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RÖMISCH-GERMANISCHE KOMMISSION, FRANKFURT A. M.

ÖSTERREICHISCHES ARCHÄOLOGISCHES INSTITUT, WIEN

Bruckneudorf und Gamzigrad


Spätantike Paläste und Großvillen
im Donau-Balkan-Raum

Akten des Internationalen Kolloquiums in Bruckneudorf


vom 15. bis 18. Oktober 2008

herausgegeben von
Gerda v. Bülow und Heinrich Zabehlicky

Dr. Rudolf Habelt GmbH · Bonn 2011


VIII, 314 Seiten, 241 Abbildungen und 2 Tabellen

Gefördert durch
Deutsche Forschungsgemeinschaft
Ministerium für Bauen und Verkehr
des Landes Nordrhein-Westfahlen
Landschaftsverband Rheinland

Titelbild
Der unterlebensgroße Marmorkopf des Herkules wurde im Umfeld des Großen Tempels
von Romuliana gefunden. Nationalmuseum Zaječar.
Unterlegt sind die Periodenpläne der Villa von Bruckneudorf.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek


Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation
in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische
Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar

© 2011 by Römisch-Germanische Kommission


des Deutschen Archäologischen Instituts Frankfurt a. M.
© by Österreichisches Arschäologisches Institut Wien
Satz: Maria Scherrer, Wien
Druck: druckhaus köthen GmbH, Köthen
gedruckt auf alterungsbeständigem Papier
ISBN 978-3-7749-3748-2
ISBN-13: 978-3-900305-59-8
Vorwort

Zwischen 1949 und 2004 wurde die „Villa“ bei Bruckneudorf, östlich
von Wien und nur etwa 20 km von Carnuntum, der Hauptstadt der
römischen Provinz Pannonia superior, gelegen, in mehreren Etappen
freigelegt. Dabei konnten allmählich verschiedene Bauperioden heraus-
gearbeitet werden, von denen die letzte, die in die zweite Hälfte des
4. Jh. datiert wird, sich durch besonders aufwändige bauliche Verän-
derungen, den Anbau eines Apsidensaales, und die reiche Ausstattung
mit Mosaikfußböden und Wanddekorationen auszeichnet. Das Bauen-
semble nimmt eine Fläche von ca. 980 m2 ein und bildet das Zentrum
einer eingefriedeten Gesamtfläche von etwa 12,5 ha. Damit gehört die-
ses Landgut zu den größten in der Provinz Pannonien. Diese Befunde
brachten einige Forscher auf die Idee, die repräsentative Ausprägung
der „Villa“ mit der Anwesenheit von Mitgliedern des Kaiserhauses (Kai-
serkonferenz 308 n. Chr., Valentinian 375 n. Chr.) in Zusammenhang zu
bringen. Und folgerichtig schloss sich die Überlegung an, dass es sich
zumindest in dieser Periode um einen „Palast“, einen kaiserlichen Resi-
denzort gehandelt haben könnte.
Nur wenige Jahre später, nämlich im Jahr 1953 begannen in der Nähe
des Dorfes Gamzigrad, Bez. Zaječar, Serbien, noch heute andauernde
systematische Ausgrabungen in einer ummauerten Anlage, die seit dem
19. Jh. als „Römerfeste“ bekannt war. Im Laufe der Untersuchungen ka-
men mehrere archäologische Indizien zu Tage, die zur Umdeutung als
„Palast“ berechtigten und als Bauherrn den Tetrarchenkaiser Galerius
(293–311) ausmachen konnten. Die eigentliche Residenz dieses Kaisers
befindet sich allerdings in Thessaloniki. Daher vermuteten die Ausgrä-
ber, dass der Kaiser in seiner Heimat, der Provinz Dacia ripensis, sich
einen Alterssitz habe errichten lassen. Das sei nach dem Vorbild seines
Vorgängers und Schwiegervaters Diokletian geschehen, der sich nach
seinem Rücktritt aus der aktiven Politik im Jahr 305 in einer eigens dafür
errichteten befestigten Anlage in dem nahe seiner Heimatstadt Salona
gelegenen Spalato, dem heutigen Split in Kroatien, niedergelassen hatte.
Galerius hat allerdings den geplanten Rücktritt nach 20 Regierungsjah-
ren nicht mehr erlebt, sondern starb zwei Jahre vorher. Daher erhebt sich
erst recht die Frage nach den Intentionen des Kaisers bei der Errichtung
des „Palastes“, zumal auch nicht bekannt ist, ob er sich überhaupt jemals
hier längere Zeit aufgehalten und von hier aus regiert hat.
Auf der einen Seite also eine „Villa“, die vielleicht vorübergehend die
Funktion eines Regierungssitzes innehatte, und auf der anderen Seite
ein „Palast“, von dem nicht ganz klar ist, ob hier jemals ein Kaiser sei-
nen Regierungsgeschäften nachgegangen ist.
Das sind Fragen, die allein aus den archäologischen Befunden der bei-
den in den Mittelpunkt des Kolloquiums gestellten Forschungsobjekte
nicht zu lösen sind. Mit dem Treffen in Bruckneudorf sollte daher ver-
sucht werden, mit Hilfe von Vergleichen zu einer genaueren Interpreta-
VI Vorwort

tion und einer möglichst deutlichen Unterscheidung zwischen „Villa“


und „Palast“ zu gelangen. Dafür boten sich einerseits Untersuchungen
an villen- oder palastartigen Bauensembles in der Umgebung, d.h. in
den römischen Provinzen Pannonien, Moesien, Thrakien und Makedo-
nien an. Andererseits sollten auch Luxusanlagen etwa gleicher Zeitstel-
lung in anderen Regionen des Römischen Reiches zu dieser Problematik
herangezogen werden, speziell die Großvilla von Piazza Armerina auf
Sizilien. Darüber hinaus bot sich der relativ gut bekannte Gesamtbe-
fund an römischen Landgütern verschiedener Größe und unterschied-
licher Funktion auf der Iberischen Halbinsel zum Vergleich an.
Um eine gemeinsame Ausgangsbasis für die von den Veranstaltern
angestrebten Diskussionen zu schaffen, wurden an den Anfang allge-
meine Ausführungen zu „Palast“ und „Villa“ anhand von sorgfältig
ausgewählten Beispielen sowie über historische Berichte zum Thema
gestellt.
Als Ort der Veranstaltung konnte Bruckneudorf gewählt werden,
nicht zuletzt weil hier die Gemeinde, vertreten durch den (Alt-)Bürger­-
meis­ter Franz Schmitzhofer und seine Nachfolgerin Gerlinde Weiss, einen
sehr angenehmen Vortragssaal sowie einen Raum für die Kaffeepausen
kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Dank des Einsatzes von Julia
Reuckl und Marcel Tschannerl lief die Veranstaltung reibungslos ab.
Für die Möglichkeit, in Eisenstadt die restaurierten Mosaiken zu
besichtigen und trotz einer unerwarteten anderen Veranstaltung auch
im Schloss Eszterhazy bewirtet zu werden, ist den Kollegen in der
Kultur­abteilung und im Landesmuseum, HR Dr. Josef Tiefenbach,
Dr.  Wolfgang Gürtler und Mag. Hannes Herdits sowie den politisch
Verantwortlichen LH Hans Niessl und LR Helmut Bieler zu danken.
Auf einer Nachexkursion konnten auch in Carnuntum sowohl das
Freigelände des Archäologischen Parks Carnuntum als auch das Muse-
um Carnuntinum unentgeltlich besucht werden, was der Geschäftsfüh-
rer Dr. Markus Wachter und der wissenschaftliche Leiter Mag. Franz
Humer dankenswerterweise ermöglicht haben.
Es ist den Leitern der Institute, Herrn Prof. Dr. Johannes Koder vom
Österreichischen Archäologischen Institut in Wien sowie seiner Nach-
folgerin, Frau PD Dr. Sabine Ladstätter, und Herrn Prof. Dr. Friedrich
Lüth von der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen
Archäo­logischen Instituts in Frankfurt/M. zu danken, dass sie die finan­
ziellen Mittel bereitgestellt haben, um eine solche Veranstaltung und die
vorliegende Publikation zustande zu bringen.
Christoph Rummel hat die redaktionelle Betreuung der englischspra-
chigen Beiträge sowie die Übersetzung der Zusammenfassung über-
nommen und Susanne Zabehlicky-Scheffenegger hat einen großen Teil
der Redaktionsarbeit geleistet, wofür ihnen Autoren und Herausgeber
zu großem Dank verpflichtet sind.
Es versteht sich von selbst, dass all diese Bemühungen ins Leere gin-
gen, wenn nicht die Teilnehmer ihre Kompetenz und ihr Engagement
eingebracht hätten.
Hier ist der Ort einzufügen, dass auch Klára Póczy aus Budapest teil-
nehmen wollte. Sie erlitt wenige Tage vor dem Symposium einen Schlag-
anfall und ist in den Tagen unseres Beisammenseins verstorben. Ihrem
Andenken widmen die Herausgeber im Namen aller Beteiligten diesen
Band.

Frankfurt a. M./Wien, März 2011 Gerda v. Bülow


Heinrich Zabehlicky
Inhaltsverzeichnis

VORWORT

1 Ulrike Wulf-Rheidt
Die Entwicklung der Residenz der römischen Kaiser auf dem Palatin vom aristokratischen
Wohnhaus zum Palast
19 Hilke Thür
Überlegungen zur Typologie und Funktionsbestimmung der römischen „Villa“
47 Maria R.-Alföldi
Das „Palatium“ des Pescennius Niger. Berichte antiker Autoren über das Zeremoniell bei
Thronantritt
55 Roger J. A. Wilson
The fourth-century villa at Piazza Armerina (Sicily) in its wider imperial context: a review of
some aspects of recent research
89 Heinrich Zabehlicky
Die Villa von Bruckneudorf – Palast oder Großvilla?
101 Maja Živić
Romuliana, a palace for God’s repose
113 Sofija Petković
Gamzigrad–Romuliana in der Zeit nach dem kaiserlichen Palast
129 Mihailo Milinković
Völkerwanderungszeitliche Funde und Befunde im heutigen Serbien unter besonderer
Berücksichtigung von Gamzigrad
143 Georg Breitner
Die Bauornamentik von Felix Romuliana/Gamzigrad und das tetrarchische Bauprogramm
153 Gerda v. Bülow
Romuliana-Gamzigrad – Ort der Erinnerung oder Herrschaftsort?
167 Gordana Milošević
A residential complex at Mediana: the architectural perspective
177 Ivana Popović
A residential complex in the south-eastern part of Late Antique Sirmium: written sources and
archaeological evidence
187 Goran Nikšić
Diocletian’s Palace – design and construction
203 Evangelia Hadjitryphonos
The Palace of Galerius in Thessalonike: its place in the modern city and an account of the state
of research
219 Gergana Kabakchieva
Die antike Villa „Armira” – eine neue Touristenattraktion in Bulgarien
VIII Inhaltsverzeichnis

233 Orsolya Heinrich-Tamaska


Überlegungen zu den „Hauptgebäuden“ der pannonischen Innenbefestigungen im Kontext
spätrömischer Villenarchitektur
247 Sylvia Palágyi
Baláca als repräsentative Großvilla in Pannonien
259 Margit Németh
Änderungen des Statthaltersitzes von Aquincum
275 Endre Tóth
Die spätrömische Palastanlage von Savaria (Pannonia superior)
285 Patrick Marko
Die villa Löffelbach – Polygonale Bauformen in spätantiken Villen und Palästen
293 Felix Teichner
„Nam primum tibi mater Hispania est, terris omnibus terra felicior“.
Spätantike Großvillen und Residenzen auf der Iberischen Halbinsel

309 ZUSAMMENFASSUNG
311 SUMMARY
313 ADRESSEN DER AUTORINNEN UND AUTOREN
Die villa Löffelbach – Polygonale Bauformen in
spätantiken Villen und Palästen

Patrick Marko

bung, etwa in Penzendorf (Abb. 1,5), Lebernholz


(Abb. 1,6) oder Klaffenau (Abb. 1,7)7a. Alles in allem
ist hier im fruchtbaren oststeirischen Hügelland
eine dichte agrarische Besiedlung zu vermuten.
Diese bestand wohl schon in prähistorischer
Zeit, aus der etwa der Fundplatz am nahen Ring-
kogel (Abb. 1,8)8 stammt, für den auch eine römi-
sche Besiedlung angenommen wurde9. Am Ab-
hang des Ringkogels liegt in Talrandlage die villa
Löffelbach. Auch im Bereich der villa selbst wur-
den einzelne prähistorische Befunde registriert10,
eine vorrömische Siedlungsschicht dürfte also
Abb. 1. Lage der villa Löffelbach. 1 Siedlungsstelle Hartberg.
– 2 vicus Gleisdorf. – 3 villae Grafendorf. – 4 villa Hirnsdorf. – auch hier vorhanden gewesen sein.
5–7 Gräberfelder Penzendorf, Lebernholz und Klaffenau. –
8 Ringkogel.

Forschungsgeschichte

Die Lage der villa Römische Überreste waren in Löffelbach schon


seit früher Zeit bekannt – die Fundstelle trägt
Die Fundstelle „Römische villa Löffelbach“ befin- wie viele andere den Flurnamen „Versunkenes
det sich im Bezirk Hartberg in der Oststeiermark, Schloss“11. Bereits 1770 wurde südlich und etwas
wenige Kilometer westlich der Bezirkshaupt- hangabwärts der villa beim Bau eines Bauernhau-
stadt (Abb.  1). Die villa lag im Grenzgebiet zwi- ses ein römerzeitlicher Grabhügel abgetragen,
schen den Provinzen Noricum und Pannonien, mehrere Spolien sind in dem Haus verbaut12. Un-
traditionell wird sie dem Verwaltungsbezirk des
municipium Flavia Solva (Wagna bei Leibnitz, Stei-
ermark) zugerechnet1, ein endgültiger Nachweis 1
So etwa Modrijan 1969, 12.
für den genauen Grenzverlauf konnte aber noch 2
Vgl. etwa Harl 1997.
3
Modrijan 1976, 62.
nicht erbracht werden2. Ausgrabungsfunde in der 4
Lorenz/Maier/Lehner 1995.
etwa 3 km entfernten Stadt Hartberg (Abb. 1,1) le- 5
Zur Straßenverbindung Savaria–Hartberg–Gleisdorf–
gen dort die Existenz einer Siedlungsstelle nahe3, Murtal vgl. Jeschek 2000, 11. Zu den Straßenverbin-
ebenso ist ein vicus im weiter südwestlich gelege- dungen um und nach Gleisdorf vgl. auch Lohner
nen Gleisdorf (Abb. 1,2)4 an der Verbindungsstraße 1999, 29 Abb. 3.
zum Murtal bekannt5, wo die Nord-Süd-Haupt- 6 Fürnholzer1996; Bellitti 2007.
verbindung durch die heutige Steiermark verlief. 7 Kramer 1983.
7a Grubinger 1935, 239–252.
Etwa acht Kilometer nördlich von Löffelbach lie-
8 Jeitler 1998.
gen die Villenanlagen von Grafendorf (Abb. 1,3)6, 9 Jeitler 1998, 22.
südwestlich jene von Hirnsdorf (Abb.  1,4)7; wei- 10 Hudeczek/Kainz 1994, 266.
tere Spuren römerzeitlicher Besied­lung zeigen 11 Hebert 2008, 3.
sich in Form von Gräberfeldern in der Umge- 12 Grubinger 1935, 252–254.
286 Patrick Marko

286 VACAT
ter anderem dürfte eine Löwenstatue aus Granit, menten der villa in Zweitverwendung mehrere
heute im Stadtmuseum Hartberg, neben etlichen Grabsteine, die von Rudolf Egger20 bzw. Rein-
weiteren Fundstücken von diesem Grabhügel hold Wedenig21 in die Zeit vom ausgehenden 1.
stammen13. bis zum 2. Jh. n.Chr. datiert werden, andererseits
Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde weist das verwendete Baumaterial einen hohen
bei Grabungen der Badetrakt der villa Löffelbach Anteil an wiederverwendeten Ziegelbruchstüc-
angeschnitten und dokumentiert14, der jedoch ken auf22.
wieder in Vergessenheit geriet. 1935 vermutete Der angesprochene Grabhügel kann aufgrund
Marianne Grubinger anhand von zahlreichen der erhaltenen Fundstücke23 tentativ ebenfalls
Ziegelfunden nahe dem besagten Bauernhaus eher der Zeitstellung der Grabsteine zugewiesen
erneut einen antiken Bau im „bergan gelegenen werden als jener der uns bekannten villa Löffel-
Acker“15. Dieser wurde schließlich von Walter bach.
Modrijan in den 1960er Jahren ergraben und in Aus der Zeit vor dem Bau der auf uns gekom-
einer kurzen Monographie publiziert16. menen villa sind leider keinerlei Bodendenkma-
Diese Ausgrabungen mündeten in einer zu- le bekannt. Die ursprüngliche Grabung blieb
nächst für zehn Jahre geplanten oberirdischen auf die obersten Schichten und Mauerzüge be-
Konservierung der ergrabenen Gebäudefunda- schränkt, und bei den Tiefsondagen im Zuge der
mente, um sie dem interessierten Publikum zu- Nachgrabungen bzw. Restaurierungsarbeiten
gänglich zu machen. Das Provisorium entwickel- konnten im Bereich der villa auch keine Hinwei-
te sich jedoch zur Dauerlösung, so dass die (re- se auf Vorgängerbauten festgestellt werden. Die
konstruierten) Grundmauern der villa Löffelbach frühere Besiedlung des Fundortes Löffelbach
auch heute noch – nach einer Renovierung in den bleibt also rätselhaft.
1990er Jahren, verbunden mit punktuellen Nach- Ein Neubau im 4.  Jh. n.Chr. ohne unmittel-
grabungen zur Klärung von Detailfragen – frei bare Vorgänger findet sich auch in der villa in
zugänglich und zu besichtigen sind. Kékkút (Ungarn)24, wo ein Bau gleicher Zeitstel-
lung ergraben wurde, der eine zu Löffelbach ver-
gleichbare Größe, aber keine älteren Bauphasen
aufweist. Ähnlich ist weiters die Situation in
Baugeschichte Deutschkreutz (Burgenland), wo die villa nach
dem derzeitigen Forschungsstand im 4. Jh. ohne
In seiner Publikation postulierte Walter Modrijan Vorgängerbauten errichtet wurde; dort wird al-
mehrere Bauphasen über einen Zeitraum vom lerdings in naher Umgebung eine frühere Be-
2. bis zum 4.  Jh. n.Chr.17. Demnach bestand das siedelung und somit eine Verlegung des Villen-
Gebäude zunächst nur aus dem Geviert des Peri- Hauptgebäudes um wenige hundert Meter ver-
stylhofes und den ihn umgebenden Räumen, Ba- mutet25.
deräume und Nordost-Trakt seien in mehreren
Schritten später angefügt worden. Diese Ansicht
konnte in neueren Nachforschungen jedoch nicht
bestätigt werden18. Bei den Grabungen anlässlich 13 Grubinger 1935, 252–254.
der Renovierung der Grundmauern-Rekonstruk- 14 Hebert/Wedenig 2005, 71.
tion wurde zwischen den Trakten keine Mauerfu- 15 Grubinger 1935, 253.
ge festgestellt, woraus geschlossen werden kann, 16 Modrijan 1971.
dass das gesamte Gebäude in einem Zug und 17 Modrijan 1971, 17.
18 Kainz 1993, 170.
nach einheitlichem Plan errichtet wurde (Abb. 2).
19 Kainz 1993, passim. – Zöhrer 2007, 49 erwähnt ande-
Nach dem momentanen Forschungsstand ist also rerseits eine unpublizierte Bemerkung des Ausgräbers
von einer einzigen Bauphase auszugehen, in der Erich Hudeczek, wonach es doch Hinweise auf eine Er-
nach dem ursprünglichen Bau um 300 n.Chr. nur richtung des Baus in mehreren Phasen gegeben hätte.
noch kleinere Reparaturen und Veränderungen – 20 Egger 1963.
vor allem im Bereich der Räume 10–13, westlich 21 Wedenig 2005, 28 f.
des Peristyls – durchgeführt wurden19. 22 Hebert 2008, 17.
23 Grubinger 1935, 252–254.
Möglicherweise ersetzte der Bau einen älteren
24 Sági 1972, 134. – Die Ergebnisse der (nicht abgeschlos-
in der (unmittelbaren?) Nähe, der aber bislang senen) Grabungen in Kékkút sind jedoch nicht eindeu-
nicht lokalisiert werden konnte. Unterstützt wird tig, vgl. etwa zuletzt Palágyi 2008, 728.
diese Annahme durch die Spolienverwendung 25 Freundlicher Hinweis von P. Scherrer; zu den Grabun-
beim Bau: Einerseits fanden sich in den Funda- gen in Deutschkreutz vgl. Mauthner 2010, 44–60.
Die villa Löffelbach 287

Abb. 2. villa Löffelbach. 14–


23 Badetrakt. – 5–8/24–29
Empfangstrakt? mit aula absi-
data (24). – 30/31 Peristyl.

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Die villaȱã쎕‹ŠŒ‘ȱ‹Žœ’Œ‘ȱž›Œ‘ȱŠžđŽ›Ž ã‘—-
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Ž’—ȱ ž—•Ž’Œ‘ȱ Šž §—’Ž›Žœȱ Ž›’œ¢•ȱ ǻŜǼȱ Ȯȱ Š—Ž- Abb. 3. Aula mit Peristylhöfen (4 und 6) und Konchenbauten
œŒ‘•˜œœŽ—ǰȱ Ž›ȱ Ž’—Žȱ Ž›‹’—ž—ȱ £žȱ Ž’—Ž–ȱ £ Ž’- (7) im Palast 1 von Felix Romuliana/Gamzigrad.
Ž—ǰȱŠ›Œ‘’Ž”˜—’œŒ‘ȱ‘㌑œȱŠžđŽ›Ž ã‘—•’Œ‘ȱŽ-
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(Abb. 2)ȱ ꗍŽȱ œ’Œ‘ȱ Ž’—Žȱ œŠ›”ȱ ›Žž£’Ž›Žȱ Šž–- ˜—ȱ‘’Ž›ȱŠžœȱ’œȱ ’ŽŽ›ž–ȱŽ’—ȱ™›’ŸŠŽ›ȱž’Ž—£-
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ќњњђџȱѣǯȱҿљќѤȦѢљѓȬѕђіёѡ 2008, 7.
288 Patrick Marko

288 VACAT

Abb. 4. villa Desenzano, settore A. 1 oktogonales Vestibül.


– 2 Peristyl. – 3 Atrium. – 4 Aula Trichora. – 5 Viridarium
mit Nymphäum an der Westseite. – 6–8 „Wohnräume des
Hausherren“.

bereich zugänglich – den sieben konchenartigen


„Separées“ in Gamzigrad entsprächen die beiden
hexagonalen Zimmer (7 und 8) in Löffelbach,
baulich etwas deutlicher von Raum  27 getrennt
als die Konchen von ihrem Zentralraum.
Ein weiteres Beispiel vergleichbarer Archi- Abb. 5. Spätantiker Palast von Savaria. 1 aula absidata. –
2 nördlicher Badetrakt. – 3 südlicher Badetrakt?
tektur befindet sich in einer villa in Desenzano
am Gardasee29. Dort zeigt sich in der Bauphase
des 4. Jh. (Abb. 4) ein apsidaler Raum (6), an des-
der leistungsfähigen Heizung und verschiedener
sen Langseiten zwei polygonale Räume (7 und anderer Indizien, die auf Wassergebrauch hin-
8) einander gegenüber angeordnet sind. Diese weisen“32.
Raumgruppe unterscheidet sich von den Räu- In der villa Löffelbach ist eine Nutzung der frag-
men 7/8/27 von Löffelbach lediglich dadurch, lichen Räume als Badeanlage weitgehend auszu-
dass die polygonalen Räume unterschiedlich schließen, da diese Funktion durch die Funde
viele Ecken aufweisen. Sie werden als Wohnräu- von Heizanlagen, Bleiwannen und Wasserab-
me des Hausherrn interpretiert30. Diese Deutung flüssen eindeutig dem Westtrakt (Räume 14–23)
wird von dem relativ unrepräsentativen Zugang zugewiesen ist33, während im Nordosttrakt der-
zum viridarium (5) unterstützt, von dem aus die artige Befunde fehlen. Von Peter Scherrer wur-
Raumgruppe erreichbar ist. Andererseits ist die- de aufgrund der Ähnlichkeit zu Löffelbach die
ser direkte Zugang von außen durchaus mit der Interpretation des Oktogons in Savaria als Bade-
Zugangssituation zu den dreiseitigen Höfen in räume angezweifelt34 – ein weiterer Thermenbe-
Löffelbach und Gamzigrad vergleichbar, was auf reich (2) befindet sich dort nördlich der aula35 –,
eine Verwendung wie dort als Empfangstrakt er vermutet im Oktogon in Savaria einen herr-
hinweisen könnte. schaftlichen Wohnbereich. Unglücklicherweise
Ein weiterer Bau mit ähnlichen polygonalen lässt sich die Verbindung zwischen Apsidensaal
Strukturen befindet sich in größerer geographi-
scher Nähe zu Löffelbach: Der spätantike Kaiser-
palast in Savaria (Abb. 5) wird von einer aula absi- 29 De Franceschini 1998, 147–151. Auf die Vergleichbar-
data (1) dominiert, deren herausragende Stellung keit der beiden Villen hat bereits Schrettle 2007, 264
allerdings bereits in ihrer Größe dokumentiert hingewiesen.
ist, welche jene von Löffelbach um ein vielfaches 30 De Franceschini 1998, 150.
übersteigt31: Allein die Apsis der über 800 m² gro- 31 Der Palast wird in der betreffenden Bauphase in die
Zeit des Constantius II. datiert: Scherrer 2003, 65.
ßen Prunkhalle könnte den Hauptraum von Löf-
Siehe auch den Beitrag Tóth in diesem Band, 275–284.
felbach aufnehmen. An die Halle war ein Trakt 32 Scherrer 2003, 65.
mit polygonalen Räumen (3) angeschlossen. Die- 33 Hebert 2008, 14.
se werden jedoch im Gegensatz zu Löffelbach 34 Scherrer 2003, 66.
allgemein als Baderäume interpretiert, „wegen 35 Scherrer 2003, 67 Abb. 10.
Die villa Löffelbach 289

und den fraglichen Räumen in Savaria wegen


der späteren Überbauung nicht eindeutig klären,
was die Beantwortung der Frage nach der Ver-
gleichbarkeit der Räumlichkeiten mit Löffelbach,
Gamzigrad oder Desenzano erschwert.
Darüber hinaus bildet der ebenfalls oktogona-
le Zentralraum des Löffelbacher Badetraktes (17)
durchaus einen mit Savaria vergleichbaren Be-
fund, dessen Deutung als Badebereich sich daher
mit Verweis auf Löffelbach nicht ganz ausschlie-
ßen lässt.
Das Thermenoktogon von Löffelbach (17) ist
wiederum mit der Thermenanlage der villa del
Casale bei Piazza Armerina auf Sizilien (Abb. 6)
vergleichbar: Auch hier befindet sich ein zentra-
les Oktogon (4), das von kleineren apsidalen Räu-
men umgeben ist. Wie in Löffelbach erfolgt der
Zugang über diesen oktogonalen Zentralraum,
von dem aus weitere Becken und Baderäume
zugänglich sind. Eine Verwandtschaft zwischen
den beiden Badeanlagen ist auch in der Anzahl
der Räumlichkeiten gegeben, wenn auch nicht in
der Gesamtgröße: die sizilische villa verfügt im
Plan von Andrea Carandini36 über 63 Räume auf
einer Fläche von 1,5 ha, Löffelbach kommt auf 31
(0,2  ha). Hier entfallen aber ein Drittel der Räu-
me (Räume 14–23) auf das architektonisch außer- Abb. 6. villa del Casale, Piazza Armerina, Badetrakt.
gewöhnlich aufwändige Bad, annähernd gleich
viele wie in der sizilischen villa (neun; Caran­dini
zählt allerdings die apsidalen Nischen um das Während sich einzelne Räume bzw. Raumgrup-
Oktogon nicht als eigene Räume). Die Betonung pen also mit – ebenso singulären – Beispielen aus
von luxuriösen Elementen in der villa Löffelbach dem italischen Kernland des Römischen Reiches
wird durch diese Tatsache unterstrichen. vergleichen lassen, zeigt sich insgesamt doch
Ein weiterer Badekomplex soll an dieser Stel- ein deutlicher Unterschied zwischen klassischen
le kurz erwähnt werden: Nach den Befunden im mediterranen Villenanlagen wie der villa von
Badetrakt der villa rustica von Bonn-Duisdorf be- Boscoreale, die Wohn- und Nutzbereich unter
fand sich auch dort zumindest ein oktogonaler einem Dach vereinen40, und dem von der aula
Raum, der allerdings bereits in das 2. Jh. n.Chr. absidata dominierten Wohn- und Repräsentati-
datiert wird37. Der Befund ist dort aber leider onsgebäude ohne (land)wirtschaftliche Funkti-
stark gestört und daher zu wenig aussagekräftig, on in Löffelbach. Letztere legt eher eine Verbin-
um einen detaillierten Vergleich anzustellen. Die dung zu repräsentativen Architekturformen der
Situation des Raumensembles scheint jedoch et- Donauprovinzen nahe, in die es sich nahtlos ein-
was anders zu sein und das Oktogon weder als reiht41.
Zentral- noch als Durchgangsraum zu fungieren.
Michael Dodt ergänzt ein zweites Oktogon da-
neben38, kann aber keine Vergleichsbeispiele für 36 Carandini/Ricci/de Vos 1982.
eine solche außergewöhnliche Raumanordnung 37 Dodt 2003, 302.
anführen. 38 Dodt 2003, 304 Abb. 125.
Weiters weist auch die bereits von Bernhard 39 Schrettle/Tsironi 2007, 261.
Schrettle mit Löffelbach verglichene villa von 40 Vgl. etwa Höcker 2002, 213–214. Zur fehlenden Kon-
tinuität von der italisch-republikanischen villa zur
Rannersdorf (Steiermark) einen oktogonalen Ba-
spätantiken Situation in den Provinzen vgl. auch Mé-
deraum auf, der vom Ausgräber in hadrianische traux 1998, 3 f.
Zeit datiert wird39. Dieser ähnelt zwar in Größe 41 Vgl. diesbezüglich etwa Genser 1994, 349. Weitere Bei-
und Ausstattung sehr jenem von Löffelbach, war spiele für ähnlich angeordnete Repräsentationsräume
zu dessen Bauzeit aber wohl bereits zerstört. bespricht Ellis 1991, passim.
290 Patrick Marko

290 VACAT
Was im Befund der villa Löffelbach weiterhin als u.a. die Mauern im Südosten keinen klaren
fehlt, sind Neben- und Wirtschaftsgebäude so- Abschluss zeigen42. Hier besteht also deutlicher
wie, wenn dem gesamten Nordosttrakt eine re- Bedarf an weiterer Forschung, und es bleibt zu
präsentative Funktion zugewiesen werden kann, hoffen, dass sich in den kommenden Jahren eine
ein – wohl ebenfalls luxuriös zu erwartender – Gelegenheit dafür ergibt.
Wohnbereich. Die umliegenden Bereiche blieben
leider bei den Ausgrabungen unbeachtet, Luft-
bild-, Georadar- oder ähnliche Untersuchungen
auf den an die ergrabenen Überreste angrenzen-
den Parzellen fehlen bislang. Bei den jüngsten 42 M. Moreno-Huerta, Römischer Landsitz Löffelbach.
Konservierungsarbeiten an den bekannten Mau- Bericht. Nachgrabungen und Restaurierungsarbeiten
erzügen wurden aber Abweichungen vom ur- des BDA 1995–2002. Unpubl. Ber. im Bundesdenkmal-
sprünglich publizierten Plan insofern festgestellt, amt Wien.

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(Wien 2008) 725–734. 1: Grafik P. Marko.
Sági 1972 2: Grafik P. Marko nach Fürnholzer/Schwarz 2008.
K. Sági, Ókeresztény bazilikának vélt villa rustica 3: Grafik P. Marko nach Sommer v. Bülow/Wulf-
hitelesítő ásatása Kékkúton (Zusammenfassung: Rheidt 2008, 6.
Kontrollgrabung einer für eine frühchristliche 4: nach Schrettle 2007, 265, Abb.  7. Raumnummern
Basilika gehaltenen Villa rustica in Kékkút). und -bezeichnungen nach Scagliarini Corlaita
Veszprém Megyei Múz. Közl. 11, 1972, 121–138. 1993, 97, Abb. 1.
Scagliarini Corlaita 1993 5: Grafik P. Marko nach Scherrer 2003, Abb. 10.
D. Scagliarini Corlaita, Le pitture parietali della 6: nach Carandini/Ricci/de Vos 1982, hintere Um-
villa romana di Desenzano del Garda e il loro rap- schlagklappe.
Zusammenfassung

Palast versus Villa – das war der Ausgangspunkt Besitzers und aller zum Anwesen gehörenden
für unser Kolloquium. Es sollte darum gehen Personen, sondern auch zur Gewinn bringenden
herauszuarbeiten, welche architektonischen Ele- Produktion. Diese Anwesen erfüllen im Allge-
mente einen Palast im Sinne eines kaiserlichen meinen Macht erhaltende oder Macht repräsen-
Herrschafts- und Repräsentationsortes ausma- tierende Aufgaben nur in einem lokalen, allenfalls
chen und was dessen Erscheinungsbild von dem regionalen Bereich, und ihre „öffentliche“ Funk-
einer Luxusvilla unterscheidet. Ausgehend von tion beschränkte sich auf den quasi-privaten Be-
historischen und archäologischen Untersuchun- reich der familia und der abhängigen Bauern und
gen mehrerer ausgewählter Beispiele sollten Landarbeiter. In einzelnen Fällen können sie aber
Kriterien gefunden werden, nach denen ein Bau­ vorübergehend auch die Funktion eines kaiser­
ensemble als das eine oder das andere bezeichnet lichen Amtssitzes erfüllen.
werden kann. Entsprechend diesem Vorhaben
Die lebhaften und anregenden Diskussionen ha-
stand am Anfang der Versuch der Definition von
ben jedoch gezeigt, dass die vorangestellte Frage
„Palast“ und „Villa“.
nach einer archäologischen oder architektoni-
schen Unterscheidung von Palast und Villa nicht
Palast (U. Wulf-Rheidt): Das Urbild des Kaiser-
nur nicht eindeutig beantwortet werden kann,
palastes schlechthin bildet das Bauensemble auf
sondern dass die besprochenen Einzel­objekte, die
dem Palatin in Rom. Hier befand sich das abso-
zum überwiegenden Teil in das 3.–4.  Jh. n.Chr.,
lute Zentrum des Reiches, das sich sowohl in den
d.h. in tetrarchische oder spätantike Zeit zu da-
monumentalen Repräsentationsbauten wie der
tieren sind, in drei oder sogar vier Hauptgrup-
Aula Regia und der Cenatio Iovis widerspiegelt,
pen unterteilt werden müssen, wobei es auch da
wo aber zugleich mit den drei wichtigen Tem-
noch zahlreiche Übergangsformen gibt:
peln die göttliche Legitimation der kaiserlichen
Macht demonstriert wurde. Die Errichtung von 1. Da sind einmal die Paläste im städtischen
Schaufassaden und die Einbeziehung des Circus Kontext wie diejenigen in Thessaloniki und
Maximus stellen zwar demonstrativ eine Bezie- Sirmium, die als eigentlicher Regierungs- und
hung des Palastes zur umgebenden Stadt her, Wohnsitz des Herrschers gelten.
entziehen den Kaiser aber zugleich dem unmit- 2. Zum Zweiten gibt es luxuriös gestaltete Vil-
telbaren Kontakt zum Volk. len ohne direkte räumliche Anbindung an
eine Stadt wie die von Bruckneudorf, Baláca,
Villa (H. Thür): Am Anfang der Entwicklung die- Löffelbach, Armira u.a., die ausschließlich als
ses Bautyps stand der rein funktionale Bauern­- private Anwesen reicher Landeigentümer ge-
hof. Erst allmählich kristallisiert sich eine funk- dient haben, aber auch Verwaltungszentren
tionale und gestalterische Differenzierung her- kaiserlicher Domänen gewesen sein können.
aus: villa rustica, villa urbana, villa suburbana, 3. Ferner gibt es speziell in tetrarchischer Zeit
villa otium, villa maritima etc. Etwa im Laufe des eine Misch- oder Zwischenform, hier präsen-
3.–4.  Jh. entstehen speziell in den Provinzialge- tiert durch den Diokletianpalast in Split. Auch
bieten zunehmend luxuriös bis „palastartig“ die Anlagen von Gamzigrad und Mediana ge-
gestaltete Bauensembles mit repräsentativen hören dazu.
Fassaden, zahlreichen Räumen – darunter auch 4. Und da sind schließlich Villen inmitten von
Apsidensäle –, mit einem oder mehreren Peristyl- Städten wie in Aquincum oder Savaria, die als
höfen, Wasserbecken, Gärten, Statuenschmuck, Amtssitze für Provinzstatthalter, Prokuratoren
Wandmalereien, Mosaiken. Der künstlerischen oder andere kaiserliche Beamte errichtet wor-
Phantasie des Bauherrn sind dabei keine Gren- den sind und gegebenenfalls dem durchrei-
zen gesetzt. Meistens gehört dazu aber auch ein senden Kaiser angemessene Unterkunft bieten
Wirtschaftstrakt, nicht allein zur Versorgung des konnten.
310 Zusammenfassung

310 VACAT
Eine Sonderrolle kommt in diesem Zusammen- Der Eigentümer der Großvilla von Armira ist
hang auch weiterhin den villen- oder palastarti- wahrscheinlich in der städtischen Oberschicht
gen Innengebäuden der Binnenfestungen in der des nahe gelegenen Plotinopolis zu suchen. Die
Provinz Pannonien zu, deren Funktionsbestim- größte Ausbauperiode dieser Villa fällt bereits
mung noch weiterer Untersuchungen bedarf. in severische Zeit und liegt damit weit früher
als in den anderen hier behandelten Villen, die
Der Überblick über die Entwicklung des Bautyps vornehmlich der tetrarchischen Zeit oder dem
villa auf der Iberischen Halbinsel bestätigt dar- 4. Jahrhundert angehören.
über hinaus die Erkenntnis, dass speziell in der
Die große Villa von Piazza Armerina ist neben
hier vorrangig betrachteten Spätantike die Gren-
den spanischen Villen ein weiterer Fall, bei dem
zen zwischen dem Erscheinungsbild „Palast“
sich die Entscheidung zwischen Palast und Villa
und „Villa“ sich immer mehr verwischen und
verwischt. Die Entdeckung weiterer reicher
dass allein aus dem archäologischen Befund eine
Villen in Sizilien stützt die derzeitige Über-
klare Unterscheidung zwischen Residenz und
einstimmung, dass sie ebenso gut einem sehr
Amtssitz einerseits und reichem Privatanwesen
reichen Privatmann der konstantinischen Zeit
andererseits nicht möglich ist.
gehört haben könnte.
Selbst wenn, wie im Falle von Romuliana, spezi­ Als Ansätze für weitere Forschung ergeben sich
fische archäologische Evidenzen in Form von In- beispielsweise folgende Fragen:
schriften, interpretierbarer Bauornamentik oder Gibt es ein Netz von kaiserlichen Residenzen,
eines sicher benennbaren Porträts den Kaiser die vorbereitet waren, einen Kaiser samt seinem
Galerius als Bauherrn der monumentalen Anla- umfangreichen Gefolge aufzunehmen und stan-
ge ausweisen können, bleibt trotzdem die Frage desgemäß zu unterhalten, wie das E. Tóth für Sa-
noch offen, welche Funktion diesem Residenzort varia vorschlägt? Könnten städtische Paläste die-
tatsächlich zukam. Da dieser abgelegene Ort aber se Funktion vielleicht ebenso erfüllt haben wie
nur während der kurzen Regierungszeit des Kai- die Zentren kaiserlicher Besitzungen? Eine syste-
sers als Palast gedient haben kann, stellt nicht matische Analyse der kaiserlichen Itinerarien in
nur die archäologisch nachweisbare Nachnut- ihrer Beziehung zu bekannten palastartigen An-
zung und Umfunktionierung der Gesamtanlage lagen würde zu neuen Erkenntnissen führen.
ein bisher nur teilweise erklärtes Phänomen dar, Kann der Versuch, die Flächen der Aulae in
sondern ist im Besonderen die Frage interes- eine „Hierarchie“ zu bringen, den H. Zabehlicky
sant, wie dieser Platz genutzt und bewohnt war, hier angesprochen hat, noch weiter ausgeführt
bevor der kaiserliche Palast errichtet wurde. Es und schlüssig zu sichereren Aussagen gebracht
scheint derzeit so, als ob sich hier ein zentraler werden?
Verwaltungsort für die Bewirtschaftung der in Sind die Raumkonzepte mit mehreren Kon-
der Umgebung befindlichen Erzvorkommen und chen oder Alkoven, die sowohl in Palästen, wie
die Überwachung der dazugehörigen Transport­ in Thessaloniki, als auch in eher kleineren Villen,
wege befunden hat, an dem der Kaiser seinen Be- wie Löffelbach, anzutreffen sind, eine spezielle
sitzanspruch an den (kriegs-)wichtigen Rohstof- Ausdrucksform für herrschaftliche Repräsen-
fen demonstrieren wollte. tation oder sind sie nur als Zeiterscheinung der
tetrarchischen und konstantinischen Epoche zu
Wenn heute solche Überlegungen für eine Anla- verstehen?
ge wie Romuliana angestellt werden, erscheint es
nur legitim, auch für die Interpretation von Villen Wenn am Ende dieser Zusammenfassung auch
nach anderen Zeugnissen zu suchen, um z.B. für kaum endgültige Antworten auf die eingangs
die Villa von Bruckneudorf den im spätantiken gestellten Fragen stehen können, so boten die
Pannonien fast einmalig-luxuriösen Ausbau der hier publizierten Arbeiten jedoch nicht nur inter-
Anlage zu erklären. Die hier aus chronologischen essante Beiträge dazu, sondern sie vermittelten
Überlegungen vorgeschlagene Deutung als „Er- darüber hinaus auch anregende Ideen zur Wei-
satz“ für den in Carnuntum möglicherweise terführung der begonnenen Diskussion.
durch ein Erdbeben zerstörten Statthalterpalast
ist besser begründet als die frühere Annahme der Gerda v. Bülow
Anwesenheit der kaiserlichen Familie. Heinrich Zabehlicky
Summary

Palace or villa – that was the starting point for this limited to the quasi-private sphere of the familia
colloquium. Originally, the idea had been to try and dependent farmers and labourers. There are
and identify what architectural elements make some isolated examples, however, where such
a palace in the sense of a place of imperial rule sites could have served as temporary imperial
and representation, and what identifiable elem- residences for a limited period of time.
ents distinguish such a site from a luxury villa.
On the basis of the historical and archaeological The numerous lively and stimulating discussions
data from various selected examples, we aimed at the colloquium clearly showed that an archaeo­
to define criteria that would enable the classifica- logical and architectural differentiation between
tion of a structural complex as one or the other. a palace and a villa is not a straightforward mat-
In the spirit of this approach, the first step was ter. Indeed, the individual examples that were
to attempt to define the terms ‘palace’ and ‘villa’. presented and discussed – most of which date to
the 3rd and 4th century AD and particularly the
Palace (U. Wulf-Rheidt): The numerous struc- Tetrarchic period, i.e. late Antiquity, must be div­
tures on the Palatine Hill in Rome form the ided into three or four main groups.
original model of an imperial palace per se. This
was the centre of the Empire, represented both 1. On the one hand there are palaces in urban
through monumental representative buildings contexts such as those at Thessaloniki and
such as the Aula Regia and the Cenatio Iovis, as Sirmium. These served as actual administra-
well as three key temples that demonstrated the
tive centres and residences of individual em-
divine legitimisation of imperial power. Decora­
perors.
tive façades and the association of the Circus
2. A  second group are luxuriously designed
Maximus with the complex present a clear link
villas with no direct relation to any urban
between the palace and the surrounding city; at
centre. These include Bruckneudorf, Baláca,
the same time, they actually remove the emperor
Löffelbach, Armira and others that served
from any direct contact with the people.
solely as private estates of rich landowners
Villa (H. Thür): Originally, villas were simply but could have been used as administrative
functional farmsteads. Only gradually did they centres of imperial estates.
develop into complexes that can be differentiated 3. During the Tetrarchic period we can identify
in terms of function and design, i.e. a villa rustica, an intermediate type – represented by Diocle-
villa urbana, villa suburbana, villa otium, villa mari­ tian’s palace at Split in particular. The com-
tima etc. During the 3rd and 4th centuries AD, plexes at Mediana and Gamzigrad also fall
luxuriously if not palatially laid out structural into this category.
complexes with one or more peristyle courtyards, 4. The final group are residences in cities such as
pools, gardens, statuary, frescoes and mosaics Aquincum or Savaria that were set up as seats
emerge – particularly in the provinces. The archi- of office for provincial governors, procurators
tecture of these complexes reflects the limitless or other imperial officers. These could provide
imagination of their owners. Usually, however, appropriate accommodation for emperors on
even these luxury villas have an economic part their travels.
that would not only have supplied the owner
and all those associated with the site, but would The villa- or palace-like buildings inside the forti-
also have produced a profitable surplus. Gener- fied enclosures in the interior of the province of
ally, such complexes could have served to sus- Pannonia must be seen as a special case, particu-
tain or represent power only on a local or at most larly so as their precise function remains unclear
a regional level and their ‘public’ function was and needs to be studied further.
312 Summary

312 VACAT
An overview of villa complexes on the Iberian making it significantly earlier than the other vil-
Peninsula further confirmed the conclusion that las presented at this colloquium, most of which
any possible distinctions between the idea of a date to the Tetrarchic period or the 4th century.
‘palace’ and that of a ‘villa’ became more and
more blurred in late Antiquity, the period mainly The great villa at Piazza Armerina is another
under discussion at this colloquium. It is clear, example, like the Spanish ones, where the dis-
therefore, that the archaeological record alone tinction between palace and villa is blurred. Dis-
cannot allow for a clear differentiation between coveries of other rich villas in Sicily strengthen
a residence or administrative seat and the private the current consensus that the villa might well
estate of a wealthy individual. have belonged to a very wealthy private indi-
vidual in the Constantine period.
Even if specific archaeological data such as dec­
orative elements or clearly identifiable portraits Such considerations led to the identification of
of an emperor identify an individual as owner of a several key research approaches for the future,
site, as in the case of Romuliana and Galerius, this including the following questions:
does not clarify what the precise function of such Was there a network of imperial residences,
a residence may have been. In the case of Romu­ prepared to accommodate an emperor and his
liana, the site can only have served as an imper­ entire retinue according to their social status? E.
ial palace during the short reign of Galerius. The Tóth suggested such a model for Savaria. Could
archaeological record, however, clearly shows urban palaces have served such a purpose, just
that it continued to be occupied after his death. as those at the centre of imperial estates did?
As such, the complex must have seen a change A systematic analysis of imperial itineraries,
in function that has only been partially explained with parallel investigations of their relation to
to date. A further interesting question is how the known palace-like compounds could lead to new
site was used and occupied before the imperial insights in this respect.
palace was established. At present it appears that Could an attempt to sort the sizes of the various
it was an administrative centre for the exploit­ aulae into a sort of ‘hierarchy’ in terms of area
ation of ore-deposits in the surrounding area and of ground plan, as proposed by H. Zabehlicky,
the safeguarding of associated transport routes. be extended in order to produce reliable and clear
The emperor appears to have used the site to conclusions?
demonstrate his claim to these key natural re- Are concepts of interior layout including
sources. apses and rectangular recesses as found both in
palaces such as Thessaloniki and smaller villas
If such considerations are valid for a site such such as Löffelbach a special form of expressing
as Romuliana today, it seems opportune to treat and representing power, or should they be seen
other sites similarly. In the case of the villa at only as a temporary fashion of the Tetrarchic and
Bruckneudorf, for example, this would require Constantinian periods?
a new explanation for its luxurious redevelop-
ment – unique in Pannonia – in late Antiquity. In Even if there are virtually no concrete answers
this context, the chronologically motivated inter- to the questions posed at the outset of the collo-
pretation that it served as a ‘replacement’ for the quium, the meeting was still a success. After all,
governor’s residence at Carnuntum which may the papers that were presented not only provided
have been destroyed in an earthquake is more interesting contributions to the existing debate,
convincing than the earlier suggestion of the they also led to the development of various ideas
presence of the imperial familia. for the continuation of what promises to be fur-
ther stimulating discourse.
The owner of the large villa at Armira is likely
to have belonged to the urban élite of the nearby
city of Plotinopolis. The greatest redevelopment of Gerda v. Bülow
this villa occurred as early as the Severan period, Heinrich Zabehlicky
Adressen der Autorinnen und Autoren

Maria R.-Alföldi Patrick Marko


Hans-Sachs-Str. 1 Institut f. alttestamentliche
D-60487 Frankfurt/M. Bibelwissenschaft
Deutschland Karl-Franzens-Universität Graz
Heinrichstr. 78B/EG
Georg Breitner A-8010 Graz
Generaldirektion Kulturelles Erbe Österreich
Rheinland-Pfalz E-Mail: patrick.marko@uni-graz.at
Direktion Landesarchäologie
Außenstelle Trier Mihailo Milinković
im Rheinischen Landesmuseum Trier Philosoph. Fak. Univ. Belgrad
Weimarer Allee 1 Lehrstuhl f. Archäologie
D-54290 Trier Čika Ljubina 18–20
Deutschland 11000 Belgrad
E-Mail: georg.breitner@gdke.rlp.de Serbien
E-Mail: mihailo@yubc.net
Gerda v. Bülow
Römisch-Germanische Kommission Gordana Milošević
Palmengartenstr. 10–12 Archäologisches Institut
D-60325 Frankfurt/M. Knez Mihailova 35/IV
Deutschland 11000 Belgrad
E-Mail: vonbuelow@rgk.dainst.de Serbien
E-Mail: mgoga@eunet.rs
Evangelia Hadjitryphonos
Karakassi 27 Margit Németh
GR-54248 Thessalonike Aquincumi Múzeum
Griechenland Záhony u. 2.
E-Mail: evangeliali@gmail.com H-1031 Budapest
Ungarn
Orsolya Heinrich-Tamaska E-Mail: h7412nem@mail.iif.hu
Geisteswiss. Zentrum f. Geschichte u.
Kultur Ostmitteleuropas e.V. an der Goran Nikšić
Universität Leipzig City of Split
Reichsstraße 4–6, Specks Hof Service for the Old City Core
D-04198 Leipzig Obala kneza Branimira 17
Deutschland HR-21000 Split
E-Mail: heintama@rz.uni-leipzig.de Kroatien
E-Mail: Goran.Niksic@split.hr
Gergana Kabakchieva
Archäologisches Institut und Museum der BAN Sylvia Palágyi
Ul. Saborna 2 Zrínyi u. 15/D
BG-1000 Sofia H-8200 Veszprém
Bulgarien Ungarn
E-Mail: gkabakchieva@yahoo.com E-Mail: drpalagyi.szilvia@chello.hu
314 Adressen der Autorinnen und Autoren

314 VACAT
Sofija Petković Roger J. A. Wilson
Archäologisches Institut Dept. of Classical, Near Eastern and
Knez Mihailova 35/IV Religious Studies
11000 Belgrad University of British Columbia
Serbien BUCH C 227
E-Mail: spetkovi@ai.sanu.ac.rs 1866 Main Hall
Vancouver V6T 1Z1
Ivana Popović Canada
Archäologisches Institut E-Mail: roger.wilson@ubc.ca
Knez Mihailova 35/IV
11000 Belgrad
Serbien Ulrike Wulf-Rheidt
E-Mail: ivpop@eunet.rs Deutsches Archäologisches Institut,
Architekturreferat
Podbielskiallee 69–71
Felix Teichner
D-14195 Berlin
Am Grossen Berge 51 Deutschland
D-60431 Frankfurt am Main E-Mail: uwr@dainst.de
Deutschland
E-Mail: felix.teichner@zaw.uni-heidelberg.de
Heinrich Zabehlicky
Hilke Thür Michelbeuerngasse 3/8
Gölsdorfgasse 4/3 A-1090 Wien
A-1010 Wien Österreich
Österreich E-Mail: heinrich.zabehlicky@gmail.com
E-Mail: Hilke.Thuer@oeaw.ac.at

Endre Tóth Maja Živić


Ungarisches Nationalmuseum Nationalmuseum
Muzeum krt. 14–16 Mosche Pijade 2
H-1088 Budapest 19000 Zaječar
Ungarn Serbien
E-Mail: teutanus@gmail.com E-Mail: majazivicnika@yahoo.com