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Universität Zürich Paul Klee - Konzepte und Methoden der Forschung

Kunsthistorisches Institut Herbstsemester 2010


Prof. Dr. Wolfgang Kersten Walo Wittwer

Otto Karl Werckmeister: Von der Exegese zur historischen Kritik am


Beispiel von Paul Klee

O. K. Werckmeisters methodischer Ansatz wird bereits aus der Unterkapitel-Struktur


deutlich: Einen enormen Fokus auf Quellenkunde und Quellenkritik.

1. Klee und die Klee-Literatur (indirekte Quellen versus direkter Quellen)


2. Oeuvre und Geschichte (direkte Quelle und historisches Umfeld)
3. Klee im ersten Weltkrieg
4. Klee in der Weimarer Republik
5. Klee im Exil
6. Klees Veröffentlichungen (direkte Quellen)
7. Von der Exegese zu historischen Kritik (Werkmeisters Auffassung einer objektiven
wissenschaftlichen Kunstgeschichte)
„Quellenkunde ist die Lehre von der Verwendung von Nachrichten zum Zwecke der
Erhellung eines Gegenstandes. Quellenkritik ist die Überprüfung dieser Nachricht auf ihren
Wert und ihre Aussagekraft hin.“1

⇒ Vorwurf fehlender Quellenkritik als Grundtenor Werkmeisters Aufsatzes

Kunstbiographische Gliederung und historischer Hintergrund im Zusammenhang:

Kunstbiografische Frühwerk bis 1920 Mittlere Spätwerk


Gliederung Schaffenszeit bis
1933
Klees Stellung Avantgardistischer Internationale entarteter Künstler
Opponent der Erfolgsfigur der
konservativen Moderne,
Kultur Bauhausmeister
und
Akademieprofessor
Historische 2. Kaiserreich von Weimarer Republik Nationalsozialistische
Gliederung 1871 Diktatur
Werckmeisters Klee im 1. Klee in der Klee im Exil
Gliederung der Weltkrieg Weimarer Republik
Kapitel
Gliederung der 1. Katalog 2. Katalog 3.Katalog
Sammlungskataloge
von J. Glaesemer
(Handzeichnungen)

1
Bauer 1976, S.118.
Synchronisation von Biographie und Kunstgeschichte ergibt zwei Leitideen:
1. Konvergenz von Klees jahrzehntelanger Selbstausbildung (in sich stringente
Entwicklung: Linie, hell-dunkel, Farbe)
2. Biologische Polarisierung zwischen Kindheit und Tod (kindliche Spontaneität des
Frühwerks bzw. Reflexion über den Tod im Spätwerk)
„Glaesemer akzeptiert Klees Selbstauffassung einer autonomen künstlerischen Existenz
fraglos als gelungen, statt sie als Resultat ständiger Auseinandersetzungen mit der
wechselnden geschichtlichen Situation zu beurteilen, denen der Künstler sie abgewann. So
bestimmt dieser noch über den Tod hinaus die erste wissenschaftliche Darstellung seiner
Kunst, und zwar umso direkter, als gerade das Material, auf das sich Glaesemer stützt, Klees
Nachlasss, einer Selbstdarstellung des Künstlers gleichkommt.“2

⇒ Kritik: fehlende kritische Haltung gegenüber den direkten Quellen des Künstlers

Werckmeister sieht in Geelhaars Neuausgabe „einen Beitrag zur Lösung des Grundproblems
eines geschichtlichen Verständnisses der modernen Kunst. Ziel ist es, die
Wechselwirkungen mit einem geschichtlich und gesellschaftlich bestimmten Publikum
aufzuzeigen.3

⇒ der entscheidende Schritt ist, das Werk Klees als eine für die Öffentlichkeit bestimmte
Produktion zu sehen.

Literaturverzeichnis:
Werckmeister 1981: Otto Karl Werckmeister, Versuche über Paul Klee, Frankfurt/Main 1981, S. 179-
197.

Kersten 1997: Wolfgang Kersten, „Radical Art History“. Ein akademisches Gespräch über O. K.
Werckmeister, in: Radical Art History: Internationale Anthologie; Subject: O. K. Werckmeister, hrsg.
v. Wolfgang Kersten, Zürich 1997, S. 10-21.

Werckmeister 1982: O. K. Werckmeister, Radical Art History, in: Art Journal 4/1982, The Crisis in
the Discipline, No. 4, Vol. 42, S. 284-291.

Bauer 1989: Hermann Bauer, Kunsthistorik: Eine kritische Einführung in das Studium der
Kunstgeschichte, München 1989, S. 118-123.

URL: http://www.tate.org.uk/liverpool/eventseducation/symposia/21621.htm, Homepage Tate


Modern, biographische Daten zu O. K. Werckmeister (4.10.2010).

2
Werckmeister 1981, S. 183.
3
Vgl. Werckmeister 1981, S.192.