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Fernsehtechnik

Neues Digitaltriebwerk

Von Wolfgang Tunze

Kommendes Modell von


Philips mit dem
prosaischen Namen:
47PFL9632D

30. April 2007


Die Fernseher von anno Tobak führten doch ein sehr kommodes Leben:
Sie wussten stets, mit welcher Sorte Bildsignalen sie zu rechnen hatten. In
Zahlen ausgedrückt waren das analoge Signale mit 576 Zeilen und mit 50
nach dem Reißverschlussprinzip ineinander verzahnten Halbbildern je
Sekunde. Heute würden wir diese Eckdaten in der Kurzform 576i/50
schreiben; das „i“ ist die Abkürzung von „interlaced“, dem englischen Wort
für das Halbbildverfahren.

In den 1990er Jahren wurden die Fernsehgeräte toleranter und


kompetenter. Sie verstanden sich auf das Verdoppeln der Halbbildfrequenz
auf 100 Hertz, um dem Flimmern auf großen Röhrenmattscheiben
entgegenzutreten, und wenn eine amerikanische DVD einmal 60
Halbbilder je Sekunde lieferte, machten die Fernseher auch dieses Tempo
mit. Heute, im HDTV-Zeitalter, sind noch etliche Formate hinzugekommen.
Da gibt es Raster mit 720 und 1080 Zeilen, da existiert neben dem
Halbbildverfahren auch der Vollbildmodus („progressive“, kurz p), bei dem
jedes Einzelbild die volle Zeilenzahl mitbringt. Und neben die klassischen
Einzelbildfrequenzen 50 und 60 Hertz ist mit den neuen optischen High-
Definition-Scheiben auch noch die Kinobildfrequenz 24 Hertz getreten.
Nach Adam Riese sind dies allein drei verschiedene zeitliche Auflösungen,
nach Herzenslust kombiniert mit sechs verschiedenen geometrischen
Rastern, wenn man die Varianten „interlaced“ und „progressive“
berücksichtigt.

Auf 96 Einzelbilder beschleunigt


Moderne Fernsehgeräte müssen all diese Eingangsformate so umsetzen,
dass sie zum Ausgabeformat auf dem Flachbildschirm passen; der gibt,
wenn er großkalibrig ist, heute zumeist ein Pixelraster von 1920×1080
Bildpunkten vor, dargestellt im Vollbildmodus. Die hierzu nötigen
Umsetzungsarbeiten, in der Fachwelt Skalierung genannt, bewerkstelligen
die jüngsten Geräte mit unterschiedlichen Talenten; viele Lösungen lassen
noch Wünsche offen. Philips stellte jetzt eine „Perfect Pixel HD Engine“ vor,
die alle hierzu nötigen Fähigkeiten besonders eindrucksvoll beherrscht.
Eine ihrer Kernmaßnahmen besteht in der Umsetzung aller Bildsignale auf
eine hohe Bildfrequenz, also zum Beispiel in der Verdoppelung von 50-
Hertz-Fernsehbildern auf 100 Einzeldarstellungen.

Dabei geht es nicht wie einst um die Überwindung des Flimmerns, sondern
um die Möglichkeit, zwischen zwei Bewegungsphasen Zwischenbilder zu
errechnen, um Bewegungsabläufe möglichst gleichmäßig und
konturenscharf erscheinen zu lassen. Eingangssignale in 24p, geliefert von
der nächsten Modellgeneration der High-Definition-Player, werden von der
digitalen Pixelmaschine auf 96 Einzelbilder beschleunigt. Die geradzahlige
Vervielfachung sorgt für eine ruckfreie Umsetzung - eine
Darstellungsweise, auf die sich bisher nur sehr wenige Fernsehgeräte
verstehen.

Außerordentlich angetan

Das Errechnen von Zwischenbildern erfordert sehr viel Know-how, denn


das häufig angewandte, schlichte mathematische Interpolieren sorgt für
unschöne Geisterkonturen, es verschlimmbessert den Schärfeeindruck
also eher. Die neue Philips-Engine stützt sich, wie schon die älteren, „Pixel
plus“ genannten Bildverarbeitungssysteme des Hauses, auf komplexe
Strategien der digitalen Bewegungsvorhersage und will damit für
größtmögliche Klarheit sorgen. Und so ganz nebenbei reicht die hierzu
nötige Rechenpower auch noch, um Farb- und Kontrastvorgaben möglichst
wirkungsvoll an die jeweiligen Bildinhalte anzupassen.

Wir haben den Digitalmotor der kommenden Fernsehermodelle, als Erstes


bringt Philips im Juni ein 120-Zentimeter-Kaliber in LCD-Technik mit dem
prosaischen Namen 47PFL9632D heraus, schon mal vorab inspiziert - und
waren, so viel können wir schon verraten, von seinen darstellerischen
Fähigkeiten außerordentlich angetan. Wir berichten mehr, sobald die
neuen Geräte in den Schaufenstern stehen.

Text: F.A.Z., 24.04.2007, Nr. 95 / Seite T5


Bildmaterial: Hersteller