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Genuss 05.06.2019

Woher wird unser Fleisch in Zukunft kommen?

Die Österreicher konsumerien weniger Fleisch und achten vermehrt auf Qualität.
Und sie greifen häufiger zu pflanzlichen Alternativen.

Das Schnitzel wird nicht so schnell von den Tellern der Österreicher verschwinden –
auch wenn das Fleisch zunehmend eine schlechte Nachrede hat. Zum einen, weil
Tiere oft unter schlechten Bedingungen gehalten werden, zum anderen, weil die
Produktion meist klimaschädlich ist.

Doch welche Alternativen zum Fleisch gibt es? Wie soll man eine wachsende
Weltbevölkerung weiterhin mit wertvollem Eiweiß versorgen? Und wie sieht die
Zukunft des Fleischkonsums generell aus? Über diese Frage wird am heutigen
Mittwoch von Wissenschaftern, Philosophen und Industrievertretern bei einem
Symposium auf Einladung der Agrarmarkt Austria diskutiert.
Qualität statt Quantität

Ein Trend ist jedenfalls festzustellen: Die Österreicher essen weniger, dafür aber
bewusster Fleisch. Und sie greifen immer häufiger zu Alternativen auf pflanzlicher
Basis, weshalb selbst große Fastfood-Ketten mittlerweile Veggie-Burger anbieten.

Auch die Industrie reagiert, wie Marcus Ketzer von der PHW-Gruppe berichtet – zu
ihr gehört etwa die deutsche Marke Wiesenhof. „Unsere Zielgruppe für
Fleischalternativen sind allerdings nicht die Veganer, sondern die Flexitarier.“
Flexitarier bezeichnet man Menschen, die nur selten Fleisch essen – und wenn,
dann meist in guter Qualität.Und deren Anteil wird besonders unter den jüngeren
Menschen größer. „In den USA werden 93 Prozent aller veganen Burger von
Menschen gegessen, die auch Fleisch essen“, stellt Keitzer fest.
© Bild: KURIER/Tichy

Start-ups

Das hat auch damit zu tun, dass es sehr viele Innovationen in diesem Bereich gibt:
"Vor allem in den USA und Israel gibt es viele Start-ups, Europa hinkt hier noch
etwas hinterher", bedauert Keitzer. Besonders große Lebensmittelkonzerne sowie
Fonds sehen in den Fleischalternativen einen Wachstumsmarkt und investieren hier
riesige Summen. "Der chinesische Staatsfond hat riesige Summen locker gemacht."

Zu den Fleisch-Alternativen gehören nicht nur pflanzliche Produkte, sondern auch


Fleisch aus dem Labor – Muskelfasern, für die kein Tier sterben muss. "Daraus ein
Steak zu produzieren, ist allerdings Zukunftsmusik", glaubt Keitzer. "Aber
Einfaches wie Faschiertes oder Chicken Nuggets lässt sich heute schon so
zubereiten."
Restlverwerter

Doch auch bei der klassischen Fleischproduktion gibt es noch Möglichkeiten, diese
nachhaltiger zu gestalten: „Besonders bei der Futtermittelproduktion“, wie Karl
Schedle von der Universität für Bodenkultur in Wien weiß. "Etwa wenn man
Futtermittel verwendet, die von Menschen nicht so gut verwertet werden können,
wie z. B. Weizenkleie." Man kenne das ja auch von früher: "Das Schwein war der
Restlverwerter und hat gutes Protein geliefert. Das ist der Grund für seine
Beliebtheit.

Aus dem Labor

Beim Fleisch aus der Petrischale stellt sich die Frage, wie dieses vom Verbraucher
angenommen wird. Der Philosoph Christian Dürnberger von der MedUni Wien sieht
hier das Problem, dass es als etwas „dass als unnatürlich wahrgenommen wird, auch
als gefährlich angesehen wird." Nur wenn es als gesundheitlich unbedenklich gilt
und auch geschmacklich sowie preislich mit herkömmlichem Fleisch mithalten
kann, wird es wohl von den Kunden angenommen.
Schnitzel fürs Volk

Der Philosoph weiß, dass wir uns heute viele Gedanken um unsere Essen machen.
Und er nennt noch weitere Kriterien, nach denen wir entscheiden, womit wir den
Teller befüllen: Gewohnheit, Natürlichkeit der Nahrung, Tierwohl,
Klimaauswirkungen, sozialethische Aspekte sowie der Status eines Lebensmittels.
Besser gesagt: Der Fleischkonsum wird zum Symbol dafür, welcher
gesellschaftlichen Schicht ich angehöre. Dürnberger formuliert es provokant: „Die
Elite isst wenig Fleisch, das (einfache) Volk ist das Schnitzel.“

Vom Tier

Eine Prognose, der Michael Blass, Geschäftsführer der AMA-Marketing, nicht


zustimmen will. „Ich glaube, dass es eher so kommen wird, dass Fleisch, das von
einem Tier kommt, nur noch von denen gegessen wird, die es sich leisten können.“

Denn schon jetzt steige der Konsum hochwertigen Fleischs. „Die Herkunft und die
nachhaltige Produktion sind den Kunden wichtig“, sagt Blass. Wobei man wohl eher
sagen sollte, den Kundinnen wichtig. Denn sie achten beim Kauf von Fleisch
besonders auf die Qualität. Klasse statt Masse ist hier das Motto. Für die
Fleischerzeuger ein Trend, den sie aufmerksam beobachten: „Es sind die Flexitarier,
die den Trend beim Fleischkonsum zum Kippen bringen können – auch wenn sich
Ernährungsgewohnheiten nur langsam ändern“, zieht Blass Resümee. Philosoph
Dürnberger meint, dass sich die Konsumenten immer mehr ausdi!erenzieren
werden: "Manche wollen weiterhin billiges Fleisch, andere essen nur zu Hause hoch
qualitatives Huhn oder Rind, während sie außer Haus vegetarisch essen. Eine weitere
Gruppe lehnt den Fleischkonsum grundsätzlich ab."

kurier.at,ub ( kurier.at, ub ) | Stand: 05.06.2019, 19:08

Autor: UTE BRÜHL