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Nun will der Lenz uns grüßen

August Fischer (1885) 

Der Ursprungstext zu diesem alten Reigenlied stammt aus dem 13. Jahrhundert von Neithardt von Reuental, der 1885 
von August Fischer überarbeitet wurde. Die Melodie ist eine Volksweise in Anlehnung an das alte Geusenlied Wilhelm 
von Nassauen aus dem 17. Jahrhundert.

Volksweise (melodie)

Nun will der Lenz uns gruü ßen,


von Mittag weht es lau;
aus allen Ecken sprießen
die Blumen rot und blau
D’raus wob die braune Heide
Sich ein Gewand gar fein
und laü dt im Festtagskleide
zum Maientanze ein

Waldvoü glein Lieder singen,


wie ihr sie nur begehrt.
D’rum auf zum frohen
Springen,
die Reis’ ist Goldes wert!
Hei, unter gruü nen Linden,
da leuchten weiße Kleid’ !
Haja, nun hat uns Kinden
Ein End all Wintersleid!
Die Blümelein, sie schlafen
Anton Wilhelm von Zuccalmaglio (1840) 

Die Melodie des Liedes geht zurück auf eine alte Weise von 1697, die Anton Wilhelm von Zuccalmaglio (1803­1869) 
für seine Liedersammlung 1840 umgestaltete.

Die Blümelein, sie schlafen
schon längst im Mondenschein,
sie nicken mit den Köpfchen
auf ihren Stengelein.
Es rüttelt sich der Blütenbaum,
er säuselt wie ein Traum;
schlafe, schlafe,
schlaf du, mein Kindelein.

Die Vögelein, sie sangen
so süß im Sonnenschein,
sie sind zur Ruh gegangen
in ihre Nestelein.
Das Heimchen in dem Ährengrund
es tut allein sich kund.
Schlafe, schlafe,
schlaf du, mein Kindelein.

Sandmännchen kommt geschlichen
und guckt durchs Fensterlein,
ob irgend noch ein Kindchen
nicht mag zu Bette sein.
Und wo er nur ein Kindlein fand,
streut er ins Aug ihm Sand.
Schlafe, schlafe,
schlaf du, mein Kindelein.

Sandmännchen, aus dem Zimmer!
Es schläft mein Herzchen fein.
Es ist gar fest verschlossen
schon sein Guckäugelein.
Es leuchtet morgen mir Willkomm,
das Äugelein so fromm.
Schlafe, schlafe,
schlaf du, mein Kindelein
Im schönsten Wiesengrunde
Wilhelm Ganzhorn (1853) 

Wilhelm Ganzhorn schrieb das Gedicht Das stille Tal 1851. 1876 erschien es 
erstmals in der "Schwäbischen Lieder­Chronik" und besitzt im Original 13 
Strophen, die zusammen ein schönes Gesamtbild ergeben. Üblicherweise werden 
jedoch nur die Strophen 1, 12 und 13 gesungen.     Volksweise (um 1850)

Im schönsten Wiesengrunde
ist meiner Heimat Haus;
da zog ich manche Stunde
ins Tal hinaus.
Dich, mein stilles Tal,
grüß' ich tausendmal!
Da zog ich manche Stunde
ins Tal hinaus.

Wie Teppich reich gewoben,
Steht mir die Flur zur Schau;
O Wunderbild, und oben
Des Himmels Blau.
Dich mein stilles Tal
Grüß ich tausendmal!
O Wunderbild, und oben
Des Himmels Blau.

Herab von sonn'ger Halde
Ein frischer Odem zieht;
Es klingt aus nahem Walde
Der Vögel Lied.
Dich mein stilles Tal
Grüß ich tausendmal!
Es klingt aus nahem Walde
Der Vögel Lied.

Die Blume winkt dem Schäfer
Mit Farbenpracht und Duft;
Den Falter und den Käfer
Zu Tisch sie ruft.
Dich mein stilles Tal
Grüß ich tausendmal!
Den Falter und den Käfer
Zu Tisch sie ruft.

Das Bächlein will beleben
Den heimlich trauten Ort;
Da kommt's durch Wiesen eben
Und murmelt fort.
Dich mein stilles Tal
Grüß ich tausendmal!
Da kommt's durch Wiesen eben
Und murmelt fort.

Das blanke Fischlein munter
Schwimmt auf und ab im Tanz;
Rings strahlen tausend Wunder
Im Sonnenglanz.
Dich mein stilles Tal
Grüß ich tausendmal!
Rings strahlen tausend Wunder
Im Sonnenglanz.

Wie schön der Knospen Springen,
Des Tau's Kristall im Licht!
Wollt ich es alles singen ­
Ich könnt es nicht!
Dich mein stilles Tal
Grüß ich tausendmal!
Wollt ich es alles singen ­
Ich könnt es nicht!

Kommt, kommt der Tisch der Gnaden
Winkt reichlich überall;
Kommt, all' seid ihr geladen
Ins stille Tal!
Dich mein stilles Tal
Grüß ich tausendmal!
Kommt, all' seid ihr geladen
Ins stille Tal!

Wie froh sind da die Gäste!
Da ist nicht Leid noch Klag';
Da wird zum Friedensfeste
Ein jeder Tag!
Dich mein stilles Tal
Grüß ich tausendmal!
Da wird zum Friedensfeste
Ein jeder Tag!

Wie sieht das Aug so helle
Im Buche der Natur!
Der reinsten Freuden Quelle
Springt aus der Flur.
Dich mein stilles Tal
Grüß ich tausendmal!
Der reinsten Freuden Quelle
Springt aus der Flur.

Hier mag das Herz sich laben
Am ew'gen Festaltar;
Kommt, bringet Opfergaben
Mit Jubel dar!
Dich mein stilles Tal
Grüß ich tausendmal!
Kommt, bringet Opfergaben
Mit Jubel dar!

Müßt aus dem Tal ich scheiden,
Wo alles Lust und Klang,
Das wär mein herbstes Leiden,
Mein letzter Gang.
Dich, mein stilles Tal,
Grüß ich tausendmal!
Das wär mein herbstes Leiden,
Mein letzter Gang.

Sterb ich, in Tales Grunde
Will ich begraben sein,
Singt mir zur letzten Stunde
Beim Abendschein:
"Dir, o stilles Tal,
Gruß zum letztenmal!"
Singt mir zur letzten Stunde
Beim Abendschein.
Der Mond ist aufgegangen
Matthias Claudius (1790) 

Der Mond ist aufgegangen wurde 1790 vom Matthias Claudius als religiöses Abendlied geschrieben. Vertont wurde es 
noch im selben Jahr vom Hofkapellmeister Johann A. P. Schulz.

Johann Abraham Peter Schulz (1790) (melodie)

Der Mond ist aufgegangen,
die goldnen Sternlein prangen
am Himmel hell und klar;
der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar.
Wie ist die Welt so stille
und in der Dämmrung Hülle
so traulich und so hold,
als eine stille Kammer,
wo ihr des Tages Jammer
verschlafen und vergessen sollt!

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
die wir getrost verlachen,
weil unsre Augen sie nicht sehen.

Wir stolze Menschenkinder
sind eitel arme Sünder
und wissen gar nicht viel;
wir spinnen Luftgespinste
und suchen viele Künste
und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, laß dein Heil uns schauen,
auf nichts Vergänglichs trauen,
nicht Eitelkeit uns freun;
laß und einfältig werden
und vor dir hier auf Erden
wie Kinder fromm und fröhlich sein!

Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!
Und, wenn du uns genommen,
Laß uns in Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!

So legt euch denn ihr Brüder
in Gottes Namen nieder.
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott, mit Strafen
und laß uns ruhig schlafen
und unsern kranken Nachbarn auch

Und in dem Schneegebirge
Volkslied (18. Jh.) 

Volksweise (18. Jh.) 
Und in dem Schneegebirge
da fließt ein Brünnlein kalt.
Und wer daraus tut trinken,
der wird ja nimmer alt.

Ich hab daraus getrunken
gar manchen frischen Trunk.
Ich bin nicht alt geworden,
ich bin noch immer jung.

Das Brünnlein das da drüben fließt,
draus soll man immer trink'n;
wer eine Feinsherzallerliebste hat,
der soll man immer winken.

Ich wink' dir mit den Augen,
ich tret dir auf den Fuß.
Ach, wie ein schweres Roden,
wenn einer scheiden muß!

Ade, mein Schatz, ich scheide.
Ade, mein Schätzelein!
Wann kommst du denn doch wieder,
Herzallerliebste mein?

Wenn es wird schneien Rosen
und regnen kühlen Wein ­
Ade, mein Schatz, ich scheide,
ade, mein Schätzelein!

Es schneit ja keine Rosen
und regn't auch keinen Wein:
da kommst du denn nicht wieder,
Herzallerliebster mein!