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Landtagswahl in Hessen: CDU und SPD

müssen mit Verlusten rechnen


Nach Debakel in Bayern : So schlecht sieht es für CDU
und SPD vor der Hessen-Wahl aus
 Aktualisiert am 18.10.2018-18:02

Schäfer-Gümbel im Gespräch : Schicksalswahl für die SPD? Video: FAZ.NET

Bild: FAZ.NET

Den Partnern der großen Koalition in Berlin droht nach Bayern die nächste Denkzettel-
Wahl. Großer Gewinner könnten wieder die Grünen werden – trotzdem könnte es für
die schwarz-grüne Koalition eng werden.

Gut eine Woche vor der Landtagswahl in Hessen befinden sich die Grünen einer neuen
Umfrage zufolge auch dort im Höhenflug, während CDU und SPD mit massiven
Stimmenverlusten rechnen müssen. In dem am Donnerstag veröffentlichten ZDF-
„Politbarometer“ liegen die Grünen bei 22 Prozent (Landtagswahl 2013: 11,1). Wenn
am nächsten Sonntag gewählt würde, käme die CDU nur noch auf 26 Prozent (38,3)
und die SPD auf 20 Prozent (30,7). Die AfD würde laut der Umfrage zwölf Prozent
bekommen und damit erstmals auch in den hessischen Landtag einziehen. Linkspartei
(5,2) und FDP (5,0) kommen demnach jeweils auf acht Prozent.

Ähnlich sieht es im neuen „Hessentrend“ der ARD aus. In der am Donnerstag


veröffentlichten Umfrage kommt die CDU ebenfalls nur nur noch auf 26 Prozent – SPD
und Grüne liegen bei 21 und 20 Prozent. Bei der Frage, ob die CDU oder die SPD die
nächste Landesregierung führen sollte, sprechen sich 44 Prozent der „Hessentrend“-
Befragten für die Christdemokraten aus. 38 Prozent sind für eine SPD-geführte
Landesregierung. Bei der Frage, ob CDU oder Grüne das Land künftig führen sollten,
sprechen sich 41 Prozent der Teilnehmer für die CDU und 40 Prozent für die Grünen
aus.

Hessen-Wahl mit bundespolitischer Bedeutung

In Hessen wird am 28. Oktober ein neuer Landtag gewählt. In Wiesbaden regiert seit
fünf Jahren eine schwarz-grüne Landesregierung unter Ministerpräsident Volker
Bouffier (CDU). „Die bisherigen Umfragen sind für uns enttäuschend und können uns
nicht zufriedenstellen“, konstatierte der CDU-Spitzenkandidat der CDU. Momentan
überlagere die Bundespolitik die politische Diskussion. In der letzten Phase bis zur
Landtagswahl werde die Union deutlich machen, dass es nicht um Berlin gehe. „Jetzt
geht’s um Hessen.“

„Das Ergebnis zur Sonntagsfrage zeigt nur: Es ist viel Bewegung drin“, sagte Nancy
Faeser, die Generalsekretärin der SPD. Sie wies darauf hin, dass sich das TV-Duell vom
Mittwochabend in den Umfragen noch nicht habe widerspiegeln können. Dort habe sich
Thorsten Schäfer-Gümbel kompetenter, sachlicher und bürgernäher als der amtierende
Ministerpräsident gezeigt.

Der Wahl wird auch bundespolitisch eine enorme Bedeutung zugesprochen. Nach der
Landtagswahl in Bayern, bei der die CSU und die SPD herbe Verluste einstecken
mussten, wird vor allem das Abschneiden von CDU und Sozialdemokraten mit
Spannung erwartet. Sollten diese in Hessen schlecht abschneiden, könnte dies auch
Auswirkungen auf die große Koalition im Bund haben.

Nach den Umfragewerten des ZDF-„Politbarometers“ muss die amtierende schwarz-


grüne Landesregierung in Hessen um ihre Mehrheit bangen. Rechnerisch möglich sind
demnach ein Jamaika-Bündnis aus CDU, Grünen und FDP oder eine rot-rot-grüne
Koalition. Eine Koalition aus CDU und SPD hätte dagegen keine Mehrheit.

Bei einer Direktwahl des Ministerpräsidenten läge Amtsinhaber Bouffier klar vor
seinem SPD-Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel. Für ihn würden sich laut der
Umfrage 46 Prozent der Befragten entscheiden, für Schäfer-Gümbel 32 Prozent.
Beliebtester Spitzenkandidat in Hessen: der Grüne Tarek Al-Wazir : Bild: Frank Röth

Beliebtester Politiker ist allerdings der Grünen-Spitzenkandidat und amtierende


Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir. Auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf
kommt er auf einen Wert von 1,7. Bouffier erreicht einen Wert von 1,2, SPD-
Landeschef Schäfer-Gümbel von 0,8.

Für die Umfrage befragte die Forschungsgruppe Wahlen von Montag bis Mittwoch
1035 Wahlberechtigte. Der statistische Fehlerbereich liegt den Angaben zufolge bei
einem Wert von 40 Prozent bei drei Prozentpunkten, bei einem Wert von zehn Prozent
bei zwei Prozentpunkten. Diese Projektionswerte geben lediglich das Stimmungsbild
für die Parteien zum jetzigen Zeitpunkt wieder und stellen keine Prognose für den
Wahlausgang dar.