Sie sind auf Seite 1von 2

Kritische MIN-Studierende

Lernen und Forschen


in Gesellschaftlicher Verantwortung
Dies Academicus der MIN-Fakultät am 20. Mai 2015
„Wir wenden uns mit diesem Engagement gegen die ständigen Verschlechterungen, die den
Hochschulen politisch aufgebürdet werden, sowie gegen aktuelle Ärgernisse: mit einem
„Strategiepapier“ zur Entwicklung der Hamburgischen Hochschulen will der Senat diesen gegen
ihren Willen eine einseitige Ausrichtung auf Wirtschaftscluster auferlegen, mit dem neuen
Hamburgischen Hochschulgesetz hat der politische Senat den Hochschulen die von diesen
nachdrücklich und begründet geforderte Demokratisierung verweigert, die groß angekündigten und
dringend notwendigen Baumaßnahmen zur Gewährleistung der Arbeitsfähigkeit werden erheblich
verschleppt, die chronische Unterfinanzierung der Hochschulen wird immer weiter zugespitzt. …
Diese Politik ist zum großen Schaden von Bildung und Wissenschaft. Damit schadet sie allen
Bürger_innen, denn sie schränkt die Universität darin ein, ihrem Anspruch gerecht zu werden,
durch Bildung und Wissenschaft dem Wohle der Gesellschaft zu dienen.“
Beschluss des Akademischen Senates der Universität Hamburg zum „Heißen Herbst“ vom 23.10.2014.

„Fegebank: >Wir wollen den Forschungsstandort stärken und gehen in die nächste Runde der
Exzellenzinitiative für die Zeit ab 2017. Da wollen wir nach den Erfolgen in der Klima- und der
Strukturforschung weitere Exzellenzcluster etablieren. … Einfach nur das Portemonnaie
aufzumachen und mit der Gießkanne über die Hochschulen zu schütten, wäre aus meiner Sicht
nicht der richtige Weg.<“
Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank im Interview mit dem Hamburger Abendblatt am 25.4.2015.

Wissenschaft zum Wohle der Gesellschaft oder drittmittelfinanzierte Exzellenzorientierung sind


inhaltliche Gegensätze: Zu den wenigen Forschungszusammenhängen aus der Universität
Hamburg, die bei der Exzellenzinitiative der Bundesregierung ein kleines Stück vom Kuchen
ergattern konnten, gehören Arbeitsgruppen aus dem Themen-„Cluster“ (deutsch: Haufen)
„Klimawandel und Nachhaltigkeit“. Aus diesen Zusammenhängen wird zurzeit das „Centrum für
Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit“ (CEN)
aufgebaut. Ein wesentliches Ziel ist dabei die
Verstetigung des bisherigen Aufkommens an Dies Academicus
Drittmitteleinwerbungen. Nun bemüht sich eine der Fakultät für Mathematik,
Gruppe von Professoren des Fachbereiches
Geowissenschaften dieses eigentlich Informatik und Naturwissenschaften
fäkultätsübergreifende CEN durch eine Politik der
kurzen Wege an sich zu binden, und zwar indem
man sich vom vermeintlich trägen Rest der MIN- Zum Thema:
Fakultät abspalten und eine eigene Fakultät
gründen möchte. Die Motivationen der „Fachüberschreitendes
verschiedenen Beteiligten mögen dabei
unterschiedlich gelagert sein, die Hoffnungen, die Studium“
sie jeweils mit einer solchen Spaltung verbinden
mehr oder weniger irreal, einig ist man sich aber
offenbar in der Einschätzung: Alleine kommen wir Mittwoch, 20. Mai 2015, 1400-1800
besser klar, die Zeiten sind hart, da muss jeder Geomatikum, Hörsaal 4
sehen, wo er bleibt. Wissenschaft nach dem
Motto: Recht hat, wer sich am besten verkauft – genau diese Exzellenz wünscht sich auch die neue
grüne Wissenschaftssenatorin.

Tatsächlich steht die unsympathischen Jagd nach Drittmitteln und strukturellen Konkurrenzvorteilen
aber eben im konkreten Gegensatz zum entwickelten Leitbild der Universität, durch Wissenschaft
und Bildung zu einer „humanen, demokratischen und gerechten Gesellschaft bei[zu]tragen“. Beim
Aufbau des CEN geht es inhaltlich um die Frage: Was versteht man unter Nachhaltigkeit? Geht es
– zum Beispiel anhand der Herausforderungen des Klimawandels – lediglich um technische Fragen
der effizienten Ressourcennutzung? Oder geht es um ein qualitativ neues Niveau des Verhältnisses
zwischen Mensch und Natur, um einen gesellschaftlichen Lernprozess, ausgehend von der
Erkenntnis, dass eine Welt, die erheblich von Profitinteressen bestimmt wird, auch für eine sinnvolle
Nutzung natürlicher Ressourcen nicht klug eingerichtet ist. Letztere Aufgabe ist offenkundig keine
speziell naturwissenschaftliche und kann nur in fachüberschreitender Kooperation positiv
beantwortet werden.

Genau diese Fragen, „Wie ist ein nachhaltiges Verhältnis der menschlichen Gesellschaft zu ihrer
natürlichen Umwelt zu erreichen?“, „Was ist erforderlich, um zivile Konfliktlösungen, Entspannung
und umfassende Abrüstung zu ermöglichen und zu befördern?“, „Wie kann wissenschaftlich-
technischer Fortschritt wirklich zu sozialen und kulturellen Verbesserungen, zu guter Arbeit,
demokratischer Kommunikation, Mobilität und Inklusion beitragen?“, müssen in Forschung, Lehre
und Studium fachüberschreitend ganz wesentlich thematisiert werden. Zu reflektieren, wie sich dies
in Studienplänen und Forschungsprogrammen, in Kapazitätsplanungen und Fakultätsstrukturen
niederschlagen soll ist Aufgabe der demokratischen akademischen Selbstverwaltung, ebenso wie
die Frage, wie sich die wissenschaftlich Tätigen, vom Erstsemester über den Bibliothekar bis zum
Emeritus gemeinsam und jeweils speziell in gesellschaftliche Auseinandersetzungen einbringen
können, damit progressive Wissenschaft auch zur Geltung kommen und unter guten Bedingungen
realisiert werden kann.

Um in dieser Hinsicht bezüglich der Studienreform weiter zu kommen, hat die MIN-Fakultät für den
20. Mai einen Dies Academicus (Tag der wissenschaftlichen Diskussion) anberaumt, der sich
insbesondere mit der Ausweitung und Neugestaltung des fachüberschreitenden Studiums (FüS-
Bereich genannt) befassen soll. Dabei zu diskutierenden ist beispielsweise:
 Welche Ziele verbinden wir überhaupt mit einem fachüberschreitenden Studium?
 Was hat die eigene Fachkultur dem Rest der Universität, der Wissenschaft insgesamt, der
Gesellschaft mitzuteilen? Was ist jeweils von den anderen zu lernen?
 Was kann das kulturell und didaktisch für den Studienverlauf und die
Lehrveranstaltungsplanung bedeuten? Welche administrativen Hürden in Lehre und Studium
sind dafür zu überwinden?
 Was muss sich dafür auch an den (nicht zuletzt gesetzlichen und finanziellen)
Rahmenbedingungen ändern?
In solidarischer und wissenschaftlich fundierter Debatte lässt sich all das klug und verantwortlich
beantworten.

Dies Academicus
der Fakultät für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften

Zum Thema: „Fachüberschreitendes Studium“


Mittwoch, 20. Mai 2015, 1400-1800, Geomatikum, Hörsaal 4

V.i.S.d.P.: Tobias Berking, An der Verbindungsbahn 8, 20146 Hamburg