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Jan Loheit

„Philosophie im deutschen Faschismus“

Material und Methode eines Argument-Projekts zur Aufarbeitung der Vergangenheit

Als Theodor W. Adorno 1959 das Unbehagen formulierte, das er in der Bundesre - publik mit dem Schlagwort „Aufarbeitung der Vergangenheit“ verband, sprach er aus, was wenig später zu einem der Motive studentischen Protests werden sollte. Die Rede von der „Aufarbeitung“ hatte sich „höchst verdächtig“ gemacht, weil sie zu einem Sprachgebrauch gehörte, der unter das Vergangene „einen Schluss- strich“ ziehen und „womöglich es selbst aus der Erinnerung wegwischen“ sollte:

„im Hause des Henkers soll man nicht vom Strick reden“ (2015, 10). Mündigkeit aber setzte für Adorno Verhältnisse voraus, in denen sie sich ungehindert ent- falten kann. „Aufgearbeitet wäre die Vergangenheit erst dann, wenn die Ursa- chen des Vergangenen beseitigt wären.“ (28) Das freilich verlangte zunächst das Begreifen dieser Ursachen. Im Mai desselben Jahres machte an der Freien Universität Berlin eine Stu- dentengruppe, von Professoren als „[j]ugendbewegte Schwärmer einer politi- schen Romantik“ verunglimpft (Ehrler 1974, 14), mit einer Reihe von Flugblättern gegen Atomrüstung auf sich aufmerksam. Unter dem Einfluss von Margherita von Brentano ging aus diesen Flugblättern die von Wolfgang Fritz Haug, einem ihrer Studenten, herausgegebene Zeitschrift Das Argument hervor. Nur ein Jahr später wendete sich die Zeitschrift zum ersten Mal einem wesentlichen Aspekt jener Aufgabe zu, die Brentano mit dem „endgültigen Abbau des faschistischen Poten- zials“ (2010, 303) identifizierte. „Die Überwindung des Antisemitismus“1 lautete der Titel des im Mai 1960 erschienenen Heftes, das Beiträge von Dietrich Gold- schmidt, Hanno Kremer und Gerhard Schoenberner versammelte. „Im gleichen Maße“, heißt es dort, „in dem die restaurative Entwicklung zunimmt, um schließ- lich in offene Reaktion umzuschlagen, wird auch der Antisemitismus, hundert- mal verdrängt und verleugnet, von Stufe zu Stufe offener und radikaler als unver- meidliche Komplementärerscheinung sich einstellen.“ (Schoenberner 1960, 201)

1 Für Brentano konnte die „Frage der Überwindung des Antisemitismus“ nicht gestellt werden, ohne dies mit der „Frage nach den Chancen für eine reale, das heißt materielle Demokratisie- rung“ zu verbinden; wirkliche Demokratie bedeutete eine „Neuorientierung der ökonomischen und mit ihnen der sozialen Verhältnisse und Neuorientierung der individuellen und kollektiven Bewusstseinsstruktur“ (2010, 303).

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Nur ein Heft später schreibt Dietrich Goldschmidt‚2 in Reaktion auf eine Zuschrift, die das Argument aufforderte, sich aufs Kerngebiet der Antiatombewegung zu beschränken, dem Herausgeber ins Stammbuch, die Antiatombewegung könne nur fortbestehen, wenn sie sich weiter öffne und „praktikable humane Alterna- tiven für friedliche Lösungen“ auf der Basis einer „allgemeine[n] politische[n] Besinnung“ entwickele, „sei es über deutsche Fragen wie den Nationalsozialis- mus und den inhumanen Antisemitismus, sei es über den Algerienkrieg und über die großen Probleme zwischen Ost und West sowie der asiatischen und afrikani- schen Völker“ (Goldschmidt 1960b, 260). Das stieß auf offene Ohren. Das Argu- ment, das sich im Geist der Kritik anschickte, nicht beim „bloßen Vorwurf“ stehen zu bleiben, sondern „selbst das Unbegreifliche noch zu begreifen“ (Adorno 2015, 25), wurde schließlich Anfang der 1960er Jahre zum führenden Theorieorgan der beginnenden Studentenbewegung, gestützt auch durch die im Argument-Klub an der Freien Universität organisierten Seminare.3 Dass die Faschismustheorie, die in ihrem Umkreis entstand, über Jahre tonangebend war, ist heute so gut wie vergessen.4 Der Befund, es sei eine „Ironie der Geschichte“, dass bereits an der Schwelle 1964–1965 „die Zeitschrift trotz ihrer theoretischen Grundlagenarbeit in der Studentenbewegung dann keine Hauptrolle mehr spielte“ (Bebnowski 2016, 79), mag erklären, warum die späteren, im Argument-Umkreis entstehenden Materialstudien, die jene Grundlagen vertiefen, heute ebenfalls in Vergessenheit geraten sind. Ein Blick auf das von Haug 1984 initiierte Forschungsprojekt „Phi- losophie im deutschen Faschismus“ soll dazu beitragen, die aus diesem Umkreis hervorgegangenen Faschismusstudien in Erinnerung zu rufen. Zu diesem Zweck zeichne ich im Folgenden zunächst die in den 1960er Jahren wurzelnden Anfänge

2 Dietrich Goldschmidt, der im Heft zuvor selbst zur „Soziologie des Antisemitismus“ schrieb (1960a), war zu diesem Zeitpunkt Vorsitzender des Berliner Arbeitsausschusses Gegen den Atom- tod und wurde wenig später Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. 3 So etwa das vom Argument-Klub zusammen mit Brentano und Peter Furth im Wintersemes- ter 1961 organsierte Seminar „Antisemitismus und Gesellschaft“ (vgl. Bebnowski 2016, 77). Die Zeitschrift selbst, noch drei Jahre nach ihrer Gründung mit 700 Exemplaren aufgelegt, vervier- fachte zwischen 1966 und 1970 ihre Auflagenhöhe von inzwischen 3.000 auf 12.000 Exemplare (Mitarbeiterbrief 21, März 1971, InkriT-Archiv). Das Argument nahm damit, wie David Bebnowski betont, als ein „Pionier bei der Identitätssuche junger Linker in der Bundesrepublik […] eine wegweisende Funktion für die Studentenbewegung der 1960er und 1970er Jahre ein“ (2016, 73). 4 Davon zeugt nicht zuletzt der ansonsten gründlich recherchierte Eintrag „Faschismus – The- orien und Begriffe“ in der vom Zentrum für Zeithistorische Forschung mit verantworteten Docu- pedia. Hier sind es „ehemalige Lagerkämpfe zwischen Marxisten und Antimarxisten“, in denen die Akteure und Theorien, entgegen dem eigenen Anspruch, „vom Faschismus-Verständnis der zeitgenössischen marxistischen, liberalen, aber auch konservativen Gegner“ auszugehen, na- menlos gemacht und am Ende mit Schweigen übergangen werden (Esposito 2016).

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der Theorieentwicklung nach, um im Anschluss Kontinuitäten und Brüche sicht- bar werden zu lassen, die Material und Methode der Studien und damit die im Argument verfolgten Erkenntnisziele durchziehen.

1 Praxiskriterium der Aufarbeitung

Die Anfänge des Argument haben in vieler Hinsicht noch journalistischen Cha- rakter, das Interesse am Investigativen ist bestimmend, es entsteht ein Archiv nicht gemeldeter Nachrichten, in dem Informationen zu Atomversuchen gesam- melt werden, Tabuthemen werden angefasst, neben der Atomrüstung u. a. das Thema der Oder-Neiße-Grenze oder des spanischen Faschismus.5 Erst allmählich, unter dem Eindruck, für das Unbehagen an den drückenden Verhältnissen im deutschen Postfaschismus keine Sprache zu haben, verschiebt sich das Interesse hin zu Fragen der Theorie. Im Argument-Klub werden in Zusammenarbeit mit dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund erste selbstverwaltete Seminare organisiert. Inspiriert von den in den 1930er Jahren entstandenen, von ihm selbst inzwischen unter Verschluss gehaltenen Schriften Max Horkheimers, bildet sich 1962 auch eine Arbeitsgruppe Faschismus-Theorien. Zwei Archivpapiere6 aus der Frühzeit der Zeitschrift geben Auskunft darüber, unter welcher Maßgabe die Hin- wendung zur Theorie erfolgen sollte. „Wir müssen Theorie treiben, als ob wir ‚an der Macht‘ wären“, heißt es in einem der Papiere. Das bedeutete, wie den beiden Seiten in Versalien voransteht, das Begreifen der Praxis zur obersten Maxime von Theorie zu machen und die Theoriebildung selbst nicht zum alleinigen Ziel werden zu lassen: „Wir müssen denken, als ob wir danach handeln könnten“‚7

5 Auch hier wirkte Margherita von Brentano als Stichwortgeberin, als sie 1961 für die Anerken- nung der Oder-Neiße-Grenze (vgl. hierzu Kapitel 16) und der DDR plädierte: „die Grenze von 1945 und 1961 ist das faktische und gerechte Ergebnis der Geschichte“ (1975, 97), deren Kehrseite sie in der offiziellen Politik der Bundesrepublik mit ihrer „schrittweise[n] Umwandlung dieses Gebildes in einen nach innen obrigkeitlich-autoritären, nach außen waffenrasselnden Nationalstaat“ sah (2010, 158). 6 Ich danke Frigga und Wolfgang Fritz Haug, die mir die in Esslingen aufbewahrten Archivmate- rialien der Zeitschrift zugänglich machten. 7 Folgerichtig lässt Haug 1968 seinen Aufsatz über Bertolt Brechts drei Jahre zuvor aus dem Nachlass veröffentlichtes Buch der Wendungen mit der darin überlieferten Lehre enden: „träu- men können und nicht von Träumen beherrscht werden; denken können und Gedanken nicht zu seinem Ziel machen“ (zit. nach Haug 1968, 12). „Im Rückblick“ meint Haug in diesem seinen Aufsatz „einen Schlüsseltext für die weitere Herausbildung des ‚Argument-Marxismus‘ zu erken- nen“ (2009, 152).

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zugespitzt: „Protest ist heute wissenschaftlicher als Protokoll“ (Maxime, InkriT- Archiv). Die Unmittelbarkeit, in der Theorie und Protest hier unzulässig in eins zu fallen scheinen, relativiert sich im Rückgriff auf Ernst Blochs Prinzip Hoffnung. Der Satz, wonach „eine Formel aller Gemeinheit sein kann, die Dinge zu nehmen, wie sie sind, im Sinn, sie dabei zu belassen“ (Bloch 1976, 1016), wird nicht nur zitiert, sondern in ein „paradox klingendes Programm“ übersetzt, das, im Gestus an Kants Kritik der reinen Vernunft angelehnt, die „Möglichkeit von Theorie“ über- haupt retten soll:

1) Theorie, die sich nicht aus ihrer substanziellen Einheit mit Praxis begreift, ist blind. 2) Theorie, die nicht von der Absicht konstituiert wird, Vernunft zu verwirklichen, d. h. eine neue, vernünftigere Einheit von Theorie und Praxis zu bewirken, verliert ihre Autonomie gegenüber dem Bestehenden. 3) Um der Gleichschaltung zu entgehen, muss Theorie der unmittelbaren Einheit von Theorie und Praxis entsagen. (Maxime, InkriT-Archiv)

Die Thesen, deren fragmentarischer Charakter erkennen lässt, dass sie nicht zur Veröffentlichung gedacht waren, dokumentieren den Beginn einer theoretischen Selbstverständigung. Sie steht im Zeichen der mit Namen wie Brentano, Klaus Heinrich, Hans-Joachim Lieber, Wilhelm Weischedel und nicht zuletzt Günther Anders verbundenen Sozialkritik. In der unaufhebbaren Spannung „zwischen realer Ohnmacht und dem fundamentalen Impetus, Vernunft kritisch sich so entfalten zu lassen, als ob sie als Gesetzgeberin aufgerufen wäre“, sah man „die letzte Chance des Denkens“ (Maxime, InkriT-Archiv). Nun begann zusätzlich die Auseinandersetzung mit der Marx’schen Kapitalismustheorie, die dem Umgang mit empirischem Material auf die Sprünge half. 1964 erschien schließlich, auch in Reaktion auf die ein breites Echo auslösenden Veröffentlichungen von Ernst Noltes Der Faschismus in seiner Epoche (1963) und Joachim Fests Das Gesicht des Dritten Reiches (1963), das erste Argument-Heft, das sich explizit der Kritik bür- gerlicher Faschismus-Theorien widmete, eröffnet mit einem Wiederabdruck von Walter Benjamins Besprechung einer Sammelschrift, die Ernst Jünger 1930 unter dem Titel Krieg und Krieger herausgab. Neben Rezensionen der erwähnten Werke finden sich im gleichen Heft auch erste Elemente einer kritischen Theorie des Faschismus, so im Beitrag von Ronald Wiegand (1964, 138–143), der die Begriffe Herrschaft und Entfremdung auf die Probe stellt. 1965, im selben Jahr, als die Argument-Gruppe zusammen mit dem Marburger Institut für sozialwissenschaftliche Forschungen eine Arbeitstagung zu Faschis- mustheorien organisierte, folgt dem Heft ein zweiter Teil, in dem neben der Öko- nomiefrage auch die psychologische Literatur über den Faschismus in den Blick rückt, um eine „Forschungsrichtung“ zu erschließen, „die in den heute (in Ost und West) gängigen Theorien über den Faschismus weitgehend vernachlässigt wird“ (Haug 1965a, 31). In dem in direkter Folge erschienenen dritten Teil wird in

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Material-Exkursen, die aus gemeinsamen Untersuchungen und Diskussionen des vom Argument-Klub an der Freien Universität über mehrere Semester organisier- ten Arbeitskreises hervorgingen, nach dem Zusammenhang von verschiedenen im Umlauf befindlichen Kategorien wie „Führerpersönlichkeiten“, „Faschistische Ideologie“, „Dämonie“, „Rot gleich Braun“ gefragt. Wenn Haug diese Arbeit als den „Versuch“ bezeichnet, „die Widersprüche und Zerfallenheiten seines Gegen- standes derart aus der Sache selbst zu entfalten, dass Historisches in ihnen erkennbar wird“ (1965b, 32), macht sich die Nähe zur Kritischen Theorie, nament- lich zu Adorno bemerkbar. Die angedeutete Methode, dem textanalytischen Ver- fahren vergleichbar, die Adorno selbst mit seinen eigenen Arbeiten wie mit denen von Walter Benjamin, Siegfried Kracauer und auch Ernst Bloch in Verbindung bringt, gründet in der Einsicht, „dass man den gesellschaftlichen Gehalt in sich organisierter und differenzierter Gebilde nur durch deren Sinnanalyse ergreifen kann“ und nicht indem „man sie in einer Weise von vornherein auf ihre Wirkung festlegt, die mit ihnen selber möglicherweise nichts zu tun hat“ (Adorno 1993, 147–151). Haugs Versuch bereitet vor, was sich als analytisches Verfahren, dann vor allem in der Rezeption der 1968 zum ersten Mal veröffentlichten theoreti- schen Schriften Bertolt Brechts, der Aneignung der von Werner Mittenzwei 1975 als Materialästhetik bezeichneten Kunstform und der Studien Walter Benjamins, zu einer Lektüre-Methode herausbilden wird (vgl. Loheit 2018).

2 Hilfloser Antifaschismus

Das im Argument-Klub in Auseinandersetzung mit den damals gängigen Faschis- mustheorien gebildete Materialverständnis schuf Grundlagen, auf denen Haug 1967 seine Kritik der Vorlesungsreihen über Wissenschaft und NS an deutschen Universitäten entfaltete.8 Rückblickend situiert er seine Arbeit über den Hilflo- sen Antifaschismus im „historische[n] Moment des Auftauchens der großen welt- weiten, keineswegs auf die Studenten beschränkten ‚Studentenbewegung‘“, die seiner „Analyse ihren radikalen Horizont“ gegeben habe (1993, 11): „Die Studen-

8 Ein Teil dieser Arbeit erschien zunächst im Argument unter dem Titel „‚Positive Werte‘ und Konzeption ‚reiner Wissenschaft‘ in den Ringvorlesungen über Wissenschaft und Nationalsozia- lismus“ (Haug 1967a), just in dem Moment, als die Kontroversen um eine demokratische Öffent- lichkeit an den Universitäten von der Ermordung Benno Ohnesorgs und der „täglich wachsenden Hetze gegen die ‚radikalisierten Minderheiten’“ überschattet und damit die „Virulenz ungelöster Sachfragen bei fehlender rationaler Öffentlichkeit an der Universität wie im Staat“ unübersehbar wurden (Haug 1967b, 92).

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tenbewegung setzte die gesellschaftskritische Aufarbeitung der faschistischen Vergangenheit unüberhörbar auf die Tagesordnung“ (12). Das Schlagwort, über das Adorno klagte, es sei ein Tarnname fürs Verdrängen geworden, wird hier aus der Phrase befreit, indem Objekt und Modus der ‚Aufarbeitung‘ die zu ihrer Durchführung notwendige Spezifikation erhalten. Aufgearbeitet werden muss der Faschismus. Verlangt ist deshalb eine Gesellschaftskritik, die seine Ursachen erforscht. Auffallend ist zunächst die Abwesenheit des Namens, den die deutschspra- chige Forschung (in Westdeutschland) im Allgemeinen bis heute für den Nazismus in Gebrauch nimmt. „Hier war der ‚Nationalsozialismus‘ zu Hause, und hier ist es noch immer das Wort“, schreibt Haug 1988 im zweiten Buch seiner Studien zum hilflosen Antifaschismus (1993, 317). „Wer ohne Hintergedanken derart scheinge- nau spricht, rechnet nicht mit dem Charakter des Regimes. So wenig jeder Zug von der XY-Zigarette ‚reine Natur ist‘, wenngleich die Werbung es behauptet, so wenig war ‚Euthanasie‘ Gutes Sterben.“ (317) Der „phänomenologische Ansatz“, der seine Sprache den Selbstbezeichnungen seines Gegenstandes entlehnt, mache „blind für den propagandistischen Charakter der ‚Phänomene‘“ (317).9 Nicht aber um ‚Nachbildung‘, sondern um Dekonstruktion10 ist es Haug mit seiner 1967 ver- öffentlichten Kritik zu tun. Sie reagiert auf eine ursprünglich an der Tübinger Universität initiierte Ringvorlesung, nach deren Vorbild unter dem Druck der Studenten, die ihre Professoren und Direktoren auf eine NS-Belastung zu prüfen begannen, an weiteren Universitäten in Berlin und München Vorlesungsreihen entstanden, die sich in einer Vielzahl von Fakultäten dem Verhältnis von Wissen- schaft und ‚Nationalsozialismus‘ widmen sollten. Mit seiner Untersuchung der in diesem Zusammenhang veröffentlichten Texte gliedert Haug diese nach wieder- kehrenden Topoi auf und fragt nach ihrem Zusammenhang. Die Texte sollen, so die Form, die Haug als „eine Mischung aus Inhaltsanalyse und Streitschrift“ cha- rakterisiert, an ihrem eigenen Anspruch gemessen werden, d. h. daran, ob sie erstens „zur Aufklärung der Ursachen“ beitragen, zweitens ob sie „dafür sorgen, ‚dass so etwas nie wieder geschehe‘“ (31). Untersucht wird zwar die Sprache des „hilflosen Antifaschismus“, doch den „Primat hat die Sache, von der geredet wird“, „am Verhältnis zu ihr“ soll sich die „Sprachkritik“ bemessen: „Nicht auf sprachmateriale Innerlichkeit allein ist

9 Siehe auch die jüngste Diskussion zum Thema, die Ulla Plener im Argument angestoßen hat (Plener 2017 und Haug 2017). 10 Von „Dekonstruktion“ spricht Haug selbst – mit dem Distanzmittel: „wie man heute in franzö- sischer Manier sagen würde“ (1993, 12) – allerdings erst im Vorwort der neuen, 1987 erschienenen Auflage.

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zu achten, sondern auf deren Bezug und vielleicht modifizierenden Einfluss auf die Sachinhalte“ (35), so schon mit Blick auf die „faschistischen Eigennamen“, die sich, bei vollständiger Abwesenheit sozialanalytischer Begriffe, „in der Art zweifelsfreier und Identität stiftender Kommunikationssymbole“ durch die

untersuchten Texte ziehen: „‚Der Nationalsozialismus‘, ‚das Dritte Reich‘, ‚die Nationalsozialisten‘, ‚die nationalsozialistische Revolution‘, ‚die nationalsozia- listische Weltanschauung‘, ‚die nationalsozialistischen Führer‘ und die ‚NSDAP’“ (42). „Hilflos“ ist der Antifaschismus, wo er „im Gestus des Erschüttertseins“ erstarrt, eine „sinnleere[…] Automatik der Stereotype“ bedient und „Phrasen“, die „teils der gehobenen Leichenrede, teils bis zur Unkenntlichkeit verblasster meist manichäischer Mythologie, teils dem billigen Allgemeingut idiosynkra- tische Bestände“ entstammen, an die Stelle „kritischer Begriffe“ treten lässt; „Schlamm“ (Kotowski), „Nebel“ (Raiser), „Flutwelle“ (Rothfels), „Bazillus“ (Roegele), „Bazillus der Utopie“ (Dahrendorf) – die in den Vorlesungen sich arti- kulierende Faschismuskritik schöpft aus einem Inventar von Bildern: „Infektion und Krankheitsablauf, aber auch Verführung, Rausch und Triebekstase fun- gieren immer wieder als Motivkreise, aus denen die Reizwörter und Metaphern entnommen werden, die ein Doppeltes leisten sollen: Deskription historischer Abläufe und gleichzeitig Rezeptionsanweisung.“ (35–40) Die in den verschiede- nen Vorlesungen wiederkehrenden Motive der „Schlammflut“ und des „Irrsinns“ kritisiert Haug als „Zauber der Nichtidentität“, der ohne Wirkung bleibt, weil die „Abwehr dem Abgewehrten“ allzu nahe ist (38). Umgekehrt versperrt sich auch die „mimetisch verstehende Diktion“ manches Vortrags, die sich „einfühlt in die Entwicklung zum Faschismus hin“, der „begrifflichen Durchdringung des Gegenstands“; die impliziten „Wertungen und Erklärungsschematismen“ zeigen sich am Ende „dem Faschismus verwandt“, „den sie doch begreifen und kritisie- ren sollten“ (38–39). Haugs Methode ist es, wiederkehrende Topoi daraufhin zu untersuchen, wie in ihnen Sinn und Bedeutung der Rede organisiert werden. Als Maßstab der Kritik dient die Frage, ob die untersuchte Begrifflichkeit in einer auf verallgemeinerte Handlungsfähigkeit gerichteten Perspektive theoriefähig ist, also zur Bildung wirklicher Aufarbeitung vorausgehenden kritischen Wissens beiträgt. Im Vor- dergrund stehen hier allerdings noch die Mittel der Entlarvung, während im

1987 erscheinenden zweiten Teil der Studie die implizite Organisationsweise des

Materials wichtig wird. Anvisiert ist eine aktive Lektüre, die Bedeutungszwänge in ihrer ideologischen Funktion rekonstruiert. Dieses Vorgehen beschreibt Haug

1987 im Vorwort seiner um einen zweiten Teil erweiterten Studie nun als „Mate-

rialanalyse“, die, inspiriert von der Brecht’schen Materialästhetik und mit den Denkmitteln der Kritischen Theorie und Freud’schen Psychoanalyse ausgestattet, auf die „Umorganisierung“ der zuvor im – durch Metaphern und Phrasen befes-

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tigten – Bedeutungszwang gefangenen „Diskurselemente“ gerichtet ist (12). Das Verfahren, das sich in immer neuen Studien erweitert und bewährt, wird zu einer der Leitmethoden der in den folgenden Jahrzehnten im Argument-Umfeld entste- henden kollektiven Forschungsarbeiten.

3 Projekt „Philosophie im deutschen Faschismus“

Ein ganzes Forschungsprojekt, das an die Ergebnisse der aus dem Argument her- vorgegangenen Faschismusstudien und der zwischen 1977 und 1985 im Projekt Ideologie-Theorie (PIT) 11 entwickelten Konzepte anschließt‚12 entsteht im Win- tersemester 1984 an der Freien Universität. Nachdem im PIT die Auseinan- dersetzung mit Theorien und Methoden lange Zeit bestimmend blieb, macht die Argument-Gruppe 1980 mit ihrer Hinwendung zu konkretem historischem Material zunächst die Erfahrung eines „Materialschocks“, da die „Materialun- tersuchungen […] einer fast vollkommen anderen Logik“ gehorchten als das „Rezipieren und Kritisieren von Theorien“ (Haug 2007, 24). Die Studien betre- ten nun die „Ebene der konkreten ideologischen Prozesse“, auf der Begriffe und Methoden notwendig sind, die in der Theoriebildung bis dahin noch nicht ent- wickelt waren, weshalb die Untersuchungen „nicht frei von Widersprüchen und Brüchen“ bleiben: „Im Zweifelsfall haben wir dem Material, der Wirklichkeits- erfassung, den Vorzug gegeben.“ (26–27) An die hier gemachten Erfahrungen schließt nun das neue Projekt „Philosophie im deutschen Faschismus“ (PPF) an. Es nimmt die Frage auf, der die in den 1960er Jahren initiierten Vorlesungen über das Verhältnis von Wissenschaft und deutschem Faschismus noch hilflos

11 Das Projekt entwickelte im Anschluss an die Hegemonie-Theorie Antonio Gramscis und an den von Louis Althusser geprägten Begriff der ideologischen Staatsapparate eine Theorie des Ideologischen, die das Ideologische nicht mehr „primär als ‚falsches Bewusstsein’“ auffasst, sondern das Augenmerk „auf die Funktionsweisen der ideologischen Mächte, Apparate und Pra- xisformen“ legte (Rehmann 2008, 153–168; vgl. Koivisto und Pietilä 1993). „Die vom PIT durch- geführten Studien zu den ideologischen Mächten im deutschen Faschismus wurden von einem Nachfolgeprojekt am Philosophischen Seminar der FU-Berlin weitergeführt, aus dem mehrere Untersuchungen zur Philosophie im deutschen Faschismus hervorgingen.“ (Rehmann 2008, 168) Rehmann nennt: Laugstien 1990, Leaman 1993, Zapata Galindo 1995 und Orozco 1995. 12 Ein wichtiges Zeugnis dieser Studien sind die beiden 2007 von Klaus Weber in einem Buch neu herausgegebenen Argument-Sonderbände Faschismus und Ideologie (AS 60 und AS 62).

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gegenüberstanden, nun im Rückgriff aufs Material der zwischen 1933 und 1945 praktizierten Philosophie selbst. Aus dem erweiterten Umkreis dieser Forschungsgruppe13 gingen in der Reihe „Ideologische Mächte im deutschen Faschismus“ (IMF) acht Bände hervor, darun- ter neben den Arbeiten zur Philosophie auch eine Studie zu Kirchen im NS-Staat, die zugleich die im PIT entstandenen Studien abschließt (Rehmann 1986), sowie eine Arbeit zur Rolle der Romanistik (Jehle 1996). George Leaman, der sich der Forschungsgruppe anschloss und seine Studie, nach 16-monatigem Forschungs- aufenthalt in Berlin, in den USA beendete, hatte mit seiner Arbeit die in Dahlem archivierten Nazi-Akten erschlossen, die für das gesamte Projekt zu einem unver- zichtbaren Material werden sollten. Seine Studie macht „all die Philosophen kenntlich, die (wie Heidegger) eine politische Vergangenheit hatten, über die nach Kriegsende Stillschweigen bewahrt werden musste“ (Leaman 1993, 7). Der Blick richtet sich auf die politischen Reden, Vorlesungen und philosophischen Schriften, auf das Verhältnis zur NSDAP und – am Beispiel Heideggers – auf die Frage nach den Verbindungen zwischen Politik und Philosophie, die Leaman in einer kontextbezogenen Analyse rekonstruiert. Mit der Studie von Thomas Laugs- tien (1990) treten die Kontexte selbst stärker in den Vordergrund, indem er den Strukturwandel der philosophischen Öffentlichkeit, die institutionellen Kräfte- verschiebungen und die Konstitutionsversuche der philosophisch-staatlichen Funktion im deutschen Faschismus untersucht. Nachdem Haug (1986), in Anknüpfung an die in den Vor-Projekten gewonne- nen Erkenntnisse, zunächst eine umfassende Materialstudie zu praktisch-diskur- siven Resonanzverhältnissen zwischen den Bereichen von Medizin, Wirtschaft, Justiz, Sexualität und Ästhetik im NS vorlegte, erschienen erste Studienergeb- nisse der verschiedenen im PPF mit einer Serie von Forschungsseminaren ver- bundenen Arbeiten im dritten Band. Er gilt „repräsentativen Veröffentlichungen solcher Philosophen, die weder als Juden noch aus andern Gründen aus dem Amt gejagt worden waren“ (Haug 1989, 11).14 Die Ausgangsfrage, die das Studium der Texte aus dem Zusammenhang der philosophischen Gesellschaften, Kongresse, Vorträge und Zeitschriften jener Zeit anleitete, öffnet einen philosophietheoreti- schen Horizont: „Was taten die deutschen Philosophen 1933 als Philosophen, in

13 Zum Kern dieser Gruppe gehörten neben Haug v. a. Thomas Laugstien, Teresa Orozco, Rainer Alisch, Thomas Weber, Gerwin Klinger, Monika Leske und Thomas Friedrich. 14 Haug nennt neben den im Band selbst behandelten Autoren: Alfred Baeumler, Bruno Bauch, Julius Binder, Otto Friedrich Bollnow, Rudolf Bultmann, Carl August Emge, Hans Freyer, Hans Georg Gadamer, Hermann Glockner, Friedrich Gogarten, Hein Heimsoeth, Karl Jaspers, René König, Ernst Krieck, Felix Krueger, Karl Larenz, Hans Lipps, Hans Pichler, Heinrich Rickert, Wil- helm Sauer, Carl Schmitt, Helmut Schelsky, Viktor von Weizsäcker und Max Wundt.

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ihrem spezifischen Metier und Material, mit ihren eigentümlichen Denkmitteln?“ (5) Betont wird dabei die Maxime des materialanalytischen Verfahrens: „Wir gehen im folgenden vom wirklichen Material aus und untersuchen nicht ‚faschistische Philosophie‘, sondern Philosophie im Faschismus, um dann induktiv, durch Analyse und theoretische Verallgemeinerung, die weiterführenden Fragen nach- vollziehbar stellen und vielleicht sogar manchmal beantworten zu können.“ (10) Das Vorgehen spiegelt sich bereits in der Auswahl der im Band behandelten Phi- losophen wider. Nicht die notorischen NS-Ideologen, sondern Philosophen, die in der Bundesrepublik Rang und Namen behielten, werden untersucht: Eduard Spranger (Laugstien), Martin Heidegger (Alisch), Theodor Litt (Friedrich), Erich Rothacker (Weber), Nicolai Hartmann (Haug), Arnold Gehlen (Klinger), Joachim Ritter (Weber). Teresa Oroszco, die mit ihrer Dissertation (1995) dieser Reihe von Namen den Hans-Georg Gadamers hinzufügt, bringt den Kern des im PPF verfolg- ten Vorhabens auf den Punkt. Nicht „das Ungesagte eines Textes“, sondern die „Kontextgebundenheit des Gesagten“, das „für uns Heutige Stummgewordene“ (Oroszco 1995, 16) soll rekonstruiert werden: „In welchem Verhältnis stehen diese Texte zum historischen, politischen und akademischen Kontext des NS? Wo sind, im Medium des Philosophischen, die Abgrenzungen, die Aufnahmen, die Streitig- keiten, die Anschlüsse, die Mahnungen oder der Widerstand?“ (17) Die Fragen begründen eine anti-hermeneutische Stoßrichtung: Die Arbeit ist nicht gerichtet auf einen „hinter dem Text stehenden Sinn“, sondern auf die „Materialität der Texte“ selbst (16–17). Der Begriff des ‚Metiers‘, mit dem die Eigenlogik des phi- losophischen Mediums betont wird, schließt die institutionellen Diskurse ebenso ein wie die Praktiken, nach deren gesellschaftlichem Dispositiv gefragt ist.15 Um den „Bedürfnissen konkreter Materialanalysen“ gerecht werden zu können, sei zunächst verlangt, die traditionelle „wissenschaftliche Arbeitsteilung mit ihren vorgesehenen methodischen Alternativen“ zu überwinden (Haug 1989, 13). In die Studien geht zugleich die Erfahrung ein, die aus der Kritik am hilflosen Antifaschismus zu machen war: „dass das implizit Politische des materialanalyti-

15 Eine Reihe von Begriffen, die im Projekt Ideologietheorie entwickelt wurden, ist nicht zu- fällig verwandt mit denen des französischen Strukturalismus. Ihre Aneignung folgte dem Prin- zip, sie gemäß dem Praxiskriterium umzuarbeiten, um „eine mögliche Selbstbestimmtheit der Menschen“ im Sinne einer „perspektivischen Vergesellschaftungsform“ (Frigga Haug, 1988, 142), mit anderen Worten eine „Orientierung und Gliederung bezüglich der Richtung der politischen Praxis“ zu ermöglichen: „Selbstbestimmtheit-Fremdbestimmtheit, dies sind für uns zentrale Be- griffe.“ (Frigga Haug und Arbeitsgruppe, 1986, 22) Im Gegensatz zu Foucault sollen „Dispositive also nicht als quasi-natürliche, sondern als äußere Anordnung in den gesellschaftlichen Verhält- nissen“ begriffen werden, d. h. die Anordnung selbst „als transformierbar zu betrachten“ (Frigga Haug 1988, 142; zuerst bei Wolfgang Fritz Haug 1979, 180).

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schen Verfahrens aktueller geblieben ist als der explizit politische Text“, dessen Schwäche Haug 1987 an seiner Teilhabe „an der Naivität des ‚achtundsechziger‘ Aufbruchs und dessen heroischen Illusionen“ ausmacht (1993, 12). Die Rahmen- theorie der „Materialanalyse“, die nach 1968 im Arbeitszusammenhang des Argu- ment entwickelt wurde, macht diese mit der von Haug erstmals 1971 in seinen Vor- lesungen zur Einführung ins Marx’sche Kapital als „Sozioanalyse“ vorgestellten Arbeitsweise vergleichbar‚16 die sich im wenige Jahre später ins Leben gerufenen PIT mit der Erarbeitung einer Theorie des Ideologischen verband. In diesem Zuge erhält der Begriff des Materials seine Konturen. Das „Ideologische“ soll nicht „Wesensmerkmale des Materials“ beschreiben, „sondern dessen Organisation, die es in einen Wirkungszusammenhang einbaut“ (Haug 1979, 185). Dieser Wir- kungszusammenhang macht die Untersuchung der „Praxis- und Denkformen“ zwingend, „die die ideologischen Apparate ‚vorfinden‘ und als Material für ihre ideologische Umorganisierung benutzen“ (Bosch und Rehmann 1979, 111). Wie sich solche „Umorganisierung“ vollzieht, ist dann auch ein Hauptgegenstand der im PPF entstehenden Studien. An Gerwin Klingers Studie, die im erwähnten dritten Band erscheint, zeigt sich prototypisch der operative Sinn der Materialanalyse. Am Beispiel von Arnold Gehlens Theorie der Willensfreiheit (1933) untersucht Klinger, wie das „Material der klassischen Bildung“ auf eine Weise umgebildet wird, „die Zustimmung der großen Philosophen: Kant, Hegel, Fichte, Schelling, Schopenhauer und Nietz- sche“ organisiert (1989, 192). Das Material der Philosophen bleibt freilich auch im Faschismus das Material der philosophischen Tradition. Die Tradition selbst ist es, die umgearbeitet wird. Klinger rückt beispielgebend den von Gehlen auf- gegriffenen Topos der ‚Freiheit als Einsicht in die Notwendigkeit‘ ins Zentrum, um dessen Neu-Artikulation zu besichtigen. Die Materialanalyse versucht, die von Gehlen übergangenen „Widerständigkeiten im Material“ (192) der philoso- phischen Tradition aufzuspüren und die Sinnverschiebung ins Bild zu bringen, die durch die Umgruppierung der einzelnen Elemente entsteht. Am Ende zeigt sich, dass die „Einsicht in die Notwendigkeit“, die traditionell mit dem Topos der „konkreten Freiheit“ verbunden war, ins „Gegenteil verkehrt“ wird: „in die Notwendigkeit der freiwilligen Aufgabe der Freiheit“ (192–193). Das „Wortmaterial selbst bleibt fast unverändert“, aber die Analyse zeigt, dass sich die Bedeutung „autoritär verschoben“ hat (192) und „dem tradierten Gedankenmaterial neue Funktionen“ aufprägt (197).

16 „Dieser nach dem Vorbild des Ausdrucks ‚Psychoanalyse‘ gebildete programmatische Begriff […] steht für eine Methodik ökonomiekritisch, ideologietheoretisch und praxisphilosophisch fun- dierter Materialanalyse“ (Haug 2003, 14, Anm. 5).

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Ganz ähnlich verfährt Thomas Weber, wenn er in seiner Studie zu Erich Rotha- ckers kulturpolitischen Ideen dessen Standpunkt und Perspektive herausarbei- tet. Am Programmentwurf von Rothackers „Reichsvolksdienst 1933/34“ isoliert Weber schließlich einige „semiotische und ideologische Aspekte“, deren Analyse verdeutlicht, wie „das neue deutsche Subjekt gebildet“ wird (1989, 140–141). Mit Rothackers eigenen Worten führt Weber die Programmatik dessen vor, wozu „deut- sche Bildung“ dienen soll, als „umfassendste Kenntnis“, die als „Rohstoff für das Erlebnis deutschen Wesens“ dazu beizutragen hat, „sich an seiner Stelle und im einigen Geiste des deutschen Volkes in die wurzelhafte Kontinuität unseres natio- nalen Lebens einzugliedern“ (Rothacker, zit. nach Weber 1989, 141). Weber gliedert die einzelnen Elemente auf, „die (gegen die Wirklichkeit) als Einheiten reklamiert“ und so in eine ideologische Anordnung gebracht werden: „die Einheit Deutsch- lands und des deutschen Volkes, konstituiert durch das deutsche Wesen und seine geschichtliche Kontinuität“; Rothacker will Teilhabe organisieren, „indem Kennt- nis in Erleben transformiert wird“ und die „Einbildungskraft“, wie Weber zeigt, zur „Ein-Bildung ins soziale Gefüge“ macht (142). Webers Studie verdeutlicht die Art und Weise der Reklamation ehrwürdiger Kategorien wie jener der „Verantwor- tung“, die das ideologische Subjekt für die Einheit von „(Rasse)Körper-Geist-Staat“ mobilisieren soll (150). „Rothackers Entwurf einer Kulturpolitik sollte dazu bei- tragen, diesen Zusammenhang und sein Subjekt im Imaginären des Deutschen herzustellen. Hier kam seine Philosophie zur Wirkung, zur Wirklichkeit, so wie er die Wirklichkeit des Nazismus zur Philosophie kommen sah“ (150). Vor der geronnenen Orthodoxie – im Sinne einer ‚faschistischen Philoso- phie‘ – liegt die „Orthopraxie“17 der Philosophen im Faschismus, um deren Untersuchung es im PPF geht. In diesem Sinne wird auch Martha Zapata Galindo mit ihrer Studie zur Nietzsche-Rezeption nicht auf ein ‚offizielles‘ faschistisches Nietzsche-Bild zielen, sondern auf „Beschreibung und Analyse der gesamten Nietzsche-Rezeption im NS“ und der spezifischen Auslegungsformen des „Ideen- Materials“, das sie in seiner „Bedeutung im NS-Herrschaftskontext“ untersucht (1995, 13–14). „In der Hauptsache sollen diese Nietzsche-Interpretationen als Inter- ventionen in konkrete politische und gesellschaftliche Lagen und Verhältnisse sichtbar werden“, indem sie die „Artikulationskontexte, die Positionsverschie- bungen und Paradigmenwechsel“ rekonstruiert (14). Die im Horizont von Herr- schaftskritik entwickelte Fragestellung gehört zu den verbindenden Elementen der unterschiedlichen im PPF durchgeführten Materialstudien. Gezeigt werden soll, wie die Interpreten „auf die Faschisierung der deutschen Gesellschaft im

17 Den Begriff der Orthopraxie, die den Primat vor der Orthodoxie innehat, entlehnt Haug der Propaganda-Theorie des französischen Soziologen Jacques Ellul (1962).

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Material ihrer Diskurse reagierten“ und gegebenenfalls „zur Durchsetzung und Stabilisierung der faschistischen Herrschaft“ beitrugen (1995, 14). Die PPF-Studien setzen keinen ‚fertigen‘ Diskurs voraus, sondern untersu- chen, wie programmatisch schon im PIT formuliert, die „Schaffung von Bedeu- tungen durch Aktionen und von Obligationen durch Sprechakte“, in denen sich die „Form des wirkenden Sich-Einfügens“ im Faschismus allererst konstituiert – beobachtbar wird so die Konstitutionsweise selbst, die „diskursive ‚Anziehung‘ und ‚Aufsaugung‘ wirkender Elemente, ihre Herauslösung aus gegnerischen Diskursen und Einfügung in den eigenen Diskurs: Desartikulation und Reartiku- lation von Ideologemen“ (Haug 2007, 105 und 77). Es geht nun nicht mehr ums ‚Entlarven‘, es geht vielmehr darum, die Frage, wie sich die „Individuen zu Sub- jekten einer Herrschaftsordnung“ konstituieren und „welche Veränderungen und Funktionalisierungen […] die philosophischen Instanzen und Praktiken durch- machen“, mit der Absicht zu verbinden, die philosophischen Texte „als Resultate von Textarbeit zu lesen“ (Haug 1987, 13). Ein vorläufiges Resümee zieht Haug aus den PPF-Studien in seinem Begleitwort zu Orozcos Gadamer-Studie. In der Masse der untersuchten Texte drücke sich „die NS-Zeit mit jedem Satz“ aus, ohne dass diese je „ausdrücklich“ werde, „unausdrückliche Echoverhältnisse“ bestimmen das Bild, „wechselseitige Aufnahmen, Verstärkungen oder Zurückweisungen“ lassen sich rekonstruieren; das Bild zeigt eine „konjunkturelle Funktionalisie- rung philosophischer Traditionen“ (Haug 1990, 9), in der sich die traditionelle Grundbegrifflichkeit der Philosophie durch Neugliederung ins Autoritäre trans- formiert und so der Anrufung autoritärer Subjekte dient. Der im PPF verfolgte Ansatz vollzieht damit, wie Frieder Otto Wolf am Beispiel von Zapata Galindos Studie bemerkt, einen paradigmatischen Ebenenwechsel, mit dem sich nicht nur „bisher beschwiegene vorgelagerte Bereiche der eigentlichen philosophi- schen Konstruktionsarbeit“ überhaupt erst erschließen, sondern vor allem, statt ein „abstraktes Faschismus-Modell“ vorauszusetzen, der konkrete „Prozess der Faschisierung“ sowohl im Hinblick auf die „konkrete Gesellschaftsformation“ als auch auf die im „philosophischen Raum“ wirksamen „Bruchlinien und Kräftever- hältnisse“ ins Licht trete (Wolf 1995, 10).

4 Aktualität der Aufarbeitung

Auf die Frage, was eigentlich gegen ihn spreche, antwortete Adorno 1966 bekannt- lich: „Dass ich eine steigende Abneigung gegen Praxis verspüre, im Widerspruch zu meinen eigenen theoretischen Positionen.“ (2003, 737–738) Tatsächlich kommt seine 1959 formulierte Forderung nach wirklicher Aufarbeitung, die auf Verände-

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rung der die Möglichkeit von Faschismus einschließenden Verhältnisse gerichtet ist, ohne den Begriff der Praxis nicht aus. Dialektik geht schwanger mit Praxis, auch die negative. Ja, der „Gedanke, dass materielle Verhältnisse oder bloß Sei- endes in sich dialektisch sein können“, könnte „gar nicht gedacht werden“, wenn man nicht den „Begriff der Praxis – also mit anderen Worten: der handelnden Veränderung der Welt – hinzunimmt“, heißt es ein Jahr zuvor in seiner Vorlesung zur Einführung in die Dialektik (2010, 127). Für „das Klima des dialektischen Denkens“, resümiert Adorno damals, sei es „außerordentlich wichtig“, dass eine „ständige Wechselwirkung zwischen dem extrem theoretischen Gedanken und der Wendung zu Praxis besteht“ (55). Dieser Gedanke, den Adorno dadurch bannen wird, dass er Praxis grundsätz- lich unter den Verdacht der „Pseudoaktivität“ stellt‚18 wird für den 1984 von anderer Seite wiederum mit dem Vorwurf des Revisionismus gebrandmarkten ‚Argument- Marxismus‘ von zentraler Bedeutung.19 Dies dürfte dazu beigetragen haben, dass Haug 1968 nicht für Adorno, einen seiner „wichtigsten ‚Fernlehrer‘“ (2009, 152), sondern für Brecht Partei ergriff. Dessen Forderung, Sätze „nicht einseitig als Spie- gelungen, Ausdrücke, Reflexe“ zu behandeln, sondern dort zu fassen, „wo sie als ein Verhalten wirken“ (Brecht 1992, 525), und also die „Kritik des Faschismus“ in der Analyse des „Komplexes von Verhaltungsweisen“ zu fundieren (422), gehört zu den Kernanliegen der im PPF durchgeführten Materialstudien.20 Ihre Durchführ- barkeit aber erfordert eine Theorie des Ideologischen, die Texte in ihrer in gesell- schaftlichen Praxisformen konstituierten Funktion rekonstruieren lässt. Mit dem Komplex von Verhaltungsweisen rückt die Dynamik der Verhältnisse in den Blick:

18 „Die einzelmenschlichen Spontaneitäten, mittlerweile auch weithin die vermeintlich oppo- sitionellen, sind zur Pseudoaktivität, potenziell zum Schwachsinn verurteilt“, schreibt Adorno in seiner Negativen Dialektik (GS 6, 341). „Der praktische Sichtvermerk, den man aller Theorie abverlangt, wurde zum Zensurstempel.“ (146–147) Doch der gerechte Impuls, Theorie der Ver- pflichtung auf Kompatibilität mit Praxis zu entwinden, weil es das „Interesse von Praxis selber“ sein muss, „dass Theorie ihre Selbständigkeit wiedergewinnt“ (147), kann umgekehrt dazu ver- führen, die Praxis ins Ungedachte zurücksinken zu lassen. 19 Der Argument-Marxismus ist, streng genommen, erst auf der Welt, als seine Gegner, im Zuge der Debatten um die Krise des Marxismus, ihn auf diesen Namen tauften (vgl. Holz et al. 1984). Im Sinne einer Strömung existiert er nur in der Pluralität der im Argument-Umfeld ab Ende der 1960er Jahre geführten Debatten, in denen Marx und mit ihm Fragen wie die der Kapital-Lektüre, der Philosophie der Praxis oder der Theorie des Ideologischen diskutiert wurden (vgl. Haug

2009).

20 „Wenn Brecht sagen konnte, dank Kapital-Lektüre habe er seine eignen Stücke verstanden, […] so kann ich meine Erfahrung hinzufügen, dass mir bei Materialanalysen ein Licht über ma- terialistische Dialektik aufgegangen ist, wo es darum ging, eine immanente Ordnung aus dem Material herauszudestillieren“ (Haug 2009, 152).

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„Sie bewegen sich nicht planmäßig; keine homogene, übermächtig manipulie- rende Vernunft der Herrschenden steht dahinter“; ihre Untersuchung zeigt, dass die „Frage nach den Artikulationen, die etwas als etwas anderes artikulieren, es ausdrücken, indem sie es metaphorisch auf einen anderen Bereich beziehen“, eine elementare Frage ist, die von der Theorie verlangt, ihre Bewährungsprobe im his- torisch-konkreten Material anzutreten. Die mit der historischen Konkretisierung erforderlich gewordene Lektüre-Methode führt auf die Resonanzbeziehungen der unterschiedlichen institutionellen Diskurse und Praktiken: „das immer wieder Neu-Anfangen, das Sich-ans-Material-Verlieren, der Versuch, von jedem Bereich her immer wieder den Zusammenhang zu den anderen Bereichen herzustellen, statt eine fertige Totalität vorauszusetzen“, hält Haug dabei für die „mögliche Stärke“ des Prinzips der Materialanalyse (Haug 1986, 8–9). Auch wenn das Haupt- material der im PPF entstandenen Studien die philosophischen Texte selbst sind, geht die Frage der „genetischen Rekonstruktion“, die in allen diesen Studien im Zentrum steht, also nicht in der Philologie auf, so sehr sie auch die entscheidende Grundlage dieser Arbeiten darstellt. Mit Antonio Gramsci, von dessen Gefängnisheften Haug schreiben wird, das „eigentlich Lebensfähige“ an ihnen sei ihr „Charakter der Materialanalyse“ (1991, 11), lässt sich sagen, dass es nötig ist, durch „Zusammenstellungen praktischer Beobachtungen“ die eigentliche „Sphäre der Philologie“ zu erweitern (Gramsci 1994, 1423). Gefordert ist eine „lebendige Philologie“ (1424), die ihre Kriterien daraus zieht, was Gramsci die Philosophie der Praxis nennt. Eine Philologie, die sich ohne Vorurteil, aber nicht naiv ihrem Material zuwendet, armiert mit einem „kritischen Inventar aller Fragen, die vom Marxismus aufgeworfen worden sind“ (Gramsci 1992, 470), nicht als System, sondern im Sinne eines Leitfadens, einer „offene[n], ohne Garantien arbeitende[n] Dialektik“ (Haug 2013, 101). Gemessen an heutigen Forschungsprojekten dieses Umfangs, zeichnet sich das über mehr als ein Jahrzehnt nach diesen Maßgaben arbeitende PPF durch eine starke Kohärenz im Hinblick auf das in sämtlichen Materialstudien angewandte methodische Ver- fahren und die Bildung theoretischer Modelle aus. Die Studienergebnisse sind auf- grund der im Projekt etablierten Arbeitsweise, die ihre Theoriebildung durch ein hohes Maß an Materialgebundenheit festigt, auf lange Haltbarkeit eingerichtet. Adornos These, wonach „der Faschismus nachlebt“, weil die „objektiven gesellschaftlichen Voraussetzungen fortbestehen“, die ihn hervorbrachten (2015, 22), findet einen Widerhall im Urteil, das aus den im PPF durchgeführten Studien hervorgeht: „Der Faschismus ist alles andere als ein bloßer Einbruch von außen in die bürgerliche Gesellschaft und ihre Institutionen; es ist der Ernstfall ihrer Normalität.“ (Haug 1987, 18) Wenn Haug 1995, in einer Argument-Ausgabe zum Gedenken an den 8. Mai 1945, feststellen muss, dass vieles „von dem, was die For- schungsbeiträge in diesem Heft vorstellen“, noch immer oder „in manchen Fällen

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schon wieder weithin unbekannt“ sei, dann war dies beunruhigend angesichts des „Geschichtsbruch[s] 1989“, in dem faschistische Potenziale wieder aufzukei- men schienen (Haug 1995b, 173). Wie brüchig die demokratischen Institutionen sind, die den ‚Ernstfall‘ bisher nicht noch einmal eintreten ließen, davon mag, noch einmal mehr als zwanzig Jahre später, die mit der aktuellen Krise des Politi- schen zu konstatierende Erstarkung des europäischen Rechtspopulismus ein Bild geben. Es wäre daher zu wenig, wenn man sagt, der Moment solcher Krisen lasse dem Projekt, das wirklicher Aufarbeitung entscheidende Denkmittel an die Hand gibt, erneut Aktualität zukommen.

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