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Erläutern Sie den Konflikt zwischen Individuum und

Gesellschaft in einem Werk des Bürgerlichen Realismus!

EINLEITUNG

Ausgangspunkt: Die Novelle: „Der Schimmelreiter“ von Theodor Storm.

In dieser Novelle gerät das INDIVIDUUM Hauke Haien mit der GESELLSCHAFT in einen
Konflikt, an dem es zugrunde geh. HH ist ein Neuerer, er will mit jahrhunderte alten Vorstellungen
brechen, und die Dorfgemeinschaft, deren Deichgraf er ist, kann da nicht mithalten.
Konservatismus, Aberglauben und Neid bringen den Einzelgänger HH in eine
Außenseiterstellung, woran er unter anderem scheitert.( auch an der Natur)

HAUPTTEIL

Das Individuum, um das es in der Novelle geht, ist die Hauptgestalt Hauke Haien, der die
Nachgeborenen als Schimmelreiter vor Überschwemmungen warnt.

Zum Individuum Hauke Haien, sein Entwicklungsweg:


 Er ist der Sohn eines Halbbauern, gehört also vom sozialen Standpunkt aus zu den
einfachen Leuten, die allein von ihrem Acker nicht leben können. Was Hauke Haien von klein
auf von den anderen unterscheidet, ist sein Wissensdurst, seine Neugierde. Selbst die
Schule kann ihm nicht auf alle Fragen Antworten geben. Stundenlang sitzt er am Deich und
beobachtet die Natur, aber auch das Wasser, das den Deich ausspült. Er macht sich
Gedanken darüber, wie ein besserer Deich aussehen könnte. Dafür lernt er allein dänisch,
damit er die Geometrie von Euklid studieren kann. Da er also andere Interessen zeigte wie
die anderen Kinder, wird er schon in diesem Alter zum Einzelgänger, Außenseiter, von den
andern nicht verstanden.
 Die Wissensgier HH ist so groß, dass er schon als Kind keine Skrupel kennt, wenn es um
seine Neugierde geht. Sein Jähzorn geht mit ihm durch. Weil sie einen Vogel angreift, tötet
HH die Katze der Trin Jans)
 Schon in frühester Jugend hat er eine Vorstellung von einem neuen Deich mit einem
neuen Profil. Sein Vater erkennt, dass sein Sohn recht hat und dass er alle geistigen
Fähigkeiten hat, um ein Deichgraf zu werden. Was ihm dazu fehlt, ist die materielle
Grundlage. So versucht der Vater schon sehr früh sein Hab und Gut zu vermehren durch den
Ankauf von neuen Grundstücken. Doch scheint es aussichtslos, da ihre materielle Situation
recht dürftig ist.
 So nimmt Hauke die Gelegenheit wahr, um mehr über die Deichgeschäfte zu erfahren, als
der Deichgraf Tede Volkerts einen neuen Kleinknecht sucht. Er nimmt die Stelle an. Da er
gut rechnen kann, wird er bald zum Liebling des Deichgrafen, was ihm den Neid und
den Hass des Großknechtes Ole Peters einbringt.
 Als Ole Peters heiratet, wird Hauke zum Großknecht befördert. Da der Deichgraf schon
ziemlich krank ist, nimmt Hauke ihm bald alle Arbeiten ab, und im Dorf weiß man schon bald,
wer der wirkliche Deichgraf ist. Die Tochter der Deichgrafen Elke, verliebt sich in Hauke, der
ihre Liebe erwidert. Doch an eine gemeinsame Zukunft können sie nicht denken, da die
soziale Kluft zwischen ihnen zu groß ist.
 Als der Deichgraf stirbt, vermacht Elke ihr ganzes Erbe Hauke, der somit reich genug wird,
um selber Deichgraf zu werden. Sie heiraten und somit könnte alles gut werden, vor allem da
auch die höheren Behörden Haukes Überlegenheit anerkennen und ihn als neuen
Deichgrafen akzeptieren. Aber:
 Da Hauke nun selbst verantwortlich ist, beschließ er, einen neuen Deich zu bauen. Das
bedeutet:
- für die Bauern sehr viel mehr Arbeit
- sie müssen umdenken und die neue Form akzeptieren und ihren Konservatismus
überwinden, das können sie nicht und außerdem werden sie zusätzlich von Ole
Peters angestachelt.
- sie müssen Haukes Befehlen gehorchen
- durch den neuen Deich wird Ackerland freigesetzt, den Hauke kauft, da die
andern kein Vertrauen in seinen Deich haben, so bereichert er sich
 Er verbietet den Bauern laut Aberglauben einen lebendigen Hund einzumauern. Statt mit den
Leuten zu reden, befiehlt Hauke und zieht sich so den Zorn und Hass vieler zu, vor allem da
die Leute zusätzlich von Ole Peters gegen ihn aufgewiegelt werden.
 Der Deich steht zum Erstaunen aller und der Koog wird im Volksmund nach ihm Hauke
Haien Koog benannt. Somit könnte Hauke zufrieden sein. Im Privatleben besteht eine sehr
enge Beziehung zu seiner Frau Elke, die ihn in allem unterstützt und ihm beisteht, aber er
hat er eine geistig zurückgebliebene Tochter Wiebke.

Hauke also ist der Neuerer, der fortschrittlicher denkt als seine Zeitgenossen, der aber auch
arrogant ist, überheblich und ungeduldig.

Das Geschehen findet statt an der Nordsee, in einem typischen Dorf im 17Jahrhundert Es ist eine
oft düstere Landschaft und die Witterungsverhältnisse sind oft für den Ackerbau ungünstig. Die
Bauern, die Dorfgemeinschaft sind hier die Gesellschaft, deren Oberhaupt Hauke als Deichgraf
wird, sie sind:
 konservativ: an der Stelle kann man keinen Deich bauen
 stur
 gewöhnt, dass alles so wie früher weitergeht,
 abergläubisch: Hund, Schimmel
 auf die Reicheren neidisch

So ist es klar, dass da ein Konflikt entsteht. Den scheint zuerst Hauke gewonnen zu haben, denn
die Bauern gehorchen ihm, wenn auch mit Widerwillen. Doch als er dann krank ist, sind sie
schlampig und das bewirkt den Untergang von Hauke und seiner Familie. Der Deich bricht an der
Bruchstelle mit dem alten.

SCHLUSS

HH ist der Außenseiter, der Mensch der seiner Zeit voraus ist, der das Neue vertritt und
nicht von der Gemeinschaft verstanden wird. Da er sich nicht anpasst, ist er schließlich
derjenige, der untergeht.

Allerdings bleibt sein Name für immer verbunden mit dem Koog und die Nachfolger würdigen ihn.
Und auch als Schimmelreiter sehen sie in ihm ein Gespenst, das zu den Leuten gut ist, er tut
nichts Böses. Im Gegenteil, er warnt vor Überschwemmungen.
Welche Faktoren bestimmen die Entwicklung einer Gestalt aus
einem Werk des Bürgerlichen Realismus? Veranschaulichen Sie
das an einem Beispiel Ihrer Wahl!

EINLEITUNG

Der Bürgerliche Realismus sieht den Menschen unter einer doppelten Determination: des
Milieus, der Umwelt, aber auch seiner selbst. Es sind also objektive und subjektive Faktoren,
die den Lebensweg der Gestalten im Bürgerlichen Realismus bestimmen. Wir gehen aus
von der Novelle von Theodor Storm „Der Schimmelreiter“.

HAUPTTEIL

DAS OBJEKTIVE wird bestimmt von


- Zeit des Geschehens
- dem Ort des Geschehens
- der Stellung von HH
Hauke Haien scheitert als Mensch, der seiner Zeit voraus ist, der das Neue vertritt und nicht von
der Gemeinschaft verstanden wird als Deichgraf an:

 dem Konservatismus seiner Zeitgenossen, die nur schwer vom Neuen zu überzeugen sind.
Die Bauern widersetzen sich HH, weil der Deich für sie eine große Belastung bedeutet und
weil sie nicht einsehen, wie nützlich und wichtig auch für sie alle der neue Deich ist. HH aber
ist unnachgiebig und da er als Deichgraf eine Machtstellung einnimmt, gehorcht man ihm,
wenn auch widerwillig.

 dem Aberglauben der Leute. Wenn HH der Aberglauben auch nützt, da die Leute ihm aus
Angst gehorchen, so schadet er ihm aber mehr.
- Ole Peters ist derjenige, der auf der Insel das Geisterpferd sieht. Vom Ufer aus
ist nächtlich ein Schimmel zu sehen, der grast und auf der Insel nur Knochen
eines Pferdes.
- Den schwarzen Hund, den die Bauern in den Deich einmauern wollen, nimmt HH
bei sich auf und verbietet ihnen, ein lebendiges Wesen, wie es seit alters her
üblich war, einzumauern. Das nimmt man ihm übel und glaubt nicht an die
Haltbarkeit des Deiches.
- Als HH ein Pferd von einer seltsamen Gestalt kauft und aus dem schlecht
gehaltenen Elendspferd ein Prachtpferd macht, indem er es gut pflegt, glauben
die Leute nicht daran, dass da alles mit rechten Dingen zuging. HH ist bald
darauf fast immer in Begleitung seines Schimmels und des schwarzen geretteten
Hundes zu sehen. Da Ole Peters darauf aufmerksam macht, dass von dem
Moment an, an dem HH sein Pferd hat, das Geisterpferd nicht mehr zu sehen ist
und die Knochen verschwunden sind, glaubt das Volk, dass HH ein
Teufelsbündnis geschlossen habe. Man nennt ihn nun den Schimmelreiter. So
kann man sich seine Überlegenheit erklären. Man sieht in ihm nun erst recht
einen Außenseiter, aber in der Arbeit nützt es ihm zuerst, da man ihm aus Angst
blindlings gehorcht. Aber die Menschen meiden ihn und wenn er bisher nicht
verstanden wurde, so versucht man jetzt noch weniger, ihn zu verstehen.
- Zu diesem Ruf als Teufelsbündner trägt noch HH Verständnis von Gott bei. Eine
der Dienstmägde, die zu einer streng religiösen Sekte gehört, hört, wie er in einer
Notsituation nicht zu Gott betet, sondern ihm befiehlt. Das tut kein
gottesfürchtiger Mensch
 Dem Neid der Dorfbewohner. Er bietet den Grund aus dem Koog zum Verkauf. Da man
kein Vertrauen in seinen Koog hat, kauft kaum jemand etwas, so tut er es. Als der Deich
fertig ist, gewinnt Hauke an den neuen Grundstücken.

 der Natur. Die unmittelbare Nähe des Meeres, die unfreundliche Küstenlandschaft sind eine
Herausforderung für HH. Durch seinen neuen Deich will HH das Ackerland vermehren und
das Dorf vor Überschwemmungen schützen. Er legt sich dabei mit der Kraft der Wellen an.
Er hat sie erstmals besiegt, doch dann geht er in den Wellen unter. Allerdings muss gesagt
werden, dass sein Deich gehalten hat und die Durchbruchsstelle ist an der Stelle, wo der alte
und der neue Deich aufeinander stoßen. Diese Stelle ist nicht intakt, da die
Deichbevollmächtigten, während HH krank ist, den Deich oberflächlich warten. Von der
Krankheit geschwächt, glaubt er ein erstes Mal nicht seinen Augen sondern den
Beteuerungen der anderen. Das wird ihm dann zum Verhängnis.

Doch HH scheitert auch an sich selbst, am SUBJEKTIVEN:

 an seiner intellektuellen Überlegenheit. Er hat andere Interessen als seine


Mitmenschen. (DEICH)
 an seiner Ungeduld und seinem Unverständnis. Wenn die Leute nicht sofort
verstehen, was er will, verliert er die Geduld und befiehlt nur statt zu erklären.
 deshalb wirkt er auf die Leute arrogant und überheblich. Sie unterstützen ihn nicht und
hören lieber auf Ole Peters.

SCHLUSS

Das Individuum HH also scheitert an der Gesellschaft, auch wenn das Individuum eine so
außergewöhnliche Gestalt ist wie Hauke Haien.