupackendem Sinn. Was nicht gibt es heute bei
hineingehörte, flog raus, die beiden Kachelöfen etwa. Vorwerk. Intensive
Kontraste begleiten
Hinein kamen neue Fenster, neuer Putz und Stück für Besucher vom Erd-
Stück die alte Farbe. 37 pastellige Töne, die man der geschoss li. hinauf
kühlen Moderne gar nicht zutrauen mag, hatte Bau- in die erste Etage.
hausschüler Alfred Arndt im Inneren vorgesehen, eine Vor der Restaurie-
eigene Struktur im Raum, von der so wenig übrig war, rung war hier alles
beige und braun.
dass man ganz an der Umsetzung seines Farbplans Die Geschichte ih-
zweifelte. Die Hausherren bewiesen das Gegenteil, stu- res Bauhauses er-
dierten Biografien, Briefe, überlieferte Pläne. Und be- zählen die heutigen
gannen, an den Wänden zu kratzen. Tatsächlich kamen Bewohner reich be-
unter Stockflecken und Tapeten Reste zum Vorschein, bildert in „Haus Au-
erbach von Walter
die zum Arndt-Entwurf passten. Heute erstrahlt das Gropius mit Adolf
Haus wieder in den exakt befundeten Originalfarben, Meyer“, 136 Seiten,
in Zitronengelb, Aquamarin und Caput mortuum. 39,90 Euro, jovis.de

75
B
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h
Der Friese
a
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aus der
s Metallwerkstatt
E
n Es gibt nichts mehr zu
t
d entdecken in Sachen
e Bauhaus? Der Nachlass
c
k von Hin Bredendieck
u beweist das Gegenteil.
n
g

Text
Reinhard Krause Den Schichtholzstuhl von Hin Bredendieck
(oben in Dessau, 1928) und Nathan Lerner
gab’s ab 1949 als Bausatz per Mailorder; die
Kandem-Nachttischlampe oben links ent-

A
warf der Gestalter 1928–29 mit Marianne
Brandt. Unten links sein Entwurf einer
ls das Landesmuseum Oldenburg vor acht Jahren mit
Leuchtenreklame für BAG Turgi, ca. 1932.
einer Ausstellung zum Avantgarde-Design der Zwi-
schenkriegszeit verblüffte, das der Gründungsdirektor
Walter Müller-Wulckow ab 1921 erworben hatte, war
er nur eine Fußnote der Designgeschichte: Hin Bre-

Fotos: Sammlungen Zweck & Form; John R. Glembin/Milwaukee Art Museum; Landesmuseum Oldenburg, Hin Bredendieck-Archiv; Porträt: Sammlung Freese
dendieck, 1904 in Aurich, Ostfriesland, geboren, Bau-
hausschüler von 1927 bis zum Diplom 1930, in die USA
emigriert und 1995 in Roswell, Georgia, gestorben.
Viel mehr war über ihn nicht bekannt. Heute befindet
sich sein Nachlass in Oldenburg und bildet den
Schwerpunkt einer erneut Staunen machenden Schau,
„Zwischen Utopie und Anpassung. Das Bauhaus in Ol-
denburg“. Die Zeichnungen, Entwurfsskizzen, Colla-
gen, Fotografien und Briefe spannen einen weiten Bo-
gen von der Ausbildung am Bauhaus über Bredendiecks
Zeit als Industriedesigner in der Schweiz und Deutsch-
land bis hin zu seiner Lehrtätigkeit am New Bauhaus
in Chicago und schließlich am Georgia Institute of
Technology in Atlanta. „Wir erleben Bredendieck als
ruhelosen Gestalter, der immer neue Herausforderun-
gen für sich entdeckte“, sagt Rainer Stamm, der Direk-
tor des Landesmuseums. „In nahezu allen Bereichen
suchte er nach innovativen Lösungen, von den Vor- Schwoon und Hin Bredendieck fahndeten. Die Spur
kurs-Aufgaben über Typografie bis hin zur Licht- und des Letzteren führte nach Irland zu dessen Enkelin
modernen Produktgestaltung. Zudem erweist er sich und Erbin. Ob Bredendieck das letzte große Puzzle-
als leidenschaftlicher Pädagoge, der sich jahrzehnte- stück der Bauhaus-Saga sein wird? Gloria Köpnick, die
lang mit der Frage auseinandersetzte, welche Ansätze Kuratorin der Ausstellung, ist überzeugt: „Durch die
der Bauhaus-Lehre noch aktuell sind.“ Aufmerksamkeit zum 100. Bauhaus-Jubiläum wird si-
Die insgesamt 4000 Blatt sind eine Entdeckung – cher noch das eine oder andere entdeckt. Der Breden-
zumal in einer Zeit, da man meint, die Bauhaus- dieck-Fund dürfte aber aufgrund seiner hohen Qualität
Geschichte sei nun wirklich zu Ende erforscht. Der ein einmaliger später Glücksfall sein.“ Die Bauhaus-In-
Coup gelang, weil die Oldenburger 2017 ein Sympo- stitutionen in Berlin und Dessau hatten übrigens ab-
sium abhielten zur Geschichte der Bauhäusler aus der gewunken, als Bredendieck als alter Mann selbst noch
nordwestdeutschen Provinz – und nach den Nachfah- versuchte, seine Dokumente ins Museum zu geben.
ren von Hans Martin Fricke, Hermann Gautel, Karl 2 7.4 . bis 4 . 8 ., lande smuseum - ol.de

76
B
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h Geschichten
a
u zum Geburtstag
s
Was schenken wir dem
B
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Bauhaus? Bücher! Über
c Freundschaften, Erfolge
h und verflossene Lieben.
e
r
Redaktion
Oliver Jahn und Florian Siebeck

Großes im Sinn
Der Campus der Universität Ife in Nigeria o. war Arieh Sharons wichtigstes Projekt:
Über zweieinhalb Jahrzehnte verquickte das Büro des Bauhaus-Absolventen Inter-
nationalen Stil mit nigerianischer Kultur, gegen alle Unbilden der extremen klimati-
schen Bedingungen. Nur eines der Beispiele für die globale Wirkkraft des Bau-

Fotos: Scheidegger & Spiess; Arieh Sharon Digital Archive, die Yael Aloni-Kollektion; Berenberg; Distanz; Arnoldsche; Wienand Verlag; Hirmer Verlag
haus, die das Begleitbuch zur Wanderausstellung des Jubiläumsjahres versammelt.
S cheide gger & Spie s s, 31 2 S ., 5 8 Euro.

Stiftung Schloss Friedenstein Gotha (Hg.)

DAS BAUHAUS
UND DER WEG
IN DIE MODERNE

Frauen im Schatten Bauhaus im Bild Zukunft im Rückblick Reduktion im Prinzip Häuser im Licht
Walter Gropius lebte in Fotograf Stefan Berg Als Maler, Grafiker und Das Bauhaus entstand Als junge Architekten
freizügigen Verhältnis- versucht, das Bauhaus Bildhauer, aber auch nicht aus dem Nichts. im Dritten Reich aus
sen, erwartete von sei- durch eine zeitgenös- als Bühnenbildner und Die Frage, ob Gestalter Deutschland nach Tel
nen Frauen aber unein- sische Bildsprache „gra- Choreograph hatte sich dem Handwerk Aviv flohen, entwickel-
geschränkte Hingabe. fisch und gestalterisch Oskar Schlemmer die oder der Industrie an- te sich die Stadt zur
Ursula Muscheler skiz- erfahrbar zu machen“ – Zukunft immer im Blick. dienen sollten, wurde Bauhaus-Kapitale. Yi-
ziert seine antiquier- und dem Leser so die Dieser Band zeigt, wie schon viel früher ge- gal Gawze porträtiert
te Beziehung zu „fünf Möglichkeit zu geben, modern seine Idee vom stellt. Auch dieser Ka- die „weiße Stadt“, de-
talentierten Frauen die Denkschule mit technischen Fortschritt talog erörtert sie: Ist ren Internationaler Stil
um ihn herum“. B eren ­ neuen Augen zu sehen. noch heute ist. Arnold­ Design Kunst? W ie ­ längst weltberühmt ist.
b erg, 1 6 0 S ., 24 Euro. Dis tanz , 1 2 8 S ., 2 5 Euro. sche, 9 6 S ., 24 Euro. nand, 3 6 8 S ., 4 5 Euro. Hirmer, 1 2 0 S ., 4 5 Euro.

78
B
a
u
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B
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r

Fragen im Kopf
Wie feiert man ein Bauhaus-Fest? Was verkaufte
sich am besten? (Tipp: Die Stahlrohrsessel sind es
nicht.) Und wieso eigentlich Dessau? Die ehemalige
Bauhaus-Mitarbeiterin Gesine Bahr gibt, liebevoll
illustriert von der Künstlerin Halina Kirschner, poin-
tierte Antworten auf 50 Fragen rund ums Bauhaus –
und schafft damit eines der eingängigsten wie
vergnüglichsten Standardwerke zum 100. Jubiläum.
S e emann Henschel, 1 9 2 S ., 1 9, 9 5 Euro.
Die begleitenden Ausstellungen unter admagazin.de/bücher

Bauhaus

Fotos: Halina Kirschner (2); E.A. Seemann; Taschen; Hirmer Verlag; Arnoldsche; Dom Publishers; Knesebeck
Sachsen

Bauhaus
Saxony

GRASSI Museum
für Angewande Kunst
Leipzig

GRASSI Museum
of Applied Arts
Leipzig

arnoldsche

Klassiker im Regal Künstler im Buche Bauhaus im Freistaat Freunde im Geiste Frauen im Fokus
Der Bauhaus-Band Er war 25, als Henry 592 Seiten stark ist die- Als langjähriger Leiter Sie hießen Otti Berger,
von Magdalena Droste van de Velde ihn an ser Band, in dem 40 der Albers Foundation Gunta Stölzl oder Kar-
für Taschen ist selbst die Kunstgewerbeschu- Autoren untersuchen, verbrachte Nicholas la Grosch. Obwohl am
eine Institution – und le in Weimar berief. mit welcher Kraft das Fox Weber viel Zeit mit Bauhaus nicht zwi-
hilft interessierten Danach stieg Otto Bauhaus Sachsen bis Anni und Josef Albers. schen „schönem und
Laien auch 28 Jahre Dorfner zu einem der heute prägt. Er ist zu- Die Geschichten, die starkem Geschlecht“
nach seiner Erstauflage bedeutendsten Buch- gleich ein Reiseführer, sie ihm erzählten, hat unterschieden werden
noch, sich einen Über- künstler des 20. Jahr- der alle Museen und er jetzt in einer reizvol- sollte, blieben die Na-
blick über diese Epo- hunderts auf – auch öffentlichen Sammlun- len Gruppenbiografie men vieler Frauen ver-
che zu verschaffen. Ta- für Bauhäusler. Hir mer, gen umfasst. A rn o l d - verarbeitet. D om Publi- borgen – bis jetzt. Kne -
schen, 4 0 0 S ., 4 0 Euro. 11 2 S ., 9, 9 0 Euro. sche, 5 9 2 S ., 4 8 Euro. sher s, 5 4 4 S ., 4 8 Euro. seb e ck, 1 9 2 S ., 3 5 Euro.

80
Ein Meisterstück innovativer Frische-Technologie.
6 Temperaturzonen für die perfekte Lagerung Ihrer Lebensmittel. Und extralangen Genuss.

Qualität, Design und Innovation

biofresh.liebherr.com
B
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Im Stil
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S
De Stijl
t Auf verspielte Weise
i
j streng: das Jubiläum
l der niederländischen
Künstlergruppe und
sein Einfluss aufs Design.

D
er niederländische Funktionalismus ist äl-
ter als der deutsche: De Stijl wurde 1917
gegründet, zwei Jahre vor dem Bauhaus.
Vielleicht liegt es am bereits zurückliegen-
den Zentenarium der Künstlergruppe, dass

Fotos: Richard Hamilton, Putting on de Stijl, 1979, versteigert für £ 3,750 bei Phillips am 7.6.2018, London, Image courtesy of Phillips; Zaven; Hayo Gebauer; Genevieve Lutkin; Magniberg
sich derzeit weltweit so viele Designer auf
die strenge Linearität von De Stijl berufen.
Richard Hamilton zeigte sich schon 1979
als Fan und vereinte in seiner Print-Edition
„Putting on de Stijl“ (oben) zwei Rietveld-
Ikonen: eine Variante des „Rot-blauen
Stuhls“ und den „Zickzackstuhl“. Auch heu-
te wieder führt der Primat des Konstrukti-
onsgedankens über den Komfort zu kühnen
Entwürfen wie dem totemartigen „Horse“
(links). Welche Folgen das Jubiläum des im
Vergleich geradezu ergonomischen Bau-
haus wohl noch zeitigen wird? RK

In Mexiko erwuchs aus


Rietvelds Holmprin­
zip das Regal „Trama“
(li., 9628 Euro) von
Esrawe Studio. Darü-
ber Magnibergs Thron
„Horse“ aus schwedi­
scher Kiefer (1600 Eu­
ro), o. rechts Tisch­
chen „#4“ (1500 Euro)
aus Zavens Serie
„www“. Hayo Gebau­
ers Glastisch­Prototyp
„Align“ re. spielt mit
dem rechten Winkel.

82
VIA Riffel Platten
Artikel N° 51041/170 mit Einleger

Das Druckwasserwerk
in Frankfurt am Main von
1899 bietet ein außerge-
wöhnliches Ambiente aus
Kultur, Kunst und Kulinarik.
Der Boden ist ein
prägendes Gestaltungs-
element.

VIA PROJEKT N° 10

Individuell
VIA hat die
Platten gemäß
der historischen
Vorlage gefertigt.

Die Bühne des Lebens –


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HIERONYMUS-CP.COM
Architektur Projekt und Radar
Foto: William Rojas for Chile Sotheby’s International Realty

Klötzchenspiel mit Aussicht


Drei Betonblöcke hat Pritzker-Preisträger Alejandro Aravena an Chiles Küste zu einem einzigartigen Ferienhaus gestapelt. Innen sind
die vermeintlichen Monolithen hohl und gen Meer mit großzügigen Fenstern versehen – unten wohnt man, im großen Turm verber-
gen sich Schlafzimmer und Bad, der niedrigere dient einer Feuerstelle als Schornstein. Viel Luxus gibt es nicht; hier zu wohnen soll
eine elementare Erfahrung sein. Entstanden ist der Bau im Rahmen des „Ochoalcubo“-Projekts, auf chilesir.com steht er zum Verkauf.
elementalchile.cl, o choalcub o.cl

Redak tion Andreas Kühnlein

85
Tex t Andreas Kühnlein

Vom Nützlichen
und Schönen
Londons hippstes Architekturkollektiv erschließt
ein altes Schwimmbad für die Kunst:
das Goldsmiths Centre for Contemporary Art.
Architektur
Projekt

P
raktische Schönheit – die Studenten des
Goldsmiths, der Kunstfakultät an der Uni-
versity of London, haben dafür seit Kurzem
ein neues Anschauungsobjekt, gleich ne-
ben ihrem Campus: die neuen Galerieräu-
me des Goldsmiths Centre for Contempo-
rary Art, spektakulär eingeschrieben in ein
einstiges Badehaus vom Londoner Archi-
tekturkollektiv Assemble.
Gegründet wurde das Goldsmiths 1891
von der Gilde der Worshipful Company of
Goldsmiths, nur ein paar Jahre vor dem Bau
der benachbarten Badeanstalt. Früher tra-
fen sich in dem Backsteinbau von Thomas
Dinwiddy Studenten der Kunstakademie
mit den Anwohnern von New Cross zur
Körperpflege. Heute riecht es hier nicht
mehr nach Chlor und Seife, sondern nach
Acrylfarbe und Terpentin, und an die Stelle
der Hygieneanstalt ist ein Zentrum für ak-
tuelle Kunst – deren Produktion wie Aus-
stellung und Präsentation – getreten. Eins
ist geblieben: Heute wie einst soll das Haus
ein Ort der Begegnung sein und einer, der
allen offensteht, Künstlern und Studenten,
Anwohnern und Besuchern. Die jungen
Gestalter von Assemble sind in solchen
Dingen geübt, immer wieder arbeitet die
Architektengruppe mit den Leuten vor Ort
zusammen und in gemeinnützigem Geist.
Volksbäder wie das Laurie Grove waren
gemeinsam mit den Bildungsanstalten der
Zeit um die Jahrhundertwende – vor allem

Allerlei Farb- und Materialstudien (u. li.), unzählige Prototypen und großformatige Modelle (li. Seite) begleiteten die Arbeit von Assem-
ble in den einstigen Laurie Grove Baths. Die aufgesetzte, mit petrolgrünen Faserbeton-Paneelen verkleidete Blechbox oben erweitert
den Bau um einen weiteren Ausstellungsraum. Die meisten Wände im historischen Teil (u. re.) blieben mehr oder weniger unbehandelt.
Fotos: Assemble

87
Architektur
Projekt

Schulen und öffentlichen Bibliotheken – Mit Assemble, die aus einem 2014 ausge-
Ausdruck eines neu erwachten oder doch schriebenen Wettbewerb als Sieger hervor-
wenigstens intensivierten Interesses für gingen (und ein Jahr später trotz noch recht
die Bedürfnisse der einfachen Bürger. Und überschaubarem Œuvre bereits mit dem
auch in seiner neuen Funktion liegt noch Turner-Preis ausgezeichnet wurden), be-
die philanthropische Geste, selbst wenn auftragte das College eines der angesagtes-
diesmal die Universität, private Geldgeber ten Büros der Hauptstadt. Wobei Büro wohl
und eine Christie’s-Auktion mit Werken das falsche Wort ist: Die 20 Partner bilden
von Goldsmiths-Alumni dahinterstehen. eher einen lockeren Verbund unterschied-

Die Farb- und Materialpalette greift historische Details auf und fügt radikale
Kontraste wie die goldfarbenen Stahlträger u. hinzu. Daneben blieben Teile
der Originalausstattung wie die wuchtigen Eisenrohre erhalten. Die Geschich-
te der öffentlichen Badeanstalt schrieben die Architekten so sichtbar fort.

Assemble
Architekten, London

Mit dem eigenhändig realisierten Cine-


roleum, einer zum Kino umgebauten
alten Tankstelle, gründete sich das heute
20-köpfige Architektenkollektiv 2010.
Für das Goldsmiths Centre for Contem-
porary Art waren Paloma Strelitz und
Adam Willis (oben) hauptverantwortlich.
as semble s tudio.co.uk

licher Disziplinen, der an der Schwelle von


Architektur, Kunst, Design und tatsächli-
chem Handwerk arbeitet. In Bermondsey
haben sie ihren Hauptsitz und ihre Werk-
statt, die in diesem Fall wirklich eine ist: In
den Sugarhouse Studios entstehen nicht
nur Ideen, Pläne und Modelle, sondern vor
allem Prototypen, Bauteile, Studien; etwa
für eine neue Fliesenserie, die das Team
gerade gemeinsam mit dem Granby Work-
shop, selbst eine Erfindung von Assemble,
auf den Markt bringt. An ihren Projekten
arbeiten die Gestalter stets zu zweit; nicht
bloß, weil sich so die Verantwortung auf
mehrere Schultern verteilt, sondern auch,
weil „assemble“ von „versammeln“ kommt
Fotos: Assemble; Porträt: Ivan Jones

und Dialog für ihre Arbeit so wichtig ist


wie nichts sonst. Im Fall des Goldsmiths
CCA sind es Paloma Strelitz und Adam
Willis, die den Umbau leiteten.
Mit den heute denkmalgeschützten Lau-
rie Grove Baths bot die Stadt London einst
ihren weniger betuchten Bürgern Zugang

88
zu jenen sanitären Einrichtungen, die vie­
len Wohnungen der Zeit fehlten. Entspre­
chend funktional war der Bau geplant:
Stählerne Tanks ruhten auf Backstein­
sockeln, es gab Waschräume mit heißem
Wasser, Wäschekammern und Badehallen
mit türkis gefliesten Becken. Die alten Bas­
sins, unterteilt in kleine Studios, nutzt das
College schon seit den Neunzigern als Ate­
liers für seine Studenten. Assembles Auf­
trag richtete sich auf die einstigen Neben­
räume: Aus Pumpen­ und Waschräumen,
vor allem aber aus den alten Wassertanks
wurden Ausstellungsflächen, in die das
Goldsmiths externe Künstler einlädt, als
Inspiration für die Studenten wie die Nach­
barschaft. Assemble entschied sich, den
industriell­rauen Charakter der Räume zu
erhalten, und ließ rohe Wände unverputzt,
Leitungen und mächtige Rohre sichtbar,
den rostigen Stahl in den alten Wasser­
speichern unbehandelt. Der Bau sei kein
Schmuckstück, meint Willis, und auch
nicht als solches zu behandeln. Aus den
Tanks wurden so höhlenartige Räume, ein­
drucksvolle und mit der Patina der eigenen
Geschichte aufgeladene Gegenstücke zum
White Cube. Der weitreichendste Eingriff
in die Raumstruktur ist ein über zwei Eta­
gen geöffneter Raum im Zentrum. Er ist
auch für großformatige Installationen ge­

Adam W illis

„Wir wollen Künstler wie Besucher


mit einem großen Spektrum
unterschiedlicher Raumqualitäten
herausfordern.“

Den filigranen und doch robusten Stahlblechstuhl li. (hier in einem der histori-
schen Wassertanks) entwarfen die Assemble-Architekten eigens für das Muse-
umscafé; produziert wird er bei c ake in du s trie s .c o.uk . Das Herz des Gebäu-
des o. öffnete das Team über zwei Etagen – genug Platz für Kunst von Format.

eignet und stellt das Herz des Ge­ aus gewelltem Faserbeton für die Fas­
bäudes dar, um das sich die übrigen sade, wie man sie sonst von billi­
Galerieräume reihen. Intensiv setzten gen Scheunendächern kennt. Und ein
Strelitz und Willis sich mit der Ma­ Stuhl aus nur 1,5 Millimeter dünnem,
terialität des alten Baus auseinander, zinkoxidiertem Stahlblech fürs Muse­
mit Fliesen, Rohren, Mauerwerk. Und umscafé, äußerst praktisch und von
entwickelten die Palette fort: In ih­ irisierendem Schillern, der das Ganze
ren Werkstätten entstanden eigens für im Kleinen zusammenfasst: schlichte
den Umbau ockerfarbene Fliesen aus Mittel, DIY­Ästhetik, aber ein Meister­
Faserzement und petrolgrüne Paneele werk des Schönen im Einfachen.

89
Architektur
Radar

Durchblick und
Fernsicht
Mit diesen Tür- und Fensterlösungen macht das Rausgucken
ebensolche Freude wie das Reinkommen.

Tex t Andreas Kühnlein

1 Fensterfarben
1 Würdige Rahmen: 63 lizenzierte Originaltöne aus der
Klaviatur von Meister Le Corbusier persönlich bie-
tet Heroal für seine Fenster und Türen an und setzt
damit stilsichere Akzente an und auf jeder Fassade.
heroal.de

2 Drinnen, draußen – einerlei


Faltfenster von Solarlux sind echte Schwergewichte
und entsprechend einbruchssicher, bewegen aber
lassen sie sich per Fingertippen. Und öffnen Räume
auf ganzer Breite ins Freie, beinahe schwellenlos.
solarlux.de

Smarter Zugang

Zwiegespräch Guck mal, wer da schellt: Wer nicht bei Kabellos und hoch aufgelöst: „View“ von
jedem Gast aufs Smartphone sehen will, August informiert bald per Smartphone
an der Klingel dem sei Busch-Jaegers neues „Welcome- und Livebild über Besucher – egal wo
Panel“ mit Touchscreen empfohlen. Das ist man sich gerade aufhält. Per Wechselcover
auch immer genau da, wo Sie es vermuten. lässt sich die Klingel individuell anpassen.
busch -jae ger.de augus t .com

90
4 Sanfter schwingen
Fast schwerelos und beinahe eine kinetische Skulptur:
Die Pivottüren von Sky-Frame schwingen spielend leicht
um ihren versetzten Drehpunkt – besonders sicher
sind sie dank Mehrpunktverriegelung trotzdem, auch
wenn man das dem filigranen Rahmen kaum ansieht.
s k y-f r a m e.c o m (In s t a lla ti o n u . a . dur c h r o t h m e t a ll.d e)
3
5 Raumwunder
Käuferles „HT“-Kipptore gibt es in diversen Oberflächen
3 Weitsichtiger Leisetreter und Farben und beinahe unbegrenzten Individuali-
Das deckenhohe Panorama mag beeindrucken, ist aber nur die sierungsoptionen. Allen gemeinsam ist die horizontale
halbe Geschichte – die Sensation liegt links: Schüco hat für seine Teilung: So schwenkt das Garagentor weit weniger
Fenster ein Lüftungsmodul mit aktivem Noise-Cancelling entwi- raumgreifend nur nach innen aus – damit sind auch un-
ckelt, das auch in der Hauptverkehrszeit für eine leise Brise sorgt. vorsichtig nah geparkte Gefährte künftig in Sicherheit.
schue co.com kaeuferle.de

5
Fotos: Heroal; GJ Vlekke / Solarlux; Schüco; Sky-Frame; Sven Rahm und Michael Ingenweyen / Käuferle; Busch-Jaeger; August; Netvue; FSB; Ring

KI-gesteuert, meldet Netvues „Belle“ nicht FSBs neuste Türöffner lesen – farbige Licht- Die „Door View Cam“ (demnächst verfüg-
bloß Besucher, sondern erkennt auch, blitze: Den Zugangscode kann man bar) ist der Neuzugang im Klingelsorti-
wer da um Einlass biet. Bekannte begrüßt Gästen einfach aufs Mobiltelefon schicken, ment von Ring: Sie ersetzt den handelsüb-
die smarte Außenstation sogar mit Na- zum Öffnen spielen diese eine Sequenz lichen Türspion, hat neben dem Guckloch
men, alles Weitere läu dann ferngesteuert. von farbigen Screens ab. Eintri frei! eine Kamera und ist Alexa-kompatibel.
net vue.com f sb.de ring.com

91
Architektur
Radar

Nachverdichtung
Nur 20 Meter breit war die Baulücke im
Münchner Glockenbachviertel, die Kandler-
undmack mit der schmalen Häuserzeile u.
füllten. Unter schimmernden Kupferblech-
schindeln liegen Fertigteile aus Holz, die
rhythmisch versetzten Obergeschosse ver-
hindern, dass der Block gar zu eng wirkt.
kandlerundmack.de

Unterm
Blätterdach
Kentaro Ishidas Wochenendhaus
Four Leaves oben gleicht sacht
zu Boden segelndem Herbstlaub
und fügt sich organisch in die
lichten Wälder von Karuizawa
im japanischen Nagano ein. Im
Innern entfalten sich unter den
leicht in sich verdrehten Dach-
schrägen fließende Räume (links).
Das Zentrum bildet ein kleiner
Innenhof, in dem das künstliche
Bläerdach den Blick in die
grünen Baumkronen freigibt.
kias.co.jp

Bewegungsmelder

Allsehende Augen

Fotos: Norihito Yamauchi (2); Sascha Kletzsch (2); José Hevia (2); Basalte; Gira; Siedle & Söhne

„Auro“ von Basalte nimmt jede Bewegung Giras „KNX Präsenzmelder Mini“ ver- 180 Grad-Sicht mit hochempfindlichem
wahr, steuert die Helligkeit im Raum, schwindet beinahe in der Decke und be- Infrarotdetektor: Der Bewegungsmelder
warnt vor Temperaturschwankungen – hält aus der Vogelperspektive immer den „BMM 611-0“ passt mit seinem scharfen In-
und vereint so alle Sinne, die ein smartes Überblick, ohne sich selbst in den Vor- sektenauge in Siedles „Vario“-System und
Heim braucht, in einem flachen Gesamt- dergrund zu drängen. Stilsicheres Under- knipst in dunklen Eingängen das Licht an.
paket zur Decken- oder Wandmontage. statement für drinnen und draußen. Ungesehen kommt da keiner durch!
basalte.b e gira.de sie dle.de

92
Achtung,
frisch gestrichen!
Wiedergeburt eines Anwesens aus dem 18. Jahrhundert: Lucas
y Hernández-Gil gelang es, dem Bau seine Würde zu lassen
und zugleich einen zeitgemäßen Twist zu geben. Die Struktur
blieb erhalten, die Tonfliesen links erneuerte ein ortsansässiger
Keramiker. Die Wände bekamen einen frischen Kalkputz, De-
tails wie die Originaltüren oben einen einheitlichen Anstrich.
luc asyhernandezgil.com

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Jedes Produkt

Unikat

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Panorama Kunst und Reise
Foto: © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek, © Erbengemeinschaft Ruge

Selfie und Avantgarde


Verrückte Idee, mit der Plattenkamera ein freihändiges „Selbstbildnis aus der Regenwurm-Perspektive“ zu machen. Willi Ruge gelang
das Experiment um 1927, und es bleibt sein Geheimnis, ob er dafür einen Spiegel oder eine zweite Kamera benutzte. Die Ausstellung
„Bauhaus und die Fotografie“ präsentiert u. a. eine virtuelle Rekonstruktion der 1929 von László Moholy-Nagy kuratierten Schau „Film
und Foto“ neben aktuellen neusachlichen Werkgruppen von Tillmans bis Ruff. Museum für Fotografie, Berlin, bis 25.8. RK
smb.museum /muse en - und- einrichtungen /museum -fuer-fotograf ie

Redak tion Barbara G är tner und Florian Siebeck

95
Tex t Barbara G är tner Fotos Stefan Gif t thaler

Like a bridge over


troubled water
Helen Cammock war erst Sängerin, dann Sozialarbeiterin, bevor sie
sich ganz für die Kunst entschied. Heute komponiert sie das
Persönliche und das Politische zu schwebenden Bild-Text-Sinfonien.

S
oll nur keiner mehr sagen, zeitgenössische
Kunst könne kein Leben ändern, wäre
bloß ein szeneimmanentes High Five:
Institutionenkritik, Repräsentationskritik
und dann noch die akute Moralschwere
auf allen Biennalen. Federica jedenfalls hat
die Gegenwartskunst aus der Traurigkeit
katapultiert. Tänzerin war sie. Große Büh-
ne, Applaus. Dann: ein Autounfall, das
Knie kaputt. Seither gab sie Kurse, manch-
mal für Migrantinnen, oft für Kinder und
Eltern, weil sie findet, dass Tanz, dass Be-
wegung wichtig sind, gerade für das, was
zwischen den Menschen passiert. Doch
sie selbst hat nie wieder getanzt. Bis sie im
vergangenen Herbst Helen Cammock traf.
Die britische Künstlerin, ausgezeich-
net mit dem Max Mara-Preis und dank
des dazugehörigen Recherchestipendi-
ums damals sechs Monate in Italien un-
terwegs, sammelte gerade Gespräche und
Lebensgeschichten, um ihr Thema zu fas-
sen zu kriegen. Auf Englisch nennt sie es
bündig „lament“, im Deutschen braucht
man viele Worte (Lamento, Trauer, Klage,
Verlust, die passenden Verben kann man
getrost ergänzen), kommt aber so dem
vielstimmigen Ansatz, der vielseitigen
Kunst von Helen Cammock auch ein we-
nig näher. Denn Cammock filmt, per-
formt, singt, schreibt, zeichnet – und ihre
Ausstellungen sind eine suggestive Kom-
position aus Ton und Bild, Text und Film.
Ihrem italienischen Projekt näherte
sie sich, wie so oft, über die Musik,
nahm klassische Gesangsstunden, lernte,
im Stil der italienischen Barockkompo-
nistinnen Barbara Strozzi und Frances-
ca Caccini ein Lamento zu singen. Sie in-
Panorama
Kunst

Am Anfang ist … der Ton.


Themen erschließt sich Helen
Cammock über die Musik.
Die Britin interessiert sich für
die „hidden voices“, unge­
hörte Stimmen. Bei ihren Re­
cherchen zum Max Mara­
Stipendium in Italien nahm
sie Gesangsstunden, um die
Barocklamenti der immer
noch eher unbekannten Kom­
ponistinnen Barbara Strozzi
und Francesca Caccini zu
singen. Auch ein altes Spi­
nett (linke Seite) ließ sie in
der Collezione Tagliavini des
Museums San Colombano
in Bologna wieder erklingen.

97
Panorama
Kunst

terviewte eine Partisanenkämpferin und Eine Frau, die etwas verloren hat, trauert Strände gespült werden. Ich möchte hören,
die Fotografenlegende Letizia Battaglia, und dann anderes findet – das fasst Cam­ dass diese Geschichten anders erzählt wer­
beide weit über 80, sie traf Flüchtlings­ mocks Vorstellung vom Lamentieren ge­ den. Denn diese Menschen sind nicht nur
frauen und Musikerinnen und in Florenz schmeidig zusammen. Und dass dabei ein passive Opfer. Aber diese Wahrnehmung
eben auch die Choreographin Federica, ganz realer Wunsch erfüllt wurde, passt zur reduziert ihre ganze Stärke, ihre Erfahrung.“
die wie alle Frauen bei Cammock hier nur Kunst von Helen Cammock. Denn die be­ Deshalb hat sie Workshops besucht und
einen Vornamen trägt und dort ein Pro­ steht zuerst einmal darin hinzuhören. Sie Interviews geführt, sie kann das gut, das
jekt mit nigerianischen Frauen leitet. sucht nach den „hidden voices“, Lebenswe­ Sichzurücknehmen und das Performen.
„Wir saßen beieinander, haben gegessen gen, Menschen, Stimmen, die kaum Gehör Wahrscheinlich weil Helen Cammock
und getrunken“, erinnert sich Helen Cam­ finden, und verwebt sie zu einer Sinfonie nach einer frühen Karriere als Sängerin
mock. „Und dann hat sie über ihren Kum­ aus Zitaten und Beobachtetem. „Nehmen („Mit 15 hat mich meine Mum in einen
mer gesprochen, weil sie seit vielen, vie­ wir doch die Komponistinnen und Sänge­ Folk­Club mitgenommen. Dort war ein
len Jahren nicht mehr tanzen kann.“ rinnen Barbara Strozzi und Francesca Cac­ Booker. Meine späten Teenagerjahre habe
Das Lachen ist herb, der Duft vanille­ cini“, erklärt sie. „Zu ihrer Zeit waren sie ich dann auf der Bühne verbracht“) lange
süß: Für jemanden, der sich so ausführ­ bekannt, aber nach ihrem Tod hat man sie Jahre als Sozialarbeiterin in Brighton gear­
lich mit der Traurigkeit beschäftigt, ist fast vergessen. Erst heute weisen Musik­ beitet hat. Zur Kunst kam sie eher spät, in
Helen Cammock ausgesprochen heiter. Ih­ historiker darauf hin, wie sehr manche der ihren Dreißigern. Erst besuchte sie dort die
re Schultern zieht sie ein wenig hoch, wie Stücke ihrer Zeit voraus waren.“ Abendschule, als ihr Job immer mühsamer
es große Menschen tun, die sich kleiner Weil Cammock aber elegante Traversa­ wurde – zu viele Aufgaben, zu wenige Mit­
machen wollen. Scherzend sitzt sie in der len durch Genres, Epochen und Geographi­ tel –, konzentrierte sie sich mit 35 vollends
Bibliothek der Collezione Maramotti, die en zieht, verknüpft sie die Musikerinnen auf ihr Studium der Fotografie. „Ich habe es
die Kunstsammlung von Max Mara­Grün­
der Achille Maramotti in Reggio Emilia Helen C a m mock
beherbergt. Auf ihrem Laptop („Er funktio­
niert nicht mehr richtig, ich habe neulich „Politik alleine ist mir zu wenig. Ich möchte,
Rotwein darübergekippt“) zeigt sie wohl­
komponierte Bilder ihrer Italienreise – und
dass die Betrachter denken – und fühlen.“
das Video einer Tanzperformance. Es ist
Federica. „Ich habe sie einfach gefragt, ob aus dem Barock mit den Lebensgeschich­ geliebt. Die Konzentration, den Raum, et­
sie für mich tanzen würde. Sie hatte acht ten von heute, sucht auch hier das Mar­ was schaffen zu können, auch die Freiheit
Wochen Zeit, sie fing an zu joggen, suchte ginalisierte und findet es oft da, wo Mi­ in meinem Kopf.“ Ist sie also ein Social Art
sich extra einen Studioraum und hat sich gration zur Lebenswirklichkeit gehört. Es Worker? Sie lacht laut auf. „Ich verstehe die
wahnsinnig reingehängt.“ klingt wie ein furioser Rap, wenn sie, mit Dynamiken von Gruppen, ihre Ethik. Und
Zur Vernissage von Helen Cammocks jedem Halbsatz zackiger werdend, sagt: ich kann Menschen das Gefühl von Sicher­
großer Ausstellung in der Londoner White­ „Man sieht diese Menschen nur als die in heit geben. Aber ich mache nicht mehr das,
chapel Gallery (am 25. Juni) und in der Col­ den Schlauchbooten, als Menschen, die was ich als Sozialarbeiterin gemacht ha­
lezione Maramotti (13. Oktober) wird sie ums Überleben kämpfen, als Menschen, be, ich will niemanden belehren, nichts re­
auftreten. Da ist es dann wieder: das Ge­ die nicht schwimmen können und gerettet parieren. Ich will nur, dass die Menschen
fühl, die Bühne. Der Tanz. Und der Applaus. werden müssen, als Menschen, die tot an miteinander ins Gespräch kommen.“
Die Fotografie ist es, die sie formal ge­
Szenen einer Reise: „Ich kannte Italien davor nur von zwei Kurztrips zur Biennale“, sagt prägt hat. Die Statik des rechteckigen Bil­
Helen Cammock. Mit dem Stipendium blieb sie sechs Monate. Für ihr multimediales des ist das Fundament ihrer Installationen.
Ausstellungsprojekt „Che si Può Fare“ suchte sie die Traurigkeit und filmte (unten von
Eigentlich paradox. Cammock ist jemand,
links) die Partisanenkämpferin Gabriella in Bologna, Szenen in Palermo und Rom. Joyce
lebt heute in Palermo, und Federica aus Florenz fand durch Cammock zurück zum Tanz. der quirlig ist und nahe herantritt. Sie ist
Daneben: Sandra in Venedig, die Abendsonne am Garibaldi-Monument in Rom und die auf angenehme Art persönlich. Oft zeigt
Hände der Musikstudentin Marta, die in der Collezione Tagliavini das Spinett spielt. sie Großaufnahmen und spricht dazu ihre

98
Texte, verdichtet wie Songs oder Lyrik, so, Das Hochpersönliche und das Hochpoli­ Von der Sozialarbeite­
als würde sie den Betrachter live bei ihrem tische – es begegnet einem gerade oft in rin zum Social Art
Nachsinnen zuhören lassen. der Gegenwartskunst, manchmal reduziert Worker? Helen Cam­
mock denkt immer
Vom Museum in Reggio Emilia, wo es sich auf Kitsch, oft auf Grafiken, Ani­ politisch und ist doch
Cammock ihre Vorarbeiten zeigte, fahren mationen und Aktionismus. „Wenn etwas verbindlich persön­
wir ins benachbarte Bologna, dort, im Mu­ nur politisch ist, dann ist mir das zu we­ lich. Die Studentin
seum für historische Musikinstrumente, nig“, sagt Helen Cammock. „Ich möchte Marta o. spielte für sie
dem San Colombano, will Helen Cammock die Menschen zum Denken und dabei zum auf dem prächtigen
Spinett o. li., einem
noch eine Szene aufnehmen. Unter Fresken Fühlen bringen.“ Wie kaum eine andere Ausstellungsstück der
baut sie ihr Stativ vor einem prächtigen Künstlerin derzeit löst Cammock Intimi­ ehemaligen Kirche
Spinett aus dem 16. Jahrhundert auf. Der tät in Schönheit auf. „Schönheit“, Helen San Colombano, die in
Museumschef ist nervös, schimpft ein we­ Cammock verzieht das Gesicht. „Puh, ein Bologna eine fabel­
nig über die Musikstudenten von heute. schwieriges Wort, ich weiß. Wir sollten hafte Musikinstrumen­
tensammlung zeigt.
Marta, die gleich für Cammocks Kamera ein anderes finden.“
die „Consonanze stravaganti“ spielen soll,
schaut verschreckt. Cammock legt ihr die „Che si Può Fare“, das Ergebnis des Max Mara-Recher-
chepreises, zeigt Helen Cammock in der Londoner
Hand auf die Schulter. „Mach dir keine Sor­ Whitechapel Gallery vom 25.6.–1.9. und in der Col-
gen“, sagt sie. „Ich filme nur die Hände.“ lezione Maramotti in Reggio Emilia vom 13.10.–2.2020.

99
Panorama
Kunst

5 Schauen,
Die Staatsgalerie Stuttgart zeigt Bilder der Samm­
lung Klewan (bis 28.7.), das Stedelijk in Amsterdam
„Ways of Being“ (bis 11.8.; ab 6.9. in der Albertina Wien),

2 Geburtstage, und das Lenbachhaus konfrontiert ihr Werk in „Body


Check“ (21.5.–15.9.) mit dem eines anderen Körper­

1 Thema
berserkers, Martin Kippenberger. Den 70. Geburtstag
der Schweizer Malerin und Bildhauerin Miriam Cahn
feiert das Kunsthaus Bregenz mit „Das genaue Hin­
Bei Maria Lassnig und Miriam Cahn steht der weibli­ schauen“ (bis 30.6.), parallel läuft im Kunstmuseum
che Körper im Mittelpunkt der Kunst – als Schau­ Bern „Ich als Mensch“ (bis 16.6.), danach wandert die
platz der Gefühle. Lassnig, 2014 verstorbene Mitbe­ Schau ins Münchner Haus der Kunst (12.7.–27.10.).
gründerin des österreichischen Informel, wird zum s taat sgalerie.de, s te de lijk.nl, lenbachhaus.de, kun s t
100. Geburtstag mit gleich drei Ausstellungen geehrt: haus- bre g enz .at , kun s tmuseumb ern.ch

Meisterinnen
kontinuierlicher

Fotos: F. Neumueller, Courtesy Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK, © Maria Lassnig Foundation; Markus Tretter, Kunsthaus Bregenz, Courtesy the artist, © Miriam Cahn;
Ich-Befragung:
g. li. Maria Lass-
nigs „Selbstpor-
trät mit Regen-
schirm“, 1971, zu
sehen in Ams-

Courtesy the artist; Sibylle Forster, Bayerische Staatsgemäldesammlungen München, © Jeff Koons; © Netflix; © DCM; Courtesy of Samuel Goldwyn Films
terdam. Miriam
Cahns „zähne zei-
gen“ li. entstand
im vergange-
nen Jahr und ist
Teil der Bregen-
zer Ausstellung.

Kino

Leinwandstars

Gibt es eine bessere Erinnerung an den Über Vincent van Gogh gibt es 14 Filme, Die Kunstszene als Filmschauplatz? Das
jungen Robert Mapplethorpe als „Just Kids“, aber vielleicht braucht es den Maler­ wird schnell peinlich. Netflix zeigt nun
das Buch von Patti Smith? Wohl kaum. fürsten Julian Schnabel (und den famosen den famos­parodistischen Kunstmarkt­
Das Biopic „Mapplethorpe“ (noch kein Start­ Willem Dafoe o.), um ihm nahezukommen. thriller „Die Kunst des toten Mannes“ mit
termin in Deutschland) mit Matt Smith „An der Schwelle zur Ewigkeit“ läuft gerade in Rene Russo als eiseskalter Großgaleris­
oben nähert sich dem unkonventionellen den Kinos und zeigt, dass Schnabels Spät­ tin und Jake Gyllenhaal als Kritikersnob.
Künstler ziemlich konventionell. werk vor allem in bewegten Bildern glüht. Nur die Kunst im Film ist wirklich gruselig.
s amue lg oldw ynf ilm s.c om /mapple th orp e ate ternit ysgate -f ilm.c om n e t flix.de

100 Re dak tion Barbara G är tner


Panorama
Reise

Wiege der Erleuch­


tung: Die formale
Strenge der monoli­
thischen Villen u. und
ihre zurückhaltende
Farbgebung sollen den
Besucher in Einklang
mit der Natur brin­
gen, nichts soll von
der Stille ablenken.
„Die Räume sind nicht
groß, aber sehr kom­
fortabel“, sagt Be­
sitzer Ankur Bhatia.

Dem Dach der


Welt zu Füßen
Wo andere den Sinn des Lebens suchen, fand das
Ehepaar Bhatia ein verlassenes Stück Land.
Und schenkte einem alten Hotel neues Leben.

Tex t Florian Siebeck

D
ie Beatles kamen 1968, und nichts in Rishikesh blieb, wie es war.
Hier, am Fuße des Himalaya, begannen indische Pilger schon vor
Generationen ihre spirituellen Reisen, doch plötzlich avancierte
die Stadt zum Heimathafen für Weltenbummler, die ihr Seelenheil
zwischen Ashrams und Ayurvedazentren suchten. „Rishikesh ist
Fotos: SV Photographic

die Yogahauptstadt der Welt“, sagt Ankur Bhatia, der vor 15 Jahren
mit seiner Frau Smriti kam und mehr als nur Erleuchtung fand –
zwei Hektar Land nämlich, auf denen eine heruntergekommene
Ferienanlage stand. „Wir wussten nicht, was wir damit anfangen
Ankur B hatia

„Die Natur in Rishikesh ist mächtiger als


jede Architektur – es hätte nichts
gebracht, sie übertrumpfen zu wollen.“

Das Städtchen Rishi-


kesh am Fuße des
Himalaya gilt als Ge-
burtsstätte des Yo-
ga, die viele Sinnsu-
chende anzieht. Das
„Roseate Ganges“ mit
seinen 16 Villen liegt,
umrahmt von bewalde-
ten Hügeln, an den
Ufern des gleichnami-
gen Flusses – für Gäs-
te gibt es sogar einen
eigenen Sandstrand.

103
Panorama
Reise

dem turbulenten städtischen Leben zu finden“, sagt Architekt Sau­


rabh Dakshini. Mit seinem siebenköpfigen Team hat er die Gebäu­
de bis auf ihre Grundmauern zurückgebaut und vollkommen neu
eingerichtet. „Unser Ziel war es, das visuelle Rauschen und jede
unnötige Unordnung zu reduzieren und einen strengen, aber war­
men Raum zur Reflexion und Innenschau zu schaffen.“
In den 16 Cottages treffen sich das Raue und das Vollendete,
das Harte und das Weiche, unterbrochen nur hier und da von Refe­
renzen ans Art déco, das die Briten einst nach Indien brachten. Ein
fast klösterliches Zusammenspiel aus rohem Pandomo­Putz und
Arabesco­Marmor, schimmernden Bisazza­Fliesen und Eichen­
holzmöbeln, die das Auge beruhigen und den Räumen nicht nur
ein Gefühl von Wärme, sondern auch von Beständigkeit geben.
Gleichwohl lenken sie die Aufmerksamkeit weg vom Menschge­
machten hin zur Natur: Ein Dachfenster im Badezimmer vermit­
telt das Gefühl, im Freien zu sein, und die auskragenden Terras­
würden, aber wir wussten, dass die Gelegenheit nicht wiederkom­ sen – von Bhatia angefügt, weil die Häuser selbst nicht vergrößert
men würde.“ Sie kauften es, weil es ausreichend Platz für die Ver­ werden durften – sollen nicht nur vor fremden Blicken schützen,
wirklichung ihrer Träume bot, aber auch weil ein Privatstrand am sondern dem Gast auch das Bergpanorama eröffnen.
heiligen Fluss Ganges dazugehörte, der in Rishikesh noch klar und Die Gebäude wurden von innen nach außen entworfen. „Ihre
rein ist, weil er erst hier in den Bergen entspringt. Ein Rohdiamant Farbe erinnert an einen grauen Elefanten, der trotz seiner Größe
in der Krone der Stadt, denn Neubauten so nah am Ufer sind längst im Dschungel kaum auffällt“, sagt Dakshini. Im Mittelpunkt steht
verboten. „Die perfekte Umgebung für eine schnelle Auszeit von die Verbindung zu den Bergen, zu den Bäumen, der noch unbe­
Delhi, in nur zwei Stunden zu erreichen. Selbst für Europa gilt: rührten Landschaft. Bhatia sagt: „Unser Resort grenzt an einen
Wer Freitagabend losfliegt, ist Samstagmorgen hier.“ Wald, und jenseits davon strömt der Ganges, und beide sind mäch­
Vor zwei Jahren dann schien die Gelegenheit perfekt. Mit Ho­ tiger als jede Architektur, die wir bauen könnten. Es hätte nichts
tels in Indien und Großbritannien hatten die Bhatias erste Erfah­ gebracht, diese Elemente zu überwältigen, um etwas noch Mäch­
rungen als Gastgeber gesammelt, und Rishikesh war viel besser tigeres zu schaffen.“ Die Gäste sollen sich stattdessen auf den Frie­
angebunden als einst. Als gelernte Architektin arbeitete Smriti den der Natur und ihr Wohlbefinden konzentrieren, und über­
Bhatia Hand in Hand mit Studio Organon aus Delhi, das sich darauf haupt: Wenn sich alles fügt, finden sie auf dem Weg dorthin
versteht, alten Räumen neues Leben einzuhauchen. „Ausgangs­ Entspannung und Ruhe und vielleicht sogar – sich selbst.
punkt für die Gestaltung waren ein Gefühl von Nostalgie und An­ Villa ab 400 Euro, inkl. Halbpension. Reisende, die erst nachts in Delhi ankommen,
leihen an das modernistische Indien, um eine stille Zuflucht vor können im „Roseate House“ am Flughafen übernachten. roseateh ote l s.com

Die 16 Cottages oben


verzichten auf augen­
fälliges Design und
schaffen damit genug
Raum für einen Blick
ins innere Ich. Auch
in öffentlichen Berei­
chen, etwa vom beheiz­
ten Infinity Pool aus,
Fotos: SV Photographic

soll nichts von Wald


und Bergen ablenken.
„Die Natur ist mächtiger
als die Architektur“,
betont Ankur Bhatia.
Reise
Neuheiten

Neue Möbel
in alten Mauern
Als John Pawson eine alte Kloster-
schule in Tel Aviv zum Hotel transfor-
mierte (ab 500 Dollar, inkl. Frühstück),
entstand en passant die wohl mon-
dänste Hotelbar der Welt – halleluja!
thejaf fahotel.com

Entworfen für die Ewigkeit


Manchmal dauert es ein Leben
lang, Dinge zu finden, die einem
in guten wie in schlechten
Zeiten beistehen. Eberhard Holder und Micha Klein
haben unersetzliche Reisebegleiter zusammenge-
tragen – von der Sturmlaterne bis zur Sonnenbrille.
ave dition.de, 1 9 2 S ., 2 9 Euro

Ruhe-Oasen
Die „Tsingpu“-Retreats in Zhangzhou (l., entworfen
von Trace Architecture Office) und Yangzhou (unten,
entworfen von Neri & Hu) huldigen mit ihren ver-
träumten Höfen und ausgedehnten Wegfluchten der
klassischen chinesischen Architektur auf ganz ei-
gene Art – weit entfernt von den berstenden Mega-
citys des Landes. Ab je 368 Euro, inkl. Verpflegung.
de signhotels.com

106
Rot-Grün-Stärke
Die Räume im „Las chicas, los chicos y los mani-
quís“, dem Restaurant des LGBTQ-freundlichen
„Axel Hotels“ in Madrid (ab 89 Euro), sind so bunt,
quirlig und frei wie die spanische Hauptstadt und
verweisen mit ihrem Textilkleid zugleich auf die
aristokratischen Prunkbauten des 19. Jahrhunderts.
a xelhotels.com
Fotos: Eberhard Holder, Micha Klein (2); Av Edition; Amit Geron; Adrià Goula; Claus Brechenmacher & Reiner Baumann; Stiftung Bauhaus Dessau/Wilmington-Lu, Yakob Israel, 2018; Hubert Hesoun; Kent Dayton; Design Hotels

Aus der Kiste


auf die Piste
Gesteppte Samtdecken und Wiener Geflecht: Für ein Berghotel wirkt
das „The Hide“ im Graubündener Flims (ab 135 Euro, inkl. Früh-
stück) erstaunlich urban. Entworfen hat die 47 Zimmer und Suiten
der Norweger Erik Nissen Johansen. Das Hotel grenzt an die Tal-
station der Bergbahn und ist ganzjährig geöffnet – im Gebäu-
dekomplex sind neben einer Ski- und Snowboardschule auch ein
Spa samt finnischer Sauna und Eisgrotte, Geschäfte, ein Kino
und ein Kinderbereich auf 2000 Quadratmetern untergebracht.
thehidehotelflims.ch

Klassiker zum Übernachten

Ferien im Bauhaus

1937 verbrachte Paul Weidlinger einen Ur­ Die Villa Winternitz in Prag, die Adolf Einmal schlafen wie die Bauhäusler?
laub mit Gropius, Breuer und Moholy­ Loos 1932 für einen Anwalt entwarf, gilt In Dessau kein Problem: Die ehemaligen
Nagy in Cape Cod – 16 Jahre später baute als „kleine Schwester“ der Villa Müller. Atelierzimmer im Prellerhaus neben
er sich hier ein Haus, das besten Aus­ Sie war das letzte Haus, dessen Fertigstel­ der geschichtsträchtigen Schule wurden
blick hat – auch auf Marcel Breuers Haus lung der Architekt noch erlebte. Nun nun originalgetreu reinszeniert und
gegenüber. Wer den House Trust un­ kann man dort übernachten. Allerdings: bieten gelebte Geschichte auf 24 Qua­
terstützt, kann mit Seeblick aufwachen. Um 9 Uhr beginnen die Führungen. dratmetern. Einzelzimmer ab 40 Euro.
ccmht .org lo osovavila.c z bauhaus- de s sau.de

Redak tion Florian Siebeck 107


BEFOR E I T’S IN FA SHION
I T’S IN VOGUE!
DIE MAI-AUSGABE JETZT IM HANDEL!
Leben
in der Steiermark, in Kopenhagen, Ivanhoe, Firle, Barcelona, auf Iraklia und in Brüssel

Saturn statt Sonne


Foto: Eugeni Pons

Der Befund war durchwachsen: tolle Wohnung, schlimmer Ausblick. Also richtete Architekt Marcos Catalán den Fokus ganz ins
Innere dieses Apartments in Barcelona. Über den extrabreiten Esstisch mit Azucena-Stühlen hängte er eine gigantische Kugelleuchte,
die mit ihren Reifen anmutet wie ein Spanholzplanet. Zugleich huldigt sein Entwurf dem Stilkosmos des großen Alvar Aalto.

109
Steiermark
Noch einmal
mit Gefühl …
White Cube und Kunst? Nicht mit
Luis Laplace! Der Architekt hat dem Haus
eines kunstverliebten Sammlerpaars mit
Möbelikonen eine neue Innigkeit gegeben.

Tex t Simone Herrmann Fotos Mat thieu Salvaing

„Das ist bereits unser


zweites Projekt“, er-
zählt Luis Laplace (li.,
vor einem Werk von
Wade Guyton). „Luis
ist ein Meister der Far-
ben, Texturen und At-
mosphären“, meint
Marija Stolitzka-Novak
(auf einem Sofa von
Flemming Lassen) im
lichterfüllten Atrium.

„Ich bin ein großer Be-


wunderer von Franz
West“ (li. Seite, Skulp-
tur im Garten), erzählt
Laplace, „bereits zu
Beginn meiner Karrie-
re habe ich bei Ursula
Hauser auf Mallorca
eine seiner Skulpturen
installiert. Seine Ver-
spieltheit macht es
dem Betrachter leicht,
ihm nahezukommen.“

111
E
in Haus an einem grünen Hügel, würfelförmig, weitläufig, hell. Ei-
nes jener zeitgenössischen Architektenhäuser, das in deutschen
Krimis selten ohne eine schöne Frau auskommt, die kühl und mit
seidenen Hüften durch weite weiße Hallen mit Kunst schwebt, als
ginge sie das alles gar nichts an. Aber wir sind in Österreich, und
Marija Stolitzka-Novak, die Hausherrin, steht in der Tür und
strahlt. Ein Strahlen, das in die Farben
Martin Kippenbergers der Möbel, der Seidenteppiche, der Höl-
Papierarbeiten kom- zer, Gemälde und Skulpturen im Haus
men im Oberlichtsaal
links mit Franz Wests
einstimmt. Wie sie sich freue, sagt sie in
Pappmaché-Skulp- einem kultivierten Deutsch, das nur
turen ins Gespräch. durch eine winzige schmelzende Fär-
Luis Laplace hat die bung ihre Herkunft erahnen lässt. Noch
sorbetrosa Samtses- vor kaum sechs Jahren sei Österreich
sel auf Lauschposten
gestellt und den Raum
ein fremdes Land für sie gewesen, so
mit perlgrauem Lei- fremd, wie es ihr als Slowenin, die nach
nen ausgeschlagen. einem Wirtschaftsstudium in Michigan
Als wär’s ein Bild von
David Hockney …
Das Poolblau und das
Grün der Bäume vor
dem Fenster stacheln
in der Küche (linke
Seite) das Safrangelb
des Teppichs und
die warmen Holztöne
der Möbel (Laplace’
Tafel aus Sucupira-
Wood mit Stühlen von
Erik Kirkegaard) zu
voller Leuchtkraft an.

Luis L aplace

„Die Farben von draußen fließen ins Innere.


Ich wollte mit radikalen Kontrasten hier und da
noch einen kleinen Farbschock setzen.“
113
Marija Stolitzka - N ovak

„Luis hat das Haus lebendig gemacht. Möbel, Farben


und Texturen klingen wie Musik zusammen.“

Augenblick, verweile
doch … Es gibt vie-
le Sitzgelegenheiten,
schließlich verdient
das Werk von Wade
Guyton („Ohne Titel“,
2013), dass man es aus
verschiedenen Blick-
winkeln betrachtet.
Ob auf Laplace’ Pouf-
trio oder auf dem Sofa
im blauen Samtanzug.

Foto: Babi Carvalho


und Jahren in den USA auch in Kroatien und Bulgarien gelebt hat- Kachelofen oder Ka­ hatte. „Gisela Capitain, die Kölner Gale-
te, fremd sein konnte. Natürlich gebe es diese alte k. u. k. Verbun- min? Um den Kachel­ ristin, hat uns einander vorgestellt“, er-
kamin (oben, rechts) zählt Laplace. Das Haus sei eine Heraus-
denheit mit Österreich, mit Wien. „Ljubljana, wo ich herkomme,
versammelte Laplace
ist nicht weit entfernt. Jedenfalls“, sagt sie, „bin ich 2013 darauf Möbelikonen wie forderung gewesen, allein durch seine
verfallen, nach Wien zu gehen. Die Stadt zog mich an, die Ge- den Lacktisch von Mai­ schiere Größe. „Zuerst habe ich mich
schichte, die Kunst, als ob dort irgendetwas auf mich wartete, et- son Jansen, Carlo de hier immer verirrt“, sagt Marija Stolitz-
was Besonderes.“ Und doch. „Ich konnte nicht einmal fünf Wor- Carlis „Tavolo“ (1962), ka-Novak, „falsche Treppe, falsche Tür!
die Couch von Joa­
te Deutsch, hatte gar keine Kontakte, aber dafür eine Idee.“ Es gab Wahrscheinlich weil es mir innen so
quim Tenreiro und Ed­
keine Dior-Dependance in Wien, „das war meine Chance!“, sagt ward Wormleys Cha­ kühl gegenübergetreten ist, denn ei-
sie und muss schallend lachen. Denn wer bitte schön kann Dior raktersessel von 1950. gentlich hat es einen einfachen Grund-
in Wien leiten, ohne gesellschaftliche Verbindungen dort? „Also riss.“ Zwei Etagen, quadratisch um ein
schrieb ich einen Brief an Sidney Toledano, den CEO, den ich doppeltes Treppenhaus geführt. „Eine
natürlich auch nicht kannte.“ Eine Kundenanalyse auf Basis von Raumfolge, wie man sie von Kunstausstellungen kennt“, sekun-
Statistiken aus dem Tourismusamt schickte sie gleich mit. Aber diert Laplace, „es war weder eine Galerie noch ein Zuhause, sehr
wahrscheinlich war es doch ihre flammende Begeisterung für beeindruckend zwar, mit einem wundervollen Oberlichtsaal, aber
„Christian Dior und sein tiefes Verständnis für uns Frauen!“, die etwas kalt, eine Art White Cube. Marija und ihr Mann wollten
die Herren in Paris beeindruckte. Denn nach vier Monaten ge- eine radikale Veränderung, um sich zu Hause wohlfühlen zu kön-
schah das Unglaubliche: „Ich wurde zum Gespräch geladen.“ Und nen.“ Nichts Formelles, keine repräsentative Kulisse, „eine warme
dann ging es los. „Director Haute Couture“ steht unter ihrem Na- Atmosphäre und Designs, die zu uns beiden und unserem Lebens-
men auf der Visitenkarte, die sie aufbewahrt hat. Immer noch, wie gefühl passen“, erklärt die Hausherrin mit schwungvoller Geste
einen Schatz. Sie habe ihre Arbeit gar nicht als solche begriffen, in das seidige Schimmern der Tai Ping-Teppiche, der kastanienro-
„es war eine Freude, eine Liebe, jeden Tag“. ten und karamellgolden geflammten Hölzer hinein; sonnen- und
Und dann, nach vier Jahren Dior, kam eine andere, noch größe- safrangelb leuchten die Vorhänge, moosgrün, blau, korallenrosa
re. „Ich lernte meinen Mann kennen, und wir haben zusammen und wollweiß die Bezüge. Der Oberlichtsaal, ein lichterfülltes
dieses Haus hier in der Steiermark eingerichtet.“ Gemeinsam mit Atrium mit fünf Meter hohen Wänden, ist mit perlgrauem Lei-
Luis Laplace, dem argentinischen Innenarchitekten aus Paris, der nen ausgeschlagen, ein Ton, der das Gemälde von Wade Guyton
neben den Häusern so bekannter Sammler wie Mick Flick oder schweben lässt; vis-à-vis stehen rosa Samtsessel wie Schildwa-
Ursula Hauser auch das Wiener Zuhause der Stolitzkas gestaltet chen zwischen den Papierarbeiten von Martin Kippenberger und

115
den Pappmaché-Skulpturen von Franz West, die in diesem trotz Knick“ von T. H. Robsjohn-Gibbings, das im Living gemeinsam
seiner Größe kokonartigen Raum eine solche Präsenz entfalten, als mit Vladimir Kagans Sideboard dem organischen Swing der La-
disputierten sie miteinander, stachelten sich auf, versuchten, ei- place'schen Sidetables, den spiegelnden Rundungen der Tische von
nander zu übertrumpfen … „Männergespräche!“, amüsiert sich Ma- Jean Royère klare Kante entgegensetzt. Eine Hommage an Jorge
rija Stolitzka-Novak. Mehr als an Kippenberger und West hat sie, Pardos Gemälde, auf dem sich, im strengen Viereck der Leinwand,
die sich auch für Künstlerinnen wie Flora Hauser oder die Bulga- schwelgerisches Blühen regt. Der ganze Raum, jedes einzelne Mö-
rin Snejana Simeonova starkmacht, ihr Herz an Zoran Mušič ver- belstück, trägt diesen Gedanken weiter. Bis hin zum Phelippeau-
loren. Ein Gemälde aus der „Cavallini“-Serie des großen Slowenen Sessel, den der Argentinier mit einer Aubusson-Tapisserie ausstat-
füllt seit Kurzem das Esszimmer mit seinem Zauber. „Es berührt tete, die wie ein fernes Echo der Malerei wirkt. Luis, findet Marija
meine Seele“, sagt sie. „Ich fühle mich umarmt.“ Kann es da Zufall Stolitzka-Novak, sei ein Meister solch subtiler, kompositorischer
sein, dass man in den Esszimmerstühlen von Osvaldo Borsani Parallelen zur Kunst, aber natürlich gehe es nicht um Dekoration.
sitzt, als würde man in imaginären Armen gehalten? „Auch nicht um Interiordesign!“ Laplace, der gerade das Museo
Laplace lächelt. Angesichts von „Mušič, Kippenberger, West, Chillida-Leku bei San Sebastián neu gestaltet hat und von dem
Ellsworth Kelly, Günther Förg oder Wade Guyton, die auch zu mei- alle Einbauten, die Regale und sogar die ledernen Handläufe, stam-
nem Pantheon gehören, war bei den Möbeln Klasse gefragt“. Was men, schüttelt den Kopf. „Selbst wenn ich wie hier die architekto-
bei ihm so viel bedeutet wie: Midcentury. Die großen, immer noch nische Hülle nicht antaste, so ist es doch ein architektonisches
unerreichten Designerpersönlichkeiten der 50er und 60er Jahre Projekt, kein Verrücken von Kissen!“ Kunst sei ja auch nicht dazu
also. Aber so selbstverständlich inszeniert, dass den Hausherren da, das Interior zu schmücken. „Heute lässt die Komplexität der
erst nach einiger Zeit klar wurde, mit welch exquisiten Designstü- künstlerischen Ausdrucksformen überhaupt keinen Platz mehr für
cken sie leben. Der Étagère-Lacktisch von Maison Jansen etwa, Improvisationen. Ich versuche, die Kunst leuchten zu lassen und
um den sich im Kaminzimmer Edward Wormleys Polstersessel zugleich einen Wohnraum zu schaffen, der ein wirkliches Zuhause
und Sergio Rodrigues' Geflechtstühle scharen. Oder das Sofa „mit ist. Um Kunst, aber auch die Beziehungsgeflechte der Künstler un-

116
tereinander zu orchestrieren, muss man Eier haben“, meint Laplace. Co-
jones. „Aber auch Gefühl und Erfahrung. Intuition. Damit fängt alles an.
Manchmal gehen wir akademisch vor, dann wieder sehr prosaisch mit
3D-Renderings, um die Richtung auszuloten. Das hat viel damit zu tun,
wie man mit Farben umgeht. Es gibt da diese hauchdünne Linie zwischen
berauschendem Erfolg und schrecklichem Irrtum. Wenn Kunst zu Hause
wie dekorative Kunst behandelt wird, ist die Katastrophe nah.“ Hingabe
und der Mut, unkonventionelle Wege zu gehen. Was könnte Marija Sto-
litzka-Novak besser beschreiben? Denn natürlich ist dieses unprätentiöse,
schlicht elegante, strahlende Haus vor allem eins: ihr Spiegelbild.

Kleines Aperçu zum


Gemälde von Jorge
Pardo o.: der von La­
place eingekleidete
Phelippeau­Sessel!
Zum moosgrünen So­
fa von T. H. Robsjohn­
Gibbings gesellen
sich die Stehleuchte
von Jean­Pierre Vin­
cent, Laplace’ Side­
tables und Gio Pontis
knicksender Sessel.

Noch nie so gut ge­


sessen! Die Stühle von
Osvaldo Borsani re.
erfreuen den Rücken.
Über dem flamboyant
gemaserten Side­
board hängt eine Foto­
grafie, die die Haus­
herrin nun gegen ein
Gemälde von Zoran
Mušič tauschte. Leuch­
ten von Max Ingrand.

117
Ursprünglich sollte
es nur eine Inves­
tition sein, dann be­
schlossen Bettina
Gedda und ihre Fami­
lie, selbst ins Kom­
mandantenhaus von
1888 zu ziehen. Fast
alle Möbel darin zeu­
gen auch vom Leben
ihrer Vorbesitzer,
im Living (re. S.) etwa
Mario Bellinis „Ca­
maleonda“­Sofa und
ein Rattan­Vintage.

118
Sicherer Hafen
Farben wie Pudding unter einem verhangenen Himmel am Øresund:
Wo einst Admiräle und Marinekommandeure residierten,
lebt nun die Teppichdesignerin Bettina Gedda mit ihrer Familie.

Tex t Reinhard Krause


Produk tion Sofie Brunner
Fotos Kris tofer Johnsson
Kopenhagen
Das Esszimmer be­
findet sich im Erker
des ersten Stocks.
Zum erweiterten
Esstisch „PK54“ von
W
er mit dem Zug bis Østerport fährt, um Ko-
penhagens Innenstadt von Norden her zu
erreichen, dem ist sie ganz sicher schon
aufgefallen: die reizende, orange-ocker ge-
Poul Kjærholm ge­ schlämmte Marinesiedlung, die den Stadt-
sellen sich Hans J. teil De Gule Stokke bildet. König Chris-
Wegners „Wishbone“­ tian IV. ließ die schnurgeraden Zeilen im
Stühle. Über dem
17. Jahrhundert anlegen, als der Wohnraum
mit Mohair bezo­
genen Vintage­Sofa innerhalb der Stadtbefestigung längst
von Fritz Hansen: nicht mehr ausreichte. Der Hafen ist nah,
ein Ölbild des däni­ und noch bis vor Kurzem musste man tat-
schen Künstlers Tal R. sächlich zur See fahren, um den Mietver-
trag für eine der Winzwohnungen in den
zweigeschossigen Reihenhäuschen ergat-
tern zu können. Begehrt ist das schmucke
Quartier noch heute.
Direkt neben De Gule Stokke liegt De
Grå Stokke, das 200 Jahre jüngere, deutlich
komfortablere Pendant, das sich mit seinen
Steinfassaden allerdings vornehm im Hin-
tergrund hält. Es ist, als dümpelten graue
Schwäne neben Perlschnüren rotgoldener
Enten. Die im Vergleich herrschaftlichen
Gebäude wurden für die höheren und
höchsten Ränge der Marine errichtet. Auch
das Haus, um das es hier geht, war bis 2013
im Besitz des dänischen Verteidigungs-
ministeriums. „Hier haben Admiräle und
Stabschefs gewohnt“, erklärt Bettina Ged-
da, die erste Privateigentümerin. „Deshalb
wurde es das Kommandantenhaus ge-
nannt.“ Die gekrönten Buchstaben CIX an
der Stirnseite verweisen auf die Regent-
schaft Christians IX.
Als der Staat die erste dieser Stadtvillen
veräußerte, griffen die Teppichdesignerin
Aus dem Trockenbo­ und ihr Mann zu. Was zunächst als Inves-
den im zweiten Stock tition geplant war, entwickelte sich schnell
wurde der Master­ zum Herzensprojekt. Aber was heißt schon
bedroom (re. S.) mit
Bad links. Hier wur­
schnell bei solch einer historischen Immo-
den die Dielen gegen bilie? Allein bis schließlich die Baugeneh-
Lavastein­Fliesen migung erteilt wurde, vergingen 18 lange,
von File Under Pop tatenlose Monate. „Das Haus wurde 1888
ausgetauscht. Die Du­
gebaut und ist seither von einer Hand in
sche, die Kommo­
den und der tauben­
die nächste gegangen. 2006 wurde es unter
blaue Seidenteppich Denkmalschutz gestellt, doch als wir es
sind eigene Entwürfe. kauften, war von der originalen Ausstat-

120
B et t i na G edd a

„Vintages lehren uns, dass wir nur auf Zeit


hier sind, dass alles nur geliehen ist.“
Bei der Auswahl der Möbel frönt die Desi-
gnerin ihrer Leidenschaft für Vintages. Vor
die Wahl gestellt, einen reeditierten Klassi-
ker zu kaufen oder ein Exemplar aus der
Entwurfszeit, würde sie immer Letzteres
wählen, allein schon wegen der Patina. „Ich
finde die Vorstellung ungemein faszinie-
rend, dass sich unsere Geschichte in die
des Möbelstücks einschreibt. Vintages er-
innern uns daran, dass wir nur auf Zeit hier
sind. Dass alles nur geliehen ist.“
Ihre Designschätze – allen voran zwei
mit Hermès-Stoff bezogene Thirties-Sessel
Für die schmale Kü­ von Viggo Boesen oder ein „Camaleonda“-
che im Kommandan­ Sofa von Mario Bellini – hat sie über die
tenhaus links ließ Jahre auf Auktionen und bei Händlern zu-
die Hausherrin zwei
sammengetragen. Erbstücke finden sich
Zeilen mit Landhaus­
anmutung aus ro­
nicht darunter – das Haus der Eltern ist vor
tem Amaranthholz ein paar Jahren restlos abgebrannt. Senti-
bauen, die Aus­ mentale Gründe wären bei der Wahl des
führung übernahm Interiors für sie aber ohnehin nicht aus-
Snedkeriet KBH.
schlaggebend: „Es geht einzig ums Design.“
Der Cooker ist von
La Cornue. Mura­
Bei der Suche nach Vintages spielt auch
noleuchter von der Zufall eine Rolle – man könnte auch
Archimede Seguso. sagen: Fortüne. „Psychologisch gesehen“,
erläutert Bettina Gedda, „sind Vintage-
Käufer wie Schatzsucher, immer auf der
tung nicht mehr viel übrig.“ Das Wenige nicht verleugnen. Dafür habe ich Töne ge- Suche nach einem seltenen oder gar einzig-
aber wurde, wo es eben ging, liebevoll er- sucht, die eine Harmonie bilden und sich artigen Stück, das man nicht einfach im
halten: der Stuck, die Holzpaneele, die Die- nicht zu überbieten versuchen.“ Laden kaufen kann. Man weiß nie, was
len. Nicht gerettet werden konnten die Im Erdgeschoss war es Gedda wichtig, man finden wird, oft nicht einmal, was
spärlichen Reste der Faux-Marmor-Male- Farben zu benutzen, die den Eintreten- man überhaupt sucht – bis man es plötz-
reien im Treppenhaus und ein paar Fuß- den willkommen heißen: „Blaugrün-Nuan- lich entdeckt. Die Qualität der benutzten
leisten, die Hartholz imitierten. „Zum Teil cen eignen sich besonders gut, weil sie die Materialien, die handwerkliche Erfahrung
sind wir mit Skalpell und Zahnbürste zu natürliche Färbung des Himmels und der und der Erfindungsreichtum, die in sol-
Werke gegangen, um Farbschichten und Vegetation aufgreifen. Das hat etwas Beru- chen Objekten stecken, rechtfertigen es,
Staubkrusten zu entfernen. Der Aufwand higendes.“ Von dieser Unaufdringlichkeit ein bisschen oder bisweilen sogar sehr viel
hat sich wirklich gelohnt, aber es dauerte profitieren nicht zuletzt die geometrisch mehr zu zahlen als für ein Massenprodukt.“
zweieinhalb Jahre, bis wir einziehen konn- gemusterten Teppiche im Haus, die Gedda Für manche Raumsituation ließ sich
ten.“ Wir, das sind Bettina Gedda, ihr Mann für ihr Label Knothouse entworfen hat. trotzdem nicht das ideale Möbel finden.
Johan (seine Firma entwickelt Erdwär- Unabhängig von aller Farbpsychologie ist Solche Lücken füllt die Hausherrin mit Ei-
me-Anlagen) und die Kinder Maximilian, die Designerin überzeugt, dass das Auge genentwürfen. Für die schlauchartige Kü-
19, Amelia, 17, und Pipaluk, 14. wohlwollend registriert, wenn Räume und che etwa ließ sie zwei Zeilen aus rotem
Was beim Rundgang sofort auffällt, sind Teppiche vom selben Menschen gestaltet Amaranthholz bauen, das sie bei einem
die sensibel abgestimmten Farben: das wie wurden. Die allgemeine Faszination für Holzhändler entdeckt hatte. Der Stil: de-
hingehauchte, leicht grünliche bleu mourant Gesamtkunstwerke gibt ihr recht. zenter Landhaus-Look. Die Kommoden
im Erdgeschoss, der wohltuend müde Va- Geht es allerdings um die Kunst an den und Waschschränke in der Mastersuite
nilleton im Masterbedroom und dazu glän- Wänden, gelten andere Maßstäbe: „Ein hingegen verraten Einflüsse des brasilia-
zende Fliesen in einem Graublau, das die Kunstwerk spricht meinen Intellekt an und nischen Midcentury-Designs. Sogenannte
Farbe des Øresunds heraufbeschwört. Bet- nicht in erster Linie mein ästhetisches holistische Ansätze sind also ihre Sache
tina Gedda besitzt die Gabe, fast immateri- Empfinden“, sagt sie. „Ob es nun zur Ein- nicht? Da lächelt Bettina Gedda: „Man
elle Töne und Farbkombinationen aus der richtung passt, ist ein Gedanke, der mir stellt sich gerne vor, im Leben sei alles wie
unendlichen Fülle an Möglichkeiten he- beim Kauf noch nie in den Sinn gekommen aus einem Guss. Aber es ist doch viel bun-
rauszudestillieren. „Weiß war von vornhe- ist.“ Unnötig zu sagen, dass ihre beiden Öl- ter und widersprüchlicher. Wenn ich ein
rein ausgeschlossen“, betont sie. „Das wäre bilder von Tal R vor den traumverlorenen Interior plane, habe ich nicht ständig das
viel zu harsch. Unser Haus sollte zeitgenös- Farben des Kommandantenhauses desto komplette Haus vor Augen.“ Dieser neue
sisch wirken, seine Historie aber auch präsenter und dramatischer wirken. Kommandant versteht sein Handwerk.

122
Viggo Boesens Sessel im Wohnzimmer wurden mit
einem Polsterstoff von Hermès bezogen, die blau-
en „CA-21“-Chairs von Pierre Guariche tragen Raf
Simons Samt. Von Pierre Chapo stammt das Re-
gal, die „Weave“-Teppiche und den Glastisch ent-
warf Bettina Gedda für ihre Firma knothouse.c om .
Ivanhoe

Inter view Mona B erger s Fotos Shar yn Cairns


Flack
back
Seventies-Glam für eine junge Familie.
Designer David Flack aus Melbourne
befreit mit Vintages und Humor ein Haus
von seiner beigen Eintönigkeit.

Welcome to the Se­


venties! Flurfunk bei
den Hausherren Bec
und Andrew mit Sohn
Thomas. Hinter der
marineblauen Vertä­
felung verbirgt sich
die Küche, der David
Flack einen Terrazzo­
boden in Pfirsich ver­
passte. Stehleuchte
von Studio Reggiani
und Tobia Scarpas Ap­
plike „Quatro“ für Flos.
Den Regeln des Feng Lounge Chairs zum
Shui folgte der Grund- Versinken (über Cas-
riss, aber bei der torina & Co) und der
Gestaltung des acht Coffeetable von Sapo-
Meter hohen Flurs riti setzen Seventies-
ging David Flack von Ausrufezeichen im
Dale Franks abstrak- Wohnzimmer (re. S. u.).
tem Kunstwerk aus. Auf dem Travertin-
Auf der Marmorabla- block flirten Artemi-
ge: Spiegel von Elliat des „Shogun“-Leuchte
Rich, Art déco-Fasan und eine Skulptur von
aus Zink und Samt- Harry Dixon Mptyane.
hocker von 1910, bei- Die Stehlampe ist
des über Capocchi. ein Flohmarkt-Fund.

126
Von der originalen Bar
des Hauses (ganz li.)
übernahm Flack die
senfgelben Fliesen und
olivgrünen Lederleis­
ten. Darauf: Gefäße
von 1970 über Capoc­
chi. Das Esszimmer
links taucht ein Plis­
seevorhang von Mo­
kum in bernsteinfarbe­
nes Licht. Rechts:
Tischleuchte aus Carra­
ra und Muranoglas
über Castorina & Co.
Zu einer Reise ins Ita­ Das Wilde holt Flack
lien der 70er entführt übers Esszimmer rein:
der Masterbedroom Toby Raines Gemälde
(li. Seite). Den Beistell­ überblickt den Chrom­
tisch „Maru“ von B & B tisch von Luciano
Italia krönt die Leuch­ Frigerio, ringsherum
te aus Glas und Chrom Gastone Rinaldis
(über Capocchi). Lei­ Stühle für Rima. Mu­
nenbettwäsche „Ta­ ranovase von Archi­
bacco“ von In Bed und mede Seguso, Super­
Edras Sessel „Vermel­ studios „Oolok/Molok
ha“. Jahrgang 2018: Arco“. Stehleuchte
Paul Bostons Acryl­ von 1968 und Vintage­
gemälde „Painting 4“. Kaktus von Gufram.

129
Auf der welligen Küchen-
vertäfelung sind noch die
Pinselstriche zu erkennen.
„Als erdendes Element“,
sagt David Flack. Neben
der Seventies-Keramik-
vase (über Smith Street
Bazaar) lässt Andrea Bel-
losis „Arc en Ciel“-Lampe
(für Studio Alchimia) ei-
nen Blick in die Glaskugel
zu. Hübsch im Hinter-
grund: Zeichnung von Eu-
an Heng, Memphisüber-
topf „B4“ von Studio Ciao.
Wie kamen Sie zum Interiordesign? Woher stammt Ihre
Begeisterung für Farben und Details?
Meine Eltern haben mir als Kind den riesigen Schuppen in unse-
rem Garten überlassen – sogar mit Elektrizität! Ich kann nicht
einmal mehr sagen, wie oft ich ihn neu gestrichen habe. Wöchent-
ei Ihrem neusten Interior-Projekt haben Sie ein Haus in lich hatte ich andere Einfälle, baute das Interior komplett um: vom
Ivanhoe zurück in seine Entstehungszeit, die siebziger Jahre, Reisebüro über den Blumenladen bis zur Boutique. Für mich ist
gebeamt. Wie sind Sie dabei vorgegangen, Herr Flack? der Schuppen noch heute ein ausschlaggebender Teil meiner Per-
Die einst fröhlichen Elemente der Siebziger – knallige Farben, sönlichkeit als Designer. Er gab mir Sicherheit in meiner Kreativi-
massives Holz, hochflorige Teppiche, wallende Vorhänge – hat tät. Meine Detailversessenheit lebte ich später unter der australi-
eine Renovierung in den Neunzigern zerstört. Darauf folgten Jahre schen Interior-Ikone Kerry Phelan aus; auch ihr Durst nach Kunst
beiger Eintönigkeit! Wir lassen die vergangene Ära nun wie- und nach allem, was Ästhetik ist, hat auf mich abgefärbt. Seitdem
der aufleben; allerdings zeitgenössischer, nicht zu klischeehaft, höre ich niemals auf, in meinem Kopf zu designen!
schließlich wohnt hier eine junge Familie. Das Wetter in Australi- Ihre Interiors sind also von unterschiedlichen Epochen und
en – kalt und heiß – spielte in unsere Idee der Siebziger mit hinein, Designern inspiriert. Wo stehen Sie selbst?
weswegen kräftiges Orange, Rot, Grün und Blau auf dunkle Hölzer In Australien wird mir nachgesagt, dass ich eine europäische Äs-
treffen. Es ist ein Spiel mit dem natürlichen Licht. Auch die archi- thetik habe. Wohl wegen der harten Materialität, der komplexen
tektonischen Elemente aus der Bauzeit, wie Balustraden und Tür- Farbspektren, der Möbel und der Kunst aus den verschiedensten
bögen, wiesen uns die Richtung. Die Philosophie meines Studios Epochen. Tatsächlich sind meine Vorbilder: Gio Ponti, Shiro Ku-
in Melbourne – mit unseren Hunden Alfred und Frank sind wir ramata, Ettore Sottsass, Louis Kahn, Jean Royère, Vincent Van
zu neunt – wurzelt selbst in den Siebzigern. Damals wurden noch Duysen und Christian Liaigre. Andererseits inspirieren mich mei-
Häuser gebaut, die nicht beliebig waren, Charakter hatten. Alles ne Mitstreiter hier: Amber Road, George Livissianis oder Henry
hatte seinen Platz, war ausgewogen und Wilson. Als ich Interiordesign studierte,
durchdacht. Tatsächlich sind die Bauten hatte ich immer das Gefühl, dass ich ei-
D av id F l ack
aus dieser Epoche noch heute die, die gentlich Australien verlassen müsste, um
sich durch ihre Persönlichkeit behaup-
ten. Und das sollen unsere Interiors auch.
„Ein paar Objekte an mich zu beweisen. So wie wir es hier
immer gewohnt waren. Bis in den letz-
Was bedeutet Ihnen Vintage? der Grenze des guten ten zehn Jahren dann der Wandel kam;
Mit der Einrichtung können wir den je-
weiligen Baustil auf die Spitze treiben
Geschmacks geben wir orientieren uns nun nicht mehr aus-
schließlich am Westen, sondern nehmen
oder erden und ihn verständlich machen. dem Interior einen jetzt auch selbst Einfluss.
Kompromisslos die Siebziger feiern woll-
ten wir im Wohnzimmer. Als wir die
Seufzer, runden es ab.“ Gibt es einen Auslöser, der Ihre
Kreativität in Gang setzt?
gemusterten Lounge Chairs fanden, ga- Es sind eigentlich die Häuser selbst, die
ben sie sofort den Ton an. Für mich ist mir erzählen, was zu tun ist. Einen
Vintage eine unbekannte Erinnerung, so paradox es klingt. Die Großteil meiner Kindheit verbrachte ich auf dem Bau; meine El-
Stücke bringen eine Geschichte ins Haus, von der wir nichts wis- tern arbeiten beide in der Branche. Es faszinierte mich, wie sich
sen. Wer sie wann und wo designt hat vielleicht, aber meist nicht, die Gebäude nach und nach zusammenpuzzelten. Damals, es wa-
wie ihr vorheriges Leben aussah. Bei den Vintages, die wir für ren die Neunziger in Bendigo, einer alten Goldgräberstadt bei Mel-
unsere Projekte auswählen, ist Skurrilität entscheidend. Es bourne, wo ich aufgewachsen bin, kämpfte sich Australien durch
braucht grenzwertige, fast hässliche Blickfänge, um dem Interior eine Rezession. Und die traf gerade das Baugewerbe. Das gab mir
einen Seufzer und damit Vollständigkeit zu geben. Denn wenn ein Verständnis für das Wesentliche – und für Budgets! Vor Ort zu
man Dinge nicht hinterfragen würde, was wäre dann überhaupt sein ist für mich deshalb mindestens genauso wichtig wie der De-
der Sinn von Design? signprozess selbst: Reagieren die Materialien mit dem Licht? Gibt
Das Spiel mit Farben und Materialien ist längst zu Ihrem Mar- es noch ungenutzte räumliche Potenziale? Darum geht's.
kenzeichen geworden. Was hat Sie bei diesem Projekt geleitet? Ihre Interiors nehmen sich selbst nicht allzu ernst.
In seinem ursprünglichen Zustand lebte das Haus von geometri- Ich liebe Memphis-Design, die Formen und das Unhöfliche! Da
schen Elementen. Unser Entwurf knüpft hier wieder an. Die gehört Humor dazu. Wenn man erst mal loslässt und Spaß mit dem
Formsprache hat dabei unsere Materialauswahl bestimmt: Wir Interior hat, dann sieht man das auch. Und bei mir? Liegt es daran,
setzten Granit, Marmor oder Holz wie starke Farben ein. Beim wie ich Materialien paare und mit Inkohärenz spiele. Meine Vision
Küchentresen etwa entsteht durch die „Silver Cloud“-Granitplat- für das Haus – türkisgrüne Wände und burgunderfarbener Mar-
te – was für eine Maserung! – gemeinsam mit den Holzbalken und mor, marineblaue Vertäfelungen und pfirsichfarbener Terrazzo –
der lamellenartigen Vertäfelung eine starke Bewegung. Dem klingt für andere nach Chaos. Für mich ist das Ensemble aber auch
schlägt die türkisgrüne Wand entgegen. Ich liebe diese Tiefe und eine Mutprobe. Ich freue mich jedes Mal neu auf den schockierten
Intensität! Wenn man ein Material spüren, sofort begreifen kann Gesichtsausdruck meiner Klienten, wenn ich ihnen zeige, was ich
und seine Rolle im Zusammenhang versteht, dann ist das wie ein mit ihren Häusern anstellen will. Das letzte Wort haben natürlich
fließender Tanz, ein poetisches Konversationsstück. sie. Aber bisher hieß es immer: „Ja!“

131
Ein furioser Reigen: Im Som­
mer rahmen leuchtend rot
blühende Fuchsien den
Haupteingang von Charles­
ton. Das Anwesen war ab
1916 Treffpunkt der legendär­
en Bloomsbury Group (re. S.),
die 1928 – noch in den gol­
denen Tagen – im Garten von
Vanessa Bell fotografiert
wurde. Von links: Frances
Partridge, Quentin und Ju­
lian Bell, Duncan Grant, Clive
Bell, Beatrice Mayor und
in der vorderen Reihe Roger
Fry und Raymond Mortimer.

Firle
Form
follows
fiction

Wild umrankt von Blüten und Mythen: Auf dem Landsitz Charleston fand
die Bloomsbury Group um Vanessa Bell und Duncan Grant
Porträt: Bridgeman Images

einen Ort für Experimente. In den Künsten – und in der Liebe.

Tex t Oliver Koerner von Gus tor f Fotos G avin Kingcome

133
Vanessa Bell hat 1936 Reminiszenzen: Die
zusammen mit ihrer Lackstühle im Esszim-
Tochter Angelica das mer (re. S.) entwarf
ehemalige Kinderzim- Roger Fry, die Kera-
mer links in eine ver- mikleuchte Quentin
spielt-theatralische Bell. Sie ist frühen Mo-
Inszenierung verwan- dellen der Omega-
delt. Das Kinderbild Künstler nachempfun-
zeigt den fünfjährigen den, die Nudelsiebe
Julian Bell, festgehal- zu Lampenschirmen
ten 1911 von Henri Dou- umwidmeten. Dun-
cet. Das von Keramik- can Grant kopierte Pie-
vasen gekrönte Regal ro della Francescas
schuf Duncan Grant. „Herzog von Urbino“.

„Wenn die Sonne end- Alles wurde gestaltet,


lich herauskommt, bemalt, dekoriert.
kannst Du kaum be- Davon zeugt auch Va-
greifen, wie dieses nessa Bells Schlaf-
Zusammenspiel von zimmer (re. S. unten).
miteinander vermisch- Das Museum bewahrt
ten Äpfeln, Malven, die Räume unverän-
Pflaumen, Zinnen, Dah- dert, den Strohhut
lien wirkt“, schrieb trug Bell auf ihrem spä-
Vanessa Bell in einem ten Selbstporträt, im
Brief an Roger Fry. Schrank war ein Klapp-
Unten ein Blick vom bett, daneben ein Bell-
Walled Garden auf die Bild von ihrer Schwes-
Rückseite des Hauses. ter Virginia Woolf.

134
135
Q uent i n B el l

„Charleston begann als Rückzugsort für eine


kleine Bande höchst unpopulärer Flüchtlinge.“

Wie zum Familienbild findet


sich die Bloomsbury Group auf
der italienischen Kommode in
Duncan Grants Studio zusam-
men: in der Mitte eine unvollen-
dete Gipsbüste von Virginia
Woolf, die Stephen Tomlin form-
te. Beim Modellsitzen verlor
sie die Geduld und kehrte nicht
wieder. Links davon ein Porträt
des jüngsten Bruders, Adrian
Stephen, das Duncan Grant mal-
te. Er schuf auch sein „Self
Portrait in a Turban“ und (rechts
davon) ein Bildnis seiner Mut-
ter, Ethel Grant, die viele der
Stickereien im Haus anfertigte.

137
Das pralle Leben und Verwildert war der
die Einsamkeit der Garten (re. Seite oben),
Hausherrin: Auf dem als Vanessa Bell auf
Gemälde porträtierte Charleston ankam, das
sich Vanessa Bell zwei Foto daneben ist un­
Jahre vor ihrem Tod datiert, aber wohl aus
im Jahr 1961. Damals diesen ersten Jahren.
war sie als Malerin ver­ Das Bad u. wurde erst
gessen. Den Kamin 1939 in Bells Schlaf­
des Garden Rooms zimmer installiert. Ihre
verzierte Duncan Enkelin Nerissa saß
Grant mit postimpres­ Großvater Duncan Grant
sionistischen Frucht­ offensichtlich recht
barkeitsgöttinnen. ungern zum Porträt.
A
lles in diesem britischen Arkadien ordnet sich der Schönheit un-
ter. Das Leben, so scheint es in Charleston, muss dekoriert, in
Form gebracht werden. In dem zwischen den Hügeln von East
Sussex eingebetteten Farmhaus aus dem 16. Jahrhundert ist jeder
Winkel mit Hingabe gestaltet. Die verzierten Möbel und Kamin-
simse, selbst entworfenen Vorhangstoffe, mit Streifen, Ornamen-
ten, Arabesken bemalten Wände signalisieren lyrische Leichtig-
keit. Auf Türen und Schränken tummeln sich Akrobaten und
Fabelwesen. Statuen mythischer Gottheiten bewachen den um-
mauerten Garten und die Geschichte, die hier erzählt werden soll.
Doch in dieser Inszenierung gibt es einen dunklen Fleck. Im
Garden Room, mit Blick auf Kieswege, Apfelbäume und Lavendel-
beete, hängt ein spätes Selbstporträt der Herrin des Hauses: Va-
nessa Bell. Es zeigt die Malerin zwei Jahre vor ihrem Tod. Eine
Porträt: Bridgeman Images

asketisch wirkende alte Frau mit Brille und Strohhut, die sich,
wie ihre Biografin Frances Spalding schreibt, in die Malerei zurück-
gezogen, „in ihre Gefühle eingemauert hat“. Sie bewahrt Haltung.
Aber in ihrem Blick liegt resignative Leere, eine rohe, verletzte
Ratlosigkeit, die kein Kunstgriff verbergen kann. Über den Ver-

139
Die Bloomsbury Group sagte sich los vom Viktorianismus, in Duncan Grants Studio hallt das Erbe nach: Neben seinem von ihm mit
Jünglingen bemalten Kamin steht eine holländische Vitrine aus dem Besitz des Romanciers W. M. Thackeray – Vanessa Bell
bekam sie von ihrem Vater Leslie Stephen. Darin ein eklektischer Mix, darunter auch fünf Teller des „Famous Women“-Services.

lust ihres Sohnes Julian im Spanischen Bürgerkrieg und den Woolf in der modernen Literatur. So wie Woolf konventionelle
Selbstmord ihrer Schwester, der Schriftstellerin Virginia Woolf, Vorstellungen des Erzählens über den Haufen warf, veränderten
1941 ist sie kaum hinweggekommen. Die Bloomsbury Group, der Bell und Grant die Art und Weise, wie wir uns heute einrichten,
Zirkel von Londoner Künstlern, Literaten und Intellektuellen, der mit Objekten, Fundstücken und Kunst umgeben.
sie fast ihr gesamtes Leben begleitet hatte, ist zerfallen. 1959, als Dabei gleicht Charleston, das heute ein Museum ist, wie Woolfs
dieses Gemälde entsteht, ist Bell, die zu den ersten abstrakten Ma- Romane einem Bewusstseinsstrom. In den Räumen überlagern
lerinnen der Moderne gehörte, als Künstlerin fast vergessen. sich Zeitebenen, Stile, Erinnerungen wie in einem ornamentalen
Die Einsamkeit, die dieses Gemälde ausstrahlt, scheint sich Allover, in das jedes Detail einfließt. Charleston ist ganz Dekor.
auch auf der von ihr in den 1940er Jahren entworfenen lavendel- Aber es erzählt eine innere, radikal subjektive Geschichte – über
grauen Tapete niederzuschlagen, auf der es hängt. Weiße handge- die Empfindsamkeit und die Rebellion des Bloomsbury-Zirkels,
malte Blüten schweben über Paisleymuster wie treibende Erinne- der gegen viktorianische Konventionen aufbegehrte. Oder wie es
rungen. Dafür flirren überall im Raum heitere Farben und Formen Dorothy Parker ironisch ausdrückte: „Sie lebten an viereckigen
auf: bunte Buchrücken, mit abstrakten Blumen und Blüten bestick- Plätzen, malten in ihren Kreisen und liebten in Dreiecken.“
te Kissen, schimmernde Keramiken. Auf der Brennholzkiste neben So ist es auch bei Vanessas Ankunft in Charleston: An einem
dem Kamin tummeln sich tanzende und musizierende Engel wie verregneten Oktobernachmittag 1916 fährt sie mitsamt ihren klei-
in einer Aufführung der Ballets Russes. Über dem Kaminsims nen Söhnen Julian und Quentin, Duncan Grant, dessen bisexuellen
halten zwei im postimpressionistischen Stil gemalte Fruchtbar- Liebhaber David „Bunny“ Garnett, einem Kindermädchen, einer
keitsgöttinnen ein Blumenbouquet zwischen sich – ein Überfluss Köchin und einer Haushälterin vor dem baufälligen Gebäude in
an Leben, der sich gleich neben dem Grau ergießt. der kleinen Ortschaft Firle vor. Später wird auch noch Vanessas
Jeder Raum hier ist pures Storytelling: Die 1879 geborene Va- Ex-Mann Clive Bell einziehen. Mit im Gepäck haben Vanessa und
nessa Bell und ihr Lebensgefährte, der sechs Jahre jüngere homo- Duncan die Ideen der Omega Workshops, des experimentellen
sexuelle Maler Duncan Grant, haben mit Charleston auf visueller Designstudios, das sie 1913 gemeinsam mit Vanessas damaligem
Ebene ein ähnlich revolutionäres Werk geschaffen wie Virginia Geliebten, dem Maler und Kunstkritiker Roger Fry, am Londoner

140
Die Seerosen der britischen Bohème: „Zu seinen Hochzeiten war Charleston ein solch verzauberter, unglaublich individueller
Ort“, schrieb die Schriftstellerin Frances Partridge in ihren „Memories“. Im Teich badeten die Kinder, später
versumpfte er wieder. So mancher schreckhafte Besucher hielt Quentin Bells lebensgroße Frauenfigur am Rand für einen Geist.

Fitzroy Square gegründet haben. Anders als die Arts and Crafts- low macht. Lampenschirme können aus Stoffresten oder Nudelsie-
Bewegung, die der Arbeiterklasse handwerkliches Design zugäng- ben entstehen und mit wertvollen Antiquitäten kombiniert wer-
lich machen will, wollen die Omega Workshops lediglich die Gren- den. Duncan und Vanessa platzieren ihre eigenen, protofeministi-
zen zwischen schönen Künsten und Kunstgewerbe niederreißen. schen Teller, auf denen sie Frauen der Zeitgeschichte ehren, neben
Das Publikum für ihre Keramiken, Stoffe und Möbel ist exklusiv. Delfter Keramik aus dem 18. Jahrhundert. Picassos Frühwerk „Pots
Während die Workshops 1919 schließen müssen, wird Charles- et citron“ von 1908, das aus latenter Geldnot verkauft werden
ton für die nächsten Jahrzehnte zum Experimentierfeld für Kunst, muss, wird ebenso nachgemalt wie Meisterwerke der Renaissance,
Geschmack, Sexualität. Vom Ökonomen John Maynard Keynes, die in den Uffizien hängen.
der eine Affäre mit Grant hat und sich hier gegen Kriegsende auf Der Bricolage aus Dingen, Texturen, Motiven steht ein komple-
die Verhandlung des Versailler Vertrags vorbereitet, bis zum Ly- xes Geflecht von Gefühlen und Beziehungen gegenüber. 1918 wird
riker T. S. Eliot verkörpern die Gäste den Zeitgeist. Lange bevor Angelica geboren, die Tochter aus der danach rein platonischen
Worte wie „queer“, „Patchwork-Familie“ oder „polyamourös“ er- Beziehung zwischen Vanessa und Duncan. Clive Bell nimmt die
funden wurden, wird hier eine LGBT-Landkommune gegründet, Vaterrolle an. Erst mit 18 erfährt Angelica im Garden Room von
die durchaus snobistische Züge hat. Vanessa die Wahrheit. 1942 heiratet sie Bunny Garnett, den viel
Während das Bauhaus seine Frauen in die Weberei verbannt, älteren ehemaligen Liebhaber ihres Vaters, was die Eltern zutiefst
werden in Charleston als „weiblich“ stigmatisierte Kunstformen verletzt. 1984 schreibt sie ihre Biografie „Freundliche Täuschun-
von allen zelebriert. Die Bewohner dekorieren das Haus wie die gen“, in der Vanessa als unnahbare Egomanin dargestellt wird, die
Kulisse eines radikalen Theaterstücks, an dem auch die Kinder alles ihren Ideen und ihrem Werk opfert.
mitwirken, die sämtlich töpfern, malen, schreiben. Sketche, Auf- Doch dieses Werk wird erst in den späten 1990ern in der Tate-
führungen, Lesungen gehören zum Alltag wie das Nacktbaden. Es Retrospektive „The Art of Bloomsbury“ wirklich gewürdigt, die
kümmert sie nicht, ob ihre Werke für die Ewigkeit halten, was Bell als eine der bedeutendsten Malerinnen der Moderne feiert.
später zum Albtraum der Restauratoren wird. Sie entwickeln ei- Welche Kraft das Experiment Charleston sie gekostet haben muss,
nen eklektischen Stil, der keinen Unterschied zwischen high und lässt sich beim Anblick ihres Porträts erahnen.

141
Barcelona

Aalto?
Eine Wohnung wendet
sich von der Stadt ab,
ohne ihr die kalte
Schulter zu zeigen:

Neu!
wie Designer Marcos
Catalán ein stilles
Meisterwerk gelang.

142
Tex t Ulrich Clewing
Fotos Eugeni Pons

Als Charlotte Perri-


and mit Mitte 20 im
Büro Le Corbusier
anfing, firmierten
ihre Möbel wie der
Sessel „LC3“ noch
unter den Initialen
des Architekten. Cof-
feetables, Leuchte
und Esstisch kom-
men aus dem Studio
von Catalán, die „Ca-
tilina“-Stühle ent-
warf Luigi Caccia Do-
minioni für Azucena.

143
Seit 2006 betreibt Jalousien und mit
Marcos Catalán (li.) Lamellen verblendete
ein eigenes Büro, Wände summieren
in dem er und sein sich zum schlichten,
Team an Projekten aber komplexen En­
aus Interior, Architek­ semble aus offenen,
tur und Produktde­ halb offenen und ge­
sign arbeiten. Den Be­ schlossenen Räumen.
sitzer dieses Apart­ An den Wohnbereich
ments kennt er aller­ (re. S.) schließt sich
dings schon länger: die Küche an – deren
Der Freund aus Kind­ Gestaltung an die
heitstagen gab Ca­ würdevoll­simple Ar­
talán, ohne zu zö­ chitektur japanischer
gern, Carte blanche. Teehäuser erinnert.

Marcos Catalán

„Als ich die Räume


sah, dachte ich
gleich an die
Interieurs Alvar
Aaltos und deren
ganz spezielle
Art des Komforts.“

Das helle Holz der


nordischen Kiefer
und ein großflächi­
ges Mosaik aus
matt glänzendem
Thassos­Marmor be­
gegnen einem in
dem neu gestalteten
Apartment immer
wieder. Die Armatu­
ren im Kinderbad
rechts sind von Dorn­
bracht, den Stuhl
„K65“entwarf Alvar
Aalto einst für Artek.

144
B artolomé Mitre hat sich um die Befreiung das bald als besondere Herausforderung
Argentiniens von der Rosas-Diktatur sehr dar. Denn es hieß, dass es dort nicht nur
verdient gemacht. Aber die Straße, die sie wohnlich werden sollte, sondern die Ge-
in Barcelona deshalb nach ihm benannt staltung auch noch das ersetzen musste,
haben, ist eine Zumutung. Auf sechs Spu- was man sich als Architekt normalerweise
ren schneidet sie eine Trasse aus Lärm, Ge- vom Blick nach draußen verspricht: Ruhe
stank und Abgasen durch das Viertel Sar- ins Ganze zu bringen.
rià-Sant Gervasi, das ohne sie eigentlich Auf der Suche nach Lösungen erinnerte
ganz hübsch wäre mit seinen kleinen Ge- sich Marcos Catalán an seine Vorliebe für
schäften, Restaurants und Bars; hier, wo die kühle Formensprache des Nordens.
die Metropole am Meer die Hügel hinauf- Skandinavien, die fünfziger Jahre, das wa-
schwappt wie eine Welle den Strand. ren für den Designer die gedanklichen Fix-
Marcos Catalán steht am Fenster, aber punkte bei der Umgestaltung. Viel Holz,
sein Blick schweift nicht in die Ferne. dazu ein großflächiges Marmormosaik am
Durch die geschlossenen Jalousien fällt in- Boden und roher Putz an der Decke. Schon
direktes Licht und beleuchtet sanft den Alvar Aalto hatte mit solchen geome-
Raum. „Als wir mit den Eigentümern zum trischen Strukturen, verschiedenen Bau-
ersten Mal durch die Wohnung gingen, materialien und deren unterschiedlichen
wurde uns allen klar, dass die Aussicht Oberflächen und Texturen gearbeitet. „Ich
nicht das Beste an ihr ist“, sagt der Inte- dachte gleich an ihn, als wir uns an das
riordesigner, „deswegen waren wir uns Apartment machten“, erinnert sich Catalán.
schnell einig, nicht von innen nach außen, „Mir gefällt die Zurückhaltung seiner De-
sondern von außen nach innen zu bauen.“ signs. Bei ihm scheint sich alles dem
Der Stadt den Rücken zudrehen: Bei dem grundsätzlichen Anliegen unterzuordnen,
300 Quadratmeter-Apartment stellte sich eine entspannte Atmosphäre zu schaffen.“

145
Wo zuvor ein Laby­
rinth von vielen klei­
nen Zimmern war,
herrscht nun auf
300 Quadratmetern
entspannte Groß­
zügigkeit. Das Bett im
Masterbedroom ent­
warf Catalán, für den
Fußboden standen
Designs von Carlo
Scarpa Pate. Die Ses­
sel „Cité“ von Jean
Prouvé werden heute
bei Vitra produziert.

146
147
Marcos Catalán

„Wenn man jedes


Zimmer bis ins
letzte Eck vollstellt,
verliert man das
Gefühl für den
Raum. Das wollte
ich vermeiden.“
Heute, sagt Marcos Catalán, sei es im Inte- hunderts zählt. Scarpa stand Pate beim tische Kontraste einfügen sollte. „Mir ge-
riordesign zur Mode geworden, Innenräu- Marmorfußboden, den Catalán als Hom- fallen Möbel der Klassischen Moderne,
me bis in die letzte Ecke mit Möbeln und mage an den Baumeister inzwischen nur weil sie Persönlichkeit haben, sich aber
Objekten anzufüllen. „Ich finde, dass man noch das „venezianische Mosaik“ nennt. visuell nicht so nach vorne drängen“, sagt
dabei rasch das Gefühl für die Dimensio- Doch bevor alles so weit war, musste der Interiordesigner. Charlotte Perriands
nen eines Raumes verliert. Das wollte ich das Apartment einmal kräftig ausgefegt Entwürfe aus ihrer Zusammenarbeit mit
unbedingt verhindern.“ Bei diesem Projekt werden. Das Haus, in dem es sich befindet, Le Corbusier erschienen ihm ideal, zumal
sollte die Architektur – und nur sie – für war solide gebaut, aber die Verhältnisse es sie in handwerklich immer noch hervor-
sich wirken dürfen. und Prioritäten ändern sich nun mal im ragend gefertigten Reeditionen gibt. Wie-
Dass man dabei auch an die aufgeräum- Lauf der Zeit. Ursprünglich war die Woh- der schloss sich ein Kreis an diesem Ort
te, aber komplexe protomoderne Ästhetik nung für einen Haushalt mit Bediensteten der Ruhe in der Stadt. Ob Alvar Aalto und
traditioneller japanischer Teehäuser denkt, gedacht. Es gab darin also zwei Bereiche – Charlotte Perriand sich kannten, weiß man
ist kein Zufall. „Alvar Aalto hatte in seinen einen für die Eigentümer, einen fürs Per- nicht so genau. Aber sie hatten offenkun-
Designs durchaus Einflüsse aus dem Fer- sonal – und viele kleinere Zimmer mit dig gemeinsame Interessen; eines davon
nen Osten aufgenommen, das wenig Auf- dunklem Holz an Böden und Wänden. All war die Architektur Japans.
trumpfende ist bei ihm immer auch sehr dies verschwand, und damit auch unnötige So mischen sich die Dinge hier doch
kraftvoll“, erklärt Catalán. Ein anderer Ar- Zutaten wie die niedrige Stuckdecke im noch, wenngleich auf eher abstrakter Ebe-
chitekt, an dem sich der 46-Jährige und sein Wohnzimmer, unter der ein Kappengewöl- ne. Die Moderne und die Postmoderne, ein
damaliger Studiopartner Victor Bergnes be zum Vorschein kam. Der Designer ließ argentinischer Freiheitskämpfer und der
anfangs orientierten, war der große Carlo es, wie es war, weil dessen industrial chic so Lärm der Straße, der nicht ins Haus dringt.
Scarpa, dessen vor einigen Jahren restau- gut zum neuen, schlicht-raffinierten Stil Und zwei oder drei Biografien von Men-
rierter Olivetti-Schauraum in Venedig zu des Apartments passte. Hört man Catalán schen, die sich im echten Leben nie be-
den Meisterwerken der italienischen Ar- eine Weile zu, leuchtet es einem auch bald gegnet sind. Was für ein grandioser und
chitektur in der zweiten Hälfte des 20. Jahr- ein, dass sich die Ausstattung ohne drama- gleichzeitig grandios einfacher Mix.

Marcos Catalán ist


ein geschickt aktuali-
sierter Vintage-Look
gelungen: Holz und
Stein, glänzende und
matte Oberflächen
und über allem viel
Licht, das kennt man
von Alvar Aalto. Die
Konsole, die von der
Küche re. durch die
Glaswand ins Esszim-
mer reicht, erinnert
an die Architektur
von Arne Jacobsen.

Li. Seite: Überall in


der Wohnung hat Ca-
talán Wandschränke
einbauen lassen. Das
sorgt für die visuelle
Ruhe, die nötig ist,
um der Großstadthek-
tik zu entfliehen –
hier im Gang zum El-
ternschlafzimmer.
Vor dem integrierten
Schreibtisch steht
Charlotte Perriands
„LC7“-Drehstuhl (über
c as sina.com ).

149
„Ich liebe die siebziger
Jahre. Das war eine so
freie, kreative Zeit,
in allen Bereichen der
Kunst!“ Chicco Ceceri
war damals zwar noch
ein Teenager, aber
die Farben und Formen
dieser Zeit sind ihm
für immer geblieben.
Das Haus, das er mit
seinem Partner Ni­
cola Villano auf Iraklia
umgebaut hat, ist
23 Quadratmeter Pop.

Bis zum Horizont … und


weiter: „Wir wollten
bewusst keine typisch
griechische Ästhetik
in Blau­Weiß.“ Der knall­
rote Sixties­Teewagen
trägt eine Tonvase aus
den siebziger Jahren
und einen Krug aus
Rauchkristall, darüber
ein Kunstdruck aus
derselben Epoche.
Die meisten Objekte
im Haus stammen
von Vintage­Händlern
und von Flohmärkten.
Iraklia

Ferien in
Technicolor
Außen ein schlichtes Landhäuschen, innen ein Feuerwerk
des Pop: Auf der kleinen Kykladeninsel Iraklia leben
zwei Italiener aus Neapel die ultimative Freiheit. Wie ihnen
das auf 23 Quadratmetern gelingt? Mit bunten Träumen
aus Kindertagen, Visionen, die in Vintage weiterleben –
und dem himmelblauen Meer vorm Liegestuhl.

Tex t G esine B orcherdt Fotos Nathalie Krag


Fotos: Nathalie Krag/Living Inside

151
Das Metallbett o. aus
dem 19. Jahrhundert
stammt vom Monastira-
ki-Flohmarkt in Athen
und wurde zur Couch
Drei Fragen an …
umfunktioniert. Eine
Wand weiter reflek-
Chicco Ceceri
tiert der Teakholzspie-
gel o. rechts aus den Haben Sie einen Lieblingsplatz im Haus?
sechziger Jahren die Das Metallbett neben dem Fenster. Nachmittags
Essecke, während der weht eine Brise vom Meer hinein, nachts sieht man
Spiegel links aus wei- den Sternenhimmel: der perfekte Ort, um zu lesen,
ßem Korbgeflecht das zu meditieren und Musik zu hören. Nicola hingegen
Schlafzimmer rahmt.
liebt die Terrasse und seinen „Butterfly Chair“.

Wie war die erste Begegnung mit dem Haus?


Wir fanden es traurig, wie verschlossen und verfallen
es dalag, sogar ohne Hinweisschild. Schließlich über-
redete ich die Besitzer zum Verkauf. Drinnen gab
es zu der Zeit nur einen Ofen und eine Art Mühle.

Was hat altes Design, was neues nicht hat?


Früher baute man solide Möbel, die Formen wurden
genau überlegt, man hat experimentiert und beste
Materialien verwendet. Heute wird exzessiv produ-
ziert, oft ohne Atelier, ohne kulturelles Bewusstsein
und ohne Qualitätsrecherche. Einiges wird sogar von
Designprogrammen entworfen, weswegen nur we-
nig Modernes bleiben wird, außer natürlich Entwürfe
von Vincent Van Duysen oder Vincenzo De Cotiis.
Die blaue Kabine: Das Schlafzimmer hat der
Architekt Pasquale Capasso vom Studio
Giuliano Andrea dell’Uva in leuchtendes Yves
Klein-Blau getaucht. Akzente in Rot, Grau
und Blau geben dem Raum Rhythmus – wie
in einer Wohnhöhle von Verner Panton.
Von ihm stammt die „Panthella“-Leuchte auf
dem Schemel von Lisa Johansson-Pape. Der
Überwurf wurde von Hand in Naxos gefertigt.

Chicco C e ceri

„Früher haben Designer die


Formen bestmöglich
durchdacht, heute entwerfen
Programme die Möbel.“

153
Es gibt Gelb auf Blau: Die
Freischwinger am Esstisch
(einem alten Gartentisch,
den Ceceri auf einem Floh-
markt in Neapel fand) sind
quasi Brüder im Geiste von
Marcel Breuers „Cesca“-
Modell mit Wiener Geflecht.
Die gelbe Leuchte darüber
ist ein Original von Carl Tho-
re aus den sechziger Jahren.
Lichtblick: Die kugelige iGuz­
zini­Applike kommt im Haus
gleich mehrmals vor. Hier kom­
binierten die Besitzer sie
mit Kissen von Ikea und Mai­
sons du Monde und erinnern
so diskret an den Charme
der Utopie, der die siebziger
Jahre zum Strahlen brachte.

155
Brüssel Als Alex und Philippe Gabriels
ihr Haus in einer belgischen

Festung
Kleinstadt bauten, dachten viele,
jemand errichte hier eine Kirche.
Ganz unrecht hatten sie nicht.

der

Sogar die Fassade


des Hauses von Alex
und Philippe Gabri­
els (rechts in ihrer
Küche) ist durchläs­
sig und wurde auf
die Farbe der umge­
benden Bäume ab­
gestimmt. Besonders Tex t L arissa B eham Fotos Jan Verlinde
auffällig ist die Au­
Fotos: Jan Verlinde/Living Inside

ßentreppe – dabei
wurde sie ursprüng­

Leichtigkeit
lich nur geplant,
um Lehmabfälle ent­
sorgen zu können,
ohne die Wohnräume
zu verschmutzen.

157
A lex G abrie ls

„Außen wird die Intimsphäre gewahrt,


aber innen spürt man die Offenheit.“

Wohnzimmer im Wald:
Hier treffen sich alte
und neue Designgrö­
ßen von Urquiola (Sofa
und Coffeetable) bis
Jeanneret (Schreibtisch­
stuhl) – Sideboard und
Liege allerdings sind
maßgefertigt, inspiriert
von skandinavischen
Entwürfen um 1960.
Drei Fragen an …
Alex Gabriels
Was sind Ihre Lieblingsmaterialien?
Ich mag vor allem Stoffe, die Wärme
ausstrahlen und nachhaltig sind – wie
Holz, Naturkalk oder Naturleinen. Doch
ich finde auch Beton und Stahl gut.

Welche (Design­)Galerien, Antik­ oder


Flohmärkte besuchen Sie regelmäßig?
Wir gehen am liebsten zu Nome Furni­
ture, Geert De Bruycker, Tim Van Laere,
Valerie Traan und bis vor Kurzem zu
Piet Raemdonck – alle in Antwerpen!

Was geben Ihnen Vintage­Stücke,


das Ihnen aktuelle Möbel und Objekte
nicht geben können?
Ich mag zeitgenössische Möbel eben­
so sehr wie Vintage­Objekte. Der Reiz
beginnt für mich damit auszutesten,
wie verschiedene Stilperioden perfekt
miteinander funktionieren.

Alex G abriels

„Ich mag alles Raue, Ehrliche.“


Der Steinvorhang
(linke Seite) schützt
vor aufdringlichen
Sonnenstrahlen und
lässt trotzdem genü­
gend Licht ins Haus.
„Und wenn es regnet,
können wir immer
noch draußen sein“,
sagt Alex Gabriels,
deren über die Trep­
pe erreichbares Stu­
dio (oben) über dem
Wohnzimmer liegt
und Baumblick bietet.

Zeigen, was ist: In


der von Lens°Ass Ar­
chitecten entwor­
fenen Küche rechts
braucht sich kein Ma­
terial zu verstecken:
Böden und Decke
sind aus Beton, der
Küchenblock aus
Raucheiche (matt la­
ckiert). Das Hänge­
regal entwarfen die
Architekten, Leuch­
ten stammen von
Vergeten Verlichting.

161
Carte blanche: Der
belgische Maler Dirk
Eelen durfte sich
aussuchen, wo sein
Gemälde hängen
wird. Er wählte das
Esszimmer o. mit
Aussicht auf die Feu­
erstelle „Gyrofocus“
von Dominique Im­
bert. Um den skan­
dinavischen Esstisch
„Luc Table“ versam­
meln sich die Stüh­
le von H. W. Klein.

Prachtstück im Grü­
nen: Auf die ge­
schragte Fassade an
der Südseite des
Hauses rechts sind
Architekten und
Bauherren so stolz,
dass sie den Weg
zum Eingang eigens
bogenförmig anleg­
ten, damit Besucher
die Fassade aus
verschiedenen Blick­
winkeln eingehend
betrachten können.

162
or den zimmerhohen Glasfronten auf der Südseite des Hauses
siebt ein Vorhang aus Ziegelsteinen das einflutende Licht. So lässt
es sich gut leben, wenn der Sommer seine Hitze durch die ge-
kreuzten Schragen drückt und überall im Haus plötzlich x-förmi-
ge Schatten schweben. Die anderen Außenmauern dieses Gebäu-
des im belgischen Städtchen Kampenhout, keine 20 Kilometer
nordöstlich von Brüssel, sind massiv und verstärken den Eindruck
des Weltabgekehrten. „Oft fragten uns Spaziergänger während der
Bauphase, ob hier eine Kirche oder eine Kapelle entstünde“, er-
zählt Alex Gabriels. Seit Juli 2016 wohnt die Art Direktorin hier
nun gemeinsam mit ihrem Mann Philippe, einem Kreativdirektor,
und den drei gemeinsamen Söhnen.
Zwischen den hohen Fenstern und dem steinernen, ornamen-
talen Vorhang strahlt die überdachte Terrasse eine meditative Ru-
he aus, fast wie der Kreuzgang eines Klosters – ganz gleich wie
azurblau der Pool anderes glauben machen will. Und natürlich
Von der Art Direktorin zur Keramikerin (o.): „An Ton mag ich das
lassen die x-förmigen Strukturen ans Christusmonogramm den-
Grobe, Erdige. Man soll ihn sehen. Nur wenn es sein muss,
ken und damit einmal mehr an einen Sakralbau. Tatsächlich aber überziehe ich die Stücke mit einer Glasur“, sagt Alex Gabriels.
hat die geschragte Anordnung der Ziegel ganz pragmatische Grün-
de: „Es ist ein einfacher Weg, um aus diesen Steinen, die waagrecht
übereinandergeschichtet werden müssen, eine Wand mit großen
Öffnungen zu konstruieren“, sagt Thijs Prinsen vom Architektur- sie sind“. Decken und Böden sind aus Beton, die Wände unver-
büro Lens°Ass in Hasselt dazu, der das Projekt mitbetreute. putzt. Das Klösterliche findet seine Fortsetzung in den langen und
Und eine Ziegelfassade sollte es werden – als Verneigung vor klaren Fluchten des Hauses, die Ausdehnung von Wohn- und Ess-
der flämischen Architektur, für die die gebrannten Mauersteine zimmer ist eines Refektoriums würdig.
typisch sind. Auch der alte Baumbestand auf dem 1800 Quadrat- Vor allem aber wird in den Innenräumen Lebendigkeit und gut
meter großen Grundstück sollte in die Planung des neuen Heims gelaunte Nostalgie zelebriert: Die Natur ist dank der kinolein-
miteinbezogen werden, die schon seit 2012 im Gange war: „Mo- wandgroßen Panoramafenster Teil des Hauses, wie im Wohnzim-
natelang suchten wir nach der geeigneten Farbe für das Haus“, mer, wo der Blick nach Osten ins Morgenlicht fällt und die Jah-
erinnert sich Alex Gabriels. „Jetzt verschmelzen die Ziegel bei reszeiten ein stetes Schauspiel feiern. Midcentury-Entwürfe vor
vielen Lichtstimmungen wie ein Chamäleon mit der Borke der allem skandinavischer Designer oder von diesen inspirierte Nach-
Bäume und den Nuancen der Natur.“ bauten finden hier so zueinander, dass sie weitläufige Offenheit
Und auch das Element Wasser dirigierte das Bauvorhaben: Ein herauskehren statt verstellen. Zu einem Sofa von Patricia Urquiola
Bach fließt am Haus der Gabriels vorbei, die Umgebung ist quel- gesellen sich etwa ein Tisch von Erik Riisager Hansen und ein
lenreich, und bei starkem Regen drohen Überschwemmungen. Stuhl von Pierre Jeanneret, Sideboard und Liege sind Möbeln um
Deshalb wurde das Fundament des Hauses im Verhältnis zur Stra- 1960 nachempfunden, alle in gedeckten Tönen. „Nur bei ehrlichen,
ße um 70 Zentimeter angehoben. Eine Brunnenanlage in Indien, erdig-dunklen Farben fange ich Feuer“, sagt Alex Gabriels, die mit
bei der man zum Schöpfen zahllose Stufen hinabsteigen muss, war Philippe und den Architekten gemeinsam das Interieur gestaltete.
Anregung für eine Außentreppe, die heute formal mit den vielen „Unser ‚Modern-Vintage-Mix‘ spiegelt das wider. Und unsere Gäste
Schragen der Südansicht harmoniert. Über den Aufgang erreicht fühlen sich immer wieder an Brasilien erinnert.“
man das Atelier von Alex Gabriels im ersten Stock. Sie arbeitet Hier weht der Wind des Tropical Modernism, und jetzt fügt
noch immer als Art Direktorin, verlegt sich aber mehr und mehr sich auch der leuchtende Pool nahtlos ins Bild – seine zahllosen
auf ihre neue Berufung, die Keramik: „Ich mag alles Raue, Ehrliche: Lichtreflexionen tanzen an Sommernachmittagen auf den Esszim-
Das Brutalistische der Architektur hier dekliniert sich durch bis merwänden mit den kreuzförmigen Schatten. Das Architektur-
in manche meiner Tonarbeiten“, sagt sie. büro Lens°Ass, bekannt für seine gekonnten Kontraste zwischen
„Innen und Außen des Hauses sind eins“, ergänzt der Architekt Alt und Neu, hat die Vergangenheit in diesem Kampenhouter Neu-
Thijs Prinsen. Vielleicht will er damit auch sagen: Es sind zwei bau einfach mit dazugeholt: der Singsang von nordeuropäischem
Seiten einer Medaille. Denn die Atmosphäre im Inneren des Hau- Midcentury-Design, der Duft der brasilianischen Moderne, dazu
ses ist durch und durch einladend. Auch dort wollten die Archi- ein bisschen bärbeißiger Brutalismus und sakrale Reminiszenzen.
tekten – wie bei der Ziegelfassade – „die Materialien zeigen, wie Hier treffen sie sich zur Synthese der Stile.

163
AD
Summaries

Styria (p. 110) via a monotonously beige makeover (de- nal walls, using blinds and slatted parti-
A couple of art collectors eschew white tails such as internal archways and balus- tions to create open and semi-open spaces;
cubes in favor of color and warmth. trades had at least survived). Flack thus these he then furnished with clean-lined
“Yes, it was very impressive,” says interior set about taking the house back to its pieces such as Charlotte Perriand and Le
designer Luis Laplace of this large modern roots, though not in a period cliché way – Corbusier's LC chairs and tables by his
house in southeastern Austria, “but also the aim, after all, was to create a contem- own studio. The end result is an urban
kind of cold.” Marija Stolitzka-Novak and porary family home. In the living room, apartment with echoes of a Japanese tea
husband, therefore, wanted an overhaul curvy seventies lounge chairs now set the house – which, given Aalto and Perriand’s
that would make the house more of a tone, backed up by a Saporiti coffee table shared interest in Oriental design, is per-
home – a challenging task given the scale from the same period. The flamboyant haps less surprising than it sounds.
of the property and the need for the de- dining room pairs Rima chairs by Gastone
cors to dovetail with the couple’s contem- Rinaldi with a chrome Luciano Frigerio Iraklia (p. 150)
porary art. Around pieces by the likes of table, above which arcs a Superstudio Two Neapolitans turn an empty shell in
Martin Kippenberger, Zoran Mušič, and floor lamp from 1968, while the compact the Cyclades into a riot of pop color.
Ellsworth Kelly, Laplace arranged mid- kitchen is wrapped in corrugated navy- “I love the seventies,” says Chicco Ceceri, “it
century classics and shimmering jewel- blue panels that combine strikingly with a was such a creative, free-spirited time!” The
tone textiles, ensuring the artworks and pink terrazzo floor. interiors of his Greek island retreat, a mod-
designs don’t just coexist but intelligently est 23 sq m property he and his partner
interact. In the five-meter-high atrium, a Firle (p. 132) Nicola Villano converted from a then dere-
pair of pink velvet chairs thus seem to The life aesthetic: how a pair of English lict building, thus draw heavily on that de-
stand guard over papier maché sculptures artists created their own radical Arcadia. cade’s forms and hues. The bedroom walls
by Franz West, while the living room fur- If interiors could talk, Charleston’s would are bathed in Yves Klein blue and set off
nishings, especially the Phelippeau arm- be a stream of consciousness. Every space, with bold accents, while pop colors also
chair with its newly acquired Aubusson every surface of this 16th-century farm- abound throughout the living/dining area,
tapestry fabric, pay chromatic tribute to a house, transformed by Vanessa Bell and from the bright red of the sixties tea trolley,
Jorge Pardo painting. Duncan Grant from 1916 on, is filled with on which sits a stripy seventies vase, to the
patterns, colors, portraits, and mythical yellow lamps and blue dining table. Like
Copenhagen (p. 118) figures. Styles and periods overlap, while much of the furniture, the latter was found
A rug designer revitalizes a residence the line between fine and decorative art is at a flea market (it’s actually an old garden
once reserved for navy top brass. also deliberately blurred. After arriving in table) – as was the 19th-century metal bed,
Owned until 2013 by the Danish defense East Sussex with Bell’s sons and Grant’s now a cushion-scattered couch with spec-
ministry, Bettina Gedda's 19th-century bisexual lover, the two turned Charleston, tacular sea views.
home was, like its neighbors, originally now a museum, into a place of experimen-
built for high-ranking naval officers. After tation – and a refuge for their Bloomsbury Brussels (p. 156)
becoming its first civilian owner, the de- Group friends. Together, adults and chil- X-factor: two Belgian creatives bring
signer spent some two and a half years dren decorated the house in eclectic fash- new drama to traditional brick walls.
stripping away layers of paint, restoring ion, combining colander lampshades with “During construction, passers-by would of-
period features such as plaster moldings valuable antiques, abstract paintings with ten ask if it was going to be a church,” says
and wooden floorboards, and redecorating reproductions of Renaissance works, and art director and potter Alex Gabriels of her
the rooms in subdued shades. The living 18th-century Delftware with their own family's new-build home in Kampenhout,
room thus gained a muted greenish blue, protofeminist plates – a mix of furniture, near Brussels. It's easy to see why – the
against which Gedda has arranged vintage found objects, and art that was as radical criss-cross structure screening the south-
treasures (Mario Bellini sofa, reupholstered in its day as the occupants' unorthodox facing windows does, after all, call to mind
1930s Viggo Boesen chairs) alongside ex- domestic arrangements. interlocking Christograms. It was, however,
amples of her Knothouse label’s geometric actually conceived as a means of introduc-
rugs. The one-time drying loft, meanwhile, Barcelona (p. 142) ing large openings into vertical brickwork,
has been converted into a vanilla-hued en Designer Marcos Catalán devises a calm explains architect Thijs Prinsen of Hasselt-
suite master bedroom with own-design sanctuary that draws on Aalto and Japan. based practice Lens°Ass (and brick was a
furniture and gray-blue lavastone flooring When the views out are of six lanes of traf- must, out of respect for the Flemish tra-
by File Under Pop. fic, as at this 300 sq m apartment in Sarrià- dition). Inside, there are concrete ceilings
Sant Gervasi, it’s perhaps better to look in- and floors plus unplastered walls, though
Ivanhoe (p. 124) wards. The owners agreed and so Marcos their ascetic air is tempered by panoramic
Melbourne’s David Flack banishes the Catalán set about developing interiors that woodland views, while the furnishings,
beige with a fabulously glam revamp. would at least instill an inner calm, taking planned by Alex and her husband Philippe,
Asked to overhaul a young couple's 1970s his cue from Nordic design and Alvar Aalto are a vibrant mix of Patricia Urquiola piec-
home, interior designer David Flack found in particular. Seeking to let the architecture es, Brazilian modernism, and Scandinavian
all the charm had been knocked out of it speak for itself, Catalán knocked out inter- mid-century style.

164 B y Iain Reynolds


MEN’S FASHION BIBLE
Foto: Julia Noni. Styling: Tobias Frericks

JETZT IM HANDEL!
F∙S 2019 GENTLEMEN’S QUARTERLY
87746 Erkheim
Adressen 49076 Osnabrück

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Aufgeblüht am Øresund

ARCHITECTURAL DIGEST
erscheint in der
Condé Nast Verlag GmbH
Oskar-von-Miller-Ring 20, 80333 München

Condé Nast International

Chairman and Chief Executive Jonathan Newhouse


President Wolfgang Blau

The Condé Nast International Group of Brands includes

Großbritannien
Vogue, House & Garden, Brides, Tatler, The World of Interiors,
Dänemark ist die Hochburg des Purismus? Nicht nur. Den Beweis liefert
GQ, Vanity Fair, Condé Nast Traveller, Glamour,
das Haus von Vicky Fogel (o.). Zum stillen Grüngrau des Schlafzimmers Condé Nast Johansens, GQ Style, Love, Wired, Condé Nast
geleiten Blumenranken wie von William Morris. Mehr? Auf ad-magazin.de ! College of Fashion & Design, Ars Technica

Frankreich
Vogue, Vogue Hommes, AD, Glamour, Vogue Collections, GQ,
AD Collector, Vanity Fair

Italien
Vogue, Glamour, AD, Condé Nast Traveller, GQ, Vanity Fair,
Urheber- und Reproduktionsrechte Wired, La Cucina Italiana, Lisa
Deutschland
© VG Bild-Kunst, Bonn 2019 © Estate of Duncan Grant Vogue, GQ, AD, Glamour, GQ Style, Wired
S. 11: Rupprecht Geiger, Editionen All rights reserved/VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Spanien
S. 13: Walter Gropius, Architektur S. 17: Duncan Grant, Gemälde Vogue, GQ, Vogue Novias, Vogue Niños, Condé Nast Traveler,
S. 13: Alfred Arndt, Farbgestaltung S. 17: Duncan Grant, Tisch Vogue Colecciones, Vogue Belleza, Glamour, AD, Vanity Fair
S. 59: Harri Koskinen, Kerzenständer S. 134: Duncan Grant, Wandregal/Malerei Japan
S. 60: Walter Gropius, Sessel S. 136–137: Duncan Grant, Gemälde Vogue, GQ, Vogue Girl, Wired, Vogue Wedding
S. 61: Marianne Brandt, Sahne- und S. 138: Duncan Grant, Wandmalerei
Taiwan
Zuckergarnitur S. 139: Duncan Grant, Gemälde Vogue, GQ, Interculture
S. 61: Max Bill, Uhr S. 140: Duncan Grant, Wandmalerei
Mexiko und Lateinamerika
S. 62: Wilhelm Wagenfeld, Türdrücker Vogue Mexico and Latin America, Glamour Mexico, AD Mexico,
© Comité Jean Cocteau, Paris/
S. 64: Ludwig Mies van der Rohe, Sessel GQ Mexico and Latin America
VG Bild-Kunst, Bonn 2019
S. 66: Josef Hartwig, Schachfiguren Indien
S. 40: Jean Cocteau, Teller
S. 68: Ludwig Mies van der Rohe, Sessel Vogue, GQ, Condé Nast Traveller, AD
S. 70: Walter Gropius, Architektur © F.L.C./VG Bild-Kunst, Bonn 2019
S. 72: Alfred Arndt, Farbgestaltung S. 48: Le Corbusier, Leuchte
S. 90: Le Corbusier, Fensterfarbe Published under Joint Venture
S. 74: Gerrit Thomas Rietveld, Pendelleuchte
Brasilien Vogue, Casa Vogue, GQ, Glamour
S. 74: Frank Stella, Werk S. 142–143: Le Corbusier, Sessel
Russland Vogue, GQ, AD, Glamour, GQ Style, Tatler, Glamour Style Book
S. 74: Barbara Müller, Wandteppich S. 145: Le Corbusier, Sessel
S. 74: Ludwig Mies van der Rohe, Sessel © The Josef and Anni Albers Foundation/
S. 72–75: Walter Gropius, Architektur (Anteil) Published under License or Copyright Cooperation
VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Australien Vogue, Vogue Living, GQ
S. 74–75: Alfred Arndt, Farbgestaltung S. 24: Josef Albers, Tischleuchte Bulgarien Glamour
S. 75: Frank Stella, Gemälde S. 64: Anni Albers, Teppich China Vogue, AD, Condé Nast Traveler, GQ, GQ Style, Condé Nast
S. 76: Marianne Brandt, Leuchte S. 66: Josef Albers, Tische Center of Fashion & Design, Vogue Me, Vogue Film
S. 82: Gerrit Thomas Rietveld, Stühle Deutschland GQ Bar Berlin
© The Estate of Yves Klein/VG Bild-Kunst, Island Glamour
S. 102: Pierre Jeanneret, Stuhl
Bonn 2019 Korea Vogue, GQ, Allure, W
S. 104: Pierre Jeanneret, Stuhl
S. 74: Yves Klein, Tisch Mittlerer Osten Vogue, Condé Nast Traveller, AD,
S. 117: Max Ingrand, Leuchte GQ, Vogue Café Riyadh
S. 147: Jean Emile Victor Prouvé, Sessel © R. Hamilton. All Rights Reserved/ Niederlande Vogue, Glamour, Vogue The Book, Vogue Man, Vogue Living
S. 148: Charlotte Perriand, Stuhl VG Bild-Kunst, Bonn 2019 Polen Vogue, Glamour
S. 159: Pierre Jeanneret, Sessel S. 82: Richard Hamilton, Edition Portugal Vogue, GQ, Vogue Café Porto
Rumänien Glamour
Russland Vogue Café Moscow, Tatler Club Moscow
Südafrika House & Garden, GQ, Glamour, House & Garden Gourmet,
Fotos: Peter Kragballe, Styling: Camilla Tange Peylecke

Abonnementbetreuung GQ Style, Glamour Hair


Thailand Vogue, GQ
Tschechische Republik und Slowakei Vogue, La Cucina Italiana
Deutschland und Österreich: AD ARCHITECTURAL DIGEST Leserservice, Postfach 290, 77649 Offen-
Türkei Vogue, GQ
burg, Tel. 0781 6394509, E-Mail abo@ad-magazin.de. Schweiz: AD ARCHITECTURAL DIGEST Leserser- Ukraine Vogue, Vogue Café Kiev
vice, Postfach, 6002 Luzern, Tel. +41 41 3292244, E-Mail ad@leserservice.ch. USA: AD ARCHITECTURAL Ungarn Glamour
DIGEST (German) (USPS no 0024066) is published monthly by Condé Nast Verlag GmbH. Subscription
price for USA is $ 80 per annum. K.O.P.: German Language Pub., 153 S Dean St, Englewood NJ 07631.
Condé Nast USA
Periodicals postage is paid at Englewood NJ 07631 and additional mailing offices. Postmaster: Send
President and Chief Executive Officer Robert A. Sauerberg, Jr.
address changes to: AD Architectural Digest (German), GLP, P.O. Box 9868, Englewood NJ 07631. All Artistic Director Anna Wintour
other countries: see Deutschland. © 2019 by Condé Nast Verlag GmbH, München. AD ARCHITECTURAL
DIGEST is published 10 times in 2019. Vogue, Vanity Fair, Glamour, Brides, Self, GQ, GQ Style,
The New Yorker, Condé Nast Traveler, Allure, AD,
AD STIL, DESIGN, KUNST & ARCHITEKTUR NR. 199 © 2019 Condé Nast Verlag GmbH Bon Appétit, Epicurious, Wired, W, Golf Digest, Teen Vogue,
ARCHITECTURAL DIGEST erscheint in den USA bei The Condé Nast Publications Inc. Ars Technica, Pitchfork, Backchannel, Them

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40 JAHRE VOGUE DEUTSCHLAND

COMING SOON: SHOP.VOGUE.DE


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Genie & Spleen

Illus tration Emiliano Ponzi

Das Leben, Er litt an Vertigo, Schwindelattacken. Vielleicht ist dies der Grund, weshalb sich Norman
Mailer in seinem New Yorker Triplex den grandiosen Ausblick auf Manhattan mit einem

ein einziger
mannshohen utopischen Stadtmodell verbaute. Er selbst hatte es aus 12 ooo Legosteinen
gebastelt und dabei weniger an Le Corbusier als an den Mont-Saint-Michel gedacht. Jeder
Stein ist ein imaginäres Apartment – ganz oben sollten Philosophen leben. Die drei Eta-

Schwindel gen seiner realen Wohnung ließ der Schriftsteller wie Schiffsdecks gestalten. Wenn die
Welt wieder einmal schwankte, konnte er sich einreden, es läge am Seegang. RK

Die Juni-Ausgabe erscheint am 15. Mai 2019

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Sonderheft
Mai 2019

Küche 2019
Grün gibt den Ton an, und Schwarz ist das neue Weiß –
die schicksten Trends und Neuheiten
Timeless by
Tradition

Die Stilwelt CLASSIC lebt von der Harmonie der


Gegensätze, der zeitlosen Komposition aus Tradition
und Moderne.

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Inhalt

Architectural Digest.
Stil, Design, Kunst & Architektur
erscheint in der
Condé Nast Verlag GmbH
Oskar-von-Miller-Ring 20, 80333 München
Telefon 089 38104-0
16 mail@condenast.de, www.condenast.de
ad@admagazin.de, www.admagazin.de

JJ Mar tin Chefredakteur


Oliver Jahn
Verantwortlich für den redaktionellen Inhalt

Redaktion
Stv. Chefredakteur & Style Director
Dr. Simone Herrmann
Leitung Karin Jaeger,
Judith Pretsch (Editorial Design)
Art Director Inka Baron
Managing Editor Eike Schrimm
Stil
Mona Bergers, Nina Luisa Vesic, Friederike Weißbach
Bildredaktion
Thomas Skroch (Ltg.), Isa Lim, Samantha Taruvinga
Assistenz der Chefredaktion Johanna Hänsch
Mitarbeiter dieser Ausgabe
Reinhard Krause, Carola Plappert
Autoren dieser Ausgabe
Ulrich Clewing, Max Scharnigg
Fotograf dieser Ausgabe
Benjamin Brinckmann
Stylisten dieser Ausgabe
Inka Baron & Judith Pretsch

Büro Mailand Anna Riva, Paola Dörpinghaus


Tel. +39 02 29000718, p.dorpinghaus@condenast.it

Büro New York Christina Schuhbeck


Tel. +1 212 2866856, christina_schuhbeck@condenast.com

Schlussredaktion / Dokumentation
Lektornet

Syndication
syndication@condenast.de

Redaktion admagazin.de

19 Candy Red Andreas Kühnlein (Ltg.),


Valerie Präkelt (Feature & Social Media Ltg.)

Publisher
André Pollmann

Anzeigen / Vermarktung

6 20 Sales Christina Linder, Head of Sales


christina.linder@condenast.de, Tel. -430

Kaffee mit Es grünt!


Christine Weinsheimer, Head of Digital Sales
christine.weinsheimer@condenast.de, Tel. -466
Brand Advertising Andrea Latten,
Brand Director Vogue & AD

elf Ecken Adieu, Plastiktöpfe – duende Kräuter andrea.latten@condenast.de, Tel. -276

Cover: Benjamin Brinckmann / Studio Condé Nast; Fotos: KitchenAid; Shayne Fox; Porträt: Camilla Alibrandi
(verantwortlich für Anzeigen)
verdienen einen eleganten Auri. Marketing Angela Reipschläger, Head of Marketing
David Chipperfield hat Alessis Urban Gardening erobert die Küche. angela.reipschlaeger@condenast.de, Tel. -793
Ingrid Hedley, Marketing Director
Espresso-Bereiter runderneuert. ingrid.hedley@condenast.de, Tel. -142
Kathrin Ölscher, Marketing Director

32 kathrin.oelscher@condenast.de, Tel. -746


Creative Studio Carsten Schilkowski,
8 Head of Creative Studio

The first cut … carsten.schilkowski@condenast.de, Tel. -365

Kluge Helfer Was passieren kann, wenn aus einer


Advertising Operations Katharina Schumm,
Head of Revenue Management, Ad & Marketing Service
katharina.schumm@condenast.de, Tel. -135

Von schwarz & smart bis Open Space – On-and-off-Küche etwas Bleibendes Vertrieb
Alima Longatti, Head of Direct Marketing & CRM
das sind die Küchentrends 2019. werden soll. Ein Drama mit Happy End? alima.longatti@condenast.de, Tel. -301
Einzelverkauf MZV GmbH & Co. KG,
Karsten Reißner (Bereichsleitung)

16 34 Herstellung
Leitung Lars Reinecke, Director Production

Spaß bei Wundertüten Digitale Vorstufe / Druck Mohn Media,


Mohndruck GmbH
Carl-Bertelsmann-Straße 161 m, 33311 Gütersloh

Tisch Die überraschendsten Küchenstudios.


Unternehmenskommunikation / PR
Henrike Zock, Director Corporate Communications
presse@condenast.de, Tel. -413
Sommerkleid goes kitchen:
Vintage-Queen JJ Martin lanciert Finanzen
Roland Riedesser, Finanzdirektor
ihre neue Tableware-Kollektion.
Chairman Condé Nast International
Jonathan Newhouse

4
Händler unter www.next125.com
Projekt

Kaffee mit
elf Ecken Er ist einer der ge-
fragtesten Architek-
David Chipperfield hat ten der Gegenwart.
Nicht jeder weiß,
Alessis Espresso-Bereiter dass David Chipper-
field (li.) für Alessi
runderneuert. Wörtlich! bereits Teller, Scha-
len und Bestecke
Tex t Ulrich Clewing entwarf. Jetzt hat er
eine Ikone redesignt:
aus dem Urmodell,
Bialettis „Moka Ex-
press“ (um 1935, li. u.),
wurde schlicht „Mo-
ka“ (g. li., ab 28 Euro).

N
ormalerweise errichtet er Museen und preisge­
krönte Wohnbauten. Dass David Chipperfield
nun eine Espressokanne entwirft, mag auf den
ersten Blick seltsam erscheinen. Dabei ist es nur
konsequent: Der britische Architekt hatte schon
immer ein außerordentliches Gespür dafür, wie
man Traditionen mit Esprit in die Gegenwart
überführt. Und diese Kanne ist nicht irgendei­
ne – sie ist die große Mutter der Kaffeezuberei­
tung: die Bialetti, die man aufschraubt, mit Was­
ser und fein gemahlenem Espressopulver befüllt
und dann auf kleiner Flamme köcheln lässt, bis
einem das charakteristische Gurgeln mitteilt,
dass sie ihren Job perfekt erledigt hat.
Nachdem sie jahrzehntelang unverändert pro­
duziert wurde, befand Alberto Alessi, Design­
liebhaber und Chef des gleichnamigen Herstel­
lers gut gestalteter Haushaltswaren, es sei an der
Zeit, die „Moka Express“ einem Redesign zu
unterziehen. Die Silhouette mit der schlanken
Taille, Henkelgriff und Knopf am Deckel, dazu
Fuß und Aufsatz mit den acht Ecken – bis heute
ist sie ein Inbegriff von Funktionalität. Um die­
sem Basiselement italienischer Alltagskultur die
Frische des 21. Jahrhunderts zu verleihen, mach­
Fotos: Matteo Imbriani; Fabrizio Marchesi; Porträt: Martin Godwin

te Chipperfield scharfe Kanten runder und stell­


te den Ausguss einen Tick steiler. Gab dem Kör­
per drei Ecken mehr (was ihm sehr gut steht)
und dem Griff eine elegante neue Farbe: Hell­
grau. Er hält jetzt größeren Abstand zum Kor­
pus, weshalb man beim Ausgießen keine Angst
mehr um seine Finger haben muss. Der Knauf
des nunmehr flachen Deckels mutierte zum
Kipphebel gleich am Scharnier, weit weg von
heißem Dampf. Ans Urmodell angelehnt ist das
Finish: Die Oberfläche hat nun wieder diesen
vornehm silbrigen Glanz. Darauf einen caffè!

6
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Eine Klasse für sich.
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minimalistisch, flächenbündig, hochelegant, extrem geräuscharm und maximal intuitiv.
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Hello Darkness
Von radikal zu erste Wahl: Schwarz erobert die Küche! Und auch
sonst bewegt sich dort so einiges – wie unser Überblick zeigt.
Tex t Mona B erger s, Karin Jaeger und Nina Luisa Vesic

Fotos: Anders Hviid, Le Corbusier © F.L.C. / VG Bild-Kunst, Bonn 2019; Granit; Warendorf; Serax; MCR-Stein; Mutina; Siemens Hausgeräte
1

1
Dunkle Magie: Vipps maschwarze Alu-
miniumboxen setzen die historischen
Details eines Provence-Hauses in Szene –
und umgekehrt. Preise auf Anfrage.
vipp.com

2
Schwarzes Gold frisch brühen lässt
sich in der Kaffeekanne aus Glas mit
feinem Edelstahlfilter, 20 Euro.
granit .com

3
3
Klare Fronten in der Küche (hier im
Effektlack „Steel“) schafft ein Greifraum-
profil aus Edelstahl mit LED-Band.
warendor f.com
2

8
Trends & Neuheiten

4
Die Nordsee inspirierte Sternekoch Sergio
Herman zur Kollektion „Surface“. Gusseiserne
Töpfe, Pfannen und Formen ab 71 Euro.
sera x.com

5
Made in üringen: Aus geledertem Naturstein
und Keramik entstehen die „Frames“-Blöcke
der Linie „N'Stee“. Maße und Preise individuell.
mcr-s tein.de

6
6
Miernachtssnack? Bonbonfarben ins Dunkel
bringen Hella Jongerius' glasierte Porzellanfliesen
„Diarama“ (hier in „Dusk“), ab 274 Euro / m2.
mutina.it

7
Eine Berührung erweckt das Touchdisplay
der extravoluminösen French Door-Kombination
„iQ700“. Mit Glasfront, 3299 Euro.
siemens-home.b sh- group.de

7
Trends & Neuheiten

1
2

1
Berliner Baureste verwandelt Tfob zu
„Urban Terrazzo“; hier in „Industrial
Black“ und „Copper Green“, 238 Euro/m2.
urbanterraz zo.com 3

2
Nischenprodukt: Dornbrachts Profi-
mischer mit Silikonschlauch aus der Serie
„Sync“ ist nur 45 cm hoch. 1100 Euro.
dornbracht .com

3
4 Robust: doppeltüriger Küchenschrank
aus Schwarzblech mit Holzplae und ver-
nieteten Beschlägen, 1410 Euro.
noodles.de

4
Schwarzer Tee mit jungen Bläern heißt
„Pekoë“. Passenderweise auch Lucas Franks
geripptes Porzellanset, Teile ab 11 Euro.
revol1 76 8 .com

Schwarz oder Weiß?


Was kann Schwarz, was Weiß nicht kann?
Beide sind zeitlos elegant, aber im Kontrast
zum frischen, doch oft sterilen Weiß kann
Schwarz Behaglichkeit ausdrücken. Und: Es
ist pflegeleicht, Spritzer bleiben unsichtbar.

Und Fingerabdrücke?
Es gibt innovative Oberflächen mit Anti-
Fotos: Tfob (2); Dornbracht; Noodles; Revol; Next125

Fingerprint-Ausrüstung. Wir arbeiten zum


Beispiel viel mit dem Schichtstoff Fenix.

Welche Materialien machen sich sonst gut?


Auch mattes Glas oder Lack absorbieren
das Licht. Das wirkt schick und schafft eine
Bühne für andere Farben und Materialien!

Annette Schumacher, Marketing-Chefin von Next125, mag


Schwarz am liebsten matt – bei der „NX 870“ re. bringt es Räu-
cherlärche und frisches Grün zum Leuchten. next125.com

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Trends & Neuheiten

Schlicht? Spannend!
Sie haben kürzlich die Linie „+Segmento Y“
eingeführt. Was macht ihr Design aus?
Das Küchenkonzept ist konsequent redu-
ziert: Alle Elemente bestehen aus High-

Klar & techmaterial und sind ausschließlich in


Weiß, Grau und Schwarz erhältlich.

Wen sprechen Sie damit an?

frisch
Im Namen schwingt ja schon mit, dass wir
uns unter anderem an die Generation Y,
also die Millennials, wenden. Aber starre
Zielgruppen sind im Zeitalter der Indivi-
dualisierung ja eigentlich ohnehin überholt.

2 Wie lässt sich denn die „+Segmento Y“


1 individualisieren?
Für eine Mondrian-Optik kombinieren Sie
Clevere Küche: Dank kombinierbarer
etwa Schwarz und Weiß in rhythmischem
Edelstahlmodule ist „Liberi in cucina“
Wechsel. Oder Sie bleiben strikt mono-
offen für jedes kulinarische Spiel! Insel-
chrom und passen selbst die Armaturen
Element inkl. Spüle und Geräte 32 300
farblich an. So oder so sind passgenaue
Euro und Hochschränke ab 3780 Euro. Raumlösungen möglich, die in Mikro-Apart-
alp e sinox.com
ments genauso funktionieren wie in Lofts.
2
Petra-Anna Herhoffer, Marketing-Leiterin bei Poggenpohl,
So reduziert, dass er schon wieder über die Vielfalt des puristischen, jungen Küchenkonzepts
extravagant wirkt: Mit seinem gefloch- „+Segmento Y“ (oben). poggenpohl.com

tenen Edelstahlmantel hat Gessis


Fotos: Emanuele Tortora; Poggenpohl; Brabantia; Gessi

schlanker Küchenmischer „Mesh“ den


Bogen raus. Preis auf Anfrage.
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Eine Kelle für zwei Fälle: Das Utensil oben
rechts kann auch Schaum schlagen und
ist eines von rund 70 Allroundtalenten aus
Brabantias neuer Küchenserie „Tas+“.
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Trends & Neuheiten

Licht & Transparenz


Wellness im Spa?
Nein, in der Küche!
Siematic wurde jüngst 90 – zum Jubi­
läum rücken Sie besonders das Thema
Licht in den Fokus. Was zeichnet die
Küchenbeleuchtung von heute aus?
In den letzten Jahren hat sich die Küche
in einen Wohnraum verwandelt.
Da braucht man zwar noch immer opti-
males, möglichst partiell steuerbares
Arbeitslicht, aber ebenso Stimmungs-
licht für eine Wohlfühl-Atmosphäre.

Welches Licht ist denn beispielsweise


ideal zum Fischgräten­Zupfen?
Blendfreies Arbeitslicht. Am besten
in der Nähe der Spüle, damit auch die
Hygiene stimmt.

Und damit der Arbeitsbereich zum


Essen in den Hintergrund rückt …
… sollte in der Küche bestenfalls Am-
bientelicht herrschen. Im Essbereich
sorgen warme Lichtquellen für Ge-
mütlichkeit. Warum nicht mal wieder
back to the roots? Mit Kerzenlicht!

In Ihren jüngsten Planungen sieht


man viel offenen Stauraum, Glasvitri­
nen und Aussparungen. Warum?
Es erleichtert das fröhliche Zubereiten
mit Freunden und der Familie, wenn
Vorräte wie Utensilien gut sichtbar und
leicht zu greifen sind. Und individuell
geplante Vitrinenlösungen verstärken
den wohnlichen Charakter.

Um das Innere von Vitrinen und


Fächern zu inszenieren, spielt
Siematic mit LED­Licht (hier ein
Beispiel aus der Stilwelt „Pure“).
Feine Konturierung bringt
Spannung in den Raum. Die Be­
Foto: Thomas Libis/Siematic

leuchtung ist in Farbtempe­


ratur und Helligkeit steuerbar,
sodass man sie an die Tageszeit
und den Anlass anpassen kann. Jörg Overlack, Siematics Kommunikations-
leiter, sagt Erhellendes zur Lebenswelt Küche.
siematic.com

14
Porträt

Einst schmückte das Muster „Stella


Alpina“ Seidenstoffe aus Como. Nun
hat Vintage-Queen JJ Martin (u.)
Teller (2er-Set 90 Euro), Tischdecken
und Schürzen damit bedrucken las-
sen und mit farbigen Fonds versehen
(links). Ist die Tafel so eingedeckt,
beginnt das Fest schon vor dem Mahl.

Spaß bei N
ein, JJ Martin kocht nicht in High Heels. Die Vintage-
Liebhaberin aus Mailand ist stylish vom Scheitel bis
zur Sohle – aber genau dort hört für sie der Spaß aus-

Tisch
nahmsweise auf: „Wenn ich meine Lieblingsgerichte
zubereite, kann ich Unordnung in der Küche nicht
ausstehen. Und ich hasse hohe Absätze!“ Das Am-
Herd-Herumstöckeln und Dabei-ständig-Dinge-fallen-

Sommerkleid goes Lassen überlässt sie gerne anderen. Lieber kümmert


sich die Gründerin von La DoubleJ darum, dass der
kitchen: JJ Martin Esstisch gut in Form ist: „Es geht nichts über die Re-

lanciert ihre neue zepte meiner italienischen Schwiegermutter. Und ich


genieße jede schön gedeckte Tafel.“
Tableware-Kollektion. Deshalb bietet JJ Martin auf ihrer Website und im
Shop an der Piazza Arcole nicht mehr nur wunderbar
luftige, bunt-fröhliche Sommerkleider an. Es gibt dort
nun auch Teller, Dessertteller und ganze Sets von tra-
Tex t Ulrich Clewing ditionell mundgeblasenen farbigen Gläsern aus Mu-
rano. Dafür griff die Vintage-Sammlerin tief in die
Schatzkiste, genauer: ihr Archiv, in dem sie fantasti-
sche Stoffmuster vom 18. Jahrhundert bis zur klassi-
schen Moderne hortet. Die Dekore der Tableware
stammen vor allem aus einer ehemaligen Seidenspin-
Fotos: La DoubleJ; Porträt: Camilla Alibrandi

nerei aus Como, so auch das Muster „Stella Alpina“,


das sie zusätzlich mit farbigen Fonds versah. „Bei der
Tischdekoration lasse ich mich eigentlich immer von
der Stimmung leiten, in der ich mich gerade befinde“,
sagt die gebürtige Kalifornierin. „Sie werden staunen,
das kann auch sehr minimalistisch aussehen. Und
manchmal will ich einfach maximalen Fun.“ Sie dürfen
raten, welcher Stil im Hause La DoubleJ überwiegt.

16
Inspiration
auf allen Kanälen:
ad-magazin.de
Foto: Manuel Nieberle / Condé Nast Verlag; Bildschirmfoto: Simone Bossi, Studio Wok

Das Beste aus


der Welt des Stils
ARCHITECTURAL DIGEST. Stil, Design, Kunst & Architektur
Trends & Neuheiten

Kluge Helfer
1

1
3 Vorsicht, heiß! Ins Kleid der ikonischen Thermoskanne „EM77“ Fotos: Stelton; Miele; Berbel; Blanco; KitchenAid; Fisher & Paykel; Bora

(hinten) hüllt Stelton nun auch einen Wasserkocher, 80 Euro.


s telton.com

2
Alles neu macht … Miele! Mit einem umfassenden Redesign
der Einbaugeräte. Touchdisplays steuern etwa das Dämpfen,
Brühen und Backen bei der „VitroLine“ in Graphitgrau.
miele.de

3
Bläulich bis kupfern leuchtet die Abzugshaube „Skyline Frame“
aus Quadratrohr und Rauchglas. Mit Liftfunktion, ab 5798 Euro.
b erb el.de
Wie schlau ist smar t?
Viele neue Küchengeräte sind vernetzt und
bieten zahllose Funktionen. Wie findet man
heraus, welche wirklich sinnvoll sind?
Natürlich ist es toll, wenn Geräte einem Arbeit
und Entscheidungen abnehmen können.
Doch je komplexer sie werden, desto leichter
müssen sie zu bedienen sein – wenn man
20 Tastendrucke braucht, nur um zu dämpfen
oder zu gratinieren, dann sind das 18 zu viel.

4 Was als smart daherkommt, macht die Sache


also in Wahrheit oft komplizierter?
Ja. Für mich ist ein Gerät smart, wenn ich keine
Bedienungsanleitung brauche. Wenn es auf
einfache Weise zum passenden Ergebnis führt.

Haben Sie ein Beispiel?


Mein Lieblingsgerät ist der „Tepan“-Grill –
eigentlich eine große Pfanne, die man gradge-
4 6 nau steuern kann. Durch den Temperaturfüh-
ler lernt man, bei wie viel Grad Empfindliches
Wasser nach Maß: Der Mengen­ Eine für alle Fälle: Kühl­, Gefrier­,
wie Fisch am besten gelingt. Das ist smart!
regler der Edelstahlarmatur Weinschrank und Speisekammer
„Evol­S Volume“ von Blanco (in in einem ist die „CoolDrawer“­
Abgesehen von solchen Details: Glauben Sie,
Kooperation mit Formteam) Schublade mit Multitemperatur im Bereich Küchengeräte stehen noch
macht den Messbecher überflüssig. aus Edelstahl. 80 Liter Inhalt, auch wirklich revolutionäre Neuerungen bevor?
Auch in Chrom, ab 794 Euro. integriert erhältlich, 4690 Euro. Eine Revolution sehe ich nicht. Aber ich könn-
blanco.de co olgiant s.de/f isher-paykel te mir vorstellen, dass die Riesenwelle der
gesunden Ernährung Entwicklungen nach sich
5
zieht, von der Kühltechnik bis zu Kochgerä-
Schwere Eisenlöffel ersetzen wollte ten, mit denen man frische Zutaten schonend
KitchenAid vor 100 Jahren. Zum 5 und einfach verarbeiten kann. Ein paar
Jubiläum taucht die Edition „Queen Spaghetti, dazu Olivenöl und gehackte Kräu-
of Hearts“ die Geräte in Candy­ ter – schon habe ich was Gutes gegessen.
Rot (re. Handrührer mit sieben Ge­
schwindigkeitsstufen, 119 Euro). Dann kommen am Ende Messer und Schnei-
kitchenaid.de debrett zu neuen Ehren?
Wenn das Messer zur Aufgabe passt, kann
auch das smart sein.

Kochdünste absaugen, bevor sie den Raum vernebeln – Willi


Bruckbauer hat auf einer schlauen Idee die Marke Bora auf-
gebaut. U. das neue Kochfeld „Pure“ (der Abzug ist leicht zu
reinigen und in verschiedenen Farben erhältlich). bora.com

19
Inspiration

Teeplantage: Vor Skageraks Terrakottakanne „Edge“ (139 Euro, pas-


sende Zuckerdose, vorne rechts, 35 Euro) steht ein Glasbecher
von Hay (19 Euro) mit Löffel in Antik-Finish (10 Euro) aus Sam-
bonets Serie „Hannah“. Teesieb von Tom Dixon, 25 Euro. Auf
dem Terrazzotablett von Lucie Kaas (60 Euro) liegt ein Löffelchen
von House Doctor. Rechts zwei Teedosen aus japanischer Zierkir-
schen-Birke von Shu Shu, 147 bzw. 159 Euro; Blomus' Teeberei-
ter „Tea-Jane“ (hinten, 100 Euro) ist aus Glas und Edelstahl. Pfeffer-
(li.) und Marokkominze wachsen in Lucie Kaas' Keramiktöpfen
„Gro“, je ab 40 Euro. Dunkle Terrazzoplatten von Via, 71 Euro/m2.

20
Es grünt!
Adieu, triste Plastiktöpfe –
duftende Kräuter haben einen
eleganteren Auftritt verdient.

Tex t Mona B erger s


Produk tion Inka Baron und Judith Pretsch
Fotos B enjamin Brinckmann
Fotos: Benjamin Brinckmann/Studio Condé Nast
Inspiration

Gewürzgarten: Ein Thymiansträuchlein thront im gestreiften


„Toppu“ (68 Euro) von Oyoy, rechts daneben Peruanischer Sauerklee
in Northerns selbst bewässerndem Blumentopf „Oasis“ (61 Euro),
beide aus Keramik. Den Salbei in Umbras wasserspeicherndem
„Pleated Planter“ aus Ton (oben li., 60 Euro) kappt eine Eisenschere
(6 Euro) von Hay. Darunter essbare Hornveilchen im Porzellan­
übertopf von Smaller Objects, 69 Euro. Die zitronengelbe Fifties­
Gießkanne (89 Euro) ist von Hedwig Bollhagen, das Messingmodell
„Svante“ mit Kupferfinish (93 Euro) von Klong. Ganz unten eine
Stahlschere von Shu Shu, 40 Euro. Wandfarbe von Little Greene.

22
Inspiration

Aromenspeicher: Strauchbasilikum wächst im Beton-


topf (23 Euro) von Serax, Zitronenthymian in Lucie
Kaas' Keramikschüssel „Fumario“ (27 Euro). Fünf Liter
fasst Skeppshults gusseiserner Bräter „Noir“, 319 Euro;
daneben Edelstahlmesser „Colori“ in Roségoldfinish
(25 Euro) von Kuhn Rikon. Unten: Das Schneidbrett
„No. 40“ aus Eiche ist von Ro Collection – wie die Kris-
tallglasschale mit Purpurbasilikum, 53 bzw. 40 Euro;
Kräutermesser „Foreman“ von Carl Mertens (120 Euro);
Mörser aus Larvikit und Messingschale von Lundhs
Real Stone, 84 bzw. 250 Euro. Baumwolltuch von
Oyoy. Alle Kräuter über Gärtnerei Monika Bender.

24
Inspiration

Kräuterlust
Von der Fensterbank (oder aus dem Hightechschrank) frisch
auf den Tisch: Urban Gardening hat die Küche erreicht.
Tex t Friederike Weißbach

D
as Basilikum am Fensterbrett geht Ihnen dauernd ein? Sie glau-
ben, Sie haben einfach keinen grünen Daumen? Eigentlich
schade in Zeiten, in denen die Kraft der Kräuter neu entdeckt
wird (nicht dass die Menschheit die Heilkraft von Pflanzen
nicht seit jeher zu nutzen wusste): Clean Eating, Ayurveda oder
Basen-Kuren schreiben dem würzigen Grün positive Wirkung
auf Stoffwechsel, Gesundheit und generelles Wohlbefinden zu. 1
Und auch wer beim Thema Essen altmodischerweise einfach
nur an Genuss denkt, kommt an frisch geernteten Kräutern
kaum vorbei. Zitronenthymian, Honigmelonensalbei oder Bron-
zefenchel eröffnen dem grünen Gaumen neue Geschmacksho-
rizonte, beim Smoothie wie beim Spiegelei.
Aber wie bringt man den Kräutergarten in der Wohnung
zum Gedeihen, und wie hat man lange Freude am Gourmet-
Grünzeug? Johannes Feuerbacher von der Stuttgarter Gärtnerei
Monika Bender löst gleich das erste Kräuter-Mysterium: „Das
Basilikum wird meist ertränkt und sieht dabei aus, als würde 2
es vertrocknen.“ Ein Fehler, an dem viele Topfpflanzen zugrun-
de gehen: „Wasser im Untersetzer sollte spätestens vier bis fünf
Stunden nach dem Gießen aufgebraucht sein, sonst war es zu

Fotos: Bioland Gärtnerei Monika Bender; Bosch; Tregren; Véritable; Gert Laursen; Northern; Berghoff; Wüsthof; Next125; Poggenpohl
viel.“ Allgemeine Stellschrauben für gesunde Pflanzen sind
Wasser, Licht und Klima. Steht ein Topf im Winter etwa in Hei-
zungsnähe, ist zusätzliche Beleuchtung nötig. „Je wärmer es
eine Pflanze hat, desto mehr Licht braucht sie, denn sie will ja
wachsen.“ Wer keinen Garten oder Balkon hat, müsse sich da-
rauf einstellen, erst mal zu experimentieren, denn das Klima 3
jeder Wohnung sei anders, und es gelte, die passenden Pflanzen
zu finden. Hell und kühl ist beispielsweise perfekt für Mediter-
ranes wie Rosmarin, doch Basilikum mag es lieber warm. Vitaminkicks f ür
Wer sich die Mühe sparen (und auf die Freude verzichten)
will, für den gibt es inzwischen auf Hydroponik beruhende
Green- Geeks
Pflanzgeräte, die den Anbau auf Knopfdruck und Wassernach- Smart Farming: Technisierte Indoor-
Mukunu-Wenna!
füllen reduzieren. Teils App-überwacht, sprießen die Kräuter Gärten versorgen Saatgut-Substrat
Was klingt wie eine in LED-beleuchteten Miniaturgewächshäusern aus Kapseln mit Nährstoffen, Wasser und Spezial-
Beschwörungsformel, und Textilmatten. „Das funktioniert, aber wirtschaftlich ist es licht, sodass Kräuter schnell wachsen.
ist der Geheimtipp nicht unbedingt“, sagt Feuerbacher. Schließlich vergehen bis 1 Boschs „SmartGrow“ informiert
unseres Gartenex-
zur Ernte einige Wochen, und die Kräuter sind zum vollständi- via App über Wachstumsphase und
perten. Ein violet-
tes, pflegeleichtes
gen Verzehr, nicht zum Überleben vorgesehen. Wer sich statt- Erntereife, 149 Euro. bosch-home.com
Kraut, das Fisch- dessen doch als echter Gärtner versuchen möchte, dem emp- 2 Ebenfalls App-gesteuert, werden
und Fleischgerichte fiehlt der Fachmann Peruanischen Sauerklee, Mukunu-Wenna im „T12“ bis zu zwölf Pflanzen opti-
würzt. Und gleich- oder Zimmerknoblauch. Sie gedeihen fast in jedem Klima und mal gehegt, 180 Euro. tregren.com
zeitig die Funktion sind sogar mehrjährig – werden sie nicht vorher kahl geerntet, 3 Der „Smart Copper Véritable Gar-
von Augen und Nie-
ren unterstützen
denn zum Überleben braucht die Pflanze ihre Blätter. „Immer den“ passt das LED-Licht den aktuel-
soll. Wir empfehlen: den ganzen Trieb kappen, kurz über einer Verästlung“, rät Feu- len Raumverhältnissen an, 200 Euro.
einfach ausprobieren! erbacher. Dann klappt es künftig auch mit dem Basilikum. veritable -p otager.fr

26
1 2

1 4
Staunässe ist Gi für alle Kräuter! In den Gekonnt jäten und ernten: Für den „Urban
Das etwas andere
integrierten Untersetzern der Töpfe Farmer“ hat Wüsthof Werkzeug mit ro- Gew ürzregal
„Herb & Sprout“ von Zone Denmark bleibt bustem Buchengriff im Programm. Das ge-
der Wasserspiegel stets im Blick, ab 25 Euro. krümmte „Erntemesser“ schneidet einzel- Wie funktioniert der „Plantcube“?
zone denmark.ne t ne Triebe ab, die „Machete“ kappt spielend Das Gerät ist ein Gewächshaus von
ganze Salatköpfe. 39 bzw. 75 Euro. der Größe eines Kühlschranks, das
2 computergesteuert und mittels des
wues thof.de
Ohne Wasser? Geht's auch nicht. Die Stahl- in sich geschlossenen Systems aus
5 Bewässerung, Klima und Licht die
kanne „Grab“ sorgt für Nass und sonni-
ge Akzente auf der Fensterbank, 90 Euro. In Schnupperhöhe: Der Küchenherstel- Wachstumsbedingungen für Pflan-
nor thern.no ler Next125 hängt das Grün an die zen optimiert. Es liefert erntefrische
Wand. Sein „Paneelgarten“ löst nicht nur Kräuter – bei geringem Aufwand.
3 Platzprobleme auf der Fensterbank,
Die Kräuterwiege „Leo“ bringt die Ernte in er stellt auch die Lichtversorgung der Was ist der Vorteil dieser Technik?
servierbare Form. Inklusive Bre 32 Euro. Kräuter sicher. Preise auf Anfrage. Das Licht der verwendeten LEDs,
b ergh of f worldwide.c om nex t 1 2 5 .com die wir mit Osram entwickelt haben,
fördert das Wachstum, aber vor
allem auch die Entwicklung intensi-
5 ver Geschmacks- und Inhaltsstoffe.

Ist das nur etwas für Profiköche?


Auch für Privathaushalte! Für Leute
mit wenig Zeit, die die geschmack-
liche Vielfalt gesunder Kräuter und
Salate zu schätzen wissen.
Max Lössl, Mitgründer des Start-ups Agrilution,
über die Zukunft des Kräutergartens. Der „Plant-
4 cube“ kann in die Küche (oben von Poggenpohl)
integriert werden. 2979 Euro. agrilution.de

27
Open Wenn die Küche sich
zum Wohnraum öffnet,
wird die Werkstatt zur
Bühne. Vorhang auf für
1
Space luftige Lösungen und
exaltierte Materialien!

Fotos: Zero Lighting; Dada / Molteni & C; Federico Cedrone; Leicht Küchen; SapienStone; Morten Rakke Photography for Lundhs; Heath Ceramics; Piet-Albert Goethals
2
1
Licht am Stiel: Die LED-Spotlights „Ginza“ aus
Aluminium lassen sich flexibel um die Achse
drehen. Auch in Schwarz oder Weiß, 1780 Euro.
zerolighting.com

2
Geschwungene Arkaden treffen klare Holzfronten:
Dada inszeniert seinen Klassiker „Hi-Line 6“ mit
neuen Metallrahmen und schlanker Tischplae.
dada-kitchens.com

3
Wenn „Lignum et Lapis“ Stein und Holz verbindet,
wird die Kücheninsel zur Skulptur.
3 arclinea.com

28
Trends & Neuheiten

Barriere oder Brücke?


Was sollte man unbedingt bedenken, bevor
man die Küche in den Wohnraum setzt?
Es kommt darauf an: Soll die Küche an den
Wohn- oder den Essbereich grenzen?

Inwiefern ist das wichtig?


Im Wohnzimmer geht es eher um Abgrenzung.
Regale oder andere raumgliedernde Möbel unter-
teilen die Lebensbereiche optisch – und bilden
auch eine gewisse Geräuschbarriere! Öffnet sich
die Küche dagegen zum Essbereich, möchte
man beides meist verbinden. Tisch-, Sitz- oder
Barlösungen erleichtern dort die Kommunikation.

Stefan Waldenmaier, Vorstandsvorsitzender von Leicht


Küchen, plant Szenarien wie re. mit einem Datenmo-
dell, das über eine Milliarde Kombinationen ermöglicht.
leicht .com

4
Erinnert an Zement, ist aber widerstandsfähige Keramik:
Arbeitsfläche „Urban Argento“ mit leicht unregelmäßiger
Textur, 12 mm dünn, ab 300 Euro / m2.
w w w.sapiens tone.de

5
Schillernder Naturbursche: Steinplaen „Lundhs
Emerald“ aus den Bergen Norwegens, ab 580 Euro / m2.
lundhsreals tone.com

6
Dieser kalifornische Tonträger lässt Wände vibrieren!
Relief-Fliese „Stan Biers“, rund 1300 Dollar / m2.
heathceramic s.com

7
Inspiriert vom Sonnenkönig? Zwei Belgier bringen Ulme
zum Strahlen. Dazu gibt's Bronze und Gris d'Ardenne.
michaelverheyden.b e, bar tameric a.com

7 6
5

29
Trends & Neuheiten

3 Was kann er eigentlich nicht? Der „Monolith“


aus Edelstahl kühlt jedes Fach individuell,
steuert die Lufeuchtigkeit, friert Eiswürfel
und ist per App steuerbar. Preis auf Anfrage.
liebherr.com

2
Nouvelle Cuisine: Maßanfertigung „e
Copper“ in Kupfer und Nussbaum mit sechs-
fach lackierten Fronten, 37 000 Euro.
lenz werk.com

3
Venezianischer Terrazzo stand Pate: Feinstein-
zeug „Art“, ab 120 × 120 cm, Preis auf Anfrage.
marazzi.de

Fotos: Liebherr; Ringo Paulusch; Tiziano Sartorio / Marazzi; V-Zug; Shayne Fox; Officine Gullo; Bulthaup (2)
Alle Töpfe lassen sich frei platzieren auf dem
70 cm breiten Induktionsfeld „FullFlex“.
v zug.com

5
Wer träumt da noch von grifflosen Küchen?
Knäufe „Geo“ aus Bronzeguss, je 15 Euro.
shaynefoxhardware.com

5
4

30
6

6
Schleusen auf! Brückenmischer aus der neuen Arma-
turenserie von Officine Gullo. In brüniertem Messing-
(oben), Nickel- oder Chromfinish, Preis auf Anfrage.
of ficinegullo.com

7
Komfortabel, leicht und je nach Situation zu platzieren
sind die Sitzschalen „B Solitaire“ aus Leder, je 1360 Euro.
bulthaup.com

7
Glosse

The first cut …


Was passieren kann, wenn aus einer On-and-off-Küche
etwas Bleibendes werden soll. Eine Geschichte mit Happy End?

Tex t Max Scharnigg

E
s gibt eine Anekdote über die Privatküche des großen
Alberto Alessi. Sie war vor einigen Jahren von Ales-
sandro Mendini geplant worden, dem langjährigen
Freund und Wegbegleiter des Firmenchefs. Diese
neue Küche entstand in einer eindrucksvollen Villa
über dem Ortasee im Piemont und wurde, ganz nach
Mendinis Art und Alessis Gemüt, ein schwungvolles
kleines Amphitheater. Nach der Fertigstellung muss-
te Alessi allerdings feststellen, dass die Küche zwar
als Raumskulptur gut geraten war, sich aber nicht
sonderlich zum Kochen eignete. Zum Beispiel waren
die Gasbrenner auf der Arbeitsplatte so angeordnet,
dass sich keine zwei Töpfe nebeneinander platzie-
ren ließen. Für einen der bekanntesten Topfhersteller
der Designgeschichte schon etwas mehr als nur ein
Schönheitsfehler. Die Ursache für die funktionalen
Mängel war schnell gefunden: Architekt Mendini
hatte sein ganzes Leben lang nicht selbst gekocht.
Die schöne Idee von einer Küche allein nützt
herzlich wenig. Sie ist nun mal der Ort im Haus, an
dem Theorie und Praxis frontal und täglich aufeinan-
derprallen. Meine alte Küche war, wie bei vielen des Lebens, morgens vom ersten Espresso bis zum
Menschen, ein gewachsenes Konglomerat aus einzel- letzten erschöpften Glas Rotwein abends, ein anhal-
nen Modulen, mühsam an einen exzentrischen Alt- tender Stimmungsaufheller.
baugrundriss angepasst. Da galt es, Mauervorsprünge Der Markt gratulierte mir zu meiner Entschei-
und Kanten, Heizungsrohre und Gasthermen zu um- dung. Denn der kulinarisch bewegte Mann wird von
schiffen. Zu allem Überfluss vertieft sich der ganze den Küchenherstellern gekonnt umworben. „Trend-
Küchenboden u-förmig in der Mitte, sodass alles, setter aus Inkompetenz“, so klassifizierte der Histo-
was man verschüttet, dort einträchtig zusammen- riker Uwe Spiekermann diese neue Spezies der ko-
fließt. Bröckelnde Ikea-Fundamente, kaschiert mit chenden Männer einmal ziemlich treffend. Gerade
Echtholz-Arbeitsplatten mit Weinflecken und sehr rechtzeitig jedenfalls, nachdem die Küche als Reich
Ein Mann und seine teuren Gläsern – das war so ungefähr mein Konzept. der Hausfrau ausgedient hatte und in der anschlie-
neue Küche: Und irgendwie ließ sich das jahrelang als charmant ßenden Fast Food-, Mikrowellen- und Single-Epoche
Max Scharnigg ist verklären. Erst gehäufte Besuche von Freunden mit an Gewicht zu verlieren drohte, entdeckten die Män-
Schriftsteller, Re­ Kleinkindern, die das Wort „charmant“ nicht kennen, ner sie als Trainingsort und mutierten (zumindest
dakteur der „Süddeut­
aber dafür mit ihren winzigen Fingern längst ver- am Wochenende) zu Küchenbullen und Beefträgern.
schen Zeitung“ –
und immer wieder schollene Zutaten ausgruben, mit Fettspinnweben im Die Branche dankt es ihnen seither mit martialischen
Gastautor von AD. Haar aus den Ecken krabbelten und das provisorische Aufbauten, wuchtigen Werkzeugen und digitalen
Sein Küchenabenteu­ Gewürzregal runterfetzten, brachten mich auf die Grillstationen. Sie machte das Kochen zur Material-
er endete bei zwei Idee einer neuen Küche. Nichts schiebt man ja für schlacht, wohl wissend, dass es für viele verlocken-
jungen Tischlern
gewöhnlich weiter vor sich her – auf den Umzug, das der ist, sich in Diskussionen über Temperaturzonen
aus Südtirol, Georg
Agostini und Lorenz eigene Haus, das allgemeine Lebensspäter. Das ist im Weinschrank, Zweikreiser-Espressomaschinen
Sternbach alias vielleicht ein Fehler, dämmerte mir. Schließlich wäre oder die mechanischen Feinheiten eines Berkel-
dasganzeleb en.it eine neue Wohnküche gerade jetzt, in der Rushhour Schinkenschneiders zu verlieren, als wirklich täglich

32
das Familienabendessen zu stemmen. Schon der große, damals eigentlich das Gleiche wie ich heute: funktio-
schlecht gelaunte Thomas Bernhard stattete seinen Ur- nales und ökonomisches Arbeiten, Hausarbeit auf pro-
alt-Bauernhof im oberösterreichischen Obernathal mit fessionellem Level. Schütte-Lihotzky ließ dazu die
einer Profiküche aus, darunter einem herrlichen Seppel- Hausfrau vermessen – mit dem Ergebnis, dass in den
fricke-Herd. Allerdings kochte er daran dann niemals, Musterwohnungen die Distanz vom Herd zum Esstisch
sondern ging immer ins Wirtshaus. maximal 3,2 Meter betragen durfte und ein Drehhocker
In den Küchenhallen der großen Möbelmessen durch- als Kommandosessel diente. Dazu gab es platzsparende
wandert man heute Kochlandschaften, die wie eine Mi- Fächer, praktische Schütten-Systeme und Schiebetüren,
schung aus Labor und Lounge wirken und mehr Testos- eine Kochkiste zum Warmhalten und blaue Farbe gegen
teron und Displays enthalten als ein durchschnittliches die Fliegen. Das waren mal handfeste Ideen!
Bei der Suche nach Frank-
furter Fliegenabwehr-Farbe
Jeden Morgen staune ich und und originaler Kochkiste bin
ich zwar gescheitert, aber
f lüstere: „Hallo, Schönheit.“ dafür traf ich, ziemlich am
Ende meiner Motivation, zu-
fällig auf zwei junge Schrei-
Büro. Genau da setzt aber auch mein Misstrauen an. Seit ner aus Südtirol. Die hatten gerade eine Modulküche
ich mal in einer architektonisch wertvollen Ferienvil- ausgetüftelt, die verblüffend genau das buchstabierte,
la zwei Wochen lang auf eine Induktionskochplatte ein- was mir vage vorschwebte. Eine Küche, so schlicht und
geschlagen habe, angefeuert von einem piependen und leicht wie eine skandinavische Kommode. Holz mit
dauerlüftenden Designbackofen, ist mir klar, dass vie- Löchern: Das waren die Schubladen und Türen. Holz
le Kücheninnovationen zwar durchaus innovativ sind, ohne Löcher: Das war die Arbeitsplatte. Die verwen-
aber manchmal eben von Menschen erfunden wurden, deten Platten waren angenehm dünn, was alles schlank
die am liebsten Sushi zubereiten. Wenn überhaupt. wirken ließ. Außerdem, und das gab letztlich den Aus-
Ich wollte eine einfache, funktionale Küche. Einen schlag, war trotz Schreinerarbeit alles leicht zu demon-
Gebrauchsort, der aber trotzdem nicht banal war und tieren und an anderer Stelle wieder zusammenzuset-
nicht so aussah, als wäre er vom Vormieter zurückgelas- zen – gut für mich und die Nachmieter.
sen worden. Die räumliche Ausdehnung war ebenso li- Eines Freitags im letzten Winter rauschten also zwei
mitiert wie das Budget, denn nicht mal in München sind Sprinter aus Südtirol an, und innerhalb von fünf Stun-
Nachmieter begeistert, wenn sie 28 000 Euro für eine den war mein altes Küchenkonglomerat Geschichte.
Küche ablösen sollen. Je intensiver ich suchte, desto Stattdessen: klare Kante, saubere Flächen, vier blaue
komplizierter wurde alles. Die Möglichkeiten und Ma- Flammen, ein ausladendes Keramikbecken und eine
terialien waren grenzenlos, in den Männerkochforen große Bosch-Spülmaschine. 5684 Utensilien, die vorher
konnte man zu jedem Produkt ein vernichtendes Urteil rumstanden, waren verstaut, jede Kante eingefasst, je-
lesen (Bloß keine Keramikspüle! Bloß keine schwarze des Rohr verschwunden, es gibt keine Ritzen mehr, nur
Oberfläche!). Ich sichtete knackige Küchen ganz aus ge- noch rechte Winkel und viel freien Luftraum. Jeden
färbtem Stahl und solche mit einer Platte aus Lavastein, Morgen stehe ich jetzt in der Tür, schaue einfach nur
probierte sechsflammige Gasherde aus Frankreich, die und flüstere: „Hallo, Schönheit.“
mit dem Kran geliefert werden müssen, und las mich Das mit dem Kochen allerdings ist noch schwierig. Es
durch die Anfänge der Einbauküche, die vor fast 100 Jah- ginge schon, theoretisch. Auch alle Töpfe passen auf den
ren von zwei Frauen eingeleitet wurden. Herd. Es ist nur so: Der erste Tomatenfleck, der erste
Zum einen war das eine gewisse Erna Meyer, die das Rotweinring, der erste Kratzer durch die tonnenschwe-
Standardwerk „Der neue Haushalt“ (1926) verfasste und re KitchenAid würden mich vermutlich umbringen, ge-
den Frauen darin Mut machte, ihre Rolle selbstbewusst fühlsmäßig. Das ist eben das grundlegende Problem an
und neu zu gestalten. Die andere war die österreichische Küchen: Sind sie makellos, kann man davon ausgehen,
Architektin Margarete Schütte-Lihotzky, die mit der dass sie eigentlich nicht benutzt werden. Wenn sie aber
Frankfurter Küche den Urtyp der praktischen Einbaukü- Rotweinränder, Brandflecken und schiefe Gewürzregale
che erfand, beflügelt vom Geist des Bauhaus. Sie wollte haben, dann ernähren sie ihre Benutzer.

… is the deepest
Foto: Julian Baumann

33
Guide

Wundertüten
Küchenkauf kann aufregend sein – man
muss nur die richtigen Adressen kennen! ARCHITECTURAL DIGEST
erscheint in der
Tex t Reinhard Krause Condé Nast Verlag GmbH
Oskar-von-Miller-Ring 20, 80333 München

1
Condé Nast International

Chairman and Chief Executive Jonathan Newhouse


President Wolfgang Blau

The Condé Nast


International Group of Brands includes

Großbritannien
Vogue, House & Garden, Brides, Tatler, The World of Interiors,
GQ, Vanity Fair, Condé Nast Traveller, Glamour,
Condé Nast Johansens, GQ Style, Love, Wired, Condé Nast
College of Fashion & Design, Ars Technica

2
Frankreich
Vogue, Vogue Hommes, AD, Glamour, Vogue Collections, GQ,
AD Collector, Vanity Fair

Italien
Vogue, Glamour, AD, Condé Nast Traveller, GQ, Vanity Fair,
Wired, La Cucina Italiana, Lisa
1 3
Deutschland
Im frisch von Marcante-Testa de- Gibt es Schöneres, als sich in Boffis Vogue, GQ, AD, Glamour, GQ Style, Wired

signten Showroom in der Viale Pia- verwinkeltem Flaggschiff in der Via Spanien
Vogue, GQ, Vogue Novias, Vogue Niños, Condé Nast Traveler,
ve 27 zeigt Valcucine Milano seine Solferino zu verlaufen? Unter altem Vogue Colecciones, Vogue Belleza, Glamour, AD, Vanity Fair
State of the Art-Küchen mit Ikonen Gebälk bilden die Messe-News von Japan
Vogue, GQ, Vogue Girl, Wired, Vogue Wedding
wie dem „Rehbeintisch“ von Ge- Boffi, DePadova und MA/U Studio
Taiwan
brüder Thonet Vienna. Inspirierend! Lebenswelten zum Anfassen – ein Vogue, GQ, Interculture
valcucine.com Fixpunkt jedes Mailand-Besuchs. Mexiko und Lateinamerika
b of f i-solferino.com Vogue Mexico and Latin America, Glamour Mexico, AD Mexico,
2 GQ Mexico and Latin America

Stilvoll: Station Küche residiert im 4 Indien


Vogue, GQ, Condé Nast Traveller, AD
einstigen Jugendstil-Bahnhof Bo- In Münchens Ludwig 6 zeigen Dross
tanischer Garten in Berlin. Im Port- & Schaffer Küchen vieler großer Published under Joint Venture
Brasilien Vogue, Casa Vogue, GQ, Glamour
folio: Küchen von Next125. Oder Marken (Siematic, Eggersmann etc.) Russland Vogue, GQ, AD, Glamour, GQ Style, Tatler, Glamour Style Book
von A bis Z individuell vom Tischler. inmitten eines Universums sorgsam
s tation -kue che.de gescouteter Accessoires von der Published under License or Copyright Cooperation
Pfeffermühle bis zur Schürze. Talks Australien Vogue, Vogue Living, GQ
Bulgarien Glamour
und Events runden die Palette ab. China Vogue, AD, Condé Nast Traveler, GQ, GQ Style, Condé Nast
Center of Fashion & Design, Vogue Me, Vogue Film
dros s-schaf fer.com
Deutschland GQ Bar Berlin
Island Glamour
5 Korea Vogue, GQ, Allure, W
Mittlerer Osten Vogue, Condé Nast Traveller, AD,
Industriell mit heimeligem Vintage- GQ, Vogue Café Riyadh
Niederlande Vogue, Glamour, Vogue The Book, Vogue Man, Vogue Living
Touch: Berlins Karl-Marx-Allee Polen Vogue, Glamour
ist das Setting für Authentic Kitchen Portugal Vogue, GQ, Vogue Café Porto
Rumänien Glamour
und das Küchenprogramm von Russland Vogue Café Moscow, Tatler Club Moscow
Noodles Noodles & Noodles. Dazu: Südafrika House & Garden, GQ, Glamour, House & Garden Gourmet,
Fotos: Omar Sartor; Station Küche; Tommaso Sartori

GQ Style, Glamour Hair


coole Küchenmaschinen von Smeg. Thailand Vogue, GQ
Tschechische Republik und Slowakei Vogue, La Cucina Italiana
authentic -kitchen.com
Türkei Vogue, GQ
Ukraine Vogue, Vogue Café Kiev
6 Ungarn Glamour

Bulthaups „b3“ in Aktion erleben?


Condé Nast USA
Und auch noch ausgezeichnet President and Chief Executive Officer Robert A. Sauerberg, Jr.
speisen? Beides lässt sich verbinden Artistic Director Anna Wintour

im lichtdurchfluteten Showroom- Vogue, Vanity Fair, Glamour, Brides, Self, GQ, GQ Style,

3 Restaurant in Woluwe bei Brüssel. The New Yorker, Condé Nast Traveler, Allure, AD,
Bon Appétit, Epicurious, Wired, W, Golf Digest, Teen Vogue,
woluwe.bulthaup.b e Ars Technica, Pitchfork, Backchannel, Them

34
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