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Ach, du lieber Himmel!

Theaterspiel mit Klischees und Stereotypen

Autor: Hans Georg Kraus


Spielform: Sketch

Altersstufe: ab 14 Jahren

Spielzeit: ca. 25 Minuten

Rollen:
Petrus
Engel Angelina
Teufel Luzifer
Manager
Säufer
Politiker
Lehrer
Schürzenjäger
Stimme über Lautsprecher

Spielszene
(Die Eingänge von Himmel und Hölle liegen direkt nebeneinander. Petrus fungiert, assistiert
von Engel Angelina, als Pförtner an der Himmelstür, Luzifer ist zuständig vor dem
Hölleneingang. Alle drei warten auf arme Sünder, um sie angemessen in den Himmel oder in
die Hölle einzuweisen. Jeder ankommende Sünder muss Petrus seinen Sünden-Kontoauszug
aushändigen. Die Anweisungen für Petrus und Angelina kommen „von höherer Stelle“, also
mit einer väterlichen Stimme über Lautsprecher. Petrus, Angelina und Luzifer unterhalten
sich quasi wie Arbeitskollegen konkurrierender Unternehmen.)
Luzifer:
Das Warten wird mir langsam langweilig.
Petrus:
Mir auch. Die ernähren sich da unten mittlerweile so gesund, dass hier kaum noch einer
ankommt.
Luzifer:
Und von denen, die kommen, lasst ihr komischen Heiligen kaum einen übrig. Euer Boss
nimmt ja fast jeden.
Petrus:
Ja, ja, stimmt schon. Früher hat er öfter mal auf den Tisch gehauen.
Luzifer:
Und was habt ihr für ein Personal! Ihr könnt ja jedem da unten ein Engelchen runterschicken.
Und ich darf den ganzen Laden hier allein schmeißen. Was ich da unten an ehrenamtlichen
Mitarbeitern habe, kannst du doch vergessen!
Petrus:
Über die regt sich unser Chef aber trotzdem schwer auf.
Luzifer:
Der soll auch mal an mich denken. Wo gibt ´s denn da unten noch so richtig schöne böse
Typen, so richtige Satansbraten?
Petrus:
Bei uns ist zur Zeit aber auch wenig los. Jetzt kommen bald die geburtenschwachen
Jahrgänge.
Stimme über Lautsprecher:
Pförtner Petrus, Engel Angelina! Seele kommt über Leiter. Bitte die Einweisungsunterlagen
überprüfen!
(Der Manager kommt auf Petrus, Angelina und Luzifer zu.)
Petrus:
Halleluja!
Manager:
Halleluja allerseits!
Luzifer:
Überlass mir den!
Petrus:
Von wegen! Der wird erst genau so auf Himmelstauglichkeit überprüft wie jeder andere auch.
Manager:
Was heißt hier wird überprüft? Das hätte doch schon lange erledigt sein müssen.
Angelina:
Wir müssen dir aber erst noch einigen Fragen zur Person stellen. Also: Irdische Verwendung?
Manager:
Industriemanager. Aber habt ihr das denn nicht in eurem Zentralrechner?
(Petrus, Angelina und Luzifer fangen schallend an zu lachen.)
Petrus:
Zentralrechner? Wo denkst du hin?
Manager:
Habe ich das jetzt richtig verstanden, dass ihr hier noch ohne EDV arbeitet? Wollt ihr so etwa
mit der Globalisierung Schritt halten?
Angelina:
Jetzt sei mal nicht so großkotzig, du Krawattenträger! Als du noch für deinen BWL- oder
VWL - Abschluss studiert und zum ersten Mal das Wort Globalisierung gehört hast, da hatte
unser Chef schon Jahrhunderte vorher die Universalisierung bei uns eingeführt. Aber ich kann
mir vorstellen, dass du mit deinem TecDax-Hirn gar nicht in der Lage bist, diese Leistung
nach zu vollziehen.
Manager:
Warum steht ihr hier eigentlich zu drei Mann rum? Ihr arbeitet ja total unwirtschaftlich. Das
kann doch ein einziger Mann erledigen.
Petrus:
Moment mal! Wir arbeiten hier schließlich für zwei völlig verschiedene Abteilungen.
Manager:
Na, gut! Aber was macht die da?
Petrus:
Das ist meine Assistentin, Engel Angelina.
Manager:
Das ist doch wohl hoffentlich nur ein Lehrling! Oder tut ihr voll ausgebildete Leute an so
einen Klickerkram?
Angelina:
Lehrling?! Du kriegst gleich Ärger mit mir! Ich arbeite schon über 500 Jahre mit Petrus
zusammen
Manager:
Und noch nicht in Rente?
Petrus:
Bei uns geht keiner in Rente. Wir arbeiten hier ewig.
Manager:
(begeistert:) Ist ja der Wahnsinn! Ewig arbeiten! Traumhafte Zustände! Also keine
Rentenversicherungsbeiträge, keine kapitalgedeckte Altersvorsorge! Hier sollte man
investieren!
Angelina:
In was willst du denn hier investieren? In Schäfchenwolken etwa?
Manager:
Ja, das weiß ich jetzt auch noch nicht. Aber Ich könnte mir schon gewisse Marktnischen
vorstellen. Aber wirklich, die Arbeitszeiten sind bei euch ja vernünftig geregelt. Da unten in
unserem Konzern hören sie schon mit 65 auf, und dann kosten sie nur noch. Und wie ist das
bei euch mit Urlaub?
Petrus:
Gibt ´s hier auch nicht.
Manager:
Super! Und was sagt euer Betriebsrat dazu?
Petrus:
Gibt ´s hier auch nicht.
Manager:
Mann, bei euch bin ich richtig! Da kann euer Vorstand ja vernünftig arbeiten.
Petrus:
Haben wir auch nicht. Wir haben nur einen einzigen Boss. Aber der hat hier absolut das
Sagen.
Manager:
Ideale Bedingungen hier! Ich werd´ mal mit euerm Boss reden und den Laden mal
durchrationalisieren und die notwendigen Entlassungen vorbereiten.
Petrus:
Hier wird keiner entlassen.
Manager:
Wer macht denn bei euch die Kosten-Nutzen-Kalkulation?
Petrus:
Gibt ´s bei uns nicht.
Manager:
Oh weh! Dann ist es ja allerhöchste Zeit, dass ich zu euch komme! (zu Luzifer:) Und von
welcher Abteilung bist du?
Luzifer:
Verfehlungen, Sünden, Todsünden, Sauereien ...
Manager:
Ach, du bist hier also für den Freizeitbereich zuständig?
Luzifer:
Irrtum! Bei mir gibt’s keine Freizeit! Meine Leute sind alle Vollzeitleute, jede Sekunde im
Einsatz für jegliche Schweinerei!
Manager:
Was für Fähigkeiten werden denn bei euch verlangt?
Luzifer:
Fluchen, Brutalität, Diebstahl, Lüge, Prostitution, Zuhälterei, Betrug, Bestechung und so
weiter.
Manager:
Na, ja, einiges davon liegt mir ja auch. Aber ich möchte doch wohl lieber ..
Angelina:
Möchte, möchte, möchte! Du gehst gefälligst da hin, wo wir dich einteilen! Wir sind ja gerade
dabei, deine Eignung festzustellen.
Petrus:
Angelina hat Recht. Dein Kontostand deutet darauf hin, dass du zu uns musst, wenn du aus
dem Fegefeuer kommst.
Manager:
Fegefeuer?
Petrus:
Du würdest das vielleicht Vorbereitungslehrgang oder Qualifikationsmaßnahme nennen.
Manager:
Okay! Aber danach lasst ihr mich eure Personalabteilung auf EDV umstellen, ja?
Petrus:
Weiß ich noch nicht. Aber geh schon mal rein. Einer unser Erzengel wird dich dann dem Boss
vorstellen.
Manager:
Dann bis bald, Kollege! Übrigens, habt ihr auch noch so ´n Assistenten für mich?
Petrus:
Später!
(Der Manager entfernt sich durch die Himmelstür.)
Stimme über Lautsprecher:
Pförtner Petrus, Engel Angelina, nächste Seele kommt über Leiter. Bitte
Einweisungsunterlagen überprüfen!
(Der Säufer kommt auf Petrus, Angelina und Luzifer zu, sichtbar und hörbar noch unter
Alkoholeinfluss.)
Säufer:
Junge, Junge! Ganz schön lange Leiter! Macht Durst, das Kraxeln.
Angelina:
Wie kommst du denn zu uns?
Säufer:
Über die Leiter! Hab ich doch gerade gesagt.
Petrus:
Wir wollten eigentlich wissen, wie du auf die Leiter gekommen bist.
Säufer:
Tut mir leid, ihr beiden, das weiß ich nicht.
Luzifer:
Weiß ich nicht? Warst du denn nicht bei Verstand?
Säufer:
Na, ja, ich muss wohl ´ne kleine Sause gemacht haben. Habt ihr eigentlich keinen da?
Petrus:
Wie, einen da? Was da?
Säufer:
Ach du meine Güte! Ich bin in einem Trockengebiet gelandet! Habt ihr wirklich kein
Quasselwässerchen oder ´ne Hopfenkaltschale?
Petrus:
Das kennen wir hier nicht.
Säufer:
Soll ich denn jedes Mal wieder die Leiter runter, wenn ich mal was trinken muss?
Luzifer:
Musst du denn oft was trinken?
Säufer:
Nur wenn ich Durst habe.
Petrus:
Das geht ja noch.
Säufer:
Ich habe immer Durst!
Petrus:
Dann musst du dich an Manna gewöhnen.
Säufer:
Manna? Igitt! Was ist denn das?
Petrus:
Da leben wir hier alle von. Nur der da (Luzifer), der frisst in der Not sogar Fliegen.
Säufer:
Ne, Fliegen lieber nicht! Ist euer Manna denn flüssig?
Petrus:
Man kann ´s verdünnen.
Säufer:
Ist euer Manna obergärig? Und wo wird das überhaupt gebraut? Oder wird das gebrannt?
Petrus:
Manna ist Manna! Schluss, aus!
Säufer:
Aber es haut doch wenigstens etwas an die Mütze?
Luzifer:
Wenn du damit meinst, dass es dich in einen Rausch versetzt, kaum.
Säufer:
Ich dachte, ich wäre hier im Himmel!
Petrus
Noch nicht!
Luzifer:
Komm zu mir! Bei mir am Koksfeuer sitzen einige Typen, die zu dir passen.
Säufer:
Koksfeuer?! Bist du besoffen, Mann? Da kriegt man ja noch mehr Brand. Da schütt´ ich mir
lieber ein Conjäckelchen ins Manna.
Petrus:
Moment, Moment! Wünsche kannst du hier nicht äußern. Wir wollen erst einmal deinen
Kontostand durchleuchten.
Säufer:
Wat? Ich hab hier ein Konto? Da werd´ ich gleich mal was abheben und dann in die Kantine
gehen.
Petrus:
Haben wir nicht!
Säufer:
Oha! Keine Kantine, kein Pils, kein Fusel! Nur Manna, Manna, Manna. Wenn man da ´n
dicken Kopp von kriegt, bleibe ich nicht lange.
Petrus:
Nein, nicht lange. Nur ´ne kleine Ewigkeit.
Säufer:
Gibt ´s denn zu Feiertagen mal einen Manna-Spezial oder einen doppelten Manna?
Petrus:
Hier ist jeder Tag ein Feiertag. Und hier ist es auch ohne Manna wunderbar. Du darfst da rein
gehen. Melde dich beim Chef, aber hauch ihn ja nicht an! Sonst kriege ich Zigarren.
Säufer:
Jetzt hast du dich verraten! Wo es was zum Paffen gibt, da gibt es auch was zum Gurgeln und
´ne Musikbox.
Angelina:
Du hast Petrus nicht richtig verstanden. So was alles kennen wir hier oben nicht.
Säufer:
Wie soll ich das bei euch aushalten?
Petrus:
Das hältst du sehr gut aus. Das Zeug wird dir gar nicht fehlen. Du brauchst auch nicht ins
Fegefeuer. Außer deinen Saufzügen hast du ja ein recht ordentliches Leben geführt und warst
meist nett zu den anderen Seelen.
Säufer:
Gibt ´s denn bei euch im Himmel auch Fensterplätze?
Petrus:
Willst du denn einen?
Säufer:
Hmm.
Petrus:
Was willst du denn von oben sehen?
Säufer:
Ich möchte ab und zu den Henninger Turm sehen und einen Blick auf Krombach oder
Warstein werfen.
Petrus:
Rede mal mit dem Erzengel Michael! Der regelt das bestimmt für dich. Geh jetzt aber rein!
Säufer:
Danke! Ihr seid Kumpels! Halleluja!
(Frohgelaunt geht der Säufer durch die Himmelstür und singt dabei „Manna-manna ...“)
Stimme über Lautsprecher:
Pförtner Petrus, Engel Angelina, Seele kommt über Leiter. Bitte Einweisungsunterlagen
überprüfen!
(Der Politiker kommt auf Petrus, Angelina und Luzifer zu.)
Politiker:
Halleluja, meine Damen und Herren! Ich bin heute zu Ihnen gekommen, um mit Ihnen
Perspektiven und Alternativen zur konkreten Gestaltung meiner Laufbahn zu diskutieren. Auf
Empfehlung meines Parteivorsitzenden und der Fraktion könnte ich mir durchaus vorstellen,...
Luzifer:
Aha! Endlich mal einer für mich! Jetzt hat er in einem Satz schon dreimal gelogen.
Petrus:
So einfach geht das nicht! Das war früher schließlich sein Beruf.
Politiker:
Wie ich bereits ausführte, hat sich unser Parteivorsitzender schon dieser Problematik
angenommen und detaillierte Konzepte ausgearbeitet.
Petrus:
Schweig, armer Sünder! Wir wollen keine große Reden!
Politiker:
Es wird euch noch leid tun. Ich möchte euren Präsidenten sprechen!
Petrus:
Hier gibt ´s keinen Präsidenten.
Politiker:
Um Himmels Willen! Herrscht hier Anarchie?
Angelina:
Nein, mein Bester, wir haben schon ein Oberhaupt.
Politiker:
Also, doch! Koalitionsregierung oder absolute Mehrheit?
Petrus:
Weder noch! Bei uns wird nicht gewählt.
Politiker:
Keine Wahlen? Kein Wahlkampf?
Petrus:
So ist es! Deshalb wird hier auch nicht gelogen.
Politiker:
Schade! Gerade das ist meine Stärke.
Petrus:
Na, du wirst doch auch andere Sachen gut können?
Politiker:
Aber natürlich! Viel reden, ohne was zu sagen, Leute vertrösten, Skandale totschweigen,
Spenden sammeln, Gratisurlaub vermitteln, Kernkraftgegner verschaukeln ...
Luzifer:
Ich hab´ doch gesagt, das ist mein Mann!
Politiker:
Mein Mann? So einfach geht das nicht. Da möchte ich aber erst einmal ein differenziertes
Meinungsbild haben.
Angelina:
Wie denn das?
Politiker:
Ihr werdet in einer geheimen Wahl abstimmen, wie mein weiteres Schicksal aussehen wird!
Petrus:
Den Teufel werden wir!
Luzifer:
Das sagte ich doch! Das ist mein Mann!
Politiker:
Nicht so hastig! Diese Entscheidung wird, und diesen Antrag stelle ich hiermit, vor dem
entsprechenden Ausschuss diskutiert.
Petrus:
Nun kapier doch mal! Hier gibt ´s keinen Ausschuss. Hier gibt ´s nur den Chef. Der
entscheidet allein. Und was der macht, hat Hand und Fuß. Das ist für alle gut.
Politiker:
Das kann dann aber kein Politiker sein.
Petrus:
Ist er auch nicht!
Politiker:
Kein Politiker an der Spitze? Hat ´s hier noch nie einen Putschversuch gegeben?
Angelina:
Wer sollte denn hier putschen?
Politiker:
Das Militär, zum Beispiel.
Petrus:
Haben wir hier nicht!
Politiker:
Und wer beschützt euch vor Feinden?
Petrus:
Haben wir auch keine richtigen hier, nur dieses Würstchen (Luzifer).
Politiker:
Dann wird ´s aber höchste Zeit, dass hier mal ein Regierungswechsel stattfindet. Ich werde
gegen euren Präsidenten kandidieren. Ein Mann alleine ist doch mit den
Regierungsgeschäften hoffnungslos überfordert.
Angelina:
(aufgebracht) Unser Chef ist allmächtig, du Pflaume!
Stimme über Lautsprecher:
Angelina!!
Politiker:
Wie lange dauert denn seine Amtszeit noch?
Petrus:
Ewig!
Politiker:
Das verstehe ich nicht. Kein gelernter Politiker, keine Partei, keine Wahlen, keine
Opposition?
Petrus:
Doch, Opposition ist der da (Luzifer) mit seinen Kohlenmännern.
Politiker:
Was, Kohle? Ihr verfeuert noch Kohle? Ich baue euch ein KKW und eine
Wiederaufbereitungsanlage.
Luzifer:
Bist du wahnsinnig? Willst du mir die Hölle verstrahlen? Ich will doch nicht ins Fegefeuer
evakuiert werden!
Politiker:
(zu Luzifer) Wer hat denn bei euch das Sagen?
Luzifer:
Na, ich!
Politiker:
Und deine Leute?
Luzifer:
Alles Leute, die mit seinem (zeigt auf Petrus) Präsidenten nichts am Hut haben.
Politiker:
Terroristen? Anarchisten?
Luzifer:
Auch! Aber die meisten sind alles Leute wie du und ich.
Politiker:
Hast du denn noch einen Ministerposten oder so was frei?
Luzifer:
Na, klar! Mit deinen Begabungen und Fähigkeiten kannst du bei mir jeden Posten haben. ohne
Schmiergelder, Intrigen und so was.
Petrus:
Du kannst aber auch zu uns kommen. Nur bei uns bist du ein ganz kleines Licht, so wie
Angelina.
Politiker:
Nein, danke! Ich werde mit ihm hier (Luzifer) ein Konzept entwickeln, wie wir langfristig
euren Präsidenten absetzen können. Komm doch mit! Ich mache dich zum
Ministerialbeamten.
Petrus:
Danke, danke! Aber ich habe hier einen sicheren Arbeitsplatz. Und als Nebenjob mache ich
jeden Tag das Wetter.
Politiker:
Na, dann eben nicht. Ciao, verdammt noch mal!
(Der Politiker geht durch die Höllentür)
Stimme über Lautsprecher:
Pförtner Petrus, Engel Angelina, Seele kommt über Leiter. Bitte Einweisungsunterlagen
überprüfen!
(Der Lehrer kommt und bewegt sich gleich auf die Himmelstür zu.)
Petrus:
Halleluja! Du begehrst Einlass?
Lehrer:
Ja, bitte, darf ich gleich durchgehen?
Angelina:
Halt! Gib mir mal deinen Sünden-Kontoauszug!
Lehrer:
Gern!
Angelina:
Lehrer warst du da unten? Dann hast du aber kaum Aussichten, in den Himmel zu kommen.
Lehrer:
Das kann ich aber nicht verstehen.
Angelina:
Ist aber ganz einfach zu verstehen. Du hast eben den Himmel auf Erden gehabt.
Lehrer:
Ja, aber, ... ich hab´ doch immer treu und brav meine Pflicht getan.
Petrus:
Aber wann? Du hattest doch fast immer Ferien!
Lehrer:
Die brauchte ich auch, um mein Burnout-Syndrom auszukurieren.
Petrus:
Burnout-Syndrom? Wie willst du hier denn die Ewigkeit durchhalten? Du wirst Probleme
haben.
Lehrer:
Wieso Probleme?
Petrus:
Hier musst du ununterbrochen arbeiten, ohne Ferien. Und unser Boss guckt dir ganz schön auf
die Finger. Hier kannst du keinen Aufsatz schreiben lassen, wenn du mal keine Lust hast, und
Wandertage gibt ´s hier auch nicht.
Lehrer:
Aber ihr macht doch sicherlich alle paar Jahre einen Ausflug?
Petrus:
Nichts Ausflug! Hier wird fleißig frohlockt. Jetzt kannst du dir mal gute Noten verdienen.
Lehrer:
Nur frohlocken? Ist das auf die Dauer nicht geistig etwas anspruchslos?
Angelina:
Meinst du denn, was du da unten in Englisch, Mathe und Religion gemacht hast, wäre
anspruchsvoll gewesen? Du hast dich zwar für einen unheimlichen Schlaumeier gehalten, aber
was du den Kindern über uns hier oben im Religionsunterricht erzählt hast, da hat sich unser
Chef manchmal drüber beömmelt.
Lehrer:
Beömmelt?
Angelina:
Ja, beömmelt! Solltest unseren Chef mal kennen lernen, was das für ein Kerl ist! Dann merkst
du, was du den Kindern für ein belangloses Zeug vorgeschwafelt hast.
Lehrer:
Aber ihr müsst doch einsehen, dass ich nicht alles wissen kann.
Petrus:
Hört, hört! Jetzt kommt er endlich zur Einsicht.
Da unten hast du aber immer so getan. ... Bis zu welcher Zahl hast du denn in Mathe
unterrichtet?
Lehrer:
Bis zu einer Billion.
Petrus:
Siehst du, dann kannst du bei uns noch nicht einmal den Terminkalender führen. Bei uns ist
eben nicht alles so einfach, wie du es den Kinder vorgeflunkert hast.
Lehrer:
Habt ihr denn keine besonderen Aufgaben für mich?
Angelina:
Jetzt überschätzt du dich schon wieder! Du kannst nichts Brauchbares, und erst recht nichts
Besonderes.
Lehrer:
Ja, ... aber, ... ich habe doch lange genug studiert.
Petrus:
Den Blödsinn vergiss mal schnell wieder! Was du studiert hast, weiß bei uns hier der
Dümmste. (zu Luzifer:) Willst du den haben?
Luzifer:
Nee, danke! Der hat mich bei seinen Schülern ständig schlecht gemacht. Blamiert hat er mich!
Petrus:
(zum Lehrer) Na, ja; dann warst du ja doch für etwas gut. Hast es aber auch ordentlich bezahlt
gekriegt.
Angelina:
Aber was machen wir mit ihm?
Petrus:
Wir könnten ihn dem Chef als Laufburschen zuweisen. Der Chef fragt uns doch schon seit
Jahren nach einem geeigneten Laufburschen, der dem/der Schulminister/in endlich die
Erleuchtung bringt. Und der kennt den/die doch.
Angelina:
Oh, ja, wird auch allerhöchste Zeit!
Petrus:
Also, geh rein zum Chef, lass dich einweisen, und dann nichts wie ab nach ..............
(Landeshauptstadt)! Aber nimm die Himmelsrutsche, damit du so schnell wie möglich da bist,
bevor der/die die Klassen noch größer macht und noch mehr Lehrerstellen streicht!
Lehrer:
Ja, dann besten Dank! Halleluja!
(Der Lehrer geht durch das Himmelstor.)
Stimme über Lautsprecher:
Pförtner Petrus, Engel Angelina, Seele kommt über Leiter. Bitte Einweisungsunterlagen
überprüfen!
(Der Schürzenjäger kommt auf Petrus, Angelina und Luzifer zu.)
Schürzenjäger:
Hallöchen! Wie schaut ´s aus?
Petrus:
Das kann ich dir erst sagen, wenn ich einen Blick auf deinen Kontoauszug geworfen habe.
Schürzenjäger:
Der ist schon in Ordnung. Alles nur kleine Schwächen. Nichts Schwerwiegendes dabei.
Petrus:
Kleine Schwächen, so! Ich lese aber nur über eine Schwäche. Und das ist bei Gott keine
kleine, du Schürzenjäger!
Schürzenjäger:
Ich hatte eben Gefallen an Gottes Geschöpfen.
Petrus:
Aber immer nur an der selben Sorte!
Schürzenjäger:
Na, ja, da gibt ´s aber auch verdammt hübsche Exemplare. Aber ich will dir hier keinen
vorschwärmen, sonst fällst du noch die Himmelsleiter runter.
Petrus:
Gib nicht so an! Damals am See Genezareth, weißt du, da waren ja schließlich auch sehr gut
gebaute ...
Stimme über Lautsprecher:
Petrus!!
(Petrus wendet seinen Blick nach oben.)
Petrus:
Ja, ja, schon gut! (zum Schürzenjäger:) Du, so einen wie dich hatten wir schon mal hier. Der
musste für jeden Seitensprung ein Rad schlagen.
Schürzenjäger:
Und wo ist der jetzt?
Petrus:
Der macht bei Luzifer den Ventilator.
Luzifer:
Komm zu mir! Bei denen ist es doch langweilig.
Schürzenjäger:
Was soll denn bei dir mehr los sein?
Luzifer:
Wer ist denn schon bei denen? Alles liebe, gute, sittsame Langweiler! Aber bei mir, jede
Menge lockere Mädchen, beste Adressen, wenn du weißt, was ich meine.
Schürzenjäger:
Zu wem gehört die (Angelina) denn da?
Petrus:
Angelina? Die gehört zu uns.
Schürzenjäger:
(zu Angelina) Sag mal, hast du hier ein Einzelzimmer?
Petrus:
Kannst du es immer noch nicht lassen? Ist dir denn immer noch nicht klar, warum wir dich so
früh geholt haben? Junge, glaub mir, die Ewigkeit ist lang! Also hör den Blödsinn gleich auf!
Schürzenjäger:
Habt ihr noch mehr von diesen Tierchen da drin?
Petrus:
Das sind keine Tierchen, das sind Engel. Und da lässt du die Finger von, endgültig, klar?
Luzifer:
Dann komm doch zu mir! Ich habe richtig knusprige und knackige Tierchen.
Schürzenjäger:
Nee, du, ich hab ´s mir überlegt, lieber nicht. Ich weiß nicht, ob ich das eine Ewigkeit
durchhalte. Und nichts ist schlimmer als wollen und nicht mehr können. (zu Petrus:) Also,
was muss ich machen, um zu euch zu kommen?
Petrus:
Versprechen, dass Engel ab sofort für dich Luft sind.
Schürzenjäger:
Aber Luft kann man ja nicht einmal sehen!
Petrus:
Wir sind ja nicht so! Ansehen darfst du sie dir alle.
Schürzenjäger:
Toll! Versprochen! Darf ich jetzt rein?
Petrus:
Na, geh nur! Aber lass im Himmel dein aufdringliches Rasierwasser weg, ja?
Schürzenjäger:
Ja, ja, klar! Halleluja!
(Der Schürzenjäger geht durch die Himmelstür. Petrus schaut auf die Uhr.)
Petrus:
(zu Angelina) Alle durch, die für heute angemeldet waren. Feierabend! (zu Luzifer:) So, wir
gehen noch ein bisschen frohlocken und jubeln, und du musst Kohlen schippen. Bis dann!
Angelina:
Servus, Luzifer!
Luzifer:
Tschüss, verdammt! Himmel, Arsch und Zwirn!
(Luzifer verschwindet in der Hölle.)
Stimme über Lautsprecher:
(verärgert) Petrus, Angelina, sofort bei mir melden! Irgendeiner hat sich an unsere
Mannavorräte ran gemacht.
(Petrus und Angelina schauen nach oben.)
Petrus:
Zu Befehl, wir sind schon unterwegs! (zu Angelina:) Oh, oh, ich ahne Schlimmes.
Angelina:
Ich auch!
(Petrus uns Angelina verschwinden durch die Himmelstür. Vorhang!)