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ELektromagnetische Verträglichkeit

EMV = Produkteigenschaft und


messtechnische Herausforderung
Prof. Dr. Manfred Schmidt, DL1ATA elektrische) Größen herangezogen wer­
den können, um dann als Messwerte
spezielle Aspekte der elektromagneti­
In elektrischen Schaltungen verursachen die angelegten Be­
schen Verträglichkeit eindeutig zu be­
triebsspannungen mehr oder weniger hohe Ströme. Neben den schreiben. Es ist außerdem nOt\'lendig,
beabsichtigten Wirkungen haben diese Spannungen und Ströme dass gesetzliche Regelungen und nor­
seLbst bzw. über Felder häufig unerwünschte Auswirkungen auf mative Festsetzungen die Notwendig­
benachbarte Schaltungen oder stören diese mitunter sehr stark. keit solcher Untersuchungen fordern,
Beabsichtigte elektrische Vorgänge beruhen auf den gLeichen Messverfahren als verbindlich erklärt
und schließlich Grenzwerte fixiert wer·
physikalischen GrundLagen wie die unbeabsichtigten Störungen.
den. Das geschieht seit mehreren Jahr­
zehnten bereits in einem Prozess, der
auch heute noch andauert. Während
/-~ ~
~
zunächst der Gesetzgeber mit der Be­
( Technik ') 4 ( Ökonomie ) grenzung ungewollter Störemissionen
~.~~/ ' ,
'-..... , //
/ eine störungsarme Nachrichtenübertra·
Produkte --------------­ gung sicherstellen wollte, sind heute

"~EMV·'V

durch die extreme Dichte elektrischer,


elektronischer und nachrichtentechni­
scher Systeme bereits im alltäglichen
privaten Umfeld des Menschen viel
.~ komplexere Forderungen zu erfüllen:
Neben der Begrenzung der von solchen
( Gesellschaft )
Geräten ausgehenden Störemissionen
~/ ist eine bestimmte Mindeststörfestig­
keit zu gewährleisten, ganz a.bgesehen
Bild 1: Grundlegender Zusammenhang zwischen der Entwicklung technischer Systeme von der Forderung, den Menschen vor
und der Gesellschaft starken, d.h. gesundheitsschädlichen
elektrischen, magnetischen und elek­
Prof. Dr. Manfred In der Nachrichtentechnik sind die Aus· gen durch geeignete Maßnahmen zu er­ tromagnetischen Feldern zu schützen.
Schmidt, DLlATA strahlungen von Sendern durchaus ge· höhen. Damit ist die Eigenschaft elektri­ MUt der Charakterisierung technischer
Friedrich-Engels-Str. 73
wollt, beispielsweise als Träger der auf· scher SystemteiJe und Systeme, die heute Systeme durch Messwerte, die deren
07749 Jena
modulierten Nachrichten oder als kurze als elektromagnetische Verträglichkeit elektromagnetische Verträglichkeit
Wellenzüge in der Radartechnik stellen charakterisiert wird, bereits beschrieben. möglichst exakt beschreiben, wird zu·
die hochfrequenten Signale Nutzsignale Um zu exakteren Aussagen zu gelangen, gleich eine (neue) ProdukteigenschaJt
dar, gleichzeitig können sie aber in be· sind Messungen erforderlich. MUt Hilfe eingeführt, die sofort eine (neue) öko­
nachbarten elektrischen Systemen unzu· von geeigneten Messwerten ist die elek­ nomische Dimension eröffnet.
mutbare Störungen hervorrufen. An diese tromagnetische Verträglichkeit von Sys­ Fragen der Produktsicherheit und der
Systeme sind dann hohe Anforderungen temteiJen und ganzer Systeme beleg- und Produkthaftung sind im europäischen
an ihre Störfestigkeit zu stellen. Neben Änderungen beim Ent\'1urf in ihrer Aus­ Raum weitestgehend geregelt und
den Nutzsignalen emittiert aber jeder Wirkung charakterisierbar, und schließ­ durch Gesetze in den Mitgliedstaaten
Sender wegen seiner unvermeidbaren lich kann die elektromagnetische Verträg­ der Europäischen Union untersetzt (eu­
Nichtlinearitäten Oberschwingungen lichkeit so in Form technischer Parameter ropaweit "harmonisiert"). Für die Her­
und verschiedene Mischprodukte, die zur Vergleichbarkeit von Systemen in stellung und das Inverkehrbringen sind
Störsignale darstellen und unerwünscht Form technischer Produkte herangezo' hinsichtlich Produktsicherheit und Pro­
sind. gen werden. dukthaftung folgende allgemeingültige
Aus dieser Sicht muss also der Entvvurf EU-Richtlinien grundlegend:
jeglicher elektrischer Systeme darauf ge· Charakterisierung technischer • Allgemeine Produktsicherheitsrichtli­
richtet sein, Störemissionen möglichst ge· Systeme durch Messwerte nie (92/ 59/EWG)
ring zu halten, zugleich aber die Festig' Eine solche Herangehensweise setzt • Produkthaftungrichtlinie (85/374/
keit gegenüber dem Einfluss von Störun· voraus, dass physikalische (besonders EWG);

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ca Ol-Spezial Messen und Entstören
Aus der Vielzahl der produktrelevanten schriften über die elektromagnetische für die EMV, beide Vorschriften verwei­ Schutzanforderungen
Richtlinien, die für nahezu alle Produk­ Verträglichkeit (89/ 336/ EWG)" mit sen diesbezüglich auf einschlägige Nor­ Geräte müssen so
beschaffen sein, dass
te vom Spielzeug über Medizinproduk­ der deutschen Untersetzung durch das men. Das Einhalten der Schutzanforde­
te zu Niederspannungsanlagen bis zur EMVG (bisher letzte Novellierung von rungen wird dann vermutet, wenn die • die Erzeugung
Elektromagnetischen Verträglichkeit 1998) schreibt Schutzanforderungen entsprechenden Normen eingehalten elektroma gnetisc her
reichen, sind hier besonders wichtig: für alle Geräte vor, die elektrische oder sind. Störungen begrenzt
wird
• Niederspannungsrichtlinie (72/23/ elektronische Bauelemente enthalten. Nationale und internationale Normungs­
EWG) Diese Schutzanforderungen betreffen gremien sind mit der Erarbeitung speziel­ • die Geräte ei ne
I • Elektromagnetische Verträglichkeit
(89/ 336/EWG und (91 / 31/EWG)_
sowohl die Störemission wie auch die
Störfestigkeit. Weder die Richtlinie,
ler techn.ischer Festlegungen in Normen
betraut Diese Normen sind inhaltlich in
angemessene
Fähigkeit gegen
elektroma gneti sc he
Diese Richtlinien sind europaweit harmo­ noch das EMVG enthalten Grenzwerte drei Klassen einzuteilen: Störungen aufweisen
nisiert und umfassen eine Kennzeich­
nungspflichL Mit dem vorgeschriebenen '. .. 1 ." Das Einhalten der
Schutzanforderu nge n
CE-Kennzeichen erklärt der 1928 Gesetz über Fernmeldeanlagen (FAG) wird vermutet für
HersteUer/ lmporteur eines Gerätes, dass Inhalt: solche Geräte, die
aUe einschlägigen, harmonisierten eu­ Errichten und Betreiben von Funkanlagen, die der Nachrichtenübermittlung dienen übereinstimmen ".
ropäischen Richtlinien, Gesetze und nor­ (Gene hmi gungspflicht) mit ". anwendbaren
Ziel: harmonisierten
mativen Vorgaben eingehalten wurden_ Begrenzung der ungewollten Emission elektromagnetischer Störenergie europäischen Normen
Hinsichtlich der elektromagnetischen Adressaten: = Konformitäts­
Verträglichkeit bedeutet dies, dass das Errichter und Betreiber von Funkanlagen erklärung =
Gerät sowohl keine unzulässigen Störun­ CE-Kennzeichen
1949 Gesetz über den Betrieb von Hochfrequenzgeräten (HFrG)
gen aussendet, als auch selbst genügend Inhalt:
störungsunempfindlich ist Betreiben von Geräten, die beabsichtigt oder unbeabsichtigt elektromagnetische
Schwingungen im Bereich von 10 kHz bis 3000 GHz erzeugen, jedoch nicht der
Rechtsvorschriften Nachrichtenübermittlung dienen
zur EMV Ziel:
Begrenzung der von solchen Geräten ausgehenden Störemission
Seit den Anfängen der drahtlosen Adressaten:
Nachrichtentechnik gibt es auch die Betreiber von Hochfrequenzgeräten
unbeabsichtigte Emission elektroma­
1978 Durchführungsgesetz zur EG-Richtlinie Funkstörungen (FunkStörG)
gnetischer Störenergie und damit Inhalt:
Bemühungen um deren Reduzierung_ Inverkehrbringen bestimmter Geräte (Elektro-Haushaltsgeräte, handgeführte
Bereits im Jahre 1928 hat der Gesetzge­ Elektrowerkzeuge u.ä.); Umsetzung von EG-Richtlinien
ber in Deutschland die Errichter und Ziel:
Begrenzung der von solchen Geräten ausgehenden Störemission
Betreiber von Funkanlagen per Gesetz Adressaten:
zur Begrenzung von Störemissionen Anbieter und Verkäufer entsprechender Geräte

veranlasst Die nachfolgende Übersicht


soll die Entwicklung der Rechtsvor­ 1989 Richtlinie des Rates vom 3. Mai 1989 zur Angleichung der Rechtsvorschriften

der Mitgliedsstaaten über die elektromagnetische Verträglichkeit (89/336/EWG)

schriften auf dem Gebiet der Elektro­ Inhalt:

magnetischen Verträglichkeit verdeutli­ Grundlage für entsprechende Rechtsvorschriften der EU-Mitgliedsländer

chen_ In die Tabelle wurden aus Grün­ Ziel:

den der Übersichtlichkeit nicht alle Schutzanforderungen für alle Geräte, die elektrische oder elektronische Bauelemente

enthalten: Störemission und Strörfestigkeit

Zwischenstufen und Änderungsschritte Adressaten:

aufgenommen_ Die international ver­ EU-Mitg lieds länder

einbarte EU-Richtl.inie von 1989 stellt


in dieser Entwicklung nicht nur aus 1992 Gesetz über die elektromagnetische Verträglichkeit von Geräten (EMVG)

Inhalt:
rechtlicher Sicht einen wichtigen Inverkehrbringen und Betreiben von Geräten, die elektromagnetische Störungen
Schritt dar, sie ist vielmehr auch inhalt­ verursachen können oder deren Betrieb durch elektromagnetische Störgrößen
lich bedeutsam, weil sie erstmals ver­ beeinträchtigt werden kann
bindlich die Elektromagnetische Ziel:
Begrenzung der von den Geräten ausgehenden Störemission und Gewährleistung einer
Verträglichkeit als Einheit von bestimmten Mindeststörfestigkeit
Störemission und Störfestiglkeit in­ elektromagnetische
Adressaten:
Verträglichkeit
terpretiert Diese Auffassung ist mit Hersteller, Importeure, Verkäufer und Betreiber entsprechender Geräte v(erbindlich seit
ist die Fähig keit
1. Januar 1996)
dem Gesetz über die elektromagneti­ eines Gerätes, in der
sche Verträglichkeit von Geräten 1998 Novellierung des EMVG elektro ma gnetischen
(EMVG) von 1992 und seinen nachfol­ Umwelt zufriedenstel­
Inhalt:
Iend zu arbeiten,
genden Novellierungen schließlich in Inverkehrbringen und Betreiben von Geräten, die elektromagnetische Störungen
ohne dabei selbst
nationales deutsches Recht übernom­ verursachen können oder deren Betrieb durch elektromagnetische Störgrößen
elektromagnetische
beeinträchtigt werden kann
men worden und stellt damit die Basis Störungen zu
Ziel:
für die entsprechenden Messverfahren verursachen, die für
Begrenzung der von den Geräten ausgehenden Störemission und Gewährleistung einer
andere in dieser
und -techillken dar. bestimmten Mindeststörfestigkeit
Umwelt vorhandene
Die "Richtlinie des Rates vom 3. Mai Adressaten:
Hersteller, Importeure, Verkäufer und Betreiber entsprechender Geräte Geräte unannehmbar
1989 zur Angleichung der Rechtsvor­ wären

ca DL-Spezial Messen und Entstören 57


FAG HFrG FunkStörG E ~IYG
J
00
--------­
Störfestigkeitsgrenzwert

Störsicherheitsabstand

• Störernissionsgrenzwert

1928 1949 1978 1992 1998 Frequenz

Bild 2: Rechtsvorschriften der Elektromagnetischen Bild 3: Definition des Störsicherheitsabstandes


Verträglichkeit

• Generic Standards (Fachgrundnor­ wortung den Nachweis der elektroma· welt vorhandene Geräte unannehmbar
men) beschreiben die Minimalanforde­ gnetischen Verträglichkeit der Produkte wären .
rungen für Störaussend ungen und Stör­ vorzunehmen (für den gesamten eu­ Um von der Vielfalt der denkbaren
festigkeit in einer bestimmten Umge­ ropäischen Markt), wenn für die Pro· elektrischen Geräte und Einrichtungen
bung (Wohnbereich, Industriebereich, dukte vollständige Normen (d.h. für die abstrahieren zu können, wird das Gerät
spezielle EMV-Umgebung) Störemission und für die Störfestigkeit) in seiner Umwelt theoretisch modelliert,
• Basic Standards (Grundnormen) be­ vorliegen. indem Oberbegriffe für den Sender
schreiben phänomenbezogen Mess­ Unvollständige Normen erfordern die elektromagnetischer Störungen und
und Prüfverfahren zum Nachweis der Beteiligung einer sogenannten "zustän­ den Empfänger dieser Störungen einge·
elektromagnetischen Verträglichkeit so­ digen Stelle"; bei Sendefunkgeräten führt und in einem Beeinflussungsmo­
wie die geforderten Grenzwerte. muss in jedem Falle eine "benannte dell zusammengefasst werden_
• Product Standards (Produkt- bzw. Stelle" eine Baumusterbescheinigung Der in der Definition der elektromagne·
Produktfamilien·Standards) enthai ten ausstellen, bevor die CE·Kennzeich­ tischen Verträglichkeit erfolgten Zu­
detaillierte Angaben über Mess· und nung angebracht werden darf. sammenfassung von Störemission und
Prüfaufbauten, Betriebsbedingungen In der Messpraxis ist zwischen ent­ Störfestigkeit wird gewissermaßen
des Prüflings beim Messen bzw. Prüfen, wicklungsbegleitenden (Precomplian· durch zweimalige Anwendung des Mo­
zulässige Grenzwerte und Prüfschär· ce) und streng den Normen folgenden deLls Rechnung getragen. Störquelle
fen, sowie weitere verbindliche Anga­ Messungen (Compliance) zu unter· und Störsenke können zwei völlig ge·
ben für bestimmte Produktfamilien. schieden. Letztere sind meist mit ei· trennte Systeme darstellen (Intersy­
Fachgrundnormen sind immer dann an­ nem erheblichen Aufwand verbunden, stem-Beeinflussung), Störquelle und
zuwenden, wenn es für ein Produkt erlauben aber schließlich auch die Störsenke können aber auch als Teilsys·
oder eine Produktfamilie keine speziel· zweifelsfreie Deklaration der EMV·Kon­ terne einem Gesamtsystem auftreten
len Normen gibt. Die Produkt(famili­ formität eines Produktes durch das CE· (intrasystem·Beeinflussung) (Bild 4).
en)normen gliedern sich in Normen zur Kennzeichen. Bei Störemissionsmessungen ist das
Begrenzung Niederfrequenz· und Messgerät die Störsenke. Im zivilen
Hochfrequenzstörungen (Störemission, Elektromagnetische (kommerziellen) Bereich wird zur De­
Funkentstörung) und zur Festlegungen Beeinflussung tektion der Störsignale letztlich ein
der Anforderungen an die Störfestig· und ihre Übertragungswege Ouasipeakdetektor verwendet. Diese

keit. Außerdem gibt es eine große Zahl Die allgemein akzeptierte Definition normative Festlegung ist nur auf Grund

spezieller Produktnormen mit EMV'An­ der elektromagnetischen Verträglich· der historischen Entwicklung zu verste·

forderungen. keit hat sich über einen langen Zeit· hen, bei der zunächst an den Men·

EMV-Normen erlangen ihre Gültigkeit raum ent:\vickelt. In der Formulierung schen als Rundfunkhörer oder Fernseh­

im Zusammenhang mit der Richtlinie des EMVG (1998, §2, Ziff.8) ist elek· zuschauer gedacht und sein Störemp­

und dem EMVG, wenn ihre Nummern tromagnetische Verträglichkeit die finden (Hörphysiologie) berücksichtigt

im Amtsblatt der Europäischen Ge­ Fähigkeit eines Gerätes, in der elektro­ wurde. Im militärischen Bereich wird

meinschaft bzw. im Amtsblatt der na· magnetischen Umwelt zufriedenstel· als Störsenke stets ein technisches

tionalen Regulierungsbehörden (in lend zu arbeiten, ohne dabei selbst Gerät verwendet, das auf den Maximal­

Deutschland: Regulierungsbehörde für elektromagnetische Störungen zu ver­ wert der Störgröße reagiert. Damit er·

Telekommunikation und Post) veröf· ursachen, die für andere in dieser Um· geben sich im Vergleich zum zivilen Be­
fen tlich t sind.

Alle seit Januar 1996 auf dem europäi·

schen Markt angebotenen Produkte

müssen mit dem CE·Kennzeichen ver­


Störquelle Kopplungs­ Störsenke
Mechanismus
sehen sein. Voraussetzung hierfür ist (Sender) (Pfad) (Empfanger)
das Einhalten der zutreffenden EMV­

Normen. EMV-Richtlinie und EMVG

bieten den Herstellern und Importeu·

ren die Möglichkeit, in eigener Verant- Bild 4: Elektrotechnisches Modell von elektromagnetischen Beeinflussungen

58 ca DL-Spezial Messen und Entstören


reich zum Teil andere Forderungen an Messtechnik ist zweifellos von beson­
den Messempfänger. derem Interesse, in welchem Wertebe­
Parameter Maßeinheit Werteberei ch
Da die Störenergie das Messobjekt auf reich die einzelnen elektrischen Stör­ Stromscheitelwert ip kA 2_ ..200
völlig undefinierten Wegen verlässt, größen auftreten. Typische Parameter­ Stromsteilheit dijdt kA/lLs 200
müssen Regeln (Normen) vorhanden werte müssen auch unter dem Aspekt Ladung Q = ftdt As bis 500
sein, die neben Festlegungen für die der gezielten Generierung entsprechen­ Spezifische Energie WjR A2s 107
Frequenzspektrum f Hz 103... einige 106
Kopplung des (Mess· )Empfängers an der Störsignale herausgearbeitet wer­
Pulsdauer T ns einige 10...1000
die Störquelle (Messobjekt) auch Anga· den. Die Festschreibung der Werte in Wirkungsbereich km einige
ben für die Umgebung des Messobjek· Normen zur messtechnischen Simulati­ Induzierte Spannung
tes und seinen Betrieb enthalten. on von Störungen kann dann schließ­ (Ferneinschläge in
Bei der Messung der Störfestigkeit wer­ lich zu Normen für die Prüfung bzvv. Mittelspannungsnetzen ) V 10... einige 100 000
den die unterschiedlichen Störquellen, Messung der Störfestigkeit führen.
die in der Praxis vorkommen, durch Blitzentladungen störungen an elektrischen Geräten und Tabelle 1:
entsprechende Generatoren simuliert. Bei den systemfremden Störquellen Anlagen sind die Folge, wenn keine Abschätzungen
des Wertebereiches
Ein Generator übernimmt bei solchen sind zunächst die natürlichen elektri­ schützenden Vorkehrungen (Überspan­ relevanter
Messungen also stets die Funktion der schen Entladungen von Gewittern nungssch utzeinrich tungen ) vorgesehen Parameter/Blitz
Störquelle, das zu testende Objekt stellt (lightning electromagnetic pulse, wurde . Als Orientierung lassen sich in
dann die Störsenke dar. Die Einkopp­ LEMP) zu nennen. Blitzentladungen der Literatur grobe Abschätzungen des
lung der Störenergie in die Störsenke der globalen Gewittertätigkeit beein­ Wertebereiches relevanter Parameter
erfolgt über geeignete Koppelnetz­ trächtigen den Funkverkehr; die lokale finden (Tabelle 1).
werke, um möglichst eindeutige und Gewittertätigkeit im mitteleuropäi­
reproduzierbare Verhältnisse zu schaf­ schen Raum mit bis etwa 35 Gewitter­ Elektrostatische Entladungen
fen. Die Überwachung der bestim­ tagen im Jahr und etwa ein bis fünf Im Gegensatz zu den sehr energierei­
mungsgemäßen Funktion des Prüflings Blitzeinschlägen pro Quadratkilometer chen Blitzentladungen sind elektrosta­
(Störsenke) muss mit geeigneten Kon­ und Jahr verursacht insbesondere tische Entladungen um viele Größen­
trollgeräten erfolgen (bisher nicht in durch die elektromagnetische Wirkung ordnungen energieärmer. Dennoch
Normen festgelegt, meist werden Vi­ der großen freigesetzten Energiemen­ können sie in elektronischen Schalt­
deokameras oder Anzeigegeräte sehr gen trotz Blitzschutzmaßnahmen z.T. kreisen zu Zerstörungen führen ; sie
hoher Störfestigkeit verwendet). erhebliche Schäden. Neben solchen di­ sind deshalb als natürliche Entladevor­
rekten oder nahen Einschlägen stellen gänge mit elektromagnetischer Störwir·
Störquellen und Störgrößen deren Fernwirkungen ein wesentliches kung zu charakterisieren.
Quellen elektromagnetischer Beeinflus­ EMV-Problem dar. Durch einen Direkt­ Elektrostatische Entladungen (elec­
sung können sowohl natürlichen Ur­ einschlag wird die Erdungsanlage am trostatic discharge, ESD) stellen eine
sprungs (Kosmos, Atmosphäre) sein als Einschlagsort kurzzeitig gegenüber der Form des Ladungsausgleiches zwischen
auch künstlich oder "man-made", d.h. Erdumgebung eines fernen Punktes auf elektrostatisch unterschiedlich aufgela­
auch in technischen Systeme der indus­ ein Potential bis zu I MV angehoben, denen Medien dar. Die klassische Form
triellen Umwelt vorhanden sein. Solche sodass in Versorgungs- und Datenlei­ der Reibungselektrizität bzw. die Aufla­
Quellen sind im gesamten elektroma­ tungen (Induktionsschleifen) je nach dung durch Influenz sind die Ursachen
gnetischen Spektrum anzusiedeln, im Geometrie der Anordnung, ihrem Ab­ dafür, dass sich Menschen und Gegen­
Gleichspannungsbereich beispielsweise stand vom Blitzkanal Spannungen von stände (wie Möbel) aufladen und durch
als elektrostatische Entladungen, bei wenigen Volt bis in den kV-Bereich in­ menschlichen Körperkontakt wieder
50 Hz bzw. 60 Hz durch Stromversor­ duziert werden können. Funktions- entladen. Die geschilderte Situation
gungsnetze, über Rundfunk- und Fern­
sehbereiche vom Kilohertz- bis in den
Gigahertzbereich, wobei für die unter­
schiedlichsten Kommunikationsanwen­ I
Externe St6rquellen
I

dungen immer höhere Frequenzen Natürliche St6rqueJlen Künstliche Störquellen


genutzt werden . Insbesondere die
Weltraumkommunikation und Satelli­ Elektromagnetische
Atmosphärische Elektroatatlsche Prozesse in Nukleare
ten - Funkdienste sind im Frequenzbe­ Entladungsn Entladungen (ESO) technischen Explosionen
reich zwischen I GHz und 100 GHz -------­ -­
Systemen --­ ---­

angesiedelt.
T T Koppelpfade T T
Unter Verzicht auf Details lässt sich eine
sehr grobe Einteilung der externen
Versorgungsleitungen
Störquellen etwa wie folgt vornehmen
(Bild 5) . l
Interne Störquellen sind im allgemei­
nen durch elektromagnetische Prozesse
Signa/einginge
Interne St6rquellen
I Slplauoglngo

Elektr(on)isches System
in technischen Systemen zu charakteri­
sieren (beispielsweise durch die Erzeu­
gung periodischer Signale, durch elek­
Elektromagnetische Umgebung T Bild 5:
Vereinfachte
Übersicht über
trische Schaltvorgänge etc.). Für die Störquellen

ca DL-Spezial Messen und Entstören 59


lässt sich in einem einfachen Ersatzschalt· deren Bedeutung nur geschalte te In·
bild modellieren, um daraus wesentliche du ktivitäten als Ursache für transiente
Parameter abschätzen zu können. Störungen genannt werden. Beim Öff· • Plnsikalisch-tcchnisches Modell: Kopplung
Mit einer stark vereinfachten und ko m· nen (bzw. Schließen) induktiver Strom· • lmpcdanzkopplung (Gah'anischc
primierten Darstellung werden viele Oe· kreise führen Stromänderungen -di/ dt Kopplung)
• InduktiYc Kopplung
tails vernachlässigt; ein umfangreiches zu Flußänderungen -dcjJ / dt, die durch
• KapazitiYc Kopplung
Schrifttum ist in [1. [ referiert. Aus dem Selbstinduktion Störspannungen in
• Kopplung über elektromagnetisches Feld
Modell und einer Vielzahl experimentel· Stromkreisen erzeugen. Das bekannte
ler Untersuchungen lassen sich aber den· Prellen mechanischer Schaltkontakte
noch die in Tabelle 2 aufgeführten cha· führt zu komplizierten Verläufen Bild 6: Modelle und Koppelmechanismen
rakteristischen Wertebereiche relevanter [mehrfaches Zünden, Verlöschen und
Parameter zusammenstellen. Wiederzünden von Funken). Die indu· Impedanzkopplun g (Gld\':misdn: Kopplun g)
Bei den künstlichen Störquellen sind zierte Störspannung besteht aus einer m.~I.I.B-IkrM."'JaiJau""'Sd: ' '9IIS _ _ fIll''''''',cd1JdIIrl\r
~ ,""!r~. !t TOtC.)
~

- 1..a-M........

viele unterschiedliche physikalische Vielzahl kurzer aufeinanderfolgende lnd ukti .... t: Kopp lung
- ____fil.
Wirkungsmechanismen als Ursache zu Pulse. Solche Bursts haben schließlich -
~~

,~_ f ___ ""M"""•


nennen . Hier sollen wegen ihrer besan· diesem transienten Störphänomen ........m._l.-...... .,..1..
.11 L-Ilonlltt,·.........

Knpnzilivl: Kopplu ng
auch den Namen Burststörungen gege· ~ IWdlo""""'"
~_.~~

Wertebereiche bei Elektrostatischen En!ladungen ben. Die Schaltvorgänge in Elektro· Strahlung." kopplun g
-~~,..... ,

,~ A ~,!
Parameter Maßeinheit Wertebereich energieanlagen [Bursts) lassen sich et·

Spannung U kV ca. 10
wa wie folgt durch den Wertebereich

Stromscheitelwerte I p A 2... 50
Bild 7: Koppelpfade
einiger hier wichtiger Parameter cha·
Stromanstieg di/dt A/ns ca. 10
Energie W J einige Zehntel
rakterisieren (Tabelle 3).
Elektrische Feldstärke E kV/m ca. 5 Zusammenfassend lassen sich die rele ·
• \l0rquclk' lind \101 'c.:nkc b ClHil /(, Jl (' IIlC
(lokal, wenige cm Abstand) vanten Parameter der Störgrößen etwa g\::Ill~Jll";~1111C 1 C' llllllg I "ompk\":-I
Magnetische Feldstärke H A/m 15 wie folgt zusammenstellen und in \\ IdcrSl;1I1(\ I. 111 \\ eichel. der "11.0'" (!cl
(lokal, wenige cm Abstand) (ltlclk ':-lIli;:n \P:lllllllllg'.lbliJiI (,l"/cugl. dei
ihrem Wertebereich abschätzen [2, 11 :-.11.:11 der ~cllkc bClllcrkb.. lr m'li.:ht
Anstiegszeiten T, ns 0,2 ... 20 111

Frequenzspektrum f GHz bis ca. 1 (Tabelle 4) . • Die ~.:lb...,tIIH.lLlJdt\ 11<1' \011 LCltungen I~I

Wirkullgsbereich cm einige Es ist offenkundig, dass an die Mess· CUl e \\ 1\:lllIge l r"';~I(IlC' "111" gilh i.JIlt:-.c.:hc

geräte hohe Anforderungen zu stellen Kopplungcn 11\ plSch 1."11 '""


Tabelle 2: Abschätzungen des Wertebereiches relevanter
Parameter/Entladungen
sind, wobei jedoch "übliche" Messgerä'
te nicht in der Lage sind, einen Dyna· Bild B: Galvanische Koppelung
mikumfang von zv"ölf Größenordnun·
gen mit einer entsprechenden Auflö'
• Indllkti,' cingckoppchc Störungcn sind
sung zu erfassen. Für einzelne Teilauf· njederohmig und wcilgchend nur durch
gaben sind spezielle Messgeräte erfor· BecinOussung des Koppclwcgcs
(Schinnung. Lageänderung) und die
derlich, ganz abgesehen davon, dass in Erniedrigung der SchahlJngsempfUldlichkeit
Datenleitungen A 2.. . 50 der EMY-Messtechnik oftmals nicht die /.\1 minimieren.

Energie W J einige Zehntel Störgrößen direkt an der Quelle, son·


Elektrische Feldstärke E kV/m 1...100 dern abgeschwächt bei ihrer Einwir· Bild 9: Induktive Kopplung
(lokal. 10 m Abstand) kung auf das gestörte System gemessen
Magnetische Feldstärke H A/m bis 300
werden müssen. Bei der Impedanzkopplung (häufig
(lokal, 10 m Abstand)
Anstiegszeiten T, ns 10.. .50 Natürlich erfahren einzelne Parameter auch als galvanische Kopplung be·
Pulsdauer der Bursts ms 0,1...1 durch die unterschiedlichen physika· zeichnet) fließen die Ströme unterschied·
Frequenzspektrum ! MHz 1...100 lischen Kopplungsarten eine mehr oder Iicher Kreise (z.B . Stromversorgung und
Wirkungsbereich m 10 m weniger deutliche Verringerung ihres Signalkreis) durch ein und dieselbe Impe·
Wertebereiches , was die Anforderun· danz (z.B. eine gemeinsame Masselei·
Tabelle 3: Abschätzungen des Wertebereiches relevanter
Parameter/elektrische Leitungen gen an die jeweiligen Messgeräte ver· tung). Damit kann also Störenergie vom
ringert. Netz in den Signalkreis (und umgekehrt)
gelangen. Die Impedanzkopplung lässt
Parameter bei Störgrößen ModeLLe sich demzufolge minimieren, wenn die
Parameter der Störgrößen Maßeinheit Wertebereich und Koppelmechanismen
Frequenz! Hz 0... 10 10 Masseleitungen extrem kurz gehalten
Spannungsscheitelwert Up V 10-6 ••• 10 6 Mit dem Begriff der Kopplung werden werden, also die Koppelimpedanz klein
Spannungsänderung V/s 0... 10 11 die unterschiedlichen Pfade zusam· gehalten oder zu Null wird (Bild 8).
(Anstieg, Abfall) dujdt mengefasst, auf denen die Störenergie Ein einleuchtendes Beispiel für die kapa­
Elektrische Feldstärke E V/rn 0... 105 in Form von Störsignalen von der ver· zitive Kopplung (Bild 10) ist jedem
Stromscheitelwert ip A 10-9 ••• 105
Stromänderung A/s 0... 10 11 ursachenden Störquelle zur Störsenke Messtechniker bekannt, der (zufiillig) die
(Anstieg, Abfall) di/dt (dem gestörten Gerät) gelangen kann. Eingangsbuchse eines Oszilloskops mit
Magnetische Feldstärke H A/m 10-6 •• • 108 Das kann sowohl über elektrische Lei· dem Finger berührt hat: Auf dem Bild·
Pulsanstiegszeit T, 10'9 .. .10-2 tungen als auch über elektrische schirm ist ein Signal zu sehen, das sich bei
Pulsdauer T 10-8 ••• 10
und/ oder magnetische bzw. elektroma· genauerer Untersuchung als 50· Hz·
Pulsenergie W J 10'9... 10 7
gnetische Felder geschehen (Bilder 6 Störung entpuppt. Mit dem geschätzten
Tabelle 4: Relevante Parameter der Störgrößen und 7). Wert einer KoppeLkapazität zwischen den

60 I (0 DL·Spezial Messen und Entstören


bzw. Systeme analysiert und nach Auffin· Funktionen der Frequenz darstellen. So Störfestigkeits­

I,-apa/ltl\ clllgCJ..0PI).Cltc Störungcll ~ind den der Ursachen entstört werden sollen. legt die Behandlung von Impulsen viel· (messung)-Prüfung
hOl..' hohnllg lind \\.:ugl..'hcnd Ilur dtll\:h Aus solchen Problemsituationen lässt sich leicht intuitiv deren Zeitverhalten in • Allgemeine
Ilcmb~ct/lIllg (kr Cillgckoppdtcll
zwangsläufig eine Empfehlung ableiten: der Vorstellung nahe, während die Be­ Forderungen:
SP;lIl1llltlgl..'lI iS.•:lttrmullg_ Flhcrungi lind Messumgebung
I 'nul..'dngullg (kr S\.:haltlillgsl..'lllpfllldltchJ...cll EMV-gerechter Geräteentwurf beginnt legung eines Frequenzbandes mit Nutz·
/11 1ll11l1I1lKr\,.~n bereits bei den ersten Entwurfs·Schritten und Störträgern eher eine Darstellung • Simulation
und sollte bei jedem Projekt entwick· im Frequenzbereich assoziiert. typischer
lungsbegleitend berücksichtigt werden. Störphänomene
Bild 10: Kapazitive Kopplung
Charakterisierung und
• Prüfschärfegrade
Störgrößen und deren Messung von Störsignalen

Charakterisierung im Zeit­ Signale im Zeit- und


• Charakterisierung
~
L....=.-J' ~ l~i~
.~ und im Frequenzbereich de r Störfestigkeit:
im Frequenzbereich

50- Ht-N IIi:r. Ausfälle I Störung


2~V
Im Sinne der Signal theorie werden Signa­ Signale sind Träger von Informationen.
erweist sich als
le als physikalische Größen , die Träger ei­ Sie werden gewöhnlich als Funktion
-kurzzeitig
I11I - t
0 -J m Ouilloskop
ner Information sind, definiert. Störsigna­ der Zeit und/oder als Funktion der Fre­
-reversibel
le sind also die Träger der Information quenz dargestellt. Die Darstellung im
-irreversibel
10 pr 500 \~ I lI.ffi ll 12pF

von Störgrößen. Die für die Messteclmik Zeitbereich - übliche Spannungsmes­


betrifft:
interessante Information liegt in den sungen mit dem Oszilloskop - geben

Bild 11: Beispiel kapazitive Kopplung Kenngrößen und Kennwerten der zu Auskunft über Signaleinsätze, -verläufe,
• breitbandige
messenden Signale. Die Systematisierung dem Signal überlagerte Störsignale, Im­
impulsförmige
Störgrößen
der Vielzahl möglicher Signale erfolgt üb­ pulsverläufe u.ä.

B<.~i gleichzeitig vorlicgcrulcr gckoPllCllcr licherweise durch Einteilung in Signal­ Messungen im Frequenzbereich - mit
• schmalbandige
dcktri!'-'Cher und magnctischer Becinllussuug hochfrequente
zw1.!)'Chcn zwci oder mehreren 'h- :n ,'h I :tV:TI
klassen. Hilfe von Spektrumsanalysatoren bzw.

I .citungcn wird von elektromagnetischer Deterministische Signale sind in einer Messempfängern - stellen Signale als
Störgrößen
Leilung~l..opplung gesprochen.
Die Größen u, i. E. H sind l' unktioncn \'on Ort
eindeutigen Weise funktional darstellbar, Funktion der Frequenz dar. Sie liefern
• Magnetfelder
und Zeit. sie \vcisen auUcrdcm dnc- Kopplung über d. h. ein Momentanwert ist zu jedem damit Aussagen über die im analysier·

den Wellcnwiderslnnd dcsjcwcili!!cn Systems auf


Zeitpunkt bestimmbar [berechenbar). ten Signal enthaltenen Frequenzen,
• Oberwellen auf
Wenn die das Signal beschreibenden Pa­ über dessen "Breitbandigkeit", und im
Stromversorgungsnetz

Bild 12: Elektromagnetische rameter [z.B. Amplitude, Frequenz) un­ Falle von Störsignalen geben Messun­
• Spannungs­
Leitungskopplung abhängig davon sind, zu welchem Zeit­ gen im Frequenzbereich somit auch
einbrüche auf
punkt sie bestimmt werden, werden de­ Hinweise auf deren Störpotenzial.
Versorgungsnetz
terministische Signale stationär genannt. Die Fourier-Transformation stellt den

Umer Strah1ullgskopp1ung wird die


Beeinflussung \'on Lciterstrukturen durch
Die Stationarität ist gerade in der Mess­ mathematischen Zusammenhang zwi·

elektromagnetische Wellenfelder teclmik von besonderer Bedeutung. Da­ schen Zeit- und Frequenzbereich her.

verstanden. durch wird es möglich, die Signalparame­ Unendlich ausgedehnte periodische

• 1m Fernfeld trcten E und H immer ter mehrer stationärer Signale zu ver· Signale können mit dem Handwerks·

gemcinsam über das 1ndnktionsgese17. auf


rot E = aBlal schiedenen Zeitpunkten nacheinander zu zeug der Fourier-Reihen analysiert bzw.

messen. synthetisiert werden, während die für

Bild 13: Strahlungs kopplung Periodische Signale zeichnen sich die Praxis relevanten zeitbegrenzten

durch eine exakte Wiederholung ihres periodischen Signale [endliche Mess·

im Gebäude verlegten Leitungen des zeitlichen Verlaufs [Amplitude, Peri­ zeit!) durch die Fourier-Transformation

50-Hz-Netzes und dem menschlichen ode, Frequenz) aus; in der Klasse der vom Zeit- in den Frequenzbereich bzw.

Körper von ca. lO pF, einem Übergangs­ nichtperiodischen Signale ist besonders durch die inverse Transformation aus

widerstand des menschlichen Körpers die Untergruppe der transienten, ein­ dem Frequenz- in den Zeitbereich über­

von ca. 500 kn und einem Einganswi­ malig auftretenden, Signale bedeutsam. führt werden können.

derstand des Oszilloskops von 1 Mn 11 Signale von Schaltvorgängen sind typi­ Ein streng sinusförmiges Signal [mit un­

20 pF lässt sich mit dem Ersatzschaltbild sche Vertreter. endlicher Ausdehnung) und dem analy­

eines Spannungsteilers eine Spannung Stochastische Signale weisen Verläufe tischen Ausdruck

am Eingang des Oszilloskops von ca. mit zufalligem Charakter auf, eine funk­ u = 0 sin wt

65 mV errechnen und im Experiment tionelle Beschreibung ist nicht möglich. wird im Frequenzbereich nur durch die

natürlich auch messen - lediglich durch Eine Beschreibung ist nur mit den Frequenz w = 27ff, also in der grafi­

Bild 14:
die unbeabsichtigte kapazitive Kopplung lvUtteln der Wahrscheinlichkeitstheorie schen Darstellung (Bild 14) nur durch

Sinusförmiges
über den Pfad Streukapazität und Über­ durch statistische lvUttelwerte möglich. eine Linie bei der Frequenz mit der
Signal im Zeit- und
gangswiderstand (Bild 11). Daneben Typische Beispiele aus der Messtechnik Höhe O. Signalverläufe im Zeitbereich,
Frequenzbereich
sind noch die induktive Kopplung sind das kontinuierli­
(Bild 9) sowie elektromagnetische Lei­
tungs· und Strahlungskopplung (Bilder
che Zufallssignal eines
rauschenden Wider-
u(l) I
I U(I) =Usinoo I
u(oo)

12 und 13) zu nennen.


In der Praxis treten im allgemeinen unter­
standes.
Signale lassen sich uk 1\ u
I

schiedlichen Kopplungsarten in Kombina­


tion auf. Gerade darin liegt aber auch die
gleichberechtigt ent­
weder als Funktionen
c.rv~1 00 co =2rrf

Schwierigkeit, wenn gestörte Systemteile der Zeit oder als

CO DL-Spezial Messen und Entstören I 61


die von der streng harmonischen Form
des Sinusverlaufes abweichen, enthal­ R.fetenz~ I AU~U"9 I15>.... nzpegel l
ten mehrere bzw. viele sinusförmige 7 V
OAmplungs' AtJnosungs- Log­ Vide<l­
Komponenten (Vielfache von f bzw. w). glied Mischer filler VerstMker O.Iek1Of filter

Die entsprechende Darstellung im Fre­


quenzbereich muss also auch alle diese -

-
Frequenzen als Linien aufweisen.
Die Linienspektren unterschiedlicher
Signalverläufe weisen charakteristische
Eigenschaften auf. Gerade für die EMV­
Messtechnik sind rechteckförmige, tra­
pez- und dreieckförmige Verläufe (Stör­
signale) von besonderer Bedeutung. Li­
nienspektren von rechteckförmigen
Signalen bestehen aus einer Vielzahl [Mltten.requenz

von Linien, die zu höheren Frequenzen I frequenzhub ~ Bild 16: Bedienelemente am


hin in ihrer Amplitude abnehmen _Der Spektrumanalysator zur Einstellung
[Abiä~rze;t] der Grundparameter
Linienabstand ist klein, wenn die Peri­
odendauer (im Zeitbereich) groß ist
und umgekehrt. Die Höhe der einzel­ men, dass die Signalenergie nur endlich zeigt, dann ist dieser Wert als Produkt
nen Spektralamplituden variiert nach groß sein kann. ) Diese Größe heißt der physikalischen Amplitudendichte
einem charakteristischen sin xi x-Ver­ spektrale Dichte, sehr häufig wird U(f) und der ZF-Bandbreite B zu inter­
lauf, der immer eine Rolle spielt, wenn auch die Leistung/Bandbreite als spek­ pretieren. Die physikalische AmpLitu­
rechteckförmige Verläufe aus dem Zeit­ trale Leistungsdichte angegeben . dendichte ergibt sich also aus O/B.
in den Spektralbereich transformiert Da bei theoretischen Betrachtungen Neben Störsignalen mit rechteckförmi­
werden. häufig mit normierten Signalen gearbei­ gem Verlauf sind auf dem Gebiet der
Wird die Periodendauer sehr groß, tet wird, sind einige zusätzliche Bemer­ elektromagnetischen Verträglichkeit
dann rutschen die einzelnen Spektral­ kungen notwendig, die Insider voraus­ häufig auch dreieck- und trapezförmige
linien immer weiter zusammen, sodass setzen, die aber der Praktiker i. allg. Signalverläufe im Zeitbereich relevant.
sie schließlich nicht mehr voneinander nicht automatisch parat hat: Die spek­ Der Vergleich der Spektren solcher Sig­
zu unterscheiden sind. Nach einem sol­ trale Leistungsdichte hat die Maßein­ nale zeigt einen unterschiedlich star­
chen Grenzübergang wird also ein ein­ heit Watt pro Hertz Bandbreite. übli­ ken Abfall der Hüllkurven bei höheren
zelner Impuls mit seinem kontinuier­ cherweise wird jedoch angenommen, Frequenzen (Bild 15) und liefert damit
lichen Spektrum stehen _ Ein solches dass diese Leistung an einem I-n-Wi­ Aussagen beispielsweise für die Dimen­
kontinuierliches Spektrum hat bei sehr derstand umgesetzt wird, sodass sionierung von Entstörfiltern.
niedrigen Frequenzen auf der Ordina­ schließlich als Dimension für die Leis­
tenskala eine Höhe, die nicht nur von tungsdichte das Quadrat einer Span­ Spektrumanalysatoren,
der Höhe des Rechtecklmpulses im nung pro Hertz Bandbreite angegeben Messempfänger
Zeitbereich, sondern auch von dessen werden kann Messungen im Frequenzbereich (im
Breite, also von dessen Impulsfläche ab­ Spektralbereich) erfordern die Darstel­
hängt. Aus theoretischen Überlegungen \ V 2/ Hz = \ V 2 . S lung von Signalen als Funktion der fre­
folgt, dass im Frequenzbereich nich t quenz. Während bei niedrigen Fre­
die spektrale Amplitude (wie bei den li­ Neben dieser Normierung der Signale quenzen [bis zu wenigen 100 kHz) di­
nienspektren) dargestellt werden kann, auf einen \ on-Widerstand wird insbe­ gitale Meßsysteme verwendet werden
sondern die Amplitude bezogen auf die sondere in der Schwingungsmesstech­ können , die nach Berechnung der Fou­
Bandbreite (Frequenz) dargestellt wer­ nik und -analyse häufig nicht mi t der rier-Transformation das Spektrum lie­
den muss. (Das hängt damit zusam­ absoluten, sondern mit einer relativen fern, werden im Hochfrequenzbereich
Bandbreite gearbeitet (z.B. Oktavband­ Spektrumsanalysatoren eingesetzt, bei
breite u.ä.). In manchen Fällen wird die denen die Signalanalyse (im Frequenz­
u{f)jB
Wurzel aus der Leistungsdichte, also in bereich) mit Hilfe von Filtern erfolgt.
VI jHz angegeben ; und natürlich sind üblicherweise wird ein Filter zur Ana­
dann auch logarithmische Spannungs­ lyse über den gesamten interessieren­
angaben in unterschiedlichen Varianten den Frequenzbereich "geschoben" ­
möglich. Beim Vergleich von Leistungs­ oder exakter: Mit einem Filter bekann­
dichte-Angaben aus der Literatur ist also ter Charakteristik und einstellbarer
eine besondere Aufmerksamkeit auf die Mittenfrequenz wird jede Frequenz auf
verwendeten Dimensionen zu legen. vorhandene Signalenergie analysiert
Häufig werden in der EMV-Messtech­ und das Ergebnis angezeigt. Natürlich
fu -- 1tT
1 f =
o
.1. leg I
lt't, nik aber auch Amplitudendichten ge­ sind solche Analysator-Filter nicht wirk­
messen. Wenn ein Messempfänger je lich realisierbar. Deshalb wird in der
Bild 15: Vergleich von Amplitudedichtenspektren (Hüllkurven)
nach eingeschalteten Detektor bei­ Messtechnik auch das aus der Kommu­
für Dreieck-. Trapez- und Rechteckimpulse spielsweise einen Spitzenwert 0 an- nikationstechnik bekannte Superhe­

62 I (0 DL-Spezial Messen und Entstören


terodyn-Prinzip angewandt Die zu Messempfänger und Spektrumanalysa­
analysierenden Signale werden durch
(mehrfache) Überlagerung auf eine
toren haben prinzipiell den gleichen
AuflDau. Während Messempfänger mit _.­ ':
konstante Zwischenfrequenz umge­ in der Regel mit umschaltbaren Filtern .j?. Kriterium:
setzt Ein besonders hochwertiges ZF­ für eine Eingangsselektion ausgestattet Einsattelung
Filter analysiert die zur jeweiligen Ein­ sind und damit einen deutlich höheren :.-- i'--­ ---'0--­ ~
~ M = R bei 3dB
gangfrequenz gehörende Signalenergie_ Dynamikbereich aufweisen (notwendig !f' ~
Durch einen automatisch ablaufenden für normgerechte Störemissionsmes­
If
f. \j
" (hier auch M'bei
1 dB eingczeichm:t)
Wobbelbetrieb und die Darstellung der
Ergebnisse auf einem Display wird ein
Spektrumanalysator vervollständigt
sungen unter Verwendung des Ouasi­
peak-Detektors), fehlt eine solche Ein­
gangsselektion häufig bei Spektrums­
= .,z.::'!,
/ \ --'-­
~

SignalauHösung bei Signalen gleicher Amplitude


Aus dieser Funktionsbeschreibung von analysatoren .
f
Spektrumanalysatoren erklärt sich das Sie wurden in der Regel für Überblicks­
Prinzipschaltbild nahezu von selbst, be­ messungen eingesetzt Durch die tech­
sonders folgen daraus auch die notwen­ nische Entwicklung des letzten Jahr­ Bild 17: "Auflösung" (Definition) in der Messtechnik
digen Bedienelemente zur Einstellung zehnts sind Unterschiede zwischen bei­
der Grundparameter (Bild 16)_ den Gerätetypen zunehmend geringer
Die einzelnen Spektrallinien eines
Spektrums sollten erwartungsgemäß
(unendlich) schmale Linien - eben
geworden.
In jedem Falle gibt es einen Zusammen­
hang zwischen Wobbelgeschwindigkeit ,u
.. .
I
~~~

­ ~
' __ a~~
4,24101o(l
Si'~
~kH::r.

"dünne" Striche sein_ Reale Messergeb­ und eingeschalteter Analysator-Filter­ ~.

01.
nisse weisen stets Linien mit endlicher bandbreite, der in modernen Analysato­ U -"
Breite auf. Auf Grund der endlichen ren bereits durch den Hersteller 1
Auflösung der Messgeräte sind also in berücksichtigt wird. In dem "gekoppel­ 1 - S<
der Darstellung der Spektren mehr oder ten" Betrieb wird bei schmaler Filter­ 1 1 .+
weniger breite Linien zu sehen_ bandbreite die Wobbelgeschwindigkeit .t ~
Dabei hängt die Linienbreite von der reduziert, um Amplitudenfehler, die 1 I
Charakteristik des eingeschalteten Auf­
lösefilters ab, genauer gesagt: Die Filter­
Verbreiterung der (statischen ) Auflöse­
bandbreite durch Einschwingvorgänge
al l
10dB'
~
JOIIt
!"~l'OI:::'
0-1.8
= ;::
INl 3kH r 100 1diZ
~
lL. f
charakteristik des eingeschalteten Ana­ im Analysatorfi lter und eine mögliche
lysatorfilters wird auf dem Display als Verschiebung der Mittenfrequenz zu
"Linie" dargestellt. vermeiden 131.
AuflösWlg ist ein in der Messtechnik
häufig verwendeter Begriff. Unter Auflö­ Breitbandige und • • -4dBM
~~

".~M!i.Z
tif'~

'00"'"
sung wird die Änderung einer Messgröße schmalbandige Störsignale
J..
verstanden, die als merkliche Anzei­ Die Unterscheidung von breitbandigen ..
,,,... I---
1~'----l -,.
genänderung erkennbar ist Die Ände­ und schmalbandigen Störsignalen er­
rung der Frequenz eines Signals wird an folgt grundsätzlich in Relation zur Brei­
der Charakteristik eines Analysatorfilters te des Analysatorfilters (Auflöseband­ I---+- I I -~ 11

zu einer Verringerung des Ausgangssig­ breite, resolution bandwidth RBW, I ---+-


nals führen , wenn es zuvor in der Mitte Bandbreite des Zwischenfrequenzfilters
des Durchlassbereiches lag. Häufig wird beim Messempfänger).
die Auflösung dadurch definiert, dass ein Zu den schmalbandigen (Stör-)Signalen
c)! :'n~llC)OI
solcher Amplitudenabfall -1 dB bzw. zählen grundsätzlich alle sinusförmigen
-3 dB beträgt. Für die Untersuchung Signale mit einer diskreten Spektrallinie f
zunächst unbekannter spektraler Verläufe im Frequenzbereich sowie alle periodi­
ist es wichtig, dass beginnend mit einer schen nichtsinusförmigen Signale, deren
geringen Auflösung - einer großen Band­ Grundfrequenz bzw. deren Spektrallini­
breite des Analysatorfilters - ein Über­ enabstand M groß gegen die Analysator­ ~ -'- ~
_R ' ..."'"
~~ I
- ..... "'.Z44 M1iZ 10kH.l
l~ ~
blick über das Spektrum erlangt wird. bandbreite des Messgerätes ist
~
Durch die Verringerung der Bandbreite Damit lassen sich schmalbandige Stör­ "".
'" l -I - f-- l - I-
I-'
- also der Vergrößerung der Auflösung ­ signale als solche identifizieren, die bei ,.. ~ -2<

werden Details des Spektrums und ver­ Verstimmung der Mittenfrequenz des f-- [-- - -3<

borgene Linien sichtbar. Zwei Signale Analysatorfilter im Messempfanger um -u

sind also nur dann voneinander zu unter­ ±B die Anzeige um mehr als 3 dB ab­ -.
scheiden, wenn ihre Spektrallinien von­ fällt. Bei einer Umschaltung auf eine ... , 1 tI f .>TI ., 11
.~
.,.... f - -e<

einander getrennt - aufgelöst - werden größere Bandbreite B bleibt die Anzeige .J -"
.- ~' ~ w....
können. Und das ist der Fall, wenn zwi­ konstant Bei Breitband-Störsignalen ist
. "'. -....
L
schen ihren Spektrallinien eine deutlich die angezeigte Amplitude von der Ana­ '"''''
-.., ..,
NT
.....
"'"' ' ....
:)
...,."..
.~- ~
'-'
='
wahrnehmbare Einsattelung (-1 dB bzw. lysator-Bandbreite abhängig:
-3 dB, je nach Definition der Auflösung)
zu sehen ist (Bild 17). uAnzeige =2 Q T BAnalysator = U(f) BAnalysator Bilder 1Sa, bund 19: Auflösebandbreiten

CO DL-Spezial Messen und Entstören 63


wobei U(f) die physikalische Amplitu­ schen und elektromagnetischen Fel· sicher in der Regelmessungen ausrei·
dendichte, also den Messwert darstellt. dern (als abgeleitete Größe) eine we· chen, die sich an Normen orientieren
Übliche Masseinheiten sind IlV1 Hz sentliche Rolle (DIN VOE 0848). Für (precompliant), ohne selbst normge·
bzw. dB~,v/ Hz. die Prüfung der elektromagnetischen recht zu sein.
Verträglichkeit werden bei Emissions·
Störemissionsmessungen messungen erfasst Messung der leitungs­
Störemissionsmessungen werden • Störspannungen und ·ströme gebundenen Störemission
durchgeführt, um Störungen zu erken­ • Störleistungen Störspannungsmessungen bis 30 MHz
nen, zu charakterisieren und schließ­ • Störfeldstärken Leitungsgebundene Störungen rufen als
lich quantitativ zu erfassen. Potentielle Spannungen, Ströme und Leistungen eingeprägte Ströme an Innenwiderstän·
Störquellen sind dabei aJJe Sender und werden im unteren Frequenzbereich den Störspannungen hervor, die über alle
Bild 20: überhaupt alle elektrischen Systeme, (bis 30 MHz bzw. bis 300 MHz bei Netz·, Versorgungs· und Datenleitungen
Unterscheidung
die elektromagnetische Energie in die Störleistungen) gemessen und breiten emittiert werden. Bei der Messung müs·
breitbandiger und
schmalbandiger Umwelt abgeben . Die Messungen die­ sich vorwiegend über Leitungen aus, sen unter allen Umständen der Einfluss
Störsignale nen dabei zum Nachweis der Einhal­ während im höheren Frequenzbereich unterschiedlicher Netzimpedanzen ver­
(> 30 MHz) - so die Modellvorstellun· mieden werden, es muss eine einheitli·
gen - Wellenlänge und geometrische che Messumgebung geschaffen werden.
• schmalbandige • breitbandige Länge von Leiterstrukturen in der glei­ Das geschieht durch Netznachbildungen
Störgrößen chen Größenordnung sind, und da­ (Line Impedance Stabilisation Network,
Störgrößen
durch können sich elektromagnetische LISN) , die zwischen Prüfobjekt und Netz
• Linienspektren • Amplitudendichte
bzw. Leistungsdichte Wellen von den Leitern ablösen. Dem· (bzw. in die Datenleitungen) geschaltet
• Signale mit diskreter zufolge werden die "gestrahlten " werden. So wird das Prüfobjekt durch be·
• einmalige Impulse
Frequenz Störgrößen als Feldstärke zu messen kannte Impedanzen von seiner Umge·
(Transienten)
• periodische Impulse sein. bung isoliert, gleichzeitig werden die
• periodische Impulse Störemissionsmessungen werden Messpunkte zugänglich gemacht. Je nach
[( >B [( < B grundSätzlich selektiv durchgeführt, Konfiguration des Versorgungs· bzw. Da­
• Rauschen d.h. mit einem Messempfänger oder tennetzes sind unterschiedliche LISN·
Spektrumanalysator werden die Konfigurationen erforderlich (unsymme·
Größen Störspannung, ·Ieistung und trisch, symmetrisch, asymmetrisch). In
-feldstärke im vorgeschriebenen Fre­ Niederspannungsnetzen (Messbereich
quenzbereich gemessen. Normgerech­ zwischen ca. 15 kHz und 30 MHz wird

-
B :md­
hrelle B te Messungen werden mit kalibrierten die Netzimpedanz häufig durch die Seri­
U(f)
M> B Messempfängern ausgeführt, während enschaltung einer 50-IlH·lnduktivität mit
Spektrumsanalysatoren häufig zu einem 5-D.-Widerstand realisiert, dazu
Überblicksmessungen eingesetzt wer· liegt der 50-D.·Eingangswiderstand des
den . Solche Messungen (entwicklungs­ Messempfangers parallel.
begleitend, precompliant) sind im Ent­ Prinzipiell lassen sich jedoch alle Konfi­
wicklungsprozess für die Optimierung gurationen auch als Tiefpass· und Hoch­
der EMV-Eigenschaften eines Produk­ pass-Kombination auffassen: Der Tief­
f1 f, f tes notwendig, um schließlich durch pass zwischen Testobjekt und Versor­
~"'ille .'
eine aufwändige und damit teure gungsnetz bzw. Datennetz liefert die
SWt:ep norm kompatiblen Abschlussmessung einheitliche Messimpedanz und verhin·
die Qualität des Produktes dokumen· dert gleichzeitig, dass geleitete Störun·
tieren zu können. Im Bereich des Ama· gen vom Testobjekt über das jeweilige
Bild 21: tung von Vorschriften und der darin teurfunks und des Eigenbaus werden Netz "nach außen" gelangen. Über den
Signalvergleich festge legten Grenzwerte für Funk·
schmalbandige/ störungen. Störemissionsmessungen
breitbandige Störfeldstärke S törlei~tllng Slörspanllullg
Signale basieren hauptsächlich auf der klassi·
schen Funkstörmesstechnik.
Bei Messungen an Sendern ist sorgfältig H
zu unterscheiden zwischen
• Nutzsignalen (also der Signalenergie,
die beispielsweise als Träger und als
Seitenbänder ausgesandt wird ) und Strom­
• Störsignalen (z.B. Oberwellen). versorgung/
Die Leistung, die in einem Nutzsignal Netzleitung
steckt und durch die physikalische
Größen Leistung bzw. Feldstärke ge·
messen werden kann, ist i. allg. für
EMV·Betrachtungen nicht relevant; al·
lerdings spielt sie für den Schutz von
Personen in elektrischen, magneti· Bild 22: Prinzip der Störemissionsmessungen

64 CO OL·Spezial Messen und E.ntstären


Hochpass wird der selektive Span­ sondern nur die am üblichen 50-fl-Ein'
nungsmesser [Messempfänger, Spek­ gangswiderstand von Messempfängern
trumsanalysator) angeschlossen_ An auf einen kleineren Wert zusammenge­
hochohmigen Systemen würde die nie­ brochene Spannung_ In der EMV-Mess­ Testobje"-'t Tiefpass etz
derohmige Netznachbildungsimpedanz technik wird üblicherweise der Zusam­
zu kleinen Messwerten der Störspan­ menhang zwischen Störfeldstärke und
nung führen_ Deshalb wird in solchen Empfängereingangsspannung U;\ durch
(relativ seltenen) Fällen die Störspan­ den Antennenfaktor Af ausgedrückt:
nung mit hochohmigen passiven bzw_ Iv
aktiven Tastköpfen gemessen_ Af = IE,tl/ I!.!,,1 Hochpass ~. E nger
Obwohl zunächst einfach anmutend,
sind Störspannungsmessungen im allge­ Der Antennenfaktor ist frequenzabhän­
meinen recht komplex (unterschiedli­ gig_ Werden beide Seiten logarithmiert,
Bild 23: Messanordnung für Leitungsgebundene Störemissionen
che Konfigurationen von Netznachbil­ ergibt sich als Umwandlungsmaß
dungen, Belastbarkeit, für eine Mes­
sung werden mitunter mehrer Netz­ AfdB = 20 19 IIEYI!.!) ] 2D
nachbildungen benötigt) _Deshalb kann
die direkte Messung der eingeprägten das vom Antennenhersteller als Eich­

~
Störströme mit Hilfe eines Stromwand­ kurve mitgeliefert wird (gilt üblicher­ Antenne
lers hilfreich sein [1]­ weise für das Fernfeldl)_ Die gesuchte
Störleistungsmessungen bis 300 MHz Feldstärke ergibt sich bei Verwendung 13 D
Der auf einer Leitung gemessene Stör­ der logarithmischen Maße als
strom ergibt an einer Leitungsimpedanz
eine Störleistung_ Mit so genannten Ab­ E,t, dB~V/m = U", dB~V + AfdB
sorberzangen ist diese Störleistung rela­ D
tiv leicht messbar; die Messergebnisse Typische Werte liegen zwische 0 dB
sind gut reproduzierbar, und die Mes­ und 60 dB, wobei unempfindliche An­
sungen sind unempfindlich gegenüber tennen hohe Af-Werte aufweisen, emp­
äußeren Störeinflüssen _ Störleistungs­ findliche Antennen dagegen niedrige_ Strahlenoptik leicht veranschaulichen _ Bild 24:
messungen bieten sich insbesondere Messungen auf dem Freifeld (Dazu wird senkrecht zur Wellenfront Bedingungen
für Messungen
für Geräte an, die in einem metalli­ Die Messungen müssen in einer repro­ ein Strahl [Vektor] in Ausbreitungsrich­ im Freifeld
schen Gehäuse untergebracht sind und duzierbaren Umgebung ausgeführt tung gezeichnet) Vom zu untersuchen­
nur über ein Netzkabel mit der werden_ Das wäre theoretisch der freie den Testobjekt wird sich dann also ein
"Außenwelt" verbunden sind_ Raum, praktisch müssen jedoch Mess­ direkter Strahl in Richtung Messanten­
objekt, Antennen und Messempfänger ne ausbreiten, aber es werden auch
Messung der "irgendwo" aufgestellt werden: Ein ge­ Strahlen in vielen anderen Richtungen
gestrahlten Störemission eignetes Areal ist eine freie Fläche ohne vorhanden sein - je nach Eigenschaften
Weisen Systemteile, Systeme oder reflektierende Körper; um jedoch den des Messobjektes. Für die Messung der
Geräte Abmessungen in der Größen­ Einfluss des Erdbodens (unterschiedli­ Störfeldstärke sind jedoch nur der di­
ordnung der Wellenlänge auf, dann che Leitfähigkeiten unterschiedlicher rekte und der an der Groundplane re­
liegt die Vermutung nahe, dass elektro­ Böden) ausschalten zu können, wird ei­ flektierte Strahl von Bedeutung. Beide
magnetische Störenergie in Form von ne gut leitfähige Fläche (ground plane) gelangen also auf unterschiedlichen
Wellen abgestrahlt wird _Die auftreten­ ausreichender Größe verwendet So­ Wegen zur Antenne und werden sich
den Störfeldstärken werden mit Anten­ wohl Minimalabmessungen der Frei­ dort überlagern_ Je nach zurückgeleg­
nen erfasst, in Störspannungen gewan­ fläche als auch die Bedingungen für de­ tem Weg werden beide Strahlen mit
delt und selektiv mit Messempfängern ren Eignung für Störemissionsmessun­
bzw_ Spektrumsanalysatoren gemessen_ gen sind in entsprechenden Normen fi­
Antennen in ihren unterschiedlichsten
Ausprägungen sind also die Sensoren,
xiert Messentfernungen sind üblicher­
weise 3 m, 10m bzw_ 30 m, wobei im
~ l2 ( 25 ,250 . 500
\ j
· .... 1000 MHz
....... -.
----­ .­
mit denen die Störfeldstärke gemessen
wird_ Der Zusammenhang zwischen
Frequenzbereich oberhalb von 30 MHz
nur die elektrische Feldkomponente ge­
I I 7 \.) ~ . -.-

[,», ( ----­
Feldstärke und Leerlaufklemmspan­ messen wird_ [Größere Messentfernun­
.!
o
.c
\ ( ",'
' :... ~.
-."
nung wird durch den historisch beding­ gen garantieren bereits bei niedrigeren .~~-.i-~ .
ten Begriff der effektiven Antennen­ Frequenzen die Einhaltung der Fern­
'"
:I:
,\ i ,.,'" .
.,---:-)5;';-.0'
t.-...
höhe erfasst feldbedingung_)
-
X ,/.
.-­ -
- -.:::~-

An der gut leitfähigen Bodenfläche


(ground plane) werden aber elektro­
, \~ (- - ....--S".__
herr = IUol/ IE,,1 1
o 10 20 30 4C 50
magnetische Wellen reflektiert, was ~elddomplun9 : dS :
Für einen einfachen Monopol ist die ef­ wiederum zu besonderen Eigenschaf­ NA-:: h KOF.l.n~G. SI e'm~J·F:fI/lrti:l d::-ojclr.JU. nft

fektive Antennenhöhe gleich der geo­ ten der Freifläche - im Vergleich zum
metrischen Länge_ Natürlich lässt sich Freiraum führt Diese Eigenschaften Bild 25: Strahlenoptik: Empfangsverhältnisse über einer
die Leerlaufspannung nicht messen, lassen sich mit den Hilfsmitteln der GroundpLane

ca DL-Spezial Messen und Entstören I 65


unterschiedlicher Laufzeit - also Pha­ und des reflektierten Strahles "er­ biert wird, entfallt bei den Messungen der
senlage - zusammentreffen_ Phasenun­ wischt", und das höchste der Maxima zeitaufwändige Höhenscan.
terschiede von 0 0 oder 360 0 (entspre­ wird schließlich als Störstrahlung inter­ Zur Annäherung an die Bedingungen
chend 0 bzw. 21T im Bogenmaß) führen pretiert. auf dem Freifeld (Vergleichbarkeit von
zu einer konstruktiven Überlagerung, Die Messungen sind im gesamten Fre­ Messergebnissen) werden in manchen
d.h. zu einer Vergrößerung der Ampli­ quenzbereich (bei geeigneter Schritt­ Fällen die Absorberräume wiederum
tuden; Phasenunterschiede von 180 0
weite mit jeweils einem Höhenscan mit einer Groundplane (metallische Bo­
(entsprechend 1T im Bogenmaß) führen und einer vollständigen Drehung des denplatte) versehen - damit werden
zu einer kompletten Auslöschung. Messobjektes) sowohl bei horizontaler schließlich witterungsunabhängige
Und natürlich sind alle dazwischenlie· als auch vertikaler Polarisation der An­ Freifeldmessungen mögiich (semi-ane­
genden Varianten möglich. Mit ande­ tenne erforderlich. choic chambers) 141.
ren Worten: Eine zufällig durch die Aus der Beschreibung eines solchen Andere alternative Messumgebungen
Geometrie der Aufstellung von Testob­ Messprogramms wird bereits der Zeit­ sind durch Wellenleiterstrukturen reali­
jekt und Messantenne auf dem Freifeld aufwand für eine vollständige Messung sierbar. Insbesondere die TatsaChe, dass
gegebener Strahlenverlauf kann zu sehr ersichtlich, sodass nur ein automatisier­ sich in realen Wellenleitern mit guter
großen Messwerten führen (maximal ter Betrieb als vernünftige Lösung an· Näherung transversale elektromagneti­
Faktor 2), ein zufäJ.lig anders gewählte zusehen ist. Selbst dann sind der Zeit­ sche Schwingungszustände (TEM Mo­
Aufstellung zu der Aussage, dass über­ aufwand und die Kosten für eine Mess­ de ) erzeugen lassen , ist in diesem Zu­
haupt keine Störstrahlung vorhanden reihe noch erheblich. sammenhang von besonderer Bedeu­
sei. Um diese Unkorrektheit bei der Eine alternative Messumgebung: tung. Sowohl symmetrische Systeme
Störstrahlungsmessung zu vermeiden, GTEM·Zelle (Zweidrahtleitungen) als auch koaxiale
wird eine Höhenverschiebung der Alternative Testumgebungen sind stets in Anordnungen finden Verwendung.
Messantenne (Antennenscan zwischen Bezug zum Freifeld anzusehen, das nach Hier soll - ohne weiteren Bezug auf
ca. 1 mund 4 m) bei jeder Messung wie vor Referenzcharakter hat, d.h. wich­ systematische Zusammenhänge - die
durchgeführt. Damit werden sowohl tige Messungen werden in jedem Falle auf GTEM-Zelle näher erläutert werden,
Überlagerungsmaxima als auch die einem Freifeld durchgeführt. Alternativ weil sie eine etwas preiswertere Test­
Überlagerungsminima auf Grund der dazu sind Räume anzusehen, die innen umgebung für kleinere Testobjekte dar­
unterschiedlichen Wege des direkten vollständig mit Materialien ausgekleidet stellt und es eine Norm für die Nutzung
sind, die hochfrequente Energie vollstän­ von TEM-WelIenleitern gibt (E DIN EN
dig absorbieren und in Wärme umwan­ 61000-4-20 vom Juni 2003).
deln. So lässt sich also die ursprÜJlgliche Eine GTEM-Zelle stellt eine mehr oder
CROSS SECTION
Idee des freien Raumes ohne jegliche Re­ weniger stark aufgeweitete koaxiale An­
flexionen im HF-Bereich doch mehr oder ordnung dar. Durch eine nicht zentrische
weniger gut realisieren. Solche Absor­ Anordnung des Innenleiters (Septum)
berräume (anechoic charnbers) mit ent­ entsteht ein Volumen im Innern der ZeI­
sprechenden Abmessungen sind vielfaltig le, welches Testobjekte aufnehmen
im Einsatz, ihre Kosten sind ebenfalls sehr kann. Die koaxiale Anordnung wird auf
hoch. Wegen der Annahme, dass Reflek­ einer Seite mit ihrem Wellenwiderstand
tionen an den Wänden, der Deck und am angeschlossen; zugieich wird die Stirn·
Boden völlig entfallen, da die gesamte auf wand (dieser Seite) mit Materialien aus­
Bild 26: Schematischer Aufbau einer GTEM-Zelle diese Rächen auftreffende Energie absor­ gekleidet, die hochfrequente Energie ab­
sorbieren. Bild 26 zeigt den schemati·
sche Aufbau , Bild 27 eine reale GTEM·
Zelle. Für den Fall, dass am Zellenein­
gang ein Generator angeschlossen ist, der
im Testvolumen eine entsprechenden
elektrische Feldstärke erzeugt, sind Stör­

-
festigkeitsmessungen (gestrahlt) mögiich.
Umgekehrt wird eine bestimmte Feld­
stärke, die das Testobjekt als Störfeldstär­
ke erzeugt, am Zelleneingang als Span­
nung messbar sein. So lässt sich die Stör·
strahlung eines im Testvolumen unterge­
brachtes Messobjekt prinzipiell messen.
Allerdings müssen die Messergebnisse
noch umgerechnet werden, um den Ver­
gleich zu der "klassischen" Methode der
Messung auf dem Freifeld zu ermögli­
chen. (Hierbei zeigt sich beispielhaft,
dass die Normung nicht einfach der tech­
Bild 27: nischen Entwicklung folgt. Eingeführte
GTEM-Zelle Normen bleiben für lange Zeit verbind-

66 CO DL-Spezial Messen und E.ntstören


Freifeld im Rahmen üblicher Abwei­
mit dem Abschalten des Störers ver­
ch ungen übereinstimmen.
schwinden)
Die Vergleichbarkeit und Reproduzier­
• reversible Störungen (die erst durch
barkeit von EMV-Messungen ist nach
Abschalten undloder Reset des gestör­
wie vor ein Problem. Dann und für die
ten Gerätes aufgehoben werden kön­
Verringerung der Messunsicherheiten
nen ) und
sind noch viele Arbeiten und Untersu­
• irreversible Störungen (bei denen die
ch ungen erforderlich.
Störgröße i. allg. einen Hardwaredefekt
(1'1) Grenzwerte für die Störaussendung sind
verursacht hat, z. B. einen Defekt im
i. aUg. in Produktfamilien- bzw. Produkt­ Empfängereingang).
Bild 28: Feldverlauf in einer GTEM-ZeLLe normen fixiert. Wenn ein Testobjekt das Trotz dieser Schwierigkeiten bei der
Qualitätssiegel "konform mit EMY-Nor­ konkreten Festlegung von Grenzwer­
lieh, das kann historisch bedingt sein, men", also das CE-Kennzeichen erhalten ten gibt es allgemein akzeptierte Feld­
natürlich spielen wirtschaftliche Aspekte soll, dann müssen u.a. aUe Störaussen­ stärke-Grenzwerte (elektrische Feld­
auch eine wesentliche Rolle, und schließ­ dungen im untersuchten Frequenzbe­ stärke) für Wohn-, Geschäfts- und Ge­
lich müssen neuere Messmethoden zu reich (mindestens bis I GHz) unterhalb werbebereiche von 3 VI m und ande­
Ergebnissen führen, die mit "alten" Er­ von vorgegebene Werten liegen. Dabei rerseits für den Industriebereich von
gebnissen kompatibel sind.) sind natürlich die unvermeidbaren Mess­ 10 VIm . Damit sind natürlich - hier
Die Theorie von TEM-Wellenleitern unsicherheiten zu berücksichtigen. (Ue­ nur für die gestrahlte Emission genannt
geht von einer Stromdichte als Quelle gen Messwerte nahe arn vorgegebene - auch gleichzeitig Parameter festge ­
für elektrische und magnetische Feld­ Grenzwert, werden sie üblicherweise legt, die für Amateurfunkgeräte rele­
stärken aus. Nach diesem Modell wird noch eirunal unter Verwendung eines vant sind und deren Störpotential ge­
eine elektrische Leistung in den TEM­ Quasipeakdetektors [QPI im Messemp­ genüber der Heimelektronik begren­
Schwingungsmodus des Wellenleiters ranger nachgemessen. Dieser wurde in ei­ zen. Unter dem "Störpotential" sind
eingekoppelt, und diese Eigenschaft ner Zeit verbindlich gemacht, als Stör­ hier unmissverständlich lediglich die
wird durch den Zellenfaktor EOy(o) be­ emission hauptsächlich als Störung des Probleme der elektromagnetischen Ver­
schrieben. Mit diesem Zellenfaktor Funkempfangs interpretiert wurde. Der träglichkeit zu verstehen; der Schutz
wird also die normierte elektrische QP-Detektor bewertet die Signale mit ei­ von Personen in elektrischen, magneti­
Feldstärke des TEM-Modes in y-Rich­ ner Charakteristik des menschlichen Oh­ schen und elektromagnetischen Fel­
tung an der Position des Prüflings in der res: seltene Stör- oder Knackgeräusche dern (häufig mit EMVU abgekürzt)
GTEM-Zelle beschrieben. höherer Intensität werden weniger stellt eine andere Kategorie dar, die
Besteht die Störstrahlung des Prüflings störend empfunden als andauernde Stör­ über andere gesetzliche Bestimmungen
überwiegend aus einer elektrischen Kom­ geräusche niedrigerer Intensität.) Im und Rahmenwerke (26. BlmSchV, DIN
ponente (stark vereinfachtes Modell, drei Zweifelsfalle werden Störemissionen auf 0848) geregelt wird.
Dipole strahlen Störfeld ab), dann lässt einem Freifeld vorgenommen bzw.
sich die vom Prüfling abgestrahlte Ge­ wiederholt. Ein Freifeld hat Referenz­
,y
sarntleistung aus drei Teilmessungen mit charakter.
jeweils unterschiedlicher Orientierung
des Prüflings berechnen: Prüfung der Störfestigkeit x
Allgemeines

-
Po = b ll + b2 1 + b31 = U2posl + U2pOS2+ Die Prüfung der Störfestigkeit von elek­ /
~/- -
H
U2poS3 trischen Systemkomponenten, Teilsys­
temen und Systemen stellt neben der z
wobei die bij gleich den Quadraten der Emissionsmessung die zweite große
in jeder Position des Testobjektes ge­ Teilaufgabe bei der Feststellung der
messenen Spannungen sind. Die so er­ EMV-Kompatibilität dar. lEI! !H! = oons!.
mittelte abgestrahlte Stör-Gesamtleis­ Während bei der Messung der Stör­
tung muss jetzt noch vergleichbar mit emission Grenzwerte für die Störgrößen Bild 29: PrinzipdarsteLLung einer TEM-WeLLe
den Messergebnissen "gemacht" wer­ Spannung, (Strom), Leistung bzw. Feld­
den, die vom selben Testobjekt auf dem stärke relativ einfach zu definieren sind
Freifeld erlangt werden würden. Das und bereits in Grundnormen angegeben SlÖlfeldsliirke Störslrom SlörspHDnung
geschieht üblicherweise mit einem so werden, erfordert die Charakterisierung
genannten Korrelationsalgorithmus [5], der Störfestigkeit einen größeren Auf­ 11 11 11 F.
bei dem die Abstrahlung des Prüflings wand: Wann ist ein Gerät wirklich ge­
für ein dominantes elektrisches Feld be­ stört? Diese Frage lässt sich keinesfaUs ge­
rechnet, also ein Antennenscan simu­ nerell beantworten; Antworten sind be­
liert wird. stenfaUs für spezielle Produkte und Pro­
Bei dieser Simulationsrechnung wird duktfamilien möglich. So könnten bei­
ein Geometriefaktor, der von den Aus­ spielsweise Störungen charakterisiert
breitungswegen r I und r2 der Strahlen werden als
abhängt. Das so erlangte Ergebnis sollte • geringfügige, kurzeitige Störungen
mit dem einer realen Messung auf dem • langzeitige reversible Störungen (die Bild 30: Übersicht Störfestigkeitsprüfungen

ca OL-Spezial Messen und Entstören 67


Zur Prüfung der Störfestigkeit von Gerä­ Anhebung des Erdpotentials führen kön­ Störfestigkeitsprüfungen gegenüber
ten müssen mögliche Störphänomene der nen. Besonders diese Störsituationen (ne­ energiereichen Impulsen (Surges)
natürlichen und unserer technischen ben einer Reihe weiterer hier nicht be­ Breitbandige energiereiche Impulse und
Umwelt lwie atmosphärische Störungen handelter) werden bei der Prüfung der Überspannungen, die durch nahe atmo­
und Blitze, elektrostatische Aufladungen, Störfestigkeit von Geräten und Systemen sphärische Entladungen induktiv oder
aber auch Störungen durch Schaltvorgän­ nachzubilden so sein, wie das in den ein­ galvanisch in Netze und Versorgungslei­
ge an bzw_ in elektrischen Leitungen) in schlägigen Normen vorgeschrieben ist. tungen eingekoppelt oder durch Schalt­
geeigneter Weise simuliert werden. Die Störfestigkeit gegenüber handlungen in Energienetzen hervorge­
relevanten Störgrößen werden dabei in elektrostatischen Aufladungen rufen werden, erzeugen ggf. schwerwie­
Generatoren erzeugt und in die zu testen­ (Electrostatic Discharge, ESD) gende Störungen in Geräten und Syste­
den Baugruppen und Systeme eingeleitet Durch Ladungstrennung können hohe men bis hin zu Teil- oder Gesamtausfal­
bzw. eingestrahlt werden - alles in Über­ Spannungen zwischen Nichtleitern auf­ len. Teilweise \Nird durch Überspan­
einstimmung mit zuvor verbindlich abge­ gebaut werden, typische Beispiele sind nungsableiter versucht, die Aus\Nirkung
sprochenen Normen. aus dem täglichen Leben bekannt. So solcher Störungen zu unterbinden.
Aus der Vielzahl von störenden Einflüs­ sind elektrostatische Entladungen nach In jedem Fall gehört die Prüfung der Stör­
sen und Größen sollen hier zwei beson­ dem Aussteigen aus dem Pkw und dem festigkeit gegenüber energiereichen [m­
ders wichtige Kategorien herausgehoben Berühren von Metallteilen beim pulsen (Surges) zum üblichen Prüfpro­
werden, die impulsförmigen Störungen Schließen der Tür üblich. Beim Gehen gramm von Geräten und Anjagen. Je
und die geleiteten bzw. gestrahlten hoch­ auf heute üblichen Teppichböden kann nach zu prillenden Details sind unter·
frequenten Störungen. sich der Mensch bei jeder Trennung der schiedliche Spannungs· bzw. Stromver­
Schuhsohlen vom Boden auf Spannungen läufe für die Surges in den Normen vorge­
Prüfung der Störfestigkeit bis in den Bereich einiger Kilovolt aufla­ schrieben. Die Simulation der Einflüsse in
gegenüber impulsförmigen den. Mikroelektronische Bauelemente den Prüfverfahren basiert auf den klassi­
Störungen sind im besonderen Maße anfällig ge­ schen genormten Kurvenformen der
Geräten sind im besonderen Masse im­ genüber elektrostatischen Entladespan­ Hochspannungsprüftechnik. Die Testsig­
pulsförmigen Störungen ausgesetzt: elek­ nungen. Damit muss beinahe zwangsläu­ nale werden in so genannten Hybridgene­ s
trostatischen Entladungen beim fig eine Prüfung von Geräten auf Störfes­ ratoren erzeugt und im Allgemeinen ka­ z
Berühren der Bedienelemente durch den tigkeit gegenüber ESD-Phänomenen er­ pazitiv in das zu testenden System einge­ s
Menschen, elektrische Schaltvorgänge folgen_ Typische Impulsformen und leitet. a
auf Leitungen und schließlich in seltene­ Stromverläufe werden in ESD-Generato­ Störfestigkeit gegenüber geleiteten s
ren Fällen auch "schweren" Störungen ren normgerecht nachgebildet (Bilder hochfrequenten Störungen bzw. tl
durch Blitzeinschläge (in größerer Entfer­ 31 und 32). gestrahlten hochfrequenten Feldern C
Bild 31:
ESD: typischer nung), die zu kurzzeitigen Überspannun­ Mit Handgeräten unterschiedlicher Bau­ Wenn Versorgungs- und Datenleitungen g
Entladestrom gen auf Versorgungsleitungen oder zur form werden die ESD-Signale üblicher­ zusanunen mit metallischen Gehäusen f~
weise mit geeigneten metallischen Elek­ antennenähnliche Strukturen bilden, die 1
trode direkt über die Frontplatte in das zu sich in (starken) hochfrequenten Feldern (I
testende System eingebracht. Neben sol­ befmden, werden hochfrequente schmal­ S
chen Kontaktentladungen sind auch Luft­ bandige Störungen influenziert und/oder j~

entladungen (Annäherung mit metalli­ induziert. Diese Situation vvird mit durch S
scher Spitze an das Testobjekt) üblich. geleitete schmalbandige amplitudenmo­ a
Die Details des zu testenden Objektes dulierte Störsignale im Frequenzbereich v
---- Zeit (5 ns/div) - - Zeit (20 ns/div) (metallische Teile, lackierte Frontplatte, von ISO kHz bis 80 MHz, teilweise bis S
Kunststoffgehäuse) bestimmen die Art 250 MHz, simuliert. Die Untersuchun­ n
a b
der Testung. gen erfolgen mit amplitudenmodulierten S
Person auf 3 kV aufgeladen, Entladung über einen

in der Hand gehaltenen Schraubendn:her,


Störfestigkeitsprüfung gegenüber en­ Signalen, die Modulationsfrequenz be· SI

a) 5 ns/div b) 20 ns/div EI'))


ergiearmen Impulsstörungen (Burst) trägt üblicherweise I kHz, der Modulati­ SI
~ ..;l. P" d::D L1 Und Tu ;::': (1 9'85). nt t i !G~kd
Alle Schaltvorgängen auf Energieleitun­ onsgrad 80 %. (Damit soll der Einfluss d
gen erzeugen eine Vielzahl von impuJsför­ starker Rundfunksender simuliert wer­
migen Störungen, die auf Grund der Ei­ den.) Durch die unterschiedliche Art der
genheiten des Schaltvorganges als Pakete Einkopplung werden symmetrische,
l·-: _L i--­ von impulsförmigen Störungen, den asymmetrische und unsymmetrische

-J- DQPpeit ",...- ponuntidlcr


Impu lq"crlnuf
Bursts, auftreten . In Burstgeneratoren
werden für Testzwecke solche Störsignale
erzeugt und in das zu testende System
mit unterschiedlichen Prüfschärfegraden
Störströme bei unterschiedlichen Prüf­
schärfegraden erzeugt.
Zu den Forderungen der Spass-Gesell­
schaft, in der wir leben, gehört, dass je­
+1:f=-,:-::.-::~:7 -+1- ­ eingeleitet. Es ist sowohl eine induktive der möglichst an jedem Ort ständig er­
~ ------, als auch eine kapazitive Einkopplung der reichbar sein soll und dabei - drahtlos

-:­ Störsignale in das zu testende System in Netze eingebunden - jederzeit
möglich; relativ einfach (geringer Auf­ unnötige Datenmengen versenden
wand) ist jedoch die kapazitive Einkopp­ bzw. empfangen will.
lung asymmetrischer Störspannungen mit Die Störfestigkeit von elektrischen Gerä­
Bild 32: ESD: Impulsform Hilfe einer kapazitiven Koppelzange. ten und Systemen jeglicher Art ist bei sol- B

68 I
ca DL-Spezial Messen und Entstören
50 MS _ 30 °0

l[~.m_iJ
:~ ~~iLJ ::= II~
u(l)
Funw,enub(:trcth' ag (ns·f"ttllst3D)
kiJ

, A,
~ ___ J
-~ ZO lt hl~ . t.\aßslabl
T :._- Uns 300ms - Iims

a) a~ 5tts _ 31)0" b)
Unterbrechung des Strome, Funk~nübcrschlag bei

durch eine induktive Last SchalterötTnung


a) hohe Zeitauflösung b) gelinge Zeitautlösung
«(''I)
(('))

Bild 33: Entstehung von Bursts durch Schaltvorgänge Bild 34: Burstparameter

chen Gewohnheiten von besonderer Be­ legt, die Reflexionen verhindern sollen.

deutung, in jedem Falle wird von allen Die entsprechenden Reflexionsdämpfun­

(elektronischen) Geräten erwartet, dass gen werden im Allgemeinen durch pyra­

sie sicher funktionieren . midenförmige Absorber [mit Graphit an­

Natürlich gibt es auch serösere Forderun­ gereicherter Schaumstoff) und lader

gen: Der zeitgleiche Betrieb unterschied­ durch Ferrit-Kacheln in den unterschiedli­

lichster Geräte auf engstem Raum ist in chen Frequenzbereichen realisiert. Pyra­

industriellen Anlagen (z.B. Automatisie­ midenabsorber bzw. Ferritkacheln basie­

rungstechnik), ebenso wie in militäri­ ren auf unterschiedlichen physikalischen

schen Leitstellen gefordert. Dabei dürfen Wirkprinzipien. Bei Pyrarnidenabsorbern

',' _ ..... " • • ' . . . . _ ~j _ _ , . ""' .. _ ...... 1_ _ _• • _ ...' , . -~_., --~~. ...... p8Ir

keine oder wenigstens nur geringe gegen­ wird ein einfallender Strahl über Mehr­

seitige Störungen auftreten. Das impli­ fachreflexionen [Pyramidenform) stark

DINEN61000-4-4.S. 15 (r'))
ziert die Notwendigkeit, dass elektroni­ gedämpft werden, zugleich "sieht" der

sche Geräte auch [und ganz besonders) Strahl als Normale auf einer Wellenfront

auf ihre Störfestigkeit gegenüber ge­ einen Wellenwiderstand, der vom Wel­

strahlten hochfrequenten Feldern ge­ lenwiderstand des freien Raumes [377 Dj


Bild 35: Kapazitive Koppelzange
testet werden müssen. Mit Hilfe eines auf 0 D an der Abschirmwand abgesenkt

Generators mit Leistungsverstärker und wird.

geeigneten Antennen werden die Test­ Die Tests erfolgen im Frequenzbereich

feldstärken [üblicherweise 3 VIm bzw. zwischen 30 (80) MHz und wenigstens

10 VI m) in einem bestirrunten Raum I GHz mit Hilfe amplitudenmodulierter


-..... ,..,.._··0._

..... ~ ...... 1 .........·.


~~~ -
"'-~,r'

(Messvolumen), in dem sich das zu te­ Signale (Modulationsfrequenz 1kHz,


- . ,. . . . . 7\ ....
(\011;;..........
, : ...... I./<" ' ...1 U _..
•... \ooIU'/_~',l ~
..-_~'. .
~ oa
I
, . I
stende Gerät befindet, erzeugt. Es ist in 80 % Modulationsgrad); wobei die Aus­

jedem Falle nachzuweisen, dass die Feld­ dehnung des Frequenzbereiches über
' h ~/ -U.·'"
stärke im Testvolumen konstante Werte I GHz notwendigerweise bereits vonstat­
~//.Wm7.WJ7/J=/''7'-m$'?'''4»,,4bmr-'''/7.
aufweist. Dazu wird eine" Uniform Area" ten gegangen ist.

vermessen; zulässige Abweichungen vom Wegen des immensen Aufwandes beim

Sollwert sind in den einschlägigen Nor­ Ausbau und der Ausrüstung von Absor­

men fixiert (z. B. DIN EN 61 000A-6). berhallen insbesondere für große Testob­
D1NEN61000-4-4_S.16 (r'))
Solche Untersuchungen werden in abge­ jekte, sind in der Vergangenheit auch im­

schirmten Räume ausgeführt. Diese Ab­ mer wieder alternative Testumgebungen

schirmkabinen sind an ihren Innenwän­ untersucht worden. So sind beispielswei­


Bild 36: PrinzipielLer Aufbau der Störfestigkeitsprüfung
den mit absorbierenden Materialien be­ se für die Automobilindustrie, die bei
mit Bursts

;(tl ! i(l) 1
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a) b) c)

S!r.'nze:t Tl=1.6 7 · T-,=12L::s~30c, . Nach [1]: unterschiedliche Delinitionen von


T; = 50 ~s +21) %
HalOWl'rtze:!:
Stirn- und Rückenzeit sowie Anstiegszeit Er'))

Bild 37: Surges: Kurvenformen Bild 38: Stoßströme

CO Dl-Spezial Messen und Entstören I 69


Homogener
Bereich

Sens prposnionen
• I

1.5m
(gle' hmOOig vertei~)
• •
o.smr

! u-- U · AbSC"'lI",')
1.5m 0.8m
T'1 OJmptur; ~ -cl (6 ce I

CDN Kq:pe- Ilw.t-.,-,: ~CPQeit; I!tt"'" I\; Boden


*) (typische
Abmessungen
im Absorberraum ) Bild 39: Leitungsgeführte HF-Störgrößen Bild 40: Uniform Area *)

elektrischen Feldstärken > 10 VI m testet, Für entwicklungsbegleitende Prüfungen


offene Wellenleiterstrukturen von Inte­ der Störfestigkeit und für die Untersu­
Zn = 377Q
resse. Auf Crawford geht die klassische chungen an kleineren Testobjekten eig­
TEM-Messzelle (Bild 43) zurück, die zur nen sich GTEM-Zellen sehr gut (geringer
GTEM-Zelle (s. Bilder 26, 27, 28) wei­ Zeitaufwand und damit auch geringerer
terentwickelt wurde. Dabei steht "G" für finanzieller Aufwand gegenüber Messun­
"Giga", weil die Anwendung der Zelle bis gen in Absorberhalien). Der Entwurf ei·
in den GHz-Bereich möglich ist. ner entsprechenden Norm ist veröffent­
Im Prinzip handelt es sich bei den licht (DIN EN 61000-4-20), so dass die
(G)TEM-Zellen um Wellenleiterstruktu­ Prüfungen auch normgerecht erfolgen
ren, in denen vorzugsweise der transver­ können (und sollten). CQ D!.
Schinnung sal'elektromagnetische Wellenmodus
(TEM) ausgebildet wird (Vektoren der
Bild 42: Pyramiden-Absorber elektrischen und magnetischen Feldstär­
ke und der Ausbreitungsrichtung stehen [1] Schwab, A. J.: "Elektromagneti­
jeweils senkrecht aufeinander). Die klas­ sche Verträglichkeit", Berlin-Tokio,
sische Crawford-Zelle wird in ihrer An­ Springer, 1996
[2] Habinger, E.: Elektromagnetische
wendung durch Resonanzen, die bei Verträglichkeit - Grundzüge über ihre
höheren Frequenzen auftreten, einge­ Sicherstellung in der Geräte- und An­
schränkt. lagentechnik. Heidelberg, Hütig 1998
Durch einen wellenwiderstandrichtigen [3] Thumm, M.; Wiesbeck, W.; Kern,
St.: "Hochfrequenzmesstechnik",
Abschluss und zusätzliche Absorberele­ Stuttgart, Teubner, 1997
mente am Ende der GTEM-Zelle (in Rich­ [4] Henning, L. H.: Electromagnetic
tung der Wellenausbreitung gesehen) Anechoic Chambers, IEEE Press 2002
können freifeldähnliche Verhältnisse bis [5] Wilson, P: On correlating TEM-Cel
an OATS emission measurements.
in den GHz-Bereich geschaffen werden IEEE Transaction on Electromagnetic
(typisch 18 GHz). Compatibility, Bd. 37, Nr. 1, S. 1-16,
Oopptolboden ohne afoundp'.ne
Durch die am Zelleneingang eingespeiste Febr. 1995
HF-Leistung wird im Innern der Zelle in [6] E DIN EN 61000 - 20 Prüfungs­
Bild 41: Prüfumgebung: Absorberraum und Messverfahren - Messung der
einem Prüfvolumen eine entsprechende Störaussendung und Störfestigkeit
(elektrische) Feldstärke erzeugt, mit der in transversal-elektromagnetischen
das Testobjekt beaufschlagt wird. (Typi­ (TEM- )Wellenleitern. Berlin/Beuth,
,,'RA\\ I-CORD - z~nc (\ 97-1) sche Werte: HF-Leistung ca. 25 W liefern 2003
[7] Göpel, K.-D.; Genz, 0.: "Die
in einer GTEM-Zelle bei einer Septums­ Konzeption von EMV-Messplätzen",

~
höhe (Höhe des Innenleiters über der me­

;::;
I
I : Poing, Franzis, 1995

Zo - _ . tallischen Grundfläche des Zellenkörpers [8] Sutter, X.; Gerstner, A: "EMV-


- von ca. I m Feldstärken von etwa Ei nstra hlu ngs -Stö rfesti gkei ts- Mess­
technik, München, Franzis, 1994
10 V/m. [9] EMV-Testsysteme, Firmendruck­
Prüfob\ekt Sender Zur Vorbereitung auf Störfestigkeitsmes­ schrift, ;~esselektronik Berlin
sungen muss auch in der GTEM-Zelle die [10] Rodewald, Arnold: "Elektro­
u Homogenität der erreichten Feldvertei­ magnetische Verträglichkeit", Braun­
E= Iung (E-Feld) durch vorangegangene Mes­
schweig/Wiesbaden, Vieweg, 1995
[11] Goedbloed, Jasper J .: "Elektro­
cl sungen nachgewiesen werden. Es ist be­ magnetische Verträglichkeit", Mün­
kannt, dass die erreichbare Feldstärke so­ chen/Heidelberg, Pflaum, 1997
wohl von der Frequenz als auch vom [12] Schnorrenberg, W.: "Spektrums­
analyse", Würzburg, Vogel, 1990
Bild 43: Klassische TEM-Messzelle Messort in der Zelle abhängt.

70 I ca DL-Spezial Entstören & Messen