Sie sind auf Seite 1von 25

1

Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Unterrichtseinheit Ausbildungseinsatz „Ambulante Pflege“

Claudia Kittel-Seifert, Anja Wiedermann, Nicole Zittlau


Ausbildungseinsatz „Ambulante Pflege“
1 Bedeutung des Themas für die Pflegenden/Auszubildenden

Allein aus quantitativer Perspektive hat das Thema „ambulante Pflege“ eine hohe bzw. ständig
wachsende Bedeutsamkeit für Pflegende. Derzeit leben von den 2,5 Millionen pflegebedürftigen
Menschen (im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes nach SGB XI) ca. 1,76 Millionen zu Hause. Der
überwiegende Teil von ca. 70% wird durch Angehörige gepflegt, rund 30% werden durch ambulante
Pflegedienste – teilweise in Zusammenarbeit mit den Angehörigen - versorgt. Auch wenn die
Angehörigenpflege dominiert, ist die Nachfrage nach professionell erbrachten ambulanten
Pflegeleistungen deutlich gestiegen: In den letzten Jahren wuchs die ambulante Pflegeversorgung um
34% (vgl. Pfaff 2013, S. 5ff.). Gründe dafür sind unter anderem:
- die demografische Entwicklung, einhergehend mit der wachsenden Zahl pflegebedürftiger,
insbesondere alter bzw. hochaltriger Menschen mit multimorbiden Erkrankungen,
- die steigende Zahl chronischer Erkrankungen,
- die zunehmende Ökonomisierung des Gesundheitswesen mit der Einführung der DRG, dem Ziel
„ambulant vor stationär“ und dadurch bedingt kürzeren Liegezeiten im stationären Bereich,
- die steigende Zahl der Single-Haushalte (auch alter Menschen) und der daraus resultierende
Bedarf an Hilfe von „außen“,
- die (längere) Berufstätigkeit der pflegenden Angehörigen - insbesondere der Frauen,
- und nicht zuletzt der vermehrte Wunsch der Pflegebedürftigen, in ihrer eigenen Wohnung
versorgt zu werden.

Der wachsende Bedarf an beruflicher Pflege im ambulanten Bereich spiegelt sich ebenfalls in der
Entwicklung der Beschäftigtenzahl wider. Allein von 2009 auf 2011 wuchs die Zahl der Beschäftigten
im ambulanten Bereich von 269.000 auf 291.000, wovon ca. 60% eine abgeschlossene 3-jährige
Pflegeausbildung besitzen (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung [BpB] 2011, S. 221; Pfaff 2013,
S.5). Diesem Bedarf will der Gesetzgeber auch in der Pflegeausbildung Rechnung tragen. Sowohl das
Kranken- als auch das Altenpflegegesetz (2003) sehen mindestens einen praktischen Einsatz im
ambulanten Bereich verpflichtend vor. In der Altenpflegeausbildung ist es sogar möglich, dass ein
ambulanter Pflegedienst Träger der praktischen Ausbildung ist und dort die praktische Prüfung
absolviert werden kann (vgl. KrPflG 2003, §4 Abs. 2; AltPflG 2003 §4 Abs. 2; AltPflAprV 2002, § 5).

Erschreckend ist jedoch, dass die Zahl der professionell Pflegenden im ambulanten Sektor schon jetzt
kaum gedeckt werden kann. So zeigt Simon auf, dass die Zahl des Pflegepersonals deutlich geringer
ist, als die Gesundheitspersonalrechnung annimmt, und dass ein Zuwachs der Teilzeitarbeit sowie
chronische Überlastung des Personals die Situation noch verschärfen (vgl. Simon 2012, S.3ff).

Soweit ein kurzer Einblick in die quantitative Bedeutsamkeit des Themas für Pflegende. Aus
qualitativer Sicht soll nun der Frage nachgegangen werden, was es für Pflegende bzw. Auszubildende
in der Pflege heißt, im ambulanten Bereich zu arbeiten. Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass
(Tabu-)Themen, mit denen sich Pflegende generell auseinandersetzen müssen, auch (oder vielleicht
gerade) im ambulanten Bereich von zentraler Bedeutung sind. Solche Themen sind: Krankheit,
Schmerz, Alter, Gebrechlichkeit, Tod, Macht und Ohnmacht, Gewalt, Nacktheit, Ekel und Scham,
Nähe und Distanz, sexuelle Belästigung – und die eigene Haltung dazu (vgl. Oelke/Scheller/Ruwe
2000, S. 77ff.).

Autorinnen: C. Kittel-Seifert, A. Wiedermann, N. Zittlau Weitere Materialien finden Sie unter


Herausgeberin: Uta Oelke www.cornelsen.de/herausforderung-pflege
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2014
2
Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Unterrichtseinheit Ausbildungseinsatz „Ambulante Pflege“

Darüber hinaus möchten wir uns hier auf besondere Herausforderungen bzw. Belastungen
konzentrieren, wie sie typisch für den Bereich der ambulanten Pflege sind. Pflegende im ambulanten
Bereich kommen wie andere Pflegende mit sehr unterschiedlichen Menschen, insbesondere mit alten
Menschen und ihren Angehörigen, in Kontakt (vgl. Statistisches Bundesamt 2013, S.9). Im
Unterschied zur stationären Pflege ist für ambulante Pflege kennzeichnend, dass die Pflegenden
1. ihre Arbeit bei den Pflegebedürftigen zu Hause durchführen,
2. dabei meist allein unterwegs „auf Tour“ sind und
3. dass die Finanzierung über das SGB V und das SGB XI klar definiert und reguliert, welche
Pflegetätigkeiten bezahlt werden und welche nicht.

Kommen wir zum ersten Merkmal und seinen Auswirkungen: der Arbeit bei den Pflegebedürftigen zu
Hause. Diese Arbeit wird durch vielfältige Rahmenbedingungen beeinflusst, die sich deutlich von
denen auf der Station unterscheiden und die von den Pflegenden häufig als schwierig und belastend
erlebt werden. Zu den schwierigen Rahmenbedingungen gehören beispielsweise: enge, schwer
zugängliche Wohnungen und Bäder, nicht verstellbare Betten, Hindernisse wie Türschwellen oder
Bodenbeläge und unzureichende Arbeitsflächen. In der Folge müssen Pflegende im häuslichen Milieu
häufig improvisieren (vgl. Büssing et al. 2001, S. 67f).

Neben solchen Beeinträchtigungen sind es meistens eher psychische und emotionale Belastungen, von
denen Pflegende und Auszubildende berichten. Pflegende nehmen im häuslichen Bereich im
Unterschied zur stationären Pflege eine Gastrolle ein. Pflegedürftige bzw. deren Angehörige sind nicht
nur Partner in der Pflegebeziehung, sondern Auftraggeber zugleich. Sie haben das Sagen, sie haben
das Hausrecht, und sie können letztendlich darüber bestimmen, wer die Pflege in welcher Art und
Weise durchführt. Charakteristisch für die Pflege im ambulanten Bereich ist zudem eine sehr enge,
meist über Jahre andauernde Beziehung zwischen Pflegenden und Pflegebedürftigen bzw.
Angehörigen.

Die Menschen, die sich für eine Versorgung durch einen Pflegedienst entschieden haben, benötigen
diesen meist deshalb, weil die Bezugspersonen (meist die Angehörigen) die Pflege gar nicht oder nicht
komplett übernehmen können oder aber weil sie keine sozialen Netzwerke haben, auf die sie
zurückgreifen können. Pflegende im ambulanten Bereich sind deshalb häufig mit teils sozial isolierten,
aber auch mit Menschen konfrontiert, die aufgrund der eigenen oder der Pflege anderer überlastet sind.
Diese haben Erwartungen, die sie oft unbewusst oder nicht eindeutig formuliert - aber doch deutlich
spürbar - an die Pflegenden herantragen. Daraus resultieren nach Menche (2004) so genannte
„erwartungsbedingte Pflegeaufgaben“ (vgl. ebd., S. 1435f.): So sind Pflegende meist die einzige
Verbindung nach „draußen“. Sie sollen die soziale Isolation (zumindest gefühlt) ein wenig aufheben,
indem sie beispielsweise Nachrichten überbringen oder Botengänge erledigen. Ebenso sollen sie -
quasi als Ersatz für verlorene Partner/Angehörige - Berater in allen Lebensfragen sein (vgl. ebd.).

Diese Erwartungen können problematisch für die Pflegenden sein, weil die entsprechende
Leistungserbringung weder durch die Krankenkasse noch Pflegeversicherung abgedeckt ist – kurzum:
nicht bezahlt wird – und/oder weil sie sich von den „Auftraggebern“ ausgenutzt fühlen (vgl. Büssing
et al. 2001, S.73f). Belastend kann es auch sein, wenn die Erwartungen der Pflegebedürftigen/
Angehörigen von den Pflegenden im Sinne eines ganzheitlichen Pflegeideals als Eigenanspruch
übernommen werden, der sich dann in der Realität nicht umsetzen lässt. Das spüren die Pflegenden
beispielsweise dann, wenn sie nach der Arbeit „die Tür hinter sich schließen“ (müssen) und dabei
merken, dass sie den Patienten/Angehörigen in seiner Einsamkeit und Bedürftigkeit zurücklassen
(müssen).

Autorinnen: C. Kittel-Seifert, A. Wiedermann, N. Zittlau Weitere Materialien finden Sie unter


Herausgeberin: Uta Oelke www.cornelsen.de/herausforderung-pflege
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2014
3
Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Unterrichtseinheit Ausbildungseinsatz „Ambulante Pflege“

Die „Tür hinter sich zu schließen“ kann allerdings auch eine Entlastung für die Pflegenden sein (vgl.
ebd., S. 87). Zu Hause zu pflegen heißt nämlich nicht nur, zu Gast zu sein und die Erwartungen
anderer zu erfüllen. Die Pflegenden dringen in die Privatsphäre anderer ein, der sie sich nicht oder nur
schwer entziehen können. Ob sie es wollen oder nicht, sie erhalten vielfältige Informationen über die
Lebenswelt und Lebensgeschichte der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen. So kommt es zu einer
Vermischung zwischen privatem und beruflichem Bereich, welche ein nicht einfaches Ausbalancieren
von Nähe und Distanz erfordert (vgl. ebd., S. 85).

Die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen stehen dem Pflegedienst selbst oft mit gemischten
Gefühlen gegenüber. Was die Familie bis dahin häufig vor der Außenwelt geschützt hat, wird plötzlich
„öffentlich“. Intime Bereiche können nicht mehr verborgen werden, seien es
Beziehungskonstellationen, Schränke, Türen usw. - bis hin zur finanziellen Situation. Es treffen
unterschiedliche Wertvorstellungen aufeinander, beide Seiten erleben sich mitunter als anders und
fremd. Dies wird vor allem deutlich, wenn Pflegende bzw. auch Auszubildende von „unsauberen“, gar
„ekeligen Wohnungen“ berichten oder von „schwierigen Angehörigen“. Verwahrlosung und/oder
Verweigerung pflegerischer Hilfe werden von Pflegenden als besonders stark belastend empfunden,
zumal ein (physisches) Ausweichen im häuslichen Bereich - anders als auf der Station - nicht möglich
ist (vgl. Büssing et al. 2001, S. 66f., S. 87).

Pflege als Vermeidungsbeziehung in Verbindung mit Angst, Scham und Entweihung ist, wie
Katharina Gröning (2001) herausgearbeitet hat, ein bedeutsames Thema in der ambulanten Pflege.
Sowohl die Gastrolle wie auch die umfassende Informiertheit über den Pflegebedürftigen/Angehörigen
sind sicherlich wichtige, für den Patienten und dessen Angehörige Autonomie fördernde
Komponenten. Sie erfordern jedoch von den Pflegenden eine enorme Gefühlskontrolle
(Emotionsarbeit), die anstrengend ist und manchmal überfordert (vgl. Büssing et al. 2001, S. 87).

Das zweite besondere Merkmal ist, dass Pflegende in der ambulanten Pflege „auf Tour“ sind und ihre
Klientel nach und nach besuchen. Dort verrichten sie dann ihre Arbeit meist allein. Die hohe
Eigenverantwortung erleben die Pflegenden sowohl als belastend wie auch entlastend. Der Zugewinn
an Handlungsspielräumen geht für sie zugleich mit einem Verlust an kollegialer Unterstützung
(Austausch, Rückhalt) einher (vgl. ebd., S. 80). Die Arbeit beim Patienten selbst wird - anders als auf
der Station - nur durch wenige Unterbrechungen beeinflusst. Darüber hinaus bedeutet „auf Tour“ zu
sein, immer wieder mit den Unwägbarkeiten des (Straßen-)Alltags konfrontiert zu werden
(schleppender Straßenverkehr, Staus), die die Arbeit erschweren und Pflegende in schwierige
Situationen (Rechtfertigen von Unpünktlichkeit) bringen können (vgl. ebd., S.73).

Kommen wir zum dritten Merkmal: der besonderen Finanzierung der ambulanten Pflege und den sich
daraus ergebenden Konsequenzen. Sicherlich zeigt die Ökonomisierung in allen Bereichen des
Gesundheitswesens deutliche Auswirkungen, jedoch sind sie im ambulanten Sektor insbesondere für
die Pflegenden deutlich spürbar. Ohne hier auf weitere Details einzugehen, lässt sich Folgendes
konstatieren: Die Finanzierung der ambulanten Pflege, welche sich aus den Leistungen der
Krankenkasse (vgl. §37 SGB V) und denen der Pflegeversicherung (vgl. SGB XI) zusammensetzt, hat
zur Folge, dass die Pflegedienste kleine bis mittelgroße Wirtschaftsunternehmen sind. Jede
Pflegetätigkeit wird genauestens beschrieben, in Minutenwerte eingeteilt und berechnet. Das bedeutet
für die Pflegenden, dass sie ständig zwischen den pflegerisch-medizinisch notwendigen und den
pflegerisch-psychosozial erforderlichen Maßnahmen abwägen müssen. Wie oben beschrieben steht
dem qualifizierten Arbeiten das umsatzorientierte Arbeiten häufig diametral gegenüber.

Autorinnen: C. Kittel-Seifert, A. Wiedermann, N. Zittlau Weitere Materialien finden Sie unter


Herausgeberin: Uta Oelke www.cornelsen.de/herausforderung-pflege
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2014
4
Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Unterrichtseinheit Ausbildungseinsatz „Ambulante Pflege“

Diese Situation wird besonders dann als belastend empfunden, wenn nicht abrechenbare aber aufgrund
des eigenen Pflegeverständnisses notwendige Leistungen nicht erbracht werden können (vgl. Büssing
et al. 2001, S. 68). Insbesondere in der Arbeit mit Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen
kommt dies häufig vor.
Eine andere Komponente ist die seit der Einführung des Pflegversicherungsgesetzes verpflichtende
Qualitätssicherung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK). Dazu begeht
der MDK die ambulante Einrichtung und überprüft sowohl Unterlagen als auch die Pflege selbst durch
Patientenbesuche. Entspricht die Leistung nicht den Erwartungen, so kann der Pflegedienst
geschlossen werden (vgl. MDS 2005, S. 7ff.). Dies setzt die Pflegenden häufig unter Druck – und
zwar insbesondere dann, wenn die Ansprüche des MDK nicht mit denen der Pflegenden
übereinstimmen und/oder das Pflegverständnis auf unterschiedlichen Kriterien aufbaut.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: die quantitativen Anforderungen an ambulante Pflege sind
hoch und der Bedarf wird weiter steigen. Die qualitativen Anforderungen an Pflegende sind vielfältig,
und es gibt zum Teil deutliche Unterschiede zur stationären Versorgung. Auf dieses
Anforderungsprofil muss die Pflegeausbildung vorbereiten. In einer kürzlich veröffentlichten Studie
zu Handlungskompetenzen von Berufseinsteigern in der ambulanten Pflege wurde herausgearbeitet,
dass die Ausbildungen in den Pflegeberufen, so, wie sie zur Zeit stattfinden, diese nicht genügend auf
die Anforderungen im Alltag der ambulanten Pflege vorbereiten (vgl. Lee et al. 2013, S. 79). Wir
können uns dieser Aussage anschließen: Unserer Beobachtung nach nimmt die ambulante Pflege allein
in der theoretischen Ausbildung einen zu geringen Stellenwert ein. Insbesondere in der
(Kinder)Krankenpflegeausbildung wird das Thema „ambulante Pflege“ oft mit deutlich weniger
Stunden unterrichtet als in den Curricula vorgesehen, oder/und es werden im Unterricht nur Fragen
stationärer, nicht aber ambulanter Pflege behandelt. Über diesen „heimlichen Lehrplan“ wird das Bild
vermittelt, ambulante Pflege sei nicht so wichtig bzw. „Pflege zweiter Klasse“. Dies trägt dann mit
dazu bei, dass sich die meisten SchülerInnen nach dem Examen für die stationäre Pflege entscheiden.
Daher muss und sollte sich die theoretische Ausbildung unserer Auffassung nach vermehrt auf Fragen
ambulanter Pflege konzentrieren. Das heißt aber nicht, nur die Zahlen im Blick zu haben, sondern
bzw. gerade die dort herrschenden Belastungen sowie Entlastungen gemeinsam mit Pflegenden und
Auszubildenden zu thematisieren sowie Rahmenbedingungen kritisch-konstruktiv zu reflektieren. Und
es bedeutet für die Lehrenden, welche meist selbst im stationären Bereich sozialisiert worden sind, den
Blick für die Arbeit im ambulanten Bereich zu öffnen und sie wertzuschätzen. Dazu möchten wir mit
der nachfolgenden Lerneinheit beitragen.

Autorinnen: C. Kittel-Seifert, A. Wiedermann, N. Zittlau Weitere Materialien finden Sie unter


Herausgeberin: Uta Oelke www.cornelsen.de/herausforderung-pflege
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2014
5
Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Unterrichtseinheit Ausbildungseinsatz „Ambulante Pflege“

2 Die Lerneinheit im Überblick

Intentionen und Ziele


Im Rahmen der Lerneinheit setzen sich die TeilnehmerInnen mit ihrer Haltung – also ihren
Vorstellungen, Einstellungen, Erfahrungen, ggf. Vorurteilen, Ängsten und Unsicherheiten - zur
ambulanten Pflege auseinander und reflektieren dabei auch ihr Pflegeverständnis aus einer neuen
Perspektive. Einzelne Intentionen und Ziele sind: Die TeilnehmerInnen …
- machen sich bewusst, was charakteristisch für die Arbeit in der ambulanten Pflege ist und
inwiefern sie sich von der im stationären Bereich unterscheidet.
- klären für sich (zumindest in Ansätzen), wie sie selbst zur Arbeit in der ambulanten Pflege
stehen, was ihnen dabei aus welchen Gründen gut oder nicht so gut gefällt, schwer oder leicht
fällt, wichtig oder nicht so wichtig scheint.
- setzen sich damit auseinander, was es (für sie) bedeutet,
• in die Privatsphäre eines oder mehrerer fremder Menschen einzudringen und direkt mit deren
Lebensweisen sowie Wohn- und Wertvorstellungen konfrontiert zu sein, die ganz anders sein
können als die eigenen;
• als „bezahlter Gast im fremden Territorium“ mit dem Selbstbestimmungsrecht und auch
Eigensinn der Pflegebedürftigen/Angehörigen konfrontiert zu sein und gleichzeitig den
Pflegeauftrag erfüllen zu wollen/müssen;
• relativ allein auf sich gestellt – also meist ohne Rückhalt und Austausch im Team -
Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen;
• die besonderen emotionalen und psychischen Herausforderungen in der ambulanten Pflege
weitestgehend ohne kollegiale Unterstützung zu verarbeiten.
- fühlen sich in die Lebenssituation und auch Belastungen von Menschen (Pflegebedürftigen,
Angehörigen) ein, die auf professionelle ambulante Pflege angewiesen sind.
- erkunden, welche Möglichkeiten, aber auch Grenzen es gibt, innerhalb eng gesteckter zeitlicher
und finanzieller (ggf. auch räumlicher, hygienischer) Rahmenbedingungen dem beruflichen
Selbstverständnis entsprechend zu pflegen.
- entwickeln Ideen, wie sie sich gegenüber zu hohen Ansprüchen, unrealistischen Erwartungen
sowie grenzüberschreitenden oder kränkenden Verhaltensweisen von
Pflegebedürftigen/Angehörigen abgrenzen und schützen können.
- setzen sich mit der Frage auseinander, was sie selbst dafür tun können (oder müssen), damit ihre
Rechte als Auszubildende bzw. Lernende in der ambulanten Pflege beachtet werden bzw. gewahrt
bleiben.

Zielgruppe
Die Lerneinheit wurde für die pflegerische Erstausbildung (Gesundheits- und Krankenpflege,
Gesundheits- und Kinderkrankenpflege, Altenpflege) entwickelt und dort auch erprobt. Sie kann in
adaptierter Form auch in der Fort- und Weiterbildung von Pflegekräften im ambulanten Bereich und in
Bildungsmaßnahmen für Hilfskräfte, die im ambulanten Bereich tätig sind, eingesetzt werden.

Stundenumfang
Für die pflegerische Erstausbildung haben wir die Lerneinheit in einen ersten und einen zweiten
Seminartag à jeweils 8 Stunden unterteilt. Der erste Seminartag kann - muss aber nicht - vor dem
Ausbildungseinsatz in der ambulanten Pflege stattfinden. Der zweite Seminartag sollte erst dann
erfolgen, wenn die SchülerInnen Erfahrungen in der ambulanten Pflege gewonnen haben (also nach
dem Einsatz in der ambulanten Pflege).

Autorinnen: C. Kittel-Seifert, A. Wiedermann, N. Zittlau Weitere Materialien finden Sie unter


Herausgeberin: Uta Oelke www.cornelsen.de/herausforderung-pflege
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2014
6
Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Unterrichtseinheit Ausbildungseinsatz „Ambulante Pflege“

Hinweis: Um der in Kapitel 1 aufgezeigten hohen Bedeutsamkeit des Themas „Ambulante Pflege“ zu
genügen, reichen die von uns verplanten 16 Stunden u. E. nicht aus. Ein Gesamtumfang von 36
Stunden, wie im „Heidelberger Curriculum“ vorgeschlagen (vgl. Schmidt-Richter 2012, S. 72 ff.),
scheint uns angemessen; mindestens sollten es jedoch 24 Stunden sein. In den ergänzenden
Unterrichtsstunden können dann weitere Inhalte und organisatorische Fragen zum Thema „Ambulante
Pflege“ sowie Praxisaufträge bearbeitet werden, wie beispielsweise von Schmidt-Richter (vgl. ebd.)
oder Oelke/Menke (2005, S. 215 und S. 232) empfohlen.

Wird die Lerneinheit im Rahmen anderer Bildungsmaßnahmen eingesetzt, muss in Abhängigkeit von
den jeweiligen (curricularen) Bedingungen entschieden werden, wann sie erfolgen soll. Es kann auch
nur ein Seminartag angeboten oder einzelne Sequenzen bearbeitet werden (dies gilt auch für die
pflegerische Erstausbildung).

Anmerkungen zu den beiden Seminartagen


Erster Seminartag
Im Mittelpunkt des ersten Seminartages steht die szenische Arbeit mit vier Texten zu „ambulanter
Pflege“. Diese vier Texte 1 sind wie folgt entstanden:
- Szene 1 „Bei der Dienstbesprechung“ und Szene 4 „Eine Angehörige“ haben wir selbst
entwickelt. Dabei haben wir Berichte von Pflegeausbildenden verarbeitet, in denen sie uns ihre
Erfahrungen aus dem Einsatz in der ambulanten Pflege geschildert haben.
- Szene 2 „Allein in einer fremden Wohnung“ und Szene 3 „Das Brot liegt auf der Straße“ basieren
auf der 2004 erschienenen Veröffentlichung von Bernd Herrmann „Solo für Pflege – ein
Erfahrungsbericht aus der ambulanten Hauskrankenpflege“. Auf der Grundlage seiner
Ausführungen (vgl. Herrmann 2004, S. 146-148) haben wir dann selbst zwei szenische Dialoge
entwickelt.

Die vier Szenen werden von jeweils zwei Personen gespielt, das heißt, sie richten sich an eine Gruppe
von acht Personen. Möglichkeiten, mit den vier Szenen auch in einem Kurs mit mehr als acht
SchülerInnen zu arbeiten, sind:
- Szene 1 „Bei der Dienstbesprechung“ und Szene 4 „Eine Angehörige“ werden um „stumme
Rollen“ (= Rollen ohne Sprechtext) erweitert 2.
- Es werden Szenen von jeweils zwei Paaren - also doppelt - gespielt.
- Zusätzliche Szenen werden entwickelt: Hier kann die Spielleitung sich – so wie wir – durch
Berichte von Auszubildenden oder Pflegenden in der ambulanten Versorgung inspirieren lassen
oder aber auf die Veröffentlichung von Hermann (2004) zurückgreifen, die Material für weitere
Szenen enthält.
- Die Klasse wird in Gruppen à acht Personen aufgeteilt.

Für das Seminar sollten ein großer Raum (dort werden alle Szenen gespielt), mehrere kleine Räume,
sowie passende Kleidung organisiert werden.

1Die Namen in den Szenen sind von uns frei erfunden.


2Bei den Szenen 2 „Allein in einer fremden Wohnung“ und 3 „Das Brot liegt auf der Straße“ raten wir von „stummen Rollen“
ab, da beide Szenen relativ „intim“ sind und ihre „dichte Atmosphäre“ durch weitere Anwesende verzerrt/zerstört würde.

Autorinnen: C. Kittel-Seifert, A. Wiedermann, N. Zittlau Weitere Materialien finden Sie unter


Herausgeberin: Uta Oelke www.cornelsen.de/herausforderung-pflege
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2014
7
Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Unterrichtseinheit Ausbildungseinsatz „Ambulante Pflege“

Zweiter Seminartag
Im Mittelpunkt des zweiten Seminartags stehen von den TeilnehmerInnen selbst eingebrachte
Situationen. Das heißt, die TeilnehmerInnen müssen über - zumindest erste - Erfahrungen in der
ambulanten Pflege verfügen. Methodisch orientiert sich der zweite Tag an einem von Uta Oelke und
Gisela Ruwe (2007) veröffentlichtem Seminarkonzept zum Thema „Reflexion der Berufsbiografie“.
Die einzelnen szenischen Verfahren, die wir für unser Konzept übernommen haben, sind dort genau
beschrieben und von uns thematisch angepasst worden.

Der zweite Seminartag kann mit Gruppen unterschiedlicher Größe durchgeführt werden
(Mindestgröße: 8 Personen). Wir haben mit Gruppen von 8 bis zu 27 TeilnehmerInnen gearbeitet.
Empfehlenswert ist eine Kursgröße von maximal 16 Personen, da die Auswertungsrunden und
besonders die Denkmalarbeit bei größeren Gruppen sehr lang werden können und dann schwer
auszuhalten sind.

Überblick über die einzelnen Schritte der Lerneinheit


Erster Seminartag
1) Einstieg und Themenannäherung
- Begrüßung und Überblick über die Lerneinheit
- Entwicklung und Auswertung von Standbildern „Typisch ambulante Pflege“
- Brainstorming „Unterschiede zwischen ambulanter und stationärer Pflege?!“
2) Szenische Arbeit mit Texten zu „ambulanter Pflege“
- Vorstellung und Verteilung der Szenen
- Erste Erarbeitung der Szenen und Einfühlung in die Personen
- Vertiefende Einfühlung in die Personen
- Spielen und Auswerten der Szenen
3) Abschluss

Zweiter Seminartag
1) Einstieg und Themenannäherung
- Begrüßung und Überblick über die Lerneinheit
- Gern/ungern ausgeübte Tätigkeiten in der ambulanten Pflege zeigen und reflektieren
- Haltungen Pflegebedürftiger, Angehöriger und Pflegender in der ambulanten Pflege
erkunden
2) Das Typische der ambulanten Pflege erkunden und sich dazu in Beziehung setzen
- Der ambulanten Pflege ein Denkmal bauen
- Die eigene Haltung zur ambulanten Pflege erkunden
- Unterschiede zwischen stationärer und ambulanter Pflege reflektieren
3) Bearbeitung nachhaltig erinnerter Situationen im ambulanten Pflegeeinsatz
- Sammeln und Auswählen selbst erlebter Situationen
- Szenische Bearbeitung der ausgewählten Situationen
4) Abschluss

Autorinnen: C. Kittel-Seifert, A. Wiedermann, N. Zittlau Weitere Materialien finden Sie unter


Herausgeberin: Uta Oelke www.cornelsen.de/herausforderung-pflege
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2014
8
Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Unterrichtseinheit Ausbildungseinsatz „Ambulante Pflege“

3 Der erste Seminartag (8 Unterrichtsstunden)

3.1 Einstieg und Themenannäherung (ca. 90 Minuten)

• Begrüßung und Überblick über die Lerneinheit (Plenum, ca. 10 Minuten)


Vor Beginn der Lerneinheit baut die Spielleitung einen Stuhlkreis auf und legt die verschiedenen
Kleidungsstücke aus (für die spätere Arbeit mit den Texten, vgl. unten Kapitel 3.2). Zu Beginn der
Lerneinheit sitzen die TeilnehmerInnen im Stuhlkreis, und es werden zunächst organisatorische
Fragen (z. B. Pausenregelung) und die Anredeform geklärt („Arbeits-Du“, sollte in der Schule das
„Sie“ vorherrschen). Danach informiert die Spielleiterin über die Intentionen bzw. Ziele und den
Aufbau des Seminars.

• Entwicklung und Auswertung von Standbildern „Typisch ambulante Pflege“


(Plenum/Gruppenarbeit, ca. 60 Minuten)
Die Spielleiterin lässt durch Abzählen Kleingruppen à 4 bis 6 TeilnehmerInnen bilden. Sie fordert die
TeilnehmerInnen mündlich auf, je Gruppe drei Standbilder zum Thema „Typisch ambulante Pflege“
zu bauen. In den Bildern können, müssen aber nicht alle Gruppenmitglieder verbaut sein. Die Gruppen
geben jedem Bild einen Titel, der einzeln auf Moderationskarten notiert wird. Für diese Aufgabe
haben sie nicht viel Zeit (ca. 5 Minuten).

Im Plenum präsentieren die Gruppen dann nacheinander ihre Standbilder, wobei sie die
Moderationskarte mit dem jeweiligen Bildtitel auf den Boden vor das Standbild legen. Die
Spielleitung fordert die BeobachterInnen auf, Vermutungen dazu zu äußern, worum es in den
Standbildern konkret geht. Danach klären die Erbauer über die Inhalte ihrer Bilder auf. Die
Spielleitung pinnt zum Schluss die Karten mit den Bildtiteln an eine Moderationswand. Sie wählt ein
Bild pro Gruppe aus und wertet dieses mit den TeilnehmerInnen genauer aus (vgl.
„Assoziationsbilder/kollektive Standbilder und ihre Auswertungsverfahren“ in Oelke/Scheller/Ruwe
2000, S. 178ff. oder in Oelke/Ruwe 2007, S. 768f.).

Im Anschluss fordert die Spielleitung alle Gruppen auf, in eine kurze (ca. 5 – 10 Minuten)
„Murmelrunde“ zu gehen und sich über folgende Fragen auszutauschen: „Was scheint typisch zu sein
für die ambulante Pflege? Was fiel mir besonders auf?“ In der nachfolgenden Abschlussrunde teilt
eine Sprecherin pro Gruppe dem Plenum die wichtigsten Ergebnisse der Gruppendiskussion mit.

• Brainstorming „Unterschiede zwischen ambulanter und stationärer Pflege?!“ (Plenum,


ca. 20 Minuten)
Die Spielleitung lässt die TeilnehmerInnen Aussagen bzw. Vermutungen dazu formulieren, welche
Unterschiede zwischen ambulanter und stationärer Pflege bestehen. Die Aussagen werden schriftlich
(Flipchart, Moderationswand) festgehalten und von der Spielleitung für den zweiten Seminartag
aufbewahrt. Darüber hinaus fordert die Spielleitung die TeilnehmerInnen auf, ihre Aussagen im
ambulanten Einsatz (wenn möglich) zu überprüfen. Sie kündigt an, dass es hierzu am zweiten
Seminartag eine Austauschrunde geben wird.

Autorinnen: C. Kittel-Seifert, A. Wiedermann, N. Zittlau Weitere Materialien finden Sie unter


Herausgeberin: Uta Oelke www.cornelsen.de/herausforderung-pflege
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2014
9
Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Unterrichtseinheit Ausbildungseinsatz „Ambulante Pflege“

3.2 Szenische Arbeit mit Texten zu „ambulanter Pflege“ (ca. 210 Minuten)

• Verteilung der Szenen (Plenum, ca. 10 Minuten)


Die Spielleitung legt vier Blätter, auf denen jeweils der Titel der vier Szenen und die Anzahl der
SpielerInnen erfasst sind, an unterschiedlichen Orten im Raum auf den Boden. Sie geht von einem
Blatt zum nächsten, erläutert kurz die jeweilige Szene und benennt die Anzahl der SpielerInnen:
- Szene 1 „Bei der Dienstbesprechung“: 2 SpielerInnen 3
- Szene 2 „Allein in einer fremden Wohnung“: 2 SpielerInnen
- Szene 3 „Das Brot liegt auf der Straße“: 2 SpielerInnen
- Szene 4 „Eine Angehörige“: 2 SpielerInnen

Die TeilnehmerInnen ordnen sich einer Szene (nicht Rolle!) zu. Anschließend verteilt die Spielleitung
die Szenentexte an die entsprechenden Gruppen (vgl. Materialien 1: Szenentexte) und händigt allen
TeilnehmerInnen die Arbeitsaufträge (vgl. Materialien 2: Arbeitsaufträge) aus. Dann gibt sie noch
folgende Hinweise:
- Es geht nicht darum, gut Theater zu spielen, sondern vielmehr darum, dass alle ihre Rolle so
auslegen und spielen, wie sie es möchten.
- Ebenfalls sind im Unterschied zum Theaterspielen die Texte nicht auswendig zu lernen, sondern
immer vom Papier abzulesen.
- Beim Spiel der Szenen darf nur der geschriebene Originaltext verwendet werden; er darf nicht um
eigene Ausführungen oder Kommentare ergänzt werden.
- Es ist der Geschlechteraspekt zu berücksichtigen: Weibliche Spielerinnen sollten möglichst eine
Frau spielen, männliche Spieler einen Mann. Gegebenenfalls müssen die Szenentexte den
Geschlechtern der SpielerInnen angepasst werden (z. B. wird aus „Frau XY“ „Herr XY“)

• Erste Erarbeitung der Szenen und Einfühlung in die Personen (Gruppen- und
Einzelarbeit, ca. 60 Minuten)
Zunächst lesen die TeilnehmerInnen die Szenen mit verteilten Rollen mehrmals durch. Erst nachdem
jede/r jede Rolle einmal gelesen hat, entscheidet sie/er sich - in Absprache mit den anderen - für die
Rolle, die sie/er spielen möchte. Anschließend beantworten die TeilnehmerInnen gemeinsam die
Gruppenfragen (vgl. Materialien 2: Arbeitsauftrag 2.1). Danach entwickelt jede/r Teilnehmer/in für
ihre/seine Rolle eine Biografie. Die „Fragen zur Entwicklung einer Rollenbiografie“ (vgl. Materialien
2: Arbeitsauftrag 2.2) sollen dabei helfen. Die Fragen sollen in ganzen Sätzen und in der Ich-Form
beantwortet werden. Dabei gibt es allgemeine Fragen, die für alle Rollen gelten, und spezielle Fragen
für die Auszubildenden, die PatientInnen, die Angehörigen und die Pflegedienstleitung. Nachdem
jede/r ihre/seine Rollenbiografie entwickelt hat, baut die Gruppe gemeinsam den Raum auf, in dem die
Szene spielt. Dabei werden das vorhandene Mobiliar und ggf. weitere Utensilien (Tassen, Teller etc.)
genutzt. Wenn allen klar ist, wie der Raum im Einzelnen aussieht, spielen die TeilnehmerInnen ihre
Szene einmal durch.

• Vertiefende Einfühlung in die Personen (Plenum, ca. 20 Minuten)


Um tiefer in die zu spielende Person hinein zu kommen, verkleiden sich die die TeilnehmerInnen. Sie
suchen sich eine für ihre Person passende Kleidung aus. Dabei ist alles erlaubt (Schminken, Hut etc.)
– die Entscheidung treffen allein sie.

3 Ggf. sind es auch mehr SpielerInnen aufgrund „stummer Rollen“.

Autorinnen: C. Kittel-Seifert, A. Wiedermann, N. Zittlau Weitere Materialien finden Sie unter


Herausgeberin: Uta Oelke www.cornelsen.de/herausforderung-pflege
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2014
10
Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Unterrichtseinheit Ausbildungseinsatz „Ambulante Pflege“

Die TeilnehmerInnen werden nun aufgefordert, für ihre Person eine Körperhaltung zu finden. Sie
gehen durch den Raum und erproben verschiedene Möglichkeiten. Die Spielleitung unterstützt sie
dabei mit Fragen wie: „Wie geht eure Person? Wie steht sie? Wie sitzt sie? Welche körperlichen
Besonderheiten hat sie? Was macht sie gerne?“ Anschließend stellen sich die TeilnehmerInnen im
Halbkreis auf und werden nun von der Spielleitung aufgefordert, nacheinander in der Körperhaltung
ihrer Person nach vorne zu gehen, sich mit deren Namen vorzustellen und wieder in den Halbkreis
zurück zu treten.

Als nächstes sollen die TeilnehmerInnen eine Sprechhaltung für ihre Person entwickeln. Dazu suchen
sie sich aus dem Szenentext einen charakteristischen Satz aus, den ihre Person sagt. Die SpielerInnen
mit „stummen Rollen“ wählen stattdessen eine für ihre Person typische Mimik/Gestik. Alle gehen
durch den Raum und intonieren „ihren Satz“ unterschiedlich (laut-leise, hart-melodisch, wütend,
resigniert usw.) bzw. modifizieren ihre Mimik/Gestik. Anschließend werden alle aufgefordert, die
MitspielerInnen, denen sie begegnen, mit „ihrem Satz“ (Mimik/Gestik) anzusprechen bzw. darauf mit
„ihrem Satz“ (Mimik/Gestik) zu antworten. Zum Schluss stellen sich alle SpielerInnen wieder im
Halbkreis auf und werden von der Spielleitung aufgefordert: „Geht jetzt nacheinander nach vorne,
wendet euch den anderen zu und bleibt stehen. Sagt euren Satz bzw. zeigt eure Mimik/Gestik. Dreht
euch dann leicht zur Seite und sagt vor euch hin, was eure Person dabei wirklich denkt.“

Bei Bedarf und je nach Zeit können sich die einzelnen Gruppen anschließend noch einmal in ihren
Raum zurückziehen und ihre Szene erneut durchspielen.

• Spielen und Auswerten der einzelnen Szenen (Plenum, ca. 160 Minuten)
Die Szenen werden prinzipiell in ein und derselben Weise bearbeitet. Lediglich für die Auswertung
der einzelnen Szenen werden unterschiedliche szenische Spielverfahren eingesetzt.

Zunächst baut die Gruppe den Raum auf, in dem ihre Szene spielt. Anschließend lässt sich die
Spielleitung den Raum von einer Person der Szene beschreiben. Zur Raumbeschreibung eignen sich
die Personen, die sich im Raum gut auskennen und/oder eine Hauptrolle im Spiel einnehmen (vgl.
„Raumbeschreibung“ in Oelke/Scheller/Ruwe 2000, S. 45f.). Danach führt die Spielleitung mit jeder
Person vor bzw. zu Beginn der Szene ein Einfühlungsgespräch durch (vgl. „Einfühlungsgespräch“ in
Oelke/Scheller/Ruwe 2000, S. 55).

Dann wird die Szene einmal durchgespielt. Anschließend wird sie ein zweites Mal gespielt, wobei
BeobachterInnen und Spielleitung die Möglichkeit haben, das Spiel durch „Stopprufe“ zu
unterbrechen und die SpielerInnen zu fragen, was sie gerade denken. Ist der Gedanke geäußert, wird
weitergespielt. Am Ende der Szene bleiben die SpielerInnen an dem Ort, an dem sie sich gerade
befinden, und werden von der Spielleitung im Erlebnisgespräch nacheinander gefragt, was eben
passiert ist, wie es ihnen geht usw. (vgl. „Erlebnisgespräch“ in Oelke/Scheller/Ruwe 2000, S. 55).

Autorinnen: C. Kittel-Seifert, A. Wiedermann, N. Zittlau Weitere Materialien finden Sie unter


Herausgeberin: Uta Oelke www.cornelsen.de/herausforderung-pflege
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2014
11
Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Unterrichtseinheit Ausbildungseinsatz „Ambulante Pflege“

Die Auswertung der Szenen, die wir in der Reihenfolge ihrer Nummerierung gespielt haben, haben wir
wie folgt vorgenommen:
- Szene 1 „Bei der Dienstbesprechung“: Die BeobachterInnen treten hinter „die/den
Auszubildende/n“ und sagen in einem Satz, was „die/der Auszubildende“ gerade denkt. Die
Spielleitung ruft diese von den BeobachterInnen geäußerten Sätze anschließend nacheinander ab.
Dann bekommt die/der Auszubildenden-Spieler/in die Aufgabe, zu entscheiden, wie nah oder
fern ihr/ihm die geäußerten Gedanken sind. Die BeobachterInnen positionieren sich entsprechend
nah bzw. fern zur/zum Spieler/in. Abschließend ruft die Spielleitung die Sätze nochmals aus der
von der/dem Spieler/in bestimmten Nähe bzw. Distanz ab und fragt die/den Spieler/in, ob ihr/ihm
noch ein Gedanke fehlt (vgl. „Stimmenskulptur“ in Oelke/Scheller/Ruwe 2000, S. 83).

- Szene 2 „Allein in einer fremden Wohnung“: Die Auswertung erfolgt in kleinen Murmelgruppen
(3-4 Personen) zu der Fragestellung: „Was habt ihr wahrgenommen? Was war schwierig und
warum?“ In einer abschließenden Plenumsrunde äußert sich jede Gruppe dazu, was sie
herausgearbeitet bzw. diskutiert hat.

- Szene 3 „Das Brot liegt auf der Straße“: Die Auswertung erfolgt prinzipiell so wie bei Szene 1,
nur dass dieses Mal sowohl für „die/den Auszubildende/n“ wie auch für „die/den
Pflegebedürftigen“ eine Stimmenskulptur entwickelt wird.

- Szene 4 „Eine Angehörige“: Hier ist es zunächst einmal wichtig, dass die Spielleitung „die/den
Angehörigen“ im Erlebnisgespräch genau befragt, warum sie sich so verhalten hat. 4 Anschließend
werden (wie bei Szene 2) Murmelgruppen gebildet, die sich 5 bis 10 Minuten zu folgender
Fragestellung austauschen: „Kennt ihr solche Angehörigen bzw. Situationen? Wie könnte man als
Auszubildende/r damit umgehen?“. In der anschließenden Plenumsrunde äußert sich jede Gruppe
dazu, was sie herausgefunden hat.
Hinweis: Hier kann noch eine weitere Sequenz angeschlossen werden, in der die Ideen, wie man
sich in einer solchen Situation verhalten könnte, im Spiel erprobt und auf ihre Wirkung bzw.
Wirksamkeit hin untersucht werden. Dabei ist zu bedenken, dass eine solche Sequenz ca. 45
Minuten dauert.

Die Auswertung einer jeden Szene schließt mit einer Feedback-Runde ab. Hier können bislang noch
nicht geäußerte Gedanken und Beobachtungen artikuliert und ggf. diskutiert werden. Vor allem aber
erhalten die SpielerInnen die Gelegenheit, sich über ihr Befinden nach dem Spiel der Szene zu äußern
und ihre Rolle „abzulegen“.

3.3 Abschluss (Plenum, ca. 20 Minuten)

Nachdem alle Szenen gespielt und ausgewertet wurden, folgt ein kurzer Abschluss des Seminartages
im Stuhlkreis. Die Spielleitung fordert die TeilnehmerInnen nacheinander auf, ihre Kleidung bzw. ein
Kleidungsstück in die Mitte des Stuhlkreises auf den Boden „abzuwerfen“. Beim Ablegen der
Kleidung soll jede/r Teilnehmer/in sagen, was sie/er „hier“ lässt und was sie/er mitnimmt. Die
Spielleitung kann für diese Runde auch eine Kiste mit kleinen Steinen vorbereiten, aus der sich jede/r
einen Stein aussucht, den sie/er behält. Der Stein steht symbolisch für das, was man mitnimmt. Die
Spielleitung gibt der Gruppe zum Abschluss ein Feedback, äußert sich über die Eindrücke, die sie an
diesem Tag gewonnen hat, und gibt einen kurzen Ausblick auf den noch folgenden zweiten
Seminartag.

4 Genaueres über die Motive/Hintergründe des Verhaltens der Angehörigen zu erfahren, ist wichtig, um bei den

TeilnehmerInnen nicht indirekt Vorurteile gegenüber „schwierigen Angehörigen“ aufzubauen bzw. zu verstärken. Es ist auch
wichtig, um Ideen zu der Frage, wie man mit einer solchen Situation umgehen könnte, kontextbezogen zu entwickeln.

Autorinnen: C. Kittel-Seifert, A. Wiedermann, N. Zittlau Weitere Materialien finden Sie unter


Herausgeberin: Uta Oelke www.cornelsen.de/herausforderung-pflege
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2014
12
Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Unterrichtseinheit Ausbildungseinsatz „Ambulante Pflege“

4 Der zweite Seminartag (8 Unterrichtsstunden)

4.1 Einstieg und Themenannäherung (ca. 90 Minuten)

• Begrüßung und Überblick über die Lerneinheit (Plenum, ca. 10 Minuten)


Die TeilnehmerInnen sitzen im Stuhlkreis und werden von der Spielleitung begrüßt. Sie erinnert
einführend an die besonderen organisatorischen Gegebenheiten (Pausenregelung, „Arbeits-Du“), die
bereits am ersten Seminartag besprochen wurden. Anschließend informiert sie über den Aufbau und
die Zielsetzung des zweiten Seminartages. Eventuell lädt sie noch zu einer kurzen Rückschau auf die
Themen des ersten Seminartages ein (insbesondere dann, wenn dieser lange zurück liegt).

• Gern/ungern ausgeübte Tätigkeiten in der ambulanten Pflege zeigen und reflektieren


(Plenum, ca. 35 Minuten)
Die Spielleitung gibt folgende Aufforderung:
„Bitte demonstriert eine Tätigkeit, die ihr während eures Einsatzes in der ambulanten Pflege gern oder
ungern getan habt. Eine beginnt, zeigt ihre Haltung und sagt ihren Vornamen. Die Nächste wiederholt
Namen und Tätigkeit der Vorgängerin und zeigt/nennt ihre Tätigkeit/Namen. Die darauf Folgende
wiederholt Namen und Tätigkeit beider Vorgängerinnen, nennt ihren namen und zeigt ihre Tätigkeit.
So geht es weiter, bis jede dran war. Als Spielleiterin bin ich die letzte. Im Anschluss erfolgt eine
kurze Gesprächsrunde über die gezeigten Tätigkeiten. Dabei erklärt ihr in wenigen Sätzen, warum ihr
sie gern oder ungern gemacht habt.“

Hinweis: Bei großen Kursen dauert die Runde relativ lange und erfordert von den TeilnehmerInnen
Konzentration. Rückblickend sagen die SchülerInnen jedoch, dass ihnen diese Übung viel Spaß
bereitet hat und sie oft einen neuen Blick auf ihre MitschülerInnen bekommen haben. Bei kleineren
Gruppen bzw. genügend Zeit ist es sinnvoll, abschließend noch einmal gemeinsam
zusammenzufassen, durch welche Merkmale sich die gerne und die ungerne ausgeführten
Pflegetätigkeiten auszeichnen.

• Haltungen Pflegebedürftiger, Angehöriger und Pflegender in der ambulanten Pflege


erkunden (Plenum, ca. 45 Minuten)
Die Spielleitung führt in die nachfolgende Übung wie folgt ein:
„Bitte tut euch zu zweit zusammen. Eine ist die Bildhauerin, die andere das Modelliermaterial. Die
Bildhauerin beginnt nun, das Material ohne Worte zu formen, indem sie die Körperteile der Partnerin
in eine von ihr gewünschte Position bringt. Ist die Haltung erarbeitet, gibt sie der Person noch eine
Mimik. Das macht sie, indem sie den gewünschten Gesichtsausdruck selbst demonstriert und ihn die
Partnerin solange imitieren lässt, bis die Bildhauerin damit zufrieden ist. Die modellierten Personen
verharren dann erstarrt in ihrer Position, die Bildhauerinnen verlassen die Spielfläche und schauen sich
den Skulpturengarten an.“

Die Spielleitung kann die Übung mit einer Teilnehmerin am Beispiel „Typische Haltung von
Lehrerinnen“ demonstrieren. Danach erteilt sie den ersten Arbeitsauftrag:
„Bitte bringt euer Gegenüber in die typische Haltung einer pflegebedürftigen Person, so wie ihr sie in
der ambulanten Pflege erlebt habt.“

Autorinnen: C. Kittel-Seifert, A. Wiedermann, N. Zittlau Weitere Materialien finden Sie unter


Herausgeberin: Uta Oelke www.cornelsen.de/herausforderung-pflege
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2014
13
Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Unterrichtseinheit Ausbildungseinsatz „Ambulante Pflege“

Nachdem die „pflegebedürftigen Personen“ geformt worden sind, gehen die BildhauerInnen durch den
Skulpturengarten und schauen ihn sich an. Anschließend findet ein Rollentausch statt: die
BildhauerInnen sind nun Modelliermaterial und umgekehrt. Es folgt eine kurze Auswertungsrunde im
Stehen zu der Fragestellung: „Was ist typisch bzw. besonders auffällig an der Haltung der
pflegebedürftigen Menschen? Was kommt eher häufig, was selten vor? Wie ist es euch in der Haltung
als pflegebedürftige Person ergangen?“

Nach dem gleichen Muster werden zwei weitere Aufgabenstellungen bearbeitet:


1. „Gebt eurem Gegenüber die typische Haltung einer Angehörigen, die ihr in der ambulanten
Pflege erlebt habt.“
2. „Gebt eurem Gegenüber die typische Haltung einer Pflegenden im ambulanten Dienst.“

Sind die drei Aufgabenstellungen bearbeitet, folgt eine nächste Spielsequenz: Die Spielleitung drittelt
die Gruppe. Die Gruppen stehen sich im Dreieck gegenüber. Eine Gruppe nimmt die Haltung der
„Pflegebedürftigen“ ein, in die sie modelliert wurden, die zweite Gruppe die Haltung der
„Angehörigen“ und die dritte Gruppe die Haltung der „Pflegenden“. Die Spielleitung erläutert:
„Ich gehe gleich von Person zu Person und tippe euch einzeln an. Sagt dann bitte aus der Rolle heraus,
was eure Person gerade sagt oder denkt. Sprecht dabei in der Stimmlage, in der eure Person denkt
bzw. spricht. Und sagt den Satz aus dem Bauch heraus – ohne groß darüber nachzudenken. Merkt
euch euren Satz. Zum Schluss stelle ich mich in die Mitte und zeige auf euch. Ihr wiederholt dann
euren Satz.“ Die Spielleitung geht entsprechend ihrer Erläuterung vor, und die Sequenz endet mit dem
von ihr dirigierten „Stimmenchor“.

4.2 Das Typische der ambulanten Pflege erkunden und sich dazu in Beziehung setzen (ca. 125
Minuten)

• Der ambulanten Pflege ein Denkmal bauen (Plenum, ca. 45 Minuten)


Die Spielleitung erklärt das Ziel und das Vorgehen bei der nun folgenden Denkmalarbeit:
„Eine Teilnehmerin beginnt und baut ein Denkmal zum Thema ‚Typisch ambulante Pflege‘ nach ihren
Vorstellungen. Dabei gibt sie den von ihr ausgewählten Personen eine Haltung, Mimik und Gestik. Sie
darf hierbei leise Anweisungen geben. Haltungen, Mimik und Gestik werden relativ grob geformt,
während ein besonderes Augenmerk auf Oben/Unten, Nähe/Distanz, Zuwendung/Abwendung der
Figuren liegt. Ist die Teilnehmerin fertig, erläutert sie, was sie sich bei ihrem Denkmal gedacht hat.
Dann baut ihr alle am Denkmal weiter: Wer eine Idee hat, fügt etwas hinzu, baut etwas weg, verändert
hier die Körperhaltung, dort die Mimik usw. Ihr führt also eine Diskussion mit Körpern. Das Denkmal
ist dann fertig, wenn alle von euch damit einverstanden sind – zumindest halbwegs. Bis auf eine
Person können alle von euch verbaut werden.“

Es folgt der Prozess des Denkmal-Bauens. Währenddessen muss die Spielleitung ggf. mehrmals
darauf hinweisen, dass „Reden allein nicht gilt“, sondern dass jeder neue Gedanke ein
Veränderungsvorschlag ist, der erst im Denkmal umgesetzt und danach mit Worten erklärt wird.
Sollten die TeilnehmerInnen dazu tendieren, ein „Wunschdenkmal“ zu entwickeln (was oft
vorkommt), ist es Aufgabe der Spielleitung, an die ursprüngliche Aufgabenstellung zu erinnern und zu
fragen: „Ist das (Denkmal) typisch ambulante Pflege?“ Dabei legt sie die Betonung auf „typisch“.

Autorinnen: C. Kittel-Seifert, A. Wiedermann, N. Zittlau Weitere Materialien finden Sie unter


Herausgeberin: Uta Oelke www.cornelsen.de/herausforderung-pflege
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2014
14
Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Unterrichtseinheit Ausbildungseinsatz „Ambulante Pflege“

Hinweis: Prinzipiell gilt, dass immer nur eine Person am Denkmal baut – nach ihren eigenen
Vorstellungen. Unserer Erfahrung nach neigen die SchülerInnen jedoch dazu, zu mehreren gemeinsam
zu bauen. Das lassen wir besonders bei großen Kursen auch zu, da der Prozess bei z. B. 27
SchülerInnen wirklich sehr lange dauern kann. Wichtig ist uns dabei, dass jede Teilnehmerin die
Chance hat, etwas zu verändern und nicht durch ein zu großes Durcheinander oder durch sehr
extrovertierte SchülerInnen übergangen wird.

• Die eigene Haltung zur ambulanten Pflege erkunden (Plenum, ca. 60 Minuten)
Nach einer (kurzen) Pause wird das Denkmal erneut aufgebaut. Die TeilnehmerInnen sollen sich nun
in Beziehung zu ihm setzen. Dabei werden zuerst die „nichtverbauten“ TeilnehmerInnen aufgefordert,
sich innerhalb des Raumes (auch innerhalb des Denkmals) einen Ort auszusuchen und eine Haltung
einzunehmen, die ihre Position zur „ambulanten Pflege“ zum Ausdruck bringen. Haben die
SpielerInnen ihren Ort und ihre Haltung gefunden, tritt die Spielleitung hinter jede einzelne und stellt
ihr Fragen, wie beispielsweise: „Warum stehst du hier? Warum in dieser Haltung? Was siehst du? Wie
stehst du (sicher/unsicher)? Ist deine Haltung unbequem/bequem, anstrengend/nicht anstrengend?
Hältst du es hier lange aus? Wie geht es dir hier?“ Nacheinander werden die TeilnehmerInnen im
Denkmal ausgetauscht, so dass zum Schluss jede ihre Position bestimmt hat.

Danach kann (muss jedoch nicht) sich eine Abschlussrunde anschließen, in der sich die
TeilnehmerInnen frei zu ihren eben gewonnenen Eindrücken äußern. Dabei haben wir die Erfahrung
gemacht, dass den SchülerInnen eine sofortige Rückmeldung oft schwer fällt, weil sich ihre Eindrücke
erst einmal „setzen“ müssen.

Hinweise:
- Optimal ist es, wenn die Positionsbestimmung in „Runden“ à jeweils 3 bis 4 Personen erfolgt.
Bestimmen mehr Personen auf einmal ihre Position, kann es zu einem Durcheinander kommen
und der Charakter des Denkmals verzerrt werden.
- Bei großen Kursen bzw. mangelnden Zeitressourcen kann die Befragung durch die Spielleitung
auf ein bis zwei Fragen („Warum stehst du hier? Warum in dieser Haltung?“) reduziert und damit
deutlich verkürzt werden.
- Eine Alternative zur eben beschriebenen – in großen Kursen jedoch sehr langwierigen und
strapaziösen Positionsbestimmung – ist, jede Teilnehmerin für sich ihre Position zum Denkmal
schriftlich reflektieren zu lassen. Diese Selbstreflexion regt die Spielleitung durch einen kurzen
(schriftlichen) Arbeitsauftrag an, beispielsweise:
-
Arbeitsauftrag zur Selbstreflexion
1. Wenn es dir hilft, kannst du das Denkmal auf einem Blatt Papier skizzieren und deine Position
dazu aufzeichnen.
2. Bitte beantworte folgende Fragen schriftlich: Wo siehst du dich in eurem Denkmal? Wie
positioniert du dich und warum? Worauf blickst du direkt, was siehst du nicht oder nur
undeutlich? Welchem Denkmalelement bist du nahe, welches ist weit entfernt von dir? Welche
Denkmalelemente stören dich, sind dir unangenehm; welche gefallen dir, sind dir angenehm?
3. Bitte ziehe dein persönliches Fazit: Charakteristisch für meine Haltung zur ambulanten Pflege
ist ….

Je nach Zeit können nach der schriftlichen Selbstreflexion noch Murmelgruppen à 3 bis 4
Personen gebildet werden, in denen die Möglichkeit zum gemeinsamen Austausch besteht.

Autorinnen: C. Kittel-Seifert, A. Wiedermann, N. Zittlau Weitere Materialien finden Sie unter


Herausgeberin: Uta Oelke www.cornelsen.de/herausforderung-pflege
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2014
15
Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Unterrichtseinheit Ausbildungseinsatz „Ambulante Pflege“

• Unterschiede zwischen ambulanter und stationärer Pflege reflektieren (Plenum, ca. 20


Minuten)
Die Spielleitung erinnert an das Brainstorming des ersten Seminartages, bei dem die SchülerInnen
Vermutungen zu den Unterschieden zwischen ambulanter und stationärer Pflege geäußert haben (vgl.
oben, Kapitel 3.1) gemacht haben. Sie hat die Moderationskartenkarten des ersten Tages mitgebracht,
pinnt sie an der Moderationswand an und fordert die SchülerInnen auf: „Lest euch bitte jetzt noch
einmal eure Aussagen vom ersten Seminartag durch. Welche Hypothesen könnt ihr aus heutiger Sicht
bestätigen? Welche davon sind zum Teil richtig? Welche würdet ihr aus eurer jetzigen Erfahrung
anders formulieren? Bezieht dabei auch die vorangegangene Denkmalarbeit mit ein.“ Die
SchülerInnen besprechen die Fragen erneut in Murmelgruppen und stellen ihre Ergebnisse
anschließend im Plenum vor. Wenn Zeit ist, können die Ergebnisse auch noch visualisiert werden.

4.3 Bearbeitung nachhaltig erinnerter Situationen im ambulanten Pflegeeinsatz (ca. 135


Minuten)

• Sammeln und Auswählen selbst erlebter Situationen (Gruppenarbeit, ca. 15 Minuten)


Die Spielleiterin teilt den Kurs in zwei Gruppen. Aufgabe in den Gruppen ist es, dass jede/r über eine
konkrete, selbst erlebte Situation aus ihrem/seinem Einsatz in der ambulanten Pflege berichtet, die
ihr/ihm nachhaltig in Erinnerung geblieben ist bzw. die sie/er als schwierig empfand. Zum Schluss
bestimmt jede Gruppe eine Szene, die anschließend im Plenum bearbeitet werden soll. Die
Spielleitung weist die Gruppen vorher darauf hin, dass sie die Szene anhand folgender Fragen
auswählen sollten: „Welche Situation findet ihr besonders interessant? Welche ist eurer Erfahrung
nach exemplarisch für die ambulante Pflege? Welche Situation möchtet ihr euch mal genauer ansehen
und schauen, was genau dort passiert ist?“

Hinweis: Je nach Zeit können auch drei Gruppen gebildet und dementsprechend drei Szenen bearbeitet
werden (mehr jedoch nicht, weil es zu anstrengend wird!). Eine Möglichkeit und für die SchülerInnen
häufig eine positive Erfahrung ist auch, wenn keine Gruppen gebildet werden, sondern alle Situationen
im Plenum vorgetragen werden. Dabei erfahren dann alle SchülerInnen und auch die Spielleitung, was
die einzelnen im ambulanten Einsatz erlebt haben. Die dadurch entstehende Solidarität und das
Gefühl, dass „es allen so geht“, können bereits entlastend wirken. Wird diese Möglichkeit gewählt,
sollte die Spielleitung die Szenen kurz mitschreiben, ihnen einen Kurztitel geben und sie nach
Mehrheitsabstimmung auswählen lassen (vgl. Oelke/Scheller/Ruwe 2000, S. 113, S. 210f.).

• Szenische Bearbeitung der ausgewählten Situationen (Plenum, ca. 60 Minuten pro


Szene/Gruppe)
Die/der jeweilige Protagonist/in (= Einbringer/in der Szene) stellt dann ihre/seine Szene kurz im
Plenum vor. Anschließend wird die Szene unter Anleitung der Spielleitung im Plenum bearbeitet und
interpretiert. Die Bearbeitung kann in Form eines situationsbezogenen Standbildes - auch
Protagonistenstandbild genannt - (vgl. Oelke/Ruwe 2007, S. 769f.; vgl. auch Oelke/Scheller/Ruwe
2000, S. 64ff., S.114ff.) oder als szenische Rekonstruktion (vgl. Oelke/ Scheller/ Ruwe 2000, 116ff., S.
212 ff.) erfolgen. Welches Verfahren eingesetzt wird, hängt davon ab, wie die Szene angelegt ist:
Eignet sie sich vorrangig zur Problemanalyse, wird sie eher als situationsbezogenes Standbild
bearbeitet. Szenisch rekonstruiert wird sie hingegen eher dann, wenn Handlungsalternativen erprobt
werden können/sollen. Das setzt voraus, dass die Protagonistin nicht weiß bzw. wusste, wie sie sich in
der Situation verhalten sollte, oder dass sie mit ihrem Verhalten unzufrieden ist/war.

Autorinnen: C. Kittel-Seifert, A. Wiedermann, N. Zittlau Weitere Materialien finden Sie unter


Herausgeberin: Uta Oelke www.cornelsen.de/herausforderung-pflege
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2014
16
Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Unterrichtseinheit Ausbildungseinsatz „Ambulante Pflege“

4.4 Abschluss (Plenum, ca. 10 Minuten)

Zum Seminarabschluss ziehen die TeilnehmerInnen in Form eines Blitzlichts ihr Fazit, indem sie
folgenden Satz ergänzen:
„Meine wichtigste Erkenntnis über die Arbeit in der ambulanten Pflege ist …“

Literatur
BpB (Bundeszentrale für politische Bildung), Statistisches Bundesamt (Destatis) (Hrsg.) (2011):
Datenreport 2011. Ein Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland. Bonn.
Büssing, A.; Giesenbauer, B.; Glaser, J.; Höge, T. (2001): Ambulante Pflege: Arbeitsorganisation,
Anforderungen und Belastungen. Eine Pilotstudie mit Erfahrungsberichten. Schriftenreihe der
Bundesanstalt für Arbeit und Arbeitsmedizin. Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW.
Gröning, Katharina (2001): Entweihung und Scham. Grenzsituationen in der Pflege alter Menschen. 3.
Auflage. Frankfurt am Main: Mabuse Verlag.
Herrmann, B. (2004): Solo für Pflege - ein Erfahrungsbericht aus der ambulanten Hauskrankenpflege.
In: Henze, K. H., Piechotta, G. (Hrsg.): Brennpunkt Pflege- Beschreibung und Analyse von
Belastungen des pflegerischen Alltags. Frankfurt: Mabuse Verlag, S. 145-153.
Lee, F.; Lehrer, V. u. a. (2013): Fit für die ambulante Pflege? Handlungskompetenzen von
Berufseinsteigern aus der Sicht von Praxisanleitungen. In: Zeitschrift Padua, Heft 8/2013, S.75-
80.
Medizinischer Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen e.V. (MDS) (Hrsg.) (2005): Grundlagen
der MDK- Qualitätsprüfungen in der ambulanten Pflege. Richtlinien/Erhebungsbogen/MDK-
Anleitungen. Essen: Assmuth-Druck.
Oelke U., Menke, M. (2005): Gemeinsame Pflegeausbildung. Modellversuch und Curriculum für die
theoretische Ausbildung in der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege. Bern, Göttingen,
Toronto, Seattle: Huber Verlag.
Oelke U., Ruwe, G. (2007): Reflexion der Berufsbiografie. Konzept und Themen einer szenisch
gestalteten Lerneinheit. In: PrInternet, Heft 12/2007, S. 767-772.
Oelke, U., Scheller, I., Ruwe, G. (2000): Tabuthemen als Gegenstand szenischen Lernens in der
Pflege. Theorie und Praxis eines neuen pflegedidaktischen Ansatzes. Bern, Göttingen, Toronto,
Seattle: Huber Verlag.
Pfaff, H. (2013): Pflege im Rahmen der Pflegversicherung. Deutschlandergebnisse. In: Statistisches
Bundesamt (Hrsg.): Pflegestatistik 2011. Wiesbaden. Destatis. Online verfügbar unter:
www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Gesundheit/Pflege/PflegeDeutschlandergebnisse5
224001119004.pdf?__blob=publicationFile (Abruf: 7. 8. 2013)
Schmidt-Richter, R. (2012): Heidelberger Curriculum. Pflege generalistisch ausbilden. Stuttgart, New
York: Thieme Verlag.
Simon, M. (2012): Beschäftigte und Beschäftigungsstrukturen in Pflegeberufen. Eine Analyse der
Jahre 1999 bis 2009. Studie für den Deutschen Pflegerat. Online verfügbar unter:
www.deutscher-
pflegerat.de/dpr.nsf/E81BDA151130EDFEC125796C003DEB66/$File/DPR_Prof.%20Simon_Be
sch%C3%A4ftigte%20und%20Besch%C3%A4ftigungsstrukturen%20in%20Pflegeberufen_Eine
%20Analyse%20der%20Jahre%201999%20-%202009_120118.pdf (Abruf: 7. 8. 2013)

Autorinnen: C. Kittel-Seifert, A. Wiedermann, N. Zittlau Weitere Materialien finden Sie unter


Herausgeberin: Uta Oelke www.cornelsen.de/herausforderung-pflege
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2014
17
Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Unterrichtseinheit Ausbildungseinsatz „Ambulante Pflege“

Gesetze, Verordnungen
Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für den Beruf der Altenpflegerin und des Altenpflegers
(AltPflAPrV) vom 26. November 2002. (Bundesgesetzesblatt Jahrgang 2002, Teil I Nr. 81,
ausgegeben zu Bonn am 29. November 2002)
Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Berufe in der Krankenpflege (KrPflAPrV) vom 10.
November 2003. (Bundesgesetzesblatt Jahrgang 2003, Teil I Nr. 55, ausgegeben zu Bonn am 19.
November 2003).
Gesetz über die Berufe in der Altenpflege (Altenpflegegesetz– AltPflG) vom 4. Sep-tember 2003.
(Bundesgesetzesblatt Jahrgang 2003, Teil I Nr. 44, ausgegeben zu Bonn am 4. September 2003).
Gesetz über die Berufe in der Krankenpflege und zur Änderung anderer Gesetze
(Krankenpflegegesetz– KrPflG) vom 16. Juli 2003. (Bundesgesetzesblatt Jahrgang 2003, Teil I
Nr. 36, ausgegeben zu Bonn am 21. Juli 2003)
Sozialgesetzbuch (SGB), Fünftes Buch (V): Gesetzliche Krankenversicherung (Artikel 1 des Gesetzes
vom 20. Dezember 1988, BGBl. I S. 2477, 2482), zuletzt geändert durch Artikel 1 des Gesetzes
vom 15. Juli 2013 (BGBl. I S. 2423). Online verfügbar unter: http://www.gesetze-im-
internet.de/bundesrecht/sgb_5/gesamt.pdf (Abruf: 12. 8. 2013)
Sozialgesetzbuch (SGB), Elftes Buch (XI): Soziale Pflegeversicherung (Artikel 1 des Gesetzes vom
26. Mai 1994, BGBl. I S. 1014, 1015), zuletzt geändert durch Artikel 2a des Gesetzes vom 15.
Juli 2013 (BGBl. I S. 2423). Online verfügbar unter: http://www.gesetze-im-
internet.de/bundesrecht/sgb_11/gesamt.pdf (Abruf: 12. 8. 2013)

Kontaktadressen:

Claudia Kittel-Seifert
Steinbreite 9 a
31688 Nienstädt
c_kis@kittel-seifert.de

Anja Wiedermann
Marthastr. 20
30519 Hannover
a.wiedermann@web.de

Nicole Zittlau
Medizinische Hochschule Hannover
Bildungsakademie Pflege
Schule für Kranken- und Kinderkrankenpflege
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover
Zittlau.Nicole@mh-hannover.de

Autorinnen: C. Kittel-Seifert, A. Wiedermann, N. Zittlau Weitere Materialien finden Sie unter


Herausgeberin: Uta Oelke www.cornelsen.de/herausforderung-pflege
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2014
18
Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Unterrichtseinheit Ausbildungseinsatz „Ambulante Pflege“

Materialien 1: Szenentexte

Szene 1: „Bei der Dienstbesprechung“


2 Personen: 1 Auszubildende/r, 1 Pflegedienstleitung

Pflegedienstleitung (PDL) und Auszubildende/r (Azubi) stehen im Dienstzimmer des


ambulanten Pflegedienstes. Die Dienstbesprechung ist vorbei, und die PDL spricht mit
der/dem Auszubildenden:

PDL: Na, wie fühlst du dich nach den ersten Tagen?

Azubi (müde): Eigentlich fühle ich mich total überfordert hier…

PDL: Was überfordert dich denn so?

Azubi: Die vielen Konflikte, die Wünsche der Patienten, ähh Kunden, die
Angehörigen, die vielen verschiedenen Wohnungen…

PDL: Ja, ja, die ambulante Pflege ist ganz schön anspruchsvoll!! Hier bei uns
lernst Du die richtige, selbstständige Pflege!

Azubi: Aber…

PDL (unterbricht lachend): … und damit du heute mal so richtig Verantwortung und
Selbstständigkeit üben kannst, fährst du heute alleine zu Frau Laurenz.

Azubi (erschrocken): Die kenne ich noch gar nicht…

PDL: Nicht schlimm, eine alte Dame, der du bei der Körperpflege helfen kannst,
Medikamente reichen und das Abendessen zubereiten… Aber sei
pünktlich!!

Azubi: Aber...

PDL: Du schaffst das schon, und wenn‘s gar nicht klappt, kannst du mich ja
anrufen, ich bin zuhause…

Autorinnen: C. Kittel-Seifert, A. Wiedermann, N. Zittlau Weitere Materialien finden Sie unter


Herausgeberin: Uta Oelke www.cornelsen.de/herausforderung-pflege
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2014
19
Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Unterrichtseinheit Ausbildungseinsatz „Ambulante Pflege“

Szene 2: „Allein in einer fremden Wohnung“5


2 Personen: 1 Auszubildende/r und 1 Pflegebedürftige/r

Die/der Auszubildende steht vor der Tür von Frau Zabel. Sie/er ist zu spät, weil sie/er die
Wohnung nicht gefunden hat. Azubi klingelt, keine Reaktion. Azubi klingelt nochmals, keine
Reaktion. Azubi klopft, erst leise, dann heftiger - keine Reaktion.

Azubi (vorsichtig): Hallo, Frau Zabel, ich komme vom Pflegedienst!

Keine Reaktion.

Azubi (nun laut): Frau Zabel, ich komme vom Pflegedienst und will sie versorgen!!!

Die Tür springt auf. Sie lässt sich schwer öffnen. Frau Zabel liegt komplett angezogen im Bett
und scheint zu schlafen. Es riecht nach Urin.

Azubi (leise zu sich): Oh nein. Wie soll ich das allein schaffen? (dann lauter) Frau Zabel,
aufwachen! Ich bin da, um Ihnen bei der Körperpflege zu helfen und
Ihnen Abendessen zu machen.

Frau Zabel: Lassen Sie mich in Ruhe! Wer sind sie eigentlich?

Azubi: Ich komme vom Pflegedienst und möchte Ihnen heut´ Abend ein
bisschen helfen!

Frau Zabel: Ich mag aber nicht! Ich kenne Sie nicht!

Azubi: Bitte Frau Zabel gehen Sie doch ins Bad!

Frau Zabel: Warum muss ich ins Bad gehen? Ich muss doch gar nicht auf
Toilette!

Azubi: Aber sie müssen sich doch etwas anderes für die Nacht anziehen!

Frau Zabel: Ich mag aber nicht! Und ich kenne Sie auch gar nicht!

Azubi: Bitte Frau Zabel, gehen Sie doch ins Bad und ziehen Sie sich um! Ich
mach ihnen schon mal das Abendessen…

Frau Zabel geht ins Badezimmer. Azubi stellt das Abendbrot zusammen und richtet das Bett.

5 Die Szene basiert auf ausgewählten Passagen des Erfahrungsberichts von Herrmann (2004, S. 146ff.)

Autorinnen: C. Kittel-Seifert, A. Wiedermann, N. Zittlau Weitere Materialien finden Sie unter


Herausgeberin: Uta Oelke www.cornelsen.de/herausforderung-pflege
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2014
20
Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Unterrichtseinheit Ausbildungseinsatz „Ambulante Pflege“

Szene 3: „Das Brot liegt auf der Straße“ 6


2 Personen: 1 Auszubildende/r und 1 Pflegebedürftige/r

Die/der Auszubildende ist bei Frau Merz und will ihr das Abendbrot fertig machen. Frau
Merz hatte jedoch unter sich gemacht, und nun muss die/der Auszubildende noch das Bett
beziehen und sie versorgen. Sie/er sucht in den fremden Schränken nach frischer Bettwäsche.
Gerade, als die/der Auszubildende sie gefunden hat, meldet sich Frau Merz.

Frau Merz (verärgert): Wer sind Sie? Was wollen Sie hier?

Azubi: Frau Merz, ich komme vom Pflegedienst. Ich hab Ihr Bett frisch bezogen, das
war nass. Außerdem habe ich mich um Ihr Abendessen gekümmert!

Frau Merz rennt in die Küche und inspiziert den Kühlschrank.

Frau Merz (leise, dann lauter werdend): Vergiftet, alles vergiftet…

Azubi: Nein, Frau Merz, ich habe Ihnen doch nur IHR Essen zubereitet…

Frau Merz: Sie wollen mich doch alle nur vergiften! Ja, vergiften! Und die da… diese
Tabletten da…, die nehme ich nicht!

Azubi: Frau Merz, wollen Sie sich nicht wenigstens waschen und umziehen….

Frau Merz: Hauen Sie ab!!!

Azubi: Frau Merz, es tut mir wirklich leid, wenn ich Ihnen Unannehmlichkeiten
gemacht habe….

Frau Merz: Hauen Sie ab!

Azubi: Ich gehe sofort, wenn Sie sich gewaschen und umgezogen haben.

Frau Merz geht ins Bad und kommt wieder und schiebt die/den Azubi in Richtung Tür.

Frau Merz: Nun hauen Sie endlich ab!

Frau Merz wirft die Tür knallend ins Schloss. Die/der Auszubildende geht zu ihrem/seinem
Auto. Auf dem Weg dorthin sieht sie/er, wie Frau Merz ihr Abendbrot samt Teller aus dem
Fenster wirft.

6 Die Szene basiert auf ausgewählten Passagen des Erfahrungsberichts von Herrmann (2004, S. 146ff.)

Autorinnen: C. Kittel-Seifert, A. Wiedermann, N. Zittlau Weitere Materialien finden Sie unter


Herausgeberin: Uta Oelke www.cornelsen.de/herausforderung-pflege
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2014
21
Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Unterrichtseinheit Ausbildungseinsatz „Ambulante Pflege“

Szene 4: „Eine Angehörige“


2 Personen: 1 Auszubildende/r und 1 Angehörige

Die/der Auszubildende kommt gerade aus einer Wohnung, in der sie/er die pflegebedürftige Frau
Halser betreut hat. Am Auto kommt dem/der Auszubildenden eine Frau entgegen und spricht sie/ihn
an.

Frau: Hallo Sie da! Sind Sie vom Pflegedienst?

Azubi: Ja!

Frau: Waren Sie eben bei meiner Mutter Frau Halser?

Azubi (verunsichert): Ja, warum?

Frau: Wieso denn jetzt erst? Sie sind doch viel zu spät dran…

Azubi: Na ja, ich habe die Straße nicht so schnell gefunden und die vorherige Patientin
wollte, dass…

Frau (verärgert): Wie stellen Sie sich das eigentlich vor?

Azubi: Ich …

Frau: Was haben Sie mit meiner Mutter gemacht??

Azubi: Die Frau Halser, die wollte nicht essen…

Frau (unterbricht): Hören Sie mal, junge Frau! Ich bezahle viel Geld dafür, dass meine
Mutter ordentlich von Ihnen versorgt wird! Da werben Sie mit
verständnisvoller und professioneller Pflege, und Sie bekommen es noch
nicht einmal hin, dass meine Mutter ordentlich isst und ihre Medikamente
bekommt?

Azubi: Aber…, aber ich kann sie doch nicht zwingen, und außerdem bin ich heute das erste
Mal hier…

Frau: Das kann ja wohl nicht wahr sein. Da schicken die mir auch noch so einen
Anfänger. Wissen Sie, ich habe meine Mutter schon 5 Jahre gepflegt. Ich
weiß, wie man mit ihr umgehen muss! Ich möchte, dass sie von Ihnen für
das viele Geld würdevoll versorgt wird.

Azubi: Aber man kann doch Ihre Mutter nicht zwingen…

Autorinnen: C. Kittel-Seifert, A. Wiedermann, N. Zittlau Weitere Materialien finden Sie unter


Herausgeberin: Uta Oelke www.cornelsen.de/herausforderung-pflege
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2014
22
Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Unterrichtseinheit Ausbildungseinsatz „Ambulante Pflege“

Frau: Was heißt zwingen? Sie hat einen Anspruch darauf, dass sie ihre
Medikamente und ihr Essen bekommt, ordentlich gewaschen und versorgt
wird! Wissen Sie was? Ich werde mich über Sie beim Pflegedienst
beschweren. Und gleichzeitig werde ich die Pflegekasse informieren! Das
geht gar nicht! Ich dachte immer, dass das, was im Fernsehen gezeigt wird,
übertrieben ist. Aber nein, Pflege ist reine Abzocke von ungelernten
Kräften! Und jetzt gehen sie bitte hoch und sorgen dafür, dass meine Mutter
ihr Abendbrot und ihre Tabletten bekommt. Ich muss jetzt los, werde aber
heute Abend nochmal kontrollieren…

Autorinnen: C. Kittel-Seifert, A. Wiedermann, N. Zittlau Weitere Materialien finden Sie unter


Herausgeberin: Uta Oelke www.cornelsen.de/herausforderung-pflege
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2014
23
Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Unterrichtseinheit Ausbildungseinsatz „Ambulante Pflege“

Materialien 2: Arbeitsaufträge

Arbeitsauftrag 1: Erarbeitung der Szenen und Einfühlung in die Personen

1. Bitte lest den Text mit verteilten Rollen durch. Erst nachdem jede/r jede Rolle einmal gelesen
hat, wird entschieden, wer welche Rolle spielt.
2. Bitte passt den Szenentext dem Geschlecht der SpielerInnen an.
3. Beantwortet dann gemeinsam die Gruppenfragen. Macht euch schriftliche Notizen dazu.
4. Sucht euch einen Platz, an dem ihr alleine ungestört schreiben könnt. Schreibt nun anhand der
„Fragen zur Entwicklung einer Rollenbiografie“ eine Rollenbiografie für eure ausgewählte
Rolle.
5. Trefft euch wieder in eurer Gruppe und baut nun den Raum/Ort auf, an dem die Szene spielt.
Überlegt euch genau, wie es dort aussieht. Spielt die Szene einmal in eurer Gruppe durch. Lest
dabei den Text ab.
6. Sucht euch für die Person, die ihr spielt, die entsprechende Kleidung aus.
7. Findet euch nach Ablauf der Bearbeitungszeit mit der angelegten Kleidung wieder im
Seminarraum ein.

Bearbeitungszeit: 60 Minuten

Autorinnen: C. Kittel-Seifert, A. Wiedermann, N. Zittlau Weitere Materialien finden Sie unter


Herausgeberin: Uta Oelke www.cornelsen.de/herausforderung-pflege
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2014
24
Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Unterrichtseinheit Ausbildungseinsatz „Ambulante Pflege“

Arbeitsauftrag 2: Gruppenfragen und Fragen zur Rollenbiografie

1. Gruppenfragen
Bitte klärt gemeinsam in eurer Gruppe folgende Fragen zu eurer Szene und notiert eure Antworten in
Stichpunkten:
• Worum geht es in eurer Szene?
• Wo spielt sie (Ort, Land, Stadt)? Wie sieht der Ort aus?
• Wann spielt eure Szene (Tageszeit, Wochentag, Jahreszeit)? Hinweis: die Szene sollte in der
heutigen Zeit spielen.
• Welche Personen treffen in der Szene aufeinander? Was führt sie zusammen und in welcher
Beziehung stehen sie zueinander?

2. Fragen zur Entwicklung einer Rollenbiografie


Die folgenden Fragen sollen dir helfen, eine Charakteristik für die Rolle zu entwickeln, die du in der
Szene spielst. Schreibe bitte in Ich-Form und in ganzen Sätzen. Du musst nicht alle Fragen
beantworten.

Alle
• Wie heißt du (auch Vornamen)? Wie alt bist du? Lebst du allein oder mit jemandem zusammen?
Hast du Familie, Kinder, Freunde? Was bedeuten sie dir? Ist dir jemand besonders wichtig?
• Wie sieht dein tägliches Leben aus? Was tust du alltäglich (Freizeit, Arbeit)? Was ist deine
Lieblingstätigkeit?
• Wie wohnst du? Bist du mit deiner Wohnung/Wohnsituation zufrieden? Was bedeutet dir deine
Wohnung und warum? Was ist dir besonders wichtig an deiner Wohnung?
• Wie siehst du dich selbst? Bist du mit deinem Leben zufrieden? Was macht dir Sorgen? Welche
Leitsätze bestimmen dein Handeln? Wie gehst du mit deinen Gefühlen um? Sprichst du über
deine Gefühle oder verschweigst du sie eher?
• Wie geht es dir gesundheitlich? Hast du Beschwerden?

Auszubildende/r
Seit wann bist du in der Pflegeausbildung? Was gefällt dir an der Ausbildung, was nicht? Was ist dir
wichtig an deinem zukünftigen Beruf, was eher nicht? Mit welchen Patienten bist du gerne zusammen,
mit welchen eher nicht? Wie findest du den Einsatz in der ambulanten Pflege? Was gefällt dir dort,
was nicht? Wie findest du Menschen, die sich zu Hause pflegen lassen? Musst du auch jemanden
pflegen? Wie ist es für dich, jemanden vom anderen Geschlecht zu pflegen?

Pflegebedürftige/r
Warum benötigst du ambulante Pflege und seit wann? War es dein Wunsch, zu Hause gepflegt zu
werden? Wie kam es dazu? Was soll der ambulante Pflegedienst bei dir machen? Was sollten/dürfen
die Pflegenden gar nicht bei dir tun? Wie findest du die Schwestern/Pfleger und die Auszubildenden
vom ambulanten Pflegedienst? Freust du dich auf ihren Besuch oder eher nicht und warum? Wie ist es
für dich, wenn dich jemand vom anderen Geschlecht pflegt?

Autorinnen: C. Kittel-Seifert, A. Wiedermann, N. Zittlau Weitere Materialien finden Sie unter


Herausgeberin: Uta Oelke www.cornelsen.de/herausforderung-pflege
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2014
25
Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Unterrichtseinheit Ausbildungseinsatz „Ambulante Pflege“

Angehörige/r
Wie lange pflegst du deinen Angehörigen? Musstest du deine Arbeit für die Pflege deiner/deines
Angehörigen aufgeben/einschränken? Hast du dich selber entschieden, deine/n Angehörigen zu
pflegen? Was belastet und was entlastet dich bei der Pflege deines Angehörigen? Wie ist deine
Beziehung zu den Pflegekräften vom ambulanten Dienst? Möchtest du später mal von einem
Familienmitglied gepflegt werden? Wie findest du Altenheime?

Pflegedienstleitung
Wie lange arbeitest du schon in der ambulanten Pflege? Seit wann bist du PDL? Was gefällt dir an
deiner Arbeit, was nicht? Was ist dir besonders wichtig? Wolltest du schon immer eine
Leitungsfunktion haben – und wie kommst du damit klar? Wie gehst du mit deinen MitarbeiterInnen
um? Wie ist dein Verhältnis zu den Auszubildenden? Was sollen sie bei dir lernen? Was ist dir in
Bezug auf die Pflegebedürftigen und Angehörigen wichtig, was nicht so?

Autorinnen: C. Kittel-Seifert, A. Wiedermann, N. Zittlau Weitere Materialien finden Sie unter


Herausgeberin: Uta Oelke www.cornelsen.de/herausforderung-pflege
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2014