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M IT T WOCH , 3.

NO V EM B ER 2 0 1 0 BÖRSEN/ANZEIGEN 17
aufgeht, wird aber bezweifelt. Er-
Geld. Zur Stützung der
Bernankes
wartet wird, dass das billige Geld
stattdessen an die Aktienmärkte
Konjunktur kauft die fließt und die Werte dort künst-
lich aufbläht. Manche Ökonomen
US-Notenbank massiv plädieren daher für fiskalische

Anleihen an. Entsteht


so die nächste Blase?
gefährliches Maßnahmen, mit denen man In-
vestitionen und Konsum direkt
steuern könnte. Aber die sind po-
litisch derzeit nicht durchzubrin-

Experiment
gen. Zudem läuft die Geldpolitik
auf eine weitere Schwächung des
RICHARD WIENS Dollar hinaus, womit die USA ihre
Exporte ankurbeln. Sie tun damit
WIEN (SN). Wenn die zweitägige – wie Kommentatoren anmerken –
Sitzung des Offenmarktausschus- eigentlich nichts anderes als das,
ses der US-Notenbank am heuti- was man China vorwirft.
gen Mittwochabend zu Ende geht, Sollte die Entscheidung dazu
wird Gewissheit sein, was an den Fed-Präsident sucht Ausweg. Bild: SN/AP führen, dass die US-Wirtschaft –
Finanzmärkten zuvor bereits als vom billigen Geld getrieben – tat-
ausgemachte Sache galt. Die Zent- sächlich schneller wächst, dann
ralbank wird die Notenpresse an- Fahrt aufnehmen. Doch daraus Ausmaß von einer Billion Dollar Chef der regionalen Fed-Filiale in kommt die Unterstützung für Prä-
werfen, indem sie eine zweite wurde nichts, das Wachstum ver- ein zusätzliches Wirtschafts- Kansas, Thomas Hoenig, sieht da- sident Barack Obama zu spät. Die
Runde der Quantitativen Locke- harrte im zweiten und dritten wachstum von einem halben Pro- rin einen „Pakt mit dem Teufel“. Zwischenwahlen für den Kongress
rung einläutet. Dahinter verbirgt Quartal unter zwei Prozent, ein zentpunkt bringen. Die Schätzun- Fed-Präsident Ben Bernanke – bei denen den Demokraten eine
sich eine geldpolitische Aktion, für die USA niedriger Wert. Ange- gen für das Volumen des neuen scheint aber fest entschlossen, die Schlappe prognostiziert wurde –
bei der die Notenbank in großem sichts des lahmen Wachstums, der Programms reichen von 500 Mrd. Wirtschaft mit zusätzlichem Geld sind dann schon vorbei. Wenn es
Stil Staatsanleihen sowie mit Hy- niedrigen Inflation von unter zwei bis zwei Bill. US-Dollar. anzukurbeln. Der konventionelle der US-Regierung mithilfe der
potheken besicherte Wertpapiere Prozent und vor allem einer Ar- Nach Ansicht vieler Experten Weg über einen niedrigeren Leit- Notenbank gelingt, dass die Wirt-
kauft. Ein erstes Programm dieser beitslosenrate von zehn Prozent, wandelt die US-Notenbank aber zins ist verbaut, der liegt schon bei schaft in der zweiten Hälfte der
Art war im März ausgelaufen, bis sieht die Notenbank die Zeit für auf einem gefährlichen Pfad, der 0 bis 0,25 Prozent. Mit dem An- Präsidentschaft zu alter Stärke zu-
dahin hatte die Federal Reserve eine zusätzliche Ankurbelung der geradewegs in die nächste Blase kauf der Anleihen sollen die lang- rückfindet, dann könnte die Rech-
Papiere im Wert von 1,7 Bill. Dol- Wirtschaft gekommen. Laut Be- auf den Finanzmärkten führen fristigen Zinsen gedrückt und so nung doch noch aufgehen. Zumin-
lar erworben. Damals hoffte man, rechnungen von Goldman Sachs könnte. Auch innerhalb der No- Anreize für Investitionen gesetzt dest für die USA – aber mit unge-
die US-Konjunktur würde bald könnte der Kauf von Anleihen im tenbank regt sich Widerstand, der werden. Dass diese Rechnung wissen Folgen für die übrige Welt.

GAST KOMMENTAR

Die Ungleichheit und die Finanzkrise


tionalen Währungsfonds, Raghu Rajan, so-
Die Finanzkrise zeigt Wirkung: Die wie Robert Reich, US-Arbeitsminister unter
Gesellschaft in den USA driftet Präsident Bill Clinton, bestätigen in ihren
kürzlich erschienenen Büchern Huffingtons
immer stärker auseinander. Aussagen. Rajan führt in seinem Buch („Fault
Lines“) als weitere Gründe den ungleichen
MARKUS SCHULLER Zugang zu Bildung und zum Gesundheitssys-
tem an. Reichs „Aftershock“ übt Kritik an
In den USA gewinnt die Debatte an Fahrt, ob Obamas Konjunkturpaket, weil es zu wenig
die ungleiche Verteilung von Vermögen Aus- tut, um die Treiber der Ungleichheit zu elimi-
löser oder zumindest Treiber der Finanzkrise nieren. David Moss von der Harvard Univer-
war. Sie ist interessant und bedeutsam, weil sität ergänzt, wie Ungleichheit zu einer weit
in ihrer Aussagekraft nicht auf die USA be- reichenden Verschiebung in den Kräftever-
schränkt. Die Debatte wird im Licht der Kon- hältnissen innerhalb demokratischer Syste-
gresswahlen populistisch geführt. Gerade me führt. Hacker und Pearson („Winner-
deshalb lohnt sich ein Blick auf ihre empiri- Take-All Politics“) bestätigen seine Erkennt-
sche Basis. Studien zeigen, dass ein Prozent nisse und zeigen auf, wie das für Lobbying
der US-Amerikaner die Hälfte des Vermö- anfällige Parteiensystem in den USA die Un-
gens halten – ein historischer Höchststand. gleichheit weiter ausbaut und festigt. Ent-
Die bisherigen Erklärungen der Finanzkri- spricht der Trend der liberalen, kapitalisti-
se gehen entweder von einem zu reparieren- schen Gesellschaftsordnung? Die Antwort
den Wasserrohrbruch des Weltfinanzsystems der US-Bürger ist ein klares Nein. Eine Har-
oder von einem grundsätzlich instabilen Sys- vard Studie zeigt, wie stark das Verlangen
tem mit Strukturdefiziten aus. Beide Szena- nach relativer Gleichheit in der Bevölkerung
rien schließen sich gegenseitig aus, ignorie- ausgeprägt ist. 47 Prozent nennen eine Ver-
ren aber mit ihrem Fokus auf die Wall Street teilung à la Schweden als Ideal. Vor die Wahl
volkswirtschaftliche Nebeneffekte. gestellt, gaben 92 Prozent dem schwedischen
Manche argumentieren, die Krise gehe auf System der Verteilung den Vorzug gegenüber
eine sich seit den 80er-Jahren ausweitende jenem der USA. Welche Schlüsse sind zu zie-
Schere zwischen Arm und Reich zurück. Ein- hen?
dringlich erläutert Arianna Huffington (Huf- ■ Der Trend zur Ungleichheit in den USA ist
fington Post) in „Third World America“, wie seit den achtziger Jahren ungebrochen und
die durch Globalisierung, fiskalische Benach- hat einen historischen Höchstwert erreicht.
teiligung und politisches Verunmöglichen des ■ Die Ungleichheit nimmt Einfluss auf de-
American Dream stark unter Druck geratene mokratische Prozesse und korreliert stark
US-Mittelschicht sich ihr Leben nur durch mit dem Abdriften der US-Mittelschicht.
über Schulden finanzierten Konsum weiter ■ Die Bevölkerung in den USA plädiert für
hatte leisten können. Selbst die Eigenverant- eine massiv andere Vermögensverteilung.
wortung des Konsumenten berücksichtigend, ■ Jüngste wissenschaftliche Erkenntnisse
liegt sie damit richtig, dass die amerikanische beweisen den Zusammenhang von Ungleich-
Mittelschicht erstens im Abschmelzen begrif- heit und der Finanzkrise.
fen ist und zweitens deren Glaube an den
Aufstieg durch eine kaum noch durchlässige Markus Schuller, Ex-Hedgefonds-Manager, leitet
Sozialstruktur stark gelitten hat. die 2009 gegründete Panthera Solutions. Sie berät
Der ehemalige Chefökonom des Interna- Finanzinstitute bei alternativen Investments.

NE-Metalle
ZAHL DES TAGES
Auf- und Abschläge für Nichteisen-Metallgusserzeugnisse in Euro
pro Kilogramm (in Klammer für Umschmelzlegierungen), gültig ab
5. November 2010:
Legierungsgr. I Messing
Legierungsgr. II Rotgusslegierungen
Legierungsgr. III Zinnbronzen
Legierungsgr. IVa Bleibronzen
plus 4,87 Euro/kg
plus 7,06 Euro/kg
plus 8,29 Euro/kg
plus 6,86 Euro/kg
40.000.000.000
Legierungsgr. IVb Alu-Bronzen plus 5,42 Euro/kg
Legierungsgr. V Feinzinklegierungen plus 1,81 Euro/kg Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko wird für den britischen Energiekon-
Legierungsgr. VII Al 2 plus 3,61 (3,69) Euro/kg zern BP immer teurer. Im dritten Quartal hat der Ölmulti weitere 7,7 Mil-
Legierungsgr. VIII Al 3 plus 4,06 Euro/kg liarden Dollar abgeschrieben, sodass sich die Kosten nun auf fast 40 Mil-
Legierungsgr. IX Al 4 plus 3,71 (3,69) Euro/kg
Legierungsgr. X Al 5 plus 4,27 Euro/kg liarden Dollar belaufen. Dennoch ist BP dank steigender Ölpreise zurück in
ABM-Notiz vom 4. November 2010: Kupfer: 667,90 Euro/100 kg. der Gewinnzone. Von Juli bis September verdiente der Konzern 1,8 Mrd.
(Mitgeteilt von der Buntmetall Amstetten GmbH) Dollar, gab BP am Dienstag in London bekannt. Ohne die Kosten für die
Metallnotierungen f. Kabel und isolierte Leitungen ab 29. 10. 2010:
130,-- (Kupfer), 100,-- (Aluminium), 50,-- (Blei); Notierung/100 kg: Ölkatastrophe wären es sogar 5,5 Mrd. und damit 18 Prozent mehr als im
649,14 (Kupfer), 252,54 (Aluminium), 208,30 (Blei); Zuschlag/100 Vorjahreszeitraum gewesen. Aus der Ölquelle Deepwater Horizon waren
kg: 519,14 (Kupfer), 152,54 (Aluminium), 158,30 (Blei); Zuschl. Eu-
ro/mm2 km: 20,6600 (Kupfer), 2,4725 (Aluminium). 4,9 Mill. Barrel (je 159 Liter) in das Meer geflossen. Elf Menschen starben.