Sie sind auf Seite 1von 5

Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.planet-wissen.de/kultur/sammeln/flohmaerkte/index.

html

Sammeln

Flohmärkte

Was für die einen eine romantische Zeitreise, ist für die anderen ein "Fest der Sinne". Keine
Frage – der Bummel über den Flohmarkt gehört zu den liebsten Freizeitbeschäftigungen der
Deutschen. Hier wird nach verborgenen Schätzen gefahndet, ein netter Plausch mit fremden
Menschen gehalten, gefachsimpelt, Nötiges und Ausgefallenes für kleines Geld ersteigert und
neben allem Spaß auch ein bisschen Geld verdient.

Schätze aus Speichern und Kellern

Suche nach verborgenen Schätzen

Nach Angaben der Fachzeitschrift "Trödler" finden jährlich in Deutschland über 40.000
Flohmärkte statt, über zwei Millionen Menschen leben mittlerweile vom Geschäft mit dem
Trödel - Tendenz steigend. Doch so manch einer wird sich schon gefragt haben, was
eigentlich den Reiz des Trödelns ausmacht. Als Verkäufer ist die finanzielle Ausbeute oft eher
mager, als Besucher fragt man sich nach ermüdenden Stunden in den engen Marktgässchen,
warum man dieses oder jenes Teil denn überhaupt gekauft hat. Was also macht den
Flohmarkt trotzdem so attraktiv? Die Antworten sind so vielfältig wie die Gegenstände, die
man auf dem Flohmarkt finden kann.

Viele Flohmarkt-Schätzchen stammen aus Speichern, Kellern oder Haushaltsauflösungen. Es


sind überwiegend Dinge, die schon im Besitz anderer Leute waren. Darunter gibt es echte
Antiquitäten, die sich von Fachleuten einer bestimmten Epoche zuordnen lassen, aber auch
viele schöne Dinge, deren Preis und Wert von individuellen Interessen abhängt. Wichtig ist für
alle Flohmarktneulinge zu wissen: Auf dem Trödelmarkt herrscht ein eigenes Preis- und
Wertesystem.

Warum ist "Trödeln" attraktiv?

Der Flohmarkt verspricht nicht nur ein kostenloses, sondern auch ein spannendes
Vergnügen. Auf dem Flohmarkt kann man auf Schatzjagd gehen, nette Leute kennenlernen
und Kurioses bestaunen. Der Flohmarkt ist daher vor allem ein Ort für Nostalgiker und
Romantiker. Die Menschen, die dort handeln und verkaufen, vertreten eine bestimmte
Geisteshaltung.

Für Nostalgiker und Recycling-Freunde

Viele Flohmarktfans grenzen sich bewusst von der allgemeinen Konsum- und Kaufhauskultur
ab. Sie ziehen Gegenstände, die eine Geschichte, eine individuelle Note haben vor und
erteilen der Wegwerfkultur kategorisch eine Absage.

Entstanden ist diese Geisteshaltung aus der Ökobewegung der 70er und 80er Jahre:
"Recycling" hieß damals das große Stichwort. Die auf dem Flohmarkt erstandenen Dinge
waren nicht nur günstiger, sondern auch ökologisch gut vertretbar. Und was heute für viele
vielleicht noch wichtiger ist: Sie ermöglichen einen individuellen und originellen Lifestyle.

Das Publikum: Schatzjäger, Sammler und Flaneure

Nach Flohmarkt-Kenner und Autor Sebastian Münz hat jede Tageszeit auf dem Trödelmarkt
ihr spezielles Publikum: Er unterteilt die Flohmarktgänger in Jäger, Sammler und Flaneure.
Die Jäger sind die "Early Birds" auf den Märkten. Frühes Aufstehen ist für sie kein Hindernis:
Sie warten bereits um 5 Uhr morgens, wenn die ersten Verkäufer kommen und können es
kaum erwarten, bis alle Waren ausgepackt sind. Ihr Motto: "Der frühe Vogel fängt den Wurm"
– die besten Schnäppchen haben noch vor Sonnenaufgang ihren Besitzer gewechselt.

Trödelmarkt am Schöneberger Rathaus in Berlin

Die zweite Gruppe, die sich zeitig auf den Weg macht, sind die Sammler. Sie sind meist auf
bestimmte Objekte spezialisiert. Mit fachmännischem Blick eilen sie durch die Reihen und
machen schnell die Stände aus, die für ihr Sammelgebiet von Interesse sind. Jetzt wird
gefeilscht, was das Zeug hält: Ob Briefmarken, Antiquitäten, Schmuck oder Porzellan, der
Sammler kennt die Preise für die Objekte seiner Begierde ziemlich genau. Obwohl die
Deutschen eher nicht der Kultur des Handelns zugetan sind, funktioniert dies auf dem
Flohmarkt reibungslos. Für den Sammler sind Spezialmärkte von noch größerer Bedeutung
als der gemeine Flohmarkt, aber auch hier kehrt der Experte ab und an mit einem
Schnäppchen heim.
Zuletzt kommen die Leute, die einfach nur aus Spaß über den Trödelmarkt flanieren wollen.
Sie genießen das Flair, bestaunen das bunte Treiben, treffen auf nette Menschen und kaufen
den einen oder anderen - meist unnötigen - Gegenstand. Doch neben dem Vergnügen gibt es
auch andere Gründe für einen Besuch auf dem Flohmarkt. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher
Krisen müssen viele Menschen wieder gebraucht und günstig kaufen. Sie besuchen den
Flohmarkt oft aus rein ökonomischen Zwängen.

Verarmte Händler

Auch so mancher Händler bekommt es zu spüren, wenn die Wirtschaft leidet. Ein Indiz dafür
ist, dass immer mehr Händler ausschließlich vom Trödelmarktverkauf leben. Viele der Trödler,
insbesondere die Antiquitätenhändler, besaßen bis vor kurzem noch ein Ladenlokal, wo sie
ihre Ware anbieten konnten. Doch in Zeiten der Wirtschaftskrise sind einige schlicht nicht
mehr in der Lage, ihre Geschäftsmieten zu zahlen. Diese Händler sind jetzt darauf
angewiesen, ihr ganzes Einkommen auf den Flohmärkten zu verdienen.

Flohmarkt-Händler auf dem Neumarkt in Köln

Eingefleischte Flohmarktfans bemängeln zudem, dass das Trödelvergnügen immer öfter auch
durch das erweiterte Angebot von Neuwaren getrübt wird. Viele Veranstalter lassen billige
Neuwaren "made in China" auf den traditionellen Flohmärkten zu. Das lockt zwar neue
Kunden an und steigert den Umsatz, vergrault aber oft die alteingesessenen Verkäufer.
Szenekenner bevorzugen daher Trödelmärkte, auf denen nur gebrauchte Waren zugelassen
sind oder von privat an privat verkauft wird. So mancherorts hat der Ramsch aus den
Dumpingländern dem traditionellen Trödelmarkt schon das Wasser abgegraben.

Flohmarkt-Konkurrent Internet

Seit der Erfindung des Internets in den 90er Jahren steht Schnäppchenjägern eine weitere
Plattform zur Verfügung. Virtuelle Flohmärkte im Internet erfreuen sich seit der Gründung von
Ebay und Co. steigender Beliebtheit. Hier kann man bequem rund um die Uhr stöbern und
einkaufen, ohne auch nur einen Fuß vor die Tür setzen zu müssen.

Auktion im Internet
Obwohl die Online-Branche boomt, stehen sich die traditionellen und die virtuellen
Flohmärkte nicht im Wege. Im Gegenteil: Sie ergänzen sich sogar. Flohmarktfans, die das
reale Sinnerlebnis suchen, gehen weiterhin auf den wöchentlichen Trödelmarkt. Hier kann
man die Waren direkt vor Ort begutachten, man hat Kontakt zu den Verkäufern und kann das
erspähte Gut sofort erwerben und mitnehmen. Wenn man Glück hat, bekommt man sogar oft
noch gratis eine spannende oder persönliche Geschichte über den neuen Gegenstand
mitgeliefert.

Im Internet fehlt das unmittelbare Erleben: das typische und quirlige Flohmarktflair. Das Netz
hat aber den Vorteil, dass man gezielter nach bestimmten Waren Ausschau halten und
Preisvergleiche ziehen kann. Insbesondere bei Markenartikeln oder teuren, schwer zu
transportierenden Raritäten leisten die Online-Märkte gute Dienste.

Clever verhandeln und Lügen durchschauen | mehr


[http://www1.wdr.de/sendungen/pwsecleververhandelnundluegendurchschauen112.html]

Autorin: Sandra Kampmann

Stand: 15.01.2016, 09:40

Flohmärkte
Geschichte der Flohmärkte | mehr
[http://www1.wdr.de/kultur/sammeln/flohmaerkte/pwiegeschichtederflohmaerkte100.html]

Bekannte Märkte | mehr


[http://www1.wdr.de/kultur/sammeln/flohmaerkte/pwiebekanntemaerkteineuropa100.html]

Albert Maier | mehr


[http://www1.wdr.de/kultur/sammeln/flohmaerkte/pwieeinlebenfuerdentroedelalbertmaier100.html]

Link-Tipps | mehr
[http://www1.wdr.de/kultur/sammeln/flohmaerkte/pwielinktipps1328.html]

Verwandte Themen
Sammler | mehr
[http://www1.wdr.de/kultur/sammeln/sammler/index.html]

Museen | mehr
[http://www1.wdr.de/kultur/sammeln/museen/index.html]
Hier geht‘s zur Übersicht

Sammeln | mehr

[http://www1.wdr.de/kultur/sammeln/index.html]

© WDR 2019