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Weg

Die Zeitschrift für Deutschlernende

Der
Ausgabe Nr. 36 4-2001

Deutsche Bundesländer
Thüringen - „grünes Herz“ Deutschlands ***
Wechselhafte berg). Sie um-
Geschichte schließen tief ein-
geschnittene liebli-
Das deutsche che2 Täler, in de-
Bundesland Thü- nen kleine und grö-
ringen liegt im ßere Flüsse ihre
Herzen Deutsch- Wasser der Weser
lands. Dies aber im Westen (Werra)
erst wieder seit der und der Elbe im
deutschen Wie- Osten (Saale) zu-
der vereinigung führen. Über den
1990. Die politi- Kamm3 des Gebir-
sche Geschichte ges führt ein uralter
Deutschlands hat- Handelsweg, der
te nach dem Ende Rennsteig4. In frü-
des Zweiten Welt- Reizvoll ist die Landschaft um die Bleilochtalsperre im Saaletal
heren Zeiten ver-
kriegs Thüringen an die Süd-West-Ecke der da- band er die Handelsstädte im Westen, z.B. Frank-
maligen DDR gedrängt. Dazu kam, dass das furt a. M., mit Erfurt. Heute ist der Rennsteig eine
Land 1952 in Bezirke aufgeteilt wurde und so sehr beliebte Wanderstrecke und seit Jahren be-
als Bundesland von der Landkarte verschwand. kannt durch den international besetzten Rennsteig-
Die Grenzen nach Bayern, nach Hessen und Nie- lauf. Wohl jeder gut trainierte Langstreckenläufer5
dersachsen wurden dicht abgeriegelt1 durch Mau- möchte wenigstens einmal an diesem Wettbewerb
ern und Stacheldraht. teilgenommen haben. Andere Sportler fahren im
1989 öffnete sich dann nach langen, schweren Winter zum Skilauf auf die Höhen des Gebirges.
Jahren die Grenze. Mauern und Zäune wurden Oberhof und Zella Mehlis haben internationalen Ruf.
nach und nach abgerissen. Die Bezirke der Regi- Aber auch andere Orte haben die Region über ihre
on wurden 1990 wieder zum Bundesland Thü- Grenzen hinaus bekannt gemacht: z.B. Lauscha
ringen. Und Thüringen kehrte zurück in die Mit- und seine Glasbläser (Glasaugen und Christbaum-
te Deutschlands. Heute hat es etwa 2,5 Millio- schmuck), Sonneberg (Spielzeuge, Puppen, Ted-
nen Einwohner und ist 16 171 km2 groß. dybären) oder Suhl (Schusswaffen).

Der Thüringer Wald Historische Städte und Landschaften


Einen großen Teil des Landes nimmt der Thü-
ringer Wald ein. Man nennt Thüringen deshalb Nordöstlich vor dem Waldgebirge liegt das Thü-
auch das „grüne Herz“ Deutschlands. Die sanf- ringer Becken. Hier wird auf großen Flächen Land-
ten Höhen dieses waldreichen Mittelgebirges er- wirtschaft betrieben. Aber nicht überall ist der Bo-
heben sich bis auf 984 m Höhe (Großer Beer- den sehr fruchtbar.
1
Aus der Redaktion
Hier liegen auch die größeren Städte, welche die
Liebe Leserin, lieber Leser,
Geschichte des Landes weitgehend bestimmt ha-
ich schreibe diese Zeilen zu ben. Einige wollen wir aufzählen, wie sie entlang
einer Zeit, in der die der Autobahn A 4 von Westen nach Osten aufzu-
schrecklichen Ereignisse finden sind:
des 11. September in den
USA noch immer sehr Das Wahrzeichen von Eisenach ist die Wartburg.
nahe sind. Viele Menschen Sie ist der einstige Stammsitz der Ludowinger, die
haben Angst und fragen im 12. Jahrhundert die Herrschaft im Land über-
sich, was in den nächsten nahmen. Hier kümmerte sich die heilige Elisabeth6
Wochen und Monaten auf (1211-27) um die Armen. Im Mittelalter fand dort
uns zukommen wird. Und
das ist sicherlich ver-
ständlich.
In dieser Zeit tröstet mich aber besonders das
Jahreswort der Bibel für das nächste Jahr 2002.
Dort heißt es: „Gott ist mein Helfer, ich bin voll
Vertrauen und habe keine Angst!“ (Jesaja 12,2).
Dieses Wort wurde in einer sehr schweren Zeit
geschrieben. Das Volk Israel hatte Gott verlas-
sen, und es zeichnete sich ab, dass die Leute die
Konsequenzen für Ihre Untreue zu spüren bekom-
men würden. Sie wurden aus Ihrem Land vertrie-
ben und mussten viel leiden. Aber dann finden wir
diese Worte, die Teil eines Dankliedes sind. Sie
sind geschrieben für den Tag, an dem Israel wie- Hoch über Eisenach thront die Wartburg
der zu seinem Gott zurückfindet und seine Ret-
der berühmte „Sängerkrieg“ statt, ein Wettstreit der
tung erlebt.
berühmtesten deutschen Minnesänger7. Dr. Mar-
Auch uns bietet Gott an, zu ihm zurück zu keh- tin Luther8 übersetzte hier 1521-22 das Neue Te-
ren. Und wenn wir zu Gott kommen, dann dürfen
stament der Bibel in die deutsche Sprache. Das
wir ihn loben und ihm danken. Wir erleben seine
Lutherzimmer kann man noch heute besichtigen.
Hilfe und brauchen keine Angst mehr zu haben,
denn Gott wird bei uns sein, egal was passiert.
1817 fand hier das Wartburgfest statt, eine Ver-
Der Lebensbericht in dieser Ausgabe ist ein gu- sammlung der Jenaer Burschenschaft9. Zum ersten
tes Beispiel dafür. Es ist nicht so, dass Gott das Mal wurden dort demokratische Forderungen nach
Leiden und die Not von uns fernhält, sondern in- Presse- und Redefreiheit laut10, und zum ersten Mal
mitten der Not erfahren wir seine Hilfe und seine wurden die Farben der heutigen deutschen Natio-
Kraft. Dies wünsche ich Ihnen auch im vor uns nalflagge Schwarz-Rot-Gold gezeigt. In Eisenach
liegenden neuen Jahr! kann man auch das Geburtshaus des wohl be-
Hinweisen möchte ich an dieser Stelle noch auf rühmtesten deutschen Komponisten Johann Se-
unsere Postfächer in der Ukraine und in Russland. bastian Bach (1685 - 1750) besuchen. Seit eini-
Machen Sie davon regen Gebrauch, wenn Sie uns gen Jahren hat der Autohersteller Opel hier eine
schreiben wollen! Es dauert zwar länger, bis die Fabrik.
Post hier ist, aber dafür ist es auch viel billiger,
Gotha glänzt u.a. mit Schloss Friedenstein, dem
uns zu schreiben. Schreiben Sie einfach rechtzei-
tig! Auch Bibelkurse können Sie selbstverständ- ersten Barockschloss im Lande, und mit dem Ver-
lich durch diese Postfächer versenden. lag Perthes, der seit fast 200 Jahren für alle Welt
Landkarten herstellt.
Ich wünsche Ihnen von Herzen ein frohes Weih-
nachtsfest und ein gutes Neues Jahr unter dem Erfurt ist die größte Stadt im thüringischen Bek-
Schutz Gottes! Er wird jedem helfen, der ihn von ken und eine der ältesten Städte Deutschlands.
Herzen darum bittet! Heute ist sie Regierungszentrum des Landes. Sie
Ihr hat einen berühmten Dom in historischer Altstadt,
Volker Schmidt ist Universitätsstadt, Blumenstadt und Stadt mit
vielseitiger Industrie.

2
Weimar war die Hochburg des deutschen Geistes- Gera ist ebenfalls eine ehemalige Residenzstadt13.
lebens im 18. und 19. Jahrhundert. Johann Wolf- Heute ist sie eine Industriestadt. Und ein wenig ab-
gang von Goethe und Friedrich von Schiller, ne- seits der Hauptroute liegen einige Orte, die ebenfalls
Bedeutung für Thüringen hatten und haben: die
„Skatstadt“14 Altenburg, die „Puppenstadt“ Arnstadt
und Mühlhausen, beides Wirkungsstätten Bachs.
Vieles könnte man noch nennen. Wer kann, sollte
das grüne Herz Deutschlands besuchen, auch, um
seine berühmten Klöße15 und seine Thüringer
Rostbratwurst16 einmal zu probieren.
Lothar von Seltmann
1
abriegeln: etwas für jemanden unzugänglich machen; absperren
2
lieblich: (hier) so, dass sie sanft und schön wirken È anmutig, bezau-
bernd 3 der Kamm: (hier) der (oberste) Teil eines Gebirges, der von
weitem wie eine Linie aussieht 4 der Rennsteig: Rennweg (Kammweg
auf der Höhe des Thüringer Waldes u. Frankenwaldes) 5 der Langstrek-
kenläufer: ein Läufer, der eine lange Strecke (Weg) läuft 6 Sie war die
Schöne Fachwerkhäuser auf dem Altmarkt in Schmalkalden Ehefrau des Landgrafen (Landesfürst aus niederem Adel). 7 der Minne-
sänger: Sänger höfischer Liebeslyrik im Hochmittelalter (12. u. 13. Jhd.);
ben anderen Dichtern und Denkern, gaben der bekanntester Vertreter: Walter von der Vogelweide 8 Dr. Martin Luther:
Stadt ihr geistiges Profil11. 1919 wurde hier die Reformer der Kirche (1483 - 1546); Begründer der evangelischen Theo-
Verfassung der ersten deutschen Republik, der logie 9 die Burschenschaft: eine Vereinigung von Studenten, die keine
Frauen als Mitglieder aufnimmt 10 etwas wird laut: etwas wird der Öf-
sogenannten Weimarer Republik12, ausgearbeitet. fentlichkeit bekannt È etwas verlautet 11 das Profil: (hier) die (positi-
ven) Eigenschaften, die typisch für eine Person oder Sache sind und
Jena ist bekannt durch den Sieg Napoleons über diese von anderen unterscheiden 12 1919 - 1933 13 die Residenzstadt:
die Preußen (1806), durch seine Universität (He- Stadt, in der ein König, ein Präsident, ein Fürst o.Ä. wohnt und regiert
14
gel, Fichte, Schiller) und vor allem durch die opti- der Skat: beliebtes deutsches Kartenspiel mit 32 Karten für drei Spie-
ler 15 der Kloß (die Klöße): kugelförmige Teigware, mit oder ohne Fül-
sche Industrie der Firma Zeiss, die heute wieder lung 16 die Rostbratwurst: eine Wurst, die auf einem Rost (= ein Gitter
Weltgeltung hat. aus Holz oder Metall, auf das man etwas legt) gebraten wird

Das aktuelle Thema

Die D-Mark geht - der Euro kommt **


Am 1.Januar 2002 ist es soweit: Europa bekommt störung Deutschlands jeden Wert verloren. Eine
ein einheitliches1 neues Geld, den Euro. In den Zigarette kostete auf dem Schwarzen Mark 40
meisten Ländern der Europäischen Union (EU), Reichsmark, ein Pfund Kaffee 1500 Reichsmark.
also in Mittel- und Westeuropa, verschwinden dann Deshalb wurde 1948 in den drei Westzonen der
die nationalen Währungen2, und damit auch die Engländer, Amerikaner und Franzosen die „Deut-
D-Mark in Deutschland. sche Mark“ (D-Mark) als neue Währung eingeführt.

Die geliebte D-Mark Jetzt hatte das deutsche Geld wieder einen Wert.
Es war zwar knapp4, aber man konnte sich alle die
„Das tut uns sehr leid“, sagen viele Deutsche, „wir Dinge dafür kaufen, die die Deutschen viele Jahre
würden lieber unsere harte3 D-Mark behalten, statt entbehren5 mussten: genug und gutes Essen, Klei-
sie gegen den Euro einzutauschen. Und wir möch- dung, Möbel und schließlich sogar ein Auto und
ten auch lieber weiterhin eigenes deutsches Geld Reisen ins Ausland. Darum wollte jetzt jeder mög-
haben, statt europäisches“. lichst viel D-Mark verdienen und arbeitete fleißig
Die D-Mark ist den Deutschen sehr lieb geworden, dafür.
denn die D-Mark ist ein Symbol für den wirtschaft-
Bald wurde das zerstörte Deutschland neu aufge-
lichen Wiederaufstieg Deutschlands nach dem 2.
baut. Der Wohlstand wuchs. Die Bundesrepublik
Weltkrieg und für die starke deutsche Wirtschaft.
wurde eins der wirtschaftlich stärksten und reich-
Die frühere deutsche „Reichsmark“ hatte nach sten Länder der Welt. Und ein Zeichen dafür war
1945 infolge des verlorenen Kriegs und der Zer- die starke Deutsche Mark.
3
Der Euro - auf dem Weg schmolzen. Und das Papiergeld wird zu Dünger für
zu einem vereinten Europa den Garten verarbeitet werden. So bekommt viel-
leicht mancher einen sehr „teuren“ Garten.
Viele Deutsche hängen deshalb an der D-Mark. Sie
tauschen sie nicht gerne gegen den Euro ein. Die Es wird eine Zeit dauern, bis jeder sich an den Euro
D-Mark war sicher eine härtere Währung als es der gewöhnt hat. Aber bald wird man auch merken,
welche Vorteile eine gemeinsame Währung
hat. Wahre Einheit aber beginnt in den Köp-
fen und Herzen, und der Euro ist nur ein
Schritt in diese Richtung.8
Hans Misdorf
1
einheitlich: so, dass sie für alle gleich sind 2 die Währung:
die Münzen und Banknoten, die in einem Staat als Geld ver-
wendet werden 3 eine harte Währung eine Währung, deren
Wert über lange Zeit stabil und hoch ist (Ggs: „weich“)
4
knapp: so wenig, dass es kaum für das Nötigste (aus)reicht
È gering 5 entbehren: ohne etwas auskommen (müssen)
6
Der genaue Umrechnungskurs ist: 1 Euro = 1,95583 DM.
Ein Euro ist zur Zeit etwas weniger als einen Dollar wert.
7
das Wechselgeld: Geld, das man zurückbekommt, wenn man
mit einem Geldschein oder Geldstück bezahlt, dessen Wert
über dem geforderten Preis liegt 8 Die Umstellung auf den
Euro zeigt, wie wichtig für unser Leben das Geld ist. Trotz-
dem hängt unser Leben und unsere Lebensfreude letzten Endes nicht
Euro sein wird. Aber in einigen Monaten ist die D-
vom Geld ab, sondern von Gott. Gott will uns immer versorgen, ob wir
Mark verschwunden. In Deutschland und weithin viel oder wenig haben. Er schenkt uns jeden Augenblick unseres Le-
in Europa zahlt man dann nur noch mit dem Euro. bens, wie die Geschichte vom Reichen Bauern in der Bibel zeigt (Lu-
kas 12 Vers 16-21). Viele Christen erfahren bis heute, dass Gott sie
Die Einführung des Euro macht aber auch Sinn. auch in der Not versorgt, wenn sie wenig Geld haben.
Die Länder Europas haben früher oft blutige Krie-
ge gegeneinander geführt und sich zerstört. Damit Regeln zur (neuen) Rechtschreibung
das in Zukunft nicht mehr geschieht, verbinden sich
heute die Länder Europas in der EU immer mehr
Groß- und Kleinschreibung
miteinander. Das geschieht auch durch den Euro bei der Anrede
als gemeinsame Währung. Von Sizilien bis hinauf Es gibt im Deutschen zweierlei Möglichkeiten der
nach Finnland kann man dann mit ein und dersel- Anrede:
ben Währung bezahlen. Es ist kein Geldumtausch Die Höflichkeitsform: Sie, Ihr/e, Ihnen,
nötig, und obwohl die Münzen noch nationale Sym- die normale Anrede in der Einzahl: du, deiner, dich,
dir
bole haben, werden sie in allen Ländern anerkannt.
und in der Mehrzahl: ihr, euer, euch.
So wird auch in Deutschland am 1.1.2002 der Euro Die Höflichkeitsform erkennt man an der
eingeführt. Ein Euro hat den Wert von etwa 2 D- Großschreibung.
Mark6. Bezahlen kann man dann noch zwei Mona- Beispiele:
te, bis Ende Februar 2002, mit D-Mark. Aber als Ich kenne sie. (Z.B. spreche ich über die Kinder oder
die Freunde.)
Wechselgeld7 bekommt man nur Euro zurück. Trotz- Aber: Ich kenne Sie. (Wenn ich in der Höflichkeitsform
dem verliert die D-Mark nicht ihre Gültigkeit. Man z. B. über Frau Meier spreche.)
kann sie noch unbegrenzt lange gegen den Euro Diese Schreibweise bleibt immer gleich, sei es in einem
umtauschen. Brief oder in einem Buch, einer Nachricht usw.
Ein Euro besteht aus hundert Cent (von lateinisch Die normalen Anredepronomen (du, dein, dir etc.)
werden immer kleingeschrieben. Es besteht ja keine
centum = hundert). So wie die D-Mark aus hun-
Verwechslungsgefahr. Du bist immer du.
dert Pfennigen bestand. Münzen gibt es in mehre-
Diese Schreibweise gilt immer, auch für Briefe:
ren Cent-Beträgen, von 1 bis 50 Cent, sowie als 1
Liebe Sabine, über deinen Brief habe ich mich sehr
und 2 Euro. Scheine gibt es von 5 Euro bis 500 gefreut ...
Euro.
Regel: Normale Anredepronomen schreibt man
Und was geschieht mit den alten Münzen und Schei- klein (du, dich, eure ...), Anredepronomen in
nen in D-Mark? Das Metall der Münzen wird ge- der Höflichkeitsform groß (Sie, Ihre ... ).

4
Berühmte Dichter

Leben und Leiden des Georg Trakl ***


Geboren wurde der österreichische Dichter am bei ließ er sich auch in seinen Motiven von den an-
3.2.1887 in Salzburg. Sein Vater war ein Händler tiken Mythen7 beeinflussen wie zum Beispiel in sei-
für Eisenwaren und ein fröhlicher, lebenslustiger nem Gedicht „Orpheus“.

Georg Trakl 1912


Mensch. Seine Mutter war neurotisch1 veranlagt2 und Auch die Bildwelt des
liebte die Kunst. Georg Trakl wuchs äußerlich wohl- Christentums hatte ihn
behütet als viertes von sechs Kindern auf. Von 1897 inspiriert. Bei Kriegsaus-
bis 1905 besuchte er das humanistische Staats- bruch (1914) rückte er als
gymnasium. In den Schulfächern Latein, Griechisch Medikamentenbetreuer
und Mathematik waren seine Leistungen gering. Des- nach Galizien (Ukraine)
halb wurde er zweimal während seiner Schulzeit nicht und musste nach der blu-
versetzt. Danach entschloss er sich, in der Haupt- tigen Schlacht bei
stadt Wien ab 1908 Pharmazie zu studieren. Er wollte Grodek/Rawa-Ruska al-
Apotheker werden. leine für neunzig Schwer-
ver wundete in einer
Veröffentlichung erster Gedichte Scheune die Betreuung
übernehmen. Trakl erlitt
Durch Kontakte zum „Akademischen Verband für einen Nervenzusammen-
Literatur und Musik“ wurden seine ersten Werke in bruch8 und wurde von seinen Kameraden daran ge-
der Zeitschrift „Der Brenner“ veröffentlicht. Der Her- hindert, sich selbst zu erschießen.
ausgeber unterstützte ihn und erkannte die große
literarische Begabung von Georg Trakl. 1910, im Ein frühes Ende
Todesjahr seines Vaters, schloss er mühsam sein Stu-
dium als Magister der Pharmazie ab und lebte ab Weil er einen schweren seelischen Schock bekom-
1912 in der Stadt Innsbruck. Danach meldete sich men hatte, wurde er schließlich zur Beobachtung
Trakl freiwillig für ein Jahr zum Militär als Medika- nach Krakau überführt. Dort starb er im Alter von
mentenbeamter. Als Apotheker arbeitete er abwech- 27 Jahren an einer Kokainvergiftung. Man ist sich
selnd in Salzburg, Wien und Innsbruck. Aber er hielt heute nicht sicher, ob es sich dabei um einen Selbst-
es nirgends lange aus. Georg Trakl war ein schwer- mord oder um einen Unglücksfall handelte. Wie sei-
mütiger3 und unruhiger Einzelgänger. Nur zu seiner ne Schwester darauf reagierte ist weithin unbekannt.
Schwester Margarethe (Grethe) hatte er einen star- Man weiß nur, daß sie eine Schwangerschaft abge-
ken Bezug. Er konnte das Leben nur sehr schwer brochen hat und sich drei Jahre nach dem Tod des
ertragen und stürzte sich immer wieder in übermä- Bruders selbst erschossen hat. Ihre Ehe war nicht
ßigen Drogen- und Alkoholkonsum. Margarete hielt glücklich. Die tiefsinnigen Gedichte Georg Trakls in
zu ihm, sie teilte auch seine Abhängigkeit von den der ihm eigenen Sprache sind das Spiegelbild einer
Drogen. Sie studierte Musik in Wien und später in zerfallenden Welt und treffender Ausdruck einer
Berlin. Georg war sehr eifersüchtig und ertrug es nur scheinbar zusammenhanglosen Bilderfülle. Die Tie-
mit innerlichen Qualen4, wenn seine kleine Schwester fe seiner Werke ist auch heute kaum ergründbar. In
mit anderen Männern zusammen war. der Bibel steht: „Nichts ist so abgründig wie das
menschliche Herz. Voll Unheil ist es; wer kann es
durchschauen?“ (Jer. 17,9). Gott allein kann es!
Ein entscheidendes Erlebnis
Jörg Bauer
Im Jahre 1912 heiratete „Grethe“ einen deutschen 1
neurotisch: nicht normal, auf Grund einer psychischen (und oft auch kör-
Buchhändler in Berlin. Georg versetzte dies in ei- perlichen) Störung, die ihre Ursache meist darin hat, dass man (als Kind)
nen Schockzustand und löste seine kreativste5 dich- schlimme Erlebnisse hatte und mit ihnen nicht zurechtgekommen ist 2 ver-
terische Lebensphase aus. Sein dichterisches Werk anlagt: mit einer bestimmten körperlichen oder psychischen Eigenschaft oder
ist geprägt von Trauer, Angst, Schwermut und der Neigung geboren 3 schwermütig: in einem Zustand von solcher Traurig-
keit, dass man nichts mehr tun will 4 die Qual: (hier) starker körperlicher
Suche nach dem Sinn des Lebens. Die bildhafte oder seelischer Schmerz 5 kreativ: mit neuen und originellen Ideen (die
Sprache seiner Gedichte war von großer düsterer auch realisiert werden) È schöpferisch 6 der Expressionismus: ein Stil der
Kraft und Farbenpracht. Er gilt heute als einer der (europäischen) Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, in dem elementare
bedeutendsten Vertreter des österreichischen Expres- Erlebnisse (z.B. des Krieges) mit intensiven, starken Mitteln (Farben, Bil-
dern usw) ausgedrückt werden 7 der Mythos: eine sehr alte Geschichte,
sionismus6. Trakl verstand es, seine tiefsten schmerz- die meist religiöse oder magische Vorstellungen enthält È Sage 8 der Ner-
haften Empfindungen in Worte zu fassen und ihnen venzusammenbruch: der Vorgang, bei dem jemandes Nerven versagen, weil
einen unvergleichlichen Ausdruck zu verleihen. Da- er körperlich, geistig oder seelisch sehr große Probleme hat
5
Gedichte

Gedichte von Georg Trakl 1


scharen: um jmd. versammeln 2 der Pilger: jemand, der eine (weite) Reise
Verfall zu einem heiligen Ort macht, um dort zu beten È Wallfahrer 3 der Weiser:
Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten, veraltet für Uhrzeiger 4 der Reigen: ein Tanz im Kreis mit Gesang 5 verwittern:
durch den Einfluss des Wetters seinen Zustand verändern und allmählich
Folg ich der Vögel wundervollen Flügen, zerfallen 6 die Aster: eine Blume, die besonders im Herbst in vielen Farben
Die lang geschart1, gleich frommen Pilgerzügen2, blüht 7 der Kahn: ein kleines, offenes, flaches Boot (zum Rudern) 8 bestellen:
Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten. (hier) ordnen, einrichten 9 der Pfad: ein schmaler Weg 10 die Gnade: (hier)
die Verzeihung der Sünden durch Gott [Baum der Gnaden = das Kreuz, an
Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten dem Jesus Christus starb, verankert im Irdischen. Es ist Zeichen der Einladung
Träum ich nach ihren helleren Geschicken zur Einkehr, ja zur Heimkehr.] 11 die Schwelle: der leicht erhöhte Teil des
Und fühl der Stunden Weiser3 kaum mehr rücken. Fußbodens an der Türöffnung 12 Brot und Wein: Symbol für das Abendmahl,
das auch heute noch in den Kirchen gefeiert wird
So folg ich über Wolken ihren Fahrten.
Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern. Lebensgedanken
Die Amsel klagt in den entlaubten Zweigen.
Es schwankt der rote Wein an rostigen Gittern, Es hat geklopft ***
Indes wie blasser Kinder Todesreigen4 Noch kein Grund, aufzumachen. Man lässt ja nicht
Um dunkle Brunnenränder, die verwittern5, jeden rein.
Im Wind sich fröstelnd blaue Astern6 neigen. Der jetzt klopft, ist nicht jeder, sondern Jesus. O-Ton1:
„Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer aufmacht,
Verklärter Herbst zu dem komme ich.“ Er kommt nicht ohne Aufforde-
Gewaltig endet so das Jahr rung2. Er drückt nicht einfach die Klinke3 runter4. Er
Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten. drängelt5 sich nicht rein. Er drängt sich nicht auf. Er
Rund schweigen Wälder wunderbar stülpt6 sich nicht über. Er schleicht7 nicht durch den
Und sind des Einsamen Gefährten. Keller des Unterbewusstseins8. Er benutzt nicht die
Da sagt der Landmann: Es ist gut. Hintertreppe psychologischer9 Tricks10.
Ihr Abendglocken lang und leise Jesus kommt uns von vorn entgegen. Er klopft und
Gebt noch zum Ende frohen Mut. wartet. Denn der einzige, der ihm die Tür deines Le-
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise. bens öffnen kann, bist du. Also wartet er auf dein
Es ist der Liebe milde Zeit. „Herein!“, auf deine Entscheidung. Er respektiert11
Im Kahn7 den blauen Fluss hinunter deine Menschenwürde, indem er deine Entscheidung
Wie schön sich Bild an Bildchen reiht - abwartet.
Das geht in Ruh und Schweigen unter. Wie lange willst du ihn noch warten lassen? Wie viel
andere hast du reingelassen, die du längst loswerden
Rondel möchtest? Und wie viele hast du enttäuscht und ver-
lassen? Jesus möchte zu dir und bei dir bleiben. Er
Verflossen ist das Gold der Tage,
verspricht nicht das Blaue12 vom Himmel, sondern
Des Abends braun und blaue Farben:
den Himmel auf Erden: Gemeinschaft mit ihm, dem
Des Hirten sanfte Flöten starben
Herrn der Welt. Also lass ihn nicht länger draußen
Des Abends blau und braune Farben
Verflossen ist das Gold der Tage. stehn wie einen dummen Schuljungen! Schieb doch
mal den Riegel deiner Vorurteile beiseite!
Ein Winterabend Lass ihn in dein Leben rein! Es hat geklopft!
Mit freundlicher Genehmigung aus: Theo Lehmann, Hör auf zu labern, fang an zu leben,
Wenn der Schnee ans Fenster fällt, Dreißigsekundentexte. Aussaat Verlag, Neukirchen-Vluyn, 3. Auflage 2000, S. 3.
Lang die Abendglocke läutet, 1
der O-Ton: gespr; (Abk für Originalton) verwendet, um auszudrücken, dass
Vielen ist der Tisch bereitet ein Zitat, jemandes Sprache o.Ä. nicht verändert wurde 2 die Aufforderung:
Und das Haus ist wohlbestellt8. die (offizielle) Bitte, etwas zu tun 3 die Klinke: > Türklinke: ein beweglicher
Griff, mit dem eine Tür geöffnet und geschlossen werden kann 4 runter:
Mancher auf der Wanderschaft (gespr.) herunter 5 (sich) drängeln: in einer Menge von Menschen die ande-
ren leicht stoßen usw, um schneller ans Ziel zu kommen 6 stülpen: (eigent-
Kommt ans Tor auf dunklen Pfaden9. lich) etwas auf / über etwas (Akk) stülpen einen Behälter o.Ä. mit der Öffnung
Golden blüht der Baum der Gnaden10 nach unten drehen und über etwas anderes ziehen oder stellen 7 schlei-
Aus der Erde kühlem Saft. chen: (hier) heimlich und leise irgendwohin gehen 8 das Unterbewusstsein:
die Gedanken und Gefühle, die man hat, ohne davon zu wissen 9 psycho-
Wanderer tritt still herein; logisch: in Bezug auf die Psychologie (= die Wissenschaft, die sich mit dem
Schmerz versteinerte die Schwelle11. seelischen Verhalten beschäftigt) 10 der Trick: ein geschicktes Vorgehen,
mit dem man jemanden betrügt 11 respektieren: (hier) Rücksicht auf etwas
Da erglänzt in reiner Helle nehmen 12 jmdm. das Blaue vom Himmel versprechen (gespr.): jemandem
Auf dem Tische Brot und Wein.12 etwas versprechen, das man nicht einhalten kann oder will
6
Was die Bibel lehrt

Umkehr zu Gott **
Stellen Sie sich vor, sie laufen eine Straße entlang. armt ihn und nimmt ihn wieder auf als seinen Sohn.
Plötzlich kommt jemand auf sie zu und warnt Sie Dann feiern sie zusammen ein großes Fest. (vgl.
weiterzugehen. Die Straße vor ihnen ist eingebro- Lukas 15,11-32).
chen und weitergehen kann
tödlich sein. Was werden Sie Auch uns lädt Jesus ein, über unser Leben nachzu-
tun? Sie können die Warnung denken. Wohin gehen wir? Welchen Sinn hat unser
ernstnehmen und wieder zu- Leben? Was wird am Ende sein? Und er bittet uns
rück gehen. Sie können die umzukehren. Hier geht es nicht darum, ein bisschen
Warnung aber auch nicht be- „christlicher“ zu werden oder besser zu leben. Hier
achten und auf eigene Verant- geht es um eine Abwendung von meinem bisheri-
wortung weitergehen. gen Leben und einer Hinwendung zu Gott. Unser
bisheriges Leben wird sich verändern. Und Gott wird
Jeder von uns geht auf einer solchen Straße, der uns die Kraft geben, als seine Kinder ein neues Le-
Straße unseres Lebens. Wir machen uns selten Ge- ben zu leben. Wollen Sie umkehren?
danken darüber, wohin unser Weg uns führt. Aber
die Bibel macht deutlich, dass dieser Weg uns von Sie müssen sich entscheiden7. Wollen Sie auf eige-
Gott weg führt. Und das bedeutet, dass wir nach nen Wegen weitergehen und ins Verderben laufen
unserem Tod für immer ohne Gott leben müssen. oder wollen Sie umkehren? Sie müssen entschei-
Ohne seine Liebe und Nähe, ohne seine Hilfe1. Die den, wo Ihre Wege einmal enden werden. Gott war-
Sünde trennt uns von Gott. Und so wie wir sind, kön- tet auf Sie.
nen wir nicht zu Gott kommen. Wir sind verloren! 1
Die Bibel nennt diesen Zustand „Hölle“. 2 das Erbe: der Besitz, der
nach dem Tod einer Person meist an die Verwandten weitergeht 3 mit
Aber Gott gibt uns die Möglichkeit, zu ihm zurück- vollen Händen: in zu großen Mengen È verschwenderisch 4 hüten:
zukehren. Jesus Christus, sein einziger Sohn, hat aufpassen, dass einem Tier auf der Weide nichts passiert und dass es
unsere Schuld und unsere Strafe auf sich genom- nicht wegläuft 5 überlegen: seinen Verstand benutzen, um zu einer
men. Er wird uns zu Gott zurückführen, wenn wir es Entscheidung oder einer Erkenntnis zu kommen È (über etwas) nach-
denken 6 dran: Daran; gut, schlecht dran sein (gespr.) es gut, schlecht
wollen. Wir müssen nur seine Erlösung für uns anneh- haben 7 (sich) entscheiden: nach längerem Überlegen eine von zwei
men und uns ihm anvertrauen. Er wartet darauf! oder mehreren Personen / Möglichkeiten wählen

Zurück zum Vater


Leser der „ersten Stunde“ gesucht
In der Bibel lesen wir eine Geschichte die Jesus er-
zählt hat, um dies deutlich zu machen. Er erzählt Im nächsten Jahr feiert der „Weg“ sein zehnjähriges Beste-
von einem Sohn, der seinen Vater verlassen will. Er hen. Aus diesem Grunde suchen wir Leser, die den Weg schon
ab der ersten Ausgabe bekommen haben.
möchte selbstständig sein. Er träumt von Reichtum,
von Freiheit und Vergnügen. Deshalb lässt er sich Wenn Sie also den „Weg“ schon seit zehn Jahren lesen oder
im Deutschunterricht einsetzen, schreiben Sie uns doch bit-
sein Erbe2 auszahlen und geht auf und davon. Er
te! Wir interessieren uns vor allem für besondere Erlebnisse
gibt sein Geld mit vollen Händen3 aus und findet mit dem „Weg“. Wo hat Ihnen der „Weg“ geholfen, wie haben
viele Freunde, mit denen er das Leben genießt. Sie ihn im Unterricht einsetzen können, haben Sie mit ihm
Bald aber ist sein Geld verbraucht. Er ist plötzlich so einmal etwas Lustiges oder auch Nachdenkliches erlebt?
arm, dass er sogar die Schweine hüten4 muss, um Ihre Erfahrungen und Erlebnisse sind uns wichtig, weniger,
nicht zu verhungern. Wie gerne hätte er ihr Futter dass Sie alle guten (oder auch schlechten) Seiten des „We-
gegessen, doch das ist ihm nicht erlaubt! Da fängt ges“ aufzählen.
er an zu überlegen5. Er erinnert sich, wie schön es Schreiben Sie uns bitte so bald wie möglich. Für jeden einge-
beim Vater gewesen war. Da hatte er immer gut zu sandten Beitrag gibt es ein Buchgeschenk. Und wenn wir den
essen gehabt. Sogar die Diener im Hause seines Beitrag veröffentlichen, können Sie zwischen einer Video-
Vaters waren viel besser dran6 als er jetzt. Und er kassette über das Leben von Jesus Christus, einer Erzäh-
entschließt sich, zum Vater zurückzukehren. Er lung aus dem Alten Testament in einfachem Deutsch oder
möchte lieber ein Arbeiter bei seinem Vater sein, als einer Musikkassette mit den schönsten Volksliedern wählen.
weiter so zu leben. Schnell verlässt er die Schweine Schreiben Sie bitte (möglichst mit einem Bild von Ihnen oder
und läuft zurück zum Vater. Der Vater aber wartete mit Ihrer Klasse) an: Der Weg, Leserberichte, Andoverstr. 77,
47574 Goch, Deutschland, oder an eines unserer Postfächer.
seit langem auf ihn. Als er ihn sieht, läuft er ihm
Wir veröffentlichen die Berichte nur in den Heften 2-4 2002.
entgegen. „Vater“, sagt der Sohn, „ich bin es gar Kürzungen behalten wir uns vor. Danke für Ihre Mithilfe!
nicht wert, dein Sohn zu sein.“ Aber der Vater um-
7
Deutsche Städte
***
Baden-Baden, die kleinste Weltstadt
Diese Stadt ist wirklich keine Großstadt! Mit etwas Baden und legten am 24.8.1689 ein großes Feu-
mehr als 50.000 Einwohnern gilt sie nicht wegen er, dass fast die ganze Stadt und ihre Umgebung
ihrer Größe, sondern wegen ihrer Geschichte als zerstörte. Der Wiederaufbau sollte fast ein ganzes
„kleinste Weltstadt“. Es waren die Römer, die die- Jahrhundert dauern.
sen Ort vor rund 2000 Jahren zum ersten Mal zu
einem beliebten Ziel machten, weil sie in dieser Seit 1797 war Baden-Baden die Sommer-
Gegend heiße Heilquellen entdeckten. Es war der hauptstadt Europas. Viele europäische Fürsten und
ideale Ort, um sich körperlich und seelisch wieder Diplomaten kamen hierher. Ein Jahr später wurde
aufzubauen und sich wohl zu fühlen. Und das galt zum ersten Mal das Glücksspiel offiziell erwähnt.
Das Badeleben blühte. Es gibt kaum eine berühmte
Persönlichkeit in den vergangenen zweihundert
Jahren, die hier keine Badekur5 durchgeführt hät-
te. Zwischen 1810 und 1834 wurde die Stadt er-
weitert. Ein Kurviertel entstand und eine Spielbank
wurde eingerichtet. Erste internationale Pferderen-
nen fanden im Großraum der Stadt 1858 statt.
Das „Drei-Kaiser-Treffen“ im Jahre 1863 erregte
großes Aufsehen. Franz-Joseph von Österreich, Zar
Alexander von Russland und Napoleon III trafen
sich im „Hotel d’Angleterre“6.

Baden und Russland


Blick auf Baden-Baden
Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts gab es zwi-
nicht nur für den Kaiser, ebenso auch für die Sol-
schen den Herrscherfamilien des großherzoglichen
daten und sogar für die Pferde. Lange vor den
Baden7 und denen Russ-
Römern siedelten hier Menschen, wie Grabfunde
lands enge Beziehungen. In
aus der Zeit von 1000 v. Chr. belegen. Die ersten
deren Folge wurden auch
Spuren menschlichen Lebens liegen sogar rund
russische Kirchen in Baden-
10.000 Jahre zurück. Urkundlich erwähnt wurde
Baden und Karlsruhe er-
die „Stadt-Baden“ zum ersten Mal im 13. Jahrhun-
richtet. Die Initiative zum
dert. 1475 wurde „Baden“ zur Residenzstadt1 er-
Bau einer Kirche in Baden-
hoben Es erließ nun eine Stadtordnung und setze
Baden ergriffen der russi-
eine Kurtaxe2 fest (1507).
sche Gesandte in Karlsruhe,
Fürst Nikolaj Stolypin, und
Badekultur und Zerstörung die ständig in Baden-Baden
1601 führte der Leibarzt3 Dr. Johannes Matthäus lebende Fürstin Jelena
die Kur mit heilkräftigem Mineralschlamm (Fango4) Trubeckaja. Im Jahre 1793
ein. Französische Truppen besetzen 1688/89 ganz heiratete der russische Thron- Orthodoxe Kirche in Baden-Baden
folger Alexander Pawlowitsch die badische Prinzes-
sin Luise. Sie nahm nach dem Übertritt zur Russisch-
Orthodoxen Kirche den Namen Elisabeth Alexejewna
an. Ihr Mann trat 1801 als Zar Alexander I die Nachfol-
ge Zar Pauls I an und regierte bis 1825.

Friedrichsbad, Spielbank und Festspielhaus


Die Spielbank wird 1872 auf Beschluss der Regie-
rung geschlossen. Das „Friedrichsbad“ (auf den rö-
mischen Badehaus-Ruinen aufgebaut) wird 1877
Das Kurhaus in Baden-Baden
nach acht Jahren Bauzeit eingeweiht. Man schätzt8
8
es als ein Juwel9 unter den internationalen Bädern deutsch“, und die große Anzahl der Touristen jedes
ein. Der prachtvolle Kuppelbau10 mit der kunstvoll Jahr unterstreicht die starke Anziehungskraft dieser
ausgestatteten Fassade11 und den beiden Ecktürmen schönen alten Stadt im Südwesten Deutschlands.
ermöglichen ein „historisches Badeerlebnis“. Die
Jörg Bauer
Spielbank wird 1933 wieder eröffnet. Ende des zwei-
1
ten Weltkrieges wird Baden-Baden der Sitz des Ober- die Residenzstadt: eine Stadt, in der ein König, ein Präsident, ein
befehlshabers der französischen Armee. Fürst o.Ä. wohnt und regiert 2 die Kurtaxe: eine Geldsumme, die man
zahlen muss, wenn man in einem Kurort übernachtet, und für die man
Ab den fünfziger Jahren blüht der Kurbetrieb wie- einige Leistungen billiger oder kostenlos erhält 3 der Leibarzt: der
der auf12, ebenso beginnen wieder die Pferderen- Hausarzt eines Fürsten o.ä. 4 Fango: <ital.> heilkräftiger Mineral-
schlamm 5 die Kur: eine (Heil)Behandlung über eine Zeit von einigen
nen und der Spielbankbetrieb. 1985 wird eine neue
Wochen, die der Regenerierung der Gesundheit allgemein dient
Bade- und Saunalandschaft13 (Caracalla-Therme) 6
[hotel: d-angelte:r:] „Hotel England“ 7 Die Residenz des Herzogs
eröffnet. Vier Jahre danach wird das Festspielhaus war in Karlsruhe. 8 einschätzen: sich eine Meinung von jemandem /
eingeweiht. Es ist mit 2500 Sitzplätzen eines der etwas machen È beurteilen 9 das Juwel: (hier) etwas, das man als
größten Opernhäuser der Welt. Heute leben in sehr wertvoll empfindet 10 die Kuppel: ein Dach o.Ä., das (wie eine
Halbkugel) gewölbt ist 11 die Fassade: die vordere äußere Seite ei-
Baden-Baden einige Prominente und die meisten
nes Gebäudes, die meist zur Straße zeigt 12 aufblühen: (hier) sich
Millionäre in Deutschland. Eine große Rundfunk- günstig entwickeln 13 die Sauna: ein Raum, der mit Holz verkleidet ist
anstalt hat hier ihren Sitz (SWR14). Viele ausländi- und den man sehr stark heizt. Man geht für kurze Zeit hinein, um kräf-
sche Besucher halten die Stadt für „typisch tig zu schwitzen. 14 SWR: Süd-West-Rundfunk

Wir erinnern uns


****
Dezember 2001 - Februar 2002
Die Termine für Dezember 2001 hatten wir irrtümlicherweise schon im letzten Heft veröffentlicht.
1977 (25 Jahre) 1952 (50 Jahre)
18.1. Todestag des Schriftstellers Carl Zuckmayer in Februar / Juli: Bei den Olympischen Winterspielen in Oslo
Visp (Schweiz). Er war zu Lebzeiten der erfolgreichste und den Sommerspielen in Helsinki dürfen erstmals nach
Dramatiker1 deutscher Sprache. dem Zweiten Weltkrieg wieder deutsche Sportler teilneh-
„Zuck“, wie ihn seine Freunde und men. Die Sportler kamen alle aus der BRD.
Verehrer nannten, wurde am 27. De-
zember 1896 in Nackenheim am 1902 (100 Jahre)
Rhein geboren. Als Offizier kehrte er 1.2. In ganz Deutschland gibt es
aus dem I. Weltkrieg zurück und ver- einheitliche Briefmarken. Bis-
suchte sich neben seinen Studien - her hatten die Königreiche Würt-
eher erfolglos - als expressionistischer2 temberg und Bayern eigene Brief-
Dichter. 1920 wechselte er endgültig marken herausgegeben. Die ersten
zum Theater. Der Durchbruch als Dra- gemeinsamen Briefmarken zeigten
matiker gelang ihm mit volkstümlichen3 Bühnenstücken eine sitzende Germania mit Kaiser-
wie „Der fröhliche Weinberg“. Sein Talent zeigte sich in
krone, ein Symbol der deutschen
realistischen Milieuschilderungen4 mit oft derber5 Komik
Einheit.
und plastischer6 Menschengestaltung.
1
der Dramatiker: jmd., der Dramen (= Texte [in Dialogen], die im Theater
Seine mehrfach verfilmte Komödie „Der Hauptmann gespielt werden È Schauspiele, Theaterstücke) schreibt 2 expressionistisch:
von Köpenick“ (1931) war eine zündende7 Satire8 auf einem Stil der (europäischen) Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts ange-
deutsches Obrigkeitsdenken9 und preußischen Militaris- hörig, in dem elementare Erlebnisse (z.B. des Krieges) mit intensiven, star-
mus10. Wegen seines öffentlichen Auftretens gegen Jo- ken Mitteln (Farben, Bildern usw) ausgedrückt werden 3 volkstümlich: beim
seph Goebbels11 erhielt Zuckmayer von den Nazis Auf- Volk beliebt 4 das Milieu: alles, was von außen die Entwicklung eines Men-
schen beeinflusst, besonders seine Familie, Freunde und Kollegen, der ge-
führungsverbot. 1933 emigrierte12 er mit seiner Frau zu- sellschaftliche Hintergrund È Umwelt 5 derb: nicht den Normen für anstän-
nächst nach Salzburg und ging 1938 in die USA, wo er diges Benehmen entsprechend È anstößig 6 plastisch: (hier) so, dass man
als Schriftsteller, Drehbuchautor und Farmer lebte. es sich genau vorstellen kann È anschaulich 7 etw. zündet: etw. bewirkt,
dass Menschen begeistert sind und (besonders geistig) aktiv werden 8 die
Sein 1947 in Zürich uraufgeführtes Stück „Des Teufels Satire: eine Art scharfe Kritik, mit der man die Fehler einer bestimmten Per-
General“ befasste sich mit dem Problem des Widerstands son, der Gesellschaft o.Ä. in übertriebener (und spottender) Form zeigt
im Dritten Reich. Es wurde zu einem Welterfolg. Ob- 9
das Obrigkeitsdenken: die Überzeugung, dass man den Mächtigen (der
wohl hochgeehrt, wollte sich Zuckmayer nach Kriegs- Regierung, Kirche usw) in allen Dingen (kritiklos) gehorchen soll 10 der
ende nicht mehr dauerhaft in Deutschland niederlas- Militarismus: die Einstellung, dass ein Land seine Ziele nur mit einer starken
Armee erreichen könne, und die Konsequenzen dieser Einstellung 11 J.G.
sen. 1958 siedelte er endgültig in die Schweiz über und war u.a. als Minister zuständig für die nationalsozialistische Propaganda unter
schrieb dort seine Autobiographie „Als wär´s ein Stück Adolf Hitler. 12 emigrieren: wegen bedrohlicher wirtschaftlicher, politischer
von mir“. Sie wurde zu seinem größten Prosaerfolg. oder religiöser Verhältnisse sein Heimatland verlassen
9
Aus dem Leben erzählt
Auch im finsteren Tal ... ****
Von einem Selbstmordkommando entführt Um 9.45 Uhr betätigt er den Notruf. Er schildert
die aussichtslose Lage und erklärt eindeutig, dass
Was macht ein Christ, wenn er in einem Flugzeug er wisse, dass sie hier nicht mehr lebend heraus-
sitzt, das von einem islamischen Selbstmord- kämen. Und dann macht der junge Christ etwas
kommando1 entführt2 und zum Absturz auf ein Ungewöhnliches. Er schreit nicht: „Gott, wo bist
symbolträchtiges3 Gebäude bestimmt ist? Beson- du?“ Er ruft nicht:
nenes4 Einreden5 auf Terroristen hat offenbar bei „Herr, hilf mir doch
derartigen Kommandos bisher nicht geholfen. Darf endlich!“ Er bleibt
man also Gewalt anwenden? Jesus Christus sagte ganz ruhig und spricht
doch aber: „Wenn dich jemand auf die rechte Bak-
mit der Frau in der
ke6 schlägt, dem halte auch die linke hin“? Ein
Telefonannahme im
Christ sollte also auf eine entsprechende Selbst-
Angesicht mordender
verteidigung verzichten. Doch hat nicht Jesus auch
Terroristen und seines
als das höchste Gebot (neben der Liebe zu Gott)
eigenen Todes das
die Liebe zum Nächsten gefordert? Wenn nun aber
Vaterunser 18: „Dein
meine Nächsten vom Tode bedroht werden, ge-
Reich komme. Dein
bietet dann nicht genau dieses Gebot, den ande-
Wille geschehe ... bis
ren zu schützen - notfalls mit Gewalt, wenn ihm
in Ewigkeit. Amen.“
sonst nicht zu helfen ist?
Dann beten sie zu-
Das alles sind keine theoretischen7 Spielereien. Das sammen Psalm19 23:
Ganze wurde Realität am berühmten 11. Septem- „Der Herr ist mein Hirte ... Und ob ich schon wan-
ber, wie aufgezeichnete8 Telefonate bezeugen. So derte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück;
ergab eine Auswertung des Stimmenrekorders des denn du bist bei mir.“ Dann bittet er noch darum,
in Pennsylvania9 abgestürzten Flugzeuges, dass es seine schwangere20 Frau und seine beiden Söhne
einen „wilden Kampf“ mit englischen wie arabi- zu grüßen.
schen Schreien in den letzten Minuten vor dem Nun erhebt sich der Christ und fordert vier andere
Absturz gegeben hatte. Dadurch wurde höchst-
Passagiere auf, zu versuchen, den Terroristen ent-
wahrscheinlich - so US-Experten - durch mutige
gegenzutreten, um Schlimmeres als den Absturz,
Passagiere der geplante Sturz des Flugzeuges auf
nämlich den Sturz auf Gebäude mit Menschen zu
den Präsidentensitz in Camp David10 vereitelt11.
verhindern. Die fünf mutigen Männer haben Ge-
Denn dank der Auseinandersetzungen an Bord zer-
schichte geschrieben21, als ihr Flugzeug um 10.00
schellte12 das Flugzeug vorzeitig auf einem Feld.
Uhr auf einem Acker zerschellte. Die Tageszeitung
Wer hat auf diese Weise verhindert, dass Amerika
„Die Welt“ überschrieb einen Bericht über diese Tat
in nicht noch tiefere Verzweiflung gestürzt wurde?
mit der Schlagzeile: „Licht inmitten der Finsternis“.
Ein mutiger Christ Mit freundlicher Genehmigung aus: „idea“ Nr. 39/01
1
Schon etwa eine halbe Stunde nach dem Anschlag das Kommando: (hier) eine Gruppe von Personen, die meist nach militäri-
schem Vorbild organisiert ist und eine bestimmte Aufgabe erfüllen soll
auf das Welthandelszentrum in New York um 8.45 2
entführen: jemanden gegen dessen Willen oder etwas mit Gewalt an einen
Uhr hören Passagiere des Fluges United Airlines13 bestimmten Ort bringen und ihn / es nur dann freigeben, wenn bestimmte
Forderungen erfüllt werden 3 -trächtig: im Adj, begrenzt produktiv; drückt
93 von dem Selbstmordkommando über ihre aus, dass das im ersten Wortteil Genannte wahrscheinlich eintritt 4 beson-
Mobiltelefone. Sie können nun mit ziemlicher Si- nen: ruhig und vernünftig 5 auf jemanden einreden: längere Zeit zu jeman-
dem sprechen, um ihn von etwas zu überzeugen 6 die Backe: einer der
cherheit vermuten, dass auch ihre Entführung ein beiden Gesichtsteile links und rechts von Nase und Mund È Wange
symbolträchtiges Ziel hat: das Kapitol14, Camp 7
theoretisch: nur in Gedanken (vorhanden), aber nicht in der Praxis, Wirk-
lichkeit 8 aufzeichnen: (hier) etwas auf Tonband oder Video speichern,
David oder das Weiße Haus15. Gleichzeitig erle- meist um es später sehen / hören zu können 9 [pÙn:sil:v‘inia] Bundes-
ben sie, wie die Terroristen anfangen, Passagiere staat der USA 10 [kämp: dÛi:vit] 11 vereiteln: verhindern, dass etwas
Erfolg hat 12 zerschellen: sehr heftig gegen etwas stoßen und dadurch in
zu ermorden. Was macht ein Christ in dieser Si- Stücke brechen 13 [ªµ’®¡©´ê´ ‘Û:Ь¡©®s] Fluggesellschaft der USA 14 das
tuation? Von einem wissen wir es - dank des in Kapitol: Parlamentsgebäude in Washington (USA) 15 das Weiße Haus: Sitz
des amerikanischen Präsidenten 16 [tott: bi:mÙr:] 17 [®ªµ:’¤’ø:к©]
US-Flugzeugen im Sitz des jeweiligen Vorderman- Bundesstaat der USA 18 das Vaterunser: Ein Gebet, dass Jesus seine
nes eingelassenen Telefonhörers für den Notfall: Jünger gelehrt hat (s. Matth. 6, 9-13) 19 der Psalm: ein Lied in der Bibel (die
von Todd Beamer16, einem 31 Jahre alten leiten- ganze Sammlung heißt: die Psalmen) 20 schwanger: mit einem Kind im
Bauch 21 Geschichte schreiben: etwas sehr wichtiges tun, an dass man
den Angestellten aus New Jersey17. sich noch lange erinnern wird
10
Geschichten zum Nachdenken

Vom König, der Gott sehen wollte **


In einem fernen Land lebte einmal ein König. Der Das gefiel dem König. Er fragte den Hirten: „Was
König wurde alt und sehr traurig. Er wollte gar nichts war vor Gott?“ Der Hirt dachte nach und sagte
mehr tun. „Seht“, sagte er, „in meinem Leben habe dann: „Fang an zu zählen!“ Der König begann:
ich alles erlebt, was man erleben kann. Ich habe „Eins, zwei, drei....“ „Nein, nein“, unterbrach ihn
viel gesehen, gehört und erfahren. Nur eins habe der Hirte, „nicht so. Fange mit dem an, was vor
ich nicht gesehen in meinem ganzen Leben: Gott eins kommt!“ „Wie kann ich das denn? Vor ‚eins’
habe ich nicht gesehen. Ihn möchte ich noch se- gibt es doch nichts.“ - „Sehr klug gesprochen“, sagt
hen, bevor ich sterbe.“ der Hirte. „Auch vor Gott gibt es nichts.“
Diese Antwort gefiel dem König noch besser. „Ich
werde dich reich beschenken, wenn du mir noch eine
dritte Frage beantworten kannst: Was macht Gott?“
Der Hirte merkte, dass das Herz des Königs weich
geworden war. „Gut“, sagte er, „auch darauf will
ich dir antworten.“ Nur um eins bitte ich dich: „Lass
uns für eine kurze Zeit die Kleider tauschen7.“
Der König legte die Zei-

Lana
Lana Jefimova
chen seiner Königswürde8

Jefimova
Deshalb befahl der König allen mächtigen Leuten, ab und kleidete damit den
den Weisen und Priestern1: „Zeigt mir Gott! Ihr habt Hirten. Er selber zog des-
dafür drei Tage Zeit. Wenn ihr es nicht schafft, wer- sen kaputte und schmutzi-
det ihr schwer bestraft!“ ge Kleider an und hängte
sich die Hirtentasche um.
Alle Bewohner des königlichen Palastes waren sehr Der Hirt setzte sich auf den
traurig. Sie warteten auf ihren Tod. Genau nach drei Thron9, nahm das Zepter10
Tagen rief der König alle vor sich. Aber keiner öff- und zeigte damit auf die
nete den Mund. Der König war sehr zornig2. Er woll- Stufen des Throns. Dort
te das Todesurteil aussprechen. stand der König mit seiner
Da kam ein Hirte3 vom Feld heim. Er hatte den Hirtentasche. „Siehst du,
Befehl des Königs gehört und sagte: „Erlaube mir das macht Gott! ... In Je-
König, deinen Wunsch zu erfüllen!“ „Gut“, sagte der sus Christus wurde der
König, „aber denk daran, es geht um deinen Kopf!“ große Gott selber ein Mensch. Er stieg von seinem
Thron herab und kam als kleines Kind in einem
Der Hirte führte den Stall zur Welt. Ja, er nahm für uns sogar den Tod
Lana Jefimova

König auf einen freien auf sich, den Verbrechertod am Kreuz.“


Platz und zeigte ihm
die Sonne. „Sieh in die Der Hirte zog wieder seine eigene Kleidung an. Der
Sonne“, sagt er. Der König stand lange da und dachte nach. Die letzen
König hob seine Augen Worte des Hirten gingen durch seinen Kopf. Plötz-
und wollte hinein- lich aber wurde er froh und sagte: „Jetzt sehe ich Gott.“
sehen. „Ich werde ja Nach Leo N. Tolstoi
ganz geblendet4, willst 1
der Priester: jmd., der ein religiöses Amt hat 2 zornig: voller Zorn;
du mich umbringen?“, wütend 3 der Hirte: jemand, der eine Herde von Tieren (auf der Weide)
fragt der König. „Aber bewacht 4 blenden: so hell ins Gesicht scheinen, dass man nichts oder
nicht viel sehen kann 5 die Schöpfung: das gesamte Universum (wie es
König“, sagte der Hir- von Gott geschaffen wurde) 6 der Funke: ein glühendes Teilchen, das
te, „das ist doch nur von einem brennenden oder heftig geriebenen Gegenstand wegspringt
ein kleines Ding der 7
tauschen: jemandem etwas geben, um dafür etwas anderes zu bekom-
Schöpfung5 . Wie ein men, das ungefähr den gleichen Wert hat 8 die Königswürde: das Amt
6 des Königs mit hohem Ansehen 9 der Thron: ein besonderer Sessel
kleiner Funke eines großen Feuers. Gott ist noch einer mächtigen Persönlichkeit, z.B. eines Königs oder Bischofs, der
viel größer. Wie willst du mit deinen schwachen deren Würde und Macht symbolisiert 10 das Zepter: eine Art Stab, den
Augen Gott sehen? Suche ihn mit anderen Augen!“ besonders Kaiser und Könige als Symbol ihrer Macht tragen
11
Feste und Bräuche

Das alte Jahr geht - ein neues kommt ***


Die Zeit zwischen den Jahren Sekt mit einem „Prost6 Neujahr“ an. Überall fängt
es laut an zu knallen7, und auch alle Kirchenglok-
Die Zeit zwischen dem Weihnachtsfest am 25.12. ken läuten. Man sieht oft ein buntes Feuerwerk.
und dem Neujahrsfest am 1.1. ist eine besondere Rund 150 Mio. DM werden jedes Jahr dafür aus-
Zeit. Der Volksmund1 bezeichnet sie auch als die gegeben. Früher wollte man mit dem Lärmen und
Zeit „zwischen den Jahren“. Wie aber kommt das? Knallen die bösen Wintergeister vertreiben.
Angefangen hat alles mit der Veränderung des Von einer Sekunde zur anderen beginnt ein neues
Kalenders. Früher benutzte man den sogenannten Jahr. Der Name des Monats Januar erinnert an
„julianischen“ Kalender aus dem Jahre 46 v. Chr., den römischen Gott des Anfangs: Janus, einen Gott
der sich nach dem Gang der Sonne richtete. Bald mit zwei Gesichtern. Er schaut noch einmal zurück
bemerkte man aber, dass dieser Kalender nicht und zugleich nach vorne.
ganz stimmte, und im Jahre 1582 wurde er von
Papst Gregor XIII. verändert. In diesem neuen „gre- So denken auch viele Menschen in dieser Zeit noch
gorianischen“ Kalender wurden zwölf Tage an das einmal über das alte Jahr nach und fragen sich,
eigentlich am 24.12. endende Jahr angehängt. was das neue für sie bringen wird. Viele Menschen
Damit gab es nun zwei Neujahrstage: den alten möchten Dinge im neuen Jahr anders machen. Sie
Neujahrstag am 25.12. und den neuen Jahresbe- treffen8 „gute Vorsätze“9, die aber oft nicht lange
ginn am 6.1. Später wurde dann der Neujahrstag halten. Andere hoffen auf alte Glückssymbole, wie
auf den 1.1. vorverlegt2, aber die Zeit zwischen das Hufeisen10, das vierblättrige Kleeblatt11, das
dem alten und neuen Jahresbeginn nannte man Glücksschwein oder den Schornsteinfeger12.
lange noch „zwischen den Jahren“.
Der Neujahrstag
Diese Zeit des Jahresendes war schon in vorchrist-
licher Zeit eine Zeit vieler Bräuche und Traditio- Der erste Tag des Jahres war schon immer ein Fei-
nen. Das Böse sollte vertrieben werden, und es ertag. Früher besuchte man die Familien und
gab bestimmte Dinge, die man nicht tun durfte3. Freunde. Man tauschte Ge-
Die Menschen waren unsicher, und viele wollten schenke aus, z. B. Neujahrs-
wissen, was das neue Jahr bringen wird. Dazu be- gebäck13, und wünschte sich
nutzte man Zauberei oder man versuchte durch Glück für das neue Jahr. Heu-
Bleigießen4 oder Kaffeesatz lesen die Zukunft vor- te schickt man die Neujahrs-
herzusagen. Noch heute sind viele dieser Bräuche grüße oft mit den Weihnachts-
bekannt. grüßen durch die Post oder man telefoniert mit-
einander.
Für viele Menschen ist diese Zeit heute aber eine
Zeit der Ruhe und Erholung. Sie müssen in dieser Ansonsten schläft man länger, manche machen
Zeit nicht arbeiten, sie besuchen Freunde oder einen Neujahrspaziergang oder gehen zu einem
gehen sogar in Urlaub. Neujahrskonzert. Ein neuer Kalender wird aufge-
hängt. Das neue Jahr hat begonnen.
Der Silvestertag Wie gut, dass wir nicht wissen, was kommen wird.
Am 31.12. ist der Silvestertag. Er ist nach dem 335 Aber wir dürfen Gott bitten, dass er im neuen Jahr
n. Chr. verstorbenen Papst Silvester I. benannt. Zu mit uns ist. Er allein kennt die Zukunft und an sei-
seiner Zeit wurde das Christentum zur römischen ner Hand dürfen wir sicher ins neue Jahr gehen.
Staatsreligion. Heute haben 1
der Volksmund: die typische Sprache (der Sprachgebrauch) des Vol-
an diesem Tag die Geschäfte
kes 2 vorverlegen: etwas auf einen früheren Zeitpunkt legen È vor-
nur bis Mittag auf. Am Nach- ziehen 3 dürfen: (hier) die Erlaubnis haben, etwas zu tun 4 das
mittag bereiten sich viele Men- Bleigießen: ein „Spiel“ am letzten Tag des Jahres, bei dem man flüssi-
schen auf gemeinsame Feste ges Blei in kaltes Wasser gießt und aus den entstandenen Figuren
und Feiern vor. Am letzten Tag Prophezeiungen für die Zukunft macht 5 die Runde: (hier) eine kleine
Gruppe von Personen, die sich gut kennen und die sich oft treffen
des Jahres möchte man gerne 6
Prost: verwendet, bevor man in Gesellschaft besonders den ersten
mit anderen zusammen sein. Man feiert in fröhli- Schluck eines alkoholischen Getränks trinkt 7 knallen: einen Knall
cher Runde5, und um 24 Uhr wünscht man sich [= ein sehr lautes Geräusch, wie es z.B. von einem Schuss oder einer
ein frohes neues Jahr oder stößt bei einem Glas Explosion kommt] von sich geben 8 treffen: (hier) etwas beschließen
12
und durchführen 9 der Vorsatz: ein Prinzip oder eine Idee, an die man drei (selten auch vier) runden Blättern] 12 der Schornsteinfeger: je-
sich in Zukunft halten will È Entschluss 10 das Hufeisen: ein geboge- mand, der beruflich Schornsteine [ = der Teil am Dach eines Hauses,
nes Stück Eisen, das man am Huf eines Pferdes mit Nägeln befestigt aus dem der Rauch der Heizung kommt È Kamin] reinigt 13 das Ge-
11
das Kleeblatt: ein Blatt des Klees [=eine niedrige (Futter)Pflanze mit bäck: kleine gebackene (meist süße) Stücke aus Teig
Aktuelle Trends

Die Love Parade in Berlin ****


An einem Samstag im Sommer zieht es viele junge elektronischen Musik. Einer der Grundsätze des Grün-
Menschen nach Berlin. Mit Bussen, der Bahn oder ders lautet: „Musik spricht tausende von Sprachen und
dem eigenen Auto geht es auf die „Love Parade“1. alle können sie verstehen“. Seit 2000 gibt es die
Auch am 21. Juli diesen Jahres kamen fast eine Mil- Loveparade auch in anderen Ländern.
lion „Raver“2 aus allen Teilen Deutschlands dort zu-
sammen. Die Loveparade versteht sich als Demonstration, ist
aber heute ein großes kommerzielles Ereignis. Ihr Ziel
Die Loveparade beginnt traditionell um 14 Uhr am ist es, die Botschaft von Frieden, Liebe, Respekt8 und
Ernst-Reuter-Platz und zeitgleich am anderen Ende der Toleranz9 in die Welt tragen. Sie möchte alle Menschen
Strecke, dem Brandenburger Tor. Dicht gedrängt lau- zusammenführen, ganz gleich, zu welchem Land oder
fen die Menschen entlang der Strasse des 17. Juni. welcher Rasse sie gehören und wie sie politisch den-
Viele tragen bunte Phantasiekostüme oder haben ih- ken. Die Menschen sollen in Frieden zusammenleben
ren Körper angemalt. Einige sind fast ganz nackt. Über und sich freuen können. Sie sollen das Leben durch
jede Art von Vergnügen genießen, auch durch Sex
und Alkohol.

Auf der Suche nach Frieden und Liebe


Die Love Parade zeigt: In allen, gerade auch jungen
Menschen wohnt die Sehnsucht10 nach Frieden, Freu-
de und Liebe. Aber Liebe, die nur an sich selber denkt,
ist keine wirkliche Liebe. Sie schließt das Opfer ein,
manchmal bis zur Hingabe unseres Lebens. Letztend-
lich geht es hier doch nur um Vergnügen und Spaß,
was am Ende dann eine große Leere hinterlässt.
der Menschenmenge wehen bunte Luftballons oder
Phantasiefiguren in der Luft. Die beiden Umzüge fah- Toleranz ist zwar wichtig, sie darf aber nicht gegen die
ren auf die Siegessäule zu, bei der sie sich treffen. Dort Wahrheit ausgespielt werden. Verständigung zwischen
findet alljährlich die Abschlusskundgebung statt. den Nationen ohne ein wirkliches Verstehen des an-
deren geht schnell in die Brüche11.
Begleitet werden sie von Lastwagen, sogenannten
„Trucks3“, auf denen Menschen tanzen und ungefähr Die Ereignisse der letzten Monate haben uns schmerz-
250 DJ4s Techno 5-Musik machen. Von weitem kann lich bewusst gemacht, wie zerbrechlich und bedroht
man die Musik hören: ein ständiges eintöniges „wum- der Friede auf dieser Welt ist. Es ist gut, wenn wir uns
wum-wum“, elektronisch erzeugt, ohne eine erkenn- dafür einsetzen. Am Ende aber kann allein Gott Frie-
bare Melodie. Und die Menschen bewegen sich stun- den schenken und die Menschen zu wahrer Liebe fä-
denlang im Rhythmus dieser Musik. Sie freuen sich hig machen. In Jesus Christus hat er uns die Kosten
an der Gemeinschaft miteinander. dafür deutlich vor Augen gestellt.
1
die Loveparade: [‘¬¡¦°Ù²¥ê¤] „Liebes-Parade“ 2 der Raver: [‘²¥ê¶Ð]
Musik spricht tausende von Sprachen (besonders von Jugendlichen verwendet) jemand, der gern auf Partys
zu Technomusik tanzt 3 der Truck: [´²¡«] Lastkraftwagen 4 DJ (sprich
Angefangen hat die Loveparade 1989 auf dem Kur- [‘¤©:¤’¥:]) Abk. für „Diskjockey“; hier jmd., der die Techno-Musik er-
fürstendamm. Dort versammelten sich der DJ Dr. zeugt 5 das Techno: [‘´Û«®¯]: moderne elektronische Tanzmusik mit
Motte mit etwa 150 Gleichgesinnten aus der Techno- schnellem, intensivem Rhythmus 6 das Pamphlet: [°¡­’¦¬¥Ð´] ein
Text mit oft politischem Inhalt, in dem etwas sehr stark und aggressiv
Szene, um mit Musik für seine Ideen zu demonstrie- gefordert oder kritisiert wird È Streitschrift 7 das Forum: (hier) ein
ren. Anstelle von großen Reden oder Pamphleten6 gab geeigneter Ort, um bestimmte Themen zu diskutieren o.Ä. È Plattform
es Musik. 8
der Respekt: eine Haltung, die zeigt, dass man jemanden oder etwas
sehr achtet È Achtung, Hochschätzung 9 die Toleranz: eine Einstellung,
Die Loveparade wuchs dann recht schnell auf über bei der man andere Meinungen o.Ä. respektiert oder duldet 10 die Sehn-
eine Million Raver und 50 Trucks an und wurde ein sucht: der sehr starke Wunsch, dass jemand da wäre oder dass man
offenes Forum7 für die Bewegung der internationalen etwas bekäme È Verlangen 11 in die Brüche gehen: kaputt gehen
13
Die bunte Seite
Lach mal wieder „Papi, kannst du mir sagen, wie ein Gehirn funktioniert?“
- „Lass mich in Ruhe! Ich habe etwas anderes im Kopf!“
„Dein Stören im Unterricht ist nicht mehr zu
ertragen, Karl“, schimpfte der Lehrer, „wenn „Herr Ober, ich habe Hunger wie ein Wolf!“ - „Tut mir
du das noch länger tust, wird dein Vater bald graue Haare leid, mein Herr, aber Rotkäppchen ist heute schon aus!“
bekommen“. „Hoffentlich“, sagte Karl, „da wird er sich
freuen. Denn jetzt hat er eine Glatze.“ Zungenbrecher
Die Ehefrau klagt: „Zu Anfang unserer Ehe hast du mir Sprich die Zungenbrecher möglichst schnell und ohne Fehler
immer das größere Stück Fleisch gegeben. Du liebst mich Schneiderschere schneidet scharf, scharf schneidet
nicht mehr.“ „Das stimmt nicht, Liebling, ich liebe dich Schneiderschere.
immer noch. Nur kochst du heute besser als vor zwanzig In Ulm, um Ulm und um Ulm herum.
Jahren.“ Blaukraut bleibt Blaukraut, und Brautkleid bleibt Brautkleid.
„Wie furchtbar, taubstumm zu sein“, bedauert eine alte Ich kann Schnellsprechsätze schneller sprechen als an-
Dame einen Bettler und wirft ihm eine Mark in seinen dere Schnellsprechsätze sprechen können.
Hut. „Blindsein war viel schlimmer“, antwortete der Bett-
Stuttgarter Stricker stricken Strümpfe mit stumpfen Strick-
ler, „da bekam ich nichts als Hosenknöpfe.“
nadeln.
„Wenn du unbedingt Benzin sparen willst, warum fah-
ren wir dann nicht mit dem Zug?“ - „Sei ruhig und schiebe Vater und Sohn
weiter!“
Weihnachten mit lieben Gästen
Beliebte Lieder
O du fröhliche, o du selige

mit Genehmigung der Gesellschaft für Verlagswerte GmbH, Kreuzlingen / Schweiz.


Eines der beliebtesten deutschen Weihnachtslieder.

Aus: e.o.plauen, „Vater und Sohn“, Gesamtausgabe


© Südverlag GmbH, Konstanz, 1982 (ren.)
2. O du fröhliche, o du selige1,
gnadenbringende Weihnachtszeit!
Christ ist erschienen, uns zu versühnen2:
Freue, freue dich, o Christenheit!
3. O du fröhliche, o du selige, Wie entstand das Wort?
gnadenbringende Weihnachtszeit!
„Einen guten Rutsch...“
Himmlische Heere jauchzen3 dir Ehre:
Freue, freue dich, o Christenheit! Am Ende des alten Jahres wünschen sich viele
Menschen einen „guten Rutsch“ ins neue Jahr. Dieser
Text: Johannes Daniel Falk 1819 / Heinrich Holzschuher
Wunsch hat aber nichts damit zu tun, dass man ins
1829; Melodie: Sizilianisches Schifferlied vor 1788
neue Jahr „rutscht“, vielleicht weil es draußen auf der
1
selig: (hier) in einem Zustand, in dem man keine Probleme und keine Wünsche Straße glatt ist.
mehr hat È sehr glücklich 2 versühnen. versöhnen (= bewirken, dass zwei
Personen oder Gruppen, die Streit hatten, wieder in Frieden miteinander leben) Der „gute Rutsch“ ist vielmehr eine sprachliche
3
jauchzen: mit lauter (hoher) Stimme jubeln „Verballhornung“ 1 und Verkürzung der jüdischen
Das aktuelle Buch Redewendung „gut Rosch Haschana“ (Rosch =
Diesmal können Sie das Buch von Wolfgang Bühne Sehnsucht
Anfang, Haupt; Haschana = Jahr).
der Betrogenen kostenlos bei uns bestellen. Es schildert die Statt einen „guten Rutsch“ sollte man sich also lieber
Erlebnisse und Erfahrungen fünf junger Menschen, die sich aus gleich ein frohes, glückliches oder gutes neues Jahr
dem normalen Leben zurückziehen. Eine tiefe Sehnsucht nach
Lebenserfüllung und ein Hunger nach Liebe und wirklichem
wünschen!
1
Frieden treibt sie in den Rückzug. Sie wollen der grauen die Verballhornung: die Veränderung von Schreibung oder Aussprache
Alltagwirklichkeit entfliehen. Ein packendes Buch! eines Wortes (aus Unkenntnis oder zum Spaß), so dass sie falsch werden

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„Weg“-Freizeiten

Freizeit mit Überraschungen


In diesem Jahr begann unsere Begegnungsfreizeit wirklich men und im Glauben an ihn gewachsen. Andere haben auf
mit einer Überraschung. Nur zwei Tage vor Abfahrt der 12 der Freizeit Jesus in ihr Leben eingeladen. Sie haben sich
deutschen Teilnehmern erfuhren wir, dass unsere Unterkunft entschieden, für ihn und mit ihm zu leben, weil nur er uns
in Sevastopol mit anderen Leuten belegt war und wir somit hilft, einen Sinn im Leben zu sehen.
gar keinen Platz hatten! Was sollten wir machen? Aber Gott
hatte vorgesorgt und innerhalb eines Tages durften wir ein
neues Erholungsheim in der Nähe von Aluschta, an der Süd-
küste der Krim, finden.

Allen Teilnehmern konnten wir noch rechtzeitig Bescheid


geben, und am 27.07. kamen dann die 33 Teilnehmer aus
der Ukraine, Moldawien, Weißrussland und Russland an. Es
sollte eine schöne und unvergessliche Zeit werden.

Im Mittelpunkt stand wie immer das Gespräch über die Bibel


und den Glauben an Jesus Christus. Die morgendlichen
Gesprächsgruppen waren interessant, und viele fanden Ant- Wie immer war der Abschied nach den zehn gemeinsam ver-
worten auf ihre Fragen. Nachmittags und abends unterhiel- brachten Tagen das Schwierigste. Aber es bleibt die Hoff-
ten wir uns viel miteinander, sangen Lieder, spielten, schwam- nung auf ein Wiedersehen und die Gewissheit, dass Jesus
men bei bestem Sommerwetter im schönen Schwarzen Meer Christus nicht nur auf der Freizeit, sondern auch im Alltag
oder gingen spazieren. Auch ein Tagesausflug, diesmal nach bei uns ist. Wir müssen ihn nur darum bitten!
Bachtschissaraj, gehörte zum Programm.
Volker Schmidt / Ljudmila Malanina
Was hat die Freizeit gebracht? Darauf hat wohl jeder Teil-
nehmer eine eigene Antwort. Viele sind Jesus näher gekom- Leser schreiben Lesern
Liebe Leser, hier ist wieder unsere Briefkontaktecke mit einem Teil der uns vorliegenden Adressen. Wir würden uns sehr freuen, wenn noch viele unserer
Leser dadurch einen neuen Brieffreund oder eine neue Brieffreundin finden. Viel Spaß beim Schreiben!
Anna Kowalenkowa Elis Tresnasari Anita Finke Kristina Valtyté
ul. Dimitrowa, 112 - 415 Griya Nugrata blok B IV no. 16 Silaine 1 K. Petrausko 6 - 16
443031 Samara, Russland Cianjur, Indonesien LV-3613 Puze, Venstpils raj. Kaunas, Litauen
18 J.; H: Deutsch, Reisen, Lesen ... 26 J.; Musik hören, deutsche Bücher lesen Lettland 20 J.; Musik, Kino, Reisen
Ljudmila Trigribzewa Artjom Nawogilow Nansija Jotkus Natascha Mirsakarimova
213263 Dorf Rekta Nr. 124 ul. Dolgoosjornaja, 5 / 1 - 416 Meza 58 2 mikrorayon 39 / 10
Slawgorodskij r-n, Mogilewskaja obl. 197373 St. Petersburg, Russland LV-3800 Saldus, Lettland 710032 Andishan,
Belarus - GUS 13 J.; Sprachen, Disco, Sport, Kino, Tiere u. Fotog. 20 J.; H: Reisen, Musik, Lesen, Bibelstudium, Usbekistan - GUS
18 J. Sprachen (Norwegisch, Deutsch, Englisch, 20 J.; H: Musik, Literatur, Deutsch, Englisch
Wanja Iwanow Russisch)
Alexandra Koshenewskaja Школа Рогизнянська
Tschuwaschien
ul. 3. September, 28 - 9 Egle Miliauskaite 5. Клас
ul. Elgera 8 - 17
454010 Tscheljabinsk Basanaviciaus 39 - 9 с. Рогизна
428025 Tscheboksary, Russland
Russland 4540 Kalvarija, Litauen Самбирський р–н, Львивська обл.
15 J.; H: Lesen, Sport, Musik, Briefwechsel
21 J.; H: Reisen, Sport, Wandern, Musik, 14 J.; H: Tanzen, Musik, Freunde treffen und Ukraine
Schlittschuh laufen Tatjana Ljuschnewskaja Briefe schreiben Lehrerin und Schüler der 5. Klasse suchen
ul. Sodtschich, 66 - 192 Brieffreunde
Lilija Vojevodina Julia Swiridowa
Vilniaus 26 - 9 03170 Kiew. Ukraine ul. Sputnikow, 10 - 36 Екатерина Чернова
4090 Salcininkai, Litauen 50 J.; H: Deutsch, geistliche Literatur, Reisen 399770 Jelets ул. Мясницкая, 54 – 45
17 J. Viktoria Gordeladze Lipetskaja obl., Russland 156005 г. Кострома, Russland
Pionerskay 17 - 87 21 J.; H: Sprachen, Reisen, Sport, Musik, 17 J.: H: Briefe schreiben
Rimantas Stanevicius
429959 Novocheboksarsk Briefmarken; sucht Brieffreunde ab 21 J.
Poste Restante Gultschechra Kuschinova
3000 Kaunas, Litauen Russland Wiktor Manzurow ul, Kochramon, 13
45 J.; H: Kunst, Literatur, ital. Kultur, malt und 17 J.; H: Musik hören, malen, reisen, Sport Adomaiciu k., Lavoriskiu pst. 717136 Kisil-Rowot, Uytschi raj.
schreibt; Brieffreunde von 30 - 75 J., in D, Pl, treiben, lesen ...; (russisch und englisch) Litauen Usbekistan - GUS
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Mein sind die Jahre nicht, die mir die Zeit genommen, mein sind die
Jahre nicht, die etwa mögen kommen. Der Augenblick ist mein, und
nehm ich den in acht, so ist der mein, der Jahr und Ewigkeit gemacht.
Andreas Gryphius (1616 - 1664)

Deutsche Märchen
Die Sterntaler **
Es war einmal ein kleines Mädchen. Als es noch weiter gegangen

Lana Jefimova
Seine Eltern waren gestorben, war, traf es ein anderes
und es war sehr arm. Es hatte Kind. Das hatte keinen Pull-
kein Zimmer zum Wohnen und over an und fror. Da gab es
kein Bett zum Schlafen. Ja, nun ihm den seinen. Und noch
hatte sie auch keine Kleider ein anderes Kind hatte kei-
mehr. Nur die, die sie gerade am nen Rock. Da gab es ihm
Körper trug. Was es noch hatte, seinen Rock.
war ein Stück Brot. Das hatte ihr Nach einiger Zeit kam das
jemand geschenkt, der Mitleid Mädchen in einen Wald. Es
Lana Jefimova

mit ihr hatte. Das Mädchen aber war schon dunkel geworden. Da traf es noch ein
war gut und glaubte fest an Gott. Kind. Das bat um sein Hemd. Das Mädchen dach-
Und weil es von allen Menschen te: „Es ist dunkel und niemand sieht mich. Da kann
verlassen war, ging es im Vertrau- ich doch mein Hemd abgeben.“ Es zog sein Hemd
en auf Gott in die Welt hinaus. aus und gab es dem Kind.
Da begegnete es einem ar- Und als das Mädchen so dastand

Lana Jefimova
Lana Jefimova

men Mann. Der sprach: und gar nichts mehr hatte, fie-
„Ach, gib mir etwas zu es- len auf einmal Sterne vom
sen, ich bin so hungrig!“ Himmel. Es waren lauter sil-
Das Mädchen gab ihm das berne, harte Geldstücke1. Und
ganze Stück Brot und sag- obwohl das Mädchen sein
te: „Gott schütze dich!“ Hemd weggegeben hatte, hat-
Dann ging es weiter. te es ein neues an. Es war aus
Da kam ein Kind, das einem wunderschönen Stoff.
klagte und sprach: „Es Da sammelte es die Geldstük-
friert mich so an meinem ke ein und war sein ganzes Le-
Kopf. Schenk mir etwas, damit ich ihn bedecken ben lang reich.
kann!“ Da nahm das Mädchen seine Mütze ab und Märchen nach den Gebrüdern Grimm
gab sie ihm. 1
eigentlich: Taler; eine alte deutsche Münze

Der Weg - Die Zeitsc


We hrift für Deutsc
Zeitschrift hlernende
Deutschlernende
Ausgabe Nr. 36 (Dezember 2001 - Februar 2002) ISSN 1615-7745
Redaktion: Volker Schmidt Der „Weg“ erscheint vierteljährlich kostenlos
Wir freuen uns sehr auf Ihre Post. Leider können wir nicht alle Briefe beantworten, aber wir lesen alles
aufmerksam durch. Bestellungen von Schulen und Universitäten nehmen wir gerne entgegen. Diese sollten
jedoch 15, und bei besonderem Bedarf 30 Hefte nicht übersteigen. Um den „Weg“ ohne Unterbrechung zu
bekommen, sollten Sie uns mindestens alle eineinhalb Jahre schreiben. Bitte geben Sie in jeder Korrespondenz
Ihre Lesernummer an und bei Adressänderungen immer die alte und neue Adresse und Postleitzahl an.

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