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Ausgabe Juni 2019

Magazin der
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

Mariner Plattwurm
in Tirol entdeckt Seite 4

Neu: Digital Science Center Seite 6 ◼ Hilfsmittel Exoskelett Seite 8 ◼

„Edel-Punks“ der 1920er Seite 14 ◼ Diagnose für Spitäler Seite 18 ◼

Beilage zur Tiroler Tageszeitung www.uibk.ac.at


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Inhalt Ausgabe Juni 2019


Editorial

4 Mariner Plattwurm in Tirol entdeckt


Innsbrucker Zoologen haben eine neue Plattwurm-
Art beschrieben. Bemerkenswert ist der Fundort
der neuen Art: Innsbruck.

6 Neuer Forschungsschwerpunkt

Foto: Gerhard Berger


Im Rahmen der Digitalisierungsinitiative der Uni-

8
versität Innsbruck wurde das Digital Science Cen-
ter (DiSC) eingerichtet.

8 Exoskelette als Hilfsmittel


Der Fertigungstechniker Robert Weidner will Men-
schen bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten in
Beruf und Alltag unterstützen.

10 Infos zum Urheberrecht Liebe Leserin, lieber Leser!


Die Website „FAQ Copyright“ bietet Fragen und
Antworten zum österreichischen Urheberrecht. Die erste Hälfte unseres Jubiläums-
jahres ist nun schon fast vorbei und das
12 Fest der Wissenschaft Echo, das ich dazu vernehme, ist sehr
Die Universität Innsbruck lädt Mitte Juni die Tiro- positiv. Viele von Ihnen haben zu die-
ler Bevölkerung zu einem großen Fest der Wissen- sem Erfolg beigetragen, indem Sie un-
schaft in die Innsbrucker Innenstadt. sere vielseitigen Einladungen, gemein-

14
sam mit uns zu feiern, angenommen
14 Die „Goldenen Zwanziger“ haben.
Die Literatur- und Medienwissenschaftlerin Ma- Derzeit sind wir sehr intensiv dabei,
ren Lickhardt beschäftigt sich mit der ersten Welle das Fest der Wissenschaft vorzuberei-
der Pop-Kultur in den 1920er-Jahren. ten, das vom 14. bis zum 16. Juni rund
um die Universitätsstraße im Zentrum
16 INSIDE OUT Innsbrucks – dort, wo auch die sprich-
Das Jubiläumsprojekt INSIDE OUT holt Forschung wörtliche Wiege unserer Universität
aus der Universität heraus und präsentiert sie in steht – stattfinden wird und zu dem
Form von 17 Mini-Ausstellungen in Innsbruck. wir alle interessierten Tirolerinnen und
Tiroler ganz herzlich einladen.
18 Diagnose für Krankenhäuser Es wird ein Fest für die ganze Familie
Wissenschaftler vom Institut für Organisation und sein, in dessen Rahmen wir Ihnen allen –
Lernen untersuchen die Entwicklung und Anwen- insbesondere am Samstag – einen brei-
dung der Qualitätsmessung für stationäre Kran- ten Einblick in unsere Wissenschaft und
kenhausaufenthalte in Österreich. Forschung bieten werden. Der Freitag ist

16
als Aufwärmabend gedacht, an dem wir
22 Geschichten aus der Geschichte Ihnen das Österreichfinale des Science
Ein Inventar der Universität aus dem Jahr 1830 bie- Slam präsentieren werden. Das bedeutet
tet interessante Einblicke in die Ausstattung der Wissenschaft hautnah mit mehr als 100
Universität. Einzelprojekten und Stationen!
Das Fest der Wissenschaft bietet auch
jenen eine Gelegenheit, die planen, im
Herbst ein Studium bei uns zu begin-
nen, aus erster Hand zu erfahren, wel-
che Faszination Wissenschaft und For-
ImprEssum schung ausstrahlen und womit sich die
einzelnen Wissenschaftsdisziplinen
wissenswert – Magazin der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – 4. Juni 2019 beschäftigen. Wir als Universität Inns-
Herausgeber und Medieninhaber: Universität Innsbruck; Hersteller: Intergraphik GmbH.
Sonderpublikationen, Leitung: Frank Tschoner.
bruck haben nahezu alle Zugangsbe-
Redaktionelle Koordination: Susanne E. Röck, Christa Hofer. schränkungen für das kommende Studi-
Redaktion: Melanie Bartos, Eva Fessler, Christian Flatz, Christa Hofer, Stefan Hohenwarter, enjahr aufgehoben, um allen, die enga-
Lisa Marchl, Susanne E. Röck, Uwe Steger. giert studieren wollen, auch die Chance
Covergestaltung: Catharina Walli.
dazu zu geben.
Foto Titelseite: iStock/vojce.
Fotos Seite 3: iStock/chudakov2, suteishi, Eva Fessler. Univ.-Prof. Dr. Tilmann Märk
Anschrift für alle: 6020 Innsbruck, Brunecker Straße 3, Postfach 578, Tel. 0512 53 54-1000. Rektor der Universität Innsbruck
4

Mariner Plattwurm
in Tirol entdeckt
Innsbrucker Zoologen haben eine neue marine Plattwurm-Art
beschrieben. Soweit nicht ungewöhnlich. Bemerkenswert allerdings ist
der Fundort der neuen Art: Innsbruck in Tirol.

D
er gemeinhin als Leopardenstrudel- stellt. „Die äußeren morphologischen Un- »Die äußeren morphologischen
wurm bekannte Plattwurm wird be- tersuchungen an einem Exemplar aus einem Untersuchungen an einem
reits seit langem von Meeres-Aquari- Landecker Aquarium machten relativ schnell
anern gefürchtet. „Diese Art ist in Meerwas- klar, dass es sich bei dem Tier um eine neue
Exemplar aus einem Landecker
ser-Aquarien als Schneckenräuber bekannt. Art handeln könnte“, sagt Egger. „Weitere Aquarium machten relativ
Ein Wurm frisst circa eine für das Funktio- Untersuchungen an Tieren, die uns der Inns- schnell klar, dass es sich bei
nieren des Ökosystems Aquarium bedeutende brucker Korallen-Shop Alpenriff zur Verfü- dem Tier um eine neue Art
Schnecke der Gattung Tectus pro Woche. gung gestellt hat, bestätigten diese erste Ver-
Wenn man bedenkt, dass die Schnecken rund mutung.“
handeln könnte.«
vier Euro pro Stück kosten, ist verständlich, bernhard egger
dass die Aquarien-Besitzer nicht gerade er- Aufwendige Artbeschreibung
freut darüber sind, den Plattwurm in ihrem einrollt, wenn er berührt wird. Um diesen
Aquarium zu haben“, erklärt Bernhard Eg- Die Studentin Isabel Dittmann erklärte Mechanismus zu umgehen, haben wir das Fi-
ger, Universitätsassistent am Institut für Zo- sich bereit, im Rahmen ihrer Dissertation die xativ eingefroren. Anschließend wird das Tier
ologie der Uni Innsbruck. Entdeckt hat er die sehr aufwendige taxonomische Beschreibung in Paraffin eingebettet, um es zu entwässern
Art, für die er mittlerweile gemeinsam mit der neuen Art Pericelis tectivorum vorzuneh- und haltbar zu machen. In der Folge wer-
seiner Studentin Isabel Dittmann eine kom- men. „Allein die Fixierung des Wurms ist den histologische Schnitte – feine, mit Hil-
plette Artbeschreibung vorgenommen hat, sehr schwierig, da sich dieser extrem schnell fe eines speziellen Werkzeuges abgetrennte
durch Zufall.

Zufallsfund
Vor einigen Jahren hielt der auf Plattwür-
mer spezialisierte Zoologe einen Vortrag bei
einem internationalen Meerwasser-Aquaris-
tik-Treffen in Völs. „Dort wurde mir mehr-
fach von einem Wurm berichtet, der den
Schnecken-Bestand in den Aquarien gefähr-
det“, erklärt Egger. „Da der Plattwurm nacht-

»Wir haben bei dieser


Artbeschreibung den kuriosen
Fall, dass eine marine Art in
Tirol entdeckt wurde.«
bernhard egger

aktiv ist, haben sich einige Aquarien-Besitzer


nach dem regelmäßigen Verschwinden ihrer In diesem Becken des
Schnecken nachts auf die Lauer gelegt und Innsbrucker Korallen-Shops
den relativ großen Plattwurm auf frischer Tat Alpenriff wurde der
ertappt.“ Tiroler Plattwurm entdeckt.
In Folge seines Vortrags wurden dem Zoo- Foto: Christian Hepperger
logen dann auch die ersten Exemplare zur
weiteren Untersuchung zur Verfügung ge-
5

Plattwurm im Zentrum
der Forschung

Plattwürmer stehen häufig im Mit-


telpunkt zoologischer Forschungen.
In seiner Forschungsgruppe „Rege-
neration“ am Institut für Zoologie
der Universität Innsbruck untersucht
Bernhard Egger hauptsächlich ihre
beachtliche Regenerationsleistung
und ihr wahrscheinlich totipotentes
Stammzellsystem – also die Fähig-
keit der Plattwurm-Stammzellen,
sich aus sich selbst heraus zu einem
ganzen Individuum zu entwickeln.
Die Abbildung zeigt ein sieben Zentimeter großes Exemplar
Zudem beschäftigen sich die Zoo-
der neu beschriebenen Spezies „Pericelis tectivorum“. Den
logen mit der Aufklärung der Ver-
Beinamen Leopardenstrudelwurm hat er aufgrund seiner
wandtschaftshältnisse innerhalb des
interessanten Färbung.
Foto: Wolfgang Dibiasi DibiasiWelt.com
großen Stamms der Plattwürmer.

sehr dünne Schichten organischen Gewebes Art rekonstruieren. „Plattwürmer sind soge- ort wurde der Korallen-Shop Alpenriff in
– für die weitere mikroskopische Untersu- nannte Hermaphroditen, sie verfügen über Innsbruck eingetragen. „Wir haben bei die-
chung entnommen“, beschreibt Dittmann die ein männliches und ein weibliches Genital“, ser Artbeschreibung also den kuriosen Fall,
Vorgehensweise. Da die Tiere recht groß sind so Egger. „Zudem können die einzelnen Ar- dass eine marine Art in Tirol entdeckt wur-
– mit bis zu sieben Zentimetern zählen sie zu ten morphologisch durch die Stellung der de“, erklärt Bernhard Egger. Neben den Inns-
den größten Exemplaren unter den Plattwür- Tentakel und die Augenanordnung am Hirn brucker Tieren wurden weitere Exemplare in
mern –, wurden dafür rund 250 Objektträger unterschieden werden – insgesamt vertei- einem Landecker Aquarium gefunden. Ins-
benötigt. „Auf jedem Objektträger befinden len sich über das ganze Tier mehrere hundert gesamt haben die Zoologen Markermoleküle
sich sieben bis acht histologische Schnitte“, Augen.“ von vier Individuen sequenziert, die gene-
verdeutlicht Dittmann den Aufwand und den tisch zu 100 Prozent identisch sind. „Die von
Grund, warum Plattwurm-Arten nur selten Tiroler Art uns untersuchten Tiere stammen aus zwei
beschrieben werden. Neben den rund 2000 voneinander unabhängigen Populationen.
histologischen Schnitten mussten die Zoolo- Der natürliche Lebensraum des Leo- Die beiden Aquarien-Besitzer kannten sich
gen auch das Genital – eines der ausschlag- pardenstrudelwurms Pericelis tectivorum ist nicht und haben auch nie Lebendgestein
gebenden Merkmale bei Plattwürmern – der nach wie vor unbekannt; als offizieller Fund- oder Korallen ausgetauscht“, erklärt Egger.
Im Alpenriff scheint es sogar gelungen zu
sein, den gesamten Lebenszyklus der Art zu
ermöglichen. „Christian Hepperger, der Be-
sitzer von Alpenriff, züchtet die Korallen,
die er verkauft, selbst, aus diesem Grund gab
es dort seit circa zehn Jahren keinen Besatz
mit Fremdmaterial mehr. Da er nach wie vor
Exemplare von Pericelis tectivorum findet,
lebt dort entweder eine sehr alte Population
oder – und das ist im Hinblick auf das, was
wir über die Lebensdauer der Würmer wis-
sen, wohl wahrscheinlicher – es ist ihm ge-
lungen, der Art einen ganzen Lebenszyklus
in seinen Aquarien zu ermöglichen“, ver-
deutlicht der Zoologe Egger. In Kooperati-
on mit Alpenriff wollen die Wissenschaftler
auch ihre künftige Forschungsarbeit ange-
hen: Isabel Dittmann will im Rahmen ihrer
Dissertation versuchen, die Jungtiere der
Art genauer zu untersuchen. „Aufgrund der
molekularen Verwandtschaftsverhältnisse
wissen wir, dass es sich bei dieser Art um ein
Tier mit ursprünglicher Entwicklung han-
deln könnte. Die Rekonstruktion ihrer Lar-
ve könnte also für den gesamten Stamm der
Plattwürmer sehr interessant sein“, erläu-
tert Isabel Dittmann.
susanne.e.roeck@uibk.ac.at ◼
6

Digitalisierung:
Offensive an
der Universität
Im Rahmen der Digitalisierungsinitiative der
Universität Innsbruck wurde das Digital Science
Center (DiSC) eingerichtet. Als Gründungsleiter
wurde Univ.-Prof. Justus Piater bestellt. Er soll den
Forschungsschwerpunkt als Schnittstelle zwischen
den einzelnen Fakultäten aufbauen.

M
oderne Computertechnologien er- Digitalisierungsinitiative an der Universität
möglichen zunehmend die Verar- Innsbruck eingerichtet wurde. Digitalisie-
beitung großer Datenmengen und rung betrifft alle Bereiche der Gesellschaft –
helfen bei deren Analyse. Um diese Möglich- von der Wirtschaft bis hin zur Wissenschaft.
keiten aber in vollem Ausmaß nutzen zu kön- Letztere produziert enorme Datenmengen.
nen, braucht es entsprechendes Know-how Diese müssen analysiert und weiterverar-
im Bereich der Digitalisierung. Doch nicht beitet werden, um zu entsprechenden For-
jede wissenschaftliche Fachdisziplin ist mit schungsresultaten zu kommen. Dafür braucht
den dafür erforderlichen Methoden vertraut. es Spezialisten. Das DiSC soll die Wissen-
Hier soll das Digital Science Center (DiSC) schaftlerinnen und Wissenschaftler unter-
künftig Hilfestellung bieten. Im Gespräch stützen, ihnen also die Arbeit erleichtern. Vor
erläutert Univ.-Prof. Justus Piater, der zum allem in jenen Disziplinen, in die digitale Me-
Gründungsleiter des DiSC bestellt wurde, wie thoden nun verstärkt Einzug halten.
genau das funktionieren soll.
An der Universität Innsbruck entsteht der- Zwölf Fakultäten kultäten beteiligt: darunter die Fakultät für
zeit das Digital Science Center, kurz DiSC. Was Betriebswirtschaft, die Fakultät für Biologie,
bereits beteiligt
verbirgt sich hinter diesem Begriff? die Philologisch-Kulturwissenschaftliche
Justus Piater: Das DiSC ist ein eigener For- Wie soll das konkret ausschauen? Fakultät mit dem Bereich Archivwissen-
schungsschwerpunkt, der im Rahmen der Justus Piater: Aktuell sind am DiSC zwölf Fa- schaften, die Fakultät für Psychologie und
Sportwissenschaft, die Katholisch-Theolo-
gische Fakultät, die Fakultät für Volkswirt-
schaft und Statistik, aber auch die Fakultät
ZUr PersOn für Mathematik, Informatik und Physik mit
mehreren Laufbahnstellen. Konkret können
Justus Piater studierte an der TU Braunschweig und an der wir mit unseren digitalen Datenmitteln und
Universität Magdeburg. Anschließend ging er als Fulbright-Stipendiat Methoden zum Beispiel Texte einfacher und
an die University of Massachusetts Amherst, USA. Nach weiteren schneller nach grammatikalischen Struk-
Stationen in Frankreich, Belgien und Deutschland wechselte Piater turen untersuchen, es können Gebäudemo-
nach Tirol. Seit 2010 leitet er an der Universität Innsbruck delle digital umgesetzt, Muster in dyna-
den Schwerpunkt „Intelligente und Interaktive Systeme“ am Institut mischen, mehrdimensionalen Prozessen in
für Informatik. In seiner Forschungsarbeit konzentriert sich Piater derzeit u. a. auf biologischen Systemen digital erkannt oder
die Interaktion von autonomen Robotern mit ihrer Umgebung. Dabei geht es auch Rechtsdatenbanken automatisiert nach Prä-
um die Frage, wie Roboter durch Beobachten und Lernen Kompetenzen erwerben zedenzfällen analysiert werden.
können. An welcher Fakultät ist der Forschungs-
schwerpunkt angesiedelt?
7

Digitalisierung durchdringt alle Teile der Gesellschaft.


Mit einem neuen Forschungsschwerpunkt sollen
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der
Uni Innsbruck besser unterstützt werden.
Fotos: iStock/gopixa, Andreas Friedle

Justus Piater: Bewusst an keiner. Das Digital 2020 sollen alle Stellen besetzt sein. Derzeit soll es wiederum möglich machen, Syner-
Science Center ist direkt dem Rektorat un- sind fünf Personen angestellt, zehn weitere gien zu nutzen, da die eingesetzten Metho-
tergeordnet. Es hat eine eigene Struktur, mit Bewerbungsverfahren laufen noch. den der Digitalisierung oft gleich bzw. ähn-
eigener Infrastruktur und eigenem Perso- Wo ist der Forschungsschwerpunkt räumlich lich sind.
nal, das jedoch aus den verschienden Fach- angesiedelt? Ist das DiSC auch in die Lehre mit eingebun-
bereichen kommt. Da die Digitalisierung al- Justus Piater: Derzeit werden Räume in der den?
le Wissensbereiche betrifft, braucht es eine Innenstadt, im ehemaligen Mozarteum, für Justus Piater: Ja, es geht auch um den Wis-
fakultätsübergreifende Struktur. Die Mitar- das Digital Science Center adaptiert. Die- senstransfer. Deshalb wurde ein Ergän-
beiterinnen und Mitarbeiter am DiSC sollen se sollten wir bis Ende des Jahres beziehen zungspaket „Digital Science“ ausgearbeitet.
ja alle Fachdisziplinen unterstützen und da- können. Es umfasst Lehrveranstaltungen im Um-
bei direkt mit den Wissenschaftlerinnen und Wie genau soll die Unterstützung der Fach- fang von 30 ECTS-Punkten, was einem Se-
Wissenschaftlern interagieren. disziplinen durch das Digital Science Center mester Vollzeitstudium entspricht. Das Er-
erfolgen? gänzungspaket, das in bestehende Curricula
Insgesamt 15 Spezialisten für das Justus Piater: Auch wenn die Mitarbei- verschiedener Studienrichtungen integrier-
terinnen und Mitarbeiter im DiSC zen- bar ist, umfasst insgesamt fünf Module, die
DiSC vorgesehen
tral an einem Ort angesiedelt sind, sollen von einer Einführung in die Programmie-
Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sie zu gleichen Teilen für das DiSC und für rung bis hin zu ethischen und rechtlichen
hat das DiSC? die Fachdisziplin arbeiten. Die Hauptauf- Aspekten reichen. Das Lehrangebot wird in
Justus Piater: Insgesamt sind 15 Stellen aus- gabe des DiSC ist ja, die Digitalisierung der den nächsten Semestern aber noch ausge-
geschrieben, die jeweils einen Karrierepfad Fachwissenschaften in Forschung und Leh- baut.
vom Postdoc bis zur Vollprofessur bieten. Bis re zu unterstützen. Die Ansiedlung am DiSC christa.hofer@tt.com ◼
8

Exoskelette: Im Beruf
und Alltag unterstützen
Der Fertigungstechniker Robert Weidner will Menschen wickeln. Einsatz finden die ersten marktrei-
fen Exoskelette bereits in der Medizintech-
bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten in Beruf und nik oder in großen Produktionsbetrieben, so
etwa in der Flugzeugindustrie. Aber auch im
Alltag unterstützen und entwickelt dafür verschiedene Handwerk oder der Altenpflege können Exo-
skelette die Menschen bei der Arbeit unter-
technische Ansätze. Sie sollen vor allem dort helfen, stützen.
Exoskelette können unterschiedlich ge-
wo das Potenzial für Überlastungen besteht, und so vor staltet sein. Sie lassen sich neben ihrer Form
auch hinsichtlich ihres Antriebs unterteilen.
Gesundheitsschäden schützen. Robert Weidner hat mit seinem Team in den
vergangenen Jahren verschiedene Techno-
logien zur Unterstützung unterschiedlicher
Körperregionen entwickelt und aufgebaut.

N
och sind nicht alle Geräte im La- Anziehbare Stützstrukturen Dabei geht er sowohl klassische als auch neue
bor von Robert Weidner am Campus Wege. Zum Beispiel nutzt Weidner auch Pa-
Technik der Universität Innsbruck Robert Weidner ist seit August 2018 Profes- pier als Material für eine Stützstruktur. Die
aufgebaut. Die Wände sind frisch gestrichen, sor für Fertigungstechnik an der Universität Vision von Weidner ist ein Baukasten aus ver-
an ihnen werden noch Montageplatten befes- Innsbruck und kam von der Helmut-Schmidt- schiedenen Modulen, aus denen für jeden An-
tigt. Bald sollen hier Versuchspersonen zum Universität in Hamburg nach Innsbruck. In wendungsfall maßgeschneiderte technische
Beispiel mit Werkzeugen hantieren, unter- Hamburg hat Weidner die Nachwuchsfor- Lösungen gebaut werden können – nach dem
stützt von technischen Geräten, die sie bei schergruppe smartASSIST aufgebaut und Lego-Prinzip.
der Arbeit entlasten. Diese als Exoskelette mit seinem Team Methoden, Konzepte und
bekannten Stützstrukturen helfen - wie ein technologische Lösungen für den Einsatz von Keinen „Terminator“
zweites Skelett - dem menschlichen Körper Exoskeletten entwickelt. Doch war das kei-
bei schweren Arbeiten, wie zum Beispiel beim neswegs nur ein technisches Projekt. Weidner „Als ich mich als junger Doktorand in
Montieren über Kopfhöhe. arbeitet sehr interdisziplinär: „In meinem Hamburg zum ersten Mal mit diesem Thema
Team gibt es neben Ingenieuren auch Be- beschäftigt habe“, erzählt Robert Weidner,
wegungswissenschaftler, Medizintechniker, „da mussten wir oft gegen ethische Bedenken

Schwerpunkt einen Soziologen und seit einiger Zeit auch


einen Rechtswissenschaftler“, erklärt Pro-
ankämpfen.“ Die Ergänzung des mensch-
lichen Körpers durch technische Lösungen
Mechatronik fessor Weidner. „Denn die Entwicklung und stieß auf viel Skepsis. Dabei geht es dem In-
der Einsatz von Exoskeletten ist keine rein
technische Frage. Wir wollen das mit und für
Neben der Forschung engagiert den Menschen machen.“ Deshalb entwickelt
sich Robert Weidner in der Lehre. Er sein Team neue Methoden, wie der Einsatz
unterrichtet Fertigungstechnik und von Exoskeletten messtechnisch erfasst und
vermittelt den Studierenden auch evaluiert werden kann. Erprobt werden diese
sein Wissen über technische Unter- Methoden dann auch im Labor an der Univer-
stützungssysteme. Finanziert wird sität, wo die Wissenschaftler die Bewegungen
die Professur für Fertigungstechnik der Probanden mit Hilfe modernster Mess-
in den ersten fünf Jahren vom Land mittel für biomechanische Analysen erfas-
Tirol als Impuls zum weiteren Ausbau sen und analysieren können. Dabei darf das
der Fakultät für Technische Wissen- Exoskelett dem Menschen auch nicht zu viel
schaften im Rahmen der Technolo- an Belastung abnehmen. „Das wäre kontra-
gieoffensive. Angesiedelt am Institut produktiv“, sagt Weidner, „unsere Muskeln
für Mechatronik leistet der Lehrstuhl müssen auch trainiert werden.“
einen wesentlichen Beitrag zum Me-
chatronik-Studium, das die Univer- Individuelle Unterstützung
sität Innsbruck gemeinsam mit der
UMIT betreibt und das inzwischen Ein Teil seiner Hamburger Gruppe ist mit Unterschiedliche Lösungen
durchgängig vom Bachelorstudi- ihm nach Innsbruck gekommen und setzt können Menschen bei körperlich
um über das Masterstudium bis zum hier die Arbeit fort. Die Wissenschaftler wol- anstrengenden Tätigkeiten in Beruf
Doktoratsstudium angeboten wird. len neue Konzepte für die Zusammenarbeit und Alltag unterstützen.
von Menschen und Technik erarbeiten und Illustrationen: Pixelatelier Peters;

neue Technologien für deren Umsetzung ent- Forschernachwuchsgruppe smartASSIST


9

Exoskelette – technische
Unterstützungssysteme –
werden in der Medizin bereits
eingesetzt und könnten bald
auch den Arbeitsalltag vieler
Menschen erleichtern.
Fotos: iStock/chudakov2, Uni Innsbruck

genieur keineswegs um die Optimierung des für solche Lösungen ist groß, geht doch allein schiedliche Exoskelette entwickelt. Hierunter
Menschen, er will gerade nicht den nächsten in Deutschland ein Viertel der Arbeitsun- verbirgt sich eine große Bandbreite an Sys-
„Terminator“ erschaffen. „Wir wollen den fähigkeitstage auf Muskel-Skelett-Erkran- temlösungen von der Sprunggelenksorthese
natürlichen Bewegungsablauf des Menschen kungen zurück. So erarbeitet Robert Weidner bis zum Muskelhandschuh mit textilbasier-
mit technischen Lösungen unterstützen“, be- derzeit auch einen Leitfaden zum Einsatz von ten oder Starrkörperelementen. Da es nicht
tont Weidner, der in Hamburg Maschinenbau Exoskeletten für die Berufsgenossenschaft nur bei der Erfindung bleiben soll, hat Robert
studiert hat. Uns ist wichtig, dass der Mensch Handel und Warenlogistik, die in Deutsch- Weidner in Hamburg die Firma exoIQ GmbH
die Hoheit über jede Aktivität behält.“ Es soll land die gesetzliche Unfallversicherung für gegründet, mit der er auch Produkte bis zur
nicht die Leistungsfähigkeit des Menschen fünf Millionen Arbeitnehmer abwickelt. Marktreife weiterentwickeln und in die An-
verdoppelt oder verdreifacht, sondern dessen Für verschiedene Tätigkeiten hat Robert wendung bringen will.
Gesundheit erhalten werden. Das Potenzial Weidner mit seinem Hamburger Team unter- christian.flatz@uibk.ac.at ◼

ZuR PeRson

Robert Weidner studierte Maschinenbau an der Technischen


Universität Hamburg, wo er 2010 mit dem Diplom abschloss.
Danach war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und seit 2014
als Nachwuchsgruppenleiter von smartASSIST, einer durch
das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung
finanzierten, interdisziplinären Forschungsgruppe, und als
Gruppenleiter Robotik und Automatisierung am Laboratorium
Fertigungstechnik der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg tätig. Seit August
2018 ist er Professor für Fertigungstechnik an der Universität Innsbruck. Darüber
hinaus ist er geschäftsführender Gesellschafter des Spin-offs exoIQ der Helmut-
Schmidt-Universität. In der Forschung beschäftigt er sich mit den Arbeitsplätzen
der Zukunft. Sein Schwerpunkt liegt in der Erforschung technischer Systeme
zur körperlichen Unterstützung bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten für
verschiedene Anwendungskontexte in Beruf und Alltag. Neben grundlegenden und
anwendungsgerechten Technologien, wie z. B. Unterstützungssystemen für Aufgaben
auf Kopfebene oder darüber und den Umgang mit Lasten, entwickelt Weidner neue
Konzepte für die Interaktion zwischen Mensch und Maschine sowie Verfahren zur
Gestaltung und Bewertung von anziehbaren und körpernahen Systemen.
10

Fragen und Antworten


zum Urheberrecht
Am 15. April wurde die EU-Urheberrechtsreform beschlossen. Seitdem ist das
Urheberrecht in aller Munde. Doch was genau besagt es und wo kommt es zur
Anwendung? Die Website „FAQ Copyright“ bietet Fragen und Antworten zum
österreichischen Urheberrecht.

D
ie Website „FAQ Copyright“ gibt einen »Die Idee hinter der Plattform Institut für Unternehmens- und Steuerrecht.
Einblick in das österreichische Urhe- ist es, das Urheberrecht für Nutzerinnen und Nutzer finden beispielswei-
berrecht und schafft für Interessier- se Antworten auf die Fragen „Wer ist im Ar-
die Öffentlichkeit besser
te die Möglichkeit, sich in die Materie all- beitsverhältnis Urheber?“, „Wann und wie ist
gemein, aber auch in konkrete Fallbeispiele zugänglich zu machen. Als der Urheber zu nennen?“ und „Ist Streaming
einzulesen. Wissenschaftler vom Institut Immaterialgüterrecht schützt zulässig?“. Daneben gibt es auch eine Reihe
für Unternehmens- und Steuerrecht haben das Urheberrecht kreative und an Fallbeispielen, die Leserinnen und Lesern
das Internetangebot in Zusammenarbeit mit als Handlungsorientierung in Fragen zum
dem Wissenstransferzentrum West (WTZ-
individuelle geistige Leistungen. Urheberrecht zur Verfügung stehen. So sind
West) und dem projekt.service.büro der Uni- Seinen Schutz genießen alle beispielsweise Fälle wie das Abfotografieren
versität Innsbruck erstellt. „Die Idee hinter Menschen, die Werke schaffen.« von Vortragsfolien oder die Programmierung
der Plattform ist es, das Urheberrecht für die von Computerprogrammen schrittweise auf-
Lars KerbLer
Öffentlichkeit besser zugänglich zu machen. bereitet und aus Sicht des Urheberrechts be-
Als Immaterialgüterrecht schützt das Urhe- urteilt.
berrecht kreative und individuelle geistige Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Lars
Leistungen. Seinen Schutz genießen alle stellte Fragen zum Urheberrecht beantwor- Kerbler, Hans Strasser und Florian Hueter hat
Menschen, die Werke schaffen“, sagt Mag. Dr. tet. Die Antworten sind dabei so aufgebaut, Manfred Büchele die Inhalte auf die Plattform
Lars Kerbler, wissenschaftlicher Mitarbeiter dass es jeweils eine kurze und eine weiter- gebracht. Die Idee stammt aus dem projekt.
am Institut für Unternehmens- und Steuer- führende, vertiefte Ausführung dazu gibt. service.büro der Uni Innsbruck und dem WTZ-
recht. „Die Zielgruppe des Internetauftritts Damit möchten wir die Allgemeinheit, aber West, einem Zusammenschluss der Universi-
sind Laien, womit wir uns an Personen rich- auch gezielt Studierende, Kreative, Lehren- tätsstandorte Salzburg, Linz, und Innsbruck.
ten, die keine juristische Ausbildung haben. de sowie Wissenschaftlerinnen und Wissen- Mit Unterstützung des Bundesministeriums
Dazu haben wir uns am Format der ‚frequent- schaftler ansprechen“, erklärt Priv.-Doz. Dr. für Bildung, Wissenschaft und Forschung
ly asked questions‘ orientiert und häufig ge- Manfred Büchele, Assoziierter Professor am und der Austria Wissenschaftsservice GmbH
will das WTZ-West den Wissens- und Tech-
nologietransfer an den Universitäten weiter
stärken.
ZUr PErson
EU-Urheberrechtsreform
Manfred Büchele ist Assoziierter Professor am Institut für
Unternehmens- und Steuerrecht, wo er zum Unternehmensrecht Das Urheberrecht ist aktuell auch in den
sowie zum Privaten Recht der Wirtschaft forscht und lehrt. Sein Medien stark präsent. Mit der im April 2019
wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt im Recht des geistigen angenommenen Richtlinie über das Urhe-
Eigentums in all seinen Facetten. Daneben gilt sein erweitertes berrecht im digitalen Binnenmarkt der Eu-
Interesse dem Unternehmens- und Kapitalgesellschaftsrecht ropäischen Union soll es modernisiert wer-
sowie dem Kapitalmarkt- und Datenschutzrecht, jeweils unter den. Die aktuelle EU-Urheberrechtsrichtlinie
Berücksichtigung von „Law & Economics“. stammt aus dem Jahr 2001. Damals war die
Lars Kerbler ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Internetlandschaft noch eine ganz andere:
Unternehmens- und Steuerrecht. Seine Forschungsschwerpunkte Viele soziale Netzwerke und Videoportale wie
liegen im Urheber-, Gesellschafts- und Datenschutzrecht. Mit dem beispielsweise Youtube oder Facebook waren
Urheberrecht hat er sich schon in seiner Diplomarbeit mit dem zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegründet. In
Titel „Verwertungs- und Urheberpersönlichkeitsrechte in sozialen der öffentlichen Auseinandersetzung mit der
Netzwerken“ beschäftigt. EU-Urheberrechtsreform geht es vorrangig
um die ursprünglich in Artikel 13 und jetzt in
11

Wie steht es um die Anfertigung von Kopien?


Und wann endet der Urheberschutz? Antworten
auf diese und ähnliche Fragen liefert das
Onlineportal „FAQ Copyright“.
Fotos: iStock/itchySan, Wolfgang Prummer, L. Kerbler

Artikel 17 enthaltene Vorgabe der neuen Co- rechtsverletzungen zu unterbinden. „Auch basieren auf einem jahrzehntelang gereiften
pyright-Richtlinie, den sogenannten Upload- das rechtliche Instrumentarium, um Miss- Fundament, dessen Inhalte in der Allgemein-
filter. Gerade über soziale Netzwerke können brauch zu verhindern, gibt es bereits, unter heit – auch unter Urhebern – oftmals wenig
Werke digital verbreitet werden und zum Teil anderem in Form von Unterlassungs-, Besei- bekannt sind“, führt Lars Kerbler aus. „Um
tigungs- und Schadenersatzansprüchen. Ziel die Auswirkungen solcher Neuerungen für
»Das Urheberrecht ist eine der aktuellen Reform ist es daher, Verstöße im das eigene Tun einschätzen zu können, ist
Internet effektiver verfolgen zu können und Bewusstseinsbildung hinsichtlich der urhe-
sehr komplexe Materie und
die Kreativen für die von ihnen geschaffenen berrechtlichen Grundlagen unumgänglich“,
je nach Fall unterschiedlich Inhalte angemessen zu entlohnen“, erläutert so Kerbler weiter. Dabei ist das Onlineportal
anzuwenden. Gerade der Online- Manfred Büchele einen zentralen Aspekt der „FAQ Copyright“ behilflich, es soll ein bes-
Bereich stellt Nutzerinnen und Urheberrechtsreform. seres Verständnis des Urheberrechts ermög-
lichen. „Das Urheberrecht ist eine sehr kom-
Nutzer vor Herausforderungen.
Besseres Verständnis plexe Materie und je nach Fall unterschied-
Mit der Website ‚FAQ Copyright‘ lich anzuwenden. Gerade der Online-Bereich
versuchen wir, Licht ins Dunkel Die Urheberrechtsreform umfasst jedoch stellt Nutzerinnen und Nutzer vor Heraus-
zu bringen.« mehr Aspekte als den kontrovers diskutier- forderungen. Mit der Website ‚FAQ Copyright‘
ten Uploadfilter. „Ein spannendes Thema ist versuchen wir, Licht ins Dunkel zu bringen“,
Manfred Büchele beispielsweise auch das Leistungsschutz- sagt Manfred Büchele.
recht für Presseverleger, das in der öffent- lisa.marchl@uibk.ac.at ◼
lichen Diskussion etwas untergegangen ist“,
auch unzulässigerweise zugänglich gemacht erklärt Manfred Büchele eine weitere Neue-
werden. Zum Problem wird das, wenn kom- rung, die von den EU-Staaten in den nächsten Die Website
merziell tätige Plattformen daraus ein Ent- zwei Jahren in nationales Recht umgesetzt „FAQ Copyright“ er-
gelt beziehen. Schon jetzt setzen die großen werden muss. Insgesamt dient die Reform ei- reichen Sie unter fol-
Plattformen wie die bereits genannten You- ner Angleichung des Urheberrechts auf EU- gendem Link: https://
tube und Facebook Algorithmen ein, die Mu- Ebene. „Spezifische Regelungen wie jene der faq-copyright.uibk.ac.at
sik oder Bildfolgen abgleichen, um Urheber- rege diskutierten EU-Urheberrechtsreform
12

Fest der
Wissenschaft:
Feiern Sie mit!
Die Universität Innsbruck feiert in diesem Jahr ihr 350-Jahr-Jubiläum.
Mitte Juni lädt sie aus diesem Anlass die Tiroler Bevölkerung zu einem
großen Fest der Wissenschaft in die Innsbrucker Innenstadt.

I
nsgesamt 350 Jahre Universität Innsbruck Wissenschaft zum Anfassen Gebäuden Forschungsprojekte präsentiert,
bedeuten 350 Jahre voll spannender For- Workshops und Vorträge angeboten und die
schung und Lehre, 350 Jahre voll kluger Der Samstag steht dann ganz im Zeichen Menschen zum Mitmachen eingeladen. Fuß-
Köpfe, die Visionen aufzeigen, Ideen formulie- der Wissenschaft zum Anfassen. Entlang ball spielende Roboter, ein Foucaultʼsches
ren und Entwicklungen voranbringen: Damit der Universitätsstraße im Zentrum der Stadt Pendel in der Jesuitenkirche und eine explo-
besteht seit 1669 nicht nur eine Wechselwir- werden auf zwei großen Festbühnen, an zahl- sive Chemie-Show sind nur einige der Pro-
kung zwischen Tirol und seiner Landesuni- reichen Stationen und in den angrenzenden grammpunkte, die die Besucher erwarten.
versität, sondern weit über die Landesgren-
zen hinaus entfaltet sich diese Wirkung. Ein Klangerlebnis
Programm beim Fest
Höhepunkt im heurigen Jubiläumsjahr ist das
Fest der Wissenschaft von 14. bis 16. Juni Ein Klangerlebnis der besonderen Art wird
Entlang der Universitätsstraße warten der Wissenschaft den Besucherinnen und Besuchern vor dem
zahlreiche Attraktionen, die Einblick in die Haus der Musik geboten. Bereits seit Anfang
Welt der Forschung geben und zum Mitma- Freitag, 14. Juni 2019 Juni erklingt aus einem in den alten Bäumen
chen einladen. Das Wissenschaftsfest soll ein 19.30 Uhr vor dem Haus der Musik versteckten Sound-
Ort des Lernens und Erlebens sein und Men- SCIENCE SLAM – system ein ausgewähltes Repertoire von
schen generationsübergreifend für Forschung DIE ÖSTERREICHENTSCHEIDUNG kurzen Klangimpulsen. Diese sollen als mu-
und Wissenschaft begeistern. Im persön- Die Gewinner der Bundesländeraus- sikalische Visitenkarten mit Wiedererken-
lichen Austausch mit Wissenschaftlerinnen scheidung treten gegeneinander an: nungswert die Vielfalt der im Haus der Mu-
und Wissenschaftlern können die Besuche- aktuelle Forschung in je sechs Minu- sik beheimateten Institutionen präsentieren.
rinnen und Besucher ihr Wissen erweitern ten kurz, knackig & kreativ auf der Den Höhepunkt dieses von Ferdinand Holz-
und alle Fragen stellen, die sie immer schon Bühne. mann geleiteten Projekts bildet ein fulmi-
einmal stellen wollten. nantes Happening während des Fests der
Samstag, 15. Juni 2019 Wissenschaft. Live aus dem Konzertsaal dar-
Vielseitiges Programm 10 bis 19 Uhr geboten, entstehen durch elektroakustische
WISSENSCHAFT ZUM ANFASSEN Manipulation völlig neue Klangfarben, die
Und weil die Universität ein Teil Innsbrucks Experimente, Workshops, Vorträge von den Zuhörern mitgestaltet werden. Mit
ist, beteiligen sich beim Wissenschaftsfest und vieles mehr. leuchtenden Smartphones kann das Pub-
viele Nachbarn, die mit der Universität ver- Lasst euch überraschen! likum die musikalische Live-Performance
bunden sind: Unter anderem werden das durch ihre Bewegungen beeinflussen. Dar-
Volkskunstmuseum, die Hofburg, die Jesuiten Sonntag, 16. Juni 2019 gestellt als sich wandelnde Fragmente gra-
oder auch das neue Haus der Musik an die- 10 bis 14 Uhr phischer Notation setzen Musikerinnen und
sen Tagen ein vielseitiges Programm anbie- WISSENSCHAFTLICHE Musiker diese Lichtimpulse in Klang um.
ten. Den Auftakt zum Fest der Wissenschaft ENTDECKUNGSREISEN
macht das Österreichfinale des Science Slams, DURCH DIE STADT Sportliche Höchstleistungen
bei dem die besten Slammerinnen und Slam- Führungsprogramm und
mer Österreichs um den Einzug ins Europa- Jazz-Brunch auf der SOWI-Wiese. Zudem wird es auch einen Weltrekordver-
finale rittern werden. Auf der großen Bühne such geben: Neben einer klassischen Freerun-
werden sie in kurzer Zeit, mit einfachen Mit- Mehr Informationen: ning-Performance werden Weltmeister Stefan
teln und meist sehr unterhaltsam dem Pub- https://www.uibk.ac.at/350-jahre/ Dollinger, Lorenz Wetscher, Gewinner der BIG
likum die Inhalte ihre Forschungsprojekte BOUNCE TV-Show und Weltrekordhalter, so-
vermitteln. wie Freerunning-Legende Lukas Steiner ver-
13

Wissenschaft
zum Anfassen
gibt es von
14. bis 16. Juni
rund um die
Universitätsstraße.
Foto: Uni Innsbruck/Eva Fessler

suchen, mit einem Standhochsprung auf ein wie im Salto Schrauben eingeleitet werden Jazz-Brunch den letzten Tag des Festes. Jeder
Hindernis mit einer Höhe von mindestens 1,6 können. Ebenso werden auftretende Kräfte ist herzlich eingeladen, Picknickdecke, Es-
Metern oder einem Standweitsprung zwi- bei den spektakulären Sprungleistungen der sen und Getränke mitzubringen und es sich
schen zwei Hindernissen mit einem Abstand Sportler gemessen und auf der Leinwand vi- auf der SOWI-Wiese gemütlich zu machen.
von über 3,4 Metern die bisherige Höchstleis- sualisiert. Ein buntes Führungsprogramm rundet diesen
tung in diesem Bereich zu übertreffen. Beglei- Tag ab. Der Eintritt zum Fest der Wissenschaft
tet wird diese athletische Performance von Jazz-Brunch auf der SOWI-Wiese ist gratis und alle Interessierten sind herzlich
Sportwissenschaftlern und Physikern, die die eingeladen, mit der Universität Innsbruck ge-
Fragen klären, wie die Rotationen von Saltos Die Uni Big Band sowie die Jazz-Combo der meinsam im Herzen der Stadt zu feiern.
in der Luft beschleunigt und gebremst oder University of New Orleans gestalten mit einem susanne.e.roeck@uibk.ac.at ◼
14

„Edel-Punks“
im Berlin
der 20er
Die Literatur- und Medienwissenschaftlerin Maren
Lickhardt beschäftigt sich mit der ersten Welle der
Pop-Kultur: Die gab es im deutschsprachigen Raum
bereits in den 1920ern.

D
ie „Goldenen Zwanziger“: Jazz, Shim- Weltkrieg finden wir in Deutschland und Ös-
my-Tanz, kurze Röcke und Bubikopf terreich ein völlig neues Gesellschaftssystem
prägen das Bild dieses Jahrzehnts nach vor. Beide Länder wurden Republiken – die
dem Ersten Weltkrieg, wie es uns unter an- bisher ständisch organisierte Gesellschaft
derem in der Erfolgsserie „Babylon Berlin“ wurde abgeschafft“, umreißt sie die Aus-
begegnet. Diesem gefühlten Aufbruch in den gangslage. Dieser Zusammenbruch brachte
1920ern und konkret der Pop-Kultur widmet auch eine gewisse Orientierungslosigkeit mit
sich Ass.-Prof. Dr. Maren Lickhardt vom In- sich: „Die alten Gewissheiten, zum Beispiel
stitut für Germanistik: „Nach dem Ersten die, einem bestimmten Stand anzugehören,

gingen in der neuen, als gleich-gültig wahr-


genommenen Massengesellschaft verloren.
Wo gehöre ich hin, wie definiere ich mich, wie
grenze ich mich in dieser neuen Ordnung ab
– und wogegen? Diese Fragen waren plötzlich
relevant.“

Pop-Jahrzehnt
Natürlich gab es in den 1920ern keine
Punks – aber das, was Punk ausmacht, ent-
steht im deutschsprachigen Raum in den
1920ern, nämlich eine breite Pop-Kultur, er-
klärt Maren Lickhardt: „Pop-Kultur ist ein
globales, schichtenübergreifendes, frei ge-
wähltes, ästhetisch codiertes – also: mit
Kleidung, Auftreten, Musik, Literatur ver-
bundenes – und von modernen Massenmedi-
en getragenes Phänomen. Am Beispiel Punk:
Jeder kann Punk sein, unabhängig von seiner
Herkunft, und auch die politische Einstellung
ist nicht primär – und wie jede andere Pop-
Kultur besteht Punk aus einem Verbund aus
Musik, Frisur, Kleidung und weiteren Stil-
merkmalen.“ Die Pop-Kultur der 1920er de-
finiert sich ebenfalls über Stilelemente: Man
hört Jazz, trägt als Frau die Haare kurz, liest
Werbung für Puder der Marke
eine bestimmte Form der Literatur – und
„Hudnut“ in der „Dame“.
Foto: Zeitschrift „Die Dame“
Berlin ist das Zentrum dieses deutschspra-
chigen Pop. „Pop-Literatur verbinden wir
heute meistens mit den 1960ern, aber schon
15

In den Büchern wurden die Zeitschriften des


Verlags erwähnt, in den Zeitschriften Baums
Bücher beworben. Und sogar heute wieder aus
Online-Artikeln bekannte Listen mit Tipps
spielten in den 1920ern und frühen 1930ern
eine Rolle: Klaus und Erika Mann lieferten in
„Das Buch von der Riviera“ aus 1931 Listen,
welche Orte man als Eingeweihter besucht
haben musste und wo es die Kleidung eben-
falls namentlich erwähnter Designer zu kau-
fen gab. „Markennamen spielten generell ei-
ne große Rolle, weil auch die Verwendung be-
stimmter Marken die Zugehörigkeit zu dieser
In-Group signalisierte: So lesen sich Passagen
aus Irmgard Keuns ‚Das kunstseidene Mäd-
chen‘ wie ein Blättern durch eine Ausgabe
der ‚Dame‘. Sie erwähnt die Puder von Hud-
nut und Houbigant, die ihre Leserinnen aus
ganzseitigen Inseraten in der ‚Dame‘ kennen
mussten.“

Vertreibung und ermordung


Durch die Machtergreifung durch die Nati-
onalsozialisten findet der Pop in Deutschland
ein jähes und brutales Ende: Autorinnen und
Autoren des Pop und ihre Anhängerinnen und
Anhänger gehörten zur ästhetischen Avant-
garde – libertäre Geister, teilweise Juden. Ei-
nige, z. B. Walter Serner und Lili Grün, wurden
Glitzer und Glamour
in Konzentrationslagern ermordet oder aus
prägen das heutige Bild
dem Land vertrieben, ihre Bücher verbrannt.
der „goldenen“ 1920er.
Fotos: iStock/suteishi, Uni Innsbruck
„Das Phänomen ,Pop‘ setzt Freiheit und De-
mokratie voraus, weil man nur so seine ei-
genen Konturen setzen und Zugehörigkeiten
definieren kann. Man kann selbst entschei-
den, dazuzugehören, oder eben nicht“, sagt
dreißig Jahre davor sind in der Literatur Pop- – ihr erster Roman „Die Vielen und der Eine“ Maren Lickhardt. „Der Beitrag dieser Auto-
Elemente vorhanden – eben zum Beispiel der erschien 1930, in dem sie im Grunde ihren ei- rinnen und Autoren zur Kultur der 1920er ist
Bezug auf die Pop-Kultur. Die Romane er- genen Lifestyle literarisiert. gar nicht hoch genug einzuschätzen. An diese
wähnen zeitgenössische Medien explizit, und Ein weiteres Beispiel für eine Literatin der Kultur konnten Deutschland und Österreich
die Leserinnen und Leser der Romane kennen Pop-Kultur der 1920er ist Vicki Baum: „Baum erst ab den 1960ern wieder langsam anknüp-
die Autorinnen und Autoren auch aus diesen war ein Shooting-Star, ihre Bücher schafften fen. Ein gängiger Eindruck ist, dass die Pop-
Magazinen. Die Romane beschreiben Life- es sogar in die Bestsellerlisten in den USA und Literatur der 1960er aus dem Nichts – oder
style-Formen und Konsumpraktiken ihrer ihr Roman ‚Menschen im Hotel‘ wurde später zumindest aus Amerika – zu kommen schien.
Zielgruppe – der jungen urbanen Generation mit Greta Garbo verfilmt. Ihre Charaktere und Das ist falsch: Das gab es in den 1920ern in
der Zeit.“ Bücher passen perfekt in das Bild des Pops der Deutschland schon.“ Wer sich detaillierter
20er, sie selbst war nicht ganz so glamourös, für dieses Kapitel deutschsprachiger Kul-
Das erste It-Girl wurde aber in PR-Strategien des Verlages so turgeschichte interessiert: Maren Lickhardts
vermarktet, als sei sie das reale Pendant ih- Buch „Pop in den 20er Jahren“ ist im Univer-
Leitmedien der jungen Generation aus rer Figuren.“ Dieser Verlag, der Ullstein-Ver- sitätsverlag Winter, Heidelberg, erschienen.
der Zeit sind die Zeitschriften „Die Dame“ lag, nutzte seinen Einfluss auch crossmedial: stefan.hohenwarter@uibk.ac.at ◼
und der „Uhu“, in ihnen publizieren Schrift-
stellerinnen und Schriftsteller, die teilwei-
se zugleich als „Stars“ in den Klatsch- und
Gesellschaftsberichten vorkommen und die Zur Person
größtenteils in Berlin leben. „Ein gutes Bei-
spiel für eine Künstlerin, die die Medien zur Maren Lickhardt (*1978 in Boppard am Rhein) studierte Germanistik,
Selbstinszenierung nutzt, ist Ruth Lands- Philosophie und Publizistik an der Universität Mainz. 2009
hoff-Yorck. Sie ist in den 1920ern und frühen promovierte sie in Neuerer deutscher Literaturwissenschaft mit
1930ern das It-Girl schlechthin, gilt als mo- einer Arbeit über die Schriftstellerin Irmgard Keun. Nach Stationen in
disches Vorbild, inszeniert sich auch in Bil- Siegen, Greifswald und Hagen ist sie seit 2017 Assistenzprofessorin
dern als erotische Bohemienne. Das geht so- am Institut für Germanistik der Universität Innsbruck. Zu ihren
gar so weit, dass zumindest eine Homestory Forschungsinteressen gehören Pop-Kultur, Fernsehserien,
mit ihr in einer Illustrierten erscheint“, sagt Romantheorie und Romangeschichte und Kultur und Literatur der Weimarer
Maren Lickhardt. Zugleich war Landshoff- Republik. Kürzlich erschien ihre Monografie „Pop in den 20er Jahren“ im Heidelberger
Yorck erfolgreiche Feuilletonistin, unter an- Universitätsverlag Winter.
derem für „Die Dame“, und Schriftstellerin
16

Forschung
anschaulich gemacht
Das Jubiläumsprojekt INSIDE OUT holt Forschung aus der Universität heraus und
präsentiert sie in Form von 17 kleinen Ausstellungen in ganz Innsbruck. Konzeption,
Planung und Umsetzung lagen größtenteils in der Verantwortung von Studierenden.

E
in kleines Kind bleibt mit seiner Mut-
ter vor den silbern in der Sonne glän-
zenden Kugeln am Bozner Platz stehen,
dadurch aufmerksam geworden gesellen sich
auch noch andere Passanten dazu und gehen
neugierig um das imposante Kunstwerk „Star
Voices“ herum. Eine ältere Frau, die die In-
stallation „Contesting Counterterrorism“ am
Adolf-Pichler-Platz begutachtet, zeigt sich
zwar eher skeptisch, tritt aber trotzdem nä-
her, um erkennen zu können, was genau es
zu sehen gibt. Die zum Sofa umgebaute Te-
lefonzelle am SOWI-Campus in der Universi-
tätsstraße ist viel besetzt. Fast niemand lässt
sich nieder, ohne zuvor auch einen Blick auf
die Information zum „Sprachtelefon“ gewor-
fen zu haben. Wer auch nur für wenige Mi-
nuten das Geschehen rund um die 17 Micro-
Ausstellungen des Jubiläumsprojekts „INSIDE
OUT“ beobachtet, kann einen Eindruck davon
gewinnen, was – ganz im Sinne der Ausstel-
lungsmacherinnen und -macher – geschieht,
wenn sich Wissenschaft und Kunst im öffent-
lichen Raum begegnen: Forschungsthemen,
die üblicherweise nur Fachleute innerhalb der
Universität beschäftigen, finden im Alltag der
Innsbrucker Bevölkerung einen Platz, wer-

Die 17 Micro-Ausstellungen des


Jubiläumsprojekts „INSIDE OUT“
(wörtlich übersetzt: „von innen nach
außen“) befinden sich an leicht zu-
gänglichen Standorten der Universi-
tät, aber auch an öffentlichen Plätzen
in Innsbruck und im Foyer des Tiroler
Volkskunstmuseums und sind bis 25.
Oktober 2019 zu sehen. An manchen
Standorten laden von Studierenden
unter der Leitung von Christian Höl-
ler für das Projekt entworfene Sitz-
Würfel zum Ausruhen ein und ge-
ben dank ihres aufgedruckten Plans
einen Überblick über die Standorte.
Mehr Information gibt es außerdem
im Web: www.bit.ly/350-inside-out
1
17

2 3

den sichtbar und laden durch ihre spannende


visuelle und inhaltliche Aufbereitung zu ei- 1 Star Voices: Die Installation am Bozner Platz veranschaulicht die Forschungen von
ner genaueren, manchmal auch spielerischen Konstanze Zwintz, die sich am Institut für Astro- und Teilchenphysik der Untersuchung
Auseinandersetzung ein. „Es ging darum, For- von Sternschwingungen widmet. Diese Schwingungen lassen Rückschlüsse auf
schung sichtbar zu machen und verständlich, verschiedene Eigenschaften, wie beispielsweise das Alter von Sternen, zu und können
auch sinnlich, darzustellen“, sagt Lisa Nogg- hörbar gemacht werden. Umsetzung: Anna Bente, Sebastian Marx
ler, die als externe Lehrende und erfahrene 2 Quanten beobachten: Die Micro-Austellung im Bruno-Sander-Haus am Campus
Ausstellungsmacherin das Projekt koordiniert Innrain thematisiert die Quantenforschung von Michael Gröbner und Hanns-Christoph
und die Studierenden über mehrere Semester Nägerl am Institut für Experimentalphysik. Zu sehen ist eine echte Versuchsanordnung,
begleitet hat. die physikalische Vorgänge visualisiert, für die Menschen kein Sensorium besitzen.
Der Grundstein zum im März eröffneten Umsetzung: Hanna Viivi Emilia Moilanen, Julia Akkermannn
Ausstellungsprojekt „INSIDE OUT“ wurde in 3 Recht verstehen: Die Installation vor dem Landesgericht beschäftigt sich mit Rechts-
einer Lehrveranstaltung an der Fakultät für beschlüssen und ihrer „einfachen“ Übersetzung. Sie basiert auf einem Forschungsprojekt
Architektur gelegt. Das Lehrenden-Team Ce- am Institut für Sprachen und Literaturen, wo sich Linda Prossliner, Wigbert Zimmermann
lia Di Pauli, Eric Sidoroff und Lisa Noggler und Manfred Kienpointner mit Rechtstexten aus Sicht der Sprachwissenschaft
fragte seine Studierenden, wie sich Räume der beschäftigen. Umsetzung: Sabrina Martina Pilsinger, David Kranebitter
Wissenschaft definieren. „Zu Beginn war es 4 Haus am Haven: Die Installation im Kreuzgang des Volkskunst-Museums
eine Ideenfindung, wie man Räume der Wis- dokumentiert, in Anlehnung an Marcel Amosers Dissertationsprojekt am Institut für
senschaft einem breiten Publikum zugänglich Zeitgeschichte, die Geschichte des „Hauses am Haven“, das von 1989 bis 1993 der
machen kann“, erzählt Lisa Noggler. Aus den linksalternativen und Punk-Szene in Innsbruck eine Heimat bot und bis zu seinem Abriss
vielen kreativen Vorschlägen der Studierenden das wichtigste subkulturelle Zentrum Westösterreichs war. Umsetzung: Tobias Leo, Sophie
wählte das Rektorat für das 350-Jahr-Jubiläum Gumpold, Balbina Zikesch Fotos: Eva Fessler
die Idee aus, Forschungsprojekte in Form von
Klein- und Kleinstausstellungen zu zeigen.
Was am Institut für Gestaltung begonnen hat,
wurde zu einem fächerübergreifenden Vor-
haben in Zusammenarbeit mit dem Institut
für Geschichtswissenschaften und Europä-
ische Ethnologie. „Wir haben 17 interdiszipli-
näre Studierenden-Teams geformt, die, in Ab-
stimmung mit den jeweiligen Forscherinnen
und Forschern, die einzelnen Ausstellungen
selbstständig erdacht, geplant und umgesetzt
haben“, berichtet Noggler, die sich über das
Ergebnis der interdisziplinären Zusammenar-
beit ebenso wie über das anhaltende Engage-
ment der Studierenden begeistert zeigt: „Eine
Ausstellung vorzubereiten, ist mit dem Zeit-
plan eines Studiums kaum kompatibel, denn
ihre Umsetzung dauert länger als ein Seme-
ster. Umso mehr freut es mich, dass so viele
Studierende weit über die Lehrveranstaltung
hinaus dabeigeblieben sind.“ Die Besuche-
rinnen und Besucher erwarten interaktive
Angebote ebenso wie Ausstellungen mit viel
Input, Kunstinstallationen, aber auch echte
4
Versuchsanordnungen und vieles mehr.
eva.fessler@uibk.ac.at ◼
18

Die Qualitätskontrolle im
Krankenhaus wird in einem
Projekt der Uni Innsbruck genau
unter die Lupe genommen.
Fotos: Bernhard Mayr, Universität Innsbruck

Diagnose für
Krankenhäuser
Wie wird in österreichischen Krankenhäusern Sie leiten gemeinsam mit ihrem Team seit
Qualität gemessen? Und wie kann das Heilen von Herbst 2018 ein vom österreichischen Wis-
senschaftsfonds (FWF) gefördertes Projekt
Erkrankungen überhaupt vermessen werden? mit dem Titel „Qualitätsmessung im Gesund-
heitswesen: Diskurse und Praktiken“.
Wissenschaftler vom Institut für Organisation
Nutzung vorhandener Daten
und Lernen untersuchen die Entwicklung und
Die A-IQIs stehen dabei im Mittelpunkt
Anwendung der Qualitätsmessung für stationäre des Interesses des vierköpfigen Projektteams
(siehe Box). „Bei den A-IQIs handelt es sich
Krankenhausaufenthalte in Österreich. um Indikatoren zur Bewertung der Quali-
tät von stationären Aufenthalten. Diese In-
dikatoren werden für alle Krankenhäuser in
Österreich gleichermaßen angewendet und

I
m Rahmen der Gesundheitsreform 2013 System dann für die österreichischen Ver- bundesweit in Form einer sogenannten Er-
wurde österreichweit ein neues System hältnisse adaptiert und die sogenannten gebnisqualitätsmessung einheitlich erfasst“,
zur Qualitätsmessung von Gesundheits- A-IQIs, die Austrian Inpatient Quality Indi- sagt Silvia Jordan. Die Qualitätsindikatoren
dienstleistungen in Krankenhäusern einge- cators, eingeführt“, erklären Prof. Silvia Jor- basieren dabei auf Daten, die ohnehin von
führt. Dieses System orientiert sich vor allem dan und Prof. Albrecht Becker vom Bereich den Krankenhäusern erhoben werden müs-
an einem zuvor in Deutschland entwickelten Management Accounting am Institut für Or- sen, damit für die Qualitätsbewertung nicht
Verfahren. „Im Zuge der Reform wurde das ganisation und Lernen der Uni Innsbruck. noch zusätzlicher bürokratischer Aufwand
19

anfällt. Diese Routinedaten werden von den hauses in einem von Umweltfaktoren negativ werden – und welche Alternativen dazu viel-
Krankenhäusern im Zuge der Abrechnung beeinflussten Bereich liegt oder es besonders leicht auch ausgeblendet werden“, ergänzen
ihrer Behandlungsleistungen generiert. „In viele Hochrisikopatientinnen und -patienten Jordan und Becker. Das zweite Teilprojekt
den österreichischen Krankenhäusern – und versorgt. Für die Erforschung von Qualität ist umfasst einen detaillierten Blick in die inne-
das gilt für viele andere Systeme in anderen es aber auch ein sehr spannendes Feld, weil ren Abläufe der Krankenhäuser. Dazu hat das
Ländern auch – erfolgt die Abrechnung nach hier natürlich auch verschiedenste Professi- Team Krankenanstalten ausgewählt, in de-
einem stationären Aufenthalt nicht auf Ba- onen und Interessensgruppen mit teilweise nen sogenannte ethnographische Fallstudien
sis der tatsächlich erbrachten Leistungen. unterschiedlichen Vorstellungen von Qualität durchgeführt werden. „Mit diesen Fallstudien
Es gibt für jede Diagnose- und Leistungs- involviert sind“, sind sich die Wissenschaft- untersuchen wir die tatsächliche Anwendung
gruppe, also im Grunde für bestimmte Er- lerin und die Wissenschaftler einig. Ein Sys- der Qualitätsindikatoren im Krankenhausall-
krankungen und Behandlungsformen, einen tem wie die A-IQIs bildet „Qualität“ nicht tag. Hier ist es uns wichtig, die Perspektiven
Standardwert, dem eine gewisse Punktean- einfach neutral ab, sondern jede Art der Qua- der Akteurinnen und Akteure zu erfassen und
zahl zugewiesen ist. Nach erfolgter Behand- litätsmessung basiert auf einer bestimmten zu identifizieren, welche Möglichkeiten oder
lung werden dem Krankenhaus dann die ent- Sichtweise von Qualität und spiegelt spezi- auch Schwierigkeiten sich aus dieser Form
sprechenden Punkte gutgeschrieben und in fische Interessen wider. der Qualitätsbewertung ergeben.“ Die Ergeb-
einen Geldwert umgerechnet. Dieser Vorgang nisse des Projektes sollen nicht zuletzt den
wird als LKF, als leistungsorientierte Kran- Zwei Teilprojekte Entscheidungsträgerinnen und -trägern im
kenanstaltenfinanzierung, bezeichnet und Ministerium und den Krankenhäusern zu-
ist bereits seit 1997 in dieser Form in Öster- Das Team nähert sich in seinem For- gutekommen. „Wir denken da beispielsweise
reich im Einsatz“, verdeutlicht Albrecht Be- schungsprojekt der Thematik von verschie- an Transferworkshops, wo wir von unseren
cker. Die Herausforderung aus Sicht der denen Seiten und hat zwei Teilprojekte de- Ergebnissen berichten und gleichzeitig mög-
Krankenhäuser ist offensichtlich: „Es han- finiert, in denen derzeit die Datenerhebung lichst viele verschiedene Interessensgruppen
delt sich um eine Pauschale. Im Wesentlichen stattfindet. „Wir schauen uns im ersten Teil- an einen Tisch bringen“, so Becker.
unabhängig davon, wie der Eingriff verlaufen projekt – auch aus einer historischen Per- Näheres zum Projekt können Interessier-
ist, ob Komplikationen aufgetreten sind oder spektive – genau an, wie sich die A-IQIs, die te beim „Fest der Wissenschaft“ von 14. bis
wie lange der stationäre Aufenthalt gedau- Qualitätsindikatoren, für Österreich entwi- 16. Juni erfahren (siehe Seiten 12 und 13). Das
ert hat: Der an das Krankenhaus ausbezahlte ckelt haben und auf Basis welcher Kriterien Projektteam ist vor Ort und freut sich auf den
Geldbetrag bleibt der gleiche. Das ist bereits sie speziell für Österreich entstanden sind. Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern über
eine Form der Qualitätskontrolle, da dadurch Dabei interessiert uns auch die Frage, wel- ihre Ideen zur Qualität im Gesundheitswe-
natürlich Anreize zu möglichst effizientem che Perspektiven auf die Leistungen eines sen.
Handeln geschaffen werden sollen.“ Krankenhauses dabei tatsächlich ermöglicht melanie.bartos@uibk.ac.at ◼

Komplexes System
Im Zuge der Abrechnung erheben Kran-
kenhäuser somit eine Reihe von Daten, die
auch für andere Bereiche von großem Inte-
resse sind. Aus ihnen ergeben sich in glei-
cher Weise auch die Qualitätsauswertungen
in Form der genannten A-IQIs: Dazu zäh-
len insbesondere Parameter wie Sterbehäu-
figkeiten, Aufenthalte in Intensivstationen,
Komplikationen bei Eingriffen oder im Hei-
lungsprozess, Operationstechniken oder Ver-
sorgungs- bzw. Prozessindikatoren. „Da-
durch soll die Qualität stationärer Leistungen
in Österreichs Krankenhäusern transparent,
vergleichbar und steuerbar werden“, so Jor-
dan. Die Ergebnisse der Erhebungen werden
in Jahresberichten veröffentlicht und sind –
zumindest teilweise – einsehbar, die Daten
sind allerdings nicht einzelnen Krankenhäu-
sern zuordenbar. Das Dilemma: Die Bewer-
tung von Qualität in teilweise sehr großen,
logistisch herausfordernden Krankenhaus-
betrieben, die mit der Behandlung von wie-
derum sehr individuellen Erkrankungen und
Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten
betraut sind, ist äußerst schwierig. „Die Qua-
litätsmessung ist im Gesundheitswesen ei-
nerseits ein zentraler Steuerungsparameter, Das Forschungsprojekt „Qualitätsmessung im Gesundheitswesen: Diskurse und Prak-
andererseits – besonders im Hinblick auf tiken“ wird vom Wissenschaftsfonds FWF gefördert und läuft noch bis September 2021.
die oft angestrebte Vergleichbarkeit – eine Das Projektteam wird von Univ.-Prof. Dr. Silvia Jordan und Univ.-Prof. Dr. Albrecht Be-
hochkomplexe Herausforderung. „Eine sta- cker geleitet, Patrick Neff, Msc und Michael Wörndle, Msc sind Projektmitarbeiter und
tistisch stärker ausgeprägte Sterberate heißt erstellen im Rahmen ihrer Verantwortlichkeit für Teilprojekte ihre Dissertationsarbeit.
zum Beispiel noch lange nicht, dass im Kran- Das Projekt ist in den Life&Health Science Cluster Tirol eingebunden. (Im Bild von links:
kenhaus etwas nicht gut läuft. Es kann auch Michael Wörndle, Albrecht Becker, Patrick Neff und Silvia Jordan)
heißen, dass das Einzugsgebiet des Kranken-
20

Graf-Chotek-Preis
verliehen
Der Hauptpreis des mit insgesamt 5.000 Euro dotierten Jungakademikerpreises der
Tiroler Sparkasse ging in diesem Jahr an Julia Katharina Kraus für ihre Diplomarbeit
am Institut für Banken und Finanzen.

A ls regional verankertes Geldinstitut mit


über 197 Jahren Geschichte sehen wir uns
in der Verantwortung, auch den Forschungs-
standort Tirol zu fördern. Mit dem Graf-Cho-
tek-Hochschulpreis sollen hoffnungsvolle
junge Talente unterstützt werden“, bringt
Hans Unterdorfer, Vorstandsvorsitzender der
Tiroler Sparkasse, die Motivation hinter dem
Preis auf den Punkt. Der Hauptpreis im Wert
von 2.000 Euro geht in diesem Jahr an Mag.
Julia Katharina Kraus von der Universität
Innsbruck, die sich in ihrer Diplomarbeit da-
mit beschäftigt, inwiefern aktiv verwalte-
te Fonds die Performance eines Aktienindex
nachbilden. Rektor Tilmann Märk bedankte
sich im Rahmen der Verleihung für den Bei-
Rektor Tilmann Märk, Sabine Schindler (Rektorin UMIT), Viktoria
trag zur Nachwuchsförderung und lobte die
Wegscheider (Innovation-Sonderpreisträgerin), Julia Katharina Kraus
bereits langjährige erfolgreiche Zusammen-
(Hauptpreisträgerin), Andreas Altmann (Rektor MCI Innsbruck),
arbeit mit der Tiroler Sparkasse. In diesem
Stefanie Essl (Tirol-Sonderpreisträgerin), Hans Unterdorfer (Vorstand
Zusammenhang verwies er auch auf die im
der Tiroler Sparkasse), Philipp Weinkogl (Europa-Sonderpreisträger).
Foto: Thomas Steinlechner
Jänner unterzeichnete Kooperation „350 Jah-
re Universität Innsbruck – 200 Jahre Spar-
kassen“.

Houskapreis geht Forschung in Bewegung


an Uni Innsbruck
I n Linz wurden Mitte Mai wirtschaftsnahe
Forschungsprojekte aus Österreich mit den
U nter diesem Titel zeigt eine Kunstaus-
stellung, organisiert von zwei For-
schungsplattformen an der SOWI, dass For-
hinaus und sind neugierig auf die Lebens-
welten von Menschen, Organisationen, Poli-
tik, Unternehmen und ihre Zukunftsthemen.
Houskapreisen ausgezeichnet. In der Katego- schung nicht im Elfenbeinturm stattfindet. Die Ausstellung an der SOWI ist noch bis De-
rie „Universitäre Forschung“ siegte Wolfgang Forscherinnen und Forscher knüpfen mit zember zu sehen.
Lechner vom Institut für Theoretische Physik ihrer Arbeit direkt an das tägliche Leben an, Weitere Informationen im Internet unter:
der Uni Innsbruck mit der Entwicklung eines bewegen sich aus dem universitären Raum www//bit.ly/forschunginbewegung
speziellen Quantencomputers. Die Auszeich-
nung ist mit einem Preisgeld von 150.000 Euro

Literarische Spurensuche
verbunden. Am Institut für Theoretische Phy-
sik wurden von einem Team um Peter Zoller
und Wolfgang Lechner spezialisierte Quan-
tencomputer entwickelt, „die Optimierungs-
aufgaben effizienter lösen können als jeder
bisherige Algorithmus“, informierte die Pri-
vatstiftung. Auf dieser Architektur basierend
I n der neuen Stadtbibliothek in Innsbruck
fand Anfang Mai die Auftaktveranstal-
tung des diesjährigen Writer-in-Residence-
Gast an der Universität Innsbruck.
Das im Jahr 2006 auf Initiative des In-
stituts für Romanistik der Universität
wurde unter Lechner eine Forschungsgruppe Programms der Philologisch-Kulturwissen- Innsbruck eingerichtete Programm soll
aufgebaut, die sich mit fundamentalen Eigen- schaftlichen Fakultät statt. In diesem Jahr zwischen Kultur und Wissenschaft, aber
schaften, Hardware-Realisierungen und An- war die französische Schriftstellerin, Über- auch zwischen Stadt und Universität vermit-
wendungen dieser Technologie beschäftigt. setzerin und Essayistin Cécile Wajsbrot zu teln.
21

Von Mechanismen zu Ehrung für


Systemen in der Biochemie Nikolaus Netzer

U nter diesem Titel hielt Kathrin The-


dieck, seit Februar 2019 Professorin für
pie zahlreicher Erkrankungen wie Krebs,
Stoffwechselstörungen und genetischer
A m 14. Mai hat die Universität Innsbruck
dem Sportmediziner und Sportwissen-
schaftler Nikolaus Netzer die Würde und den
Biochemie, am 13. Mai ihre Antrittsvorle- Syndrome wie der Tuberösen Sklerose. Titel eines Honorarprofessors verliehen. 2014
sung an der Universität Innsbruck. Dabei Wissenschaftliche KollegInnen und wurde Nikolaus Netzer zum Stiftungsprofes-
gab sie einen Einblick in ihr Forschungs- WegbegleiterInnen von Thedieck spannten sor für Sport, Schlaf, Hypoxie und Alternsfor-
gebiet, die komplexen Wechselwirkungen im Rahmen eines begleitenden Symposi- schung am Institut für Sportwissenschaften
zwischen Signal- und Stoffwechselnetz- ums den Rahmen von neurowissenschaft- ernannt. „Mit seinen ausgezeichneten prak-
werken. Deren Erforschung ermöglicht lichen Erkenntnissen bis hin zur Stoff- tischen und wissenschaftlichen Kenntnis-
nicht nur ein grundlegendes Verständ- wechselforschung rund um mTOR, ein für sen kann Netzer Theorie und Praxis verbin-
nis der zellulären Stoffwechselregulation, Überleben, Wachstum, Proliferation und den und bereichert seine Studierenden und
sondern eröffnet auch neue Herangehens- Motilität von Zellen wichtiges Enzym, das die Universität mit diesem Wissen nachhal-
weisen für die systemmedizinische Thera- bei allen Säugetieren vorkommt. tig. Vor allem seine Beiträge auf den Gebieten
Sport, Schlaf, Hypoxie und Alternsforschung
verdienen größte Anerkennung“, so Rektor
Märk und Laudator Roland Psenner im Rah-
men der Verleihung.

Campus Technik
im Rampenlicht
I m Rahmen des 350-Jahr-Jubiläums präsen-
tierten am 26. und 27. April die am Campus
Technik tätigen Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler an über 90 Stationen As-
pekte aus ihrer Forschung. Vom Biomüllhaus
für Soldatenfliegen, über eine blitzewerfende
Kathrin Thedieck mit Hubert Hupertz,
Teslaspule bis zur eiskalten Schwebebahn
Dekan der Fakultät für Chemie und
und einer schwarzen Flamme reichten die
Pharmazie, und Rektor Tilmann Märk.
präsentierten Projekte. Das Team vom Cam-
Foto: Ineke Jansma
pus Tirol Motorsport zeigte seinen neuen,
elektrisch angetriebenen Rennboliden und im
Campuskino gab es zwei faszinierende Filme
über die Welt der Pilze und das „Wunder von

Chinesische Auszeichnung
Mals“ zu sehen.

D ie Quantenphysiker Rainer Blatt und


Peter Zoller wurden mit dem Micius-
Preis ausgezeichnet. Die chinesische Mici-
zu einer Million Yuán (jeweils rund 150.000
US-Dollar) dotierten Auszeichnungen gin-
gen heuer an zwölf Physiker, die mit ihren
us Quantum Foundation vergab in diesem Arbeiten wichtige Grundlagen in der Quan-
Jahr zum ersten Mal Preise zur Förderung tenforschung geschaffen haben, mit denen
herausragender anwendungsoffener For- weltweit neue Anwendungsmöglichkeiten
schung in der Quantenphysik. Die mit bis eröffnet werden.

Neuberufene gefeiert
A m 9. April wurden die im Winterseme-
ster 2018/19 berufenen Professorinnen
und Professoren an der Universität Inns-
tierten Finanzierung vor einem Umbruch
steht.“ Die großen Herausforderungen sieht
Märk aktuell in der Steigerung der Zahl der
bruck begrüßt. „Sie kommen in einem be- prüfungsaktiven Studierenden, den not-
deutenden Moment an unsere Universität“, wendigen baulichen Erweiterungen und
Jung und Alt zeigten sich
sagte Rektor Tilmann Märk bei der Begrü- dem gesellschaftlichen Umbruch durch die
begeistert von den zahlreichen
ßung, „nicht nur, weil die Universität heuer Digitalisierung. „Sie tragen nun eine große
Präsentationen im Rahmen der
ihr 350-Jahr-Jubiläum feiert, sondern weil Verantwortung“, sagte der Rektor, „denn
Campus-Tage Technik.
die österreichische Hochschullandschaft Sie werden maßgeblich zur Entwicklung Foto: Uni Innsbruck
mit der Einführung der kapazitätsorien- unserer Universität beitragen.“
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GEschIchtEn aUs dEr GEschIchtE

Ein Inventar der


Universität 1830
Zu Beginn jedes Studienjahres fand die Übergabe der Rektorswürde statt und
dabei wurde ein – mal mehr, mal weniger – ausführliches Übergabeprotokoll mit
einem Inventar sämtlicher Gegenstände im Besitz der Universität erstellt. Diese
Protokolle bieten uns interessante Einblicke in Ausstattung der Universität und
zeugen von Hilfsmitteln, die längst aus dem Alltag verschwunden sind.

D
ie Professoren wählten jedes Jahr ei- übergingen. Dabei wurde genau protokol- Philosophischen Fakultät nicht mehr auf-
nen neuen Rektor. Die Wahl fand liert, welche Gegenstände dem neuen Rek- gefunden werden konnten und eine Unter-
meist am Ende des Studienjahrs statt, tor übergeben worden sind. An erster Stelle suchung gezeigt hatte, dass die Archivalien
so dass die Übergabe der Amtsgeschäfte zu stehen die Insignien der Universität, die der wohl schon in der bayerischen Zeit entwe-
Beginn des neuen Studienjahrs im Herbst Rektor verwaltete und die er bei feierlichen der entwendet oder verkauft worden waren,
erfolgen konnte. Die einzelnen Fakultäten Anlässen als Symbole seiner Amtswürde die nachfolgenden Rektoren den Verlust aber
stellten dabei reihum den Rektor, der in ge- trug. Daneben sind aber auch die Barmittel nicht bemerkt oder gemeldet hatten.
heimer Wahl gewählt wurde. der Kanzlei sowie die Obligationen verzeich- Der letzte Abschnitt, wovon ein Teil links
Im Jahr 1830 wurde Prof. Joachim Suppan net. Außerdem wurden die übergebenen Ak- zu sehen ist, gibt ein Verzeichnis der Mö-
zum Rektor der Universität gewählt. Hier vor ten genau verzeichnet. Darin unterscheidet bel und Gegenstände aus dem großen aka-
uns liegt ein Teil des Übergabeprotokolls, sich dieses Übergabeprotokoll von früheren, demischen Saal, dem Senatszimmer und
mit dem am 8. Oktober 1830 förmlich die die weniger detailliert die Akten und Ar- der Universitätskanzlei wieder. Die Aufsicht
Amtsgeschäfte von Prof. Joseph Albaneder chivalien der Universität verzeichnet hat- über diese Gegenstände hatte der Pedell. Als
aus dem medizinisch-chirurgischen Stu- ten. Der Grund lag wohl darin, dass wenige letzter Teil wurde dann noch ein Verzeichnis
dium an den neuen Rektor Joachim Suppan Jahre zuvor zahlreiche Archivbestände der der „dem Thorsteher an der kk. Universitaet
dahier zur Aufsicht anvertrauten und über-
gebenen Stücke“ angefertigt.
Diese Inventare bieten uns nicht nur
Auszug aus dem Inventar: wertvolle Einblicke in die (teils karge) Aus-
Verzeichnis 1830 der dem Pedell an der stattung der Universität, sie zeugen auch
kk. Universitaet dahier zur Aufsicht und von Dingen, die längst aus dem Gebrauch der
Obsorge übergebenen Stücke im großen Universität und dem Alltag verschwunden
academ. Saale sind, wie „Dintengeschirre [Tintengeschirre]
1. Portrait S. Majestät Kaiser Franz I. von mit Streubüchsen“, also Tintenfässer und
Österreich Federnhalter und Büchsen für Schreib-
2. Portrait S. Majestät Kaiserin Maria sand zum Trocknen von nasser Tinte, oder
Theresia ein „Ballotirkästchen“, ein Kasten, der für
3. Portrait S. Majestät Kais. Franz I. rö- Stimmzettel für die verschiedenen Wahlen
misch. Kaiser der universitären Gremien benutzt wurde.
4. Portrait S. Majestät Kaiser Joseph II. Christof Aichner ◼
5. Vierzehn Portraits verschied. Beschüt-
zer und Professoren der hiesigen Univer- Die Historikerin Margret Friedrich und der
sitaet Historiker Christof Aichner haben sich zum
6. Bildnis des h. Leopolds Jubiläumsjahr der Universität Innsbruck in die
7. Büste des Appelationsraths v. Jellenz Archive begeben und arbeiten 350 Jahre Uni-
8. Ein roth samtener Baldachin mit gol- versität in anekdotischen Beiträgen auf. Eine
denen Treppen, Rosen und zwei Quasten, ausführliche Universitätsgeschichte in Buch-
in 9 Stücken [...] form erscheint im Herbst, die kurzen „Ge-
Foto: Universitätsarchiv Innsbruck
schichten aus der Geschichte“ gibt es inzwi-
Martin Hofer Pedel schen wöchentlich neu hier unter dem Link:
www.bit.ly/uni-geschichten
vor Ort
6. Juni, 18 Uhr 12. Juni – 18. Juni 25. Juni, 19 Uhr
The Art of Resisterance. Ein Blick zurück W:ORTE. Das 5. Lyrik-Festival: MEHR Dramatisch! Eine Zwischenbilanz
auf Schwarz-Blau I SPRACHEN - MEHR ORTE - MEHR Abschiedsvorlesung von Univ.-Prof. Dr.
Vortrag von Allyson Fiddler (Lancaster, WORTE Józef Niewiadomski im Rahmen eines
UK) als Auftakt des Studientags der For- Eine Veranstaltung des Literaturhauses am Festaktes anlässlich seiner Emeritierung.
schungsgruppe Auto_Biographie – De_Re- Inn in Kooperation mit 8ung Kultur. Infos: Mit Grußworten u. a. von Rektor Tilmann
konstruktionen der Forschungsplattform www.literaturhaus-am-inn.at. Märk, Dekan Josef Quitterer, Bischof Her-
Geschlechterforschung der Uni Innsbruck mann Glettler und Bernhard Bürgler SJ,
mit dem Kompetenzzentrum für Regio- 14. Juni, 10 Uhr Provinzial der Jesuiten in Österreich.
nalgeschichte der Freien Uni Bozen und Goldenes Doktorjubiläum Katholisch-Theologische Fakultät, Kai-
dem Forschungsinstitut Brenner-Archiv. AbsolventInnen, die 1969 an der Universi- ser-Leopold-Saal, Karl-Rahner-Platz 3, 2.
Brenner-Archiv, Josef-Hirn-Straße 5, 10. tät Innsbruck promoviert haben, erneuern Stock
Stock ihr Promotionsversprechen. Congress Inn-
bruck, „Dogana“, Rennweg 3 28. Juni, 14 Uhr
6. Juni, 19 Uhr Botanica – Sommerfest im Botanischen
Krieg und Journalismus 18. Juni, 19 Uhr Garten
Podiumsdiskussion im Rahmen eines vom Utopien – Wie wir Zukunft entwerfen Der Botanische Garten der Uni Innsbruck
Institut für Germanistik organisierten Vortrag von Thomas Macho (ehemaliger öffnet seine Pforten für ein unterhaltsames
Symposium zum Gedenken an Gabriel Grü- Professor für Kulturgeschichte an der Hum- Sommerfest. Inmitten der Schönheit der
ner. Es diskutieren Cornelia Fuchs (Stern, boldt-Universität zu Berlin). Veranstalter: Gartenanlage erblüht ein buntes und le-
Hamburg), Dr. Daniela Ingruber (Austrian Arbeitskreis Wissenschaft und Verantwort- bendiges Programm. Botanischer Garten
Democracy Lab, Donau-Universität Krems/ lichkeit (WuV). WEI SRAUM Designforum Innsbruck, Sternwartestraße 15
Forschungszentrum Friedens- und Kon- Tirol, Andreas-Hofer-Straße 27
fliktforschung, Uni Innsbruck), Ulrich La- 6. Juni bis 30. August
durner (DIE ZEIT, Hamburg), Dr. Sibille 18. Juni, 19 Uhr Fortgehen und Heimatfinden – Innsbru-
Tschenett (Vorsitzende des Bildungsaus- Partons pour la France! Andiamo in Italia! cker Migrationgeschichten (Teil 2)
schusses der Gemeinde Mals), Moderation: ¡Vamos a España! Zweiter Teil der Ausstellungsreihe „Fortge-
Dr. Benedikt Sauer. Stadtbibliothek Inns- Studierende präsentieren ERASMUS+ an hen und Heimatfinden – Innsbrucker Mi-
bruck, Amraser Straße 2 der Romanistik. Raum 52U109SR, Innrain grationsgeschichten“: Wieviel Welt steckt
52e, Untergeschoss in Tirol? Und wieviel Tirol in der Welt? Hier
7. Juni, 19 Uhr zeigen Studierende der Europäischen Eth-
Der fehlende Teil des Seins 20. Juni, 18 Uhr nologie anhand von transnationalen Ob-
Zweisprachige Buchpräsentation (deutsch/ Singapur – Nationale Identitätsstiftung jekten, wie viel Welt in Tirol und wie viel
französisch) von innsbruck university in einer hybriden Gesellschaft im Wandel Tirol in der Welt steckt.
press mit Hélène Bailleul. Moderation: Pier Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Tabea Bork- Innsbruck, Domplatz
Paolo Pasqualoni. Musik (Elektro): Jochen Hüffer vom Institut für Geographie im Rah-
Hampl. Tanzperformance: Christina Blum, men des Philosophischen Cafés Innsbruck. Weitere Informationen im
Lucia Maria Glaser, Thekla Anne Kischko. Infos: www.philocafe.at. Die Bäckerei – Online-Veranstaltungskalender unter
liber wiederin, Erlerstraße 6 Kulturbackstube, Dreiheiligenstraße 21a www.uibk.ac.at/events