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HITLERS HÖLLENFAHRT
Das Ende im Bunker und die lange Reise des Leichnams / Teil II

CHALDEJ / VOLLER ERNST


Sowjetfahne auf dem Reichstag am 2. Mai 1945: „Zusammen mit den Deutschen wären wir unbesiegbar gewesen“

n der Nacht vom 27. auf den 28. April sagt: „Jetzt bin ich wer, jetzt bin ich Roten Kreuzes, Folke Graf Berna-

I 1945 breitet sich im Bunker das Ver-


langen nach einem Massenselbstmord
aus. Vorher möchte der Chef, dessent-
die Schwägerin von Fegelein!“
Hitler läßt den möglichen Schwipp-
schwager vom Personenschützer Peter
dotte.
Davon erfährt Hitler erst am nächsten
Tag, dem 28. April, aus einer Meldung
wegen jeden Tag noch Tausende ihr Le- Högl im umkämpften Charlottenburg des Stockholmer Rundfunks. Die Bun-
ben lassen müssen, einen Mord an ei- aufspüren, in der bereits vom Feind er- kerbewohner schreien auf, allesamt wei-
nem seiner Paladine begehen. oberten Bleibtreustraße 4. nen sie und jammern. Dann wird auch
Vielleicht weiß er auch, was seine Se- Fegelein, in Zivil, hat einen Koffer noch bekannt, daß der von Hitler ge-
kretärin Christa Schroeder über seine mit 105 725 Reichsmark und Schweizer schätzte SS-General Karl Wolff – Fege-
Freundin Eva Braun und den SS-Grup- Franken bei sich, dazu Unterlagen leins Vorgänger als Himmlers Verbin-
penführer Hermann Fegelein weiß: über die Gespräche, die sein Chef dungsmann zu Hitler – an der Italien-
Dem ist „ihr Herz zugetan“. Zu ihrer Heinrich Himmler seit einem Jahr mit front mit den Amerikanern einen Waf-
Freundin Marion Schönmann hat Eva dem Feind im Westen angebahnt hat. fenstillstand ausgehandelt hat.
im Jahr zuvor gesagt: „Wenn ich Fege- Im Mai 1944 suchte der höchste Hen- Dazu noch die Befehlsverweigerung
lein zehn Jahre früher kennengelernt ker Kontakt ausgerechnet zum „Welt- des SS-Generals Felix Steiner: Hitler
hätte, würde ich den Chef gebeten ha- judentum“, er bot als Tauschobjekt die fühlt sich nun auch von seinen SS-Jani-
ben, mich freizugeben.“ 750 000 Juden Ungarns – über die tscharen verraten. Sein Sekretär Martin
Sie hat ihn dann mit ihrer Schwester Hälfte von ihnen kam nach Auschwitz. Bormann und der Generalstabschef
Gretl verheiratet – Hitler war Hoch- Seit Wochen verhandelt er nun mit Hans Krebs unterrichten General Wal-
zeitsgast – und zu Frau Schroeder ge- dem Vizepräsidenten des Schwedischen ter Wenck, Himmler wolle die Deut-

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schen bedingungslos den „Plutokraten“


ausliefern.
Für den Abfall Himmlers und der SS
soll Verbindungsmann Fegelein büßen,
zumal Hitler ihn nun auch noch für je-
nen Informanten hält, der den briti-
schen Soldatensender Calais stets mit
frischen Anekdoten aus dem Haupt-
quartier versorgt hat. Er befiehlt dem
Gestapo-Chef Heinrich Müller, im Kel-
ler unter der zerstörten Dreifaltigkeits-
kirche (dort konfirmierte der Theologe
Friedrich Schleiermacher 1831 Otto von
Bismarck) den betrunkenen Fegelein zu
verhören, und zwar „scharf“.
Mit rotgeweinten Augen bittet Eva
Braun um Gnade für den Vater des Kin-
des, das ihre Schwester bald gebären
wird, vergebens: Hitler läßt Fegelein im
Ehrenhof der Reichskanzlei erschießen,
Freund Mussolini hat ja auch seinen
Schwiegersohn Graf Ciano hinrichten
lassen.
Jetzt ist der im Bunker eingeschlosse-
ne Hitler von der Furcht verfolgt, seine
SS trachte ihm nach dem Leben. Luft-
waffenadjutant von Below will im Bun-
ker erfahren haben, Himmler habe
„eine Verschwörung angezettelt, um Feldherr Hitler 1945*: „Es gibt keine jüdische Rasse“
Hitlers Leiche den Westmächten auszu-
liefern“. Himmler hatte im Februar von täubtem Zustand entführen soll. Leib- Lage zu erkunden: „Sagen Sie, gnädige
Goebbels gehört, daß Hitler „augen- wächter Rattenhuber hat irgendwoher Frau, sind die Russen schon bei Ihnen?“
blicklich lieber die Russen als die West- einen Tip bekommen, in den Bunker sei In den Kammern des überhitzten Bun-
mächte hereinlassen will“ – im Juni 1944 ein Attentäter eingedrungen. kers wabert der Gestank von Soldaten-
hatte ein SS-Obersturmbannführer in Mit einem Stadtplan schleicht der schweiß, Chlor und verstopften Abfluß-
Stockholm auch Kontakt zur Sowjetbot- Mann, der sich als „größter Feldherr al- rohren. Die Belüftungsanlage saugt
schaft gesucht, einen Sonderfrieden mit ler Zeiten“ (Gr öfaz) feiern ließ, durch Trümmerstaub in den Bunker, den Ge-
der UdSSR angeboten und behauptet, die Kellerflure und entwirft lauter neue ruch von Brand und Verwesung. Am spä-
seine Auftraggeber seien bereit, „den Strategien für die Armee Wenck, die ten Abend hat Goebbels den Volks-
Führer von der politischen Bühne ver- Berlin noch entsetzen soll. Die Nach- sturmmann Walter Wagner aufgetan, der
schwinden zu lassen“. Himmler erzählt richtenverbindungen des Bunkers in die in Pankow Müllabfuhr und Schulen ver-
nun Bernadotte, Hitler sei vom Schlag Außenwelt sind abgerissen. Ordonnan- waltet und als Standesbeamter fungieren
getroffen und bald tot. zen rufen über das weiter funktionieren- kann: Hitler will Eva Braun heiraten, mit
Wieso ist der Pilot Baur noch da? Hit- de öffentliche Telefonnetz Bekannte in Goebbels und Bormann als Trauzeugen.
ler erwägt, ob der ihn womöglich in be- umliegenden Stadtbezirken an, um die Hat er im Angesicht des Todes zu klein-
bürgerlicher Tugend zurückgefunden,
will er die durch den Fegelein-Mord ver-
störte Eva besänftigen, erwägt er gar im-
mer noch den Ruhestand mit „Fräulein
Braun“ und Blondi – ein Akt der Abdan-
kung? „Viele Frauen hängen an mir, weil
ich unverheiratet bin“, hatte er einmal ge-
sagt. „Es ist so wie bei einem Filmschau-
spieler . . .“ Das ist nun nicht mehr nötig,
um Mitternacht des 28. April.
Wagner fragt vorschriftsgemäß das
Brautpaar auch, ob es arischer Abstam-
mung und frei von Erbkrankheiten sei.
Ja, ja.
Frau Junge, die Sekretärin, gratuliert
dem „gnädigen Fräulein“, und Eva ant-
wortet: „Sie können mich jetzt ruhig Frau
Hitler nennen.“ Es gibt Sekt und belegte
Brote.
Hitler diktiert Frau Junge sein poli-
FOTOS: SÜDD. VERLAG

tisches und sein persönliches Testa-


ment. Darin schreibt er die Schuld an sei-

* Mit Generaloberst Ritter von Greim (l.) und Ge-


SS-Führer Fegelein, Eva Braun 1944: „Ihm ist ihr Herz zugetan“ neral Busse (r.).

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An seine Mitarbeiter verteilt der Füh-


rer und Reichskanzler Giftampullen mit
Zyansäure; da er die Kapseln von
Himmler bekam, der sie im KZ Sach-
senhausen hat herstellen lassen, miß-
traut Hitler der Wirkung und läßt sie an
dem Schäferhund Blondi erproben. Sie
wirken.
Kein Ruhestand mehr. „Wenn kein
Wunder geschieht, sind wir verloren“,
sagt Hitler jetzt. „Meine Frau und ich
werden sterben.“ Er gibt Order, alle sei-
ne persönlichen Sachen zu vernichten:
„Trophäen für irgendein Museum darf

„Die Russen
stehen schon 100 Meter
vor der Reichskanzlei“
es nicht geben.“ 50 Jahre später wird

M. KÖHLER
das Moskauer Armeemuseum seine al-
te Parteiuniform und Stiefel ausstellen.
Zerstörte Alte Reichskanzlei im Juli 1945: In der Sahara verstecken Ein ziemlich gelassener Hitler trägt
dem zum Luftwaffenchef beförderten
nem Krieg England zu, vor allem aber Im Grunewald wird gekämpft, am An- Besucher Ritter von Greim auf, Hein-
den Juden. Er sterbe, um der „Schande halter Bahnhof ebenfalls, mehrere hun- rich Himmler sofort hinrichten zu las-
des Absetzens oder der Kapitulation zu dert Hitlerjungen des HJ-Chefs Artur sen und die Luftwaffe zur Verteidigung
entgehen“, und bekennt als Lebens- Axmann, 16 und 17 Jahre alt, verteidi- Berlins einzusetzen. Greim und die
werk, daß er wenigstens die Juden habe gen die Havelbrücken in Pichelsdorf Testpilotin Hanna Reitsch, der Magda
„büßen“ lassen, durch „humanere Mit- und Reichsarbeitsdienstleute das Olym- Goebbels einen Diamantring schenkt,
tel“ als Soldaten- und Bombentod. piastadion, um einen Fluchtweg offen- fliegen aus.
Er stößt Göring und Himmler aus der zuhalten – auch für Hitler. An den Generaloberst Jodl, der sich
NSDAP aus, von deren Fortbestehen er Der Panzerbär, die letzte Tageszei- in Mecklenburg befindet, läßt Hitler
demnach ausgeht, verpflichtet seine tung, streut Aussichten auf eine Wende: die Schicksalsfragen übermitteln:
Nachfolger zu Rassereinheit und Un- „Unsere Truppen haben an der Elbe i Wo Spitze Wenck?
barmherzigkeit gegenüber den Juden – den Amerikanern den Rücken gekehrt, i Wann tritt er an?
obwohl er im Februar eingestanden hat- um von außen her im Angriff die Vertei- i Wo 9. Armee?
te, daß seine ganze Ideologie auf einem diger von Berlin zu entlasten.“ Auf der i Wo Gruppe Holste (eine Kampf-
Irrtum beruhte: „Im eigentlichen Sinn Lagebesprechung um 22 Uhr rät der gruppe des Generals Steiner unter
des Wortes und vom genetischen Stand- Kommandeur der Kellerbesatzung, Wil- dem General Holste)?
punkt aus“, räumte er ein, „gibt es keine helm Mohnke, zum Ausbruch. i Wann tritt er an?
jüdische Rasse.“ Generalfeldmarschall Keitel
Das Ende seines Regimes will er noch hatte sich am Vortag auf einer
immer nicht wahrhaben. Er ernennt ei- Straßenkreuzung bei Neubran-
ne neue Regierung mit Großadmiral denburg mit General Gotthard
Karl Dönitz als Reichspräsidenten und Heinrici verabredet, dazu mit
Goebbels als Kanzler, selbst die Porte- dem Panzergeneral Hasso von
feuilles für Landwirtschaft und Arbeit Manteuffel. Dessen Stabschef
besetzt er; Bormann soll „Parteimini- Burkhart Mueller-Hillebrand
ster“, Himmler-Nachfolger als SS- und (1962 Gutachter in der SPIE-
Polizeichef soll der brutale Breslauer GEL-Affäre im Auftrag der
Gauleiter Karl Hanke werden, der frü- Redaktion) legt am Treffpunkt
her einmal, als er noch Goebbels’ vorsichtshalber Offiziere in ei-
Staatssekretär war, Magda Goebbels nen Hinterhalt. Heinrici wei-
über die Affäre ihres Mannes mit dem gert sich, Befehle eines Ober-
Filmstar Lida Baarova hinweggetröstet kommandos zu befolgen, das
hat. die Lage nicht kennt; Keitel
Die sowjetische Artillerie schießt fordert, ein paar tausend De-
kaum noch auf die Reichskanzlei, die serteure zu erschießen. Heinri-
Rote Armee will lieber den Reichstag ci sagt, er möge selbst damit
erobern. Aus der Mannschaftskantine bei den vorbeiziehenden, total
schallt Jazzmusik, das Geschrei tanzen- erschöpften Truppen begin-
der Betrunkener. nen.
ULLSTEIN

Am Morgen des 29. April kommt Keitel zieht ab und beant-


endlich ein Lagebericht: Sowjetische wortet per Funk Hitlers Fra-
Panzer stünden bereits am Potsdamer Panzerfaust-Schulung gen. Zu 1): liegt südlich
Platz, 450 Meter vor Hitlers Zitadelle. „500 000 deutsche Tote in Berlin“ Schwielowsee fest. Zu 2):

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fördernder Fettsuppe gefüttert, ließ er


1944 über die Moskauer Gorkistraße
marschieren, preisgegeben dem Hohn
der Bevölkerung. Marschall Schukow
hatte einmal dem ukrainischen Chefpo-
litruk Nikita Chruschtschow am Telefon
eröffnet: „Bald werden wir das schleimi-
ge Biest Hitler in einem Käfig einge-
sperrt haben.“
Mittags erteilt Hitler endlich dem
Berlin-Verteidiger Helmuth Weidling
den Befehl zum Ausbruch aus Berlin,
den der General für die Überreste von
vier Divisionen auf 22 Uhr festsetzt.
Hitler fordert Weiterkämpfen „in den
Wäldern“; eine Kapitulation erlaubt er
nicht. Dann ißt er – ohne seine Frau –
zum Mittag Spaghetti mit Tomatensoße.
Vorführung von Kriegsgefangenen in Moskau 1944: „Durch die Straßen zerren“ Kurz nach 15 Uhr verabschiedet sich
Hitler von seinen Mitarbeitern, für Lin-
12. Armee kann daher Angriff auf Ber- ßen: „1934 hat es 34 000 Mark gekostet.“ ge denkt er schon an eine neue Stellung:
lin nicht fortsetzen. Zu 3): 9. Armee mit Er hat erfahren, daß die Leichen seines Er solle flüchten, rät er. „Wozu noch,
Masse eingeschlossen. Zu 4): in die Ab- Freundes Mussolini und dessen Geliebter mein Führer?“ fragt Linge. Hitler: „Für
wehr gedrängt. Von der 9. Armee wer- dem Pöbel überlassen wurden. Er selbst den Mann, der nach mir kommen wird.“
den die Russen später melden, 60 000 hat sich daran delektiert, den Tod des Ge- Frau Hitler schenkt Frau Junge ihren
Mann getötet und doppelt so viele ge- neralfeldmarschalls Erwin von Witzle- Silberfuchs und der BDM-Obergebiets-
fangen zu haben. Die 12. Armee ergibt ben am Fleischerhaken filmen zu lassen.
sich am Ende den Amerikanern, die So sagt er zu seinem SS-Adjutanten Otto
entgegen ihrer Zusage viele Soldaten, so Günsche „völlig ruhig“ (laut Günsche): „Wir haben viel mehr
die Division Jahn, samt Nachrichtenhel- „Ich möchte nicht, daß meine Leiche von
ferinnen den Sowjets ausliefern. den Russen in einem Panoptikum ausge- mit dem Bolschewismus
Am 30. April um 3.30 Uhr morgens stellt wird.“ Er beauftragt Günsche und
den Diener Heinz Linge, seinen Leich-
als dem Westen gemein“
funkt Bormann an Dönitz in Plön: „Der
Führer lebt und leitet Abwehr Berlin.“ nam zu verbrennen.
Hitler steht ungewohnt früh auf, um Auch den Altparteigenossen Walter führerin Gisela Hermann ihr Braut-
sechs Uhr, und nimmt im schwarzseide- Hewel warnt er, wenn der den Russen in nachthemd. Noch immer schallt aus der
nen Morgenmantel und in Lackleder- die Hände falle, werde man ihn „ausquet- Kantine Musik und Gejuchze herüber.
pantoffeln die Lagemeldung Mohnkes schen, bis Ihnen die Augen aus den Höh- Adolf und Eva Hitler setzen sich auf
entgegen: Die Russen stünden schon am len treten, und dann wird man Sie durch das kleine Sofa im Führerwohnraum,
Hotel Adlon, Ecke Wilhelmstraße/Un- die Straßen Moskaus zerren und Sie in ei- SS-Mann Günsche stellt sich „wie ein
ter den Linden, und im U-Bahnschacht nem eisernen Käfig im Zirkus oder Zoo Wachposten“ vor die Tür, läßt Magda
an der Voßstraße neben der Reichs- zur Schau stellen“. Goebbels noch einmal kurz hinein,
kanzlei – 100 Meter vor dem Bunker. Immerhin hat Stalin später bedauert, weist Axmann zurück.
Zur gleichen Stunde besteigen mit Wal- Hitler nicht lebend in die Hand bekom- Die russische Artillerie schießt auf ih-
ter Ulbricht zehn deutsche Kommuni- men zu haben. Und über 57 000 deutsche re Art weiter Salut. Trotz des Kanonen-
sten aus dem Moskauer Hotel Lux das Kriegsgefangene, zuvor mit Diarrhöe- donners wollen einige Kumpane, die im
Flugzeug nach Berlin, um dort durch Betonwände abgetrenn-
die Geschäfte zu übernehmen. ten Besprechungsraum warten,
Ehefrau Eva kommt den gan- gegen 15.30 Uhr einen Schuß
zen Vormittag nicht aus ihrer gehört haben. Nach zehn Minu-
Kammer. Um acht Uhr beginnt ten betreten sie das Zimmer, ih-
neues Trommelfeuer auf den re Aussagen über das Vorgefun-
Bunker. Pilot Hans Baur bietet dene widersprechen sich.
Hitler an, ihn mit einem der Sie waren sich einig: Hitler
drei in Rechlin bereitstehenden war tot, seine Frau, die zu
sechsmotorigen Langstrecken- Traudl Junge gesagt hatte: „Ich
Transporter vom Typ Ju-390 aus- möchte eine schöne Leiche
zufliegen, ganz weit weg – non- sein“, hatte sich vergiftet. Ihre
stop nach Argentinien, Japan, Körper wurden im Garten der
Gr önland, in die Mandschurei Reichskanzlei verbrannt, aber
oder nach Jerusalem, „zu einem nur unvollständig. Günsche und
der Scheiche“, berichtet Baur Linge führten den Befehl ihres
später, „die ihm aufgrund der Ju- Chefs, seine Leiche ohne Zeu-
denfrage immer sehr gewogen gen und restlos zu vernichten,
waren und (ihn) während des nicht aus. Die SS-Posten, denen
Kriegs oft mit Kaffee versorgt ihr Götze das Rauchen verboten
hatten“. Die könnten ihn in der hatte, zündeten sich die Zigaret-
Sahara verstecken. ten an.
AKG

Hitler dankt und schenkt Baur Es war die Walpurgisnacht.


das Bild von Friedrich dem Gro- Hitler-Sekretär Bormann: Telefonat mit Sowjets Der sowjetische Feldarzt, wel-

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cher Hitlers Relikte sezieren wird, trägt tergekommenen Großadmiral Dönitz, in


den Vornamen „Faust“ – das Drama dem er Hitlers Tod verschweigt: „Anstel-
verfällt zur Danse macabre. le des bisherigen Reichsmarschalls Gö-
Im Bunker, der vorher schon von wei- ring setzt der Führer Sie, Herr Großadmi-
teren möglichen Zeugen geräumt wor- ral, als Nachfolger ein.“
den ist, sind Bormann, Axmann, die Dönitz antwortet mit einer Ergeben-
Goebbels-Familie, General Krebs, heitsadresse an Hitler, dessen angekohlte
Kammerdiener Linge, Adjutant Gün- Leiche bereits in einem Bombentrichter
sche, Leibwächter Rattenhuber, Gesta- verscharrt worden ist: „Mein Führer!
po-Chef Müller und ein Dutzend SS- Meine Treue zu Ihnen wird immer und
Chargen sowie drei Sekretärinnen zu- unabdingbar sein. Ich werde daher weiter
rückgeblieben. General Weidling stößt alle Versuche unternehmen, um Sie in
dazu, er brauchte eine Stunde, um sich Berlin zu entsetzen.“
unter Feuer von seinem gut einen Kilo- Neuer Reichskanzler ist nun kraft Hit-
meter entfernten Gefechtsstand im ler-Testament Goebbels, und der sucht
Bendlerblock durch Ruinen und Keller allen Ernstes noch rasch seinen Sonder-
zur Reichskanzlei durchzuarbeiten. Er frieden mit Stalin. 20 Jahre ist es her, daß
er in den NS-Briefen geworben
hatte: Rußland, das den „sozia-
listischen Nationalstaat“ er-
richte, sei „unser natürlicher
Verbündeter gegen die teufli-
schen Versuchungen des We-
stens“. „Wir haben viel mehr
mit dem östlichen Bolschewis-
mus als mit dem westlichen Ka-
pitalismus gemein.“
Bormann verlangt, einfach
das sowjetische Oberkomman-
do anzurufen. Mit einem von
ihm verfaßten Brief schickt er
einen Oberstleutnant Seifert
samt Dolmetscher zum Gesta-
po-Hauptquartier an der Prinz-
Albrecht-Straße, dahinter wer-
den die Parlamentäre von Rot-
armisten empfangen. Seltsam:
Die kennen schon das Staatsge-
heimnis – „Gitler kaput.“
Nach Mitternacht wird von
derselben Stelle aus General
Krebs zum Gefechtsstand
des Sowjetgenerals Wassilij
Tschuikow in Tempelhof,
BPK

Schulenburgring 2, geleitet.
Mussolini-Leiche (l.) 1945: „Im Panoptikum“ Krebs scheint der richtige
Mann zu sein: Er war einmal Vi-
erfährt (so seine Aussage in Sowjethaft), ze-Militärattaché in der UdSSR und
Hitler und seine Frau hätten „Selbstmord spricht Russisch. Stalin hat ihn im April
durch Gift begangen, worauf sich Hitler 1941 – ein Vierteljahr vor dem deut-
noch erschossen habe“. schen Überfall – bei der Verabschie-
Jetzt gilt es, die eigene Haut zu retten. dung des japanischen Außenministers
Die Frauen fürchten Vergewaltigung und Matsuoka auf dem Bahnhof in Moskau
den empfohlenen Suizid. Im Keller der demonstrativ umarmt: „Wir müssen
Reichskanzlei liegen Hunderte Verwun- Freunde bleiben.“ Jetzt überreicht
dete, Arzt Schenck erwägt, ob er ihnen Krebs dem Stalingrad-Helden Tschui-
auf nationalsozialistische Art mit einer kow die Nachricht vom Tod Hitlers.
Injektion den „Gnadentod“ gibt: Die 12. Tschuikow antwortet gelassen: „Das ist
Armee hatte ein Gefecht zur Rettung von uns bereits bekannt.“ Woher – aus Bor-
6000 Verwundeten bei Beelitz damit be- manns Telefonat?
gründet, „daß in den von Rußland er- In seinen Memoiren behauptet
oberten Gebieten alle verwundeten deut- Tschuikow später, geblufft zu haben,
schen Soldaten, die weder zu einem und äußert die Vermutung, Hitler habe
Kriegs- noch zu einem Arbeitseinsatz zu diesem Zeitpunkt noch gelebt. Die
verwendbar sind, erschlagen werden“. Todesnachricht habe nur die Alliierten
Goebbels und Bormann möchten nicht spalten, die Westmächte zur Allianz mit
nur ihr Leben retten, sondern auch ihre den Deutschen gegen die UdSSR er-
Machtbefugnisse. Bormann schickt um muntern sollen – Himmlers Projekt.
18.35 Uhr des 30. April einen Funkspruch Ritterkreuz- und Monokelträger
an den in Schleswig-Holstein, in Plön, un- Krebs aber hat das Gegenteil im

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Sinn. Er überreicht Tschuikow einen


von Bormann gegengezeichneten Goeb-
bels-Brief an Stalin:
Ich teile dem Führer des Sowjetvolkes
als dem ersten Nichtdeutschen mit,
daß heute, am 30. April 1945, der Füh-
rer des deutschen Volkes, Adolf Hitler,
um 15.50 Uhr von eigener Hand ver-
schieden ist . . .

Dieser Kontakt hat den Zweck zu klä-


ren, inwiefern die Möglichkeit besteht,
zwischen dem deutschen Volk und der
Sowjetunion Friedensgrundlagen zu
schaffen, die dem Wohl und der Zu-
kunft der beiden Völker, welche die
größten Verluste im Krieg erlitten ha-
ben, dienen werden.
Tschuikow informiert seinen Oberbe-
fehlshaber, Marschall Schukow, der mit
Moskau telefoniert (den Text der

BPK
Krebs-Papiere übersetzt am Telefon
Hauptmann Lew Besymenski, der spä- Goebbels-Familie 1941: Zyankapseln in den Mund
tere Historiker). Stalin über Hitler zu
Schukow: „Der Schuft hat also ausge- läßt sich Stalin nicht ein, nur auf eine senhower in Reims, am nächsten Tag
spielt. Schade, daß wir ihn nicht leben- bedingungslose Kapitulation. Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel in
dig in die Hände bekommen haben. Wo Es kommt alles zu spät. Einen Son- Berlin-Karlshorst gegenüber Marschall
ist Hitlers Leiche?“ derfrieden nach dem Muster von Brest- Georgij Schukow. Allein die Eroberung
Litowsk 1918, unter Preisgabe der West- der deutschen Hauptstadt hat das Leben
provinzen des eigenen Reiches, hatte von 304 887 Rotarmisten gekostet, dazu
Fröhliche Russinnen Stalin in den ersten Kriegswochen und über ein Drittel der eingesetzten Pan-
dann im Oktober 1941 erwogen, als die zer. Die Sowjets meldeten 500 000 deut-
plündern die Deutschen vor Moskau standen; er bat sche Tote (allein in West-Berlin fanden
Kleider von Eva Hitler Bulgarien um Vermittlung. Auch her- sich die Gr äber von 18 320 Soldaten und
33 420 Zivilisten).
nach hatte er noch einen Deal sondieren
lassen. Einen Attentatsversuch seiner Eine Separatregierung in Berlin, die
Warum Hitlers Testament und Selbst- Agenten auf Hitler untersagte Stalin sich mit Moskau arrangiert, wird es ge-
mord geheimgehalten würden, fragt 1944, weil Göring dann mit dem Westen ben – aber mit der soeben aus Moskau
Tschuikow General Krebs. Antwort: Frieden schließe – solange Hitler lebe, eingetroffenen Gruppe Ulbricht: Krebs
„Weil das Himmler erfahren und zur sei diese West-Option nicht zu befürch- kehrt nach acht Stunden ohne Resultat
Bildung seiner Regierung benutzen ten. Am Ende des Krieges sagte Stalin mittags in den Bunker zurück und
wird, außerdem haben wir in Berlin kei- zu seiner Tochter Swetlana: „Ach, zu- nimmt sich am Abend das Leben.
ne Nachrichtenmittel für eine Bekannt- sammen mit den Deutschen wären wir Goebbels verharrt in Arroganz: „Die
gabe.“ unbesiegbar gewesen.“ wenigen Stunden, die ich noch als deut-
Auf so ein Spiel, Deutschland zwi- Es ist der 1. Mai, und Stalin hat ge- scher Reichskanzler zu leben habe, wer-
schen Himmler und Dönitz (West), siegt. Kaum eine Woche später kapitu- de ich nicht dazu benutzen, meine Un-
Goebbels und Bormann (Ost) zu teilen, liert Generaloberst Alfred Jodl vor Ei- terschrift unter eine Kapitulationsur-
kunde zu setzen.“ Deshalb müssen noch
Tausende sterben, zumal General Weid-
ling die Kapitulation der Berliner Trup-
pen bis zum nächsten Mittag aufschiebt,
damit die restlichen Bunkerbewohner
und Mohnkes Leibgarde noch ausbre-
chen können. Die meisten geraten in so-
wjetische Gefangenschaft oder entlei-
ben sich. Bormann und Gestapo-Müller
verschwinden ins Nirgendwo (1972
kommen Bormanns Knochen am Lehr-
ter Bahnhof ans Licht), Axmann gelangt
in den Westen. Die Verwundeten blei-
ben noch im Kellerlazarett.
Mit einem Tag Verspätung unterrich-
tet Reichskanzler Goebbels am 1. Mai
um 15.18 Uhr seinen Reichspräsidenten
Dönitz vom Selbstmord seines Voll-
SÜDD. VERLAG

machtgebers; Dönitz gibt im Rundfunk


bekannt, Hitler sei im Kampf gefallen.
Das Ende: Magda Goebbels, einzige
Goebbels-Leichnam 1945 (Sowjetfoto): „Teuflische Versuchungen des Westens“ Frau mit goldenem Parteiabzeichen,

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imitiert Hitlers Umgang mit Unterworfe- Am 4. Mai fährt Klimenko mit sechs Teil des Schädeldachs fehlt . . . Der Un-
nen: Sie schiebt ihren mit Morphium be- Bunkerzeugen noch einmal in die terkiefer liegt frei in der angesengten
täubten Kindern Helga, Hilde, Helmut, Reichskanzlei, die Leiche liegt nicht Mundhöhle“ – dieses Stück war von den
Holde, Hedda, Heide – die Älteste, zwölf mehr im Becken. Sein Soldat Iwan Smersch-Leuten erst nachgereicht wor-
Jahre alt, hat sich noch gewehrt – Zyan- Tschurakow buddelt „drei Meter vor den. Sie hatten es dem Leichnam ent-
kapseln in den Mund. Sie weint, dann dem Eingang zum privaten Luftschutz- nommen und von der Zahnarzthelferin
kocht sie Kaffee. Am Abend schreiten keller Hitlers“, so seine Meldung, aus Katharina Heusermann, danach von
Goebbels und Frau die 37 Stufen in den einem Bombentrichter zwei Körper aus dem Zahntechniker Fritz Echtmann
Garten hoch, beide nehmen Gift. Die und muß sie wieder eingraben, weil in identifizieren lassen: Hitlers Zähne.
Leichen werden angezündet. der Reichskanzlei gerade die Wasser- Auch eine Oberkieferbrücke aus Me-
Der Krieg ist zu Ende, der NS-Alp- beckenleiche vom Vortag als Hitler ge- tall ist vorhanden. Im Mund seines Un-
traum vorbei: Während die Berliner sich filmt wird. Aber der Sowjetdiplomat tersuchungsobjekts entdeckt der Dr.
noch angstvoll in ihren Kellern verber- Andrej Smirnow – später Botschafter in Faustus Glassplitter, „Teile von der
gen, feiern die Sieger auf den Straßen mit Bonn – stellt fest, daß es Hitler nicht ist. Wand und dem Boden einer dünnwan-
Kosakentänzen und Gesang am Lager-
feuer, mit Alkohol und Massenvergewal-
tigungen.
Am 2. Mai steckt nur noch Haustechni-
ker Johannes Hentschel im Bunker, weil
er die Wasserpumpe für das Lazarett in
Gang halten möchte. Gegen neun Uhr
dringen die ersten Feinde ein: Ein Dut-
zend sowjetischer Sanitäterinnen mit Ta-
schen und Beuteln suchen „die Klamot-
ten“ von Frau Hitler. In einer Kammer
liegen noch die toten Goebbels-Kinder.
Nachdem seine Leute das Gelände vor-
sichtig nach Minen abgesucht haben, be-
setzt Oberst Antonow von der 301. Schüt-
zendivision kampflos die Reichskanzlei.
Der letzte Bunkerbewohner, Hentschel,
wird abgeführt, fröhliche Russinnen win-
ken ihm mit Evas Büstenhaltern nach.

NOVOSTI
Am Nachmittag erreicht Oberstleut-
nant Iwan Klimenko vom Militärgeheim-
dienst den Schauplatz. Er führt eine Falsche Hitler-Leiche: Mit gestopften Socken
Fahndungsabteilung der Einsatzgruppe
„Smersch“ (Abk ürzung von: Tod den Der Reichskanzlei-Komplex ist inzwi- digen Ampulle“. Er kann einen Hoden
Spionen) beim 79. Schützenkorps der 3. schen der 5. Stoßarmee unterstellt wor- seines Untersuchungsobjekts nicht fin-
Stoßarmee. Das ist das künftige Bestat- den, zum Betreten des Geländes den. Resultat der Obduktion: Tod
tungsunternehmen des Führers und braucht Klimenko jetzt einen Passier- durch Zyanvergiftung.
Reichskanzlers Adolf Hitler. schein. Nachts holen der Rotarmist Der Smersch-Stab zieht um nach Fi-
Der Garten liegt voller Leichen, auch Tschurakow und sein Chef Klimenko now, nimmt in Munitionskisten die Lei-
Verstorbene aus dem Kellerlazarett sind die beiden Fundsachen wieder hervor; chen der elf Personen und zwei Hunde
der gefangene SS-Oberscharführer Har- mit und vergräbt sie auf dem Gelände
ry Mengershausen, der in der Reichs- der neuen Garnison. Am 18. Mai
Stalin ortet Hitler kanzlei Posten gestanden hatte, identifi- kommt ein General mit Sonderauftrag,
ziert den Fundort hernach als Grabstelle die Relikte werden exhumiert und von
in Spanien und von Eva und Adolf Hitler. den Bunkerzeugen, die sich in sowjeti-
in Westdeutschland Ausgräber Iwan hat noch mehr zutage
gefördert: ein Medaillon („Laß mich im-
scher Hand befinden, begutachtet.
Am 23. Mai informiert der General
mer bei dir sein“), sechs Hundertmark- über Sondertelefonleitung den Geheim-
dort verscharrt worden. Die Smersch- scheine, eine Hundemarke und zwei polizeichef Berija. Protokoll, Zahn-
Leute finden die Überreste des Ehe- Tierkadaver: „Deutscher Schäferhund brücke und Unterkiefer bringt er nach
paars Goebbels; „auf der verkohlten (Hündin), Fell dunkelgrau, hochge- Moskau mit.
Leiche der Frau“ liegt laut Rapport „ein wachsen, um den Hals eine Kette aus Die endgültige Identifizierung besorgt
goldenes Parteiabzeichen der NSDAP“. kleinen Ringen“, und „ein kleiner Hund Josef Stalin: Es sind nicht Hitlers Über-
Klimenko läßt beide auf eine ausge- (Rüde), Fell schwarz, kein Halsband“. bleibsel, entscheidet unbesehen der
hängte Tür laden und zu seinem Stütz- Smersch legt alle Fundsachen im Kel- Diktator. Er mochte nicht wahrhaben,
punkt im Gefängnis Plötzensee bringen. ler des Stabes in Berlin-Buch auf Eis. daß sein Traumverbündeter und Erz-
Am nächsten Tag werden die Kinder- „Es stank entsetzlich“, berichtet Haupt- feind Adolf Hitler verweste, zu nichts
leichen und der Körper von Krebs ge- mann Blaschtschuk vom Smersch der 3. mehr nutze, nicht einmal zur Abschrek-
funden und von dem gefangengenom- Stoßarmee Jahrzehnte später dem kung in einem Glassarg vorführbar.
menen Vizeadmiral Voss und anderen SPIEGEL. Am 8. Mai obduziert Dr. Oder doch? Der Leichenfund ließ sich
Zeugen, so Hitlers Koch und einem Faust Jossifowitsch Schkarawski alles im verschweigen, das Gespenst aber instru-
Garagenmeister, identifiziert. Klimenko Leichenschauhaus der Klinik Buch. mentalisieren: ein Mythos.
fährt mit Voss wieder zum Bunker, vor Beim vermuteten Hitler-Körper stellt Desinformation, hohe Kunst sowjeti-
einem mit Leichen gefüllten Löschwas- der Feldarzt fest: scher Geheimer, mußte weiterhelfen;
serbecken ruft Voss: „Oh, da ist Hitlers „Die Leiche ist stark verkohlt und die deutschen Zeugen wurden für ein
Leiche!“ Sie trägt gestopfte Socken. riecht nach verbranntem Fleisch. Ein Jahrzehnt im Geheimpolizeihauptquar-

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tier Lubjanka, im Moskauer Gefängnis genheiten, Hitler an allen Ecken der Innenminister Sergej Kruglow ließ
Lefortowo, schließlich in den Zwangsar- Welt (außer in der Sowjetunion und „strengstens geheim“ im Dezember
beitslagern des Gulag versteckt. Drei der Sowjetzone Deutschlands) zu or- 1945 einen „Plan der operativen Maß-
Tage nach dem Telefonat aus Berlin äu- ten. Stalin half dabei. nahmen zur Untersuchung der Um-
ßerte Stalin gegenüber dem US-Präsi- Auf seiner Pressekonferenz vom 9. stände des Verschwindens Hitlers“ aus-
dentenberater Harry Hopkins, seiner Juni verkündete Schukow der Welt- arbeiten, die „Operation Mythos“ lief
Ansicht nach sei Hitler nicht tot, son- presse, Hitlers Aufenthalt sei ein Rät- an.
dern halte sich irgendwo verborgen, sel, er könne aus Berlin ausgeflogen Der Polizei-Oberstleutnant Klaus-
wahrscheinlich in Japan; er denke, auch sein. Er glaube, Hitler halte sich in sen, ständiger Vernehmer der gefange-
Goebbels, Bormann, Krebs seien ent- Spanien auf, und Stadtkommandant
flohen. Bersarin stimmte zu. Auf der Potsda-
Dann trat ein sowjetischer Major mer Konferenz im Juli erklärte dann „Nach dem Schuß
Iwan Nikitin auf. Ihm gelang es, dem auch Stalin dem neuen US-Präsidenten
US-Nachrichtenmagazin Time eine Ge- Harry Truman, die sorgfältigen sowje- verlor Hitler
schichte aufzutischen, die am 28. Mai tischen Nachforschungen hätten keine nur das Bewußtsein“
erschien: Ein erregter Hitler habe sich Spur von Hitlers Überresten ans Licht
am 27. April vor Eva und dem Nikitin- gebracht; er glaube, Hitler lebe, und
Gewährsmann, einem SS-Untergrup- zwar bei seinen Faschistenfreunden nen Zeugen, außerdem Spezial-Inspek-
penführer (ein Dienstrang, den es nicht Franco (in Spanien) oder Perón (in tor Ossipow und der Gerichtsmediziner
gab), so ausgelassen: Argentinien). Semjonowski mußten alles noch einmal
„Solange ich lebe, gibt es keinen Kon- Damit hatte Stalin neue Objekte sei- untersuchen.
flikt zwischen Rußland, Amerika und ner imperialen Begierde benannt. Un- Professor Semjonowski zerriß das Ob-
England: Sie sind in ihrem Willen einig, ter der Überschrift „Hitlers Agent Ge- duktionsprotokoll des Doktor Faust
mich zu vernichten. Wenn ich aber tot neral Franco“ war in der Prawda eben („vermutlich Hitlers Leiche“) in der
bin, können sie nicht mehr verbündet ein Kommentar erschienen: „Im Inter- Luft: Die Schädelbasisknochen seien
bleiben! Der Konflikt muß kommen! esse des Friedens und der Sicherheit in nicht untersucht worden, die Diagnose
Aber wenn er kommt, muß ich am Le- Europa ist die baldige Ausmerzung der des Zyantodes stütze sich nur auf die an-
ben sein, um das deutsche Volk zu füh- faschistischen Brutstätte auf der Iberi- geblichen zerdrückten Ampullenreste
ren . . . Deutschland kann für die Zu- schen Halbinsel notwendig.“ im Mund und sei ein Analogieschluß
zum Zustand der anderen Leichen.
„Diesen Befund dürfte man nur als Mut-
maßung betrachten.“
Es fehle eine gerichtsmedizinische
Untersuchung von Organteilen auf Zy-
anverbindung. Doch ein Frontlabor hat-
te schon im Mai Organproben unter-
sucht. Ergebnis: keine Zyanspuren.
Damit wäre glaubhaft, daß Hitler –
wenn es denn seine Leiche war – nicht
am Gift starb, dieses jedenfalls noch
nicht in den Körper gedrungen war. Die
These des SS-Führers Schellenberg, sein
Chef Himmler habe Hitler vergiftet, war
widerlegt, und auch die Vermutung des
Arztes Schenck konnte kaum stimmen,
Hitler habe sicherheitshalber gleichzei-
tig Zyankali geschluckt und sich er-
schossen, wie Professor Haase es ihm
geraten und Botschafter Hewel es bei
sich selbst vollzogen hatte.
SÜDD. VERLAG

Die drei von der Sowjetpolizei unter-


ULLSTEIN

suchten im April/Mai 1946 den Tatort


und versammelten alle greifbaren Zeu-
Hitler-Adjutant Günsche, Ex-Kammerdiener Linge (1955): Prügel mit Peitschen gen noch einmal im Bunker (die Reichs-
kanzlei wurde 1949 abgeräumt, das
kunft nur hoffen, wenn die ganze Welt Stalin mochte die kommunistische Areal als Schußfeld für die angrenzende
denkt, ich sei tot. Ich muß . . .“ Da Niederlage im Spanischen Bürgerkrieg DDR-Mauer 1961 planiert, der Bunker
mußte der angebliche Ohrenzeuge den (1936 bis 1939) nicht hinnehmen. Eine 1988 geschleift).
Raum verlassen. behauptete Präsenz Hitlers hätte als Sie mußten die Sterbeszene nachstel-
Das war noch ganz plausibel, der Rest Interventionsgrund gereicht, Spanien len – wo sie sich befanden, wo Hitler saß
Phantasie: „Hinter einem Regal in Hit- taugte zudem als Angelpunkt für und wo Frau Eva, ob und wann ein
lers persönlichem Raum fanden die Frankreich und Italien, wo die Kom- Schuß fiel, wer die Leichen die Treppe
Fahnder eine unauffällige, bewegliche munisten nach dem Krieg sehr stark hinaufbugsierte, wo sie angezündet wur-
Betonwand. Dahinter war eine manns- geworden waren. Im September 1945 den.
hohe Öffnung, die zu einem supergehei- ortete Moskau das Gespenst Hitlers Beim Lokaltermin stand im Bunker
men Betonschutzraum führte . . . ein sogar in Deutschland, und zwar in der noch Hitlers Sofa mit Blümchenbezug,
weiterer Gang mit einer unterirdischen britischen Zone – der Kalte Krieg be- auf dem die Nachforscher vielerlei Blut-
Feldbahn . . . Fußspuren.“ gann, auf deutschem Territorium. spritzer und -rinnsale, bis zu acht Zenti-
Nach dieser Time-Veröffentlichung In Moskau wurde Hitlers Unterkom- meter breit, ermitteln konnten. Resul-
fand die Sensationspresse vielerlei Gele- men ein Fall für die Polizei. Der Vize- tat: „Ein Schuß in den Kopf.“ Sie folger-

182 DER SPIEGEL 15/1995


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Leute geblieben. Die Kisten wan- thos-Schlußbericht ganz nach Stalins In-
derten mit, als ihre Besitzer nach tentionen: „Ungeachtet der Tatsache,
Rathenow versetzt wurden, dann daß alle Angaben für die Aussagen von
nach Stendal, schließlich Magde- Linge und anderen Personen sprachen,
burg. Hitler habe Selbstmord begangen, hält
Dort hatten sie ihre Fracht be- die Kommission es nicht für möglich, in
reits am 21. Februar 1946 neben ih- dieser Frage endgültig Schlüsse zu zie-
rer Wohnung begraben, „in einer hen.“
zwei Meter tiefen Grube im Hof Kein Zeuge war bei Hitlers Tod dabei-
des Hauses Westendstraße 36 an gewesen, von denen, die ihn aufgefun-
der südlichen, steinernen Hof- den hatten, lebten noch Linge und Gün-
wand in 25 Meter Entfernung di- sche, beide in Sowjethaft, und Axmann
rekt nach Osten“. So lautet jeden- im Westen. Ihre Angaben waren alle-
falls das Protokoll von acht samt ein – vielleicht beabsichtigter –
Smersch-Agenten, über das der Wirrwarr, sie widersprachen einander
Moskauer Historiker Lew Besy- und änderten auch ihre eigenen Aussa-
menski den SPIEGEL informiert gen. Das Verschwinden des Verbrechers
hat. von welthistorischem Format geriet zum
Demnach waren es elf Leichen: Kriminalpuzzle.
Diese beiden zusammengefügten die von „Reichskanzler Adolf Hit- Diener Linge sagte bei den Russen
Schädelstücke hielt die sowjeti- ler, seiner Frau Eva Braun, aus, er habe einen Schuß gehört, zwei Pi-
sche „Mythos“-Kommission für Hit- Reichsminister für Propaganda Jü- stolen vom Kaliber 7.65 und 6.35 Milli-
lers Relikte – was der deutsche Ge- sef Goebbels“ – so der Wortlaut –
richtsmediziner Otto Prokop bezweifelt.
meter auf dem Teppich liegen sehen.
Das angebliche, kleine Ausschußloch (oben) „seiner Frau und Kinder, General- Hitler lehnte, vom Eingang aus gesehen,
befindet sich im linken hinteren Scheitelbein. stabschef General Krips. Alle ge-
Das große Loch unten blieb unerklärt. nannten Leichen befanden sich in
Holzkisten in einem halbmorschen „Auf einem
Zustand . . . Die Grube mit den
ten: „Der Betroffene saß im Augenblick Leichen wurde anschließend dem Erd- Scheiterhaufen
seiner Verletzung in der rechten Ecke des
Sofas.“
boden gleichgemacht und dem äußeren
Aussehen der Umgebung angeglichen“.
völlig verbrannt“
Dann folgte eine Überraschung: Den drei Mythologen aus Moskau un-
„Nach der Verletzung des Kopfes verlor tersagte der oberste Smersch-Chef in an der linken Seite des Sofas mit Blut-
der Verletzte das Bewußtsein und ver- Deutschland, Generalleutnant Selenin, flecken an seiner rechten Schläfe, „die
harrte eine Zeitlang regungslos mit zur im Mai 1946 die Herausgabe der Asser- Stelle, wohin die Kugel getroffen hat-
rechten Armlehne hin geneigtem Kopf.“ vate in der Westendstraße (später: te“. Eva habe neben ihm gesessen, ver-
Die Mythos-Untersucher gruben noch Klausenerstraße) – ein Kompetenzkon- giftet.
im Bombentrichter nach und fanden ne- flikt zwischen Geheimpolizei und regu- Der in Linges Zelle verlegte Häftling
ben einem geflochtenen Halsband und lärer Polizei. „Man muß sich beeilen“, Erich Ackermann behauptete, von Lin-
Stoffetzen zwei menschliche Schädelkno- mahnte Minister Kruglow, „die Leichen ge etwas anderes gehört zu haben: Hit-
chen, einer wohl mit dem Ausschußloch verwesen.“ Sie blieben begraben, fast ler habe an der rechten Sofaecke nach
einer Kugel. Semjonowski obduzierte. ein Vierteljahrhundert lang, weil Hö- hinten gelehnt. Linge sei zu dem Schluß
Sein Protokoll samt Foto der Knochen hergestellte in Moskau dafür nicht mehr gekommen, Hitler hätte sich vergiftet –
legte der SPIEGEL dem führenden deut- zu interessieren waren. diese Version gefiel den Vernehmern –
schen Gerichtsmediziner Otto Prokop Die Rechercheure mußten sich damit und irgend jemand habe auf den toten
vor, der daraus „viel eher“ auf einen jün- begnügen, noch einmal intensiv und ge- Hitler einen Schuß abgegeben.
geren Menschen als den 56jährigen H. waltsam alle festgehaltenen Zeugen zu Ein halbes Dutzend Verhörexperten
schloß; ein Nahschuß sei nicht bewiesen, befragen. Im Juni 1946 befand ihr My- schlug mit Peitschen auf den nackten
die Ausschußöffnung, Linge ein, sie riefen da-
wenn sie denn eine ist, für bei: „Hitler lebt! Hitler
das mittlere Kaliber 7.65 lebt!“
zu klein. Ein anderes, viel Linge kehrte 1955 nach
größeres Loch in dem Westdeutschland zurück.
Fundstück bleibe uner- Zehn Jahre darauf erzähl-
klärt – eine Ferndiagnose te Linge dem SPIEGEL,
(die fällige genetische bei Hitler einen Einschuß
Untersuchung steht noch in der linken Schläfe gese-
immer aus). hen zu haben, aus der
Die Mythos-Kommis- rechten sei Blut geflossen
sion wollte nun die Origi- – ein Durchschuß von der
nalrelikte sehen. Die von Seite, wo Eva saß? Autor
den Dentisten für echt be- Erich Kuby folgerte:
fundenen Kiefer und die „Seine Frau hat ihn er-
strittigen Schädelstücke schossen, bevor sie Gift
lagen in Moskau, wo sie nahm.“ In seinem Buch
sich heute noch befinden. von 1980 beschrieb Linge
Die Leichen aber waren, aber wieder einen Schuß
da Stalin nichts davon in die rechte Schläfe.
hatte wissen wollen, im Zweiter sowjetischer
Gep äck der Smersch- Obduktion der Leiche von General Krebs: Nach der Walpurgisnacht Kronzeuge war der SS-

184 DER SPIEGEL 15/1995


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Adjutant Günsche, der in einer Dat- Äußerung Linges wieder, er habe „den
sche („Objekt Nr. 5“) bei Moskau un- schwersten Befehl seines Lebens ausge-
tergebracht wurde und ein langes Ma- führt“. Linge bestätigte das – es sei da-
nuskript zusammenschreiben mußte. bei um die Leichenverbrennung gegan-
Günsche hatte keinen Schuß gehört; er gen. Rattenhuber weiter:
sagte den Sowjets am 17. Mai 1945, er „Linge sagte mir, Hitler habe ihm
habe nicht ins Zimmer geschaut und heute befohlen, das Zimmer zu verlas-
nur gesehen, wie zwei in Decken ge- sen und, falls er nach zehn Minuten
wickelte „menschliche Leichen“ hinaus- nichts höre, ins Zimmer wieder hinein-
getragen wurden. Aus dem einen Bün- zugehen und seinen Befehl auszufüh-
del hätten Hitlers Schuhe hervorgeragt. ren. Da er in diesem Moment Hitlers Pi-
Dem Chauffeur Kempka soll er am stole auf den Tisch im Vorraum legte,
Tag der Tat mit einer Geste bedeutet begriff ich, was er unter dem schwersten
haben, Hitler habe sich in den Mund Befehl des Führers verstanden hatte
geschossen und sei vornüber gesunken und woher der Blutfleck auf dem Tep-
– so Kempka. Und Frau Hitler habe of- pich gekommen war. Aufgrund des
fenkundig eine Pistole in der Hand ge- Dargelegten kam ich zu dem Schluß,
halten, die dann zu Boden fiel. Heim- daß Linge nach Ablauf der zehn Minu-
kehrer Günsche berichtete, er habe als ten nach Hitlers Vergiftung ihn erschos-
erster den Führerraum betreten, Hitler sen hatte.“
habe gar nicht auf dem Sofa gesessen, Folgt man den sowjetischen Doku-
sondern auf dem Sessel – mit ver- Time- Titel 5/1945 menten, hatte die Kapsel wohl gar nicht
krampftem Körper, sein Kopf hing gen „Geheime Flucht“ gewirkt. Linge reflektierte später im-
Boden. merhin: „Was wäre wohl gewesen,
Jugendführer Axmann, der dritte keiner meiner Leute bereit, mir den wenn er mir befohlen hätte, ihn und Eva
Gewährsmann, war keiner sowjetischen Gnadenschuß zu geben – und ich will Braun zu erschießen?“
Tortur ausgesetzt. Er behauptete 1945: nicht in die Hände der Russen geraten.“ War keiner seiner Getreuen dazu be-
„Von beiden Schläfen tropfte Blut, und Er wußte, daß ein Kopfschuß nicht reit, die Ehefrau nicht und nicht der
sein Mund war blutig und verschmiert, sofort zum Tode führen muß. Seine bri- Kammerdiener – „eiskalte“, gar moti-
aber es war kein Blut verspritzt . . . Ich tische Verehrerin Unity Mitford hatte vierte Killer gab es noch genug im Bun-
glaube, daß Hitler erst Gift nahm und sich nach der Londoner Kriegserklärung ker, SS-Schergen, Gestapo-Müller oder
sich dann in den Mund schoß.“ 1939 auf einer Parkbank in München in den Henker im braunen Ledermantel,
Von einem leicht verschobenen Un- den Kopf geschossen, zunächst Sprache den Arzt Schenck gesehen hatte.
terkiefer des Toten berichtete er 1965: und Erinnerung verloren, dann aber ge- 25 Jahre später, am 4. April 1970,
„Hitler hatte sich in den Mund geschos- lähmt neun Jahre weitergelebt. Gene- wurden allerlei „Schädel, Gebein, Rip-
sen.“ Dem SPIEGEL gegenüber stellte raloberst Ludwig Beck traf sich nach pen, Wirbel und so weiter“ in Magde-
er das jetzt als eine Vermutung dar, ein dem 20. Juli 1944 nicht tödlich, General burg ausgegraben. „Die Kisten sind zu
Schläfenschuß sei viel wahrscheinlicher. Karl Heinrich Stülpnagel schoß sich nur Mulm verfault, die dort liegenden Lei-
Auch der von den Russen gefangene blind. So hatte es nun auch die Mythos- chen mit Erde vermischt . . . Der Zer-
und schwer gefolterte Pilot Baur („Sie Kommission festgestellt: Nach dem störungsgrad ist groß“, so die sowjeti-
prügelten ihre Version aus mir heraus“) Schuß lebte Hitler noch ein bißchen wei- sche „Akte über das Öffnen der Grab-
sagte aus, er habe von Goebbels ge- ter. Wie starb er? stätte der Kriegsverbrecher, streng ge-
hört: „Er hat sich in die Schläfe ge- Leibwächter Johann Rattenhuber, heim“, deren Abschrift dem SPIEGEL
schossen und lag am Boden.“ der die Leichen nicht gesehen hatte, gab vorliegt:
Schoß Hitler selbst? „Meine Hände seinen sowjetischen Vernehmern eine „Beim Nachzählen der Schien- bezie-
zittern so, daß ich kaum meine Pistole hungsweise Wadenbeine ließ sich die
halten kann“, hatte er wiederholt geäu- * Nach der Ausgrabung. Pfeil: Wand des Hitler- Zugehörigkeit zu zehn oder elf Leichen
ßert. „Würde ich nur verwundet, wäre Wohnraums; im Hintergrund die DDR-Mauer. feststellen. Nach Entnahme der Überre-
ste wurde dem Bestattungsort das frühe-
re Aussehen zurückgegeben . . . Durch
Observierung der umliegenden Häuser,
wo Deutsche wohnen, sind keine ver-
dächtigen Vorfälle registriert worden.“
Diese vom KGB-Chef Andropow be-
fohlene Operation zur Beseitigung der
„Leichen Hitlers, Eva Brauns, Goeb-
bels’, seiner Frau und Kinder“ trug den
Decknamen „Archiv“. Am 10. April ge-
langte vom Magdeburger KGB eine
Meldung vom 5. April mit der Ein-
gangsnummer 1759 nach Moskau:
„Die Vernichtung der Überreste er-
folgte durch Verbrennen auf einem
Scheiterhaufen. Die Überreste wurden
vollständig verbrannt, dann zusammen
mit Kohlestücken zu Aschenpulver zer-
stampft, anschließend in den Fluß ge-
L. WENZEL

worfen.“

Hitler-Bunker 1988*: „Schade, daß wir ihn nicht lebendig bekommen haben“ ENDE

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