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Joannes Richter

Die Indoeuropäer

Abb. 1: Woher ? Wieso ? Und wohin ?


Woher kommen wir? Was sind wir? Wohin gehen wir?
D'où venons-nous, Que sommes-nous? Où allons-nous?
(Paul Gauguin, 1897)
Copyright Zenodot Verlagsgesellschaft mbH
veröffentlicht unter GNU Free Documentation License
2
Joannes Richter

Die Indoeuropäer
- zum Ursprung der deutschen Sprache -

-2010-

3
© 2010 von Joannes Richter
veröffentlicht bei LULU

Alle Rechte vorbehalten


ISBN: xxx-x-xxxx-xxxx-x

4
Inhalt
1 Einführung.............................................................................8
2 Tuitsch- oder Tuistoland.......................................................11
3 Die Proto-Indoeuropäische Sprache....................................17
4 Die Proto-Indoeuropäer.......................................................21
5 Pronomina als Abbild des PIE-Gottes..................................27
6 Die Schöpfungslegenden.....................................................32
7 Pronomina in der PIE-Sprache.............................................35
8 Die Wortbildung...................................................................42
9 Hieroglyphen unserer Sprache.............................................44
10 Dualis.................................................................................50
11 Abram.................................................................................52
12 Die Mesha-Stele (840 BC).................................................54
13 Hermes von Roquepertuse ................................................55
14 Das Fürstengrab in Hochdorf.............................................60
15 Das Runenalphabet Iuthark................................................64
16 Bamberg.............................................................................66
17 Die Buchstaben als Hieroglyphen......................................68
18 Rashi's and Rashbam's Genesis..........................................70
19 Svantevit............................................................................73
20 Die Prunkgräber.................................................................77
21 Der Sohar...........................................................................81
22 Symbolik in den Bibeln.....................................................92
23 Der Garten der Lüste..........................................................95
24 Die Farbsymbolik der Flaggen...........................................98
25 Die Flagge der Philippinen..............................................103
26 Rot = männlich, Blau = weiblich ....................................104
27 David & Bethsabée von Chagall......................................106
28 Zusammenfassung............................................................107
29 Anhang.............................................................................109

5
Abbildungen
Abb. 1: Woher ? Wieso ? Und wohin ? ....................................1
Abb. 2: Tuisco (1613)..............................................................11
Abb. 3: Ausbreitung der Kurgankultur....................................22
Abb. 4: Verbreitung des PIE-Konzepts 4000–1000 BC...........23
Abb. 5: Verbreitung der IE-Sprache um 3500 BC...................24
Abb. 6: Verbreitung der PIE-Sprache um 2500 v.Chr.............24
Abb. 7: Verbreitung um 1500 vor Christus .............................25
Abb. 8: Verbreitung um 500 v. Chr..........................................25
Abb. 9: Verbreitung nach der großen Völkerwanderung.........26
Abb. 10: Ausbreitung der Kurgankultur..................................53
Abb. 11: Die Mesha-Stele........................................................54
Abb. 12: Hermes von Roquepertuse........................................59
Abb. 13: Keltisches Fürstengrab in Hochdorf.........................61
Abb. 14: Das Keltengrab in Hochdorf.....................................62
Abb. 15: Der Kylverstein aus Gotland, Schweden (400AD)...64
Abb. 16: Der Kylverstein mit dem IUþark Alphabet...............65
Abb. 17: Iuþark oder Iuþork....................................................65
Abb. 18: “Zueius”....................................................................65
Abb. 19: Zwei Stühle vor der Jaromarsburg...........................74
Abb. 20: Blaue und rote Dekoration - Stralsund......................75
Abb. 21: Gräber von Heinrich & Eleonora in Fontevrault......77
Abb. 22: König Richard I, Löwenherz (1189-1199)................78
Abb. 23: Isabella of Angouleme & King Richard I.................79
Abb. 24: Grablage in der Münster-Kirche-Roermond (NL)....80
Abb. 25: Genesis in Rot und Blau (1360)................................92
Abb. 26: Initialzeile für die Kremser Bibel (1333)..................92
Abb. 27: Initialen in einem Codex des 14en JH......................93
Abb. 28: Initial-Zeilen des Korczek-Bibels (Prag)..................94

6
Abb. 29: Initial-Zeilen des Korczek-Bibels (Prag)..................94
Abb. 30: Brunnen im Paradies.................................................95
Abb. 31: Der Eisvogel im Garten der Lüste............................96
Abb. 32: Die Prinzenflagge......................................................97
Abb. 33: Der Eisvogel..............................................................97
Abb. 34: Französische Flagge (1358-1794 )............................98
Abb. 35: Geschichte der britischen Flagge..............................99
Abb. 36: Erste russische Flagge.............................................100
Abb. 37: Flagge mit 15 Sternen-Fort McHenry (1814).........101
Abb. 38: Süd-Koreanische Flagge aus 1882..........................102
Abb. 39: Die Flagge der Philippinen (1898)..........................103
Abb. 40: Adam (rot) und Eva (blau)......................................104
Abb. 41: Nach dem Sündenfall -> Purpur.............................105
Abb. 42: Androgynes Gesicht (Chagall)................................106

Tabellen
Tabelle 1: Ableitungen für das Pronomen Ego........................29
Tabelle 2: Elementare Wortliste für die PIE............................36
Tabelle 3: Korrelation der Pronomina (1e und 2e Person).......38
Tabelle 4: Androgyne Götter und ihre Pronomina..................43

7
1 Einführung
In 1897 malte Paul Gaguin „Woher kommen wir? Was sind
wir? Wohin gehen wir?“ in dem er ein gutes Dutzend Perosnen
aus der polynesischen Mythologie abgebildet hat.
Selbstverständlich könnte man solche Bilder auch für die
Westeuropäischen Welt vorstellen.
Etymologische Spuren führen uns zurück zu den Wurzeln der
Kultur. Analog zur genetischen Information vermitteln uns die
Vorfahren die geistigen Wurzeln in unserem Wortschatz und in
den Grammatikregeln.
Die indoeuropäischen Ursprache1 (Protoindoeuropäisch (PIE)
ist die gemeinsame Vorläuferin der indogermanischen
Sprachen, wie sie vor vielleicht sechs Millenniums vermutlich
nördlich des Schwarzen Meeres gesprochen wurde.
Die indoeuropäische Kultur verdankt ihren Erfolg wohl an der
fortschrittlichen Kombination Landwirtschaft und Viehzucht,
die von einem erfolgreichen Werkzeugbau, einer
erfindungsreichen Metallbearbeitung und ausgezeichnetem
Management begleitet wurde. Einige von diesen Erfolgen
lassen sich in den europäischen Fundstellen nachweisen. Die
Revolution hatte jedoch ihren Ausgangspunkt nördlich des
Schwarzen Meeres.
Wichtige Ereignisse lassen sich in gewissen Zeitabständen und
örtlichen Zentren mit wachsenden Abständen von Wolgagrad
nachweisen. Die Geschwindigkeit der PIE-Expansion betrug
etwa 1000 km pro Millennium.

1
auch Indoeuropäisch oder Urindogermanisch UIG) oder indogermanische
Grundsprache

8
Zu den frühen Stationen der Expansionsphase gehören
Mykene, Troja, Hallstatt und Pyrene (Heuneburg). Die
Keltische Kultur, die griechische Staaten und das römische
Imperium, die Reiche Spaniens, Frankreich und Englands
basieren alle auf die indoeuropäischen Kultur.
Linguistische Wurzeln erlauben uns die Entwicklung des PIE-
Konzeptes zurück zu verfolgen. Von der Ausgangsbasis in der
Nähe Wolgograds expandierte das System sich in alle
Richtungen, und beschleunigte dabei sowohl in die West- als in
die Ostrichtung. In westliche Richtung folgte die Schockwelle
die Flusstäler der Donau und des Rheins, wobei die Nordsse
um 1000 vor Christus erreicht wurde.
Die Protoindoeuropäische Sprache weist einige besondere
Merkmale auf. Im göttlichen Namen Dyaus, Dieus bzw. Dious
befindet sich einen symbolischen Kern (yau, ieu, iou), der in
zahlreichen indoeuropäischen Sprachen als Pronomen der
ersten Person Person Singular immer noch in Betrieb ist.
Dieses Konzept deutet auf eine besondere Religionsart, die
sehr stark mit der biblischen Genesis korreliert. Die hebräische
und die PIE-Religion sind miteinander verwandt.
Wir werden uns aber noch mit der Frage beschäftigen, wie
viele Details die hebräische Religion von der indoeuropäischen
Kultur übernommen hat. Im Süden haben die Hethiter einen
intensiven Kontakt mit den Semiten gepflegt. Offensichtlich
hat das jüdische Volk die Schöpfungslegende, die auf
Gegenpole (U und I) beruhende Namensstruktur IHVH und die
Farbsymbolik für Rot und Blau übernommen.

9
Im Laufe der Jahrhunderte haben die Hebräer die Religion
angepasst und das Ergebnis den Indoeuropäern wieder
zurückgeliefert, sodass die Europäer jetzt eine ursprünglich
indoeuropäischen Religion verwenden, die sie nach Anpassung
in den jüdischen Kreisen zurückerhalten haben.
Diese Analyse liefert auch das Verständnis für die merkwürdige
Korrelation zwischen dem europäischen2 Teil der PIE-Religion
und dem Buch Genesis, der durch Übernahme im zweiten
Jahrtausend vor Christus entstanden ist.
Nachfolgende Übersicht liefert eine durchgängige
Dokumentation der androgynen Symbolik in der religiösen
Literatur, Etymologie und Kunst, von dem Garten Edens mit
seinen rot und blauen Eisvögeln, über den Wappen des Prinzen
von Oranien, bis zu den Rot-Weiß-Blauen Flaggen der Ländern
Frankreich, Niederlande, Großbritannien und Russland.

2
Zur Vereinfachung der These wird der Umfang dieser Dokumentation
hauptsächlich auf den europäischen Teil der PIE-Expansion begrenzt.

10
2 Tuitsch- oder Tuistoland

Abb. 2: Tuisco (1613)

Abbildung ausNederlantsche Antiqviteyten – 10 Augusti 1613,


Richardus Versteganus, gedruckt in T'hantvverpen,
bei Gaspar Bellerus, in den gulden Arent in de Camerstraet.

11
Deutschland
In seinem Buch Bayerische Chronik ; Buch I3 beschreibt der
Historiker Johannes Turmair4 Tuisco als ein Anführer von 32
Herrschern. Wenn ein Deutscher sich deutsch nennt beschreibt
er sich demnach als Nachfahre des Tuitsch (Tuisco oder Tuisto
in Latein). Deutschland ist für ihn Tuitsch's Land, sowie
Tuitsch die Sprache der Tuitschen ist.
Tuitsch soll seinen Hauptquartier in Deutz (heute Köln –
Deutz) errichtet haben. Deutschland wurde nach ihm benannt –
das Land des großen Patriarchen bzw. des großen Lehrers. Im
25. Jahr seiner Regierung (2190-2189) hielt Tuitsch eine
Versammlung auf dem er sein Land unter seinem Stab aufteilte
und Gesetze festlegte.
Den Tod des Königs Tuisco beschreibt Aventinus in seiner
Chronik wie folgt:
Als nun unser erster erzvater, künig Tuitsch oder
Teutsch, mêr dan zwaihundert jar (als dan zue
derselbigen zeit gewonlich was) im leben, hundert und
sexundsibenzig jar in êren und gewalt gewesen war,
weislich und wol alle ding, daran meniglich groß
wolgefallen, geordnet het, im dreihundertesten und
sibenten jar nach der sindflueß verschied er aus disem
leben und ließ ein grosse clag under im.

3
Aventinus, Johannes/Riezler, Sigmund von/Lexer, Matthias: (München
1882), Seite 86
4
Aventinus (1526, Wohnort: Abensberg)

12
Der Legende nach verstarb König Tuisco im Alter von 176
Jahren und zwar 307 Jahre nach der Sintflut. Zu seiner Ehre
erhob sein Volk ihn zum erdgeborenen Gott und widmeten ihm
einen heiligen Hain in der Grafschaft Kleve in der Nähe der
niederländischen Grenze.
In dieser Nähe liegen auch die Städte Tuiscoburgum
(Duisburg) und Tuiscoburgum Batavorum (Doesburg – NL),
die beide dem Tuisco gewidmet worden sind.
Diese Art Geschichten hat man früher als Sagen beiseite gelegt.
Diese Legenden sollten jetzt jedoch nochmals überprüft
werden, nachdem wir jetzt nit neuen Methoden in der Lage
sind die etymologischen Entwicklungen genau zu datieren und
für das PIE-Projekt eine genauere Zeitskala erstellen können.

Deutsch5
Das Gebiet, in dem die sprachlichen Varietäten „deutsch“
gesprochen wurden, galt zunächst im Plural als „diutschiu
lant“ und wurde seit dem 15. Jahrhundert als „Deutschland“
bezeichnet. Heute würde man dafür den Ausdruck „deutscher
Sprachraum“ verwenden.
Man findet das Wort „deutsch“ in seiner lateinischen Form
„theodisce“ erstmals im Jahre 786 im Synodenbericht des
päpstlichen Nuntius Gregor von Ostia. Dieser Bericht über
zwei Synoden, die in England stattfanden, wurde sowohl auf
Lateinisch als auch in der Sprache des Volkes (Volkssprache)
verlesen. Unklar ist allerdings bis heute, ob damals damit
tatsächlich die „Sprache des Volkes“ in Deutschland (im
deutschen Sprachraum) gemeint war.

5
Deutsch (Etymologie)

13
Ein wenig deutlicher wird die Verbindung zum „Land der
Deutschen“ erst zwei Jahre später (788) bei einer Anklage
gegen den baierischen Herzog Tassilo auf dem Reichstag zu
Ingelheim wegen Fahnenflucht: „… quod theodisca lingua
harisliz dicitur …“; ein eindeutiger Beleg fehlt aber dafür, dass
zu diesem Zeitpunkt bereits eine Wandlung von „Sprache des
Volkes“ hin zu „deutsche Sprache“ vollzogen war. Die
„theodisca lingua“ war hingegen seit Karl dem Großen die
amtliche Bezeichnung für die altfränkische Volkssprache.
Das lateinische „theodiscus“ („zum Volk gehörig“) ist ein Wort
der Gelehrtensprache; ihm liegt das westfränkische „theudisk“
zugrunde, wird aber auch mit gotisch „thiuda“, althochdeutsch
„diot“ („Volk“), isländisch „þjóð“ („Volk“) in Verbindung
gebracht.
Die althochdeutsche Form „diutisc“ begann seit dieser Zeit das
mittellateinische „theodiscus“ zu verdrängen; es setzte sich
jedoch nur zögernd durch. Erst um 1090 (im Annolied aus dem
Kloster Siegburg) wird „diutisc“ auf Sprache, Volk und Land
angewendet:
„Diutschin sprechin, Diutschin liute in Diutischemi
lande.“ 6
Da die Wörter thiuda“, „diot“ , „þjóð“ ohnehin mit dem
göttlichen Namen Dyaus, bzw. Tuisto zusammenhängen, ist die
Diskussion über den genauen Ablauf der Wortbildung
überflüssig. Letztendlich sind alle bedeutsame Wortkerne von
den religiösen Wortkernen abgeleitet worden.

6
„Deutsch sprechen, Deutsche Leute in Deutschem Lande.“

14
Tuisto
Tuisto ist der Name eines germanischen Gottes, der in dieser
Schreibweise nur bei Tacitus in seinem Werk Germania
überliefert ist7:
„Celebrant carminibus antiquis (quod unum apud
illos memoriae et annalium genus est ) Tuisconem
deum Terra editum et filium Mannum originem
gentis conditorisque.“
„Als Stammväter und Begründer ihrer Völkerschaft
verherrlichen sie [die Germanen] in alten Liedern
- der einzigen Art historischer Überlieferung, die
es bei ihnen gibt - Tuisto, einen der Erde
entsprossenen Gott, und seinen Sohn Mannus.“

Zwitter
Die Handschriften zur Germania bieten eine große
Schreibungsvielfalt des Namens; als Hauptvarianten sind
Tuistonem und Tuisconem auszumachen. Eine Entscheidung
zwischen den beiden Namensformen ist weder von der
Überlieferung noch von der Etymologie her möglich.

Etymology für Tuisco


Beide können auf ein Element urgermanisch *twis- „zwei-“
zurückgeführt werden. Bei Tuisconem läge eine Weiterbildung
mit dem Suffix urgermanisch *-ka- (urgermanisch *twis-ka-
„zweifach“, fortgesetzt in althochdeutsch zwisc,
mittelhochdeutsch zwisch, angelsächsisch twisc „zweifach“),.

7
Tacitus: Germania 2,2

15
Etymology für Tuisto
Bei Tuistonem läge dagegen eine Weiterbildung mit dem
Suffix urgermanisch *-ta- (urgermanisch *twis-ta- „zweiteilig“,
fortgesetzt in neuhochdeutsch Zwist, altenglisch tvist „Gabel“,
altisländisch tvistr „zweigeteilt“, altisländisch tvistra
„trennen“) vor.
Wie die Namensform auch anzusetzen ist, in beiden Fällen ist
der Name wohl als Zwitter zu verstehen. Der
zweigeschlechtige Tuisto ist ein aus der Erde geborener Gott,
wobei man vermutet, dass die Germanen sich diese als Mutter
Erde vorstellten. Zweigeschlechtige Urwesen kommen in der
mythologischen Vorstellung häufiger vor. Eine Parallele findet
sich etwa in der altnordischen Mythologie in Gestalt des
Urriesen Ymir.
Die androgyne Gestalt, die nach Angaben von Jacob Grimm
bereits in der „Deutschen Mythologie8“ (1835) als Aussage von
Wackernagel dokumentiert wurde, hängt zweifelsfrei
zusammen mit dem androgynen Charakter des PIE-
Himmelsgottes Dyaus. Wir können davon ausgehen, dass
Tuisto aus der PIE-Gottheit Dyaus hervorgegangen ist.
In der Beziehung zur PIE-Expansion muss man jedoch davon
ausgehen, dass Tuisco der wichtigste Anführer der
Expansionsphase auf dem heute deutschsprachigen Gebiet
darstellt. Diese Rolle kann man relativ genau datieren aus den
Analysen der Etymologie...

8
Deutsche Mythologie. Dieterich’sche Buchhandlung, Göttingen. Erste
Ausgabe, 1835 bei Google,

16
3 Die Proto-Indoeuropäische Sprache9

Die Rekonstruktion der PIE-Sprache


Die Korrelation vieler Sprachen wurde bereits 1583 entdeckt 10.
In diesem Jahr entdeckte der Jesuit Thomas Stephens dass
einige indischen Sprachen (namentlich Konkani)
übereinstimmen mit Latein und Altgriechisch. Er beschreibt die
Korrelation in einem Brief an seinem Bruder, der jedoch erst
Jahrhunderte später veröffentlicht wird.
1647 stellte der niederländische Linguist und Gelehrte Marcus
Zuerius van Boxhorn erstmals eine grundlegende
Verwandtschaft zwischen einer Reihe von europäischen und
asiatischen Sprachen fest; ursprünglich bezog er in diese
Verwandtschaft die germanischen sowie die „illyrisch-
griechischen“ und italischen Sprachen einerseits und das
Persische andererseits ein, später fügte er noch die slawischen,
keltischen und baltischen Sprachen hinzu. Die gemeinsame
Ursprache, von der all diese Sprachen abstammen sollten,
bezeichnete van Boxhorn als Skythisch. Jedoch konnte sich van
Boxhorn mit dieser Erkenntnis im 17. Jahrhundert noch nicht
durchsetzen.

9
Source: Herman L. Hoeh in Compendium of World History, Volume 2
10
Quelle (Wikipedia): Indogermanische Sprachen–Die Landkarten befinden
sich in der niederländischen, bzw. englischen Fassung dieses Dokuments.

17
Sir William Jones
Sir William Jones11 war ein britischer Indologe und Jurist und
seit 1783 Richter am Obersten Gericht in Kalkutta. Heute ist
William Jones bekannt dafür, als erster die Ähnlichkeit des
Sanskrit mit dem Griechischen und dem Lateinischen erkannt
zu haben. In seinem Buch The Sanscrit Language (1786)
schlug er vor, dass alle drei Sprachen einen gemeinsamen
Ursprung hätten, und dass sie auch mit dem Gotischen und den
keltischen Sprachen sowie dem Persischen verwandt seien.
Dies war der erste Hinweis auf die Existenz der Indo-
Germanischen Sprachfamilie und die erste Anwendung der
vergleichenden Sprachwissenschaft.
Am Anfang des 19. JH. definierte der Norweger Rasmussen
Rask das Gesetz der Übereinkunft zwischen dem griechischen
ph oder f und den germanischen Laut b. Diese Übereinkunft
verkoppelt das griechische Wort "phrater" mit dem englischen
"brother".
Zur Mitte des 19. JH. startete August Schleicher eine
Rekonstruktion der PIE12, die als Ausgangsbasis für alle
indoeuropäischen Sprachen gilt. Der australische Archäologe
Gordon Childe (der in England arbeitete) analysierte die
Regionen der Proto-indoeuropäischen Sprache und schlug als
Ausgangsbasis die Region nördlich des Schwarzen Meeres vor.
Seine Arbeit wurde von Maria Gimbutas, welche die Kurgan-
theory formulierte, fortgeführt.

11
1746-1794
12
PIE ist die Abkürzung für Proto-Indo-Europäische Sprache

18
Es ist eine der großen Leistungen der Sprachwissenschaftler
seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts, aus der Betrachtung der
Gemeinsamkeiten und der systematischen Unterschiede der
indoeuropäischen Sprachen untereinander eine plausible
Beschreibung der Gestalt dieser Ursprache herausgearbeitet zu
haben.
Aufgrund des gemeinsamen Vokabulars der Folgesprachen,
wozu zum Beispiel das Wort für „Rad“ gehört, gehen die
meisten Forscher von einer Trennung der Sprache nicht vor
3400 v. Chr. aus. In diese Zeit datiert die Archäologie die erste
Benutzung von Rädern im Sprachgebiet.

Die Hethiter
Die Hethiter waren ein kleinasiatisches Volk des Altertums, die
im 2. Jahrtausend v. Chr. auch in Syrien und Palästina politisch
und militärisch einflussreich waren. Ihre Hauptstadt war die
meiste Zeit Hattuša, das heutige Boğazkale.
Die Hethiter sprachen eine indoeuropäische Sprache. Von den
Hethitern werden die Hattier unterschieden, die eine nicht-
indoeuropäische Sprache sprachen. Allerdings nannten die
Hethiter selbst ihr Reich „Hatti“.
Im 3. Jahrtausend v. Chr. lebten die Hattier in Zentral-
Anatolien. Seit dem Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. ist die
indogermanische Sprache in Anatolien belegt. Die
Schriftsprache des Hethiterreiches ist die älteste überlieferte
indoeuropäische Sprache.

19
Der Untergang des hethitischen Großreiches ist auf das frühe
12. Jahrhundert v. Chr. datiert. Die meisten städtischen Zentren
Zentralanatoliens werden durch Brände zerstört oder
aufgelassen. Die Ursachen für den Zusammenbruch sind
ungeklärt. Angriffe der „Seevölker“ wurden erwogen, ebenso
ein Feldzug der Kaskäer.

20
4 Die Proto-Indoeuropäer
Das Entstehungsgebiet der Proto-Indoeuropäer konnte - trotz
unzähliger Ansätze - bis heute nicht gesichert nachgewiesen
werden. Der prominenteste Ansatz ist wohl die im 20.
Jahrhundert durch Marija Gimbutas eingeführte Kurgan-
Hypothese, die den Ursprung im südlichen Russland sieht.

Die Kurgan-Hypothese13
Die Mobilität der Kurganvölker basierte auf der Domestikation
des Pferdes, das den Ackerbauern des Alten Europa zwar nicht
unbekannt (Iberische Pferde), das aber nicht domestiziert war.
Auch Weidewirtschaft und Viehzucht, die es seit mehr als
13.000 Jahren gibt, die aber nach Auffassung der
Kurganvertreter nur mit Hilfe von Reitpferden und körperlicher
Kraft zu beherrschen war, führten zu dem Übergang von den
matriarchalen Gesellschaften zum waffenbewehrten
Patriarchat. Auch wenn der genaue Zeitpunkt dieses Prozesses
bisher nur schwer festzulegen ist, vollzog er sich mit Sicherheit
vor 4000 v. Chr..

13
Quelle: Kurgan-Hypothese

21
Die Kurganeinflüsse
Als Folge langer Dürreperioden von 7.000 bis etwa 4.500 v.
Chr., schwappten die Kurganeinflüsse in drei Wellen auf die
Gebiete des Alten Europa über:
• Phase I um 4.400-4.300 v. Chr.
• Phase II um 3.500 v. Chr.
• Phase III unmittelbar nach 3000 v. Chr.
• Eine vierte Welle stieß ca. 2500 - 2200 v. Chr. ins Niltal
vor.

Abb. 3: Ausbreitung der Kurgankultur


Kurgan_kultur.png von Sybilla beschriftet (nach M. Gimbutas und R.
Schmoeckel), gemeinfrei14.

14
unbeschränktes Nutzungsrecht ohne jegliche Bedingungen für jedermann

22
Einzelbeschreibung der PIE-Phasen
In den Jahrhunderten nach der Entdeckung des PIE-Systems
hat man das Indoeuropäische Sprachensystem genau
untersucht und die historischen Evolution kartographisch
erfasst. Die Indoeuropäische Sprache hat sich demnach aus
einem Gebiet nördlich des Schwarzen Meeres verbreitet.

Abb. 4: Verbreitung des PIE-Konzepts 4000–1000 BC


gemäß Kurgan Hypothese.
Alle Landkarten: Wikimedia Commons. GNU-Lizenz der freien
Dokumentation, Hauptartikel: Urheimat

23
Um 3000 vor Christus erreicht die PIE-Sprache über die
Donau Griechenland und Österreich.

Abb. 5: Verbreitung der IE-Sprache um 3500 BC


Spät-Proto-Indo-Europäische Sprache in der Kurganhypothese

In dieser Phase werden Griechisch, Rumänisch und vielleicht


auch schon Rumantsch (Rätoromanisch) gebildet, das sich im
Alpenbereich angesiedelt hat.

Abb. 6: Verbreitung der PIE-Sprache um 2500 v.Chr.

24
Abb. 7: Verbreitung um 1500 vor Christus

Um 1500 vor Christus erreicht die PIE-Sprache entlang der


Elbe Dänemark und Schweden. Im Süden erreicht das PIE-
Konzept die Provence, das Hethiterreich in dem sich auf Troja
befindet und Mitten-Italien. Erst um 500 vor Christus erreicht
die PIE-Sprache Süditalien, Frankreich, Großbritannien und
den Süden Portugals.

Abb. 8: Verbreitung um 500 v. Chr.

25
Zur zeit der römischen Expansion und großen
Völkerwanderungverdrängen neue Sprachen das Keltisch aus
Frankreich, Spanien, Portugal und Süd-England. Das PIE-
Konzept erreicht nun auch den mittleren Osten und Nord-
Afrika.

Abb. 9: Verbreitung nach der großen Völkerwanderung

In dieser Phase bilden sich Spanisch, Italiänisch und wohl auch


das moderne Französisch (Langue d'oïl).

26
5 Pronomina als Abbild des PIE-Gottes
Das Alter der indoeuropäischen Sprachen wird aufgrund
bestimmter Wörter eingestuft. Pferde gehören nicht zum Basis-
Wortschatz der PIE-Sprache. Gemeinsame Wörter gibt es zum
Beispiel für Vater, Mutter, usw...
Nur zwei Gottheiten wurden im PIE-Wortschatz registriert 15:
der Himmelsgott (Dyæus oder Dyaus, Zeus, Tyr, Ti-Vater,
usw.) und eine Gottheit für das Morgenlicht. Der
standardisierter PIE-Wortschatz enthält auch ein neutrales Wort
für „Gottheit“.
Obwohl mir die Korrelation zwischen dem Pronomen der
ersten Person Singular schon seit einigen Jahren bekannt war,
ist mir doch erst beim Lesen des Gedichts Mireio16, in dem ich
das Pronomen „ieu“ unverstümmelt in voller Schönheit als
Wortkern in „Dieu“ identifiziert hatte. Als Einzelfall – das war mir
klar – wäre diese Kombination bedeutungslos. Es gab jedoch eine
Fülle weiterer ähnlicher Wortkombinationen, und zwar nicht nur in
Nachbarsprachen, sondern auch in weit entfernten indoeuropäischen
Sprachen.
Ein Pronomen, das in einem göttlichen Namen verschlüsselt wird, ist
kein Zufall und deutet auf einen religiöse Hintergrund, der im
Gottesnamen und im Pronomen codiert wurde. Das Prinzip ähnelt
gewissermaßen die Schöpfungslegende, in der ein Gott den ersten
Menschen nach seinem androgynen Abbild männlich und weiblich
gestaltet hat. Diese Legende ist jedoch auch nur eines von so vielen
anderen Anzeichen, die mir bereits zugefallen sind.

15
Quelle:. dtv-Atlas Weltgeschichte, ISBN:978-3-423-08598-3 (Seite 41)
16
1859 in okzitanischer Sprache veröffentlicht von Frédéric Mistral.

27
Die nachfolgende Liste der Proto-Indo-Europäische Wörter
für “Gott” wurde auf der zugehörigen Wiktionary-Seite
gefunden:
*deiw-os Gott, d.h. 'Leuchtend'

Skr. deva, Polnish dziw,


Av. daēva, Kamviri di,
Lith. dievas, Eng. Tiw/Tuesday,
Latv. dievs, Gm. Ziu/--,
Old Preussisch deiws, ON. Týr,
Latein deus, Goth. Tyz,
Oscanisch diúveí, Welsh duw,
Umbrisch di, Irish día/día,
Gallish Dēvona, Lycian ziw,
Griechisch Zeus, Luwian tiwat-,
Phrygisch tios, Lydian Divi-,
OCS. divo, Palaic tiyaz,
Russisch divo, Arm. tiv/--/--

Liste der Proto-Indo-Europäischen Wörter für “god”

In dieser Übersicht ist auffällig mit welcher Häufigkeit die


Buchstaben “d” (“t” oder “z”), “i” (“oder “y”) und “v” (“oder
“u”, beziehungsweise “w”auftreten).

28
Ableitungen für das Pronomen Ego17
Die zugehörige Proto-Indo-Europäische Wurzel ist *éǵh₂.
Sprache Ego (I) Gott
Aragonese yo
Aromanisch iou , io
Katalanisch jo Deus, Déu
Alt-Französisch je Dieu, Diex , Dex
Galizisch eu Deus
Interlingua io
Italienisch io Dio
Gascon (Occitanisch) jo
Langue d'Oc ieu , jo Dieu
Portugiesisch eu Deus
Rumänisch eu Zeu, Dumnezeu
Romansch jau, eau Dieu
Sursilvan jeu Dieu
Sutsilvan jou Dieu
Sardinisch eo Déu
Sizilianisch iu Diu
Spanisch yo Dios
Volkslatein eo Deus

Tabelle 1: Ableitungen für das Pronomen Ego

17
Quelle (Wikionary): Etymology for Ego

29
Die persönliche Pronomina für die 1 st Person Singular sind in
der okzitanische Sprache: ieu, in Aromanisch18: iou und in
Romansch19: jau, einschließlich der Varianten Surselvisch: jeu
und Sutselvisch: jou. Artverwandt ist die Anwendung in
Sizilianisch: iu. Einige io- und iu-Kombinationen wurden auch
in der Liste dokumentiert.
Folgende Korrelationen werden in der Tabelle identiifiziert:
• In Fanzösisch wird das Pronomen “je” in “Dieu”
identifiziert.
• In Galizisch wird das Pronomen “eu” in “Deus”
identifiziert.
• In Italienisch wird das Pronomen “io” in “Dio”
identifiziert.
• In Langue d'Oc wird das Pronomen “ieu” in “Dieu”
identifiziert.
• In Portugiesisch wird das Pronomen “eu” in “Deus”
identifiziert.
• In Romänisch wird das Pronomen “eu” in “Zeu”
identifiziert.
• In Sizilianisch wird das Pronomen “iu” in “Diu”
identifiziert.
• In Spanisch wird das Pronomen “yo” in “Dios”
identifiziert.
• In Sursilvanisch wird das Pronomen “jeu” in “Dieu”
identifiziert..

18
mainly spoken in Greece
19
one of the four national languages of Switzerland

30
Offensichtlich kann man als Mitte der persönliche Pronomina
für die 1st Person Singular jeden Vokal verwenden, d.h. das e
im okzitanischen ieu, das a in iau und das o in Aromanischen
iou. Der Kern ieu liegt dabei dem okzitanischen Namen Dieu,
der Kern iau dem PIE-Namen Dyaus, der Kern iou dagegen
dem Namen Jehovah, Jove, IOU-piter zugrunde.
Helena Blatatsky hat den Himmelsgott als androgynes
Geschöpf eines Fruchtbarkeitskults dargestellt, in dem die
Klänge, bzw. die Buchstaben U und I die weiblichen bzw.
männlichen Elemente symbolisieren. In diesem Modell sind die
Kerne in den göttlichen Namen (z.B. Dieu) und den
Pronomina (z.B. ieu) religiöse Symbole, die uns ggf. eine
Schöpfungslegende verdeutlichen.

31
6 Die Schöpfungslegenden
Die Schöpfungslegenden gehören zu den religiösen Konzepte,
die einige Kulturen (z.B. die Indoeuropäische und Semitische
Kulturen) gemeinsam führen.

Das Symposium von Plato


Der griechische Philosoph Platon veröffentlicht um 380 v.C.
ein berühmtes Buch mit dem Namen Symposium (Gastmahl),
in dem er die androgyne Menschwerdung erstmalig öffentlich
dokumentiert. Das Symposium ist nach Meinung der Historiker
nicht so sehr ein Lehrbuch als vielmehr eine Dichtung, in der
Philosophen, Dichter und Gelehrte dargestellt werden bei
Gelegenheit eines geselligen Zusammenseins.
Der junge Dichter Agathon veranstaltet eine Siegesfeier in
seinem Hause, und nach Beendigung des Mahles macht
Phaidros, ein Jüngling aus dem Kreise des Sokrates, den
Vorschlag, jeder der Teilnehmer solle eine Rede halten, und
zwar zum Preise des Eros, der von den Dichtern niemals
würdig genug besungen sei.
Das Buch enthält insgesamt sechs Reden, die nacheinander von
verschiedenen Teilnehmern gehalten werden. Platon untersucht
im Gastmahl alle Aspekte der Liebe, das Geben und Nehmen in
der Liebe, die Knabenliebe, die Vergänglichkeit der Körper, die
Leidenschaft, usw. Die sechs Gäste tragen jeweils eine Rede in
dieser Reihenfolge vor: Phaidros, Pausanias, Eryximachos,
Aristophanes, Agathon und Sokrates. Die beiden Hauptreden
sind jedoch die vierte und die letzte, sechste Rede.

32
Der Komödiendichter Aristophanes will nun aber auf andere
Weise die Macht des Eros beweisen. Er erzählt den Mythos von
einem ursprünglich reinmännlichen, reinweiblichen bzw.
androgynen Kugelmenschen, die von den Göttern aus Angst
vor deren Kraft und Stärke entzwei geteilt wurden und seither
verzweifelt nach ihrer getrennten Hälfte suchen. Das Streben
nach der verlorenen Ganzheit sei nun der Eros, der ihnen mit
einem passenden Geliebten die höchste Glückseligkeit spende.
Demnach habe es früher drei Geschlechter von Menschen
gegeben. Das männliche Geschlecht stamme von der Sonne ab,
das weibliche von der Erde und das aus den beiden
zusammengesetzte vom Mond. Es gab also Mann-Männer,
Frau-Frauen und Frau-Männer. Diese Kugelmenschen hatten je
vier Hände und Füße und zwei entgegengesetzte Gesichter auf
einem Kopf. Sie waren stark und schnell und wurden in ihrem
zum Himmel stürmenden Hochmut selbst den Göttern
gefährlich. Zur Strafe zerschnitt der Göttervater Zeus jeden von
ihnen in zwei Hälften. Seitdem gehen die beiden Teile getrennt
aufrecht auf zwei Beinen, und beide haben Sehnsucht danach,
sich mit dem jeweils anderen Teil wieder zu vereinen. Dieser
Drang der zwei Hälften, sich zu vereinen, wird als Liebe (Erôs)
bezeichnet:
Der Grund hiervon nämlich liegt darin, dass dies unsere
ursprüngliche Naturbeschaffenheit ist, und dass wir einst
ungeteilte Ganze waren. Und so führt die Begierde und das
Streben nach dem Ganzen den Namen Liebe. Und vor Zeiten,
wie gesagt, waren wir eins; nun aber sind wir um unserer
Ungerechtigkeit willen getrennt worden von dem Gott..

33
Mit diesem Mythos versucht Platos Figur des Aristophanes
Eros als die sexuelle Anziehung zwischen zwei Menschen zu
erklären, die auf Wiederherstellung einer ursprünglichen
Einheit und Ganzheit ausgerichtet sei; die homosexuelle
zwischen zwei Männern (Sonnengeschlecht) und zwischen
zwei Frauen (Erdgeschlecht), und die heterosexuelle zwischen
Mann und Frau (Mondgeschlecht), wobei der heterosexuellen
wegen der angeblich geringeren Zahl an Frau-Mann-
Kugelmenschen (Androgynes) eine mindere Bedeutung
beigemessen wird.
Um nun diese drei Kombinationen männlich-männlich,
männlich-weiblich, weiblich-weiblich aus der Platonischen
Legende zu modellieren benötigen wir eine vierköpfige
Struktur gemäß og. Modell. Die Kombination „männlich-
männlich“ entspricht einer homosexuellen Beziehung, während
die Kombination „männlich-weiblich“ die normale androgyne,
heterosexuelle Beziehung darstellt. Eine drittmögliche Relation
„weiblich-weiblich“ wird zur Vereinfachung der Skizze nicht
dargestellt. Diese Darstellung könnte als Begründung der
vierköpfigen Gestalt herangezogen werden.
Der griechische Philosoph Plato war der erste Schriftsteller, der
die allgemeine Schöpfungslegende der Hindus, der Hebräer,
Araber, Griechen, Römer, Germanen und Kelten
niedergeschrieben hat.

Die Schöpfungslegende des Aventinus


Nach Tacitus ist Tuisco der Erzvater eines Einzelmenschen,
Mannus, der anschließend wie der androgyne Adam aufgeteilt
werden muss.

34
7 Pronomina in der PIE-Sprache
Nachfolgende Tabelle20 enthält in Reihenfolge die
bedeutendsten Wörter der PIE, der Proto-Indoeuropäischen
Sprache, ausgearbeitet von Morris Swadesh . Die Reihenfolge
der Prioritäten beginnt mit den Pronomina:
1. Pronomina (Ich, Du, wir)
2. Indikatoren (dies, jenes, nicht)
3. Standardfragen (wer, was)
4. Mengen (alle, viel, eins, zwei)
5. Umfang (gross, lang, klein)
6. Personen (Frau, Mann, Person)
7. weitere Kategorien (Fisch, Vogel, Hund, Laus, Baum,
Samen, Blatt, Wurzel...)
8. Himmelskörper (Sonne, Mond, Stern)
9. weitere Kategorien (Wasser, Regen, Stein, Sand, Erde,
Wolke, Rauch...)
10.Farben (Rot, Grün, Gelb, Weiß, Schwarz)
11.Qualität (voll, neu, gut, trocken)
12.weitere Kategorien (Name, ....)

Die Personalpronomina belegen in dieser Rangliste eindeutig


den wichtigsten Platz.

20
von Morris Swadesh

35
Index/ Englisch Nieder- Deutsch
Kategorie
Rang (alt) ländisch (alt)
1 I (I) Ik Ich (Ih) Pronomen
2 You (Thou) Jij Du (Thu) Pronomen
3 We Wij Wir Pronomen
4 This Dit Diese Indikator
5 That Dat Jene Indikator
6 Who Wie Wer Frage
7 What Wat Was Frage
8 Not Niet Nicht Indikator
9 All Alles Alles Menge
Much/
10 Veel Viel Menge
Many
11 One Een Ein Menge
12 Two Twee Zwo Menge
13 Big Groot Gross Größe
14 Long Lang Lang Größe
15 Small Klein Klein Größe
16 Woman Vrouw Frau Individuum
17 Man Man Mann Individuum
18 Person Persoon Person Individuum
Tabelle 2: Elementare Wortliste für die PIE

36
Auf den Positionen 1-18 dieser Liste können wir einige Paare
mit Antipoden identifizieren, die auf Dualismus deuten und die
noch zu beschreibenden, speziellen Dual-Bildung begründen:

• Ich ↔ Du (wobei: Ich & Du= “Wir”)


auf Positionen 1, 2 und 3
• Dieses ↔ Das (auf Positionen 4 & 5)
• Eins ↔ Zwei (auf Positionen 11 & 12)
• Groß ↔ Klein (auf Positionen 14-15)
• Frau ↔ Mann (auf Positionen 16-17)

Die Rekonstruktion der Pronomina im PIE ist schwierig wegen


der großen Schwankung in späterer Zeit. Dieses gilt speziell für
die Demonstrativpronomina.
PIE kannte Personalpronomina der ersten und zweiten Person,
aber nicht für die dritte Person. Die Personalpronomina der
ersten und zweiten Person passen zur androgynen Religion, in
dem nur zwei Antipoden eine religiöse Bedeutung zukommt.
Es gibt keine offensichtlich religiösen Symbole in der
Rangordnung auf Platz 1 bis 100. Es wurden jedoch zwei
Gottheiten in der PIE identifiziert.

37
Sprache “Du” “Ich” Gott Quelle
(sing.)
Langue d'Oc Tu ieu , jo Dieu Swadesh
Sizilianisch Tu iu Diu Swadesh
(Iu-piter)
Romansch Ti jau, eau Dieu Swadesh
Sursilvanisch jeu Dieu
Sutsilvanisch jou Dieu
(Diou-piter)
Spanisch tú, usted yo Dios Swadesh
Portugiesisch Tu eu Deus Swadesh
Provençalisch Tu iéu Diéu Swadesh
Alt-deutsch Thu Ih Dis
Italienisch Tu ió Dió Swadesh
Französisch Tu je Dieu Swadesh
Englisch Thou I Dis Swadesh
(& You21)
Arabisch ‫أنت‬ ‫أنا‬ ‫ا‬ Swadesh
Hebräisch IHVH Swadesh
Tabelle 3: Korrelation der Pronomina (1e und 2e Person)

21
Thou ist das ursprüngliche persönliche Pronomen für die zweite Person
Singular

38
Eine Schöpfung im Pronomen
Eine Vielzahl der oben genannten Pronomina wurde
offensichtlich mit Hilfe der Buchstaben I und U bipolar
strukturiert, der einer biblischen Aussage entspricht: und schuf
sie als Mann und Frau.
So kann man sich vorstellen, dass die Priester die gesamte
Schöpfungslegende in einem dreistelligen Wortkern (iéu)
codiert haben könnten:

Die Schöpfungslegende in einem Wort.

Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde,


Genesis 1-27

Sein Bild ist (in Provenzalisch) Diéu .

zum Bilde Gottes schuf er ihn;


zum Bilde Gottes (Diéu) schuf er iéu;

und schuf sie als Mann und Frau.


und schuf iéu als Mann (i) und Frau (u).

Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar


1-28

und mehret euch.


1-28
Und Gott segnete iéu und sprach zu iéu, “Seid fruchtbar
und mehret euch“.

39
Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe,
Genesis 1-31

es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste
Tag.

Das mittlere Symbol é im Pronomen iéu wird vielleicht


herangezogen im nachfolgenden Zitat :
Hosea 11-9
Denn ich bin Gott, nicht ein Mensch,
der Heilige in deiner Mitte.
Darum komme ich nicht in der Hitze des Zorns.

Denn ich bin Diéu, nicht iéu; der Heilige (é) in deiner (iéu)
Mitte;

Die Farbcodes für die Elementarsymbolik I und U werden


wohl definiert im Bibelzitat:

Sie sollen also für deinen Bruder Aaron und für seine
Exodus 28-4

Söhne heilige Gewänder anfertigen, damit er mir als Priester


dient. 5 Sie sollen dazu Gold, violetten und roten Purpur,
Karmesin und Byssus verwenden.

In dieser Schöpfungslegende symbolisiert iéu keinen Mann


oder Frau, sondern eine androgynen Gestalt, den wir aus der
historisch-religiösen Literatur als Adam-Qadmon kennen.
In der ursprünglichen Version der Schöpfungslegende, der von
Plato im Symposium dokumentiert wurde, ist das Ehepaar am
Anfang der Schöpfung am Rücken miteinander verwachsen
und haben sie sich noch nie in die Augen gesehen.

40
Aus Furcht oder Mitleid entscheidet Gott sich die beiden zu
trennen, schmückt die weiblichen Hälfte wie eine Braut und
führt sie dem männlichen Partner vor Augen - von Angesicht
zu Angesicht. Er befiehlt das Ehepaar sich zu vermehren.
Dieses Ehepaar, symbolisiert in der Buchstabenkombination
iéu, ist ein Abbild des Schöpfers (Diéu).

41
8 Die Wortbildung
Die Namen der aus Dyaus abgeleiteten indoeuropäischen
Himmelsgötter basieren auf dem Wortstamm *Iou bzw. ieu
(→dyeu), der nicht für den göttlichen Namen, sondern auch für
die göttlichen Justiz (ius) und die symbolischen (d..h
ehelichen) Unterjochung in der Gesellschaft symbolisierte.
Das Lateinische Wort ius ist die Basis für die Wörter Justiz,
Jura, just, usw....
Im Latein werden ius und iungo wie folgt gebildet:
• ieu + s → ius (Recht)
• ieu + g → iungo (ich verbinde)
Genau genommen sind alle damit zusammenhängende
Wortbildungen behaftet mit einer religiösen, bipolaren IU-
Symbolik, zum Beispiel: Jubel, Joch (von Latein: iugum),
Jury, justieren, Juwel22, Justiz, Jurisdiktion, just...
Offensichtlich gehören die Pronomina, wie die Wörter zu
Recht, Ordnung, Hochzeit und Ehe zu den wichtigsten Wörter
einer Sprache.

22
Juwel soll angeblich von Latein: jocalis = “zum Spiel zugehörig”
abstammen

42
Zugehörige
Sprache Gottheit
Pronomina
Proto-Indo-
dyeus-peter
European
Ägypter Teut
Perser Sire
Magi Orsi
Griechen Zeu-Pater, Theos
Alt-Türkisch Esar
Sanskrit dyaus-pita
Italien / Latein d'Ju-piter D'iou und Iou23
Umbrien d'Iuve-patre Di'u und Iu 24
Illyrien Dei-patyros
Hittitisch DSius
Französisch Dieu Du und Jeu25
Nordisch Ti-var (Tyr-Father) T(u) und I26
Keltisch Tuisco Thu und Ih
Arabisch dUI UI
Tabelle 4: Androgyne Götter27 und ihre Pronomina

23
Sutselvian: jou.
24
Compare to Sicilian, which included the pronoun “iu” in “Diu”.
25
in Lengadocian: ieu
26
Old-German, in which the pronoun “Ih” relates to the southern (Suebian
and Bavarian) dialects.
27
basierend auf Helena Blatatsky, The Secret Doctrine (1888)

43
9 Hieroglyphen unserer Sprache

Die Proto-indoeuropäische Religion


In der Proto-indoeuropäischen Schöpfungslegende, die von
Plato im Symposium genau dokumentiert worden ist, wurde
die Ehe mittels etymologischer Symbolik gestärkt. Die
Ehegatten und die Ehe wurden dabei mit Hieroglyphen
symbolisiert, die ebenfalls die Verbindung zur göttlichen Macht
darstellten. Mit diesen Buchstabencodes hat man Gottes
Namen aus zwei Konsonanten gebildet, in deren Mitte man den
Menschen als persönliches Pronomen der ersten Person
Singular28 platziert hatte.
In der englischen und alt-deutschen Sprache resultiert diese
Formel in der göttlichen Name Dis oder vielmehr Dis-Pater,
der tatsächlich von Julius Cäsar29 als der wichtigste Gott
Galliens identifiziert worden ist.
Diese Regel können wir nicht mehr in jeder indoeuropäischen
Sprache wahrnehmen, aber offensichtlich ist sie in einigen
abgelegenen Alpentäler noch erhalten geblieben, wo
namentlich die Langue d'Oc und die Romaanse Dialekte noch
unverfälschte Pronomina mit einer androgynen Struktur
aufweisen. Wo dies der Fall ist, dürfen wir die Buchstaben in
diesen Pronomina und Götternamen als Hieroglyphen
betrachten, als heilige Zeichen, welche die religiöse Symbolik
bewahren und fortpflanzen.

28
in der alt-deutschen Sprache ist dieses Pronomen „Ih“, in Englisch „I“.
29
De Bello Gallico, in Buch VI, 18-21, 53 vor Christus

44
Die Hieroglyphen I, J, Y, U, V
Die Buchstaben I, J, Y sind traditionell die männliche Symbole,
welche als Säulen abgebildet wurden. Die Buchstaben U und V
sind traditionell die weibliche Symbole als Abbildungen der
Gefäße.
Merkwürdigerweise beginnt die Iuþhark-Reihe auf dem Kylver
Runenstein30 nicht mit Fuþ sondern mit den religiösen
Hauptsymbolen I, U und þ.

Die Hieroglyphen D, Th oder þ und s


Der göttliche Name (zum Beispiel Dyaus, Deus, Zeus und
Theos)
• beginnt normalerweise mit D, Z, Th oder Þ
• endet manchmal mit einem S.
Zur Bildung des göttlichen Namens wird zwischen diesen
Anfangs- und Endbuchstaben in der Regel das Pronomen der
ersten Person Singular platziert, zum Beispiel: Diéu wird in
Provenzalisch zusammengesetzt aus D und iéu, wobei in
diesem Fall das S entfällt. In Englisch und alt-Deutsch wird
der gallische Schöpfername Dis gebildet durch
Zusammenschaltung des Buchstabens „D“, des Pronomens „i“
und des abschließenden „s“. In Italienisch benötigt man zur
Bildung des Namens Dio eine Zusammenschaltung von „D“
und dem Pronomen „io“. Spanisch verwendet für Dios die
Zusammenschaltung des führenden Buchstabens „D“ und des
Pronomens „yo“, gefolgt vom abschließendem „s“.

30
aus 400 nach Christus

45
Die Vokale O, A und E
Offensichtlich kann man als Mitte der persönliche PIE-
Pronomina für die 1st Person Singular jeden Vokal verwenden,
d.h. das e im okzitanischen ieu, das a in iau und das o in
Aromanischen iou.
Der Kern ieu selbst wird identifiziert im provenzalischen
Namen Dieu, der Kern iau im PIE-Namen Dyaus, der Vokal
„o“ befindet sinch nich nur im Aromanischen Pronomen iou
sondern auch in der Mitte der Namen Jeh-o-Vah, Jove, IOU-
piter.
Die zentralen Vokale waren in einigen Sprachen (z.B.
Hebräisch) heilig und wurden weggelassen. Vielleicht hat man
deshalb die Matres Lectionis und die Buchstaben He als
Bindeglied zwischen den männlichen und weiblichen
Symbolen angewandt.
Entspricht das Heilige in der Mitte des Jeh-O-Vah
beziehungsweise JOV31, etwa der Mitte des Ehepaars,
bestehend aus dem Mann (Jeh) und Frau (Vah)?
„Denn Gott bin ich und kein Mann, der Heilige in
deiner Mitte“ (Hos 11,9)

Die Hieroglyphe H (He)


Eines der bedeutenden Unterschieden zwischen den IU-Kernen
in IU-Piter beziehungsweise Tuisco und IHVH ist die
Ergänzung der IU-Kernes mit zwei Buchstaben He in IHVH.

31
JOV → Jovis (Der Genitiv des Namens IU-pitter)

46
Eine Vielzahl von Zitaten aus der Bibel berichten von der
Ergänzung des Buchstabens He. Dieser Buchstabe, der sich auf
das weibliche Element im Tetragrammaton bezieht, spielt
bereits bei Abraham eine bedeutende Rolle:
„Du wirst Stammvater einer Menge von Völkern. Man
wird dich nicht mehr Abram nennen. Abraham wirst du
heißen.” 32
Weiter sprach Gott zu Abraham:
„Du sollst dein Weib Sarai nicht mehr Sarai heissen,
sondern Sarah33 soll ihr Name sein.”34
Der Sohar erklärt dazu35,
„dass Er alle Zeichen in eine Gesamtheit fasste
zwischen Anfang und Ende. Und dann erst kam das
‚He’ hinzu, um alle Zeichen mit dem ‚H’ zu verbinden,
und diese Verbindung wird ‚Du’ (Atah) genannt. Wie es
heißt: Atah bringt sie alle zum Leben .” 36
Der Buchstabe H (He) symbolisiert (vielleicht nur in der
Hebräischen Schrift) die eheliche Verbindung bzw. die
Hochzeit. Es wurde geschrieben im Sohar37:

32
Genesis 17-5
33
In der Originalübersetzung nach Luther (aus 1741) und in der Englischen
Übersetzung endet dieser Name mit einem „h“, aber in der modernen
Einheitsbibel hat man das „h“ weggelassen.
34
Genesis 17-15
35
Der Sohar I. fol. 51a-b
36
Nehemia 9,6
37
Der Sohar I. fol. 51a-b

47
„Im 5. Buch Moses 22,23 wird das Wort Na’arah
(Mädchen) ohne ‚H’ geschrieben, eben weil sie sich
noch nicht mit einem Manne vereinigt hat, und wo
keine Vereinigung eines Männlichen und Weiblichen
stattgefunden, hat das H keinen Platz.
So sind offensichtlich das Zeichen „He“ und das zugehörige
Pronomen „Du“ Symbole der geheiligten Heirat, wobei das
Mädchen und ihr Ehemann sich als Ehepaar in einen
androgynen Menschen verwandeln.
Abram fügt eine vereinigende Komponente „He“ in seinen
Namen und heißt fortan Abraham, ebenso wie Sarai das Jod
ersetzt durch einen vereinigenden Buchstaben „He“.
Die niederländische Sprache kennt auch noch das Wort
„huwen“ (ehelichen), das soviel heißt wie der Person das „U“
zukommen lassen. In der Kabbala heißt es, dass die Ehepartner
sich gegenseitig bei der Hochzeit symbolisch das „He“ der
Vereinigung zukommen lassen.
Wie in der jüdischen Sprache kennen somit auch die tuitsche
und die übrigen Indo-Europäische Sprachen eine Kabbala, in
der durch Buchstabencodes religiöse Vorschriften codiert
worden sind.
Dass man früher IHWH als eine Person mit zwei individuellen
Hälften betrachtet hat, kann man immer noch ablesen am
Namen Elohim, der allgemein als Pluralwort betrachtet wird
und am Bibelzitat38:
Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als
unser Abbild, uns ähnlich."
38
Genesis 1:26

48
Zusammenfassung
In dieser Übersicht werden die Buchstaben I, J, Y, U, V, sowie
D, Th beziehunsgweise þ und S, nebst den Vokalen O, A und E,
zusammen mit dem Bindeglied H als die wichtigsten
Hieroglyphen der indoeuropäischen Sprachen betrachtet.
Mit dieser Symbolik bildeten die Indo-Europäaner die Wörter
für den Himmelsgott, für die wichtigsten Promomina der ersten
und zweiten Person, und einige andere elementare Begriffe mit
religiösem Hintergrund.
Für die wichtigsten Europäischen Sprachen konnte die Formel
zum Generieren der Schöpfernamen folgendermaßen gestaltet
werden:
• Provenzalisch: “D” + “iéu” = “Diéu”
• Italienisch: “D” + “ió” = “Dió”
• Spanisch: “D” + “yo” + “s” = “Dios”
• Portugiesisch: “D” + “eu + “s” = “Deus”
• Englisch: “D” + “i” + “s” = “Dis”
• alt-Deutsch: “D” + “ih” + “s” = “Dis”
• Sicilianisches Dialekt: “D” + “iu” = “Diu”

Auch wenn diese Thesen nur an einem Dutzend Dialekten der


abgelegenen Alpentäler nachweisbar sind, müssen wir
annehmen, dass diese Prinzipien bereits in prehistorischer Zeit
entstanden sind.
Bei dieser Studie ist auffällig, dass diese Hieroglyphen sowohl
in der jüdischen als in der Indo-Europäischen Sprache
angewandt werden. Eine gemeinsame Quelle ist deshalb
wahrscheinlich.

49
10 Dualis39
Im PIE-Konzept und in anderen Sprachen, deren Entwurf auf
einem dualen Paar basieren müssen wir eine besondere
Wortbildung für die Paarbehandlung erwarten, insbesondere für
verheiratete Paare und für die persönlichen Pronomina.
In den meisten Sprachen, die einen Dual kennen, wird er vor
allem für natürlicherweise Paariges verwendet; etwa für
doppelt vorhandene Körperteile wie Arme und Beine und
entsprechende Kleidungsstücke wie etwa Schuhe, oder für
Ehepaare. Ist die Zahl von Gegenständen oder Personen
dagegen nur zufällig zwei, so wird teilweise der normale Plural
verwendet.
In der Familie der indogermanischen Sprachen haben vor allem
früh überlieferte Sprachen Dualformen, sowohl am Verb als
auch am Nomen und Pronomen: Sanskrit, Avestisch,
Altgriechisch, Altkirchenslavisch, Gotisch, Altirisch und älteres
Litauisch, so dass der Dual für die indogermanische Ursprache
angesetzt wird.
Zwei alte Dualformen, die heute die Funktion des Plurals
übernehmen, sind die Formen eß für „ihr“ und enk für „euch“
im Bairischen, auch enker für „euer“, eigentlich „euer beider“.
Auch das Wort beide gilt als Rest des westgermanischen Duals.
Verschiedene nordfriesische Dialekte konnten Dualpronomima
in der ersten und zweiten Person (z. B. wat für „wir beide“ und
jat „Ihr beide“), das Sylterfriesische auch in der dritten Person,
bis ins frühe 20. Jahrhundert erhalten.

39
Dual (Grammatik)

50
In zahlreichen außereuropäischen Sprachfamilien existiert der
Dual noch heute. Die meisten semitischen Sprachen kennen
ihn, beispielsweise das Hebräische (nur für paarweise
auftretende Dinge wie Augen und Ohren) und das Arabische.
Einige polynesische Sprachen, zum Beispiel das Hawaiisch
verwenden einen Dual ausschließlich für Pronomia. Andere
Sprachen, die zum Beispiel auf den Philippinen gesprochen
werden, reservieren den Dual nur für das Pronomen der ersten
Person, wobei dieses Wort „wir“ in der spezifischen Form „Du
und ich“ beschreibt.
Die Dualform war in allen Slawischen und Deutschen Proto-
Sprachen bekannt. In Alt-Englisch, Alt-Nordisch und Altnorsk
und andere Germanische Sprachen wurde die Dualmarkierung
nur für die Pronomina der ersten und zweiten Person benutzt.
In der gothischen Sprache benutzte man wit für „wir beide“,
anstelle von weis „wir, mehr als 2 Personen“. Das wit ist
jedoch ggf. eine andere Schreibweise für UIÞ, das analog an
Vit im Namen Svantevit aus den religiösen Basissymbolen U, I
und Þ aufgebaut wurde.
Diese Beispiele deuten auf eine besondere Bedeutung der
Dual-formen für die Pronomina der ersten und zweiten Person
Singular, die sich der Abschaffung zur Wahrung der religiösen
Bedeutung möglichst lange widersetzt haben.
Am Anfang der Swadesh-Listen sind insbesondere Antipoden
aufgeführt, die eine Paarbildung aus Gegensätzen bilden. Diese
Paarbildung bei den bedeutsamsten Wörtern entspricht die
religiösen Bedeutung der Dual-Bildung.

51
11 Abram
Das zugrunde liegende PIE-Konzept ist offensichtlich ein
Fruchtbarkeitskult, der in den Klängen und Buchstaben der
Vokale I und U codiert wurde. Mit Hilfe der “Matres
Lectionis40” kann man diese Symbole auch in den göttlichen
Namen IHVH identifizieren.
Die Korrelation zwischen der hebräischen und der PIE-
Religion regt zur Analyse der Ursprungsreligion an. Ist diese
Idee in Ur, in Palästina, in Ägypten oder im Epizentrum der
PIE-Kultur entstanden?
Auf der Karte der PIE-Expansion sollten wir den Verlauf der
vierten Welle um ca. 2500 - 2200 v. Chr. ins Niltal genauer
untersuchen. Wir wissen, dass Abraham die Hethiter
kontaktiert hatte um die Grabstätte für seine Frau Sarah zu
kaufen. Laut Genesis 23:2 traf er dazu zu Hebron in Land, das
den Hethitern gehörte und erwarb das Grundstück und die
Grotte von einem Ephron, den man einen Hethither nannte.
Dieser Erweb wurde mehr als dreimal in der Bibel erwähnt,
und zwar zum Tode Abrahams, Jakobs und Josefs.
Jahrzehnten später, in Genesis 26:34 erwähnt die Bibel, dass
Abraham's Enkel Esau zwei Hethitertöchter (Judith die Tochter
des Hethiters Beeri und Basemath, die Tochter des Hethiters
Elon) zu seinen Frauen aufgenommen hat. Diese Aussage wird
mit etwas abweichenden Namen wiederholt in Genesis 36:2. In
Genesis 27:46 fragt sich Rebekka, ob Jakob eine ähnliche
Aktion planen könnte...

40
Latein: "Lese-Mütter"

52
Diese intensive Kontakte zu den Hethitern belegen die
Bedeutung der Nachbarschaft zwischen beiden Völkern.
Womöglich hat Abraham bei dieser Gelegenheit auch einige
Grundlagen zur eigenen Religion von der PIE-Kultur
übernommen, zum Beispiel der IU-Kern aus Dyaus, die
androgyne Schöpfungslegende und die Geschichte der Sintflut.
Der älteste Name des Schöpfergottes IHVH stammt jedoch
nicht aus dem zweiten Jahrtausend vor Christus, sondern aus
840 vor Christus.

Abb. 10: Ausbreitung der Kurgankultur

53
12 Die Mesha-Stele41 (840 BC)
Die Mescha-Stele (auch Moabiterstein genannt) ist eine
Bauinschrift auf einer Stele (Gedenkstein) mit einer Inschrift in
moabitischer Sprache. Dieser Basaltstein ist das älteste
erhaltene Denkmal in einer dem Hebräischen nahe verwandten
Sprache und Schrift.

Abb. 11: Die Mesha-Stele

Die Stele enthält einen der ältesten Belege des bipolaren


Gottesnamens IU: „Und ich nahm von dort die (Kult-)Geräte
JHWHs und schleppte sie vor Kemosch“

41
Wikipedia: Die Mescha-Stele

54
13 Hermes von Roquepertuse
In der Nähe der Stadt Velaux beim südfranzösischen Marseille
befindet sich die Ruine des Keltenheiligtums Roquepertuse.
Das Heiligtum war in römischer Zeit immer ein zum nahe
gelegenen Stadt Entremont gehörendes religiöses Zentrum, wo
sich nur wenige Priester ständig für die täglichen Rituale und
die Bewachung bereithielten. Marseille ist zu besagter Zeit eine
griechische Kolonie, die sich bereits seit einigen Jahrhunderten
auf den Fernhandel mit den Kelten spezialisiert hatte.
Um 125 vor Christus bedrohen die Kelten in der Nähe dieser
Stadt die griechischen Kolonien und greifen römische
Legionen auf dem Durchzug nach Spanien an. Die Griechen
rufen ihren mächtigen Bundespartner zur Hilfe, und Rom
organisiert 124 v.C. eine erste Strafexpedition. Die Kelten
verteidigen sich zunächst erfolgreich. Die Römer verlieren
einige Soldaten und ziehen sich zurück. Römische Quellen
berichten, dass die Barbaren die Körper der Römer enthaupten
und die mumifizierten Schädel an die Wände ihrer Heiligtümer
und Häuser nageln.
Im nachfolgenden Jahr folgt eine zweite Expedition unter der
Leitung des Konsuls Gaius Sextius Calvinus. Die Truppen
marschieren jetzt mit schwerer Artillerie auf, die sechs
Kilogramm schwere Steinkugeln schleudern. Die Römer
postieren diese Waffen auf den Berghängen der Hauptstadt
Entremont und des Heiligtums Roquepertuse. Nach wenigen
Tagen Belagerung geben die Kelten auf und fliehen, während
die Römer Entremont und Roquepertuse vollständig
vernichten. Die Holzkonstruktionen der Bauten stürzen
zusammen und verbrennen.

55
Ein Wiederaufbau wird untersagt, und die Legion gründet in
der Nähe eine neue Stadt: Colonia Aquae Sextia, das heutige
Aix en Provence. Die Römer verbreiten im Kelten-Land
Gallien die Pax Romana. Das Salische Volk wird eliminiert
und ersetzt durch andere Kelten, Römer und Griechen. Die
Akropolis Roquepertuse wird vergessen, nachdem der Salische
Keltengott sein Volk so schmählich im Stich gelassen hatte,
und schlummert in der Erde bis 1929.
In 1923 beginnt der französische Archäologe Henri de Gérin-
Ricard die Ausgrabungen in Roquepertuse, das inzwischen
vollständig unter Laub, Erde und Stein begraben ist. Die
Archäologen finden drei quadratische Säulen mit
Aussparungen für Menschenschädel, zwei kopflose 62cm hohe
Buddha-Statuen, eine große Vogelskulptur in 25 Teilen, eine
Vielzahl römischer Steinkugeln und eine merkwürdige 20cm
große Skulptur mit zwei Gesichtern. Henri de Gérin-Ricard
nennt die doppelgesichtige Skulptur “Hermes von
Roquepertuse”, und seine Funde werden im Museum Borély in
Marseille ausgestellt.
Die menschlichen Gesichter der doppelgesichtigen Skulptur
sind etwa 20 cm hoch und in natürlicher Größe dargestellt. Die
Schädel sind bartlos, und die Haartracht wird lediglich mit
schwarzer Farbe angedeutet. Ursprünglich waren die Gesichter
mit roter Farbe, die Augen in Schwarz gemalt. Der größere
Schädel ist etwa sieben bis zehn Prozent größer als sein
Partner, und diese Differenz deutet ggf. auf ein Zwitterpaar. In
der Mitte befindet sich eine dreieckige, keilförmige
geometrische Figur, die Archäologen normalerweise als
Vogelschnabel deuten. Man glaubt, dass dieses Bild in einem
Todesritual verwendet wurde, um die Seele des Verstorbenen in
den Himmel zu geleiten.

56
Außerdem meinen die Archäologen, dass in Roquepertuse kein
Göttersymbol gefunden wurde. Die Statuen mit der Buddha-
Haltung seien dagegen Priester oder Soldaten.
Offensichtlich haben die Archäologen die Symbolik Tuiscos
bei der Analyse der Hermes-Statue ignoriert. Tuisco war ein
androgyner Gott, der die Menschen nach seinem Ebenbild
männlich-weiblich geschaffen hatte und erst danach
aufgetrennt hat in Mann und Frau. Genau dieser Moment der
Trennung wird in der Skulptur dargestellt, wobei ein Messer
aus Feuerstein auf einem Altarstein die Verbindung zwischen
Mann und Frau auftrennt. Die Skulptur aus Roquepertuse stellt
deshalb eine Schöpfungslegende dar, aber gleichzeitig auch ein
Ebenbild des Schöpfergottes Tuiscos. In Roquepertuse wurde
offensichtlich doch ein androgynes Göttersymbol gefunden,
und zwar das Ebenbild Tuiscos oder gar in einer französischen
Variante „Djeu-piter“.
Die Skulptur des Riesenvogels, der in 25 Scherben gefunden
wurde, lenkt unsere Aufmerksamkeit auf eine andere, große
Religion der Antike. Dieser Vogel, der sich verjüngt und aus
seiner Asche aufsteigt, findet sich in vielen Religionen wieder.
In Indien trägt der Vogel den Namen Garuda, und im Nahost
ist sein Name Phönix, der Namenspate der Phönizier.
Verschiedene andere Funde bei Ausgrabungen in den Kelten-
Siedlungen Entremont, Mouriès, Nages und Noves bestätigen
die Bedeutung des Schädelkults, wobei Schädelpaare eine
große Rolle spielen und wobei der Gott in einigen Fällen seine
Hand auf dem Menschenschädel ruhen lässt. Die Augen sind
manchmal geöffnet, aber oft auch geschwollen oder
geschlossen, wie die Augen eines Neugeborenen.

57
Die in Roquepertuse gefundene Darstellung Tuiscos ist eine
Ausnahme, denn Tacitus sagt uns zum keltischen Gottesdienst
in seinem Werk „Germania“:
„Im übrigen verträgt es sich nach germanischer Anschauung
nicht mit der Hoheit der Himmlischen, die Götter in
Tempelbauten einzuengen oder menschenähnliche Bilder von
ihnen zu machen. Sie weihen ihnen Wälder und Haine und
rufen jenes geheimnisvolle Wesen, das man nur dann schauen
zu können meint, wenn man in ehrfurchtsvoller Andacht
versunken ist, mit göttlichem Namen an“.
Die Skulpturen der Provence enthalten alle keine Inschrift, aber
die zugehörigen Symbole und Legenden sind weiter nördlich in
den Namen der Städte und in der Sprache erhalten geblieben,
wo die Germanen und Keltenvölker zu zahlreich waren, um
von den Römern ausradiert zu werden. Es gibt jedoch noch
einen weiteren Hinweis auf die androgynen Religionen: das
Keltische Fürstengrab in Hochdorf an der Enz.
Eine Analyse der Skulptur von Roquepertuse42 ermöglicht uns
vielleicht noch eine genauere Interpretation des Objekts
zwischen den beiden Schädeln der Hauptpersonen. Bisher sind
drei Ideen geäußert worden:
• ein Vogelschnabel (..von französischen Archäologen)
• ein dritter Kopf (Vorschlag von Licia Filingeri43)
• ein Obsideanmesser (Vorschlag von Joannes Richter44)

42
Museum Borland in Marseille, Frankreich
43
im Palaeolithic Art Magazine
44
im Buch „Der Brenner- & Tuisc Codex, 2004

58
Wenn wir in dieser Diskussion einen genaueren Blick auf die
Skulptur werfen, sehen wir, dass dieses Objekt keinen Hals
darstellt, aber dafür auf der Unterseite in einer scharfen Klinge
endet. Die Unterseite bildet ein Steinmesser, womit man die
zwei sich berührenden oder gar zusammengewachsenen
Schädel auftrennen kann. Das Blatt endet keinesfalls in einem
spitzen Schnabel, den man bei einem Vogelschnabel erwarten
würde.

Abb. 12: Hermes von Roquepertuse

Eine solche Auftrennung eines Schädelpaares gehört zu einer


religiösen Prozedur, die durchaus mit Platos
Schöpfungslegende im Symposium übereinstimmen könnte.

59
14 Das Fürstengrab in Hochdorf
Das Kelten-Museum in Hochdorf45 an der Enz birgt noch
mancherlei Überraschung. Das Fürstengrab enthielt bereits bei
der Entdeckung in 1968 eine Sensation: die nicht beraubte
Prunkbestattung eines frühkeltischen Fürsten. Im Rückblick ist
die wahre Sensation jedoch der violettfarbene Mantel, den der
Fürst getragen hat. Denn dieser Mantel symbolisiert die
Religion des keltischen Volkes.
Das Fürstengrab mit seinen einmaligen technischen Funden
sowie deren archäologische und historische Einordnung stehen
im Zentrum des Museums. Die Grabkammer und die Beigaben
wurden mit „alten” Werkzeugen und handwerklichen
Techniken in originalgetreuen Materialien rekonstruiert. Die
Präsentation vermittelt einen authentischen Eindruck der
Bestattung vor 2500 Jahren.

Ein Symposium
Das Fürstengrab, so erklärt unsere Begleiterin im Museum,
symbolisiert ein Symposium, das der König zu Lebzeiten im
Stil eines griechisch-platonischen Gastmahls als Höhepunkt
des gesellschaftlichen Lebens oft genossen hat. Der
Prunkwagen mit Pferdegeschirr, das komplette 9-fache
Speiseservice und die hochwertige Liege des Fürsten sind als
technische Höchstleistung für jedermann klar erkennbar. Ein
überdimensionales Gefäß war für das Symposium mit
Honigwein gefüllt.

45
Hochdorf bei Stuttgart, etwa 500 bC

60
Dieses löwengeschmückte Kupfergerät wurde über uralte
Handelsrouten, über Marseille, Rhone und Schweiz, aus
Griechenland importiert. Das wahre Wunder sind jedoch die
Tücher, die das Grab enthält.

Abb. 13: Keltisches Fürstengrab in Hochdorf

61
Die Farben Rot und Blau
Im Vortrag beschreibt die begeisterte Referentin ausführlich,
dass die Grabbeigaben in Tücher gewickelt aufgefunden
wurden. Diese Tücher sind überwiegend in den königlichen
Farben Rot und Blau gehalten, die für die Kelten besonders
kostspielig gewesen sein müssen. Als Besonderheit erwähnt die
Vortragende, dass der violette Mantel des Fürsten aus sehr fein
rot- und blaukariertem Stoff gewebt wurde. Die
Webtechnologie erreicht eine ungeheure Webdichte von 80
Fäden pro cm!

Abb. 14: Das Keltengrab in Hochdorf

Die rote, haltbare Farbe wurde durch Trocknen und Auskochen


einer Schildlaus gewonnen46.

46
Eine artverwandte Conchenilla-Schildlaus wird auch heute noch auf den
Kanaren gezüchtet.

62
Dabei handelt es sich um die auf den Kermeseichen (Quercus
coccifera L.) lebenden Kermes-Schildläuse (Coccus ilicis oder
Kermes vermilio Planchon), der polnischen Kermeslaus
(Porphyrophora polonica L.) oder aus der armenischen
Kermeslaus (Porphyrophora hameli Brandt), die auf Wurzeln
bestimmter Gräser zu finden war.
Das Blau stammt aus einer Pflanze mit dem Namen Waid
(Isatis tinctoria oder „deutscher Indigo“) und stimmt chemisch
mit dem Indigo überein. Im De Bello Gallico erwähnt Julius
Cäsar, dass die britischen Krieger sich vor der Schlacht den
Körper und das Gesicht blau färben mit der Waid-Farbe, um
damit ihren Feinde zu imponieren. Jetzt jedoch werden wir
sehen, wie die blaue Indigo-Farbe vielleicht auch die
männliche Mitgliedergruppe in einer androgynen Religion
symbolisieren kann.

63
15 Das Runenalphabet Iuthark
Die erste Runenreihe wird älteres Futhark genannt. Sie besteht
aus 24 Zeichen, denen wie im lateinischen Alphabet jeweils ein
einzelner Laut zugeordnet ist. Dieses Futhark wurde bis ca.
750 n. Chr. von allen germanischen Stämmen in der gleichen
Form verwendet. Man nennt es deshalb auch
gemeingermanisches Futhark. Ab wann es verwendet wurde,
ist bis heute Anlass zur Diskussion. Der erste sichere Beleg für
eine Runeninschrift ist der Kamm von Vimose (160 n. Chr.).

Abb. 15: Der Kylverstein aus Gotland, Schweden (400AD)

Als älteste Abbildung einer Runenreihe gilt Kylver Runenstein


aus 400 nach Christus, die merkwürdigerweise nicht mit FUTH
sondern mit den religiösen Hauptsymbolen I, U und þ beginnt.

64
Abb. 16: Der Kylverstein mit dem IUþark Alphabet

Abb. 17: Iuþark oder Iuþork

Auf dem de Kylerstein befindet sich zudem eine weitere


Inschrift den man auch als Namen eines Himmelgottes
“Zueius” lesen kann.

Abb. 18: “Zueius”

65
16 Bamberg
Am 25 September besuche in Bamberg die Ausstellung 47 „Gott
weiblich. Eine verborgene Seite des biblischen Gottes“, die
Israels Weg zum Monotheismus dokumentiert. Es ist eine späte
Besinnung auf die Rolle der Weiblichkeit in einem
ursprünglich androgynen Gottheit, die den Menschen nach
seiner Abbildung sowohl männlich als weiblich erschaffen
hatte. Die Ausstellungsstücke aus einem Zeitraum von 10
Jahrtausenden erzählen wie Gott weiblich im Land der Bibel
beachtet und geehrt wurde.
In der frühen Bronzezeit48, in dem männliche Gottheiten noch
keine Rolle spielen und einer mittleren Bronzezeit 49, in dem
erste männliche Götter auftauchen. In der späte Bronzezeit 50
findet der Übergang vom Matriarchat zum zum Patriarchat
statt.
Auffällig ist die Phase 850-700 vor Christus, in dem IHWH
eine Partneris zugeschrieben wurde51: Aschera, eine alte
kanaanäische Göttin. Aus der nachfolgenden Phase 750-587
vor Christus werden bei archäologischen Funden in jedem
Haus Statuetten einer Göttin gefunden. Interessant ist dabei die
Erwähnung einer denkwürdigen Bibelstelle:
„Denn Gott bin ich und kein Mann, der Heilige in
deiner Mitte“ (Hos 11,9)

47
Sonderausstellung im Diözesanmuseum Bamberg, Domplatz 5, von 8.
Mai bis 3. Oktober 2010
48
Frühe Bronzezeit: 3500-2200 vor Christus
49
Mittlere Bronzezeit: 2000-1550 vor Christus
50
Späte Bronzezeit: 1550-1150 vor Christus
51
laut Graffitti aus Kuntillet Aschrud, einer Karawanserei im Negev.

66
Ist diese Mitte etwa der mittlere Buchstabe des Jeh-O-Vah
beziehungsweise JOV52, der die Mitte des Ehepaars, bestehend
aus dem Mann (Jeh) und Frau (Vah)?

52
JOV → Jovis (Der Genitiv des Namens IU-pitter)

67
17 Die Buchstaben als Hieroglyphen
Aus den vorangegangen Kapiteln kann man ablesen, dass
verschiedene Buchstaben als Hieroglyphen verwendet wurden:

Die Buchstaben I, J, Y, U, V
Die Buchstaben I, J, Y sind traditionell die männliche Symbole,
die als die Säulen der Erde abgebildet werden.
Die Buchstaben U und V sind traditionell die weibliche
Symbole als Abbildungen der Gefäße.
Merkwürdigerweise beginnt die Iuþhark-Reihe auf dem Kylver
Runenstein53 nicht mit Fuþ sondern mit den religiösen
Hauptsymbolen I, U und þ.

Der Buchstabe D, Th oder þ und s


Der göttliche Name (zum Beispiel Dyaus, Deus, Zeus und
Theos)
• beginnt normalerweise mit D, Z, Th oder Þ
• endet manchmal mit einem S.
Zur Bildung des göttlichen Namens wird zwischen diesen
Anfangs- und Endbuchstaben in der Regel das Pronomen der
ersten Person Singular platziert, zum Beispiel:
Diéu wird in Provenzalisch zusammengesetzt aus D und iéu,
wobei in diesem Fall das S entfällt.

53
aus 400 nach Christus

68
Die Vokale O, A und E
Offensichtlich kann man als Mitte der persönliche Pronomina
für die 1st Person Singular jeden Vokal verwenden, d.h. das e
im okzitanischen ieu, das a in iau und das o in Aromanischen
iou. Der Kern ieu liegt dem okzitanischen Namen Dieu, der
Kern iau dem PIE-Namen Dyaus, der Kern iou dagegen dem
Namen Jehovah, Jove, IOU-piter zugrunde. Die zentralen
Vokale waren in einigen Sprachen (z.B. Hebräisch) heilig und
wurden weggelassen. Vielleicht hat man deshalb die Matres
Lectionis und die Buchstaben He als Bindeglied zwischen den
männlichen und weiblichen Symbolen angewandt.
Entspricht das Heilige in der Mitte des Jeh-O-Vah
beziehungsweise JOV54, etwa der Mitte des Ehepaars,
bestehend aus dem Mann (Jeh) und Frau (Vah)?
„Denn Gott bin ich und kein Mann, der Heilige in
deiner Mitte“ (Hos 11,9)

Der Buchstabe H (He)


Der Buchstabe H (He) symbolisiert (vielleicht nur in der
Hebräischen Schrift) die eheliche Verbindung bzw. die
Hochzeit. Es wurde geschrieben im Sohar55:
„Im 5. Buch Moses 22,23 wird das Wort Na’arah
(Mädchen) ohne ‚H’ geschrieben, eben weil sie sich
noch nicht mit einem Manne vereinigt hat, und wo
keine Vereinigung eines Männlichen und Weiblichen
stattgefunden, hat das H keinen Platz.

54
JOV → Jovis (Der Genitiv des Namens IU-pitter)
55
Der Sohar I. fol. 51a-b

69
18 Rashi's and Rashbam's Genesis56
Die nachfolgenden Zitate beschreiben einige Quellzeilen in den
mittelalterlichen Varianten der Genesis:

Rashi's Genesis
Rashi57 war ein Rabbiner und maßgeblicher Herausgeber und
Kommentator des Talmud im hohen Mittelalter. Der auf ihn
zurückgehende Talmud-Kommentar gilt bis heute als einer der
bedeutendsten und wird in den meisten Ausgaben mit
abgedruckt.
1055 ging Raschi zunächst nach Mainz und dann nach Worms,
um dort an den Jeschiwot zu studieren, die zu den
bedeutendsten in Europa gezählt wurden. Zu seinen Wormser
Lehrern zählten Jakob ben Jakar und Isaak ben Eleasar ha-
Levi. 1065 kehrte Raschi nach Troyes zurück, wo er als Winzer
und Weinhändler arbeitete. Seine Enkel Raschbam und
Rabbenu Tam studierten hier bei ihm und wurden ebenfalls
bedeutende Bibel- und Talmudkommentatoren.
Neben ihrer religiösen Bedeutung sind die Raschi-Kommentare
auch eine wichtige Quelle für die Romanistik, da sie zahlreiche
altfranzösische Wörter in hebräischer Umschrift überliefern.

56
Quelle: Rashi
57
Schlomo Jizchaki (auch Schlomo ben Jizchak, Schelomo ben Isaak oder
Salomo ben Isaak, meist nur Raschi genannt; * 1040 in Troyes; † 5. August
1105 ebenda)

70
Da Raschi diese Umschrift rein lautlich durchführte, kann
daraus die Aussprache des damaligen Französisch besser
rekonstruiert werden als aus lateinschriftlichen Texten, in
denen die überlieferte lateinische Rechtschreibung die
tatsächliche mündliche Sprachgestalt überlagerte.
Die Schöpfungslegende formulierte Rashi wie folgt:
„Gott schuf den Menschen. Ein Wesen, das sowohl
männlich als weiblich gewesen sei und das später in
zwei Personen aufgeteilt wurde. Gott hat sie
geschaffen“ 58.

Rashbam's Genesis
Samuel ben Meir, genannt Raschbam, 59 war ein jüdischer
Kommentator von Tanach und Talmud im 12. Jahrhundert. Er
ist ein Enkel von Raschi und Bruder von Rabbenu Tam. Auch
Samuel ben Meir betrieb seine Studien vor allem bei seinem
Großvater in Troyes. In einigen Fällen akzeptierte Raschi die
Meinung seines Enkels und änderte seinen eigenen Kommentar
dementsprechend.
Die Schöpfungslegende formulierte Rashbam wie folgt:
„Gott schuf die Menschheit in Engelsgestalt; nach dem
Abbild de Engeln. Gott erschuf die Menschheit; Gott
schloss die Frau im Manne und trennte sie später auf“
60
.

58
Rabbi Rashi 1040-1105, Nordeuropa (Kapitel 27)
59
* um 1085 in Ramerupt; † um 1174
60
Rasbam, Rashi's Nachfahre, 1085-1174, Nordeuropa (Kapitel 27)

71
Die beide Genesisvarianten von Rashi und Rashbam werden in
englischer Sprache parallel dargestellt in The Traditional
Genesis.

72
19 Svantevit
In der deutschen Version der Wikipedia wird Svantovit
folgendermaßen dokumentiert:
Svantovit (auch Svantevit, Sveti Vid, Swantewit,
Svetovit, Svatovit, Świętowit oder Святовит) ist eine
slawische Gottheit. Er war der Kriegsgott und die
oberste Gottheit der Ranen auf Rügen und anderer Elb-
und Ostseeslawen, vergleichbar mit dem obersten Gott
Perun anderer slawischer Stämme. Slawische
Gottheiten haben oft mehrere Köpfe. Svantovit ist
vierköpfig, jeder Kopf schaut in eine Himmelsrichtung.
Er wurde auf Rügen von den slawischen Bewohnern
insbesondere als Orakelspender verehrt.
Saxo Grammaticus berichtet Ende des 12. Jahrhunderts61 von
dem Svantovit-Kult. Er beschreibt genau die Kultstätte
innerhalb der Jaromarsburg am Kap Arkona auf Rügen: Ein
quadratischer, säulengetragener Holztempel mit einem einzigen
Eingang und einem Purpurdach beherbergte das hölzerne,
überlebensgroße, 4-köpfigen Standbild von Svantovit. Von den
vier Köpfen blickten zwei nach vorne und zwei nach hinten.
Das Trinkhorn in der rechten Hand war aus Metall und wurde
von einem einzelnen Priester einmal im Jahr mit Wein gefüllt,
dessen Zustand der Weissagung über die kommende Ernte
diente.
Das Heiligtum galt als geistiges Zentrum der Slawen und
insbesondere der auf Rügen ansässigen Ranen. Es wurde 1168
vom dänischen König Waldemar zerstört. Die Statue wurde im
Freudenfeuer zur Christianisierung verheizt.
61
In der Dänischen Geschichte (Historia Danica)

73
Bei meinem Besuch am 20 September 2010 regnet es leicht bei
stürmischer Witterung. Einige Teile der Festung haben die
Verwüstung überlebt, aber jegliche religiöse Symbolik wurde
sorgfältig entfernt.
Nach Angaben der Tafeln wurde Svantevit als Indo-
Europäischer Gott mit dem Namen „Vitt“ (oder vielmehr Uiþ,
mit einem eindeutigen UI-Kern) identifiziert. Ein nahe
gelegenes Fischerdorf heißt Vitt und wurde offensichtlich dem
Svantevit62 gewidmet.

Abb. 19: Zwei Stühle vor der Jaromarsburg


Direkt vor dem Jaromarsburg hat ein Künstler zwei auffälligen
Stühle platziert.

62
Der Name Sven-te-Vit bedeutet vielleicht „Junger Mann vom Uiþ (?)

74
Der Künstler mag die Stühle als Symbol der androgynen
Gestalt Vits gestaltet haben, aber die Eisenteile sind höchstens
50 Jahre alt.
Wer auch immer diese Kunstwerke geschaffen hat – sie
symbolisieren genau den Charakter einer Indo-Europäischen
Gottheit. Die Stühle sind jedoch ausschließlich als Symbole
gedacht, denn sie sind für Erwachsenen zu schmal zum sich
Hinsetzen. Leider befindet sich im weiten Umkreis keine
Dokumentation zu diesen Sitzgelegenheiten.
Zur Kompensation des Verlustes der PIE-Gottheit Svantevit
errichteten die Slawische Bevölkerung Stralsunds die
gigantische Nikolai-Kirche, die mit den PIE-Symbolfarben Rot
und Blau überhäuft wurde.

Abb. 20: Blaue und rote Dekoration - Stralsund.

75
Offensichtlich trauerten die Slawen ihren verlorenen Gott nach
und verausgabten sich anschließend im Zentrum der größten
katholischen Kirche in den heidnischen Farben. Das
nachfolgende Foto zeigt nur einige wenige restaurierte
Originalfarben.
Ursprünglich waren alle Metallgitter im Altarbereich und die
Kuppeln, beziehungsweise Decken mit hell kolorierten Farben
Rot, Weiß und Blau übersät. Bisher (Stand: 2010) ist nur ein
winziger Teil der Kirche restauriert worden.

76
20 Die Prunkgräber

Die Grabanlage in Fontevraud Abbey


Die Abbaye Royale de Fontevraud63, eine königliche Abtei im
Anjou in Frankreich, nahe der Städte Saumur und Chinon,
bildet die Grablege der Plantagenets.

Abb. 21: Gräber von Heinrich & Eleonora in Fontevrault


(Photo von Krischnig – Public Domain)

Wie alle in Fontevraud Abbey beerdigten Adlige wurden


Heinrich & Eleonora in Orange-Rot und Blau beerdigt. Im
Gegensatz zur weißen Kühle der Kirche sind die Grabstatuen
immer noch in den originalen, intensiven Farben gehalten.
Diese Farbigkeit hatten früher auch die Kircheninnenräume.
63
die alte Schreibweise ist „Fontevrault“

77
An zentraler Stelle des Langhauses liegen Heinrich II. von
England und Eleonore von Aquitanien in der oberen Reihe,
darunter Richard Löwenherz und Isabella von Angoulême, die
Gemahlin von Johann Ohneland, deren Grabmal als einziges
aus Holz geschnitzt wurde, begraben. Die anderen drei sind
Plastiken aus Kalktuff, die ungefähr zu der Zeit gemeißelt
wurden, als die Betreffenden gestorben sind, also zu Beginn
des 13. Jahrhunderts (zwischen 1200 und 1256). Es sind mit
die frühesten Grabplastiken, bei denen die Verstorbenen als
Liegende, als Gisants dargestellt sind.

Abb. 22: König Richard I, Löwenherz (1189-1199)

78
Abb. 23: Isabella of Angouleme & King Richard I

Isabella von Angoulême (1188 – 1246) wurde in gold-blauer


Bekleidung auf einer roten Liege beerdigt.
Auffallend ist die Verwendung der PIE-Symbolfarben Rot und
Blau, die auf eine aktives Bewusstsein für das PIE-Konzepts
hinweist.

79
Das Grab von Gerard von Gelre

Abb. 24: Grablage in der Münster-Kirche-Roermond (NL)

Gerard IV von Gelre und seine Ehefrau Margaretha von


Brabant wurden ebenfalls in den Farben Rot, Weiß und Blau
beerdigt64. Das Herzogtum Geldern65 bildete einen Halbkreis
um der Grafschaft Kleve, in dem man dem Erzvater Tuisco
einen Hain gewidmet haben soll.

64
Die idealisierten Skulpturen entstanden zwischen 1230 und 1240
65
mit den Quartieren Arnheim, Nimwegen, Zutphen und Roermond

80
21 Der Sohar

Der Sohar
Die wichtigste kabbalistische Quelle Sohar steht an
verschiedenen Stellen im Web zur Verfügung. Im Sohar wird
die Symbolik der vier Buchstaben des heiligen, geheimen
Namen Tetragrammaton (YHVH bzw. IHVH) folgendermaßen
dokumentiert:

• Das große Wesen ist in sich sowohl männlich als


weiblich. Und wer ist Er? Der ewige Eine, En Soph, der
Grenzelose Eine, aus dem jegliches Leben, jeder Atem
und Alles hervorgegangen sei66 )
• Die zwei Hauptbuchstaben des göttlichen Namens, Y
und H dominieren die zwei übrigen Buchstaben, V und
H, die ihren Wagen bilden67.
• Die Buchstaben Yod und He symbolisieren den Vater
und die Mutter68
• Der Buchstabe V im göttlichen Namen IHVH ist der
Sohn oder das Kind der Eltern I und H, Vater
beziehungsweise Mutter69

Der erste Mensch Adam wurde androgyn erschaffen, mit dem


einen Gesicht nach rechts und dem anderen nach links. Beide
Gesichter - männlich und weiblich - fühlten sich einsam und
Gott entschied sich, die Hälften zu trennen.
66
Sohar (Web) - Kapitel 2
67
Sohar (Web) - Kapitel 3
68
Sohar (Web) - Kapitel 7
69
Sohar (Web) - Kapitel 12

81
Die Gottheit schmückte die weibliche Hälfte wie eine Braut
und führte sie ihrem Partner zu, damit sie sich erstmalig in die
Augen sahen70.

Die Trennung von Mann und Frau71


Es begann Rabbi Acha mit dem Schriftsatz: Und es
sprach IHVH Elohim: „Nicht gut ist es, dass der
Mensch allein sei72“. Warum beginnt der Satz mit
diesen Worten?
Es wurde gelehrt, dass aus dem Grunde vom zweiten
Tage nicht gesagt wird: dass es gut ist, weil der Mensch
vereinsamen sollte. War er denn aber einsam, wo doch
gesagt wird: Männlich und weiblich erschuf Er sie?

Auch haben wir gelernt, dass der Mensch


doppelgesichtig erschaffen wurde, und du sagst: Nicht
gut, dass der Mensch allein sei? Vielmehr bemühte er
sich nicht um seine weibliche Hälfte und hatte keine
Stütze an ihm, da dieser nur eine Seite bildete und sie
rückwärts wie eines waren – so war doch der Mensch
allein.

Ich will ihm einen Gehilfen verschaffen ihm


gegenüber73. Das heißt: seinem Antlitz gegenüber, dass
eines am andern hafte, Angesicht zu Angesicht. Was tat
der Allheilige? Er sägte an ihm und nahm das Weibliche
von ihm.

70
Sohar (Web) - Kapitel 16
71
Sohar III. fol. 44b.
72
Die Bibel, 1. Moses 2, 18
73
Die Bibel, 1. Moses 2, 16

82
Wie es heißt: Und Er nahm eine seiner Rippen74. Was
bedeutet: eine: das ist seine weibliche Seite, in gleichem
Sinne wie in den Worten: Eine ist sie, meine Taube,
meine Reine75. Und er brachte sie zu Adam 76. Er rüstete
sie wie eine Braut und ließ sie vor sein leuchtend
Angesicht kommen: Angesicht zu Angesicht.

Männlich und weiblich77

Rabbi Schim’on sprach: „Männlich und weiblich hat Er


sie erschaffen.” Darum ist ein Geistesbild, in dem nicht
Männlich und Weiblich vereinigt sind, nicht
himmlischer Art. Und in der geheimen Überlieferung
fanden wir dieses bestätigt.

So merke denn auch: An einem Orte, wo sich nicht ein


Männliches und ein Weibliches vereinigt finden, schlägt
der Allheilige nicht Seinen Wohnsitz auf und auch der
Segen findet sich nur an einem Orte, der Männlich und
Weiblich vereinigt.

74
Die Bibel, 1. Moses 2, 21
75
Die Bibel, Hohelied 6, 9
76
Die Bibel, 1. Moses 2, 22
77
Sohar I. fol. 55b

83
So heißt es denn auch: „Und Er segnete sie und nannte
ihren Namen Adam78, am Tage da sie geschaffen
wurden79”, und nicht: „Er segnete ihn und nannte
seinen Namen Adam”. Denn sogar der Name „Mensch”
wurde nur dem Männlichen und Weiblichen zusammen
gegeben.

Vom Ur-Zusammenhang der Geschlechter80

„...Wenn sie sich dann verbinden, erscheinen sie als ein


Körper wahrhaftig. Daraus folgt, dass das Männliche
allein nur als ein halber Körper erscheint ... und ebenso
das Weibliche. Erst wenn sie sich verbinden, werden sie
zur Einheit. Und wenn sie sich zur Einheit verbunden,
freuen sich alle Welten, weil von einem vollkommenen
Körper alle Menschen Segen empfangen.

Was darum nicht Männlich und Weiblich enthält, wird


ein halber Körper genannt. Und es kann kein Segen
walten an einem makeligen, mangelhaften Dinge,
sondern nur an einem vollkommenen Orte und nicht an
einem halben, denn halbe Dinge können in Ewigkeit
nicht bestehen und in Ewigkeit keinen Segen
aufnehmen ...”

78
Die Wörter „Adam“ und „Mensch“ enthalten in der hebräischen Sprache
die gleichen Konsonanten und sind damit austauschbar. Quelle: Fußnote in
Genesis 5, der World English Bible im Internet
79
Die Bibel, 1. Moses 5,2
80
Sohar, III. fol. 296a

84
Vom ersten Menschen81

Rabbi Jizchak sagte: „Der Mensch wurde


doppelgesichtig erschaffen. Darauf verweist die Stelle,
wo Gott eine seiner Rippen nahm, sie ihm absägte, und
zwei Wesen entstanden, von Osten und von Westen,
was in dem Satze ausgesprochen ist: Rückwärts und
vorne hast Du mich gebildet82. Rückwärts – das ist die
Seite des Niedergangs, vorne – jene des Aufgangs.”

Und Rabbi Chija sagte: „Was tat der Allheilige? Er


gestaltete jenes Weibliche, vollendete ihre Schönheit
über alles und brachte sie dem Menschen. Wie
geschrieben ist: Und es baute JHWH Elohim die Rippe,
die er vom Menschen genommen, zum Weibe83.

Und wenn es vorher heißt: Und er nahm eine von seinen


Rippen, so ist dies im gleichen Sinne gemeint wie in
den Worten: Eine ist sie, meine Taube, meine Reine,
eine ihrer Mutter84. Und Rippe bedeutet einfach Seite,
wie in den Worten: An der Seite des Stiftzeltes85”.

Der Allheilige gab eine höhere Seele in den Menschen


und legte in sie Weisheit und Vernunft – alles zu wissen.
Aus welcher Region nahm er diese Seele?

81
Sohar II. fol. 54b-55a
82
Die Bibel, Psalm 139,5
83
Die Bibel, 1. Moses 2,22
84
Die Bibel, Hohelied 6,9
85
Die Bibel, 2. Moses 26,20)

85
Und Rabbi Jehuda setzte hinzu, dass dies gemeint sei in
dem Satze: „Es bringe die Erde hervor lebende
Seele!”86. Die Erde – das ist die Stätte, darin das
Heiligtum sich befand. Lebende Seele – das heißt:
lebende Seele schlechthin – es ist die Seele des
Urmenschen.

Rabbi Abba sagte: „Der erste Mensch bestand aus


Männlichem und Weiblichem, wie es heißt: Und es
sprach Gott: Lasset uns einen Menschen machen in
unserem Abbild, nach unserem Gleichnis. Hiernach
wurden also Männliches und Weibliches in einem
geschaffen und trennten sich erst später.”

Der Sohar beschreibt den ersten jüdischen Menschen als


doppelgesichtig, nach Seinem Abbild, mannweiblich in einem.
Erst später wird er aufgetrennt, genauso, wie es auch Platon
beschrieben hat.

In unmissverständlicher Weise sind der Name „Elohim“ und


die Verben in diesem biblischen Kontext im Plural geschrieben,
denn dem biblischen Autor stand selbstverständlich noch die
androgyne Dualität klar vor Augen, obwohl doch das
androgyne Ehepaar als monotheistischer Gott bekannt war.

Doch nicht nur die Geschichte, auch die Kernbuchstaben (I und


U) der jüdischen und keltischen Religion stimmen überein,
denn hierzu sagt der Sohar:

86
Die Bibel, 1. Moses 1,24

86
Der Ur-Glanz, aus dem alle Worte geschaffen87

„Dies ist Sohar, der Ur-Glanz, aus dem alle Worte


geschaffen wurden im Geheimnis der Ausbreitung jenes
verborgenen Punktes. Und wenn hier das Wort schaffen
(Bara) steht, so ist es nicht zu verwundern, dass dann
wieder folgt: Es schuf („bara“) Elohim den Menschen in
Seinem Ebenbild. Dieses Geheimnis ist das des Uranfangs,
da alles in Seinem Namen enthalten war. Erst nachher, als es
zum Namen Elohim entwickelt war, brachte es die
Geschlechterfolgen hervor aus jenem Samen, den es
empfangen hatte.

Welches ist aber der Same selbst? Die Laut-Zeichen,


geprägt im Geheimnis der Thora, die in jenem Punkte ihren
Ursprung haben. Denn es ging von jenem Punkte als der
Same in die Palasteshülle das Geheimnis der drei
Vokalpunkte: Cholem (O), Schurek (U), Chirik (I), sich
vollendend aneinander und ein Geheimnis bildend.“

Schurek (U) und Chirik (I) sind jedoch genau die androgynen
Symbole in den Namen der wichtigsten Götter, des römischen
Diu-piter, des keltisch- und germanischen Gottes Tuisco.

Der Sohar betont in erhabenen, klaren Worten die Bedeutung


der Ehe als ein unzerbrechlicher, von Gott geheiligter Verbund
zwischen Ehemann und Ehefrau. Die Beschreibung
dokumentiert eine auffällige Übereinstimmung mit der
androgynen Schöpfung im Symposium.

87
Sohar I. fol. 15b-16a

87
Der erste Mensch wurde doppelgesichtig in Zwittergestalt
erschaffen. Dessen zwei Gesichter waren rücklings verbunden
und konnten sich nicht in die Augen sehen. Sie waren einsam,
obwohl sie doch miteinander verbunden waren. Erst einige Zeit
nach der Erschaffung wurden sie von göttlicher Hand getrennt,
und Gott führte sie zueinander, von Angesicht zu Angesicht,
wie ein Brautpaar.

Der Sohar fügt dem noch hinzu, dass der erste Mensch weder
männlich noch weiblich gewesen sei, sondern männlich-
weiblich. Da jedoch Gott diesen Zwittermenschen nach seinem
Abbild geschaffen hatte, muss aber auch der biblische Schöpfer
zur Zeit der Schöpfung eine Zwittergestalt gewesen sein.

Der Regenbogen spielt in der symbolischen vierseitigen


Darstellung eine besondere Rolle, wobei die Gottheit auf drei
Tiere (Löwe, Stier und Adler) projiziert wird. Dazu
dokumentiert der Sohar:

Er wird Regenbogen genannt, weil der Lichtstrahl in


drei andere zerbricht.... So wird das Himmelslicht vom
göttlichen Himmelswagen über die vier Engelsformen
herunter gebrochen.
Deshalb war es auch nicht gestattet, in den am Himmel
stehenden Regenbogen zu schauen, weil es den
Schekina, dessen Abbild er darstellt, verunreinigen
würde.

Oberhalb des Bogens befindet sich das glitzernde


Firmament, dessen Kardinal-Quadrate jeweils ihre
Form mit den ihnen eigenen Farben widerspiegeln.

88
Sie sind wie ein Löwe, wie ein Stier, wie ein Adler und
wie ein Mensch geformt. In dreien deren ist die
menschliche Gestalt so hervorgehoben, dass der Löwe
wie ein Löwenmensch, und bei den anderen beiden
ebenso wie ein Adlermensch, beziehungsweise wie ein
Stier-Mensch aussehen88.

Das Firmament reflektierte jedoch nicht nur ihre Form,


sondern auch ihre speziellen Farben und die
zugeordneten vier Buchstaben des heiligen Namens I.
H. V. H. Die vier den Menschen sichtbaren Farben sind
grün, rot, weiß und blau89

Die Vater- und Muttersymbole identifizieren diesen


ursprünglichen Gott deutlich als androgynes Symbol, und
zweifellos sollte die androgyne Gottheit En Soph nach seinem
Abbild des „Elternpaares“ auch einen Zwittermenschen
namens Adam erschaffen.

Die Matres Lectionis


In der hebräischen und in einigen anderen semitischen
Sprachen steuern die sogenannte Matres Lectionis (Latein
"Mütter zum Lesen") die Anwendung von bestimmten
Konsonanten als Ersatz für Vokale. Die dazu benötigten
Buchstaben sind in Hebräisch: ‫ א‬Aleph, ‫ ה‬He, ‫ ו‬Waw (oder
Vav) und ‫ י‬Yod (oder Yud). Speziell das Yod beziehungsweise
Waw werden öfters als Vokal als Konsonant angewandt.

88
Die Bibel, Ez. 1:10
89
Sohar (Web) - Kapitel 57

89
Die vier Buchstaben des Tetragrammatons werden
üblicherweise aus dem Hebräischen folgendermaßen übersetzt:

• IHVH in Latein,
• JHWH in Deutsch, Französisch und Niederländisch und
• YHWH in Englisch.

Gemäß dem Eintrag “Tetragrammaton” in der englischen


Wikipedia sollte nun der dritte Buchstabe "V" oder „W“ als
Platzhalter für einen "O"/"U" Vokal gelesen werden. Generell
ersetzt der Buchstabe Yod ‫ י‬bei Anwendung der Regel der
Matres Lectionis das Yod durch einen Vokal „I“ oder „E“,
während Vav ‫ ו‬den Buchstaben „V“ durch einen Vokal „O“
oder „U“ ersetzt.

Falls jedoch der dritte Buchstabe "V" beziehungsweise "W" ein


Platzhalter für die Vokale "O"/"U" darstellt, können wir das
Tetragrammaton reduzieren auf den androgynen IU-Kern, in
dem der erste Buchstabe das männliche Element und das dritte
Symbol „V“ beziehungsweise „U“ das weibliche Element
symbolisiert. Dieser IU-Kern im geheiligten Namen stimmt
exakt überein mit IU-piter's Kern "IU" und dem äquivalenten
Kern "UI" in Tuiscos Namen, die beide ebenfalls androgyne
Symbole darstellen.

Diese These widerspricht jedoch der Auslegung des Sohars, in


dem "I" zwar das männliche, aber der erste "H" das weibliche
Element des Tetragrammaton darstellen soll.

90
Beide Buchstaben "H" (He) im Tetragrammaton scheinen keine
besonderen weiblichen Merkmale im Tetragrammaton zu
symbolisieren. Autoren, die den Buchstaben "H" im
Tetragrammaton als das weibliche Hauptelement einstufen,
haben offensichtlich bereits den Schlüssel zur Symbolik
verloren. Dieser Verlust ist demnach bereits in der Webversion
des Sohars und in der Kabbala von Papus aufgetreten.

Helena Blavatsky interpretiert die androgyne Symbolik in


JHVH jedoch korrekt, indem sie Hargrave Jennings zitiert90.
Das Zitat kann man nachlesen in The Secret Doctrine 91:

„Wir wissen aus den jüdischen Aufzeichnungen, daß die


Lade eine Steintafel enthielt; und wenn gezeigt werden
kann, daß dieser Stein phallisch war, und doch
identisch mit dem heiligen Namen Jehovah oder
Yeboyah, welcher in unpunktiertem Hebräisch mit vier
Buchstaben geschriebenen J-E-V-E ist oder J-H-V-H ist
(das H ist bloß ein Hauchlaut und dasselbe wie E).

Dieses Verfahren lässt uns die beiden Buchstaben I und


V (oder in einer anderen von seinen Formen U) übrig;
wenn wir dann das I in das U setzen, so haben wir das
„Allerheiligste“; wir haben auch die Linga und Yoni
und Argha der Inder, den Iswarra (îshvara) oder
„höchsten Herrn“; und hier haben wir das ganze
Geheimnis seiner mystischen oder erz-himmlischen
Bedeutung, in sich selbst bestätigt durch seine
Wesensgleichheit mit dem Linyoni (?) der Bundeslade“.

90
aus dessen Werk Phallicism: Celestial and Terrestrial (p. 67)
91
Die Geheimlehre, veröffentlicht 1888

91
22 Symbolik in den Bibeln
Für die Initialen der mittelalterlichen Bibeln wurde traditionell
abwechselnd rote und blaue Schrift verwendet.

Abb. 25: Genesis in Rot und Blau (1360)

Aus der Neapolitanischen Bibel (1360)

Abb. 26: Initialzeile für die Kremser Bibel (1333)

Gelegentlich wirkt das Muster jedoch wie ein gewebtes Kleid,

92
wie im Hochdorfer Grab des Keltischen Fürsten.
Auch die Abbildungen der Heiligen werden überwiegend in
Rot und Blau gemalt.

Abb. 27: Initialen in einem Codex des 14en JH.

Korczek-Bibel
Für die Initialen der Bibel wird wie üblich abwechselnd
rote und blaue Schrift verwendet um den optischen Eindruck
einer Purpur-Schrift zu erzeugen. Der Text wurde zwischen
zwei Initial-Zeilen des Korczek-Bibels platziert.

93
Abb. 28: Initial-Zeilen des Korczek-Bibels (Prag)

In the beginning God created the heavens and the earth. Now the earth was formless and empty. Darkness was on the surface of the deep. God’s Spirit was hovering over the surface of the
waters. God said, “Let there be light,” and there was light. God saw the light, and saw that it was good. God divided the light from the darkness. God called the light Day, and the darkness he
called Night. There was evening and there was morning, one day.
God said, “Let there be an expanse in the midst of the waters, and let it divide the waters from the waters.” God made the expanse, and divided the waters which were under the expanse from the
waters which were above the expanse, and it was so. God called the expanse sky. There was evening and there was morning, a second day.
God said, “Let the waters under the sky be gathered together to one place, and let the dry land appear,” and it was so. God called the dry land Earth, and the gathering together of the waters he
called Seas. God saw that it was good. God said, “Let the earth put forth grass, herbs yielding seed, and fruit trees bearing fruit after their kind, with its seed in it, on the earth,” and it was so.
The earth brought forth grass, herbs yielding seed after their kind, and trees bearing fruit, with its seed in it, after their kind: and God saw that it was good. There was evening and there was
morning, one day, a third day. God said, “Let there be lights in the expanse of sky to divide the day from the night; and let them be for signs, and for seasons, and for days and years; and let
them be for lights in the expanse of sky to give light on the earth,” and it was so.

Abb. 29: Initial-Zeilen des Korczek-Bibels (Prag)

94
23 Der Garten der Lüste92
Das Gemälde Der Garten der Lüste93 – von Hieronymus Bosch
wurde datiert auf 1510. Es gab seit der Erschaffung bereits
viele Interpretationen, aber die rot/blaue Farbcodierung gehört
noch nicht zu den untersuchten Optionen. Auffällig an diesem
Bild sind jedoch die rot/blau eingefärbten Paare. So wird der
Liebesbrunnen aus einer rosaroten Säule über einem
dunkelblauem Teich aufgebaut. Die rosarote Säule wurde
deshalb wohl im Mittelalter als männliches und der
dunkelblaue Brunnen als das weibliche Symbol identifiziert.

Abb. 30: Brunnen


im Paradies

92
Weitere Info: Symbolism in the Garden of Delights by Hieronymos
Bosch und The Fundamental Color Symbols Blue and Red
93
Siehe das hochauflösendes Bild als Wikipedia file

95
Der Eisvogel und die Flagge

Abb. 31: Der Eisvogel im Garten der Lüste

Einer der Vorbesitzer des Gemäldes aus dem Jahr 1510 war der
Prinz Wilhelm von Oranien-Nassau, dessen Lieblingstier eben
der oben dargestellten Eisvogel war.
Auf einer Medaille aus dem Jahr 1572 (zur Erinnerung an der
Befreiung der Stadt Delft) lautet die Inschrift neben der
Abbildung des Eisvogels:
Een held in ijs en baren - Wien God weet te bewaren94

94
“Ein Held in Eis und Wellen – der von Gott behütet wird”

96
Die Geusen gestalten ebenfalls in 1572 die Prinzenflagge95 mit
den Farben Orange, Weiß und Blau des Wappens des Prinzen
(und des Eisvogels...), aber dieser Zusammenhang kann
natürlich auch rein zufällig sein...

Abb. 32: Die Prinzenflagge

Abb. 33: Der Eisvogel

95
(Vorläufer der) Trikolore der Niederlanden

97
24 Die Farbsymbolik der Flaggen

Die französische Flagge


Um 1328 wählen die Herrscher des Königshauses Valois, aus
dem 13 französische Könige stammen ein Wappen mit blauer
Farbe und goldener Fleurs-de-lis in roter Umrandung. Seit der
Einführung dieer Tradition tragen die französische Könige auf
Vignetten und Manuskripten einen roten Mantel über blauer
Oberbekleidung,die mit goldenem Fleurs-de-lis dekoriert
wird.

Abb. 34: Französische Flagge (1358-1794 )

Rot und Blau gelten 1358 als Farben der Stadt Paris, nachdem
Etienne Marcel die Farbkombination Rot & Blau als
revolutionäres Symbol gegen den König festgelegt hatte.
Kommandant Lafayette fügte dieser Farbkombination noch
weiß hinzu und damit die französische Flagge definiert.

98
Die britische Flagge 96
Die britische Flagge (bekannt als Union Flag), aus 1606 setzt
sich zusammen aus einem roten und einem blauen Symbol:

Abb. 35: Geschichte der britischen Flagge

Public domain Abbildung von MaartenSmit

96
→ Union Flag & Union Jack

99
Erste russische Flagge97
Peter I. gab 1669 Rußand auch die sog. „imperiale Flagge
Russlands“. Sie besteht aus einem blauen Andreaskreuz auf
weißem Grund. Diese Flagge wurde alternativ zur Trikolore
verwendet, auf den Schlachtfeldern und bei der Handels- und
Kriegsmarine dominierte sie sogar. Die Flagge ist noch heute
die offizielle Flagge der russischen Kriegsmarine.

Abb. 36: Erste russische Flagge

Urheber der Graphik (ohne Copyright): Johannes Rössel

97
Wikipedia: Flagge Russlands

100
Die US-Amerikanische Flagge 98
In 1777 entschied sich der Kongress für eine Flagge in Rot,
Weiß und Blau mit genau 13 Streifen & 13 Sternen.

Abb. 37: Flagge mit 15 Sternen-Fort McHenry (1814)

Zu den Freimaurern gehören die US-Präsidenten, so dass man


eine Einflussnahme bei der Wahl annehmen könnte – zumal
andere Flaggen (z.B. die der Philippinen) von Freimaurern
mitgestaltet worden sind.

Washington, Monroe, Andrew Jackson, Polk,


Buchanan, Andrew Johnson, Garfield, Theodore
Roosevelt, Taft, Harding, Franklin D. Roosevelt,
Truman und Ford.

98
→ : The Sky-God Dyæus

101
Erste Süd-Koreanische Flagge99
Die Flagge basiert auf eine Kombination des Blauen "Yin" und
Roten "Yang".

Abb. 38: Süd-Koreanische Flagge aus 1882

Abbildung: Wikimedia Commons.


Die ältesten bekannten Ausführungen über Yin und Yang
finden sich im I Ging (Yijing), das als Buch in die Zeit der
westlichen Zhou-Dynastie (etwa 1045–770 v. Chr.) datiert
werden kann.

99
Information aus Yin und Yang

102
25 Die Flagge der Philippinen100
Der Entwurf dieser Flagge aus 1898 mit den roten und blauen
Mustern basiert hauptsächlich auf Ideen der Freimaurer.

Abb. 39: Die Flagge der Philippinen (1898)

100
→ : The Sky-God Dyæus

103
26 Rot = männlich, Blau = weiblich

Abb. 40: Adam (rot) und Eva (blau)

Im niederländischen Religionsunterricht lehrte man noch 1954,


dass männliche Personen rot und weibliche blau dargestellt
werden sollten.

104
Abb. 41: Nach dem Sündenfall -> Purpur

Nach dem Sündenfall sollte der Mensch sich jedoch in Purpur


verwandelt haben...

105
27 David & Bethsabée von Chagall
Auch in der modernen Kunst werden gelegentlich die
Antipoden Mann und Frau in den symbolischen Farben Rot
und Blau dargestellt, z.B. in der Lithographie einer androgynen
Gestalt aus 1956 von Marc Chagall101

Abb. 42: Androgynes Gesicht (Chagall)

101
Marc Chagall (1887-1985)

106
28 Zusammenfassung
Das Proto-Indoeuropäische Konzept basiert auf einer
Kombination einer außerordentlich effizienten Viehzucht und
Landwirtschaft, gepaart mit hervorragen Werkzeugbau,
Metallverarbeitung, und standardisierter Sprache sowie
Religion. Die unglaubliche Energie, womit die Expansion
dieses Systems vorangetrieben wurde, hat sicherlich viel
beigetragen zum Antlitz dieser Erde.
Die Entwicklung der indoeuropäischen Kultur beginnt etwa
4000 vor Christus in der Regio nördlich des Schwarzen
Meeres. Die Legenden beschreiben den König Tuisco als der
Erzvater, der die PIE-Expansion in nordwestlicher Richtung bis
zur Niederlande vorangetrieben hat.
In diesem Bericht wird die Korrelation zwischen einer Anzahl
PIE-Götternamen, Pronomina und den darin enthaltenen
Antipoden dokumentiert.
Die Etymologie der indoeuropäischen Sprachen basiert auf
dem Wurzel *Iou (→dyeu) des Himmelsgottes, der wohl am
saubersten in der provenzalischen Sprache in Diéu erhalten
geblieben ist. Das zugehörige persönliche Pronomen der ersten
Person Singular (iéu) ist im Gottesnamen Diéu102 enthalten.
Zudem sind die Details der Schöpfungslegende in den
bipolaren Symbolen (das männliche Symbol I und das
weibliche Symbol U) in den Pronomina und Götternamen
vieler indoeuropäischen Sprachen als Kernwort iéu, iau of iou
codiert.

102
Details wurden dokuemtiert in : The Keywords in God's Name

107
In zahlreichen indoeuropäischen Sprachen sind derartige IU-,
IO-, IAU- sowie IOU-Kombinationen identifiziert worden:
Aromanisch, Langue d'Oc, Rumänisch, Okzitanisch,
Interlingua, Katalanisch, Aragonesisch, Romansch,
Sursilvanisch, Sutsilvanisch, Sizilianisch, Italienisch,
Spanisch.
Die symbolische Antipoden sind identifizierbar in den Farben
Rot und Blau der mittelalterlichen Fürstengräber, in den
illuminierten Bibeln, in den mittelalterlichen Gemälden eines
Hieronymus Bosch und in verschiedenen Flaggen und
königlichen Wappen.

108
29 Anhang

Rot & Blau im Buch Exodus103


26: 3Das ist aber das Hebopfer, das ihr von ihnen nehmen sollt:
Gold, Silber, Erz, 4blauer und roter Purpur, Scharlach,
köstliche weiße Leinwand, Ziegenhaar, 5rötliche Widderfelle,
Dachsfelle, Akazienholz, 6Öl zur Lampe, Spezerei zur Salbe
und zu gutem Räuchwerk, 7Onyxsteine und eingefasste Steine
zum Leibrock und zum Amtschild
26: 1Die Wohnung sollst du machen von zehn Teppichen, von
gezwirnter, weißer Leinwand, von blauem und rotem Purpur
und von Scharlach.
4Und sollst Schleifen machen von blauem Purpur an jegliches
Stück am Rand, wo die zwei Stücke sollen zusammengeheftet
werden;
14Überdiese Decke sollst du eine Decke machen von rötlichen
Widderfellen, dazu über sie eine Decke von Dachsfellen.
31Du sollst einen Vorhang machen von blauem und rotem
Purpur, Scharlach und gezwirnter weißer Leinwand; und
sollst Cherubim daran machen von kunstreicher Arbeit.
36Und sollst ein Tuch machen in die Tür der Hütte, gewirkt von
blauem und rotem Purpur, Scharlach und gezwirnter weißer
Leinwand.

103
Aus: Bibel online (Luther-Bibel 1912)

109
27: 9Du sollst auch der Wohnung einen Hof machen, einen
Umhang von gezwirnter weißer Leinwand, auf einer Seite
hundert Ellen lang, gegen Mittag, 10und zwanzig Säulen auf
zwanzig ehernen Füßen, und ihre Haken mit ihren Querstäben
von Silber.
16aber im Tor des Hofes soll ein Tuch sein, zwanzig Ellen breit,
gewirkt von blauem und rotem Purpur, Scharlach und
gezwirnter weißer Leinwand, dazu vier Säulen auf ihren vier
Füßen.
18Und die Länge des Hofes soll hundert Ellen sein, die Breite
fünfzig Ellen, die Höhe fünf Ellen, von gezwirnter weißer
Leinwand, und seine Füße sollen ehern sein.
28: 5Dazu sollen sie nehmen Gold, blauen und roten Purpur,
Scharlach und weiße Leinwand. 6Den Leibrock sollen sie
machen von Gold, blauem und rotem Purpur, Scharlach und
gezwirnter weißer Leinwand, kunstreich; 7zwei
Schulterstücke soll er haben, die zusammengehen an beiden
Enden, und soll zusammengebunden werden. 8Und sein Gurt
darauf soll derselben Kunst und Arbeit sein, von Gold, blauem
und rotem Purpur, Scharlach und gezwirnter weißer
Leinwand.
15Das Amtschild sollst du machen nach der Kunst, wie den
Leibrock, von Gold, blauem und rotem Purpur, Scharlach
und gezwirnter weißer Leinwand.
28Und man soll das Schild mit seinen Ringen mit einer blauen
Schnur an die Ringe des Leibrocks knüpfen, daß es über dem
Gurt des Leibrocks hart anliege und das Schild sich nicht vom
Leibrock losmache.

110
35: 5Gebt unter euch ein Hebopfer dem Herrn, also daß das
Hebopfer des Herrn ein jeglicher willig bringe, Gold, Silber,
Erz, 6blauen und roten Purpur, Scharlach, weiße Leinwand
und Ziegenhaar, 7rötliche Widderfelle, Dachsfelle und
Akazienholz, 8Öl zur Lampe und Spezerei zur Salbe und zu
gutem Räuchwerk, 9Onyxsteine und eingefaßte Steine zum
Leibrock und zum Amtschild.
23Und wer bei sich fand blauen und roten Purpur, Scharlach,
weiße Leinwand, Ziegenhaar, rötliche Widderfelle und
Dachsfelle, der brachte es.
25Und welche verständige Weiber waren, die spannen mit ihren
Händen und brachten ihr Gespinnst, blauen und roten Purpur,
Scharlach und weiße Leinwand.
35Er hat ihr Herz mit Weisheit erfüllt, zu machen allerlei Werk,
zu schneiden, zu wirken und zu sticken mit blauem und rotem
Purpur, Scharlach und weißer Leinwand, und mit Weben, daß
sie machen allerlei Werk und kunstreiche Arbeit erfinden.
36:8Also machten alle weisen Männer unter den Arbeitern am
Werk die Wohnung, zehn Teppiche von gezwirnter weißer
Leinwand, blauem und rotem Purpur und Scharlach, und
Cherubim daran von kunstreicher Arbeit.
11Und machte blaue Schleifen an jegliches Stück am Rande,
wo die zwei Stücke sollten zusammengeheftet werden,
35Und machte den Vorhang mit dem Cherubim daran künstlich
von blauem und rotem Purpur, Scharlach und gezwirnter
weißer Leinwand.

111
37Und machte ein Tuch in der Tür der Hütte von blauem und
rotem Purpur, Scharlach und gezwirnter weißer Leinwand,
gestickt,
3818Und das Tuch in dem Tor des Vorhofs machte er gestickt
von blauem und rotem Purpur, Scharlach und gezwirnter
weißer Leinwand, zwanzig Ellen lang und fünf Ellen hoch,
nach dem Maß der Umhänge des Vorhofs.
23und mit ihm Oholiab, der Sohn Ahisamachs, vom Stamme
Dan, ein Meister zu schneiden, zu wirken und zu sticken mit
blauem und rotem Purpur, Scharlach und weißer Leinwand.
391Aber von dem blauen und roten Purpur und dem
Scharlach machten sie Aaron Amtskleider, zu dienen im
Heiligtum, wie der Herr Mose geboten hatte. 2Und er machte
den Leibrock von Gold, blauem und rotem Purpur,
Scharlach und gezwirnter weißer Leinwand. 3Und sie
schlugen das Gold und schnitten's zu Faden, daß man's
künstlich wirken konnte unter den blauen und roten Purpur,
Scharlach und weiße Leinwand. 4Schulterstücke machten sie
an ihm, die zusammengingen, und an beiden Enden ward er
zusammengebunden. 5Und sein Gurt war nach derselben Kunst
und Arbeit von Gold, blauem und rotem Purpur, Scharlach
und gezwirnter weißer Leinwand, wie der Herr dem Mose
geboten hatte.
8Und sie machten das Schild nach der Kunst und dem Werk des
Leibrocks von Gold, blauem und rotem Purpur, Scharlach
und gezwirnter weißer Leinwand,

112
21daß das Schild mit seinen Ringen an die Ringe des Leibrocks
geknüpft würde mit einer blauen Schnur, daß es über dem Gurt
des Leibrocks hart anläge und nicht vom Leibrock los würde,
wie der Herr dem Mose geboten hatte. 22Und machte einen
Purpurrock zum Leibrock, gewirkt, ganz von blauem
Purpur.
24Und sie machten an seinen Saum Granatäpfel von blauem
und rotem Purpur, Scharlach und gezwirnter weißer
Leinwand.
27Und sie machten auch die engen Röcke, von weißer
Leinwand gewirkt, Aaron und seinen Söhnen, 28und den Hut
von weißer Leinwand und die schönen Hauben von weißer
Leinwand und Beinkleider von gezwirnter weißer Leinwand
29und den gestickten Gürtel von gezwirnter weißer Leinwand,
blauem und rotem Purpur und Scharlach, wie der Herr dem
Mose geboten hatte. 30Sie machten auch das Stirnblatt, die
heilige Krone, von feinem Gold, und gruben Schrift darein:
Heilig dem Herrn. 31Und banden eine blaue Schnur daran, daß
sie an den Hut von obenher geheftet würde, wie der Herr dem
Mose geboten hatte.

113
Rot & Blau im zweiten Buch der Chronik104
26So sende mir nun einen weisen Mann, zu arbeiten mit Gold,
Silber, Erz, Eisen, rotem Purpur, Scharlach und blauem
Purpur und der da wisse einzugraben mit den Weisen, die bei
mir sind in Juda und Jerusalem, welche mein Vater David
bestellt hat.
312 So sende ich nun einen weisen Mann, der Verstand hat,
Huram, meinen Meister 13(der ein Sohn ist eines Weibes aus
den Töchtern Dans, und dessen Vater ein Tyrer gewesen ist);
der weiß zu arbeiten an Gold, Silber, Erz, Eisen, Steinen, Holz,
rotem und blauem Purpur, köstlicher weißer Leinwand und
Scharlach und einzugraben allerlei und allerlei kunstreich zu
machen, was man ihm aufgibt, mit deinen Weisen und mit den
Weisen meines Herrn, des Königs Davids, deines Vaters.

104
Aus: Bibel online (Luther-Bibel 1912)

114
Veröffentlichungen
Die meisten Studien zu diesem Thema wurden in Englisch
veröffentlicht. Relevante Veröffentlichungen in deutscher
Sprache sind (in Reihenfolge der Veröffentlichung):
1. Der Himmelsgott Dyaeus
2. Notizen zu "Die Heiligen Symbole Von Mu"
3. Dyaeus - über die Farbcodes der Prachtbibeln
4. Die Kaisertracht in Rot und Blau
5. Eine neue Etymologie für Purpur
6. Tractatus der Unwörter - zur Etymologie unseres
Wortschatzes
7. Kurzübersicht der bipolaren Symbolik
8. Religionsunterricht 1954-1955
9. Dies Fasti - Das Entfesseln der Götter
10. Technologie Oder Evolution - Von der Suche nach
einem Schöpfer
11. Übersicht der religiösen Farbcodes
12. Die Verwebung als religiöses Symbol
13. Blau und Rot Im Mittelalter
14. Die Farbcodierung in Leonardos Abendmahl
15. Erinnerungen an Adam und Eva
16. Das Nonnenkirchle in Waiblingen
17. Der Hermetische Codex
18. Das Geheimnis der Argonautenbrücken
19. Das Buch Genesis Innerhalb Eines Wortes
20. Das Protoprojekt und die Deutsche Sprache

115

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