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Bei einem Aquamanile handelt es sich um ein Gießgefäß zur Handwaschung, das im

hohen Mittelalter bei der Messliturgie,


später auch bei weltlichen Festmählern in Gebrauch stand. Häufig erhielten diese
Gefäße die Gestalt von Tieren,
Misch- oder Fabelwesen. Das bronzene Greifen-Aquamanile in Wien zählt zu den
frühesten und berühmtesten erhaltenen
Beispielen seiner Art und gilt zu Recht als ein Meisterwerk der
hochmittelalterlichen Tierdarstellung.
Die kraftvolle Spannung der Körperhaltung und der lebhafte Ausdruck des Kopfes
vermögen die wilde und starke Natur
des Fabelwesens eindrucksvoll ins Bild zu setzen.
Dabei sind die für die Funktion als Gießgefäß wichtigen Teile geschickt in die
Tiergestalt integriert:
Der geöffnete Schnabel dient als Ausguss, der elegant sich über dem Rücken
wölbende Schwanz als Griff,
in dem sich zugleich die Eingussöffnung für das Wasser befindet.

Aquamanile in Gestalt eines Greifen


Helmarshausen, um 1120/30
Bronze vergoldet, Silber, Niello, Granat, H. 1 7,3 cm
Inv.-Nr. KK 83.

Sie wird von einem beweglichen Palmetten-Deckel im oberen Teil verschlossen.


Ihren Rang zeigt die Arbeit auch in dem außergewöhnlichen Aufwand, mit dem der
Bronzeguss dekoriert wurde.
Die Oberfläche wurde großflächig mit einem ornamentalen Muster aus blauschwarzem
Niello versehen, die Flügel und die Augen
sind mit Silber tauschiert, was zusammen mit der Vergoldung ein besonders reiches
farbiges Erscheinungsbild ergibt.
Diese Kombination der verschiedenen Materialien und die Feinheit der Ausführung,
die der Bronzearbeit den Charakter
eines preziösen Goldschmiedewerkes verleiht, sind charakteristisch für eine Gruppe
von Objekten,
deren Entstehung im nordhessischen Kloster Helmarshausen angenommen werden kann.

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