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Auswertung des Interviews vom 21.

Januar 2015

Fallzusammenfassung:

In dem Interview vom 21. Januar 2015 wird der Interviewte von der Interviewerin zu
verschiedenen Themen befragt, welche mit dem NRW-Semesterticket in Verbindung stehen.
So wird zum Einstieg in das Interview eine offene Frage gestellt, die den Interviewten dazu
bringt seine Gedanken zur Ausprägung von Egoismus und Hilfsbereitschaft in unserer
heutigen Gesellschaft zu äußern. Dabei unterscheidet der Interviewte zwischen einer
gesamtgesellschaftlichen Ebene und einer niedrigeren Ebene, die er dabei auf den engeren
Freundes- und Familienkreis bezieht. Weiterhin werden eigene Beispiele zu der selbst
erfahrenen Hilfsbereitschaft im Universitätsalltag eingebracht und ein negatives Beispiel von
einer US-amerikanischen Universität aufgeführt. Im weiteren Verlauf des Interviews wird
vom Interviewten die eigene subjektive Bedeutung von Solidarität erläutert. Auch hier
unterscheidet der Interviewte zwischen verschiedenen Ebenen und geht auch auf die
Bedeutung von Solidarität innerhalb der gesamten Welt ein. Darüber hinaus stellt der
Interviewte die eigene subjektive Bedeutung von Solidarität durch persönliche Beispiele dar.
So kommt er dabei beispielsweise auf das eigene Patenkind in Afghanistan zu sprechen und
auf eine Aktion bei der er mit anderen Leuten Flyer aufgehängt hat um Obdachlose auf eine
zentrale Nummer hinzuweisen, an welche diese sich im Winter bei starker Kälte wenden
können. Darüber hinaus gibt der Interviewte in Bezug auf die Rolle der Solidarität im eigenen
Universitätsalltag, eine Bewertung ab, welche er dabei auch näher begründet. Auch zum
Thema Spenden äußert sich der Interviewte in vielerlei Hinsicht. So wird die eigene
Einstellung zu Spenden sowohl anhand persönlicher Beispiele, als auch anhand von
geäußerten Bewertungen deutlich. Hinsichtlich des Semestertickets, welches derzeit durch
einen Solidarbeitrag finanziert wird, betont der Interviewte die Nützlichkeit des Tickets, in
dem er verschiedene Aspekte anspricht. So spricht er zum einen die Kosten- und Nutzen
Vorteile an, die sich seiner Meinung nach aus der Inanspruchnahme eines solchen Tickets
ergeben, zum anderen geht er auf den Umweltaspekt ein. Darüber hinaus wird in diesem
Zusammenhang die Haltung gegenüber den Gegnern des Semestertickets beschrieben und es
werden auf Seiten des Interviewten Vermutungen geäußert, welche Personengruppen dem
NRW-Semesterticket bzw. dessen derzeitigem Finanzierungsmodell kritisch gegenüberstehen.
Auswertung des Falls:

Im Interview wird deutlich, dass der Interviewte die Gesamtgesellschaft als "eher egoistisch"
betrachtet, wobei er zwischen einer gesamtgesellschaftlichen Ebene und "kleineren
gesellschaftlichen Formationen" unterscheidet. Innerhalb diesen "kleineren gesellschaftlichen
Formationen", zu denen der Interviewte die Familie und den Freundeskreis zählt, zeigt sich
seiner Meinung nach eine stärkere Hilfsbereitschaft. Mit einem Beispiel der Columbia
University in New York, über welche der Interviewte gehört hat, dass Studierende sich
gegenseitig "verpetzen" verdeutlicht der Interviewte nicht nur seine Vorstellung von Egoismus
sondern schafft so auch eine Kontrastfolie gegenüber den eigenen universitären Erfahrungen.
So betont der Interviewte, dass er im Hinblick auf seine eigenen Kommilitonen vor allem
Unterstützung und Hilfsbereitschaft im universitären Alltag erfahren hat. Dabei wird deutlich,
dass diese Hilfsbereitschaft vom Interviewten gewissermaßen als eine Erwartung an sich
selbst und an seine Kommilitonen gerichtet wird. So versteht der Interviewte Hilfsbereitschaft
als gegenseitige Unterstützung und betont dies indem er sagt "das muss man natürlich
zurückgeben. Ja das ist so. Man muss sich gegenseitig helfen".

Zum Thema Solidarität äußert sich der Interviewte in verschiedener Weise. Für ihn bedeutet
dabei Solidarität "die Unterstützung von Schwächeren, sei es von ökonomisch oder sozial
schwächeren Personen in der Gesellschaft". Auch hier unterscheidet der Interviewte zwischen
verschiedenen Ebenen und differenziert zwischen Solidarität im engeren Freundes- und
Familienkreis, in der Stadt und in einer Solidarität "in der gesamten Welt". Sowohl in Bezug
auf eine weltweite Solidarität als auch in Bezug auf eine Solidarität im engeren Sinne betont
der Interviewte dabei die Verantwortung von finanziell besser gestellten gegenüber sozial
Schwächeren. Dies wird auch an seinen Beispielen deutlich, was für ihn Solidarität bedeutet.
So bedeutet Solidarität für ihn auch, dass wenn man es sich leisten kann "finanziell oder sonst
etwas in anderen Länder transferier(t)". Dafür gibt er auch persönliche Beispiele an, die diese
subjektive Bedeutung von Solidarität unterstreichen sollen und erzählt im Interview unter
anderem von einem Patenkind aus Afghanistan. An dieser Stelle wird auch deutlich, dass der
Interviewte ein solidarisches Handeln gegenüber "Schwächeren" in gewisser Weise als eine
Verantwortung begreift, welche er aus seinem eigenen sozialen bzw. familiären Hintergrund
ableitet. So sieht er sich selbst bzw. seine Familie als Teil der sozial stärkeren Gesellschaft,
welchem für den Interviewten im Sinne der Solidarität eine Verantwortung gegenüber den
sozial Schwächeren zukommt. In Bezug auf die eigene Universität und seine Kommilitonen
erkennt der Interviewte eine Solidarität doch hält er die Studentenschaft "nicht für so innig".
Die Gründe für die mangelnde "Innigkeit" sieht er dabei in dem Umstand, dass einige
Kommilitonen pendeln und dadurch wenig gemeinsame außeruniversitäre Erfahrungen
miteinander teilen. Nach seiner Theorie besteht dagegen ein größerer solidarischer
Zusammenhalt "unter den Leuten die in Wohnheimen zusammen leben" und "die auch hier in
unserer Stadt gemeinsam was unternehmen".

Bei seinen Beispielen zu solidarischem Handeln im Allgemeinen bringt der Interviewte auch
das Beispiel von Spenden ein. Dies lässt darauf schließen, dass der Interviewte Spenden als
Ausdruck von Solidarität und Hilfsbereitschaft betrachtet. Doch in einer folgenden Frage zu
Spenden wird auch seine Skepsis gegenüber Spenden deutlich, so sind Spenden laut des
Interviewten zwar wichtig „aber nicht das einzige“. So kritisiert er, dass viele Menschen
„Spenden als Ablassbrief“ betrachten und sich dabei jedoch nicht mit den Problemen bzw.
betroffenen Menschen näher auseinandersetzen. Für ihn scheint es wichtiger, dass man sich
selbst auch einbringt und „Empathie für soziale Probleme entwickelt“. Er nennt dafür
verschiedene Vorschläge wie man den Menschen als Ausdruck „direkter Solidarität“ zeigt,
„dass sie auch was Wert“ sind. Als Beispiele dafür schlägt er vor, dass man in der Tafel
aushelfen könnte oder Obdachlose zum Essen oder Trinken einlädt, wobei nicht deutlich wird
ob er selbst auch in diesem Sinne handelt oder ob es lediglich theoretische Überlegungen sind.
Wohl aber betont der Interviewte, dass er sich als Vorstandsmitglied in einem Verein
engagiert, welcher Spenden sammelt und dass er in diesem Sinne seine „Arbeitskraft“ spendet.
Auf die Frage nach der Freiwilligkeit von Spenden wird vom Interviewten klargestellt, dass
finanzielle Abgaben erzwungen werden sollten, wenn es dem „sozialen Ausgleich“ dient.
Auch an dieser Stelle zeigt sich somit, dass der Interviewte von einer gegenseitigen
solidarischen Verantwortung, besonders gegenüber sozial Schwächeren Personen ausgeht.
Diese Einstellung spiegelt sich schließlich auch in seinen Ausführungen und Stellungnahmen
zum NRW-Semesterticket wieder. So hält er den Solidarbeitrag, der von allen Studierenden
zur Finanzierung des NRW-Semestertickets entrichtet wird, „für sehr sinnvoll“. Auch „das
alle das Semesterticket beziehen müssen“ befürwortet der Interviewte. Für Gegner des
Solidarbeitrags zeigt der Interviewte hingegen wenig Verständnis. Dabei stellt er die
Vermutung auf, dass es sich bei den Gegnern vor allem um Autofahrer handelt. Hierbei
bezieht sich der Interviewte auf das zuvor besprochene Thema „Egoismus“ und spitzt seine
Vermutung mit Vorwürfen gegenüber den Autofahrern zu. So bezeichnet er sie als
„egoistisch“ und behauptet: „Viele Leute sitzen dann alleine im Auto weil sie gerne ihre
Sitzheizungen haben möchten“. Er sieht somit die Ablehnung des Solidaritätsbeitrags zur
Finanzierung des Semestertickets als Ausdruck von Egoismus, und grenzt sich dabei deutlich
von diesen Gegnern des Solidarbeitrags ab. Dies wird auch deutliche wenn er sagt, „Solidarität
heißt in dem Fall auch öffentlichen Personen-Nahverkehr zu nutzen und damit, indem man
auch das Ticket bezahlt, es auch für andere günstiger macht“. Der Interviewte betont vor allem
die positiven Aspekte des NRW-Semestertickets, wie etwa die Kostenvorteile gegenüber
anderen Bus- und Bahn Tickets. Weiterhin sieht er einen Vorteil darin, dass durch das NRW-
Semesterticket die Nutzung des Nahverkehrs gesteigert und damit gleichzeitig die Straßen und
die Umwelt entlastet werden. Doch neben diesen allgemeinen Vorteilen spielt auch der eigene
Nutzen eine wichtige Rolle, so profitiert der Interviewte hinsichtlich der eigenen regelmäßigen
und weiten Nutzung des Semestertickets selbst auch von den vergleichsweise geringen Kosten
die durch den obligatorischen Solidarbeitrag gewährleistet werden. Insgesamt zeigt sich somit,
dass der Interviewte ein starker Befürworter des Semestertickets ist und von der solidarischen
Finanzierungskomponente überzeugt ist, allerdings nicht aus gänzlich uneigennütziger
Motivation.