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EC Klinische Psychologie Einführung:

3 ECTS WS 2013/2014 Mag. Dr. Katharina Pal-Handl

Klinische Psychologie

Psychologie: ist die wissenschaftliche Untersuchung des Verhaltens und der mentalen Prozesse von Individuen.

klinisch: auf eine Störung (med. Krankheit) bezogen, eine Störung betreffend – auch: durch eine medizinische, psychologische Untersuchung festgestellt

Klinische Psychologie ist diejenige Teildisziplin der Psychologie, die sich •mit psychischen Störungen, •psychischen Aspekten körperlicher Störungen und •psychischen Krisen aufgrund extremer Lebenssituationen befasst.

Psy … psychisch psychologisch psychotherapeutisch psychanalytisch psychotisch psychedelisch … PsychologIn PsychiaterIn PsychotherapeutIn PsychagogIn

Ein Sprachproblem?

Psyche (altgriech. ursprünglich „Atem, Hauch“, „ich atme/hauche/blase/lebe“)
Psyche (altgriech.
ursprünglich „Atem, Hauch“,
„ich atme/hauche/blase/lebe“)

Psychische Gesundheit – mental health Psychische Störung - mental disorder - heute: mental health problems Geisteskrankheit: mental disease Psychiatrische Anstalt/Klinik: mental clinic

Psychische Störung - Wahnsinn! Verrücktheit, Irrsinn, Wahnwitz

Ab dem 19 Jhdt.:

Raserei, Melancholie, Griesgrämigkeit, Psychose, Dementia Praecox, Schizophrenie, manischdepressiv, schizoaffektive Geistesstörung, Gemütskrankheit

to go crackers (irre werden), to go „loco“ (Spanien), der/die spinnt ja, der ist verrückt, gestört, „bananas“, „lala“. Der/Die ist neurotisch, paranoid, schizophren … Psycho, auf einem anderen Planeten, bekloppt, schrullig, exzentrisch, behindert …

„berserk“ (Skandinavien), to run „amok“ (Südafrika)

Teildisziplinen der Klinischen Psychologie Psychotherapie Psychosomatik Verhaltensmedizin Neuropsychologie Rehabilitation

Teildisziplinen der Klinischen Psychologie

Psychotherapie Psychosomatik Verhaltensmedizin Neuropsychologie Rehabilitation Gesundheitspsychologie „public health“ Prävention Beratungspsychologie („Counselling“) usw.

Prävention Beratungspsychologie („Counselling“) usw. • 450 Millionen Menschen leiden an psychischen Störungen,

• 450 Millionen Menschen leiden an psychischen Störungen,

• die meisten davon, werden nicht behandelt,

• abhängig von physischen, sozialen, psychologischen und ökonomischen Faktoren,

• weniger „wichtig“ als physische Gesundheit,

• Stigma und Diskrimination,

• behandelbar.

Fast jeder zweite Mensch erkrankt zumindest einmal in seinem Leben an einer psychischen Störung, die in schwerwiegender Form in die berufliche Leistungsfähigkeit, die sozialen Bezüge und die psychosoziale Entwicklung eingreift. Fast jeder vierte Mensch, der einen Allgemeinmediziner aufsucht, leidet an einem psychischen Gesundheitsproblem.

Burden of mental illness Fact sheet N°220 (September 2010):

Mental health

Key facts More than 450 million people suffer from mental disorders. Many more have mental problems. Mental health is an integral part of health; indeed, there is no health without mental health. Mental health is more than the absence of mental disorders. Mental health is determined by socio-economic, biological and environmental factors. Cost-effective intersectoral strategies and interventions exist to promote mental health.

strategies and interventions exist to promote mental health. The ten leading causes of years lived with

The ten leading causes of years lived with disability in 1990 according to the Global Burden of Disease Study

• Unipolar major depression

• Iron deficiency anemia

• Falls

• Alcohol use

• Chronic obstructive pulmonary disease

• Bipolar disorder

• Congenital anomalies

• Osteoarthritis

• Schizophrenia

• Obsessive-compulsive disorder

• Bipolar disorder • Congenital anomalies • Osteoarthritis • Schizophrenia • Obsessive-compulsive disorder
Kurze historische Einführung in die Geschichte der Klinischen Psychologie Antike Erste Annahmen über Erkrankungen des

Kurze historische Einführung in die Geschichte der Klinischen Psychologie

Antike

Erste Annahmen über Erkrankungen des Geistes, um „abweichendes, bizarres Verhalten“ zu erklären:

Demenz, Melancholie, Manie, Hysterie, Wahn

Hippokrates (460-377 v. Chr.) – Krankheiten haben natürliche Ursachen,

„medizinisches Model“

Humoralpathologie: Ungleichgewicht der Körpersäfte Blut, gelbe und schwarze Galle, Schleim

Mittelalter

• Rückkehr der Dämonen und Gottesstrafen

• Glaube an den Teufel und Besessenheit – Mischung aus altem Aberglaube und Christlicher Mythologie

• Exorzismus – Gebete, Beschwörungen, Magie, Lärm, Schläge

Renaissance

• Aufkommen der Irrenhäuser und Asyle

Verwahrung und zur Schaustellung psychisch gestörter Personen

Erste Irrenhäuser waren Abwandlungen von Strafanstalten

Bedlam: Custody Care and Cure 1247-1997 Bethlem is the world's oldest institution caring for people with mental disorders. It has been a part of London since 1247 and many people, rich and poor, have played a part in its history.

Die moralische Behandlung im 19. Jahrhundert

• Phillip Pinel: Chefarzt der Bicêtre

„Die erfolgreiche Anwendung ausschließlich eines moralischen Systems gibt der Vermutung großes

Gewicht,

• 1793: Irrenhausreform:

dass in der Mehrzahl der Fälle das Gehirn nicht organisch geschädigt ist“ (Pinel, 1806)

- Erste Versuche, psychischen Störungen durch Freundlichkeit und Zuspruch zu behandeln,

- massive Verbesserungen des Anstaltswesens,

- moralische Behandlung durch Ruhe, Gespräche, Gebete und leichte körperliche Arbeit,

- beachtliche Initialerfolge, daher rasche Verbreitung

Somatogene und psychogene Sichtweise im 19. und 20. Jahrhundert

Somatogene Sichtweise

• Psychische Störungen haben physische Ursachen – z.B. Syphilis Psychogene Sichtweise

• Psychische Störungen haben psychologische Ursachen – Hypnose und Suggestion

Somatogene Sichtweise • Erstes System zur Klassifikation psychischer Störungen:

Karl Jaspers (1883-1969), dt. Psychiater und Philosoph Begründete mit dem Terminus "Phänomenologie" seinen Ruf als Arzt und mit der

geisteswissenschaftlich orientierten "Psychopathologie" eine neue Grundlegung der Psychiatrie

- Psychopathologie beschäftigt sich mit den Formen eines (krankhaft) veränderten Gefühls- bzw. Seelenlebens Lehre vom seelisch Abnormen.

- • Behandlungsansätze:

– Zahnextraktion, Tonsillektomie, Insulinschock, Lobotomie…

– Erste Forschungserkenntnisse mit wirksamen Psychopharmaka

Wilhelm Wundt (1832-1920) Wundt gilt als Begründer der Psychologie als eigenständiger Wissenschaft. Er war Professor für Philosophie an der Universität Leipzig, gründete dort 1879 das erste Institut für experimentelle Psychologie.

Psychogene Sichtweise

• Behandlung der Hysterie durch Hypnose

• Induzierten Hysterie durch Hypnose

Sigmund Freud:

• Entwicklung der Psychoanalyse: normale und gestörte psychische Funktionsweisen; psychogen gestörtes Erleben und Verhalten: Folge innerpsychischer Konflikte

• Behandlungsansätze: – Hypnose, Psychoanalyse

Erste Hälfte des 20. Jahrhunderts

Nach wie vor Verwahrung psychisch gestörter Menschen

Lightner Witmer (1867 – 1956) Begründer der klinischen Psychologie

Weitere Entwicklung der klinischen Psychologie

In den Kontexten wirtschaftliche Entwicklung, Krieg, internationaler Wettbewerb und Kultur.

Euthanasie im Dritten Reich

- Intellektuell behinderte Menschen und psychisch gestörte Menschen wurden umgebracht bzw. zwangssterilisiert („Rassenhygiene“, Erbgesundheitsgesetz 1934, „T4“ 1939 = Euthanasieprogramm)

Entwicklung in den USA

1946 „Mental Health Act“ als gesetzliche Grundlage für Prävention und Behandlung seelischer

Störungen

1949

Gründung des „National Institute of Mental Health“ (NIMH)

1964

Einrichtung gemeindenaher psychiatrisch-psychologischer Versorgungszentren …

Weitere Entwicklung in Österreich

1919

Erziehungsberatungsstelle Wien Alfred Adler

1953

Gründung des Berufsverbands österreichischer Psychologen und Psychologinnen

1973

Bericht der WHO über die Rolle von PsychologInnen im europäischen psychosozialen

Gesundheitswesen 1980 1. Kongress für Klinische Psychologie und Psychotherapie in Berlin

1991 Psychologen- und Psychotherapeutengesetz

Behandlung:

• Aufkommen der ersten wirksamen Psychopharmaka in den 50er Jahren (Behandlung durch

Mediziner) aber nach wie vor pädagogische Maßnahmen, Hynose und spirituelle Kräfte im Einsatz

• Verhaltenstherapeutische Ansätze geben klinischen Psychologen erstmals nachweislich wirksame Behandlungen an die Hand

Klinische Psychologie und Psychiatrie 21. Jhdt.

• Biopsychosoziales Krankheitsmodell hat sich für die meisten Störungen durchgesetzt

• Deinstitutionalisierung

• teilstationäre und ambulante Betreuung

• neue Medikamente und psychologische Behandlungsmethoden

• geprägt durch

Konsolidierung

Standardisierung

Ausdifferenzierung

Methodenpluralismus

Bemerkungen zur Dokumentation „Raum 4070“

• Grundsätzlich gelten auch in psychiatrischen Krankenhäusern oder psychiatrischen Abteilungen die

Patientenrechte (d.h. Recht auf Selbstbestimmung, Information, Achtung der Würde und Integrität sowie Behandlung und Pflege). Allerdings kann – im Unterschied zu anderen Krankenanstalten – unter gewissen Voraussetzungen die Bewegungsfreiheit von Patienten und Betroffenen eingeschränkt werden („Unterbringung“).

Exkurs „Unterbringung“

Freiheitseinschränkung: kann auf einer geschlossenen, aber auch auf einer offen geführten Station stattfinden der Betroffene wird am Weggehen aus der Station gehindert. Drei Voraussetzungen müssen gleichzeitig vorliegen:

1) Der Betroffene muss an einer psychischen Störung leiden. 2) Er muss im Zusammenhang mit dieser Störung sein Leben oder seine Gesundheit oder das Leben oder die Gesundheit anderer Menschen erheblich gefährden. 3) Es gibt keine anderen Behandlungs- und Betreuungsmöglichkeiten.

- Gegen den eigenen Willen darf jemand nur dann in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht werden, wenn die Voraussetzungen zuvor von einem hierzu befugten Arzt (z.B. Amtsarzt) bescheinigt worden sind.

- Unterbringungen müssen der Patientenanwaltschaft und dem zuständigen Bezirksgericht gemeldet werden.

- Eine Unterbringung darf drei Monate nicht überschreiten (per Gerichtsbeschluss maximal 6 Monate).

Für den Begriff "Gesundheit" gibt es viele verschiedene Definitionen:

• Medizinische Definition: Gesundheit ist Fehlen von Krankheit.

• WHO-Definition: Gesundheit ist perfektes physisches, psychisches und soziales Wohlbefinden.

• Sozialversicherungsrechtliche Definition: Gesundheit ist Arbeits- und Erwerbsfähigkeit.

Psychische Gesundheit

• „Mental health“ as a positive state of psychological wellbeing“ (WHO, 1951)

• Psychische Gesundheit ist „ein Zustand des Wohlbefindens, in dem der Einzelne seine Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv und fruchtbar arbeiten kann und imstande ist etwas zur Gemeinschaft beizutragen“.

• Psychische Gesundheitsprobleme vs. Psychische Störungen

- Wahnsinn, Traurigkeit und Angst gehörten immer schon zur Bandbreite menschlicher Zustände

- „psychische Störungen“ existieren lediglich als „Produkte“ der Medizin und Psychologie

Gesundheits-Störungsmodelle in der Klinischen Psychologie

Allgemeine Rahmenmodelle

• um psychische Störungen verstehen zu können,

• um die Komplexität verstehen zu können,

• um voreilige Schlüsse zu vermeiden (sowohl Diagnosen als auch Interventionen).

1. Bio-psycho-soziales Modell

2. Vulnerabilitäts-Stress-Modell

Viele Modellvorstellungen gehen davon aus, dass gesunderhaltende und krankmachende Faktoren (Schutz- und Risikofaktoren) voneinander unabhängig sind:

Viele gesunderhaltende Bedingungen (Ressourcen, heilsame Einflüsse, Widerstandsquellen, positive LifeEvents) und wenige krankmachende Bedingungen (Noxen, belastende Bedingungen, schädigende Einflüsse, negative Life-Events) bewirken Gesundheit;

è andere Kombinationen von beiden Faktoren führen zu Mischformen oder zur Krankheit.

beiden Faktoren führen zu Mischformen oder zur Krankheit. Was ist normal? Sie sagt immer, sie schätze

Was ist normal?

führen zu Mischformen oder zur Krankheit. Was ist normal? Sie sagt immer, sie schätze das Abnorme

Sie sagt immer, sie schätze das Abnorme nicht – es sei so offensichtlich. Sie sagt, das Normale sei um so viel mehr auf einfache Weise kompliziert und interessant. Getrude Stein, ca. 1935

Krankheit gilt als Abweichung vom Normalzustand. Was normal ist, hängt nicht zuletzt von der Definition des Begriffs "Norm" ab.

Abweichendes/abnormes Verhalten ist …

- abhängig von Normen & Werten einer Gesellschaft

- damit kulturabhängig

- und es werden unterschiedliche Kriterien für „normal“ und „abnorm/gestört“ angeführt.

Normales vs. Abnormales Verhalten

• außerhalb der sozialen Norm

• unterschiedliche Sichtweisen, kulturell geprägt

• kann ernsthafte Verletzungen und Gewalt beinhalten

• absichtsvoll?

• geistige Schwäche – „behindert“

• verwirrend – nur wenige passen in den „normalen Standard“

• muss nicht schlimm sein, einfach anders

• nicht fähig in der Gesellschaft zu überleben

• relative Kategorisierung

Wissenschaftliche Perspektiven

• Medizin: Objektive Messungen körperlicher Funktionen

• Das ist in der Psychologie nicht möglich.

Freud: Normalität als Fähigkeit zu lieben und zu arbeiten – im Kontext der Psychoanalyse, erfasst

nicht alles.

• Problem des Selbstbezugs und der Rekursivität: Man kann keine objektive Aussage über sich selbst machen.

• Frage nach Normalität wird so zum philosophischem Problem:

Normalität als Anpassung an die Wirklichkeit: Was ist wirklich?

Was ist wirklich?

• Wir interpretieren unsere Wahrnehmungen der Wirklichkeit.

• Durch diese Interpretationen entstehen „Karten der Welt“, also nützliche Modelle, an denen wir uns orientieren.

• Beispiele dafür: wissenschaftliche und Alltagstheorien

• Diese Karten stellen jedoch keine objektive Realität dar, sondern eine konstruierte ….

Übersicht:

Normen & Werte

Statistische Norm definiert anhand empirischer Durchschnittswerte - abnorm ist das Ungewöhnliche Idealnorm

Allgemeingültige postulierte und philosophisch-weltanschaulich begründete „Zustände der Vollkommenheit“

- abnorm ist das Verwerfliche

Sozialnorm Gesellschaftlich definierte Verhaltensnormen

- abnorm ist das Abweichende Subjektive Norm

Individuelle Gegebenheiten als Maßstab zur Beurteilung von Veränderungen

- abnorm ist das Unpassende

Funktionale Norm Als funktionale Zwischenschritte für „übergeordnete“ erwünschte Zustände - abnorm ist das Schädliche

Deskriptiv-statistische Anteile von Normen

Statistische Norm

Grundlage ist die Häufigkeit oder Auftretenswahrscheinlichkeit einer Verhaltens- und Erlebensweise

„normal“ ist, was innerhalb eines bestimmten Bereichs um den Modalwert variiert

„abweichend“ ist, was extrem abweicht

variiert ♣ „abweichend“ ist, was extrem abweicht Probleme Das Nützliche an der Normalverteilung • die

Probleme

Das Nützliche an der Normalverteilung

• die meisten Personen werden als normal definiert

• es ist bekannt, wie häufig die Werte eines Intervalls vorkommen

• sie entspricht den meisten real vorkommenden Verteilungen

• der Durchschnitt ist auch der Häufigste (M

=Modalwert) und „Mittlerste“ (Median)

• im Bereich von ± 3 SD liegen praktisch alle Werte

„sozial erwünschte Aktivitäten“ werden positiv bewertet (z.B. Talent, Kreativität, Energie,

Intelligenz)

Alkoholkonsum in der Bevölkerung weit verbreitet

trotz statistischer Häufigkeit schädlich & gestört definiert

Auch normangepasstes Verhalten kann sozial negativ beurteilt werden

psychische Störung oder kriminelles Verhalten?

überangepasstes Verhalten kann auch zu Problemen führen!

Präskriptive Anteile von Normen:

Soziale, ideale und subjektive Normen Soziale Norm

Die Erwartungen, die von sozialen Gruppen an das Verhalten des Einzelnen in einer bestimmten

sozialen Rolle und Situation gerichtet sind (z.B. ethnische Gruppen, religiöse Gruppierungen)

beeinflusst durch formelle & informelle Regeln

Frage der sozialen Toleranz gegenüber bestimmten Formen der Abweichung (z.B. Süchte).

Ivan Illich

„Each civilisation defines ist own diseases. What is sickness in one might be chromosomal abnormality, crime, holiness, or sin in another“.

Idealnorm

• erstrebenswerter Zustand der Vollkommenheit • existiert losgelöst von realem Vorkommen z.B. Gesundheitsdefinition WHO

Subjektive Norm

wenn sich jemand selbst als gestört beurteilt

die Selbstbewertung steht im Vordergrund

ich-synton (etwas wird als zu sich selbst gehörig empfunden)

ich-dyston (etwas wird als nicht zu sich selbst gehörig wahrgenommen und beurteilt) – Leidensdruck!

Funktionale Normen

- Basieren auf erwarteten Regelmäßigkeiten im Hinblick auf Leistungen, Handlungen und Fähigkeiten, die den Ressourcen und dem jeweiligen Zustand der Person angemessen sind.

- Damit werden bestimmte Beziehungen zwischen dem Zustand einer Person und der von ihr gesetzten Aktivitäten angenommen (z.B. Prüfungssituation, Alltagsbewältigung).

Dysfunktionalität:

- Annahme über die Wirkung intervenierender Prozesse auf bewährte Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge (wenn-dann)

- Die psychische Störung wird als Abweichung von einer „psychischen Homöostase“ gesehen.

Vorteile funktionaler Normen:

- Das subjektive und wissenschaftliche Wissen über die psychische Funktionalität und der Zusammenhänge mit biologischen und sozioökologischen Bedingungen werden mitberücksichtigt.

Zusammenfassend:

Psychische Gesundheit, normales vs. abnormes Verhalten und psychische Störungen sind

unmöglich zu definieren. Die Einflüsse aller Normen und Werte sind zu berücksichtigen.

Normales und gestörtes Verhalten unterliegt weitgehend ähnlichen Veränderungsbedingungen.

Übergänge zwischen normalen und gestörten Verhalten sind oft fließend.

Psychische Störungen

ein Konstrukt

nicht grundlagenwissenschaftlich eindeutig definierte, feststehende Entitäten, sondern

stellen letztlich nur nach dem aktuellen Stand der Forschung sowie für die Praxis sinnvolle und

nützliche Konstrukte dar, auf die sich Forscher und Praktiker als bestmögliche Lösung für eine begrenzte Zeit geeinigt haben.

Das bedeutet, dass die Definition „psychische Störung“ sich ändern kann, wenn neue wissenschaftliche Erkenntnisse verfügbar werden, die eine bessere Klassifikation und Nomenklatur ermöglichen.

Definition lt. DSM-IV

Psychische Störungen sind ein klinisch bedeutsames Verhaltens- oder psychisches Syndrom oder Muster, das bei einer Person auftritt und das mit momentanen Leiden (z.B.einem schmerzhaften Symptom) oder einer Beeinträchtigung (z.B. Einschränkungen in einem oder mehreren wichtigen sozialen oder Leistungsbereichen) oder mit einem stark erhöhten Risiko einhergehen, zu sterben, Schmerz, Beeinträchtigung oder einen tiefgreifenden Verlust an Freiheit zu erleiden.

und:

Das Syndrom oder Muster darf nicht nur eine verständliche und kulturell sanktionierte Reaktion auf ein Ereignis sein, wie z.B. eine normale Trauerreaktion bei Verlust eines geliebten Menschen. Unabhängig vom ursprünglichen Auslöser muss bei der betroffenen Person eine verhaltensmäßige, psychische oder biologische Funktionsstörung zu beobachten sein. Weder normabweichendes Verhalten (z.B. politischer, religiöser oder sexueller Art) noch Konflikte des Einzelnen mit der Gesellschaft sind psychische Störungen, solange die Abweichung oder der Konflikt kein Symptom einer oben beschriebenen Funktionsstörung bei der betroffenen Person darstellt.

Funktionsstörung bei der betroffenen Person darstellt. Problematik • Grenzen zwischen „normal und abnorm“

Problematik

• Grenzen zwischen „normal und abnorm“

oder „krank und gesund“ werden in Form von allgemeinen deskriptiven Aspekten (klinisch bedeutsam, Leiden, Beeinträchtigung, Funktionsstörung) angesprochen, sind aber in vielen Bereichen fließend und nicht eindeutig definierbar.

• alltagssprachliche Bedeutung vs. fachlich definierte Bedeutung

• Verwirrung der Begriffe: traditionelle Psychopathologie (Neurosen, Psychosen)

Psychische Störungen als Abweichendes Verhalten:

Die 4 Komponenten der Abnormität (nach Comer, 1995)

Als gestörte Erlebens- und Verhaltensmuster bezeichnet man solche,

• die in einem Kontext deviant oder abweichend sind (z.B. hinsichtlich Alter, soziokultureller Normen)

• die Person belasten und unter Leidensdruck setzen,

• oder Verhaltensmuster, die beeinträchtigen (z. B soziale Einengung, Behinderung der Entwicklung) oder so störend oder dysfunktional werden,

• dass die Person alltägliche Handlungen nicht mehr konstruktiv verrichten kann oder sich und andere sogar gefährdet.

Meist treten diese Kriterien gemeinsam auf und stehen miteinander in Wechselwirkung. Wichtig dabei ist der Kontext, in dem dieses Verhalten gezeigt wird.

Kriterien psychischer Störungen

Abweichungen des Verhaltens hinsichtlich:

• Art

• Ausprägungsgrad

• Häufigkeit

• Persistenz.

Unangemessenheit hinsichtlich:

• Alter

• Geschlecht

• Situation

• Soziokulturellem Hintergrund.

Psychische Störungen als …

• Leiden.

• das, was Psychiater und Klinische Psychologen behandeln.

• Schädigung (Pathologie).

• Unvollkommenheit.

• Sünde.

• Statistische Normabweichung.

• Konstrukt – Begriff.

Gegenstand und Struktur der Klinischen und Gesundheitspsychologie

Die Klinische Psychologie ist ein Teilgebiet der Psychologie, das sich mit der Beschreibung, Erklärung, Vorhersage und Behandlung von gestörtem Erleben und Verhalten des Menschen auseinander setzt.

In der Klinischen Psychologie stellt sich weniger die Frage, ob das Verhalten abnorm ist, als vielmehr, ob es sich dabei um eine Fehlanpassung handelt, die zu Leiden und sozialen Beeinträchtigungen für die betroffene Person führt.

Definition

Klinische Psychologie ist diejenige Teildisziplin der Psychologie, die sich

• mit psychischen Störungen,

• psychischen Aspekten körperlicher Störungen und

• psychischen Krisen aufgrund extremer Lebenssituationen befasst.

Psychische Störungen

sind Beeinträchtigungen der normalen Funktionsfähigkeit des menschlichen Erlebens und Verhaltens, die sich in emotionalen, kognitiven, behavioralen und/oder körperlichen Beeinträchtigungen äußern und von der jeweiligen Person nicht oder begrenzt beeinflussbar sind. z.B.: Angststörungen Zwangsstörungen Schizophrene Störungen Depression Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Psychische Aspekte körperlicher Erkrankungen

• Früher: vorwiegend Beeinträchtigungen der Sinnesorgane

• Heute: psychische Vorgänge, die mit der Entstehung, Prävention, Bewältigung, Behandlung und Rehabilitation verschiedenster organischer Krankheiten zusammenhängen. Beispiele: Seh- Hör- und Sprechbehinderung HIV-Infektion und AIDS Krebserkrankungen Querschnittslähmung

Psychische Krisen Psychische Belastungsreaktionen, die durch äußere Umstände ausgelöst werden und sich in der Folge beeinträchtigend auf die Psyche auswirken. Folgende Bedingungen sind für diese Belastungsreaktionen verantwortlich:

• psychische Konflikte

• soziale Umstände

• körperliche Faktoren

• äußere Umstände.

Beispiele: Anpassungsstörungen Akute Belastungsstörungen Posttraumatische Belastungsstörungen

Aufgaben der Klinischen Psychologie

1. Psychologische Störungslehre

2. klinisch-psychologische Diagnostik

3. klinisch-psychologische Intervention (Behandlung & Beratung)

4. Kontextuelle Bedingungen (Recht, Ökonomie, Institution, sozialer Kontext)

5. Lehre und Forschung

Psychologische Störungslehre = Beschreibung & Erklärung von psychischen Störungen

• Phänomenologie (Erscheinungsweise)

• Genese/Pathogenese (Entwicklung)

• Ätiologie (Verursachung)

• Prognose (Verlauf)

• Klassifikation (Einordnung)

• Epidemiologie (Verbreitung).

Exkurs: Systematische Begriffe der Störungslehre

Ätiologie = Lehre von den Störungs- bzw. Krankheitsursachen

Pathogenese = beschreibt Entstehung und Entwicklung einer Störung im Verlauf mit allen daran beteiligten Faktoren

Ätiopathogenese = Gesamtheit aller Faktoren, die zur Ursache, Entstehung und Entwicklung einer Störung beitragen

Prädisposition/Disposition = genetisch bedingte Veranlagung oder Empfänglichkeit für bestimmte Störungen

Salutogenese = umfasst die Faktoren der Entstehung und Aufrechterhaltung von Gesundheit (insb. nach/trotz Schädigung oder Stresseinwirkung)

- Pathopsychologie: psychologische Störungslehre aufgrund der Kriterien der Psychologie (z.B. WN, Denkprozesse, Emotionen), um psychische Störungen zu erklären.

- Psychopathologie: psychiatrische Störungslehre („Lehre von den Leiden der Seele“) aufgrund vorwiegend organischer Kriterien.

Phänomenologie (Erscheinungsweise)

Typische Patientenschilderung:

Eine Patientin berichtet über Schlafstörungen, niedergedrückte Stimmungen, anhaltende Lebensunlust sowie Motivationsverlust. Sie fühlt sich orientierungslos, hilflos und erlebe sich blockiert und zu den gewünschten privaten und beruflichen Veränderungen unfähig. Zeitlich könne sie die

Beschwerden vor allem mit (

der Mutter verbinden. Ihr sei klar geworden, dass sie so nicht mehr weitermachen könne und

dringend Hilfe benötigt.

)

den zunehmenden Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Pflege

mehr weitermachen könne und dringend Hilfe benötigt. ) den zunehmenden Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Pflege
Ätiologie (Verursachung) am Beispiel der Depression: Keine einheitliche Störungstheorie der Depression …

Ätiologie (Verursachung) am Beispiel der Depression:

Keine einheitliche Störungstheorie der Depression … Multifaktoriellen Ätiologie (nach Kasper) :

• genetische Disposition

• körperliche Faktoren

• biographische Belastung

• aktuelle psychosoziale Belastungen

• hirnorganische Faktoren (physikalische Einwirkungen: z.B. Lichtentzug)

Rahmenmodelle

• Bio-psycho-soziales Modell

• Vulnerabilitäts-Stress-Modell

Beiden Modellen fehlt der Aspekt der Störungsspezifität:

1) jede Störung bzw. Störungsgruppe ist durch unterschiedliche Faktorenmuster erklärbar, 2) so müssen nach dem VSM für jede Störung die spezifischen Vulnerabilitäts-, Risiko-, Stressor- und Ressourcenfaktoren integriert werden.

VSM für jede Störung die spezifischen Vulnerabilitäts-, Risiko-, Stressor- und Ressourcenfaktoren integriert werden.

Distale und proximale Faktoren

• Distale Faktoren – früh im Lebenslauf auftretend: familiäre Belastung und Genetik, Trauma und frühe adverse Ereignisse (z.B. Bindungstheorien, neuround stressbiologische Konzepte), Temperament und Persönlichkeit

• Proximale Faktoren – initial auslösende Lebensereignisse und chronische Belastungen (Vulnerabilitäts- und Risikofaktoren), soziale und psychologische Faktoren, psychopathologische Faktoren

Beispiel einer psychologischen Depressionstheorie Modell der dysfunktionalen Kognitionen und Schemata nach Aaron T. Beck

Grundlage: eine kognitive Störung, in deren Folge eine depressive Symptomatik auftritt Kognitive Störung verzerrt die Realität:

• willkürliche Schlussfolgerungen

• selektive Abstraktionen

• Übergeneralisierung

• moralisch-absolutistisches Denken

• unrealistische Ansprüche an sich selbst

Annahme, dass diese Denkstruktur durch negative, stressbesetzte Erfahrungen im Verlauf des Lebens entsteht, wobei den Erlebnissen in der Kindheit große Bedeutung zukommt.

den Erlebnissen in der Kindheit große Bedeutung zukommt. Prognose (Verlauf) am Beispiel der Depression Am
den Erlebnissen in der Kindheit große Bedeutung zukommt. Prognose (Verlauf) am Beispiel der Depression Am

Prognose (Verlauf) am Beispiel der Depression

Am häufigsten sind unipolare Verläufe (rezidivierende depressive Störung) mit ausschließlich depressiven Phasen in etwa 66 % der Fälle. Unipolare Verläufe mit ausschließlich manischen Phasen bei 4 %.

Bipolare affektive Störung mit depressiven und manischen Phasen bei 30 % der Betroffenen:

depressiven und manischen Phasen bei 30 % der Betroffenen: Störungsverlauf bei Major Depression Die Dauer der

Störungsverlauf bei Major Depression

Die Dauer der freien Intervalle zeigt die unberechenbarsten Unterschiede zwischen wenigen Tagen und Jahrzehnten. Das freie Intervall verkürzt sich mit der Zunahme der vom Patienten durchgemachten Phasen.

• Erstauftreten in jedem Lebensalter möglich!

• Bei unbehandelter erster Episode – Episodendauer von ca. 3 – 4 Monate, dann Remission.

• Weiterer Verlauf meist episodisch = phasenhaft verlaufende Störung:

- etwa 1/3 Auftreten einer einzigen Episode

- etwa 1/3 rezidivierender Verlauf mit vollständigen Remissionen im Intervall

- etwa 1/3 chronischer, langjähriger Verlauf ohne Remission oder nur teilweise Remission

Ungünstig in Bezug auf Episodendauer und Rezidivneigung:

frühes Erstauftretensalter, größerer Schweregrad depressiver Episoden, vorausgehende dysthyme Störung (Double Depression), familiär bedingte Prädisposition, komorbide Angststörungen, Substanzstörungen …

Mortalität deutlich erhöht durch Suizide, somatische Erkrankungen und Unfälle.

Klassifikation (Einordnung) am Bsp. der Depressiven Episode Diagnostische Leitlinien:

- Depressive Stimmung

- Verlust von Interesse oder Freude

- Erhöhte Ermüdbarkeit

Mindestens zwei dieser und mindestens zwei der übrigen oben für Kategorie F32 genannten Symptome vorhanden sein. Kein Symptom sollte besonders ausgeprägt sein. Die Mindestdauer für die gesamte Episode beträgt etwa 2 Wochen.

Depressive Episode (nach ICD-10) F32.0 leichte depressive Episode F32.1 mittelgradige depressive Episode F32.2 schwere

Depressive Episode (nach ICD-10)

F32.0 leichte depressive Episode F32.1 mittelgradige depressive Episode F32.2 schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome F32.3 schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen F32.8 sonstige depressive Episoden F32.9 nicht näher bezeichnete depressive Episode

Was ist Epidemiologie? "Seuchenkunde„

• Ursachen und Folgen sowie der Verbreitung von gesundheitsbezogenen Zuständen und Ereignissen in Populationen

• Eine der wichtigsten Kennzahlen stellt die Lebenserwartung einer Population dar, denn dies ist der am sichersten erfassbare Wert.

• Die Epidemiologie untersucht somit jene Faktoren, die zu Gesundheit und Krankheit von Individuen und Populationen beitragen und ist deshalb die Basis aller Maßnahmen, die im Interesse der Volksgesundheit unternommen werden.

Epidemiologische Kennzahlen Prävalenz

gibt die Anzahl der erkrankten Individuen in einer definierten Population an.

Nach Checkoway et al. 1989 kann man genauer unterscheiden zwischen „Prävalenz zu einem Zeitpunkt“ (point prevalence) und „Prävalenz über einen Zeitraum“ (period prevalence).

Auf Grund der problematischen Interpretation der „Prävalenz über einen Zeitraum“ konzentriert man sich meist auf die „Prävalenz zu einem Zeitpunkt“, was auch meist gemeint ist, wenn man nur von Prävalenz spricht.

Die Prävalenz wird meistens als Prävalenzrate dargestellt - nämlich die Anzahl der jetzigen Fälle in

einer Population (z. B. Erkrankte, Verstorbene, Unterernährte usw. unabhängig von der Dauer)

dividiert durch die Anzahl aller Mitglieder dieser Population.

Beispiel: Zum 1. Januar 2008 waren im Unternehmen XYZ 1.024 Mitarbeiter an Rückenleiden

erkrankt. Bei einer Belegschaft von insgesamt 15.000 Mitarbeitern liegt die Prävalenz(rate) somit bei

0,068.

Lebenszeitrisiko

• Das Lebenszeitrisiko ist die Wahrscheinlichkeit, im Laufe einer üblichen Lebensspanne an einer bestimmten Störung zu erkranken.

• Lebenszeitrisiko psychische Störung in Europa: mehr als 50% (Jacobi, 2009)!

Inzidenzrate

• ist die Anzahl der Neuerkrankungen (Inzidenz) in einer definierten Population zu einem bestimmten Zeitpunkt, dividiert durch die Individuenzahl.

Diese Kennzahl hilft zu beschreiben, welche Krankheiten bei welcher Personengruppe häufig ausbrechen.

Der Vergleich der Inzidenzraten zeigt etwa, dass Krebserkrankungen ein Problem der älteren Menschen sind und nicht der jüngeren, und deshalb ist die Ursache in einem Faktor zu suchen, welcher mit dem Alter zusammenhängt.

„DALY“

• Maß zur Einschränkung der Lebensqualität Disability Adjusted Life Year

• Wurde entwickelt, um auf den Beitrag der psychischen Erkrankungen zum Global Burden of Disease aufmerksam zu machen

– bis dahin wurden die Folgen psychischer Erkrankungen nur anhand der Mortalität gemessen.

• Ein DALY ist im Bezug zur Lebenserwartung ein verlorenes Jahr gesunden Lebens; die Anzahl an DALYs drückt die Anzahl verlorener Lebensjahre aufgrund von frühzeitigem Tod oder Krankheit aus.

Die DALYs für Depression nehmen kontinuierlich zu: es wird geschätzt, dass weltweit ein Verlust von beinahe sechs Lebensjahren bei von Depression betroffenen Personen zu erwarten ist (WHO, 2002).

weltweit ein Verlust von beinahe sechs Lebensjahren bei von Depression betroffenen Personen zu erwarten ist (WHO,
Suizidrate WIEN: Am Beispiel der Depression Schätzung: Lebenszeitrisiko für ein depressives Syndrom bei Frauen 20-26%,

Suizidrate WIEN:

Am Beispiel der Depression

Schätzung: Lebenszeitrisiko für ein depressives Syndrom bei Frauen 20-26%, bei Männern 8–12 %.

5-23% der Patienten beim Praktischen Arzt leiden an einem depressiven Syndrom.

beim Praktischen Arzt leiden an einem depressiven Syndrom. Klinisch-psychologische Diagnostik: • Definition und
beim Praktischen Arzt leiden an einem depressiven Syndrom. Klinisch-psychologische Diagnostik: • Definition und

Klinisch-psychologische Diagnostik:

• Definition und Identifikation psychischer Phänomene

• Erfassung von Entstehungsbedingungen

• Feststellung der Bedingungen für den weiteren Verlauf

• Einordnung in Klassifikation

Definition und Identifikation psychischer Phänomene am Beispiel der Depression

Es gibt zahllose „depressive“ Symptome! Verhalten Körperhaltung: kraftlos, gebeugt, spannungsleer Mimik: maskenhaft, versteinert, weinerlich Sprache: leise, monoton Emotional: traurig, verzweifelt, innere Unruhe, ängstlich, verzweifelt, feindselig, innerlich getrieben Physiologisch: schlaflos, appetitlos, antriebslos, Schwäche, wetterfühlig, Kopfschmerz, Verdauungsprobleme Motivational/kognitiv: interessenslos, traurig, misserfolgsorientiert, Zweifel, kontrolllos, abhängig

DIPS-Fragen zu Affektiven Störungen/Depression

Gab es Zeiten, in denen Sie sich depressiv, traurig und hoffnungslos fühlten oder das Interesse an

fast allen Ihren üblichen Tätigkeiten verloren hatten?

Haben Sie schon mehrmals solche Phasen gehabt?

Haben Sie deutlich Gewicht zugenommen oder verloren oder hat sich Ihr Appetit stark verändert?

Haben Sie Schlafstörungen gehabt oder viel mehr als sonst geschlafen?

Fiel es Ihnen schwer sich zu konzentrieren oder Entscheidungen zu treffen?

Klinisch-psychologische Interventionen

- klinisch-psychologische Behandlung

- klinisch-psychologische Beratung

- Evaluation

- Je nach Zeitpunkt spricht man von Prävention, Therapie oder Rehabilitation.

Beispiele von Anwendungsmöglichkeiten:

Psychologische Patientenbehandlung:

neuropsychologische Rehabilitation, Schmerzbehandlung, Lern- und Leistungsstörungen bei Kindern, Bewältigung bei Belastungssituationen insbesondere somatische Erkrankungen

Psychologische Interventionen, die ärztlich medizinische Eingriffe vorbereiten, begleiten (z.B. Dialyse- Patienten) und in der Nachbetreuung

Problemorientierte Betreuung von Angehörigen (z.B. von Alzheimer-Patienten)

Problemorientierte psychologische Schulung des medizinischen Personals

Klinisch-psychologische Behandlung am Beispiel der Depression - Prävention

Möglichkeiten, ein Rezidivieren depressiver Symptome bei Patienten zu verhindern, die schon eine

depressive Erkrankung erlebt haben.

Die psychologische Intervention sollte auf die Verbesserung von Bewältigungsstrategien abzielen

und den Patienten befähigen, mit den Stressoren umzugehen, die Mitverursacher der Krankheit sein

können.

Mögliche Maßnahmen:

Einsicht in die Entstehung der depressiven Erkrankung. Aufstellen von realistischen Aufgaben und Zielen für den Alltag.

Kontakt zu Menschen, in deren Gegenwart sich der Patient so wohl wie möglich fühlt. Entspannung und Teilnahme an angenehmen Aktivitäten (Spannungsreduktion).

Leichte körperliche Bewegung mehrmals pro Woche.

Zudem:

• Angehörigenberatung bzw. Angehörigeninformation

Depression ist eine psychische Störung Absehen von guten Ratschlägen wie „Reiss dich doch zusammen“, „Lass dich nicht so gehen“, da diese Gefühle von Wertlosigkeit und Unfähigkeit verstärken und belastend auf die Beziehung wirken.

Kontextuelle Bedingungen

• soziale Normen, rechtliche Regelungen, ökonomische und institutionelle Bedingungen beeinflussen den Umgang mit psychischen Störungen und deren Behandlung

Beispiele

- Identifikation-Klassifikation-Bewertung: Ist Alkoholabhängigkeit eine selbstverschuldetes Schicksal oder eine psychische Störung?

- Die Bedeutung von körperlichen und geistigen Behinderungen in unterschiedlichen Kulturkreisen.

- Eine Lese-Rechtschreibstörung ist zwar lt. ICD-X eine „krankheitswertige Störung“, das österreichische Gesundheitssystem finanziert jedoch weder Diagnostik noch Behandlung.

- Versorgungsgesichtspunkte: Es ist ein zentrales Problem wie Behandlungsangebote beschaffen und organisiert werden müssen, damit sie bedürftigen Menschen zugänglich sind.

- So liegt die klinisch-psychologische Versorgung oftmals außerhalb des medizinischen Systems – „psychosoziales Gesundheitssystem“. Ressourcen sind örtlich, nachbarschaftlich, politisch, beruflich soziale Netzwerke (Stadt/Land), social networks (Facebook, Twitter) individuell

- Protektive vs. Risikofaktoren

- Die Versorgung kann sich auch auf spezifische Personengruppen beziehen wie Menschen mit Behinderungen, Obdachlose und institutionell betreute Kinder und Jugendliche.

Abgrenzung zur Klinischen Psychologie bei Erwachsenen:

Begriffsdefinition „Psychische Störung“

Häufigkeit psychischer Störungen

Art der Krankheitsbilder (Klassifikation)

Spezifische diagnostische Methoden

Besonderheiten der Therapie

Verlauf und Prognose

Klinische Kinderpsychologie

• Die Klinische Kinderpsychologie entstand als Teildisziplin der Psychologie an der Schnittstelle zwischen Klinischer Psychologie und Entwicklungspsychologie.

• In Abgrenzung zur Entwicklungspsychologie, die sich mit der normalen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beschäftigt, untersucht die Klinische Kinderpsychologie die Entstehung und Auswirkungen von psychischen Störungen.

Geschichte der Klinischen Psychologie des Kindes- und Jugendalters

Beginn des 19. Jahrhunderts: Annahme, dass Kinder keine psychischen Störungen haben können

Emanzipation des Kindes

Wichtigkeit der Kindheit für die Entwicklung

langsame Erkenntnisse zu psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter

Frühe Beispiele klinisch-psychologischer Tätigkeiten befassten sich mit Kindern:

• 1896 Lightner Widmer: erste „Klinik“ für Kinder mit Lernstörungen, Intelligenzminderung und Schulproblemen

• 1905 Alfred Binet: Intelligenztest für Kinder • 1920 „Child Guidance Movement“: emotionale

Störungen beginnen in der Kindheit und daher müssen frühe Interventionen gesetzt werden

• 1980iger Jahren „Entwicklungspsychopathologie“: abweichendes Verhalten ist im Kontext der Entwicklungserwartungen und Normen zu sehen.

• Die heutige Sichtweise beschreibt abweichendes Verhalten als wechselseitige Interaktion zwischen vielen ökologischen Einflüssen (Kind, Familie, Gleichaltrige, Schule, Gesellschaft, Kultur).

Warum haben Kinder und Jugendliche Probleme oder sogar psychische Störungen?

• „High risk“ Kinder mit biologischen Vulnerabilitäten und/oder psychosozialen Nöten (z.B. Frühgeborene, organisch kranke Kinder, drug-addicted Neugeborene),

• Kinder mit emotionalen und entwicklungsbedingten Problemen (z.B. Entwicklungsstörungen, Autismus)

• Kinder mit signifikanten psychischen Störungen, die sich im Verhalten, emotional und kognitiv zeigen

• Jugendliche mit „high risk“ Verhalten (z.B. Delinquenz, Drogenmissbrauch/abhängigkeit)

Erklärungen für die Entstehung von Krankheitsbildern oder Störungen Modell der Entwicklungspfade (Scroufe)

• gleiche Entwicklungsverläufe können zu unterschiedlichen Störungen (Multifinalität) und

• unterschiedliche Verläufe zu gleichen Störungsformen führen (Äquifinalität).

• Annahme, dass Störungen Abweichungen von normalen Entwicklungsverläufen ist („Fehlanpassung“) und

• eine Störung kein endgültiger Zustand ist. Entwicklungspsychopathologie

Entwicklungskonzepte Bedingungsfaktoren für gesunde und pathologische Entwicklung: 1. Risiko-und Schutzfaktoren
Entwicklungskonzepte Bedingungsfaktoren für gesunde und pathologische Entwicklung: 1. Risiko-und Schutzfaktoren

Entwicklungskonzepte

Bedingungsfaktoren für gesunde und pathologische Entwicklung:

1. Risiko-und Schutzfaktoren Faktoren, die Information über die Auftretenswahrscheinlichkeit normalen oder abweichenden Verhaltens geben

Entwicklungsaufgaben im Kindergartenalter:

• Sprachentwicklung

• Selbständigkeit in Alltagsanforderungen

• verbesserte Selbstregulation und Frustrationstoleranz

• soziale Integration in die Gleichaltrigengruppe,

• intensive Fantasie- und Spieltätigkeit und

• Normen, Grenzen und Regeln akzeptieren und einhalten können.

Psychische Störung? Normal vs. abnorm, gestört, krank Verhalten oder Erleben ist dann als abnorm zu
Psychische Störung? Normal vs. abnorm, gestört, krank Verhalten oder Erleben ist dann als abnorm zu

Psychische Störung?

Normal vs. abnorm, gestört, krank Verhalten oder Erleben ist dann als abnorm zu bezeichnen, wenn es:

altersunangemessen ist,

zeitstabil ist,

syndromal ist,

entwicklungsperturbierend ist,

eine ausgeprägte Schwere und Häufigkeit aufweist,

situationsübergreifend ist.

Verdacht auf ADHS? (Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung)

• häufigste psychische Störung im Kindes- und Jugendalter

• 2,4 - 7% im Schulalter, 1,8% im Vorschulalter

• weltweite Prävalenzrate 5,9%

• Burschen : Mädchen = 5 : 1

Schwerwiegende Folgen:

• ADHS - Verlaufsstudien zeigen, dass Betroffene mit wesentlich größerer Wahrscheinlichkeit als Nichtbetroffene vorzeitig die Schule verlassen müssen (32 – 40%),

• nur selten einen Collegeabschluss machen (5 10%),

• weniger oder keine Freunde haben (50 – 70 %),

• keine begabungsentsprechende Arbeit/Beruf ausüben (70 - 80%),

• Vermehrt asoziale Handlungen ausführen (40 – 50 %) und

• Häufiger rauchen oder illegale Drogen konsumieren.

Wie werden psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen festgestellt?

Im Bereich der Diagnostik nimmt die Feststellung und Bewertung von psychischen Störungen, Entwicklungsabweichungen und psychosozialen Belastungen eine zentrale Stellung ein.

Fragen an die Diagnostik:

1. Liegt eine psychische Störung vor – wenn ja: welche?

2. Welche Faktoren sind an der Entstehung und Entwicklung in welchem Ausmaß beteiligt?

3. Welche Faktoren erhalten die Störung aufrecht?

4. Über welche Ressourcen verfügen das Kind und seine Familie?

5. Wie ist die Prognose?

6. Welche Intervention ist geeignet?

Typische phänomenologische Beschreibungen zur AHDS:

Das Kind ist:

• sehr aktiv extrem lebhaft

• wie aufgezogen ständig „auf dem Sprung“

• ungezogen schlimm

• keine Erziehung keine Disziplin

• fehlender guter Wille, rücksichtlos

• unreif nicht gruppenfähig

• verspielt

• will immer im Mittelpunkt stehen

• Stereotyp des „schlechten Schülers“

Beispiel einer experimentellen Studie zum Thema Bedürfnisaufschub Experimentelle Bedingungen: - Alle Kinder werden in

Beispiel einer experimentellen Studie zum Thema Bedürfnisaufschub

Experimentelle Bedingungen:

- Alle Kinder werden in einen Versuchsraum geführt und gefilmt, - Die Kinder bekommen die Information, dass sie alleine mit einem Marshmallow in dem Raum bleiben und dass sie, wenn sie es schaffen, das Marshmallow nicht zu essen, als Belohnung ein zweites bekommen.

Wo werden psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter behandelt?

Private Praxen

Kinderkliniken, z.B. St. Anna

Kinderpsychiatrien, z.B. AKH

Ambulatorien, spezielle Einrichtungen

Gemeinschaftspraxen

Klinische PsychologInnen z.B. auch beschäftigt in den Schulen, Amt für Jugend und Familie

Wie behandelt man psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter?

Typische Themen:

• Coping mit belastenden Life-events (z.B. Scheidung, Fremdunterbringung)

• normale Kindheitsprobleme oder elterliche Themen (z.B: Sauberkeitserziehung, Schlaf- und Fütterungsstörungen)

• kognitive Defizite oder Entwicklungsauffälligkeiten

• Umgang mit Trauma (physischer, psychischer Missbrauch)

• Umgang mit Trauma und Verlust (z.B. Naturkatastrophen, Kriege)

• Umgang mit chronischen, ernsthaften und/oder lebensbedrohenden Krankheiten (z.B. Krebs, Diabetes)

Beispiele für Psychoedukation/ADHS • „ADHS ist eigentlich ein missverständlicher Name. Es sollte eigentlich

Beispiele für Psychoedukation/ADHS

• „ADHS ist eigentlich ein missverständlicher Name. Es sollte eigentlich „Aufmerksamkeits- Steuerungs-Störung“ heißen.“

• „Das Gehirn besteht aus 2 Bestandteilen: man hat Arbeiter und man hat Chefs. Bei ADHS hat man sehr viele Arbeiter. Aber diese Arbeiter sind ein unruhiger Haufen. Wenn die Chefs nicht schauen, machen sie eine Menge Unsinn. Bei ADHS schlafen die Chefs. Sie sind in ihrem Büro und schenken ihren Arbeitern keine Aufmerksamkeit. Die Arbeiter machen andere Sachen und sind nicht produktiv. Sie brauchen ihren Chef, um ihren Job zu machen und die Chefs müssen ihren Job machen:

die Arbeiter managen.“

Heute gebräuchliche Klassifikationssysteme 2 gängige Diagnose- und Klassifikationsschemata:

ICD-10: International Statistical Classification of Diseases, and Related Health Problems, Version 10 DSM-V: Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Version V

Was ist eine Klassifikation? Klassifikation (Möller, 1994):

Einteilung einer Mannigfaltigkeit in ein nach Klassen gegliedertes System (Systematik)

Zuordnung von Untersuchungseinheiten zu einer Klasse* (Diagnostik) *Klasse: Gesamtheit von Elementen mit gemeinsamen Merkmalen

Wo braucht man Klassifikationen?

Dokumentation: Sammlung, Ordnung und Nutzbarmachung von Dokumenten aller Art, z.B. Bücher, Erfindungen Warenwirtschaft: z.B. Lagerbestände, Inventur Wissenschaft: Biologie, Geologie, Medizin, Psychologie, Meterologie, Chemie, etc.

Beispiel: Kuchen-Klassifikationssystem nach Dr. Oetker (1956)

A. Rührteig

I. Gebäcke in Formen

II. Kuchen auf dem Blech

III. Kleingebäck

B. Knetteig

I. Geformte Kuchen

II. Gebäcke in Springformen

III. Kuchen auf dem Blech

IV. Kleingebäck

C. Biskuitteig

I. Torten

II. Rollen und Schnitten

III. Kleingebäck

D. Brandteig

E. Fettgebackenes F. Weihnachtsgebäcke G. Hefegebäck

Wozu Klassifikation psychischer Störungen?

- Bildung von Klassen = Erweiterung unseres Wissens (haben wir erst die Klasse, können wir uns auch weitere Informationen über sie verschaffen);

- diagnostische Klassen = spezifische, diagnostische Untersuchungsverfahren, um die für die Probleme verantwortlichen Faktoren zu entdecken + spezifische Behandlungsformen zu entwickeln/anzubieten;

Vereinheitlichung der Nomenklatur

= bessere interdisziplinäre Verständigung, auch zwischen Ländern und Kulturen;

Basis für Forschung und Weiterentwicklung

= z.B. epidemiologische Studien, klinische Studien zur Ätiologie, Intervention und Verlauf.

Ziele der Klassifikation

- Strukturierung und Abgrenzung der Störungsbilder

- Gruppierungen (Ähnlichkeiten)

Symptom = Krankheitszeichen, Merkmal Syndrom = Gruppe von Symptomen

- Eindeutige Zuordnung einer Störung zu einer Systemklasse bzw. Entscheidungshilfe:

Ist eine Schizophrenie eine Schizophrenie? (Ja – wenn alle Diagnosekriterien erfüllt sind).

Verständigung zwischen Wissenschaftlern und Klinikern

Begriff „Neurose“:

18. Jh. W. Cullen: Nerven- und Muskelkrankheiten 19./20. Jh. S. Freud: Reaktive und psychogene Störungen 1991 ICD-10 Begriff weitgehend vermieden

Störungen 1991 ICD-10 Begriff weitgehend vermieden Geschichte der ICD • 1893 Bertillon-Klassifikation bzw.

Geschichte der ICD

• 1893 Bertillon-Klassifikation bzw. das Internationale Todesursachenverzeichnis

• 1910-1915: Arbeiten von Emil Kraepelin

• 1948 WHO: Übernahme dieser Systematik

in der 6. Revision auf Krankheiten und Verletzungen bis 1950 mehrere hunderte verschiedene Klassifikationssysteme auf der ganzen Welt verbreitet die weitgehend inkompatibel

waren!

• Ziel: jährliche Version des ICD-10

Fallbeispiel Essstörungen Charakteristika • Möglichkeit multiple Diagnosen zu vergeben – Doppel- oder

Fallbeispiel Essstörungen

Charakteristika

• Möglichkeit multiple Diagnosen zu

vergeben – Doppel- oder Mehrfachdiagnosen - Komorbidität

• Klassifikation von Störungen, nicht

Individuen

• Verwendung von spezifischen inhaltlichen und zeitlichen Diagnosekriterien

(Operationalisierung)

• Betonung offen erfassbarer

Verhaltensweisen

• Detaillierte und systematische

Beschreibung der einzelnen diagnostischen Kategorien

Konzept der Multiaxialität

Verwendung des Begriffs „Störung“ (der

den problematischen Begriff „Krankheit“ ersetzt)

• Inzidenz Anorexia nervosa: zwischen 0,1 bis 12 pro 100.000 EinwohnerInnen Frauen : Männer = 10:1

• Inzidenz bei Bulemia nervosa: 12 pro 100.000 EinwohnerInnen Frauen : Männer = 20:1

• Beginn typischerweise in der Adoleszenz – frühen Erwachsenenalter;

• Langfristige Prognose der A.n. relativ ungünstig: Mortalitätsrate bei 5%; bei den verbleibenden PatientInnen können ca. 47% langfristig als geheilt angesehen werden, 33% als gebessert, ca. 20% chronischer Verlauf;

ICD-Codierung 5-stelliger Code, der aus Buchstaben und Ziffern besteht:

F

Es liegt eine psychische oder Verhaltensstörung vor.

F5

Bei dieser Störung handelt es sich um Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und

Faktoren.

F50 Bei dieser Verhaltensauffälligkeit handelt es sich um eine Essstörung.

F50.0 Diese Essstörung entspricht einer Anorexia nervosa.

Verhaltensauffälligkeiten in Verbindung mit körperlichen Störungen und Faktoren (F50-F59)

- Unter dem Oberbegriff Essstörungen werden zwei wichtige und eindeutige Syndrome beschrieben: Anorexia nervosa und Bulimia nervosa. Weniger spezifische bulimische Störungen wie übermäßiges Essen bei anderen psychischen Störungen werden ebenfalls erwähnt.

Ausschluss:

• Fütterungsstörung im Kleinkind- und Kindesalter (F98.2)

• Fütterschwierigkeiten und Betreuungsfehler (R63.3)

• Nicht näher bezeichnete Anorexia und Appetitverlust (R63.0)

• Pica im Kindesalter (F98.3)

• Polyphagie (R63.2)

Differenzialdiagnose = Beschreibung des klinischen Prozesses, durch den unter Würdigung der Symptome, Syndrome, ätiologischen und pathogenetischen Besonderheiten ein Krankheitsbild von einem anderen abgegrenzt wird. z.B. durch

Ausschluss von Simulation/vorgetäuschter Störung

Ausschluss eines verurs. Substanzkonsums

Abgrenzung vom Normbereich psychischen Erlebens, usw.Kritik an der ICD

Informationen gehen verlorenen – auch ein Teil der Einmaligkeit der untersuchten Personen

(Unterscheidung zwischen relevanten und irrelevanten Dimensionen abweichenden Verhaltens)

Stigmatisierung

„gläsener Patient“ - „gläsener Arzt/Psychologe“

Probleme der Semantik

Diagnosen abhängig von „Weltbild“

Psychische Störung „krankheitswertig

Stigmatisierung

Ausgrenzung & Ächtung von Personen, weil diese an psychischen Störungen leiden Im Mittelpunkt der Forschungen stehen:

• Einstellungen • Kenntnisse • Wertungen

Stigma

= • (griech.„Stich“, „Brandmal“) ist eine unerwünschte Andersheit gegenüber dem, was wir erwartet

hätten. Ein Stigma ist eine Verallgemeinerung von einer spezifischen Handlung oder Eigenheit einer Person

auf deren Gesamtcharakter. Dabei bewirkt das Stigma einen Status der Person, der gegenüber ihren übrigen Eigenschaften hervorsticht. • „A mark or label imposed by others that leads to devaluation and discrimination.“ - Otto Wahl

Stigmatisierung hat zwei Aspekte:

1. Die stigmatisierte Person wird als stereotypisch (= automatische Überzeugungen) für eine bestimmte soziale Gruppe gesehen (anstatt – respektvoll – als Individuum). 2. Dieses Stereotyp, oder „social typing“, hat negative Bedeutungen.

Diese zwei Aspekte werden mit emotionalen Reaktionen wie Angst, Verachtung und Abscheu, aber auch Mitleid und Besorgnis assoziiert.

• Die stigmatisierte Person weicht mit einem Merkmal negativ von den (normorientierten)

Erwartungen der Umwelt ab. Dem Stigmatisierten werden weitere negative und positive Eigenschaften zugeschrieben, die mit dem tatsächlich wahrgenommenen Merkmal objektiv nichts zu tun haben.

• Menschen mit psychischen Störungen werden als unverständlich, asozial und gefährlich von der Allgemeinbevölkerung wahrgenommen (Pilgrim & Rogers, 2005).

• „Diese Zuschreibung weiterer Eigenschaften kennzeichnen Stigmatisierungen als

Generalisierungen, die sich auf die Gesamtperson in allen ihren sozialen Bezügen erstrecken. Das Stigma wird zu einem »master status«, der wie keine andere Tatsache die Stellung einer Person in der Gesellschaft sowie den Umgang anderer Menschen mit ihr bestimmt.”

STUDIE – Deutschland

• Menschen, die an Schizophrenie erkrankten sind das Innbild von psychischer Erkrankung,

• Fallvignette mit Symptomen der Schizophrenie - 95% der Bevölkerung erkannten dies als eine psychische Erkrankung;

• Depressionen eher als Ausdruck einer kritischen Lebensphase,

• Drogenabhängigkeit eher als eine deviante Lebensform gesehen.

• 78% glauben einen psychisch Erkrankten auf Anhieb erkennen zu können und nannten folgende

Aspekte:

seltsames Verhalten (73%), sonderbare Sprache (63%), Kleidung (32%), Gesichtsausdruck (25%) und Aggressivität (24%).

• Ausdruck der Unwissenheit ist auch, dass knapp ein Drittel der Bevölkerung bei dem Begriff Schizophrenie als erstes an eine Form der psychischen Spaltung denkt, meistens in Form einer Bewusstseins- oder Persönlichkeitsspaltung.

Gewalt, Medien und psychische Störungen

• Es gibt eine Vielzahl von Filmen, Fernsehproduktionen und Schlagzeilen, die Menschen mit psychischen Störungen als Gewalttäter darstellen.

• „Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.“

• Es ist ungeklärt, ob die Medien das spiegeln, was die Mehrheit der Bevölkerung über psychische Krankheit und Psychiatrie denkt oder ob sie es prägen.

Fest steht jedoch, dass die meisten ihr Wissen nicht aus persönlicher Betroffenheit oder Begegnung mit psychischer Krankheit und Psychiatrie beziehen.

• Auch wenn das Gewaltrisiko von psychisch Kranken etwas höher liegt als in der

Durchschnittsbevölkerung, so ist es doch nicht höher als bei anderen Risikogruppen. Dazu zählen allgemein Männer im dritten Lebensjahrzehnt und junge Leute, sowie arbeitslose Jugendliche, und

Personen die Alkohol oder Drogen missbrauchen

• Die jährliche Inzidenzrate von Gewalttaten gegen Menschen, die an psychischen Störungen leiden, ist viermal höher als in der Allgemeinbevölkerung (USA)!

Was tun?

• Informationslücken in der Öffentlichkeit schließen

• Medien „einsetzen“

• Realität psychiatrischer Institutionen „entschleiern“

• Gesetze

Antistigma- und Awareness-Proramme, - Kampagnen und -Organisationen Beispiele:

• WHO – „mh-GAP – Mental Health Global Action Programme

• WPA (Weltverband für Psychiatrie) – „Open the Doors“

• NIMH (USA) National Institute for Mental Health Depression Awareness, Recognition and Treatment Programme

• Welttag der psychischen Gesundheit: 10. Oktober In Österreich:

• Antistigma Kampagne „Schizophrenie hat viele Gesichter“ (2000-2002)

• http://www.hpe.at/ „Zerostigma“ Häufige falsche Vorstellungen, Mythen und Vorurteile

Schizophrenie ist nicht behandelbar oder unheilbar Schizophrenie ist eine geistige Behinderung Schizophrene Patienten sind gefährlich und unberechenbar Ein schizophrener Patient kann nicht arbeiten gehen Die Schizophrenie wird durch Erziehungsfehler verursacht

Jüngste Studien zeichnen ein ernüchterndes Bild:

Die Einstellung gegenüber Menschen mit Depression, Schizophrenie oder Alkoholabhängigkeit hat sich in den vergangenen 20 Jahren nicht verbessert. „Auch heutzutage reagieren noch viele Menschen mit Angst und Zurückweisung, wenn sie mit psychischen Erkrankungen konfrontiert werden“, so heißt es in einer Erklärung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Fast die Hälfte der Bevölkerung würde demnach einen Menschen, der an Schizophrenie leidet, nicht ihren Freunden vorstellen.

Psychische Störungsbilder nach der ICD-10 Achse I, Kapitel V: Psychische Störungen

F2 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen F20 Schizophrenie F21 Schizotype Störung F22 Anhaltende wahnhafte Störungen F23 Akute vorübergehende psychotische Störungen F24 Induzierte wahnhafte Störung F25 Schizoaffektive Störungen

F23 Akute vorübergehende psychotische Störungen F24 Induzierte wahnhafte Störung F25 Schizoaffektive Störungen

F20 Schizophrenie

Gekennzeichnet durch grundlegende und charakteristische Störungen von Denken und Wahrnehmung sowie inadäquate und verflachte Affekte. Krankheit tritt in Episoden („Schüben“) auf.

Positivsymptome

Störungen des Denkinhalts: Wahnwahrnehmung, Kontrollwahn, Beeinflussungswahn

Gedankenlautwerden, Gedankeneingebung oder Gedankenentzug, Gedankenausbreitung

Formale Denkstörungen: desorganisiertes Denken, Zerfahrenheit, Denkziel wird nicht erreicht

Halluzinationen, häufig Stimmen, die in der dritten Person den/die PatientIn kommentieren oder über ihn/sie sprechen

Sprache: Neologismen („Neuwörter), Stereotypien (Verhaltensanomalien in Form von wiederholten und ständig gleichbleibenden Handlungen ohne Ziel oder Funktion)

Desorganisiertes Verhalten, psychomotorische Erregung

Negativsymptome

Spracharmut

Flacher oder inadäquater Affekt

Katatonie (Verlust der spontanen

Bewegungen, veränderte Mimik oder Gestik)

Sozialer Rückzug

Phasenhafter Verlauf

oder Gestik) ♣ Sozialer Rückzug Phasenhafter Verlauf Häufig durchlaufen die Episoden 3 Phasen: 1.

Häufig durchlaufen die Episoden 3 Phasen:

1. Prodromalphase: noch keine eigentlichen Symptome, aber Leistungsniveau sinkt ab, sozialer

Rückzug,

Affekte flachen ab

2. Floride Phase: akute Symptome in unterschiedlicher Kombination

3. Residualphase. Akute Symptome treten zurück, Restsymptomatik kann erhalten bleiben

Epidemiologie:

Lebenszeitprävalenz: 1% (geschlechtsunabhängig)

Beginn: häufig akut, aber auch schleichend Männer: häufig 20-25 Jahre Frauen: häufig 25-30 Jahre

selten

auch Spätschizophrenien

Verlauf: entweder kontinuierlich episodisch mit zunehmenden oder stabilen Defiziten; oder

eine/mehrere Episode/n mit vollständiger oder unvollständiger Remission ca. 1/3 Remission; 1/3 wiederholte

Episoden und geringe Behinderung; 1/3 chronisch mit starker Behinderung

Suizidrisiko: ca. 30% Suizidversuch; ca. 15% Suizid

Generell erhöhtes Risiko eines frühzeitigen Todes!

Risikofaktoren

Familiär: genetischer Einfluss klar gesichert – Kinder von Schizophrenieerkrankten haben ein Risiko von ca. 10%

Life events: Erkrankungsrisiko kurz danach erhöht; auch bei starkem Stress

Niedriger sozioökonomischer Status – Ursache oder Folge der Krankheit?

Erklärungsmodelle Aktuell:

bio-psycho-soziales Modell „BIO“:

Biochemisch: Dopamin-Hypothese (zuviel des Neurotransmitters Dopamin bzw. mehr Dopamin- Rezeptoren in bestimmten Hirnarealen); Störung der Informationsverarbeitung; betrifft v.a. Positivsymptome

Biologisch: bestimmte Hirnstrukturen verändert, Ventrikel vergrößert (Ursache oder Folge der Erkrankung?); betrifft v.a. Negativsymptome Diskutierte Ursachen für diese Auffälligkeiten: u.a. Virusinfektion während des 2. Drittels der Schwangerschaft

„PSYCHO“:

Verhaltenstherapeutisch/kognitiv: Betroffene erhalten von ihrer Umwelt keine adäquate

Verstärkung in sozialer Interaktion

Familientheoretisch/systemisch: „double-bind-interaction“ in der Familie: Person, zu der eine

intensive Beziehung besteht, kommuniziert häufig in einer Aussage zwei emotional widersprüchliche Botschaften

Expressed Emotions: Angehörige äußern viel Kritik, sind feindselig oder emotional überengagiert,

Einfluss auf die Prognose

„SOZIAL“:

Sozio-kulturell:

Labeling-Hypothese: Gesellschaft hängt Menschen, die von bestimmten Verhaltensnormen abweichen, das Etikett „Schizophrenie“ um, was wiederum die Entwicklung schizophrener Symptome fördert

Interventionen

Früher: Lobotomie, Elektrokrampftherapie

Pharmakatherapie: Neuroleptika – erste wirklich wirksame Therapie; wirken nur gegen

Positivsymptome,

starke Nebenwirkungen

Psychoanalyse: psychodynamische Therapien nur tw. Wirksam

Verhaltenstherapie: Training sozialer Fertigkeiten

Systemische Therapie: Reduktion der Expressed Emotions

Psychoedukation

Diagnostik:

aus dem griech.; „genau kennenlernen“, „entscheiden“, „beschließen“ systematisches Sammeln und Aufbereiten von Informationen Diagnose: empirisch nachprüfbare Aussagen über die Problemstruktur einer/s Hilfesuchenden bzw. Patientin/en

Psychologische Diagnostik = ist als wissenschaftliche Disziplin definiert, deren Methodologie Verfahren begründet, mit deren Hilfe Daten für Entscheidungszwecke gewonnen werden.

Psychologische Diagnostik ist die Untersuchung psychischer Funktionen, die Feststellung des Vorhandenseins oder Ausprägungsgrades von psychologischen Merkmalen (z.B. Intelligenz, Wahrnehmung, Konzentration, Merkfähigkeit, Angst, Aggression, Selbstbild, psychophysiologische Bereiche) mit Hilfe bestimmter psychologischer Methoden und Testverfahren

In der Klinischen Psychologie und Psychotherapie beschränkt sich das weite Aufgaben- und Anwendungsspektrum auf Fragestellungen im Zusammenhang mit psychischen Störungen. Die übergeordneten Zielsetzungen bzw. Aufgaben sind dabei Beschreibung, Klassifikation, Erklärung, Prognose und Evaluation.

Rechtliche & ethische Aspekte Psychologengesetz:

- Berufspflichten

- Schweigepflicht

- Pflicht Anwendung wissenschaftlich-psychologischer Erkenntnisse und Methoden bzw. Interessen und Selbstbestimmungsrechte des Betroffenen beachten

- wissenschaftlich vertretbare Methoden einsetzen

- Vertraulichkeit wahren

Zu berücksichtigen:

Oft erfolgt die klinisch-psychologische Diagnostik aufgrund eines Anliegens Dritter (Ärzte, Richter, Lehrer, Eltern usw.) daher sorgfältige Abwägung bei Informationsweitergabe (z.B. Formulierung der Gutachten). Die meisten psychologischer Tests können nur Klinische PsychologInnen beziehen (z.B. mehr als 500 Tests über die Testzentrale des Berufsverbandes Deutscher Psychologen; Pearson)

Exkurs: Zur kurzen Geschichte der (psychometrischen) Diagnostik

Ende 19. Jhdt.: erste Versuche zur quantitativen Erfassung von Intelligenzdefekten vor allem von Psychiatern angestellt (Rieger, Ziehen, Krapelin). Auch experimentell orientierte Psychologen beschäftigten sich zunehmend mit individuellen Differenzen und der Messung (Galton, McKeen, Cattell, Ebbinghaus, Münsterberg).

Frühe Beispiele klinisch-psychologischer Diagnostik befassten sich mit Kindern:

Alfred Binet (1857-1911): „Intelligenztest“ für Kinder erfasste individuelle Differenzen verschiedener Leistungen wie z.B. Gedächtnis, Sprungkraft in Abhängigkeit mit dem Lebensalter

Anlass: Verfügung des Pariser Unterrichtsministeriums, sonderschulbedürftige Kinder aus Normalschulen „objektiver“ und „wissenschaftlich begründet“ auszulesen

Wilhelm Sterns Buch „Die differentielle Psychologie und ihre methodischen Grundlagen“ erscheint

1911:

IQ = (Intelligenzalter/Lebensalter) x 100 Vergleichbarkeit auf verschiedenen Altersstufen gegeben.

David Wechsler (1939): Brach mit dem Konzept des Intelligenzalters und normierte seine Tests für jede Altersstufe = IQ als Abweichungsmaß, das normalverteilt ist

Probleme des IQ … Durchschnittsmaß

- keine Förderung ableitbar!

- Alternative Profilinterpretation

- Alternative dynamisches Testen (Lerntests)

- Alternative Intelligenzquantität als „Mindestleistung“

- Angabe in Prozenträngen (PR gibt an, wie viel Prozent aller Kinder der Vergleichsgruppe gleich gut oder schlechtere Ergebnisse erzielen…)

• … IQ vom Test abhängig! unterschiedliche theoretische Intelligenzkonzepte der Verfahren (Wechsler-Konzept, Carrolls „Drei-Schichten-Modell“, Primärfaktorenmodell der Intelligenz von Thurstone (1938; „7 intellektuelle Primärfaktoren“ ; Zwei-Faktoren-Theorie von Spearman 1914);

Auslese technischen Personals in der Armee während des ersten Weltkrieges zu einem der größten Anwendungsfelder eignungsdiagnostischen Bemühens

Die in den 20iger Jahren aufgebaute Reichswehrpsychologie wurde zu einem Motor der Entwicklung ausdruckskundlicher & charakterologischer Forschungen und ihrer eignungsdiagnostischen Umsetzung, z.B. für Offiziersanwärter FAZIT: Entwicklung der Diagnostik als Anwendungsdisziplin vollzog sich im Spannungsfeld von Wissenschaft, Berufspolitik, Ökonomie und Staatsinteressen.

Zielgerichtetheit von Psychologischer Diagnostik -> Was ist? -> Warum? -> Wohin? OHNE DIAGNOSTIK KEINE INTERVENTION!

Klassifikatorische Diagnostik: Zuweisung von Diagnosen zum Symptomkomplex einer Person

Funktionale Diagnostik als Bedingungsanalyse z.B. zur Mikroplanung der Indikation und Therapie,

Prozessdiagnostik als Verlaufs- und Erfolgsmessung sowie zur Steuerung und Adaption von Interventionen und Veränderungen,

Strukturdiagnostik als Zuweisung zu dispositionellen Typen (z.B. Persönlichkeit). Was ist der diagnostische Prozess?

- Ein Hypothesen generierendes und Hypothesen prüfendes Verfahren.

- Die Hypothesen beziehen sich im klinischen Kontext zumeist auf Entscheidungs- und Interventionsziele – ausgehend von einer konkreten Fragestellung.

- Der diagnostische Prozess ist vielschichtig!

und Interventionsziele – ausgehend von einer konkreten Fragestellung. - Der diagnostische Prozess ist vielschichtig!

Diagnostische Aufgaben

- Deskription

- Klassifikation

- Ätiologie

- Prognose

- Erstellung eines Behandlungsplans

- Verlaufskontrollen/Evaluationen

Deskription

- Beschreibung von Personen hinsichtlich verschiedener Merkmale wie Intelligenz, spezieller Fähigkeiten, Persönlichkeit und Verhalten als „Ist-Zustand“ zu einem bestimmten Zeitpunkt („Querschnitt-Befund“). Testwiederholungen (Retests)

Klassifikation

- Zuordnung eines Individuums zu einer definierten Merkmalsgruppe

- International anerkannte Klassifikations-systeme ICDX, DSM-V

Ätiologie (Ursachen)

- Sind die Schulprobleme verursacht durch eine hirnorganische Faktoren, geringe Leistungs- motivation oder ungünstige psychosoziale Umstände (z.B. Scheidung der Eltern, mangelnde Förderung)?

- Ist die Vergesslichkeit eines 70-jährigen Mannes ein normaler Alterungsprozess oder Anzeichen einer bestimmten Krankheit?

- Wodurch ist die vorhandene Konzentrationsstörung bedingt?

- Liegt der subjektiv erlebten Merkfähigkeitsstörung eine Aufmerksamkeitsstörung zugrunde?

- Ist für eine bestimmte Straftat Zurechnungs- oder Unzurechnungsfähigkeit gegeben?

Prognose

- Welche Voraussagen lassen sich aus den gefundenen Ergebnissen treffen – bzw. haben sich durch die Untersuchung neue Hypothesen/Fragen gestellt?

- Gelingt bei bestimmter Förderung ein „normaler“ Schulabschluss?

- Ist angesichts der aktuellen Beeinträchtigung die Wiedererlangung der Berufsfähigkeit zu erwarten oder ist eine Pensionierung zu empfehlen?

Hilfestellung für einen Behandlungsplan

- Erstellung eines gezielten Behandlungsplanes

- Bei bekannter unterdurchnittlicher Begabung welche Stärken & Schwächen können in einen Behandlungsplan integriert werden?

- Soll die Therapie mehr in der Verbesserung kognitiver Aspekte (z.B. Lerntraining, Teilleistungstraining) bestehen oder ist eher eine funktionelle Therapiemethode (z.B. Ergotherapie), oder Psychotherapie zum Erlernen von Bewältigungsstrategien empfehlenswert?

Verlaufskontrolle/Evaluation Dokumentation

- Hat sich die Merkfähigkeit durch Training verbessert, verschlechtert, ist gleich geblieben?

- Gibt es bei neurochirurgischem Eingriff einen Unterschied zwischen prä- und postoperativ festgestellten Fähig- und Fertigkeiten?

- Bewirkte eine bestimmte Störung (z.B. Epilepsie, Schizophrenie, Alkoholabhängigkeit) nach Jahren eine kognitive Leistungseinbuße?

Diagnostische Verfahren bzw. Methoden

- Anamnese und Exploration

- Interview (strukturiert, unstrukturiert)

- Fragebogen (Selbst- und Fremdbeurteilungen)

- Testklassifikation

- Verhaltensbeobachtung

- Psychophysiologische Messungen (EEG, Muskelspannung, Hautwiderstand, etc.)

Anamnese und Exploration

- Das psychologische Gespräch Wesentliche Elemente:

o

Herstellen einer Vertrauensbasis ʹ

o

Exploration: Erhebung des aktuellen Status

§ Anamnese

§ Verhaltensbeobachtung

§ Tests/strukturierte

§ Interviews ʹ

o

Bildung erster Arbeitshypothesen Planung und Vereinbarung der weiteren Vorgehensweise Abklärung der Rahmenbedingungen (Schweigepflicht, Bezahlung etc.)

Im Detail – Lebensgeschichtliche Daten - Psychische & körperliche Entwicklung im Kindes- und Jugendalter
Im Detail – Lebensgeschichtliche Daten
- Psychische & körperliche Entwicklung im
Kindes- und Jugendalter Besonderheiten
bei Schwangerschaft, Geburt,
Krankheiten, Unfälle, Behinderungen,
etc.
Im Detail – Problem/Störungsbezogene Daten
- Hatte der oder die Betroffene jemals im
Lebensverlauf überhaupt eine psychische Störung?
- allgemeine gesundheitliche Fragen
Herkunftsfamilie: Familienstruktur, Eltern,
Geschwister, deren Alter & Berufe,
finanzielle Situation, Krankheiten in der
Familie, Sozialisation, Konflikte & Werte
Schule & Beruf (Ausbildung, berufl.
Entwicklung)
- Wenn ja, welche körperlichen, kognitiven, affektiven
und verhaltensbezogenen Auffälligkeiten lassen sich
aktuell oder früher feststellen? ʹ
1. Verhalten & Gefühle genau beschreiben
- Aktuelles soziales Umfeld: Lebensform,
Partnerschaft, Kinder, finanzielle und
Wohnsituation, soziale Kontakte,
Freizeitgestaltung, Zukunfts- und
Wertvorstellungen
2. problematische Situation genau beschreiben
3. Motive beschreiben
4. Entwicklungsgeschichte des Problems
Interviews
beschreiben
5. Selbstkontrollversuche beschreiben

Strukturierte und standardisierte Interviews z.B. DIPS (Diagnostisches Interview bei psychischen Störungen), SKID (Strukturiertes Klinisches Interview für DSM-IV)

Fragebögen

z.B. Verhaltensfragebogen bei Entwicklungsstörungen

Was ist ein psychologischer Test?

- Ein Test ist ein standardisiertes Prüfverfahren, mit dem Verhaltensmerkmale erfasst werden, die als Indikatoren für Personeneigenschaften dienen sollen.

- Die Testresultate erlauben die Einordnung des Untersuchten in eine Gruppe vergleichbarer Personen. TESTS SIND MESSINSTRUMENTE!!!

Testgütekriterien

- Objektivität (Testleiterunabhängigkeit) in der Durchführung, Auswertung und Interpretation

- Reliabilität (Messgenauigkeit)

- Validität (Grad, in dem der Test misst, was er zu messen vorgibt)

- Ökonomie (z.B. einfache Handhabung, Gruppentests, kurze Durchführungszeiten)

- Nützlichkeit, Zumutbarkeit

- Normierung (Breite und Aktualität des Normwertsystems)

Leistungstests

Erfassung eines Personenmerkmals durch Performanz (Verhalten wird „realisiert“, nicht nur beschrieben); gefordert ist „maximales Verhalten“ Übliche Unterteilung: Allgemeine Leistungstests, Spezielle Funktionstests (Konzentration, Aufmerksamkeit, Merkfähigkeit, usw.), Schultests, Eignungstests, Entwicklungstests

power-Tests vs. speed-Tests

- power-Test: Aufgabenbearbeitung ohne Zeitdruck

- speed-Test: Aufgabenbearbeitung unter Zeitdruck

Allgemeiner Entwicklungstest

Bayley Scales of Infant Development

- Kognitive Skala

- Sprachskala

- Motorikskala

- Sozial-emotionale Entwicklung

- Alltagsfertigkeiten

Salzburger Lese- und Rechtschreibtest (SLRT) Für die differenzierte Diagnose von Schwächen beim Erlernen des Lesens und Schreibens. Der Lesetest ermöglicht eine

Für die differenzierte Diagnose von Schwächen beim Erlernen des Lesens und Schreibens. Der Lesetest ermöglicht eine

separate Diagnose zweier wesentlicher Teilkomponenten des Wortlesens:

1) Defizite in der automatischen, direkten Worterkennung und 2) Defizite des synthetischen, lautierenden Lesens.

und 2) Defizite des synthetischen, lautierenden Lesens. Projektive Verfahren - Form-Deute-Verfahren (abstraktes
und 2) Defizite des synthetischen, lautierenden Lesens. Projektive Verfahren - Form-Deute-Verfahren (abstraktes
und 2) Defizite des synthetischen, lautierenden Lesens. Projektive Verfahren - Form-Deute-Verfahren (abstraktes
und 2) Defizite des synthetischen, lautierenden Lesens. Projektive Verfahren - Form-Deute-Verfahren (abstraktes
und 2) Defizite des synthetischen, lautierenden Lesens. Projektive Verfahren - Form-Deute-Verfahren (abstraktes

Projektive Verfahren

- Form-Deute-Verfahren (abstraktes Bildmaterial ist dem persönlichen Eindruck nach auszulegen)

- Verbal-thematische Verfahren (zu mehrdeutigen Bildmaterial sind Geschichten zu erzählen oder es sind Satzanfänge zu vervollständigen)

- Zeichnerisch/gestalterische Verfahren (zu einem bestimmten Inhalt ist etwas zu zeichnen oder etwas mit bestimmten Utensilien zu produzieren

- Die psychometrischen Mängel dieser Verfahren ist erheblich!

- Grundidee: dargebotenes Reizmaterial (z.B. Bilder, Puppen) sollen den Probanden veranlassen, Gedanken und Gefühle zu äußern – in Zeichen, Handlungen und/oder Worten; aus der Form bzw. Intensität solcher „Auseinandersetzungen“ (Projektionen) wird auf personale Eigenarten des Untersuchten gefolgert

Verhaltensbeobachtung

- Beobachten ist immer ein Zusammenspiel von Bottom-up und Top-down Prozessen.

- In jede Beobachtung fließen Fremd- und Selbstwahrnehmungsaspekte ein. Beispiele von Einfluss- und Verzerrungstendenzen:

o

Halo-Effekt (Hof- oder Überstrahlungseffekt)

o

Confirmation-Bias (Bestätigungstendenz in der Eindrucksbildung)

o

primacy-effect; self-fullfilling prophecy

- Beispiel von Verhaltensbeobachtungen

o

Geht die/der Klient auf die Fragen ein oder weicht er/sie aus?

o

Berichtet sie/er detailreich oder knapp und einsilbig? ʹ Spricht sie/er flüssig oder stockend, schnell oder langsam?

o

Drückt sie/er sich umgangssprachlich aus oder formuliert sie/er differenziert?

o

Hält sie/er Blickkontakt?

Psychophysiologische Methoden Elektro-Enzephalographie (EEG) Die Elektro-Enzephalographie (EEG) ist eine Methode zur Messung der elektrischen Gehirnströme, bei der die natürlichen Spannungsschwankungen der Gehirnrinde abgeleitet werden.

Computer-Tomographie (CT) Bei der Computer-Tomographie handelt es sich um ein spezielles Röntgenverfahren, das Querschnittsbilder verschiedener Körperabschnitte anfertigt.

Kernspin-Tomographie (MagnetResonanz-Tomographie) Die Kernspin-Tomographie, auch Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) genannt, ist eine diagnostische Technik zur Darstellung der inneren Organe und Gewebe mit Hilfe von Magnetfeldern und Radiowellen

Positronen-Emissions-Tomographie Bildgebendes Verfahren, das Schnittbilder vonlebenden Organismen erzeugt. Grundlage der PET ist die Darstellung der Verteilung einer radioaktiv markierten Substanz (Radiopharmakon) im Organismus. Dabei werden die Struktur, vor allem aber biochemische und physiologische Vorgänge abgebildet (funktionelle Bildgebung).

Rey-Osterrieth Complex Figure Test

Ein neuropsychologischer Test zur Erfassung der Fähigkeit der räumlich visuellen Konstruktion und der visuellen Gedächtnisleistung. Auch wird der Test zur Erfassung exekutiver Funktionen eingesetzt.

- Zunehmend Thema für alle PädagogInnen, nicht nur für Sonder-und HeilpädagogInnen - Integration & Inklusion!

§17 Unterrichtsarbeit des SchUGesetz (1) Der Lehrer hat in eigenständiger und verantwortlicher Unterrichts- und Erziehungsarbeit die Aufgabe der österreichischen Schule § 2 des Schulorganisationsgesetzes) zu erfüllen. In diesem Sinne und entsprechend dem Lehrplan der betreffenden Schulart hat er unter Berücksichtigung der Entwicklung der Schüler und der äußeren Gegebenheiten den Lehrstoff des Unterrichtsgegenstandes dem Stand der Wissenschaft entsprechend zu vermitteln, eine gemeinsame Bildungswirkung aller Unterrichtsgegenstände anzustreben, den Unterricht anschaulich und gegenwartsbezogen zu gestalten, die Schüler zur Selbsttätigkeit und zur Mitarbeit in der Gemeinschaft anzuleiten, jeden Schüler nach Möglichkeit zu den seinen Anlagen entsprechenden besten Leistungen zu führen, durch geeignete Methoden und durch zweckmäßigen Einsatz von Unterrichtsmitteln den Ertrag des Unterrichtes als Grundlage weiterer Bildung zu sichern und durch entsprechende Übungen zu festigen.

- Bei „jungen Kindern“ oft Entwicklungsstörungen des Sprechens/der Sprache, der motorischen Funktionen, ab 1-2. Klasse Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten; in jedem Alter möglich: Verhaltens- und emotionale Störungen (z.B. ADHS, Phobie, soziale Ängstlichkeit); Bandbreite der psychischen Störungen!

- Chronische Erkrankungen als Ursache von Entwicklungsstörungen wie z.B. Allergien (Asthma), Epilepsie, Hautkrankheiten (Neurodermitits), Muskelerkrankungen, Stoffwechselerkrankungen

- Angeborene oder frühkindlich entstandene Entwicklungsstörungen des Gehirns und der Sinnesorgane z.B. Wahrnehmungsstörungen, Hör- und Sehstörungen, Sprachentwicklungsstörungen, Intelligenzminderungen, Hochbegabung, Teilleistungsstörungen wie Lese-Rechtschreibstörung („Legasthenie“), Dyskalkulie, ADHS

- Genetische Syndrome wie z.B. Down-Syndrom, Angeborene Fehlbildungen wie z.B. Herzfehler Ohne bekannte Ursachen

ADHS - Genetische Syndrome wie z.B. Down-Syndrom, Angeborene Fehlbildungen wie z.B. Herzfehler Ohne bekannte Ursachen

- Schärfung des Blicks hinsichtlich Unterschiedlichkeit und Andersartigkeit von Menschen – Diskriminierung & Stigmatisierung z.B. in Form von Mobbing;

- oft „ZuweiserInnen“;

- Gestaltung des Unterrichts für SchülerInnen unterschiedlicher Begabungen, Fähigkeiten, Schwierigkeiten;

- jedes Kind braucht vertrauensvolle Beziehungen, auch zu PädagogInnen, ansonsten ist Lernen (erkunden, explorieren) nicht möglich!

- „Lebensraum Schule“

- Jede Diagnose zieht einen Behandlungsplan nach sich. Insbesondere bei Kindern & Jugendlichen sollte ein Konzept oder ein Plan für interdiziplinäre Interventionen erstellt werden.

Plan für interdiziplinäre Interventionen erstellt werden. - Oft Unkenntnis, dass eine psychische Störung bei

- Oft Unkenntnis, dass eine psychische Störung bei einer/einem SchülerIn vorliegt – Informationsfluss?

- Vielfältige, zeitaufwendige Kooperationen mit Eltern mit der Schulpsychologie mit dem Schularzt/der Schulärztin mit KollegInnen mit einer/einem BeratungslehrerIn mit Sonder- und HeilpädagogInnen speziellen Beratungsangeboten PsychologInnen, ÄrztInnen, TherapeutInnen …

- Fehlendes Wissen über Störungs- und Krankheitsbilder, insbesondere deren Auswirkungen auf den Lernprozess.

- Es gibt kein „Rezept“ …

auf den Lernprozess. - Es gibt kein „Rezept“ … Mögliche Auswirkungen: - Belastbarkeit - Ausdauer -

Mögliche Auswirkungen:

- Belastbarkeit

- Ausdauer

- Motivation – neugierig sein, explorieren?

- Arbeitsstil

- Gefühle - wie Angst verhindern Lernen, Lernprozesse viele hochbegabte Kinder und Jugendliche verweigern in der Schule, warum?

è Auswirkungauf sämtliche Lernprozesse!

- Verhaltensauffälligkeiten sind meist nicht gegen die Person gerichtet!

- Notwendig: Feinfühligkeit, Geduld ebenso wie passende Struktur & Regeln, wenn notwendig und sinnvoll - individuell (z.B. wie soll/kann sich das Kind Hilfe von Ihnen holen?).

- In Elterngespräche investierte Zeit ist niemals umsonst!

Gespräche mit „schwierigen Eltern“?

- Mangelnde Zuwendung und Förderung sind nicht Ursache, aber Verstärker der Problematik.

„schwierigen Eltern“? - Mangelnde Zuwendung und Förderung sind nicht Ursache, aber Verstärker der Problematik. –

„schwierigen Eltern“? - Mangelnde Zuwendung und Förderung sind nicht Ursache, aber Verstärker der Problematik. –

- Spezifische Förderung durch klinische PsychologInnen und ausgebildete PädagogInnen.

- Nie vergessen: Normales Üben hilft hier nicht!

- Schulische Hilfen: die LRS-Erlässe.

- Betrifft meist alle Gegenstände!

(1) Behalten Sie die Übersicht und professionellen inneren Abstand zu diesem Kind, das oft selbst unter seinem Verhalten leidet. (2) Überprüfen Sie die Zusammensetzung der Gruppe/Klasse (3) Überprüfen Sie die Organisation des Raumes (z.B. Blickkontakt möglich? Ruhige Nachbarn? Ablenkungen?) (4) Gestalten Sie den Tagesablauf bzw. den Unterricht in übersichtlicher, nicht zu wechselhafter Weise. (5) Stärken Sie die positive Beziehung zum Kind (6) Sprechen Sie seine Probleme an (mit ihm, ggf. mit der Klasse) (7) Stellen Sie klare Regeln auf für die Gruppe/Klasse (positive/negatie Konsequenzen, Sonderregelungen) (8) Loben Sie häufig und unmittelbar (9) Seien Sie konsequent (10) Leiten Sie das Kind zur Selbstkontrolle an (11) Halten Sie engen Kontakt zu den Eltern (12) Vermeiden Sie eine vorwurfsvolle Haltung

Strategy 1:

- Changing the physical or social environment

- Changing the nature of the task

- Changing the way cues are provided

- Changing the way adults interact with students

Strategy 2:

- Intervene at the level of the person

- Specific interventions

Coaching students

of the person - Specific interventions Coaching students - Conduct a goal-setting session - Hold daily
of the person - Specific interventions Coaching students - Conduct a goal-setting session - Hold daily
of the person - Specific interventions Coaching students - Conduct a goal-setting session - Hold daily

- Conduct a goal-setting session

- Hold daily coaching sessions

- Building coaching into the student´s educational programme

Classroom-wide interventions

- Classroom routines

- Classroom rules

- Organizational systems

Intervention

von lat. intervenire = dazwischenkommen, dazwischentreten, sich einschalten

= dazwischenkommen, dazwischentreten, sich einschalten Begriffserklärung 1: Unter klinisch-psychologischer

Begriffserklärung 1:

Unter klinisch-psychologischer Intervention werden sämtliche Formen professioneller psychologischer Unterstützung bei der Bewältigung vorwiegend psychischer, aber auch sozialer und körperlicher Beeinträchtigungen und Störungen zusammengefasst.

Spektrum klinisch-psychologischer Interventionen – das Quadermodell

klinisch-psychologischer Interventionen – das Quadermodell - Spezialfall Krisenintervention - Abgrenzung zur

- Spezialfall Krisenintervention - Abgrenzung zur Psychotherapie – berufsrechtlich und versorgungsbezogen

Kontext und Rahmenbedingungen klinisch-psychologischer Interventionen:

- ambulant vs. stationär

- Einzel- vs. Gruppe

- manualisiert vs. individualisiert

- Intervention ohne direkte Therapeutenanleitung (z.B. Anonymus-Gruppen, Selbsthilfeorganisationen) Wer interveniert wann, wie, bei wem und wozu?

- WER ist für ein spezifisches klinisch-psychologisches Problem der geeignete Ansprechpartner?

- WANN sollte interveniert werden und wann nicht? Aus welchen Gründen?

- WIE sollte interveniert werden? Medizinisch oder psychologisch? Beratung oder Behandlung? Einzel- oder Gruppenbehandlung?

- Bei WEM sollte interveniert werden?

- Ab wann liegt Behandlungsbedürftigkeit vor?

- Welche Art des Problems liegt bei dieser Person vor?

- WOZU wird interveniert? Welche Ziele sollen erreicht werden?

WOZU wird interveniert? Welche Ziele sollen erreicht werden? Begriffserklärung 2: Die klinisch-psychologischen

Begriffserklärung 2:

Die klinisch-psychologischen Interventionsmethoden sind eine Teilmenge der psychologischen Interventionsmethoden. Sie lassen sich durch 6 Merkmale charakterisieren:

1. die Wahl der Mittel

2. die spezifischen Interventionsfunktionen

3. die Zielorientierung

4. die theoretische Fundierung

5. die empirische Evaluation und

6. die Professionalität des Handelns.

Definitionen …

Theorie: aus einer Theorie lassen sich konkrete Vorhersagen ableiten, die wissenschaftlich

überprüft werden können

Paradigma (T. Kuhn): vorherrschendes Denkmuster in einer bestimmten Zeit (in bestimmten

Wissenschaften, in einer bestimmten Gruppe ForscherInnen); Lehrmeinung

Rahmenmodell: allgemeiner als Paradigma z.B. Rahmenmodell = Gene bestimmen den Menschen

Paradigma = Krankheiten sind genetisch bedingt

Theorie: Gen A ist verantwortlich für Krankheit X

Menschenbild???

- Menschenbild: Begriff für die Vorstellung, das Bild, das jemand vom Wesen des Menschen hat

- Wesen: die Eigenschaften, die eine (…) Gesamtheit entscheidend kennzeichnen

- Philosophische Anthropologie: Zweig der Philosophie, die sich mit dem Wesen des Menschen befasst

Hinter jedem Menschenbild verbergen sich eine Reihe von Annahmen darüber, was es heißt, ein Mensch zu sein bzw. stehen dahinter die unterschiedlichen philosophischen Annahmen über die menschliche Natur.

Strebt der Mensch von Natur aus an, gut zu sein?

Gibt es einen Sinn des Lebens?

Welche übergreifenden Ziele streben alle oder die meisten Menschen in ihrem Leben an?

Wie funktioniert die menschliche Psyche?

Wie entstehen psychische Störungen?

Welche Stellung hat der Mensch im Kosmos?

Wie stehen Körper und Geist/Seele zueinander?

Wozu Menschenbilder in der Klinischen Psychologie?

- Wir leben nicht in einer monolithischen gesellschaftlichen Realität, die von einem

einheitlichen, allumfassenden Ideengut geprägt ist jeder einzelne entscheidet sich für eine Version der Realität, die man für sinnvoll hält und mit der man gut leben kann.

- Menschenbilder beeinflussen sowohl die Forschung als auch die Praxis jeder Humanwissenschaft entscheidend!

- Jeder Theorie liegt ein bestimmtes Menschenbild zugrunde! ʹ Das Menschenbild bestimmt, mit welchen Methoden geforscht wird!

Konsequenzen der Entscheidung für ein Menschenbild

Wenn sich ein Wissenschaftler, der (abweichendes) Verhalten untersucht, ein bestimmtes Paradigma zu eigen macht, entscheidet er notwendigerweise auch darüber, welche Art von Daten er sammeln und wie er sie interpretieren wird. Er berücksichtigt nur das, was seiner Meinung nach die wahrscheinlichste Erklärung ist, und so kann es sehr wohl geschehen, dass andere Möglichkeiten

ignoriert und andere Informationen übersehen werden. Im Sinne zukünftiger Entdeckungen ist es nur von Vorteil, dass Psychologen sich nicht einige sind, welches Paradigma das beste ist. Beispiel: Psychologische Theorien der menschlichen Entwicklung Entwicklung =

- Abfolge alterstypischer Zustandsbilder?

- Veränderung?

- reifungsbedingte Veränderung?

- Veränderungen zu Besseren oder Höheren?

- qualitative oder strukturelle Veränderungen?

- universelle Veränderungen?

- Sozialisation?

- „eklektisch“ = aus Ideen oder Theorien auswählend und übernehmend. Bei eklektischen Therapien kommen theoretische Annahmen und therapeutische Techniken verschiedener psychologischer/psychotherapeutischer Richtungen gemeinsam zur Anwendung

Bakan (1966):

Psychologische Theorien lassen sich im Allgemeinen in zwei Gruppen unterteilen:

Die erste Gruppe beinhaltet Ideen, die sich grundsätzlich damit befassen, das Mysterium des

Lebens zu verstehen.

Die zweite Gruppe umfasst diejenigen, die darauf abzielen, das Leben zu bewältigen.

diejenigen, die darauf abzielen, das Leben zu bewältigen. 1. Tiefenpsychologie: Psychoanalyse Sigmund Freud:

1.

Tiefenpsychologie:

Psychoanalyse Sigmund Freud: „Vater“ der psychodynamischen Theorie und der psychoanalytischen Therapie Bei jeder Darstellung der Grundlagen von Freuds Theorien muss zweierlei vorweggeschickt werden:

-

dass Freuds Ansichten und Annahmen nicht in geschlossener Form vorliegen, weil er selbst fast alle seiner früheren Thesen nach und nach revidierte, weiterentwickelte oder gar verwarf, wenn sich ihm neue Erkenntnisse aufgedrängt hatten, und die späteren ohne Kenntnis der früheren unverständlich bleiben;

-

dass die Psychoanalytiker der nachfolgenden Generationen diese Theorien vielfach weiterentwickelten, ergänzten oder gänzlich neue Konzepte und Theorien eingeführt haben, sodass die Psychoanalyse in ihrer zeitgenössischen Form keineswegs mit dem Werk Freuds gleichgesetzt werden darf.

Drei Bereiche - Allgemeine psychologische Theorie des menschlichen Erlebens und Verhaltens: Trieblehre, insbesondere die

Drei Bereiche

- Allgemeine psychologische Theorie des menschlichen Erlebens und Verhaltens:

Trieblehre, insbesondere die Libidotheorie Persönlichkeitstheorie, speziell das Strukturmodell des psychischen Apparates Entwicklungspsychologie, speziell das Phasenmodell Neurosenlehre.

- Methode zur Erforschung psychischer Vorgänge

gebunden an das therapeutische Setting; z.B. freie

Assoziationen und Traumdeutungen

- Verfahren zur Behandlung psychischer Störungen

ebenfalls gebunden an das therpeutische Setting; z.B.

Übertragungs- und Gegenübertragungsphänomene, DeutungstechnikenTopographisches Modell

das therpeutische Setting; z.B. Übertragungs- und Gegenübertragungsphänomene, DeutungstechnikenTopographisches Modell

Phasen psychosexueller Entwicklung

- Orale Phase (1. Lebenshalbjahr)

- Narzisstische Phase (2. Lhj.)

- Anale Phase (2.-3. Lebensjahr)

- Phallische Phase (4.-5. Lebensjahr)

- Latenzphase (6.-7. Lebensjahr)

- Genitale Phase 8. Lebensjahr bis zur Pubertät

- Hemmungen in dieser Entwicklung bewirken spätere Fixierungen der Libido an Zustände früherer Phasen, welche dann die allgemeine Persönlichkeitsstruktur und die Art der aktuellen Krisenbewältigung entscheidend mitbestimmen.

Weiterentwicklungen Beispiele von Theorien

- Individualpsychologie – Individuum und Gemeinschaft

- Alfred Adler – „Minderwertigkeitsgefühl und Geltungsstreben“, „Gemeinschaftsgefühl und Machtmensch“

- Analytische Psychologie C.G. Jung – Lehre des kollektiven Unbewussten, Archetypen (Animus und Anima), Typenlehre: Extraverion vs. Introversion, Träume und Märchen

Verhaltenstherapie

- Von der Reflexologie zu den Lerntheorien zur kognitiven Psychologie

- Orientierung an Erkenntnissen und Gesetzmäßigkeiten der Allgemeinen Psychologie

- Hohe Affinität zur empirischen Grundlagenforschung

- Behaviorales Verständnis psychischer Störungen: Abnormales Verhalten ist gelernt und über eine gewisse Zeit aufrecht gehalten

- Kognitives Verständnis psychischer Störungen: Abnormales Verhalten ist ein Resultat wie eine Person verfügbare Information beachtet, interpretiert und verwendet

METHODOLOGIE

Zielorientierung (Ist-Soll-Zustand)

Problem- und Ressourcenorientierung

Gegenwarts- und Zukunftsbezug

Hypothesengeleitetes Vorgehen (operationale Einheit von Diagnostik und Therapie)

Information und konkrete Hilfsmaßnahmen

Fertigkeiten- und Funktionsorientierung, übend-lernend ("in vivo")

Fallbezogenes Erfahrungswissen

Förderung der Motivation

Einbeziehung subjektiver Krankheitstheorien und Gesundheitsvorstellungen

Selbstkontroll- und Selbstmanagementstrategien

Arbeitsbündnis: Kooperative Klient-Therapeut-Beziehung

Verpflichtung zu Erfolgsüberprüfung und Evaluation

Lerntheoretische Theorien

Pawlows Klassische Konditionierung

- Natürliches (angeborenes) Reiz-Reaktion-Schema, bei dem auf einen unkonditionierten Reiz UCS (z.B. Futter) eine unkonditionierte Reaktion UCR (z.B. Speichelfluss) erfolgt.

- Wird nun ein zunächst „neutraler Reiz“ CS (z.B. Glockenton) mehrmals gleichzeitig mit dem UCS dargeboten, so tritt die UCR nun auch als konditionierte Reaktion CR auf den CS auf.

Beispiele für Lerntheoretische Verhaltenstherapie

- Systematische Desensibilisierung

- Expositionstraining

- Entspannungstrainings

- Biofeedback

- Selbstkontrolle

Humanistische Ansätze

Beispiele für Kognitive Verhaltenstherapie

- Lernen am Modell (auch Imitationslernen oder Beobachtungslernen)

- Problemlösetherapien

- Selbstinstruktion

- Kognitive Therapie – Typische Denkfehler

- Rational-emotive Therapie

Zu den Hauptrichtungen zählen:

- die Gestalttherapie von Fritz Perls

- die Personenzentrierte Psychotherapie von Carl Roger wie auch existentialistisch geprägte Ansätze

- die Logotherapie und Existenzanalyse von Victor Frankl und

- das Psychodrama von Iacov Moreno. Philosophische Wurzeln in der Existenzphilosophie (v.a. Sören Kierkegaard, Friedrich Nietzsche, Martin Buber), der Phänomenologie (v.a. Edmund Husserl), im klassischen Humanismus (v.a. Johann Gottfried Herder) sowie im Humanismus französischer Prägung (v.a. Jean-Paul Satre, Albert Camus).

GRUNDANNAHMEN

Betonung der menschlichen Fähigkeiten und Potentiale (,,Fully functioning person")

Das Selbst als zentrales Konzept (Selbstverwirklichung)

Ganzheitlichkeit und Aktualisierungstendenz

phänomenologisch-subjektivistischer Zugang

Erlebnis- und Entwicklungsorientierung

Gegenwartsbezug

Autonomie und soziale Interdependenz

METHODOLOGIE

Empathie

Wertschätzung

Kongruenz

kathartisch, selbstexplorierend, aktivierend

Existentialistische Ansätze GRUNDANNAHMEN

- Angst spielt eine zentrale Rolle in der Bewältigung des Lebens

- Psychische Störungen entstehen durch Selbsttäuschung

- Die Auseinandersetzung mit dem Tod und der eigenen Existenz ist ein zentrales Thema

- Der Mensch ist die Summe seiner Entscheidungen und er definiert sich durch diese

- Die Grenzen dieser Entscheidungen sind jedoch immer wieder von Neuem zu reflektieren

METHODOLOGIE

- Rational-persuasiv, appellativ

- Ziel- und Sinnorientierung (persönliche Wachstum und Erfüllung“)

- Zukunftsbezug

- Ressourcen werden mehr betont als die Schwächen eines Menschen

werden mehr betont als die Schwächen eines Menschen Die Logik der Kommunikation - Es ist unmöglich

Die Logik der Kommunikation

- Es ist unmöglich nicht zu kommunizieren.

- Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt.

- Jede Kommunikation hat eine bestimmte Struktur.

- Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten digital: Schriftverkehr und gesprochene Sprache ohne affektive Komponente analog: nonverbale Ausdrucksmittel

- Kommunikation ist entweder symmetrisch oder komplementär (gleichwertig vs. ergänzend)

F43.-Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen

- zwei ursächlichen Faktoren: ein außergewöhnlich belastendes Lebensereignis, das eine akute Belastungsreaktion hervorruft, oder eine besondere Veränderung im Leben, die zu einer anhaltend unangenehmen Situation geführt hat und eine Anpassungsstörung hervorruft

- die Störungen entstehen immer als direkte Folge der akuten schweren Belastung oder des kontinuierlichen Traumas.

F43.1Posttraumatische Belastungsstörung

Entscheidende Kriterien:

- Dass die Betroffenen nach der Konfrontation mit einem traumatischen Stressor

- Aspekte des Ereignisses immer wieder ungewollt und unter großer Belastung (intrusiv) wieder

erleben,

- Internale und externale Reize vermeiden, die der Traumatisierung ähneln, oder sich emotional taub fühlen und

- Anzeichen einer chronisch erhöhten psychophysiologischen Überregung zeigen.

- Das Störungsbild hält länger als 1 Monat an.

PTBS – Epidemiologie – kleine Zusammenfassung

- Die meisten Menschen erleben in ihrem Leben mindestens ein nach DSM-IV definiertes traumatisches Erlebnis.

- Von der Gesamtpopulation aller traumatisierten Menschen entwickeln etwa 10-20% eine chronische PTBS – allerdings Unterschiede bei den verschiedenen Traumata: Physische, v.a. sexuelle Übergriffe Prävalenzen von 55% Verkehrsunfälle (8%), Naturkatastrophen (5%)

- Wahrscheinlichkeit einer PTBS: Frauen: Männer = doppelt so hoch!

PTBS – Behandlung

- Insgesamt gut therapierbar, insbesondere wenn Traumakonfrontation und kognitive Umstrukturierung enthalten sind

- Wirksamkeit sehr gut belegt bei kognitiver Verhaltenstherapie (mit & ohne Konfrontationstherapie), EMDR (EyeMovement-Desensitization-and-Processing)

PTBS – Überblick Kognitive

Verhaltenstherapie Ziele:

- Die Reduktion des intensiven Wiedererlebens,

- Die Modifikation dysfunktionaler automatischer Gedanken und Überzeugungen sowie

- Der Abbau kognitiven und offenen (behavioralen) Vermeidungsverhaltens.

Exkurs: Gesundheitsberufe • Unter einem Gesundheitsberuf ist ein auf Grundlage des Kompetenztatbestandes

Exkurs: Gesundheitsberufe

• Unter einem Gesundheitsberuf ist ein auf Grundlage des Kompetenztatbestandes

„Gesundheitswesen“ gesetzlich geregelter Beruf zu verstehen, dessen Berufsbild die Umsetzung von Maßnahmen zur Obsorge für den allgemeinen Gesundheitszustand der Bevölkerung umfasst.

• Darunter sind Tätigkeiten zu verstehen, die unmittelbar am bzw. unmittelbar oder mittelbar für den Menschen zum Zwecke der Förderung, Erhaltung, Wiederherstellung oder Verbesserung der Gesundheit im ganzheitlichen Sinn und in allen Phasen des Lebens erbracht werden.

Überblick über gesetzlich geregelte Gesundheitsberufe in Ö

• Ärztin/Arzt

• Zahnärztin/Zahnarzt

• Klinische PsychologIn

• GesundheitspsychologIn

• PsychotherapeutIn

• MusiktherapeutIn

• Hebamme

• Gehobene medizinische Dienste

• Gesundheits- und Krankenpflegerberufe

• Kardiotechnischer Dienst

• Medizinisch-technischer Fachdienst

• Medizinische MasseurIn und HeilmasseurIn

• SanitäterIn sowie Sanitätshilfsdienste

Gesundheitsberufen ist gemeinsam:

• Gesetzlicher Schutz durch einen Tätigkeits- bzw. Berufsvorbehalt, einen Bezeichnungsvorbehalt und Ausbildungsvorbehalt,

• Die Ausbildung unterliegt nicht den seitens des Gesundheitssystem gestellten Anforderungen,

• der Beruf ist gewissenhaft auszuüben,

• für in Ausland erworbene Qualifikationen ist eine Zulassung zur Berufsausübung (Nostrifikation) erforderlich, • Fortbildungspflicht als Qualifikationsmerkmal

• sowie weitere.

als Qualifikationsmerkmal • sowie weitere. Systematik psychologischer Interventionen 1. Wahl der
als Qualifikationsmerkmal • sowie weitere. Systematik psychologischer Interventionen 1. Wahl der

Systematik psychologischer Interventionen

1. Wahl der Mittel Psychologische Mittel,

z.B.

• Gespräch

• Übungen

• Zwischenmenschliche Beziehung

• Gespräch • Übungen • Zwischenmenschliche Beziehung Charakteristikum ist die Einflussnahme durch psychologische

Charakteristikum ist die Einflussnahme durch psychologische Mittel, nicht die Anwendung auf psychische Störungen oder Prozesse oder die (psychische) Ursache einer Störung.

Klinisch-psychologische Interventionen nach verschiedenen klinisch-relevanten Bereichen:

Kognition Orientierungsfähigkeit, Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnis, Wahrnehmung, Problemlösestrategien

Psychophysiologie Entspannung, Körperwahrnehmung, Biofeedback, Schmerzbehandlung

Sozialverhalten Kommunikations,- Selbstsicherheits,- Verhaltenstraining Stärkung von Selbstkontrollmechanismen, Soziale Wahrnehmung

Krankheitsverarbeitung Psychoedukation, Complianceförderung, Krankheitsmanagement, Rückfallprophylaxe, Krisenintervention

Störungsspezifische Behandlung Suizidprophylaxe Affekt- u. Aggressionskontrolle Angstverarbeitung Konflikt- u. Stressbewältigung Persönlichkeitsentwicklung

2. Spezifische Behandlungsfunktion Gesundheitsförderung!

Jeweils nach dem Zeitpunkt des Einsetzens gibt es drei große Aufgabenbereiche klinisch- psychologischer Interventionen, wobei eine Intervention umso erfolgreicher sein wird, je früher sie einsetzt.

1)

Bei der Prävention soll das (Erst-) Auftreten von psychischen Störungen und/oder Krankheiten

2)

verhindert werden, indem pathogen wirkende Bedingungen beseitigt werden. Die Behandlung/Therapie beinhaltet Interventionen bei bereits aufgetretenen psychischen

3)

oder gesundheitlichen Problemen und Erkrankungen. In der Rehabilitation werden Interventionen zur psychosozialen Wiedereingliederung, Nachsorge und Rückfallprophylaxe gesetzt.

3. Zielorientierung

Intervention soll auf ein bestimmtes Ziel abgestimmt sein! Strukturierbare und zielorientierte Interventionsprozesse!

4. Theoretische Fundierung

Behandlungsmethode hat theoretischen Bezug zu (der von der scientific community) akzeptierten und diskutierten

• Theorien

• Hypothesen

• Empirischen Forschungsmethoden

• Empirischen Befunden

aus der Psychologie und einschlägiger Nachbarwissenschaften.

5. Empirische Evaluation

Empirische überprüfte Theorien, die die Wirksamkeit erklären und Empirisch überprüfte Wirksamkeit.

6. Professionalität des Handelns

Intervention wird durch Experten in einem professionellen Kontext realisiert! Stichwort: Ausbildung, Fort- und Weiterbildung, Berufstitel, Zulassung, etc.

Spezielle Methoden:

1)

Klinisch-psychologische Beratung

Was ist eine Beratung? Bei einer Beratung handelt es sich um eine Form der Hilfe, die sich an den Bedürfnissen und Zielen einer Person orientiert. Kriterien klinisch-psychologischer Beratung:

• kurzfristig

• klärend (Wissensvermittlung)

• stützend (Problemlösung sollte relativ bald erreicht werden)

• symptomorientiert

• direktiv

• zielorientiert

• kontext- und ressourcenorientiert (Empowerment).

Beratung = • ein niederschwelliges Angebot

• dient der Lösung von normativen Anforderungen und Problemen sowie von

• „daily hazzles“ und kritischen Lebensereignissen.

Das Vorgehen • ist eher integrativ (es werden unterschiedliche Methoden angewendet)

• besteht aus wenigen Sitzungen innerhalb eines kurzen Zeitraums

• Reflexion der Hilfebeziehung hat keinen wesentlichen Stellenwert

• hoher Kontextbezug.

Immense Variationsbreite von Beratungspraxis:

• Einzelberatungen

• Beratung mit Paaren, Familien und Gruppen

• Telefonische Beratung

• Beratung in Form von Büchern und Selbsthilfematerialien

• Beratungsstellen in Einrichtungen des primären Gesuchtheitssektors (z.B. psychiatrische Settings, Allgemeinpraxen)

• Spezielle Beratungsformen für Menschen mit besonderen Krankheiten (z.B. Aids, Krebs)

• Beratung in der Arbeitswelt (z.B. Berufsberatung, Studierendenberatung)

2)

Krisenintervention

• Erste Hilfe für die Seele - Rat und Hilfe bei psychischen Problemen:

http://pmooe.at/sitex/index.php/page.8/ • Möglichkeiten der Fortbildung: Psychologische Erste Hilfe – Kurs BÖP/Berufsverband österr. PsychologInnen, www.boep.or.at

BÖP/Berufsverband österr. PsychologInnen, www.boep.or.at Das BASIS- Modell, welches aus der Notfallpsychologie

Das BASIS-Modell, welches aus der Notfallpsychologie stammt, bietet eine gute Orientierung für Ersthelfer:

B = Beziehung aufbauen. wertschätzende Haltung + echtes Interesse an der Person, um eine vertrauensvolle Atmosphäre aufzubauen

A = Anerkennen Akzeptanz des Ereignisses, der „Realität ins Auge blicken“ und das Gegebene annehmen – auch wenn es schwer fällt; nicht „schönreden“

S = Struktur Menschen in Krisen brauchen Halt; einleiten erster Schritte z.B. Kontakt zum jeweiligen Notfallpsychologischen Dienst oder Hilfe bei der Formulierung des „Problems“

•I = Information nächste Schritte besprechen, thematisieren von etwaigen damit verbundenen Ängste und Sorgen

•S = Soziales Einbeziehung der Umgebung: Wer kann helfen, wer unterstützt? am besten vertraute Personen; Menschen in Ausnahmesituationen brauchen Geborgenheit. Zudem sollten sie nicht allein gelassen werden.