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Universität Wien 2025

Entwicklungsplan

a
Universität Wien 2025
Entwicklungsplan
auf Vorschlag des Rektorats
nach Zustimmung durch den Senat der Universität Wien
vom Universitätsrat der Universität Wien einstimmig genehmigt
Inhalt

 räambel: Universität Wien – Offen für Neues. Seit 1365. 


1. P 5

2. Ausgangssituation  7
2.1 F orschung an der Universität Wien  7
2.2 S
 tudium und Lehre an der Universität Wien  14
2.3 Finanzielle Ausgangssituation der Universität Wien  17

 msetzung der Kernaufgaben 


3. U 29
3.1 Forschung und Nachwuchsförderung  29
3.1.1 Forschung  29
3.1.2 Nachwuchsförderung  36
3.2 Studium und Lehre  38
3.2.1 Studieren an der Universität Wien  38
3.2.2 Studieren heute  40
3.2.3 Herausforderungen/Querschnittsthemen  45
3.3 Internationale und nationale Kooperationen  49
3.3.1 Mobilitätsprogramme und Internationalisation@home  49
3.3.2 Vertraglich abgesicherte internationale Kooperationen  50
3.3.3 Nationale Zusammenarbeit  51
3.4 Wirken der Universität in der Gesellschaft – Wissensaustausch  55
3.4.1 Wissenstransfer, gesellschaftliches Engagement, Technologie- und Innovationstransfer  55
3.4.2 Zielsetzungen  56
3.4.3 Wissenschaftskommunikation  58
3.5 MitarbeiterInnen  58
3.5.1 Die Universität Wien als Arbeitgeberin  58
3.5.2 Das Profil der MitarbeiterInnen der Universität Wien  60
3.5.3 Personalplanung und Abläufe  63
3.6 Infrastruktur  65
3.7 Qualitätssicherung  71

2
4. Fakultäre Forschungsschwerpunkte und fachliche Widmung von Professuren  75
4.1 Katholisch-Theologische Fakultät  75
4.2 Evangelisch-Theologische Fakultät  77
4.3 Rechtswissenschaftliche Fakultät  79
4.4 Fakultät für Wirtschaftswissenschaften  86
4.5 Fakultät für Informatik  89
4.6 Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät  92
4.7 Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät  96
4.8 Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft  102
4.9 Fakultät für Psychologie  106
4.10 Fakultät für Sozialwissenschaften  110
4.11 Fakultät für Mathematik  115
4.12 Fakultät für Physik  119
4.13 Fakultät für Chemie  122
4.14 Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie  127
4.15 Fakultät für Lebenswissenschaften  130
4.Z1 Zentrum für Translationswissenschaft  136
4.Z2 Zentrum für Sportwissenschaft und Universitätssport  137
4.Z3 Zentrum für Molekulare Biologie 140
4.Z4 Zentrum für LehrerInnenbildung  145

5. Studienangebot der Universität Wien  149


5.1 Theologische Studien  149
5.2 Rechtswissenschaftliche Studien  150
5.3 Sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Studien  150
5.4 Ingenieurwissenschaftliche Studien  150
5.5 Geistes- und kulturwissenschaftliche Studien  151
5.6 Naturwissenschaftliche Studien  153
5.7 Interdisziplinäre Studien  154
5.8 Lehramtsstudien und Studien mit Lehramtsbezug  155
5.9 Doktoratsstudien  156

3
4
1. Präambel:
Universität Wien –
Offen für Neues.
Seit 1365.

Die Universität Wien ist eine moderne und bestehenden Forschungsstärken weiter stärken.
zugleich traditionsreiche, große Institution, die Sie wird weiterhin geeignete Maßnahmen set-
sich der qualitätsorientierten Forschung und der zen, um den Frauenanteil innerhalb der Profes-
forschungsgeleiteten Lehre verpflichtet fühlt. Sie sorInnenschaft weiter zu erhöhen. Sie wird durch
ist ein attraktiver Arbeitgeber in der Stadt, ein die konsequente Umsetzung der Bologna-Stu-
wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadtregion dienarchitektur die vertikale und horizontale
und ein Impulsgeber für Politik und Gesellschaft. Mobilität verstärken und den Studierenden die
Die Universität Wien ist eine für Studierende und Absolvierung spezifischer Ausbildungswege
MitarbeiterInnen attraktive Institution und ein ermöglichen. Sie wird ihre Standorte technisch
Mitgestalter von Zukunft in diesem Land und und baulich weiterentwickeln und ihr Standort-
darüber hinaus. portfolio konsolidieren.

Der vorliegende Entwicklungsplan stellt die Rah- Die durch das Universitätsgesetz 2002 gege-
menbedingungen, die allgemeinen Prinzipien bene Autonomie hat der Universität im letzten
des universitätspolitischen Handelns und Jahrzehnt eine positive Entwicklung ermög-
die mit den Fakultäten und Zentren abgestimm- licht. Eigenverantwortung bei Personal- und
ten Pläne über die zukünftige Ausrichtung in Investitionsentscheidungen in Umsetzung der
Forschung und Lehre dar. Er definiert in der For- Strategieplanung hat sich bewährt. Neben der
schung ein sich dynamisch entwickelndes Profil, erforderlichen finanziellen Leistungsfähigkeit ist
benennt die Forschungsstärken und betont die die Möglichkeit zur Steuerung der Studierenden-
anwendungsoffene Grundlagenforschung und ströme unter Nutzung der österreichweiten Ka-
die Rolle der Universität in der Innovationskette. pazitäten zum Erreichen international üblicher
Die Universität Wien fördert das Vordringen in Betreuungsverhältnisse in allen Studienberei-
neue Forschungsgebiete und sieht die Interdiszi- chen notwendig. Die kapazitätsorientierte Uni-
plinarität als besondere Chance der Universität versitätsfinanzierung wird einen maßgeblichen
Wien, um attraktiv für die besten Wissenschaf- Beitrag zur Stärkung der Handlungsfähigkeit der
terInnen und Studierenden zu sein. Sie nimmt Universität leisten und damit die internationale
mit der Lehre eine besondere Verantwortung Wettbewerbsfähigkeit weiter stärken.
für die Qualifizierung der kommenden Genera-
tionen wahr. Sie will dabei aber nicht nur eine Das Erreichen der im Entwicklungsplan formu-
berufliche Qualifizierung sicherstellen, sondern lierten Ziele erfordert die Beibehaltung und
auch neugierige, zur Kritik fähige und sich selbst Weiterentwicklung der gesetzlich garantierten
weiterbildende junge Menschen bilden. Autonomie, die Weiterführung der vertrauens-
vollen und effizienten Kooperation zwischen
Damit die Universität in den kommenden Jahren den Leitungsorganen und den verschiedenen
ihre selbstgesteckten Ziele erreichen kann, sind Organisationsebenen sowie eine angemessene
Investitionen in einem besonderen Ausmaß Einbeziehung der Expertise der Universitätsan-
notwendig. Die Universität wird in den nächsten gehörigen in die Entscheidungsfindungsprozes-
Jahren insbesondere in Form von zahlreichen se. Und die Universität benötigt jene politischen
Professuren, Tenure-Track-Stellen und weiteren und finanziellen Rahmenbedingungen, die es
personellen und infrastrukturellen Maßnahmen ihr erlauben, ihre Aufgaben zu erfüllen und ihre
in zukunftsorientierte und mit besonderem Attraktivität zu erhalten. Die Ausgangslage ist
Innovationspotenzial versehene Disziplinen günstig, die Universität ist gut vorbereitet, weite-
investieren, die fachliche Brücken innerhalb von re sechs Jahre erfolgreich zu gestalten.
oder zwischen Fakultäten schlagen oder die

5
6
2. Ausgangssituation

2.1 Forschung an der Publikationen


Universität Wien Eine Auswertung der von WissenschafterInnen
der Universität Wien veröffentlichten Publikatio-
Die Universität Wien ist eine forschungsstarke nen zwischen 2009 und 2015 zeigt ein Schwan-
Universität mit hoher internationaler Sichtbar- ken der Gesamtzahl der Publikationen der
keit, aber zugleich in Teilbereichen eine Univer- WissenschafterInnen der Universität Wien auf
sität mit einer großen Anzahl an Studierenden, hohem Niveau (2009: 8.439, 2015: 8.202). Dabei
die im Vergleich zu anderen international hoch zeigt sich eine Steigerung der Publikationen mit
anerkannten Institutionen unter besonders Peer Review sowie eine Steigerung der Publika-
schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen tionen, die in Publikationsorganen veröffentlicht
hohe Leistungen in der Forschung erbringt. wurden, die im Web of Science indiziert sind und
Betrachtet man die Entwicklung der Forschungs- eine Steigerung der Top-25 %-Publikationen im
leistung der Universität Wien in den letzten Web of Science (siehe Diagramm 1). Die Publi-
Jahren und zieht dafür beispielhaft die Qualität kationen mit Peer Review konnten von 3.653 auf
und Quantität der von WissenschafterInnen der 4.531 gesteigert werden (+24,0 %). Peer-Review
Universität Wien veröffentlichten Publikationen ist im Wissenschaftsbetrieb von herausragender
und das Einwerben von renommierten Wissen- Bedeutung, um die Eignung eines wissenschaft-
schaftspreisen wie ERC Grants heran, dann zeigt lichen Textes zur Veröffentlichung zu beurteilen
sich ein durchwegs erfreulicher Trend. Auch im und die Qualität von wissenschaftlichen Publi-
Vergleich mit anderen Universitäten, wie der kationen zu gewährleisten. Peer Review konnte
LMU München, der Universität Uppsala und der sich mittlerweile als zentrales Qualitätskriterium
Universität Zürich, kann die Universität Wien, für Publikationen in der gesamten Breite der
trotz der schlechteren Dotierung, in der Publika- Universität etablieren. Eine Steigerung in diesem
tionsleistung und bei der Einwerbung von ERC Bereich, der alle Publikationstypen beinhaltet,
Grants mithalten. Im Bereich Drittmittel, der ein auch Monografien und Sammelbände, deutet
weiterer Indikator für die Leistung und Wettbe- auf ein gelebtes Qualitätsbewusstsein. Die
werbsfähigkeit ihrer ForscherInnen ist, konnte Anzahl der Publikationen, die in Publikations-
sich die Universität Wien in den letzten Jahren organen veröffentlicht wurden, die im Web of
auf einem hohen Niveau halten, wobei es aber Science gelistet sind, konnte von 1.924 (2009) auf
noch Potenzial zur Steigerung gibt, insbesonde- 2.339 (2015) gesteigert werden. Die Indizierung
re bei anwendungsorientierten Forschungspro- in dieser größten internationalen Publikations-
jekten, wie sie u. a. von der FFG, der Christian- datenbank (Herausgeber: Clarivate Analytics)
Doppler-Gesellschaft und von Unternehmen stellt aufgrund der von den Publikationsorganen
gefördert werden. In diesen Bereichen ist die zu erfüllenden Kriterien (u. a. Peer Review) ein
Universität Wien insbesondere im Vergleich mit Qualitätsmerkmal dar. Noch deutlicher zeigt sich
den technischen und medizinischen Universi- diese Qualitätssteigerung bei den Top-25 %-
täten in Österreich derzeit unterrepräsentiert oder Q1-Publikationen, die in den besten 25 %
(siehe Kapitel 2.3 „Finanzielle Ausgangssituation (daher dem 1. Quartil oder kurz Q1) der Zeit-
der Universität Wien“). schriften ihres jeweiligen Fachgebiets im Web of
Science publiziert werden konnten. Diese haben
Die Erfolge ihrer WissenschafterInnen, die sich sich zwischen 2009 und 2015 von 953 auf 1.206
u. a. auch in den oben genannten Indikatoren gesteigert (+28,9 %).
zeigen, waren die Grundlage für die Zusammen-
stellung der Stärkefelder in der Forschung (siehe Die gelebte Internationalität der Wissenschafter­
Kapitel 3.1.1 „Forschung“). Innen der Universität Wien zeigt sich u. a. auch

7
an der im Betrachtungszeitraum 2011 bis 2015 gesamte Breite der Universität Wien in der For-
steigenden Anzahl an Publikationen mit interna- schung abdeckt, Lücken gibt es insbesondere in
tionalen Co-AutorInnen und deren Anteil an den den GSK-Fächern (siehe Seite 10 „Die Universität
Gesamtpublikationen von WissenschafterInnen Wien im internationalen Vergleich“). Hier ist –
der Universität Wien im Web of Science (siehe ausgehend von bereits bestehenden Initiativen
Diagramm 2). Die Gesamtanzahl der Publikatio- an der Universität Wien (siehe u. a. die Studie
nen mit internationalen Co-AutorInnen hat sich zur „Sichtbarkeitssteigerung in den Geistes-,
von 1.581 auf 1.862 gesteigert (+15,4 %), der An- Sozial- und Kulturwissenschaften“, 2017) – in
teil der Publikationen mit internationalen Co-Au- den nächsten Jahren anzustreben, die Entwick-
torInnen an der Gesamtheit der Publi­kationen lung von erweiterten validen Indikatoren und
im Web of Science von 58,93 % auf 62,19 %. Bei Kriterien voranzutreiben, um die Sichtbarkeit der
Auswertungen im Web of Science muss immer Leistungen aller an der Universität vertretenen
berücksichtigt werden, dass dieses nicht die Fächer noch besser greifbar zu machen.

Anzahl Publikationen Universität Wien

9.000
8.000
7.000
6.000
5.000
4.000
3.000
2.000
1.000
0
2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Gesamt 8.439 8.845 8.774 8.875 8.848 8.521 8.202
Peer Review 3.653 3.745 3.769 3.671 3.359 3.526 4.531
WoS 1.924 2.120 2.299 2.331 2.431 2.416 2.339
Top-25 % (Q1) 935 1.119 1.160 1.152 1.280 1.367 1.206

Diagramm 1: Anzahl der veröffentlichten Publikationen der Universität Wien 2009–2015: Gesamtanzahl, Publikationen mit Peer Review, Anzahl
an Publikationen im Web of Science, Top-25 %-Publikationen (Q1) im Web of Science (Quelle: u:cris, Datenstand: August 2017).

Publikationen mit internationalen Co-AutorInnen im Web of Science

2.500 63
Anzahl int. Publikationen

2.000 62
% Int. Publikationen

61
1.500
60
1.000
59
500 58
0 57
2011 2012 2013 2014 2015
1.581 1.631 1.718 1.906 1.826 int. Publikationen
58,93 59,46 61,6 61,64 62,19 % int. Publ.

Diagramm 2: Publikationen mit internationalen Co-AutorInnen im Web of Science (Anzahl und prozentueller Anteil an den gesamten
Journalartikeln im Web of Science 2011-2015 (Quelle: InCites, Datenstand: Juli 2017)).

8
Sichtbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit einer
Forschungsuniversität zeigen sich neben der
wissenschaftlichen Publikationstätigkeit, der
Beteiligung an internationalen Projekten und
den Platzierungen in internationalen Fachran-
kings (siehe Kapitel 3.1.1 „Forschung“) insbeson-
dere auch an den Kooperationen mit anderen
renommierten nationalen und internationalen
Forschungseinrichtungen.

Kooperationen der Universität Wien gereiht nach dem Anteil


Top-10 %-Publikationen der Kooperationspartner im Web of Science

Brown Univ. 58,06


Stellenbosch Univ. 57,58
Wageningen Univ. 55,26
Univ. of California Davis 54,55
NERC Ctr. for Ecology & Hydrology 54,55
Queens Univ. Belfast 53,33
Helmholtz Ctr. for Environ. Res. 52
Univ. of Birmingham 51,52
Swiss Federal Inst. Forest, Snow &... 51,35
NERC Nat. Environ. Res. Council 50
Oregon Univ. System 50
Hughes Medical Inst. 50
Univ. de Chile 48,57
Univ. Catholique Louvain 48,48
Univ. of Southhampton 47,5
Univ. of California Berkeley 46,67
Inst. de Rech pour le Develop. (IRD) 46,67
Aut. Univ. of Barcelona 46,34
Univ. of Sheffield 45,95

Univ. of Leeds 45,76


30 35 40 45 50 55 60 65 70

Diagramm 3: Kooperationen der Universität Wien. Die kooperierenden Institutionen wurden nach dem Anteil der Top-10 %-Artikel an den
gesamten von den WissenschafterInnen der jeweiligen Institution verfassten Publikationen im Web of Science gereiht (Publikationsfenster: 2011
bis 2015). Gereiht wurden nur Institutionen mit mindestens 30 gemeinsamen Publikationen. (Quelle: InCites, Datenstand Juli 2017).

9
Eine grafische Darstellung von Co-AutorInnen-
schaften in InCites (siehe Diagramm 4) zeigt star-
ke Verbindungen der WissenschafterInnen der
Universität Wien mit FachkollegInnen im Wiener
Raum (insbesondere an der Medizinischen
Universität Wien, an der Technischen Universität
Wien und an den Instituten der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften), an anderen
österreichischen Universitäten (insbesondere
zu der Universität Innsbruck und der Universität
Graz) und an zahlreichen renommierten interna-
tionalen Universitäten (z. B. CalTech, University
of California Berkeley, Harvard und Oxford).

Diagramm 4: Grafische Darstellung der Kooperationen der Universität Wien für das Jahr 2015 basierend auf den im Web of Science gelisteten
Dokumenten mit Affiliationen zur Universität Wien sowie mit weiteren nationalen und internationalen Einrichtungen. Je größer der Punkt, umso
mehr gemeinsame Publikationen waren im Web of Science gelistet. Die Entfernung zur Universität Wien ist aus Darstellungsgründen unter-
schiedlich und ist nicht von der Intensität der Kooperationen abhängig (Quelle: InCites, Datenstand August 2017).

Die Universität Wien im internationalen Eine Auswertung der Web of Science-Publikati-


Vergleich onen mit InCites zeigt, dass die Universität Wien
im Zeitraum 2011–2015 auch im Vergleich mit
Die Universität Wien ist in ihren Größenord- diesen angesehenen Universitäten auf quali-
nungen mit anderen Institutionen im Inland tativ sehr hohem Niveau publiziert. Dies zeigt
nur beschränkt vergleichbar. Sie verfolgt das sich u. a. an der Entwicklung des Anteils der
Ziel einer Positionierung im Kreis der besten Top-25 %-Publikationen (Q1) an der Gesamt-
Forschungsuniversitäten Europas. Eine Ana- heit der Web of Science-Publikationen, der bei
lyse der finanziellen Rahmenbedingungen allen betrachteten Universitäten über 50 % liegt,
muss daher auch mit einer Gegenüberstellung und der Entwicklung des Category Normalized
mit annähernd vergleichbaren ausländischen Citation Impacts (CNCI), der bei allen Universitä-
Institutionen einhergehen, wofür im Folgenden ten deutlich über dem Mittelwert der jeweiligen
die Universität Zürich, die LMU München und Publikationskategorie liegt. Der CNCI ist ein auf
die Universität Uppsala in Schweden herange- das jeweilige Fachgebiet im Web of Science
zogen werden. Diese Universitäten weisen im normalisierter Zitationsindikator, bei dem der
Vergleich von Budget und Studierendenzahlen Wert 1 dem Mittelwert der Zitationen im jeweili-
eine deutlich höhere Budgetierung bzw. deutlich gen Fachgebiet entspricht. Werte über 1 deuten
weniger Studierende auf. Somit ergeben sich für daher auf eine überdurchschnittlich hohe Zitati-
die Vergleichsuniversitäten erheblich günstigere onshäufigkeit im jeweiligen Fachgebiet hin.
Betreuungsrelationen und mehr Budgetmittel,
die je Studierendem/r bzw. je AbsolventIn zur
Verfügung stehen (siehe auch Kapitel 2.3 „Finan-
zielle Ausgangssituation der Universität Wien“).

10
% Publikationen in Top-25 %-Journals (Q1)

66
64
62
60
58
56
54
52
50
2011 2012 2013 2014 2015
56,91 55,68 58,16 60,78 57,9 Wien
57,15 61,31 60,22 60,87 61,78 München
61,06 60,82 62,64 60,94 60,41 Uppsala
61,86 64,98 63,54 63,57 63,17 Zürich

Diagramm 5: Vergleich der Entwicklung des Anteils der Publikationen (Q1) im Publikationszeitraum 2011–2015
(Quelle: InCites, Datenstand: Juli 2017).

Category Normalized Citation Impact

1,9
1,8
1,7
1,6
1,5
1,4
1,3
1,2
1,1
1,0
2011 2012 2013 2014 2015
1,42 1,81 1,34 1,48 1,36 Wien
1,52 1,64 1,65 1,67 1,68 München
1,65 1,63 1,63 1,52 1,72 Uppsala
1,65 1,84 1,72 1,68 1,81 Zürich

Diagramm 6: Vergleich der Entwicklung des Category Normalized Citation Impacts (CNCI) im Publikationszeitraum 2011–2015
(Quelle: InCites, Datenstand: Juli 2017).

11
ERC Grants ca. EUR 70 Millionen. Die ERC Grants wurden an
WissenschafterInnen der unterschiedlichsten
Leistung und Exzellenz in der Forschung zeigt Fachgebiete von Lebenswissenschaften und
sich auch anhand der Einwerbung der renom- Quantenphysik über Mathematik bis zu den
miertesten Forschungspreise im Europäischen Geisteswissenschaften verliehen. Neben den na-
Forschungsraum, den ERC Grants. So konnten tionalen Preisen, wie den vom FWF vergebenen
bis 2017 bereits 41 der renommierten ERC START- und Wittgenstein-Preisen, haben sie da-
Grants, die seit 2007 vom European Research her eine besondere Bedeutung für die Förderung
Council in einem hochkompetitiven Verfahren und Sichtbarmachung exzellenter Forschung an
vergeben werden, von WissenschafterInnen der Universität Wien. Daher werden sie auch als
der Universität Wien eingeworben werden. einer der wesentlichen Indikatoren bei der Zu-
Neben dem Renommee der Preise, das den sammenstellung der universitären Stärkefelder
PreisträgerInnen und ihren Institutionen große in der Forschung herangezogen (siehe Kapitel
internationale Sichtbarkeit beschert, tragen die 3.1.1 „Forschung“). Ein Vergleich mit den Uni-
mit jeweils bis zu 2,5 Millionen Euro budgetierten versitäten München, Zürich und Uppsala zeigt,
Projekte erheblich zu den Drittmittelerlösen der dass die Universität Wien zwar sehr erfolgreich
Universität Wien bei. So haben die 41 ERC Grants ist, aber insbesondere von der LMU München
in Summe ein genehmigtes Projektvolumen von deutlich übertroffen wird:

Starting Advanced Consolidator Proof of


Universität Gesamt
Grants Grants Grants Concept
Universität Wien 21 14 5 1 41
LMU München 24 28 2 54
Universität Uppsala 22 13 6 2 43
Universität Zürich 20 20 6 1 47
Tabelle 1: Anzahl ERC Grants im Zeitraum 2007 bis August 2017 (Quelle: European Research Council und Datenbank des Forschungsservice der
Universität Wien).

Internationale Hochschulrankings

Internationale Hochschulrankings, wie das


Times Higher Education Ranking (THE), das
QS- oder das Shanghai-Ranking (ARWU), lassen
zwar nur beschränkte und teilweise verzerrte
Aussagen über die akademische Leistung zu
und bilden nur Teilaspekte des Leistungsspekt-
rums von Universitäten ab, sie können aber als
Indikator der internationalen Sichtbarkeit einer
Institution und ihrer Teilbereiche herangezogen
werden. Insbesondere Fachrankings belegen,
dass mehrere Forschungsbereiche der Univer-
sität Wien bereits jetzt zu den Top-100, einzelne
sogar zu den Top-50 der Welt zählen. So belegt
im Shanghai Subject-Ranking (2017) die Mathe-
matik den 37. Platz, die Kommunikationswis-
senschaften den 41. Platz und die Ökologie den
Rangbereich 51-75. Im Times Higher Education
Ranking by subject (2016/2017; für den Bereich
Kunst und Geisteswissenschaften liegen bereits
Ergebnisse für das Ranking 2018 vor) belegt der
Bereich Kunst und Geisteswissenschaften den
41. Platz, der Bereich Wirtschaftswissenschaften
den 96. Platz, gleichauf mit dem Bereich Lebens-
wissenschaften. Ein Vergleich mit den Universitä-
ten Zürich, München und Uppsala zeigt, dass die
Universität Wien sich in den aktuellen Fachran-
kings in deutlich weniger Fächern unter den
Top-50 (Shanghai) bzw. unter den Top-100 (THE)
positionieren konnte (siehe Tabelle 2).

12
Shanghai Global Ranking of Times Higher Education Ranking
Universität
Academic Subjects (Top 50) by subject (Top 100)
7 5
(Physik 23, Biotechnologie 29, (Kunst und Geisteswissenschaften
Biologie 41, Humanbiologie 18, 21, Wirtschaftswissenschaften und
LMU München
Wirtschaftswissenschaften 42, Management 30, Lebenswissen-
Kommunikationswissenschaften schaften 36, Physik 22, Sozialwis-
21, Remote Sensing 14) senschaften 71)
5 3
(Physik 36, Ökologie 50, Pharma- (Lebenswissenschaften 40, Physik
Universität Uppsala
zie 27, Politikwissenschaften 34, 87, Kunst und Geisteswissenschaf-
Biotechnologie 46) ten 98)
8 5
(Geographie 24, Remote Sensing (Kunst und Geisteswissenschaften
13, Biologie 19, Humanbiologie 27, 88, Wirtschaftswissenschaften und
Universität Zürich
Pharmazie 30, Ökologie 27, Wirt- Management 45, Lebenswissen-
schaftswissenschaften 35, Kommu- schaften 65, Physik 61, Sozialwis-
nikationswissenschaften 23) senschaften 96)
2 3
(Mathematik 37, Kommunikations- (Kunst und Geisteswissenschaften
Universität Wien
wissenschaften 41) 41, Wirtschaftswissenschaften 96,
Lebenswissenschaften 96)
Tabelle 2: Anzahl der Top-Platzierungen in den beiden sichtbarsten internationalen Hochschul-Fachrankings im Vergleich: „Shanghai Global
Ranking of Academic Subjects 2017 (Top-50)“ und „Times Higher Education Ranking by subject 2016-2017 (Top-100)“. Für den Fachbereich
„Kunst und Geisteswissenschaften“ konnten bereits Ergebnisse des „THE World University Rankings by subject 2018“ herangezogen werden.
Die Ergebnisse von medizinischen Fachgebieten wurden nicht miteinbezogen.

Die Universität Wien strebt es weiterhin an, sich Publikationsdatenbanken auf (z. B. Web of
in möglichst vielen Fachbereichen unter den Science, PubMed, Scopus), was sich direkt auf
besten 100 Universitäten weltweit platzieren zu die bibliometrischen Indikatoren zahlreicher
können. Dabei ist sich die Universität Wien aber Rankings und damit auf das Abschneiden der
bewusst, dass die Möglichkeiten, durch eigene Gesamtuniversitäten positiv auswirkt.
Initiativen eine Platzierung in Hochschulrankings
zu erreichen oder zu verbessern sehr einge- Unter anderem durch bestehende Kooperatio-
schränkt sind. Darüber hinaus sind aufgrund von nen mit der Medizinischen Universität Wien, wie
häufigen Änderungen der Methodologie durch die Max F. Perutz Laboratories oder die gemein-
die Rankinganbieter und durch die Aufnahme samen Interuniversitären Forschungscluster
zahlreicher neuer Universitäten, insbesondere (siehe Kapitel 3.3.3 „Nationale Zusammenar-
aus dem asiatischen Raum, Rankingergebnisse beit“), sind WissenschafterInnen der Universität
hohen Fluktuationen unterworfen. Auch natio- Wien auch in diesen Bereichen bereits sehr aktiv,
nale Rahmenbedingungen werden in solchen eine Verstärkung der Kooperationen mit der Me-
Rankings nicht entsprechend berücksichtigt. So dizinischen Universität Wien könnte sich positiv
stellt der weitgehend offene Hochschulzugang auf zukünftige Rankingergebnisse der Universität
in Österreich mit den daraus resultierenden un- Wien auswirken und dient dem gesellschaftli-
günstigen Betreuungsrelationen einen Nachteil chen Wohl.
für die österreichischen Universitäten dar.

Vergleicht man das Abschneiden der gesamten


Universitäten im THE World University Ranking
für 2018, zeigt sich, dass die Universität Wien, die
aktuell auf Platz 165 liegt, in diesem sehr sicht-
baren Ranking nicht an die Universität München
(34), die Universität Uppsala (86) oder die Univer-
sität Zürich (136) herankommt. Bei Rankings, die
gesamte Hochschulen miteinander vergleichen,
sind Universitäten mit medizinischen Einrich-
tungen oft im Vorteil.1 Aufgrund der spezifischen
Publikationskulturen weisen die den Bereich
Humanmedizin umspannenden und daran
angrenzenden Forschungsfelder die höchsten
Zitierungsraten/-frequenzen in den relevanten

1 Internationale Hochschulrankings und ihre Bedeutung für die österreichischen Universitäten (Uniko 2017)

13
2.2 Studium und Lehre an ter den Studierenden im Vergleich zur Gesamt-
der Universität Wien bevölkerung Österreichs stärker vertreten: Der
Anteil weiblicher Studierender beträgt 62 %.

Im Wintersemester 2016/17 waren knapp 94.000 Die Universität Wien bietet ein vielfältiges
Studierende an der Universität Wien zugelassen, Studienangebot, das viele individuelle Schwer-
95 % davon zu ordentlichen Studien. Damit punktsetzungen ermöglicht. Das Angebot der
ist die Universität Wien die größte Bildungsein­ Universität Wien umfasst 56 Bachelorstudien
richtung Österreichs sowie des deutschen und 120 Erweiterungscurricula, die als Module
Sprach­raums. Die Universität Wien ist eine inter- innerhalb des Bachelorstudiums eine fachlich
national nachgefragte Bildungseinrichtung: Stu- breite Ausbildung sicherstellen. 103 Masterstudi-
dierende aus anderen EU-Staaten stellen 18 % en, das Lehramtsstudium in der Bachelor-Mas-
der ordentlichen Studierenden und 25 % der ter-Struktur mit 27 Unterrichtsfächern und einer
Neuzugelassenen. Insgesamt lag der Anteil an Spezialisierung, 2 Diplomstudien und 82 Disser-
ausländischen Studierenden im Wintersemester tationsgebiete in 13 Doktorats- und PhD-Curricu-
2016/17 bei 26,9 %. Dies stellt im internationalen la runden das Angebot ab.
Vergleich einen hohen Wert dar. Frauen sind un-

Verteilung der Studien auf Fächercluster


Winter- Winter-
Zahl der belegten ordentlichen Studien nach Veränderung
semester semester
Studiengruppe im betreffenden Semester in Prozent
2013/14 2016/17
Theologische Studien 1.040 946 -9,9 %
Rechtswissenschaftliche Studien 13.159 13.004 -1,2 %
Ingenieurwissenschaftliche Studien 1.172 1.614 +27,4 %
Sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Studien 9.187 9.024 -1,8 %
Geistes- und kulturwissenschaftliche Studien 50.798 49.689 -2,2 %
Naturwissenschaftliche Studien 21.467 22.293 +3,7 %
Lehramtsstudien 13.245 12.758 -3,8 %
Tabelle 3: Zahl der belegten ordentlichen Studien nach Studiengruppe, Datenmeldung nach UniStEV.

Fast 50 % der Studien verteilen sich auf folgende Wien beispielsweise ein Betreuungsverhältnis
zehn Studienprogramme: Rechtswissenschaf- von rund 316 prüfungsaktiven Studien pro Voll-
ten, Deutsche Philologie, Biologie, Geschichte, zeitäquivalent (der Richtwert im deutschspra-
Politikwissenschaft, Publizistik- und Kommu- chigen Raum liegt bei 402), im Fach Psychologie
nikationswissenschaft, Philosophie, Anglistik, liegt das Verhältnis bei rund 1:272 (Richtwert
Betriebswirtschaft und Psychologie. 1:35) und bei den Fremdsprachen bei rund 1:84
(Richtwert 1:40).
Die quantitativen Betreuungsverhältnisse, eine
Kennzahl errechnet aus der Anzahl der prüfungs- Die Verhältnisse sind dabei jeweils nach fach-
aktiven Studierenden bezogen auf die Anzahl spezifischen Gegebenheiten zu beurteilen: Die
der ProfessorInnen und Äquivalente, sind in den Definition „guter“ Betreuungsverhältnisse ist
diversen Studienrichtungen zum Teil sehr unter- stark vom Studienfeld abhängig. Von mangel-
schiedlich; dies betrifft insbesondere die Phase haften quantitativen Betreuungsverhältnissen
des Studienbeginns. ist nicht unbedingt auf qualitativ schlechte
Betreuung zu schließen. Ziel der Universität Wien
Eine ungünstige Entwicklung der Betreuungsver- ist weiterhin die Verbesserung der Betreuungs-
hältnisse ist vor allem in den sozial-, rechts- und verhältnisse. Neben Investitionen in Personal in
naturwissenschaftlichen Studienrichtungen zu verschiedenen Verwendungsgruppen sind auch
verzeichnen. In den Geisteswissenschaften ist solche in die Infrastruktur durch Erweiterung
die Situation je nach Fach sehr unterschiedlich. und Modernisierung der Raum- und Laborkapa-
zitäten erforderlich. Diese Maßnahmen scheinen
Im Fach Publizistik- und Kommunikationswis- in den stark nachgefragten Studienfeldern, wie
senschaft (International Standard Classifica- z. B. Fremdsprachen und Chemie, besonders
tion of Education (ISCED) „Journalismus und erforderlich zu sein.
Berichterstattung“) verzeichnet die Universität

2 Schlussbericht der Arbeitsgruppe Kapazitätsorientierte Universitätsfinanzierung vom 21. Dezember 2011; Vorentwurf des BMWFW für eine Universitätszu-
gangsverordnung, August 2017, GZ. BMWFW-52.250/0117-WF/IV/6a/2017, https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Begut&Dokumentnummer=-
BEGUT_COO_2026_100_2_1402159.

14
Grundsätzlich hält die Universität Wien die Aus­ An der Universität Wien kommen, bedingt
finanzierung wie auf Seite 17 beschrieben für durch die jeweiligen rechtlichen Grundlagen,
wünschenswert. Solange diese Ausfinanzierung ein-, zwei- und dreistufige Verfahren vor der
nicht gegeben ist, ist ein System moderater Zu­- Zulassung zum Studium zur Anwendung. Hierbei
gangssteuerung notwendig, um mithilfe einer wird entweder die Eignung der Studienbewerbe-
gesamtösterreichischen Verteilung der Stu- rInnen unabhängig von der Zahl der Antragstel-
dierenden die Betreuungsverhältnisse unter lerInnen festgestellt oder eine festgelegte Zahl
Nutzung aller freien Kapazitäten gezielt zu von Studienplätzen nach Testergebnis verteilt.
verbessern. Insbesondere die an der Universi- Erscheinen weniger StudienbewerberInnen zum
tät Wien zahlenmäßig stark belasteten Fächer, Test als Plätze zur Verfügung stehen, sind alle
wie z. B. die Sozialwissenschaften, könnten anwesenden TestteilnehmerInnen berechtigt,
davon profitieren. Dabei ist darauf zu achten, zum Studium zugelassen zu werden.
dass die Wahlfreiheit der StudienwerberInnen
nicht verunmöglicht wird. Die Finanzierung von Eine 2015/16 durchgeführte Evaluation der
Maßnahmen zur Verbesserung der Betreuungs- Zugangsregelungen zeigt, dass seit Einführung
verhältnisse wird durch die Implementierung der Aufnahme- und Eignungsverfahren mit
eines neuen, indika­­torenbasierten Universitäten- zweistufigem Verfahren die Quote an prüfungs-
finanzierungsmodells, verbunden mit Zugangs- aktiven Studierenden in den zugangsgeregelten
regelungen, ermöglicht. Fächern um 11 % gestiegen ist und der Anteil der
Studienabbrüche seit Einführung der Verfahren
Der gesamtösterreichische Universitätsent- um 6 % reduziert werden konnte. Bisher bestä-
wicklungsplan3 strebt für das Wintersemester tigen die Ergebnisse der Evaluation die Eignung
2021 266.000 ordentliche Studierende (ohne der eingesetzten Verfahren und die Wirksamkeit
Doktoratsstudierende) an, wobei sich die in den der Zugangsregelungen.
letzten Jahren auftretenden Steigerungen in
den Studierendenzahlen nur mehr geringfügig An der Universität Wien beginnen pro Jahr ca.
fortsetzen werden oder überhaupt stagnieren 15.000 Studierende ein Studium; nach 4 Jahren
dürften. Die Statistik Austria errechnet auf- wurde etwa die Hälfte der belegten Studien
grund der demografischen Entwicklungen bis ab­gebrochen und ein auf 3 Jahre angelegtes
2020/21 leichte Rückgänge bei der Zahl der Bachelorstudium haben nach 4 Jahren erst 18 %
StudienanfängerInnen. Ob diese durch den der Bachelor-StudienanfängerInnen abgeschlos-
weiterhin stärkeren Zustrom zu postsekundärer sen. Durchschnittlich dauerte ein Bachelorstu-
Bildung und die internationale Attraktivität des dium an öffentlichen Universitäten in Österreich
Bildungsstandorts Wien kompensiert werden, 8,0 Semester4 (Universität Wien: ebenfalls 8,0
bleibt abzuwarten. Werden diese Entwicklungen Semester5). Ein Masterstudium nahm im Schnitt
bezogen auf die Universität Wien durch eine 5,6 Semester (Universität Wien: 5,8 Semester) in
entsprechende gesetzlich verankerte Steuerung Anspruch.
der Studierendenströme gestaltbar, ist eine
Verbesserung der Betreuungsrelationen zumin- Die lange Studiendauer und der große Anteil
dest in einigen Studienfeldern in den nächsten nicht prüfungsaktiver Studierender sind unter
Jahren möglich. anderem Folge diverser Systemfaktoren, zu
denen neben der in manchen Bereichen zu
Als bedeutendes Handlungsfeld kann die Stär­ geringen personellen Ausstattung auch der
kung der MINT-Fächer und die Erhöhung der ungeregelte Hochschulzugang und das Studi-
Frauenanteile in den MINT-Fächern genannt wer- enrecht beitragen. Die Abschlussquote vor dem
den. Es gelingt mittlerweile relativ gut, engagier- Hintergrund der hohen BeginnerInnenzahlen ist
te und interessierte Studierende anzusprechen. unbefriedigend bzw. verbesserungswürdig.6
Wenn auch in den naturwissenschaftlichen
Fächern die rechnerischen personenbezogenen Ein Instrument, die Studienwahl bzw. die Eig-
Betreuungsverhältnisse gerade noch zufrieden­ nung für ein gewähltes Studium im Sinne der
stellend erscheinen, so sind doch weitere Maß­ Planbarkeit für die BeginnerInnen und die Uni-
nahmen hinsichtlich der Verbesserung der sach- versität zu erhöhen, ist die erfolgte Etablierung
lichen und personellen Ausstattung, die für die der Studieneingangs- und Orientierungsphase
praktischen Laborübungen und die Forschung (STEOP). Der darin präsentierte Fachüberblick
notwendig sind, sowie die Schaffung von zusätz- und die gesetzten Leistungsanforderungen
lichen Laborkapazitäten und Verbesserung der können als Brücke hinein in ein erfolgreiches
Arbeitsbedingungen zu forcieren. Studium verstanden werden und die Universität
Wien ist bestrebt, diese Phase entsprechend
ihren Anforderungen weiterzuentwickeln.

3 BMWFW (2015), Der gesamtösterreichische Universitätsentwicklungsplan 2016-2021. Wien.


4 Studienjahr 2014/15. Quelle: BMWFW, Statistisches Taschenbuch 2016, Tabelle 4.8.
5 Durchschnitt der Studienjahre 2012/13 bis 2014/15. Quelle: Wissensbilanz 2015 der Universität Wien, Kennzahl 2.A.3.
6 Martin Unger, u. a. (2017): Studienverläufe und Studienzufriedenheit – Zusatzbericht der Studierenden-Sozialerhebung 2015, Studie im Auftrag des
Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW). Wien, Institut für Höhere Studien (IHS).

15
Die spezifischen systemischen Rahmenbedin- der Universität Wien um 7-10 Prozentpunkte.
gungen eines Universitätsstudiums in Österreich Erweitert man die Betrachtung um die budgetä-
machen einen internationalen Vergleich nur re Komponente, so zeigt sich, dass die Univer-
bedingt aussagekräftig. Einige Hinweise dazu sität Wien, verglichen mit allen öffentlichen
finden sich im Kapitel 2.3 „Finanzielle Ausgangs- Universitäten Österreichs, den geringsten Wert
situation der Universität Wien“. Im österreich- in der Kennzahl „Globalbudget je Studierenden“
weiten Vergleich relevanter Studierendenzahlen aufweist (siehe Diagramm 7, hier werden nur
zeigt sich, dass die Universität Wien rund 30 % Universitäten mit ähnlichem Fächerspektrum
aller Studierenden österreichischer Universitä- zu jenem der Universität Wien verglichen). Die
ten, rund 29 % der prüfungsaktiven Studien und Größenverhältnisse im Globalbudget pro Absol-
auch rund 28 % der Studienabschlüsse aufweist. ventIn sind ähnlich (siehe Kapitel 2.3 „Finanzielle
Exkludiert man in dieser Betrachtung aufgrund Ausgangssituation der Universität Wien“). Der
der spezifischen Ausrichtung die medizinischen Durchschnitt dieser Kennzahl liegt in gesamtös-
und technischen Universitäten und die Uni- terreichischer Betrachtung bei EUR 11.777.
versitäten der Künste, so erhöht sich der Anteil

Globalbudget/Studierende
10.000

8.000

6.000

4.000

2.000

0
Uni Salzburg Uni Innsbruck Uni Klagenfurt Uni Graz Uni Linz Uni Wien

Diagramm 7: Globalbudget pro Studierende 2013–2015, ausgewählte Universitäten, BMWFW, Statistisches Taschenbuch 2016, S. 121.

Das geringe Globalbudget der Universität Wien


im Vergleich zu anderen österreichischen Uni-
versitäten zeigt klar die finanzielle Schlechter-
stellung der Universität Wien. Die besondere
Stellung der Universität Wien als breit gefächerte
Universität in einer besonders attraktiven Stadt
in der österreichischen und auch europäischen
Hochschullandschaft, die zu einem gesteigerten
Interesse vonseiten der StudienanfängerInnen
führt, darf nicht zum finanziellen Nachteil der
Universität führen.

Im Studienjahr 2015/16 wurden an der Uni-


versität Wien über 10.000 ordentliche Studien
abgeschlossen (vgl. Diagramm 8). Dies stellt –
nach den Studienjahren 2012/13 und 2011/12, in
denen ein Abschlussrekord durch auslaufende
Studien zu verzeichnen war – den dritthöchsten
Wert in der Geschichte der Universität Wien dar.
Die Anzahl der Erstabschlüsse ist im Studienjahr
2015/16 gegenüber dem Jahr davor annähernd
gleichgeblieben. Die Anzahl der Masterabschlüs-
se aber stieg im gleichen Zeitraum um über 25 %
auf rund 2.100 und macht 21 % der gesamten
Abschlüsse aus.

16
Studienabschlüsse ordentlicher Studien

14.000

12.000

10.000

8.000

6.000

4.000

2.000

0
2006/07 2007/08 2008/09 2009/10 2010/11 2011/12 2012/13 2013/14 2014/15 2015/16

Doktorat/PhD
Master
Diplom/Bachelor

Diagramm 8: Studienabschlüsse ordentlicher Studien. Die Spitzenwerte im Studienjahr 2012/13 sowie im Studienjahr davor sind insbesondere
durch das Auslaufen zahlreicher Diplomstudien im relevanten Zeitraum bedingt.

Die Universität Wien ist bestrebt, im Rahmen 2.3 Finanzielle


ihrer Möglichkeiten die quantitativen Betreu- Ausgangssituation der
ungsverhältnisse zu verbessern. Die zu setzen-
den Maßnahmen sind jedoch nur im Rahmen Universität Wien
einer gesamtösterreichischen Strategie sinnvoll
umsetzbar und hierfür sind, nicht zuletzt zur Finanzielle Rahmenbedingungen
Nutzung der gesamtösterreichischen Kapazitä-
ten, notwendige Steuerungsmöglichkeiten zu Die Bundesregierung hat sich im Arbeitspro-
schaffen. Mit jährlich mehr als 10.000 Absolvent­ gramm für die Periode 2013–2018 das Ziel gesetzt,
Innen trägt die Universität Wien enorm zum 2 % des BIP für tertiäre Bildungseinrichtungen zur
„Output“ des österreichischen Bildungssystems Verfügung zu stellen7. Derzeit liegt dieser Indikator
bei, und dies in großer fachlicher Breite. Mit der entsprechend einschlägiger OECD-Zahlen bei
Umsetzung der Studienplatzfinanzierung könnte 1,7 %8. Er beinhaltet öffentliche und private
die Universität einen weiteren großen Schritt Bildungsausgaben, deckt das gesamte Spektrum
zur qualitativen Verbesserung der Betreuungs- tertiärer Bildungseinrichtungen ab (inkl. kurze
relationen setzen. Langfristig kann nur eine tertiäre Bildungsgänge) und inkludiert beispiels-
Finanzierung der Universität Wien, die mit den weise an Universitäten auch F&E-Ausgaben.
im vorliegenden Kapitel 2 „Ausgangssituation“ Der Anteil der privaten Bildungsausgaben ist in
mehrfach angeführten Universitäten (LMU Mün- Österreich mit 0,1 % des BIP sehr gering und liegt
chen, Universität Zürich, Universität Uppsala) damit deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von
vergleichbar ist („Ausfinanzierung“), zu einer 0,5 % und dem EU-Durchschnitt von 0,3 %9.
nachhaltigen Verbesserung der Studien- und
Forschungssituation führen. Die Finanzierung tertiärer Bildungseinrichtungen
erfolgt in Österreich somit weitestgehend aus
Es sind Maßnahmen zu treffen, die sicherstellen, öffentlichen Mitteln. Zur Erreichung des 2 %-Ziels
dass Zugangssteuerungen nicht zu sozialen der Bundesregierung bedarf es erheblicher An-
Ausschlüssen führen. strengungen und zusätzlicher öffentlicher Mittel,
nachdem eine Erhöhung privater Bildungsbei-
träge (z. B. Studienbeiträge) angesichts der Ent-
wicklungen der letzten Jahre unwahrscheinlich
erscheint. Dies trifft insbesondere auf den Hoch-

7 Arbeitsprogramm der österreichischen Bundesregierung 2013–2018, S. 44.


8 OECD, Education at a Glance/Bildung auf einen Blick 2016, Kapitel B (insbesondere Indikatoren B2 und B3), S. 224ff.
9 OECD, Education at a Glance/Bildung auf einen Blick 2016, Indikator B2.3, S. 262.

17
schulbereich zu, in den rund zwei Drittel der
tertiären Bildungsausgaben fließen. Der Anteil
des Hochschulbudgets am BIP ist in den letzten
Jahren mit 1,19 % (2016) konstant geblieben.
Auch in Relation zu den Bundesausgaben ist der
Anteil des Hochschulbudgets nur geringfügig von
5,21 % (2010) auf 5,38 % (2016) gestiegen.

%
2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
2010/16
BIP nominell in Mrd. EUR 294,627 308,630 317,056 322,878 329,296 337,286 348,912 18,4 %
Bundesausgaben in Mrd. EUR 67,287 67,814 72,881 75,567 74,653 74,589 77,026 14,5 %
Hochschulbudget in Mrd. EUR 3,505 3,545 3,651 3,786 3,855 3,981 4,144 18,2 %
 davon für den Universitäts- 2,982 3,007 3,089 3,189 3,237 3,303
bereich
Anteil Hochschulbudget am 1,19 % 1,15 % 1,15 % 1,17 % 1,17 % 1,18% 1,19 %
BIP
 Anteil Hochschulbudget an den 5,21 % 5,23 % 5,01 % 5,01 % 5,16 % 5,34 % 5,38 %
Bundesausgaben
Anteil Universitätsbudget am 1,01 % 0,97 % 0,97 % 0,99 % 0,98 % 0,98 %
BIP
Anteil Universitätsbudget an 4,43 % 4,43 % 4,24 % 4,22 % 4,34 % 4,43 %
den Bundesausgaben
Quelle: BMWFW, Statistisches Taschenbuch 2014 bzw. 2016, jeweils S. 87
Datenquelle BIP: 2010-15 Statistik Austria, berechnet nach ESVG 2010, Stand Mai 2016; 2016 Wifo-Konjunkturprognose Juni 2016
Datenquelle Bundesausgaben bzw. Hochschul-/Universitätsbudget: 2011-15 Bundesrechnungsabschluss; 2016 Bundesvoranschlag

Tabelle 4: Entwicklung BIP, Bundesausgaben, Hochschulbudget, Universitätsbudget (österreichweit).

In absoluten Zahlen sind die Bundesausgaben


für das universitäre Hochschulbudget in den letz-
ten Jahren zwar kontinuierlich gewachsen, im
Zeitraum 2010–2015 stiegen sie um 10,8 % bzw.
um EUR 0,3 Milliarden auf EUR 3,3 Milliarden.
Gleichzeitig hat sich der Verbraucherpreisindex
(VPI) im selben Zeitraum um 13,1 % erhöht, d. h.
durch die Steigerung der universitären Bundes-
ausgaben konnte nicht einmal die allgemeine
Verbraucherpreissteigerung abgedeckt werden.
Diese ist für Universitäten im besonderen
Ausmaß von Relevanz, als sich wesentliche
Kostenblöcke wie Personal- oder Mietkosten am
Verbraucherpreisindex orientieren.

Der Anteil des Universitätsbudgets an den


Bundesausgaben ist im Zeitraum 2010–2015
konstant geblieben. In der LV-Periode 2016–2018
steigt das Universitätsbudget in ähnlichem Aus-
maß wie in den Vorjahren und wird die jährliche
Teuerung abdecken. Erst ab 2019 ist aufgrund
des Parlamentsbeschlusses von Ende Juni 2017
zu erwarten, dass die Bundesmittel für Uni-
versitäten in überdurchschnittlichem Ausmaß
ansteigen werden.

Unter diesen Rahmenbedingungen einer real


stagnierenden öffentlichen Finanzierung haben
die Universitäten bei leicht steigenden Studie-
rendenzahlen erheblich steigende Abschlusszah-
len vorzuweisen.

18
%
Universitätsbereich 2010 2011 2012 2013 2014 2015
2010/15
Bundesausgaben/Hochschulbudget/ 2,982 3,007 3,089 3,189 3,237 3,303 10,8 %
Universitätsbereich in Mrd. EUR
Ordentliche Studierende 265.030 272.061 275.523 273.280 277.508 280.445 5,8 %
Durchschnittliche Ausgaben je ord. Stud. 11.252 11.051 11.213 11.670 11.664 11.777 4,7 %
in EUR
Quelle: BMWFW, Statistisches Taschenbuch 2014 bzw. 2016, jeweils S. 87
Datenquelle Studierende: uni:data (BMWFW hochschulstatistisches Informationssystem), jeweils Wintersemester

%
Universitätsbereich 2010 2011 2012 2013 2014 2015
2010/15
Bundesausgaben/Hochschulbudget/ 2,982 3,007 3,089 3,189 3,237 3,303 10,8 %
Universitätsbereich in Mrd. EUR
AbsolventInnen an Universitäten 27.926 31.115 34.460 37.312 34.300 34.539 23,7 %
Durchschnittliche Ausgaben je Absolvent/ 106.788 96.627 89.651 85.476 94.367 95.622 -10,5 %
in an Universitäten in EUR
Quelle: BMWFW, Statistisches Taschenbuch 2014 bzw. 2016, jeweils S. 87
Datenquelle Studierende: uni:data (BMWFW hochschulstatistisches Informationssystem), jeweils Wintersemester

Tabelle 5: Entwicklung Universitätsbudget und ordentliche Studierende (österreichweit).


Tabelle 6: Entwicklung Universitätsbudget und AbsolventInnen (österreichweit).

Das Budget der Universität Wien ist seit 2010 im 8,9 % gestiegen, liegt jedoch mit EUR 4.782 je or-
Vergleich zum Gesamtbudget des Universitäts- dentlichem Studierenden (2015) deutlich unter
bereichs überdurchschnittlich gestiegen. Dies ist dem Durchschnittswert für alle österreichischen
insbesondere auf die Einführung der Hoch- Universitäten von EUR 11.777 (2015). Analog zum
schulraum-Strukturmittel als Komponente der bundesweiten Trend ist auch an der Universi-
Hochschulfinanzierung ab 2013 zurückzuführen. tät Wien in den letzten Jahren ein erhebliches
Über diese Finanzierungskomponente werden Wachstum der AbsolventInnen zu beobachten:
Bedarfs- und Leistungsindikatoren wie die Deren Anzahl hat sich an der Universität Wien
Entwicklung der prüfungsaktiven Studien, der im Zeitraum 2010–2015 um rund 30 % auf 9.719
AbsolventInnen und der Drittmittel besonders AbsolventInnen (2015) erhöht, während das
berücksichtigt. Durch dieses überdurchschnittli- bundesweite Wachstum der Abschlusszahlen im
che Budgetwachstum ist das vom Bund zur Ver- gleichen Zeitraum bei knapp 24 % lag. Die Uni-
fügung gestellte Globalbudget je ordentlichem/r versität Wien zeichnet damit für mehr als 28 %
Studierenden/r im Zeitraum 2010–2015 zwar um der Abschlüsse verantwortlich.

%
Universität Wien 2010 2011 2012 2013 2014 2015
2010/15
Globalbudget Bund in Mio. EUR 372,2 377,6 390,3 429,5 426,1 428,4 15,1 %
Ordentliche Studierende 84.745 87.986 88.461 87.852 88.441 89.602 5,7 %
Budget je ord. Stud. in EUR 4.393 4.292 4.412 4.888 4.818 4.782 8,9 %
Datenquelle Globalbudget Bund: Rechnungsabschlüsse 2010-15, Globalbudget exkl. UZA II, zzgl. Studienbeitragsersätze
Datenquelle Studierende: uni:data (BMWFW hochschulstatistisches Informationssystem), jeweils Wintersemester

%
Universität Wien 2010 2011 2012 2013 2014 2015
2010/15
Globalbudget Bund in Mio. EUR 372,2 377,6 390,3 429,5 426,1 428,4 15,1 %
AbsolventInnen 7.494 8.214 10.550 12.682 9.740 9.719 29,7 %
Budget je AbsolventIn in EUR 49.672 45.971 36.992 33.864 43.746 44.084 -11,3 %
Datenquelle Globalbudget Bund: Rechnungsabschlüsse 2010-15, Globalbudget exkl. UZA II, zzgl. Studienbeitragsersätze
Datenquelle AbsolventInnen: uni:data (BMWFW hochschulstatistisches Informationssystem), jeweils Studienjahr, z.B. 2015: Studienjahr 2014/15

Tabelle 7: Entwicklung Universitätsbudget und ordentliche Studierende (Universität Wien).


Tabelle 8: Entwicklung Universitätsbudget und AbsolventInnen (Universität Wien).

19
Im Bereich der Forschung liegen die österrei- both EU and international innovation leaders.
chischen BIP-Ausgaben für Forschung und The relatively low amounts of competitive fun-
experimentelle Entwicklung (F&E) deutlich über ding for basic research channelled through the
den europäischen Werten. Das letzte verfügbare Austrian Science Fund (FWF) limit the potential
Vergleichsjahr 2015 weist für Österreich einen for the emergence of a critical mass in speci-
Wert von 3,07 % auf, während der Durchschnitts- fic scientific fields. Since excellence in basic
wert für die EU (28) bei 2,03 % liegt. Österreich research strongly correlates with universities’
liegt damit im europäischen Spitzenfeld hinter commercialisation capabilities, this may also
Schweden (3,26 %) und noch vor Dänemark hold back knowledge transfer and innovation.“11
(3,03 %), Finnland (2,90 %) und Deutschland
(2,87 %). Die F&E-Ausgaben konzentrieren sich in Die gesetzliche Umsetzung der Forschungs-
Österreich auf den Unternehmenssektor: Rund milliarde, insbesondere deren Fixierung im
70 % der Forschungs- und Entwicklungsausga- Bundesfinanzrahmengesetz, ist Mitte 2017
ben erfolgen in Unternehmen; lediglich rund noch offen. Eine Erhöhung der FWF-Mittel ist im
ein Viertel der F&E-Ausgaben werden über den internationalen Vergleich jedenfalls angebracht.
Hochschulsektor investiert. Wie FWF-Berechnungen zeigen, erhält der FWF
Budgetmittel von rund EUR 24 pro EinwohnerIn
Die Bundesregierung hat sich eine Forschungs- und Jahr, während die Budgets vergleichbarer
quote von 3,76 %10 im Jahr 2020 zum Ziel Förderungsorganisationen wesentlich besser
gesetzt. Die Forschungsquote ist seit 2015 zwar dotiert sind: Schweiz (EUR 97), Finnland (EUR
geringfügig auf 3,12 % (2016) und 3,14 % (Schät- 76), die Niederlande (EUR 51) oder Deutschland
zung 2017) gestiegen, jedoch bedarf es zur Ziel­ (EUR 37).
erreichung erheblich höherer Mittel. Aus diesem
Grund wurde im November 2016 vom Ministerrat An den österreichischen Universitäten würde
eine „Forschungsmilliarde“ verabschiedet, wel- eine Erhöhung der FWF-Mittel zu einer positiven
che insbesondere die Stärkung der Grundlagen- Entwicklung der Grundlagenforschung insbe-
forschung, u. a. über eine erhebliche Steigerung sondere im Bereich der drittmittelfinanzierten
der Dotierung des FWF, vorsieht. Eine stärkere Forschungsprojekte führen. Die Drittmittel-
Fokussierung der finanziellen Forschungsmittel forschung kann bereits auf eine beträchtliche
auf Grundlagenforschung wird in verschiedenen Steigerung in den letzten Jahren zurückblicken:
Studien hervorgehoben. Beispielsweise schreibt Im Zeitraum 2010-2015 sind die Drittmittelerlöse
das Research and Innovation Observatory (RIO) der österreichischen Universitäten mit 22,9 %
der EU in seinem Länderbericht 2016: „Funding mehr als doppelt so schnell gewachsen wie die
for basic research in Austria is low compared to universitären Globalbudgets:

%
Universitätsbereich 2010 2011 2012 2013 2014 2015
2010/15
Bundesausgaben/Hochschulbudget/ 2,982 3,007 3,089 3,189 3,237 3,303 10,8 %
Universitätsbereich in Mrd. EUR
Drittmittel/Erlöse aus F&E-Projekten in 0,528 0,544 0,585 0,594 0,632 0,648 22,9 %
Mrd. EUR
Verhältnis Drittmittel/Bundesausgaben 17,7 % 18,1 % 18,9 % 18,6 % 19,5 % 19,6 %
Quelle Bundesausgaben: BMWFW, Statistisches Taschenbuch 2014 bzw. 2016, jeweils S. 87
Datenquelle Drittmittel: BMWFW, Statistisches Taschenbuch 2013, 2014 bzw. 2016, jeweils S. 101 bzw. S. 102, Daten exkl. Universität für Weiterbildung Krems

%
Universität Wien 2010 2011 2012 2013 2014 2015
2010/15
Globalbudget Bund in Mio. EUR 372,2 377,6 390,3 429,5 426,1 428,4 15,1 %
Drittmittel/Erlöse aus F&E-Projekten in 66,2 71,3 76,7 76,7 79,2 80,4 21,5 %
Mio. EUR
Verhältnis Drittmittel/Globalbudget Bund 17,8 % 18,9 % 19,6 % 17,9 % 18,6 % 18,8 %
Datenquelle Globalbudget Bund: Rechnungsabschlüsse 2010-15, Globalbudget Bund exkl. UZA II, zzgl. Studienbeitragsersätze
Datenquelle Drittmittel: Wissensbilanzen 2010-15, Kennzahl 1.C.2

Tabelle 9: Entwicklung Universitätsbudget und Drittmittelerlöse (österreichweit).


Tabelle 10: Entwicklung Universitätsbudget und Drittmittelerlöse (Universität Wien).

10 Arbeitsprogramm der österreichischen Bundesregierung 2017/18, S. 18f.


11 Research and Innovation Observatory (RIO) Country Report Austria 2016, S. 4.

20
In den Drittmittelerlösen sind kompetitiv einge- Universität Wien im nationalen
worbene Grundlagenforschungsprojekte ent- Vergleich
halten, die von FWF, EU oder anderen (Förder-)
Organisationen finanziert werden, aber auch Ein Vergleich der Universität Wien mit ande-
anwendungsorientierte Forschungsprojekte, die ren österreichischen Universitäten ist nur mit
u. a. von Unternehmen beauftragt werden. Die Einschränkungen möglich, da insbesondere die
Universität Wien hat ihren Schwerpunkt im Dritt- Fächerverteilungen nicht identisch sind. Trends
mittelbereich bisher auf Grundlagenforschung kommen bei derartigen, wenn auch groben
gelegt; mit einem Wachstum der Drittmittelerlö- Vergleichen jedoch zum Vorschein.
se von 21,5 % im Zeitraum 2010–2015 liegt die
Universität Wien nur leicht unter dem Durch- Die Universität Wien verfügt im Vergleich zum
schnitt aller Universitäten. Bundesweit wie auch gesamten Hochschulbudget des Universitätsbe-
an der Universität Wien ist eine Abflachung der reichs von EUR 3,3 Milliarden (2015) über 13 %
Steigerung im Jahr 2015 zu beobachten. Dies der Mittel. Unter Herausrechnung bestimmter
ist u. a. auch auf die Tatsache zurückzuführen, Sonderpositionen (insbesondere Klinischer
dass das FWF-Bewilligungsvolumen (und damit Mehraufwand) beläuft sich das universitäre
die Erfolgschancen), aber auch die laufenden Hochschulbudget auf rund EUR 2,8 Milliarden.
Auszahlungen im Jahr 2015 im Vergleich zu den Die Universität Wien erhält davon einen Anteil
Vorjahren rückläufig waren und die FWF-Over- von knapp über 15 %, betreut allerdings knapp
headzahlungen sukzessive eingestellt wurden. 30 % der Studierenden und zeichnet für rund
Obwohl an der Universität Wien rund die Hälfte 28 % der Abschlüsse verantwortlich. Aufgrund
der Drittmittel vom FWF finanziert wird, konnte der hohen Betreuungs- und Ressourcenintensi-
dieser Rückgang über andere Förderquellen tät ist das Verhältnis Bundesmittel zu Studie-
kompensiert werden, jedoch besteht ange- renden insbesondere bei medizinischen und
sichts des hohen Gewichts von FWF-, aber auch technischen Universitäten deutlich höher als an
EU-Mitteln im Bereich der nicht grundlagenori- der Universität Wien. Eine Gegenüberstellung mit
entierten Drittmittel Intensivierungsbedarf. vergleichbaren österreichischen Universitäten
in Graz, Innsbruck, Salzburg, Linz und Klagenfurt
zeigt jedoch wesentlich ungünstigere Verhältnis-
se an der Universität Wien:

prüfungsaktiv betriebene Abschlüsse Bundesmittel


Universität
Studien Stj. 2014/15 Stj. 2014/15 2015/in Mio. EUR
Gesamt 181.657 100,0 % 34.539 100,0% 2.818 100,0 %
Universität Wien 53.115 29,2 % 9.719 28,1 % 428 15,2 %
Universität Graz 19.119 10,5 % 3.486 10,1 % 187 6,6 %
Universität Innsbruck 18.276 10,1 % 3.981 11,5 % 216 7,7 %
Universität Salzburg 9.467 5,2 % 1.891 5,5 % 123 4,3 %
Universität Linz 9.907 5,5 % 1.718 5,0 % 121 4,3 %
Universität Klagenfurt 5.403 3,0 % 1.257 3,6 % 60 2,1 %
Medizinische Universitäten 9.536 5,2 % 1.600 4,6 % 591 21,0 %
Technische Universitäten 26.894 14,8 % 5.089 14,7 % 448 15,9 %
Künstlerische Universitäten 8.072 4,4 % 1.507 4,4 % 284 10,1 %
Sonstige Universitäten 21.870 12,0 % 4.291 12,4 % 361 12,8 %
Quelle: BMWFW, Statistisches Taschenbuch 2016, S. 34 (prüfungsaktiv betriebene Studien), S. 63 (Abschlüsse) und S. 89 (Bundesmittel)

Tabelle 11: Prüfungsaktiv betriebene Studien, Studienabschlüsse und Bundesmittel.

Die Betreuungsrelationen spiegeln dieses (z. B. Sozialwissenschaften) vergleichsweise hö-


Missverhältnis zwischen budgetärer Ausstattung here Studierendenzahlen betreut und deutlich
und der Anzahl der Studierenden deutlich wider: ungünstigere Betreuungsverhältnisse bestehen.
Dieses liegt an der Universität Wien bei 219,7
Studierenden je ProfessorIn und damit deutlich
über dem gesamtösterreichischen Schnitt sowie
über den Betreuungsverhältnissen vergleichba-
rer Universitäten. Detailliertere Analysen zeigen,
dass diese suboptimalen Betreuungsverhält-
nisse nicht nur auf unterschiedliche Fächeran-
gebote zurückzuführen sind, sondern dass die
Universität Wien auch in gleichen Fachbereichen

21
Ordentliche Studierende Prüfungsaktive Studierende
Wintersemester 2015 Studienjahr 2014/15
je je
Universität absolut je Prof. absolut je Prof.
Lehrperson Lehrperson
Gesamt 280.445 121,2 21,2 175.891 76,0 13,3
Universität Wien 89.602 219,7 39,6 50.545 123,9 22,3
Universität Graz 27.458 165,1 29,6 18.944 113,9 20,4
Universität Innsbruck 27.781 126,5 26,5 17.216 78,4 16,4
Universität Salzburg 14.744 111,8 21,0 9.218 69,9 13,1
Universität Linz 18.036 158,6 28,7 9.637 84,7 15,3
Universität Klagenfurt 8.478 132,5 23,1 5.108 79,8 13,9
Quelle: BMWFW, Statistisches Taschenbuch 2016, S. 120

Tabelle 12: Ordentliche Studierende und prüfungsaktive Studierende absolut sowie je ProfessorIn und je Lehrperson.

Die durchschnittlichen Bundesausgaben je anderen österreichischen Universitäten. Die


Studierendem/r und je AbsolventIn bestätigen angegebenen Bundesmittel verstehen sich dabei
diesen Befund von deutlich geringeren Bundes­ inklusive der im Globalbudget enthaltenen
mitteln der Universität Wien im Vergleich zu anteiligen Forschungsmittel.

Durchschnittl. Bundesausgaben 2013-15


Universität je Studierende/r je AbsolventIn
Universität Wien 4.966 41.086
Universität Graz 6.794 54.472
Universität Innsbruck 7.870 54.244
Universität Salzburg 8.806 64.713
Universität Linz 6.704 73.105
Universität Klagenfurt 6.856 47.433
Quelle: BMWFW, Statistisches Taschenbuch 2016, S. 121

Tabelle 13: Durchschnittliche Bundesausgaben je Studierende/r und je AbsolventIn. Aufgrund unterschiedlicher Abgrenzungen bestehen gering-
fügige Unterschiede zu den Werten in Tabelle 7 und Tabelle 8.

In der Drittmittelforschung verzeichneten die ös- her als bei anderen Volluniversitäten. Allerdings
terreichischen Universitäten seit 2010 erhebliche hat sich das Drittmittelwachstum an der Univer-
Steigerungen: In Summe sind die Drittmittelerlö- sität Wien seit 2014 abgeflacht, wäh­rend an den
se um EUR 136,9 Millionen bzw. 26,1 % gestiegen. medizinischen, vor allem aber an den techni-
Der Anstieg der Universität Wien ist mit 20,8 % schen Universitäten kontinuierlich wachsende
zwar leicht unter dem Durchschnitt, jedoch hö- Drittmittelvolumina zu beobachten sind.

%
Universität (in Mio. EUR) 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
2010/16
Universität Wien 66,2 71,3 76,7 76,7 79,2 80,4 80,0 20,8 %
Universität Graz 21,6 19,7 21,5 22,5 25,7 27,6 25,0 15,4 %
Universität Innsbruck 36,5 35,7 38,0 40,7 49,0 38,9 43,7 19,7 %
Universität Salzburg 22,9 18,1 21,5 19,6 22,1 22,8 24,0 4,9 %
Universität Linz 28,4 30,8 37,2 36,3 35,2 34,2 31,4 10,7 %
Universität Klagenfurt 9,0 8,9 8,7 10,4 7,3 8,9 7,4 -17,6 %
Medizinische Universitäten 144,7 153,7 162,4 152,5 163,3 169,1 171,8 18,7 %
Technische Universitäten 144,7 146,0 153,3 163,7 174,1 184,3 191,7 32,5 %
Künstlerische Universitäten 5,0 5,9 6,6 7,1 7,3 8,2 8,6 72,6 %
Sonstige Universitäten 45,8 54,2 59,3 64,4 68,8 73,9 78,1 70,5 %
Gesamt 524,9 544,2 585,1 593,9 632,0 648,3 661,8 26,1 %
Quelle: Wissensbilanzen 2010-16, Kennzahl 1.C.2 bzw. nunmehr 1.C.1, Daten exkl. Universität für Weiterbildung Krems

Tabelle 14: Entwicklung der Drittmittelerlöse.

22
Eine Analyse der Drittmittelerlöse nach Förder-/ zu 2011 haben die österreichischen Universitä-
Auftraggeber (aus methodischen Gründen ten 2016 um 28,5 % mehr Mittel bei Unterneh-
erst ab 2011) zeigt eine höhere Dynamik bei men und um 38,1 % mehr FFG-Förderungen
anwendungsorientierten Förder-/Auftraggebern, eingeworben, während im gleichen Zeitraum die
während grundlagenorientierte Fördergeber ge- Drittmittelerlöse beim FWF um 23,4 % sowie bei
ringere Wachstumsraten aufweisen. Im Vergleich der EU um 26,5 % gestiegen sind.

%
Förder-/Auftraggeber (in Mio. EUR) 2011 2012 2013 2014 2015 2016
2011/16
Unternehmen 126,4 129,8 155,0 157,7 160,0 162,5 28,5 %
FWF 128,4 137,9 149,2 158,7 159,8 158,4 23,4 %
EU 66,7 81,3 82,6 79,4 81,8 84,5 26,5 %
FFG 49,4 53,9 50,7 57,8 60,7 68,2 38,1 %
Sonstige Förder-/Auftraggeber 173,3 182,2 156,5 178,5 186,1 188,2 8,6 %
Gesamt 544,2 585,1 593,9 632,0 648,3 661,8 21,6%
Quelle: Wissensbilanzen 2011-16, Kennzahl 1.C.2 bzw. nunmehr 1.C.1, Daten exkl. Universität für Weiterbildung Krems

Tabelle 15: Entwicklung der Drittmittelerlöse je Förder-/Auftraggeber (österreichweit).

In Ergänzung ihres Bekenntnisses zur Grundla- beiden Kategorien sind zwar überdurchschnitt-
genforschung strebt die Universität Wien eine liche Wachstumsraten zu verzeichnen, jedoch
Steigerung von anwendungsorientierten Dritt- werden diesbezügliche Initiativen verstärkt
mittelprojekten sowie von FFG-Projekten an. In werden (siehe Kapitel 3.1.1 „Forschung“).

%
Universität Wien (in Mio. EUR) 2011 2012 2013 2014 2015 2016
2011/16
Unternehmen 2,8 3,1 3,5 2,9 3,0 3,4 20,6 %
FWF 35,9 38,1 40,5 41,0 40,0 38,7 7,8 %
EU 11,3 13,2 13,1 13,6 12,8 14,4 27,3 %
FFG 1,1 1,4 1,1 2,2 2,1 1,8 62,3 %
Sonstige Förder-/Auftraggeber 20,1 20,7 18,5 19,5 22,5 21,7 7,9 %
Gesamt 71,3 76,7 76,7 79,2 80,4 80,0 12,3 %
Quelle: Wissensbilanzen 2011-16, Kennzahl 1.C.2 bzw. nunmehr 1.C.1

Tabelle 16: Entwicklung der Drittmittelerlöse je Förder-/Auftraggeber (Universität Wien).

Das Gewicht des FWF hat zwar in den letzten Jah- der FWF-Bewilligungsvolumina, die an österrei-
ren leicht abgenommen, jedoch bleibt der FWF chische Universitäten ausgeschüttet wurden.
mit Abstand der wichtigste Drittmittelfördergeber Allerdings zeigt eine Analyse nach Aus­zahlungen,
der Universität Wien. Im Durchschnitt der letzten dass andere Universitäten höhere Steigerungsra-
Jahre lukrierte die Universität Wien rund 25 % ten aufweisen als die Universität Wien.

%
FWF-Bewilligungssumme in Mio. EUR 2011 2012 2013 2014 2015 2016
2011/16
Gesamt 195,2 196,4 202,6 211,4 199,3 183,8 -5,8 %
davon: Universitäten 169,1 158,6 173,9 179,4 166,4 152,3 -9,9 %
davon: Universität Wien 39,2 42,3 37,8 42,0 50,3 35,5 -9,4 %
Anteil Universität Wien / Universitäten 23,2 % 26,7 % 21,7 % 23,4 % 30,2 % 23,3 %
Quelle: FWF Jahresberichte 2011-2016, Neubewilligungssumme inkl. Verlängerungen, jedoch exkl. ergänzende Bewilligungen

Tabelle 17: Bewilligungssummen des FWF.

23
Die hohe Bedeutung der Grundlagenforschung Diese Universitäten weisen im Vergleich von
für die Universität Wien zeigt sich nicht nur am Budget und Studierendenzahlen eine deutlich
Anteil der Universität Wien an den FWF-Bewilli- höhere Budgetierung bzw. deutlich weniger
gungsvolumina, sondern auch an der Tatsache, Studierende auf. Somit ergeben sich für die
dass die Universität Wien im universitären Vergleichsuniversitäten erheblich günstigere
Vergleich mit Abstand die meisten ERC Grants Betreuungsrelationen und mehr Budgetmittel,
eingeworben hat. Diese Erfolge sind trotz der die je Studierendem/r bzw. je AbsolventIn zur
suboptimalen Rahmenbedingungen möglich Verfügung stehen.
geworden. Künftig soll ausgehend von einer
weiteren Stärkung der grundlagenforschungs- Eine Problematik des österreichischen Universi-
orientierten Forschungsvorhaben auch die tätssystems zeigt sich exemplarisch für die Uni-
anwendungsorientierte Forschung intensiviert versität Wien im Vergleich des je Studierendem/r
werden. bzw. je AbsolventIn zur Verfügung stehenden
Globalbudgets: Während an der Universität Zü-
Universität Wien im internationalen rich beispielsweise etwa um den Faktor 5 höhere
Vergleich Mittel je Studierendem/r zur Verfügung stehen,
halbiert sich dieses Verhältnis bezogen auf den/
Die Universität Wien vergleicht sich international die AbsolventIn auf einen Wert von rund 2,6.
mit der Universität Zürich, der LMU München
und der Universität Uppsala (siehe Kapitel 2.1 Ähnlich verhält es sich an den beiden anderen
„Forschung an der Universität Wien“). Vergleichsuniversitäten. Dies zeigt, dass die
bessere Finanzierung eine deutlich geringere
Drop-out Quote bewirkt.

Studierende Studienabschlüsse Globalbudget je ord. Stud. (in EUR)

100.000 12.000 30.000


90.000
80.000 10.000 25.000
70.000 8.000 20.000
60.000
50.000 6.000 15.000
40.000
30.000 4.000 10.000 4000

20.000
2.000 5.000 2000
10.000
0 0 0
Studierende Abschlüsse Globalbudget (Bund) je Stud.

Professuren Betreuungsrelationen: Stud./Prof. Globalbudget je Absolv. (in EUR)

700 250 140.000

600 120.000
200
500 100.000

400 150 80.000

300 100 60.000

200 40.000
50
100 20.000

0 0 0
Professuren Betreuungsrelationen Globalbudget (Bund) je Absolv.

Uni Zürich LMU/München Uni Uppsala Uni Wien

Diagramm 9: Vergleich der Universität Zürich (2016), der LMU München (2015), der Universität Uppsala (2016) und der Universität Wien (2015/16).
Universität Zürich und Universität München ohne Medizin, Universität Uppsala mit Medizin. Zentrale Quelle für die Daten der Universitäten mit
Ausnahme der Universität Wien: Universität Zürich: Jahresbericht 2016, http://www.uzh.ch/about/portrait/annualreport.html, LMU München:
Zahlen und Fakten 2015, https://www.uni-muenchen.de/ueber_die_lmu/zahlen_fakten/index.html, Universität Uppsala: Facts and Figures 2016,
https://www.uu.se/en/about-uu/in-brief/facts-figures/ (abgefragt im August 2017).

24
Die Rahmenbedingungen für Forschung sind im schwedischen Forschungsförderung: Neben vier
internationalen Vergleich sehr unterschiedlich, großen staatlich finanzierten Fonds existieren
wie insbesondere ein Vergleich der Dotierung große private, leistungsfähige Stiftungen wie
der nationalen Forschungsförderorganisationen etwa die Wallenberg Stiftung.
zeigt. Wie oben bereits dargestellt, ist die Dotie-
rung des FWF im Vergleich zu anderen nationa-
len europäischen Förderorganisationen deutlich
niedriger. Nachdem Drittmittelforschung an
der Universität Wien stark grundlagenorientiert
ist und zu 50 % vom FWF finanziert wird, ist es
wenig überraschend, dass die Universität Wien
im Vergleich zum Globalbudget weniger Dritt-
mittel als die Vergleichsuniversitäten in Zürich,
München und Uppsala einwirbt. Während an der
Universität Wien nur rund 16 % der Gesamter-
träge aus Drittmitteln stammen, beträgt dieser
Wert an der Universität Zürich knapp 19 % und
an der LMU München rund 24 % (jeweils ohne
medizinische/veterinärmedizinische Bereiche).
An der Universität Uppsala – allerdings inklusive
der medizinischen Fakultät – werden mehr als
ein Drittel der Erträge aus Drittmitteln lukriert, zu
beachten ist dabei die spezifische Struktur der

Globalbudget (in EUR Mio.) Drittmittel (in EUR Mio.) Anteil Drittmittel/Gesamtbudget

700 700 45 %

600 600 40 %
35 %
500 500
30 %
400 400 25 %
300 300 20 %
15 %
200 200
10 %
100 100 100
5%
50

0 0 0%
Globalbudget (Bund) Drittmittel Anteil Drittmittel / Gesamtbudget

Uni Zürich LMU/München Uni Uppsala Uni Wien

Diagramm 10: Vergleich der Budgets und der Budgetstruktur der Universität Zürich (2016), der LMU München (2015), der Universität Uppsala
(2016) und der Universität Wien (2015). Universität Zürich und Universität München ohne Medizin, Universität Uppsala mit Medizin.

25
Da in der Aufstellung der Drittmitteinwerbungen für München und Zürich (inkl. Medizin) sowie für
(Diagramm 10) der medizinische Bereich der den Standort Wien für die Universität Wien und
Universität Uppsala enthalten ist, seien der Voll- die Medizinische Universität Wien angegeben:
ständigkeit halber die entsprechenden Zahlen

Drittmittel 2015 Standort Wien


Universität
(EUR Mio.) (EUR Mio.)
Universität Zürich (inkl. Medizin) 269
Universität München (inkl. Medizin) 235
Universität Uppsala (mit Medizin) 269
Universität Wien 80
164
Medizinische Universität Wien 84
Tabelle 18: Drittmitteleinwerbungen 2015 im Vergleich (inkl. Medizin).

Studienplatzfinanzierung verbunden
mit einer Grundfinanzierung der
Forschung

Die Universität Wien begrüßt die Einführung


einer kapazitätsorientierten, studierendenbezo-
genen Universitätsfinanzierung entsprechend
den Zielsetzungen des Gesetzesbeschlusses von
Ende Juni 2017. Die neue Universitätsfinanzie-
rung nimmt stärker Bedacht auf die Nachfrage
der Studierenden und die Kapazitäten bzw.
Leistungen in der Forschung. Verbunden mit ei-
ner fairen Steuerung des Zugangs in Fächern mit
besonders hohen Studierendenzahlen würde ein
neues System der Universitätsfinanzierung we-
sentlich bessere Voraussetzungen für Forschung
und Lehre an der Universität Wien schaffen.

Die Universität Wien plant aus Mitteln der Uni-


versitätsfinanzierung NEU die Umsetzung des
vorliegenden Entwicklungsplans. Die vorgese-
henen Professuren und die weitere Forcierung
von Tenure Track-Stellen dienen einerseits
der Verbesserung der Betreuungsrelationen in
Fächern mit ungünstigen Betreuungsrelationen,
andererseits zur Stärkung der MINT-Fächer in
besonders zukunftsträchtigen Bereichen und der
Querverbindungen zwischen unterschiedlichen
Fächern. Je nach Bedarf der einzelnen Fakultä-
ten und Studienrichtungen wird aus den Mitteln
der Universitätsfinanzierung NEU auch in andere
Personalkategorien investiert werden.

Darüber hinaus sollen Investitionen in die


Infrastruktur erfolgen: einerseits bauliche
Maßnahmen (auch räumliche und apparative
Infrastruktur für die im vorliegenden Entwick-
lungsplan vorgesehenen zusätzlichen Professu-
ren), andererseits infrastrukturelle Maßnahmen
im bestehenden wissenschaftlichen Bereich
(State-of-the-Art-Infrastruktur).

26
27
28
3. Umsetzung der
Kernaufgaben

3.1 Forschung und Jahren verbessert, wenn auch im Bereich der


Nachwuchsförderung Drittmitteleinwerbungen noch Aufholbedarf im
Bereich der anwendungsorientierten Drittmittel-
forschung besteht (z. B. FFG, CDG und Auftrags-
3.1.1 Forschung forschung). Einschlägige Fachrankings belegen,
dass mehrere Forschungsbereiche der Univer-
Entwicklungsmotor Forschung sität Wien bereits jetzt zu den Top-100, einzelne
sogar zu den Top-50 der Welt zählen (siehe Kapi-
Die Forschung stellt einen wesentlichen Entwick- tel 2.1 „Forschung an der Universität Wien“).
lungsmotor der Universität Wien dar. Sie stimu-
liert eine qualitätsorientierte Lehre, sie schafft Die Universität Wien hat in den vergangenen
Voraussetzungen für technologische und soziale Jahren auch gezielt in forschungsstarke Diszipli-
Innovationen und sie führt zur kritischen Refle- nen investiert. Sie hat die zentralen Services zur
xion des allgemein akzeptierten Wissens. Eine Unterstützung der Forschung professionalisiert
Universität ohne Forschung würde in kurzer Zeit und sich insgesamt bemüht, die Forschenden
zu einer Lehranstalt reduziert, in der nur mehr so zu unterstützen, dass die Einlösung des
das eigentlich schon wieder veraltete Wissen Forschungsauftrags nicht zur Belastung, sondern
reproduziert wird und von der keine innovatori- zur sinnstiftenden Aufgabe wird.
schen Impulse für die Wirtschaft und die Gesell-
schaft ausgehen. Aktuelle Erkenntnisse aus der Damit der Entwicklungsmotor Forschung rund
Forschung wirken direkt in die forschungsgelei- läuft, sind zusätzliche Drittmittel zur Durchfüh-
tete Lehre und ermöglichen die Heranbildung in- rung von Forschungsprojekten und zur Finan-
novationsfähiger junger Menschen für Wirtschaft zierung der Nachwuchsförderung bedeutsam.
und Gesellschaft. Ergebnisse aus der Forschung Ausreichend ausgestattete nationale oder inter-
sind aber auch Grundlagen für wirtschaftlich und nationale Fördergeber, die akzeptable Erfolgs-
sozial relevante Innovationen und neue Daseins- aussichten offerieren können, kennzeichnen das
deutungen von Menschen und Gesellschaften. Umfeld, in dem die international wettbewerbs-
Über den Entwicklungsmotor Forschung leisten fähigen Universitäten eingebettet sind. Deshalb
die Universitäten ihren wichtigen Beitrag zum braucht es in Österreich eine bessere Dotierung
Erhalt der Zukunftsfähigkeit des Landes. für den FWF und auf europäischer Ebene für
die Förderung von Grundlagenforschung mehr
Die Universität Wien sieht sich als eine for- Mittel. Dabei geht es aber nicht nur um die
schungsstarke Universität mit hoher internatio- Einwerbung zusätzlicher Mittel, sondern auch
naler Sichtbarkeit (siehe Kapitel 2.1 „Forschung um Qualitätssicherung, denn die eingereichten
an der Universität Wien“). Ihre Forschungsleis- Projekte müssen sich einem Wettbewerb stellen,
tung, gemessen anhand der Publikationen in bei dem nur die besten nationalen und inter-
anerkannten Zeitschriften und Buchpublikatio- nationalen ForscherInnen und ForscherInnen-
nen oder anhand des eingeworbenen Dritt- gruppen reüssieren können. Die Universität Wien
mittelvolumens, hat sich in den vergangenen betrachtet daher die erfolgreiche Einwerbung

29
von Drittmitteln, insbesondere von Projekten, fakultären Forschungsschwerpunkte wurden
die in kompetitiven Verfahren eingeworben aus Gründen der Übersichtlichkeit, aber auch
werden, auch als Ausdruck ihrer Wettbewerbs- aufgrund realer inhaltlicher Zusammenhänge,
fähigkeit. Sie macht dabei aber auch darauf zu gesamtuniversitären Stärkefeldern gruppiert.
aufmerksam, dass ohne eine kontinuierliche Diese Stärkefelder zeigen (erhoben anhand der
Grundfinanzierung der universitären Forschung derzeit üblichen Outcome-Indizes) somit jene
innovative Impulse ausbleiben und die Einwer- Bereiche der Universität Wien, die aufgrund ihres
bung von Drittmitteln weder langfristig möglich Erfolgs im nationalen und internationalen Wett-
noch zielführend ist. Zum einem braucht es eine bewerb in ihrer Sichtbarkeit herausragen. Sie
State-of-the-Art-Grundausstattung, um nötige werden laufend hinsichtlich ihrer definierenden
Vorarbeiten zu machen und überhaupt kompe- Kriterien geprüft und gegebenenfalls angepasst
titive Anträge zu stellen, zum anderen verursa- oder ergänzt. Die (Weiter)entwicklung von
chen Drittmittelprojekte ‒ wenn nicht (wie meist) validen und aussagekräftigen Qualitätskriterien
die Vollkosten abgedeckt werden, sondern nur ist ein Anliegen der Universität Wien, um allen
die zusätzlichen forschungsrelevanten Mittel Disziplinen gerecht zu werden und neuere Ent-
mit einem Overhead-Beitrag ‒ Kosten, die vom wicklungen berücksichtigen zu können. Aktuell
Grundbudget abgedeckt werden müssen. bestehen an der Universität Wien die folgenden
neun Stärkefelder. Die Reihenfolge der Nennung
Forschung und Profilbildung der Stärkefelder im Entwicklungsplan folgt dem
Prinzip vom Theoretischen zum Konkreten und
Die Universität Wien besitzt eine historisch dabei wiederum von der kleinsten zur größten
gewachsene fachliche Breite in der Forschung. Maßstabsebene.
Das Forschungsprofil kann daher nicht auf einige
wenige Bereiche festgelegt werden, denn es ist
immer auch eine institutionelle Verantwortung
allen anderen Wissenschaftsbereichen gegen-
über wahrzunehmen. Es ist dennoch notwendig,
der Frage, wofür die Universität Wien in beson-
derer Weise steht, welche Forschungsbereiche
hervorzuheben sind, nicht auszuweichen. Diese
Frage ist relevant für die Außendarstellung, für
die korrekte Adjustierung der Eigenwahrneh-
mung und für Ressourcenentscheidungen.

Profilbildung basiert sinnvollerweise auf einer


analytischen Erarbeitung der vorhandenen
Profilstärken und neuer wissenschaftlicher
Fragestellungen sowie darauf basierender
Ressourcenentscheidungen. In welchen Berei-
chen ist die Universität Wien außerordentlich
erfolgreich? Auch um dies festzustellen, wurden
die auf einem breiten Bottom-up-Diskussions-
prozess entstandenen fakultären Forschungs-
schwerpunkte mit konkreten Outputindikatoren
versehen. Die fakultären Forschungsschwer-
punkte selber werden im Detail in den jeweiligen
Fakultätskapiteln beschrieben (siehe Kapitel
4 „Fakultäre Forschungsschwerpunkte und
fachliche Widmung von Professuren“). Zu den
relevanten Indikatoren zählen die Einwerbung
bedeutender kompetitiver Drittmittelprojekte
(z. B. EU, FWF, FFG, WWTF), die Zuerkennung
renommierter Wissenschaftspreise (z. B. ERC
Grants, START- oder Wittgenstein-Preise) oder
Einrichtungen mit besonderer internationaler
Sichtbarkeit wie das European Law Institute
(ELI). Darüber hinaus können fakultäre For-
schungsschwerpunkte auch durch besonders
gutes Abschneiden in aktuellen Fachrankings
wie dem QS-, THES- oder Shanghai-Ranking
oder durch die Einrichtung von Christian-Dopp-
ler-Labors, COMET- oder Laura-Bassi-Zentren
gekennzeichnet sein. Diese, aufgrund objektiver
Informationen besonders hervorgehobenen,

30
Internationa- Identitäts-
lisierung konstruktion Umwelt und
von und kosmische
Wirtschaft Gesellschafts- Prozesse
und Recht konzepte

Kognition,
Kommunikation Moleküle,
und Ernährung und
Zellen und ihre
systemische Wirkstoffe
Interaktion
Reflexion

Mikrobiologie,
Modelle und Quanten und Ökosysteme
Algorithmen Materialien und Evolution

Diagramm 11: Stärkefelder der Universität Wien.

•  Modelle und Algorithmen: Doktoratskolleg, 10 EU-Projekte und zwei


Das Verhalten komplexer und dynamischer CD-Labors stehen hinter diesem Stärke­feld.
Systeme wird mithilfe mathematischer Mo-
delle beschrieben und mit Hilfe von Com- •  Moleküle, Zellen und ihre Interaktion:
puteralgorithmen berechenbar gemacht. In diesem Stärkefeld, an dem das Zentrum
An diesem Stärkefeld sind die Fakultäten für Molekulare Biologie/MFPL und die Fakul-
für Mathematik, für Physik und für Informa- tät für Chemie beteiligt sind, geht es um mo-
tik beteiligt. Dem Stärkefeld können aktuell lekularbiologische, zellbiologische und bio-
insgesamt vier ERC Grants, vier FWF-START- chemische Fragestellungen sowie um die
Preise, zehn WWTF-Grants, vier FWF-Dokto- computergestützte Simulation der Aufklä-
ratskollegs, drei FWF-Spezialforschungsbe- rung von komplexen biologischen Struktu-
reiche, ein Nationales Forschungsnetzwerk ren. Fünf ERC Grants, vier FWF-START-Preise,
des FWF, vier EU-Projekte, zwei Projekte der vier FWF-Doktoratskollegs, vier FWF-Spezi-
Innovative Medicines Initiative der EU, eine alforschungsbereiche, ein EU-Projekt, fünf
Berta-Karlik-Professur und eine Simons-Stif- WWTF-Projekte, zwei Berta-Karlik-Professu-
tungsprofessur zugeordnet werden. ren, ein Laura-Bassi-Zentrum und ein CD-La-
bor ermöglichen und fördern dieses Stärke-
•  Quanten und Materialien: feld.
In diesem Stärkefeld arbeiten die Fakultäten
für Physik und für Chemie an theoretischen •  Ernährung und Wirkstoffe:
Fragestellungen der Quantenphysik und Das Stärkefeld umfasst Forschung, die sich
ihrer technologischen Anwendungen wie z. mit der Synthese, Isolierung, Strukturana-
B. Quantenkryptographie und Quantencom- lyse und Entwicklung komplexer Natur- und
puting sowie an materialwissenschaftlichen Wirkstoffe (z. B. Krebstherapeutika), funkti-
Fragestellungen, die von der Quanten- über oneller und bioaktiver Lebensmittelinhalts-
die Nanoebene bis zur Untersuchung und stoffe und deren Wirkung im menschlichen
Entwicklung nachhaltiger Werkstoffe für Körper sowie der Identifizierung neuer Wirk-
umweltschonende Technologien reichen. stoffe aus der Natur befasst. Die Fakultäten
Vier ERC Grants, zwei FWF-START-Preise, ein für Chemie und für Lebenswissenschaften
FWF-Spezialforschungsbereich, ein FWF-­ sind daran beteiligt. Zwei ERC Grants, ein

31
FWF-Doktoratskolleg, ein FWF-Spezialfor- und den daraus erwachsenen juristischen
schungsbereich, drei EU-Projekte, vier Pro- Herausforderungen und Risiken. Dem Stär-
jekte der Innovative Medicines Initiative der kefeld können vier FWF-Doktoratskollegs, ein
EU und ein CD-Labor konnten eingeworben CD-Labor und das European Law Institute
werden. (ELI) zugeordnet werden.

•  Mikrobiologie, Ökosysteme und Evolution: •  Umwelt und kosmische Prozesse:


In diesem im Wesentlichen von der Fakul- In diesem Stärkefeld sind die Fakultät für
tät für Lebenswissenschaften und dem For- Geowissenschaften, Geographie und Astro-
schungsverbund Chemistry meets Micro- nomie und die Fakultät für Physik vereint,
biology getragenen Stärkefeld geht es um um die Umweltprozesse auf der Erdober-
mikrobiologische, evolutionäre, entwick- fläche und in der Atmosphäre zu untersu-
lungsbiologische und ökologische Prozesse, chen, um damit die Dynamik von Abläufen
die für die heute vorliegende Vielfalt an Orga- in komplexen Systemen besser erfassen und
nismen in unserer Welt verantwortlich sind. voraussagen zu können. Darüber hinaus
Dieses Stärkefeld ist mit insgesamt sieben werden kosmische Prozesse, Ursprung und
ERC Grants, einem Wittgenstein-Preis, einem Entstehung von Sternen, Galaxien und Pla-
START-Preis, vier WWTF-Projekten, einem neten mithilfe von Beobachtungsstationen
FWF-Doktoratskolleg und zwei EU-Projekten wie dem ESO (European Southern Observa-
ebenfalls sehr erfolgreich. tory) sowie mit Hilfe von modernen Hoch-
leistungscomputern (Vienna Scientific Clus-
•  Identitätskonstruktion und Gesellschafts- ter) untersucht. Zwei ERC Grants, ein Natio-
konzepte: nales Forschungsnetzwerk des FWF und vier
In diesem geistes- und sozialwissenschaft- EU-Projekte wurden dabei eingeworben.
lichen Stärkefeld der Historisch-Kulturwis-
senschaftlichen, der Philologisch-Kulturwis- Weitere exzellente Forschungsinitiativen und
senschaftlichen Fakultät und der Fakultät für zukunftsweisende Forschungsfelder sind im
Sozialwissenschaften geht es um Fragen der Abschnitt „Interfakultäre Forschung institutionell
Identitätskonstruktionen auf individueller weiterentwickeln“ sowie im Kapitel 4 „Fakultäre
und kollektiver Ebene im historischen und Forschungsschwerpunkte und fachliche Widmung
aktuellen Kontext und im globalen Vergleich von Professuren“ ausführlicher thematisiert.
(u. a. Byzanz, Europa, Südostasien, China).
Dem Stärkefeld können vier ERC Grants, Strategische Ziele und spezifische
ein Wittgenstein-Preis, ein START-Preis, ein Instrumente
FWF-Spezialforschungsbereich, drei EU-Pro-
jekte und drei WWTF-Projekte zugeordnet Drittmittelforschung fördern und
werden. erleichtern

•  Kognition, Kommunikation und systemische Die Universität Wien will in den kommenden
Reflexion: Jahren die Forschungsaktivitäten ihrer wissen-
An diesem Stärkefeld sind die Fakultät für schaftlichen MitarbeiterInnen fördern und insbe-
Lebenswissenschaften, die Fakultät für Psy- sondere Rahmenbedingungen weiter verbes-
chologie, die Philologisch-Kulturwissen- sern, die für eine projektorientierte Forschung
schaftliche Fakultät, die Historisch-Kultur- dienlich sind. Ihre WissenschafterInnen sollen
wissenschaftliche Fakultät und die Fakultät bei der Einwerbung von Drittmitteln bestmöglich
für Philosophie und Bildungswissenschaft unterstützt werden und so international noch
beteiligt. Der Schwerpunkt liegt auf der Erfor- wettbewerbsfähiger sein. Diese Zielsetzung ba-
schung von kognitiven und neuronalen Pro- siert auf der empirischen Beobachtung, wonach
zessen von Mensch und Tier sowie auf den sich die Drittmittelforschung positiv entwickelt
Grundlagen von Wahrnehmung und Verhal- hat, insgesamt aber dennoch ausbaubar ist.
ten. Innerhalb dieses Stärkefelds finden sich Aus dem internationalen Vergleich der Drittmit-
drei ERC Grants, ein FWF-Spezialforschungs- teleinwerbungen (siehe Kapitel 2.3 „Finanzielle
bereich, zwei FWF-Doktoratskollegs, sechs Ausgangssituation der Universität Wien“) ergibt
WWTF-Projekte, ein EU-Projekt, ein ESFRI- sich, dass der Drittmittelanteil von aktuell 13,9 %
Projekt und zwei Berta-Karlik-Professuren. deutlich gesteigert werden soll. Dies betrifft die
Einwerbung von nationalen und internationa-
•  Internationalisierung von Wirtschaft und len Drittmitteln, und dabei insbesondere von
Recht: solchen, die in kompetitiven Verfahren vergeben
Die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften werden. Verstärktes Augenmerk soll auch auf der
und die Rechtswissenschaftliche Fakultät Stimulierung der Einwerbung von nicht-grund-
befassen sich mit der zunehmenden Euro- lagenorientierten Drittmittelprojekten liegen,
päisierung von Wirtschaft, Politik und Ge- wie sie insbesondere von der FFG, der Christian
sellschaft, insbesondere auch mit Internati- Doppler Gesellschaft und auch direkt von Unter-
onalisierung von Märkten und Institutionen nehmen gefördert werden (siehe auch Kapitel

32
3.4 „Wirken der Universität in der Gesellschaft – die Selbstverwaltung besonders in Anspruch
Wissensaustausch“). Wie das Kapitel 2 „Aus- genommen werden.
gangssituation“ zeigt, besteht in diesem Bereich
noch Potenzial zur Steigerung der Aktivitäten. Er- Stärkefelder stärken
folg im Drittmittelbereich ist neben den finanzi-
ellen Aspekten für die beteiligten ForscherInnen Universitäre Stärkefelder sind Bereiche in der
sowie die Universität Wien mit einem besonders Forschung mit höchstem internationalen Niveau
großen Reputationsgewinn verbunden, und die und Sichtbarkeit, die sich auch durch gutes
Sichtbarkeit der Forschung an der Universität Abschneiden in internationalen Fachrankings
Wien wird erhöht. Darüber hinaus sind kom- zeigt (siehe Kapitel 2.1 „Forschung an der Uni-
petitive Verfahren, die auf Begutachtung durch versität Wien“). Die jeweils aktuelle Ausweisung
internationale FachexpertInnen setzen, wie sie exzellenter Forschungsbereiche der Universität
insbesondere in den Programmlinien des FWF, Wien in Stärkefeldern soll in den kommenden
des WWTF und der EU angewandt werden, ein Leistungsvereinbarungsperioden fortgesetzt
wichtiges qualitätssicherndes Element. werden. Dabei sind die ihnen zugrunde liegen-
den Indikatoren einer ständigen Reflexion und
Zur Erhöhung der Drittmittelaktivitäten ihrer Anpassung, auch unter Berücksichtigung exter-
WissenschafterInnen will die Universität Wien ner Sichtweisen, zu unterziehen. Stärkefelder
weiterhin auf die bewährten Unterstützungs- sollen neben ihrer Rolle in der Außendarstellung
strukturen setzen, wobei die Serviceorientierung der Universität Wien zukünftig auch verstärkt
in der Betreuung und Beratung der Wissenschaf- Grundlage strategischer Ressourcenentschei-
terInnen im gesamten Projektzyklus im Vorder- dungen sein. So soll die Zugehörigkeit eines
grund stehen soll. Erfolgreiche Großprojekte, die Fachgebiets zu einem bestehenden oder einem
aufgrund ihrer Größe und der Anzahl der Partner potenziellen neuen Stärkefeld auch Einfluss auf
maßgeblich zur Sichtbarkeitssteigerung der die Widmung von Professuren im Rahmen der
Universität Wien beitragen, werden weiterhin mit rollierenden Entwicklungsplanung haben (siehe
Zuschüssen aus dem Globalbudget (commit- Kapitel 3.5.3 „Personalplanung und Abläufe“).
ments) gefördert. Ein besonderer Fokus wird Auch durch Ausschreibung von zusätzlichen
dabei auf die Einwerbung von EU-Projekten Laufbahnstellen und durch Investitionen in wis-
gesetzt. Im Rahmen von Horizon 2020 und auch senschaftliche und räumliche Infrastruktur (siehe
im darauffolgenden 9. EU-Rahmenprogramm Kapitel 3.6 „Infrastruktur“) sollen bestehende
ab 2020 plant die Universität Wien neben der und neue Stärkefelder weiter gefördert werden.
Weiterführung der erfolgreichen Schwerpunkt- Weiters können sie Ausgangspunkt für fachüber-
setzung im Bereich der thematisch offenen greifende innovative Professuren sein (siehe
Exzellenz- und Mobilitätsprogramme weiterhin Kapitel 3.5.3 „Personalplanung und Abläufe“ und
eine höhere Beteiligung an Kooperationspro- Kapitel 4 „Fakultäre Forschungsschwerpunkte
jekten. Durch die große Breite der vertretenen und fachliche Widmung von Professuren“). Stär-
Fächer genießt die Universität Wien bereits kefelder können sich auch als fachlicher Bogen
einen Wettbewerbsvorteil, wenn es darum geht, über neue (interdisziplinäre) Masterprogramme
die Ansprüche des neuen Programms an hohe spannen und so über den Weg der forschungsge-
interdisziplinäre Kooperationsbereitschaft zu leiteten Lehre den wissenschaftlichen Nach-
erfüllen. Dieses Potenzial soll vermehrt auch wuchs für die exzellenten Bereiche der Univer-
intern sichtbar gemacht werden. Neben den sität Wien sicherstellen. Auch im Bereich der
bewährten Forschungsplattformen soll dazu das Lehre wird damit der Prozess der Profilbildung
Instrument des Forschungsverbunds adaptiert und Vernetzung des Lehrangebots mittelfristig
werden, um an der Universität Wien kritische vorangetrieben (siehe Kapitel 3.2 „Studium und
Masse zu schaffen, die Ausgangspunkt für Anträ- Lehre“). Mit dem Umzug von Teilen der Lebens-
ge in konkreten Ausschreibungen von Horizon wissenschaften in das neue „Biologiezentrum“ in
2020 und im 9. Rahmenprogramm sein soll. räumlicher Nähe zum Vienna Biocenter Campus
Darüber hinaus werden Maßnahmen konzipiert, entstehen zahlreiche fachliche und methodische
um die Beteiligung von WissenschafterInnen Anknüpfungspunkte innerhalb der Universität
aus dem GSK-Bereich an Ausschreibungen Wien sowie mit den Akteuren am Standort (ins-
der EU-Rahmenprogramme zu erhöhen. Neu besondere ÖAW, IMP, Unternehmen) ein deutlich
geschaffen werden soll auch ein ERC-Mentoring über die nationalen Grenzen ausstrahlender
System, bei dem erfolgreiche ERC Grantees ihre Forschungsstandort im Bereich der Molekularen
Erfahrungen aus der Antragstellung an poten- Biologie, einem Bereich, der bereits heute zu ei-
zielle KandidatInnen weitergeben. nem der Stärkefelder der Universität Wien zählt.

Maßnahmen einer Ermöglichung zur Erhöhung Weiterhin Neues wagen


von Drittmittelaktivitäten sollen auch für Be­
reiche konzipiert werden, wo die Belastung in Neben dem Ausbau bestehender Stärken will die
der Lehre besonders hoch ist, sowie für Wissen­ Universität Wien auch zielgerichtet und ihrem
schafterinnen, die aufgrund des gesetzlich Profil entsprechend neue Entwicklungsfelder
geforderten Frauenanteils in Gremien durch in der Forschung erschließen. Dabei handelt es

33
sich um Bereiche, die hohes Potenzial aufwei- können wie die bestehenden Stärkefelder durch
sen, aber noch zusätzliche Investitionen zum fachübergreifende und neue Professuren (siehe
Aufbau von kritischer Masse benötigen, um zu Kapitel 3.5.3 „Personalplanung und Abläufe“ und
einem Stärkefeld der Universität Wien zu werden Kapitel 4 „Fakultäre Forschungsschwerpunkte
und zur internationalen Spitzenforschung auf- und fachliche Widmung von Professuren“) ge-
schließen zu können. Beispiele für Bereiche mit stärkt und international sichtbarer gemacht wer-
hohem Entwicklungspotenzial an der Universität den. Besondere Bedeutung bei der Förderung
Wien sind u. a. die Neurowissenschaften, der neuer innovativer Bereiche könnten dabei auch
Bereich Digital Humanities und Data Science, in die geplanten Zukunftsprofessuren des FWF
Kooperation mit der Medizinischen Universität haben, wobei ein Mechanismus zur Weiterfüh-
Wien die Mikrobiomforschung (siehe auch Kapi- rung der Professuren nach dem Auslaufen der
tel 3.3 „Internationale und nationale Kooperatio- FWF-Förderungen, z. B. durch die Besetzung von
nen“) sowie in Anbetracht der großen Bedeutung Laufbahnstellen, entwickelt werden muss.
der Lehramtsstudien an der Universität Wien
die Stärkung einer Bildungsforschung mit dem Erhöhung des Impacts der
Fokus auf Bildungsinstitutionen. Das erforderli- Forschungsergebnisse
che Ausmaß von zusätzlichen Ressourcen, um
„kritische Masse“ zu erzeugen, ist dabei fach- Mit der Reflexion über forschungsbezogenen
spezifisch unterschiedlich und nicht nur auf die Impact nimmt die Universität Wien die Heraus­
Universität Wien zu beziehen. forderung der Politik an, die Universitäten nicht
nur auf ihre Forschungsvorhaben, sondern auch
Die Förderung dieser Bereiche kann durch die auf deren Auswirkungen auf Wirtschaft und
fachliche Widmung von Professuren im Rahmen Gesellschaft hin zu beurteilen. Auch wenn sich
der rollierenden Entwicklungsplanung (siehe wissenschaftlicher Impact in qualitativ hoch­
Kapitel 3.5.3 „Personalplanung und Abläufe“ und wertigen und hochzitierten Publikationen
Kapitel 4 „Fakultäre Forschungsschwerpunkte nieder­schlägt, soll dies nicht das einzige Krite-
und fachliche Widmung von Professuren“), rium bei der Beurteilung des Impacts sein. Die
durch zusätzliche Laufbahnstellen und durch Entwicklungen in anderen europäischen Län-
zusätzliche Investitionen in wissenschaftliche dern machen deutlich, dass diese Gewichtung
und räumliche Infrastruktur (siehe Kapitel 3.6 auf „societal“ Impact auch in zukünftigen
„Infrastruktur“) erfolgen. Auch diese Bereiche Be­willigungsentscheidungen weiter an Be-

34
deutung gewinnen wird, wie auch der von der Journalartikel soll ausgehend von 55,7 % (2015)
Europäischen Kommission als Grundlage der gesteigert werden. Die Universität Wien wird
Vorbereitung des nächsten Rahmenprogramms Maßnahmen zur Steigerung der Qualität und der
herausgegebene High-Level-Report „LAB-FAB- Anzahl von Publikationen u. a. im Rahmen von
APP – Investing in the European Future we want“ Zielvereinbarungen und Monitoringgesprächen
betont. So empfiehlt die High-Level Group der mit den Fakultäten und Zentren diskutieren und
Kommission bei der Konzipierung des kom- festlegen. Die Publikationsleistung betreffen-
menden Rahmenprogramms verstärkt auch de Indikatoren sollen auch Teil der bereits an
auf die „societal relevance“ der zu erwartenden einigen Organisationseinheiten eingeführten
Forschungsergebnisse zu achten, gerade wenn leistungsorientieren Mittelvergabe sein.
es um die Beantwortung bedeutender globaler
Fragestellungen („global challenges“) und die Interfakultäre Forschung institutionell
Sicherung der nachhaltigen Entwicklung (UN weiterentwickeln
Societal Development Goals – SDG) geht. Impact
soll dabei über den klassischen Innovations- Neben den ausgewiesenen Stärkefeldern ver­-
zyklus hinaus neu gedacht werden. stehen sich die verschiedenen internen For-
schungsorganisationsformen der Universität
Durch das klare Bekenntnis zu Open Science Wien – Forschungsverbünde, Forschungsplatt-
soll die Wirkung der Ergebnisse der universitä- formen und Forschungszentren – als wichtige
ren Forschung erhöht werden. Open Science Instrumentarien sowohl für die Entwicklung als
verfolgt das Ziel, Wissenschaft einer größeren auch die Etablierung exzellenter Forschungsini-
Zahl von Menschen innerhalb und außerhalb der tiativen, die entweder aus bottom-up-Aktionen
Wissenschaft einfacher zugänglich zu machen. oder aber aus institutionellen „Vorgeschichten“
Dazu zählen einerseits produktorientierte Ansät- hervorgehen. Sie inkludieren zukunftsweisende
ze, die (Zwischen-)Ergebnisse möglichst offen Forschungsfelder, tragen zur Profilbildung bei
zugänglich machen, wie etwa Open Access und und bilden die breite disziplinäre Ausrichtung
Open Data. Andererseits kann darunter auch der Universität Wien ab. Hier gibt es eine starke
die Öffnung von Prozessen der Wissenschaft Verankerung von sozial-, geistes-, wirtschafts-
verstanden werden, die etwa Bürgerbeteiligung und rechtswissenschaftlichen Forschungsini­
einschließt (Citizen Science). Open Science tiativen, die auf allen Ebenen der internen
erhöht die Nachvollziehbarkeit und Akzeptanz Forschungsorganisation ersichtlich ist (derzeit
der Wissenschaft und die Wirkung der Ergeb- zwei Forschungsverbünde, neun Forschungs-
nisse in die Gesellschaft (siehe auch Kapitel 3.4 plattformen und alle drei an der Universität Wien
„Wirken der Universität in der Gesellschaft – eingerichteten Forschungszentren entstammen
Wissensaustausch“). Im Bereich des Open Access sozial-, geistes-, wirtschafts- und rechtswissen-
wird die Universität Wien ihren Fokus weiterhin schaftlichen Forschungsinitiativen). Daneben
auf Green Open Access legen, d. h. die Hinterle- finden sich auch die MINT-Fächer in diesen in-
gung von Publikationen im universitätseigenen ternen Forschungsorganisationsformen wieder.
Repositorium und die Förderung der Umstellung Innovative Kooperationsnetzwerke quer zu den
von an der Universität Wien herausgegebenen Fächern und Fakultäten bilden somit wichtige
Zeitschriften auf Open Access. Ziel ist es dabei, Stützen für zukunftsweisende und profilbilden-
den Anteil von Open-Access-Artikeln an der de Forschung an der Universität Wien, die alle
Gesamtzahl der Zeitschriftenartikel (2015: 8,6 %) Disziplinen widerspiegelt.
deutlich zu steigern.
Die internen Fördermechanismen sollen ba­-
Sichtbarkeit und Bedeutung wissenschaftlichen sierend auf den bisherigen Erfahrungen
Outputs der Universität Wien erhöhen sich auch weiterentwickelt werden. Das Instrument der
durch die Steigerung der Qualität der wissen- Forschungsverbünde, das bisher am Beginn der
schaftlichen Publikationen ihrer Wissenschaf- universitätsinternen Förderkaskade stand, könn-
terInnen. Die Universität Wien ist bestrebt, te dabei auch als Instrument der universitären
den Anteil an hochwertigen Publikationen in Drittmittelstrategie grundlegend neu konzipiert
international anerkannten Fachzeitschriften, werden. Forschungsverbünde, die insbesondere
Reihen und Buchveröffentlichungen zu steigern. in gesellschaftlich relevanten Themenbereichen
Indikatoren für qualitätsvolle Publikationsorga- ForscherInnen zusammengeführt haben, sollen
ne sind dabei insbesondere Peer Review und die stärker als bisher Ausgangspunkt für Drittmittel-
Indizierung in einschlägigen Publikationsdaten- projekte sein. Deren Einrichtung bleibt nieder-
banken (wie z. B. SCIE, SSCI, AHCI, Scopus). Wo schwellig, zeitlich begrenzt und dient – neben
dem Fach angemessen, kann auch die Zugehö- der Drittmitteleinwerbung – der konzeptionellen
rigkeit zu den besten 25 % der Zeitschriften (Q1) Fassung einer Forschungsfrage oder hat das
eines Forschungsbereichs (gemäß dem Journal Potenzial, interdisziplinäre Forschung über die
Citation Index) als Kriterium für qualitativ hoch- Grenzen der Fakultäten hinaus zu entwickeln.
wertige Zeitschriften herangezogen werden. Forschungsplattformen haben sich grund-
Der Anteil von Artikeln in Q1-Journalen an der sätzlich bewährt. Sie werden vom Rektorat
Gesamtzahl der im Web of Science indizierten basierend auf den Ergebnissen regelmäßiger,

35
thematisch offener Ausschreibungen mit 3.1.2 Nachwuchsförderung
internationaler Begutachtung eingerichtet, um
neue erfolgversprechende Projekte zu fördern. Jede wissenschaftliche Institution muss Strate-
Darüber hinaus können anlassbezogen For- gien und Konzepte entwickeln, um die nächste
schungsplattformen auch ohne Ausschreibung wissenschaftlich gebildete Generation für eine
eingerichtet werden, um besonders interdiszip- berufliche Tätigkeit innerhalb und außerhalb
linäre und aktuelle Forschungsaktivitäten an der einer Universität heranzubilden und zu rekru-
Universität Wien zu verorten. Forschungsplatt- tieren und damit die Reproduktion und den
formen werden für die Dauer von drei Jahren mit Fortbestand der Institution zu sichern und in
Option auf Verlängerung um weitere drei Jahre internationalen Austausch mit anderen Institu-
eingerichtet. Nach Abschluss der Anschubför- tionen treten zu können. Je ernsthafter dies an
derung durch das Rektorat können erfolgreiche der Universität Wien heute betrieben wird, desto
Forschungsplattformen nach erneuter Begutach- erfolgreicher wird die Universität Wien in Zukunft
tung in Forschungszentren überführt werden. sein.

Forschungszentren müssen eine „institutionelle Status quo


Vorgeschichte“ (z. B. als Forschungsplattform
oder FWF-Spezialforschungsbereich) haben, DoktorandInnen und Postdocs bilden eine
werden zunächst befristet eingerichtet und Gruppe von jungen ForscherInnen, die für die
nach erfolgreichem Bestehen einer ersten Phase Entwicklung der Forschung an der Universität
dauerhaft, aber längstens auf die Dauer des Wien von zentraler Bedeutung sind. Für die
Beschäftigungsverhältnisses ihrer LeiterInnen nächste Generation von WissenschafterInnen
eingerichtet. Forschungszentren finanzieren sich sollen Rahmenbedingungen bestehen, die sie
maßgeblich aus Drittmitteln und Fakultätsbeiträ- unterstützen, wesentliche Beiträge für die Wis-
gen und sind Subeinheiten einer Organisations- senschaft zu leisten. Postdocs sollen ihr eigenes
einheit, die sich auch an der Finanzierung be- wissenschaftliches Profil in Forschung und Lehre
teiligen muss. Mit der organisationsrechtlichen entwickeln und sich für eine wissenschaftsori-
Fassung als Subeinheit einer Fakultät gehen entierte Karriere qualifizieren (siehe Kapitel 3.5
erfahrungsgemäß die Beteiligungsaktivitäten „MitarbeiterInnen“).
anderer Fakultäten zurück. Auch ist die Bindung
der Dauer eines Zentrums an die Erwerbstätig- Das Doktoratsstudium bedeutet Ausbildung
keit des Leiters oder der Leiterin unabhängig von durch Forschung. Es dient zunächst dazu, die
der tatsächlichen Performance zu hinterfragen. DoktorandInnen dabei zu unterstützen, sich als
Im Bereich der Forschungszentren sind also kon- junge WissenschafterInnen (im Sinne von early
zeptionelle Weiterentwicklungen notwendig, um stage researcher) eingebettet in der internatio-
erfolgreiche, innovative und fächerübergreifende nalen Wissenschaftsgemeinschaft zu entwickeln,
Forschungsaktivitäten zu verankern. Auch die mit guter Betreuung Forschung selbstständig zu
Organisationsstruktur der Universität Wien soll, betreiben und so sich professionelle wie persön-
bezugnehmend auf die Dynamik von Entwick- lichkeitsbezogene Kompetenzen anzueignen.
lungen in der Forschung, in größeren zeitlichen Sie sollen darüber hinaus auch eine Reihe von
Abständen regelmäßig angepasst werden, um Schlüsselkompetenzen erwerben, die für ihre
neuen Wissenschaftsbereichen mit hohem Po- weitere berufliche Laufbahn, innerhalb oder
tenzial die passende institutionelle Verankerung außerhalb von Universitäten, von Vorteil sind.
zu ermöglichen.
Mit dem 2009 eingeführten dreijährigen struk-
Schließlich hat die Universität Wien gemein- turierten Doktoratsstudium hat die Universität
sam mit der Medizinischen Universität Wien Wien die Heranbildung von wissenschaftlichem
Forschungscluster, die nun als Interuniversitäre Nachwuchs durch die intensive Zusammenar-
Clusterprojekte bezeichnet werden, eingerichtet. beit zwischen DoktorandInnen und BetreuerIn-
Diese Projekte fördern die Kooperation zwischen nen an den Dissertationsprojekten noch stärker
den beiden Universitäten und helfen, neue ins Zentrum gerückt.
Brücken zwischen Grundlagenforschung und
patientenorientierter Forschung („bench-to-bed- Dabei wird die Zusammenarbeit und Betreuung
side“) zu schlagen. Sie werden in kompetitiven von Doktoratsstudierenden und Betreuenden
Auswahlverfahren mit internationaler Begutach- gemeinsam strukturiert und qualitativ gehoben.
tung befristet für drei Jahre eingerichtet (siehe Die Rolle der DoktorandInnen bei der Themen­
auch Kapitel 3.3 „Internationale und nationale findung wird betont und im Rahmen der fakul-
Kooperationen“). Sie haben sich bewährt und täts­öffentlichen Präsentation werden Fachkol-
sollen nach Möglichkeit ausgebaut werden. legInnen breiter in die Beurteilung der The-
men einbezogen (Qualitätssicherung). Nach
Genehmigung des Themas wird mit der darauf
aufbauenden Dissertationsvereinbarung eine
wechselseitige Verbindlichkeit von DoktorandIn
und BetreuerIn geschaffen und die Betreuung

36
festgelegt. Gemeinsam mit den Betreuenden Weiterentwicklung der Maßnahmen zur
wird auf einen passgenauen Zuschnitt des be- Nachwuchsförderung
gleitenden Lehr- und Kursangebots geachtet und
dies in der Dissertationsvereinbarung festgelegt. Die weitere Verbesserung der Qualität des
Durch vereinbarte Teilnahmen an nationalen Doktoratsstudiums und die Weiterentwicklung
wie internationalen Konferenzen sowie durch der eingeführten Instrumente zur Förderung von
einschlägige Publikationen von Teilergebnissen DoktorandInnen und Postdocs wird eine zentrale
wird für die Einbettung der DoktorandInnen in Aufgabe aller Beteiligten sein. Zur Förderung
die wissenschaftliche Fach-Community gesorgt. der Postdocs sei dabei auf den Personalteil des
Die Qualitätssicherung im Doktoratsstudium Entwicklungsplans verwiesen (siehe Kapitel 3.5
erfolgt laufend und zwar von der fakultätsöf- „MitarbeiterInnen“). Dabei soll der Anteil der
fentlichen Präsentation über die Fortschritts- aktiven DoktorandInnen mit abgeschlossener fa-
berichte bis zum Abschluss der Doktoratsarbeit kultätsöffentlicher Präsentation sowie die Anzahl
mit öffentlicher Defensio. Ein weiteres Element der zeitgerecht abschließenden DoktorandIn-
der Qualitätssicherung ist die externe Begut- nen gesteigert werden. Die 2017 beschlossene
achtung der Dissertation. Mit der Trennung von UG-Novelle ermöglicht die Einführung quali-
Betreuung und Begutachtung hat die Universität tativer Zugangsregelungen zum Doktoratsstu-
Wien internationale Empfehlungen auch in der dium. Durch den geregelten Zugang wird die
Satzung realisiert. wechselseitige Verbindlichkeit von Doktoratsstu-
dierenden und Betreuenden erhöht und somit
Die Universität Wien fördert u. a. über das eine Qualitätssteigerung im Doktorat erwartet.
uni:docs Programm eine individuelle Form der Die Universität Wien wird im Rahmen dieser
Doktoratsausbildung. Dabei handelt es sich um rechtlichen Möglichkeiten ein qualitätsgesicher-
eine Initiative der Universität Wien, die darauf tes Zulassungsverfahren entwickeln, für das ein
abzielt, exzellente DoktorandInnen für einen ausgearbeitetes Dissertationsthema und eine
Zeitraum von drei Jahren zu finanzieren, um Betreuungszusage verbindliche Grundlagen sein
ihnen zu ermöglichen, sich ihren Dissertations- sollen. Durch die Schaffung attraktiver Doktorat-
vorhaben voll zu widmen. Die im Rahmen des sprogramme und gezielte Fördermaßnahmen
uni:docs-Programms vergebenen dreijährigen für Masterstudierende als Vorbereitung für den
Stellen für DoktorandInnen werden auf Basis ei- Übergang vom Masterstudium zum Doktorat soll
nes mehrstufigen Begutachtungsverfahrens mit dieser erleichtert und damit die vertikale Mobi-
externem Peer Review der Anträge und internen lität erhöht werden. Mit den anderen Universi-
Interviews mit den BewerberInnen vergeben. täten am Standort können in fachlich naheste-
henden Bereichen, wie z. B. den Life Sciences,
Ebenso wird von der Universität Wien auch die gemeinsame Joint PhD-Programme entwickelt
Bildung von fachlich nahestehenden Gruppen werden (siehe auch Kapitel 3.3 „Internationale
von DoktorandInnen gefördert und zwar u. und nationale Kooperationen“).
a. durch die Einrichtung von Vienna Doctoral
Academies (VDA) und Vienna Doctoral Schools Die Entwicklung soll langfristig in Richtung einer
(VDS). Die Auswahl der VDA und VDS erfolgt in zweigeteilten Bildungskultur gehen, in der die
einem mehrstufigen Auswahlverfahren durch Grundausbildung im Rahmen des Bachelorstudi-
das Rektorat auf Empfehlung einer international ums („undergraduate“) durch eine wissenschaft-
besetzten Auswahljury. Ziel dieser beiden Unter- liche Graduiertenausbildung erweitert wird. Im
stützungsmaßnahmen ist es, die engagiertesten Rahmen der jeweils bestehenden rechtlichen
DoktorandInnen und BetreuerInnen zusammen- Möglichkeiten könnten auch neue Instrumente
zuführen, die Betreuung und die Zusammenar- wie ein kombiniertes Master- und Doktorats-
beit zu intensivieren und den disziplinären und studium, das entweder zu einem Master- oder
interdisziplinären Austausch zu ermöglichen. einem Doktoratsabschluss führt, geschaffen
Die VDA und VDS sollen die zeitgerechte und werden (siehe auch Kapitel 3.2 „Studium und
qualitätsgesicherte Durchführung des Doktorats- Lehre“). Ein solcher weitreichender Paradigmen-
studiums unterstützen. wechsel bedarf einer ausführlichen Diskussion
und ist in unterschiedlichen Fächerkulturen und
Für die kollektive Doktoratsausbildung sind die aus unterschiedlichen Perspektiven zu sehen.
Förderlinien des FWF (z. B. Doktoratskollegs,
docfunds) und der EU (z. B. die Research Training Auch in der vorliegenden Entwicklungsplanungs­
Networks) von großer Bedeutung. Die Bedeu- periode wird das erfolgreiche uni:docs-Programm
tung der kollektiven Doktoratsausbildung für die als eine Maßnahme der DoktorandInnenförde-
wissenschaftliche Schwerpunktsetzung und für rung fortgesetzt. Die Vienna Doctoral Academies
die Vernetzung der Forschungsgebiete zeigt sich (VDA) und Vienna Doctoral Schools (VDS) werden
u. a. in den Stärkefeldern in der Forschung (siehe als Unterstützungsstrukturen im Doktoratsbe-
oben). reich weitergeführt (siehe oben), aber dabei
einer Weiterentwicklung unterzogen, die eine
Harmonisierung der beiden Modelle basierend
auf den bisherigen Erfahrungen und Best-

37
Practices zum Ziel hat. Möglicherweise soll eine hin auf hohem Niveau bleiben, wobei sich die
einheitliche Form von Doktoratsschulen ent- begleitenden qualitätssichernden Maßnahmen,
stehen, die flächendeckender als bisher an der wie gemeinsame interdisziplinäre Auswahlpa-
Universität Wien implementiert werden, um so nels, bewährt haben und in entsprechend ange-
auch einem größeren Kreis an DoktorandInnen passter Form weitergeführt werden sollen (siehe
und ihren BetreuerInnen Unterstützung zukom- auch Kapitel 3.7 „Qualitätssicherung“).
men zu lassen. Die zukünftigen Doktoratsschulen
sollen deutlich umfassender und größer sein als
die bisher eingerichteten VDA und VDS und auch
Fachbereiche einschließen, die bisher nicht ab- 3.2 Studium und Lehre
gedeckt wurden. Darüber hinaus soll gemeinsam
mit dem Vereinheitlichungsprozess eine weitere 3.2.1 S
 tudieren an der
organisatorische Strukturebene in die Dokto- Universität Wien
ratsschulen in der Form von mehreren parallelen
thematisch-fokussierten Programmen eingezo- Die Universität Wien bietet aktuell 174 ordentli-
gen werden. Vergleichbar mit den Klassen einer che Studien an, darunter 56 Bachelorstudien,
Schule, sollen in diesen Programmen mehrere zwei Diplomstudien, 103 Master- und 13 Dok-
Betreuungsberechtigte zu einem fachlich klar toratsstudien sowie 39 Universitätslehrgänge
abgegrenzten Bereich ihre DoktorandInnen be- (in Form von außerordentlichen Studien). Mehr
treuen. Der Kern jedes Dissertationsprojekts ist als 10.000 AbsolventInnen schließen jedes Jahr
dabei ein individuelles Betreuungsverhältnis. ihr Studium an der Universität Wien ab und
treten in den europäischen Arbeitsmarkt und
Die Doktoratsschule selbst bleibt ein fachlich Bildungsraum ein. 6.800 WissenschafterInnen
breiter gefasster Überbau, der für die Organisati- gestalten mit ihrer Forschungs- und Lehrexperti-
on und Administration der Aktivitäten innerhalb se das Studienangebot der Universität Wien, der
der Schule verantwortlich ist und so effizient und größten Forschungs- und Bildungseinrichtung
kostensparend agieren kann. Die Anzahl und Österreichs.
fachliche Ausrichtung der in dieser Form einge-
richteten Doktoratsschulen soll sich stärker als Disziplinen- und Studienvielfalt nutzen:
bisher an der Profilbildung der Universität Wien
in der Forschung orientieren. Qualitätskriterien Die Universität Wien sieht in der fachlichen
für die Aufnahme von DoktorandInnen und ihren Vielfalt ihres Studienangebots einen hohen Wert,
BetreuerInnen sollen trotz fachlicher Ausweitung welcher gerade auch von den Studierenden als
und Verbreiterung der Doktoratsschulen weiter- besondere Attraktivität des Studienorts „Univer-

38
sität Wien“ gesehen wird. Damit wird Studieren dium stellt die Studierenden vor die Herausfor-
auch über die Grenzen einzelner Fächer hinaus derung, ihre Lernprozesse eigenverantwortlich
möglich. Die fachliche Breite der Universität zu gestalten, sich intensiv mit den fachlichen In-
Wien soll den Studierenden vielfältige Studi- halten und Methoden auseinanderzusetzen und
enmöglichkeiten eröffnen, wodurch auch ganz sich auf dieser Grundlage am wissenschaftlichen
neue Profilierungschancen im Hinblick auf Diskurs zu beteiligen. Lehrende unterstützen den
Berufsmöglichkeiten entstehen. Ein zentrales Lernprozess der Studierenden, indem sie zen-
Mittel zur Sicherstellung einer breiten Grund- trale Inhalte, Methoden und Kompetenzen im
ausbildung im Bachelor und der Förderung von jeweiligen Fach vermitteln und die Studierenden
vertikaler Mobilität sind Erweiterungscurricula bei der Gestaltung ihres eigenen Lernprozesses
(ECs). Die Universität Wien bietet etwa 120 Erwei- anleiten. Sie fördern die aktive Auseinanderset-
terungscurricula an, die als Module innerhalb zung mit Lerninhalten auf der Grundlage der Er-
des Bachelorstudiums verankert sind. Neben fahrungen und Wissenshintergründe, welche die
der Kompetenzerweiterung und der Steigerung Studierenden mitbringen. Lehrende ermutigen
der Beschäftigungsfähigkeit der AbsolventInnen Studierende, ihre eigenen Themen, Fragen und
haben diese Module zunehmend auch eine Positionen zu entwickeln und diesen im Rahmen
„Brückenfunktion“ zu fachlich nicht unmittelbar ihres Studiums auch nachzugehen. Damit stär-
anschließenden Masterstudien. Die Disziplinen- ken Lehrende die Motivation der Studierenden,
vielfalt ermöglicht aber nicht nur auf individuel- den Anforderungen eines Universitätsstudiums
ler Ebene Wahlmöglichkeiten. Zusätzlich können gerecht zu werden, fördern Erfolgserlebnisse
auch durch die Vernetzung der Wissenschafts- und nicht zuletzt die Freude am Erkenntnisge-
disziplinen und durch Schwerpunktbildungen winn.
immer wieder neue Studienangebote entwickelt
werden. Gesellschaftliche Verantwortung im Studium
lernen:
Forschungsnahes Studieren ermöglichen:
Die Begeisterung für Wissenschaft und das
Nach dem Prinzip der forschungsgeleiteten Verständnis für ihren Beitrag zur Lösung gesell-
Lehre bringen die Lehrenden ihre Forschungser- schaftlicher Fragen gilt es schon vor dem Stu-
gebnisse soweit wie möglich und dem Studien- dium zu wecken. Hier setzt die Universität Wien
verlauf angemessen direkt in die Lehrveranstal- mit Formaten wie der Kinderuni an (siehe Kapitel
tung ein und binden die Studierenden so früh 3.4 „Wirken der Universität in der Gesellschaft
wie möglich in aktuelle Forschungsprozesse – Wissensaustausch“). Die Universität Wien will
ein. Das Bekenntnis der Universität Wien zur in den nächsten Jahren den Gesellschafts- und
forschungsgeleiteten Lehre soll im Aufbau und Praxisbezug auch im Studium stärker sichtbar
in den Inhalten der Studien seinen Ausdruck machen und sich bei Initiativen engagieren,
finden. In der universitären Lehre werden neue welche Bildung durch reflektierte Verknüpfung
Erkenntnisse, Theorien, Modelle und Methoden von Wissenschaft und praktischem Engagement
fundiert vermittelt, kritisch hinterfragt und auch vermitteln (Service Learning). Solche Projekte
im Diskurs zwischen Studierenden und Lehren- verfolgen zudem das Ziel, gesellschaftliche
den weiterentwickelt. Praxisfelder weiterzuentwickeln. So wird in der
universitären Lehre akademisches Lernen mit
Internationale Community erleben: gesellschaftlichem Engagement verbunden, im
Interesse der Innovationsfähigkeit der Gesell-
Studierende der Universität Wien sind Teil einer schaft insgesamt. Darüber hinaus wird Entre-
großen und vielfältigen Community von rund preneurship Education besonderes Augenmerk
94.000 Studierenden und kommen aus rund 140 gewidmet, um einer neuen Generation von
verschiedenen Ländern. Durch die Beteiligung potenziellen GründerInnen Umsetzungsprakti-
der Universität Wien an Netzwerken wie Erasmus ken zu vermitteln und sie auf wissenschaftlich
und durch Partnerschaften mit den führenden fundierter Basis dazu zu befähigen, Herausforde-
Universitäten der Welt eröffnen sich zahlrei- rungen der Zukunft sowohl zu erkennen als auch
che Austauschmöglichkeiten. Dies ermöglicht anzunehmen.
Studierenden, unabhängig von ihrer finanziellen
Situation, internationale und interkulturelle Diversität leben:
Erfahrungen zu sammeln. Auch im Hinblick auf
die späteren beruflichen Perspektiven ist dies Die Universität Wien begreift die Diversität ihrer
relevant: Ein Auslandsaufenthalt verbessert die Studierenden in sozialer, kultureller, sprachli-
späteren beruflichen Aussichten. cher, religiöser, ethnischer und regionaler Hin-
sicht als Bereicherung und Herausforderung und
Aktive, selbstverantwortliche Studierende bekennt sich zum Prinzip der Chancengleichheit.
fördern: Daher setzt sie sich das Ziel, alle Studierenden-
gruppen in der bestmöglichen Leistungserbrin-
Studieren setzt die eigene aktive Verarbeitung gung zu fördern und ihre Studienerfolgschancen
von Studieninhalten voraus. Ein Universitätsstu- zu erhöhen. Erprobte Maßnahmen wie z. B.

39
(Schreib)Mentoring, Tutoring sollen bedarfsori- wissenschaftlich, berufsorientiert und persön-
entiert weiterentwickelt und ausgebaut werden lich so zu qualifizieren, dass sie ihrerseits einen
und gezielt auch Studierende mit einer anderen Beitrag zur Weiterentwicklung der Gesellschaft
Erstsprache als Deutsch adressieren. Soweit leisten können. Fundiertes Grundlagenwissen
möglich, sollen solche Maßnahmen auch als wird durch forschungsbasierte und methoden-
Online-Angebote einer größeren Gruppe von orientierte Lehre vermittelt. Die Universität Wien
Studierenden zur Verfügung stehen. Studieren, unterstützt Studierende auf ihrem Weg zu einem
das in gewissem Ausmaß Berufstätigkeit ermög- Studienabschluss, damit sie als gut gebildete,
licht, wird durch die Vielfalt der Lehrformate methodisch versierte und zu eigenständigem
(Blocklehrveranstaltungen, Lehrveranstaltungen Denken befähigte AbsolventInnen für die Erfor-
zu Tagesrandzeiten, E-Learning) unterstützt. dernisse der Berufstätigkeit auf dem allgemei-
Die Geschlechterverteilung in einzelnen Fächern nen und dem wissenschaftlichen Arbeitsmarkt
ist sehr unterschiedlich. Insgesamt ist für die Uni- vorbereitet sind.
versität Wien die Erreichung einer Geschlechter-
balance eine wichtige Zielsetzung, insbesondere Rahmenbedingungen für eine weitere
in MINT-Studien. Die geschlechterspezifische Verbesserung der Studienqualität schaffen:
Nachfrage spiegelt auch sozial bedingte Inter-
essenslagen und Erwartungshaltungen wider Die Universität Wien bietet hohe Qualität im
und ist nicht allein durch die Universität Wien zu Studium und erwartet von Studierenden, dass
verändern. Die Universität Wien kann durch die sie die Studieneingangs- und Orientierungspha-
Ausbildung von LehrerInnen eine langfristig wirk- se nutzen, um ihre Studienwahl zu überprüfen.
same aktive Rolle spielen und dazu beitragen, Die Stärkung der Verbindlichkeit zwischen der
dass schon in der Schule mit entsprechender Universität Wien und den Studierenden im Sinn
Sensibilität und gezielter Förderung geschlech- einer wechselseitigen Verantwortung wird auf
terspezifischen Prägungen entgegengewirkt vielen Ebenen gefördert. Die finanziellen und
wird. damit auch personellen Rahmenbedingungen
ermöglichen oftmals erst im Verlauf des Studi-
Chancen der Digitalisierung für die Lehre nutzen: ums gute Betreuungsverhältnisse. Bezogen auf
die Zahl der StudienbeginnerInnen ist die Zahl
Der Einsatz digitaler Lehr-/Lernformate erweitert der AbsolventInnen zu gering. Die Universität
das Spektrum, Lernprozesse zu gestalten und Wien ist bestrebt, die Zahl der Abschlüsse weiter
Lernen als aktives Geschehen für Studierende zu zu erhöhen und von Anfang an auf eine höhere
ermöglichen. Lehrformate sind heute vielfältig. Studienerfolgswahrscheinlichkeit zu achten;
Neben klassischen Formaten kommen immer dies würde allerdings gesetzliche Grundlagen für
mehr auch andere, vielfach digital unterstützte weitere Auswahlverfahren in einigen Bereichen
Lehrangebote zum Einsatz. Die Universität Wien erforderlich machen. Die Universität Wien unter-
setzt weiterhin auf den Ausbau von Offenen Bil- stützt die Anliegen der vom BMWFW erarbeiteten
dungsressourcen für Blended-Learning-Lehrver- Konzepte für eine Studienplatzfinanzierung und
anstaltungen. Studierende können so Themen Grundfinanzierung der Forschung, verbunden
und Fragen eigenständig erarbeiten. Weiters mit flächendeckenden (der Orientierung die-
wird über digitale Instrumente die Kommuni- nenden) Eignungsüberprüfungen und Auswahl-
kation sowohl unter den Studierenden als auch verfahren soweit notwendig, wobei auch auf
zwischen Studierenden und Lehrenden intensi- regionale Unterschiede in den Betreuungsver-
viert. Darüber hinaus wird die „Digitalisierung“ hältnissen zu achten sein wird.
zugleich als Forschungsgegenstand und als
gesellschaftliches Thema in viele Lehrangebote 3.2.2 Studieren heute
integriert, da diese Entwicklung das Leben und
Arbeiten der nächsten Generation immer stärker Vor dem Studium:
bestimmen wird und Kompetenzen im Umfang „Studieren – ja? Was?“
mit der Digitalisierung zentral sind.
Das Spektrum der StudienbeginnerInnen ist
AbsolventInnen einen guten Einstieg am heute vielfältig. Die Zahl der Personen, die
Arbeitsmarkt ermöglichen: nicht unmittelbar nach der Matura ein Studium
aufnehmen, steigt. Orientierungsphasen, Be-
Das Ziel der Universität Wien ist es, aktive selbst- rufstätigkeit oder Auslandsaufenthalte werden
bestimmte Studierende und am Ende des Weges eingelegt. Darüber hinaus steigt die Zahl der
schließlich bestens qualifizierte AbsolventInnen BeginnerInnen, die nach der Absolvierung einer
auszubilden. Das Ermöglichen eines zügigen Studienberechtigungsprüfung mit dem Studium
Studiums mit qualitätsvollen Inhalten und mit beginnen oder ihr Wissen aus dem Arbeitsle-
dem Ziel einer erfolgreichen Platzierung der ben kommend in speziellen Gebieten vertiefen
AbsolventInnen auf dem nationalen und interna- wollen.
tionalen Arbeitsmarkt stellen zentrale Aufgaben
der Universität Wien dar. Die Ausbildung an der Das Disziplinenspektrum der Universität Wien
Universität Wien zielt darauf ab, Studierende lässt sich grob in folgende Studienfelder unter-

40
teilen. Jedes Studienfeld weist eine Vielzahl an richtigen Studium. Neben Online-Studieninfor-
Studienmöglichkeiten auf: mation und universitätsinternen Veranstaltun-
gen, wie z. B. den „Tagen der offenen Tür“ oder
•  Recht & Wirtschaft der Messe „uniorientiert“, ist die Universität Wien
•  Gesellschaft, Politik & Medien auch auf Studieninformationsmessen vertreten.
•  Mathematik & Informatik Bei diesen Veranstaltungen besteht eine direkte
•  Geschichte & Kulturwissenschaften Kontaktmöglichkeit mit FachvertreterInnen und
•  Natur- und Lebenswissenschaften höhersemestrigen StudienkollegInnen, um sich
•  Psychologie, Gesundheit & Sport über Inhalte und Strukturen des Wunschstu-
•  Sprachen, Literatur & Regionen diums informieren zu können. Bei Probevorle-
•  Philosophie, Bildung & Religion sungen, Live-Vorlesungen, kleineren Informati-
onsveranstaltungen und Exkursionen können
Die Universität Wien unterstützt mit einem um- Studieninteressierte das Fach kennenlernen und
fangreichen Angebot bei der Suche nach dem in den Studienbetrieb hineinschnuppern.

Student Lifecycle und Angebote der Universität Wien

vor dem Studium im Studium

Aufnahme-
Studien- verfahren weiterer
STEOP Abschlussphase
entscheidung (für ausgewählte Studienverlauf
Studien)


Informations- ✓
STEOP-Mentoring ✓
Schreib-
angebot ✓
Prüfungs- ✓
Förderung von Mentoring

OSA materialien Lern- und ✓
100+ Maßnahmen
Studierstrategien ✓
Abschluss-

Tutoring coaching

Diagramm 12: Student Lifecycle und Angebote der Universität Wien.

Zur Orientierung für Studieninteressierte steht in mit dem Fach darauf ab, den Studienwerber­
vielen Studienrichtungen ein Online-Self-Assess- Innen die Möglichkeit zu geben, die eigene
ment (OSA) zur Verfügung, das über die grundle- Interessens- und Motivationslage zu prüfen und
genden Inhalte des Studiums informiert und den somit eine nachhaltige Studienentscheidung zu
Interessierten eine Rückmeldung gibt, wie sehr fördern. In weiterer Folge sollen die Aufnahme-
die Erwartungen an das Studium der Realität verfahren einen Beitrag leisten, die Rate der prü-
entsprechen. Die Ergebnisse des OSA werden fungsaktiven Studierenden sowie die Zahl der
individuell ausgewertet und in einem ausführ- Abschlüsse zu erhöhen. Befunde im Zuge einer
lichen Feedback an die Studieninteressierten umfangreichen Evaluation der Aufnahme- und
rückgemeldet. Das OSA motiviert zur Reflexion Eignungsverfahren weisen in diese Richtung: Sie
und stellt eine Ergänzung zur persönlichen zeigen nicht nur, dass seit Einführung der Verfah-
Berufs- und Studienberatung dar. Die Universität ren die Rate an prüfungsaktiven Studierenden in
Wien ist bestrebt, in den kommenden Jahren für den betreffenden Fächern gestiegen ist, sondern
alle Studienfächer mit hohen BeginnerInnen- auch, dass die Verfahren insgesamt eine hohe
und/oder Drop-out-Zahlen OSAs zur Verfügung Akzeptanz in der Zielgruppe genießen (Testfair-
zu stellen. ness, Organisation etc.).

In einigen Studien an der Universität Wien wer- Eignungsverfahren sehen keine zahlenmäßi-
den Aufnahme- und Eignungsverfahren durch- ge Beschränkung vor. Sie werden derzeit im
geführt. Diese beruhen auf unterschiedlichen Lehramt und in sportwissenschaftlichen Studien
gesetzlichen Grundlagen. Bei Studien mit sehr durchgeführt. Im Lehramt ist das Aufnahmever-
großer Nachfrage werden Aufnahmeverfahren fahren dreistufig ausgestaltet (OSA, schriftlicher
durchgeführt, wenn die Zahl der Studieninter- Eignungstest und individuelles Eignungs- und
essierten die Anzahl der zur Verfügung stehen- Beratungsgespräch für StudienwerberInnen, die
den Studienplätze übersteigt. Die Aufgabe von beim Eignungstest nicht die erforderlichen 30 %
Aufnahmeverfahren geht über die zahlenmäßige der Punkte erreichen). In sportwissenschaftli-
Auswahl der BeginnerInnen laut Gesetz hinaus chen Studien wird die körperlich-motorische
und zielt durch eine aktive Auseinandersetzung Eignung überprüft.

41
Ziel ist eine bessere Selbsteinschätzung der BeginnerInnenzahlen durch den Einsatz höher­
Kompetenzen durch die Studieninteressierten semestriger Studierender als MentorInnen
selbst. Das Ziel der Universität Wien ist die und TutorInnen. Diese stehen mit Wissen und
Ausweitung von Eignungsverfahren zur Orien- Erfahrung bereit, um den AnfängerInnen das
tierungshilfe für Studieninteressierte, falls es die Zurechtfinden im Studienalltag zu erleichtern.
gesetzlichen Regelungen zulassen.
Mentoring hilft beim Kennenlernen von (gleich-
Ein Bachelor-(Diplom-)studium und höhersemestrigen) StudienkollegInnen,
absolvieren dient der Kommunikation über Studierstrategien
sowie Spezifika universitären Lernens. Die Tutor­
Alle Studien ‒ abgesehen von Rechtswissen- Innen unterstützen StudienbeginnerInnen bei
schaften und Katholischer Fachtheologie ‒ wer- der fachlichen Sozialisation und beim besseren
den heute in der Form eines Bachelorstudiums Verstehen der konkreten Fachinhalte, vielfach
mit der Möglichkeit, ein Masterstudium anzu- unter Nutzung elektronischer Tools.
schließen, angeboten. Die Systemumstellungen
im Zuge der Bologna-Studienarchitektur, die zu Die Universität Wien erwartet von ihren Studie-
Beginn der 2000er Jahre angestoßen wurden, renden, dass sie nach Absolvierung der STEOP
sind damit weitgehend abgeschlossen. Im Be- den Abschluss „in ihrem Hauptstudium“ anstre-
reich der Rechtswissenschaften findet derzeit im ben; werden durch weitere Studien Interessen
Rahmen des Projekts Zukunft Hochschule unter bedient, ist dies ein wünschenswerter Zusatz-
Beteiligung der Universität Wien die Weiterent- und Nebeneffekt für Studierende.
wicklung des Studiums im Zuge der österreich-
weiten Debatte unter Abwägung der Vor- und (Er)Forschendes Lernen
Nachteile einer allfälligen Umstellung auf die
Bologna-Studienarchitektur statt. Im Verlauf des Studiums lernen Studierende,
Fragestellungen wissenschaftlich zu bearbeiten.
Das Bachelorstudium vermittelt akademische Dabei lernen sie beispielhaft Forschungsprozes-
Kern- und Basiskompetenzen. Es dient der se kennen und beginnen das eigene Lernen als
wissenschaftlichen Berufsvorbildung und der forschendes Handeln zu begreifen, selbst wenn
Qualifizierung für berufliche Tätigkeiten. Bache- die Erkenntnisse und Ergebnisse für die Fachge-
lorstudien fokussieren auf die Vermittlung einer meinschaft noch kein „neues Wissen“ darstellen.
wissenschaftlichen Grundkompetenz, die darauf Lernende sollen auch Freude am wissenschaft-
zielt, grundsätzlich zu erfassen, wie Probleme lichen Arbeiten erleben und Wissenschaft-
mit einem wissenschaftlichen Zugang (in Bezug lichkeit als einen spezifischen Zugang bei der
auf Fragestellung und Methodik) zu behandeln Bearbeitung von Fragestellungen kennen und
bzw. zu lösen sind. gezielt auch anwenden lernen. Im Rahmen einer
Gesellschaft, die wesentlich auf Wissen basiert,
STEOP: Eine Brücke ins Studium von kontinuierlicher Veränderung geprägt ist
und in der es komplexe Probleme zu lösen gilt,
Als erste Studienstufe führt die Studieneingangs- wird dies auch eine der wichtigsten Grundlagen
und Orientierungsphase (STEOP) die Studie- künftiger beruflicher Tätigkeiten sein.
renden in die universitäre Lehr- und Lernkultur
ein. Sie ist ein weiteres Instrument, mit dem Die Verzahnung von Wissenschaft mit univer-
StudienanfängerInnen die Studienwahl und sitätsexternen Partnern aus den unterschied-
Eignung für das betreffende Studium durch den lichsten Bereichen im Rahmen von Projekten
gebotenen Fachüberblick und frühe Leistungs- ist zu fördern. Dieser Austausch ermöglicht die
anforderungen selbst überprüfen können. Als Entwicklung neuer Denkansätze und bietet der
curriculares Element liefert sie einen wesentli- Universität Wien die Option, aktuelle Themen
chen Beitrag zur Qualitätssicherung in Studium der Wirtschaft und Gesellschaft auch in der Lehre
und Lehre, baut eine Brücke hinein ins Studium zu beleuchten.
und verbessert damit die Startmöglichkeiten.
Darüber hinaus erhöht sie die Planbarkeit für Individuelle Profilbildungsmöglichkeiten
Universitäten und Studierende. Die Universität
Wien ist bestrebt, bei der Weiterentwicklung Bereits im Bachelorstudium bietet die Univer-
der Studieneingangs- und Orientierungsphasen sität Wien viele Wahlmöglichkeiten, vor allem
noch mehr auf Verbindungen zwischen Gruppen in Form von Erweiterungscurricula (15 ECTS
von Fächern zu achten, um Synergien bei den oder 30 ECTS-Module), an. Sie dienen der Ver-
STEOPs der Studienfelder, die fachlich eng ver- breiterung der Kompetenzen im fachfremden
bunden sind, zu finden und zu nutzen und um Bereich. Sie tragen dazu bei, über den Tellerrand
Studierenden einen frühen Studienwechsel zu hinauszuschauen und interessensgeleitet wei-
ermöglichen. tere fachliche Gebiete kennenzulernen. Damit
qualifizieren sich Studierende für die vielfältigen
Die Universität Wien unterstützt ihre Studien­ Anforderungen im späteren beruflichen Leben.
anfängerInnen vor allem in Fächern mit hohen Erweiterungscurricula (EC) stellen zudem ein

42
wichtiges Bindeglied zu nicht konsekutiven oder Ziel Rechnung trägt, den eigenen Bildungsweg
interdisziplinären Masterstudien dar. Bereits individuell zu gestalten.
im Verlauf des Bachelorstudiums können sich
Studierende mit der Wahl eines Erweiterungsstu- Für Studierende stellen sich Fragen nach dem
diums eine Brücke in ein fachlich nicht unmittel- Abschluss, z. B. ob Berufserfahrung gesammelt
bar anschließendes Masterstudium bauen, die werden soll, welche Art der Anstellung in Frage
Optionen für die vertikale Mobilität erhöhen und kommt und/oder ob ein Masterstudium direkt
die Interdisziplinarität erweitern. Es besteht für angeschlossen werden soll.
die Zukunft die Absicht, Erweiterungscurricula
zu aktuellen Fragestellungen zu konzipieren, um Entscheiden sich Studierende für ein Masterstu-
kurzfristig auf Herausforderungen reagieren zu dium, stellen sie sich häufig die Frage: Soll ich
können. Darüber hinaus werden Erweiterungs- ein fachlich anschließendes Masterstudium wäh-
curricula auch in jene Studienpläne eingebaut, len? Soll ich die Universität wechseln? Soll ich
in denen sie bisher nicht vorgesehen sind. Erwei- ein interdisziplinäres Masterstudium mit einem
terungscurricula werden alle drei Jahre evaluiert neuen inhaltlichen Schwerpunkt beginnen? Ist
und regelmäßig weiterentwickelt. In diesem Be- eventuell doch ein nicht konsekutives Master-
reich ist es leicht möglich, auf aktuelle Themen studium in einem neuen Bereich (wenn es der
zu reagieren und neue, innovative Formate zu Bachelorabschluss erlaubt) von Interesse?
implementieren.
Die Universität Wien steht gerade in Bezug auf
Abschluss als Ziel Masterstudien im Wettbewerb um Studieninte-
ressierte mit anderen Bildungseinrichtungen in
Die Universität Wien ist bestrebt, Bachelorstu- Europa und will für diese attraktiv sein.
dierende, die nach Absolvierung der Studie-
neingangs- und Orientierungsphase mehr als Ziel ist es, das Studienangebot so weiterzuent-
100 ECTS-Punkte und damit mehr als die Hälfte wickeln, dass das nicht konsekutive Studieren
ihres Studiums absolviert haben, mit unterstüt- möglich wird.
zenden Maßnahmen weiter zu begleiten, damit
sie den Abschluss im Auge behalten können. Die Die Universität Wien hat dazu einen „Master
Maßnahmen betreffen teils die Organisation des Access Guide“ entwickelt, insbesondere um die
Studiums (z. B. Gestaltung des Lehrveranstal- nicht-konsekutiven Wahlmöglichkeiten trans-
tungsangebots) und teils inhaltliche Überlegun- parent darstellen zu können. Der Guide wird
gen. Dies kann beispielsweise auch durch eine laufend um neue Pfade im Studienangebot zwi-
verstärkte persönliche Beratung durch Studi- schen Bachelor- und Masterstudien ergänzt. Hier
enprogrammleitungen/StudienServiceCenter/ sind die Voraussetzungen für den Zugang zu den
Lehrende erfolgen, damit Bindung und Verbind- diversen Masterstudien sowie die Informationen
lichkeit gestärkt werden und vorausschauendes zu Vor-/Folgestudien und Auflagen abgebildet.
Studierverhalten (z. B. Planung von Erasmus- Nach Sichtbarmachung der Zusammenhänge
Mobilität oder von Erweiterungscurricula für den innerhalb der Universität Wien sollen diese In-
Übertritt in fachfremde Masterstudien) gefördert formationen auch für Studien anderer Bildungs-
wird. Ein zielstrebiger Studienabschluss (z. B. einrichtungen, soweit sie für die Universität Wien
auch durch Angebote wie Schreibmentoring) ist von Relevanz sind, aufbereitet werden.
insbesondere in dieser Phase das erklärte Ziel.

Kompetenzen von Bachelor-AbsolventInnen

BachelorabsolventInnen weisen über Fach- und


Methodenwissen hinaus auch Analysefähigkei-
ten sowie vernetztes Denken, fachsprachliche
Kommunikationskompetenz und Problemlö-
sungsfähigkeit auf und können als beschäfti-
gungsfähige AbsolventInnen innovative gesell-
schaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen
proaktiv mitgestalten. Sie sind in der Lage, in
komplexen Kontexten unvorhergesehene Prob-
lemstellungen zu lösen.

Optionen nach dem (Erst-)Abschluss

Nach dem Abschluss des Bachelorstudiums


stehen AbsolventInnen abermals vor einer
Entscheidung. Durch die Umstellung auf die
Bologna-Studienarchitektur wurde mit dem Ba-
chelorabschluss eine Zäsur geschaffen, die dem

43
Ein Modell für nicht konsekutive Studienmöglichkeiten:

Master MA-Studium „A“ MA-Studium „B“

Erweiterungscurriculum
(15-45 ECTS)
Fach „B“

Bachelor BA-Studium „A“

Die Grafik ist als Modell zu sehen:


Informationen zu konkreten Studien finden sich im Master Access Guide.
Diagramm 13: Modell für nicht konsekutive Studienmöglichkeiten.

Masterstudium praxisorientierte oder forschungsorientierte


Laufbahn.
Insbesondere Masterstudierende sollen sich
möglichst früh mit eigenständigem forschendem Am Ende des Masterstudiums steht die eigen-
Denken und Handeln vertraut machen und im ständige wissenschaftliche Bearbeitung eines
Aufbau von Forschungskompetenz gefördert Themas unter Anleitung in Form der Master-
werden. Wird eine wissenschaftliche Laufbahn arbeit. Daher gehört die dafür erforderliche
angestrebt, ist ein Masterstudium Vorausset- Vertiefungs- und Spezialisierungsmöglichkeit
zung. Auch für spezialisierte Tätigkeiten oder auch zu den profilgebenden Merkmalen eines
die Übernahme von Leitungsaufgaben in einem Masterstudiums. Dies gelingt am ehesten,
Unternehmen ist der Abschluss eines Masterstu- wenn Studierende über das Rezipieren von
diums von großem Vorteil. Forschungsergebnissen hinaus einzelne Schritte
eines Forschungsprozesses möglichst hautnah
Typologie der Masterstudien: kennenlernen, nach Möglichkeit einüben können
und unter Anleitung auch selbst forschen lernen.
•  Vertiefend im eigenen Fach: Auf Basis der im Die Universität Wien steht ab dem Masterlevel
Bachelorstudium erworbenen Grundlagen im internationalen Wettbewerb um Studien-
werden diese Kenntnisse vertieft und in eini- interessierte und es ist ein wichtiges Anliegen,
gen Gebieten erfolgt eine Spezialisierung. besonders motivierte und leistungsbereite
•  Quereinstieg in ein fremdes Fach: Studie- Studierende im Masterbereich wie auch im Dok-
rende suchen neue Chancen durch individu- toratsbereich zu gewinnen (siehe auch Kapitel
elle Kompetenzzusammensetzungen. 3.1.2 „Nachwuchsförderung“).
•  Interdisziplinäres Angebot: Studierende und
Lehrende verschiedener Fächer verfolgen ein Insbesondere im Blick auf die Erstellung der Mas-
koordiniertes einzelfachübergreifendes Pro- terarbeit stehen die Studierenden vor ähnlichen
gramm. Herausforderungen wie Studierende im Doktorats-
bereich. Auch wenn es derzeit keine gesetzliche
Das Masterstudium befähigt zum Einstieg Grundlage dafür gibt, sind Überlegungen hinsicht-
entweder lich eines kombinierten Master-/PhD-Studiums vor
•  in eine einschlägige berufliche Praxis (Stu- diesem Hintergrund für die Zukunft von Relevanz.
dierende können das erworbene Wissen/die Im angloamerikanischen Raum ist dies Standard
erworbenen Fähigkeiten in der beruflichen und dort ist die Zäsur im Studienverlauf Bachelor
Praxis fruchtbar machen. Der Studienab- einerseits sowie Master/PhD andererseits.
schluss bietet somit eine Ausbildung für ein
konkretes Berufsfeld.) Um international orientierten Studierenden ein
oder attraktives Angebot zu bieten, wird in den nächs-
•  in eine vorwiegend wissenschaftlich ausge- ten Jahren der Ausbau der Masterprogramme,
richtete Laufbahn. die rein englischsprachig angeboten werden oder
zumindest einen Pfad im Studium haben, der
Die Wahl der entsprechenden Ausprägung im in einer Fremdsprache absolviert werden kann,
Masterstudium stellt die Weichen für eine eher vorangetrieben.

44
Weiters ist die Universität Wien bestrebt, spezi- sammenzuführen, gemeinsame Forschungspro-
fische Unterstützungsangebote für Studieren- jekte anzustoßen und den wissenschaftlichen
de, die in dieser frühen Phase eigenständiger Nachwuchs zu fördern.
wissenschaftlicher Arbeit sind, in Zusammen-
arbeit mit den Lehrenden und BetreuerInnen, Für die nächsten Jahre werden neue Quer-
weiterzuentwickeln. schnittsthemen in den Fokus der fächerüber-
greifenden Forschung gerückt, die den rasanten
3.2.3Herausforderungen/ Veränderungen unserer globalisierten Wissens-
Querschnittsthemen und Innovationsgesellschaft Rechnung tragen.
Zentrale Themen werden sein:
PädagogInnenbildung neu
•  der medientechnologische Wandel und
Die im „Verbund Nord-Ost“ kooperierenden seine Implikationen für das Lehren und
Institutionen (Kirchliche Pädagogische Hoch- Lernen;
schule Wien/Krems, Pädagogische Hochschule •  Bildungsprozesse im Kontext von Migration
Niederösterreich, Pädagogische Hochschule und Globalisierung;
Wien, Hochschule für Agrar- und Umweltpäda- •  veränderte schulische Organisationsformen
gogik, Universität Wien) haben im Wintersemes- und Strukturen als Voraussetzung für den
ter 2016/17 eine gemeinsame Ausbildung für Unterricht von morgen.
LehrerInnen der Sekundarstufe (Allgemeinbil-
dung) implementiert. Das neue Bachelor- und Diese Querschnittsthemen werden auch in die
Masterstudium vereint fachwissenschaftliche, Ausbildung der künftigen LehrerInnen einfließen.
fachdidaktische, bildungswissenschaftliche und Durch den medientechnologischen Wandel ent-
schulpraktische Anforderungen an die Lehrer­ stehen in immer kürzerer Abfolge neue Formen
Innenbildung. Ziel ist es, die Studierenden der Wissensaneignung, die kritisch hinterfragt
qualitätsvoll, professionsorientiert und for- werden müssen. Studierende sollen die techni-
schungsgeleitet auf ihre zukünftigen Aufgaben schen Möglichkeiten kennen und die sich daraus
vorzubereiten. ergebenden neuen Konzepte des Lehrens und
Lernens kompetent in der Schule nutzen. Hierfür
Das Zentrum für LehrerInnenbildung (ZLB) ist an sollen wählbare Angebote im Rahmen der Lehr-
der Universität Wien die organisatorische und amtsstudien geschaffen werden, anhand derer
koordinierende Schnittstelle für die Lehramt- Studierende digitale Kompetenzen erwerben
sagenden. Dabei wirkt es als Gelenk zu den und die Bedeutung abrufbaren Wissens und
KooperationspartnerInnen im Verbund und zu neuer Medientechnologien für das Lehren und
externen Institutionen (wie z. B. Stadtschulrat, Lernen kritisch reflektieren lernen. Bestandteil
Schulen, …). Zudem fördert das Zentrum die des Curriculums sind auch Themen wie Migra-
Vernetzung der Fachdidaktiken und versucht die tion, Inklusion und Vielfalt in Klassenzimmern
vier Säulen der LehrerInnenbildung enger zu- sowie Schulen vor neuen Herausforderungen.
Mehr als bisher werden die Lehramtskandidat­ •  Lehrende sind gefordert, ihre Lehre noch
Innen deshalb auch zu SchulentwicklerInnen stärker auf den Lernfortschritt ihrer Studie-
ausgebildet, die Schule aktiv gestalten wollen. renden auszurichten, möglichst viele Studie-
Unterstützt durch MentorInnen und Fachdidak- rende im vertieften Kompetenzerwerb zu för-
tikerInnen können Studierende im Rahmen der dern und sie im Sinn von forschungsgeleite-
Pädagogisch-praktischen Studien die erwor- ter Lehre an das selbstständige forschende
benen Kompetenzen einsetzen und selbst z. B. Handeln heranzuführen. Hierfür können Leh-
neue Unterrichtsformen oder innovative fachdi- rende digitale Medien zielführend einsetzen
daktische Ansätze erproben. und die Interaktion in der Präsenzlehre in-
tensivieren.
Neben den bestehenden Lehramtsstudien •  Hinzu kommt die Anforderung der verstärk-
werden Studienangebote entwickelt, insbeson- ten Öffnung der Lehre im Sinn von Offenen
dere Erweiterungsstudien für AbsolventInnen Bildungsressourcen bzw. Open Educational
sechssemestriger Lehramtsstudien an Pädago- Resources, die zum einen eine rechtlich un-
gischen Hochschulen, um damit den Zugang bedenkliche Nachnutzung der Materialien
zum Masterstudium im Verbund zu erlangen. Bei durch FachkollegInnen ermöglichen, zum
Bedarf an den Schulen sollen in nachgefragten anderen Studierenden das Nachholen von
Fächern „Ein-Fach-Studien“ eingerichtet werden, Wissenslücken vor und im Studium erlau-
die es AbsolventInnen ausgewählter Studienrich- ben.
tungen ermöglichen, sich durch das Nachholen •  Die Universität Wien ist gefordert, übergrei-
fachdidaktischer, bildungswissenschaftlicher fende Unterstützungsangebote für Lehrende
und schulpraktischer Qualifikationen für das bereitzustellen, die ihnen die Weiterentwick-
Lehramt zu qualifizieren. lung und Anreicherung ihrer Lehre mit digi-
talen Elementen erleichtern. Hochwertige,
Lebenslanges Lernen hat für LehrerInnen eine digitalisiert begleitete Lehrangebote können
zentrale Bedeutung. Forschungsgeleitete Bil- nur dann breit verankert werden, wenn Leh-
dungsangebote bieten die Möglichkeit, aktuelle rende ausreichend unterstützt werden.
fachwissenschaftliche und bildungswissenschaft-
liche Themen und Erkenntnisse mit fachdidak- Die Universität Wien bekennt sich unter Be-
tischen Konzepten zu verknüpfen. Hierbei wird rücksichtigung der Fächerkulturen zu Offenen
eine verstärkte Kooperation mit den Pädagogi- Bildungsressourcen (Open Educational Resour-
schen Hochschulen im Rahmen der Fort- und ces – OER), hat zur Entwicklung, Archivierung
Weiterbildung der LehrerInnen angestrebt. und Nachnutzung Services etabliert und möchte
diese weiter ausbauen. OER können flexibel in
Eine zentrale Rolle in der gemeinsamen Lehrer­ unterschiedlichen Formaten eingesetzt werden
Innenbildung kommt der Qualitätssicherung (im Flipped Classroom oder Inter-/National
zu. Hierbei werden gemeinsame Prozesse im Classroom, in universitätsweiten Online-Ange-
Verbund entwickelt und etabliert. boten) und stehen auch der außeruniversitären
Fachgemeinschaft (Lehrende, Lernende in
Fokus Digital Challenge Hoch-/Schulen) zur Nachnutzung frei. Aus der
Lehre entstehende OER können zudem den Wis-
Die Digitalisierung hat nicht nur die Berufswelt, senstransfer in die breite Öffentlichkeit fördern
sondern auch die Universität Wien und ihre (Third Mission, Life Long Learning) und zur Attra-
Lehre erreicht. hierung internationaler Studierender beitragen.
Dessen ungeachtet bekennt sich die Universität
Digitale Tools gehören zum Alltag der Studieren- zur Bedeutung von in Verlagen erscheinenden
den von heute. Die Universität Wien steht vor der Lehrbüchern.
Herausforderung, in ihrer Lehre dem digitalen
Wandel gerecht zu werden und eine kontinuierli- Fortgeschrittene Studierende machen im Rah-
che Weiterentwicklung der Lehre mittels Integra- men von forschungsorientierter Lehre (Under/
tion von digitalen Elementen zu vollziehen. Graduate-Research) auch eigene Erfahrungen
mit digitalen Forschungsprozessen und werden
•  Erforderlich sind hochwertige Lernange- an die aktive Nutzung von (frei verfügbaren)
bote mit einem sinnvollen Mix aus Präsenz- aktuellen Forschungsergebnissen (Open Access,
und Online-Lernen für Studierende, die sich Open Data) und digitalen Tools herangeführt.
durch zunehmende Diversität (Lebensum-
stände, Herkunft, Wissensstand) sowie ver- Qualität in der Lehre
änderte Medien- und Kommunikationsge-
wohnheiten auszeichnen. Qualitätsentwicklung im Bereich Studium und
•  Damit kommt die Universität Wien der For- Lehre ist eine gemeinsame Aufgabe, an der
derung nach zeit- und ortsungebundenem Studierende, Lehrende sowie Entscheidungs-
Lernen nach und stellt für ihre Studierenden trägerInnen in den verschiedenen Bereichen
verstärkt Studierbarkeit und Flexibilität der zusammenwirken. Neben regelmäßigen
Lernangebote sicher. Lehrveranstaltungsevaluierungen haben sich

46
Studienabschlussbefragungen, das Absolvent­ wird. Gleiches gilt auch für die Änderung von
Innentracking sowie spezifische Befragungen Curricula.
zu einzelnen Services zur Weiterentwicklung
des Studienangebots und der Curricula, zur Die Studien werden auf Basis der Ergebnisse der
Verbesserung des Lehrangebots und einzelner Qualitätssicherungsverfahren weiterentwickelt,
Lehrveranstaltungen sowie der Lehrorganisation wobei auch auf die Sicherstellung der Studier-
etabliert. barkeit besonderes Augenmerk gelegt wird.
Für die Zukunft liegt der Fokus zudem auf der
Hervorgehend aus der Auflage zum Quality Audit Verstärkung der Zusammenschau der Curricula
hat die Universität Wien 2017 ein Maßnahmen- über einzelne Studien hinweg.
bündel entwickelt, das sich auf den Prozess der
Qualitätssicherung des Prüfungsgeschehens Qualität in der Lehre ist für die Angehörigen der
bezieht und nachhaltig wirken soll. Universität Wien ein zentraler Wert. Für Lehrende
wird ein breites Spektrum an hochschuldidak-
Mit den Maßnahmen aus dem Quality-Audit tischen Angeboten erstellt, um ihre Lehrkom-
(Feedback Policy, Befragungen von Studie- petenz weiter professionalisieren zu können.
renden, Datenset zum Prüfungsgeschehen, Neben einem verpflichtenden Kompaktangebot
laufendes Monitoring) sowie begleitenden für Junglehrende (Praedocs), das diese beim
prüfungsdidaktischen Unterstützungsangeboten Einstieg in die Lehre unterstützt, bestehen
des Center for Teaching and Learning will die Vertiefungsangebote zu Teaching Competence.
Universität Wien die Qualität der Leistungsüber- Weiters können Lehrende individuelles Coaching
prüfungen und Rückmeldungen auf erbrachte in Anspruch nehmen und im Learning Lab mit
Leistungen für Studierende nachhaltig verbes- ihren Studierenden innovative Lehrsequenzen
sern. Dass Studierende und AbsolventInnen die erproben.
im jeweiligen Studium vorgesehenen Kompe-
tenzen auch wirklich erreicht haben, liegt im Leistungsbeurteilungen informieren Studierende
Qualitätsinteresse der Universität Wien sowie über den Stand der erbrachten Leistung sowie
der Studierenden selbst. beim Abschluss ArbeitgeberInnen und andere
Universitäten zum Leistungsniveau der Absol-
Die Entwicklung von Curricula gehört zu den ventInnen. Um die Aussagekraft der Noten im
wichtigsten Aufgaben der Universität Wien. Sie jeweiligen Studium zu erhöhen, sind Lehrende
sind der entscheidende Rahmen des Studierens gefordert, sich verstärkt über fachliche Quali-
und des Lehrens sowie der gemeinsame Bezugs- tätsansprüche zu verständigen, kriterienbasiert
punkt für Studierende und Lehrende. Das Studi- zwischen den Leistungen von Studierenden zu
enangebot der Universität Wien wird regelmäßig unterscheiden und bei der Benotung entspre-
überprüft, auch mit dem Ziel festzustellen, ob chend zu differenzieren. Faire Beurteilungen ge-
die festgelegten Studienziele bei entsprechen- hen mit transparenten Zielen und Bewertungs-
dem Lern- und Arbeitseinsatz erreicht werden kriterien einher und erleichtern es Studierenden,
bzw. erreicht werden können. Curricula haben ihr Handeln auf das Erreichen dieser Anforderun-
die Entwicklung in der Forschung (siehe Kapitel gen auszurichten und das eigene Lernen besser
3.1.1 „Forschung“) ebenso zu berücksichtigen zu gestalten. Dazu trägt auch maßgeblich über
wie die Anforderungen der wissenschaftlichen die Note hinausgehendes Feedback bei, das
Nachwuchsförderung und des außeruniversitä- von Lehrenden je nach Rahmenbedingungen
ren Arbeitsmarkts. Die Qualifikationsprofile und ausgestaltet und im Rahmen von Peer Feedback
die Studienziele sind für Studieninteressierte, angeleitet wird.
Studierende und Lehrende nachvollziehbar zu
gestalten. Die Regelungen des Lehr- und Prü- Weiterbildung
fungswesens sind an die inhaltliche Qualität des
Studiums, die Studierbarkeit und eine stabile Das Postgraduate Center der Universität Wien
personelle und infrastrukturelle Ausstattung an- bietet Universitätslehrgänge in verschiedensten
zupassen. Der Prozess der Curricularentwicklung Bereichen an. Die postgradualen Programme
wurde in Kooperation mit dem Senat und der ermöglichen den Erwerb fachübergreifender,
Curricularkommission aufgesetzt und hat sich berufsbezogener sowie spezifizierter Zusatz-
bewährt. Vor der Ausformulierung der Curricula qualifikationen. Die meisten Studienpläne sind
werden die Ziele und die inhaltlichen Schwer- berufsbegleitend angelegt und unterliegen
punkte des Curriculums, die personellen und Qualitätssicherungskriterien, die internationalen
budgetären Rahmenbedingungen zur Sicherstel- universitären Standards entsprechen.
lung angemessener Betreuungsrelationen sowie
die dafür notwendigen Kapazitäten festgelegt. Im Bereich der Weiterbildung baut die Universi-
Dies geschieht bereits zu einem frühen Zeitpunkt tät Wien auf ihren Stärken bei der Gestaltung der
und mündet in einer gemeinsamen schriftlichen unterschiedlichen Weiterbildungsprogramme
Festlegung von Senat und Rektorat, sodass auf. Der Fokus zukünftiger Angebote liegt auf
mehr Planungssicherheit für die am Prozess der der verstärkten Weiterentwicklung forschungs-
Curricularentwicklung Beteiligten geschaffen getragener Programme mit Relevanz für den

47
Arbeitsmarkt, der Steigerung der Interdisziplina- Die Universität Wien möchte Bildungspartner
rität des Angebots und der Flexibilisierung der für die Alumni über den Studienabschluss
Lehrmethoden bei der Durchführung. Hierbei hinaus bleiben (d. h. sie zu der Teilnahme am
werden Angebote marktorientiert entwickelt reichhaltigen Weiterbildungsangebot, den fachli-
und mit starkem Anwendungsbezug für die chen Veranstaltungen, Netzwerkmöglichkeiten
berufliche Praxis etabliert. Das gesamte Angebot und zur Lektüre der Publikationen einladen)
der Weiterbildungsprogramme spiegelt dabei und gleichzeitig auch einen „Rückstrom“ von
das breite Fächerspektrum der unterschied- Praxiserfahrung in Richtung Universität Wien
lichen Forschungsschwerpunkte der Univer- ermöglichen (d. h. AbsolventInnen einladen,
sität Wien wider. Gemeinsam mit führenden Expertise an der Universität Wien einzubringen,
WissenschafterInnen werden Programme für z. B. bei Veranstaltungen als MentorInnen oder
konkrete Berufsfelder konzipiert und am Weiter- beim Entwickeln neuer Projekte).
bildungsmarkt angeboten. Mit ihrem Weiterbil-
dungsangebot unterstützt die Universität Wien Der Alumniverband ist die offizielle Anlaufstelle
in fokussierter Art und Weise einen lebensbe- für AbsolventInnen der Universität Wien und als
gleitenden Lern- und Qualifizierungsprozess. Netzwerk eingerichtet. Die Aktivitäten des Alum-
Dabei ist Kernziel des Weiterbildungsangebots, niverbands werden auf drei Bereiche fokussiert:
berufstätige AbsolventInnen anzusprechen, die
neben ihrer beruflichen Tätigkeit ein Weiter- •  Orientieren und informieren: Im Rahmen von
bildungsprogramm absolvieren möchten, um Veranstaltungen (z. B. Alumni Lounge) und
ihre Qualifikationen weiterzuentwickeln und Publikationen (z. B. univie Magazin) werden
sich dadurch weitere Karrieremöglichkeiten am aktuelle Themen aufgegriffen und jeweils
Arbeitsmarkt zu erschließen. Zusätzlich werden aus der Perspektive von Universität-Wien-
auch BachelorabsolventInnen aus dem In- und WissenschafterInnen und von Universität-
Ausland angesprochen, die sich zur Erweiterung Wien-AbsolventInnen beleuchtet.
ihrer Berufsperspektive für eines der zahlreichen •  Aufbau von Alumni-Fachinitiativen: Um die
Angebote in der Weiterbildung interessieren. fachliche Vernetzung zu fördern und um
AbsolventInnen die Möglichkeiten zu geben,
Alumniarbeit an Entwicklungen im eigenen Fachbereich
teilhaben zu können, wird der Ausbau von
Die Alumniarbeit der Universität Wien zielt Alumni-Fachgruppen initiiert und mit einem
darauf ab, den lebendigen Kontakt mit allen Serviceangebot für die Alumniverantwortli-
AbsolventInnen der Universität Wien zu pflegen. chen der Fakultäten beim Aufbau aktiv un-
terstützt.

48
•  Netzwerk schaffen und Partner gewinnen: entwicklung in den Dienstleistungseinrichtun-
Die Alumni-Community umfasst derzeit ins- gen und StudienServiceCentern gesetzt, die dem
gesamt rund 70.000 AbsolventInnen. Ziel ist, Ziel verpflichtet sind, lösungsorientiertes und
das Alumninetzwerk als Möglichkeit für ein selbstverantwortliches Handeln der Einzelperso-
persönliches Engagement (z. B. als Mentor­ nen, der Teams und zwischen den Einrichtungen
Innen für Studierende der Abschlussphase) weiter auszubauen (z. B. Intensivierung der agi-
von AbsolventInnen zu etablieren. Beim len Vorgehensweise in der Softwareentwicklung,
Community-Aufbau steht im Vordergrund, siehe Kapitel 3.6 „Infrastruktur“; Teamstrukturen
Alumni zum aktiven Mitwirken einzuladen. und Weiterbildung in den SSCs, siehe Kapitel 3.5
„PartnerInnen gewinnen“ umfasst weiters „MitarbeiterInnen“).
auch den Ausbau der Sponsoring-Aktivitäten
für den Alumniverband.

Administration und Organisation 3.3 Internationale und


nationale Kooperationen
Pro Studienjahr werden mehr als 17.000 Studien-
werberInnen zu einem Studium neu zugelassen,
rund 10.000 Studierende schließen ein Studium Aus der Tradition und dem Selbstverständnis
erfolgreich ab. In rund 17.000 Lehrveranstaltun- der Universität Wien ergibt sich der Anspruch,
gen pro Jahr arbeiten die rund 94.000 Studieren- eine international sichtbare Universität zu sein,
den und die Lehrenden in aktuell 174 Studien- die im internationalen Wettbewerb Mitarbeiter­
programmen zusammen, es werden jährlich Innen, Studierende und Forschungsprojekte
rund 1 Million Prüfungen abgelegt. Laufend sind gewinnen kann und als ein attraktiver Partner in
mehrere Tausend Masterarbeiten und Disserta- Forschungs- und Lehrkooperationen gesehen
tionen in unterschiedlichem Fortschrittsgrad in wird (siehe Kapitel 3.1 „Forschung und Nach-
Betreuung. Die Kernaufgabe Lehre erfordert bei wuchsförderung“, 3.2 „Studium und Lehre“ und
solchen Größenordnungen eine Administration, 3.5 „MitarbeiterInnen“).
die einerseits die Rechtmäßigkeit und Effekti-
vität der Verwaltung sicherstellt, gleichzeitig Die Internationalisierung der Forschung und
auch innovative Dienstleistungen und Lösun- Lehre ist dabei Teil einer umfassend gedachten
gen bereitstellt, die das Studieren und Lehren Qualitätsstrategie: Lehr- und Forschungskoope-
unterstützen. rationen mit den dafür am besten geeigneten
Partnern, um Mittel zu bündeln und Anschluss
u:find, Moodle und u:space sind drei der an den internationalen Forschungsstand zu
IT-Systeme, die in den Studien- und Lehralltag halten.
integriert sind und es den Studierenden und
Lehrenden ermöglichen sollen, sich auf die Auch im nationalen und insbesondere regio­
Inhalte des Studierens und Lernens zu konzen- nalen Kontext sind Kooperationen wichtig,
trieren. Die Universität Wien wird auch in den tragen sie doch zu einer besseren Nutzung von
kommenden Jahren in die Digitalisierung der Infrastrukturen und Hebung von Synergien in
Studien-, Lehr- und Prüfungsorganisation inves- Forschung und Lehre bei.
tieren, um bestehende Prozesse zu verbessern
und neue Services zu schaffen (siehe Kapitel 3.6 3.3.1 M
 obilitätsprogramme und
„Infrastruktur“). Dabei steht neben der kontinu- Internationalisation@home
ierlichen Verbesserung der Zulassung zu Studien
das Anmeldesystem für Lehrveranstaltungen Zusammenarbeit über die institutionellen Gren-
und Prüfungen im Vordergrund. Ebenso ist es zen hinweg, Austausch von Forschungsansätzen,
erforderlich, auf die Vernetzungen zwischen den methodischen Zugängen und Ergebnissen sowie
Studien und Bildungseinrichtungen zu reagieren. die Mobilität von Studierenden, Wissenschafter­
Die Zusammenarbeit zwischen Universitäten Innen und UniversitätsmitarbeiterInnen sind we-
und Pädagogischen Hochschulen braucht ver- sentliche Instrumente, um Lehre und Forschung
netzte Lösungen, ebenso wie die zunehmende qualitätsorientiert zu betreiben.
vertikale Mobilität und die kompetenzorientierte
Anerkennung von Prüfungen, die nicht an engen Ein Viertel aller österreichischen Erasmus-Mobili-
bürokratischen Vorgaben oder technischen täten von Studierenden entfällt auf die Universi-
Hürden scheitern darf. tät Wien, mehr als ein Viertel der Graduierten der
Universität Wien hat einen Auslandsaufenthalt
In der Studien-, Lehr- und Prüfungsadministra- im Laufe des Studiums absolviert. Im Bereich der
tion leisten hunderte MitarbeiterInnen aus den Studierendenmobilität hat die Universität rund
Dienstleistungseinrichtungen, Fakultäten und 1.300 Erasmus Verträge und rund 100 Koopera-
Zentren täglich einen – oft auch unsichtbaren – tionsverträge mit Universitäten außerhalb der
Beitrag zum Gelingen von Studium und Lehre. EU abgeschlossen. Im Bereich der Lehrenden-
Zur Professionalisierung werden in den nächsten mobilität hat die Universität Wien mit über 360
Jahren Schritte der Organisations- und Personal- EU-Partneruniversitäten Möglichkeiten zum

49
wechselseitigen Lehrendenaustausch vereinbart Erasmus+ Staff Mobility schrittweise ausbauen:
und mit über 70 Partneruniversitäten außerhalb Die Universität Wien ist bestrebt, diesen Bereich
der EU Rahmenabkommen abgeschlossen. schrittweise weiter auszubauen und die Interna-
tionalisierung des Lehrpersonals, aber auch der
Die Universität pflegt intensive Forschungs- MitarbeiterInnen in der Verwaltung zu forcieren.
kontakte mit topgerankten internationalen Dabei stellt die Erasmus+ Personalmobilität mit au-
Universitäten (siehe Kapitel 2.1 „Forschung an ßereuropäischen Partnern eine zusätzliche Option
der Universität Wien“) und mit vielen weiteren zur Internationalisierung der Lehre und des allge-
internationalen Universitäts- und Forschungs- meinen Personals dar und eröffnet der Universität
einrichtungen. Wien strategisch wichtige zusätzliche Kooperatio-
nen mit ausgesuchten Partneruniversitäten.
Studierenden- und Lehrendenmobilität
Internationalisation@home: Joint Classrooms
Auslandsaufenthalte von Studierenden, aber an der Universität Wien und an ausgewählten
auch die Berufung von ProfessorInnen aus dem Partneruniversitäten dienen der Vernetzung und
Ausland sind wichtige Instrumente, um die dem intensiven Austausch von regulären Studie-
Forschungsperspektiven und Lehrinhalte zu renden mit internationalen Studierenden. Durch
erweitern und anzureichern. Erasmusstellt im kurzzeitige Mobilitätsphasen für ausgewählte
Bereich der Studierenden- und Lehrendenmo- Studierende wird eine Internationalisierung
bilität ein zentrales Instrument dar, welches den von Seminaren an jeweils zwei Universitäten
Aufenthalt an einer der zahlreichen Partneruni- ermöglicht. Darüber hinaus bieten zertifizierte
versitäten innerhalb und auch außerhalb der EU univie: summer/winter schools internationa-
erleichtert. Zudem nimmt die Universität ihre len und österreichischen Studierenden und
Verantwortung wahr und realisiert eigene kom- NachwuchswissenschafterInnen die Möglichkeit
plementäre Programme, um die Mobilität der mit ExpertInnen aus Forschung und Praxis sowie
Studierenden und Lehrenden zu erhöhen. Die Studierenden aus der ganzen Welt in Kontakt
Mobilität der Studierenden soll keine Frage der und Austausch zu treten. Voraussetzung für die
sozialen Herkunft sein, sondern über öffentliche Zertifizierung einer summer/winter school ist die
und universitäre Subventionierung möglichst akademische Relevanz und ein hoher wissen-
vielen ermöglicht werden. schaftlicher Stellenwert.

Das bestehende System ist gut etabliert, Ver- Ergänzend zu den oben angeführten Maßnahmen
besserungen und Neuerungen sollen in den sollen im Bereich der Administration weiterhin
kommenden Jahren in den unten angeführten laufend Verbesserungsmaßnahmen (z. B. Ver-
Bereichen umgesetzt werden. Ziel ist dabei besserungen im Bereich Verwaltungssoftware)
jedenfalls, den hohen Anteil an Studierenden zur Unterstützung der Internationalisierungs-
und Graduierten, die einen Teil ihres Studiums aktivitäten der Universität Wien vorgenommen
an einer ausländischen Universität absolviert werden.
haben, zu halten und wo möglich weiter zu erhö-
hen. Ziel ist es auch, die Lehrendenmobilität und 3.3.2 V
 ertraglich abgesicherte
die Mobilität des allgemeinen Personals, beides internationale Kooperationen
durch Erasmus+ gefördert, auszubauen.
Kooperationen existieren im nationalen und
Erasmus+ Studierendenmobilität auf hohem regionalen, aber auch im internationalen Kon-
Niveau halten: Die Universität Wien liegt im text, um Infrastrukturen besser zu nutzen, eine
Bereich der Outgoing-Mobilität im europäischen Qualitätsverbesserung in Forschung und Lehre
Spitzenfeld und hat wichtige qualitätssichern- zu erreichen oder durch Übernahme von Best
de Maßnahmen zur sprachlichen Vorbereitung Practices administrative Abläufe zu optimieren.
der Outgoing-Studierenden gesetzt. Auch im Darüber hinaus erfordert auch die Verfolgung
Incoming-Bereich hat sich die Universität als der großen gesellschaftlichen Herausforde-
eine Top-Institution etabliert. Die Universität rungen unserer Zeit (insbesondere der UN
Wien wird das bereits erreichte hohe Niveau an Sustainable Development Goals), zu denen die
Erasmus-Mobilitäten (Incoming und Outgoing) Universität Wien einen Beitrag leisten will (vgl.
zu halten versuchen und Mobilitäten im Bereich Kapitel 3.4 „Wirken der Universität in der Gesell-
der Praktika, der Lehrenden und des administra- schaft – Wissensaustausch“), die Kooperation
tiven Personals ausbauen. Dazu ist es notwen- auf nationaler und insbesondere auf internatio-
dig, die bestehenden Informationsstrukturen zu naler Ebene. Initiativen für Kooperationen gehen
verbessern, den Studierenden curriculare Mo- in der Regel von den ForscherInnen aus und
bilitätsmöglichkeiten einzuräumen (Mobilitäts- werden gebündelt und institutionell abgesichert.
fenster, vertraglich abgesicherte Anerkennungs- Auf fünferlei wird hingewiesen:
möglichkeiten: Joint Tracks) und das Portfolio
der Partnerschaftsverträge qualitätsorientiert Partnerschaft Berlin-Wien-Zürich: Durch den Aus-
weiterzuentwickeln. tausch mit der Humboldt Universität zu Berlin
und der Universität Zürich im Rahmen dieses

50
Netzwerks werden neue Einsichten und Erkennt- 3.3.3 Nationale Zusammenarbeit
nisse über die Organisation modern geführter
Universitäten gesammelt. Diese Zusammenar- Autonome Universitäten befinden sich trotz
beit geht über die Rektoratsebene hinaus und guter Beziehungen auf individueller Ebene in
erfasst auch den Bereich der zentralen Dienst- einem institutionellen Konkurrenzverhältnis mit
leistungen. anderen Universitäten und mit außeruniversi-
tären Forschungseinrichtungen. Aus Gründen
Non-EU-Mobilitätsprogramme ausbauen: Wie knapper Ressourcen, aber auch zur Hebung
jede global agierende Universität verfolgt auch synergetischer Potenziale stellt sich zunehmend
die Universität Wien eine Intensivierung der die Notwendigkeit, nationale Kooperationen aus
Zusammenarbeit mit Drittstaaten. Das neue strategischen und finanziellen Gründen einzu-
Erasmus+ International Mobility Programm leis- gehen und auch institutionell zu verankern. Die
tet dafür einen wichtigen Beitrag und ermöglicht Voraussetzungen für eine verstärkte Zusammen-
die Erweiterung von Studierenden- und Lehren- arbeit sind aus strukturellen Gründen hervorra-
denmobilität an und von Partneruniversitäten gend: Im Umfeld der Universität Wien befinden
außerhalb Europas. Das etablierte Instrument sich mehrere Universitäten, Fachhochschulen,
des Non-EU Teaching Mobility Programms wird Pädagogische Hochschulen sowie renommierte
beibehalten und nach Maßgabe des Budgets außeruniversitäre Forschungseinrichtungen.
erweitert.
Folgende konkrete Aktivitäten sind zu verstärken,
Strategische Partnerschaften ausbauen: Weiter wobei diese gegebenenfalls auch vertraglich
ausgebaut werden die strategischen Partner- abzusichern sind, um die gegenseitige Verbind-
schaften. Das bedeutet eine Intensivierung lichkeit der Kooperation zu stärken.
der gesamtuniversitären Kooperationen mit
führenden Forschungsuniversitäten außerhalb Kooperation mit der Medizinischen
Europas und gleichzeitig eine Konzentration der Universität Wien
dafür eingesetzten Mittel. Derzeit sind Strategi-
sche Partnerschaften mit der Hebrew University Es wird angestrebt, die Zusammenarbeit mit der
of Jerusalem und mit der University of Chicago Medizinischen Universität Wien zu verstärken
abgeschlossen. Weitere Strategische Partner- und zu vertiefen, auch durch Etablierung gemein­
schaften mit renommierten Universitäten in den samer Strukturen, um international konkurrenz-
in der Internationalisierungsstrategie festge- fähig zu sein. Die bewährte Kooperation im Rah-
legten Schwerpunktregionen sind geplant. Ziel men der gemeinsam betriebenen Max F. Perutz
ist es, in den kommenden Jahren drei weitere Laboratories wird fortgesetzt. Die Max F. Perutz
Strategische Partnerschaften zu etablieren. Laboratories werden weiterhin international
sichtbare Grundlagenforschung im Bereich der
Nutzung bestehender Forschungskooperatio- Molekularbiologie betreiben und dabei auch den
nen: Die Universität Wien wird die internationa- Bezug zu klinisch relevanten Themen verstärken.
len Forschungskooperationen in den kommen- Dabei spielt die gemeinsame Nutzung von hoch-
den Jahren ausbauen und die bestehenden moderner Geräteinfrastruktur, u. a. im Rahmen
Kooperationen intensiv nutzen. Zu nennen sind der gemeinsamen Initiative „Vienna Life Science
hier insbesondere die Europäische Südsternwar- Instruments (VLSI)“ und am Standort Bohrgasse
te ESO, das Centre Européen de Calcul Atomique im Rahmen einer erweiterten Beteiligung an der
et Moléculaire (CECAM), sowie die Beteiligung VBCF GmbH eine besondere Bedeutung. Mit der
an ESFRI/ERIC-Forschungsinfrastrukturen (siehe Errichtung des neuen Biologiezentrums wird im
auch Kapitel 3.6 „Infrastruktur“). Bereich Bohrgasse/Schlachthausgasse einer der
attraktivsten Forschungsstandorte im Bereich
Mitgliedschaft in europäischen Universitätsnetz- der Life Sciences entstehen (siehe Kapitel 3.6
werken: Die Universität Wien wird sich über die „Infrastruktur“).
Mitgliedschaft in Universitätsverbänden wie der
European University Association (EUA), dem Die weitere institutionalisierte Zusammenarbeit
Netzwerk der Europäischen Hauptstadtuniver- beinhaltet gemeinsame Professuren, gemein-
sitäten (UNICA) und der neu gegründeten Guild same Forschungsprojekte (Interuniversitäre
of European Research Intensive Universities Clusterprojekte) und gemeinsame Curricula
(The GUILD) sowie der European University (siehe Kapitel 3.2 „Studium und Lehre“). Gemein-
Foundation (EUF) noch intensiver innerhalb des same Professuren sind unter anderem an den
europäischen Forschungsraums vernetzen. Im Schnittstellen zwischen Mathematik, Informatik
Rahmen von UNICA besteht die Möglichkeit, den und Medizin („Computational Medicine“) und an
Erfahrungsaustausch mit Erasmus+ Partnern zu der Schnittstelle zwischen Medizin und Ernäh-
stärken. rungswissenschaften („Public Health Nutrition“)
vorgesehen (siehe Kapitel 4 „Fakultäre For-
schungsschwerpunkte und fachliche Widmung
von Professuren“). Als weitere wissenschaftliche
Brücke zur Medizinischen Universität Wien sind

51
die Interuniversitären Clusterprojekte wesent- gemeinsamen Neurowissenschaftlichen
lich, die innovative, translationale Projekte Clusters entwickelt werden. In diesem in-
fördern. ternational hochkompetitiven Feld kann
der Aufbau eines konkurrenzfähigen For-
Auch in Zukunft sollen ausgehend von bestehen- schungs- und forschungsgeleiteten Dokto-
den Kooperationen folgende thematisch orien- rats- und Masterprogramms gemeinsam mit
tierte Zusammenarbeiten mit der Medizinischen der Medizinischen Universität eine nachhal-
Universität Wien fortgesetzt und erweitert werden: tige Stärkung des Standorts mit sich bringen.
Ein gemeinsames Bachelorstudium mit der
•  In der postgenomischen Ära ist das Zusam- Medizinischen Universität Wien im Bereich
menwirken verschiedener Molekülklassen der Neurosciences würde den wissenschaft-
analysiert durch Proteomics, Lipidomics und lichen Nachwuchs für dieses Zukunftsfeld si-
Metabolomics eine entscheidende Basis für cherstellen (siehe Kapitel 3.2 „Studium und
weitere Entwicklung von Diagnose- und The- Lehre“).
rapiemöglichkeiten. Insbesondere die Ent- •  Ein wichtiges Zukunftsfeld für Kooperationen
wicklung chronischer Erkrankungen, deren mit der Medizinischen Universität Wien wird
Kosten in der Zukunft einen großen Teil des auch die Mikrobiomforschung sein (siehe Ka-
BIP ausmachen werden, lassen sich mit die- pitel 3.1.1 „Forschung“), ein sich derzeit ra-
sen Methoden früh erkennen und gezielter sant entwickelnder Bereich. Der Forschungs-
behandeln, wie schon Kooperationen bei standort Wien hat hervorragende Voraus-
ersten klinischen Studien zeigten. Hier gibt setzungen, um eine international führende
es schon zahlreiche Kooperationen der Uni- Position in diesem Bereich einnehmen zu
versität Wien mit der Medizinischen Univer- können. Hierfür bietet sich eine enge Koope-
sität Wien, die erweitert, intensiviert und in ration zwischen der Universität Wien, der Me-
gemeinsame Strukturen umgesetzt werden dizinischen Universität Wien, dem CeMM und
sollen. Die entstehende Infrastruktur kann der Veterinärmedizinischen Universität Wien
für praktisch alle Forschungsfragen, die auch an. Ziel könnte der gemeinsame Aufbau
in den nachfolgenden Punkten angeführt eines Mikrobiomzentrums als Forschungs-
werden, eingesetzt werden und kann auch pool sein.
Gegenstand eines gemeinsamen PhD-Pro- •  Eine Vertiefung der Kooperation im Bereich
gramms sein. der Pharmazie, insbesondere im Bereich der
•  Die in den letzten Jahren aufgebaute Ko- Pharmakologie, mit der Medizinischen Uni-
operation im Bereich der Kognitions- und versität Wien wird angestrebt. Basierend auf
Neurowissenschaften wird in Richtung eines dem forschungsgeleiteten Masterstudium
Drug Discovery and Development der Uni- •  Besondere Bedeutung als Ausgangspunkt
versität Wien könnte mittelfristig ein gemein- kooperativer Projekte wird dabei weiterhin
sames Masterstudium beider Universitäten der Bereich High Performance Computing
eingerichtet werden. Im Bereich Life Science (Vienna Scientific Cluster, VSC+) haben (siehe
wird die Etablierung gemeinsamer Joint Kapitel 3.6 „Infrastruktur“).
PhD-Programme angestrebt. Diese können •  Weiterhin gemeinsame Beteiligung mit der
von erhöhter Durchlässigkeit und Anrechen- TU Wien und der Wirtschaftsagentur Wien
barkeit von Curriculum-Modulen bis hin zu am Business-Inkubator INiTS, mit dem Ziel
Joint Degrees führen (siehe Kapitel 3.2 „Stu- der Förderung von Ausgründungen und
dium und Lehre“ und 3.1.2 „Nachwuchsför- Start-ups (siehe Kapitel 3.4 „Wirken der Uni-
derung“). versität in der Gesellschaft – Wissensaus-
•  Die schon lange etablierte Kooperation im tausch“).
Bereich der Krebsforschung und Krebsthe-
rapie hat schon zur Entwicklung klinisch re- Kooperationen mit der Österreichischen
levanter neuer Therapeutika geführt und zu Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
zahlreichen Entwicklungen im fortgeschritte-
nen präklinischen Bereich. Die mehrdimen- Kooperationen mit der ÖAW ergeben sich
sionale Analyse von Wirkstoffeffekten in Mo- gleichsam automatisch. Eine Vielzahl an
dellsystemen und im Patienten/in der Pa- ProfessorInnen der Universität Wien sind auch
tientin ist eine Innovation innerhalb dieser korrespondierende oder wirkliche Mitglieder
Aktivitäten. Beide Universitäten fokussieren der ÖAW und können daher durch ihr Votum die
sich hier insbesondere auf die translationale Entwicklung der ÖAW mitgestalten. Dazu kommt
Forschung, wobei Wirkstoffentwicklung und die Tatsache, dass zahlreiche ProfessorInnen
Toxikologie im Fokus stehen. und DozentInnen der Universität Wien auch
•  Fortführung der Forschungsplattform „Ins- zugleich als LeiterInnen von Forschungsinstitu-
titut für Ethik und Recht in der Medizin“, die ten oder Forschungsgruppen an der ÖAW tätig
sich an dem gemeinsam betriebenen Univer- sind. Die diesbezüglichen Rahmenbedingungen
sitätslehrgang „Patientensicherheit und Qua- sollten mit der ÖAW allgemein und im Einzelfall
lität im Gesundheitssystem (MSc.)“ beteiligt. diskutiert werden. Durch die Kombination von
•  Schließlich sind die bewährten Kooperati- universitärer und außeruniversitärer Grundla-
onen im Bereich der Krebsforschung und genforschung ergeben sich nicht nur ressourcen-
Krebstherapie zu nennen (gemeinsame Be- orientierte Synergien, sondern auch inhaltliche
teiligung am Institute for Applied Diagnostics Weiterentwicklungen. Dazu kommt die Verknüp-
der LBG) sowie gemeinsame Aktivitäten im fung von Forschung und Lehre, die für beide
Bereich der translationalen Forschung mit Institutionen vorteilhaft ist.
besonderem Fokus auf Toxikologie.
An besonderen und über dieses „Normalmaß“
Kooperation mit der Technischen hinausgehenden Kooperationen sind anzufüh-
Universität Wien ren:

Mit der Technischen Universität Wien besteht •  Die Kooperation im Bereich der Quanten-
eine Vielzahl an erfolgreichen und langjährigen physik wurde durch die Etablierung eines
Kooperationen sowie eine laufende Abstimmung Erwin Schrödinger Center for Quantum
insbesondere in den Bereichen Physik, Chemie, Science and Technology gemeinsam mit der
Mathematik und Informatik. An besonderen und ÖAW, der TU Wien und der Universität Inns-
über diesen Normalrahmen an Zusammenarbeit bruck gestärkt und institutionalisiert. In den
hinausgehenden Aktivitäten sind zu nennen: kommenden Jahren ist die damit verbun-
dene Governancestruktur auszubauen und
•  Gemeinsamer Aufbau des Erwin Schrödin- zu verbessern.
ger Center for Quantum Science & Techno- •  Im Bereich der Digital Humanities wird die
logy (ESQ) zur Stärkung der Quantenphysik Zusammenarbeit mit der ÖAW und der
am Forschungsstandort Österreich gemein- Karl-Franzens-Universität Graz im Rahmen
sam mit der TU Wien, der Universität Inns- des Austrian Centers for Digital Humanities
bruck und der ÖAW und die Weiterführung (ACDH) fortgeführt werden.
des Vienna Center for Quantum Science and •  Die Kooperationen im Bereich der Archäolo-
Technology (VSQ) gemeinsam mit TU Wien gie, u. a. mit dem Österreichischen Archäolo-
und ÖAW. gischen Institut, sowie im Bereich der Spra-
•  Neue Themen für eine verstärkte Koopera- chen und Kulturen des Mittleren Ostens und
tion bieten sich, ausgehend von FWF-finan- Asiens sollen intensiviert werden. Darüber
zierten gemeinsamen Projekten, in der Ma- werden Abstimmungsgespräche durchge-
thematik (insbesondere auf den Gebieten führt und ein gemeinsames Positionspapier
der Partiellen Differenzialgleichungen und entwickelt.
der Diskreten Mathematik) und auch in der •  Schließlich werden Kooperationen mit den
Informatik an. Forschungsgesellschaften der ÖAW (IMBA,

53
CeMM, GMI) und mit dem IMP im Bereich Zentrum für Mensch-Tier-Beziehungen be-
einer gemeinsamen Doktoratsausbildung, trieben. Mit der Ludwig Boltzmann Gesell-
Karriereentwicklung besonders erfolgreicher schaft kooperiert die Universität im Bereich
oder gemeinsam zu rekrutierender Wissen- der Menschenrechte sowie als Partner im In-
schafterInnen sowie Infrastrukturplanung stitut for Applied Diagnostics.
angestrebt. Die Integration des „Research •  Mit der Universität für Bodenkultur Wien
Center for Molecular Medicine – CeMM“ in und weiteren Universitäten Österreichs
die Universität Wien und die Medizinische wird unter anderem im Bereich der Citizen
Universität Wien ist weiterhin ein Ziel. Science kooperiert.
•  AUSSDA (The Austrian Social Science Data
Kooperationen mit Pädagogischen Archive) stellt eine neu geschaffene Daten-
Hochschulen infrastruktur für die sozialwissenschaftli-
che Community in Österreich zur Verfügung.
Im „Verbund Nord-Ost“ besteht seit 2016 eine AUSSDA ist in den Universitäten Graz und
Kooperation mit der Kirchlichen Pädagogischen Linz mit eigenen Arbeitsgruppen vertreten
Hochschule Wien/Krems, der Pädagogischen und mit allen anderen Universitäten Öster-
Hochschule Niederösterreich, der Pädagogi- reichs sowie mit den Förderinstitutionen und
schen Hochschule Wien und der Hochschule für außeruniversitäre Forschungseinrichtungen
Agrar- und Umweltpädagogik. Sie bezieht sich über einen Beirat verbunden. AUSSDA ist da-
auf das gemeinsam eingerichtete Studium zur rüber hinaus der österreichische Repräsen-
Erlangung eines Lehramts für die Sekundarstufe tant in CESSDA ERIC (Consortium of Euro-
(Allgemeinbildung) (siehe Kapitel 3.2 „Studium pean Social Science Data Archives).
und Lehre“). Alle Studierenden des Bachelor- •  Mit dem Österreichischen Forschungsinsti-
und Masterstudiums Lehramt sind gemeinsame tut für Artificial Intelligence (OFAI) wird ins-
Studierende aller Einrichtungen. Zentrale The- besondere in den Bereichen „Deep-/Machine
men der Kooperation sind sowohl die Abstim- Learning“, „Cognitive Science“ und „Compu-
mung der Lehre und die Qualitätssicherung des tergestützte Sprachwissenschaften“ koope-
gemeinsamen Studiums als auch die (Weiter-) riert.
entwicklung der Zusammenarbeit in Fort- und •  Die Kooperation mit den FHs am Standort
Weiterbildung. Wien soll fortgeführt werden, wobei auf die
Durchlässigkeit in Richtung Doktoratsstu-
Kooperationen mit der Veterinär- dium an der Universität zu achten ist und
medizinischen Universität Wien, diese weiterentwickelt werden soll. Anhand
der Universität für Bodenkultur Wien, exemplarischer Masterstudiengänge sind
der Ludwig Boltzmann Gesellschaft, Übergänge zu definieren und die nachzuho-
Fachhochschulen und weiteren lenden Prüfungen unabhängig vom Einzelfall
Institutionen festzulegen.
•  Die Universität Wien würde eine vertiefte Ko-
Eine Vielzahl an Kooperationen mit weiteren operation mit dem Institute of Science and
nationalen Forschungseinrichtungen bestehen, Technology Austria (IST Austria) begrüßen,
wobei die folgenden weitergeführt und gegebe- in den dafür geeigneten Forschungsfeldern
nenfalls ausgebaut werden. (z. B. im Bereich der Neurowissenschaften).

•  WasserCluster Lunz: Der WasserCluster Lunz


ist eine gemeinsame Gesellschaft mit der
Universität für Bodenkultur, der Donau Uni-
versität Krems sowie dem Land Niederös-
terreich. Die Stadt Wien leistet wichtige Bei-
träge, um die Leistungsfähigkeit dieses auf
Limnologie spezialisierten Instituts sicherzu-
stellen.
•  Die Universität Wien ist gemeinsam mit zahl-
reichen österreichischen Universitäten und
außeruniversitären Forschungseinrichtun-
gen Mitglied des Climate Change Center Aus-
tria (CCCA) und beteiligt sich am Österreichi-
schen Polarforschungsinstitut/Austrian Polar
Research Institute (APRI) gemeinsam mit der
Universität Innsbruck, der TU Wien und der
Zentralanstalt für Meteorologie und Geody-
namik (ZAMG).
•  Mit der Veterinärmedizinischen Universität
Wien und der finanziellen Unterstützung der
Messerli-Stiftung wird derzeit das Messerli-

54
3.4 Wirken der Universität Modelle einer Innovationskette aufgelöst und
in der Gesellschaft – münden in einen Innovationskreislauf. Den so
entstehenden Wissensaustausch („knowledge
Wissensaustausch exchange“) sieht die Universität Wien als eine
Erweiterung der Wirkungsdimensionen ihrer
Aus Themen der Gesellschaft entstehen immer beiden Kernkompetenzen Forschung und Lehre
wieder neue Aufgaben und Fragen für die und einen ihrer essenziellen Aufträge.
Universität. Eine Universität muss einen Fundus
an Wissen und Methoden bereithalten und wei- Wie auch in der Grundlagenforschung ist bei
terentwickeln, um auf neue Fragen antworten Kooperationsprojekten mit externen Partnern
zu können. Diesen Anspruch stellt die Universi- die Einhaltung der Grundsätze korrekten wissen-
tät Wien mit ihrem breiten Fächerspektrum an schaftlichen Arbeitens zu beachten. Wissen-
sich, denn auch darin liegt ihr gesellschaftlicher schaftliche Ergebnisse können weder verordnet
Auftrag. noch bestellt werden.

Die Universität Wien hat im Rahmen ihrer Inno- 3.4.1 W


 issenstransfer,
vationsstrategie begonnen ein Klima zu schaffen, gesellschaftliches Engagement,
in dem Wissensaustauschaktivitäten als Teil der Technologie- und
universitären Aufgaben gesehen werden. Die Innovationstransfer
Universität Wien will sich so, ergänzend zu den
wissenschaftlichen Grundlagen für erfolgreiche Forschung und Lehre der Universität sind eine
Innovationen, in allen Abschnitten der Innovati- Quelle für Innovationen, die dazu beitragen,
onskette erfolgreich positionieren. Die Aktivi- nachhaltige Lösungen für Herausforderungen
täten im Jubiläumjahr 2015 zur 650-Jahr-Feier unserer Zeit zu finden und Impulse für sozio-kul-
der Universität Wien haben dazu beigetragen, turelle und wirtschaftliche Entwicklungen der
die Universität Wien näher an Gesellschaft und Region und darüber hinaus zu geben. Der Begriff
Wirtschaft heranzurücken. In der konsequenten Wissensaustausch („Knowledge Exchange“) fasst
Weiterführung dieser Initiative hat die Universität alle Maßnahmen und Aktivitäten zusammen, die
im Anschluss an das Jubiläum bestehende Wis- das Ziel haben, sich als Universität auf vielfälti-
sensaustauschaktivitäten systematisch erhoben gen Ebenen mit der Gesellschaft zu vernetzen,
(Third Mission-Projekt) und formuliert darauf auf- aktiv in sie hineinzuwirken und basierend auf
bauend eine Strategie für die kommenden Jahre. wissenschaftlichen Erkenntnissen gesellschaftli-
che und wirtschaftliche Entwicklungen mitzuge-
Ihre universitären Kernkompetenzen aus stalten, auch indem Fragestellungen der Praxis
Forschung und Lehre will die Universität Wien von der Universität aufgenommen werden.
auch unmittelbar über den aktiven Transfer von
Wissen, Technologien und Innovationen in die Um die Wirkung der Universität im Bereich des
Gesellschaft und Wirtschaft einbringen. Das Ziel Wissensaustauschs sichtbar zu machen, entwi-
ist ein Prozess des wechselseitigen Austauschs ckelte das 2016 begonnene Third Mission-Pro-
von Problemstellungen und lösungen, von dem jekt drei Dimensionen zur Systematisierung
alle Beteiligten profitieren. Der so entstehende der verschiedenen Aktivitäten. Inhaltlich lässt
Wissensaustausch ist mehr als der einseitige diese Strukturierung viel Spielraum, um sowohl
Transfer von Wissen und umfasst die Koope- der Fächervielfalt der Universität als auch der
ration mit einer Vielzahl von universitätsexter- Vielfalt und Komplexität gesellschaftlicher und
nen Partnern in einem weiten Netzwerk aus wirtschaftlicher Bedarfslagen gerecht zu werden.
Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Durch die Die drei Dimensionen sind zudem nicht exklusiv,
Zusammenarbeit und den Austausch mit ex- eine Aktivität kann auch zwei, allenfalls sogar
ternen Partnern erhält die Universität wertvolle drei Dimensionen zuordenbar sein:
neue Impulse aus der Praxis für die akademische
Forschung und Lehre und durch die Rückkoppe- Wissenstransfer: Dieser Bereich umfasst die
lung mit Gesellschaft und Wirtschaft erhöht sich gezielte Aufbereitung und adäquate Vermittlung
die Wirkung der Forschungsergebnisse (siehe universitären Wissens an universitätsexterne
Kapitel 3.1.1 „Forschung“). Für Studierende bzw. Zielgruppen sowie das systematische Einbringen
AbsolventInnen können sich durch Koopera- universitären Wissens in öffentliche Diskurse.
tionsprojekte, an denen sie mitarbeiten oder
die in Lehrveranstaltungen bearbeitet werden, Soziales und gesellschaftliches Engagement:
spätere berufliche Möglichkeiten ergeben (siehe Die Universität versteht unter diesem Bereich
Kapitel 3.2 „Studium und Lehre“). Aus neuen die gezielte Nutzung universitären Wissens zur
Kontakten können sich darüber hinaus weitere Bewältigung der vielfältigen sozialen und gesell-
interdisziplinäre und intersektorale Projekte und schaftlichen Herausforderungen. Dazu zählen
strategische Partnerschaften entwickeln. Projekte, die universitäres Wissen für die Gesell-
schaft einsetzen und generieren, insbesondere
Durch die Zusammenarbeit der Universität mit durch zivilgesellschaftliches Engagement.
externen Partnern werden bestehende lineare

55
Technologie- und Innovationstransfer: Entschei- aktion zwischen Universität und Gesellschaft
dend für die Innovationsfähigkeit ist der Transfer ermöglichen. Unter anderem soll die Beteiligung
von Wissen (Know-how), Ideen, Technologien, an EU-Projekten, die den Anspruch haben, den
Innovationen und Patenten von der Universität gesamten Innovationszyklus abzudecken, inten-
in wirtschaftliche Kontexte. Auch hier gibt es siviert werden. Auch Aktivitäten zur Erhöhung
zahlreiche Erfolgsbeispiele aus dem Kontext der der Transparenz der Forschung (Open Science/
Universität Wien. Open Innovation), zur Verbesserung der Verfüg-
barkeit von Wissen (Open Access) und Formate
Das zentrale Kriterium für universitäre Wis- zur zivilgesellschaftlichen Beteiligung an der
sensaustauschprojekte ist die Basierung auf universitären Forschung und Lehre (z. B. Einbin-
eigener Forschung. Darüber hinaus sollen sie dung von BürgerInnen, etwa über Methoden der
folgende drei weitere Kriterien erfüllen: Citizen Science, in die Forschung, wie auch von
externen Kooperationspartnern in die Lehre,
•  Gesellschaftlich und/oder wirtschaftlich re- etwa über Service Learning-Projekte) sollen
levant: Die Aktivität ergänzt die universitäre dafür verstärkt eine Rolle spielen (siehe Kapitel
Aufgabe in Forschung und Lehre und greift 3.1.1 „Forschung“ und 3.2 „Studium und Lehre“).
gesellschaftliche/wirtschaftliche Themen/ Begleitende Veranstaltungs- und Kommunika-
Fragestellungen auf. tionsformate, etwa solche, die einen Ort dafür
•  Vernetzung mit Gesellschaft und Wirtschaft: schaffen, das Feedback von außen kanalisiert an
Externe Kooperationspartner sind beteiligt. die Universität Wien zurückfließen zu lassen, sor-
•  Zukunftsorientiert und nachhaltig: Die Akti- gen für die notwendige Sichtbarkeit der gesetz-
vität hat eine langfristige Perspektive bzw. ten Maßnahmen. Trainingsmaßnahmen, auch
Wirkung; Maßnahmen zur Qualitätssicherung in Kooperation mit externen Partnern, sollen
werden gesetzt. WissenschafterInnen vom Beginn ihrer wissen-
schaftlichen Karriere an die Möglichkeit geben,
3.4.2 Zielsetzungen diesbezüglich Kompetenzen zu erwerben und
zu vertiefen. Es werden auch neue Formate zur
Die Universität Wien will ihre Aktivitäten zur Entwicklung von Qualifikationen von Studieren-
Steigerung des Wissensaustauschs weiter sys- den und AbsolventInnen im Bereich Entrepre-
tematisieren, intensivieren und besser sichtbar neurship entwickelt werden (siehe Kapitel 3.2.1
machen. Dabei will die Universität Wien in allen „Studieren an der Universität Wien“).
Phasen der wissenschaftlichen Fragestellung
von der Idee bis zur Projektumsetzung und zur Netzwerk externer Partner erweitern
Verwertung der Projektergebnisse eine aktive und vertiefen
Rolle spielen und verstärkt den Austausch mit
gesellschaftlichen Akteuren („Societal Stakehol- Funktionierender Wissensaustausch bedingt
ders“) suchen. Die Universität Wien setzt sich ein Netzwerk vertrauensvoller Partnerschaften
in diesem Bereich für die vorliegende Entwick- mit Akteuren außerhalb der Universität. Zum
lungsplanungsperiode folgende Ziele: Netzwerk der Universität gehören VertreterInnen
der Wirtschaft und Industrie ebenso wie jene
Das offene Klima für Wissensaustausch sozialer und kultureller Organisationen und aller
fördern Bereiche des öffentlichen Sektors auf regiona-
ler, nationaler und internationaler Ebene. Ein
Die Universität Wien soll als offener, verlässli- starkes Alumni-Netzwerk sieht die Universität
cher Partner im Bereich des Wissensaustauschs Wien mittelfristig auch als wichtigen Baustein,
wahrgenommen werden. Impulse und Anregun- um Projekte mit Dritten umzusetzen und auch
gen für wissenschaftliche Fragestellungen aus neue Quellen der Finanzierung zu erschließen.
Wirtschaft und Gesellschaft sollen im Sinne eines Wenn Studierende bereits an der Universität
Innovationskreislaufs angemessen berücksich- erlebt haben, welcher Mehrwert durch die
tigt werden. Das Verständnis für universitäre Zusammenarbeit zwischen Universität einerseits
Forschung soll dadurch steigen, dass die Öffent- und Wirtschaft und Gesellschaft andererseits
lichkeit über aktuelle Themen, den kreativen entsteht, können sie später überzeugt als Alumni
Forschungsprozess und seine Ergebnisse aktiver Kooperationen mit ihrer Alma Mater fördern.
informiert wird.
Der Aufbau von langfristigen, strategischen
Stärkeres Engagement in Hinblick auf Wis- Kooperationen, z. B. gemeinsame Projekte mit
sensaustausch setzt entsprechende Wertschät- Forschungs- und/oder Lehrbezug, Rahmenver-
zung, inner- und außeruniversitär, voraus. Im einbarungen, CD-Labors, Ludwig Boltzmann
Sinne einer Kultur der Offenheit ist es ein Anlie- Institute oder die Beteiligung an Initiativen wie
gen der Universität Wien, soweit wie möglich Steinbeis- oder Wissens-Transferzentren („wings-
Qualitäts- und Anerkennungsindikatoren für die 4innovation“), aber auch Firmenpartnerschaften,
drei Dimensionen des Wissensaustauschs zu ist das Ziel dieser Maßnahmen. Weiters will die
entwickeln sowie verstärkt Projekte zu initiieren, Universität Wien verstärkt auf Synergien mit
die eine aktive Auseinandersetzung und Inter- externen Partnern bei der Schaffung, Weiterent-

56
wicklung und Kommerzialisierung von geistigem Schon im Studium will die Universität den
Eigentum (intellectual property, IP) achten. Gesellschafts- und Praxisbezug stärken und sich
Unterstützung und Beratung der Wissenschafter­ bei Initiativen, welche Bildung durch reflektierte
Innen erfolgt durch das universitätseigene Tech- Verknüpfung von Wissenschaft mit praktischem
nologietransferoffice (TTO), bei Ausgründung Engagement (Service Learning) vermitteln,
von Unternehmen durch INiTS, den universitären engagieren. In der universitären Lehre soll,
Business-Inkubator (siehe Kapitel 3.3.3 „Nationa- wo thematisch und methodisch angemessen,
le Zusammenarbeit“). Die Verwertung der IP und akademisches Lernen mit gesellschaftlichem
auch der Fachexpertise ihrer WissenschafterIn- Engagement verbunden werden (siehe Kapitel
nen soll auf Basis universitätsinterner Richtlinien 3.2.1 „Studieren an der Universität Wien“).
erfolgen.
Einen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit
Zur Beantwortung gesellschaftlicher des Standorts leisten
Fragen beitragen
Engagiertes und unternehmerisches Handeln
Die Universität Wien will mit ihrer wissenschaftli- der Angehörigen der Universität sind eine Vor-
chen Expertise zur Lösung der großen gesell- aussetzung, um wissenschaftliche Erkenntnisse
schaftlichen Herausforderungen unserer Zeit und Forschungsergebnisse der Wirtschaft und
beitragen, wie z. B. in den EU-Rahmenprogram- Gesellschaft vermehrt nutzbar zu machen. Die
men (insbesondere „Grand Challenges“) oder Universität will WissenschafterInnen gezielt bei
den „Sustainable Development Goals“ (SDG) der Entwicklung von Kooperationsprojekten mit
der UN definiert. Ergebnisse aus der universitä- nicht-wissenschaftlichen Partnern beraten.
ren Forschung sollen stärker in die Gesellschaft
und Wirtschaft getragen und in gemeinsamen Auch wenn Diensterfindungen, Patente und
Projekten (weiter-)entwickelt werden (siehe auch Lizenzen oder Ausgründungen basierend auf
Kapitel 3.1.1 „Forschung“). Die Universität will universitärem Know-how kein Selbstzweck sind,
WissenschafterInnen und Studierende ermuti- so sind sie sehr wohl Indikatoren für die aktive
gen, sich am Wissensaustausch mit Gesellschaft Rolle der Universität Wien im Innovationsprozess
und Wirtschaft, auch im Bereich der koope- und für den gelebten Wissensaustausch. Als
rativen und der Auftragsforschung (NGOs bis solche verdienen sie ebenso Anerkennung wie
Wirtschaft), zu beteiligen. für die Hervorbringung der zugrundeliegenden
Ergebnisse. Die Universität will Synergien und

57
Kooperationen mit externen Partnern bei der Entscheidend ist zudem der richtige Mix von
Schaffung, Weiterentwicklung und Kommerziali- digitaler und analoger Kommunikation. Wis-
sierung von IP verstärkt nutzen. senschaftskommunikation benötigt aber auch
Orte, an denen eine regelmäßige und institu-
3.4.3 Wissenschaftskommunikation tionalisierte Begegnung von Wissenschaft und
Öffentlichkeit stattfinden kann.
Ein aktiver Wissensaustausch zwischen Univer-
sität, Wirtschaft und Gesellschaft, begleitet von Die inhaltlichen Ideen der WissenschafterInnen
Maßnahmen der Wissenschaftskommunikation, sind Grundlage für die Kommunikation. Auch die
ist die beste Voraussetzung, um die öffentliche Wissenschaftskommunikation selbst muss inno-
Wahrnehmung von Universität und Wissenschaft vativ bleiben und immer wieder neue attraktive
grundlegend zu verbessern. Gemeinsames Formate entwickeln.
Ziel der zu setzenden Maßnahme ist es, die
Bedeutung von Wissenschaft und Forschung
zur Lösung der anstehenden gesellschaftlichen
und wirtschaftlichen Fragen noch besser zu 3.5 MitarbeiterInnen
vermitteln.
Gemeinsames Verwirklichen lebendiger
Formate der Wissenschaftskommunikation Wissenschaft
unterstützen dabei, den Dialog zwischen den An-
gehörigen der Universität und externen Partnern Die Universität Wien lebt von den Talenten,
zu initiieren und aktiv zu gestalten. Die Uni- Qualifikationen und vom Engagement aller in
versität Wien versteht die Aufgabe der Wissen- der Institution Tätigen, der Lehrenden und For-
schaftskommunikation in der Kombination von schenden gleichermaßen wie des allgemeinen
Maßnahmen für „Public Awareness of Science“ Universitätspersonals und der Studierenden.
ebenso wie „Public Unterstanding of Science“ Jede/r einzelne Mitarbeiter/in ist in seinem/
und „Public Engagement“. Wissenschaftskom- ihrem originären Arbeitsbereich und darüber hi-
munikation soll das Interesse wecken, Wis- naus auch durch Engagement und Ideen für das
senschaft erklären und verständlich machen. Funktionieren und die Weiterentwicklung der
Durch eine erweiterte Vernetzung zwischen Institution mitverantwortlich und bedeutsam.
WissenschafterInnen und gesellschaftlichen und Grundlage für diese konstruktive und erfolgrei-
wirtschaftlichen Akteure kann auch eine bessere che Zusammenarbeit bildet, unabhängig von
Nachvollziehbarkeit von wissenschaftlichen der Position und Funktion in der Organisations-
Herangehensweisen erzielt werden. struktur, die gegenseitige Wertschätzung der
MitarbeiterInnen der Universität Wien, die durch
Dies stärkt wiederum die Bereitschaft gesell- den Code of Conduct einen klaren Rahmen
schaftlicher Akteure, in Kooperation mit der erhält. Die Universität Wien setzt in ihre Mitarbei-
Universität Fragestellungen zu bearbeiten und terInnen hohe Erwartungen und unterstützt sie
gemeinsame Projekte zu realisieren. Daher will auch dementsprechend.
die Universität in den kommenden Jahren den
Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft Führung: Aufgabe der Führungskräfte
weiter intensivieren und weitere zielgruppenspe- auf allen Ebenen
zifische Informations-, Kommunikations- und
Partizipationsmaßnahmen entwickeln. Durch Auf jeder Ebene kommt Führungskräften die
neue partizipative Modelle wie Open Science besondere Aufgabe zu, nach Bedarf laufend im
und Citizen Science entstehen ganz neue Chan- Dialog mit MitarbeiterInnen Erwartungen an ihre
cen. Diese können dazu beitragen, die Interak- Arbeitsleistung zu formulieren und ihnen regel-
tion zwischen Wissenschaft und Gesellschaft in mäßig wertschätzend, offen und motivierend
neuer Weise zu stärken. Feedback mit dem Ziel der persönlichen und
institutionellen Weiterentwicklung zu geben.
Angebote der Wissenschaftskommunikation Führungskräfte auf allen Ebenen unterstützen
richten sich an unterschiedliche Zielgruppen, MitarbeiterInnen in ihrer Kompetenzentwick-
etwa an SchülerInnen oder an junge Erwachsene lung, und die Universität Wien investiert in die
vor der Entscheidung für ein Studium, andere Entwicklung von Führungskompetenz.
richten sich breit an alle Altersgruppen. An der
Universität Wien beginnt die Wissenschafts- 3.5.1 D
 ie Universität Wien als
kommunikation bei den VolksschülerInnen. Arbeitgeberin
Gut etabliert und breit bekannt ist das Format
„KinderuniWien“. Die Universität Wien ist ein Ort des lebensbeglei-
tenden Lernens auch für ihre MitarbeiterInnen.
Wissenschaftskommunikation ist dann erfolg- Der Arbeitsplatz Universität Wien weist – auf
reich, wenn ein ernst gemeinter und transparen- allen Karrierestufen – eine hohe Qualität auf: Die
ter Dialog gelingt. Die Formate müssen in einer Universität Wien bietet ihren MitarbeiterInnen
Gesamtschau das Fächerspektrum abdecken. eine große Palette an Services in einem an-

58
spruchsvollen Arbeitsumfeld, wie beispielsweise geprägt. Die Universität Wien sieht diese Vielfalt
neben direkter Weiterbildung im unmittelbaren als Bereicherung. Die Universität respektiert
Arbeitsgebiet auch ein breites Angebot der und unterstützt im Rahmen ihrer Möglichkeiten
Personalentwicklung, vielfältige wissenschaft- Trans- und Interpersonen. Die Angehörigen der
liche Anregungen z. B. durch Veranstaltungen Universität begegnen einander in gegenseitigem
zu aktuellen Forschungsfragen in zahlreichen Respekt auch vor der jeweiligen Andersheit
Themenfeldern sowie kulturelle Anregungen wie und vermeiden jegliches Verhalten, das diesem
die Möglichkeit der Mitwirkung in der Philhar- Prinzip widerspricht. Wertschätzender Um-
monie der Universität Wien, vergünstigte Preise gang mit Diversität ist eine selbstverständliche
für Sprachkurse am Sprachenzentrum der Uni- Aufgabe, zu deren Unterstützung die Universität
versität Wien oder betriebliche Gesundheitsför- Wien beispielsweise einen Diversity-Leitfaden für
derung, auch durch begünstigte Preise für viele Lehrende erstellt hat.
MitarbeiterInnen bei der Teilnahme an Kursen
des Universitäts-Sportinstituts. Unter den Dimensionen von Vielfalt misst die
Universität Wien aktuell der Gleichstellung der
Personalentwicklung Geschlechter und dem Migrationshintergrund
besonderes Gewicht bei.
Die Personalentwicklung umfasst Maßnahmen
zur Hebung der Potenziale der MitarbeiterInnen Geschlechtergleichstellung stellt an der Uni-
und zur Steigerung von deren Qualifikationen. versität Wien nicht nur eine gesetzliche Pflicht,
Aufgrund der sich ständig verändernden Ar- sondern ein wesentliches Profilelement der
beitsinhalte, Arbeitsorganisationen und Arbeits- Universitätskultur dar. Für die Universität Wien
mittel ist ein kontinuierlicher Prozess der Wei- ist daher die Förderung der Chancengleichheit
terentwicklung der Fähigkeiten und Kenntnisse von Frauen und Männern ein zentrales Anliegen.
der MitarbeiterInnen notwendig. Das zielgrup- Ziele sind weiterhin ein ausgewogenes Zahlen-
pen- und themenspezifische Seminarprogramm verhältnis zwischen Frauen und Männern auf
der universitären Personalentwicklung mit rund allen Ebenen und gleiche Ausgangsbedingungen
500 Veranstaltungen und das Nutzen fachspe- und Zugangschancen für Frauen und Männer.
zifischer außeruniversitärer Weiterbildungs- Das Ziel der Geschlechtergleichstellung wird in
angebote (mit einer gemeinsamen Reichweite alle universitären Aktivitäten integriert und als
von jährlich rund 3.500 MitarbeiterInnen) trägt durchgängiges Leitprinzip verankert.
wesentlich dazu bei.
Die Überwindung der „leaky pipeline“ – der
Personalentwicklung ist ein gemeinsamer schwindenden Frauenanteile auf höheren
Prozess der FunktionsträgerInnen, der jeweili- Karrierestufen – bleibt das Leitziel der Förderung
gen Vorgesetzten und natürlich der einzelnen von Frauen in der Wissenschaft. Als konkreter
MitarbeiterInnen im Besonderen. Ziel der Ansatz wurde das Berta-Karlik-Programm 2011
Maßnahmen ist nicht nur die Professionalisie- ins Leben gerufen und 2016/2017 neu konzipiert.
rung der jetzigen Aufgabenerfüllung, sondern Die Universität Wien fokussiert mit dem neuen
auch die Weiterentwicklung, um sich ändernde, Programm auf eine der zentralen Qualifikati-
zukünftige Aufgaben bestmöglich erfüllen zu onsstufen wissenschaftlicher Karriere und bietet
können. Das Angebot umfasst beispielsweise befristete Qualifizierungsstellen im fortgeschrit-
Förderprogramme für Nachwuchswissenschaf- tenen Postdoc-Stadium für exzellente Wissen-
terInnen, Weiterbildungsangebote im Bereich schafterinnen an. Einen weiteren konkreten
Lehre und Hochschuldidaktik sowie im Bereich Beitrag der Universität Wien stellt der von der
Diversity, Skills für Führungskräfte, Fertigkeiten Universität Wien regelmäßig ausgeschriebene
vom EDV-Kurs bis zur Weiterentwicklung von Back-to-Research Grant dar. Außerdem führt die
Sprachkompetenzen. Die MitarbeiterInnen und Universität Wien regelmäßig Karriereförderpro-
die Führungskräfte auf allen Ebenen der Univer- gramme für Nachwuchswissenschafterinnen
sität Wien beteiligen sich aktiv an der laufenden durch (z. B. Mentoringprogramm „muv“) und
Verbesserung des angebotenen Programmport- entwickelt diese Programme auf Basis interner
folios. und externer Evaluationen laufend weiter.

Diversität, Gleichstellung und Rahmenbedingungen für gute Vereinbarkeit von


Frauenförderung, Vereinbarkeit Beruf bzw. Studium mit familiären Aufgaben zu
schaffen, ist ein Ziel, von dem Frauen und Män-
Studierende und MitarbeiterInnen der Uni- ner gleichermaßen profitieren können. So bietet
versität Wien bilden eine Gemeinschaft von die Universität Wien, soweit dies im Hinblick auf
Menschen unterschiedlicher Merkmale wie die zu erfüllenden Aufgaben und angesichts der
beispielsweise Alter, Geschlecht, soziale und Größe der Universität Wien machbar ist (denn
räumliche Herkunft, Internationalität, sowie von personalpolitische Maßnahmen sind hinsicht-
Menschen mit Behinderungen. Sie sind von un- lich der finanziellen Auswirkungen aufgrund der
terschiedlichen Lebenssituationen sowie Erfah- Zahl der davon potenziell betroffenen Personen
rungen, Weltanschauungen und Kompetenzen stets aufmerksam zu prüfen), ihren Mitarbei-

59
terInnen arbeitsplatzbezogenen Freiraum zur zur Verbreiterung der Finanzierungsbasis der
Arbeitsgestaltung unter Berücksichtigung ihrer Universität Wien, insbesondere zur Schaffung
individueller Lebensumstände (Beispiele: Gleit- von Stellen für NachwuchswissenschafterInnen,
zeit, Möglichkeit temporärer Reduktionen des bei. Professuren werden an der Universität Wien
Beschäftigungsausmaßes über das gesetzlich nach einem kompetitiven Berufungsverfahren
vorgegebene Mindestausmaß hinaus). mit aktiver KandidatInnensuche zumeist unbe-
fristet besetzt. Die Universität Wien bietet Profes-
Über 9.500 MitarbeiterInnen sind an der Universi- sorInnen nach Maßgabe budgetärer Möglichkei-
tät Wien beschäftigt, in Vollzeitäquivalenten ten ein internationalen Standards entsprechend
gerechnet sind das 5.400. Die Universität Wien ausgestattetes Arbeitsumfeld.
zählt damit zu den größten Arbeitgebern in der
Stadt und trägt nicht zuletzt durch ihre Mitarbei- Mit der Schaffung und Besetzung von Professu-
terInnen zur Wertschöpfung am Standort Wien ren nach § 99 Abs. 4 UG für assoziierte Professor­
maßgeblich bei. Innen verfolgt die Universität Wien das Ziel, die
nachhaltige Attraktivität der Tenure-Track-Stel-
3.5.2 Das Profil der MitarbeiterInnen len an der Universität Wien sicherzustellen,
der Universität Wien auch über § 99 Abs. 6 UG hinaus. Die Universität
Wien sieht Professuren nach § 99 Abs. 4 UG
Auf allen Ebenen basiert die Leistungsfähigkeit einerseits und nach § 98 UG andererseits als
einer Universität besonders auf motivierten und aufgabenident und gleichwertig an. Dem soll
qualifizierten MitarbeiterInnen. Insbesondere nach Maßgabe budgetärer Möglichkeiten durch
bei der Berufung von UniversitätsprofessorIn- eine entsprechende, aufgaben-, qualitäts- und
nen und bei der Auswahl von KandidatInnen für leistungsorientierte Ressourcenausstattung
Tenure-Track-Stellen ist dies immanente Rekru- Rechnung getragen werden. Um diese in regel-
tierungsvoraussetzung, besonders hier haben mäßigen Abständen auszuschreibenden Profes-
Elemente der Qualitätssicherung einen hohen suren (siehe Kapitel 3.5.3 „Personalplanung und
Stellenwert. Für Individualentscheidungen im Abläufe“) stehen die zum jeweiligen Zeitpunkt an
wissenschaftlichen Bereich zieht die Universität der Universität Wien beschäftigten assoziierten
Wien als eine wichtige Entscheidungsgrundlage ProfessorInnen zueinander in Konkurrenz, das
internationalen Peer Review in der Forschung Verfahren ist in der Satzung geregelt.
heran und berücksichtigt auch die Bewährung in
der Lehre oder die Begutachtung von Lehrkon- Tenure Track
zepten (siehe Kapitel 3.7 „Qualitätssicherung“).
MitarbeiterInnen wirken auch durch die Wahr- International nimmt im Vergleich zu Beru-
nehmung inneruniversitärer Funktionen gemäß fungsverfahren auf der Ebene „full professor“
Universitätsgesetz 2002, Organisationsplan und (entsprechend § 98 UG) die Rekrutierung auf
Satzung an der verantwortungsvollen Wahrneh- Tenure-Track-Positionen massiv zu, insbeson-
mung der Universitätsautonomie mit. dere in den Natur-, Lebens- und Wirtschaftswis-
senschaften. Die Universität Wien will verstärkt
Der typische Karriereweg eines/r Wissenschaf- auf dieses Instrument setzen und es attraktiv
ters/in ist grundsätzlich international angelegt. gestalten. Ein wesentlicher Konkurrenznachteil
Die Universität Wien kann dabei Ausgangs-, ist durch eine Novellierung des UG weggefallen:
Zwischen- oder Endpunkt sein oder, mit hinrei- Die Universität Wien hat nun die Möglichkeit,
chender (in der Regel mindestens zweijähriger) entsprechend internationalen Vorbildern mit
Erfahrung an anderen, bevorzugt ausländischen der Tenure-Track-Professur ein Karrieremodell
Forschungs- oder tertiären Bildungsinstitutionen anzubieten, das nach entsprechenden Qualifi-
dazwischen, sowohl als auch. zierungsverfahren mit der Berufung nach § 99
Abs. 4 UG zu einer vollen Professur führen kann.
ProfessorInnen
Tenure-Track-Stellen unterliegen ähnlichen Qua-
ProfessorInnen tragen durch ihre herausra- litätsanforderungen wie Professuren, allerdings
genden Forschungsleistungen führend zur, erfolgt der Einstieg bereits zu einem früheren
insbesondere internationalen, Sichtbarkeit der Zeitpunkt in der wissenschaftlichen Karriere und
Universität Wien in der Forschung bei, vermitteln soll je nach den Gepflogenheiten in der jeweili-
wissenschaftliche Dynamik und Leistungsfähig- gen Wissenschaftsdisziplin auch den frühen Auf-
keit und die Begeisterung für ihr Fach, führen bau einer eigenen Arbeitsgruppe ermöglichen.
insbesondere auch durch ihre Lehre Studierende Das Qualifizierungsverfahren ist wie folgt gestal-
an die Forschung heran und leisten so einen tet: Spätestens zwei Jahre nach Dienstantritt
zentralen Beitrag in der Betreuung/Ausbildung auf eine entsprechend ausgeschriebene Stelle
von Studierenden auf allen Studienstufen und bietet die Universität Wien den Abschluss einer
Heranbildung von NachwuchswissenschafterIn- Qualifizierungsvereinbarung an, wenn sich zeigt,
nen. Durch ihre den Gegebenheiten im jeweili- dass sich die für die Einstellung ausschlaggeben-
gen Fach entsprechende Drittmitteleinwerbung den Erwartungen erfüllen werden; aufgrund des
tragen insbesondere auch die ProfessorInnen bei der Einstellung im Vergleich zu Berufungen

60
nach § 98 UG normalerweise geringeren „aka- sich dadurch für eine wissenschaftsorientierte
demischen Alters“ ist diese Überprüfungsphase außeruniversitäre Tätigkeit oder für die nächste
wichtig. Sie kann auch verkürzt werden oder ent- wissenschaftliche Karrierestufe, sei es in der
fallen, wenn aufgrund der Leistungen in einer in universitären Forschung und Lehre oder in der
der Regel zumindest zweijährigen Postdoc-Zeit Wirtschaft bzw. bei anderen außeruniversitären
eine hinreichende Beurteilungsbasis gegeben ArbeitgeberInnen. Postdoc-Stellen sind befristet
ist. Gegenstand der Qualifizierungsphase ist ins- und können drittmittelfinanziert oder global-
besondere die Entwicklung als selbstständige/r budgetfinanziert sein, diesfalls abhängig von
WissenschafterIn und akademische/r LehrerIn den Bedürfnissen des Fachs unter Beachtung
mit hoher Eigenständigkeit. Die Erfüllung der des internationalen Kontexts für drei bis sechs
Qualifizierungsvereinbarung, in der Regel nach Jahre. Die Universität Wien will InhaberInnen
weiteren vier Jahren, führt zu einer unbefristeten von Postdoc-Stellen weiterhin institutionelle Hil-
Anstellung als assoziierte/r ProfessorIn. Assozi- festellung für ihre (insbesondere wissenschaftli-
ierte ProfessorInnen sollen ähnliche Aufgaben che Karriere )Entwicklung anbieten und erwartet
wie UniversitätsprofessorInnen erfüllen, insbe- neben universitärer Lehre und Forschungstätig-
sondere auch in der Betreuung wissenschaftli- keit, dass Postdocs auch selbstständig zur Ein-
cher Arbeiten unabhängig von einer allfälligen werbung von Drittmitteln beitragen. Gleichzeitig
Habilitation. tragen sie durch ihre Forschungsleistung zur
Sichtbarkeit der Universität Wien bei.
Die Universität Wien bietet InhaberInnen von
Tenure-Track-Stellen nach Maßgabe budgetärer Zu Berta-Karlik-Förderungsmaßnahmen vgl. Ka-
Möglichkeiten ein internationalen Standards, der pitel 3.5.1 Die Universität Wien als Arbeitgeberin.
Karrierestufe und der vom Tenure-Track-Modell
angestrebten Karriereentwicklung entsprechend Praedocs
ausgestattetes Arbeitsumfeld und erwartet auch
die Einwerbung von Drittmitteln. Zum Beru- Ziel einer Praedoc-Phase an der Universität
fungsverfahren nach § 99 Abs. 4 UG siehe oben. Wien ist der PhD /Doktoratsabschluss sowie
die international anschlussfähige Qualifikation
Ao. ProfessorInnen für eine weitere wissenschaftliche Karriere an
einer anderen Forschungseinrichtung oder in
Ao. ProfessorInnen haben sich aus habilitier- einer anderen wissenschaftsbasierten/wissen-
ten UniversitätsassistentInnen entwickelt und
vertreten seit ihrer Ernennung zum/zur Ao.
Universitätsprofessor/in ihr wissenschaftliches
Fach selbstständig. Ao. ProfessorInnen sind
wesentliche TrägerInnen von Forschung und
Lehre und universitärer (Selbst)verwaltung
an der Universität Wien. Sie tragen durch ihre
Forschungsleistungen zur Sichtbarkeit der
Universität bei, führen Studierende auf allen Stu-
dienstufen an die Forschung heran und leisten
so einen zentralen Beitrag in der Betreuung und
Ausbildung von Studierenden, der Heranbildung
von NachwuchswissenschafterInnen und der
Akquisition von Drittmitteln. Zur Erfüllung dieser
Aufgaben ist ein entsprechend ausgestattetes
Umfeld notwendig. Ao. ProfessorInnen, die
auf Basis von in den letzten Jahren erbrachten
besonderen Leistungen auch künftiges hohes
Potenzial für besondere Leistungen aufweisen,
können im Zuge von Berufungsverfahren nach
§ 99 Abs. 4 UG zu UniversitätsprofessorInnen
ernannt werden. Auch in einem derartigen Beru-
fungsverfahren soll weitere Arbeitsausstattung,
wenn es die budgetären Möglichkeiten erlauben,
Gegenstand sein.

Postdocs

Postdocs entwickeln an der Universität Wien ihr


eigenes wissenschaftliches Profil in Forschung
und Lehre weiter und bringen es auf Zeit an
der Universität Wien ein, auch in der Beglei-
tung von Studierenden. Postdocs qualifizieren

61
schaftsorientierten Beschäftigungsform in der Lecturer werden in der Regel zunächst befristet
Wirtschaft bzw. bei anderen außeruniversitären beschäftigt; eine unbefristete Verlängerung kann
Arbeitgeber­Innen. Praedoc-Stellen können nach Qualitätsüberprüfung erfolgen.
drittmittelfinanziert oder globalbudgetfinanziert
sein, diesfalls für mindestens drei, in der Regel Studentische MitarbeiterInnen unterstützen die
für vier Jahre. Bei der Stellenbewerbung legen Universität bei der Leistungserbringung in For-
Praedocs ein Motivationsschreiben inkl. einer schung und/oder Lehre. Die Universität Wien will
Ideenskizze für ein angehendes Dissertations- geeigneten, erfolgreichen Studierenden durch
vorhaben vor. Die Universität Wien erwartet, eine Tätigkeit als studentische/r MitarbeiterIn
dass InhaberInnen von Praedoc-Stellen ermöglichen, Erfahrung bei der Mitwirkung an
jedenfalls innerhalb des ersten Jahres die wissenschaftlichen Tätigkeiten zu sammeln.
fakultätsöffentliche Präsentation des Disserta-
tionsvorhabens absolvieren und die Disserta- Aufgrund früherer Rechtslagen sind an der Uni-
tionsvereinbarung abschließen sowie neben versität Wien noch insbesondere beamtete Uni-
der Tätigkeit für das Drittmittelprojekt bzw. versitätsprofessorInnen (mit einem Tätigkeitsbild
neben den zugewiesenen Forschungs- und analog jenen im Angestelltenverhältnis), definitiv
Lehraufgaben aktiv daran arbeiten, ihr PhD gestellte beamtete AssistenzprofessorInnen,
Studium/Doktoratsstudium noch vor dem Ende wissenschaftliche BeamtInnen und wissen-
der Beschäftigungsdauer abzuschließen. Die schaftliche übergeleitete Vertragsbedienstete
Universität Wien unterstützt die Zielerreichung, sowie Bundes- und VertragslehrerInnen tätig,
indem neben der Beschäftigung mit dem PhD die alle spezifische Aufgaben in Forschung und/
Studium/Doktoratsstudium und dem Disser- oder Lehre erfüllen und zu den Leistungen an
tationsprojekt außerhalb des Anstellungsver- der Universität Wien beitragen.
hältnisses auch im Rahmen des globalbudget-
finanzierten Praedoc-Arbeitsverhältnisses 10 Allgemeines Universitätspersonal:
bezahlte Stunden/Woche für das Betreiben des Serviceorientierung, professionelle
PhD /Doktoratsstudiums, insbesondere des Arbeitsorganisation
Dissertationsprojekts, vorgesehen sind. Weiters
soll möglichst vielen an der Universität Wien be- Die internationale Wettbewerbsfähigkeit einer
schäftigten PhD Studierenden/DoktorandInnen Universität ist nicht nur in ihrer wissenschaft-
die Möglichkeit eröffnet werden, einen Beitrag lichen Leistungsfähigkeit begründet, sondern
zur universitären Lehre zu leisten. auch in der Qualität des allgemeinen Univer-
sitätspersonals, das diese unterstützt und mit
Weitere Formen wissenschaftlicher seinen Kompetenzen einen essenziellen Beitrag
Tätigkeit sowohl zur Leistungserbringung als auch zur
institutionellen Weiterentwicklung beiträgt.
Das Verwendungsbild von Senior Scientists liegt Der Einsatz jeder/jedes Einzelnen gewährleistet
im Bereich der (personelle Kontinuität erfordern- das möglichst reibungslose Funktionieren von
den) langfristigen wissenschaftlichen Nutzung Forschung und Lehre.
großer Gerätschaften und anderer Ressourcen.
Senior Scientists unterstützen durch eigene Die Weiterentwicklung im administrativen und
Forschungsleistung andere WissenschafterIn- technischen Bereich war im letzten Jahrzehnt
nen bei der Nutzung der Ressourcen. Senior ähnlich rasant wie im Wissenschaftsbereich.
Scientists werden in der Regel zunächst befristet Anspruch des allgemeinen Universitätspersonals
beschäftigt; nach Qualitätsüberprüfung kann ist, den Wissenschaftsbetrieb von heute – und
eine unbefristete Verlängerung erfolgen. auch morgen – bestmöglich zu unterstützen.
Dies erfordert die stetige Weiterentwicklung von
Der Einsatz von LektorInnen und Senior Lec- Kompetenzen und Fertigkeiten, aufbauend auf
turers ist auf der Grundlage von strategischen Sachkenntnis, Weitblick und Systemverständnis.
Überlegungen und unter Berücksichtigung der Effizienz und Leistungsfähigkeit des allgemeinen
bestehenden Rahmenbedingungen funktionell Universitätspersonals hat sich an vergleichba-
begründet vorzunehmen. LektorInnen werden ren akademischen Einrichtungen und auch an
insbesondere zur Einbindung der Berufspraxis vergleichbaren, am Markt tätigen und erfolg-
sowie – soweit erforderlich – zur Sicherstellung reichen Wirtschaftsunternehmen zu messen.
der Studienqualität mangels interner Ressour- Gut qualifizierte und leistungsbereite Mitarbei-
cen eingesetzt. Langfristig soll die Verwendung terInnen haben im Wettbewerb mit inner- und
externer Lehre aber wieder zu ihrer ursprüngli- außeruniversitären BewerberInnen vielfältige
chen Intention zurückkehren. Unter gewissen inneruniversitäre Karrieremöglichkeiten. Wie
Voraussetzungen ist auch die Ausschreibung beim wissenschaftlichen Universitätspersonal
unbefristeter Lektorate möglich. Senior Lecturer ist auch beim allgemeinen Universitätspersonal
werden insbesondere bei langfristig bestehen- die MitarbeiterInnenzufriedenheit ein wichtiges
dem Bedarf an zusätzlicher Lehre im Pflichtbe- Element einer attraktiven und wettbewerbsstar-
reich von Bachelorstudien eingesetzt und bilden ken Universität.
sich laufend aufgabenspezifisch weiter. Senior

62
Wie in der Wissenschaft zählen auch für das nisationseinheiten eine strategische Personal-
allgemeine Universitätspersonal eine exzellente planung. Diese umfasst die vorausschauende,
Ausbildung und ein breiter Erfahrungshinter- bedarfsorientierte und den Forschungs- und
grund. Darüber hinaus ist die Bereitschaft, Lehrzielen dienende Konzeption über die Ver-
die Erfordernisse und Anforderungen aus den wendung freigewordener oder auch neugeschaf-
unterschiedlichsten Blickwinkeln zu betrachten fener MitarbeiterInnenstellen auf allen Ebenen,
(zentral/dezentral, unterschiedliche disziplinäre insbesondere auch unter Berücksichtigung der
Besonderheiten), mit dem Ziel, effiziente und ef- Stärken in der Forschung und der Bedarfe in der
fektive Lösungen zu entwickeln, die Gültigkeit für Lehre. Die Universität steht dabei unter dem An-
einen möglichst großen Bereich der Universität spruch, eine Personalstruktur zu verwirklichen,
Wien haben, eine zentrale Anforderung an sich die zugleich effizient und kostengünstig sowie
selbst. generationengerecht und langfristig nachhaltig
ist und die damit im wissenschaftlichen Univer-
Um diese zweckmäßige, effiziente, service- sitätspersonal auch zukünftigen Generationen
orientierte und wirtschaftliche Unterstützung eine faire Chance auf Anstellung und Qualifizie-
des Forschungs- und Lehrbetriebs auf hohem rung offeriert.
Niveau laufend zu gewährleisten, entwickeln die
MitarbeiterInnen des allgemeinen Universitäts- Unbefristete Professuren können nach der
personals und ihre Vorgesetzten die Qualität der derzeitigen Gesetzeslage nur auf Basis einer im
Dienstleistungen, die Geschäftsprozesse und Entwicklungsplan vorgesehenen fachlichen Wid-
die Strukturen beständig weiter und verbessern mung ausgeschrieben werden. Bei der Entschei-
diese durch strategische Vorgehensweisen, dung, welche fachlichen Widmungen für Pro-
aufgabenorientierte Arbeitsteilung, abgestimmte fessuren in den vorliegenden Entwicklungsplan
Koordinierung, klare Kompetenzverteilung und Eingang gefunden haben, hat die Universität
Evaluationen kontinuierlich. Gewährleistet wird Wien in zahlreichen Fällen entsprechend der For-
dies durch das Bekenntnis der Universität Wien schungsstärken (siehe auch Kapitel 3.1.1 „For-
zur laufenden Modernisierung und zuneh- schung“) und entsprechend der derzeitigen und
menden Digitalisierung der Geschäftsprozesse erwarteten Weiterentwicklung in und zwischen
einschließlich einer Überprüfung zentraler und den Fächern profilschärfende Änderungen der
dezentraler Aufgaben. Einen diesbezüglichen Stellenbesetzungsplanung vorgenommen (z. B.
Schwerpunkt werden in den kommenden Nichtbesetzung von Professuren, Umwandlung
Jahren HR-Geschäftsprozesse darstellen (siehe von Professuren in Tenure-Track-Stellen und/
Kapitel 3.6 „Infrastruktur“). Als ein weiterer oder andere wissenschaftliche Stellen, Schaffung
Schwerpunkt soll in den kommenden Jahren von Professuren aus anderen wissenschaftlichen
das Zusammenwirken in der Studien-, Lehr- und Stellen, Umwidmungen/Akzentverschiebungen).
Prüfungsadministration zwischen den verschie- Weiters wurde angesichts der in Aussicht stehen-
denen Einheiten und Ebenen gestärkt werden, den deutlichen Budgetsteigerung in den vorlie-
auch mit Unterstützung durch Maßnahmen der genden Entwicklungsplan nach Maßgabe budge-
Organisations- und Personalentwicklung (siehe tärer Möglichkeiten eine Reihe von Professuren
auch Kapitel 3.2 „Studium und Lehre“). aufgenommen, die „quer“ zu etablierten Fächern
liegen bzw. Brücken zwischen Fächern schlagen
3.5.3 Personalplanung und Abläufe (bewusst auch zur Überwindung wahrgenomme-
ner Grenzen zwischen Fakultäten) oder Lücken
Die unter Einbeziehung qualitätssichernder schließen und daher im Fall ihrer Realisierung
Elemente erfolgende Rekrutierung neuer Mitar- besonderes Potenzial für Neues in der Forschung
beiterInnen, die Höher- und Weiterqualifizierung und in weiterer Folge auch in der Lehre verspre-
des bestehenden Personals, die bedarfs- und chen. Kriterien für die Aufnahme von Professuren
leistungsadäquate Verteilung von Mitarbeiter­ in den vorliegenden Entwicklungsplan waren
Innenstellen innerhalb der Universität und die insbesondere forschungsbezogene Aspekte
Ermöglichung von Berufslaufbahnen für das (auch unter Bezugnahme auf die fakultären For-
wissenschaftliche, aber auch das allgemeine schungsschwerpunkte sowie auf zu schlagende
Universitätspersonal im Wechselspiel zwischen Brücken) sowie Aspekte der Betreuungsverhält-
Mobilität und institutioneller Zugehörigkeit sind nisse (Bedarf in Studienprogrammen, Bedarf
zentrale personalpolitische Maßnahmen, die an der Betreuung von Masterarbeiten und
für eine leistungsstarke Universität von großer Dissertationen sowie Bedarf zur Verwirklichung
Bedeutung sind. der erwünschten Beteiligung von ProfessorInnen
in der Grundlehre). Diese Kriterien werden vom
Die Autonomie der Universitäten und die Einfüh- Rektorat erneut bei der Entscheidung (§ 107 Abs.
rung des Kollektivvertrags für das Universitäts- 1 UG) über den Ausschreibungszeitpunkt der
personal bildeten die Grundlage einer inne- Professuren herangezogen werden.
runiversitären Stärkung von Personalplanung,
Personalauswahl und Personalentwicklung. Die Zwecks höherer Flexibilität und zur Wahrneh-
Universität Wien betreibt im Dialog zwischen mung besonderer Gelegenheiten auf dem
dem Rektorat und den LeiterInnen der Orga- akademischen Arbeitsmarkt wird nach Maßgabe

63
einer gesetzlichen Grundlage eine Anzahl von Vergleich zu Praedoc-Stellen erzeugt ein struk-
maximal zehn Stellen bis 30.09.2023 für Universi- turelles Ungleichgewicht in der Verteilung von
tätsprofessorInnen (vgl. § 98 UG) ohne fachliche finanzierten Stellen zu Ungunsten der Postdocs.
Widmung festgelegt, die im internationalen In Bereichen, in welchen der Anteil der Post-
Wettbewerb um wissenschaftlich herausragen- doc-Stellen derzeit niedrig ist, sollen Möglichkei-
de Persönlichkeiten besetzt werden können ten geprüft werden, diesen Anteil zu erhöhen.
(„opportunity hiring“), sodass in begründeten
Einzelfällen eine rasche Berufung mit dem Ziel Es soll weiters nach Maßgabe budgetärer Mög­-
einer unbefristeten Besetzung unter Wahrung lichkeiten ein neues kompetitives Programm
inneruniversitärer Anhörungsrechte (nach dem geschaffen werden, in dessen Rahmen Post-
Modell von § 99 Abs. 1 UG) auch ohne vorherige doc-Stellen im Wettbewerb unter BewerberIn-
Verankerung einer entsprechenden fachlichen nen aller Fächer vergeben werden (uni:post-
Widmung im Entwicklungsplan unmittelbar docs). Dieses Programm soll jedenfalls auch für
durch den Rektor vorgenommen werden kann. BewerberInnen aus dem Ausland sichtbar und
Die Schaffung dieser Möglichkeit, die an vielen attraktiv gestaltet sein.
internationalen Spitzenuniversitäten besteht,
wurde vom Scientific Advisory Board der Uni- Quantitäten
versität Wien dem Wissenschaftsministerium
ausdrücklich geraten. ProfessorInnen

Mit dem Freiwerden von bestehenden Mitar­ Die Universität Wien hat in den vorliegenden
beiterInnenpositionen sollen auch Tenure- Entwicklungsplan rund 70 fachliche Widmun-
Track-Stellen geschaffen werden, insbesondere gen für Professuren nach Maßgabe budgetärer
in jenen Organisationseinheiten (Fakultäten und Möglichkeiten aufgenommen. Die Universität
Zentren), die im Bereich der Forschung besonde- Wien strebt nach Möglichkeiten der Finanzierung
res Potenzial erkennen lassen. Tenure-Track-Stel- für diese Professuren. Insbesondere verfolgt
len sollen sukzessive besetzt werden, damit kein die Universität Wien das Ziel, nach Maßgabe
Kohorteneffekt entsteht, der dazu führt, dass die der politischen Umsetzung der kapazitätsori-
Masse der Tenure-Track-Stellen einer Organisati- entierten Universitätsfinanzierung, die Zahl der
onseinheit über Jahrzehnte besetzt ist. Daneben UniversitätsprofessorInnen (gemäß §§ 98 und 99
soll über befristete Praedoc- und Postdoc-Stel- UG, soweit sie für mindestens drei Jahre bestellt
len weiterhin eine personalpolitische Flexibilität sind) von rund 400 zu Jahresbeginn 2017 auf
erhalten bleiben oder auch hergestellt werden. rund 530 bis 550 im Jahr 2021 zu steigern, und
anschließend bis zum Jahr 2024 weiter auf rund
Die Universität Wien will verstärktes Augenmerk 550 bis 570 (oder, werden auch die nur organi-
auf Postdoc-Stellen richten: Die in der Regel sationsrechtlich aber nicht arbeitsrechtlich den
deutlich längere Laufzeit von Postdoc-Stellen im ProfessorInnen zugehörigen Personen nach § 99

64
Abs. 6 UG hinzugerechnet, rund 600 bis 640). Für ao. ProfessorInnen erfolgte 2011 eine (mit
Auch der internationale Vergleich (siehe Kapitel § 99 Abs. 4 UG vergleichbare) Ausschreibung
2.3 „Finanzielle Ausgangssituation der Universi- von Professuren nach § 99 Abs. 3 UG. Seit 2011
tät Wien“) belegt, dass die Zahl der Professuren wurden an der Universität Wien bereits 32 ao.
an der Universität Wien derzeit noch deutlich ProfessorInnen nach § 99 Abs. 3 UG zu Univer-
zu gering ist, vor allem auch in Relation zur Zahl sitätsprofessorInnen berufen. Die Anzahl von
der Studierenden bzw. zur Zahl der Studienab- Stellen für ao. ProfessorInnen, die in einem
schlüsse. vereinfachten Verfahren gemäß § 99 Abs. 4 UG
zu UniversitätsprofessorInnen berufen werden
Die angestrebte Steigerung bis 2021 soll im We- können, wird mit derzeit bis zu 30 festgelegt.
sentlichen durch folgende Maßnahmen erreicht Die Ausschreibung von Stellen erfolgt durch
werden: das Rektorat (§ 107 Abs. 1 UG), das kompetitive
Besetzungsverfahren ist in der Satzung beschrie-
•  Ausschreibung und Besetzung der rund 70 ben.
im vorliegenden Entwicklungsplan gewidme-
ten Professuren nach Maßgabe budgetärer Tenure Track
Möglichkeiten
•  Besetzung der Ende 2016 ausgeschriebenen Die Universität Wien strebt an, nach Maßgabe
bis zu 20 Professuren nach § 99 Abs. 4 UG für der politischen Umsetzung der kapazitätsori-
assoziierte ProfessorInnen entierten Universitätsfinanzierung, die Zahl der
•  Ausschreibung (etwa im Jahr 2020) und Be- besetzten Tenure-Track-Stellen („Stellen, die im
setzung weiterer bis zu 20 Professuren nach Sinne des § 27 Abs. 1 des gemäß § 108 Abs. 3 UG
§ 99 Abs. 4 UG für assoziierte ProfessorInnen abgeschlossenen Kollektivvertrags in der am 1.
(siehe nachstehend) Oktober 2015 geltenden Fassung für eine Qualifi-
•  Ausschreibung und Besetzung von bis zu 30 zierungsvereinbarung in Betracht kommen“) von
Professuren nach § 99 Abs. 4 UG für ao. Pro- rund 80 zu Jahresbeginn 2017 auf rund 200 bis
fessorInnen (siehe unten) 220 im Jahr 2021 und weiter auf rund 300 bis 320
•  Weiters sollte auch eine gewisse Erhöhung im Jahr 2024 zu steigern.
der Zahl der UniversitätsprofessorInnen
nach § 99 Abs. 1 UG, die für mindestens drei
Jahre bestellt sind, erfolgen.
•  Die angestrebte Steigerung bis 2024 soll im 3.6 Infrastruktur
Wesentlichen durch folgende Maßnahmen
erreicht werden: Die Universität Wien ist bestrebt, ihren Angehö­
•  Nach Maßgabe der im Jahr 2020 erfolgenden rigen unter den Bedingungen einer sich dyna-
rollierenden Entwicklungsplanung: Ausweisen misch verändernden universitären Arbeits- und
einer Anzahl weiterer Stellen für Professuren Studienwelt die bestmöglichen infrastrukturel-
nach § 99 Abs. 4 UG für assoziierte Professor­ len Rahmenbedingungen zu bieten. Ziel dabei ist
Innen (für eine Ausschreibung etwa im Jahr es insbesondere, rechtzeitig die erforderlichen
2023) in der Größenordnung von rund 20 Vorkehrungen zu treffen, damit auch in Zukunft
•  Gesetzliche Aufnahme der seit 2016 entspre- Forschung, Lehre und Studium an der Universi-
chend § 99 Abs. 5 UG aufgenommenen Inha- tät Wien auf international konkurrenzfähigem
berInnen von Tenure-Track-Stellen jeweils Niveau erfolgen können.
mit Erfüllung der Qualifizierungsvereinbarung
in die Personengruppe der Universitätspro- Wichtige Infrastruktur-Projekte der vorherigen
fessorInnen gemäß § 99 Abs. 6 UG in der ge- Entwicklungsplan-Periode konnten mittlerweile
schätzten Größenordnung von rund 50 bis 70 in die Umsetzung gebracht werden. Das betrifft
insbesondere das neue Biologiezentrum der
Ende 2016 hat die Universität Wien bereits bis zu Universität Wien, ein Projekt höchster Priorität.
20 Professuren nach § 99 Abs. 4 UG für assozi- Es wird von der Bundesimmobiliengesellschaft
ierte ProfessorInnen ausgeschrieben und 2017 BIG im dritten Bezirk errichtet und soll mit Win-
besetzt. Für eine neuerliche, für etwa 2020 vorge- tersemester 2021/22 den Vollbetrieb aufnehmen.
sehene, Ausschreibung wird eine weitere Anzahl In den nächsten Jahren stehen weitere wichtige
von Stellen für assoziierte ProfessorInnen, die Weichenstellungen bezüglich des Standortkon-
in einem vereinfachten Verfahren gemäß § 99 zepts an.
Abs. 4 UG zu UniversitätsprofessorInnen berufen
werden können, mit derzeit ebenfalls bis zu 20 Eine Umsetzung der kapazitätsorientierten
festgelegt. Für die Zukunft sind weitere Aus- Universitätsfinanzierung sowie die Aufstockung
schreibungen von Professuren nach § 99 Abs. der Mittel des FWF wird darüber hinaus zu erheb-
4 UG für assoziierte ProfessorInnen etwa alle drei lichem Mehrbedarf an Räumen (Büros, Labors,
Jahre in Aussicht genommen, sodass jeweils ein Lehrveranstaltungsräume) führen. Hierfür sind
gewisser Anteil der assoziierten ProfessorInnen zusätzliche Mittel erforderlich, die aus dem zu
auf eine Professur berufen werden kann. verhandelnden Anteil der Universität Wien am
gesetzlich festgelegten Gesamtbudget der Uni-

65
versitäten für die Leistungsvereinbarungsperiode Standortkonsolidierungen werden somit nicht
2019-2021 aufbringbar sein müssten. bloß aus Flächeneffizienzgründen, sondern
insbesondere zur Schaffung von wissenschaftli-
Zukunftsinvestitionen sind auch in Forschungs- chem Mehrwert sowie zur Steigerung des funk-
infrastruktur sowie in IT-Infrastruktur notwendig. tionalen Nutzwerts für die Universitätsangehö-
Die Bereitstellung einer zukunftsorientierten rigen durchgeführt. Ein besonderes Augenmerk
Forschungsinfrastruktur in Core Scientific Facili- liegt dabei auf der Förderung von wissenschaft-
ties ist dabei ein wichtiges Anliegen. Im Bereich lichem Austausch zwischen benachbarten
IT-Infrastruktur beinhalten die Zukunftsinves- Disziplinen und über Disziplinengrenzen hinweg.
titionen sowohl regelmäßige Reinvestitionen Das Zusammenführen von Einheiten fördert
im Bereich High-performance-computing, als auch die Kommunikation und leistet somit einen
auch in die IT-Basisinfrastruktur. Das Facility-­ Beitrag zu einem für die Angehörigen attraktiven
Management und die Services der Universitäts- „Lebensraum Universität Wien“, in welchem die
bibliothek werden laufend und orientiert an Gebäude für die Menschen da sind und nicht
den Bedürfnissen der Universitätsangehörigen umgekehrt.
weiterentwickelt.
Umsetzung
Im Sinne eines sorgfältigen Umgangs mit öffent-
lichen Mitteln wird die Universität Wien weiterhin Die Planung und Implementierung der entspre-
ein besonderes Augenmerk auf die Suche nach chenden Maßnahmen wie z. B. Zusammenle-
Einsparungspotenzial und Effizienzsteigerung gung oder Auflassen von Standorten sowie die
zur Qualitätsverbesserung legen. Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen orien-
tieren sich am Standortkonzept. Der zeitliche
Standortkonzept Umsetzungsplan ist dabei langfristig angelegt
und setzt insbesondere bei größeren Projekten
Ziele und Grundlagen das Vorhandensein von Zusatzmitteln und den
entsprechenden Konsens mit den zuständigen
Die Universität Wien ist eine Innenstadtuniversi- Ministerien voraus. Zur Erreichung der Ziele
tät mit Standortschwerpunkten im 1., 3. und 9. des Standortkonzepts ist die Unterstützung des
Bezirk. Oberstes Ziel ist, dass die für Forschung, BMWFW erforderlich. Das Standortkonzept bildet
Studium und Lehre erforderliche Infrastruktur auch die Grundlage für die Meldungen der Uni-
wie Büros, Hörsäle oder Labors in erforderlicher versität Wien gemäß Bauleitplan (§ 118 UG).
Qualität und Quantität zur Verfügung steht.
Auf Basis der voranschreitenden Umsetzung und
Mit dem Standortkonzept wird von der Univer- der Veränderungen, die sich auch daraus erge-
sität Wien das Ziel einer zukunftsorientierten ben, erfolgt regelmäßig eine Anpassung des Kon-
Planung verfolgt. Das bedeutet, dass rechtzeitig zepts. In der Umsetzung wird darauf geachtet,
die erforderlichen Weichenstellungen vorgenom- dass sich die Standorte und Gebäude durch ein
men werden, damit Studierende und Wissen- hohes Maß an Flexibilität auszeichnen und eine
schafterInnen nachhaltig gute Bedingungen zukünftige Anpassung an neue Anforderungen,
für Studium, Forschung und Lehre vorfinden. die gegenwärtig noch nicht antizipiert werden
Vor dem Hintergrund der rasanten wissen- können, erlauben.
schaftlichen Entwicklung und der dynamischen
Veränderung der Rahmenbedingungen erfordert Derzeit laufende mehrjährige Großprojekte
das sowohl eine rechtzeitige Vorbereitung und
proaktives Agieren als auch ausreichend Flexibi- •  Umsetzung des neuen Biologiezentrums in
lität für kurzfristiges Reagieren und Ergreifen von der Schlachthausgasse 43 im 3. Bezirk
Möglichkeiten. •  Fortführung der Brandschutzmaßnahmen
Hauptgebäude (Konjunkturpaket)
Die wissenschaftlichen und studienbezogenen •  Bauliche Vorkehrungen für die Umsetzung
Anforderungen, immer mit Blick auf Forschung des „Hauses der Religionen“ in der Schen-
und Lehre/Studium der Zukunft, stellen die Basis kenstraße 8-10
für das Standortkonzept dar. Das impliziert die •  Aufstockung des Bestandsgebäudes in der
vorausschauende Planung hinsichtlich zukünf- Währinger Straße 38-42 zur Bedeckung
tigen Raumbedarfs sowie eine regelmäßige und Raumbedarf Chemie und Physik
systematische Analyse des Gebäudebestands,
dessen Möglichkeiten und dessen Bedürfnissen Projekte in Planung ‒ bestehende
(betriebswirtschaftlich; Perspektive Arbeitneh- Herausforderungen
merInnenschutz, Brandschutz, Barrierefreiheit).
Im Vordergrund stehen dabei stets die wissen- Neben den derzeit laufenden Großprojekten sind
schaftlichen und studienbezogenen Kriterien aus Sicht der Universität Wien für die Bereiche
und das Streben nach wissenschaftsbezogenen Sozialwissenschaft und Teile der Historisch-Kul-
Synergien. turwissenschaftlichen Fakultät mittelfristig um-
fassende und nachhaltige Lösungen erforderlich.

66
Eine Meldung gemäß Bauleitplan ist erfolgt. ArbeitnehmerInnenschutz,
Auch für das Bibliotheksdepot der Wiener Uni- Barrierefreiheit, Brandschutz
versitäten ist eine Meldung erfolgt.
Die Universität Wien sieht sich der Einhaltung
Im Hauptgebäude sind auch zukünftig weitere von ArbeitnehmerInnenschutz und Brandschutz
Maßnahmen zur nachhaltigen Brandschutzsa- sowie einer Umsetzung der Barrierefreiheit
nierung erforderlich; u. a. ist eine dauerhafte verpflichtet. Bei Bauprojekten, insbesondere
Lösung der Entfluchtungssituation nötig. Neubauprojekten (z. B. neues Biologiezentrum),
wird rechtzeitig vorab in der Planung auf die
Die Universität Wien sieht im Standort Gymna- Einhaltung der diesbezüglichen gesetzlichen
siumstraße/Franz-Klein-Gasse einen weiteren Vorgaben geachtet.
kritischen Bereich, wo mittel- bis langfristig
Lösungen erforderlich sind. Im Bereich des ArbeitnehmerInnenschutzes wird
weiterhin ein Schwerpunkt auf dem Bereich der
Für hochsensible Experimente der Physik und Prävention liegen. Die Evaluierung der psychi-
Chemie werden im Zuge des Baus und Betriebs schen Belastungen am Arbeitsplatz wird hierfür
der neuen U-Bahnlinie U5 temporäre und auch weitere Ansatzpunkte liefern.
permanente hochinstallierte Labor-Ausweich-
flächen benötigt, um die Position der Universi- Die anstehenden Neubauprojekte sowie die
tät an der Weltspitze der Forschung nicht durch Fortführung der Standortkonsolidierung werden
die mit der U5 einhergehenden Störungen zu weiteren Verbesserungen im Bereich der Bar-
(Schwingungen, elektromagnetische Störun- rierefreiheit führen. Darüber hinaus wird auch in
gen, bewegte Massen) zu gefährden. Darüber den bestehenden Gebäuden schrittweise, nach
hinaus strebt die Universität eine Nachnutzung Maßgabe der Möglichkeiten an der Verbesserung
der in Zukunft freiwerdenden Vorklinikgebäu- der Barrierefreiheit gearbeitet.
de der Medizinischen Universität Wien an, um
nachhaltig Laborkapazitäten und Erweiterungs- Neben den laufenden Brandschutzsanierungen,
möglichkeiten auch für die MINT-Fächer zu die in Zusammenarbeit mit den Gebäudeeigen-
gewährleisten. tümern durchgeführt werden (z. B. Brandschutz-
maßnahmen Hauptgebäude) wird aktiv an der
Für manche Bereiche der Universität Wien Verbesserung des organisatorischen Brand-
werden aufgrund sich rasch verändernder schutzes gearbeitet. Das betrifft die Erstellung
Rahmenbedingungen (z. B. Einführung der und regelmäßige Aktualisierung der spezifischen
Universitätsfinanzierung NEU) auch unmittelbar Regelungen für die einzelnen Standorte (ob-
und unbürokratisch Lösungen erforderlich sein. jektspezifische Bestimmungen), die Durch-
Ausreichender autonomer Handlungsspiel- führung der erforderlichen Schulungen sowie
raum muss auch für sich kurzfristig ergebende regelmäßige Evakuierungsübungen.
Chancen im Sinne des Standortkonzepts (z. B.
Anmietung zur Schaffung von Synergien) und für Für Umsetzungen von Maßnahmen, die umfang-
Infrastrukturmaßnahmen im Zusammenhang reiche Umbauarbeiten erfordern, welche nicht
mit Berufungen gegeben sein. im Zuständigkeitsbereich des Gebäudeeigen-
tümers liegen, oder welche auf zukünftigen
Zukünftiger Raummehrbedarf Änderungen der gesetzlichen Vorgaben basieren,
werden weiterhin zusätzliche Mittel erforderlich
Die Umsetzung dieses Entwicklungsplans, ins- sein.
besondere der Berufungen, und die angestrebte
höhere Dynamik im Drittmittelbereich werden Facility Management
zu Flächenmehrbedarf an der Universität Wien
führen, der nicht im gegenwärtigen Bestand bzw. Im Bereich Facility Management soll eine
nicht ohne zusätzliche Mittel bedeckt werden stärkere Fokussierung auf die operativen Kern-
kann. Das betrifft insbesondere den Bereich der aufgaben erfolgen. Ziel ist dabei eine Qualitäts-
Laborflächen, wo eine Aufstockung von Kapa- verbesserung bei gleichzeitiger Steigerung der
zitäten kurzfristig nur schwer umsetzbar ist und Kosteneffizienz. Diese Fokussierung soll auch
mittelfristig zu erheblichen Mehrkosten führt. Die ‒ wo erforderlich ‒ unter Einbeziehung externer
Universität Wien geht davon aus, dass ihr die zur Dienstleistungen erfolgen, und von entspre-
erfolgreichen Umsetzung erforderlichen Mittel chenden Schulungs- und Personalentwicklungs-
sowie die zur raschen Umsetzung von Anmietun- programmen für die MitarbeiterInnen begleitet
gen beziehungsweise Neubauten erforderliche werden.
Autonomie zur Verfügung gestellt werden und
betont auch die Notwendigkeit der Einführung Eine zentrale Herausforderung vor dem Hinter-
von kostendeckenden FWF-Overheads. grund knapper Ressourcen bleibt nach wie vor
die Arbeit an der effizienten Raumnutzung. Die
geplante Weiterentwicklung des Flächenma-
nagements unter besonderer Berücksichtigung

67
einer bedarfsorientierten und ausgewogenen renden Augenmerk gelegt. Mit der Etablierung
Flächenvergabe ist eine Voraussetzung zur weiterer „student spaces“ wird der „Lebensraum
Steigerung der Flächeneffizienz. Auch die weitere Universität Wien“ um Orte des Lernens und der
Digitalisierung der Raumbewirtschaftung ist da- Kommunikation bereichert.
bei eine Voraussetzung. Zur Sicherstellung einer
angemessenen Auslastung trägt die Nutzung Forschungsgeräte
und Vergabe von Lehrveranstaltungsräumen in
der vorlesungsfreien Zeit durch das Veranstal- Die Universität Wien wird weiterhin massiv in
tungsmanagement bei. Forschungsgeräteinfrastruktur investieren.
Der Zugang zu moderner Geräteinfrastruktur
Das Bauprojektmanagement wird mit Fokus auf wirkt sich besonders in den geräteintensiven
eine weitere Standardisierung der Prozesse wei- MINT-Disziplinen direkt auf die Möglichkeit aus,
terentwickelt werden. Ein besonderer Schwer- Top-ForscherInnen aus dem In- und Ausland
punkt der Weiterentwicklung der nächsten Jahre neu zu berufen, kompetitive Drittmittelprojekte
betrifft hier den Beitrag im Berufungsprozess. einzuwerben, renommierte Wissenschaftspreise
Mit der geplanten Etablierung einer Green zu gewinnen und Publikationen in den besten
Building-Strategie wird der „ökologische Fuß- Zeitschriften bzw. Publikationsmedien des je-
abdruck“ der Universitätsgebäude im Sinne der weiligen Fachbereichs zu veröffentlichen. Durch
Nachhaltigkeit verbessert und zugleich eine Investitionen, auch im Rahmen von Berufungen,
langfristige Kostenreduktion (Fokus auf Gebäu- sollen bestehende Stärkefelder der Universi-
de-Lebenszyklus) angestrebt. Nach wie vor wird tät Wien in der Forschung (siehe Kapitel 3.1.1
bei Bauprojekten und Gebäudesanierungen auf „Forschung“) weiter ausgebaut und neue sich im
die Etablierung von multifunktionalen Service- Aufbau befindliche Stärkefelder gezielt gefördert
und Kommunikationsbereichen für die Studie- werden. Nur so kann sichergestellt werden,

68
dass die Universität Wien auch weiterhin zu den Rechnerkapazitäten zur Verfügung stellen zu
international führenden Forschungsinstitutionen können, werden in regelmäßigen Abständen
gehören wird. Die Universität Wien leistet damit Investitionen notwendig sein.
auch einen essenziellen Beitrag zur internati-
onalen Sichtbarkeit des Forschungsstandorts Zur Stärkung der universitären Initiativen tritt
Österreich. die Universität Wien dafür ein, dass öffentliche
Fördergeber im Rahmen der vergebenen Projek-
Bei der Anschaffung von Forschungsgroßge- te auch Gerätenutzungskosten und User-Fees
räten achtet die Universität Wien weiterhin fördern.
verstärkt auf Möglichkeiten zur gemeinsamen
Anschaffung über Fächergrenzen hinweg und auf IT-Infrastruktur
kooperative Nutzung in zentralen Core Facilities
und Großgeräteinrichtungen. Ziel der Universität Hauptziel im Bereich der IT-Infrastruktur ist die
Wien ist eine kooperative Gerätenutzung auch Sicherstellung der bestmöglichen Versorgung
über Institutionengrenzen hinweg. Erfolgreiche der Universitätsangehörigen in einem aus
Beispiele dafür existieren schon unter anderem IT-Sicht dynamischen Umfeld mit sich stän-
im Bereich der Life Sciences. Hier besteht durch dig verändernden Rahmenbedingungen (z. B.
das neue Biologiezentrum-Projekt die Chance IT-Trends wie Cloud-Lösungen, gesellschaft-
einer Ausweitung der gemeinsamen Gerätenut- liche Veränderungen, Rechtsnormen wie die
zung insbesondere durch die zusammengeführ- Datenschutz-Grundverordnung). Das frühzeitige
ten WissenschafterInnen der Universität Wien Erkennen von Veränderungen und ein proaktives
und gemeinsam mit der Medizinischen Universi- Agieren sind daher zentral. Neben notwendigen
tät Wien, der ÖAW und dem Forschungsinstitut Reinvestitionen in die IT-Grundinfrastruktur wird
für Molekulare Pathologie (IMP). Durch geeignete weiterhin ein besonderes Augenmerk auf den
gemeinsam zu definierende Regelungen und or- Bereich der IT-Security gelegt.
ganisatorische Rahmenbedingungen ist der faire
Zugang zu diesen Ressourcen für die Beteiligten Ebenso wichtig ist die frühzeitige und zielgerich-
sicherzustellen. tete Kommunikation mit den NutzerInnen bei
der Weiterentwicklung der IT-Infrastruktur und
Die derzeit bestehenden Modelle zur koopera- den IT-Services. Das betrifft alle Services, insbe-
tiven Gerätenutzung innerhalb der Universität sondere aber die großen IT-Projekte wie etwa
Wien werden harmonisiert, basierend auf „best- u:space (siehe Kapitel 3.2 „Studium und Lehre“)
practices“ aus den verschiedenen Fächern. So oder HR-IT (siehe nachstehend). Wo dies möglich
entstehen universitätsinterne Gerätezentren, die ist, erfolgen diese Weiterentwicklungen mittels
wissenschaftliche Expertise und Services für die agiler Softwareentwicklung. Diese Umstellung
WissenschafterInnen bündeln und weiterer Aus- auf agile Methoden und die damit einhergehen-
gangspunkt für interdisziplinäre und transdiszipli- de engere Rückkopplung zum Auftraggeber führt
näre Zusammenarbeit auf höchstem Niveau sind. zu einer Steigerung der Qualität und Zielaus-
richtung der erstellten Software und bietet die
Die Universität Wien sieht ihre internationale Möglichkeit, schnell auf geänderte Rahmenbe-
Ausrichtung als wichtigen Ausgangspunkt um dingungen reagieren bzw. Synergien nutzen zu
Kooperationsmöglichkeiten zu eröffnen und können.
Wettbewerbschancen aktiv zu nutzen. Die
Universität Wien wird sich auch weiterhin inter- Die Diversität der Universität Wien und die be-
nationalen Forschungsinfrastrukturen wie z. B. sonderen Ansprüche, die sich aus den Aufgaben
dem European Southern Observatory (ESO), der in Forschung und Lehre ergeben, führen dazu,
europäischen Organisation zur Förderung der dass typische Industriestandards nur begrenzt
Grundlagenforschung und Anwendungen auf ein- und umsetzbar sind. Im Sinne der Sparsam-
dem Gebiet der computergestützten Material- keit werden dennoch, wo möglich, insbesondere
wissenschaften CECAM und an ESFRI/ERIC-For- im Bereich der Administration, Standardpro-
schungsinfrastrukturen beteiligen. dukte und einheitliche Prozesse und Systeme
eingesetzt.
Die gemeinsame Anschaffung und Nutzung mit
anderen Universitäten und Forschungseinrich- Die Universität Wien nimmt sich der spezifi-
tungen gewinnt weiterhin an Bedeutung. Im Be- schen Herausforderungen der nächsten Jahre
reich der wissenschaftlichen IT-Großinfrastruktur im Bereich der IT-Infrastruktur insbesondere
ist ein zentrales Projekt der Vienna Scientific durch Verfolgen konkreter Ziele und Umsetzung
Cluster (VSC), der von mehreren österreichischen entsprechender Maßnahmen in den Bereichen
Universitäten (unter Federführung der Universi- Forschung, Lehre und Studium sowie Verwaltung
tät Wien und der Technischen Universität Wien) und Administration an:
getragen wird. Um im Bereich des Supercompu-
ting auf wissenschaftlicher Ebene wettbewerbs- Die Ziele im Bereich des IT-Beitrags zur uni-
fähig zu bleiben und WissenschafterInnen der versitären Forschung sind insbesondere die
Universität Wien weiterhin dazu notwendige Weiterführung der Kooperation im Bereich

69
High Performance Computing (siehe oben), die Bibliothek werden entsprechend den interna-
Weiterentwicklungen zur Unterstützung von tionalen Standards für das forschende Lernen
Forschung und Lehre im Auf- und Ausbau des sukzessive adaptiert.
Bereichs der Digital Humanities, sowie Maßnah-
men im Bereich Langzeitarchivierung und Open Die laufende Standortkonsolidierung, die
Access. Weitere unterstützende Maßnahmen für Reduktion der Standorte durch Zusammenle-
ForscherInnen betreffen etwa das Forschungs- gung zu größeren bibliothekarischen Einheiten,
projektmanagement (u:cris) und die Weiterfüh- wird weiterhin verfolgt, um eine Ausweitung der
rung der universitären Cloud-Lösung (u:cloud). Serviceleistungen für WissenschafterInnen und
Studierende (z. B. Ausweitung der Öffnungszei-
Zum Erfolg von Lehre und Studium in der Zu- ten) zu ermöglichen.
kunft trägt die IT zentral durch die konsequente
Weiterarbeit an u:space (IT-unterstütztes An- Die speziellen Services zur Unterstützung von
tragswesen, Lehrenden-Interface, Anmeldesys- Forschenden und Lehrenden (z. B. Archivierung
tem, E-Curriculum, Mobility Online etc.) bei. von Forschungsdaten, Erschließung von Offenen
Auch neue Ansätze im Lehr-Lernumfeld werden Bildungsressourcen) sowie die Aufgaben mit
mittels Weiterentwicklung von Software und gesamtuniversitärem Servicecharakter (z. B.
Hardware z. B. im Bereich E-learning (Moodle) Biblio- und Szientometrie, Unterstützung bei der
oder Streaming (Hörsaalausstattung) unterstützt Entwicklung von Publikationsstrategien) werden
und am Bedarf der Lehrenden und Studierenden konsequent im Dialog mit den NutzerInnen wei-
orientiert weiterentwickelt. ter ausgebaut. Diese Weiterentwicklung betrifft
auch die Dienste und Services im Bereich Open
Im Bereich Verwaltung und Administration steht Science (Open Access, Open (Research) Data,
in den nächsten Jahren bezogen auf IT vor allem Open Educational Resources, Open Innovation).
die Umsetzung des Projekts HR-IT im Zentrum. Zu den generellen Zielen der Universität Wien
Dieses Projekt umfasst die Anschaffung und im Bereich Open Access siehe Kapitel 3.1.1 „For-
Implementierung eines modernen, leistungsfähi- schung“. Insbesondere diese Services erfordern
gen Systems, das die HR-Belange der Universität Kooperation und Zusammenarbeit auf natio-
Wien IT-basiert unterstützt. naler und internationaler Ebene, was mit der
Beteiligung an den entsprechenden Verbünden
Universitätsbibliothek, und Projekten erfolgt.
Universitätsarchiv
Neben Aufbereitung und Speicherung von Infor-
Ziel der Universität Wien ist es, auch bei öffent- mationsressourcen stellt auch die Vermittlung
lichem Zugang die Versorgung der Universitäts- an die Forschenden, Lehrenden und Studieren-
angehörigen mit Informationsressourcen für For- den einen wichtigen Teil des Serviceportfolios
­schung, Lehre und Studium zukunftsorientiert dar. Im Sinne der Third Mission werden auch
sicherzustellen. Die Universitätsbibliothek er- Services für die interessierte Öffentlichkeit und
möglicht einen benutzerInnenorientierten und für SchülerInnen angeboten.
effektiven Zugang zu hochwertigen Bibliotheks-
ressourcen. Bei den angebotenen Diensten und Universitätsbibliothek und Universitätsarchiv
Services und deren Weiterentwicklung stehen dokumentieren die Kultur- und Wissenschafts-
die Bedürfnisse der Universitätsangehörigen im geschichte der Universität Wien (650 plus –
Zentrum. Geschichte der Universität Wien). Mit der Pflege,
Aufarbeitung und Präsentation historischer
Das bedeutet, dass neben der modernen, Bestände und wissenschaftlicher Spezialsamm-
digitalen Informationsversorgung, welche in der lungen trägt die Universität Wien zum Erhalt
Wissenschaft und den Bibliotheken heutzutage bedeutender Kulturgüter bei.
eine zentrale Rolle spielt, weiterhin auch dem
Bedarf mancher Fachdisziplinen nach traditio-
neller, buchorientierter Informationsversorgung
Rechnung getragen wird. Der mediale Wandel
impliziert eine permanente Weiterentwicklung
und bedarfsorientierte Anpassung von Services
der Universitätsbibliothek.

Im Bereich der Kernaufgaben werden daher die


bestehenden Angebote weiterhin orientiert am
Bedarf und an den Bedürfnissen der Biblio-
theksnutzerInnen und insbesondere auch der
Studierenden und der für sie notwendigen Stu-
dienliteratur weiterentwickelt. Dazu zählen auch
die Angebote im Bereich der Vermittlung von
Informationskompetenz. Die Räumlichkeiten der

70
3.7 Qualitätssicherung Weiterentwicklung der
qualitätssichernden Maßnahmen/
Höchste Qualität in Forschung und forschungs- Quality Audit
geleiteter Lehre ist das vorrangige Ziel der Uni-
versität Wien. Die Reflexion und Verständigung Zentral ist für die Universität Wien die perma-
darüber, was Qualität in Forschung und Lehre nente Weiterentwicklung ihres Qualitätssiche-
ausmacht, die Vergewisserung über die eigenen rungssystems und der etablierten Instrumente
Leistungen und das kontinuierliche Streben der Qualitätssicherung selbst. Das erfolgt
nach Verbesserung sind gelebte Praxis in insbesondere auf Basis der Ergebnisse des
Forschung, Lehre und Administration. Qualitäts- 2014/2015 stattgefundenen Quality Audits. 2015
sicherung ist Aufgabe aller Einrichtungen der hat der Schweizerische Akkreditierungsrat das
Universität und aller Universitätsangehörigen Qualitätssicherungssystem der Universität Wien
in ihren jeweiligen Aufgabenbereichen mit dem zertifiziert. Damit wurde bestätigt, dass das
Ziel höchste Qualität in Forschung und Lehre zu Qualitätssicherungssystem der Universität Wien
erzielen, sich nicht mit dem Durchschnitt zufrie- die Anforderungen des UG 2002 und des Hoch-
den zu geben, wissenschaftliche Fragestellungen schul-Qualitätssicherungsgesetzes (HS-QSG)
zu lösen oder im internationalen Wettbewerb zu erfüllt. Die Zertifizierung erfolgte mit der Auflage,
reüssieren. Die hiermit angesprochene Qualitäts- einen Prozess zur Erfassung der Prüfungsformen
kultur ist das Rückgrat der Qualitätssicherung an zu entwickeln, was mittlerweile geschehen ist.
der Universität Wien. Die spezifischen Instrumen- Hervorgehend aus der Auflage zum Quality Audit
te und Verfahren der Qualitätssicherung sollen hat die Universität Wien 2017 ein Maßnahmen-
insbesondere diese Qualitätskultur stärken und bündel entwickelt, das sich auf den Prozess der
zu ihrer Weiterentwicklung beitragen. Qualitätssicherung des Prüfungsgeschehens
bezieht und nachhaltig wirken soll (siehe Kapitel
Die Qualitätssicherung an der Universität Wien 3.2 „Studium und Lehre“). Die Universität Wien
verfolgt das Ziel, die permanente Orientierung wird ihr Qualitätssicherungssystem (Prozes-
an Qualität und an internationalen Standards zur se und Instrumente) auch in Zukunft stetig
gelebten Praxis zu machen. In einem umfassen- weiterentwickeln. Dabei werden die Ergebnisse
den Verständnis sind qualitätssichernde Elemen- des vorliegenden und auch zukünftiger Quality
te an vielen Stellen integriert oder zu integrieren: Audits, internationale Entwicklungen im Bereich
bei der Bewertung von Forschungsleistungen Qualitätssicherung sowie Empfehlungen des
(siehe Kapitel 3.1 „Forschung und Nachwuchs- Scientific Advisory Boards der Universität Wien
förderung“), bei Personalentscheidungen, berücksichtigt.
insbesondere in Berufungsverfahren und im
Tenure-Track-Verfahren (siehe Kapitel 3.5 „Mitar- Comprehensive Evaluation von
beiterInnen“), bei Prozessen der Curricularent- Organisationseinheiten
wicklung und der Lehre (siehe Kapitel 3.2 „Lehre“)
und bei der kontinuierlichen Verbesserung der In den letzten Jahren wurden umfangreiche Er-
Servicequalität (siehe Kapitel 3.6 „Infrastruktur“). fahrungen mit Evaluationen gesammelt, die zur
Erkenntnisse aus der Qualitätssicherung fließen Weiterentwicklung des Verfahrens, insbesondere
in Entscheidungs- und Steuerungsprozesse ein. auch zur Verbesserung des Verhältnisses von
Aufwand und Ertrag geführt haben. Diese Ent-
Der Qualitätskultur entsprechend ist die Verant- wicklung soll fortgeführt werden. Alle Organisati-
wortung für Qualität über verschiedene Ebenen onseinheiten (Fakultäten/Zentren und Dienst-
und eine Reihe von Organen, Gremien und leistungseinrichtungen) werden regelmäßig,
Akteuren verteilt. Essenziell für das Qualitätssi- aktuell in einem Sieben-Jahres-Zyklus, gemäß
cherungssystem sind die Verantwortungsüber- dem Prinzip der „comprehensive evaluation“
nahme auf jeder dieser Ebenen und das konst- evaluiert. Dabei werden alle Leistungen gemein-
ruktive Zusammenwirken aller Beteiligten. Die sam einem mehrstufigen Peer-Review-Verfahren
verteilte Verantwortung für Qualität ermöglicht unterzogen. Auch im Rahmen eines umfassen-
es, disziplin- und fachspezifische Anforderungen den Ansatzes der Evaluation können anlassbe-
zu beachten und legt dies jeweils in die Hände zogene Schwerpunktsetzungen erfolgen, ohne
fachkundiger Personen. Entsprechend werden das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren: eine
Verfahren und Instrumente der Qualitätssiche- Fokussierung auf bestimmte Themen/Fragestel-
rung so gestaltet, dass spezifische Bedingungen lungen, die vorab gemeinsam von Rektorat und
und Anforderungen unterschiedlicher Fächer Leitung der zu evaluierenden Einheit festgelegt
berücksichtigt werden. werden, soll weiterhin möglich sein. Basierend
auf den Ergebnissen der Evaluierung findet ein
Die Universität Wien legt weiterhin großen Wert Umsetzungsgespräch zwischen dem Rektorat
auf den wichtigen Input von außen etwa durch und der Leitung der Organisationseinheit statt,
internationale ExpertInnen in Scientific Advisory in dem die Ergebnisse der Evaluation erörtert
Boards und wird auch weiterhin mit der Österrei- und spezifische Maßnahmen vereinbart werden.
chischen Agentur für wissenschaftliche Integrität Das Monitoring der vereinbarten Umsetzungs-
zusammenarbeiten. maßnahmen und der Zielerreichung erfolgt

71
im Rahmen der Zielvereinbarungen zwischen mit dazu neu zu konzipierenden Maßnahmen
Rektorat und Fakultät/Zentrum bzw. Dienstleis- und Formaten, die zur Steigerung des Impacts
tungseinrichtung. und zur Erhöhung der Sichtbarmachung von
Forschungsergebnissen beitragen sollen (z. B. in
Qualitätsvolle individuelle den Bereichen Open Science und Open Innova-
Evaluierungsverfahren tion), werden auch neue begleitende qualitätssi-
chernde Maßnahmen entwickelt. Die Qualitäts-
Die Leistungsfähigkeit einer Universität basiert sicherung im Doktoratsstudium erfolgt laufend
besonders auf motivierten und qualifizierten von der fakultätsöffentlichen Präsentation über
wissenschaftlichen MitarbeiterInnen auf allen die Fortschrittsberichte bis zum Abschluss der
Ebenen. Dabei spielen insbesondere Tenu- Dissertation, im Regelfall mit externer Begutach-
re-Track-Stellen und Professuren eine wichtige tung und öffentlicher Defensio. Darüber hinaus
Rolle. Auf allen wissenschaftlichen Karriereebe- werden qualitätssichernde Maßnahmen bei der
nen geht es dabei sowohl um ein transparentes, Vergabe individueller DoktorandInnenförderung
effektives und qualitätsgesichertes Verfahren als (uni:docs) sowie bei der Einrichtung von Vienna
auch um das Potenzial der Universität Wien, die Doctoral Academies/Vienna Doctoral Schools
besten WissenschafterInnen in internationaler (VDA/VDS) eingesetzt und bei Bedarf weiterent-
Konkurrenz mit anderen Einrichtungen zu rekru- wickelt (siehe Kapitel 3.1.2 „Nachwuchsförde-
tieren, zu fördern und zu halten (siehe Kapitel 3.5 rung“).
„MitarbeiterInnen“).

Qualitätssicherung in Studium und


Lehre

Die Qualitätssicherung in Studium und Lehre


erfolgt durch ein Bündel von Maßnahmen wie
regelmäßige Lehrveranstaltungsevaluierungen,
Studienabschlussbefragungen und dem Absol-
ventInnentracking. Spezifische Befragungen zu
einzelnen Services unterstützen die Weiterent-
wicklung des Studienangebots und der Curri-
cula, die Verbesserung des Lehrangebots und
einzelner Lehrveranstaltungen sowie der Lehror-
ganisation. Der zeitliche Bogen spannt sich vom
Beginn des Studiums in der Studieneingangs-
und Orientierungsphase (STEOP) über den Ab-
schluss bis zur Postgraduiertenausbildung, die
Erkenntnisse fließen auch in die Weiterentwick-
lung der Studien ein. Ein besonderes Augenmerk
wird weiterhin auf die Entwicklung gemeinsamer
Prozesse im Bereich der LehrerInnenbildung und
auf die Weiterentwicklung der Qualitätssiche-
rung im Bereich Lehre (z. B. Lehrveranstaltungs-
evaluierung, Standards von Prüfungen) gelegt
(siehe Kapitel 3.2 „Studium und Lehre“).

Qualitätssicherung in der Forschung


und bei der Nachwuchsförderung

Qualitätssicherung in der Forschung erstreckt


sich über die „comprehensive evaluation“ hin-
aus, die auch bei der Entwicklung von fakultären
Forschungsschwerpunkten und Stärkefeldern
in der Forschung wertvollen Input von außen
liefert. Qualitätssichernde Maßnahmen werden,
meist unter Berücksichtigung externer Begutach-
tung, z. B. bei der Einrichtung von Forschungs-
verbünden, Forschungsplattformen, Forschungs-
zentren und interuniversitären Clusterprojekten
eingesetzt. In den kommenden Jahren wird
die Frage der Definition von Impact, auch in
Richtung eines „sozialen Impacts“ neu zu disku-
tieren sein (siehe Kapitel 3.1.1 „Forschung“). Im
Rahmen dieser Diskussion und in Verbindung

72
73
74
4. Fakultäre
Forschungsschwerpunkte
und fachliche Widmung
von Professuren

4.1 Katholisch-Theologische Drittens untersuchen die ForscherInnen der


Fakultät Fakultät in Zusammenarbeit mit anderen Diszip-
linen die Rolle von Religion in weltweiten gesell-
schaftlichen Veränderungsprozessen. Aufbauend
4.1.1 Zielsetzungen auf der für die christlichen Theologien konstitu-
tiven fächerübergreifenden Grundstruktur setzt
In der pluralistischen Gesellschaft der Gegenwart sich die Fakultät für die Bündelung der Expertise
haben sich religiöse und weltanschauliche Ori- der unterschiedlichen an Religionsforschung
entierungsangebote vervielfacht. Dringlich stellt beteiligten wissenschaftlichen Disziplinen an der
sich daher die Frage, welchen Beitrag Religionen Universität Wien ein. Ziel dieser Bemühungen
und speziell der christliche Glaube zur Lösung ist es, die Kooperation durch eine räumliche
der Fragen und Probleme, welche in der ge- Zusammenführung der an Religionsforschung
genwärtigen Gesellschaft und Kultur formuliert beteiligten Institutionen nachhaltig zu stärken
werden, leisten können. und sie durch religionssoziologische Kompe-
tenzen zu ergänzen. Dadurch sollen Synergien
Die Katholisch-Theologische Fakultät widmet freigesetzt und die weltweite Sichtbarkeit der Re-
sich dieser Frage erstens, indem sie in Forschung ligionsforschung an der Universität Wien weiter
und Lehre die Sinnressourcen des Christen- erhöht werden.
tums erschließt und im kritischen Dialog deren
Plausibilität untersucht. Auf dieser Grundlage Zur wissenschaftlichen Erschließung der Sinnres-
entwickelt sie Perspektiven für den sozialen sourcen des Christentums untersucht die Katho-
Zusammenhalt in der Gesellschaft und für die lisch-Theologische Fakultät konkret zunächst die
Gestaltung der Zukunft. philosophischen Zugänge zur Gottesfrage sowie
zum menschlichen Selbstverständnis. In der
Zweitens erforscht sie das christliche Erbe aus Entfaltung der Idee der Menschenwürde legt sie
theologischer Perspektive und erarbeitet den Grundlinien für die Orientierung des Menschen
Verstehenshintergrund für zentrale europäische in ethisch-kulturellen Herausforderungen unse-
Begriffe und Ideen, welche in ihrer Genese ohne rer Zeit und für die Zukunft dar. Sie untersucht
das Christentum und andere religiöse Traditi- ethische Fragen insbesondere der Familie, im
onen nicht verständlich sind. So trägt sie zur bioethischen, medizinethischen und interkultu-
hermeneutischen Erschließung der religiösen rellen Bereich. Angesichts der Erfahrungen der
Motive in den Quellentexten der historischen, Migration und der politischen Entwicklungen
geistes- und kulturwissenschaftlichen Diszipli- erarbeitet sie aus christlich-philosophischer
nen bei. Ebenso erarbeitet sie die wissenschaft- und theologischer Perspektive Lösungsansätze
lichen Grundlagen für unterschiedliche Bereiche im Hinblick auf ein gerechtes und friedliches
außeruniversitärer religiöser Bildung, z. B. in den Zusammenleben, Menschenrechte, Demokratie
Feldern der Fachdidaktik und Schulentwicklung, und Religionsfreiheit sowie die Gerechtigkeit
der Erwachsenenbildung sowie der kirchlich- politischer und sozialer Institutionen.
pastoralen Praxis.

75
Das christliche Erbe und seine Bedeutung für kirchen- und religionsrechtlichen Untersu-
heute erforscht sie mit religions-, geistes-, kultur- chungen widmen sich dem Verhältnis und den
und sozialwissenschaftlichen Methoden. Bei der Strukturen von Kirchen und Staat.
Erforschung der biblischen Schriften finden die
Kontexte ihrer Entstehung und ihre kulturelle 4.1.2 Forschungsschwerpunkte
Einbettung sowie ihre Auslegungs- und Rezep-
tionsgeschichte besondere Berücksichtigung. Die Katholisch-Theologische Fakultät widmet
Die WissenschafterInnen stehen dabei im Dialog sich fächerübergreifend zwei Forschungsschwer-
mit den Altertumswissenschaften, Archäolo- punkten.
gie, Altphilologie und der antiken Orientalistik
ebenso wie mit der Kunstgeschichte und Ger- Christliche Identität und Moderne
manistik und verwenden in der Textanalyse die
Methoden der modernen Sprachwissenschaften Ein erster ist „Christliche Identität und Moderne“,
und Linguistik. Die Bibelwissenschaften stehen wobei Moderne als bis heute andauernde Epo-
außerdem im Gespräch mit den vielfältigen che verstanden wird. Die WissenschafterInnen
Strömungen des Judentums. Im Hinblick auf die des Schwerpunkts erforschen die komplexen Be-
weitere Geschichte des Christentums werden ziehungen zwischen Christentum und Moderne,
Texte, Lebensgewohnheiten, liturgische Praxis die von wechselseitigen Verständigungsprozes-
sowie kirchliche Verfassungsstrukturen ebenso sen bis hin zu polarisierenden Abgrenzungsdis-
untersucht wie unterschiedliche theologische kursen reichen. Im Besonderen geht es um die
Argumentationslinien und spirituelle Entwürfe. Frage, wie sich die Theologie unterschiedliche
Die besondere Lage am Schnittpunkt von West-, Theorien der Moderne angeeignet hat und wie
Ost- und Südeuropa macht es erforderlich, dass christliche Identität im Horizont modernen Ge-
dem Gebiet der ostkirchlichen Theologien und schichtsdenkens bestimmt werden kann sowie
Liturgien sowie den gemeinsamen Wurzeln in der darum, in welcher Form in manchen Bereichen
Geschichte des Christentums in Forschung und des Christentums diese Auseinandersetzung fort-
Lehre eine besondere Bedeutung zukommt. In- dauert. Der Forschungsschwerpunkt untersucht
terkonfessionelle Fragestellungen werden durch den Epochenbegriff der Moderne und erschließt
die größte theologische Bibliothek in Mitteleuro- den philosophischen Diskurs der Moderne in
pa unterstützt, über welche die Universität Wien seiner Relevanz für die christliche Theologie.
verfügt. Ein besonderer Schwerpunkt gilt darüber Theologiegeschichtliche Stationen werden mit
hinaus der Untersuchung der Texte, Ideen und Blick auf ihre expliziten oder uneingestandenen
kirchenpolitischen Weichenstellungen im Mittel- Verhältnisbestimmungen zur Moderne erforscht.
alter, das im Austausch mit den Nachbardiszipli- Dabei wird durch eine systematisch-theologi-
nen der Medieval Studies erforscht wird. sche Analyse deutlich, wie zentrale Gehalte des
christlichen Glaubens explizit in einem moder-
Der Rolle von Religion in gesellschaftlichen nen Kontext reflektiert werden. Ebenso werden
Veränderungsprozessen widmen sich die For- im Lichte dieser Dynamik theologisch-ethische
scherInnen zum einen in der interdisziplinären Auseinandersetzungen analysiert, in denen
empirischen Werteforschung sowie im Engage- für die Moderne kennzeichnende säkulare,
ment in Menschenrechtsfragen. Im fakultäts- interkulturelle und interreligiöse Kommunikati-
übergreifenden Dialog bringt sie außerdem Per- onskontexte in einen kritischen Dialog mit einem
spektiven der Gender-/Geschlechterforschung religiös fundierten Ethos gebracht werden.
in diversen Einzelfächern ein, die einer größeren
Geschlechtergerechtigkeit in Gesellschaft und Religion und Transformation
Kirche dienen soll. Im Rahmen der Religionswis-
senschaft erforschen sie in besonderer Weise Im Forschungsschwerpunkt „Religion und
die Geschichte sowie die anthropologischen Transformation“ widmen sich ForscherInnen
und soziokulturellen Kontexte verschiedener der Katholisch-Theologischen Fakultät in enger
Religionen und Sinnstiftungssysteme und ver- Kooperation mit WissenschafterInnen anderer
gleichen diese systematisch. In Zusammenarbeit Fakultäten dem Phänomen gegenwärtiger glo-
mit ForscherInnen der Evangelisch-Theologi- baler gesellschaftlicher und religiöser Transfor-
schen Fakultät, der Orthodoxen Theologie, der mationsprozesse und deren Wechselwirkungen.
Judaistik, der Islamischen Theologie, Religions- Dies geschieht durch empirische sowie verglei-
pädagogik und der Islamwissenschaft tragen sie chend-systematische und hermeneutisch-text-
aktiv zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung bezogene Methoden. Dabei wird der Frage nach-
über den Beitrag von Religionen im öffentlichen gegangen, inwieweit Religionen die Narrative
Raum und zur Verständigung der unterschiedli- und die symbolischen Ordnungen gegenwärtiger
chen Weltanschauungen bei. Im Dialog zwischen Gesellschaft prägen und verändern. Darüber
theologischer und religionswissenschaftlicher hinaus wird untersucht, in welcher Weise Reli-
Perspektive erarbeiten sie darüber hinaus gionen auf globale Herausforderungen unserer
wissenschaftliche Ansätze für eine konstruktive Zeit (Auflösung traditioneller Grenzen, Umwelt-
Zusammenarbeit zwischen kirchlich verfasstem probleme, Dialektik von Aufklärungsprozessen,
Christentum und säkularen Institutionen. Ihre Säkularisierung, Multikulturalität, Urbanisierung,

76
Technisierung, Identitätskrisen) (re-)agieren und Fachliche Widmung:
wie sich dies in der ethischen, politischen, recht- Christliche Philosophie
lichen und ästhetischen öffentlichen Diskussion Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der Pro-
widerspiegelt. Exemplarisch werden religiöse fessur „Christliche Philosophie“ (voraussichtlich
Transformationsprozesse und ihre gesellschaft- 1. Oktober 2018)
lichen Inklusions- und Exklusionspotenziale in
religiösen Gegenwartskulturen in Österreich Fachliche Widmung:
sichtbar gemacht, weiters im Zusammenhang Neutestamentliche Bibelwissenschaft
mit Migrationsgruppen und im Bildungs- und Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der Pro-
Schulbereich. Schließlich gilt auch der Transfor- fessur „Neutestamentliche Bibelwissenschaft“
mation der Gottesfrage und religiöser Motive, (voraussichtlich 1. Oktober 2020)
wie sie im Bereich der Kunst, insbesondere der
gegenwärtigen Literatur, sichtbar wird, beson- Fachliche Widmung:
deres Augenmerk, nicht zuletzt hinsichtlich ihres Sozialethik (Mitwirkung der Fakultät für
Erschließungspotenzials aktueller gesellschaftli- Philosophie und Bildungswissenschaft bei der
cher Entwicklungen. Ausschreibung und Besetzung dieser Professur)
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der Pro-
4.1.3 Professuren zum Stichtag fessur „Ethik und christliche Gesellschaftslehre“
1. Oktober 2017 (voraussichtlich 1. Oktober 2020)

Zur leichteren Übersicht sind hier sämtliche zum Fachliche Widmung:


Stichtag 1. Oktober 2017 bestehenden Professu- Alttestamentliche Bibelwissenschaft
ren (§ 98 und § 99 Abs. 3 Universitätsgesetz 2002, Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
inkl. allfälliger Vorziehprofessuren) angegeben. Professur „Alttestamentliche Bibelwissenschaft“
Diese Momentaufnahme präjudiziert in keiner (voraussichtlich 1. Oktober 2022)
Weise die im folgenden Abschnitt vorgenomme-
nen und die zukünftigen Professurenwidmungen. Professur nach Maßgabe budgetärer
Möglichkeiten
•  Alttestamentliche Bibelwissenschaft
•  Christliche Philosophie Fachliche Widmung:
•  Dogmatik Religionssoziologie (gemeinsam mit der
•  Ethik und christliche Gesellschaftslehre Evangelisch-Theologischen Fakultät; Mitwirkung
•  Fundamentaltheologie der Fakultät für Sozialwissenschaften bei der
•  Kirchengeschichte Ausschreibung und Besetzung dieser Professur)
•  Liturgiewissenschaft und Sakramenten­
theologie
•  Moraltheologie
•  Neutestamentliche Bibelwissenschaft 4.2 Evangelisch-Theologische
•  Pastoraltheologie
•  Patrologie und Ostkirchenkunde Fakultät
•  Religionspädagogik und Katechetik
(gemeinsam mit dem Zentrum für Lehrer­ 4.2.1 Zielsetzungen
Innenbildung)
•  Religionswissenschaft Die Evangelisch-Theologische Fakultät der
•  Theologie der Spiritualität Universität Wien ist die einzige universitäre
Forschungseinrichtung für evangelische Theolo-
4.1.4 Fachliche Widmung gie in Österreich. Daher ist es zentral, dass sie den
künftiger Professuren und Fächerkanon der evangelischen Theologie (Altes
Stand der Umsetzung Testament, Neues Testament, Kirchengeschichte,
Systematische Theologie, Praktische Theologie,
Professuren in Besetzung zum Stichtag Religionspädagogik und Religionswissenschaft)
1. Oktober 2017 vollständig abdeckt. Den Traditionen dieser
Fächer entsprechend bestehen enge Vernetzun-
•  Kirchenrecht und Religionsrecht gen zu Nachbardisziplinen wie Altorientalistik,
Ägyptologie, Archäologie, Bildungswissenschaf-
Besetzungen im Einklang mit dem ten, Byzantinistik, Geschichtswissenschaften,
Forschungsprofil und zur Sicherung Islamwissenschaft, Judaistik, Koptologie, Kunst-
der Grundlagenfächer geschichte, Kulturanthropologie, Literaturwis-
senschaft, Philologie, Philosophie, Psychologie,
Fachliche Widmung: Rechtswissenschaften, Soziologie etc.
Theologie des christlichen Ostens
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der Die Evangelisch-Theologische Fakultät ist im
Professur „Patrologie und Ostkirchenkunde“ Wiener Raum, in Österreich und international
(voraussichtlich 1. Oktober 2018) gut vernetzt und verstärkt kontinuierlich die

77
wissenschaftliche Forschungszusammenarbeit. Analyse und kritische Reflexion von Religion
Sie leistet einen grundlegenden Beitrag zum und Theologie in der modernen Gesellschaft im
gesellschaftlichen Diskurs über religiöse und Schnittpunkt von Binnen- und Außenperspekti-
ethische Orientierung aus einer protestantischen ve. Anliegen dieses Themenfelds ist es, die reli-
Perspektive. Ihre Forschungsstrategie ist darauf gionsanalytische Kompetenz zu erweitern und
ausgelegt, mit entsprechenden Studien die gegenwärtigen
gesellschaftlichen Diskurse zu vertiefen.
•  ein fokussiertes Forschungsprofil weiterzu-
führen, das die Ressourcen und Strukturen Erforschung der biblischen Schriften
der Fakultät den vorhandenen Schwerpunk- (Quellen des Christentums)
ten optimal zuordnet;
•  durch hochqualifizierte Forschung die inter- Die Bibel ist die Hauptquelle des Christentums
nationale Rolle und Anziehungskraft der und ein zentrales Dokument abendländischer
Fakultät zu erhöhen; Kultur- und Geistesgeschichte. Daher ist die
•  die protestantische Wissenschaftstradition historisch-kritische und literaturwissenschaft-
mit dem für sie grundlegenden Austausch liche Erforschung des Alten und des Neuen
mit anderen universitären Disziplinen in Ös- Testaments sowie ihrer weiteren Wirkungs- und
terreich öffentlichkeitswirksam fortzuführen; Rezeptionsgeschichte für die Evangelische Theo-
und logie zentral.
•  die Zusammenarbeit mit der Katholisch-
Theologischen Fakultät, dem Institut für Is- Erforschung der Quellen der
lamisch-theologische Studien (einschließ- Geschichte des Christentums
lich der islamischen Religionspädagogik) (Quellen des Christentums)
sowie dem Zentrum für LehrerInnenbildung
auszubauen und die Universität Wien zu Neben der Bibel bezeugt eine Fülle von weiteren
einem international attraktiven Standort für Quellen die „Inanspruchnahme“ des Christlichen
Theologie in ökumenischer und interreligi- im Verlauf der Jahrhunderte. Um das Chris-
öser Dimension zu entwickeln. Die Evange- tentum als historisch gewordene Religion zu
lisch-Theologische Fakultät setzt sich in die- verstehen, ist die historisch-kritische und litera-
sem Sinne für die Stärkung der Expertise der turwissenschaftliche Erforschung dieser Quellen
unterschiedlichen an Religionsforschung be- sowie ihrer weiteren Wirkungs- und Rezepti-
teiligten wissenschaftlichen Disziplinen an onsgeschichte für die Evangelische Theologie
der Universität Wien ein. Ziel dieser Bemü- zentral. Im Besonderen liegt der Fokus auf den
hungen ist es, die Kooperation der an Re- Quellen der ersten sechs Jahrhunderte, auf der
ligionsforschung beteiligten Institutionen Geschichte des Protestantismus in Österreich
nachhaltig zu fördern und sie nach Möglich- und Südosteuropa sowie auf protestantischen
keit durch religionssoziologische Kompeten- DenkerInnen der Moderne.
zen zu ergänzen. Dadurch soll die weltweite
Sichtbarkeit der Religionsforschung an der Wahrnehmung und Kommunikation
Universität Wien weiter erhöht werden. von Religion in der pluralen Gesellschaft
(Religion und Theologie in einer
4.2.2 Themenfelder und pluralen Gesellschaft)
Forschungsschwerpunkte
Das komplexe Phänomen Religion sowie
Die Fakultät konzentriert ihre Forschung auf die religiöse Bildungsprozesse lassen sich unter
zwei Themenfelder „Quellen des Christentums“ den Bedingungen der Gegenwart nur im Zu-
und „Religion und Theologie in einer pluralen sammenspiel unterschiedlicher methodischer
Gesellschaft“, die sich in insgesamt vier For- Zugriffe und im Spannungsfeld von theologi-
schungsschwerpunkten konkretisieren. scher Binnenperspektive und Außenperspekti-
ve (religionswissenschaftlich, -psychologisch,
Das Themenfeld „Quellen des Christentums“ um- -soziologisch und -philosophisch sowie bil-
fasst die methodisch reflektierte Erforschung der dungswissenschaftlich) analytisch angemessen
Bibel und weiterer Quellen des Christentums in erschließen. Daraus resultieren für die protes-
ihren jeweiligen historischen Kontexten sowie ih- tantische Theologie zwei Herausforderungen,
rer Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte als einen die miteinander in den Diskurs zu bringen sind:
grundlegenden Bestandteil des Selbstverständ- In der Binnenperspektive erfolgt eine Analyse
nisses und der Selbstvergewisserung der euro- und Kritik von Prozessen der Kommunikation
päischen Kultur. Anliegen dieses Themenfelds ist des Evangeliums sowie der Praxis zeitgenössi-
es, das Christentum durch die Erforschung seiner scher Glaubenskulturen auf der Basis evan-
Ursprünge, Anfänge und Entwicklungen als histo- gelischer Theologie. In der Außenperspektive
risch gewordene Religion zu verstehen. erfolgt eine deskriptiv-empirische Beschrei-
bung, Analyse und Kritik von Religionen im
Das Themenfeld „Religion und Theologie in einer Kontext moderner Kultur. Im Besonderen liegt
pluralen Gesellschaft“ umfasst die Beobachtung, der Fokus auf der Reflexion des interkonfessio-

78
nellen und interreligiösen Dialogs im Kontext Besetzungen im Einklang mit dem
Europas und im Nahen Osten. Forschungsprofil und zur Sicherung
der Grundlagenfächer
Theologie und Ethik im Diskurs der
Wissenschaften Fachliche Widmung:
(Religion und Theologie in einer Kirchengeschichte
pluralen Gesellschaft) (Territorialkirchengeschichte)
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
Menschenbilder und ethische Vorstellungen Professur „Kirchengeschichte [Territorialkirchen-
sind stark von religiösen Vorstellungen und geschichte]“ (voraussichtlich 1. Oktober 2023)
Traditionen geprägt, die entsprechend kritisch
reflektiert werden sollten. Um dem unter den Fachliche Widmung:
Bedingungen des modernen Pluralismus Religionswissenschaft
gesteigerten gesellschaftlichen und kirchlichen Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
Bedarf an ethischer Klärung nachkommen Professur „Religionswissenschaft“
zu können, bedarf es der ethischen Reflexion (voraussichtlich 1. Oktober 2024)
seitens der Theologie und anderer Wissen-
schaften. Im Besonderen liegt der Fokus auf Fachliche Widmung:
Fragen der Anthropologie, der interreligiösen Praktische Theologie
Medizin- und Pflegeethik, der Seelsorge sowie Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
auf der Diakoniewissenschaft. Deshalb wird die Professur „Praktische Theologie“
Zusammenarbeit mit der Katholisch-Theologi- (voraussichtlich 1. Oktober 2024)
schen Fakultät, der Rechtswissenschaftlichen
Fakultät sowie der Medizinischen Universität Professur nach Maßgabe budgetärer
Wien auf den Gebieten der Ethik und des Möglichkeiten
Rechts in der Medizin auf partnerschaftlicher
Ebene fortgesetzt. Fachliche Widmung:
Religionssoziologie (gemeinsam mit der
4.2.3 Professuren zum Stichtag Katholisch-Theologischen Fakultät; Mitwirkung
1. Oktober 2017 der Fakultät für Sozialwissenschaften bei der
Ausschreibung und Besetzung dieser Professur)
Zur leichteren Übersicht sind hier sämtliche
zum Stichtag 1. Oktober 2017 bestehenden
Professuren (§ 98 und § 99 Abs. 3 Universitäts-
gesetz 2002, inkl. allfälliger Vorziehprofessuren) 4.3 Rechtswissenschaftliche
angegeben. In eckiger Klammer sind die jeweils Fakultät
derzeit vertretenen Forschungsgebiete zur In-
formation angeführt. Rechtlich verbindlich sind
die außerhalb der eckigen Klammer stehen- 4.3.1 Zielsetzungen
den Bezeichnungen. Diese Momentaufnahme
präjudiziert in keiner Weise die im folgenden Die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Univer-
Abschnitt vorgenommenen und die zukünftigen sität Wien ist gemessen an der Studierendenzahl
Professurenwidmungen. die größte Rechtswissenschaftliche Fakultät im
deutschsprachigen Raum. Sie versteht sich als
•  Alttestamentliche Wissenschaft führende österreichische Juristenfakultät und ist
•  Kirchengeschichte international sehr gut sichtbar. Diese Positio-
•  Kirchengeschichte nierung kommt nicht nur in einem breiten Lehr-
[Territorialkirchengeschichte] angebot zum Ausdruck, sondern wird auch als
•  Neutestamentliche Wissenschaft Auftrag für eine fachlich breite, wissenschaftlich
•  Praktische Theologie exzellente Forschungstätigkeit verstanden.
•  Reformierte Theologie
[Systematische Theologie H.B.] Die gesellschaftliche Verpflichtung der Fakultät
•  Religionspädagogik verlangt es, in der Lehre den Schwerpunkt auf
•  Religionswissenschaft die wissenschaftliche Berufsvorbildung und
•  Systematische Theologie A.B. Berufsausbildung in den klassischen JuristIn-
nenberufen zu legen. Es ist daher ein Anliegen
4.2.4 Fachliche Widmung der Fakultät, in allen Fächern eine umfassende
künftiger Professuren und Kompetenz beizubehalten, woraus sich für die
Stand der Umsetzung Forschungsstrategie der Fakultät ein breites
Spektrum von Forschungsfeldern ergibt. Auch
Die Universität ist bei der Widmung von Pro- die in den Forschungsschwerpunkten angeführ-
fessuren an der Evangelisch-Theologischen ten Themen setzen durchgängig die Vernetzung
Fakultät an § 38 Abs. 2 Universitätsgesetz 2002 umfassender rechtswissenschaftlicher Kompe-
gebunden. tenzen voraus.

79
Eine allgemeine Zielsetzung der Fakultät besteht Problemstellungen von europäischer und in-
darin, den intensiven Austausch mit der Praxis ternationaler Bedeutung. In den verschiedenen
als angewandte Forschung sowohl auf natio- Fachbereichen wird jeweils auf international
naler als auch auf europäischer und internatio- relevante Themen großer Wert gelegt. Dabei
naler Ebene weiterzuentwickeln. Zugleich fühlt werden aktuelle Fragestellungen von grenzüber-
sich die Fakultät in allen Fachgebieten auch schreitender Relevanz zunehmend in Kooperati-
grundlagenorientierter Forschung verpflich- on verfolgt.
tet. Die Dominanz der Fakultät im Bereich des
rechtswissenschaftlichen Publikationsoutputs Neben der Fortführung und Vertiefung der
in Österreich soll weiter ausgebaut werden. Forschungstätigkeit in der gesamten Rechts-
Zudem soll darauf hingearbeitet werden, dass wissenschaft wird die Fakultät daher folgende
die rechtswissenschaftliche Forschung zum Forschungsschwerpunkte setzen und sich dabei
einen den Anforderungen von Europäisierung sowohl um inter- als auch intradisziplinäre Ver-
und Globalisierung gerecht wird und sich zum netzungen bemühen:
anderen (auch dadurch) noch besser im interna-
tionalen rechtswissenschaftlichen Wettbewerb Gesundheits- und Medizinrecht;
positioniert. Bioethik, Biotechnologierecht

Dies dient nicht zuletzt auch der Lehre, die Das Problem einer umfassenden Gesundheits-
insofern im besten Sinne forschungsgeleitet vorsorge stellt sich nicht nur isoliert in Öster-
in der Lage sein muss, die AbsolventInnen auf reich, sondern auch in sämtlichen Staaten der
die Berufspraxis von morgen und übermorgen Europäischen Union; dabei ist auch die internati-
vorzubereiten und zur Pflege des wissenschaftli- onale Entwicklung zu berücksichtigen. Dieses
chen Nachwuchses beizutragen. Thema kann daher in besonderer Weise in einer
internationalen und interdisziplinären Koopera-
Die Fakultät sieht sich auch in besonderem Maße tion wissenschaftlich bearbeitet werden. Dazu
dem Anliegen der „Third Mission“ verpflichtet, kommt, dass der Zuwachs an grenzüberschrei-
wobei sich vielfältige Anknüpfungspunkte in tenden Sachverhalten im Gesundheitssektor
Forschung und Lehre ergeben. In der Forschung (etwa im Bereich der medizinischen Forschung,
findet laufend ein intensiver Wissenstransfer des Arzneimittelmarktes oder der Organ- und
in die Praxis durch Publikationen und Vorträge Gewebetransplantation) zunehmend auch zur
statt, die sich auch an die Praxis richten, und Entstehung von inter- und supranationalen
Angehörige der Fakultät vermitteln rechtswis- Rechtsvorschriften in diesem Bereich führt, die
senschaftliche Erkenntnisse an Medien und die einer näheren Analyse bedürfen.
interessierte Öffentlichkeit.
In diesem Forschungsschwerpunkt sollen nicht
4.3.2 Themenfelder und nur die klassischen Themen des Gesundheits-
Forschungsschwerpunkte und Medizinrechts (z. B. Organisation des Ge-
sundheitswesens, Berufsrechte der Gesundheits-
Die Bildung von Forschungsschwerpunkten berufe, Krankenanstaltenrecht, Einwilligung und
muss an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät Aufklärung, Schweigepflicht und Datenschutz,
der Universität Wien aus den oben erwähnten zivil- und strafrechtliche Haftung, Arzneimittel-
Gründen im Kontext der Notwendigkeit der und Medizinprodukterecht, Rechtsfragen am
Erhaltung und Fortentwicklung der vollen Breite Lebensende, Leichenrecht, Bekämpfung anste-
der universitären Forschung und Lehre gesehen ckender Krankheiten, Zwangsmaßnahmen in
werden. Medizin und Pflege) fächerübergreifend behan-
delt werden. Auch die wachsenden Herausfor-
Die bestehenden Rechtsgebiete, auf die sich derungen, die sich für die Rechtsordnung durch
die Forschungstätigkeit an der Rechtswissen- neue medizinische Technologien stellen (z. B.
schaftlichen Fakultät bezieht, werden auch von Reproduktionsmedizin, Gentechnik, Stammzell-
der Rechtsordnung vorgegeben. Damit sind forschung, Tissue Engineering und regenerative
im Wesentlichen auch die Forschungsfelder Medizin), benötigen eine angemessene rechts-
festgelegt. Dabei sind Grundlagenforschung und wissenschaftliche Aufarbeitung und didaktische
anwendungsorientierte Forschung gleicherma- Vermittlung, die die Grenzen der traditionellen
ßen relevant und eng miteinander verbunden. juristischen Kernfächer überschreiten. Beglei-
tende rechtsethische Aspekte werden ebenso
Eine Rechtswissenschaftliche Fakultät der – auch in Verbindung mit den demografischen
Größenordnung der Rechtswissenschaftlichen Veränderungen der Gesellschaft – einbezogen.
Fakultät der Universität Wien hat auch im Be-
reich der Forschung umfassende Kompetenz zu Eingebunden in diese Forschungstätigkeit ist
prästieren. auch die Medizinische Universität Wien, insbe-
sondere im Rahmen des als fakultätsübergrei-
Die Rechtswissenschaftliche Fakultät setzt in fende Forschungsplattform etablierten Instituts
ihren Forschungsschwerpunkten verstärkt auf für Ethik und Recht in der Medizin und des

80
bestehenden Kooperationsvertrags zwischen Es gehört zu einer langen Tradition der Rechts-
der Universität Wien und der Medizinischen wissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien,
Universität Wien über die Zusammenarbeit auf den Gesetzgeber bei umfassenden Reformpro-
den Gebieten der Bio- und Medizinethik und des jekten wissenschaftlich zu begleiten, Reformen
Medizinrechts. anzustoßen, mit jeder Reform verbundene
Rechtsfragen zu lösen und für die Praxis aufzube-
Kodifikationen im Privatrecht reiten und diese Reformprojekte durch rechts-
vergleichende, rechtshistorische und europa-
Während die großen Privatrechtskodifikationen rechtliche Untersuchungen vorzubereiten. Der
des 19. Jahrhunderts den Anspruch hatten, Forschungsschwerpunkt ist insofern fächerüber-
das Privatrecht systematisch in einem Gesetz- greifend und nutzt die internationale Vernetzung
buch abschließend zu regeln, ist das Privat- durch zahlreiche Kontakte zu ausländischen
recht heute durch starke Rechtszersplitterung Einrichtungen sowie die Kooperation mit dem
gekennzeichnet. Neben das ABGB, das laufend European Law Institute (ELI). Beispielhaft können
punktuell reformiert und partiell neu kodifiziert aus jüngerer Zeit die Reform des Erbrechts, das
wird, sind zahlreiche Sondergesetze vor allem Erwachsenenschutzrecht, das Familienrecht, das
im Bereich des VerbraucherInnenprivatrechts Kreditvertragsrecht, das Verbraucherschutzrecht
getreten. Grund dafür ist die Notwendigkeit, das oder das Schadenersatzrecht genannt werden.
Privatrecht an geänderte gesellschafts- und wirt-
schaftspolitische Rahmenbedingungen anzupas- Die Europäisierung des Unternehmens-
sen sowie europäische Rechtsakte zu implemen- und Wirtschaftsrechts
tieren. Das Privatrecht ist heute mehrschichtig,
sowohl hinsichtlich des Regelungsorts, der Die europäische Rechtsentwicklung führt vor
Regelungsherkunft, der Regelungsdichte und der allem im Bereich des Unternehmensrechts zu
zeitlichen und historischen Rahmenbedingun- erheblichen Anpassungserfordernissen. Diese
gen, in denen einzelne Gesetze oder Regelungen Anpassungserfordernisse generieren insbe-
geschaffen wurden. Die erreichte Komplexität sondere folgende zentrale Tätigkeitsfelder: das
des Privatrechts lässt eine umfassende Neukodi- Gesellschaftsrecht, das Kapitalmarktrecht sowie
fikation des gesamten Privatrechts illusorisch er- das Wettbewerbsrecht, das Recht des gewerb-
scheinen. Die Herausforderung besteht vielmehr lichen Rechtsschutzes, das E-Commerce-Recht
darin, bei einzelnen Gesetzgebungsverfahren auf einschließlich des gesamten IT-Rechts, das
die Konsistenz der neuen Bestimmungen mit technologienahe Immaterialgüterrecht unter
dem Regelungsumfeld zu achten, um Systema- Berücksichtigung aktueller Technologieentwick-
tik zu wahren, Praktikabilität zu erzielen und lungen sowie das Insolvenz- und Restrukturie-
Rechtssicherheit zu schaffen. rungsrecht.

81
Das Binnenmarktziel der Europäischen Union den klassischen Instrumenten der Rechtsdurch-
führt im Unternehmens- und Wirtschaftsrecht zu setzung auch neue Konfliktregelungsmechanis-
einer fortschreitenden Rechtsangleichung und men etabliert (Alternative Dispute Resolution,
-vereinheitlichung und damit zu besonderen Diversion im Strafverfahren, Konfliktregelung im
Herausforderungen für die Rechtswissenschaft. Allgemeinen).
Dies gilt insbesondere für börsenotierte Gesell-
schaften, den technologienahen Bereich und Diese Entwicklungen erfassen das gesamte
das Kartellrecht. Auch der Einfluss der Grund- Verfahrensrecht in Zivil-, Verwaltungs- und Straf-
freiheiten auf das Gesellschaftsrecht steht nach sachen. Es besteht das Bedürfnis nach neuen
einer ersten Welle wegweisender Entscheidun- Strategien der Rechtsdurchsetzung, die dazu
gen erneut im Rampenlicht. beitragen, dass die gefundenen Kompromisse
auch in rechtlich verbindlicher Form gesell-
Diese Beispiele stehen nicht nur für eine konti- schaftliche Akzeptanz erlangen. Diese Verän-
nuierliche Steigerung der Regelungsdichte im derungen aufzuarbeiten, Risiken und Chancen
Unternehmens- und Wirtschaftsrecht, sondern neuer Konfliktregelungsmöglichkeiten aufzu-
auch für eine neue Qualität der Rechtsanglei- zeigen und diese Entwicklungen wissenschaft-
chung auf europäischer Ebene. Hand in Hand lich-kritisch zu begleiten, ist eine wesentliche
geht eine Europäisierung der einschlägigen Herausforderung für die kommenden Jahre,
Rechtswissenschaft: Rechtsvergleichende Arbeit der sich die Rechtswissenschaftliche Fakultät
und die Suche nach Best Practice-Beispielen verstärkt widmen wird.
prägen die Diskussion, rechtsökonomische Argu-
mentation und prinzipienbasierte Regulierung Rechtshistorische und
gewinnen an Bedeutung. Besondere Dynamik rechtsphilosophische Grundlagen
ergibt sich dabei aus dem EU-Austritt des Verei- der Europäischen Rechtskultur
nigten Königreichs.
Dieser Forschungsschwerpunkt aus dem Bereich
Nationale und internationale der Grundlagenfächer (Rechtsphilosophie,
Rechtsdurchsetzung und Religions- und Kulturrecht, Rechts- und Verfas-
Streitbeilegung im Wandel sungsgeschichte, Römisches Recht und antike
Rechtsgeschichte) soll sich mit der Vertiefung
Die Globalisierung bewirkt eine zunehmende der europäischen Perspektiven der Rechts-
Zahl von Verfahren mit grenzüberschreitenden entwicklung befassen. Insbesondere sind jene
und anderen internationalen Bezügen. Um Aspekte zu untersuchen, die sich im Zusam-
dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, befasst menhang mit der europäischen Integration als
sich dieser Forschungsschwerpunkt unter ande- Spezifika der europäischen Rechtskultur begrei-
rem mit der internationalen Dimension von Ver- fen lassen, was eine verstärkte Reflexion und
fahren, der Europäisierung des Verfahrensrechts, Erforschung der rechtskulturellen Dimension in
vergleichendem Verfahrensrecht sowie der einem weiteren europäischen Sinnkontext erfor-
Verschränkung des Internationalen Privatrechts derlich macht. Dies soll vor allem im Wege des
mit dem Internationalen Zivilprozessrecht. vertikalen (Rechtsgeschichte) und horizontalen
Besonderes Gewicht soll auf außergerichtliche (Rechtsvergleichung) Vergleichs geschehen, bei
Konfliktbeilegungsmechanismen mit interna- dem zum einen moderne Regelungslagen und
tionalen Aspekten gelegt werden. Im Rahmen Institutionen und zum anderen deren jeweilige
dieses Forschungsschwerpunkts wird auch die historische Entstehungsbedingungen und Ent-
historische Entwicklung von Konfliktregelungs- wicklungsverläufe analysiert und miteinander
mechanismen erforscht. verglichen werden sollen. Auf diese Weise sollen
die gemeinsamen Grundstrukturen der euro-
Nicht nur im grenzüberschreitenden Kontext sto- päischen Rechtsordnungen herausgearbeitet
ßen allerdings die bekannten Mechanismen der werden. Sämtliche juristische Grundlagenfächer
Rechtsdurchsetzung (behördliche Verfahren mit sind hier angesprochen.
Entscheidungen und Vollstreckung derselben)
in einer im Umbruch befindlichen Gesellschaft Die wachsende internationale Vernetzung
in letzter Zeit auf Grenzen. Zum einen empfin- und insbesondere die enge Verzahnung von
det die Gesellschaft behördliche Streitregelung Unionsrecht und nationalem Recht sind darüber
oftmals – zu Recht oder auch zu Unrecht – als hinaus auch eine große Herausforderung für
Ausdruck der herrschenden politischen Macht- die Methodenlehre. Die Rechtswissenschaft an
verhältnisse und daher als nicht am Schicksal der Universität Wien ist seit jeher in besonderer
der Betroffenen ausgerichtet und nicht gerecht. Weise methodisch orientiert. Diese methodische
Zum anderen werden solche obrigkeitlichen Tradition soll mit Blick auf diese neuen Heraus-
Entscheidungen bis auf wenige Bereiche der forderungen weitergeführt, kritisch hinterfragt
Gesellschaft auch immer weniger als befrie- und weiterentwickelt werden.
dend und konstruktiv für künftige Geschehen
angesehen. Nicht zuletzt deshalb haben sich
in so gut wie allen Bereichen des Rechts neben

82
Recht im multi- bzw. interkulturellen merkmale, die das Recht besonders aufmerksam
Kontext; Migrations- und und nachhaltig schützt. Aktuelle Forschungen
Integrationsrecht stellen das Zusammenwirken mehrerer Diskrimi-
nierungsmerkmale in den Fokus und verfolgen
Die zunehmende internationale Migration somit einen intersektionalen Ansatz im Antidis-
und die damit verbundene Veränderung der kriminierungsrecht.
Gesellschaft stellt die Rechtswissenschaft vor
vielfältige Herausforderungen, die sich quer Weiterhin sticht aber Geschlecht als Merkmal
durch die Rechtsordnung ziehen: Zunächst stellt hervor, da es stets sichtbar ist und dank globaler,
sich die Frage, mit welchen Instrumenten der traditionell verwurzelter und vielfach sozial
Staat, auch angesichts seiner völker-, unions- verankerter Vorstellungen von Geschlechterdif-
und grundrechtlichen Bindungen, Migration ferenzen als Herrschaftskategorie besonders
steuern kann, und zwar in all ihren Spielarten, wirkmächtig bleibt. Diese Herrschaftsdimension
von der Flucht- über die Arbeits- und Fami- mit Blick auf das Recht kritisch zu analysieren, ist
lien- bis hin zur Bildungsmigration. Sodann die zentrale Aufgabe der Legal Gender Studies.
löst Migration verschiedenste Folgefragen aus: Dabei geht es zunächst um die ganz grundle-
Für die Regulierung des Arbeitsmarkts, für die gende Frage, wie Geschlecht durch das Recht
Aufnahme von MigrantInnen in die Sozialsyste- hergestellt wird – so etwa in Debatten um eine
me und in das Bildungssystem, für ihre Stellung „dritte Option“ neben „männlich“ und „weiblich“
am Wohnungsmarkt und für ihre Integration. im Personenstandsrecht.
Schließlich ist unklar, was all das für eine Ge-
sellschaft bedeutet, die immer pluralistischer Beispielhaft seien einige weitere Herausforde-
wird, in der aber zugleich kulturelle und religiöse rungen angesprochen: Im Arbeitsrecht werden
Konflikte zunehmen. Diesen Fragen stellt sich Diskriminierungsverbote, positive Maßnahmen
der Forschungsschwerpunkt, nicht nur für das und geschlechtsspezifische ArbeitnehmerInnen-
positive österreichische Recht, sondern auch schutznormen verhandelt; das Unternehmens-
aus rechtsvergleichender, rechtshistorischer und recht ist durch Diskussionen über Quotenrege-
rechtsphilosophischer Perspektive. lungen für Aufsichtsräte betroffen; im Strafrecht
stehen Fragen des Schutzes der sexuellen
Antidiskriminierungsrecht und Legal Integrität im Zentrum, und im Zivilrecht werden
Gender Studies unter anderem geschlechtsspezifische Aspekte
des Zusammenlebens behandelt – sei es im
Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Religion Rahmen einer Lebensgemeinschaft, einer Ehe
oder Weltanschauung, Alter, sexuelle Orientie- oder eingetragenen Partnerschaft. Rechtshisto-
rung und Behinderung sind Persönlichkeits- rische und rechtsphilosophische Überlegungen

83
erweitern und vertiefen die rechtsdogmatischen lata als auch de lege ferenda unter Berücksich-
Perspektiven, wenn es etwa um die Zulässigkeit tigung der europäischen und internationalen
von Quotenregelungen geht, oder wenn Fragen Entwicklungen grundlegend neu bearbeitet
des rechtlich zu gestaltenden Zusammenlebens werden müssen. Dazu kommt, dass sich die
von Menschen unterschiedlicher Religionen und Digitalisierung auch auf die Strukturierung des
Kulturen auftreten, deren Konzepte hinsichtlich Rechts und seine Erscheinungsformen auswirkt,
der Stellung der Geschlechter bisweilen stark was wiederum Einfluss auf das Rechtsdenken
divergieren. hat. Für all diese Aspekte gilt, dass sich die
Forschungsfragen in fächerübergreifenden
Grund- und Menschenrechte in Zusammenhängen stellen und interdisziplinär
komplexen Herrschaftsbeziehungen gelöst werden müssen.

Herrschaft ist heute nicht mehr nur Staatsge- 4.3.3 P


 rofessuren zum Stichtag
walt, sondern wird auch von überstaatlichen 1. Oktober 2017
Instanzen und mächtigen Privaten ausgeübt,
in mehreren Ebenen und in einander überlap- Zur leichteren Übersicht sind hier sämtliche zum
penden Bereichen, manchmal fragmentiert, Stichtag 1. Oktober 2017 bestehenden Professu-
manchmal koordiniert und manchmal in ren (§ 98 und § 99 Abs. 3 Universitätsgesetz 2002,
Konkurrenz zueinander. Der Staat reguliert, inkl. allfälliger Vorziehprofessuren) angegeben.
überwacht und verbietet in zunehmendem Maß, Diese Momentaufnahme präjudiziert in keiner
aber er legitimiert dies heute stärker damit, dass Weise die im folgenden Abschnitt vorgenomme-
er die Grundfreiheiten der einen beschneiden nen und die zukünftigen Professurenwidmungen.
muss, um die Menschenrechte der anderen zu
schützen, und er arbeitet dabei vermehrt mit •  Arbeits- und Sozialrecht
internationalen Organisationen, supranationa- •  Arbeits- und Sozialrecht
len Instanzen und anderen Staaten zusammen. •  Bürgerliches Recht
Unternehmen haben wirtschaftliche Macht- •  Bürgerliches Recht
positionen aufgebaut, die es ihnen erlauben, •  Bürgerliches Recht
ihren MitarbeiterInnen, den MitbewerberInnen •  Europarecht
und den Staaten gegenüber gleichermaßen die •  Finanzrecht
Bedingungen zu diktieren. Suchmaschinen und •  Gesellschaftsrecht und Kapitalmarktrecht
soziale Medien verfügen über enorme Datenbe- unter besonderer Berücksichtigung seiner
stände und damit über immense Wissensmacht, Europäisierung
zu der wir alle als informelle MitarbeiterInnen be- •  Internationales Steuerrecht
reitwillig beitragen. Unter diesen Bedingungen •  Kriminologie und Kriminalistik
muss der Schutz der Grund- und Menschenrech- •  Medizinrecht
te quer durch die Rechtsgebiete neu gedacht •  Öffentliches Recht
werden. Der Forschungsschwerpunkt stellt sich •  Öffentliches Recht unter besonderer Berück-
dieser Herausforderung. sichtigung des Wirtschaftsverwaltungsrechts
•  Österreichische und europäische Rechtsge-
Digitale Wirtschaft – digitales Recht schichte
•  Privatrechtsvergleichung und Internationa-
In dem Maße, in dem sich menschliche Inter- les Privatrecht
aktionen, Vermögensgüter und wirtschaftlich •  Rechtsgeschichte
relevante Transaktionen von der analogen in die •  Rechtsphilosophie und Legal Gender Stu-
digitale Welt verlagern und analoge und digitale dies, § 99 Abs. 3 UG (vorerst befristet auf
Welt ineinander verfließen, ist auch das Recht sechs Jahre)
gefordert. Die Rechtsordnung muss in der Lage •  Rechtsphilosophie und Methodenlehre der
sein, neu auftretende Rechtsprobleme zu lösen Rechtswissenschaft
und steht in der Verantwortung, auch in der •  Rechtsvergleichung im europäischen Raum;
digitalen Zukunft für Rechtssicherheit und ein insbesondere im Bereich der Mitgliedsstaa-
lebenswertes Leben der BürgerInnen zu sorgen. ten der Europäischen Union im Bereich des
Rechtsfragen betreffend Vertragsmodelle der materiellen Zivil- und privaten Wirtschafts-
Sharing Economy, Smart contracts, 3-D-Printing, rechts
Datenwirtschaft, Internet der Dinge, künstliche •  Römisches Recht
Intelligenz und Robotik, soziale Medien und •  Römisches Recht (unter Berücksichtigung
Persönlichkeitsrechte, Crowdworking, Cybercri- der Privatrechtsentwicklung im Rechtsver-
me, neue Anforderungen an das Steuerrecht, gleich)
Wissensorganisation in Unternehmen sowie •  Staats- und Verwaltungsrecht
die von der Europäischen Kommission zu den •  Staats- und Verwaltungsrecht
prioritären Aufgaben erklärte Verwirklichung des •  Strafrecht und Strafprozessrecht
digitalen Binnenmarkts einschließlich kartell- •  Strafrecht und Strafprozessrecht III
rechtlicher Fragen sind Herausforderungen, die •  Strafrecht, Strafprozessrecht und
die Zukunft bestimmen und die sowohl de lege Kriminologie

84
•  Technologie- und Immaterialgüterrecht Fachliche Widmung:
•  Unternehmensrecht Medizinrecht
•  Unternehmensrecht unter besonderer Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
Berücksichtigung der Verschränkung mit Professur „Medizinrecht“
dem allgemeinen Zivilrecht (voraussichtlich 1. Oktober 2020)
•  Verfassungs- und Verwaltungsrecht
•  Verfassungs- und Verwaltungsrecht Fachliche Widmung:
•  Völkerrecht Österreichische und Europäische
•  Völkerrecht Rechtsgeschichte
•  Zivilgerichtliches Verfahren Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
•  Zivilrecht Professur „Österreichische und Europäische
•  Zivilrecht Rechtsgeschichte“
•  Zivilrecht (voraussichtlich 1. Oktober 2021)
•  Zivilverfahrensrecht
Fachliche Widmung:
4.3.4 Fachliche Widmung Strafrecht und Strafprozessrecht
künftiger Professuren und Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
Stand der Umsetzung Professur „Strafrecht und Strafprozessrecht III“
(voraussichtlich 1. Oktober 2021)
Professuren in Besetzung zum Stichtag
1. Oktober 2017 Fachliche Widmung:
Zivilverfahrensrecht
•  Antike Rechtsgeschichte und römisches Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
Recht Professur „Zivilgerichtliches Verfahren“
•  Internationales Recht (voraussichtlich 1. Oktober 2022)
•  Internationales Unternehmens- und
Wirtschaftsrecht Fachliche Widmung:
Zivilrecht
Besetzungen im Einklang mit dem Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
Forschungsprofil und zur Sicherung Professur „Bürgerliches Recht“
der Grundlagenfächer (voraussichtlich 1. Oktober 2022)

Fachliche Widmung: Fachliche Widmung:


Privatrecht, Internationales Privatrecht und Verfassungs- und Verwaltungsrecht
Rechtsvergleichung Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der Professur „Verfassungs- und Verwaltungsrecht“
Professur „Rechtsvergleichung im europäischen (voraussichtlich 1. Oktober 2023)
Raum; insbesondere im Bereich der Mitglieds-
staaten der Europäischen Union im Bereich des Fachliche Widmung:
materiellen Zivil- und privaten Wirtschaftsrechts“ Zivilrecht
(voraussichtlich 1. Oktober 2018) Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
Professur „Bürgerliches Recht“ (voraussichtlich
Fachliche Widmung: 1. Oktober 2024)
Europäisches und internationales
Zivilverfahrensrecht Fachliche Widmung:
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der Pro- Verfassungs- und Verwaltungsrecht
fessur nach § 99 Abs. 1 UG „Zivilverfahrensrecht“ Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
(voraussichtlich 1. Jänner 2019) Professur „Staats- und Verwaltungsrecht“
(voraussichtlich 1. Oktober 2024)
Fachliche Widmung:
Arbeits- und Sozialrecht Professuren nach Maßgabe budgetärer
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der Möglichkeiten
Professur „Arbeits- und Sozialrecht“
(voraussichtlich 1. Oktober 2019) Fachliche Widmung:
Innovation und Privatrecht
Fachliche Widmung:
Romanistische Grundlagen europäischer Fachliche Widmung:
Privatrechte Innovation und Öffentliches Recht
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
Professur „Römisches Recht“ Fachliche Widmung:
(voraussichtlich 1. Oktober 2019) Globalisierung und Rechtspluralismus

85
4.4 Fakultät für Die Lehre an der Fakultät ist auf allen Stufen
Wirtschaftswissenschaften forschungsbasiert. Sie soll Studierende dazu
anleiten, zunächst den aktuellen Stand der For-
schung zu verstehen und kritisch zu reflektieren,
4.4.1 Zielsetzungen um sie in einem weiteren Schritt zu befähigen,
Erkenntnisse in der Praxis anzuwenden sowie
Die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften ist eigene Forschung zu betreiben. Die Kenntnis
bestrebt, neben Spitzenleistungen in der For- und Beherrschung wissenschaftlicher Methoden
schung und der Lehre auch die Vermittlung von formt das Denken und hat in diversen Berufs-
Wissen in die Gesellschaft zu erbringen. feldern einen hohen Wert. Die Lehre stattet
somit auch Fachleute mit gutem methodischem
Die Forschung der Fakultät befasst sich mit Rüstzeug für die Wirtschaft, die Verwaltung oder
einem breiten Spektrum von Fragen aus den Nichtregierungsorganisationen aus.
Bereichen der Betriebswirtschaftslehre, Volks-
wirtschaftslehre, Statistik, Finanzwirtschaft, Die Fakultät ist offen für die Zusammenarbeit
Wirtschaftssoziologie und des Rechts der mit wissenschaftsnahen externen Partnern und
Wirtschaft. Diese Forschung ist getragen von strebt an, die traditionell engen Beziehungen
der Überzeugung, dass relevante Erkenntnis- zum Institut für Höhere Studien (IHS) weiter zu
se einem fruchtbaren Dialog von Theorie und pflegen und zu vertiefen.
Empirie entspringen. Einerseits gilt es, Theorien
systematisch mit der Realität zu konfrontieren, 4.4.2 Forschungsschwerpunkte
um sie zu überprüfen. Anderseits gilt es, die
Ergebnisse empirischer Validierung in die The- Die Fakultät hat fünf Forschungsschwerpunkte
oriebildung einfließen zu lassen. Diese quan- entwickelt, welche die Enge disziplinärer Blick-
titativ-analytische Ausrichtung der Forschung winkel überwinden und Ideen und Projekte aus
stellt ein wesentliches und in der internationalen verschiedenen Fachrichtungen zusammenbrin-
Wissenschaftsgemeinde positiv wahrgenom- gen sollen.
menes Charakteristikum der Fakultät dar. Diese
Ausrichtung wird gestützt durch Querschnittsbe- Menschen, Verhalten und die Wirtschaft
reiche, welche methodische Brücken zwischen
den traditionellen Bereichen schlagen sollen, Das Verhalten von Menschen in wirtschaftlichen
insbesondere die experimentelle Wirtschaftsfor- Entscheidungssituationen steht im Mittelpunkt
schung, die Datenanalyse und das Operations dieses Forschungsschwerpunkts. Während in
Research. betriebs- und volkswirtschaftlichen Modellen
notwendigerweise Annahmen über menschli- barkeit oder Knappheit bestimmen Wachstum
ches Verhalten gemacht werden müssen, um und Entwicklung. Die Asymmetrie ihrer Vertei-
Voraussagen machen zu können, testet die lung und Privatisierbarkeit durch wirtschaftende
experimentelle Wirtschaftsforschung diese An- AkteurInnen erzeugt strategisches Verhalten.
nahmen und Modelle. Das Zusammenspiel von Das Management von Ressourcen zielt auf den
theoretischen und experimentellen Ansätzen effizienten Einsatz von Ressourcen in wirtschaf-
ermöglicht eine realistischere Modellierung tenden Systemen ab, auf gesellschaftlicher
menschlichen Entscheidungsverhaltens. Die genauso wie auf unternehmerischer Ebene.
Ergebnisse dieser Forschung bilden heute eine Wirtschaftswissenschaftliche Analysen und
Grundlage für Anwendungen in fast allen an der Beiträge behandeln Wachstum und Entwicklung
Fakultät vertretenen Fächern; diese reichen von von Regionen, nachhaltige Umwelt- und Ener-
Analysen der Wirtschafts- und Regulierungs- giepolitik und -management, Produktion und
politik über die „Behavioral Finance“ bis zur Logistik in Wertschöpfungsketten, das Design
Behandlung betriebswirtschaftlicher Problem- von Bildungs- und Ausbildungssystemen ebenso
stellungen, z. B. in den Bereichen Marketing, wie effiziente Informationssysteme und deren
Strategie, Organisation und Personal sowie der Management.
Wirtschaftssoziologie.
Statistik und Risikoanalyse
Märkte und Institutionen im Wandel
In Zeiten der Verfügbarkeit von „Big Data“ aus
Transaktionskosten – Kosten, die mit dem nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen und
Austausch von Gütern und Leistungen in zunehmender Komplexität dieser Daten („High
wirtschaftenden Systemen einhergehen – sind Dimensional Data“) ist die Entwicklung geeigne-
mindestens so bedeutsam wie die Kosten, die ter statistischer Methoden zur Transformation
für die Produktion dieser Güter und Leistun- von Daten in Informationen dringlicher und
gen anfallen. Die effiziente Koordination von wichtiger als jemals zuvor. Zusammen stellen
Transaktionen in Märkten und Unternehmen „Big Data“ und „High Dimensional Data“ neue
durch institutionelles Design bildet eine ständig Herausforderungen für die Entwicklung von
neue Herausforderung sowohl für Staaten als Schätzungs- und Inferenzmethoden; dies gilt ins-
auch für Unternehmen im sich ungebrochen besondere für ökonometrische Anwendungen,
weiter intensivierenden, globalen Wettbewerb. wie zum Beispiel im Bereich von hochfrequenten
Wirtschaftswissenschaftliche Analysen und Finanztransaktionsdaten oder der Portfolio-
Anwendungen befassen sich mit den Effizienz­ selektion. Risikoanalyse und -management
wirkungen von Marktunvollkommenheiten und ist ein Sammelbegriff für eine große Familie
deren Beherrschung durch verfügungsrechtliche von Verfahren aus Statistik und stochastischer
„Governance“-Strukturen sowie vertraglichen Optimierung zur Modellierung von Unsicherheit
Anreizsystemen. und Risiko sowie deren Beherrschung. Anwen-
dungen sind von entscheidender Bedeutung
Unternehmensstrategien und -prozesse in der Analyse von Währungs-, Wertpapier- und
Energiemärkten, von Banken, Versicherungen
Die traditionelle Trennung von Strategieent- und anderen Finanzinstitutionen, der Corporate
wicklung durch Markt- und Umweltanalyse und Finance von Unternehmen, aber auch z. B. für
Organisationsentwicklung mit Blick auf das die Logistik und im Operations Management.
Design unternehmensinterner Prozesse löst sich
im modernen Unternehmen auf. An ihre Stelle 4.4.3 P
 rofessuren zum Stichtag
tritt das Strategische Management, das, selbst 1. Oktober 2017
ein Prozess, Unternehmensorganisation und
wertschöpfende Prozesse aufeinander abstimmt Zur leichteren Übersicht sind hier sämtliche zum
und auf sich zunehmend schneller verändernde Stichtag 1. Oktober 2017 bestehenden Professu-
Umweltbedingungen ausrichtet. Neben dem ren (§ 98 und § 99 Abs. 3 Universitätsgesetz 2002,
Strategischen Management im Speziellen sind inkl. allfälliger Vorziehprofessuren) angegeben.
das Technologie- und Innovationsmanagement In eckiger Klammer sind die jeweils derzeit
und das Supply Chain und Operations Manage- vertretenen Forschungsgebiete zur Information
ment hier besonders angesprochen. Beiträge angeführt. Rechtlich verbindlich sind die außer-
leisten aber offensichtlich auch alle anderen halb der eckigen Klammer stehenden Bezeich-
betriebswirtschaftlichen sowie einige volks- nungen. Diese Momentaufnahme präjudiziert
wirtschaftliche Fächer, wie z. B. die Industrielle in keiner Weise die im folgenden Abschnitt
Organisation und die Arbeitsmarktökonomik. vorgenommenen und die zukünftigen Professu-
renwidmungen.
Ressourcenmanagement
•  Angewandte Mathematik und Statistik
Ressourcen – natürliche, humane, finanzielle •  Angewandte Statistik
und informationelle Ressourcen – sind die •  Betriebswirtschaftslehre – Finanzwirtschaft
Grundbausteine allen Wirtschaftens. Ihre Verfüg- [Corporate Finance]

87
•  Betriebswirtschaftslehre – Personalwirt- 4.4.4 F
 achliche Widmung
schaft [Internationales Personalmanage- künftiger Professuren und
ment] Stand der Umsetzung
•  Betriebswirtschaftslehre – Produktion und
Logistik mit internationaler Schwerpunkt- Professuren in Besetzung zum Stichtag
setzung 1. Oktober 2017
•  Betriebswirtschaftslehre – Strategisches
Management •  Betriebswirtschaftslehre – Dienstleistungs-
•  Betriebswirtschaftslehre [Marketing] management/Finanzdienstleistungen
•  Betriebswirtschaftslehre •  Betriebswirtschaftslehre – Externes Rech-
[Industrie, Energie und Umwelt] nungswesen
•  Betriebswirtschaftslehre [Organisation und •  Verhaltensökonomik mit Anwendungen in
Planung] der Wirtschaftspolitik Österreichs
•  Betriebswirtschaftslehre
[Produktion und Operations Management] Besetzungen im Einklang mit dem
•  Betriebswirtschaftslehre [Controlling] Forschungsprofil und zur Sicherung
•  Computerverfahren [Statistik] der Grundlagenfächer
•  Development Economics [Volkswirtschafts-
lehre – Entwicklungs­ökonomik] Fachliche Widmung:
•  Finanzrecht Betriebswirtschaftslehre – Innovations- und
•  Finanzwirtschaft Technologiemanagement
[Betriebswirtschaftslehre – Finanzmärkte] Besetzungszeitpunkt: Finanzierung durch eine
•  Finanzwirtschaft und Mathematik vakante Professur aus dem Bereich der Fakultät
•  Marketing, Betriebswirtschaftslehre [Interna- (voraussichtlich ab 2018)
tionales Marketing]
•  Mikroökonomische Theorie; Methoden und Fachliche Widmung:
Anwendungen auf spezifische Fragestellun- Betriebswirtschaftslehre – International
gen (z. B. Auktionen, Außenwirtschaft, Gover- Business
nance, Regulierung, Arbeitsmarkt) Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden
[Volkswirtschaftslehre – Mikroökonomische der Professur „Betriebswirtschaftslehre IX“
Methoden und Anwendungen] (voraussichtlich 1. Oktober 2018)
•  Privatrecht mit besonderer Berücksichtigung
des Wirtschaftsrechts [Privat- und Fachliche Widmung:
Wirtschaftsrecht] Statistik und Stochastische Optimierung
•  Statistik Besetzungszeitpunkt: Finanzierung durch va-
•  Volkswirtschaftslehre [Volkswirtschaftslehre kante wissenschaftliche Stellen aus dem Bereich
– Makroökonomische Theorie] der Fakultät (voraussichtlich ab 1. Oktober 2018)
•  Volkswirtschaftslehre – Angewandte
Ökonomie im Bereich der Makroökonomie Fachliche Widmung:
(Applied Macroeconomics) [Volkswirtschafts- Statistik mit Anwendungen insbesondere in
lehre – Angewandte Makroökonomik] den Wirtschaftswissenschaften
•  Volkswirtschaftslehre – angewandte Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
Ökonomie im Bereich der Mikroökonomie Professur „Computerverfahren“ (voraussichtlich
(Applied Microeconomics) [Volkswirtschafts- 1. Oktober 2019)
lehre – Angewandte Mikroökonomik]
•  Volkswirtschaftslehre – Finanzwissenschaft Fachliche Widmung:
•  Volkswirtschaftslehre – Wirtschaftspolitik Betriebswirtschaftslehre – Marketing
•  Volkswirtschaftslehre (Industrieökonomik, Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden
Internationale Ökonomie) der Professur „Betriebswirtschaftslehre V“
•  Volkswirtschaftslehre [Volkswirtschaftslehre (voraussichtlich 1. Oktober 2020)
– Empirische Makroökonomik]
•  Volkswirtschaftslehre mit einer mikroökono- Fachliche Widmung:
mischen Ausrichtung [Volkswirtschaftslehre Volkswirtschaftslehre – Empirische
– Mikroökonomische Theorie] Makroökonomik
•  Wirtschaftssoziologie Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
Professur „Volkswirtschaftslehre II“
(voraussichtlich 1. Oktober 2022)

Fachliche Widmung:
Mathematische Methoden des Operations
Research
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der Pro-
fessur „Angewandte Mathematik und Statistik“
(voraussichtlich 1. Oktober 2023)

88
Fachliche Widmung: 4.5 Fakultät für Informatik
Betriebswirtschaftslehre – Internationales
Marketing 4.5.1 Zielsetzungen
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der Pro-
fessur „Marketing, Betriebswirtschaftslehre XIV“ Die Fakultät deckt nicht nur eine Vielzahl von
(voraussichtlich 1. Oktober 2023) Themen in den Kerngebieten der Informatik,
sondern auch in deren Anwendungsfeldern ab.
Fachliche Widmung: Dies gelingt insbesondere unter Berücksichti-
Betriebswirtschaftslehre – Produktion und gung des breiten Fächerspektrums an der Uni-
Operations Management versität Wien. Durch Interaktion und Vernetzung
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der mit einer Reihe von Fachbereichen prägt die
Professur „Betriebswirtschaftslehre XII“ Fakultät für Informatik ein unverwechselbares in-
(voraussichtlich 1. Oktober 2024) haltliches Profil aus. Interdisziplinäre Verbindun-
gen bestehen in den Bereichen:
Fachliche Widmung:
Finanzrecht für Wirtschaftswissenschaften •  Wirtschaftsinformatik zu den Wirtschafts­
(Mitwirkung der Rechtswissenschaftlichen Fakul- wissenschaften;
tät bei der Ausschreibung und Besetzung dieser •  Medieninformatik zur Publizistik- und Kom-
Professur) munikationswissenschaft sowie zur Theater-,
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der Film- und Medienwissenschaft;
Professur „Finanzrecht“ •  Data Science und Scientific Computing zu
(voraussichtlich 1. Oktober 2024) Mathematik, Chemie, Biologie und Wirt-
schaftswissenschaften;
Fachliche Widmung: •  Bioinformatik zur Mathematik, Chemie,
Statistik Biologie;
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der •  Computational Science zur Mathematik,
Professur „Statistik I“ Chemie, Biologie, Physik, Astronomie,
(voraussichtlich 1. Oktober 2024) Geowissenschaft, Pharmakologie;
•  Medizininformatik über Vernetzungen mit
Fachliche Widmung: der Medizin an der Medizinischen Universi-
Betriebswirtschaftslehre – Organisation und tät Wien.
Planung
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der Weitere Vernetzungen bestehen zu den Rechts-
Professur „Betriebswirtschaftslehre XI“ wissenschaften, zum Zentrum für LehrerIn-
(voraussichtlich 1. Oktober 2024) nenbildung, zur Pflegewissenschaft und zur
Psychologie. Zudem beteiligt sich die Fakultät
Professuren nach Maßgabe budgetärer für Informatik gemeinsam mit der Neurobiologie
Möglichkeiten und der Psycholinguistik am Aufbau und Ausbau
des Bereichs Neuro-/Kognitionswissenschaften
Fachliche Widmung: an der Universität Wien.
Business Analytics
Die Fakultät richtet ihre Forschungsaktivitä-
Fachliche Widmung: ten international aus und vernetzt sich aktiv
Energie- und Umweltökonomie auf nationaler und internationaler Ebene mit
anderen Universitäten und Forschungseinrich-
Fachliche Widmung: tungen. Grundlagenforschung und angewandte
Mikroökonometrie Forschung sollen in einem ausgewogenen
Verhältnis stehen. Technologietransferaktivitäten
Fachliche Widmung: sollen zur nachhaltigen Wirkung der Forschungs-
Quantitatives Risikomanagement aktivitäten beitragen.

Fachliche Widmung: 4.5.2 T


 hemenfelder und
Ökonomische Analyse des Rechts Forschungsschwerpunkte
Die strategische Ausrichtung der Fakultät für
Informatik orientiert sich in ihrer wissenschaft-
lichen Forschung an den drei Themenfeldern
„Computing“, „Knowledge“ und „Systems“, die
heute Kerngebiete mit hoher Relevanz darstel-
len.

Computing: Prinzipien, Methoden und Techni-


ken der Informatik werden weiterentwickelt und
in Verbindung mit Technologien der Informa-

89
tions- und Kommunikationstechnologie (IKT) temen zunehmend an Bedeutung. Die Konver-
zur Lösung von Aufgabenstellungen in anderen genz von Medien und Netztechnologie wird sich
Wissenschaftsdisziplinen herangezogen. künftig noch weiter verstärken, wodurch eine ge-
samtheitliche, systemorientierte und interdiszip-
Knowledge: Der Themenbereich „Knowledge“ linär ausgerichtete Betrachtung immer wichtiger
umfasst alle Strukturen und Prozesse der wird. Aspekten der Mensch-Maschine-Interaktion
Informatik, welche das Sammeln, Organisieren, und der Medienperzeption wird hierbei eine
Aufbereiten, Analysieren, Darstellen und Verbrei- besondere Bedeutung zukommen.
ten von Wissen in all seinen Formen ermöglicht
und auch die Entwicklung neuen Wissens durch All diesen Herausforderungen stellt sich die
Lernprozesse und Kooperation erlaubt. Fakultät im Forschungsschwerpunkt Distributed
and Multimedia Systems. Einerseits werden
Systems: Unter Systemen in der Informatik ver- sowohl technologisch orientierte Forschungsfra-
steht man den ganzheitlichen Zusammenhang gen in Bereichen des Internets der Zukunft, der
von Objekten oder Prozessen, die voneinander service-orientierten Systeme, des Cloud Compu-
abhängig sind, ineinandergreifen oder zusam- ting, der Kooperativen Systeme, IT-Infrastruktur
menwirken. für Industrie 4.0, massiv verteilter, autonomer
Systeminfrastrukturen für z. B. Internet of
Im Spektrum dieser drei Themenfelder fokussiert Things – oder Blockchain-Anwendungen sowie
sich die Fakultät für Informatik auf folgende des Entertainments betrachtet. Andererseits ist
Forschungsschwerpunkte, die auch ein entspre- auch in den Anwendungen dieser Systeme und
chendes Entwicklungspotenzial besitzen. ihren ökonomischen Auswirkungen ein hohes
Forschungspotenzial zu erkennen.
Distributed and Multimedia Systems
Advanced Laboratories: Durch Zusammenfüh-
Informations- und Kommunikationstechnologie ren von verschiedenen grundlegenden und in
sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzuden- Entwicklung befindlichen neuen Technologien
ken. Die allgegenwärtige Präsenz wird immer sollen Machbarkeit und Lösungsansätze im
mehr zur Kerncharakteristik von informations- Rahmen von prototypischen Systemen illustriert
verarbeitenden Systemen. Die dadurch entste- und nachweisbar gemacht werden.
henden neuen Herausforderungen – wie zuneh-
mend komplexer werdende Systeme oder der Experimental Environments: Um den Transfer
Umgang mit großen Datenbeständen (inklusive von technologischen Ansätzen und wissen-
Multimedia-Daten) – gilt es zu meistern. Daher schaftlichen Erkenntnissen aus der Wissenschaft
gewinnen – nicht nur in der IT-Forschung, son- in die Wirtschaft zu unterstützen sowie eine
dern auch in der Anwendung – Qualitätsaspekte, wirtschaftliche Verwertung zu ermöglichen,
Architekturen, Datenmodelle, Visualisierung und werden Anwendungen experimentell aufgebaut
Sicherheit von verteilten und multimedialen Sys- und evaluiert.

90
Algorithms, Software and Computing immer anspruchsvollere Informationssyste-
Technologies me unterstützt werden muss. Die Komplexität
und Vielfalt der Digitalisierungsthemen wird
Für die Modellierung, Analyse, Visualisierung, nicht nur durch entsprechend positionierte
Simulation und Optimierung von komplexen Forschungsansätze adressiert, sondern auch
Abläufen, Datenstrukturen und dynamischen durch einen gestaltungsorientierten Ansatz, der
Datenströmen, wie sie in der Natur, in den auch disruptive Technologien mitbetrachtet.
Wissenschaften, in der Technik oder bei indus- Dieser Überlegung folgend wurde eine Struktur
triellen Prozessen auftreten, bedarf es laufend definiert, in der die Themengebiete als Enabling
neuer Technologien. Um jene zu entwickeln und Approaches gebündelt sind und Advanced
anzuwenden, beschäftigt sich die Fakultät im Laboratories sowie experimentelle Umgebungen
Forschungsschwerpunkt Algorithms, Software (Experimental Environments) der prototypi-
and Computing Technologies mit grundlegen- schen Umsetzung und Validierung entwickelter
den Algorithmen- und Software-Technologien in Lösungsansätze dienen.
der Informatik sowie im Überlappungsbereich
der Informatik mit den universitätsweiten For- Enabling Approaches umfassen dabei die For-
schungsaktivitäten im Bereich Computational schung an und die Entwicklung von Ansätzen,
Science und Data Science. Die Forschungsaktivi- Methoden und Werkzeugen für die Themenge-
täten konzentrieren sich dabei auf folgende, sich biete Business Intelligence, Cloud-Modelle, Expe-
gegenseitig ergänzende Teilbereiche: rimental and Technology-enhanced Learning,
Hinsichtlich des breiten Spektrums von Com- Flexible and Connected Processes, Intelligent
puterarchitekturen, das von Workstations über and Agile Agents sowie Semantic Technologies.
Parallelrechner und Supercomputer bis hin zu
heterogenen verteilten Systemen und Cloud-In- Advanced Laboratories: Im Rahmen von gestal-
frastrukturen reicht, stehen die dafür benötigten tungsorientierter Forschung werden prototy-
programmiertechnischen Konzepte und Syste- pische Umsetzungen unter Verwendung von
me im Fokus. Im methodisch/algorithmischen Emergent Technologies entworfen, realisiert
Bereich steht die Entwicklung und Adaptierung und validiert. Unter Verwendung von konkre-
neuer algorithmischer Konzepte sowohl im ten Use Cases ist es möglich, die entwickelten
numerischen als auch im kombinatorischen Modelle in einem Experimental Environment
Bereich im Vordergrund. Betreffend die Verarbei- zu evaluieren. Somit ergibt sich auch die Mög-
tung von komplexen Datenstrukturen und dyna- lichkeit, die Symbiose der virtuellen und realen
mischen Datenströmen in der Bioinformatik, der Welt, die durch die Digitalisierung entsteht,
Wirtschaftsinformatik, den Naturwissenschaften greifbar zu machen.
und den Sozialwissenschaften stehen u. a. neue
Methoden im Bereich der Datenintegration, des Experimental Environments: Der Fokus liegt auf
Data Mining und maschinellen Lernens sowie der praktischen Anwendung von Forschungs-
der visuellen Datenanalyse und des Human-cen- ergebnissen, insbesondere in den Bereichen
tered Design im Vordergrund. Internet of Things, Cyber-Physical Systems und
Factories of the Future.
Spezielle Anwendungsgebiete dieses For-
schungsschwerpunkts umfassen insbesondere 4.5.3 P
 rofessuren zum Stichtag
die Verarbeitung sehr großer Datenmengen, 1. Oktober 2017
Simulationen und computergestützte Verifika-
tion von Hard- und Software sowie vielfältige Zur leichteren Übersicht sind hier sämtliche zum
Internet-Anwendungen. Stichtag 1. Oktober 2017 bestehenden Professu-
ren (§ 98 und § 99 Abs. 3 Universitätsgesetz 2002,
Knowledge-Based Methods and inkl. allfälliger Vorziehprofessuren) angegeben.
Technologies for Digitalisation Diese Momentaufnahme präjudiziert in keiner
Weise die im folgenden Abschnitt vorgenomme-
Der Forschungsschwerpunkt basiert auf der nen und die zukünftigen Professurenwidmungen.
Annahme, dass reale und digitale Welt künftig
zunehmend konvergieren. Der Schwerpunkt •  Angewandte Informatik
beschäftigt sich primär mit den Forschungs- •  Biochemische Modellierung (Doppelprofes-
fragen, die in diesem Transformationsprozess sur 50 %; 50 % an der Fakultät für Chemie)
entstehen. •  Bioinformatik (20 %; 80 % an den Max F.
Perutz Laboratories)
Im Kontext eines ganzheitlichen Engineering- •  Computational Science – Algorithmik und
Ansatzes liegt der Fokus des Forschungsschwer- Informations- und Kommunikationstechno-
punkts auf den Konzepten Wissen, Methoden logie
und Technologien. Die Digitalisierung – als •  Computational Science – Mathematische
Verflechtung von IKT mit Gütern und Dienstleis- Modellierung und Algorithmik in Anwen-
tungen („Internet of Things“) – führt zu einem dungsgebieten (Doppelprofessur 50 %; 50 %
komplexen verteilten Ökosystem, das durch an der Fakultät für Mathematik)

91
•  Computational Technologies and 4.6 Historisch-Kulturwissen-
Applications schaftliche Fakultät
•  Data Mining
•  Informatik
•  Informatik (Workflow-Systeme) 4.6.1 Zielsetzungen
•  Informatik (Kooperative Systeme)
•  Scientific Computing – Parallel and Die Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Distributed Systems hat die Aufgabe, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft
•  Softwarearchitekturen und Kultur in ihren historischen Dimensionen
•  (Scientific) Visualisation zu erforschen und dadurch Erinnerungskulturen
•  Wirtschaftsinformatik I von Individuen und Gesellschaften kritisch zu re-
•  Wirtschaftsinformatik II flektieren und zu analysieren. Dies bildet die Vor-
aussetzung für eine differenzierte Wahrnehmung
4.5.4 Fachliche Widmung der Vergangenheit und der Gegenwart sowie für
künftiger Professuren und ein gesellschaftliches und individuelles kreatives
Stand der Umsetzung Handeln, das die Zukunft verantwortungsbe-
wusst gestaltet. Was an der Fakultät erarbeitet
Professuren in Besetzung zum Stichtag wird, macht sie auch der Öffentlichkeit zugäng-
1. Oktober 2017 lich und bringt damit im Sinne einer umfassen-
den Bildung Kompetenzen (Grundwissen, Ori-
•  Communication Technologies entierungswissen) in den Gesellschaftsprozess
•  Didaktik der Informatik (gemeinsam mit dem ein: Das geschieht über Schulen, Museen (z. B.
Zentrum für LehrerInnenbildung) mittels Ausstellungen), Bibliotheken, Archive,
•  Neuroinformatik über die Denkmalpflege, über andere Kulturein-
richtungen und über Veröffentlichungen (Print,
Professuren nach Maßgabe budgetärer Web und neue Soziale Medien, Rundfunk, Fern-
Möglichkeiten sehen, Film), deren MitarbeiterInnen auch an
der Fakultät ausgebildet werden. In diesem Zu-
Fachliche Widmung: sammenhang erfolgt zum einen die Kooperation
Security and Privacy zwischen Fachwissenschaft und Fachdidaktik
und zum anderen mit dem Zentrum für Lehrer­
Fachliche Widmung: Innenbildung bzw. der Fakultät für Philosophie
Machine Learning und Bildungswissenschaft in der Ausbildung
(gemeinsam mit der Fakultät für Mathematik) von LehrerInnen, ebenso die Kooperationen der
Wissenschaft mit öffentlichen Institutionen wie
Fachliche Widmung: Museen sowie der Österreichischen Akademie
Theoretische Informatik der Wissenschaften. Zudem gibt es zahlreiche
Kooperationen innerhalb der Fakultät zwischen
Fachliche Widmung: den Fächern, etwa den archäologischen Fä-
Human-Computer-Interaction chern, die insbesondere im Bereich der Lehre in
der Methodenausbildung wirksam werden. Da-
Fachliche Widmung: rüber hinaus bestehen zahlreiche und intensive
Internet Computing interfakultäre Kooperationen in Forschung und
Lehre etwa mit der Philologisch-Kulturwissen-
Fachliche Widmung: schaftlichen Fakultät, der Fakultät für Philoso-
Quantum Software Computing Concepts phie und Bildungswissenschaft und der Fakultät
(Mitwirkung der Fakultät für Physik bei der Aus- für Sozialwissenschaften.
schreibung und Besetzung dieser Professur)
Die Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Fachliche Widmung: gehört zu den größten und vielfältigsten ihrer
Computational Medicine Art und entspricht darin den Erwartungen an
(gemeinsam mit der Medizinischen Universität eine große Hauptstadtuniversität. Forschung
Wien; Fakultät für Informatik oder Fakultät für und Lehre sind allen Epochen der Menschheits-
Mathematik in Abhängigkeit vom Ausschrei- geschichte gewidmet; geographisch erstrecken
bungsergebnis) sich die Arbeiten auf den europäischen Raum,
den Mittelmeerraum, den asiatischen Raum und
Fachliche Widmung: im Rahmen globalgeschichtlicher Fragestellun-
Digitale Textwissenschaften gen auch darüber hinaus. Insgesamt zeigt die
(gemeinsam mit der Philologisch-Kulturwissen- Fakultät ein charakteristisches Profil, welches
schaftlichen Fakultät) der besonderen Position der Universität Wien
im Donauraum mit einer spezifischen Vergan-
genheit, Gegenwart und Zukunft in Europa und
der Welt Rechnung trägt und sich zudem auf
aktuelle Konzepte in den historischen Kultur-

92
wissenschaften bezieht. Die Konzepte zielen auf Fakultät von Bedeutung, aber ebenso dort ange-
die Beobachtung der Welt als ein komplexes Ge- siedelte Themenfelder zu Europäischen Kulturen
samtsystem, das sich nicht nur aus der europä- und Identitäten, Globale Kulturen und Identitä-
ischen Kultur und Geschichte heraus verstehen ten oder der Forschungsschwerpunkt Kulturelle
lässt, sondern auch eine Reflexion in Bezug auf und gesellschaftliche Transformationen in Asien
die besondere Rolle Europas darstellt. Zudem und Afrika.
fühlt sie sich verpflichtet, die damit verbundenen
Forschungsergebnisse für eine gesellschaftliche Gesellschaft aus historisch-
Weiterentwicklung nutzbar zu machen und kulturwissenschaftlicher Perspektive
daher auch über den akademischen Kreis hinaus
zu vermitteln. Dieses Themenfeld widmet sich in vier For-
schungsschwerpunkten der gesellschaftlichen
4.6.2 Themenfelder und Produktion und Konstruktion von Realitäten:
Forschungsschwerpunkte „Gemeinschaft, Konflikt, Integration“, „Dik-
taturen, Gewalt, Genozide“, „Wirtschaft und
Die Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät Gesellschaft aus historisch-kulturwissenschaft-
vereint eine große Vielfalt an Disziplinen und bie- licher Perspektive“, „Frauen- und Geschlech-
tet eine thematische Breite von Untersuchungs- tergeschichte“. Die Forschungsschwerpunkte
gegenständen und Erkenntniswegen: Textliche akzentuieren Fragen nach der Genese und dem
Überlieferungen, materielle Relikte, visuelle Wandel kollektiver Identitäten: Diese werden
Medien aus allen Epochen, audio-visuelle und vornehmlich als Konstruktionen behandelt, die
auditive Quellen sowie Medien und ethnogra- als religiöse, politische, soziokulturelle kollektive
phische und mediale Quellen in Vergangenheit Gefüge fortwährend hergestellt wurden und
und Gegenwart bilden die Grundlage für die werden. Weiters geht es um die Schaffung und
Erforschung von Handlungen und Vorstellungen Etablierung von Gewaltregimen, aber auch um
im Hinblick auf den Geschichtsprozess. das gesellschaftliche Fortwirken der Erfahrung
von Krieg und Massenmord über das Ende der
Räume aus historisch- Regime hinaus, dessen postdiktatorische Wand-
kulturwissenschaftlicher Perspektive lungs- und Aufarbeitungsprozesse beleuchtet
werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem als
Das zugrundeliegende Konzept von Raum ist „Epoche der Gewalt“ apostrophierten 20. Jahr-
komplex. Räume werden als historisch-dyna- hundert. Im Forschungsschwerpunkt „Wirtschaft
misch, stets neu entstehend und ausgehan- und Gesellschaft aus historisch-kulturwissen-
delt, aufeinander bezogen und miteinander schaftlicher Perspektive“ werden Phänomene
verschränkt verstanden. Österreichs Position im von Wirtschaft und Gesellschaft vor allem als
geopolitischen Zusammenhang der ehemaligen soziokulturelle und ökonomische Systeme,
Habsburger-Monarchie und der Nachfolgestaa- Strukturen und Prozesse auf Makro-, Meso- und
ten wird ebenso untersucht wie die Geschichte Mikroebenen untersucht. Kulturwissenschaftlich
Europas in ihren räumlichen, politischen, wirt- wird dabei zudem nach Symbolisierungen und
schaftlichen und soziokulturellen Transformati- Beziehungen ebenso gefragt wie nach kollekti-
onen. Von besonderer Bedeutung ist der Mittel- ven und individuellen, alltagspraktischen sowie
meerraum, auch aufgrund der in Wien außerhalb diskursiven Selbst- und Fremdverortungen sowie
der Universität vorhandener Forschungsressour- nach dem Menschen als „animal symbolicum“,
cen und traditionellen Anbindungen an medi- das sich fortwährend autobiographisch konst-
terrane Regionen. Die globale Perspektive stellt ruiert und sich und seiner sozialen Welt in Prak-
nicht nur eine Notwendigkeit an einer modernen tiken und Artefakten (etwa des Handwerks, der
Hauptstadtuniversität im 21. Jahrhundert dar Industrie, der Künste, der Populärkultur) Sinn
sowie eine der Gegenwart angemessene For- und Bedeutung gibt. Der Forschungsschwer-
schungsperspektive wie im Forschungsschwer- punkt „Frauen- und Geschlechtergeschichte“
punkt „Globalgeschichte“, sondern sie kann (auf- fokussiert den Konstruktionscharakter dieser
bauend auf zahlreiche Vorhaben in regionalen nur vermeintlich universell-biologischen und
Kulturwissenschaften, Area Studies), etwa mit sozio-kulturellen Kategorien, deren Definitionen
dem Fokus auf Asien, gleichfalls an historische und gesellschaftliche Operationalisierungen
Verflechtungen anknüpfen und internationale nach Zeit und Ort sehr unterschiedlich sein
sowie transdisziplinäre Perspektiven eröffnen. können: Besondere Aufmerksamkeit werden
Diesem Verständnis entsprechen in der Analyse der Selbstwahrnehmung, der Erinnerung und
des gesellschaftlichen Raums die Forschungs- der Sichtbarmachung von Geschlecht als einer
schwerpunkte „Österreich in seinem Umfeld“, performativ verhandelten Ordnungskategorie
„Kulturen des euromediterranen Raums und des Sozialen gewidmet. Etliche Kooperationen
Altertumswissenschaften“ sowie „Historisch- u. a. mit dem an der Fakultät für Sozialwissen-
Kulturwissenschaftliche Europawissenschaften“. schaften verankerten Forschungsschwerpunkt
Anknüpfende Forschungen und damit auch Geschlecht und Transformation bereichern die
Kooperationen sind für zahlreiche Area Studies Forschungen des Themenfelds.
z. B. in der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen

93
Wissen aus historisch- Arbeiten im Bereich der Medien schaffen die
kulturwissenschaftlicher Perspektive unverzichtbaren Grundlagen für jede kulturwis-
senschaftliche und/oder historische Forschung.
Die Entstehung und Transformation von Wis- Diese kulturhistorischen Phänomene können
sensgesellschaften und Wissenskulturen stehen und müssen in den Diskurs über Geschichte
im Mittelpunkt von historisierenden Zugängen. einbezogen werden, sind dort aussagekräftig
Wissenschaftsgeschichte, im allgemeinhistori- und gewinnen vor diesem Hintergrund an Ver-
schen Kontext betrieben, gehört zu den profil- ständlichkeit. Ein besonders aktuelles Thema ist
bildenden Charakteristika der Fakultät. Wissen die Kulturgeschichte der Kommunikation, wie
wird als Paradigma in politischen, sozialen und sie auch von den materiellen Zeugnissen her ge-
kulturellen Konstellationen begriffen. Untersucht schrieben werden kann. Dieses Themenfeld wird
werden unterschiedliche Wissensformen (wie insbesondere innerhalb der Forschungsschwer-
informelles Wissen, tacit knowledge, gesichertes punkte „Materielle Kultur“ und „Visuelle Kultur-
Wissen, …) und ihr jeweiliger gesellschaftlicher geschichte – Kulturen und Medien des Visuellen“
Status sowie ihre kulturellen Sinngebungen. Wie untersucht, ferner im Bereich „Text und Edition –
und wo sich Wissen durch wen formiert, wo und Editorik“ durchgeführt. Der historisch ausgerich-
inwiefern es zu einer gesellschaftlich einflussrei- tete Forschungsschwerpunkt „Visuelle Kulturge-
chen Ressource wird und wo bzw. wann nicht, schichte – Kulturen und Medien des Visuellen“
wie darüber verfügt wird bzw. welche Wissens- und der auf Fotografie und Film fokussierende
formen von wem privilegiert werden, ist Gegen- „Visual Studies in den Sozialwissenschaften“ in
stand dieses Themenfelds, das in zwei großen der Fakultät für Sozialwissenschaften ergänzen
Bereichen verankert ist. „Wissenschaftsgeschich- einander.
te – Wissenskulturen – Wissensgesellschaften“
und „Digital Humanities“ unter Einbeziehung des 4.6.3 P
 rofessuren zum Stichtag
Digital Heritage analysieren in unterschiedlichen 1. Oktober 2017
Dimensionen Referenz und Relevanz von Wissen.
So werden Erkenntnisgewinn, seine Stabilisie- Zur leichteren Übersicht sind hier sämtliche zum
rung und Aushandlung im Sinne eines Prozesses Stichtag 1. Oktober 2017 bestehenden Professu-
vom unsicheren zum wissenschaftlichen Wissen ren (§ 98 und § 99 Abs. 3 Universitätsgesetz 2002,
verfolgt, unterschiedliche Formen des Wissens inkl. allfälliger Vorziehprofessuren) angegeben.
analysiert sowie die Umwandlung von Wissen Diese Momentaufnahme präjudiziert in keiner
auch in den neuesten Medien reflektiert und Weise die im folgenden Abschnitt vorgenomme-
aufbereitet. Mit dem Forschungsschwerpunkt nen und die zukünftigen Professurenwidmungen.
„Digital Humanities“, werden neue Methoden
und Auswertungsstrategien der Kultur- und •  Ägyptologie (mit Schwerpunkt Archäologie)
Geschichtswissenschaften verfolgt. Dies erfolgt •  Alte Geschichte und Papyrologie
in Kooperation mit anderen Fakultäten und der •  Asiatische Kunstgeschichte
Österreichischen Akademie der Wissenschaften •  Byzantinische Kunstgeschichte
und der Ludwig Boltzmann Gesellschaft. Koope- •  Byzantinistik
rationen bestehen mit den Forschungsschwer- •  Byzantinistik – Hilfswissenschaften für die
punkten Theorien des Wissens, der Wissenschaf- Bereiche Byzantinistik und Neogräzistik
ten und des Sozialen (Fakultät für Philosophie •  Didaktik der Geschichte (gemeinsam mit
und Bildungswissenschaft) und Wissensge- dem Zentrum für LehrerInnenbildung)
sellschaften in Zeiten turbulenten Wandels: •  Digital Humanities
Wissenschaft, Materialität und öffentliche Räume •  Etruskologie und Italische Altertumskunde
(Fakultät für Sozialwissenschaften). •  Europäische Ethnologie
•  Geschichte der Neuzeit – Frauen- und
Medien aus historisch- Geschlechtergeschichte
kulturwissenschaftlicher Perspektive •  Geschichte der Neuzeit II
•  Geschichte der Neuzeit/Schwerpunkt
Medien der Überlieferung, der Kommunikation Frühe Neuzeit
und der Vermittlung kulturhistorischer Äußerun- •  Geschichte des Hoch- und Spätmittelalters
gen und Phänomene in den Blick zu nehmen, •  Geschichte des Mittelalters und historische
gehört zu den genuinen Aufgaben der Fakultät. Hilfswissenschaften
Art und Herkunft der Quellen sind sehr divers – •  Geschichte Ostmitteleuropas/„nation
teils befinden sie sich (noch) in der Landschaft building“
oder unter der Erde, teils werden sie in fakul- •  Geschichte Südosteuropas
tätseigenen Sammlungen oder in Museen, in •  Geschichte und Theorie von Medienkulturen
Archiven und Bibliotheken aufbewahrt oder über (18. bis 20. Jahrhundert)
Interviewforschungen oder in teilnehmender •  Geschichte, Religion und Literatur des
Beobachtung generiert. Die Erschließung und Judentums in rabbinischer Zeit
Interpretation dieser unterschiedlichen Quellen (70 bis 1000 n. Chr.)
erfordern spezielle Theorien und Methoden, die •  Gesellschaften und Kulturen der Erinnerung
im interdisziplinären Dialog zu verhandeln sind. im östlichen Europa

94
•  Griechische Geschichte, Altertumskunde •  Urgeschichte des Menschen
und Epigraphik •  Wirtschafts- und Sozialgeschichte
•  Historische Hilfswissenschaften/ •  Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Schwerpunkt Mittelalter der Neuzeit
•  Islamische Kunstgeschichte •  Wirtschafts- und Sozialgeschichte
•  Judaistik des Mittelalters
•  Judaistik •  Zeitgeschichte
•  Klassische Archäologie •  Zeitgeschichte
•  Klassische Archäologie
•  Kunstgeschichte des Mittelalters 4.6.4 F
 achliche Widmung
•  Mittlere und Neuere Kunstgeschichte künftiger Professuren und
•  Neogräzistik Stand der Umsetzung
•  Neuere Kunstgeschichte
(mit einem Schwerpunkt im Barock) Professuren in Besetzung zum Stichtag
•  Neueste Kunstgeschichte 1. Oktober 2017
•  Numismatik und Geldgeschichte
•  Österreichische Geschichte •  Geschichte der Neuzeit: Wissenschafts-
•  Österreichische Geschichte – Geschichte geschichte
der Habsburgermonarchie seit dem •  Globale Wirtschafts- und Sozialgeschichte
16. Jahrhundert •  Historische Dimensionierung von Alltags-
•  Österreichische Geschichte im 19. und kulturen
20. Jahrhundert •  Wirtschafts- und Sozialgeschichte unter be-
•  Römische Geschichte, Altertumskunde sonderer Berücksichtigung der Geschichte
und Epigraphik der Weltwirtschaft im 19. und 20. Jahrhun-
•  Russische Geschichte dert
•  Spätantike und Frühchristliche Archäologie •  Zeitgeschichte – Vergleichende Diktatur-,
•  Ur- und Frühgeschichte Gewalt- und Genozidforschung
•  Ur- und Frühgeschichte sowie Landscape •  Zeitgeschichte: Kulturgeschichte – Wissens-
und Environmental Archaeology und Geschlechtergeschichte

95
Besetzungen im Einklang mit dem und Geschlechtergeschichte“
Forschungsprofil und zur Sicherung (voraussichtlich 1. Oktober 2024)
der Grundlagenfächer
Fachliche Widmung:
Fachliche Widmung: Historische Archäologie
Klassische Archäologie Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der Professur „Ur- und Frühgeschichte“
Professur „Klassische Archäologie“ (voraussichtlich 1. Oktober 2024)
(voraussichtlich 1. Oktober 2020)
Professuren nach Maßgabe budgetärer
Fachliche Widmung: Möglichkeiten
Geschichte der Neuzeit – Historische Europa-
forschung Fachliche Widmung:
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der Public History
Professur „Geschichte der Neuzeit II“ (voraus-
sichtlich 1. Oktober 2021) Fachliche Widmung:
Cultural Heritage
Fachliche Widmung:
Zeitgeschichte: Österreichische Zeitgeschichte Fachliche Widmung:
seit 1918 im internationalen Kontext Transdisziplinäre Theorien und Methoden der
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der Historischen Kulturwissenschaften
Professur „Zeitgeschichte“
(voraussichtlich 1. Oktober 2021) Fachliche Widmung:
Historische transregionale Studien
Fachliche Widmung:
Geschichte Europas im frühen Mittelalter Fachliche Widmung:
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der Umweltgeschichte
Professur „Geschichte des Mittelalters und histo-
rische Hilfswissenschaften“
(voraussichtlich 1. Februar 2022)
4.7 Philologisch-
Fachliche Widmung: Kulturwissenschaftliche
Österreichische Geschichte –
Geschichte der Habsburgermonarchie seit Fakultät
dem 16. Jahrhundert
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der 4.7.1 Zielsetzungen
Professur „Österreichische Geschichte –
Geschichte der Habsburgermonarchie seit dem Als Teil der Geistes- und Kulturwissenschaften
16. Jahrhundert“ untersuchen die philologisch-kulturwissen-
(voraussichtlich 1. Oktober 2022) schaftlichen Disziplinen das weltweite Spektrum
der Kulturen in ihren sprachlichen Dimensionen,
Fachliche Widmung: ihren überregionalen und globalen Zusammen-
Kunstgeschichte des Mittelalters hängen sowie in ihren spezifischen Ausdifferen-
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der zierungen. Der methodologisch und historisch
Professur „Kunstgeschichte des Mittelalters“ reflektierte Umgang mit Sprache, Literatur,
(voraussichtlich 1. Oktober 2022) Musik sowie Artefakten und Medien jeglicher
Art gewährleistet eine kompetente und kreative
Fachliche Widmung: Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe,
Byzantinische Kunstgeschichte aus der sich auch Deutungsansprüche hinsicht-
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der lich gegenwärtiger Prozesse ableiten lassen. Mit
Professur „Byzantinische Kunstgeschichte“ ihrem breiten Angebot in Forschung und Lehre
(voraussichtlich 1. Oktober 2022) leistet die Philologisch-Kulturwissenschaftliche
Fakultät somit Grundlagenforschung für das
Fachliche Widmung: Verständnis von Kulturen und Identitäten und
Numismatik und Geldgeschichte entwickelt damit Kompetenzen für die Etablie-
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der rung kultureller, wirtschaftlicher und politischer
Professur „Numismatik und Geldgeschichte“ Beziehungen.
(voraussichtlich 1. Oktober 2023)
Die Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakul-
Fachliche Widmung: tät verfügt über ein Fächerspektrum, dessen in-
Geschichte der Neuzeit – haltliche und methodische Vielfalt in Österreich
Frauen und Geschlechtergeschichte einzigartig ist. Alle Disziplinen arbeiten unter
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der Berücksichtigung der historischen Dimension
Professur „Geschichte der Neuzeit – Frauen- mit Methoden der Literatur-, Sprach- und Me-

96
dien- und Kulturwissenschaften, die Regional- Kultur sowie deren Ausformung außerhalb
wissenschaften (Area Studies) widmen sich Europas behandeln.
zusätzlich den sozio-ökonomischen Entwicklun-
gen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Für die Globale Kulturen und Identitäten: Zahlreiche
historisch-kulturelle Dimension von Texten und Fachbereiche und Disziplinen beschäftigen sich
Medien stehen die Fächer der Fakultät insbeson- mit Kulturen und Identitäten im globalen Kon-
dere in enger Verbindung mit der Historisch- text in enger Vernetzung mit den historischen,
Kulturwissenschaftlichen Fakultät, hinsichtlich sozial- und politikwissenschaftlichen Fächern. In
gesellschaftlicher Aspekte ihrer Forschungsge- den Ostasienwissenschaften liegt der Schwer-
genstände bestehen weiters Berührungspunkte punkt auf der Gegenwart, im Bereich Südasien,
mit den Sozialwissenschaften. Darüberhinaus dem Mittleren und Nahen Osten und Nordafrika
kooperiert sie mit vielen anderen Wirkungsbe- werden die gegenwartsorientierten kultur- und
reichen der Universität Wien, speziell mit den sozialanthropologischen Aspekte ergänzt durch
philosophischen, pädagogischen, religions- und die historische Dimension und die Philologie.
gesellschaftswissenschaftlichen Fächern, mit der Die Fakultät bekennt sich nachdrücklich zu ihrer
Translationswissenschaft, der Informatik sowie Aufgabe, die für sie charakteristischen philolo-
den Cognitive und Neurosciences. In der Zukunft gischen Kernkompetenzen weiterzuentwickeln.
möchte die Fakultät sich verstärkt im Rahmen Zunehmend widmen sich auch Fächer, die
der Digital Humanities interfakultär vernetzen. früher fast ausschließlich in einem europäisch
geprägten Kontext arbeiteten, außereuropä-
Neben einer Vielzahl an Studienprogrammen ischen Themen, etwa in der Rezeption des
auf Bachelor- und Masterniveau sowie einem kolonialen Erbes in Asien, Afrika und Lateiname-
breit angelegten Doktoratsprogramm trägt die rika. Vor dem Hintergrund der fortschreitenden
Fakultät zur Ausbildung von LehrerInnen in Globalisierung stehen Migrations- und Diaspora-
vielen Unterrichtsfächern bei, ist intensiv in die phänomene in steigendem Maße im Fokus von
Umsetzung der neuen Curricula für die Lehr- Fächern wie etwa den Afrikawissenschaften oder
amtsstudiengänge involviert und bekennt sich der Romanistik. Auf Grundlage ihrer Expertise zu
zur Förderung der fachdidaktischen Forschung. unterschiedlichen Aspekten außereuropäischer
Hier kooperiert die Fakultät mit dem Zentrum Gesellschaften verfügen diese Fächer über das
für LehrerInnenbildung. Potenzial, auf die sich verändernden Anforderun-
gen der Globalisierung zu reagieren, ein obsole-
4.7.2 Themenfelder und tes Verständnis des „Fremden“ zu überwinden
Forschungsschwerpunkte und damit auch einen konstruktiven Beitrag zu
gesellschaftlichen Fragen zu leisten, und ergän-
Die Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fa- zen damit das Profil der sozial- und wirtschafts-
kultät fasst ihre Tätigkeit in vier Themenfelder wissenschaftlichen Fächer der Universität.
zusammen.
Systemische und funktionale Dimensionen von
Europäische Kulturen und Identitäten: Alle Kommunikation: Sprachwissenschaftliche The-
Philologien europäischer Sprachen, aber auch men werden sowohl im Rahmen der Einzelphi-
die Musikwissenschaft, die Theater-, Film- und lologien als auch mit sprachübergreifenden An-
Medienwissenschaft sowie die Sprachwissen- sätzen erforscht, wobei die Sprachwissenschaft
schaft, beschäftigen sich mit dem Thema Kultur und die sprachwissenschaftlichen Bereiche
und Identität. Dabei stehen sie in einem engen anderer Fächer, insbesondere der Afrikawissen-
Dialog mit anderen Geistes- und Sozialwissen­ schaften, der Anglistik, der Finno-Ugristik, der
schaften. Kaum eine andere Universität in Eu­- Germanistik, der Romanistik und der Slawistik
ropa weist so viele Fachrichtungen auf, die sich intrafakultär vernetzt sind. In allen Bereichen
mit den Kulturen, Identitäten, Sprachen und werden methodisch sowohl die sozio-histori-
Literaturen auch der kleineren Länder in Europa sche als auch die systemisch-funktionale wie die
auseinandersetzen. Insbesondere die Slawistik angewandte Betrachtung von Sprache heran-
und Romanistik bieten ein sehr ausdifferen­ gezogen. Mehrsprachigkeit und Sprachkontakt
ziertes Sprachprofil an. In der Musikwissenschaft sowie die Erforschung von Spracheinstellungen
werden komplexe Fragestellungen zur Musik, in unterschiedlichen gesellschaftlichen und
ihrer Geschichte sowie ihrer Wahrnehmung politischen Kontexten sind ein Fokus zahlrei-
und Wirkung aus historischer, philologischer, cher Forschungsbereiche an der Fakultät, der
kulturanthropologischer, kulturwissenschaft- darüber hinaus mit der Fakultät für Philosophie
licher, soziologischer, naturwissenschaftlicher und Bildungswissenschaft sowie der Fakultät
und psychologischer Perspektive erforscht. Alle für Sozialwissenschaften und dem Zentrum für
diese Fächer tragen dazu bei, den Selbstreflexi- LehrerInnenbildung verknüpft ist. Der syste-
onsprozess über die Identitäten und Kulturen in misch-funktionale Bereich sprachwissenschaft-
Europa zu befördern. Zugleich reagieren sie auf licher Forschung ist über die Fakultät hinaus mit
den Prozess der globalen kulturellen Diversifi- der Psychologie, der Cognitive Science und den
zierung, indem sie zunehmend Fragestellungen Neurowissenschaften vernetzt.
zur weltweiten Ausstrahlung der europäischen

97
Ästhetische und mediale Dimensionen von Ästhetische Kommunikation und Medialität
Kommunikation: Die ästhetische Kommunika- sowie Sprachentwicklung, Sprachkontakt,
tion ist Gegenstand aller Fächer der Fakultät. In Spracheinstellung als wesentliche Forschungs-
den traditionellen Philologien gilt dies insbeson- und Entwicklungsschwerpunkte, die sowohl
dere für die Literaturwissenschaft. Dabei bietet auf dringende gesellschaftliche Bedürfnisse
die Fakultät die Möglichkeit, ästhetische Kom- eingehen als auch aktuelle Forschungsentwick-
munikation in den unterschiedlichsten Formen lungen widerspiegeln. Darüber hinaus sollte der
(Musik, Theater, Literatur, Film, digitale Medien) Notwendigkeit Rechnung getragen werden, dass
sowie in den unterschiedlichsten kulturellen sich die Fakultät fachlich international ausrichtet
und sprachlichen Ausprägungen philologisch, und dennoch die Besonderheit des Standorts
literatur- und kulturwissenschaftlich und Wien zum Ausdruck bringt.
komparatistisch zu erforschen. Einen wichtigen
Schwerpunkt bildet gerade im Bereich der histo- Kulturelle und gesellschaftliche
risch ausgerichteten Fächer und Fachteile – im Transformationen in Asien und Afrika
Sinne einer Material Philology – die Analyse und
(digitale) Aufbereitung der Überlieferung. Weite- Dieser Forschungsschwerpunkt setzt den erfolg-
re Schwerpunkte werden zum einen durch die reichen Schwerpunkt „Gegenwärtiges Asien“ fort,
spezifische Situation in Wien und in Österreich erweitert diesen jedoch im räumlichen Sinne
(sowohl was die reichhaltig vorhandenen Mate- und im Sinne einer stärkeren Fokussierung auf
rialien als auch die spezifische Kontaktsituation Transformationsprozesse und deren jeweiligen
anbelangt) gesetzt, zum anderen versteht sich historische Grundlagen, um auch im Sinne der
die Fakultät als eine Vorreiterin in der literatur-, Third Mission einen gesellschaftlichen Beitrag
medien- und kulturtheoretischen Debatte nicht zu aktuellen Diskursen über Mobilität, Migration,
nur im österreichischen Kontext. Identität und Diasporaphänomene zu leisten.
Hier knüpft der Forschungsschwerpunkt an
Im Sinne der Stärkung ihrer erfolgreichen bestehende ähnliche Forschungsschwerpunkte
Forschungsgebiete betrachtet die Fakultät in anderer Fakultäten wie etwa der Sozialwissen-
den nächsten Jahren kulturelle und gesellschaft- schaften an.
liche Transformationen in Asien und Afrika,

98
Ein Fokusbereich der Fakultät liegt in der Erfor- Zahlreiche Forschungsprojekte an der Fakultät
schung der afrikanischen Diaspora im Hinblick befassen sich mit Sprachkontakten von Natio-
auf ihre globalen Bezüge in den atlantischen nalsprachen zu autochthonen Minderheiten und
Raum (die beiden Amerikas und die Karibik) aktuellen Migrationssprachen. Gerade in diesem
und in den ostasiatischen Raum. Die weiteren Bereich sieht die Fakultät einen wichtigen
Herausforderungen für die Erforschung von Beitrag zur Third Mission der Universität und Zu-
Transformationsprozessen in wirtschaftlichen, sammenarbeit mit anderen Forschungsschwer-
politischen, kulturellen und gesellschaftlichen punkten der Universität.
Institutionen in den Ländern Ostasiens sind da-
neben Regionalismus sowie Genderfragen und 4.7.3 P
 rofessuren zum Stichtag
Umweltpolitik. 1. Oktober 2017
Bei der Erforschung der Transformationsprozes- Zur leichteren Übersicht sind hier sämtliche zum
se in den Gesellschaften Süd- und Mittelasiens Stichtag 1. Oktober 2017 bestehenden Professu-
sowie des Nahen und Mittleren Ostens unter ren (§ 98 und § 99 Abs. 3 Universitätsgesetz 2002,
Einschluss Nordafrikas liegt der Fokus auf dem inkl. allfälliger Vorziehprofessuren) angegeben.
(synchron und diachron arbeitenden) religions- Diese Momentaufnahme präjudiziert in keiner
wissenschaftlichen Bereich und der interdiszip- Weise die im folgenden Abschnitt vorgenomme-
linären Forschung zur sozio-kulturellen longue nen und die zukünftigen Professurenwidmungen.
durée des Vorderen Orients.
•  Afrikanische Sprachen und Literaturen
Ästhetische Kommunikation und •  Allgemeine Sprachwissenschaft
Medialität •  Ältere deutsche Literatur mit besonderer
Berücksichtigung des Spätmittelalters unter
Ästhetische Kommunikation ist nicht nur ein Einbezug der frühen Neuzeit
zentraler Untersuchungsgegenstand der Geistes- •  Ältere deutsche Sprache und Literatur
und Kulturwissenschaften, sondern zunehmend •  Amerikanistik
auch Fokus ihrer methodologischen Reflexion in •  Angewandte Sprachwissenschaft
Auseinandersetzung mit den Herausforderungen •  Arabistik
des Digitalen Zeitalters. Die daraus folgenden so- •  Assyriologie (Schwerpunkt Akkadistik)
zialen, politischen und auch wieder ästhetischen •  Britische Literatur
Dimensionen dieser Dynamik sind eine zentrale •  Deutsch als Fremdsprache
Forschungsaufgabe. •  Deutsch als Zweitsprache
•  Englische Literatur der Gegenwart
Deshalb soll nach erfolgreicher Umsetzung der •  Englische Sprachwissenschaft (gemeinsam
im vorherigen Entwicklungsplan angestoßenen mit dem Zentrum für LehrerInnenbildung)
Initiativen im Bereich der ästhetischen Kom- •  Englische Sprachwissenschaft: Variation und
munikation nun insbesondere in den Literatur- Kognition
wissenschaften und Philologien, der Theater-, •  Englische und amerikanische Sprache und
Film- und Medienwissenschaft und der Musik- Literatur (Sprachwissenschaft)
wissenschaft ein Schwerpunkt auf Fragen der •  Englische und Anglophone Literaturen
Medialität, Multimodalität und Digitale Medien •  Fachdidaktik (Sprachlehr- und -lernfor-
gelegt werden. schung) (gemeinsam mit dem Zentrum für
LehrerInnenbildung)
Sprachentwicklung, Sprachkontakt, •  Finno-Ugristik
Spracheinstellung •  Französische und spanische Literaturwissen-
schaft mit dem Schwerpunkt Frankophonie
Die sprachwissenschaftlichen Fächer der Fa- im Bereich der Französistik
kultät bekennen sich zum fruchtbaren Dialog •  Germanistische Sprachwissenschaft
zwischen der formal-linguistischen Betrachtung (Sprachgeschichte, Varietätenlinguistik)
von Sprache und ihrer Erforschung als sozial •  Geschichte und Gesellschaft Afrikas
eingebettetes Medium. •  Historische Linguistik des Englischen
•  Ibero-Romanistik
Nach Etablierung des Bereichs Psycholinguistik •  Indologie
im Neuroscience-Cluster der Universität sollen •  Intermedialität
die intrafakultären Kooperationen der Sprach- •  Islamische Religionspädagogik
wissenschaften und der Musikwissenschaft •  Islamwissenschaften
weiter ausgebaut werden. Hierzu gehört auch •  Japanologie mit kulturwissenschaftlicher
die Profilschärfung im Bereich SprachlehrerIn- Ausrichtung
nenbildungsforschung und Professional Content •  Japanologie mit sozialwissenschaftlicher
Knowledge in Zusammenarbeit mit dem Zent- Ausrichtung
rum für LehrerInnenbildung und den Pädagogi- •  Klassische Philologie (Gräzistik)
schen Hochschulen. •  Klassische Philologie (Latein) und
Mittellatein

99
•  Klassische Philologie (Latinistik) •  Psycholinguistik
•  Koreanologie •  Romanische Sprachwissenschaft: Inter-
•  Kulturgeschichte audiovisueller Medien kulturalität und Mehrsprachigkeit
•  Kultur- und Geistesgeschichte des neuzeit- •  Südslawische Literatur- und Kulturwissen-
lichen Südasien schaft (mit philologischem Schwerpunkt)
•  Musikwissenschaft mit besonderer Berück- •  Theorie des Films
sichtigung der älteren historischen Musik- •  Turkologie
wissenschaft
•  Nederlandistik Besetzungen im Einklang mit dem
•  Neuere deutsche Literatur Forschungsprofil und zur Sicherung
•  Neuere deutsche Literatur der Grundlagenfächer
•  Neuere deutsche Literatur (Literaturtheorie)
•  Neuere deutsche Literatur mit besonderer Fachliche Widmung:
Berücksichtigung der österreichischen Neuere deutsche Literatur unter besonderer
Literatur Berücksichtigung von Literatur- und Medien-
•  Neuere deutsche Literatur und ihre Didaktik theorie
(gemeinsam mit dem Zentrum für Lehrer- Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
Innenbildung) Professur „Neuere deutsche Literatur (Literatur-
•  Neuere historische Musikwissenschaft theorie)“ (voraussichtlich 1. Oktober 2018)
•  Neulateinische Philologie und Klassische
Latinistik Fachliche Widmung:
•  Ostslawische Literaturen Vergleichende Literaturwissenschaft
•  Romanische Philologie II unter besonderer Berücksichtigung
•  Romanische Philologie III (mit besonderer der ungarischen Literatur
Berücksichtigung der Hispanistik) Besetzungszeitpunkt: Finanzierung durch
•  Romanische Sprach- und Kommunikations- vakante wissenschaftliche Stellen aus dem
wissenschaft Bereich der Fakultät
•  Romanistik (Linguistik)
•  Russistik und ostslawische Sprachwissen- Fachliche Widmung:
schaft Nederlandistik
•  Sinologie (80 %; 20 % am Zentrum für Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
Translationswissenschaft) Professur „Nederlandistik“
•  Sinologie mit sozialwissenschaftlicher (voraussichtlich 1. Oktober 2019)
Ausrichtung
•  Skandinavistik Fachliche Widmung:
•  Slawische Literaturen Westslawische Literatur- und
•  Spät- und Mittellateinische Philologie Kulturwissenschaft
•  Systematische Musikwissenschaft Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
•  Theater- und Kulturwissenschaft Professur „Slawische Literaturen“
•  Theater- und Medienkulturen der Neuzeit (voraussichtlich 1. Oktober 2020)
•  Tibetologie und Buddhismuskunde
•  Vergleichende Indogermanische Sprachwis- Fachliche Widmung:
senschaft Französische und spanische Literatur- und
•  Vergleichende Literaturwissenschaft Kulturwissenschaft
•  Vergleichende Literaturwissenschaft Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
•  Vergleichende Musikwissenschaft Professur „Romanische Philologie III (mit
(Ethnomusikologie) besonderer Berücksichtigung der Hispanistik)“
•  Westslawische Sprachwissenschaft (voraussichtlich 1. Oktober 2020)
•  Wirtschaft und Gesellschaft Ostasiens
Fachliche Widmung:
4.7.4 Fachliche Widmung Sinologie
künftiger Professuren und Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
Stand der Umsetzung Professur „Sinologie“
(voraussichtlich 1. Oktober 2020)
Professuren in Besetzung zum Stichtag
1. Oktober 2017 Fachliche Widmung:
Neuere deutsche Literatur unter besonderer
•  Anglistische Kultur- und Literaturwissen- Berücksichtigung des 17. und 18. Jahrhun-
schaft derts
•  Didaktik der Englischen Sprache Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
(gemeinsam mit dem Zentrum für Lehrer- Professur „Neuere deutsche Literatur“
Innenbildung) (voraussichtlich 1. Oktober 2020)
•  Germanistische Sprachwissenschaft
(Gegenwartssprache)

100
Fachliche Widmung: Fachliche Widmung:
Theorie und Ästhetik Digitaler Medien Kultur- und Ideengeschichte der islamischen
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der Welt
Professur „Intermedialität“ Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
(voraussichtlich 1. Oktober 2020) Professur „Islamwissenschaften“
(voraussichtlich 1. Oktober 2024)
Fachliche Widmung:
Neuere deutsche Literatur mit besonderer Professuren im Zusammenhang mit
Berücksichtigung der österreichischen der Einrichtung des Bachelorstudiums
Literatur Islamisch-theologische Studien
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
Professur „Neuere deutsche Literatur mit be- Im Zusammenhang mit der Einrichtung des Ba-
sonderer Berücksichtigung der österreichischen chelorstudiums Islamisch-theologische Studien
Literatur“ (voraussichtlich 1. Oktober 2020) sieht § 24 Islamgesetz 2015 bis zu sechs Stellen
für hochqualifiziertes Lehrpersonal an der Uni-
Fachliche Widmung: versität Wien vor, die insbesondere als Professu-
Ostslawische Sprachwissenschaft (unter ren (§ 98 oder § 99 UG) oder als Laufbahnstellen
besonderer Berücksichtigung der Russistik) ausgestaltet sein können. Das Islamgesetz 2015
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der sieht diesbezüglich, unabhängig vom Universi-
Professur „Russistik und ostslawische Sprach- tätsgesetz 2002, eine Finanzierungspflicht des
wissenschaft“ (voraussichtlich 1. Oktober 2021) Bundes vor. Unter Berücksichtigung der Gege-
benheiten des akademischen Stellenmarkts wird
Fachliche Widmung: mittelfristig ein geeigneter Mix aus den genann-
Französische und italienische Literatur- ten Stellenkategorien unter Berücksichtigung
und Medienwissenschaft der abzudeckenden wissenschaftlichen Fächer
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der und der Persönlichkeiten der an der Universität
Professur „Romanische Philologie II“ Wien in diesem Bereich beschäftigten Wissen-
(voraussichtlich 1. Oktober 2021) schafterInnen angestrebt.

Fachliche Widmung: Eine Professur (für Islamische Religionspäda­


Angewandte Sprachwissenschaft des gogik) ist derzeit über den Zeithorizont des
gegenwärtigen Englischen Entwicklungsplans hinaus besetzt. Für die übri-
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der gen fünf Stellen werden im folgenden fachliche
Professur „Englische und amerikanische Sprache Widmungen festgelegt, jeweils für den Fall, dass
und Literatur (Sprachwissenschaft)“ eine Ausschreibung und Besetzung nach § 98 UG
(voraussichtlich 1. Oktober 2021) erfolgt:

Fachliche Widmung: Fachliche Widmung:


Sprachen und Kulturen des modernen Islamisch-theologische Textwissenschaften:
Süd- und Zentralasien Koran, Hadith
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
Professur „Kultur- und Geistesgeschichte des Fachliche Widmung:
neuzeitlichen Südasien“ Islamische Systematische Theologie (kalām)
(voraussichtlich 1. Oktober 2022) inklusive Philosophie und Mystik
(Mitwirkung der Fakultät für Philosophie und
Fachliche Widmung: Bildungswissenschaft bei der Ausschreibung und
Koreastudien Besetzung dieser Professur)
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
Professur „Koreanologie“ Fachliche Widmung:
(voraussichtlich 1. Oktober 2022) Rechtswesen und Ethik im Islam
(Mitwirkung der Rechtswissenschaftlichen Fakul-
Fachliche Widmung: tät bei der Ausschreibung und Besetzung dieser
Kultur- und Geistesgeschichte des Professur)
vormodernen Südasien
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der Fachliche Widmung:
Professur „Indologie“ Islam in der Gegenwartsgesellschaft
(voraussichtlich 1. Oktober 2023) (Mitwirkung der Fakultät für Sozialwissenschaf-
ten bei der Ausschreibung und Besetzung dieser
Fachliche Widmung: Professur)
Tibetologie und Buddhismuskunde
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der Fachliche Widmung:
Professur „Tibetologie und Buddhismuskunde“ Alevitisch-theologische Studien
(voraussichtlich 1. Oktober 2023)

101
Professuren nach Maßgabe budgetärer tureller Identität und globaler Vernetzung, nach
Möglichkeiten Menschenrechten, Bildung und Bildungspro-
zessen, Diversität und Inklusion in Schule und
Fachliche Widmung: Gesellschaft sowie Genderfragen stellen eine
Jiddische Literatur- und Kulturwissenschaft Herausforderung der Gegenwart an die Wissen-
schaft dar und artikulieren sich (auch) als Frage-
Fachliche Widmung: stellungen in den Forschungsschwerpunkten der
Neuro-Medialität Fakultät. Darüber hinaus werden vorbildhafte
Initiativen und forschungsbasierte Bearbeitung
Fachliche Widmung: drängender Gegenwartsfragen (Third Mission)
Digitale Textwissenschaften von der Fakultät unterstützt. Auch außeruniver-
(gemeinsam mit der Fakultät für Informatik) sitäre Kooperationen haben einen besonderen
Stellenwert. Dies betrifft insbesondere Institutio-
nen, Organisationen und Träger des Bildungssys-
tems wie z. B. des Elementarbereichs, der Schule
4.8 Fakultät für Philosophie und der Erwachsenenbildung, aber auch weitere
und Bildungswissenschaft gesellschaftlich relevante Stakeholder, etwa im
Sozialsystem und in der Entwicklungszusam-
menarbeit.
4.8.1 Zielsetzungen
Es ist der Fakultät ein zentrales Anliegen, die Ko-
Philosophie und Bildungswissenschaft verorten operation der Philosophie u. a. mit der Rechts-
ihre Forschung und Lehre in der Wissenschafts- wissenschaftlichen Fakultät im Themenfeld
landschaft des 21. Jahrhunderts. In der abend- Ethik/Angewandte Ethik und mit der Fakultät
ländischen Geschichte stets eng verbunden für Wirtschaftswissenschaften im Themenfeld
beziehen Philosophie und Bildungswissenschaft Philosophie und Ökonomie zu vertiefen und
bis heute einen Teil ihres Selbstverständnisses bestehende Kooperationen (Kooperation Wiener
aus ihrer Interaktion: Die Fragen nach der Kreis mit Historisch-Kulturwissenschaftlicher
Stellung des Menschen in der Welt, seinen Fakultät im Themenfeld Wissenschaftsgeschich-
Erkenntnisfähigkeiten und dem Sinn seines te; Kooperation mit Lebenswissenschaften,
Handelns verflechten sich mit den Fragen nach Neurowissenschaften und Psychologie im
den Bedingungen, Möglichkeiten und Zielen von Themenfeld Cognitive Science) auch weiterhin
Bildung. Darüber hinaus sind die fachlichen Ent- für die Forschung in diesen Bereichen fruchtbar
wicklungen komplex und reichen weit in andere zu machen.
Disziplinen hinein.
Im Bereich der Allgemeinen Bildungswissen-
Die Fakultät versteht sich als ein Ort, an dem schaftlichen Grundlagen leistet die Bildungs-
klassische und aktuelle philosophische und wissenschaft in sämtlichen Lehramtsstudien
bildungswissenschaftliche Konzeptionen einen wesentlichen Beitrag zum kontinuierli-
theoretisch weiterentwickelt und in inter- und chen Auf- und Ausbau des forschungsgeleiteten
transdisziplinäre Dialoge gebracht werden. In Lehrangebots des Zentrums für LehrerInnenbil-
diesem Zusammenhang findet sowohl grundla- dung. Es ist der Fakultät ein zentrales Anliegen,
genorientierte als auch anwendungsorientierte die Kooperation der Bildungswissenschaft mit
Forschung statt. Die WissenschafterInnen beider dem Zentrum für LehrerInnenbildung in allen
Fächer sind sich dabei ihrer Verantwortung in bildungswissenschaftlichen Forschungsschwer-
theoretischer Hinsicht und in Bezug auf gesell- punkten weiterhin fortzuführen und zu vertiefen.
schaftspolitische Fragestellungen bewusst. Sie
sehen den Bedarf und zugleich die Chancen für Die Entwicklungsplanung der Fakultät für Philo-
innovative inter- und transdisziplinäre Forschung sophie und Bildungswissenschaft ist so angelegt,
und Lehre. dass sie die notwendigen Kerngebiete sichert
und Spezialisierungen sowie Kooperationen in
Das vorrangige strategische Ziel der Fakultät Forschung und Lehre auf allen Ebenen fördert.
besteht somit darin, zum einen die Vertiefung
der fachspezifischen Grundlagenforschung zu 4.8.2 Forschungsschwerpunkte
leisten und zum anderen im Ausgang von den
Disziplinen die Weiterentwicklung von inter- und Philosophische Begründung und Kritik
transdisziplinärer Forschung zu befördern. von Normen in Ethik, Recht, Politik

Die Suche nach neuen Antworten auf Phäno- Die Forschungen in diesem Schwerpunkt
mene sozialer und kultureller Welten, Fragen konzentrieren sich auf die theoretisch wie
der Normativität und der ethischen Problemla- gesellschaftlich herausfordernde Aufgabe der
gen, die sich im rasanten Wandel von Technik Begründung und Kritik moralischer, rechtlicher
und Lebensverhältnissen beständig erweitern, und politischer Normen.
Fragen nach dem Spannungsverhältnis von kul-

102
Zentrale Forschungsthemen sind die Begrün- wissenschaftlichen Verzahnungen und produk-
dung von Urteilen über das Gute, das Gerechte tiven Korrespondenzen andererseits Rechnung.
und das Richtige sowohl in europäischen als Was aus Gründen klassischer Zuordnungen
auch in außereuropäischen Philosophiediskur- innerhalb der Philosophie gewöhnlich getrennt
sen. Die Theoriebildung knüpft an klassische wie verortet wird, wird in neuer Weise verbunden
moderne Theorien und deren aktuelle Fort- und beforscht. In einem weiten Spektrum, das
schreibung in der Ethik, der politischen Philoso- von der Philosophie des Geistes, der Philosophie
phie, der Rechtsphilosophie und der Sozialphilo- der Sprache, der Philosophie der Medien und
sophie an. Ziele sind eine Weiterentwicklung der Technik, bis hin zur Ästhetik und Kulturphilo-
theoretischen Grundlagen der Ethik unter beson- sophie reicht, stehen grundlegende Fragen zur
derer Berücksichtigung der Handlungs- und der Debatte, die sowohl zeitgenössische als auch
Entscheidungstheorie, die Weiterentwicklung der historische Perspektiven auf ihre wechselseitige
Grundlagenforschung in der Demokratietheorie Tragfähigkeit hin untersuchen. Philosophische
und Institutionenethik sowie der Forschungen Forschung sieht sich herausgefordert, zwischen
im Bereich Philosophie und Ökonomie. In der den diversen Bereichen der Philosophie und
Angewandten Ethik liegt der Schwerpunkt auf anderen Disziplinen interdisziplinär Projekte ent-
systematischen Fragestellungen vor allem der wickeln zu können, um Themenstellungen und
Medizinethik, der Ethik des Alterns, der Tierethik Methoden in neuartiger Weise zu generieren.
und der Ökologischen Ethik.
Neue Forschungszusammenhänge eröffnen (1)
In diesem Forschungsschwerpunkt sind darüber innovative Untersuchungslinien von Phänome-
hinaus jene Forschungen angesiedelt, die sich nologie, Psychiatrie, Wissenschaftsphilosophie
der Frage nach der Bedeutung von Philoso- und interkultureller Philosophie, worin Themen
phie und Ethik für politische, kulturelle und wie Intentionalität, Wahrnehmung, Sinne und
gesellschaftliche Diskurse sowie von Formen, Emotionen erforscht werden; (2) Fragen der
Methoden und Inhalten des Philosophie- und Subjektivität, Intersubjektivität und Alterität,
Ethikunterrichts an Höheren Schulen widmen. die sich widerständiger erweisen als bisher
angenommen (z. B. Körper und Sprache, Gewalt,
Theorien des Wissens, der die Beziehungen zwischen Theorien der Diffe-
Wissenschaften und des Sozialen renz und politischer Orientierung); (3) diesen
experimentellen Forschungsbereich anhand des
Dieser Forschungsschwerpunkt umfasst in his­- Studiums der Ästhetik, der Phänomenologie der
torischer und systematischer Perspektive die Sinnlichkeit und der Künste.
Erkenntnistheorie und die Wissenschaftsphi-
losophie der Natur-, Kultur- und Sozialwissen- Philosophische und bildungswissen-
schaften, die Philosophie der Mathematik, Logik schaftliche Zugänge zu kultureller
sowie Sozialontologie. Die historische Perspek- Differenz und globaler Entwicklung
tive reicht von der Philosophie der Antike über
Kant und die daran anknüpfende Wirkungs- Dieser Forschungsschwerpunkt widmet sich den
geschichte bis in das 21. Jahrhundert. Eine Grundlagendebatten und Entwicklungsperspek-
wichtige Tradition der Wissenschaftsphilosophie tiven, die unter den Bedingungen von Globali-
ist dabei der Wiener Kreis und der Logische sierung und gesellschaftlichem wie kulturellem
Empirismus inklusive seines Umfelds. Eine Wandel vor neuen Herausforderungen stehen.
Reihe von Forschungsvorhaben ist bestrebt, die In systematischer wie historischer Perspektive
verschiedenen Formen des Wissens gerade auch geht es dabei um theoretische und empiri-
hinsichtlich ihres historischen, (inter-)kulturellen, sche Forschungen, die sich in internationalen,
bildungsphilosophischen, sozialen, politischen inter- und transkulturellen sowie interdiszip-
und technologischen Charakters zu analysieren. linären Netzwerken und Kooperationen mit
Dies geschieht etwa im Sinne der „History and Universitäten in Europa, Asien, Afrika, Amerika
Philosophy of Science“, der „Cognitive Science“, und Australien widerspiegeln. Den Traditionen
der Philosophie Wittgensteins, der Philosophie außereuropäischer Philosophie wird dabei
der sozialen Robotik (Philosophische Analyse ebenso Aufmerksamkeit geschenkt wie Fragen
der Interaktion mit und unter Robotern) und der der bildungswissenschaftlichen Entwicklungsfor-
sozialen Erkenntnistheorie. Die Untersuchungen schung, insbesondere mit Ländern des globalen
zur Sozialontologie und zur Phänomenologie Südens. Schwerpunktsetzungen bilden Frage-
sozialer Welten widmen sich v. a. der Frage nach und Problemstellungen der Demokratie, der
der Beschaffenheit, der Konstitution sowie dem Öffentlichkeit, der Menschenrechte, der sozialen
Status von Gruppen, Organisationen, sozialen Vielfalt, der Multikulturalität, der Medien, der
Rollen, Konflikten und Kooperationen. Migration und Mobilität sowie der Gerechtig-
keit in einem globalen Zusammenhang. Die
Geist – Körper – Kunst – Kultur wechselseitige Verzahnung von Philosophie und
Bildungswissenschaft reflektiert hierbei kritisch
Dieser Forschungsschwerpunkt trägt der For- die gesellschaftlichen Mainstreams, um anhand
schungsvielfalt und -pluralität einerseits und der konkreten Erforschung inner- und außer-

103
europäischer Denktraditionen die ethischen Gegenstand dieses Forschungsschwerpunkts
und humanitären Fragestellungen unter den sind Grundprobleme der Disziplin, etwa
Bedingungen weltweiter Entwicklungen deutli- hinsichtlich der Untersuchung der Folgen
cher hervortreten zu lassen. Zukunftsorientierte gesellschaftlicher Transformation für das
Denkansätze, die Kulturen, Wissenschaften und Selbstverständnis der Bildungswissenschaft, der
Lebenswelten miteinander verbinden und darin Thematisierung pädagogischer Fragestellungen
zugleich zu deren Entfaltung beitragen können, und des Verhältnisses von Bildungsforschung
stellen den Rahmen dieses Forschungsschwer- und Bildungstheorie. Weiters werden empirische
punkts dar. Fragestellungen vor dem Hintergrund eines
systematischen Problemhorizonts untersucht.
Bildung in Schule und Gesellschaft Darüber hinaus wird an einer bildungstheo-
retisch fundierten, historisch und komparativ
Die in diesem Schwerpunkt stattfindenden For- informierten Schul- und Bildungsforschung
schungsaktivitäten beziehen sich auf Theorien, gearbeitet, die sich insbesondere für die Folgen
Praxis sowie Praktiken des institutionalisierten der zugrundeliegenden Transformationen für die
Lehrens und Lernens, der schulischen Bildung Handelnden interessiert. Dies erfordert sowohl
und Sozialisation, der Medienbildung sowie Grundlagenforschung (etwa zu den historischen,
den damit in Verbindung stehenden Fragen der sozialen und medialen Formen des Wandels) als
Professions- und Professionalisierungsforschung auch aktuelle empirische Untersuchungen unter
in Bildungssystemen. Diese reichen wiederum Berücksichtigung von globalen, nationalen und
auch in die Felder der sozialen Arbeit, Erwachse- subnationalen Prozessen. In diesem Schwer-
nenbildung, Medienpädagogik, Elementarpäda- punkt werden, wie in anderen Schwerpunkten,
gogik, Psychotherapie und Beratung hinein. sehr unterschiedliche Methoden oft zusammen

104
angewendet. Diese Methoden und Methodolo- senschaft (Biographieforschung, Bildungstheori-
gien, ihre Weiterentwicklung, Begründung und en, psychoanalytische Pädagogik, Institutionen-
Verknüpfung ist auch Gegenstand der For- analyse u. a.) mit empirischen Studien verknüpft.
schung. In diesem Schwerpunkt werden, wie in Der Schwerpunkt liefert nicht nur Beiträge zum
anderen Schwerpunkten, sehr unterschiedliche aktuellen wissenschaftlichen Diskurs um Bildung
Methoden oft zusammen angewendet. Diese und Übergänge, sondern auch für neue Ansätze
Methoden und Methodologien, ihre Weiterent- in der Professionalisierung pädagogischer Praxis
wicklung, Begründung und Verknüpfung ist auch (Übergangsbegleitung und -beratung, Angebo-
Gegenstand der Forschung. te für besondere Problemlagen und -gruppen,
Übergangsmanagement von Institutionen u. a.).
Diversität und Inklusion Seine Aktualität gewinnt er nicht zuletzt im Kon-
text neuer bildungspolitischer Konzepte (z. B.
Der Forschungsschwerpunkt befasst sich mit An- Lifelong Learning, Durchlässigkeit von Bildungs-
sätzen zur Bildung, Erziehung und Entwicklung, institutionen).
die ihren Ausgang von den Rechten vulnerabler
und marginalisierter, insbesondere behinderter 4.8.3 P
 rofessuren zum Stichtag
Menschen nehmen, für deren Partizipation in 1. Oktober 2017
allen Lebensbereichen plädieren und auf eine
strukturelle Veränderung auch von Institutionen Zur leichteren Übersicht sind hier sämtliche zum
zielen, um der Verschiedenheit der Vorausset- Stichtag 1. Oktober 2017 bestehenden Professu-
zungen und Bedürfnisse aller Menschen gerecht ren (§ 98 und § 99 Abs. 3 Universitätsgesetz 2002,
zu werden. Dies erfolgt unter Bezugnahme auf inkl. allfälliger Vorziehprofessuren) angegeben.
unterschiedliche Theorietraditionen, zu denen Diese Momentaufnahme präjudiziert in keiner
etwa jene der Disability Studies oder der Psycho- Weise die im folgenden Abschnitt vorgenomme-
analyse zählen. nen und die zukünftigen Professurenwidmungen.

Forschungen thematisieren Diversität in Bil- •  Allgemeine (Systematische) Pädagogik


dungsprozessen etwa aufgrund von Behinde- •  Analytische Philosophie mit besonderer
rung, Herkunftsmilieus, sozialer Ungleichheit, Berücksichtigung der Sprachphilosophie
Gender und Migrationshintergrund einschließ- •  Angewandte Wissenschaftstheorie und
lich Fluchterfahrungen („forced migration“). Theorie des Wissens
•  Empirische Bildungsforschung und
Im Besonderen initiiert die Fakultät wissen- Bildungstheorie
schaftliche Aktivitäten und fördert strukturelle •  Empirische Pädagogik
Entwicklungen, die darauf zielen, die Normen •  Ethik mit besonderer Berücksichtigung von
der UN-Behindertenrechtskonvention im Bil- angewandter Ethik
dungsbereich umzusetzen. Zugleich leistet die •  Europäische Philosophie und Continental
Bildungswissenschaft damit einen Beitrag zur Philosophy
Lehre in den Allgemeinen Bildungswissenschaft- •  History and Philosophy of Science (Wissen-
lichen Grundlagen. schaftsgeschichte, -philosophie und -theo-
rie) (Doppelprofessur 50 %; 50 % an der His-
Bildungsprozesse in biographischer und torisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät)
historischer Perspektive •  Medienpädagogik mit dem Schwerpunkt
Neue Medien
Der Forschungsschwerpunkt stellt den Verlaufs­ •  Medien- und Technikphilosophie
charakter von Bildung in den Mittelpunkt und •  Methoden der Vermittlung von Philosophie
fragt danach, wie Bildungs-, Sozialisations- und und Ethik
Lernprozesse in ihrer sozialen Strukturierung, •  Pädagogik der Lebensalter
kulturell-medialen Konstruiertheit und ihrer •  Pädagogik unter besonderer Berücksichti-
subjektiven Sinndimension über die Zeitspanne gung der Psychoanalytischen Pädagogik, der
des Lebenslaufs hinweg strukturiert sind und pä- Sonder- und Heilpädagogik sowie der Sozial-
dagogisch begleitet werden. Dabei werden ins- pädagogik
besondere die Übergänge zwischen Lebenspha- •  Philosophie in einer globalen Welt
sen fokussiert und auf unterschiedlichen Ebenen •  Politische Philosophie und Sozialphilosophie
untersucht: im Hinblick auf Übergänge zwischen •  Schul- und Bildungsforschung mit besonde-
Bildungsinstitutionen – von der Elementarpä- rer Berücksichtigung der Bildungsgeschichte
dagogik über Schule und Hochschule bis zu und des internationalen Vergleichs
Beruf und Familie, Weiterbildung und Bildung •  Schulforschung und LehrerInnenbildung,
im Alter; mit Blick auf die individuell-biographi- § 99 Abs. 3 UG (vorerst befristet auf sechs
schen Prozesse der Bewältigung von Übergän- Jahre) (gemeinsam mit dem Zentrum für
gen und schließlich auf die Herausforderungen LehrerInnenbildung)
für pädagogisches Handeln. Im Anschluss an •  Schulpädagogik unter besonderer Berück-
internationale Diskurse der Übergangsforschung sichtigung der Höheren Schule (gemeinsam
werden theoretische Ansätze der Bildungswis- mit dem Zentrum für LehrerInnenbildung)

105
•  Sonder- und Heilpädagogik Fachliche Widmung:
•  Theoretische Philosophie Interkulturelle Philosophie
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
4.8.4 Fachliche Widmung Professur „Philosophie in einer globalen Welt“
künftiger Professuren und (voraussichtlich 1. Oktober 2022)
Stand der Umsetzung
Fachliche Widmung:
Professuren in Besetzung zum Stichtag Bildung im Lebenslauf
1. Oktober 2017 Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
Professur „Pädagogik der Lebensalter“
•  Bildung und Ungleichheit (voraussichtlich 1. Oktober 2022)
•  Schulpädagogik unter besonderer Berück-
sichtigung sozialer, sprachlicher und kultu- Fachliche Widmung:
reller Vielfalt (gemeinsam mit dem Zentrum Allgemeine Pädagogik
für LehrerInnenbildung) Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der Pro-
•  Wissenschaftsphilosophie fessur „Allgemeine (Systematische) Pädagogik“
(voraussichtlich 1. Oktober 2024)
Besetzungen im Einklang mit dem
Forschungsprofil und zur Sicherung Professuren nach Maßgabe budgetärer
der Grundlagenfächer Möglichkeiten

Fachliche Widmung: Fachliche Widmung:


Philosophie und Ethik in Schule und Bildung in der frühen Kindheit
Gesellschaft
(Mitwirkung des Zentrums für LehrerInnenbil- Fachliche Widmung:
dung bei der Ausschreibung und Besetzung Metaphysik
dieser Professur)
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der Fachliche Widmung:
Professur „Methoden der Vermittlung von Moralphilosophie und Politische Philosophie
Philosophie und Ethik“
(voraussichtlich 1. Oktober 2018)

Fachliche Widmung: 4.9 Fakultät für Psychologie


Inklusive Pädagogik und
Behinderungsforschung 4.9.1 Zielsetzungen
(Mitwirkung des Zentrums für LehrerInnenbil-
dung bei der Ausschreibung und Besetzung Die Fakultät für Psychologie beschäftigt sich,
dieser Professur) entsprechend den Grundanliegen des Fachs, in
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der Forschung und Lehre mit der Beschreibung und
Professur „Sonder- und Heilpädagogik“ Erklärung des menschlichen Erlebens und Ver-
(voraussichtlich 1. Oktober 2020) haltens sowie deren Veränderung. Dabei ist es
explizites Anliegen der Fakultät, den Bogen von
Fachliche Widmung: den Grundlagen der hierfür relevanten Prozesse
Schul- und Bildungsforschung mit hin zur (evidenzbasierten) Anwendung bzw. zum
besonderer Berücksichtigung des Transfer der gewonnenen Erkenntnisse zu span-
internationalen Vergleichs nen. Grundlagen- und anwendungsorientierte
(Mitwirkung des Zentrums für LehrerInnenbil- Forschung werden als gleichermaßen wichtig
dung bei der Ausschreibung und Besetzung und ineinander übergehend betrachtet. Diversi-
dieser Professur) tät in den Forschungszugängen und Themenfel-
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der dern wird als Stärke gesehen. Basierend auf sich
Professur „Schul- und Bildungsforschung mit integrativ ergänzenden neuro-, kognitions-, und
besonderer Berücksichtigung der Bildungsge- sozialwissenschaftlichen Forschungszugängen
schichte und des internationalen Vergleichs“ wird angestrebt, theoretisch fundierte sowie
(voraussichtlich 1. Oktober 2020) empirisch prüfbare Beiträge zum wissenschaft-
lichen Erkenntnisgewinn sowie dessen Transfer
Fachliche Widmung: zu leisten. In den kommenden Jahren soll ein
Europäische Philosophie besonderer Fokus darauf liegen, Erkenntnisse
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der zu den psychologischen Mechanismen und
Professur „Europäische Philosophie und Folgewirkungen gesellschaftlicher, sozialer und
Continental Philosophy“ technologischer Veränderungen auf Erleben und
(voraussichtlich 1. Oktober 2021) Verhalten zu gewinnen. Beispiele für Handlungs-
felder, in denen Wissen über psychologische
Prozesse in diesem Sinne von hoher Relevanz
sein werden, sind „Förderung und Erhalt von

106
Gesundheit“, „Demographischer Wandel“ und 4.9.2 T
 hemenfelder und
„Medien/Digitalisierung“. Damit wird deutlich, Forschungsschwerpunkte
dass die Fakultät gesellschaftliche Verantwor-
tung (und damit die „Third Mission“) explizit als Die Fakultät befindet sich in einer personellen
eine ihrer Aufgaben sieht. Veränderungsphase. Die im Folgenden genann-
ten Themenfelder bzw. Forschungsschwerpunk-
Neben den Forschungen zu den genuin psy- te werden daher 2020 erneut zu reflektieren
chologischen Aspekten der genannten Themen sein. Im Sinne einer Ausdifferenzierung der oben
(z. B. den psychologischen Anforderungen des genannten, grundlegenden Zielsetzungen der
demographischen Wandels oder den Folgen Fakultät wird es aber in den nächsten Jahren
von zunehmender Digitalisierung auf Emotion darum gehen, durch grundlagen- und anwen-
und Kognition) ist es ein weiteres Ziel, diese For- dungsorientierte Forschung wissenschaftliche
schungsfelder unter Einbindung in die interna- Erkenntnisse in folgenden breiter gefassten
tionale Forschungslandschaft auch gemeinsam Themenfeldern (jeweils mit Fokus auf deren
mit angrenzenden Disziplinen (wie etwa Biolo- psychologische Aspekte) zu gewinnen:
gie, Bildungswissenschaft, Soziologie und Medi-
zin) zu bearbeiten. Die methodischen Zugänge •  Kognitive, emotionale und motivationale
sind dementsprechend vielfältig, wobei integ- Prozesse sowie deren biologische
rative Vorgehensweisen als vielversprechend Grundlagen;
erachtet werden. Damit einhergehend ist auch •  Arbeit, Gesellschaft und Wirtschaft;
qualitativ hochwertige Forschungsinfrastruktur •  Entwicklung, Bildung und Lernen über die
ein wichtiges Anliegen und ein entscheidender Lebensspanne;
Erfolgsfaktor für die Fakultät. Dies betrifft in den •  Gesundheit, Belastung, Bewältigung sowie
kommenden Jahren insbesondere den Aufbau soziale Inklusion.
einer Forschungs-, Lehr- und Praxisambulanz
mit einem Fokus in den Bereichen Klinische Die Forschungsaktivitäten in diesen Themenfel-
Psychologie und Diagnostik. dern sollen insbesondere die psychologischen
Prozesse und Grundlagen im Kontext gesell-
schaftlicher Veränderungen für Individuen und

107
Gruppen adressieren. Dies betrifft u. a. den Um- Psychologie des Lebenslangen Lernens
gang mit Unterschiedlichkeit, Auswirkungen des
demographischen Wandels (z. B. durch höheres Der Forschungsschwerpunkt (primär verankert
Lebensalter und Migration), Auswirkungen von im Themenfeld „Entwicklung, Bildung und Ler-
technologischen Veränderungen, Medien und nen über die Lebensspanne“) spannt im Rahmen
Digitalisierung auf Denken, Kommunikation und des Forschungsprogramms zur Psychologie des
soziales Verhalten sowie insgesamt die psycho- Lebenslangen Lernens (LLL) den Bogen von der
logischen Aspekte sozialer und politischer Phä- theoretischen Modellierung bis zum evidenz-
nomene in einer immer komplexer werdenden basierten Transfer im Sinne der Third Mission.
Welt. Innerhalb der genannten Themenfelder Damit ergibt sich für das Forschungsprogramm
(bzw. teilweise mehrere betreffend) setzt die eine dreistufige Agenda: (1) Die komplexen
Fakultät zudem spezifische Forschungsschwer- Zusammenhangsstrukturen zwischen den Kern-
punkte, die besonders zur Stärkung der Visibilität determinanten von LLL – Motivation und Selbst-
der Fakultät beitragen sollen: regulation – sollen detailliert analysiert sowie
die bereits vorliegenden Modelle systematisch
Psychologie der Ästhetik integriert und erweitert werden. Dabei wird es
auch darum gehen, die entwicklungspsychologi-
Der Forschungsschwerpunkt (primär verankert schen Voraussetzungen für bestimmte Zielgrup-
im Themenfeld „Kognitive, emotionale und pen (z. B. MigrantInnen) und Altersstufen (von
motivationale Prozesse sowie deren biologische der frühen Kindheit bis zum höheren Erwach-
Grundlagen“) betreibt ein Forschungsprogramm, senenalter) sowie weitere vielfältige Diversitäts­
in dem die psychologischen Mechanismen aspekte (u. a. Geschlecht) zu berücksichtigen
ästhetischen Erlebens und Verhaltens unter- und mit zu modellieren. (2) Darauf aufbauend ist
sucht werden. Im Vordergrund stehen dabei es Ziel des Programms, diesen Modellierungen
Aspekte der menschlichen Wahrnehmung, der entsprechende, innovative Messinstrumente zu
emotionalen Verarbeitung sowie die diesen entwickeln (u. a. unter Nutzung neuer Medien in
zugrundeliegenden neurowissenschaftlichen interdisziplinärer Kooperation mit der Informa-
Mechanismen. Der Forschungsschwerpunkt tik) und ihre Gütekriterien zu evaluieren. (3) Das
entwickelt hierzu psychologische Modelle für das dritte Subziel des Forschungsprogramms ist es,
ästhetische Erleben und Verhalten, für welche Interventionsmaßnahmen zur Förderung von
allgemeinpsychologische, kognitionspsycholo- Determinanten des LLL zu entwickeln, in Pilots
gische, evolutions- und kulturpsychologische zu erproben, und Implementationskonzepte
sowie neurowissenschaftliche Ansätze integrativ sowie erforderliche Evaluationsmaßnahmen
eingesetzt werden und den konzeptuellen und zu formulieren. Der innovative Beitrag des For-
theoretischen Rahmen liefern. Die spezifische schungsprogramms liegt einerseits in der syste-
Natur ästhetischer Phänomene wird dabei matischen Integration von theoretischer Model-
vorwiegend in der visuellen Domäne unter- lierung, korrespondierenden Messansätzen und
sucht. Im Vordergrund stehen dabei Aspekte Interventionsmaßnahmen mit entsprechenden
wie die Abgrenzung von ästhetischer Anmutung Implementationskonzepten und damit auch in
zu anderen Wahrnehmungsphänomenen, die der Vernetzung der entsprechenden Subdiszi-
soziale Dimension sowie die hirnphysiologi- plinen der Psychologie: Bildungspsychologie,
schen Grundlagen ästhetischen Erlebens und Entwicklungspsychologie, Evaluations- und Im-
Verhaltens sowie der Zusammenhang ästhe- plementationsforschung. Andererseits sollen die
tischer Erfahrungen mit Resilienz, Gesundheit Herausforderungen, mit denen Lernende künftig
und Wohlbefinden. Untersucht werden z. B. konfrontiert sind (wie z. B. Digitalisierung und
Fragestellungen zu den Bedingungen und Ein- Industrie 4.0), explizit aufgegriffen werden.
flussfaktoren ästhetischen Erlebens, zu basalen
visuellen Präferenzen, dem Einfluss von Medien Psychologie im Kontext von
und insbesondere von neuen Medien auf das Veränderungen und Entscheidungen in
ästhetische Empfinden, sowie gesellschaftliche Organisationen und in der Wirtschaft
Determinanten und Konsequenzen ästhetischer
Erfahrungen. Dies geschieht in einem breiten Der Forschungsschwerpunkt (primär veran-
Spektrum von Gebieten (Kunst, Bilder, Muster, kert in Themenfeld „Arbeit, Gesellschaft und
Musik, Architektur, Design, Film, Körper) und An- Wirtschaft“) untersucht, wie Menschen mit den
wendungsfeldern (Museumsstudien, Kunst und Herausforderungen umgehen, denen sie heute
Schönheit im Alltag, Designanmutung, Gesichts­ in wirtschaftlichen Kontexten gegenüberstehen.
attraktivität). Der Forschungsschwerpunkt ist Er beschäftigt sich insbesondere mit Verände-
durch eine ausgeprägte kognitionswissenschaft- rungen in der Arbeitswelt und in Organisatio-
liche Ausrichtung gekennzeichnet und ist durch nen wie der Beschleunigung im Arbeitsleben,
interdisziplinäre Ansätze mit der Kunstgeschich- mit Arbeitsverlaufsentscheidungen, mit den
te, der Biologie, den Künsten und den Neurowis- Konsequenzen von Kontrolle und Vertrauen im
senschaften auch international stark verknüpft. Hinblick auf Regel-Commitment (z. B. Steuer-
verhalten) und mit dem Umgang von Menschen
mit ständig verfügbaren Produktangeboten

108
und der Regulation des eigenen Konsums. Der angeführt. Rechtlich verbindlich sind die außer-
Schwerpunkt betrachtet auch die Unterschiede halb der eckigen Klammer stehenden Bezeich-
zwischen verschiedenen Ländern und kulturelle nungen. Diese Momentaufnahme präjudiziert
Einflüsse. Die Forschung basiert auf Theorien in keiner Weise die im folgenden Abschnitt
aus der Arbeits- und Organisationspsychologie, vorgenommenen und die zukünftigen Professu-
der Wirtschaftspsychologie und der Sozialpsy- renwidmungen.
chologie und trägt zu deren Weiterentwicklung
bei. Die angewandten Forschungsmethoden •  Allgemeine Psychologie [Psychologie der
sind vorwiegend quantitativ. Es werden quer- Ästhetik]
und längsschnittlich ausgerichtete Befragungen, •  Allgemeine Psychologie [Kognitions­
Beobachtungen und Tagebuchstudien durchge- psychologie]
führt. Darüber hinaus wird angestrebt, kausale •  Angewandte Sozialpsychologie mit Schwer-
Einflüsse in Feld- und Laborexperimenten punkten in Entscheidungsforschung und/
nachzuweisen. Die genannten Methoden werden oder Intergruppenforschung (Kulturver-
durch qualitative Verfahren wie Interviews, Fo- gleich) [Angewandte Sozialpsychologie und
kusgruppen und Assoziationstechniken ergänzt, KonsumentInnenforschung]
die unter anderem der Untersuchung von sozia- •  Arbeitspsychologie [Arbeits- und Organisati-
len Repräsentationen wirtschaftlicher Phänome- onspsychologie]
ne dienen. Darüber hinaus werden im Feld und •  Biologische Psychologie [Soziale, Kognitive
im Labor Techniken wie Augenbewegungsmes- und Affektive Neuro­wissenschaften]
sung eingesetzt, um die Nutzung von Informati- •  Entwicklungspsychologie
onen bei Entscheidungen direkt zu erfassen. Der •  Klinische Psychologie des Erwachsenen­
Forschungsschwerpunkt beschäftigt sich sowohl alters
mit Aspekten des Erlebens (wie Emotionen) als •  Psychologie [Bildungspsychologie und
auch mit konkret beobachtbarem Verhalten und Evaluation]
Entscheidungen. •  Psychologie [Wirtschaftspsychologie]
•  Psychologie [Psychologische Bildungs-
Psychologie im Kontext von Gesundheit und Transferforschung]
und Beeinträchtigung •  Psychologische Forschungsmethoden –
Forschungssynthese
Ein vierter, klinisch-psychologisch ausgerichteter
Forschungsschwerpunkt (primär in Themenfeld 4.9.4 F
 achliche Widmung
„Gesundheit, Belastung, Bewältigung sowie künftiger Professuren und
soziale Inklusion“ verankert) befasst sich mit Stand der Umsetzung
Fragen von Gesundheit und Beeinträchtigung.
Die Weiterentwicklung des Verständnisses von Professuren in Besetzung zum Stichtag
klinisch-psychologisch relevantem Erleben und 1. Oktober 2017
Verhalten steht hier im Fokus. Neben indivi-
duellen Eigenschaften des Menschen werden •  Methoden der Psychologie
gleichfalls Merkmale seines sozialen Kontextes
berücksichtigt. Konkrete Forschungsfragen Besetzungen im Einklang mit dem
betreffen Faktoren und Bedingungen zur Genese, Forschungsprofil und zur Sicherung
Wiederentwicklung und Aufrechterhaltung von der Grundlagenfächer
psychischer Gesundheit. Dies erfolgt für ausge-
wählte Bereiche wie beispielsweise Depression Fachliche Widmung:
bei Kindern und Jugendlichen, posttraumatische Klinische Psychologie des Kindes- und
Stressreaktionen oder psychische Auffälligkeiten Jugendalters
bei Menschen mit entwicklungsbedingten intel- Besetzungszeitpunkt: Finanzierung durch eine
lektuellen Beeinträchtigungen. Die weitere Aus- vakante Professur aus dem Bereich der Fakultät
gestaltung des Forschungsschwerpunkts erfolgt (voraussichtlich ab 2018)
unter Einbezug von neu zu berufenden Professor-
Innen. Die Etablierung einer Forschungs-, Lehr- Fachliche Widmung:
und Praxisambulanz ist für diesen Forschungs- Bildungspsychologie und gesellschaftliche
schwerpunkt als zentrales Anliegen zu sehen. Veränderungen
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
4.9.3 Professuren zum Stichtag Professur „Psychologie“
1. Oktober 2017 (voraussichtlich 1. Oktober 2019)

Zur leichteren Übersicht sind hier sämtliche zum Fachliche Widmung:


Stichtag 1. Oktober 2017 bestehenden Professu- Sozialpsychologie im Kontext von Arbeit,
ren (§ 98 und § 99 Abs. 3 Universitätsgesetz 2002, Gesellschaft und Wirtschaft
inkl. allfälliger Vorziehprofessuren) angegeben. Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
In eckiger Klammer sind die jeweils derzeit Professur „Psychologie“
vertretenen Forschungsgebiete zur Information (voraussichtlich 1. Oktober 2020)

109
Fachliche Widmung: orientiert sich die Fakultät klar an internationalen
Gesundheitspsychologie wissenschaftlichen Exzellenzstandards. Geogra-
Besetzungszeitpunkt: Finanzierung durch va- phisch deckt die Fakultät in ihrer Forschung so gut
kante wissenschaftliche Stellen aus dem Bereich wie alle Weltregionen ab, wobei die Fächer unter-
der Fakultät (voraussichtlich ab 1. Oktober 2019) schiedliche Schwerpunkte setzen. Gleichzeitig gilt
ein besonderes Augenmerk der Situation Öster-
Professuren nach Maßgabe budgetärer reichs im europäischen und globalen Kontext. Da
Möglichkeiten die Erforschung gesellschaftlicher Veränderungen
zunehmend die traditionellen disziplinären Gren-
Fachliche Widmung: zen sprengt, setzt die Fakultät für Sozialwissen-
Motivationspsychologie schaften auf eine enge Vernetzung und Koopera-
tion zwischen den in ihr vertretenen Disziplinen
Fachliche Widmung: in Forschung und Lehre, auf eine Ausweitung der
Familienpsychologie interdisziplinären Zusammenarbeit mit Fächern
anderer Fakultäten der Universität, auf Koope-
Fachliche Widmung: rationen mit außeruniversitären Einrichtungen
Kognitive Neurowissenschaften sowie auf eine Internationalisierung in Forschung
und Lehre. Diese Entwicklung der Fakultät wird
Fachliche Widmung: einerseits durch entsprechende Anreiz- und
Psychologie des Alterns Unterstützungsangebote – insbesondere für den
wissenschaftlichen Nachwuchs – gefördert und
Fachliche Widmung: andererseits durch ein gezieltes Vorantreiben der
Stadt- und Umweltpsychologie Internationalisierung im Bereich der Wissenschaf-
terInnen und Studierenden unterstützt.

4.10.2 T
 hemenfelder und
4.10 Fakultät für Forschungsschwerpunkte
Sozialwissenschaften
Die thematisch breit gefächerte Forschung der
Fakultät lässt sich bestmöglich anhand einer
4.10.1 Zielsetzungen Matrixstruktur beschreiben. Zum einen findet sie
im Kontext von sechs disziplinär organisierten
Die Fakultät für Sozialwissenschaften sieht Fachbereichen statt. Diese zeichnen sich durch
es als ihre zentrale Aufgabe, gesellschaftliche spezifische methodische Herangehenswei-
Herausforderungen und Veränderungsprozesse sen, eigene Theoriebildungen, verschiedene
auf globaler, nationaler und lokaler Ebene einer regionale Schwerpunkte aus, aber auch durch
kritischen, wissenschaftlich fundierten Analyse zu unterschiedliche historische Entwicklungen.
unterziehen. Viele Gesellschaften befinden sich Zum anderen werden in sieben interdisziplinär
heute in größeren Umbrüchen und stoßen dabei angelegten, fächerübergreifenden Forschungs-
an vielfältige Grenzen. Es ist eine Diversifizierung schwerpunkten gemeinsam ausgewählte
von Werten und Lebensformen zu beobachten, gesellschaftliche Problemlagen und Herausfor-
Strukturen verschieben sich, Rollen werden neu derungen erarbeitet. Durch diese Matrixstruktur
definiert und verteilt und etablierte Ordnungen werden ausgewiesene Stärken und etablierte
hinterfragt. Es stellen sich daher Fragen von Forschungstraditionen weiter gefördert und
Verteilungsgerechtigkeit und Exklusion auf sehr gleichzeitig Räume für zukunftsorientierte, inno-
unterschiedlichen Ebenen. Mehr denn je sind die vative Forschungsthemen geschaffen.
Sozialwissenschaften daher gefragt, zum besse-
ren Verstehen dieser komplexen Transformati- Die Kultur- und Sozialanthropologie untersucht
onsprozesse beizutragen, aber auch an Lösungs- die Vielfalt kultureller Ausdrucks- und Lebens-
findungen und Neugestaltungen mitzuwirken. formen aus Sicht der jeweils Beteiligten sowie in
Damit ist es, über exzellente Beiträge zu internati- vergleichender und historischer Perspektive. Die-
onalen wissenschaftlichen Debatten hinaus, das se Prozesse werden im Kontext regionaler und
explizite Ziel der Fakultät, das produzierte Wissen globaler Entwicklungen verstanden. Ein Schwer-
in unterschiedliche Handlungsfelder einzubrin- punkt der Forschung liegt im außereuropäi-
gen und sich so maßgeblich an der Entwicklung schen Raum sowie im internationalen Vergleich
sozialer Innovationen zu beteiligen. So nimmt und in transnationalen Zusammenhängen. Im
die Fakultät ihre gesellschaftliche Verantwortung Mittelpunkt stehen dabei die Wechselwirkun-
als universitäre Einrichtung aktiv wahr. gen globaler Transformationen mit lokalen
Prozessen der Gegenwart. Einsichten aus dem
Die Forschung der Fakultät versteht sich als „globalen Süden“ und den Bereichen, die oft als
theoriegeleitet empirisch, ist methodisch breit an- „euro-amerikanische Peripherie“ beschrieben
gelegt, vielfach auch vergleichend und deckt das werden, finden in den multiplen theoretisch-me-
gesamte Spektrum von grundlagen- bis hin zu an- thodischen Ansätzen der Kultur- und Sozialanth-
wendungsorientierten Fragestellungen ab. Dabei ropologie besondere Beachtung.

110
Die Arbeitsschwerpunkte der Soziologie liegen politischer Institutionen und Organisationen,
in der Analyse aktueller sozialer Herausfor- sowie verschiedener Politikfelder), (3) Öster-
derungen und Entwicklungen in Österreich reichische Politik (Erforschung des politischen
und Europa. Die Forschungsarbeiten sind an Wettbewerbs, von Migration und Diversität sowie
gesellschaftlichen Problemen orientiert, em- von Sozialpolitik) und Europäisierung und (4) In-
pirisch ausgerichtet und weisen einen hohen ternationale Politik (Analyse von Globalisierung,
Praxisbezug auf. Eingebunden in internationale Nachhaltigkeits- und Ressourcenforschung)
Diskurse werden für die Disziplin relevante Ge- und Europaforschung. In jedem dieser Bereiche
sellschaftsdiagnosen zu soziologischen Theorien zeichnet sich die Arbeit durch problemorien-
verdichtet. Die aktuellen Arbeitsschwerpunkte tierte Perspektiven in Forschung und Lehre,
liegen in den Bereichen (1) Arbeit, Organisation, plurale Forschungsansätze und interdisziplinäre
Geschlechterverhältnisse, (2) Familie, Generatio- Kooperationen aus. Eine übergreifende Klammer
nen, Lebenslauf, (3) Migration, Stadt, soziale Un- in der Forschung bilden politische Transformati-
gleichheit sowie (4) Wissen, Kultur, Bildwelten. onsprozesse.

Die Politik- und Staatswissenschaft beschäftigt Die Publizistik- und Kommunikationswissen-


sich empirisch und theoretisch mit Politik und schaft behandelt Prozesse der privaten sowie
Governance, Staat und Demokratie und deren öffentlichen medien- und technologievermittel-
Entwicklungen und Veränderungen in unter- ten Kommunikation und deren infrastrukturelle
schiedlichen Weltregionen. Sie decken dabei vier Bedingungen. Im Mittelpunkt der Analysen steht
Kernbereiche ab: (1) Politische Theorie (Erfor- der Wandel von medialen Vermittlungstechniken
schung der ideengeschichtlichen und norma- sowie Medieninhalten und den damit verbun-
tiven Grundlagen politischer Ordnung, der Trans- denen Auswirkungen auf Individuen, Gesell-
formation von Geschlechterverhältnissen und schaft, Politik und Geschlechterverhältnisse.
der politischen Kultur), (2) Vergleichende Politik Die zentralen Forschungsthemen liegen derzeit
(Vergleich politischer Systeme in verschiedenen in den Feldern (1) Journalismus, (2) politische
Weltregionen und Erforschung von demokrati- Kommunikationsforschung und Medienpolitik,
scher Repräsentation, der öffentlichen Meinung, (3) Werbung und Public Relations, (4) Medienge-

111
schichte und Medienwandel bzw. neue Medien Das Forschungsprofil der Fakultät wird durch
sowie (5) Methodenentwicklung. fachübergreifende Zusammenarbeit ergänzt.
Diese findet zum einen durch eine tiefergreifen-
Im Fokus der Wissenschafts- und Technikfor- de Auseinandersetzung mit den vielfältigen so-
schung stehen die immer enger werdenden Ver- zialwissenschaftlichen Methodenverständnissen
knüpfungen von wissenschaftlich-technischem statt, von der Inanspruchnahme von Methoden
und gesellschaftlichem Wandel. Dies zu analysie- als Werkzeuge für die Überprüfung von For-
ren ist heute zentral, da wissenschaftlich-techni- schungshypothesen bis hin zur Hervorhebung
sche Innovationen als wirtschaftlicher Motor und ihrer Verwobenheit mit der Theoriebildung. Zum
als ein Mittel zur Lösung großer gesellschaftlicher anderen arbeiten die Fächer in sieben themati-
Herausforderungen gesehen werden. Gleichzei- schen Forschungsschwerpunkten zusammen.
tig werfen neues Wissen und neue Technologien Dadurch wird es möglich, komplexe gesellschaft-
vielfach auch zum Teil konfliktträchtige gesell- liche Herausforderungen gemeinsam, durch das
schaftspolitische Fragen auf. Thematisch geht es Zusammenführen verschiedener methodischer
darum zu analysieren, wie Wissen und Innovati- und theoretischer Herangehensweisen, für die
onen entstehen, welche Rolle Wissenschaft und Forschung zu erschließen und gesellschaftlichen
Technik in der Gestaltung von Gesellschaften AkteurInnen zugänglich zu machen.
auf globaler und lokaler Ebene spielen und wie
dies in Demokratien diskutiert und mitgestaltet Familien, Generationen und
werden kann. Themenübergreifend geht es Gesundheitsförderung
um die Rolle von Werten und Bewertungen in
Wissenschaft und Gesellschaft sowie um Fragen Soziale und sozialpolitisch relevante Probleme
der Verantwortung in Forschung und Innovation. in Zusammenhang mit Familien, Generationen
Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den und Gesundheitsförderung stehen im Zentrum
jeweiligen naturwissenschaftlich-technischen der theoretischen und empirischen Forschung.
Fächern hat in der Wissenschafts- und Technik- Themen wie demographische Herausforderun-
forschung einen zentralen Stellenwert. gen, sozio-demographische Entwicklungen,
Dynamiken und Veränderungen im Lebens- und
In der Pflegewissenschaft steht das Handlungs- Familienverlauf, die Auswirkungen aktueller
feld der Pflege im Mittelpunkt und umfasst dabei gesellschaftlicher Prozesse auf Lebensverläufe,
die gesamte Lebensspanne eines Menschen. Die Familien und Familienleben, Gesundheit und
Analyse betrachtet dabei sowohl die verschiede- Gesundheitsförderung, Pflege und Versorgung
nen Ebenen, vom Individuum über die Familie in Zusammenhang mit steigender Lebenser-
bis hin zu gesellschaftlichen und politischen wartung oder die Analyse wohlfahrtsstaatlicher
Strukturen, als auch das gesamte Versorgungs- Maßnahmen werden aufgegriffen und analysiert.
kontinuum. In allen drei derzeit bearbeiteten
Themenfeldern – familienbezogene, onkologi- Der Forschungsschwerpunkt fokussiert thema-
sche und gerontologische Pflege – wird durch tisch auf die neuen Strukturen von Generati-
die pflegewissenschaftliche Forschung ein onenbeziehungen, Transformationsprozesse
Bindeglied zwischen einem medizinischen und innerhalb des Lebenslaufs, Lebensqualität in
einem sozialwissenschaftlichen Blickwinkel auf Beruf und Familie und insbesondere auch auf
gesellschaftlich relevante Phänomene geschaf- Fragen von altersgerechten bzw. gesundheitsför-
fen. Neben der Grundlagenforschung und der derlichen Arbeitsplätzen und Beschäftigungsver-
Entwicklung sowie Evaluierung von Interven- hältnissen.
tionen stehen Versorgungs- und Implementie-
rungsforschung im Zentrum. Geschlecht und Transformation

Im Zentrum der Forschung der Internationalen Die geschlechtssensible Theoretisierung und


Entwicklung stehen die transdisziplinäre Unter- Analyse aktueller Transformationen von Gesell-
suchung und Reflexion globaler Ungleichheiten, schaft, Ökonomie, Politik, Medien und Kultur
die kritische Begleitung der Entwicklungszu- steht im Zentrum dieses Forschungsschwer-
sammenarbeit sowie Fragen der Methodologie punkts. Zu den bearbeiteten Themen zählen
und Methodik der Entwicklungsforschung. Erst u. a. Affekte, Körper, Repräsentationen, Mobilität,
diese Integration unterschiedlicher Perspekti- Migration, Gewalt, Partizipation, Wissen und
ven in der Analyse von Problemfeldern erlaubt (Un-)Sichtbarkeit. Dabei wird Geschlecht als
ein tiefergreifendes Verständnis politischer, intrinsisch verwoben mit weiteren gesellschaft-
ökonomischer, sozialer und kultureller Prozesse, lichen Strukturkategorien wie Klasse, Ethnizität,
Dynamiken und Machtstrukturen auf globaler „Rasse“, Sexualität, Religion und Behinderung
und lokaler Ebene. Transdisziplinäre Entwick- gefasst.
lungsforschung bezieht daher Perspektiven aus
unterschiedlichen Wissens- und Praxisfeldern ein Die Forschungsperspektive erlangt durch die ak-
und ist dabei um eine Verknüpfung von Theorie tuellen ökonomischen und ökologischen Krisen
und Praxis bemüht. und die Zunahme an sozialen Ungleichheiten
global, transnational und national, aber auch

112
durch die Krisen demokratischer Repräsentation über Umwelt- und Nachhaltigkeitsfragen, neue
neue Dringlichkeit. Denn sowohl deren gesell- Medien/Mediatisierung bis hin zu Mensch-Tech-
schaftliche Ursachen als auch die politischen, nik-Interaktionen in den Bereichen Robotik oder
kulturellen, sozialen und medialen Bewälti- der wachsenden Bedeutung von Algorithmen.
gungsformen und Effekte sind vergeschlecht- Aber auch innerwissenschaftliche Veränderun-
licht. Vor allem bearbeitet der Schwerpunkt gen wie etwa Disziplinen- und Institutionen­
aktuelle Fragen sich wandelnder Geschlechter- entwicklung (insbesondere Fachgeschichten)
und Sexualitätsdispositive, in denen soziale werden fachübergreifend einer Analyse unter-
Ungleichheiten und Ausschlüsse, die durch z. B. zogen. Quer zu diesen thematischen Feldern
(vergeschlechtlichte) affektive und visuelle Tech- stehen folgende Fragestellungen im Zentrum:
nologien sowie Körpertechnologien produziert (1) Bedingungen der Wissensproduktion und
werden, bestimmende Dimensionen sind. Der Beziehungen verschiedener Wissensformen;
Forschungsschwerpunkt analysiert darüber (2) Restrukturierungen in der Produktion und
hinaus Geschlechterpolitiken, die zentral sind für Verteilung von Wissen, Wissensinfrastrukturen
die Entwicklung von Demokratie und von neuen und den Zugangsbedingungen zu beidem; (3)
Formen politischer Beteiligung ebenso wie für Hybridität und neue Formen von Sozialität zwi-
Migrationsmuster und für Probleme von (Nicht-) schen nicht-menschlichen (z. B. Maschinen) und
Zugehörigkeit. Die unterschiedlichen aktuellen menschlichen AkteurInnen; (4) neue Herausfor-
Transformationsprozesse werden als eingebettet derungen für demokratische Praxen, die in der
in globale Transformationsprozesse begriffen Wechselwirkung mit technowissenschaftlichen
und aus einer komparativen und transnationa- Entwicklungen entstehen.
len Perspektive untersucht.
Neben dem breiten interdisziplinären Austausch
Governance, Demokratie, Solidarität steht der Schwerpunkt auch für ein Interesse an
historischen Perspektiven und für eine Zusam-
Der Forschungsschwerpunkt untersucht den menarbeit mit unterschiedlichen Bereichen der
Wandel von Governance in unterschiedlichen Naturwissenschaften und Technik.
Politikfeldern, geographischen Regionen und
politischen Räumen sowie den damit einherge- Migration, Citizenship und
henden Form- und Funktionswandel von gesell- Zugehörigkeit(en)
schaftlicher Ordnung, Staatlichkeit und Demo-
kratie. Der Nationalstaat wird dabei als Ebene Das gemeinsame Interesse des Forschungs-
der Institutionalisierung von Demokratie und als schwerpunkts liegt in der Erforschung der durch
Solidargemeinschaft gesehen, innerhalb derer die wachsenden globalen Interdependenzen
Solidarität etwa in Form sozialer Sicherungssys- verändernden Gestalt und Dynamik von Pro-
teme eingerichtet wurde und moralische Ver- zessen der Migration und Integration sowie die
pflichtungen zu gegenseitiger Unterstützungs- Einsicht in die Notwendigkeit neuer Forschungs-
leistungen bestehen. Inwiefern im Gleichklang perspektiven jenseits nationaler und disziplinä-
mit stark gewachsenen Interdependenzen auf rer, methodologischer und epistemologischer
supranationaler Ebene geteilte Identitäten, Wer- Engführungen. Durch die unterschiedlichen
te und Normen sich verändern, wird unter den vertretenden Fachrichtungen ergibt sich eine
Stichworten neue Formen von Governance und Diversität von Themensetzung und disziplinärer
„transnationale Solidarität“ analysiert. Demokra- Einbettung.
tietheoretische und politische Fragen bilden eine
weitere Klammer des Forschungsschwerpunkts, Im Fokus steht die fachliche und disziplinen-
denn auch die Strukturen und Prozesse von De- überschreitende Auseinandersetzung mit neuen
mokratie ändern sich. Diese Themen können aus Formen von Mobilität und Migration, die mit
kultur- und sozialanthropologischer, kommuni- transnationalen Praktiken der Sozialintegrati-
kationswissenschaftlicher, soziologischer und on und Identitätskonstruktion sowie mit einer
politikwissenschaftlicher Perspektive und ihrem Rekonfiguration von sozialen Ungleichheiten
Zusammenspiel gehaltvoll untersucht werden. einhergehen, nicht zuletzt als eine Folge von
veränderten Modi der Regulation von Migration.
Wissensgesellschaften in Zeiten Aus interdisziplinär verschränkter Perspektive
turbulenten Wandels: Wissenschaft, analysiert werden die sich verändernden
Materialität und öffentliche Räume Bedingungen für die Produktion von Minder-
heits-Mehrheitsbeziehungen, von Mechanismen
In vielen Bereichen heutiger Gesellschaften der sozialen, politischen und kulturellen Ein-
sind Fragen des guten Zusammenwirkens von und Ausschließung, von unterschiedlichen (sich
wissenschaftlich-technischen Entwicklungen mit auch überlappenden) individuellen und kollek-
gesellschaftlichem Wandel von großer Bedeu- tiven Identitäten, von sozialen (und medialen)
tung. Die im Forschungsschwerpunkt bearbeite- Repräsentationen und Konstruktionen sowie
ten Themen erstrecken sich von den vielschich- von politischen Konflikten und Verteilungskämp-
tigen gesellschaftlichen Herausforderungen fen um Ressourcen, Rechte und Zugehörigkeit,
von Biomedizin und Lebenswissenschaften, entlang von Teilhabe und Ausgrenzung.

113
Politischer Wettbewerb und politische zu beleuchten, Meta-Konzepte zu diskutieren
Kommunikation: Demokratische und ein interdisziplinäres Lehrprogramm für
Repräsentation in sich verändernden Studierende zu entwickeln.
Gesellschaften
4.10.3 P
 rofessuren zum Stichtag
Dieser Forschungsschwerpunkt analysiert das 1. Oktober 2017
Zusammenwirken politischer AkteurInnen, Bür-
gerInnen sowie traditioneller und neuer Medien Zur leichteren Übersicht sind hier sämtliche zum
in demokratischen Systemen. Erkenntnisse über Stichtag 1. Oktober 2017 bestehenden Professu-
die wechselseitigen Einflüsse zwischen diesen ren (§ 98 und § 99 Abs. 3 Universitätsgesetz 2002,
drei AkteurInnen werden durch die Verschrän- inkl. allfälliger Vorziehprofessuren) angegeben.
kung politikwissenschaftlicher, kommunika- Diese Momentaufnahme präjudiziert in keiner
tionswissenschaftlicher, soziologischer und Weise die im folgenden Abschnitt vorgenomme-
sozialpsychologischer Perspektiven generiert. nen und die zukünftigen Professurenwidmungen.
Nur eine solche umfassende Perspektive auf die
zentralen AkteurInnen und deren Interaktionen •  Allgemeine Kultur- und Sozialanthropologie
erlaubt eine realistische Analyse politischen •  Allgemeine Soziologie
Wettbewerbs und der Qualität von politischer •  Democratic Governance
Repräsentation in modernen Demokratien. •  Development Sociology
•  Internationale Politik
Von zentralem Interesse dabei sind: die politi- •  Internationale Stadtforschung
schen Einstellungen, Emotionen und Entschei- •  Journalismus
dungen von BürgerInnen; die Interaktionen •  Kultur- und Sozialanthropologie
der politischen Parteien mit WählerInnen, •  Kultur und Wissen
Medien und anderen gesellschaftspolitischen •  Materielle Kultur und Konsumtion
Institutionen vor dem Hintergrund politischer •  Methoden der empirischen Sozialforschung
Repräsentationsmechanismen und die Rolle der (Textanalyse)
Medien in diesen Interaktionen. Die traditionel- •  Methoden der empirischen Sozialforschung:
len Massenmedien sind dabei sowohl Vermittler Soziale Netzwerkanalyse unter Berücksichti-
von Informationen als auch AkteurInnen mit gung ethnographischer Methoden
intrinsischen Interessen, während neue Medien •  Methoden der Sozialwissenschaften
einen Pool von Meinungen und Interessen •  Pflegewissenschaft
darstellen und als Informationsquellen sowie als •  Politikwissenschaft
Mittel sozialer Kommunikation fungieren – dies •  Politikwissenschaft/Governance and Gender
mit zunehmenden Konsequenzen für Politik und •  Politische Theorie
Gesellschaft. •  Publizistik- und Kommunikationswissen-
schaft
Visual Studies in den •  Publizistik- und Kommunikationswissen-
Sozialwissenschaften schaft
•  Publizistik- und Kommunikationswissen-
Visuelle Kommunikation, Visuelle Politik, Visua- schaft
lisierung von Sachverhalten und sozialen Bezie- •  Publizistik- und Kommunikationswissen-
hungen gewinnen ständig an Bedeutung. Diese schaft mit dem Schwerpunkt Medienwandel
gesellschaftlichen Entwicklungen sind als iconic, und Medieninnovation
respektive visual oder pictorial turn bezeichnet •  Publizistik- und Kommunikationswissen-
und aus vorwiegend kulturwissenschaftlicher schaft mit dem Schwerpunkt Public
Perspektive zum Teil bereits beschrieben wor- Relations-Forschung
den. An diese Beobachtungen gesellschaftlicher •  Publizistik- und Kommunikationswissen-
Entwicklung knüpft der Forschungsschwerpunkt schaft mit dem Schwerpunkt Werbefor-
mit dem Ziel an, sozialwissenschaftlich orien- schung
tierte Zugänge zu entwickeln, um die Bedeutung •  Quantitative Parteien- und Wahlforschung
von Bildphänomenen in aktuellen gesellschafts- •  Sozialstrukturforschung und quantitative
politischen Entwicklungen auf Basis eines inter- Methoden
disziplinären sozialwissenschaftlichen Theorie- •  Vergleichende Politikfeldanalyse
und Methodenverständnisses zu analysieren. •  Wissenschaftsforschung

Thematisch liegen derzeit die Schwerpunkte


in den Bereichen der Bildbiographien, Bildpo-
litiken, populärkulturellen Bildwelten, lokalen/
globalen Bildräumen sowie auf allgemeiner
Ebene der Theorie- und Methodenentwicklung.
Inhaltlich forcieren die beteiligten ForscherInnen
einen disziplinenübergreifenden Austausch, um
Kernthemen aus unterschiedlichen Perspektiven

114
4.10.4 Fachliche Widmung Professuren nach Maßgabe budgetärer
künftiger Professuren und Möglichkeiten
Stand der Umsetzung
Fachliche Widmung:
Professuren in Besetzung zum Stichtag Technowissenschaften, Materialität und
1. Oktober 2017 digitale Kulturen

•  Kultur- und Sozialanthropologie des Fachliche Widmung:


globalen Südens Medizinanthropologie und Global Health
•  Politische Soziologie (Kooperationen mit Einrichtungen der Medizini-
•  Vergleichende Politikwissenschaft schen Universität Wien werden angestrebt)

Besetzungen im Einklang mit dem Fachliche Widmung:


Forschungsprofil und zur Sicherung Gerontologische Pflege
der Grundlagenfächer
Fachliche Widmung:
Fachliche Widmung: Computational Communication Science
Kultur- und Sozialanthropologie unter
besonderer Berücksichtigung von Religionen Fachliche Widmung:
und religiösen Bewegungen Internationale Entwicklung
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
Professur „Allgemeine Kultur- und Sozialanthro-
pologie“ (voraussichtlich 1. Oktober 2019)
4.11 Fakultät für Mathematik
Fachliche Widmung:
Publizistik- und Kommunikationswissen- 4.11.1 Zielsetzungen
schaft mit dem Schwerpunkt Unterhaltungs-
forschung Die Mathematik ist nicht nur ein wichtiger Teil der
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der menschlichen Kultur, sondern sie spielt darüber
Professur „Publizistik- und Kommunikationswis- hinaus eine bedeutende Rolle unter den Wissen­
senschaft“ (voraussichtlich 1. Februar 2021) schaften, da sie eine einheitliche Sprache für
quantitative Theorien in vielen verschiedenen Ge-
Fachliche Widmung: bieten darstellt. Die aktuelle innere Entwicklung
Politische Institutionen im Vergleich der Mathematik als ein wissenschaftliches Fach
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der ist einerseits gekennzeichnet durch eine zuneh-
Professur „Democratic Governance“ mende Spezialisierung, auch innerhalb ihrer Teil-
(voraussichtlich 1. Oktober 2022) gebiete. Auf der anderen Seite beruhten viele der
wichtigsten mathematischen Durchbrüche der
Fachliche Widmung: vergangenen Jahre auf Interaktionen zwischen
Österreichische Politik im europäischen verschiedenen Bereichen der Mathematik. Ein
Kontext vordringliches Ziel der Fakultät für Mathematik ist
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der es, diese Wissenschaft auf höchstem internatio-
Professur „Politikwissenschaft“ nalem Niveau in großer Breite in Forschung und
(voraussichtlich 1. Oktober 2022) Lehre zu vertreten und zugleich ein umfassendes
Angebot in Forschung und Lehre für andere Wis-
Fachliche Widmung: senschaftsdisziplinen bereitzustellen.
Politik und Gender
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der Basierend auf international stark vernetzten
Professur „Politikwissenschaft/Governance und Forschungsschwerpunkten legt die Fakultät
Gender“ (voraussichtlich 1. Oktober 2022) für Mathematik hohen Wert auf Kooperationen
mit Anwendungswissenschaften. Die Fakultät
Fachliche Widmung: ist bemüht, die bestehenden Synergien mit
Wissenschafts- und Technikforschung ForscherInnengruppen etwa in Biologie, Physik,
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der Astronomie, den Wirtschafts- und Ingenieurwis-
Professur „Wissenschaftsforschung“ senschaften noch weiter zu intensivieren und für
(voraussichtlich 1. Oktober 2023) diese ein attraktives Angebot bereitzuhalten und
zu entwickeln.
Fachliche Widmung:
Allgemeine Soziologie Die Fakultät für Mathematik kooperiert mit
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der anderen Fakultäten an der Universität Wien,
Professur „Allgemeine Soziologie“ mit Instituten an der Technischen Universität
(voraussichtlich 1. Oktober 2024) Wien, der Medizinischen Universität Wien, der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften

115
(ÖAW) und dem Wolfgang-Pauli-Institut (WPI). in der Berechenbarkeits- und Beweistheorie ist
Zahlreiche derartige Kooperationen existieren eng mit der Komplexitätstheorie verbunden, ein
bereits, wobei hier sowohl Synergieeffekte als Gebiet, das mit seinem „P=NP“-Problem im Zen-
auch Komplementarität genutzt werden. Es ist trum der Grundlagen der Informatik liegt. Auch
Ziel der Fakultät, diese Kooperationen zu inten- hat die Mathematische Logik einen wichtigen
sivieren und neue ins Leben zu rufen. Einfluss auf ein breites Spektrum von Themen
in der Philosophie der Mathematik. Derzeit ist
Von besonderer Bedeutung ist die Kooperation dieser Schwerpunkt in Form des „Kurt Gödel
mit der Fakultät für Physik im Rahmen des Erwin Research Center for Mathematical Logic“ an der
Schrödinger International Institute for Mathe- Fakultät verortet.
matics and Physics (ESI), das hohes internatio-
nales Ansehen genießt. Das thematische Spekt- Biomathematik und Dynamische
rum der Aktivitäten des ESI umfasst theoretische, Systeme
experimentelle und computergestützte Aspekte
der beteiligten Wissenschaften. Dieser Schwerpunkt umfasst Gebiete der Ma-
thematik mit einer starken Tradition in Wien,
4.11.2 Themenfelder und nämlich die Analyse deterministischer und
Forschungsschwerpunkte probabilistischer Modelle aus der Biologie und
anderen Natur- und Sozialwissenschaften sowie
Ausgehend von ihren traditionellen Schwerpunk- das Studium der Ergodentheorie und der dyna-
ten und Stärken in analytischer Zahlentheorie, in mischen Systeme.
harmonischer Analyse, in Biomathematik und in
Mathematischer Physik entwickelt die Fakultät Als Ausgangspunkt der Biomathematik dienen
für Mathematik ihr Profil stetig weiter, indem ei- Fragestellungen aus den Lebenswissenschaften,
nerseits die Tradition im Hinblick auf modernere insbesondere aus den Gebieten der Evolutions-
Entwicklungen angepasst wird, und andererseits forschung, der Ökologie, der Populationsgenetik,
neue Schwerpunkte (etwa in Differentialglei- der evolutionären Spieltheorie, und der moleku-
chungen inklusive ihrer Numerik, in Finanzma- laren Zellbiologie. Die Theorie der dynamischen
thematik, in Computergestützter Optimierung Systeme bildet dabei einen der Eckpfeiler für
oder in Diskreter Mathematik) gesetzt werden. die mathematische Beschreibung biologischer
Prozesse. Weiters werden Methoden der partiel-
Die Fakultät besitzt sechs Forschungsschwer- len Differentialgleichungen, der Stochastik und
punkte, die im Folgenden beschrieben werden. Statistik sowie computergestützte Verfahren
Darüber hinaus ist Fachdidaktik/Schulmathe- eingesetzt. In der Ergodentheorieforschung
matik, deren Nähe zur Fachwissenschaft für das stehen eben die statistischen Eigenschaften von
Lehramtsstudium von großer Bedeutung ist, ein glatten dynamischen Systemen, vor allem deren
wichtiges Themenfeld an der Fakultät, das in Mischungseigenschaften, sowohl für endliche
diesem Entwicklungsplan im Zentrum für Lehrer­ als auch für unendliche Maße, im Mittelpunkt.
Innenbildung abgebildet wird. Dies hat starke Bezüge zur Statistischen Physik
und zur Zahlentheorie. Darüber hinaus werden
Logik verschiedene topologische und geometrische
Aspekte im Zusammenhang mit dynamischen
Die Forschung des Schwerpunkts Logik folgt Systemen angesprochen.
nach der Tradition von Kurt Gödel, der in den
Jahren 1929-1931 die Vollständigkeits- und Stochastik und Finanzmathematik
Unvollständigkeitstheoreme in Wien bewiesen
hat, wohl das wichtigste Werk der mathemati- Die Theorie der stochastischen Prozesse hat
schen Logik der Neuzeit. Direkt aus Gödels Arbeit zahlreiche Anwendungsfelder in den Natur- und
stammen die vier zentralen Gebiete der moder- Sozialwissenschaften gefunden, mit besonde-
nen Logik: die Mengenlehre, die Modelltheorie, rem Schwerpunkt auf Anwendungen im Finanz-
die Berechenbarkeitstheorie und die Beweis- sektor, die weiterhin ein erhebliches Interesse
theorie. Alle vier werden in diesem Schwer- wecken. Die Universität Wien hat daher einen
punkt erforscht. Als Grundlage der Mathematik Forschungsschwerpunkt definiert, der diese
ermöglicht die Mengenlehre sowohl die Suche beiden Bereiche verbindet. Mit der mathemati-
nach den richtigen Axiomen, die für die Lösung schen Wahrscheinlichkeitstheorie als Basis wer-
aller bedeutsamen Fragen der Mathematik den Grundlagenforschungsaktivitäten in einem
ausreichend sind, als auch die feine Analyse von Bereich durchgeführt, in dem die Anwendung
Klassifizierungsproblemen in der Mathematik immer eine starke treibende Kraft für die reine
(die Deskriptive Mengenlehre). Die Mengenleh- mathematische Theorie war. Ein klassisches Bei-
re hat auch starke Verbindungen zu Analysis, spiel stellen Fragestellungen aus der Physik dar.
Ergodentheorie und Topologie. Als die Logik
der Strukturen hat die Modelltheorie zahlreiche, Auch die Anwendungen im Finanzbereich sind
wichtige Anwendungen in die Algebra und in oft von ursprünglich im physikalischen Kontext
die Zahlentheorie. Die Arbeit des Schwerpunkts entwickelten Ideen geprägt beziehungsweise

116
manchmal auch umgekehrt. Ein Beispiel für den Kernthemen im Bereich der mathematischen
zweiten Fall ist das Konzept der Brownschen Physik sind konforme und topologische
Bewegung, deren mathematische Modellierung Quantenfeldtheorie, mathematische Aspekte
von Louis Bachelier aufgrund von Fragestellun- der Quantenmechanik und von Wellenphäno-
gen im Finanzbereich entwickelt wurde, einige menen. Insbesondere werden die Schrödin-
Jahre bevor Albert Einstein auf die grundlegen- ger-Gleichung und Anwendungen auf integrable
de Bedeutung im Rahmen der Physik hinwies. Wellengleichungen (Solitonen-Gleichungen)
Moderne Beispiele von Finanzanwendungen studiert, die zur Modellierung einer Vielzahl von
sind Fragen der Portfolio-Optimierung sowie physikalischen Phänomenen (von Wasserwellen
der Bewertung und Absicherung von derivati- bis zur Datenübertragung in Glasfaserleitungen)
ven Finanztiteln in stetiger Zeit. Aufbauend auf verwendet werden. Abgesehen von integrablen
der Idee des No-Arbitrage-Prinzips werden im Modellen, die in bestimmten Regimen gelten,
Rahmen des Schwerpunkts Forschungsarbeiten sind Wellen mit großen Amplituden ein wich-
zu diesen Themenkreisen durchgeführt. tiges Thema. Das führt auf die Untersuchung
von freien Randwertproblemen der Eulerschen
Analysis, Geometrische Strukturen Gleichungen der Strömungsmechanik. Außer
und Mathematische Physik Oberflächenwellen ist auch die Strömung unter
der Oberfläche, mit besonderer Berücksichti-
In diesem Schwerpunkt wird ein breites Spek- gung der Wechselwirkung zwischen Welle und
trum von Themen bearbeitet, zwischen denen Strömung von Interesse.
sowohl inhaltlich als auch methodisch enge
Beziehungen und Wechselwirkungen bestehen. Computational Sciences
Gemeinsamkeiten zeigen sich insbesondere
in der Anwendung von Methoden der Funktio- Die ForscherInnen in diesem Bereich teilen ihr
nalanalysis und der Theorie von Differentialglei- Interesse an der Formulierung mathematischer
chungen auf Probleme der komplexen Analysis, Modelle und deren rechnerischer Realisierung,
Differentialgeometrie und der mathematischen insbesondere im Rahmen interdisziplinärer
Physik. Diese Methoden liefern auch wichtige Kooperationen mit anderen Disziplinen.
thematische Anknüpfungspunkte zu anderen
Schwerpunkten an der Fakultät, insbesondere Das Gebiet der angewandten partiellen Differen-
zum Schwerpunkt „Computational Sciences“. tialgleichungen hat sich zu einer großen Stärke
Lie-Gruppen, Darstellungstheorie und topologi- der Fakultät entwickelt. Die Aktivitäten umfassen
sche Quantenfeldtheorie führen zu natürlichen neben Modellierung und (asymptotische und
Verbindungen zum Schwerpunkt „Arithmetik, numerische) Analysis auch die Implementierung
Algebra und Diskrete Mathematik“. Neben den numerischer Methoden und die Simulation von
Verbindungen der mathematischen Physik ha- Differentialgleichungsmodellen. Die betrachte-
ben auch viele der im Schwerpunkt behandelten ten Anwendungen kommen derzeit vor allem
geometrischen Themen enge Beziehungen zu aus Gebieten wie Astrophysik, Zellbiologie, Kon-
Gravitationsphysik. tinuumsmechanik, Elektrodynamik, nichtlinea-
ren Materialien, Quantenphysik und Halbleiter-
Hauptthemen in der komplexen Analysis sind technik. Differentialgleichungsmodelle werden
Räume holomorpher Funktionen in mehreren auch für die Entwicklung neuer bildgebender
Variablen sowie CR-Geometrie, die am Über- Verfahren in der Medizin sowie für die Modellie-
gang zur Differentialgeometrie angesiedelt ist. rung sozial- und wirtschaftswissenschaftlicher
Hier bestehen enge Verbindungen zur Theorie Fragestellungen verwendet.
geometrischer Strukturen, die mit Methoden
der Lie-Theorie studiert werden. Neu erschlos- Die Arbeitsgruppe „Computergestützte Opti-
sene, zentrale Themenbereiche kommen aus mierung“ beschäftigt sich mit mathematischer
der Riemannschen Geometrie und der geome- Modellierung und mit (insbesondere globaler
trischen Analysis (wie z. B. Minimalflächen und und nichtglatter) Optimierung, mit Anwendun-
Flächen konstanter mittlerer Krümmung), wobei gen in der diskreten Geometrie, der statistischen
analytische Methoden und partielle Differen- Datenanalyse, der Bildverarbeitung und dem
tialgleichungen eine wichtige Rolle spielen. Maschinellen Lernen. Die mathematische Metho-
Funktionalanalytische Methoden sind zentral dik beinhaltet das Studium von monotonen In-
für die Fragestellungen der unendlich-dimensi- klusionen und von nichtglatten konvexen sowie
onalen Differentialgeometrie und der nichtli- nicht-konvexen Optimierungsproblemen.
nearen Theorie verallgemeinerter Funktionen
mit Anwendungen in der Differentialgeometrie, Die Harmonische Analysis hat an der Fakultät
die intensiv studiert werden. Dies führt auch zu eine lange Tradition und wird gegenwärtig in
neuen Einsichten in die Struktur und Ausbrei- vielen Ausprägungen, von der abstrakten harmo-
tung von Singularitäten mit Anwendungen in nischen Analysis auf lokal kompakten Gruppen
der mathematischen Seismologie und in der bis hin zur numerischen und anwendungsori-
allgemeinen Relativitätstheorie. entierten harmonischen Analysis betrieben. Der

117
Schwerpunkt liegt auf Zeit-Frequenz-Methoden bra, Zahlentheorie, wie auch zur Statistischen
und Anwendungen in der Signalverarbeitung, Physik.
der drahtlosen Kommunikation und der Analyse
biomedizinischer Daten. 4.11.3 P
 rofessuren zum Stichtag
1. Oktober 2017
Arithmetik, Algebra und Diskrete
Mathematik Zur leichteren Übersicht sind hier sämtliche
zum Stichtag 1. Oktober 2017 bestehenden
Dieser Forschungsschwerpunkt umfasst Arbeits- Professuren (§ 98 und § 99 Abs. 3 Universitäts-
gruppen in Algebraischen Strukturen und Grup- gesetz 2002, inkl. allfälliger Vorziehprofessuren)
pentheorie, in Arithmetik und Zahlentheorie, in angegeben. Diese Momentaufnahme präjudi-
Algebraischen Geometrie und Kommutativer ziert in keiner Weise die im folgenden Abschnitt
Algebra, und in Kombinatorik. vorgenommenen und die zukünftigen Professu-
renwidmungen.
Die Gruppentheorie wird vor allem von einem
geometrischen und analytischen Standpunkt •  Algebra
aus betrieben. Hier verbinden sich algebraische •  Algebraische Geometrie/Differential­
und wahrscheinlichkeitstheoretische Techniken geometrie
beispielsweise mit Methoden, die der Mathema- •  Angewandte Mathematik mit Schwerpunkt
tischen Physik entstammen. Optimierung
•  Applied Mathematics and Modeling
In der Algebraischen Geometrie werden zwei •  Biomathematik
Richtungen verfolgt: einerseits Fragen der soge- •  Computational Science – Mathematische
nannten Spiegelsymmetrie aus der Mathemati- Modellierung und Algorithmik in Anwen-
schen Physik und kategorielle Interpretationen dungsgebieten (Doppelprofessur 50 %; 50 %
und Erweiterungen davon; andererseits die an der Fakultät für Informatik)
Auflösung von Singularitäten und Approximati- •  Computerorientierte Mathematik
onstechniken in der Kommutativen Algebra. •  Differentialgleichungen
•  Diskrete Mathematik mit besonderer
In der Diskreten Mathematik reicht der Bogen Berücksichtigung der Kombinatorik
von algebraischer Kombinatorik über analyti- •  Dynamische Systeme
sche Kombinatorik bis hin zur Graphentheorie. •  Finanzmathematik
Somit ergeben sich Berührungspunkte zur Alge- •  Globale Analysis/Differentialgeometrie

118
•  Harmonische Analysis Fachliche Widmung:
•  Kombinatorik Harmonische Analysis und ihre Anwendungen
•  Komplexe Analysis Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
•  Mathematics and Biology (80 %; 20 % am Professur „Harmonische Analysis“
Zentrum für Molekulare Biologie) (voraussichtlich 1. Oktober 2024)
•  Mathematik VI – Angewandte Analysis,
Mathematische Physik Professuren nach Maßgabe budgetärer
•  Mathematik mit besonderer Berücksichti- Möglichkeiten
gung der Didaktik von Mathematik und Infor-
matik (gemeinsam mit dem Zentrum für Fachliche Widmung:
LehrerInnenbildung) Quantenalgorithmen
•  Mathematik (gemeinsam mit der Fakultät für Physik)
•  Mathematik
•  Mathematik Fachliche Widmung:
•  Mathematische Logik Data Science in Astrophysics
•  Mathematische Logik mit besonderer (gemeinsam mit der Fakultät für Geowissen-
Berücksichtigung der Grundlagen der schaften, Geographie und Astronomie)
Theoretischen Informatik
•  Numerik partieller Differentialgleichungen Fachliche Widmung:
•  Partielle Differentialgleichungen Machine Learning
•  Stochastik (gemeinsam mit der Fakultät für Informatik)

4.11.4 Fachliche Widmung Fachliche Widmung:


künftiger Professuren und Quantitative Modelling of Cellular Networks
Stand der Umsetzung (gemeinsam mit dem Zentrum für Molekulare
Biologie)
Professuren in Besetzung zum Stichtag
1. Oktober 2017 Fachliche Widmung:
Computational Medicine
•  Algebra und Zahlentheorie (gemeinsam mit der Medizinischen Universität
•  Finanzmathematik Wien; Fakultät für Mathematik oder Fakultät für
•  Stochastik Informatik in Abhängigkeit vom Ausschreibungs-
ergebnis)
Besetzungen im Einklang mit dem
Forschungsprofil und zur Sicherung Fachliche Widmung:
der Grundlagenfächer Algebraische Topologie

Fachliche Widmung:
Mathematische Logik mit Berücksichtigung
der Grundlagen der Informatik 4.12 Fakultät für Physik
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
Professur „Mathematische Logik mit besonderer 4.12.1 Zielsetzungen
Berücksichtigung der Grundlagen der Theoreti-
schen Informatik“ Die Fakultät für Physik zeichnet sich in der For-
(voraussichtlich 1. Oktober 2018) schung durch ein thematisch und methodisch
klar wahrnehmbares Profil aus und strebt in
Fachliche Widmung: allen ihren Schwerpunkten Exzellenz an. Die an
Dynamische Systeme in der Biomathematik der Fakultät erbrachten Forschungsleistungen
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der finden in der internationalen Fachwelt in höchs-
Professur „Biomathematik“ tem Maße Anerkennung.
(voraussichtlich 1. Oktober 2021)
Die Forschungstätigkeit an der Fakultät für Phy-
Fachliche Widmung: sik zielt vorrangig auf Erkenntnisgewinn in den
Angewandte Analysis wissenschaftlichen Grundlagen ab. Sie ist jedoch
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der im Sinne der universitären Innovationsstrategie
Professur „Mathematik VI – Angewandte Analy- auch offen für anwendungsorientierte Fragestel-
sis, Mathematische Physik“ lungen. Die Fakultät betreibt aktiv die Einrich-
(voraussichtlich 1. Oktober 2025) tung von weiteren Christian-Doppler-Labors
und Firmenausgründungen. Von besonderer
Fachliche Widmung: Bedeutung ist die Kooperation mit der Fakultät
Computational Partial Differential Equations für Mathematik im Rahmen des Erwin Schrödin-
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der ger International Institute for Mathematics and
Professur „Differentialgleichungen“ Physics (ESI), das hohes internationales Ansehen
(voraussichtlich 1. Oktober 2023) genießt. Das thematische Spektrum der Aktivitä-

119
ten des ESI umfasst theoretische, experimentelle Techniken auf eine Vielzahl von Materialien und
und computergestützte Aspekte der beteiligten Prozessen von fundamentalem sowie techno-
Wissenschaften. logischem Interesse kombiniert. Im Fokus der
Forschung stehen dabei einerseits innovative
Die Fakultät für Physik bietet Studierenden der Verfahren zur Lösung der Vielelektronen-Schrö-
Bachelorprogramme eine breite und profunde dingergleichung, welche in den weltweit
Ausbildung, die selbstständiges Denken und lizensierten Code „Vienna Ab Initio Simulation
Handeln fördert und die auch einen Umstieg Package“ (VASP) zur Berechnung von Festkör-
in andere Wissenschaftsbereiche oder in das pern einfließen, sowie verbesserte statistische
Berufsleben ermöglicht. Die Fakultät forciert eine Verfahren und „coarse graining“-Methoden zur
möglichst frühe Einbindung der Studierenden Überbrückung von Längen- und Zeitskalen. Die
in die aktuelle Forschung. Die Qualität der Lehre behandelten Materialien umfassen klassische
insbesondere im Bereich der Master- und Dokto- atomare, molekulare und kolloidale Festkörper,
ratsstudien ist der Fakultät ein besonderes Anlie- Nanostrukturen sowie Flüssigkeiten, biologi-
gen. Sie zielt darauf ab, die Studierenden nach sche Systeme und weiche Materie. Es existieren
Abschluss in der internationalen Forschung und zahlreiche internationale Kooperationen und
in der Industrie hervorragend zu positionieren. Programme sowie industrielle Kooperationen im
Auch die Qualität der Ausbildung im Unterrichts- Bereich neuer Materialien und Mikrofluidik.
fach Physik ist der Fakultät sehr wichtig.
Particle Physics, Gravitational Physics
4.12.2 Forschungsschwerpunkte and Mathematical Physics

Die Forschungsschwerpunkte der Fakultät haben In diesem Forschungsschwerpunkt stehen die


sich als Möglichkeit zur Strukturierung der For- mathematischen und phänomenologischen
schung und der Lehre innerhalb der Fakultät sehr Eigenschaften von Materie und deren Wech-
bewährt; sie basieren auf den Forschungsinitiati- selwirkungen sowie der Raum-Zeit-Struktur im
ven ihrer Mitglieder. Mittelpunkt. Hierbei werden die fundamentalen
Wechselwirkungen Elektromagnetismus, starke
Quantum Optics, Quantum Nanophysics und schwache Wechselwirkung sowie Gravi-
and Quantum Information tation von den kleinsten bis zu den größten
erfassbaren Abständen untersucht. Im Zentrum
Dieser Forschungsschwerpunkt beschäftigt sich stehen zum einen theoretische Methoden, um
mit den Grundlagen der Quantenphysik und Vorhersagen für Collider-Experimente wie den
ihren technologischen Anwendungen. Die expe- Large-Hadron-Collider mit höherer Präzision
rimentellen Arbeiten befassen sich mit der Prä- durchzuführen, das Studium von Elementarteil-
paration, Manipulation und Detektion von einzel- chen wie des Higgs-Bosons, der dunklen Materie,
nen Quantenobjekten und quantenkorrelierten von Neutrinos und von schweren Quarks. Zum
Ensembles aus Photonen, Atomen, komplexen anderen werden im Rahmen der allgemeinen Re-
Molekülen, Nanopartikeln und Mikrooszillatoren. lativitätstheorie schwarze Löcher und kosmolo-
Quantentechnologien wie die Quanteninformati- gische Singularitäten sowie theoretische Aspekte
onsverarbeitung und quantenbasierte Sensoren von Gravitationswellen und der Entwicklung des
stehen im Zentrum möglicher Anwendungen. Universums untersucht. Darüber hinaus werden
Die theoretischen Arbeiten befassen sich mit die mathematischen Grundlagen der fundamen-
fundamentalen Konzepten der Quantenphysik, talen Wechselwirkungen studiert, insbesondere
mit der Quantenstatistik von Vielteilchensys- im Hinblick auf die Verbindung von Quanten-
temen, der Quantenoptik und relativistischer feldtheorie und Gravitation, z. B. im Rahmen von
bzw. nicht-relativistischer Quanteninformation. verallgemeinerten Gravitationstheorien oder der
Von besonderer Bedeutung sind interfakultäre Stringtheorie.
Forschungskooperationen wie zum Beispiel For-
schungsprojekte an der Schnittstelle zwischen Complex Nanoscale Matter
Quanten und Gravitation, das „Vienna Center for
Quantum Science and Technology (VSQ)“ sowie Dieser Forschungsschwerpunkt befasst sich mit
das vor kurzem von der EU beschlossene „Quan- den physikalischen Grundlagen neuer nied-
tum Flagship“ und das „Erwin Schrödinger Cen- rigdimensionaler Materialien sowie mit ihren
ter for Quantum Science and Technology (ESQ)“. hierarchischen und hybriden Strukturen. Diese
Zusätzlich bestehen internationale Kooperati- „Advanced Materials“ sind die Basis für zukünfti-
onen im Rahmen von Forschungsprogrammen ge, innovative Technologien, die unter anderem
und industriellen Partnerschaften. für die Sensorik, die Nano- und Optoelektronik
und die Biotechnologie bedeutsam sind. Ein-
Computational Physics und zweidimensionale Materialien zeigen eine
Vielfalt neuartiger Phänomene und Quantisie-
Im Forschungsschwerpunkt „Computational rungseffekte, die durch diese Dimensionsein-
Physics“ wird die Entwicklung neuer computer- schränkung entlang einzelner Raumrichtungen
gestützter Methoden mit der Anwendung dieser entstehen. Letztlich verändern sich auch die

120
makroskopischen Eigenschaften der Materialien 4.12.3 P
 rofessuren zum Stichtag
entscheidend. Für deren Herstellung, Untersu- 1. Oktober 2017
chung und Modifikation werden modernste Me-
thoden eingesetzt und laufend weiterentwickelt, Zur leichteren Übersicht sind hier sämtliche zum
darunter mikroskopische und spektroskopische Stichtag 1. Oktober 2017 bestehenden Professu-
Verfahren sowie Ladungstransport- und Streuex- ren (§ 98 und § 99 Abs. 3 Universitätsgesetz 2002,
perimente. Dabei werden Quantenkorrelationen inkl. allfälliger Vorziehprofessuren) angegeben.
experimentell ermittelt, die atomaren Strukturen Diese Momentaufnahme präjudiziert in keiner
genau analysiert und gezielt modifiziert. Bei Weise die im folgenden Abschnitt vorgenomme-
der Forschung an Bio- und Hybridmateriali- nen und die zukünftigen Professurenwidmungen.
en werden die hierarchischen Strukturen auf
verschiedenen Längenskalen untersucht und •  Aerosol- und Clusterphysik
auch komplementär spektroskopisch analysiert. •  Aerosol- und Clusterphysik
Das übergeordnete Ziel ist die Herstellung und •  Computational Physics
gezielte Funktionalisierung solcher „Advanced •  Computational Quantum Mechanics
Materials“ mit maßgeschneiderten strukturellen, •  Didaktik der Physik (gemeinsam mit dem
elektronischen, optischen und Transport-Eigen- Zentrum für LehrerInnenbildung)
schaften. •  Experimentelle Quantenoptik
•  Gravitationsphysik
Ein großes Netzwerk nationaler und internati- •  Hybridsysteme und Komplexe Materialien
onaler Partner mit Kooperationen im Rahmen •  Isotopenphysik
von Forschungsprogrammen sowie industrieller •  Materialphysik
Partner ermöglicht es, dass neben der intensiven •  Mathematische Physik
Grundlagenforschung auch anwendungsbezoge- •  Multi-Scale Computational Physics
ne Projekte realisiert werden. •  Quanten und Festkörper
•  Quanteninformationstheorie und Grundla-
Physics and the Environment gen der Quantenphysik, § 99 Abs. 3 UG (vor-
erst befristet auf sechs Jahre)
Dieser Schwerpunkt befasst sich mit physikali- •  Quantennanophysik
scher Grundlagenforschung und anwendungs- •  Quantum Information on the Nanoscale
relevanten Fragestellungen zu Themen aus der •  Quantum Materials Modelling
natürlichen oder vom Menschen beeinflussten •  Teilchen- und Teilchenastrophysik
Umwelt. Es werden Phänomene in einem •  Theorie der Quantenoptik und Quanteninfor-
außergewöhnlich ausgedehnten Bereich von mation
Längen- und Zeitskalen untersucht, zum Beispiel
Wechselwirkungsprozesse weniger Atome im 4.12.4 F
 achliche Widmung
Femtosekundenbereich, Bildung und Verän- künftiger Professuren und
derung von Aerosolpartikeln von der Nanome- Stand der Umsetzung
ter- bis zur Mikrometerskala sowie komplexe
atmosphärische und ozeanische Prozesse auf Professuren in Besetzung zum Stichtag
Zeitskalen von Tagen bis Jahrhunderten. 1. Oktober 2017

Experimente im Labor, in Bodennähe und auf •  Experimental Quantum Physics


Flugzeugen werden durch Modellierungen •  Low-dimensional Transport and Nanotech-
und Simulationen ergänzt. Methodische und nology
instrumentelle Pionierarbeiten ermöglichen zum •  Quantum Information Science and Tech­
Beispiel simultane und hochaufgelöste Messun- nology
gen im gesamten Aerosolgrößenbereich oder
isotopenspezifische Messungen von Actiniden Besetzungen im Einklang mit dem
im Attogrammbereich. Der Forschungsbereich Forschungsprofil und zur Sicherung
verfügt bzw. hat Zugang zu einigen international der Grundlagenfächer
herausragenden Forschungsanlagen wie zum
Beispiel dem Vienna Environmental Research Fachliche Widmung:
Accelerator VERA zur Beschleunigermassenspek- Experimental soft matter Physics
trometrie, der CLOUD Anlage am CERN und For- Besetzungszeitpunkt: Finanzierung durch eine
schungsflugzeugen u. a. des DLR und der NASA. vakante Professur aus dem Bereich der Fakultät
(voraussichtlich ab 2018)
Die Forschungsarbeiten sind bedeutsam sowohl
zur Beantwortung zentraler gesellschaftlicher Fachliche Widmung:
Herausforderungen wie dem globalen Klimawan- Theoretical Physics
del, für gesundheitsrelevante und technologi- Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
sche Fragestellungen sowie für transdisziplinäre Professur „Gravitationsphysik“
Kooperationen, zum Beispiel Datierungen und (voraussichtlich 1. Oktober 2024)
Tracerstudien.

121
Fachliche Widmung: Lehrinhalte an der Universität Wien in Theorie
Physics and the Environment und Praxis fokussieren auf allen Studienebenen
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der stärker auf die naturwissenschaftlichen Grund-
Professur „Isotopenphysik“ lagen und Methoden sowie auf die Schnittstel-
(voraussichtlich 1. Oktober 2024) lenfunktion der Chemie zu den Biowissenschaf-
ten. Zudem nimmt die Fakultät für Chemie in
Professuren nach Maßgabe budgetärer besonderer Weise ihre Verantwortung für die
Möglichkeiten Ausbildung der ChemielehrerInnen in Österreich
wahr.
Fachliche Widmung:
Metrology Während im Bachelorstudium wegen der
Gesamtanzahl der Studierenden, der unter-
Fachliche Widmung: schiedlichen Ausrichtung und der technischen
Quantenalgorithmen Ausrüstung getrennte Studiengänge an der Uni-
(gemeinsam mit der Fakultät für Mathematik) versität Wien und an der Technischen Universität
Wien sinnvoll sind, ergeben sich im Masterstudi-
Fachliche Widmung: engang sehr hilfreiche synergetische Effekte in
Computational Material Discovery einer gemeinsamen Gestaltung der Ausbildung
in Materialwissenschaften/Materialchemie. Hier
können die Studierenden der Universität Wien
von der technologisch orientierten TU-Ausbil-
4.13 Fakultät für Chemie dung profitieren, die TU-Studierenden dagegen
von Ansätzen, wie sie an der Universität Wien
4.13.1 Zielsetzungen weiterentwickelt werden.

Die Chemie ist eine zentrale Wissenschaft von Kooperationen sowohl in wissenschaftlicher Hin-
Struktur, Aufbau und Funktion sowohl der sicht als auch in der Lehre ergeben sich auch mit
belebten als auch der unbelebten Natur und der Universität für Bodenkultur Wien. Besonders
reicht somit weit in Bereiche der Lebenswissen- sei etwa auf Kooperationen im Analytischen
schaften und Medizin hinein. Sie befasst sich Bereich wie Proteomics und Metabolomics und
darauf aufbauend auch mit der Entwicklung von die technologischen Aspekte der Lebensmit-
Wirkstoffen und Materialien im weitesten Sinn. telchemie hingewiesen sowie auf die intensive
Sie leistet einen Beitrag zur Entwicklung von Kooperation im Bereich der biomolekularen
neuen Arzneimitteln und Medizinalprodukten bis Simulation. In diesen Bereichen profitiert die
zur Entwicklung von innovativen Materialien zur Universität Wien, während sie im syntheti-
Sicherung der Verfügbarkeit von Rohstoffen und schen und analytischen Bereich Expertise zur
Energieressourcen für unsere Zukunft auf der Ba- Verfügung stellen kann. Bioaktive Verbindungen
sis nachhaltiger Verfahren. Die Chemie ist somit und innovative Tumortherapeutika basierend
innerhalb unserer Universität von zentraler wirt- auf Entwicklungen und Erkenntnissen aus der
schaftlicher und gesellschaftlicher Bedeutung. Grundlagenforschung innerhalb der Universität
Wien zeigen interessante Anwendungen in der
Die Fakultät bekennt sich zur grundlagen- und Medizin und führten bereits zu intensiven Ko-
anwendungsorientierten Forschung und darauf operationen mit der Medizinischen Universität
aufbauend zur besonderen Entwicklung der Wien. Die wissenschaftliche Abstimmung in der
Forschungsschwerpunkte (1) Computergestützte Forschung zwischen der Universität Wien, der
Chemie und biomolekulare Simulation, (2) Che- Technischen Universität Wien, der Universität für
mie funktioneller und nachhaltiger Materialien, Bodenkultur Wien und der Medizinischen Univer-
(3) Lebensmittelchemie und Physiologische Che- sität Wien bietet großes gemeinsames Entwick-
mie, (4) Bio- und Umweltanalytik, (5) Synthese lungspotenzial.
und Katalyse und (6) Biologische und medizini-
sche Chemie sowie zur breiten Ausbildung im Mit dem Forschungsverbund „Chemistry Meets
Fach Chemie. Die Chemie ist darüber hinaus die Microbiology“ wurde eine interdisziplinäre
Basis für ein tieferes Verständnis auch anderer Zusammenarbeit ins Leben gerufen, in der For-
naturwissenschaftlich-lebenswissenschaftlicher scherInnen an der Schnittstelle von Chemie und
Fachrichtungen. In diesem Zusammenhang trägt Mikrobiologie auf den Gebieten der Mikrobiom-
die Fakultät Verantwortung für die fundierte forschung, Umweltforschung, Bioinformatik und
Ausbildung einer großen Zahl von Studierenden antitumoralen Metallverbindungen tätig sind.
aus Bachelorstudien fachlich nahestehender
Studienrichtungen. Im Bereich der Umweltwissenschaften koope-
riert die Fakultät für Chemie unter anderem mit
Es besteht ein prinzipieller Unterschied in den den Fakultäten für Physik, für Lebenswissen-
Studienangeboten der Universität Wien (Stu- schaften, für Geowissenschaften, Geographie
dium „Chemie“) und der Technischen Univer- und Astronomie, für Informatik und mit dem
sität Wien (Studium „Technische Chemie“): Die Zentrum für Molekulare Biologie.

122
Innerhalb der Fakultät haben sich Core Facilities gebung, aber auch deren Synthese. Daraus resul-
für Massenspektrometrie, Röntgenstrukturanaly- tieren sehr komplexe Fragestellungen, die einer
se sowie Kernspinresonanzspektroskopie eben- hochleistungsfähigen Analytik bedürfen. Die
so etabliert wie die interfakultäre Core Facility für Fakultät für Chemie genießt in diesem Bereich
Nanostrukturforschung, eine gemeinsame Ein- einen ausgezeichneten internationalen Ruf, der
richtung der Fakultäten für Chemie und Physik. auf jahrzehntelanger, erfolgreicher Forschung im
Bereich der Voll- und Schnellanalytik basiert.
4.13.2 Themenfelder und
Forschungsschwerpunkte Ein Schwerpunkt dabei koppelt Trennverfahren
und analytische Methoden zur Bestimmung
Die Fakultät für Chemie greift ständig neue (zunehmend Massenspektrometrie) möglichst
Themen auf, die in neue Forschungsschwer- vieler unterschiedlicher Inhaltsstoffe pro Einzel-
punkte münden können. Beispiele sind die sich probe mit extrem hoher Empfindlichkeit. Das er-
neu entwickelnden Gebiete der dynamischen möglicht gezieltes Screening in Zellsystemen zur
Spektroskopie oder der bio-inspirierten Chemie, Aufklärung funktioneller Zusammenhänge und
auch unter Berücksichtigung von Nachhaltig- erfordert sowohl instrumentelle Weiterentwick-
keitsaspekten. Diese Flexibilität, die auch neue lungen als auch neuartige Methoden der Bioin-
Forschungsgebiete als Basis für zukünftige formatik. Damit lassen sich beispielsweise Pro-
Schwerpunkte ermöglicht, soll auch weiterhin teine, Peptide und potenzielle Markermoleküle
erhalten bleiben. identifizieren und danach exakt quantifizieren.
Sowohl Bio-, als auch Umweltanalytik etablieren
Folgende Forschungsschwerpunkte bestehen: daher neue Methoden, um neben chemischen
Prozessen in der Umwelt die biologische Wir-
Bio- und Umweltanalytik kung von chemischen Substanzen zu erfassen.
Auf diese Weise können neue Beurteilungskrite-
Die streng molekulare Betrachtungsweise rien für die Umwelt- und biologische Relevanz
der Chemie strahlt zunehmend in biologisch eines Stoffes gefunden werden. Komplementär
orientierte Wissenschaften aus und ermöglicht dazu findet die Entwicklung von Schnellanalytik
eine Vielzahl neuer Erkenntnisse hinsichtlich und Sensorsystemen für begrenztere analytische
der Funktionalität von Biomolekülen, deren Fragestellungen statt.
Wechselwirkungen miteinander sowie ihrer Um-

123
Biologische und Medizinische Chemie gie, Umwelt, Mobilität, Informationstechnologie
und Medizin. Daher betreibt die Fakultät für Che-
Dieser Schwerpunkt umfasst die Synthese und mie Grundlagen- und angewandte Forschung an
Isolierung komplexer Natur- und Wirkstoffe Materialien für neue, umweltfreundliche Techno-
sowie die Struktur-Funktionsuntersuchungen logien, an Polymeren und Verbundwerkstoffen,
von Biomolekülen, angefangen bei kleinen Mo- an metallischen, halbleitenden, keramischen,
lekülen bis hin zu verschiedenen Biopolymeren, thermoelektrischen und Hybridmaterialien
mit denen sich die Organische, Anorganische, sowie an Katalysatoren. Ein besonderes Augen-
Biophysikalische, Analytische und Biologische merk wird hierbei auf die Herstellung und Cha-
Chemie in funktioneller Hinsicht beschäftigen. rakterisierung funktioneller Strukturen im Nano-
und Mikrobereich und die effiziente Umsetzung
Wichtige Verbindungsklassen basieren auf der Ausgangsmaterialien zu den gewünschten
niedermolekularen metallhaltigen Koordina- funktionalen Zielprodukten, unter Vermeidung
tionsverbindungen, die als Krebstherapeutika von Abfall, Minimierung des Energiebedarfs und
eingesetzt werden sollen und bereits bis hin Verwendung nachwachsender Rohstoffe, gelegt.
zur klinischen Prüfung am Patienten entwickelt Zu diesem Zweck kommen vielfältige Synthese-
wurden. In der Verknüpfung mit verschiedenen strategien (bottom up und top down, katalysiert
Wegen des Tumor-Targetings und modernsten und unkatalysiert) und Charakterisierungstech-
Analysemethoden zur Verteilung im Gewebe niken zum Einsatz.
entstehen hier in enger Kooperation mit der
Medizinischen Universität Wien innovative Stra- Neben dem Aspekt der grundlegenden Erfor-
tegien zur Behandlung von Krebs. schung physikalisch-chemischer Eigenschaften
von Materialien prägt auch ihre potenzielle
Neue Methoden zur selektiven chemischen Anwendung wesentlich die Forschungstätigkei-
Modifikation und Synthese von Peptiden und ten der Fakultät. Diese umfassen viele der oben
Proteinen ermöglichen es, anders nicht zugängli- genannten Gebiete und spannen daher einen
che biologisch relevante modifizierte Proteine Bogen von innovativen und nachwachsenden
zu untersuchen. Dies wird zur Analyse von Werkstoffen über Katalyse bis hin zur molekula-
krankheitsrelevanten Prozessen im Bereich der ren Erkennung in der Diagnostik. Damit ergeben
Neurodegeneration und der Krebsentstehung sich vielfältige Berührungspunkte mit den ande-
auf molekularer Ebene genutzt. Darüber hinaus ren Forschungsschwerpunkten der Fakultät, die
werden diese Methoden zur Herstellung vollsyn- einander so fachlich ergänzen.
thetischer Moleküle mit antikörper-ähnlichen
Eigenschaften, zum Zugang zu verbesserten Computergestützte Chemie und
Vakzinen sowie zur Verbesserung der Aufnahme biomolekulare Simulation
von Therapeutika genutzt.
Die Theoretische Chemie trägt zur Charakte-
Aminosäurevorläufer und Bausteine mit neuen risierung von Eigenschaften von Materialien,
Isotopenmarkierungsmustern und posttrans- sowohl im Bereich der biologischen als auch
lationalen Modifikationen werden für die der Materialchemie, und zum Verständnis der
Proteinsynthese generiert, um Zielproteine Photochemie von organischen und anorga-
gezielt zu modifizieren und für Struktur-Funk- nischen Molekülen bei. Um ein Verständnis
tionsuntersuchungen zugänglich zu machen. von Strukturen, spektroskopischen Daten und
Strukturuntersuchung an Proteinen mittels NMR Reaktivität von Molekülen zu gewinnen, werden
und Kristallographie werden genutzt, um die quantenchemische Programmpakete ange-
Funktion verschiedener Proteine in atoma- wandt. Die Anwendung hochgenauer Methoden
rer Auflösung zu verstehen. Hier stehen z. B. zur Berechnung von Elektronenstrukturen und
Metalloproteine im Zentrum des Interesses. Die die Entwicklung von neuen Methoden aus dem
Entwicklung verbesserter Kristallisationsbedin- Bereich der molekularen Reaktionsdynamik
gungen durch die Verwendung von Polyoxo- sowie die Verknüpfung dieser beiden Bereiche
metallaten als Kristallisationszusatz stellt einen hat das Ziel, ein grundlegendes Verständnis von
besonderen Schnittpunkt zwischen biologischer chemischen Prozessen und Struktur-Funktions-
und anorganischer Chemie dar. Die Synthese zusammenhängen zu gewinnen sowie diese in
bioaktiver Kohlenhydrate sowie mit DNA und Molekülen, biologischen Systemen und in Mate-
RNA interagierender Verbindungen erschließt rialien quantitativ vorhersagen zu können.
weitere Felder im Bereich der Biologischen und Im Rahmen der Biomolekularen Simulation
Medizinischen Chemie. soll die Struktur, Dynamik und Energetik von
Biopolymeren unter expliziter Behandlung der
Chemie funktioneller und nachhaltiger Solvatation durch konventionelle und innovative
Materialien Lösungsmittel wie z. B. ionische Flüssigkeiten
untersucht werden. Ziel ist hier die Analyse von
Funktionelle Materialien sind eine wesentliche Struktur und Dynamik sowohl einzelner Biomo-
Grundlage unserer modernen Industriegesell- leküle und ihrer Solvatation als auch die von
schaft. Dies betrifft zentrale Bereiche wie Ener- Protein-Ligand- und Protein-Protein-Wechsel-

124
wirkungen. Die Verbindung zu experimentellen dung verschiedener Lebensmittelmatrices, wo-
Methoden ergibt sich über Freie-Energie-Rech- bei auch translationale Ansätze verfolgt werden.
nungen und die computergestützte Spektrosko-
pie der Kernbewegung. Die zur Anwendung kommenden Techniken
erfassen die Bioverfügbarkeit der Zielverbindun-
Die Modellierung der Struktur von Biopolymeren gen sowie deren Bioaktivitäten auf genregulato-
und ihrer Funktion in zellulären Netzwerken bil- rischer (DNA und RNA Expression) und protein-
det einen weiteren Fokus. Insbesondere werden regulatorischer Ebene ebenso wie Auswirkungen
Sekundär- und Tertiärstrukturen von RNA-Mole- auf das metabolische Profil.
külen unter Einbeziehung moderner Hochdurch-
satzdaten vorhergesagt. Methoden zum Design Die Forschungsaktivitäten auf den Gebieten
funktioneller RNA-Moleküle werden entwickelt Lebensmittelchemie, Lebensmitteltoxikologie
und genutzt, um (bio-)chemische Reaktions- und physiologische Chemie ermöglichen ideale
netzwerke zu analysieren und zu manipulieren. Vernetzungsmöglichkeiten innerhalb der Fakul-
Die Entwicklung neuer Algorithmen profitiert tät für Chemie und den Fakultäten für Lebens-
von der engen Kooperation mit der Fakultät für wissenschaften (Ernährungswissenschaften,
Informatik. Pharmazie, Mikrobiologie), Geowissenschaften,
Geographie und Astronomie und der Fakultät
Lebensmittelchemie und Physiologische für Physik. Dies zeigt sich u. a. in der aktiven
Chemie Teilnahme am Forschungsverbund „Chemistry
Meets Microbiology“ (CMM). Darüber hinaus
Im Fokus der grundlagenorientierten und an- werden die Kooperationen mit der TU Wien, der
wendungsfähigen Forschung und Lehre in den Universität für Bodenkultur Wien/IFA Tulln, der
Bereichen Lebensmittelchemie und Physiologi- Medizinischen Universität Wien sowie Partnern
sche Chemie stehen die Identifizierung funktio- aus der Wirtschaft gestärkt.
neller Lebensmittelinhaltsstoffe, die Aufklärung
molekularer Mechanismen entsprechender Synthese und Katalyse
Komponenten und deren Relevanz im Hinblick
auf die Lebensmittelsicherheit. In Österreich Chemie ist eine Wissenschaft, die ständig ihre
ist allein an diesem Standort die kombinierte eigenen Forschungsobjekte generiert. Diese
Fachkompetenz in Lebensmittelchemie und Tatsache wird permanent sowohl in der Natur
Lebensmitteltoxikologie vorhanden. Im Bereich als auch in der modernen chemischen Industrie
der Lebensmittelchemie eröffnen sich hinsicht- genutzt und basiert auf dem gezielten Zusam-
lich Lebensmittelsicherheit und toxikologi- menfügen von Atomen mittels chemischer
scher Bewertung neue Synergien z. B. mit der Synthesen.
Technischen Universität Wien, der Universität für
Bodenkultur Wien und auch der Medizinischen So wird an der Fakultät für Chemie insbesondere
Universität Wien. Insbesondere betrifft dies das die Synthese und chemische Reaktivität von
Forschungsfeld der Lebensmittelchemie bei der bioaktiven Molekülen erforscht, was die Ent-
Interferenz von Nahrungsmitteln und Lebensmit- wicklung neuer Methoden, maßgeschneiderter
telinhaltsstoffen mit Chemotherapeutika sowie chemischer Transformationen sowie die ökono-
die Mykotoxinforschung und das hochaktuelle mische Optimierung existierender chemischer
Feld der Nanotoxikologie. Prozesse beinhaltet.

Im Hinblick auf die Lebensmittelsicherheit wer- Ein besonderes Augenmerk wird auf die Synthe-
den zelluläre Wirkmechanismen unterschied- se, Modifizierung und Strukturaufklärung von
lichster Lebensmittelbestandteile (bioaktive Naturstoffen wie z. B. Kohlenhydraten, Makro-
Komponenten, Kontaminanten, Nanopartikel) in liden, Peptiden und Proteinen gelegt. Dadurch
Systemen des humanen Verdauungstrakts unter- werden gesellschaftsrelevante Anwendungen
sucht, wobei ein Spektrum an biochemischen, in der Industrie, in den Lebenswissenschaften
molekularbiologischen, toxikologischen und und in der Medizin ermöglicht. Da viele dieser
analytischen Techniken zur Verfügung steht. Verbindungen chiral sind, erfordern sie die Ent-
wicklung stereoselektiver Synthesemethoden,
Schwerpunkte der Physiologischen Chemie die eine präzise räumliche Anordnung der Atome
sind die Identifizierung und Charakterisierung eines Moleküls gewährleisten. Weiterhin sollen
von bioaktiven Lebensmittelinhaltsstoffen bei diesen Synthesen sogenannte „atomökono-
sowohl als isolierte Verbindungen als auch als mische“ chemische Reaktionen genutzt werden,
Verbindungen in Lebensmittelmatrices unter um ökologisch verträglichere Synthesewege
besonderer Berücksichtigung der Lebensmittel- zu finden. Der Katalyse chemischer Reaktionen
verarbeitung. kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu,
da viele chemische Transformationen erst durch
Der Nachweis der Bioaktivität erfolgt in Unter- die Verwendung von Katalysatoren überhaupt
suchungen an isolierten Zellen und im Rahmen ermöglicht werden. Neue katalytische Trans-
von Humaninterventionsstudien unter Verwen- formationen können mehrstufige „klassische“

125
Reaktionssequenzen unter oftmals deutlicher •  Organische Synthese: Naturstoffe, Methoden
Verringerung der anfallenden Abfallstoffe •  Physikalische Chemie
(Reagenzien, Lösungsmittel, Nebenprodukte) •  Synthetische Materialchemie
ersetzen. •  Trenntechniken und Bioanalytik
•  Umweltchemie
4.13.3 Professuren zum Stichtag
1. Oktober 2017 4.13.4 F
 achliche Widmung
künftiger Professuren und
Zur leichteren Übersicht sind hier sämtliche Stand der Umsetzung
zum Stichtag 1. Oktober 2017 bestehenden
Professuren (§ 98 und § 99 Abs. 3 Universitäts- Professuren in Besetzung zum Stichtag
gesetz 2002, inkl. allfälliger Vorziehprofessuren) 1. Oktober 2017
angegeben. Diese Momentaufnahme präjudi-
ziert in keiner Weise die im folgenden Abschnitt •  Physikalische Chemie
vorgenommenen und die zukünftigen Professu-
renwidmungen. Besetzungen im Einklang mit dem
Forschungsprofil und zur Sicherung
•  Analytische Chemie der Grundlagenfächer
•  Anorganische Chemie
•  Anorganische Chemie II Fachliche Widmung:
•  Biochemische Modellierung (Doppelprofes- Organische Chemie
sur 50 %; 50 % an der Fakultät für Informatik) Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
•  Biofunktionalität von Lebensmitteln Professur „Organische Chemie“
•  Biologische Chemie (voraussichtlich 1. Oktober 2022)
•  Biophysikalische Chemie
•  Chemische Katalyse Fachliche Widmung:
•  Computergestützte Chemie – Theoretische Anorganische Chemie
Chemie/Scientific Computing Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
•  Computergestützte Strukturbiologie Professur „Anorganische Chemie“
•  Didaktik der Chemie (gemeinsam mit dem (voraussichtlich 1. Oktober 2024)
Zentrum für LehrerInnenbildung)
•  Lebensmittelchemie
•  Organische Chemie
•  Organische Strukturchemie
126
Professuren nach Maßgabe budgetärer Als eine Gemeinschaft von WissenschafterInnen,
Möglichkeiten die an der Nachhaltigkeit des „Raumschiffs
Erde“ arbeiten, ist die Fakultät zwangsläufig
Fachliche Widmung: breit angelegt. In ihr treffen Naturwissenschaf-
Innovative Dynamic Spectroscopic ten und Sozialwissenschaften aufeinander. Die
Techniques Disziplinen der Fakultät reichen von stark in der
Physik verankerten Bereichen wie die Galaxien­
Fachliche Widmung: entstehung und -entwicklung, Sternenbildung
Chemical Bioinformatics Network Analysis und -entwicklung, Exoplaneten, Meteorologie,
Geophysik über geowissenschaftliche Diszipli-
Fachliche Widmung: nen wie Umwelt-, Bio- und Isotopen-Geochemie,
Emerging pollutants Geodynamik, Hydrogeologie, Impaktforschung,
Mineralogie, Nanogeowissenschaften, Paläonto-
Fachliche Widmung: logie, Paläobiologie, Petrologie, Sedimentologie
Green Chemistry und Umweltschadstoffforschung bis hin zu
Disziplinen der physischen Geographie und der
Fachliche Widmung: Regional-, Human-, Wirtschafts- und Sozialgeo-
Microbial Biochemistry graphie sowie zur Didaktik der Geographie und
Wirtschaftskunde, Kartographie und Geoinfor-
mation.

4.14 Fakultät für Die Fakultät betreibt ihre Forschung auf hohem
Geowissenschaften, Niveau, um eine führende Position und hohe
Sichtbarkeit ihrer Disziplinen in Europa und
Geographie und darüber hinaus sicherzustellen. Die Fakultät ist
Astronomie an bedeutenden internationalen Kooperationen
beteiligt und wirkt aktiv an großen internationa-
4.14.1 Zielsetzungen len Programmen wie dem European Southern
Observatory (ESO), der European Space Agency
Das Ziel der Fakultät ist es, den Kosmos, die (ESA), dem Copernicus European Earth Observa-
Erde, die Umwelt sowie die Anthroposphäre tion Programme, in der Forschung an Synchro-
besser zu verstehen, um den nachhaltigen tron-Teilchenbeschleunigern, dem International
Umgang mit unserem Planeten zu unterstützen. Continental Scientific Drilling Program (ICDP)
Den Geist der Fakultät prägen Entdeckungen: und dem Long-Term Ecological Research (LTER)
Wie das Universum Planeten entstehen lässt, mit. Neben internationalen Kooperationen legt
wie Planet Erde funktioniert, wie die Umwelt auf die Fakultät hohen Wert auf die Zusammenar-
der Erdoberfläche gestaltet wird, wie die Umwelt beit innerhalb Österreichs, in und um Wien, mit
die Menschheit beeinflusst – und der Mensch die Institutionen wie der Geologischen Bundesan-
Umwelt. stalt, dem Naturhistorischen Museum Wien und
der Zentralanstalt für Meteorologie und Geody-
Die Fakultät für Geowissenschaften, Geographie namik sowie innerhalb der Universität Wien. Sy-
und Astronomie konzentriert sich dabei auf fun- nergien auf nationaler Ebene sind auf die Lehre
damentale Fragen der menschlichen Existenz. und Forschung ausgerichtet, aber ebenso auf die
Wie entstand das Universum? Woher stammt die Einrichtung und effiziente Nutzung kosteninten-
Erde und gibt es andere erdähnliche Planeten? siver Infrastruktur.
Wie hat sich die Erde bis heute entwickelt und
kann ihre Zukunft vorausgesagt werden? Wie Die Fakultät strebt nach einer hohen Sichtbarkeit
entstand Leben auf unserem Planeten und wie ihrer Forschung im Zuge von Veröffentlichungen
hat es sich entfaltet? Welchen Einfluss hat die in renommierten Fachzeitschriften sowie durch
Menschheit auf die Erde und ist dieser Einfluss die erfolgreiche Einwerbung von Drittmitteln.
nachhaltig? Die Antworten auf diese Fragen sind Sie folgt bewährten Open Access-Verfahren und
der Schlüssel, um auch den großen gesellschaft- engagiert sich über die Initiative „Faculty for
lichen Herausforderungen und den Zielen für Exploration“ dafür, ihre Forschungsergebnisse
nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren
zu begegnen: Umweltveränderung, Umweltver- und zugänglich zu machen. Durch die Viel-
schmutzung, Klimawandel, Wasserressourcen, schichtigkeit der Fakultät wird Fachwissen aus
Biodiversität, Migration und Bevölkerungsdy- unterschiedlichen Disziplinen auf natürliche
namik, nachhaltige Nutzung von Ressourcen Weise zusammengefügt. Das bietet Raum für die
und Resilienz von Ökosystemen. Die Fakultät Entwicklung innovativer und interdisziplinärer
erforscht und lehrt diese Themen interdisziplinär Forschung.
und mit Hilfe etablierter natur- und sozialwissen-
schaftlicher Methoden. Die Ausbildung der Studierenden auf hohem
Niveau ist ein wichtiges Ziel der Fakultät. Dabei

127
wird großen Wert auf eine Lehre gelegt, die die sammensetzung und Dynamiken von Galaxien,
Studierenden würdigt und diese in die For- Sternen, Gas und kosmischem Staub, werden
schung einbezieht, die zu kritischem Denken anhand der Beobachtung von Strahlung des
ermutigt und Chancen für wissenschaftliche gesamten elektromagnetischen Spektrums ge-
Karrieren eröffnet. Die gute Vermittelbarkeit der messen und abgeleitet. Zu diesem Zweck nutzt
jungen AbsolventInnen am Arbeitsmarkt gilt die Fakultät die großen Teleskope des European
dabei als Gradmesser für Erfolg. Die Universität Southern Observatory (ESO) und Hochleistungs-
bietet internationale Masterprogramme und eine satelliten der ESA und NASA wie auch UniBRITE,
große Palette an spannenden und zeitgemäßen Österreichs ersten Satelliten. Die Verknüpfungen
Doktoratsthemen an. WissenschafterInnen der zwischen empirischen Ergebnissen und der Mo-
Fakultät halten viele Kurse auf Englisch, um die dellierung, insbesondere die zeitlichen Abfolgen
StudentInnen auf den globalen Arbeitsmarkt von kosmischen und astrophysikalischen Pro-
vorzubereiten. Die Fakultät prägt zudem ein zessen, werden mithilfe numerischer Simulatio-
hohes Maß an Internationalisierung in ihren nen an Hochleistungsrechnern untersucht, z. B.
Forschungsprojekten sowie in der Gewinnung am Vienna Scientific Cluster.
von MitarbeiterInnen. Sie ermutigt auch ihre
Studierenden und Lehrenden zu Mobilität. Die Kombination von Beobachtung, Theorie,
numerischen Simulationen, Datenvisualisierung
Zudem ist es der Fakultät sehr wichtig, Frauen und Instrumentation ist die Basis, um grund-
in der Forschung und dem wissenschaftlichen legende Erkenntnisse über die wesentlichen
Nachwuchs attraktive Bedingungen zu bieten. Prozesse im Universum zu gewinnen, darunter
Zu diesem Zweck wurden und werden verschie- über den Ursprung unseres Planeten, über seine
dene innovative Programme entwickelt. Beziehung zu Sonnensystem und Milchstraße
sowie über die Bedingungen für Leben.
4.14.2 Forschungsschwerpunkte
Erde
Die WissenschafterInnen der Fakultät gruppieren
sich in vier Forschungsschwerpunkte: „Kosmos“, Ziel dieses Forschungsschwerpunkts ist ein tiefe-
„Erde“, „Umwelt“ und „Anthroposphäre“. Die For- res Verständnis, wie der Planet Erde funktioniert.
schungsschwerpunkte überlappen sich in weiten Die Entwicklung und Ursachen der Erdstruktur
Bereichen und untermauern die Mission der Fa- und -dynamik in zeitlicher und räumlicher
kultät, nämlich den Kosmos und die Gesellschaft Auflösung, den Planeten formende Langzeit- und
zu verstehen, um die Nachhaltigkeit unseres Kurzzeitprozesse, Verbindungen zu biologischen
Planeten zu gewährleisten. Diese Forschungsbe- Prozessen und in Zusammenarbeit mit der Fa-
reiche sind per se nicht nur in dieser Fakultät an- kultät für Lebenswissenschaften die evolutionäre
gesiedelt, aber sie werden verwendet, um weite Geschichte von Ökosystemen und Organismen
und sich überschneidende Themen im Sinne der werden untersucht.
Fakultätsmission zu definieren.
Das Verständnis der zugrundeliegenden Prozes-
Kosmos se, die die Entwicklung der Erde kontrollieren,
erfordert eine Integration der Momentaufnahme
Ziel dieses Forschungsschwerpunkts ist es, den der Erde im Sonnensystem mit der geologischen
Ursprung und die Entstehung von Sternen, Ga- Evolution unseres Planeten. Die Erde hat diverse
laxien und Planeten wie der Erde zu verstehen. geologische Eigenschaften, die aus Abläufen
Mithilfe von hochmodernen Beobachtungsstati- entstehen, welche die Bedingungen an der
onen an verschiedenen Standorten auf der Erde Erdoberfläche verändern oder beeinflussen.
und im Weltraum sowie mittels Hochleistungs- Prozesse wie Gebirgsbildung, Vulkanismus,
rechnern untersucht dieser Forschungsschwer- Metamorphose, Meteoritenimpakte und Erosion
punkt die physikalischen und chemischen finden über geologische Zeiträume hinweg im
Prozesse, die bei der Umwandlung von dem Inneren und an der Oberfläche der Erde statt
ursprünglichen Gas in Sterne, Galaxien und und haben langfristige Auswirkungen auf die Bil-
Gesteinsplaneten wie die Erde eine Rolle spielen. dung von Geomaterialien sowie die Entwicklung
Die Suche nach unserer kosmischen Abstam- und Vielfalt von Leben.
mung ist der Schlüssel, um die Erde als Mitglied
einen Planetensystems zu verstehen, welches Die Methoden dieses Forschungsschwerpunkts
einen Stern umkreist, welches eine Galaxie sind sehr divers und umfassen geophysikalische
umkreist, welches in Wechselwirkung mit dem Techniken, Fernerkundung, geologische Kar-
interplanetaren und dem interstellaren Medium tierung und Visualisierung, Datenmodellierung
steht und welches kosmischen Ereignissen aus- und -strukturierung, radiometrische Altersbe-
gesetzt ist, die möglicherweise auch das Leben stimmung, quantitative Bestimmung von Druck-,
auf unserem Planeten beeinflussen können. Temperatur- und Deformationsbedingungen
von Gesteinen und ihre Veränderungsraten,
Die relevanten physikalischen Parameter und die Untersuchung von Materialverhalten unter
Bedingungen, z. B. die Größe, die Form, die Zu- Krusten- und Mantelbedingungen, geoche-

128
mische Analysen inklusive physikalischer und leistungsstarker numerischer Modellierung in
chemischer Eigenschaften von natürlichem und unterschiedlicher zeitlicher und räumlicher
synthetischem Material, moderne Elektronen- Auflösung untersucht. Die daraus gewonnenen
strahltechniken, numerische Modellierung von Ergebnisse können in Geodatenbanken struktu-
geodynamischen Prozessen und die Untersu- riert und dynamisch visualisiert werden.
chung von (Mikro-)Strukturen- und Texturbil-
dung. Industrielle Anwendungen ergeben sich Anthroposphäre
natürlicherweise im Bereich Erzlagerstätten und
fossile Brennstoffe. Schwerpunkte liegen hier auf Ziel dieses Forschungsschwerpunkts ist es
der Bildung und Wiedergewinnung von Öl und zu verstehen, wie menschliches Handeln in
Gas sowie auf der Entwicklung und dem Design Raum und Zeit angelegt ist, wie es unsere
neuer, mineralbasierter Werkstoffe wie etwa Umwelt formt und wie es gleichzeitig durch
Baustoffe, Feuerfestprodukte oder Funktions- diese beeinflusst wird. Die laufenden globalen
keramik. Veränderungen in Gesellschaften wie auch in
Wirtschaftsordnungen führen zu sich dynamisch
Umwelt wandelnden räumlichen Mustern auf verschie-
denen Ebenen (lokal – global, Nord – Süd,
Ziel dieses Forschungsschwerpunkts ist ein bes- städtisch – ländlich). Diese Transformationen
seres Verständnis von Umweltprozessen auf der werden angetrieben von schnelllebigen sozi-
Erdoberfläche, um die Dynamik von Abläufen im alen, ökonomischen, demographischen, tech-
komplexen System Erde-Mensch besser erfassen nologischen und ökologischen Veränderungen.
und voraussagen zu können. Dieser Forschungs- Dieser Forschungsschwerpunkt will die sozial-
schwerpunkt widmet sich Fragen zur nachhalti- räumlichen Dimensionen der Veränderungen,
gen Erhaltung der Grundlage des Lebens. etwa Bevölkerungsdynamiken, Migrationsflüsse
oder wirtschaftliche Restrukturierung, verstehen
Erde und Atmosphäre unterliegen Veränderun- und ihre sozioökonomischen und ökologischen
gen, die die natürliche Umwelt des Planeten in Auswirkungen untersuchen.
der Vergangenheit beeinflusst haben, gegen-
wärtig beeinflussen und künftig beeinflussen Der Forschungsschwerpunkt konzentriert sich
werden, mit direkter Auswirkung auf die Gesell- auf Dynamiken von Verstädterung, da städtische
schaft. Die Identifizierung von Umweltfaktoren, Gebiete Knotenpunkte für Transformationspro-
die Veränderungen hervorgerufen haben, ob zesse sind. Die Forschungsaktivitäten behandeln
natürliche oder anthropogene, erlaubt Rück- Fragen zu Migration und Integration, urbane
schlüsse auf rezente Systeme und sind die Basis Disparitäten und Gentrifizierung wie auch zu
für die Vorhersage von künftigen Entwicklungen. Städten als Risikobereiche und als Zentren für
Dieser Forschungsschwerpunkt zielt daher auch neue Entwicklungswege, zum Beispiel Green
auf die Untersuchung des Einflusses von gesell- Economy. Stadt-Umland-Verflechtungen werden
schaftlichem Handeln auf die Umwelt und auf analysiert, im Rahmen dessen Themen wie die
die Erforschung von Gefahren und Risiken ab. Daseinsvorsorge, Umweltschutz sowie die Mobi-
lisierung endogener Entwicklungspotenziale und
Prozessorientierte Forschungsansätze dieses die Verankerung exogener Entwicklungsimpulse
Schwerpunkts versuchen die Wechselbeziehun- untersucht werden.
gen zwischen Mensch, Atmosphäre, Biosphäre,
Hydrosphäre und der oberen Geosphäre zu Dieser Forschungsschwerpunkt führt empirisch
bestimmen. Ökosysteme und die Gesellschaft begründete und theoriegeleitete Forschung zu
werden von diesen Umweltprozessen in hohem sozio-räumlichen Prozessen, Problemen und
Maße beeinflusst. Um die komplexen Beziehun- Konflikten durch. Ein Schwerpunkt wird dabei
gen zu verstehen, werden Komponenten dieser auf die Übertragung der Forschung in die Geo-
Systeme und ihre Wechselwirkungen analysiert, graphie und wirtschaftskundliche Ausbildung an
modelliert und untersucht. Dieser Forschungs- Schulen gelegt. Übergeordnetes Ziel ist es, zur
schwerpunkt bietet wertvolle Einblicke in wissenschaftlichen Grundlage für eine reflexi-
meteorologische Prozesse, das Klimasystem, ve gesellschaftliche Auseinandersetzung mit
paläoklimatische Rekonstruktionen sowie sozio­ komplexen sozio-räumlichen Prozessen und fun-
ökonomische Effekte von globalem Wandel auf dierten Planungsentscheidungen für nachhaltige
regionale Entwicklung, inklusive der Wechsel- Transformationen beizutragen.
wirkungen mit gesellschaftlichen Prozessen. Er
beinhaltet die Erforschung von Land- und Res- 4.14.3 P
 rofessuren zum Stichtag
sourcennutzung und Ökosystemmanagement, 1. Oktober 2017
Grund- und Oberflächenwasser, Umwelt- und
neuen Spurenschadstoffen, Naturgefahren sowie Zur leichteren Übersicht sind hier sämtliche zum
Risiken. Diese Prozesse werden mithilfe von Stichtag 1. Oktober 2017 bestehenden Professu-
umfassenden hochauflösenden in-situ-Messun- ren (§ 98 und § 99 Abs. 3 Universitätsgesetz 2002,
gen in Raum und Zeit sowie mit hochmoderner inkl. allfälliger Vorziehprofessuren) angegeben.
Laboranalytik, Fernerkundung und moderner, Diese Momentaufnahme präjudiziert in keiner

129
Weise die im folgenden Abschnitt vorgenomme- Professur „Angewandte Geographie, Raumfor-
nen und die zukünftigen Professurenwidmungen. schung und Raumordnung“
(voraussichtlich 1. Oktober 2020)
•  Angewandte Geographie, Raumforschung
und Raumordnung Professuren nach Maßgabe budgetärer
•  Astronomie, Satelliten- und experimentelle Möglichkeiten
Astronomie
•  Bevölkerungsgeographie und Demographie Fachliche Widmung:
•  Galaxienentstehung im frühen Universum Climate Science
•  Geodynamik und allgemeine Geologie
•  Geographie und Kartographie Fachliche Widmung:
•  Geoökologie Computational Environmental Geochemistry
•  Geophysik and Pollutant Dynamics
•  Impaktforschung und planetare Geologie
•  Isotopen- und Biogeochemie Fachliche Widmung:
•  Mineralogie und Kristallographie Data Science in Astrophysics
•  Mineralogie und Spektroskopie (gemeinsam mit der Fakultät für Mathematik)
•  Paläobiologie mit Schwerpunkt Wirbeltier-
paläontologie Fachliche Widmung:
•  Paläontologie Didaktik der Geographie und
•  Paläoökosysteme Wirtschaftskunde
•  Physische Geographie (Mitwirkung des Zentrums für LehrerInnenbil-
•  Stellare Astrophysik dung und der Fakultät für Wirtschaftswissen-
•  Theoretische und experimentelle Petrologie schaften bei der Ausschreibung und Besetzung
•  Umweltgeowissenschaften und angewandte dieser Professur)
Sedimentpetrologie
•  Wirtschaftsgeographie Fachliche Widmung:
Geobiologie
4.14.4 Fachliche Widmung (gemeinsam mit der Fakultät für Lebenswissen-
künftiger Professuren und schaften)
Stand der Umsetzung
Fachliche Widmung:
Professuren in Besetzung zum Stichtag Planetare Geologie
1. Oktober 2017
Fachliche Widmung:
•  Allgemeine Meteorologie Urban Studies
•  Sedimentologie
•  Theoretische extragalaktische Astrophysik
Besetzungen im Einklang mit dem 4.15 Fakultät für
Forschungsprofil und zur Sicherung Lebenswissenschaften
der Grundlagenfächer

Fachliche Widmung: 4.15.1 Zielsetzungen


Theoretische Meteorologie
Besetzungszeitpunkt: Finanzierung durch eine Die Fakultät für Lebenswissenschaften umfasst
vakante Professur aus dem Bereich der Fakultät die Wissenschaftsbereiche Biologie, Pharmazie
(voraussichtlich ab 2018) und Ernährungswissenschaften.

Fachliche Widmung: Ziel der Fakultät für Lebenswissenschaften ist,


Umweltgeophysik das Verständnis der Prinzipien des Lebens und
Besetzungszeitpunkt: Finanzierung durch va- der Evolution zu vertiefen. Basierend auf diesem
kante wissenschaftliche Stellen aus dem Bereich Erkenntnisgewinn stellt sich die Fakultät den
der Fakultät vielfältigen Herausforderungen der Zukunft,
beispielsweise den Aspekten der Umweltverän-
Fachliche Widmung: derung, der Ernährung und der Gesundheit einer
Kartographie und Geoinformation alternden Bevölkerung.
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
Professur „Geographie und Kartographie“ Organismen sind in einer sich stetig ändernden
(voraussichtlich 1. Oktober 2020) Umwelt mit anderen Lebewesen in komplexe
Netzwerke eingebettet. Ein vertieftes Verständnis
Fachliche Widmung: für Evolution, Diversität und die Erhaltung biolo-
Raumforschung und Raumordnung gischer Systeme bedarf in zunehmendem Maße
Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der systembiologischer Ansätze, die das Generieren

130
großer Datensätze und deren rechnerische und Die wissenschaftliche Forschung vieler Depart-
funktionelle Analyse notwendig machen. Daher ments orientiert sich an der Forschungsagenda
bereitet die von wissenschaftlicher Neugier des europäischen Wissenschaftsraums und
getriebene Grundlagenforschung die Basis für beteiligt sich bei internationalen Forschungs-
gesellschaftsrelevante, angewandte Forschung, programmen wie „Future Earth“ und großen
um, basierend auf der Kenntnis über biologische Sequenzierungs- und systembiologischen Pro-
Systeme, Lösungen für gesellschaftliche Heraus- grammen, um Forschungsmittel von nationalen
forderungen und Probleme zu finden. und internationalen Förderquellen einzuwerben.

Die Fakultät für Lebenswissenschaften plant, 4.15.2 T


 hemenfelder und
die interdisziplinäre Forschung zwischen den Forschungsschwerpunkte
einzelnen Departments der Fakultät zu fördern
und die fakultätsweite Nutzung von gegenwärtig Die fünf Themenfelder Botanik und Biodiversi-
vorhandenen und zukünftig anzuschaffenden tätsforschung, Organismische Systembiologie,
Großgeräten und Instrumenten weiter auszu- Funktionelle Ökologie, Ernährungswissenschaf-
bauen. Die interdisziplinäre Forschung zwischen ten und Pharmazie bilden die Forschungstätig-
Departments der Fakultät sowie mit anderen keit der Fakultät für Lebenswissenschaften ab.
Fakultäten, wird gefördert, um den gegenwärti-
gen großen wissenschaftlichen Herausforderun- Im Themenfeld Botanik und Biodiversitätsfor-
gen in den Lebenswissenschaften zu begegnen. schung werden die Evolution der Biodiversität,
Auch künftig werden Interaktionen mit anderen die Ursachen und Folgen ihrer ungleichen Vertei-
nationalen und internationalen Forschungs- lung in Raum und Zeit und ihre mögliche Verän-
einrichtungen intensiviert, um die Position der derung durch anthropogene Prozesse unter-
Fakultät auf nationaler Ebene im Bereich der Le- sucht (Globaler Wandel). Die Arbeiten sind eng
benswissenschaften zu stärken und ihre Präsenz mit den Forschungsschwerpunkten „Patterns
in der internationalen Forschungslandschaft zu and Processes in Plant Evolution and Ecology“
untermauern. Der geplante Umzug eines großen sowie „Environmental Change Biology“ ver-
Teils der Fakultät in die Nähe des VBC Campus knüpft. Fragestellungen und Methoden reichen
wird Synergien und gemeinsame wissenschaft- von molekulargenetischen, genomischen, struk-
liche Interaktionen mit Gruppen der MFPL sowie turell-morphologischen und modellierenden
den außeruniversitären Forschungseinrichtun- Ansätzen zu Analysen ausgewählter Gruppen
gen des VBC Campus, wie dem IMP, IMBA, und von Organismen, Interaktionssystemen sowie
GMI fördern. komplexer Artengemeinschaften und Land-
schaftsstrukturen. Labor- und computergestütz-

131
te Rekonstruktionen dienen dazu, evolutionäre rolle und globalen Stoffflüssen in terrestrischen
Prozesse zu modellieren und Einschätzungen, Systemen. Um den prädiktiven Charakter des
wie Arten genetisch und öko-evolutionär auf Themenfelds und seine theoretische Basis zu
Umweltveränderungen reagieren, zu erhal- stärken, sollen in Zukunft quantitative Aspekte
ten. Somit können Prognosen der zukünftigen der Ökologie gestärkt werden. Die Forschungs-
Veränderung von Biodiversitätsmustern erstellt schwerpunkte „Environmental Change Biology“,
werden. Die Core Facility Botanischer Garten und „Symbioses“ und „Microbial Ecology and
die Tropenstation La Gamba bieten mit ihren Ecosystems“ bilden die Schwerpunktsetzungen
Lebendsammlungen und weiteren Ressourcen innerhalb des thematischen Spektrums ab.
wesentliche Grundlagen für biodiversitätsbe-
zogene Forschung und Lehre an der Universität Das Themenfeld Ernährungswissenschaften hat
Wien. Dies umfasst auch eine enge Kooperation die Aufklärung biologischer Prozesse zum Ziel,
mit anderen Departments an der Fakultät für die aus der Wechselwirkung des Organismus
Lebenswissenschaften. Der Botanische Garten mit seiner Ernährung resultieren. Der Fokus liegt
ist außerdem Kompetenzzentrum für natio- auf der molekularen Ernährungsforschung mit
nale und globale Strategien zur Erhaltung der systembiologischem Ansatz. Es werden geno-
Biodiversität. Er entwickelt und beteiligt sich mische, transkriptionelle, proteomische und
aktiv an Arten- und Naturschutzprogrammen metabolische Strategien eingesetzt. Daraus erge-
und trägt damit zur Kenntnis und zum Erhalt der ben sich Beiträge, um zelluläre und molekulare
Pflanzenvielfalt bei. Mit seinen Fort- und Weiter- Wirkungsweisen von Nährstoffen und nicht-nu-
bildungsaktivitäten wirkt der Botanische Garten tritiven Nahrungsbestandteilen zu verstehen.
über die Universität hinaus in Gesellschaft, Kunst In weiterer Folge trägt dies zur Entwicklung von
und Politik. Biomarkern bei. Diese werden zur Voraussage
langfristiger, ernährungsbedingter Erkrankungen
Das Themenfeld Organismische Systembiologie und zur Identifikation von Genvarianten, die an
verfolgt das Ziel, tierische Organismen als kom- der Entstehung ernährungsbedingter phänoty-
plexe Systeme zu verstehen. In diesem Rahmen pischer Ausprägungen beteiligt sind, herangezo-
wird eine Vielfalt an wirbellosen Arten und Wir- gen. Das Instrument der systematischen Analyse
beltieren, bis hin zum Menschen, auf moleku- dient dazu, den Zusammenhang zwischen er-
larer und zellulärer sowie auf ökologischer und nährungsassoziierten Faktoren und einer Reihe
sozialer Ebene vergleichend untersucht. Im Vor- von Erkrankungen zu erkennen. Es ist hervorra-
dergrund steht die Analyse der Entwicklung und gend dafür geeignet, neue Forschungsfragen zu
Evolution dieser organismischen Systeme unter formulieren. Verschiedene Aspekte dieses The-
Verwendung von experimentellen Methoden. menfelds werden im Forschungsschwerpunkt
Bildgebende Verfahren (wie 3D- und 4D-Imaging) „Nutrition and Ageing“ abgebildet.
und Computeranalysen werden angewandt, um
genomische und tomographische Daten(sätze) Das Themenfeld Pharmazie verfolgt das Ziel,
zu erhalten. Das Themenfeld Organismische Sys- neue Arzneimittel zu entdecken und zu entwi-
tembiologie wird durch die Forschungsschwer- ckeln sowie deren sicheren Gebrauch zum Wohle
punkte „Cognition, Neuroscience and Behavi- der Gesellschaft zu unterstützen. Der Fokus liegt
our“ und „Evolution of Organismal Complexity“ auf der Identifizierung und Beschreibung neuer,
repräsentiert. biologisch aktiver Naturstoffe und syntheti-
scher Wirkstoffe und deren Interaktion mit dem
Das Themenfeld Funktionelle Ökologie hat zum menschlichen Organismus auf molekularer
Ziel, die Struktur und Funktion von limnischen, Ebene. In silico-, in vitro-, und in vivo-Modelle
marinen und terrestrischen Ökosystemen zu ver- werden etabliert und getestet, um neue Leitsub-
stehen. Schwerpunktsetzungen liegen auf dem stanzen und Therapiekonzepte hervorzubringen
mikrobiell-ökologischen, biogeochemischen und Delivery-Systeme für Arzneistoffe zu entwi-
Ökosystem und systembiologischen Untersu- ckeln. Verschiedene Aspekte des Themenfelds
chungen sowie auf mikrobiellen Symbiosen und werden in den Forschungsschwerpunkten „Drug
Modellorganismen. Diese Forschungsansätze Discovery from Nature“, „Computational Life
sind von herausragender Bedeutung für die Sciences“ und „Nutrition and Ageing“ abgebil-
Umweltwissenschaften und generell für die Ge- det. Sie bilden sich auch in zahlreichen Koope-
sellschaft, ganz besonders vor dem Hintergrund rationen mit der Medizinischen Universität Wien,
der vorrangigen Herausforderungen, vor die uns wie z. B. gemeinsame FWF-geförderte Projekte,
„Globaler Wandel“ und „Future Earth“ stellen. Zusammenarbeit im Bereich des Imaging sowie
Um die oben genannten Ziele zu erreichen, wer- gemeinsame Aktivitäten im neuen Masterstudi-
den State of the Art-Technologien der molekula- um „Drug Discovery and Development“ ab.
ren Systembiologie, Bioanalytik, Biogeochemie
und Imaging kombiniert. Der Fokus liegt außer- Evolution of Organismal Complexity
dem auf der Analyse der Funktion von Mikroor-
ganismen in ihren natürlichen und technischen Ziel dieses Forschungsschwerpunkts ist es, die
Lebensräumen sowie auf der Erschließung von evolutionären und entwicklungsbiologischen
Zusammenhängen zwischen mikrobieller Kont- Mechanismen zu verstehen, deren komplexes

132
Zusammenwirken die Vielfalt von differenzier- zu erkennen, ist ein tiefreichendes Verständnis
ten Zelltypen, Organen und Körperbauplänen der evolutionären Ökologie pflanzlicher Biodi-
hervorbringt. Im Schwerpunkt werden High-End versität erforderlich, das unter anderem mithilfe
molekulare, genomische, morphologische und morphologischer, phylogenetischer und popu-
biomathematische Methoden sowie 3D- und lationsbiologischer Untersuchungen erreicht
4D- Imaging Verfahren kombiniert. Durch die wird. Diese multidisziplinären Ansätze werden
systembiologische Integration von theoreti- unterstützt durch die Infrastruktur, die Lebend-
schen und experimentellen Ansätzen eröffnet sammlungen und Herbarien des Botanischen
sich ein umfassendes Verständnis der Evolution Gartens und der Tropenstation La Gamba.
organismischer Komplexität. Innerhalb einer
Vielzahl von experimentellen Systemen werden Symbioses
genregulatorische Netzwerke, der Einfluss
epigenetischer Regulation und dynamische Symbiose, das Zusammenleben verschiedener
zelluläre Interaktionen vergleichend untersucht. Organismen, ist ein universelles Prinzip des
Beispielsweise werden grundlegende Prinzipien Lebens. Der Forschungsschwerpunkt beschäftigt
in der Entwicklung, Struktur und Funktion von sich mit Beziehungen zwischen Mikroben und
Nervensystemen und deren Interaktion mit der Protisten, Tieren und Pflanzen. Verschiedene
Umwelt bestimmt. Vergesellschaftungen werden untersucht, von
Partner-Symbiosen bis hin zu komplexen Bezie-
Cognition, Neuroscience and Behaviour hungen zwischen Tieren und Pflanzen und deren
vielfältigen Mikrobiomen. Erforscht werden die
Die kognitiven, neuronalen und hormonellen Wirt- und Symbiontendiversität inklusive der
Grundlagen von Verhalten stehen im Zentrum Variabilität und Funktion des Phänotyps im öko-
dieses Forschungsschwerpunkts. Die Stärke des logischen und pathologischen Kontext sowie die
Schwerpunkts liegt in dem breit gefächerten molekularen und physiologischen Mechanismen
vergleichenden Ansatz, der diverse Modellsys- der Wirt-Symbiont-Interaktion, ihre Besiedelung
teme und Forschungsthemen auf unterschied- und Erhaltung. Nicht zuletzt ist die Rekonstrukti-
lichen Organisationsebenen, von der Zelle bis on der Evolution symbiotischer Beziehungen im
zu sozialen Gruppen, integriert. Grundlegende Zentrum der laufenden Forschung. Dafür werden
Themen sind die Evolution kognitiver Prozesse, auch empirische Studien herangezogen, um
der Einfluss von Umweltfaktoren auf Verhaltens­ theoretische Konzepte der Evolution zu testen.
phänotypen sowie Interaktionen von verhaltens- Da Symbiosen häufig bakterienassoziiert sind,
biologischen, genetischen und physiologischen besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem
Faktoren. Von besonderer Bedeutung sind Forschungsschwerpunkt „Microbial Ecology and
soziale Aspekte wie die Komplexität sozialer Ecosystems“.
Beziehungen, Kooperation, Kommunikation und
Stressmanagement. Ein wichtiges Ziel ist die Microbial Ecology and Ecosystems
Stärkung der Neurowissenschaften gemeinsam
mit der Verhaltens- und Kognitionsforschung Mikroorganismen spielen eine zentrale Rolle in
innerhalb der Fakultät. Die intensive Vernetzung Nahrungsnetzen und allen globalen biogeoche-
der in diesem Bereich arbeitenden Gruppen an mischen Kreisläufen. Im Mittelpunkt des Inter-
der Universität Wien und im Wiener Raum wird esses stehen Struktur und Funktion mikrobieller
weiter vorangetrieben. Die neu etablierte Neuro­ Gemeinschaften und die daraus resultierenden
Cog-Initiative stärkt nicht nur die Kooperation Stoffflüsse in terrestrischen, aquatischen und
mehrerer Fakultäten der Universität Wien und technischen Ökosystemen. In einem interdis-
der Medizinischen Universität Wien, sie wird ziplinären Ansatz werden prioritär jene Fragen
auch die bestehende Exzellenz anderer Universi- bearbeitet, die einem besseren Verständnis
täten und außeruniversitärer Forschungseinrich- funktionell wichtiger Mikroorganismen dienen.
tungen wie IMP, IMBA und IST Austria in diesem Die Erforschung der Ökologie und der Evolution
Forschungsfeld bündeln. von Mikroorganismen ist Voraussetzung, um
ökosystemare Funktionen der Mikroben in einer
Patterns and Processes in Plant sich ändernden Umwelt zu verstehen und den
Evolution and Ecology Einsatz mikrobieller Lebensgemeinschaften in
technischen Systemen zu optimieren. Hierfür
Dieser Forschungsschwerpunkt behandelt die werden modernste Methoden aus Metabolo-
evolutiven, entwicklungsbiologischen und öko- mics, funktioneller Genomik, Einzelzellmikrobio-
logischen Prozesse, die zur Diversität an pflanz- logie und Isotopenanalytik verwendet.
lichem Leben geführt haben. Erforscht wird, wie
sich pflanzliche Diversität unter natürlichen Be- Environmental Change Biology
dingungen entwickelt und verändert hat. Dabei
spielt auch der Einfluss des modernen Menschen Aktuelle Veränderungen der Umwelt haben
eine wesentliche Rolle, verbunden mit der Frage, vielfältige, oft miteinander interagierende
wie pflanzliche Vielfalt langfristig erhalten wer- Elemente. Der Forschungsschwerpunkt an der
den kann. Um die zugrundeliegenden Prozesse Fakultät stellt Fragen zum Wandel von Klima

133
und Bodennutzung sowie zu Veränderungen des ermöglicht es, unser Verständnis vom Altern zu
Kohlenstoff- und Stickstoff-Zyklus. Untersucht verbessern und Menschen so lange wie möglich
werden auch Auswirkungen und Interaktion gesund zu erhalten (gesundes und aktives
von biologischen Invasionen und Umweltver- Altern).
schmutzung auf biologische Systeme sämtlicher
Organisationslevels, vom Genom bis zum Orga- Drug Discovery from Nature
nismenkollektiv. Der Forschungsschwerpunkt
beinhaltet interdisziplinäre Kooperationen Im Mittelpunkt des Forschungsschwerpunkts ste-
zwischen Biologie, Geowissenschaften, Chemie hen Naturstoffe, die aufgrund ihrer evolutionären
und Physik. Optimierung als Leitstrukturen zur Interaktion
mit potenziellen Targets für die Arzneistoffent-
Nutrition and Ageing wicklung („privilegierte Strukturen“) besonders
geeignet erscheinen. Ziel des Forschungsschwer-
In einer alternden Gesellschaft ist das bessere punkts ist es, neue Wirkstoffe aus der Natur (z. B.
Verständnis molekularer Mechanismen, die Pflanzen, Mikroorganismen) zu identifizieren und
dem Alterungsprozess zugrunde liegen, von ihre Wirkmechanismen vor allem auf moleku-
großer Bedeutung. Ernährung wird als einer larer Ebene zu verstehen. Untersuchungen zur
der maßgeblichen Faktoren für gesundes Altern Interaktion von Naturstoffen mit Anti-Targets
betrachtet. Die detaillierten Mechanismen und tragen zur Verbesserung der Arzneimittelsi-
Interaktionen von Nährstoffen im Zusammen- cherheit bei. Die derzeitige Entwicklung zielt
hang mit dem Alterungsprozess von Zellen und auf Metabolomics und Target Fishing, um die
dem gesamten Organismus sind aber noch polypharmakologischen Profile von Naturstoffen
nicht gänzlich geklärt. Der Forschungsschwer- zu charakterisieren. Moderne bildgebende Ver-
punkt konzentriert sich dementsprechend auf fahren werden eingesetzt, um eine Evaluierung
ausgewählte Aspekte der Interaktion ernäh- von Wirksamkeit und Sicherheit in relevanten
rungsbedingter und anderer Lebensstil-Faktoren Krankheitsmodellen zu ermöglichen.
im Zusammenhang mit dem Alterungspro-
zess. Studien am Menschen, an Tieren und in Computational Life Sciences
vitro-Modellen helfen dabei, die Mechanismen
zu entschlüsseln, die hinter epidemiologischen Dieser Forschungsschwerpunkt umfasst die zahl-
Beobachtungen stehen. Die Entwicklung und reichen Aktivitäten auf dem Gebiet der Anwen-
Verfeinerung altersspezifischer Biomarker dung und Entwicklung von Informationstech-

134
nologien in den Lebenswissenschaften. Neben •  Pharmazeutische Technologie
einer thematischen Clusterbildung erfolgt vor •  Physiologie und Ökologie der Pflanzen
allem die fächerübergreifende Etablierung neuer •  Populationsökologie
Methoden in den Bereichen Pharmakoinforma- •  Strukturelle Botanik
tik, in silico-Metabolomics, Bioinformatik und •  Tierphysiologie mit Schwerpunkt Ornitholo-
in der Struktur- und Systembiologie. Besondere gie (gemeinsame Professur der Universität
Schwerpunkte liegen in der Bearbeitung biolo- Wien mit der Veterinärmedizinischen Univer-
gischer Hochdurchsatzdaten, der Entwicklung sität Wien)
mathematischer Methoden zur Modellierung •  Vegetation Science
biologischer und biomolekularer Systeme sowie •  Zoologie [Theoretische Biologie]
in den Themenfeldern Datenintegration und •  Zoologie mit besonderer Berücksichtigung
Data Mining. Dieser Forschungsschwerpunkt von Morphologie, Ökologie und Neurobio-
wird in enger Kooperation mit anderen Fakultä- logie
ten, dem Zentrum für Molekulare Biologie und •  Zoologie und Meeresbiologie
der Österreichischen Akademie der Wissenschaf-
ten betrieben. Bereits bestehende Kooperatio- 4.15.4 F
 achliche Widmung
nen mit dem Center of Integrative Bioinformatics künftiger Professuren und
Vienna werden forciert, sobald das neue Biolo- Stand der Umsetzung
giezentrum in Betrieb geht.
Professuren in Besetzung zum Stichtag
4.15.3 Professuren zum Stichtag 1. Oktober 2017
1. Oktober 2017
•  Didaktik der Biologie (gemeinsam mit dem
Zur leichteren Übersicht sind hier sämtliche zum Zentrum für LehrerInnenbildung)
Stichtag 1. Oktober 2017 bestehenden Professu- •  Limnologie
ren (§ 98 und § 99 Abs. 3 Universitätsgesetz 2002, •  Neurobiologie
inkl. allfälliger Vorziehprofessuren) angegeben.
In eckiger Klammer sind die jeweils derzeit Besetzungen im Einklang mit dem
vertretenen Forschungsgebiete zur Information Forschungsprofil und zur Sicherung
angeführt. Rechtlich verbindlich sind die außer- der Grundlagenfächer
halb der eckigen Klammer stehenden Bezeich-
nungen. Diese Momentaufnahme präjudiziert Fachliche Widmung:
in keiner Weise die im folgenden Abschnitt Theoretische Evolutionsbiologie
vorgenommenen und die zukünftigen Professu- Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
renwidmungen. Professur „Zoologie“
(voraussichtlich 1. Oktober 2018)
•  Entwicklungsbiologie der Tiere
•  Ernährungslehre und Lebensmittelqualität Fachliche Widmung:
•  Ernährungsphysiologie/Molekulare Ernäh- Pharmazeutische Technologie und
rung Biopharmazie
•  Ernährungswissenschaft (spezielle Human­ Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
ernährung) Professur „Pharmazeutische Technologie“
•  Evolutionäre Kognitionsbiologie (voraussichtlich 1. Oktober 2018)
•  In-silico Genomics [Computational Systems
Biology] Fachliche Widmung:
•  Kognitive Ethologie Pharmakologie und Toxikologie
•  Meeresbiologie Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
•  Mikrobielle Lebensgemeinschaften Professur „Pharmakologie und Toxikologie“
•  Mikrobielle Ökologie (voraussichtlich 1. Oktober 2019)
•  Mikrobielle Symbiosen
•  Molekulare Pflanzenphysiologie Fachliche Widmung:
•  Molekulare und zelluläre Neurobiologie Meeresbiologie
•  Morphologie der Tiere Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
•  Ökogenetik Professur „Meeresbiologie“
•  Ökophysiologie der Mikroorganismen (voraussichtlich 1. Oktober 2023)
•  Pflanzensystematik und Evolutions­
forschung Professuren nach Maßgabe budgetärer
•  Pharmaceutical Biotechnology Möglichkeiten
•  Pharmaceutical Sciences
•  Pharmakognosie Fachliche Widmung:
•  Pharmakognosie (Pharmazeutische Biologie) Public Health Nutrition
•  Pharmakoinformatik (gemeinsam mit der Medizinischen Universität
•  Pharmakologie und Toxikologie Wien)
•  Pharmazeutische Chemie
135
Fachliche Widmung: Kommunikation. Sie wird auf Prozess-, Produkt-,
Geobiologie Funktions- und Akteursebene in ihrer grenzüber-
(gemeinsam mit der Fakultät für Geowissen- schreitenden Perspektive untersucht. Diese
schaften, Geographie und Astronomie) Prozesse werden ergänzt, überlagert, teilweise
ersetzt durch mehrsprachige bzw. Lingua fran-
Fachliche Widmung: ca-Kommunikation sowie auch durch intralin-
Ecological Modelling guale und intersemiotische Übertragungen, die
auch die Translationswissenschaft als Schnitt-
Fachliche Widmung: stellen von Kommunikationsweisen zunehmend
Molecular Drug Targeting in den Blick nimmt.
(Mitwirkung des Zentrums für Molekulare Biolo-
gie bei der Ausschreibung und Besetzung dieser Ein besonderer Fokus liegt auf der raum-zeitli-
Professur) chen Dimension transkulturellen Handelns und
findet seinen Niederschlag in den Forschungen
Fachliche Widmung: zur Verflochtenheit und Komplexität der histori-
Sports Nutrition schen und gegenwärtigen Prozesse von transkul-
(gemeinsam mit dem Zentrum für Sportwissen- tureller Kommunikation, Lingua franca-Kommu-
schaft und Universitätssport) nikation und individueller wie gesellschaftlicher
Mehrsprachigkeit.
Fachliche Widmung:
Microbial Viruses Diese Diversität und damit verbundene intensive
Interaktion gesellschaftlicher Phänomene in
Fachliche Widmung: Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Wissenschaft
Genetics of Bacterial Non-Model Organisms verlangen nach einem angemessenen Verständ-
nis der damit verbundenen sehr vielfältigen
Fachliche Widmung: transkulturellen Kommunikationsprozesse.
Neurowissenschaftliche Grundlagen der Ihnen widmet sich das Zentrum für Translati-
Mensch-Tier-Beziehung onswissenschaft in der Grundlagen- wie in der
(gemeinsam mit der Veterinärmedizinischen angewandten Forschung. Zugleich verfolgt das
Universität Wien; Mitwirkung der Fakultät für Psy- Zentrum für Translationswissenschaft die Unter-
chologie bei der Ausschreibung und Besetzung suchung, Darstellung und Modellierung dieser
dieser Professur) Prozesse in digitalen Formaten. Damit schafft
das Zentrum auch die Voraussetzungen für eine
wissenschaftliche Lehre, die zugleich berufso-
rientierend ist und kann auf die dynamischen
4.Z1 Zentrum für Veränderungen der beruflichen Praxis reagieren.
Translationswissenschaft
4.Z1.2 Forschungsschwerpunkte
4.Z1.1 Zielsetzungen Das Zentrum für Translationswissenschaft kon-
zentriert sich auf folgende Forschungsschwer-
Die Translationswissenschaft als eine der Geis- punkte:
tes- und Kulturwissenschaften befasst sich mit
der spezifisch translatorischen Dimension kom- Technologien und kognitive Prozesse
munikativen Handelns. Dabei erzeugt sie Wissen, in der Translation und multilingualen
das für die globalisierte Welt besonders relevant Sprachdatenverarbeitung
ist, da darin transkulturelle Prozesse zunehmend
an Bedeutung gewinnen. Forschungsziel ist die Weiterentwicklung der
in den vergangenen Jahren auf internationaler
Diese vielfältig verflochtenen Prozesse von Kom- Ebene entstandenen sogenannten „sprachtech-
munikation allgemein, von Wissenserzeugung, nologischen Ökosysteme“, die eine Vielfalt an
Wissenstransfer und Wissenstransformation in Werkzeugen des Maschinellen bzw. computer­
Geschichte und Gegenwart sind eng mit trans- gestützten Übersetzens und Dolmetschens,
latorischem Handeln verbunden und werden der Sprachindustrie und der damit zusammen-
durch dieses häufig überhaupt erst möglich. Aus hängenden multilingualen terminologischen
der Untersuchung dieser Prozesse lassen sich und anderen multimodalen Sprachressourcen
Orientierungen für künftiges Handeln gewinnen. umfassen. Forschungsthemen sind in diesem
Kontext u. a. die kognitionswissenschaftliche
Anliegen der Translationswissenschaft ist es, Modellierung und Repräsentation terminolo-
das Verständnis für die transkulturelle Kom- gischer Dynamik, sprachlicher Vielfalt und der
munikation in einer globalisierten Welt zu Variation in der multilingualen Fachkommuni-
vertiefen und zu befördern. Im Mittelpunkt steht kation; die kognitiven Anforderungen verschie-
dabei der Kernbereich der Translation in allen dener NutzerInnengruppen (Usability, Acces-
ihren Formen als vermittelte und interlinguale sibility) an sprachtechnologische Werkzeuge

136
und an Sprachressourcen; Möglichkeiten und •  Sinologie (20 %; 80 % an der Philolo-
Grenzen der Formalisier- und Automatisier- gisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät)
barkeit translatorischer Arbeitsprozesse in der •  Transkulturelle Kommunikation
internationalen Sprachindustrie und die Bewer- •  Translatorische Terminologiewissenschaft
tung der sozio-kognitiven und -kommunikativen und Übersetzungstechnologie
Auswirkungen dieser Technisierung. Dabei geht •  Übersetzungswissenschaft
es insbesondere um die Weiterentwicklung der
neuen Paradigmen der Maschinellen Überset- 4.Z1.4 F
 achliche Widmung
zung, des Multilingual Semantic Web und der künftiger Professuren und
Verarbeitung terminologischer Daten aus der Stand der Umsetzung
Sicht der Kognitiven Informatik sowie aus der
Perspektive einer sozio-kognitiven Technikfol- Besetzungen im Einklang mit dem
genabschätzung. Forschungsprofil und zur Sicherung
der Grundlagenfächer
Translation bzw. Transkulturelle
Kommunikation in sozialen, Fachliche Widmung:
institutionellen und medialen Transkulturelle Kommunikation
Kontexten Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
Professur „Transkulturelle Kommunikation“
Dieser Forschungsschwerpunkt fokussiert auf (voraussichtlich 1. Oktober 2018)
translatorische Handlungsprozesse und ver-
schiedene mediale Manifestationen von Trans- Professuren nach Maßgabe budgetärer
lation in unterschiedlichen sozio- und transkul- Möglichkeiten
turellen Kommunikationszusammenhängen im
Zeitalter der Globalisierung. Untersucht werden Fachliche Widmung:
dabei die Funktion und Wirkung von Translaten Computational terminology and machine
im Gefüge der Geschichte und Gegenwart der translation
Zielkultur, die Stellung und Rolle von Übersetzer­
Innen und DolmetscherInnen in konkreten insti- Fachliche Widmung:
tutionellen Kontexten sowie die Identifizierung Dolmetschwissenschaft – Schwerpunkt:
und Präzisierung der Zusammenhänge zwischen Kommunaldolmetschen
Translation und anderen Formen mehrsprachi-
ger Kommunikation (und Lingua franca-Kom-
munikation). Auch die Bedingungen und Folgen
kollektiver und individueller Mehrsprachigkeit für 4.Z2 Zentrum für
die Zukunft der Translation bzw. der Transkultu- Sportwissenschaft und
rellen Kommunikation werden dabei untersucht.
Diese Forschung greift insbesondere auf sozial- Universitätssport
wissenschaftliche Theorien und Methoden sowie
diskursanalytische und kritisch-reflexive Ansätze 4.Z2.1 Zielsetzungen
zurück. Im Bereich des Übersetzens werden
Vermittlungsprozesse und deren Bedingungs- Sport hat in der modernen Gesellschaft einen
gefüge in verschiedenen sozialen Feldern wie hohen Stellenwert. Das gilt sowohl für den
der transkulturellen Fachkommunikation und Breiten- und Spitzensport als auch in der Ge-
der literarisch-medialen Produktion themati- sundheitsförderung, Integration und Erholung
siert; im Bereich des Dolmetschens stellt das verschiedener Bevölkerungsgruppen. Bewegung
translatorische Handeln in Behörden, Gerichten und Sport spielen eine wichtige Rolle in der
und Gesundheitseinrichtungen zunehmend Schule, Prävention, Rehabilitation und Therapie.
multikultureller Gesellschaften ein vorrangiges Sport ist ein zentraler Inhalt der Massenmedien
Aufgabenfeld dar. und ein wichtiger Faktor in der Wirtschaft. Diese
vielfältige Bedeutung des Sports bedarf einer
4.Z1.3 P
 rofessuren zum Stichtag wissenschaftlichen Erforschung, Begleitung und
1. Oktober 2017 Beratung, um positive Wirkungen unterstützen
und negative Effekte minimieren zu können.
Zur leichteren Übersicht sind hier sämtliche zum
Stichtag 1. Oktober 2017 bestehenden Professu- Die Sportwissenschaft setzt sich aus verschiede-
ren (§ 98 und § 99 Abs. 3 Universitätsgesetz 2002, nen Teildisziplinen wie etwa Sportphysiologie,
inkl. allfälliger Vorziehprofessuren) angegeben. Biomechanik, Sportsoziologie und -ökonomie
Diese Momentaufnahme präjudiziert in keiner zusammen, die Bewegung und Sport, die
Weise die im folgenden Abschnitt vorgenomme- beteiligten Menschen, Organisationen und
nen und die zukünftigen Professurenwidmungen. Institutionen aus unterschiedlichen Perspektiven
erforschen. Sie ist durch eine Vielfalt von theore-
•  Dolmetschwissenschaft und Translations- tischen und methodischen Ansätzen gekenn-
didaktik zeichnet, die sich aus den natur-, human-, sozial-

137
und anderen wissenschaftlichen Disziplinen 4.Z2.2 T
 hemenfelder und
ergeben. Forschungsschwerpunkte
Sportwissenschaft ist eine auf Theoriebildung Menschliches Handeln, soziale Prozesse und
basierende empirische Disziplin, die als Quer- Strukturen im Sport sowie die Wechselwirkun-
schnitts- und Integrationswissenschaft begriffen gen zwischen Gesellschaft und Sport werden
wird. Forschungsprojekte haben vielfach inter- mithilfe theoretischer und methodischer Ansätze
und multidisziplinären Charakter. Daher wird analysiert. Gesellschaftliche Veränderungen –
angestrebt, die disziplinübergreifende Koopera- Modernisierung, Globalisierung, Migration, etc.
tion und die gemeinsame Nutzung existierender – spiegeln sich im Sport wider und beeinflussen
Ressourcen weiter voranzutreiben. Bestehende das Tätigkeitsfeld von SportwissenschafterInnen.
intra- und interuniversitäre Kooperationen sowie In praxisorientierter Forschung werden Organisa-
die nationale und internationale Vernetzung des tion, Verhalten und Erleben von Individuen und
Zentrums sollen zur Einwerbung kompetitiver Gruppen im Sport untersucht.
Drittmittel genutzt werden.
In modernen Gesellschaften haben immer mehr
An der Universität Wien bildet das Institut für Menschen neben ihrer Identität in der Familie,
Sportwissenschaft mit dem Universitäts-Spor- im Beruf usw. auch eine Identität im Sport. Die
tinstitut (USI) eine Organisationseinheit und zunehmende Bedeutung der Sportidentität von
kooperiert mit dem Österreichischen Institut für Personen, Organisationen und Nationen wird im
Sportmedizin (ÖISM) sowie mit dem Olympia­ sozialhistorischen Kontext erforscht.
zentrum Wien des Österreichischen Olympi-
schen Komitees. Die Forschungsaktivitäten sind folgendermaßen
gegliedert:

138
Bildung und Gesundheitsförderung 4.Z2.3 P
 rofessuren zum Stichtag
1. Oktober 2017
Eine zielgerichtete und effektive Anleitung bzw.
Gestaltung von Bewegungs- und Sporteinheiten Zur leichteren Übersicht sind hier sämtliche zum
im Gesundheits-, Sozial- und Bildungskontext Stichtag 1. Oktober 2017 bestehenden Professu-
baut auf einer systematischen Forschung sowie ren (§ 98 und § 99 Abs. 3 Universitätsgesetz 2002,
einer wissensbasierten Vermittlung von Kompe- inkl. allfälliger Vorziehprofessuren) angegeben.
tenzen für die anleitenden Personen auf. Hierbei Diese Momentaufnahme präjudiziert in keiner
wird zukünftig dem inklusiven Umgang bei gro- Weise die im folgenden Abschnitt vorgenomme-
ßer kultureller und sozialer Diversität besondere nen und die zukünftigen Professurenwidmungen.
Aufmerksamkeit zuteil. Die Auswirkungen von
Bewegung und Sport auf die gesellschaftliche •  Bewegungswissenschaft mit Schwerpunkt
Lernkultur sowie das System Bildung ‒ Gesund- Biomechanik und Sportinformatik
heit ‒ Schule werden theoretisch und empirisch •  Sport-/Bewegungspädagogik
analysiert. •  Sportsoziologie
Bewegung und Sport haben angesichts der weit- 4.Z2.4 F
 achliche Widmung
verbreiteten Bewegungsarmut und den damit künftiger Professuren und
assoziierten Zivilisationskrankheiten (Herz-Kreis- Stand der Umsetzung
lauf-Erkrankungen, Krebs, etc.) eine wichtige ge-
sellschaftliche und sozio-ökonomische Funktion. Professuren in Besetzung zum Stichtag
Trotz der Erkenntnisse über den gesundheitli- 1. Oktober 2017
chen Nutzen von körperlicher Aktivität bewegen
sich Kinder, Jugendliche, Erwachsene und ältere •  Sport- und Leistungsphysiologie
Menschen zu wenig. Diesbezüglich werden die
grundlegenden Korrelate und Interventionen für Besetzungen im Einklang mit dem
den Aufbau eines langfristigen, attraktiven und Forschungsprofil und zur Sicherung
gesunden Lebensstils, Techniken der Verhalten- der Grundlagenfächer
sänderung und die Bindung an Sport erforscht.
Fachliche Widmung:
Leistungsfähigkeit durch Intervention Trainingswissenschaft mit biologischer
Ausrichtung
Das zentrale Merkmal der gesellschaftlichen Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
Subkultur Sport stellt die unmittelbare Objekti- befristeten Professur „Trainings-/Bewegungs-
vierung menschlichen Verhaltens im intra- und wissenschaft (mit biologischer Ausrichtung)“
interindividuellen Vergleich dar. Sportwissen- (voraussichtlich 1. März 2020)
schaftliche Studien liefern einerseits theore-
tische Grundlagen für neue sportpraktische, Fachliche Widmung:
informatorische und technologische Entwick- Sportsoziologie und -ökonomie
lungen. Andererseits lassen sich aus wissen- Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
schaftlichen Erkenntnissen zu biomechanischen, Professur „Sportsoziologie“
motorischen, physiologischen, biologischen, (voraussichtlich 1. Oktober 2019)
trainingswissenschaftlichen, sozialen und
psychologischen Aspekten von menschlicher Professuren nach Maßgabe budgetärer
Bewegung und Sport leistungsverbessernde und Möglichkeiten
therapeutische Maßnahmen ableiten.
Fachliche Widmung:
In diesem Kontext nimmt die Implementierung Sports Nutrition
und Evaluation effektiver, evidenzbasierter Inter- (gemeinsam mit der Fakultät für Lebenswissen-
ventionen zur Optimierung, zum Erhalt und zur schaften)
Wiederherstellung der körperlichen Leistungs-
fähigkeit eine zentrale Stellung ein. Die Analyse Fachliche Widmung:
der Leistungsfähigkeit bildet wiederum die Sporttechnologie
Voraussetzung für einen erfolgreichen Interven-
tionsverlauf sowie für die Planung und Kontrolle Fachliche Widmung:
des Trainings bzw. der Trainingstherapie. Sportpädagogik
(Mitwirkung der Fakultät für Philosophie und
Bildungswissenschaft bei der Ausschreibung und
Besetzung dieser Professur)

139
4.Z3 Zentrum für Molekulare Versuche, zelluläre Funktion höherer Ordnung
Biologie aus ihren Bestandteilen zusammenzusetzen;
eine noch zu wenig erforschte Disziplin, um ein
neues Verständnis der Biologie dieser Funktion
4.Z3.1 Zielsetzungen zu erreichen; (4) Untersuchungen zur Ultrastruk-
tur von makromolekularen Zusammenschlüssen,
Das Zentrum für Molekulare Biologie der Uni- die auf der durch Fortschritte der Kryoelektro-
versität Wien und das Zentrum für Medizinische nenmikroskopie einzelner Partikel beruhenden
Biochemie der Medizinischen Universität Wien jüngsten „Auflösungsrevolution“ in der Struk-
bilden die Max F. Perutz Laboratories (MFPL). turbiologie ermöglicht wurden, und (5) durch
Die MFPL Support GmbH stellt die notwendige die quantitative Modellierung von zellulären
Infrastruktur für eine erfolgreiche Forschungs- Netzwerken, die auf der Prämisse beruht, dass
umgebung zur Verfügung. Biologie zu komplex ist, um von der Intuition
allein verstanden zu werden, sondern eine Be-
Ziel der MFPL ist es, ein akademisches Umfeld zu schreibung und eine Modellierung durch Zahlen
schaffen, welches herausragende wissenschaft- braucht, um überprüfbare Vorhersagen zu ma-
liche Errungenschaften – über die universitären chen. Die MFPL sind bestrebt, mit den aktuellen
Grenzen hinaus – fordert und fördert. Die MFPL Entwicklungen in den Lebenswissenschaften
engagieren sich in exzellenter Grundlagenfor- Schritt zu halten, indem sie führende ExpertIn-
schung, haben aber auch ein starkes Bewusst- nen aus den genannten aufstrebenden Gebieten
sein für translationale Medizin und klinische für sich gewinnen. Darüber hinaus zielen die
Anwendungen. Die MFPL und ihre Partnerinsti- MFPL auch darauf ab, sich mit der an der Univer-
tutionen am Campus Vienna Biocenter, die auf sität Wien bestehenden und zunehmenden Kom-
bestehenden Strukturen akademischer Koope- petenz in Kognition und Neurowissenschaften zu
ration aufbauen können, haben ein Kompetenz- vernetzen, was die Verbindung mit der Fakultät
zentrum von internationalem Rang geschaffen. für Lebenswissenschaften und der Medizinischen
Die gegenwärtigen Stärken des Zentrums werden Universität Wien besonders stärken wird. Um
durch die Rekrutierung herausragender For- die Herausforderungen der wissenschaftlichen
scherInnen sowie durch die Unterstützung von Interdisziplinarität erfolgreich anzugehen und
Frauen bei der Verfolgung von Karrieren in der die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Uni-
Wissenschaft und auch durch die Weiterentwick- versität Wien im Forschungsgebiet zu erhöhen,
lung des Forschungsschwerpunkts Molekulare werden gemeinsame Anstellungen mit verschie-
Mechanismen von Erkrankung weiter ausgebaut. denen Forschungseinrichtungen, insbesondere
am Campus Vienna Biocenter, angedacht.
Früher erfolgte eine Klassifizierung der Natur­
wissenschaften in getrennte Gebiete wie 4.Z3.2 T
 hemenfelder und
Biologie, Chemie und Physik. Aber mit dem Forschungsschwerpunkte
Voranschreiten der Wissenschaft werden die
Grenzen zwischen diesen Gebieten durchlässig, Das zentrale Themenfeld der MFPL ist die Mole-
was zu völlig neuen Forschungsfeldern führt. Um kularbiologie; dieser Schwerpunkt enthält die
die Wettbewerbsfähigkeit der MFPL zu bewahren Analyse der Struktur, Biosynthese und Funktion
und zu steigern, ist es entscheidend, den stetigen von DNA, RNA und Proteinen auf molekula-
international stattfindenden wissenschaftli- rer, zellulärer und organismischer Ebene. Die
chen Fortschritt zu identifizieren und darauf zu Forschung an den MFPL umfasst die sieben
reagieren. Wesentlich ist, dass Innovation nicht nachstehend beschriebenen Forschungsschwer-
nur von brillanten Ideen und günstigem Geschick punkte, die die beteiligten WissenschafterInnen
abhängt; oft geschieht dies an der Schnittstel- auf international wettbewerbsfähigem Niveau
le von traditionell getrennten Disziplinen und verfolgen. Die Forschung in diesen Bereichen för-
wird durch neue Technologien ermöglicht. So dert sowohl die Zusammenarbeit innerhalb der
werden die MFPL Bereiche erforschen, die stark MFPL und mit weiteren Departments der Uni-
im Aufschwung sind oder unmittelbar davor ste- versität Wien und der Medizinischen Universität
hen, wichtige Treiber für Innovation zu werden. Wien sowie die Zusammenarbeit mit benachbar-
Die zentral vorgeschlagenen Themen sind: (1) ten Institutionen (Institut für Molekulare Patholo-
Untersuchung der Zelldynamik mit fortschrittli- gie, Institut für Molekulare Biotechnologie IMBA,
chen bildgebenden Methoden, die beispiellose Gregor-Mendel-Institut) am Campus Vienna
Einsichten in die intrazelluläre Kommunikation Biocenter. Die definierten Forschungsgebiete
mit erstaunlicher zeitlicher und räumlicher Auflö- tragen auch zur bestmöglichen Vorbereitung von
sung ermöglichen; (2) Analyse der verschiedenen DoktorandInnen und Postdocs auf erfolgreiche
Schichten der Genexpression und der Kernar- Karrieren in Wissenschaft und wissenschaftsna-
chitektur auf der Ebene einzelner Zellen, die den hen Gebieten bei, die durch zunehmenden Wett-
„Mittelungseffekt“/„Kompensationseffekt“ von bewerb gekennzeichnet sind. Die MFPL betonen
Populations-basierten Experimenten eliminiert das Gemeinsame und nicht das Trennende zwi-
und dem molekularen Schicksal einzelner Zellen schen Biowissenschaften und anderen, traditio-
folgt, während sich diese ausdifferenzieren; (3) nell davon getrennten, Disziplinen. Erfolgreiche

140
Verbindungen bestehen zwischen Forschungs- Information; RNAs können chemische Reak-
gruppen klinischer Forschung und Forschungs- tionen katalysieren und fast jeden Schritt der
gruppen der Grundlagenforschung, zwischen Genexpression regulieren. RNAs können Proteine
biologisch orientierten ForscherInnen und jenen, und Enzyme an ihren Wirkungsort führen und
die sich auf Informatik und Mathematik spezia- sind Hauptakteure, wenn sich Zellen an neue
lisieren. Die MFPL werden die Vernetzung zu den Umweltbedingungen anpassen müssen. RNAs
Fakultäten für Lebenswissenschaften, Chemie kontrollieren genetische Schaltkreise, die für
und Mathematik weiterhin verstärken. Wirt-Pathogen-Wechselwirkungen besonders
wichtig sind. RNAs spielen während der Em-
Immunologie und Infektionsbiologie bryonal- und Krebsentwicklung entscheidende
Rollen. Darüber hinaus werden RNA-basierte
Mit der Welt der pathogenen Mikroben fertig zu Therapeutika für genetische und infektiöse
werden, ist noch immer Teil des menschlichen Le- Erkrankungen entwickelt und bereits klinisch
bens, auch in der modernen Ära der Antibiotika. angewendet. RNA-basiertes Genome-Editing hat
Neue Pathogene, „superbugs“, die gegen Antibio- nicht nur die Forschung revolutioniert, es könnte
tika resistent sind, und die Angst vor viralen Pan- auch eine neue Ära in der Medizin und der
demien haben das Bewusstsein der Menschen für Industrie einleiten. Die neuesten Entdeckungen
die Gefahr von Infektionskrankheiten gesteigert. zeigen häufigere und vielfältigere Modifikationen
Die Arbeitsgruppen im Forschungsschwerpunkt von RNA-Molekülen als erwartet und schaffen
Infektionsbiologie konzentrieren sich auf patho- somit ein neues Forschungsfeld: das „Epitran-
gene Pilze, Bakterien und Viren, um grundlegende skriptom“. Die RNA-Forschung am Zentrum für
Erkenntnisse über molekulare Mechanismen von Molekulare Biologie verfolgt eine integrative
Wirt-Pathogen-Wechselwirkungen einschließ- Strategie, die biochemische, zellbiologische,
lich Krankheitszuständen zu generieren. Sie genetische, mikrobiologische, strukturbiologi-
untersuchen Moleküle und molekulare Wechsel- sche und bioinformatische Ansätze verbindet.
wirkungen, die für die Entwicklung von akuten, Das interdisziplinäre Forschungs- und Ausbil-
chronischen und tödlichen Infektionen relevant dungsprogramm befasst sich mit der Biogenese,
sind. Moleküle, die an der Detektion von Mikroben der Struktur und den Funktionen von RNAs und
beteiligt sind, deren Absorption in Wirtszellen und deren Modifikationen in zellulären und patho-
die Initiierung von Abwehrreaktionen sind von logischen Prozessen in vielen verschiedenen
besonderem Interesse. Zunehmende Aufmerk- Organismen von bakteriellen Pathogenen bis hin
samkeit wird auch auf homöostatische Mechanis- zu menschlichen Zellen.
men gelegt, die die Integrität von Wirtsgeweben
bei einer intensiven Entzündungsreaktion gegen Zell-Signalisierung
den Erreger bewahren. ForscherInnen der MFPL
behandeln diese Fragen auf molekular-mecha- Zellen müssen externe und interne Signale
nistischer Ebene, indem sie biochemische und interpretieren und diese in biologische Prozesse
zellbiologische Studien, unbiased screening übersetzen, um zu überleben, um sich zu ver-
sowie Systembiologie und genomweite Ansätze mehren und um sich auszudifferenzieren. Wenn
einsetzen. Im Forschungsschwerpunkt ist eine die Signalübertragung, auch in einer begrenzten
besonders bedeutende und breite Expertise in Anzahl von Zellen, missglückt, ist der ganze
der Analyse von Host-Pathogen-Wechselwirkun- Organismus gefährdet. Die Forschungsgruppen
gen vorhanden, die wichtige infektiöse virale, im Forschungsschwerpunkt Zell-Signalisierung
bakterielle und Pilz-Agenten einschließen. Auch in nutzen fortschrittliche Methoden der Biochemie,
Zukunft wird dieses Feld durch die kontinuierliche der Molekularbiologie, der Zellbiologie und der
Erweiterung der Expertise über unterschiedliche Genetik, um die Signaltransduktion in verschie-
Krankheitserreger und die wachsende Interdiszip- denen experimentellen Systemen (von Hefe
linarität ein wichtiges Entwicklungsfeld darstel- zu Mäusen) zu untersuchen. Ein langjähriger
len. Das Forschungsfeld stellt zunehmend Ver- gemeinsamer Interessensfokus ist die Untersu-
bindungen zu Untersuchungen von Stoffwechsel, chung der Auswirkungen von posttranslationa-
Autophagie und mikrobiellen Gemeinschaften len Proteinmodifikationen und der Bildung von
her. Ein starker Schwerpunkt liegt auf qualitativen Proteinkomplexen auf die Biogenese und Re-
und quantitativen Merkmalen, die das Immunsys- gulation von signalübertragenden Netzwerken
tem regulieren. Das langfristige Ziel der Immuno- sowie die positiven und negativen Rückkopp-
logie und der Infektionsbiologieforschung ist es, lungsschleifen, die das Zusammenwirken von
physiologische und pathologische Immunreak- bestimmten Signalwegen steuern, um letztlich
tionen auf Pathogene, Umweltschadstoffe sowie unterschiedliche und adaptive biologische Er-
endogene Herausforderungen wie Krebszellen gebnisse zu generieren. Der Forschungsschwer-
umfassend zu beschreiben. punkt Zell-Signalisierung ist äußerst interaktiv
und eng mit den anderen Forschungsschwer-
RNA Biologie punkten Integrative Strukturbiologie, Immuno-
logie und Infektionsbiologie sowie Computa-
Seit 40 Jahren überrascht RNA aufgrund ihrer tional Biology und Bioinformatik verbunden.
Vielseitigkeit. RNA enthält nicht nur genetische Ein Großteil der WissenschafterInnen dieses

141
Forschungsschwerpunkts konzentriert sich auf Computational Biology und
krankheitsrelevante Moleküle und Prozesse und Bioinformatik
ist auch im Forschungsschwerpunkt Molekulare
Mechanismen von Erkrankung involviert und Ziel dieses Forschungsschwerpunkts ist die Ent-
wird dessen Weiterentwicklung unterstützen. wicklung und Nutzung einer Reihe unterschied-
licher theoretischer und rechnerischer Ansätze,
Integrative Strukturbiologie um in enger Zusammenarbeit mit experimentell
arbeitenden WissenschafterInnen Struktur,
Kennzeichnend für diesen Forschungsschwer- Funktion und Evolution biologisch relevanter Mo-
punkt ist die Integration und die ergänzende leküle auf atomarer, molekularer und supramole-
Verwendung von High-End-Strukturbiologie, bio- kularer Ebene zu verstehen. Die Arbeit in diesem
physikalischen Ansätzen und fortgeschrittenen Bereich konzentriert sich auf RNA- und Protein-
Rechenwerkzeugen, um einzigartige und neu- dynamik, Protein-Protein- und Protein-Nuklein-
artige Information über biomolekulare Struktur, säure-Wechselwirkungen, Liganden-Rezeptor-
Dynamik, Thermodynamik und Interaktionen zu Wechselwirkungen, intrinsisch ungeordnete
erhalten, was einzigartige Chancen für Molekular- Proteine und Moleküle von F-Aktin-basierten
biologie und biomedizinische Forschung bietet. Zytoskeletten sowie auf molekulare Evolution,
Genomik, Populationsgenetik, statistische Gene-
Die experimentellen Ansätze beziehen die Rönt- tik sowie methodische Entwicklungen im Kontext
genkristallographie und NMR mit ein, kombiniert molekulardynamischer Simulationen biomoleku-
mit Techniken mittlerer Auflösung einschließlich larer Komplexe. Darüber hinaus konzentriert sich
Kleinwinkel-Röntgenstreuung, Elektronen- und die Bioinformatik-Forschung auf die Entwicklung
Lichtmikroskopie sowie abstandssensitive Spek- neuer Methoden der Verarbeitung und der Analy-
troskopie- und Massenspektroskopietechniken, se des schnell wachsenden Datenvolumens von
ergänzt durch physikalisch-chemische und bio- Genomprojekten und verwandten Studien.
chemische Charakterisierung. Der rechnerische
Ansatz nutzt eine physikalisch-chemische Per- Der Forschungsschwerpunkt Computational Bio-
spektive, um Informationen über Protein- und logy und Bioinformatik profitiert von enger Zu-
RNA-Funktionalitäten zu liefern. Der Gegenstand sammenarbeit mit anderen Forschungsschwer-
struktureller Studien reicht von Systemen der punkten, darunter Integrative Strukturbiologie
Tumor-, Neuro- und Muskelbiologie, Organel- an der Universität Wien und Biomedizinische
len-Biosynthese und Virologie/Parasitologie Forschung an der Medizinischen Universität
bis hin zur lipid-aktivierten Signalgebung bei Wien. Ein weiteres zukünftiges Ziel ist die Inten-
Gesundheit und Krankheit. Mit den Forschungs- sivierung von Zusammenarbeit, einschließlich
schwerpunkten Molekulare Mechanismen von der verstärkten Kooperation mit kürzlich an der
Erkrankung, Zell-Signalisierung, RNA Biologie, Universität Wien etablierten interdisziplinären
Computational Biology und Bioinformatik sowie Forschungsplattformen und mit Forschungs-
mit der Medizinischen Universität Wien bestehen clustern wie dem Comprehensive Cancer Center
enge Verbindungen; verstärkte Kooperationen an der Medizinischen Universität Wien. Darüber
werden angestrebt. hinaus stellt die Modellierungskompetenz
des Forschungsschwerpunkts Computational
Geplante neue Forschungsthemen beinhalten: Biology und Bioinformatik einen Baustein für
(1) Strukturelle Untersuchungen von großen ein Verständnis von Abweichungen von der Nor-
makromolekularen Baugruppen durch Ein- malität dar (nicht nur auf einer beschreibenden,
zelteilchen-Kryo-Elektronenmikroskopie, die sondern auch auf einer detaillierteren mikrosko-
die Strukturbiologie in enger Partnerschaft mit pischen Ebene) und bietet somit eine natürliche
dem Campus Vienna Biocenter/dem Institut für Verbindung zur Modellierung der Herkunft von
Molekulare Pathologie und dem Institute for Krankheiten.
Science and Technology Austria revolutioniert;
beide Partner sind an einer Zusammenarbeit Chromosomen-Dynamik
interessiert. (2) High-End optische Spektros-
kopie und Lichtmikroskopie sind ein integraler Wenn ein Organismus ein hochentwickeltes
Bestandteil des Forschungsbereichs „Integrative Netzwerk ist, so ist das Genom sein Masterplan.
Strukturbiologie“. (3) Quantitative Biologie zum
Brückenschlag zwischen neuartigen theoreti- Dies spiegelt sich in den medizinischen Wissen-
schen Konzepten und hochrangigen quantitati- schaften als Fortschritt der „personalisierten
ven experimentellen Techniken. Im Fokus stehen Medizin“, wo genomische Beiträge zu allen
molekulare Deskriptoren und deren Anwendung Gesundheits- und Krankheitszuständen betrach-
auf biologische Probleme. tet werden. Chromosomen sind die physische
Darstellung des Genoms. Das Chromosomenfeld
wirkt sich direkt auf diverse Themen wie Frucht-
barkeit, Fortpflanzung, Krebs und Alterung aus.
Zahlreiche Beobachtungen verknüpfen Repro-
duktionsprobleme mit verminderter Lebensdau-

142
er, Krebsanfälligkeit und im Extremfall geistiger Ziel, Brücken zwischen (medizinischer) Grund-
Retardierung. So scheint eine intensivierte lagenforschung und klinischen Anwendungen
Erforschung des Chromosomenfelds zwingend zu schlagen. Das Streben nach Verständnis der
notwendig, um zu verstehen, wie das Genom sei- mechanistischen Basis biologischer Prozesse in
ne Stabilität erhält, repliziert, repariert, rekombi- Gesundheit und Krankheit ist ein verbindendes
niert und sich ausbreitet. In vielen Aspekten wie Thema innerhalb der MFPL-Forschung. Die Stär-
der dreidimensionalen, dynamischen Organisa- ke der MFPL liegt in der Analyse von Molekülen,
tion der Chromosomen ist dieses Feld noch jung Strukturen und neu erkannten mechanistischen
und hat großes Potenzial, da auch grundlegende Prinzipien. Dieser mechanistische Blickwinkel
Konzepte noch fehlen bzw. umstritten sind. stellt eine wesentliche und solide Grundlage für
die Interpretation des Reichtums an Daten dar,
Das Ergebnis von somatischen Fehlsegregatio- die durch aktuelle „Large-Biology“-Techniken
nen, Aneuploidie, kann Krebs durch Verlust der (z. B. Hochdurchsatz-Genom/Proteom/Trans­
Heterozygotie verursachen, trägt unweigerlich kriptom-Wissenschaft) erzeugt werden. Diese
zur Tumor-Heterogenität bei und verschlechtert einzigartige Kompetenz bei den MFPL wird die
die Prognose. Der Forschungsschwerpunkt wird Entwicklung eines neuen Forschungsschwer-
sein Repertoire ausbauen, indem er die neues- punkts fördern, der sich auf die molekularen
ten technologischen Entwicklungen in der Gene- Mechanismen von Erkrankung fokussiert und
tik (z. B. Gene Editing und Modulation), Genomik der auf vier Ebenen wirkt: (1) als eine starke
(z. B. Einzelzell- und tiefe Langstreckensequen- Bindung an die Medizinische Universität Wien
zierung), Bildgebung (z. B. höchstauflösende mit Anreizen zur Zusammenarbeit mit For-
Aufnahmen von lebenden Zellen) und Bioche- scherInnen in klinischen Gebieten, (2) als eine
mie nutzt (z. B. markierungsfreie Protein-Quan- Drehscheibe für mehrere andere Life Scien-
tifizierung durch Massenspektrometrie), um die ce-Institute in Wien, die durch gemeinsame
verwandten Mechanismen der Chromosomen- wissenschaftliche Interessen verbunden sind
struktur, der Reparatur, der Rekombination und und ergänzende Techniken und Ansätze beitra-
der Segregation zu verstehen. gen, (3) als eine Lehrplattform für Studierende
der Biologie und der Medizin und (4) als ein
Molekulare Mechanismen von international anerkannter Forschungsbereich,
Erkrankung der als Rekrutierungsplattform fungiert. Neben
bestehenden wichtigen Verbindungen zur
Dieser Forschungsschwerpunkt stellt eine molekularen Medizin (z. B. Zell-Signalisierung,
vorrangige Kooperationsinitiative mit der RNA-Biologie sowie Immunologie und Infekti-
Medizinischen Universität Wien dar, mit dem onsbiologie und Strukturbiologie) werden die

143
MFPL auch unkonventionelle Ansätze fördern. 4.Z3.4 F
 achliche Widmung
Dazu gehören die Modellierung komplexer künftiger Professuren und
Erkrankungen in einfachen Organismen, die Stand der Umsetzung
„bottom-up“-Rekonstitution von krankheitsrele-
vanten Prozessen und quantitative und synthe- Besetzungen im Einklang mit dem
tische Ansätze zur Medizin mit fortschrittlichen Forschungsprofil und zur Sicherung
Technologien. Vor kurzem haben die MFPL der Grundlagenfächer
begonnen, die Mechanismen zu untersuchen,
die die zelluläre Identität und die Stammzell- Fachliche Widmung:
differenzierung steuern. Das Verständnis der Cell and Developmental Biology
Komplexität der Regulierung der Schicksale von Besetzungszeitpunkt: Finanzierung durch eine
Zellen in molekularem Detail wird einen wesent- vakante Professur aus dem Bereich des Zent-
lichen Meilenstein in der Nutzung des Potenzials rums (voraussichtlich ab 2018)
von Stammzellen in der regenerativen Medizin
darstellen. Im Rahmen der Neurowissenschaf- Fachliche Widmung:
ten-Initiative NeuroCog der Universität Wien Molekulare Biologie
zielen die MFPL darauf ab, die Beziehungen zum (gemeinsam mit der Medizinischen Universität Wien)
Zentrum für Hirnforschung und zu den Zentren Besetzungszeitpunkt: Finanzierung durch
für Physiologie und Pharmakologie/Seltene und eine vakante Professur aus dem Bereich des
undiagnostizierte Krankheiten an der Medizini- Zentrums, gemeinsam mit der Medizinischen
schen Universität Wien weiter zu stärken. Unter Universität Wien
geeigneten Rahmenbedingungen erwarten wir,
dass alle diese Forschungsthemen ein Treiber Fachliche Widmung:
für zukünftigen wissenschaftlichen Erfolg an der RNA-Biologie
Schnittstelle der beiden Partneruniversitäten Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
und der klinischen Forschung sind. Professur „RNA-Biochemie“
(voraussichtlich 1. Oktober 2018)
4.Z3.3 Professuren zum Stichtag
1. Oktober 2017 Fachliche Widmung:
Immunbiologie
Zur leichteren Übersicht sind hier sämtliche zum Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
Stichtag 1. Oktober 2017 bestehenden Professu- Professur „Immunbiologie“
ren (§ 98 und § 99 Abs. 3 Universitätsgesetz 2002, (voraussichtlich 1. Oktober 2021)
inkl. allfälliger Vorziehprofessuren) angegeben.
Diese Momentaufnahme präjudiziert in keiner Fachliche Widmung:
Weise die im folgenden Abschnitt vorgenomme- Cell Signalling
nen und die zukünftigen Professurenwidmungen. Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
Professur „Cell Signaling“
•  Bioinformatik (30 %; 50 % an der Medizini- (voraussichtlich 1. Oktober 2022)
schen Universität Wien und 20 % an der
Fakultät für Informatik) Fachliche Widmung:
•  Cell Signaling Ultrastructure of macromolecular assemblies
•  Chronobiologie Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
•  Eukaryoten-Genetik Professur „Microbiology“
•  Genetik (voraussichtlich 1. Oktober 2022)
•  Immunbiologie
•  Immunbiologie Fachliche Widmung:
•  Kristallographie von Biomolekülen Bioinformatik
•  Mathematics and Biology (20 %; 80 % an (gemeinsam mit der Medizinischen Universität
der Fakultät für Mathematik) Wien)
•  Membranbiochemie Besetzungszeitpunkt: nach Freiwerden der
•  Microbiology Professur „Bioinformatik“
•  Mikrobiologie (voraussichtlich 1. Oktober 2024)
•  Molekulare Bakteriologie
•  Molekulare Biophysik Professuren nach Maßgabe budgetärer
•  Molekülspektroskopie und Photochemie Möglichkeiten
•  RNA-Biochemie
Fachliche Widmung:
Advanced Microscopy and Cellular Dynamics

Fachliche Widmung:
Cellular Reconstitution and Biological
Engineering

144
Fachliche Widmung: Lehramts forschungsbasiert auf Veränderun-
Chromosome Biology gen der Schule vorbereiten will. Das Zentrum
will zunächst drei Querschnittsaufgaben der
Fachliche Widmung: LehrerInnenbildung in den Fokus universitärer
Genome Biology at Single-Cell Level Grundlagenforschung rücken; die Fragen stehen
exemplarisch für mögliche Kernthemen.
Fachliche Widmung:
Molekulare Mikrobiologie •  Der medientechnologische Wandel ist heute
so schnell und umwälzend, dass die Schule
Fachliche Widmung: mit der Anschaffung entsprechender Technik
Multiscale Analysis of Biological Systems allein nicht ausreichend wird folgen können.
Zugleich aber nutzt ein großer Teil der Schü-
Fachliche Widmung: lerInnen intensiv die jeweils aktuelle Tech-
Quantitative Modelling of Cellular Networks nik im Alltag für soziale Medien und andere
(gemeinsam mit der Fakultät für Mathematik) Netzwerke; Daten und Informationen sind für
(fast) alle jederzeit und überall verfügbar. Die
Bedeutung abrufbaren Wissens für den Lern-
prozess muss reflektiert werden. Muss sich
4.Z4 Zentrum für unter den Bedingungen der jederzeitigen
LehrerInnenbildung Verfügbarkeit von Informationen das Lernen
und Lehren nicht fundamental verändern,
nicht nur methodisch, sondern vor allem
4.Z4.1 Zielsetzungen auch inhaltlich?
•  Im Kontext von Globalisierung und Migration
Das Zentrum für LehrerInnenbildung ist das erweist sich Diversität immer deutlicher als
gemeinsame Dach aller Lehramtsstudien der kennzeichnendes Merkmal von Schule. Für
Universität Wien und hat dazu beigetragen, die die schulbezogene Forschung entsteht dar-
Wahrnehmung und Wertschätzung der Lehrer­ aus die Aufgabe, die verschiedenen und mit-
Innenbildung als eine zentrale Aufgabe der einander verwobenen Komponenten von
Universität nachhaltig zu steigern. Mit unter- Diversität (religiös, sprachlich, kulturell, geo-
schiedlichen Formaten des wissenschaftlichen grafisch etc.) in den Blick zu nehmen. For-
Austauschs ist es in den vergangenen Jahren schung ist aufgerufen, die Frage nach der
gelungen, die fachdidaktischen Arbeitsgruppen Wirkung von Diversität auf Lehr- und Lern-
innerhalb der Fakultäten zu stärken und über prozesse und Bildungsbiographien zu stel-
die Fakultäten hinweg miteinander und mit der len. Wie kann Schule Teilhabe unter den Be-
Bildungswissenschaft zu vernetzen. Die Förde- dingungen von Diversität sicherstellen? Wie
rung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist müssen Bildungsprozesse angelegt sein,
dem Zentrum ein besonders Anliegen. Neben damit Unterschiede als Bereicherung erlebt
einer Plattform für den fachübergreifenden und anerkannt werden können?
Austausch der DoktorandInnen wird Austausch •  Nicht erst die Inklusive Pädagogik und die
zu Methoden der Forschung in Fachdidaktik und Forderung nach Barrierefreiheit stellen die
Bildungswissenschaft angeboten. In enger Ab- bauliche und vor allem die strukturelle Ent-
stimmung mit den zentralen Angeboten wird ein wicklung der Schulen vor große Herausfor-
spezifisches strukturiertes Doktoratsprogramm derungen. So zeigen Untersuchungen, dass
entwickelt. schülergerechte Bauten auf die spezifischen
Wahrnehmungs- und Verhaltensweisen ihrer
Zu den Kernaufgaben des Zentrums gehört es, NutzerInnen abzustimmen sind und auf die
Forschung im Bereich des Lehrens und Lernens sozialen Bedürfnisse der unterschiedlichen
zu befördern, zu initiieren und für die schulische Altersgruppen Rücksicht nehmen müssen.
Praxis zugänglich zu machen. Die Forschungsar- Die administrative und regionale Verfasstheit
beiten und -projekte lassen sich zu einem gro- einer Schule hat einen maßgeblichen Ein-
ßen Teil einem der drei Themenfelder zuordnen, fluss auf die Schulkultur, auf die Wertschät-
die von der theoriebasierten, historischen und zung und den individuellen Erfolg ihrer Ak-
sozialwissenschaftlichen Grundlagenforschung teurInnen, sowohl der Lernenden als auch
über Fragen der Professionalisierung der Leh- der Lehrenden. Welche Organisationsfor-
renden bis zur unterrichtsbezogenen Lehr- und men, Strukturen und architektonischen Vo-
Lernforschung reichen. raussetzungen der Schule von morgen sind
für das Lehren und Lernen der nachfolgen-
Die Schule steht vor großen Herausforderungen, den Generationen angemessen?
die von tiefgreifenden Lehrplananpassungen
über bauliche Umgestaltungen bis zu strukturel- Mit der Einrichtung der Spezialisierung Inklusive
len und regionalen Neuorientierungen reichen. Pädagogik (Fokus Beeinträchtigungen) wurde
Somit steht auch die Universität vor grundle- ein neues Studienangebot geschaffen, das einen
genden Fragen, wenn sie die Studierenden des dringenden Bedarf in der Schule deckt und von

145
den Studierenden stark nachgefragt wird. An der 4.Z4.2 Themenfelder
Lehre sind in erheblichem Umfang die Päda-
gogischen Hochschulen im Verbund Nord-Ost Die WissenschafterInnen des Zentrums für Lehrer­-
beteiligt. Das Zentrum sieht es als eine besonde- Innenbildung verfolgen fachdidaktische und bil-
re Aufgabe, die Forschung im Bereich Inklusive dungswissenschaftliche Forschungsprojekte, die
Pädagogik zu stärken. thematisch über nahezu alle Fachgebiete verteilt
sind und häufig fächerübergreifende Fragen mit
Das Zentrum hat den Auftrag, fakultätsüber- bearbeiten. Da fast alle WissenschafterInnen des
greifende Aufgaben im Bereich der LehrerIn- Zentrums für LehrerInnenbildung zugleich einer
nenbildung wahrzunehmen. Mithin verfolgt das Fakultät bzw. einem Zentrum zugehörig bleiben,
Zentrum neben der Forschung Zielsetzungen, sind deren Forschungsprojekte zugleich auch
die über die grundständige Lehre und Zent- jener Fakultät bzw. jenem Zentrum zugeordnet.
rumsadministration hinausgehen.
Der überwiegende Teil fachdidaktischer und
•  Über die vier Säulen (Fach, Fachdidaktik, Bil- bildungswissenschaftlicher Forschungsarbei-
dungswissenschaft und pädagogisch-prak- ten lässt sich den folgenden Themenfeldern
tische Studien) hinweg hat das Zentrum die zuordnen. Durch eine stärkere Verzahnung der
Qualifikationsziele des Studiums im Blick Fachdidaktiken und die Unterstützung empiri-
und fördert damit die Kohärenz der Ausbil- scher Arbeiten soll eine zunehmende Fokussie-
dung. rung der Fragestellungen erreicht werden, um
•  Die fachdidaktische und bildungswissen- die oben genannten Querschnittsaufgaben zu
schaftliche Lehre stützt sich an der Universi- Schwerpunkten der Forschung am Zentrum zu
tät Wien in vielen Bereichen auf LehrerInnen, entwickeln.
die auch im Schuldienst tätig sind. Zur Siche-
rung einer forschungsbasierten fachdidakti- Schulbezogene Grundlagenforschung
schen und bildungswissenschaftlichen Lehre
werden diese Lehrenden in Aktivitäten des Dieses Themenfeld umfasst schulpädagogische
Zentrums eingebunden. Grundlagenforschung, welche die Theorie der
•  Das Zentrum fungiert über die Fakultäten Bildung und der Schule, die Geschichte und
und übrigen Zentren hinweg als zentrale An- Systematik des Bildungswesens in kulturge-
laufstelle für alle Lehramtsstudierenden im schichtlichem Kontext und auf der Grundlage so-
Verbund Nord-Ost. Das Zentrum entwickelt zialwissenschaftlicher Analysen zum Gegenstand
und betreibt ein interaktives Online-Bera- hat. Weiters zählt die theoretische Fundierung
tungstool für Studierende, SchülerInnen der Fachdidaktiken sowie jene Forschung, die
sowie LehrerInnen. Die Analyse des NutzerIn- sich einzelnen, fachunabhängigen Aspekten des
nenverhaltens trägt zur forschungsbasierten Unterrichtsgeschehens (z. B. Interaktionen im
Weiterentwicklung der Lehramtsstudien bei. Unterricht) widmet, zu diesem Schwerpunkt.
•  Die Durchführung und Begleitung der Päda­
gogisch-Praktischen Studien (PPS) sind eine Forschung zur Professionalisierung
organisatorisch-administrative Aufgabe des von LehrerInnen
StudienServiceCenter LehrerInnenbildung
und zugleich ein zentrales Forschungs- und Im Fokus stehen die Erforschung des Professi-
Entwicklungsfeld des Zentrums. Für eine onalisierungskontinuums und die Erarbeitung
nachhaltige Reflexion der Praxiserfahrungen nachhaltiger Konzeptionen für die Qualifizierung
der Studierenden sowie der Berufseinsteiger­ und Professionalisierung von (angehenden)
Innen ist eine hochqualitative Ausbildung LehrerInnen. Zu diesem Forschungsbereich
der schulischen MentorInnen erforderlich. gehören die Analyse des Professionswissens
Die Ausbildung von MentorInnen ist eine (z. B. Pedagogical Content Knowledge und Tea-
Kernaufgabe des Zentrums. cher Learning), Forschung zur Moderation und
•  Das Zentrum sieht sich als Plattform für den Steuerung von Lern- und Bildungsprozessen und
Austausch zwischen Schule und Universi- zum Umgang mit Gewalt, Mobbing und Ängsten
tät und schafft einerseits Raum für schuli- (klinisch/psychologische Forschungsansätze
sche Aktivitäten an der Universität und un- einschließend) sowie Forschungen zu Aufgaben
terstützt andererseits den Zugang von For- der Schulentwicklung (Educational Leadership).
scherInnen zu den Schulen durch geeignete
Maßnahmen; das Modell der Kooperations- Unterrichtsbezogene Lehr- und
schule und das Label Kooperationsschule Lernforschung
plus haben sich in den vergangenen Jahren
bewährt. In diesem Themenfeld vor allem fachdidak-
•  Das Zentrum ist in die gemeinsame Evalua- tischer Forschung stehen die fachbezogenen
tion aller Lehramtsstudien eingebunden und überfachlichen Lernprozesse der Schüler­
und bringt seine Expertise verstärkt in den Innen im Fokus. Fachliche und fachdidaktische
Bereich der Fort- und Weiterbildung von Probleme der Transformation der Inhalte des
Lehrer­Innen ein. fachlichen Gegenstandsbereichs in Lehr- und

146
Lernprozesse sind Themen der Forschung eben- 4.Z4.4 F
 achliche Widmung
so wie die Analyse und Entwicklung des professi- künftiger Professuren und
onellen Wissens und Handelns der Lehrkräfte. Zu Stand der Umsetzung
den überfachlichen Forschungsthemen gehören
insbesondere die Politische Bildung und die Professuren in Besetzung zum Stichtag
Sprachlehr- und -lernforschung. Das Lehren und 1. Oktober 2017
Lernen unter den Bedingungen von Diversität
und Heterogenität sowie die Herausforderungen •  Didaktik der Biologie (gemeinsam mit der
einer inklusiven Schule sind ebenfalls For- Fakultät für Lebenswissenschaften)
schungsgegenstände in diesem Themenfeld. •  Didaktik der Englischen Sprache (gemein-
sam mit der Philologisch-Kulturwissen-
4.Z4.3 P
 rofessuren zum Stichtag schaftlichen Fakultät)
1. Oktober 2017 •  Didaktik der Informatik (gemeinsam mit
der Fakultät für Informatik)
Zur leichteren Übersicht sind hier sämtliche zum •  Schulpädagogik unter besonderer Berück-
Stichtag 1. Oktober 2017 bestehenden Professu- sichtigung sozialer, sprachlicher und kultu-
ren (§ 98 und § 99 Abs. 3 Universitätsgesetz 2002, reller Vielfalt (gemeinsam mit der Fakultät für
inkl. allfälliger Vorziehprofessuren) angegeben. Philosophie und Bildungswissenschaft)
Über die in dieser Liste genannten Professuren
hinaus wirken zahlreiche weitere ProfessorInnen Professuren nach Maßgabe budgetärer
anderer Fakultäten und Zentren als Bindeglied Möglichkeiten
zum Zentrum für LehrerInnenbildung. Diese
„BrückenprofessorInnen“ sind in der vorliegen- Fachliche Widmung:
den Darstellung nicht angeführt. Diese Moment- Digitalisierung im Bildungsbereich
aufnahme präjudiziert in keiner Weise die im (Mitwirkung der Fakultät für Informatik bei der
folgenden Abschnitt vorgenommenen und die Ausschreibung und Besetzung dieser Professur)
zukünftigen Professurenwidmungen.
Fachliche Widmung:
•  Didaktik der Chemie (gemeinsam mit der Schulentwicklung
Fakultät für Chemie)
•  Didaktik der Geschichte (gemeinsam mit Fachliche Widmung:
der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Forschungsmethoden der Fachdidaktik
Fakultät)
•  Didaktik der Physik (gemeinsam mit der
Fakultät für Physik)
•  Didaktik der politischen Bildung (gemein-
sam mit der Fakultät für Sozialwissen-
schaften)
•  Englische Sprachwissenschaft (gemeinsam
mit der Philologisch-Kulturwissenschaft-
lichen Fakultät)
•  Fachdidaktik (Sprachlehr- und -lernfor-
schung) (gemeinsam mit der Philologisch-
Kulturwissenschaftlichen Fakultät)
•  Mathematik mit besonderer Berücksichti-
gung der Didaktik von Mathematik und
Informatik
(gemeinsam mit der Fakultät für Mathematik)
•  Neuere deutsche Literatur und ihre Didaktik
(gemeinsam mit der Philologisch-Kulturwis-
senschaftlichen Fakultät)
•  Religionspädagogik und Katechetik
(gemeinsam mit der Katholisch-Theologi-
schen Fakultät)
•  Schulforschung und LehrerInnenbildung
(gemeinsam mit der Fakultät für Philosophie
und Bildungswissenschaft)
•  Schulpädagogik unter besonderer Berück-
sichtigung der Höheren Schule (gemeinsam
mit der Fakultät für Philosophie und
Bildungswissenschaft)

147
148
5. Studienangebot der
Universität Wien

In der Anfangsphase der Systemumstellung im An der Universität Wien werden viele Studien
Zuge der Bologna-Studienarchitektur wurden mit Unterrichtssprache Deutsch und Englisch
viele ausdifferenzierte Masterstudien implemen- angeboten. Studien, die ausschließlich in
tiert. Auf der Grundlage von Evaluationsergeb- englischer Sprache angeboten werden, sind mit
nissen sowie der Studierendennachfrage wird einem Stern (*) markiert. Darüber hinaus besteht
weiterhin verstärkt an der Konsolidierung des in zahlreichen weiteren Studien die Möglich-
Angebots gearbeitet. keit diese englischsprachig/fremdsprachig zu
absolvieren.
Ausgehend vom bestehenden Studienangebot
des Studienjahrs 2017/18 werden untenstehen- Aus Gründen der Übersichtlichkeit wurde für die
de Änderungen im Studienportfolio (Einrich- nachfolgende Auflistung eine fächerbezogene
tungen/Auflassungen von Studien) vorgenom- Darstellung gewählt; ein aktueller Überblick über
men. Änderungen, die in bestehende Curricula die zahlreichen nicht-konsekutiven Studien-
eingreifen, ergeben sich unter anderem aus den möglichkeiten ist im Master Access Guide unter
Ergebnissen diverser Qualitätssicherungsverfah- https://slw.univie.ac.at/studieren/masterstudi-
ren. Sie werden hier nicht aufgezählt. en/master-access-guide/ zu finden.

5.1 Theologische Studien


Studienangebot zum 1. Oktober 2017
Geplante Änderungen
Diplomstudium
Katholische Fachtheologie
Bachelorstudien Masterstudien Geplante Änderungen
Religionspädagogik Religionspädagogik
Evangelische Theologische Spezia-
Fachtheologie lisierung (Advanced
Theological Studies)
Islamisch- Evangelische
Theologische Studien Fachtheologie
Islamische
Religionspädagogik

149
5.2 Rechtswissenschaftliche
Studien
Studienangebot zum 1. Oktober 2017
Geplante Änderungen
Diplomstudium
Rechtswissenschaften Der Umstellungszeitpunkt des Diplom­
studiums im Sinne der Europäischen
Studienarchitektur ist offen.

5.3 Sozial- und


wirtschaftswissenschaftliche
Studien
Studienangebot zum 1. Oktober 2017
Geplante Änderungen
Bachelorstudien Masterstudien
Publizistik- und Kom- Publizistik- und Vernetzte Modularisierung der Bachelorstu-
munikationswissen- Kommunikations- dien im Bereich der Sozialwissenschaften:
schaft wissenschaft Geplant ist die Entwicklung von horizontal ver-
Communication Theologische Spezia- netzten Modulen, die innerhalb der vier Bache-
Science* lisierung (Advanced lorstudien an die jeweiligen fachspezifischen
Theological Studies) Module anschlussfähig sind, verbunden mit
Anrechnungsmöglichkeiten, die zu erweiterter
Politikwissenschaft Politikwissenschaft Durchlässigkeit zwischen den Bachelorstudien
Kultur- und Sozial- Kultur- und Sozial- führen.
anthropologie anthropologie
Cultural Differences
and Transnational
Processes (CREOLE; in
Kooperation mit inter-
nationalen Bildungs-
einrichtungen)
Soziologie Soziologie
Science – Technology
– Society*
Pflegewissenschaft

Betriebswirtschaft Betriebswirtschaft Einrichtung eines Masterstudiums Business


Analytics
Internationale Internationale
Betriebswirtschaft Betriebswirtschaft
Statistik Statistik
Volkswirtschaftslehre Volkswirtschaftslehre*
Banking and Finance*

5.4 Ingenieurwissenschaftliche
Studien
Studienangebot zum 1. Oktober 2017
Geplante Änderungen
Bachelorstudien Masterstudien
Informatik Informatik*
Wirtschaftsinformatik Medieninformatik*
Wirtschafts-
informatik

150
5.5 Geistes- und
kulturwissenschaftliche
Studien
Studienangebot zum 1. Oktober 2017
Geplante Änderungen
Bachelorstudien Masterstudien
Urgeschichte und Urgeschichte und
Historische Historische
Archäologie Archäologie
Klassische Klassische
Archäologie Archäologie
Ägyptologie Ägyptologie
Judaistik Judaistik
Geschichte Geschichte
Geschichtsforschung,
Historische Hilfs-
wissenschaften und
Archivwissenschaft
Globalgeschichte
und Global Studies
(in Kooperation mit
internationalen Bil-
dungseinrichtungen;
Erasmus MUNDUS)
Kunstgeschichte Kunstgeschichte
Europäische Europäische
Ethnologie Ethnologie
Alte Geschichte und Alte Geschichte und
Altertumskunde Altertumskunde
Byzantinistik und Byzantinistik und
Neogräzistik Neogräzistik
Klassische Philologie Klassische Philolo-
(Bachelorstudium gie (Masterstudium
mit Binnendifferen- mit Binnendifferen-
zierung: Griechisch, zierung Gräzistik,
Latein) Latinistik sowie
Lateinische Philologie
des Mittelalters und
der Neuzeit)
Deutsche Philologie Deutsche Philologie
Deutsch als Fremd-
und Zweitsprache
Nederlandistik Nederlandistik Das Studienangebot der Nederlandistik wird
voraussichtlich mit dem Studienjahr 2018/19
aufgelassen. Einzelne Module werden im Stu-
dium der Deutschen Philologie integriert.
Romanistik Romanistik
(Bachelorstudium mit (Masterstudium mit
folgendem Sprachan- folgendem Sprachan-
gebot: Französisch, gebot: Französisch,
Italienisch, Spanisch, Italienisch, Spanisch,
Portugiesisch, Rumä- Portugiesisch, Rumä-
nisch) nisch)
English and American Anglophone Litera­
Studies* tures and Cultures*
English Language and
Linguistics*

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Studienangebot zum 1. Oktober 2017
Geplante Änderungen
Bachelorstudien Masterstudien
Skandinavistik Skandinavistik
Slawistik (Bachelor- Slawistik (Masterstu- Kooperationsmöglichkeiten im Bereich Slowe-
studium mit folgen- dium mit folgendem nisch zur Schaffung verbesserter Möglichkeiten
dem Sprachangebot: Sprachangebot: in Forschung und Lehre an beiden Standorten
Bosnisch/Kroatisch/ Bosnisch/Kroatisch/ werden mit der Alpen-Adria-Universität Kla-
Serbisch, Bulgarisch Serbisch, Bulgarisch, genfurt ausgelotet.
Polnisch, Russisch, Polnisch, Russisch,
Slowakisch, Tsche- Slowakisch, Slowe-
chisch, Slowenisch, nisch, Tschechisch,
Ukrainisch) Ukrainisch)
Hungarologie Hungarologie Das Bachelorstudium „Hungarologie“ sowie
Fennistik Finno-Ugristik das Bachelorstudium „Fennistik“ sollen vor-
aussichtlich bis 2019/20 in das Bachelorstudi-
um „Hungarologie und Fennistik“ zusammen-
geführt werden.
Die Zusammenlegung der Masterstudien „Hun-
garologie“ und „Finno-Ugristik“ zum Masterstu-
dium „Hungarologie und Finno-Ugristik“ soll
voraussichtlich bis zum Studienjahr 2019/20
vorgenommen werden.
Afrikawissenschaften Afrikawissenschaften
Orientalistik Altorientalische Das Bachelorstudium „Orientalistik“ soll in
Philologie und Orien- „Sprachen und Kulturen des Nahen Ostens
talische Archäologie und Nordafrikas“ umbenannt werden.
Arabische Welt:
Sprache und Gesell-
schaft
Turkologie
Sprachen und Sprachen und
Kulturen Südasiens Kulturen Südasiens
und Tibets Tibetologie und
Buddhismuskunde
Japanologie Japanologie
Koreanologie Koreanologie
Sinologie Sinologie
Musikwissenschaft Musikwissenschaft
Sprachwissenschaft Allgemeine Linguistik:
Grammatiktheorie
und kognitive
Sprachwissenschaft
Angewandte
Linguistik
Indogermanistik
und historische
Sprachwissenschaft
Vergleichende Litera- Vergleichende Litera-
turwissenschaft turwissenschaft
Theater-, Film- und Theater-, Film- und
Medienwissenschaft Medienwissenschaft
Philosophie Philosophie
Bildungswissenschaft Bildungswissenschaft
Transkulturelle Translation Kooperationsmöglichkeiten mit der FH Cam-
Kommunikation pus Wien im Bereich eines Bachelorstudiums
oder Masterstudiums werden geprüft.

152
5.6 Naturwissenschaftliche
Studien
Studienangebot zum 1. Oktober 2017
Geplante Änderungen
Bachelorstudien Masterstudien
Mathematik Mathematik*
Chemie Chemie
Biologische Chemie
Chemie und Techno-
logie der Materialien
(gemeinsam einge-
richtetes Studium
mit der Technischen
Universität Wien)
Lebensmittelchemie
Physik Physik
Geophysics (Joint
Curriculum mit der
Comenius-Universität
Bratislava)*
Meteorologie Meteorologie
Astronomie Astronomie
Erdwissenschaften Erdwissenschaften
Geographie Geographie
Kartographie und
Geoinformation
Raumforschung und
Raumordnung
Urban Studies
(in Kooperation mit
internationalen Bil-
dungseinrichtungen)*
Biologie Anthropologie Die Umbenennung des Masterstudiums
Genetik und Entwick- „Anthropologie“ in Masterstudium
lungsbiologie „Evolutionäre Anthropologie“ ist geplant.
Molekulare Biologie
Molekulare Mikro-
biologie, Mikrobielle
Ökologie und
Immunbiologie*
Naturschutz und
Biodiversitäts­
management
Ecology and
Ecosystems*
Botanik/Botany*
Verhaltens-, Neuro-
und Kognitions-
biologie
Zoologie
Ernährungswissen- Ernährungswissen-
schaften schaften
Psychologie Psychologie

153
Studienangebot zum 1. Oktober 2017
Geplante Änderungen
Bachelorstudien Masterstudien
Sportwissenschaft Sportwissenschaft
European Master in
Health and Physical
Activity (in Kooperati-
on mit internationa-
len Bildungseinrich-
tungen)*
Pharmazie Pharmazie Die Möglichkeit zur Verstärkung der Kooperati-
Drug Discovery and on mit der Medizinischen Universität Wien wird
Development* ausgelotet.

5.7 Interdisziplinäre Studien

Studienangebot zum 1. Oktober 2017 Geplante interdisziplinäre Studien


Masterstudien (Einrichtungszeitpunkt offen)
Austrian Studies – Cultures, Literatures, Bachelorstudium Neurowissenschaften
Languages (Österreichstudien – Kulturen, (in Kooperation mit der Medizinischen
Literaturen, Sprachen) Universität Wien)
Computational Science Masterstudium Philosophy and Economics
Environmental Sciences* Masterstudium Mittelalterstudien
Gender Studies Masterstudium Data Science
Internationale Entwicklung Masterstudium Digital Humanities
Middle European interdisciplinary master
programme in Cognitive Science (in Koope-
ration mit internationalen Bildungseinrich-
tungen)*
Religionswissenschaft
Wirtschaft und Gesellschaft Ostasiens (East
Asian Economy and Society)*
Wissenschaftsphilosophie und Wissen-
schaftsgeschichte (History and Philosophy of
Science – HPS)
Bioinformatik (unter Beteiligung der Medizi-
nischen Universität Wien)
Ethik für Schule und Beruf
Zeitgeschichte und Medien
Kultur und Gesellschaft des modernen
Südasien
Interdisziplinäre Osteuropastudien
Evolutionary Systems Biology (interdiszipli-
när orientiertes Masterstudium, gemeinsam
eingerichtet mit der Veterinärmedizinischen
Universität Wien*)

154
5.8 Lehramtsstudien und
Studien mit
Lehramtsbezug
Studienangebot zum 1. Oktober 2017 Geplante Änderungen
Im Rahmen des Bachelorstudiums zur Erlan-
gung eines Lehramts im Bereich der Sekun-
darstufe (Allgemeinbildung) an der Universität
Wien müssen zwei der folgenden Unterrichts-
fächer kombiniert werden:
Bewegung und Sport Informatik
Biologie und Italienisch
Umweltkunde Katholische Religion
Bosnisch/Kroatisch/ Latein
Serbisch
Mathematik
Chemie
Physik
Darstellende Geome-
Polnisch
trie (im Lehrverbund
mit der Technischen Psychologie und
Universität Wien) Philosophie
Deutsch Russisch
Englisch Slowakisch
Evangelische Religion Slowenisch Kooperationsmöglichkeiten im Bereich
Spanisch Slowenisch werden mit der Alpen-Adria-
Französisch
Universität Klagenfurt ausgelotet.
Geographie und Wirt- Tschechisch
schaftskunde Ungarisch
Geschichte, Sozial- Inklusive Pädagogik
kunde und Politische (Spezialisierung)
Bildung
Griechisch
Haushaltsökonomie
und Ernährung
Im Rahmen des Masterstudiums zur Erlan- Spezialisierung „Inklusive Pädagogik“ im
gung eines Lehramts im Bereich der Sekun- Masterstudium Sekundarstufe
darstufe (Allgemeinbildung) an der Universität (Allgemeinbildung)
Wien müssen zwei der folgenden Unterrichts-
fächer kombiniert werden:
Bewegung und Sport Informatik
Biologie und Italienisch
Umweltkunde Katholische Religion
Bosnisch/Kroatisch/ Latein
Serbisch
Mathematik
Chemie
Physik
Darstellende Geome-
Polnisch
trie (im Lehrverbund
mit der Technischen Psychologie und
Universität Wien) Philosophie
Deutsch Russisch
Englisch Slowakisch
Evangelische Religion Slowenisch Kooperationsmöglichkeiten im Bereich
Spanisch Slowenisch werden mit der Alpen-Adria-
Französisch
Universität Klagenfurt ausgelotet.
Geographie und Tschechisch
Wirtschaftskunde Ungarisch
Griechisch
Haushaltsökonomie
und Ernährung

155
Studienangebot zum 1. Oktober 2017 Geplante Änderungen
Weiters sind folgende nicht kombinations-
pflichtige Studien mit Bezug zur LehrerInnen-
bildung eingerichtet:
Bachelorstudium „Religionspädagogik“ und
Masterstudium „Religionspädagogik“
Masterstudium Sinologie mit Schwerpunkt
„Unterrichtskompetenz Chinesisch“
Masterstudium „Islamische Religionspädagogik“

5.9 Doktoratsstudien
Studienangebot zum 1. Oktober 2017 Geplante Änderungen
Die Doktoratsstudien der Universität Wien sind Die Einrichtung von interdisziplinären
in folgenden Curricula geregelt: PhD-Programmen ist geplant.
• Curriculum für das PhD-Studium Advanced Ab 2017 Gespräche bzgl. der Einrichtung eines
Theological Studies/Religionspädagogik gemeinsamen PhD-Rahmencurriculums mit
sowie für das Doktoratsstudium Evangelische der Medizinischen Universität Wien im Bereich
Theologie und das Doktoratsstudium Katho- Neuroscience.
lische Theologie Curriculare Änderungen sind mit der institutio-
• Curriculum für das Doktoratsstudium der nellen Neugliederung des Doktoratsstudiums
Rechtswissenschaften und das PhD-Studium in Aussicht genommen.
Interdisciplinary Legal Studies
• Curriculum für das PhD- und Doktoratsstudi-
um der Wirtschaftswissenschaften
• Curriculum für das Doktoratsstudium der
Sozialwissenschaften
• Curriculum für das Doktoratsstudium der
Philosophie in Geistes- und Kulturwissen-
schaften, Philosophie und Bildungswissen-
schaften
• Curriculum für das Doktoratsstudium der
Naturwissenschaften sowie technischen Wis-
senschaften aus dem Bereich der Naturwis-
senschaften
• Curriculum für das Doktoratsstudium der
Naturwissenschaften sowie für das PhD-Stu-
dium der Naturwissenschaften aus dem
Bereich der Lebenswissenschaften
• Curriculum PhD-Studium Sportwissenschaft

156
Impressum

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1010 Wien
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S. 104: Joseph Krpelan
S. 107, S. 111, S. 118: Barbara Mair
S. 123, S. 126, S. 131, S. 134: Joseph Krpelan
S. 138: Markus Frühmann
S. 143: Joseph Krpelan
S. 148: Barbara Mair
S. 158/159: Alexander Bühler

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