Sie sind auf Seite 1von 2

Enklise

Enklitika [d. h. „sich anlehnende (Wörter)“] heißen einige ein- oder zweisilbige

Wörter, die sich so eng an das vorhergehende Wort anlehnen, dass sie mit diesem

eine lautliche Einheit bilden und dabei gewöhnlich ihren Akzent entweder ganz

verlieren (→ Beispiele 1 und 2) oder ihn als Akut an die Endsilbe des vorher-

gehenden Stützwortes abgeben (→ Beispiele 3 - 5), welches dann sogar zwei

Akzente besitzen kann (→ Beispiele 3 und 4).

Regeln:
1. Ein Zirkumflex auf der Endsilbe eine Stützwortes bleibt bei der Enklise erhalten
(→ Beispiel 1).
2. Nur ein Stützwort mit einem Akut auf der vorletzten Silbe erhält keinen weiteren
Akut (→ Beispiel 2). Auch behält nur nach einem solchen Stützwort ein zwei-
silbiges Enklitikon seinen Akzent (→ Beispiel 6).
3. Auch ein Átonon1 erhält außer nach εἰσίν bei der Enklise einen Akut
(→ Beispiel 7) ⇒ siehe aber „Besonderheiten der Enklise bei ἐστί(ν)“.
Steht οὐ am Satzende, erhält es ebenfalls einen Akut (→ Beispiel 9).
4. Enklitika behalten ihren Akzent aber, wenn die Silbe, auf die ihr Akzent fallen
müsste, elidiert ist (→ Beispiel 8).
Beispiele: 1. τῶν υἱῶν τις - einer von den Söhnen
2. ξένος τις - irgendein Fremder
3. ἄνϑρωποί τινες - einige Menschen
4. δοῦλός τις - irgendein Sklave
5. χοροί τινες - manche Chöre (Akut statt Gravis!)
6. Φίλος ἐστίν. - Er ist ein Freund.
7. ὥς τις (aber ὡς εἰσί) - wie man (dass sie sind)
8. ϑαυμαστὸν δ᾽ ἐστίν - es ist aber erstaunlich
(statt δέ ἐστιν)
9. Πῶς δ᾽ οὔ; - „warum nicht?“: gewiss, sicherlich

1
ὁ, ἡ, οἱ, αἱ; ἐν, εἰς, ἐκ (ἐξ); εἰ, ὡς; οὐ (οὐκ, οὐχ)
Kantharos, Enklise (18.11.2015)
Besonderheiten der Enklise bei ἐστί(ν)
In den folgenden Fällen bleibt der Akzent unter Verlagerung auf die erste

Silbe erhalten ⇒ ἔστι(ν):

- in der Bedeutung „ist vorhanden, existiert, ist da, befindet sich“

- in der Bedeutung „es ist erlaubt, es ist möglich“

- nach ἀλλ᾽, εἰ, καὶ, οὐκ, τοῦτ᾽ und ὡς

(z. B. οὐκ ἔστι καλός - er ist nicht schön)

- am Satzanfang

Kantharos, Enklise (18.11.2015)