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Viele Geräte haben heutzutage geplante Schwachstellen.

So auch die Sonicare-Zahnbürsten von


Philips. Eine Reparaturanleitung der standard Unsere Videoanleitung zeigt Ihnen Schritt für Schritt,
wie man eine elektrische Zahnbürste der Modellreihe Sonicare repariert. Von rasch stumpf
werdenden Rasierklingen bis zu Druckern, die frühzeitig den Geist aufgeben: Wenige Produkte
werden heute so gebaut, dass sie lange halten. Ob geplant oder einfach schlecht designt: Die
sogenannte Obsoleszenz fördert die Anschaffung neuer Produkte und ist ein wahrer Motor für die
Wirtschaft. Für Konsumenten ist das ein teures Ärgernis und für die Umwelt eine echte Katastrophe.
Wir zeigen Ihnen anhand einer elektrischen Zahnbürste, wie so eine Designschwachstelle aussieht
und wie man ein vermeintlich kaputtes Gerät mit wenigen Handgriffen reparieren kann. (Vorab noch
ein Hinweis: Bei Eigenreparaturen erlischt die Garantie. Sofern sich Ihr Produkt noch im
Garantierahmen befindet, wenden Sie sich an den Kundendienst.) Schriftliche Anleitung: foto: regine
hendrich 1) Wir haben als Beispiel eine Sonicare-Ultraschallzahnbürste des Herstellers Philips
herangezogen. Diese Zahnbürste hat die Eigenheit, dass der Motor nach einiger Zeit an Leistung
verliert und so die Putzkraft vermindert wird. Ein Problem, das sich jedoch mit ein wenig Geschick
leicht beheben lässt. Was Sie dafür brauchen: Einen Schlitzschraubenzieher der Größe 2,5 und einen
Kreuzschraubenzieher der Größe 0. Und circa 15 Minuten Zeit. foto: regine hendrich 2) Zuerst muss
man die Zahnbürste öffnen. Dafür fährt man mit dem Schlitzschraubenzieher zwischen
Verschlusskappe und Gehäuserand, um diese vorsichtig herauszuhebeln. foto: regine hendrich 3) Jetzt
wird's etwas fummelig: Der gesamte Antrieb ist mit zwei schwer sichtbaren Verankerungen an den
Längsseiten fixiert. Drücken Sie die Spitze des Handstücks gegen die Tischplatte und tasten Sie sich
mit dem Schlitzschraubenzieher an einen Raster heran. Schieben Sie ihn aus der Verankerung. Ist der
erste Raster heraußen, lässt sich der andere lösen, und der Antrieb kommt aus dem Gehäuse. foto:
regine hendrich 4) Damit der Antrieb gut funktioniert, muss ein kleiner Spalt zwischen den Magneten
(hier rot) und dem Antriebsstück sein. Die Schwachstelle ist offensichtlich: Die Magnete werden oben
und unten durch je eine Schraube in einem Langloch fixiert. Durch die Vibration lockern sich die
Schrauben mit der Zeit, und die Magnete rutschen zum Antrieb. foto: regine hendrich 5) Zur
Reparatur lockern Sie die Schrauben mit einem Kreuzschraubenzieher und schieben die Magnete und
den Antrieb mit dem Schlitzschraubenzieher auseinander. Stecken Sie eine Kreditkarte als Platzhalter
dazwischen. foto: regine hendrich 6) Ziehen Sie die Schrauben wieder fest und die Karte heraus.
Haben Sie alles richtig gemacht, sollte nun wieder ein Spalt zwischen Magneten und Antrieb sein.
foto: regine hendrich 7) Stecken Sie den gesamten Antrieb wieder ins Gehäuse, bis die
Verankerungen einrasten. Zum Abschluss die Abdeckkappe einsetzen und die Zahnbürste
ausprobieren. Reparieren statt wegschmeißen Sie sehen, oft ist nicht mehr als ein wenig
Fingerspitzengefühl nötig, um ein vermeintlich kaputtes Produkt wieder auf Vordermann zu bringen.
Also schmeißen Sie auch Ihre alte elektrische Zahnbürste nicht gleich weg, wenn sie einmal nicht so
funktioniert, wie sie sollte. Viel Erfolg beim Reparieren! (Zsolt Wilhelm, 1.6.2019) –

Nico Semsrott will mit seinem EU-Mandat Aufmerksamkeit für den Klimawandel erregen und für ein
Europa eintreten, das Menschenrechte respektiert Der Kabarettist und Satiriker Nico Semsrott (33)
hat dank der Vervierfachung der Stimmen und Verdoppelung der Mandate der deutschen Partei Die
Partei (ein Apronym für Die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und
basisdemokratische Initiative) einen Sitz im EU-Parlament für die kommende Legislaturperiode. Wie
Parteikollege Martin Sonneborn versucht auch er ernste Themen mit einer ordentlichen Portion
Humor und Satire jenen Menschen zu vermitteln, die sich sonst eventuell von der Politik abwenden
würden. Die Partei erreichte bei den EU-Wahlen 2019 2,4 Prozent der Stimmen und zwei Mandate.
Der selbsternannte Demotivationstrainer geht motiviert in seine erste Amtszeit als Politiker und will
sich vor allem dem Klimawandel und dem Kampf gegen rechte, rechtspopulistische und
rechtsextreme Politik widmen, sich aber auch für ein progressives Europa einsetzen, das die
Menschenrechte hochhält. Im STANDARD-Interview erzählt er, warum Jugendliche mehr
psychologische Betreuung brauchen, die Politik bei Transport- und Überwachungsfragen schärfer
reglementieren muss und warum er vielleicht schon bald regelmäßig Milkshakes in die Brüsseler und
Straßburger EU-Institutionen mitnehmen wird. STANDARD: Die Partei macht ernsthafte Politik mit
satirischen Mitteln und ist damit immer erfolgreicher. In der Ukraine schaffte es ein Komiker unlängst
ins Präsidentenamt. Werden Parteien ähnlichen Zuschnitts bald in ganz Europa zur Normalität
gehören? Semsrott: Ich möchte mich zunächst einmal ganz klar von diesem ukrainischen Komiker
distanzieren. Der ist ja nicht unabhängig, sondern auf einem Ticket eines Oligarchen unterwegs, das
unterscheidet uns dann doch sehr. Ansonsten befürchte ich, dass das eine Möglichkeit ist, ja. Und ich
wünsche mir das überhaupt nicht. Dass Komiker die Rolle von Politikern übernehmen, ist auf jeden
Fall ein Krisenzeichen. Dass ich hier interviewt werde, ist auch ein Alarmsignal. Im Prinzip ist es eine
Notmaßnahme. Ich sehe mein Engagement an der Stelle als notwendig an, damit weniger Leute nicht
nichtwählen. Sie sollen lieber uns wählen, als gar nicht mehr mitzumachen. Ob es einen Satz gibt, den
er in einer österreichischen Tageszeitung einmal gesagt haben will? "Ich grüße alle Demokratinnen
und Demokraten in Österreich. Haltet durch." STANDARD: Auch Ihr Parteichef Martin Sonneborn sagt
immer, es gehe darum, mit eurer Medienpräsenz Aufmerksamkeit für die wirklich wichtigen Themen
zu schaffen. Welche sind das? Semsrott: Völlig klar ist ja, dass die Klimaerwärmung das Thema
Nummer eins ist. Haben wir Lust zu überleben oder nicht? Haben wir Lust, den nachfolgenden
Generationen einen Planeten zu hinterlassen, auf dem es nicht dauernd Kriege um knapper
werdende Ressourcen gibt? Das ist unschlagbar Thema Nummer eins. Thema Nummer zwei hängt
damit zusammen. Die ganzen Klimawandelleugner von rechts, die letzten Endes auch die Demokratie
und den Rechtsstaat abbauen wollen, um dann den Unternehmen noch mehr Macht zu geben. Global
gibt es momentan ja drei Machtzentren: China, die USA und Europa. Es geht dabei eigentlich darum,
sich für die europäische Demokratie zu engagieren und liberale Werte zu verteidigen. Und wenn wir
schon bei Werten sind: Es geht darum, Menschenrechte zu verteidigen, nicht systematisch
unterlassene Hilfeleistung an den Grenzen und im Mittelmeer zu betreiben und Helfende zu
bestrafen. STANDARD: Sehen Sie das als das größte Versagen Europas der vergangenen Jahre – das
Sterben im Mittelmeer? Semsrott: Es ist auf jeden Fall das eindrücklichste Bild. Ich finde es schwer,
bei all diesen Krassheiten und Diskrepanzen zwischen Selbsterzählung und Handeln genau das Thema
zu finden, was am wichtigsten ist. Symbolisch steht es jedenfalls für sehr viele Fehlentwicklungen. Ich
möchte ein progressives Europa. Ist Strache eigentlich drin? nico semsrott Die Partei stellte ihre
Sendezeit im deutschen Fernsehen für Wahlwerbespots den Seenotrettern von Sea-Watch zur
Verfügung. STANDARD: Heinz-Christian Strache hat die notwendigen Vorzugsstimmen für ein EU-
Mandat erhalten. Derzeit wird parteiintern diskutiert, ob er es annehmen soll. Berlusconi und Strache
könnten also schon bald Ihre Amtskollegen sein. Semsrott: Mhm, also wenn ich satirisch antworten
müsste, wüsste ich jedenfalls, auf wessen Partys ich gehen würde. Aber na ja, deren Politik ist
natürlich eine absolute Katastrophe. In Großbritannien gab es im EU-Wahlkampf ja diese Milkshake-
Kampagne gegen Nigel Farage. Ich könnte mir vorstellen, dass ich dann auch die ganze Zeit einen
Milkshake bei mir haben werde. Grundsätzlich geht es aber darum, die Rechten mit dem zu
bekämpfen, vor dem sie am meisten Angst haben: Humor und Fakten. foto: ap / tom wilkinson Brexit-
Party-Frontmann und Chef-EU-Skeptiker Nigel Farage wurde im Wahlkampf immer wieder Opfer von
Milkshake-Angriffen. STANDARD: Ihr habt mit Die Partei mehr als doppelt so viele Instagram-Follower
wie die nächstgrößere Partei und gebt dabei keinen Cent für Onlinewerbung aus. Hilft euch euer
Schmäh dabei, die Algorithmen der großen US-Konzerne auszuhebeln, wofür andere Parteien große
Summen an Geld reinpumpen müssen? Semsrott: Bestimmt. Was wir posten, guckt man sich nicht
nur freiwillig an, sondern schickt es auch noch Freunden weiter. Das ist eine völlig andere
Herangehensweise an Politik, aber nur weil es lustig ist, heißt es nicht, dass es weniger ernst ist. Im
Gegenteil: Man kennt das doch auch von Sendungen wie "Willkommen Österreich" oder von Josef
Hader, da werden ja ernste Themen besprochen, nur attraktiv verpackt – auf Lacher ausgerichtet,
aber mit Botschaften verknüpft. STANDARD: Nervt es Sie, dass Parteien wie die Ihre bei
Wahlergebnissen nur unter "sonstige" aufscheinen? Semsrott: Tun wir ja mittlerweile gar nicht mehr.
Das hat eine Woche vor der Wahl aufgehört. Wir haben jetzt unseren eigenen Balken bekommen und
können der Zukunft ganz gelassen entgegenblicken. STANDARD: Wenn also Deutschland im Jahr 2024
als einer der letzten Staaten eine Prozenthürde einführt, schafft Ihr das? Semsrott: Davon ist aktuell
auszugehen. Vielleicht wehrt sich die SPD aus Selbstschutz aber eh auch noch gegen diese Hürde.
foto: pa/dpa/wolfgang kumm Über Ergebnisse etwaiger Fraktionsgespräche halten sich Semsrott und
Sonneborn im besten Politikersprech bedeckt. STANDARD: Gibt es schon Ergebnisse der Gespräche
über eine etwaige Fraktionsmitgliedschaft? Semsrott: Da benutze ich jetzt ganz bewusst
Politikerfloskeln und sage Ihnen, wir sind mit allen im Gespräch, die Gespräche laufen ergebnisoffen
und in guter Atmosphäre, und bevor die Tinte nicht trocken ist, sage ich nichts mehr. STANDARD: Wie
sehen Sie dem Leistungsdruck im EU-Parlament entgegen? Wird es hart werden oder Spaß machen?
Semsrott: Von allem, was ich mitbekommen habe, leisten die meisten Politikerinnen und Politiker da
extrem viel. Schon jetzt finde ich das Vorurteil schrecklich, zu sagen, die seien alle faul. Von den
kleinen Einblicken, die ich bisher hatte, ist der Leistungsdruck, glaube ich, enorm. Für uns als Die
Partei ist das aber nochmal anders: Wir sind freier, aber wir haben uns ein großes Publikum
aufgebaut, das uns kontrolliert und das sich etwas von uns erwartet. Allein für das Foto mit Kapuze
auf dem Parlamentsausweis hätte sich ihre Stimme schon rentiert, schreiben Semsrott einige Wähler.
Viele mehr fordern allerdings, dass er aus dem Mandat etwas machen solle. Er wird das Mandat
keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen, so Semsrott. STANDARD: Haben Sie politische Vorbilder?
Semsrott: Greta Thunberg, Alexandria Ocasio-Cortez und Pippi Langstrumpf, die hat auch ihr Ding
durchgezogen. STANDARD: 60 Prozent der deutschen Erstwählerinnen und Erstwähler haben links
gewählt. Wie löst man diesen politischen Generationenkonflikt? Semsrott: Ich glaube, das lässt sich
nicht lösen, weil es bei den älteren Parteien keine Bewegung gibt. Die werden das Prinzip bis zum
Ende nicht verstehen. Und es ist nur mehr eine Frage der Zeit, bis die Jungen dann übernehmen.
Leider sind es noch drei Jahrzehnte bis dahin. STANDARD: Ab wann ist man reif, um
mitzuentscheiden? In Deutschland ist das Wahlalter ja bei 18 Jahren, und dennoch sind die Fridays-
for-Future-Kids die erste Generation, die einen wirklichen Wandel in der Klimapolitik anstoßen kann,
scheint es. Semsrott: Vielleicht wäre es aus taktischer Sicht sogar gut, das Wahlalter noch höher
anzusetzen, um die Leute wütend zu machen und zum Engagement zu bringen. Nein, das ist
tatsächlich eine philosophische Frage. Ich weiß nicht, warum man nur die Menschen unter 18 oder 16
ausschließt und nicht auch noch andere Gruppen. Demokratietheoretisch ist es, glaube ich, schwer zu
verstehen, warum ein Sechsjähriger nicht auch wählen sollte. Man findet das erst einmal absurd, aber
auch nur aus einer Tradition heraus. Eigentlich soll jeder abstimmen dürfen, weil man ja niemandem
das Wahlrecht entziehen kann. Auch verwirrten älteren Menschen kann man das Wahlrecht natürlich
nicht entziehen. Wenn Zurechnungsfähigkeit ein Kriterium fürs Wählen sein sollte, dann muss man ja
auf beiden Seiten des Altersspektrums Leute ausschließen, und das ist irgendwie nicht gerecht. Ich
habe darauf keine wirkliche Antwort. Ich frage nur zurück: Was ist am jetzigen System fair? zdf heute-
show Satirische Powerpoint-Präsentationen wie dieser Hasen-AfD-Vergleich machten Semsrott in
Deutschland einst bekannt. STANDARD: CDU-Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hatte
nach dem schwachen Europawahlergebnis Regeln für "Meinungsmache" im Internet in
Wahlkampfzeiten ins Gespräch gebracht. Das Rezo-Video wurde auch bei uns diskutiert – auch im
Hinblick darauf, ob die Politik noch die Sprache der Jugend spricht. Semsrott: Hat sie doch noch nie
getan, die spricht ja nicht einmal die Sprache der normalen Menschen. Ich war kürzlich in so einer
Talkshow mit einem CDU-Ministerpräsidenten, und der hat dort das Wort "Binnenpluralität" gesagt.
Und ich dachte mir so: Wow, damit holst du die Leute ab, das zündet richtig. Ich will jetzt auch bald
einmal ein Video zu Binnenpluralität machen, weil mich das so elektrisiert hat. Ich habe echt Angst,
dass ich in diesem Politikbetrieb auch immer mehr mit Floskeln und Redewendungen rede und
verlerne, einen graden Satz zu sagen. Primär braucht es Inhalte, aber es braucht auch mehr
Workshops für politische Kommunikation. Die Rechten und Rechtsradikalen haben das drauf in ganz
Europa. Die Progressiven schlafen da immer noch. Und wir als Die Partei versuchen dem ein wenig zu
entgegnen. STANDARD: Sie haben selbst Gewissensbisse, wenn sie mit dem Flieger verreisen. In
welchem Verhältnis sollen Eigenverantwortung und politische Vorgaben stehen? Semsrott: Ich bin
davon überzeugt, dass wir ein Affenhirn haben, das die globale Skala nicht versteht. Es ist zu abstrakt,
um ein eindeutiges Motiv zu haben, nicht zu fliegen oder vernünftige Dinge zu tun. Dafür braucht es
eine kluge Politik und einen klugen Staat, der Motivation und Bestrafung gleichzeitig anbietet. Es
muss Wege geben, CO2-ausstoßende Flugzeuge binnen weniger Jahre zu verbieten und bis dahin die
Kosten zu erhöhen und neue Antriebstechniken zu fördern. Das Interesse gibt es aber nicht, weil
Politik und Industrie so stark miteinander verwoben sind und Politiker zu sehr Angst vor dem
Arbeitsplätzeargument haben. Mutige Schritte sind deshalb in den nächsten Monaten wohl nicht zu
erwarten. STANDARD: Abrupter Themenwechsel: Sie sprechen sich immer wieder für die
Enttabuisierung psychischer Krankheiten wie Depressionen aus. Welche Tabus müssen wir als
Gesellschaft künftig noch brechen? Semsrott: Ich würde daran anschließen. Alles, was mit Schwäche
in der Erzählung zu tun hat. Selbstzweifel, Rollenbilder et cetera. Ich rege mich gerade furchtbar über
manche Kommentare zur Maischberger-Sendung auf, wonach ich aggressiver hätte sein müssen. Nö,
muss ich überhaupt nicht. Ich muss mich dieser Konkurrenzgebarung und diesem Machogehabe nicht
anschließen. Ich wünsche mir einen sanfteren und zärtlicheren Umgang miteinander. Auch wenn das
wie ein Widerspruch klingt: Ich versuche mit aller Wucht und Härte, mehr Zärtlichkeit
durchzudrücken. STANDARD: Welche technischen Errungenschaften bereiten Ihnen am meisten
Sorge? Semsrott: Die größte Sorge ist nicht die Technik an sich, sondern dass die Politik nicht ihre
Aufgabe erfüllt und den Markt einfach machen lässt. Der Staatenverbund der Europäischen Union hat
natürlich die Macht, den Unternehmen vorzuschreiben, wie die Technik einzusetzen ist – wenn es um
automatische Gesichtserkennung geht, um das Sammeln von Daten, Bewegungssensoren und
dergleichen. All das kann und soll die EU im Sinne einer Bürgerrechtsunion verbieten. Ich habe, wie
gesagt, Sorge, dass es die Politik nicht versteht und dass sie sich von Unternehmen kaufen lässt.
Wählerinnen und Wähler haben ja keine richtige Lobby. Es gibt zwischen 20.000 und 30.000
Lobbyisten in Brüssel und 751 Parlamentarier. Das ist ein wenig ungerecht, noch dazu, wenn die
Hälfte der Parlamentarier aufseiten der Unternehmen arbeitet. nico semsrott Scharfe Satire war auch
bei den Wahlkampfauftritten der Partei omnipräsent. STANDARD: Welche Fähigkeiten und
Kompetenzen soll ein junger Mensch heute erlernen? Semsrott: Denken, denken, denken – also
kreativ sein. Unbedingt neue Ideen entwickeln und diese annehmen können, weil die Entwicklungen
so schnell vorangehen, dass man immer weiter lernen muss. Grundfähigkeiten sind wichtiger als
Grundwissen. Und ich wünsche mir so sehr, dass es mehr psychologische Kompetenzen gibt. Mehr
Reflektionsvermögen, was tue ich hier, was machen die anderen in der Gruppe? Wie können wir
besser miteinander klarkommen? Am liebsten würde ich alle Menschen in ihrer Jugend schon einmal
in die Therapie schicken. Gar nicht, weil es ihnen schlecht geht oder so, sondern weil es gut ist zu
verstehen, welche Gefühle zu welchen Handlungen führen und was in einem selbst passiert. Wenn
das noch zusätzlich beigebracht würde, würde auch die Politik ganz anders aussehen. STANDARD:
Und vielleicht auch die politische Partizipation in Zukunft verändern? Semsrott: Absolut, ja. Meine
Religion ist die Psychologie. Ich glaube, dass jeder an etwas glaubt. Man kann nicht nicht glauben,
und meine Lehre ist die Psychologie, weil man etwas ausprobieren kann, beobachten kann und dann
herausfinden kann – und diesen wissenschaftlichen Ansatz schätze ich sehr, denn die Psychologie
kann uns am meisten über unser Verhalten erzählen. (Fabian Sommavilla, 2.6.2019) Nico Semsrott
(33) ist ein ehemaliger Poetryslammer, Kabarettist und Satiriker. Er wurde vor allem durch seine
politischen Powerpoint-Präsentationen in der ZDF "Heute-Show" bekannt und kandidierte 2019 auf
Listenplatz zwei der Partei Die Partei für ein Mandat im EU-Parlament, was er hinter Parteichef
Martin Sonneborn auch erreichte.