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Theater zum Lachen?

Igitt! Theater und Lachen, das soll ja schon was werden!


Mancher Theatermacher meint mehr oder weniger krampfhaft einem literarischen
Anspruch seiner Bildungsanstalt und der Schulform gerecht werden zu müssen. Ein
altbewährter Klassiker wird ausgegraben und auf die Höflichkeit der Zuschauer aus
dem sozialen Umfeld der Darsteller gesetzt, die es gebietet, die Aufführung über sich
ergehen zu lassen, um anschließend gelangweilt, aber glücklich, dass man es
überstanden hat, zu applaudieren.

Menschen: So sind sie nun mal.


Schülertheater habe ich mir schon immer ganz anders vorgestellt, nämlich lebhaft
und zeitnah mit Themen aus dem Hier und Jetzt. Diese Themen liegen auf der
Straße, aber nicht jeder sieht sie und stolpert drüber. Es liegt vielleicht ein wenig in
meinem Naturell, die Eigenheiten und kleinen Schwächen meiner Mitmenschen (aber
auch die eigenen) zu erkennen und zu thematisieren und interessante, eigenwillige
Typen zu Protagonisten meiner Stücke zu machen. Denn eigentlich dürfte es für
jemanden, der von Berufs wegen sich täglich mit Menschen auseinandersetzt, nichts
Spannenderes geben als die Beschreibung und Analyse menschlicher
Verhaltensweisen im Umgang miteinander. Wenn diese Analyse mehr Erheiterung
als Empörung hervor ruft, eignet sie sich hervorragend als Stoff für eines meiner
Theaterstücke.

Zuschauer: Die Mischung macht ´s


Über die Gründe, dass die öffentlichen Aufführungen meiner Stücke an meiner
Schule allesamt sehr erfolgreich waren, habe ich schon viel nachgedacht und bin
eigentlich nie zu einem ganz schlüssigen Ergebnis gekommen. Aber ich war wohl
sehr gut beraten, mir schon bei der Konzeption der Stücke Gedanken über die
Zusammensetzung des Publikums zu machen. Beim Schreiben habe ich mir immer
ins Gedächtnis gerufen, dass im Zuschauerraum ein gemischtes Publikum aus
Schülern, Freunden, Eltern, Verwandten, Lehrern, außerschulischen Interessenten
und geladenen Gästen sitzen würde. Es war nun wirklich nicht von Nachteil, als
Autor zielgruppenorientiert gearbeitet zu haben. Im Gegenteil: Jeder nimmt aus den
Stücken etwas mit. Auch wenn es nur die Zufriedenheit sein sollte, sich nicht
gelangweilt zu haben und gut unterhalten worden zu sein, war die Aufführung schon
gelungen und das Stück geeignet. Die oftmals humorvolle Aufarbeitung der Themen
verfehlt ihre Wirkung nicht. Bei allen Stücken ist Lachen im Zuschauerraum nicht nur
gestattet, sondern gewollt. Kritik kann man auch üben, indem man Missstände und
Unzulänglichkeiten einmal nicht bejammert oder mit erhobenem Zeigefinger
anprangert, sondern indem man sie karikiert, auf die Spitze treibt und ins Lächerliche
zieht. Bei manchen Themen würde sich das zwar verbieten, aber bei den Themen
dieser Stücke halte ich diese Form für angemessen, legitim und irgendwie belebend.

Die Darsteller: Geben und nehmen


Es ist nun Ihr Job, liebe Kollegin, lieber Kollege, eines oder mehrere dieser Stücke
zum Leben zu erwecken und alles aus dem Stück heraus zu holen, was das Stück
hergibt, Schülerinnen und Schüler für das Projekt Aufführung zu begeistern und so
stark zu machen, dass sie sich alles auf der Bühne trauen. Sie werden bei den
Proben erstaunt feststellen, wie schnell sie das Stadium der textzitierenden
Schaufensterpuppen, die man bei Aufführungen mancher Literaturkurse bedauern
darf, überwinden werden. Die Stücke lassen auch kleine Schwächen weniger
talentierter Darsteller zu, ohne sofort an Wirkung zu verlieren. Einige der Stücke
eignen sich in besonderer Weise, Anfänger an die Schauspielerei heran zu führen
und durch eine erfolgreiche Aufführung langfristig für die Theaterarbeit zu motivieren.
Sie sollten aber nie vergessen: Theater ist eine äußerst anspruchsvolle Form der
Dienstleistung am Zuschauer. Je besser diese Dienstleistung erbracht wird, das
beginnt mit einer kräftigen, pointierten und deutlichen Bühnensprache, desto mehr
gibt der Zuschauer an die Darsteller zurück. Wer auf der Bühne dieses gegenseitige
Geben und Nehmen erfahren und erlebt hat, hat sein Herz ans Theater verloren.

Der Aufwand: Nicht übertreiben!


Schülertheater muss nicht protzen, bestenfalls mit genialem Spiel. Wer sich in Bezug
auf Kulisse, Bühnentechnik und Requisite zu viel zumutet, verzettelt sich. Lebhaftes,
freudiges und überzeugendes Spiel lässt alles Drumherum eh vergessen.
Alle Stücke dieses Buches sind so angelegt, dass sie mit wenig Aufwand realisierbar
sind, also machbares Schülertheater. Wenn nun mal Kollegin/Kollege
Kunstlehrerin/Kunstlehrer sich in den Kulissenbau und/oder die
Requisitenbeschaffung mit einbringen möchte und Kollege/Kollegin Physik- oder
Techniklehrer/in für eine optimale Beleuchtung sorgen möchte, kann das allerdings
dem Stück nicht schaden, und weitere fächerübergreifende Möglichkeiten des
Schülertheaters werden ausgeschöpft. Gute Darsteller brauchen auf normalen
Bühnen allerdings keine Mikrofone.
Warnen möchte ich eindringlich vor der Fehleinschätzung, ein Theaterstück mal
eben in einer Projektwoche zu realisieren. In dieser kurzen Zeit bleibt zu vieles im
Ansatz stecken. Sie würden Gefahr laufen, dass Ihr Einsatz und Ihre Qualifikation
wegen der bis dahin dürftigen Ergebnisse abgewertet werden und die Darsteller mit
dem geringen Erfolg des kurzfristig Möglichen die Lust am Spielen verlieren. Gut
Ding braucht Weile!

Der Spielleiter: Interpretationsspielräume nutzen


Mit dem ausgewählten Stück ist nur ein gewisser Rahmen gesetzt. Ich neige nicht
dazu, durch eine Unzahl von Regieanweisungen alle Details vorzugeben und
Spielleiter wie Darsteller über die Maßen einzuengen. Seien Sie in den Proben
kreativ! Greifen Sie Ideen der Darsteller auf! Probieren sie einfach aus! Kaum zu
glauben, wie viel Positives man mitunter aus Pannen bei den Proben ziehen kann!
Wann immer es geht, spielen Sie vor oder spielen Sie mit! Lassen Sie auch mal
etwas Chaos zu! Dann kommt die letztendlich erforderliche Disziplin von selbst. Und
wenn Sie eines meiner Stücke durch Ihre Arbeit ein bisschen zur Kleinkunst gemacht
haben, würde sich der Autor irgendwann über eine kurze Erfolgsmeldung auf
hansgeorgkraus@web.de riesig freuen. Von Überweisungen von Geldgeschenken
und der Zusendung von Schnittblumen bitte ich allerdings abzusehen. J

Gutes Gelingen wünscht


Hans-Georg Kraus