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ALTHEIM—STIEHL • CHRISTENTUM AM ROTEN MEER

ERSTER BAND
FRANZ ALTHEIM UND RUTH STIEHL

CHRISTENTUM AM ROTEN MEER


ERSTER BAND

MIT B E I T R Ä G E N VON

M A R I A - L U I S E v. G R A B E R G , M A R I A H Ö F N E R , A L B E R T J A M M E ,
MARTIN KRAUSE, R U D O L F MACUCH, PETER NAGEL,
OTTO R Ö S S L E R U N D W O L F G A N G W O D K E

wDE
G
WALTER DE GRUYTER • BERLIN • NEW Y O R K
1971
©
ISBN 3 11 003790 4
Copyright 1971 by Walter de Gruyter & Co., vormals G. J. Göschen'sche Verlagshandlung — J. Guttentag,
Verlagsbuchhandlung —- Georg Reimer — Karl J. Trübner — Veit & Comp.
Printrd in Germany. Alle Rechte des Nachdrucks, der photomechanischen Wiedergabe, der Herstellung
von Mikrofilmen — auch auszugsweise — vorbehalten.
Herstellung: Walter de Gruyter & Co., Berlin 30
RUDOLF MACUCH
IN VEREHRUNG ZUGEEIGNET
VORWORT

Dem vorliegenden ersten Band von mehreren ihm folgenden sind eine
Forschungsreise Ruth Stiehl's in den nördlichen Higäz 1968 sowie eine
solche der beiden Verfasser in den Sudan und nach Ägypten 1969—70
zugute gekommen. Neben vielem anderen gelang es Frau Stiehl, über
hundert lihyänische Inschriften in al-'Udaib zu entdecken. Sie waren dem
schier unbegrenzten Finderblick der beiden großen Pioniere, der R R . PP.
Jaussen und Savignac, entgangen. Aus der Gesamtzahl der Inschriften
wurden vierzig zur ersten Veröffentlichung ausgewählt. Ihre Bedeutung
liegt darin, daß sie sich ausnahmslos auf den gleichen, in bestimmten Ab-
ständen sich wiederholenden Vorgang beziehen. Die dabei gebrauchten
Bezeichnungen werden des öfteren in sprachlich verschiedener Form ge-
geben, die es gestatten, das jeweils Gemeinte eindeutig zu bestimmen.
Auslegungen lihyänischer Inschriften gleich denen, darin sich Werner Caskel
und Andere nach ihm gefallen haben, ist damit künftighin ein Riegel
vorgeschoben. In Hartum konnten die koptischen und altnubischen
Inschriften aus Faras, soweit sie im dortigen Nationalmuseum bereits
zugänglich sind, verglichen werden; es sei as-sayyid Hasan Täbit für
gewährte Erlaubnis auch an dieser Stelle gedankt. Die bisher vorgetra-
genen Lesungen und die daraus gezogenen Folgerungen geschichtlicher
Art mußten erheblich berichtigt, auch die Chronologie der Fresken in nicht
unwichtigen Punkten geändert werden. Daß unsere Kritik im wesentlichen
mit der in Martin Krause's Beitrag geübten übereinstimmt, war uns eine
um so größere Genugtuung, als beide Seiten unabhängig zum gleichen
Ergebnis gekommen waren. Unsere Absicht, im ägyptischen Delta und
im Fayyüm die topographischen Ergebnisse, die sich bei unserer Neube-
arbeitung des Schlußteils der Chronik Iohannes' von Nikiu ergeben hatten,
nachzuprüfen, wurde durch die Kriegslage weitgehend behindert. Durch
verstärkte Heranziehung der arabischen Geographen haben wir versucht,
das Fehlende zu ersetzen.
Für zahlreiche Beiträge haben wir auch diesmal zu danken. Albert
Jamme (The Catholic University, Washington) hat sich erstmals mit einer
durch Umfang und Ergebnis wertvollen Untersuchung beteiligt. Die kop-
VIII VORWORT

tischen Beiträge Martin Krause's und Peter Nagel's sprechen durch ihre
philologische Gediegenheit für sich. O. Rössler's bahnbrechenden Beitrag
bringen zu können, erfüllt uns mit tiefer Dankbarkeit. Und Rössler's Hin-
weis ist es zu verdanken, daß die Untersuchung Wolfgang Wodke's ge-
wonnen werden konnte.
Vorweg sei angekündigt, was erst in den kommenden Bänden erscheinen
wird. Auf unsere Bitten hin hat sich Martin Krause bereitgefunden, seine
Ausgabe des gesamten koptischen Gnostiker-Corpus von Nag' Hammädl
dem vorliegenden Werk zur Verfügung zu stellen. Für dieses Entgegen-
kommen, das eine ungewöhnliche Bereicherung unseres Vorhabens bedeutet,
fühlen sich die Verfasser besonders verbunden.
Auf den Aufsatz J. B. Segal's in: Iraq 31 (1969), 170—173, der sich mit
einer durch R. Stiehl in Taimä' (nördlicher Higaz) gefundenen alt-aramä-
ischen Inschrift (Araber 5/1 [1968], 74ff.) beschäftigt, werden wir in einem
der nächsten Bände antworten.
INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung XI

Erstes Buch: Neue Texte


Erstes Kapitel: Neue lihyänische Inschriften aus al-'Udaib I. Von Ruth
Stiehl. Mit einem Nachtrag Maria Höfners 3
Zweites Kapitel: Safaitic Inscriptions from the Country of 'Ar'ar and Ra's
al- "Anäniyah. B y Albert Jamme 41
Anhang: Les graffites sabéens de l'Arabie méridionale. Par Albert Jamme . 1 1 0
Drittes Kapitel: Ein bisher nicht erkannter Stephanustext PIS 55. Von
Wolfgang Wodke 122

Zweites Buch: Ägypten


Viertes Kapitel: Das Ägyptische als semitische Sprache. Von Otto Rössler . 263
Fünftes Kapitel: Die Einwirkung des Griechischen auf die Entstehung der
koptischen Literatursprache. Von Peter Nagel, DDR-Halle/Saale . . . . 327
Sechstes Kapitel : Die arabische Eroberung Ägyptens nach Iohannes von Nikiu 356

Drittes Buch: Geschichte des aksümischen Reiches


Siebentes Kapitel : Äußere Geschichte bis zur Regierung 'Ezänä's . . . . 393
Achtes Kapitel: Kâlëb und Abrëhâ. Ausgang 432
Neuntes Kapitel: Zu einem Buch E. Hammerschmidt's 461
Zehntes Kapitel: Chronologie der alt-äthiopischen kirchlichen Kunst. Zu-
sammen mit Maria-Luise v. Graberg 474

Viertes Buch: Nubien


Elftes Kapitel: Inschriften aus Faras 487
Zwölftes Kapitel : Neue Quellen und Probleme zur Kirchengeschichte Nubiens.
Von Martin Krause 509
Anhang: Die christliche Barbaria. Blemyer und Baga 532

Nachträge :
1. Gesprochenes Aramäisch und aramäische Schriftsprache. Von Rudolf
Macuch 537
2. Zu einer Besprechung G. Krotkoffs 558

Abbildungsteil 567

Register
1. Geschichtliches Register 641
2. Autorenregister 653
3. Philologisches Register 659
EINLEITUNG

i
Spätestens seit der zweiten Hälfte der vierziger Jahre war es beiden Ver-
fassern deutlich, daß die Wissenschaft von der Geschichte des Altertums
sich vor einer grundsätzlichen Entscheidung befand. Ihre herkömmliche
Verbundenheit mit der klassischen Philologie, der griechisch-römischen
Altertumswissenschaft überhaupt, begann eine Belastung zu werden.
Klassik war von jeher die grundlegende Vorstellung gewesen, auf der die
gesamte Altertumswissenschaft sich gründete. Solche Auffassung hatte
ihre große Zeit gehabt und hatte zuletzt noch im Dritten Humanismus eine
Wiederbelebung des Überkommenen versucht. Es erwies sich bald, daß die
Grundlegung von einst nicht mehr leistete, was man von ihr erwartet hatte.
Die Erforschung der Geschichte des Altertums, ohnedies als geschichtliche
Wissenschaft dem wesenhaft überzeitlichen Begriff der Klassik wenig
gemäß, stand vor der Frage, ob angesichts des Scheiterns des vorerst
letzten Humanismus es noch geraten war, in der engen Verbindung mit
der klassischen Altertumswissenschaft zu verharren.
Alles hing davon ab, ob es dieser gelingen würde, zu einer neuen und
tragfähigeren Selbstauffassung zu gelangen. Es zeigte sich rasch, daß der-
gleichen nicht zu erwarten war. Eine Erneuerung des Vergangenen kam nach
dem auch geistigen Umsturz, den der zweite Weltkrieg gebracht hatte,
nicht in Frage. Mehr noch: es ließ sich nicht übersehen, daß die klassische
Philologie selbst in eine Krise geraten war. Nicht nur, daß der Begriff des
Klassischen als bloßer und dazu unbegründeter Anspruch sich erwiesen
hatte: der Vorrat an Fragestellungen, neu zu erschließenden Quellen,
wissenschaftlichen Aufgaben und Möglichkeiten war einfach aufgezehrt.
Man war darauf angewiesen, sich mit Verfeinerungen oft nur geringsten
Ausmaßes, überhaupt mit der Perfektionierung und Adaptierung von längst
Bekanntem, längst Erforschtem zu bescheiden. Als Beispiel möge genügen,
daß man uns unlängst eine nochmalige, fünfbändige Ausgabe dessen, was
von der attischen Komödie erhalten ist, angekündigt — oder soll man
sagen: angedroh' ? — hat.
Was kommen mußte, ist denn auch eingetreten. War die klassische Alter-
tumswissenschaft nicht in der Lage gewesen, ihren Anspruch glaubhaft
XII EINLEITUNG

zu begründen, so konnte einer nach neuen Bildungszielen ausschauenden


Gesellschaft nicht zugemutet werden, angesichts ihrer drängenden Fragen
und Aufgaben ihrerseits das Versäumte nachzuholen. Sie ging über Velleji-
täten, die eine Bestandsaufnahme des Vorhandenen allenfalls hätte zeitigen
können, zur Tagesordnung über. Der Schwund der humanistischen Gymna-
sien, das Ausbleiben des studentischen Nachwuchses und eine drastische
Verringerung der Lehrstühle waren Folgen, die sich nicht vermeiden ließen.
Schon aus Gründen der Selbsterhaltung mußte der Althistoriker daran
denken, eine neue Grundlegung zu suchen.
Was sich ihm anbot, war die Besinnung darauf, was sein Eigentliches
bildete und bisher durch die Zuordnung zur klassischen Altertumswissen-
schaft verdeckt worden war. Man hatte sich ins Gedächtnis zu rufen, daß
man eine wesenhaft geschichtliche Wissenschaft war, um sich im Raum
des Gegebenen am zukommenden Ort anzusiedeln. Wie sehr diese Erkennt-
nis um sich zu greifen beginnt, zeigt sich daran, daß bei der gegenwärtig sich
vollziehenden Neuordnung der Fakultäten in Fachbereiche die Vertreter
der Alten Geschichte durchgängig die Zuordnung zum Fachbereich Ge-
schichte und nicht zur klassischen Altertumswissenschaft gewählt haben.
Darüber mußte man sich freilich klar sein, daß solche Zuordnung vor-
aussetzte, daß die bisherige Beschränkung auf die griechisch-römische
Geschichte aufgegeben wurde. Es ist ein Unding, daß uns weiterhin Bio-
graphien Pompeius' oder Cicero's angeboten werden, gleich als gelte es,
den hundertfach abgenagten Knochen noch ein weiteres Mal zu benagen1.
Niemand befürwortet, daß das bisherige Forschungsgebiet ausgeschaltet
oder auch nur vernachlässigt werde. Aber die Aufgaben, die der Bewältigung
harren, sind vorerst an anderem Ort zu suchen.
Man pflegt sich darauf zu berufen, daß Wissenschaft heute allenthalben
ins Zeitalter der Spezialisierung eingetreten sei. Diese Feststellung, um so
nachdrücklicher verkündet, als sie dazu verhalf, die eignen Unvollkommen-
heiten vor sich und anderen zu rechtfertigen, vergaß, daß Spezialisierung
notwendig Selbstentfremdung und damit von selbst den Tod einer davon
befallenen Forschung bedeutet. Für die geschichtliche gilt dies in gleichem
Maß wie für jede andere: man weiß um jene bändereichen Weltgeschichten
heutigen Schlages, darin eine Reihe von Spezialgeschichten nicht etwa
durch eine einheitliche Konzeption, sondern allein — wie man gesagt hat —

1 Dazu H. Drexler, „Eine Cicero-Biographie" in: Maia N. S. 22 (1970), 63—81.


EINLEITUNG XIII

durch die Tätigkeit des Buchbinders vereinigt sind. Und doch ist heute
Geschichte, wenn anders sie die jeweilige Gegenwart in der Vergangenheit
spiegelt, dazu aufgerufen, nicht unter beschränktem — will sagen: natio-
nalem, „abendländischem", europäischem oder christlichem Blickwinkel
ihre Aufgaben zu stellen und zu lösen, sondern unter dem weltgeschicht-
lichen, der allein der gegenwärtigen Lage gemäß ist.
Dies besagt, daß nicht der zufällige Ausschnitt, der durch die subjektive
Vorbildung des jeweiligen Historikers bedingt ist, den Ausgangspunkt zu
bilden hat, sondern der objektive Befund: der weltgeschichtliche Zusammen-
hang, den es zu klären gilt. Nicht die Tatsache, daß man lediglich über die
Kenntnis der Schulsprachen verfügt, darf den Maßstab bilden. Vielmehr
gilt es die sozusagen notorische Trägheit, mit der man sich der Erlernung
weiterer Sprachen und damit der Erschließung eines umfassenden geschicht-
lichen Raumes entzieht, zu überwinden. Allein dann wird es gelingen, von
der mit mancherlei Scheingründen verteidigten Beschränkung auf die
griechisch-römische Geschichte loszukommen und zu einer Weltgeschichte
des Altertums fortzuschreiten.
Es mag durchaus zutreffen, daß ein einzelner nicht imstande ist, die
Vielfalt aller benötigten Sprachen sich anzueignen. Hier bietet sich die oft
berufene, aber selten verwirklichte Zusammenarbeit als Möglichkeit an.
Freilich nicht in der meist beliebten Häufung von Spezialisten, deren jeder
unbekümmert um seinen Nachbarn vor sich hinarbeitet. Wohl aber in der
Weise, daß solche Forscher, die von vornherein über einen annähernd
gleichen Kreis von Sprachen verfügen, sich gegenseitig durch arbeitsteilige
Erlernung weiterer unterstützen, kontrollieren und anregen. Die Verfasser
glauben sagen zu können, daß sich eine derartige Forschungsgemeinschaft
durchaus verwirklichen läßt.
Jeder, der sich der studentischen Jugend verbunden fühlt, weiß, mit
welcher Leidenschaft die Forderung erhoben wird, man müsse über die
bloße Kenntnis der Geschehnisse zur Erfassung eines Allgemeinen vor-
dringen. Jacob Burckhardt sprach vom „sich Wiederholenden, Konstanten,
Typischen als einem in uns Anklingenden und Verständlichen." Wieder
gehen die entscheidenden Anregungen von der jeweiligen Gegenwart aus.
Uberhaupt bildet Geschichte die notwendige Ergänzung dessen, was man
in Ermangelung einer besseren Prägung mit dem Namen der Futurologie
belegt. Mehr noch: die Wissenschaften von der Vergangenheit und von der
Zukunft bedingen einander in solchem Maße, daß die eine ohne die andere
XIV EINLEITUNG

Bruchstück bleiben müßte. Genug: auch hier sollte von dem bisher beliebten
Verfahren abgesehen werden, das sich darauf beschränkte, Steine statt
Brot zu reichen. Die Geschichte des Altertums besitzt gegenüber der neueren
Zeit den unschätzbaren Vorteil, daß sie über abgeschlossene und dadurch
übersehbare Abläufe verfügt. Wenn irgendwo, so können hier die zuvor
angeführten Forderungen verwirklicht werden. Darüber hinaus bedarf es
keinen Beweises, daß solche Verwirklichung in dem Maße sich vollziehen
läßt, als man sich dazu entschließt, die bisher geübte Beschränkung auf
ein Teilgebiet des Altertums aufzugeben und sich einer Gesamtschau zu-
zuwenden.
Die Verfasser haben seit zwei Jahrzehnten durchzuführen versucht, was
zuvor angedeutet worden ist. Sie haben sich bemüht, was bisher unter der
eher abschätzigen Rubrik der Randvölker geführt wurde, zum vollberech-
tigten Gegenstand der geschichtlichen Betrachtung werden zu lassen. Durch
unablässige Beschäftigung mit den einschlägigen Sprachen •—• und ineins
damit durch ebenso unablässige Reisen nach den geschichtlichen Schau-
plätzen: von Mittelasien im Osten bis Marokko im Westen — ist es ihnen
gelungen, wenig und oft gar nicht bekannte Geschichtsquellen der Verwer-
tung zu erschließen. Das Ergebnis bilden zwei Bücher über die Sasaniden,
vornehmlich die späteren (Ein asiatischer Staat i, 1954; Finanzgeschichte
der Spätantike 1957), zwei weitere Werke über die Geschichte der Hunnen
1—5, 1959—1962; zweite Auflage 1969L) und diejenige Mittelasiens (1970),
endlich die umfassende Betrachtung über die Araber in der Alten Welt
(1—5, 2; 1964—1969). Daran schließt sich als letztes das Unternehmen,
dessen erster Band hiermit vorgelegt wird.

2
Das Rote Meer trennt nicht so sehr das östliche Afrika von der arabischen
Halbinsel als daß es beide Räume verbindet. Demzufolge erwies sich als
unerläßlich, das Christentum in Arabien einzubeziehen, sollten die Vorgänge
auf der anderen Seite nach ihren geschichtlichen Zusammenhängen begrif-
fen werden. Doch darf nicht verschwiegen werden, daß die afrikanischen
Ereignisse von vornherein im Mittelpunkt standen.
Geschichte und Kultur des einheimischen Afrika können seit einigen
Jahren mit erhöhter Anteilnahme seitens der Forschung, aber auch seitens
der Leser rechnen. Man geht schwerlich zu weit, wenn man sagt, daß, soweit
von Mode im Rahmen der Wissenschaft gesprochen werden darf, in diesem
EINLEITUNG XV

Fall der Ausdruck angebracht ist. Die Verfasser dieses Werkes sind sich
darüber im klaren, und sie sind auch bereit, sich von dieser Einstellung
tragen zu lassen. Dies besagt jedoch nicht, daß sie ihr vorbehaltlos zustim-
men. Wer die Veröffentlichungen, soweit deren Fülle es gestattet, verfolgt,
wird dessen rasch inne werden, daß die Erforschung der älteren afrikanischen
Geschichte an einem empfindlichen Mangel leidet. Der Fundplätze und Rui-
nen gibt es genug, und man bemüht sich auch, an methodischer Grabung
zu leisten, was möglich ist. Doch das eindrucksvollste Bauwerk bleibt für
die Geschichtsschreibung unergiebig, wenn es nicht gelingt, einen einiger-
maßen handfesten — und das besagt: absoluten Zeitansatz zu ermitteln.
Vermutungen, von welcher Seite sie auch geäußert werden, bilden keinen
Ersatz. Auch Stratigraphie ermittelt lediglich eine relative Chronologie,
solange ihr literarische oder inschriftliche Angaben nicht zur Seite gehen.
Und die C14-Methode als solche liefert bestenfalls ein zeitliches Ungefähr,
nicht den unerläßlichen geschichtlichen Zusammenhang.
Diese Feststellung besagt, daß der philologische Beweis Grundlage und
Ausgangspunkt jeder geschichtlichen Forschung bildet. Sie besagt weiter-
hin, daß der Kenntnis der einschlägigen Sprachen, die für solchen
Beweis die unabdingbare Voraussetzung bildet, nicht entraten werden kann.
Ohne Griechisch und Arabisch, ohne Syrisch und Äthiopisch, ohne Koptisch
und Alt-Nubisch ist jeder Versuch, die Geschichte der Reiche und Kirchen
beiderseits des Roten Meeres zu schreiben, aussichtslos. Überdies sucht
eben das vorliegende Werk zu zeigen, in welchem Ausmaß die hamitischen
Sprachen herangezogen werden müssen.
Genug: ohne Chronologie und Philologie dreht sich die Forschung auf
der Stelle. Die Verfasser möchten hier den Namen Basil Davidson's nennen,
dem sie für jeder Art Anregung dankbar sind. Aber sie gestehen, daß es die
Ausführungen des geistvollen Schriftstellers waren, die sie überzeugt haben,
daß es so nicht weitergehen dürfe. Es muß endlich — und sei es im be-
schränkten Bereiche Ostafrikas — die Grundlage gelegt werden, die vorerst
dort allein sich legen läßt. Sie hoffen und wünschen, daß damit der Ausgangs-
punkt für weitere Bemühungen gegeben sein wird.
Noch eine letzte Bemerkung. Daß nun gerade das Christentum und was
an Einheimischen dadurch geprägt ist, gewählt wurde, ergibt sich folge-
richtig aus dem zuvor Gesagten. In dem hier gewählten Zeitraum bieten
sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nur dort philologisch erfaßbare
Quellen, wo im Gefolge der christlichen Mission Literaturen erwachsen sind.
1. KAPITEL

NEUE LIHYÄNISCHE INSCHRIFTEN AUS AL—"UDAIB

Dem Amir von al-'Udaib as-sayyid Dubsi


b. as-Sultän b. al-Fakir gewidmet.

Am Schluß unseres Werkes „Die Araber in der Alten Welt" (5, 2, 542—
43) haben wir auf den Fund einer großen Zahl lihyänischer Inschriften in
einer Felsenschlucht in al-'Udaib im nördlichen Higäz 1 hingewiesen und
deren Veröffentlichung angekündigt. Diese wird nunmehr in Fortsetzungen
erfolgen. Zunächst sollen vierzig Texte vorgelegt werden.
Die Fundumstände seien in aller Kürze wiederholt: Im April 1966 über-
gab der Mudir des Department of Antiquities des Ministry of Education
in ar-Riyäd: as-sayyid Muhammad Ä1 Ibrahim dem einen der beiden Au-
toren vier Photographien mit lihyänischen Inschriften. Von dem darauf
Erkennbaren wurde eine Veröffentlichung versucht (Die Araber in der
Alten Welt 5 , 1 , 23—32: neun Texte). Unvollständige Texte am Rand der
Aufnahmen verwiesen darauf, daß weitere Texte am gleichen Stein zu finden
sein würden.
Im August 1968 reiste R. Stiehl erneut nach Sa'üdi-Arabien um — als
wichtigstes Anliegen — die bereits behandelten Inschriften am Stein zu
kollationieren und die weiteren darauf zu erkunden.
Dem Plan stellten sich anfänglich Hindernisse entgegen, die durch per-
sönlichen Entscheid des Minister of Education: Seiner Exzellenz Hasan Ä1
as-Saih, behoben wurden. R. Stiehl wurde die Erlaubnis erteilt, auf eigene
Kosten eine epigraphische Forschungsreise in den nördlichen Higäz zu
unternehmen. Das Department stellte dankenswerterweise einige Aus-
rüstungsstücke zur Verfügung. Bei der Beschaffung des Landrovers und
des Fahrers leistete der Director General des Chemical Laboratory for
Mineral Resources (Ministry of Petrol) in Gidda: as-sayyid Ma'tük Bähigri

1 Auf dem Kartenausschnitt (Abb. 1) findet man nördlich von al-'Ulä, westlich

der Higäz-Bahn, eine Örtlichkeit Bi'r 'Udaib eingetragen. In deren Nähe ist ein Ort
mit eigenem Amirat namens al-'Udaib entstanden, zu dem eine Siedlung und ein größe-
rer umliegender Landbereich gehören.

l'
4 NEUE TEXTE

wertvollste Hilfe, für die wir ihm auf das wärmste danken möchten. F ü r
den in ar-Riyäd anwesenden A . Jamme erwirkte R . Stiehl die Erlaubnis
zur Mitreise: er schloß sich als Gast R . Stiehl's dem Unternehmen an, das
v o m 18. 8. bis 15. 9. 1968 durchgeführt wurde.
In al-'Ulä und dem benachbarten al-'Udaib war über das Vorhandensein
der Inschriften nichts bekannt. Nach siebentägigem vergeblichem Suchen
im Gelände gelang es mit Hilfe des A m i r von al-'Udaib: as-sayyid D u b s i
b. as-Sultän b. al-Fakir, dem auch an dieser Stelle gedankt sei, einen orts-
kundigen Beduinenjungen zu ermitteln, der zu dem Inschriften-Block den
W e g wies. Die Erwartung, daß die Lesungen wesentlich verbessert würden,
trog nicht; auf dem Felsenblock wurden weitere Inschriften aufgenommen.
Die große Überraschung aber bildete die Umgebung des Blockes. E r
Hegt am Eingang einer Schlucht, die an den übrigen drei Seiten von steilen
Felswänden, einem Teil des Gebirgsmassivs al-'Akma, gebildet wird. A n
den Wänden beiderseits des Eingangs sind lihyänische Inschriften in großer
Zahl angebracht (schätzungsweise weit über hundert). Sie wurden, sofern
sie nicht ganz unzugänglich waren, aufgenommen und abgezeichnet. Zwei
weitere einzelne Blöcke mit Inschriften, auch einer nabatäischen, liegen
innerhalb der Schlucht.
Die drei einzelnen Felsblöcke werden im folgenden mit A , B und C be-
zeichnet, die Inschriften darauf erhalten fortlaufende Nummern, die mit
den betreffender Buchstaben verbunden werden (Inschriften A i ; A2;
B 1 ; B 2 usw). A meint den Felsblock am Eingang der Schlucht, dem die
Suche gegolten hatte (Abb. 6), B einen hinter A , gleichfalls in der Tiefe der
Schlucht liegenden Block, C einen erhöht auf einer Terrasse der rechten
(westlichen) Schluchtwand befindlichen Block. Die Inschriften an den
beiden Felswänden der Schlucht werden mit D und fortlaufender Nummer
gekennzeichnet.

Nr. A 1 (Abb. 10):


1. nmr bn krmlh 'zl-
2. I hzll bkhl Idgbt
3. b'd nhlh bbn'l wt-
4. ymrn frdh ws'dh
5. frdh

1. „nmr b. krmlh trug Sorge für


2. das Schattendach nach Vermögen für dgbt
I. N E U E LI HYÄNISCHE INSCHRIFTEN AUS AL-'UDAIB I. 5

3. um seiner Palmen willen in bn'l und tymm.


4. Er (dgbt) möge ihn zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen an ihm
haben) und ihn glücklich machen (oder: ihn unterstützen).
5. Er möge ihn zufriedenstellen (wiederholt)".
Zu 1. nmr: G. Ryckmans, Les noms propres sud-sémitiques i (1934) (im
folgenden zitiert als: Ryckmans), 140r. ; W. Caskel, Lihyan und Lihyanisch,
Arbeitsgem. f. Forschung d. Landes Nordrhein-Westf., Geisteswiss. Abh. 4
(1953) (im folgenden zitiert als: Caskel, Lihyan) 150I.; A. Jamme, Minaean
Inscriptions publ. as Lihyanite (1968) 160I.
krmlh: G. L. Harding, Index a. Concordance of Preislam. Arab. Names
(1971) 480.
Zu i — 2 . 'zll hzll: das zweite Zeichen beider Wörter gibt einen Laut
wieder, der etymologisch dem kl. ar. und altsüdarab. Laut z entspricht.
Das Schriftzeichen ist den altsüdarab. Schriftzeichen für z ähnlich (M. Höf-
ner, Altsüdarab. Grammatik [1943] 5). So auch die Ansetzung des Zeichens
bei Caskel, Lihyan 34 (Schriftentafel); 1551.: zrb PN. (seine Lesung von
Jaussen-Savignac Nr. 95 S. 459)2. F. V. Winnet (brieflich unter dem 23.2.70
zu einer Aufnahme von Inschrift Nr. A 3, die wir ihm als ein Muster der
neugefundenen Texte zugesandt hatten) äußert eine andere Ansicht: ,,You
may be correct in regarding the sign as having the value z in this in-
scription. Personally I doubt it, since in inscriptions like JS 79, 2 it is
clearly t. Would it not be better to explain 'til htll as an Aramaism = Ar.
'zll hzll ? You have doubtless noticed Jean and Hoftijzer's discussion of til
in their dictionnaire. Whether the reading with t or z be correct, it seems
highly likely that the verb means 'to cover' and the following noun means
'a covered structure' of some kind, possibly a 'hall'". Vgl. M. Höfner's Nach-
trag S. 36f.
Das Nomen zll könnte kl. ar. zalälun Sg. m. „res umbram faciens" ent-
sprechen, gleichbedeutend mit zullatun „a thing that covers, or protects,
or shades one overhead as a building, or a mountain or anything
2 Jaussen-Savignac, Mission Archéologique en Arabie 2 (1914) [im folgenden zitiert

als Jaussen-Savignac] hatten das Zeichen hier wie anderswo als d gedeutet; gerade
auch unser Stamm zll in Gestalt des PN.m. Zll als Dil gedeutet: 382 S. 532; Atlas pl.
C X X X I X unten. Zur lihyänischen Schrift mit anderen Verbesserungen früherer Zeichen-
deutung H. Grimme in : Le Muséon 50 (1937) 269f. ; F. V. Winnet, A Study of the Lihya-
nite and Xhamudic Inscriptions, University of Toronto Studies, Orient. Series No. 3
( I 937). 9f- (i m folgenden zitiert als: Winnet, Study of the Lihyanite and Thamudic In-
scriptions).
6 NEUE TEXTE

that forms a covering over one" (Lane). Vgl. auch zilälun „nubes, aut
simile quid, operiens et obumbrans; magnum tentorium". Kl. ar. zulalun,
Plur. zu zullatun f., scheidet aus, da verschiedentlich das vorliegende Nomen
hzll mit dem Pron. dem. Sg. m. dh (Caskel, Lihyan 64, Nr. 23 Z. 3 u. a.) ver-
sehen ist: 'zll hzll dh (unten Nr. A 16 Z. 3; A 17 Z. 3; A 24 Z. 2). Bei der
Gleichartigkeit der Aussagen unserer Texte ist der Schluß erlaubt, auch in
den Wendungen ohne dh : hzll als Sg. zu verstehen. Einmal erscheint hzlt
(unten Nr. A 28 Z. 3).
Ein Appellativum altsüdarab. zll Plur. zu zlt erscheint in der Inschrift
Jamme 846 Z. 2 (A. Jamme, Sabaean Inscriptions from Mahram Bilqis
(Märib) [1962] S. 25or. f.; 438r. A. Jamme verweist für die Bedeutung
auf C. Conti Rossini, Chrestomathia Arabica Meridionalis Epigraphica
(1931) iöor., wo das Wort als „tectum, pavimentum lapidibus Stratum,
locus complanatus" gedeutet ist. Das Wort erscheint auch CIS. 4, 2 Nr. 371
Z. 4 (dazu 4, 3 p. 354I.): „locus opertus, habitatio". Gleichen Stammes
und gleicher Bedeutung ist mzllt CIS. 4, 3 Nr. 648 Z. 3 „locus opertus",
in: mzllt bythmw. Im Akkadischen erscheint ein entsprechendes Nomen:
sulülu ,,roof, shed, canopy".
Das im Lihyänischen erscheinende Verbum ist IV. Stamm von ]fül-
Im Kl. Ar. ist J/zll II und IV „obumbravit, umbrellam obtendit, in umbram
detulit". Im Altsüdarabischen ist J¡zll I und IV „texit, tecto texit" (CIS.
4, 3 Nr. 648 Z. 4: wbythmw f'dbw whzl „et quoad domum ipsorum
, firmaverunt (eam) et texerunt..."), desgleichen akk. sullulu (D-Stamm
von Ysli) „to provide shade, to roof a building, to put on top".
Die vorliegende Verbindung ]fzü IV hzll bereitet Schwierigkeiten. Man
erwägt, eine Konstruktion mit effiziertem konkretem Objekt (hzll) nach
paronomastischem Verbum (zll IV) anzunehmen, vgl. H. Reckendorf, Über
Paronomasie in den semitischen Sprachen (1909) n 6 f . Es wäre dann frei-
lich keine Entsprechung zum Gebrauch des Verbums in den übrigen semi-
tischen Sprachen gegeben (vgl. oben), da dort als Objekt dasjenige erscheint,
das beschattet oder bedacht wird, während im Lihyänischen als Objekt
die schattenspendende Anlage angegeben wäre. Dazu kommt eine zweite
Schwierigkeit. Im Vergleich mit den Fällen der genannten Konstruktion
(paronomastisches Verbum und effiziertes konkretes Objekt) in anderen
semitischen Sprachen ist der hier vorliegende IV. Stamm ungewöhnlich.
Nach dem Muster von kl. ar. sawwara süratan, dawwana diwänan würde
man den II. Stamm erwarten. Möglicherweise spielt eine Rolle, daß es sich
I. NEUE LIHYÄNISCHE INSCHRIFTEN AUS AL-'UDAIB I. 7

bei ]fzÏÏ um ein Verbum mediae geminatae handelt, will sagen: durch Wahl
des IV. statt des II. Stammes vermied man einen in der Aussprache drei-
fachen Konsonanten l.
Das Schattendach für den Gott zeigt, daß man in der Schlucht zu kulti-
schen Handlungen zusammenkam. Die Notwendigkeit einer solchen schat-
tenspendenden Anlage bedarf keiner Begründung. Sie gehört zum Kultplatz
wie die schattenspendenden Vorrichtungen in der heutigen Ka'ba (Abb. 8)
oder die Sonnenschirme der Gläubigen auf dem heiligen Berg 'Arafat (Abb. 9).
Erwägen sollte man auch, daß das Dach eines Tempels oder Tempelraumes
gemeint ist, das wiederholt der Erneuerung bedurfte. Wenn 'rb'w A 12, 3—4
richtig gedeutet ist, hätte man den Hinweis auf einen Tempelbau an diesem
Platz. Auch die Weihung einer Gottesstatue (B 1,4) verweist auf ein Tempel-
gebäude. Vielleicht birgt die Sanddüne am Eingang zur Schlucht die Reste
dieses Tempels (Abb. 2) ! Auf der westlichen Felswand der Schlucht finden
sich Zeichnungen, die sich möglicherweise auf die Schattendach-Anlage
beziehen (Abb. 7). Fünf rechteckige Gebilde stehen nebeneinander. Es
könnte sich um Flechtwerk im Prozeß der Fertigung oder Reparatur han-
deln : Über, unter und seitlich neben den Rechtecken erkennt man mensch-
liche Gestalten : damit dürften die Verfertiger gemeint sein. Das Flechtwerk
ist bei den fünf Gebilden nur teilweise vollendet. Dabei ist das Maß der
Vollendung verschieden und nimmt von links nach rechts, von einem Flecht-
werk zum anderen hin zu. Möglich ist, an verschiedene Teile der Anlage in
verschiedenem Stadium der Fertigung zu denken. Näher aber liegt (Hinweis
meines Schülers A. Herink) die Deutung als kontinuierende Darstellung;
das heißt, die eine schattenspendende Vorrichtung (hzll) ist kontinuierend
im Fertigungsprozeß vorgeführt. Im südarabischen Kult hat in der Opfer-
Darbringung das Erstellen von Baulichkeiten oder Ähnlichem (das Neu-
erstellen ebenso wie das Restaurieren, Reparieren) einen festen Platz:
A. Jamme in : Histoire des religions 4 (publ. M. Brillant und R. Aigrain
[ohne Jahr] 297!). Über das Reparieren: „Les réparations effectuées à des
monuments figurent également parmi les offrandes ; telles sont les améliora-
tions des appartements inférieurs, toute la restauration et les réparations
d'un mur d'enceinte, toute l'amélioration et l'étayage d'un couloir, etc.".
Die Vielzahl der Inschriften in unserer Schlucht, die vom JUli IV hzll
sprechen und diese Tätigkeit so vielen verschiedenen Personen zuweisen,
erweckt die Vorstellung eines vieljährigen Prozesses des Erstellens, Repa-
rierens und Wiedererstehens. Vgl. M. Höfner's Nachtrag S. 36 f.
8 NEUE TEXTE

Z u 2. bkhl: kl. ar. kahl ist „canescere incipiens; plures quam triginta
annos n a t u s " u. ä., kl. ar. ]/khl I I I ist „provectiore aetate f u i t " , V I I I ist
„ e a m aetatem nactus est qua kahl a p p e l l a t a h o m o " , kähil „bedeutender
Mann, H e l d " (Hinweis W.W.Müllers). Altsüdarab. ]fkhi „be a b l e " (A. Jam-
me, a. 0 . 438L), khlt „ m i g h t " (Jamme 559 Z. 12; 561 Z. 12); äth. Ykhl
„posse, valere, ferre, sustinere, praevalere, superare, potestatem habere",
äth. kahäll „potens, validus". D a z u paßt hkhl tam. Gottesname E. Littmann,
T h a m ü d und Safä (1940) 81 Nr. 134. Hieraus ließe sich die Bedeutung von
vorliegendem bkhl erschließen: etwa „ n a c h Vermögen". Vgl. M. Höfner's
Nachtrag S. 37.
Daneben erwägt man eine Deutung von khl als ON. (so auch O. Rössler
brieflich), vgl. den ON. khlm R y c k m a n s 344I. ; R É S Nr. 3943 Z. 6. Der Kultplatz
hätte khl geheißen oder zu einer Örtlichkeit gleichen Namens gehört. Sehr
wahrscheinlich jedoch ist es nicht, daß man die Örtlichkeit, an deren Platz
man sich befand, namentlich nannte. Vgl. M. Höfner's Nachtrag S. 37.
dgbt: Der Gottesname ist bisher nur aus dem lihyänischen Bereich be-
kannt. Seine hervorragende Stellung im dortigen Götterkreis wurde bereits
durch die bisherige Bezeugung nahegelegt (darin übereinstimmend Caskel,
L i h y a n 4 4 , P. A . V a n den Branden in: Machriq 54 [i960], 101 sowie A .
Grohmann, Arabien, Handb. d. Altertumswiss. A b t . 3 , 1 B d . 3, 3, 4 [1963]
85). Die Neufunde erbringen dessen eindringliche Bestätigung: ein ganzer
K u l t p l a t z ist dem Gott geweiht. In dem Namen des Gottes sahen Jaussen-
Savignac 383 zu Nr. 49 Z. 9 das Relativum d verbunden mit dem Namen
eines kl. ar. als Gäba bezeugten Ortes bei Gurf nördlich Medinas. D e m folgen
R y c k m a n s 29 und P. A . V a n den Branden a. O., der auf eine weitere kl.ar.
Bezeugung des Ortes hinweist und den Namen des nabatäischen Gottes
dSr' vergleicht. Anders Caskel, L i h y a n 44: er deutet als „der vom/im Dik-
k i c h t " , nimmt also gbt als Appellativum und eins mit kl.ar. gäba „endroit
couvert de buissons, forêt". D e m folgt A . Grohmann, a. O. 85. Für beide
Deutungen (d und ON. / d und Appellativum) lassen sich der Bildung nach
vergleichbare Götternamen aus dem nord- wie südarabischen Bereich her-
anziehen : vgl. Ibn al-Kalbi, K i t ä b al-asnäm ed. R . Klinke-Rosenberger :
D a s Götzenbuch (1941) ; J. Wellhausen, Reste arab. Heidentums 2 (Neu-
druck 1927); A . Jamme in: L e Muséon 60 (1947), 5 7 f . ; in: Histoire des
Religions, pubi. M. Brillant et R . Aigrain, 4 (o. J.) 273 t.; G. Ryckmans, Les
noms propres sud-sémitiques s. v. ; J. Cantineau, Le Nabatéen 2 (1932),
80 r. f. Bei der Deutung als „der aus gbt" ist schwierig, daß der Ort außer-
I. NEUE LIHYÄNISCHE INSCHRIFTEN AUS AL-'UDAIB I. 9

halb des bekannten Gebietes der L i h y ä n lag. Die Möglichkeit, daß der Gott
dort eine Heimstatt hatte oder gehabt hatte, läßt sich nicht ausschließen.
Andererseits steht der Deutung als „ d e r v o m D i c k i c h t " im Wege, daß Dik-
kicht und W a l d im lihyänischen Gebiet zumindest heute nicht anzutreffen
sind. Der Gott müßte den Namen in einer anderen Gegend erhalten haben.
O. Rössler (brieflich 20. 1 1 . 69) macht einen Vorschlag. E r möchte dgbt
deuten entsprechend einem kl.ar. anzusetzenden dü l-gaiba(ti), wobei e < ai
defective geschrieben und der Artikel h- in der Genetivverbindung über-
gangen ist. Defective-Schreibung von kl.ar. entsprechendem ai ist im Lihy.
belegt: zd entsprechend kl.ar. Zaid P N . ; bt entsprechend kl.ar. bait.
Z u 3. b'd macht den Eindruck einer Präposition, kann aber nicht die
Bedeutung von kl.ar. bada haben. Dagegen p a ß t die übertragene Bedeu-
tung der hebr. Präposition ba'ad, be'ad (Hinweis O. Rössler's): „schützend
um-her, zugunsten v o n " (Koehler-Baumgartner, Lex. in vet. test. libros
[1958] i3Öf.), gerade bei Darbringungen an Gott „zugunsten v o n " (jem.):
Hes. 45, 22 we'äsä ba'"dö ü-be<ad hol-''am; Hiob 42, 8 weha'alitasm 'ölä
ba'adksem. Ansonsten: bei nätan „hingeben für "(jem.): Hiob 2, 4 yitten be'ad
ttapSö; bei habäl „auspfänden f ü r " (jem.): Prov. 2 0 , 1 6 ü-be'ad nokriyäm
hablehü; zugunsten einer Sache („in die Bresche treten f ü r " [etwas]):
Hes. 22, 30 we'ömed ba-p-pxrzs lepänai be'ad hä-ärses. Zu erwägen ist auch
eine Lesung b- mit kl.ar. entsprechendem 'idd, also bi-'iddi nahlihi „um
der Vielzahl, Fülle o. ä. seiner Palmen willen". Vgl. M. Höfner's Nachtrag
S. 38.
bn'l: als P N . belegt R y c k m a n s 221: Hier muß es Name einer Ört-
lichkeit sein, wobei bn- nicht als „ S o h n " , sondern als Ableitung von
J/bny „ b a u e n " zu verstehen sein dürfte: etwa entsprechend kl.ar. binan,
bunan Plur. zu binyatun, bunyatun „ G e b ä u d e " oder entsprechend kl.ar.
binä'un „ G e b ä u d e " . Vgl. bn' Name eines Tempelplatzes (RlsS. 7 Nr. 4725, 2)
und Banä Ort und W ä d i in Jemen (al-Hamdäni 78, 2 ed. Müller; 101, 2 1 ;
104, 13 und D . H. Müller S. 73 zu 78, 2).
Z u 3 — 4 . tymm ist ebenfalls als P N . bezeugt: R y c k m a n s 213r. Hier
wieder ON. Vgl. tym ON. in Jemen (al-Hamdäni 89, 6 Müller) und den
Namen der berühmten Stadt im H i g ä z : nabat. tym', kl.ar. Taimä', hebr.
Tema, akk. Temä(').
Z u 4. frdh: der Ausdruck ist im bisher vorhegenden Lihyänischen be-
legt: Jaussen-Savignac Nr. 42, S. 373 u. a., dazu ähnliche Bildungen:
frdhm, frdyh, frdyhmy, frdth (Jaussen-Savignac Index S. 680). Die entschei-
10 NEUE TEXTE

dende Erkenntnis zur D e u t u n g stammt von F . V . Winnet in: L e Museon 51


(1938), 300. N a c h einer früheren, in seinem B u c h : A S t u d y of the Lihyanite
and Thamudic Inscriptions (1937) S. 13 vorgetragenen Deutung (Wunsch-
perfekt von Yfrd I I „ t o grant a long life" mit Suff., zu kl.ar. Yfrd I „ t o
become old") setzte er sich mit einer Äußerung H. Grimme's (in: Oriental.
Literaturzeit. Juni 1938, col. 347) auseinander und trug dabei seine neue
Deutung v o r : /- als K o n j u n k t i o n und das jeweils Folgende als Perfekt-
formen, und zwar Wunschperfekte des T y p u s rahimahu llähu von Yrdy I
mit Suffixen. Ihm folgte (ohne ihn zu erwähnen) A . V a n den Branden in:
al-Machriq i960, 101 (zu Jaussen-Savignac Nr. 83, S. 455). Die früheren
Deutungen der Jaussen-Savignac und P. Joüon's (in: Orientalia 4 [1935],
81 f.) seien beiseitegelassen, da von ihnen der dritte Stammkonsonant als t
gelesen wurde. Immerhin sei hervorgehoben, daß P . Joüon (in: Orientalia
4, 81) schon die Formen als Wunschperfekte und folgendem Ys^d II mit
Suff, koordiniert aufgefaßt hatte. A u c h die von W . Caskel (Lihyan 76)
vorgetragene Deutung mit /- als erstem und d als drittem Stammkonso-
nanten: N o m e n frd, frdt „ K e r b e , Lebensspanne" mit Suffixen ist gegen-
standslos geworden.
Die Deutung als / mit Verbalform von }/rdy ist einleuchtend. Z u erörtern
bleibt, welcher S t a m m vorliegt. Bei W a h l von I entspräche kl.ar. radiya,
doch läßt sich wegen des Fehlens von -y bei unserer F o r m (rdh) diese Aus-
sprache nicht annehmen, man müßte denn im L i h y . den I. S t a m m als
*radä gesprochen ansetzen (defective Schreibung von ä wäre das z u Er-
wartende). Z u erwägen sind deshalb eher I I (raddä) und I I I (rädä). Sie
bedeuten im K l . A r . „zufrieden m a c h e n " u. ä. (so auch IV).
s'dh: s'd mit Suff, ist aus dem bisher vorliegenden Lihyänischen be-
kannt (Jaussen-Savignac, Index S. 683r.: s'dh, s'dhm), jeweils — wie hier —
mit Bildungen v o n Yrdy mit Suff, (siehe oben zur gleichen Zeile) in formel-
hafter W e n d u n g verbunden. Gegenüber Jaussen-Savignac, die s'd als Nomen
aufgefaßt hatten, erkannte P . Joüon (in: Orientalia 4 [1935], 81 f.), daß es
sich u m Verbalformen handelt. E r deutet überzeugend als |/s"Z I I „rendre
h e u r e u x " Wunschperfekt 3. Ps. Sg. Winnet, A S t u d y of the Lihyanite and
Thamudic Inscriptions (1937) 13, folgte Joüon in der Annahme eines Wunsch-
perfekts, dachte aber (wenn ich ihn recht verstehe) an s'd I, nicht I I . Trotz
Joüon's Erkenntnis griff W . Caskel, L i h y a n 76 auf die Deutung der Jaussen-
Savignac zurück und übersetzte s'dh, s'dhm als „sein Glück, ihr G l ü c k " .
A . V a n den Branden in: al-Machriq i960, 101 erneuerte die Auffassung von
I. N E U E LI HYÄNISCHE INSCHRIFTEN AUS AL-'UDAIB I. 11

s'd als Verbalform und Wunschperfekt, deutete aber gegenüber Joüon und
Winnet als s'd I I I „aider". Deutung von s'd als Wunschperfekt (neben
JIrdy II oder I I I in gleicher Funktion) ist überzeugend. Die Frage bleibt,
ob I, II oder I I I vorliegt. I I I „helfen" hätte den Vorzug, daß im Kl.Ar.
eine häufig gebrauchte Stammform entspricht. Für II „glücklich machen"
gibt es keine kl.ar. Parallele. Wohl aber für I in der gleichen Bedeutung.
Denn kl.ar. j/s^i I wird neben (allerdings häufigerem) |/s'd IV gerade bei
Allah als Handelndem in der Bedeutung „glücklich machen" gebraucht:
sa'adahu llähu „God rendered him prosperous, fortunate, happy" (Lane).
Zwischen „helfen" (Van den Branden) und „glücklich machen" (Joüon,
Winnet) wird man sich schwer entscheiden können.

Nr. A 2 (Abb. n ) :
1. 'm bn 'ydh '-
2. zll hzll ndr
3. b'd dt'h wnfs-
4. h frdh w'tb-
5. h ws'dh w'tbh

1. ,,'m b. 'ydh trug Sorge für


2. das Schattendach (und) weihte (es)
3. um seines Frühlingswuchses und seines Reichtums willen (oder:
seiner selbst willen).
4. Er (dgbt) möge ihn zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen an ihm haben)
und ihn belohnen
5. und ihn glücklich machen (oder: ihn unterstützen) und ihn belohnen
(wiederholt)."

Zu 1. 'm: PN. m. Ryckmans 244I. A. Jamme, Mahram 471. Vgl. b. al-


'Amrn W. Caskel, Gamharat an-nasab. Das genealogische Werk des Hisäm
Ibn Muhammad al-Kalbi 2 (1966) i66r. (im folgenden zitiert als Caskel,
Gamharat an-nasab).
'ydh: vgl. 'yd PN. m. Ryckmans 160L, ohne -h\ Die hier vorliegende
Form hat -h. Dazu vgl. 'bdh PN. m. neben 'bd PN. m. Ryckmans 155r. 3 ,
hnfyh PN. m. neben nfy Ryckmans 1431., hdrh PN. m. (neben hdrw) Ryck-
mans 981. Dazu die in den neuen, hier vorliegenden Texten erscheinenden

3
Caskel, Lihyan 1 4 3 1 . faßt den Namen irrtümlich als feminin auf.
12 NEUE TEXTE

PN.m. Schon H. Grimme in: Le Muséon 50 (1937), 289 hat auf diese be-
sondere Erscheinung aufmerksam gemacht. Daneben stehen weibliche P N .
mit -h\ slmh PN.f. neben slm P N . m . R y c k m a n s 150I.; w'lh PN.f. neben w'l
P N . m . R y c k m a n s 751.
Z u 3. dt'h: altsüdar. dt' ist „ F r ü h l i n g " und auch — wie hier — „fruits of
spring" (Jamme 617 Z. 8: a. 0 . 1181.). Im K l . A r . ist data'ïyun „imber ver-
nalis" (Th. Nöldeke in: Z A . 19, 158). I m bisher bekannten Lihyänischen er-
scheint dt' zweimal: Jaussen-Savignac Nr. 77 Z. 3 und Z. 3—4, S. 441, von
Jaussen-Savignac beidemale als „printemps" gedeutet. W . Caskel, L i h y a n
1 1 7 will es in Z. 3 als „ F r ü h l i n g " , in Z. 3 — 4 als „Frühlingswuchs" erklären.
Caskel verweist für die von ihm erschlossene Bedeutung „Frühlingswuchs"
auf kl.ar. rabi' mit gleicher Doppelbedeutung („printemps" sowie „végéta-
tion printanière"). Auf Caskels Interpretation von Jaussen-Savignac 77 sei
hier nicht eingegangen. Grundsätzlich ist gegen seine Auffassung nichts
einzuwenden, zumal auch im Altsüdar. eine abgeleitete Bedeutung neben
der üblichen „ F r ü h l i n g " steht. Die Deutung des Vorliegenden m u ß in dieser
Richtung gesucht werden. Klärend ist die sprachvergleichende Betrachtung
des Wortes. E s stellt sich zu hebr. dœsœ', akk. dis'u, bibl.aram., jüd.aram.
dit'ä, syr. (mit Metathesis) td" gespr. tedä, tadä, alle heißen „ h e r b a " , das syr.
W o r t daneben auch „ v e r " . „Frühlingsgraswuchs" wäre eine allseits ge-
stützte und inhaltlich passende Deutung. Vgl. M. Höfner's Nachtrag S. 38.
Z u dt' whrf vgl. unten Nr. D 1 Z. 4.
Z u 3 — 4 . nfsh: vgl. kl.ar. nafïs „multae opes" (Lisän al-'arab s. v. :
wa-yukälu: li-fulänin munfisun wa-nafïsun ai mâlun katïrun).
Z u 4 — 5 . 'tbh: vgl. kl.ar. J!{wb I V mit A k k . O b j . „recompenser, rétri-
buer qn".

Nr. A 3 (Abb. 12):


1. hzl bn 'fsh sb 'z-
2. Il hzll bkhl b'd n-
3. hlh (Vybn'l frdh ws-
4. 'dh w'hrth

1. „hzl b. 'fsh sb trug Sorge für


2. das Schattendach nach Vermögen u m seiner Palmen willen
3. <in> bn'l. E r (dgbt) möge ihn zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen an
ihm haben) und ihn glücklich machen (oder: ihn unterstützen),
4. desgleichen seine Nachkommenschaft."
I. NEUE LIHYÄNISCHE INSCHRIFTEN AUS AL-'UDAIB I. 13

Z u i . hzl: R y c k m a n s 90 r. f.
'fsh: R y c k m a n s 180I.
sb: A . Jamme, Safaitic Notes (Washington 1970), 178I.; sbn P N . m.
R y c k m a n s 146I. ; sybn Ethnikon R y c k m a n s 3o6r. V . F. Winnet (brief-
lich 23. 2. 70), dem diese Inschrift durch die Verfasser in einer A u f -
nahme bekannt wurde, hält sb für ein Ethnikon. Grundsätzlich abzulehnen
ist die Ansicht Caskels, daß in solchen Fällen Auslassungen von bn ange-
nommen werden kann (Lihyan 53).
Z u 3. bn'l: haplographisch für bbn'l. Der gleiche ON. mit Präposition
b- ohne Haplographie in bbn'l oben Nr. A 1 Z. 3.
'hrth: (man beachte die Form des h mit nach rechts gebogenem Oberteil).
'hrt- mit den Suffixen -h und -hm ist im bisher bekannten Lihyänischen
belegt: Jaussen-Savignac S. 660I. (Index); Caskel, L i h y a n 76. E s steht
stets entweder nach frd- mit Suffixen (dazu oben 9f.): z . B . Jaussen-
Savignac Nr. 62 Z. 6 — 7 oder nach s'd- mit Suffixen: z. B . Jaussen-Savignac
Nr. 75 Z. 4 — 5 . Die Wendungen werden jeweils von frd- mit Suffixen ein-
geleitet, 'hrt- folgt auf dieses oder auf s'd-. Muster der Formeln mit 'hrt- in
den bisher bekannten T e x t e n sind: a) frd- w'hrt-, b) frd- ws'd- w'hrt-,
c) frd- w'hrt- ws'd-, Jaussen-Savignac zu Nr. 75 Z. 5 deuteten 'hrt- als
„ a v e n i r " und verglichen mit kl.ar. ähiratun, al-ähiratu sowie hebr. aharit,
sie erwogen dazu, an nabat. 'hr „postérité, descendants" zu denken. Den
letztgenannten Hinweis griff P. Joüon in: Orientalia 4 (1935), 84 auf und
deutete 'hrt- als „postérité" : beispielsweise Jaussen-Savignac Nr. 75 Z . 4 — 5 :
frdh ws'dh w'hrth „qu'il le rende prospère et heureux ainsi que sa postérité".
Caskel, L i h y a n 76 übersetzt 'hrt- gleichfalls als „ N a c h k o m m e n s c h a f t " und
verweist auf die konsonantenmäßig entsprechende Form 'hrth (auch mit
femininem -t) im Altaramäischen : Nërab 2 Z. 10 (M. Lidzbarski, Handbuch
d. nordsem. Epigraphik [Neudr. 1962] 445). Neuerlich hat sich A . V a n den
Branden über 'hrt- geäußert in: al-Machriq i960, 101. E r geht von der bis-
herigen Deutung als Substantiv ab und nimmt das W o r t als Wunschperfekt
wie rd- und s'd-, in der zweigliedrigen Formel dem ersteren, in der drei-
gliedrigen Formel den beiden Wunschperfekten koordiniert. Er vergleicht
kl.ar. y hrt I „être guide habile" (harita „ h e was skilful, or expert, in
showing the w a y " ; haratnä l-arda „ w e knew the land and its roads") und
setzt danach ein lihy. |fhrt I V „ g u i d e r " („qu'il guide") an. I h m folgen
Winnet-Reed, Ancient Records from North Arabia (Toronto 1970) 126 (zu
Jaussen-Savignac Nr. 83) — diese Arbeit machte mir freundlicherweise A .
14 NEUE TEXTE

Jamme zugänglich. Die Entscheidung hat zwischen Joüon's D e u t u n g : „ainsi


que sa prospérité" und V a n den Branden's D e u t u n g : „qu'il guide" zu fallen.
Inschrift Nr. A 4 wird zur Annahme der Deutung Joüon's raten. Siehe unten
zu A 4 Z. 3. Vgl. M. Höfner's Nachtrag S. 37 f.

Nr. A 4 (Abb. 12) :


1. 'VI dlh 'byh ('zlw> hzll
2. Idgbt brdhm ws-
3. 'dhm w'kbhm 'ny
4. ysrm 'bhm b'nhm
5. wgfrhm bmShl

1. „'VI (und) dlh (und) 'byh {trugen Sorge f ü r ) das Schattendach


2. für dgbt u m ihrer (aller) Zufriedenheit und ihres Glückes
3. und ihrer Nachkommenschaft willen, 'ny
4. ysrm, ihr Vater, u m ihrer (aller) Quelle
5. und ihres Brunnens willen in mihi".

Z u 1. 'VI: vgl. 'Vly PN.m. R y c k m a n s 254I. Harding, a. O. 14.


dlh: R y c k m a n s 69.
'byh: vgl. 'bym; 'byn R y c k m a n s 3Ör. Harding, a. O. 17.
Z u 2. brdhm: hier die nominale Entsprechung z u sonstigem Wunsch-
perfekt von |frdy I I oder I I I (oben z u A 1 Z. 4), vgl. kl.ar. ridan : biridähum.
ws'dhm: nominale Entsprechung zu sonstigem Wunschperfekt von
Ys^d I I oder I I I (oben zu A 1 Z. 4), vgl. kl.ar. sa dun: bisa'dihim.
Z u 3. w'kbhm: 'kb entspr. kl.ar. 'akbun, 'akibun; es liegt nahe, hier die
Entsprechung zu sonstigem w'hrthm „ u n d ihre Nachkommenschaft" zu
sehen. Die hier gegebene Verbindung von Akbhm mit rdhm und s'dhm rät
dazu, in der üblichen Formel frd- ws'd- w'hrt- die Ubersetzung des dritten Be-
griffes mit „ N a c h k o m m e n s c h a f t " derjenigen V a n den Branden's „er möge
. . . gut leiten" vorzuziehen. Die Dreiheit brdhm ws'dhm w'kbhm würde hier —
gleichfalls formelhaft — die gebräuchliche Formel ersetzen, die dasselbe mit
zwei Wunschperfekta mit Objektsuffixen und einem A k k u s a t i v - O b j e k t
auszudrücken pflegt.
'ny: R y c k m a n s 45 r.
Z u 4. ysrm: R y c k m a n s m r . ; Les noms propres B d . 2 S. 73I. (Index).
b'nhm: entspr. kl.ar. 'ain. Zur Schreibung vgl. lihy. zd entspr. kl.ar.
Zaid; lihy. bt entspr. kl.ar. bait, dazu Caskel, L i h y a n 60.
I. NEUE LIHYÄNISCHE INSCHRIFTEN AUS AL-'UDAIB I. 15

Zu 5. wgfrhm: entspr. kl.ar. gafrun „puteus cuius inferior pars ampla


est", „puteus oppletus vel aliqua parte oppletus" (Freytag).

Nr. A 5 (Abb. n ) :
1. smm bn mr'd-
2. gbt 'zll hzl-
3. I Idgbt b'd mlh f-
4. rdh ws\d}h w'h-
5. rth

1. „smm b. mr'dgbt
2. trug Sorge für das Schattendach
3. für dgbt um seines Besitzes willen. Er (dgbt) möge ihn zufriedenstellen
(oder: Wohlgefallen an ihm haben)
4—5. und ihn glücklich machen (oder: ihn unterstützen), desgleichen
seine Nachkommenschaft".

Zu 1. smm: Ryckmans 151 r. Das zweite m ist nicht deutlich, vielleicht


r zu lesen, und links von r stehengebliebene Erhöhung des Steines (wie ver-
schiedentlich in dieser Inschrift), dann: smr Ryckmans 1521.f.
Z u 1 — 2 . mr'dgbt: Ryckmans 235.
Z u 4. s\d}h, das d ist versehentlich ausgelassen worden; die ganze In-
schrift ist unsorgfältig geschrieben.

Nr. A 6 (Abb. 14):


1. .. slht dgbt 'zll-
2. t hzll b'd dt' btymm

1. „.. slht dgbt trug Sorge für


2. das Schattendach um Frühlingswuchses willen in tymm".

Zu 1. slht dgbt: möglicherweise ein weibl. PN. als Beiname eines ande-
ren, vorangehenden; als solcher weibliche Entsprechung zu slh dgbt unten
A 8 Z. 2 — 3 ; A 26 Z. 1 — 2 ; A 30 Z. 1 — 2 ; D 1 Z. 1 — 2 ; D 10 Z. 1 — 2 . Vgl. slh
PN.m. Ryckmans 149 r.; Sallh Caskel, Gamharat an-nasab 5071. Vgl. auch
slhn P N . Ryckmans 149 r.; unten A 12 Z. 5. Dazu slht PN. R E S . Nr. 4046
Z. 3. Mit dgbt zusammengesetzte PN. gibt es auch sonst im Lihy.: 'bd dgbt
Ryckmans 2411.; zddgbt Jaussen-Savignac Nr. 45 Z. 1. Die Deutung des
Namens slh(t) dgbt bliebe zu klären. Eine genaue Entsprechung der Folge:
PN.f. + slht dgbt ist A 8 Z. 2 — 3 : 'mt'zh slht dgbt. Entsprechend nun gibt es
16 NEUE TEXTE

die Folge: P N . m . + slh dgbt: A 30 Z. 1 — 2 ; D 1 Z. 1 — 2 , also P N . m., gefolgt


von der Verbindung mit maskulinem slh. A u c h in Jaussen-Savignac Nr. 61
Z. 1 — 2 ist wohl slh dgbt zu lesen (nicht jlh dgbt wie Caskel, L i h y a n 104 Nr. 62
Z. 1 — 2 ) , hier stünde es gleichfalls hinter einem P N . m . Man erwägt, neben
der Deutung als Beinamen, slh(t) in der Verbindung mit dgbt als Appella-
t i v u m aufzufassen. Darin bestärkt die Auffassung, daß bei P N . mit nach-
folgendem slh(t) dgbt selten eine Filiation gegeben ist. E s könnte sich u m
einen Titel handeln, deren Träger so bekannt waren, daß die Angabe eines
Individualnamens genügte, oder u m die Bezeichnung von Personen, die dem
Tempel als kcctoxos gehörten und deshalb ihre Abstammung nicht zu kenn-
zeichnen brauchten. Zur Bedeutung des Appellativuni: eine passende E n t -
sprechung für slh(t) findet sich im K l . A r . nicht. Man denkt an hebr. und
aram. Jfüh „schicken", althergebrachter, vielfach belegter Wortstamm, und
zwar aram. Part. Pass.: Slih. Dieses W o r t erscheint bekanntlich in der Form
salth, sillih „ A p o s t e l " als Fremdwort im K l . A r . mit aram. S entsprechendem
arab. s. Vielleicht liegt im lihy. slh(t) eine entsprechende, frühe Übernahme
des aram. Wortes vor, das j a gerade — neben vielfacher anderer Verwendung
in den verschiedensten aram. Sprachen — auch in der Bedeutung „ v o n
Gott geschickt" im Bibl.-Aram. v o r k o m m t : Dan. 3, 28; 6, 23. „Gesandter,
B o t e dgbt's" wäre als Bezeichnung einer Person, die im Dienste des Gottes
stand, denkbar. Z u fragen bliebe freilich, weshalb ein aram. W o r t über-
nommen und so verwendet wurde. Vgl. M. Höfner's Nachtrag S. 38 f. O. Röss-
ler (brieflich) denkt an ein S y n o n y m zu 'abd, 'amat-.

Z u 2. tymm: ON. vgl. oben A 1 Z. 3 — 4 .


Nr. A 7 (Abb. 15):
1. 'ms'd bn k-
2. brh 'zl hzl-
3. I Idgbt b'-
4. d mlh frd-
5. yh ws'dh w'h-
6. rth wbn(h) hrm

1. ,,'ms'd b. kbrh
2. trug Sorge für das Schattendach
3. für dgbt u m
4. seines Besitzes willen. E r (dgbt) möge ihn zufriedenstellen (oder:
Wohlgefallen an ihm haben)
I. NEUE LIHYÄNISCHE INSCHRIFTEN AUS AL-'UDAIB I. 17

5. und ihn glücklich machen (oder: ihn unterstützen), desgleichen seine


Nachkommenschaft,
6. und (besonders) seinen Sohn htm".
Z u 1. *ms*d: vgl. andere PN. mit 'm- Ryckmans, Les noms propres 2,
l o g l . f . (Index). Zu dem Gott 'm A . Jamme, in: Histoire des religions 4,
279t.; in: Le Museon 60 (1947), 78f.
Zu 1 — 2 . kbrh PN.m.: vgl. kbr PN.m. Ryckmans 1 1 2 r . ; Kablr Caskel,
öamharat an-nasab 367L f. Zur Form mit -h neben solchen ohne -h vgl.
oben zu A 2 Z. 1.
Z u 6. hrm: Ryckmans 98 r.
wbnh hrm: wohl als Akk.Obj. zu verstehen: innerhalb der Nachkom-
menschaft soll der Gott sich besonders des Sohnes hrm annehmen. Weniger
nahe — weil syntaktisch ohne Verbindung — liegt die Hinzufügung „und
sein Sohn", u m dessen Beteiligung an der zuvor genannten Tätigkeit zu
vermerken. Das h in bnh hat eine ungewöhnliche Form.

Nr. A 8 (Abb. 15):


1. rht bn thmh w-
2. 'mt'zh slht
3. dgbt 'zlh hzl-
4. I Idgbt bkh-
5. I b'd mlhm bb-
6. dr frdhm
7. w'hrthm

1. „rht b. thmh und 'mt'zh


2. slht
3. dgbt trugen beide Sorge für das Schattendach nach Vermögen
5. um ihres Besitzes willen in bdr.
6. Er (dgbt) möge sie zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen an ihnen
haben),

7. desgleichen ihre (oder: an ihrer) Nachkommenschaft".


Zu 1. rht: Harding, a. O. 289.
thmh; vgl. thm PN. Ryckmans 951.
Zu 2. 'mt'zh: vgl. andere PN.f. mit 'mt („Magd, Dienerin"): 'mthmd,
'mtyt'n Ryckmans 255r. Unten A 19 Z. 2. Also: „Magd der Göttin 'zh" (kl.ar.
al-'Uzzä). Harding, a. O. 73.
2 Altheim-Stiehl, Christentum I
18 NEUE TEXTE

Z u 2 — 3 . slht dgbt: oben zu A 6 Z . 1.


Z u 3. 'zlh: -h ist offenkundig Dualendung des Perfekts 3. m. (kl.ar :
katalä; altsüdar. -y).
Z u 5 — 6 . bdr: vgl. die von der siegreichen Schlacht der Muslim gegen
die Mekkaner im R a m a d a n des zweiten Jahres nach der Higra bekannte
Örtlichkeit (ein Brunnen) zwischen Mekka und Medina. Genannt wurde mir
von Einheimischen eine Örtlichkeit gleichen Namens nahe Haibar an der
Piste nach al-'Ulä. Weitere Orte des Namens bei al-Hamdäni ed. Müller
geogr. Index S. 12 r.

Nr. A 9 (Abb. 15):


1. hn'mil bn s'-
2. dhll 'zll hzl-
3. I b'd nhlh bd'mn
4. Idgbt bkhl frdh
5. ws'dh w'hrth

1. ,,hn'mSl b. s'dhtt
2. trug Sorge für das Schattendach
3. u m seiner Palmen willen in d'mn
4. für dgbt nach Vermögen. E r (dgbt) möge ihn zufriedenstellen (oder:
Wohlgefallen an ihm haben)
5. und ihn glücklich machen (oder: ihn unterstützen), desgleichen seine
Nachkommenschaft''.

Z u 1. hn'mM: Z u lihy. Namen mit hn'-: R y c k m a n s , 223r.f., 2Öor. Zu


mSl R y c k m a n s 1331.
Z u 1 — 2 . s'dhll: vgl. s'd P N . R y c k m a n s I52r.f.; hll P N . R y c k m a n s 92r.
Z u 3. d'mn: 'mn als P N . belegt: R y c k m a n s i 6 6 r . Hier ON. vgl. 'mnm
O N . R y c k m a n s 3581. Zu Ortsnamen mit dü vgl. al-Hamdäni ed. Müller
Index s. v . dü.

Nr. A 10 (Abb. 16):


1. srmh bn hn-
2. 'h 'zll h-
3. zll Id-
4. gbt b'd nh-
5. Ih frdh ws-
6. 'dh w'hrth
I. NEUE LIHYÄNISCHE INSCHRIFTEN AUS AL-'UDAIB I. 19

1. „srmh b. hn'h
2. trug Sorge für das Schattendach
3. für dgbt
4. um seiner Palmen willen.
5. E r (dgbt) möge ihn zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen an ihm
haben) und ihn glücklich machen (oder: ihn unterstützen),
6. desgleichen seine Nachkommenschaft".

Zu 1. srmh: wieder ein PN.m. mit -h neben der Namensform ohne -h:
srm Ryckmans 1851. f.; dazu oben zu A 2 Z. 1. Vgl. auch srmt Ryckmans
185 r.
Zu 1 — 2 . hn'h: desgleichen ein PN. mit -h, daneben hn' Ryckmans 74I.
(dort hnb in hn' zu verbessern, Druckfehler). Vgl. auch mit anderen Endun-
gen hn'w, hn'rn und hn't Ryckmans 74I.f.

Nr. A 11 (Abb. 17):


1. ] wh hdrn
2. ] h 'zll hzll n-
3. dr Idgbt b'd mlh frdh ws-
4. 'dh

1.
2 trug Sorge für das Schattendach (und) weihte (es)
3—4. für dgbt um seines Besitzes willen. E r möge ihn zufriedenstellen
(oder: Wohlgefallen an ihm haben) und ihn glücklich machen (oder: unter-
stützen)".
Zu 2—3. ndr asyndethisch angeschlossen wie A 2 Z. 2.

Nr. A 12 (Abb. 18):


1. 'bgr bn nfy sm-
2. rb'l w'b'l d-
3. " w bnyw hn'rb-
4. 'w frdhm snt
5. r wsb' br'y slhn

1. ,,'bgr b. nfy smrb'l


2. und 'b'l d'mr
3. bauten die Tempelanlage.
2*
20 NEUE TEXTE

4. Er (dgbt) möge sie zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen an ihnen


haben). Im Jahre 17
5. xinter der Regierung des slhn"

Zu 1. 'bgr: Ryckmans 48 r.
nfy; Ryckmans 143I.; vgl. hnfy PN.m. und nfyh PN.m. Ryckmans 143I.
Zu 1—2. smrb'l; vgl. smr'l Ryckmans 239 r.
Zu 2. 'b'l: vgl. 'b'ly PN.m. Ryckmans 254I. Harding, a. O. 14.
Zu 2—3. d'mr: vgl. dt 'mrm Ethnikon; d'mrn; d'mrt desgl. Ryckmans
3091.
Zu 3—4. hn'rb'w: das gleiche Wort begegnet in Jaussen-Savignac Nr. 59
Z. 1, S. 398: (w)'rb'w 'bd. Jaussen-Savignac übersetzen „vierzig
Sklaven" und verstehen 'rb'w als Stat.Constr. Dem folgt Caskel, Lihyan
Nr. 90 Z. 1, S. 123. Er erwägt daneben die Ubersetzung „vier", wobei er
an äth. arbä'tü „vier" und äthiopischen Einfluß denkt, hn'rb'w unserer In-
schrift könnte diese Erwägung bestätigen, es könnten vier Teile der großen
Schattenanlage gemeint sein, vgl. oben zu A 1 Z. 2. Doch bietet sich eine
andere Lösung. Im Kl.Ar. ist arbu&wa „super duabus, sequentibus tum
tribus, tum quatuor columnis, denique una columna extructa (domus) [qui
exstruendi modus in tempüs magnis urbium cernitur] (Freytag nach al-
Kämüs). Im defective schreibenden Lihyänischen würden für dieses Wort
die vorliegenden Konsonanten entsprechen. Vor dem Eingang der Schlucht
erhebt sich ein Sandhügel. Es ist nicht auszuschließen, daß er das gemeinte
Heiligtum unter sich birgt. Die Sorgfalt und Schönheit dieser Inschrift sowie
die ausnahmsweise erfolgte Datierung und Nennung des Königs (Z. 4—5)
zeigen, daß es sich hier um ein besonderes Ereignis handelt.
Zu 5. r'y: Jaussen-Savignac zu Nr. 68 Z. 5, S. 416 (auch dort r'y slhn).
Zu r'y zuletzt Winnet-Reed, Ancient Records from North Arabia (1970)
126 (zu Jaussen-Savignac Nr. 83).
slhn: der gleiche Name in der gleichen Verbindung (r'y slhn) in Jaussen-
Savignac Nr. 68 Z. 5, S. 412, auch ohne Titelangabe, siehe dazu Jaussen-
Savignac S. 412. Caskel, Lihyan 116 (zu Nr. 80 Z. 5) will dort slh und diesem
folgend einen Trennungsstrich (statt Jaussen-Savignac's -n) lesen. Unsere
Inschrift sichert Jaussen-Savignac's Lesung. Zur Namensform vgl. slh
PN.m. Ryckmans I49r. Zur Person: folgende weitere Namen begegnen im
bisherigen Lihyänischen in Verbindung mit r'y: Idn bn hn's mlk Ihyn (Jaus-
sen-Savignac Nr. 82 Z. 5—6, S. 452); gltks (Jaussen-Savignac Nr. 83 Z. 7,
I. N E U E LIHYÄNISCHE INSCHRIFTEN AUS AL-'UDAIB I. 21

S. 455, ohne Filiation und Titel; dazu jetzt Winnet-Reed, Ancient Records
from North Arabia (1970) 125f.); hmt msm bn Idn mlk Ihyn (Jaussen-Savig-
nac Nr. 85 Z. 3—4, S. 456). Es stehen also zwei Namen mit Königstitel
neben zweien ohne Titelangabe. Gewiß darf man mutiger sein als Jaussen-
Savignac und auch in slhn (wie in gltks; so auch Winnet-Reed, a. 0 . 126)
einen lihyänischen König sehen.

Nr. A 1 3 (Abb. 19):


1. 'bd's bn wst 'zll Id-
2. gbt bkhl b'd nhlh
3. wdt'h bbdr frdh w'-
4. hrth

1. ,,'bd's b. wst trug Sorge für das Schattendach für dgbt


2. nach Vermögen um seiner Palmen willen
3—4. und seines Frühlingswuchses willen in bdr. Er (dgbt) möge ihn
zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen an ihm haben), desgleichen seine
(oder: an seiner) Nachkommenschaft".

Zu 1. 'bd's: Ryckmans 267I.


wst: Ryckmans 79r.
'zll Idgbt: ]fzÜ IV ist hier ohne das Akk.-Objekt Jizll gebraucht. Das
Verbum allein hatte offenkundig genügend Aussagekraft, um die Tätigkeit
zu kennzeichnen. In den später (Bd. 3) zu veröffentlichenden Texten wird
die Konstruktion mit \fzli IV ohne hzll öfter begegnen. Angesichts der Viel-
zahl der Fälle kann es sich nicht um versehentliche Auslassung von hzll
handeln. Ebenso unten A 21 Z. 3; A 27 Z. 1—2.

Nr. A 14 (Abb. 19):


1. 'bd'tbl bn zdhmrn
2. twbt ndr hzll Idgbt
3. bkhl b'd mlh btr frdh
4. ws'dh w'hrth (w)
5. kllh

1. ,, 'bd'tbl b. zdhmm
2. twbt weihte das Schattendach für dgbt
3. nach Vermögen um seines Besitzes willen in tr. Er (dgbt) möge ihn
zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen an ihm haben)
22 NEUE TEXTE

4. und ihn glücklich machen (oder: ihn unterstützen), desgleichen seine


Nachkommenschaft und
5. seine weiteren Verwandten".

Zu 1. 'bd'tbl: Namen mit 'bd- Ryckmans 267I. f.


zdhmm: zd entspricht kl.ar. Zaid Ryckmans 841. Namen mit zd als
erstem Bestandteil Ryckmans 227. h/mm für sich PN.m. Ryckmans 94r.
Zu 2. twbt: Ryckmans 215 r.
Z u 3. tr: vgl. twr ON. Ryckmans 3771. ; vgl. t'r al-Hamdäni 116, 25 Müller.
Vgl. A 24 Z. 4; D 7 Z. 5.
Zu 4—5. Auf 'hrth folgt eine Lücke, dann erkennt man, im Gegensatz
zur bisherigen Reliefschrift, ein geritztes Zeichen, vielleicht w. A m Anfang
von Z. 5 steht als einziges Wort, wieder in Reliefschrift, kllh. Man denkt
an kl.ar. kalälatun „parenté autre que celle du père et des enfants", was
als Ergänzung zu 'hrth passen würde. Vielleicht ließ sich der Stein Ende
Z. 4 schwer bearbeiten; man sparte ein Stück aus und fuhr erst am Ende
der Zeile mit geritztem w fort, so daß dieses hinzuzunehmen wäre. Also
,,... seine Nachkommenschaft sowie seine weiteren Verwandten."

Nr. A 15 (Abb. 20) :


1. 'trn bn nfy '-
2. bd 'zll hzl-
3. I ndr b'd hdr-
4. t frdh w(s'dh)

1. ,,'tm b. nfy 'bd


2. trug Sorge für das Schattendach
3. (und) weihte (es) um des Landbesitzes willen.
4. Er (dgbt) möge ihn zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen an ihm
haben) und ihn glücklich machen (oder: unterstützen)."
Zu 1. 'trn Ryckmans 47r.
Zu 3—4. hdrt: vgl. kl.ar. däratun „terra quaevis late patensinter montes"
(Freytag nach al-Kämüs), „reckoned among productive low lands" (Lane
nach ad-Dinawari, Pflanzenbuch). Auch „domus" (Freytagnach al-Gauhari)
und „tribus Arabica" (Freytag nach al-Kämüs). Vgl. auch neuarab.
dlratun „Gebiet, Land, Heimat" (Wehr).

Nr. A 16 (Abb. 21) :


1. 'nhh bn hn'
I. NEUE LIHYÄNISCHE INSCHRIFTEN AUS AL-'UDAIB I. 23

2. slh dgbt 'fy


3. hzll Idgbt dh
4. bkhl frdh ws'dh

1. ,,'nhh b. hn'
2. slh dgbt gab
3. dieses Schattendach für dgbt
4. nach Vermögen. Er (dgbt) möge ihn zufriedenstellen (oder: Wohlge-
fallen an ihm haben) und ihn glücklich machen (oder: ihn unter-
stützen)"

Zu 2. slh dgbt: vgl. oben zu Nr. A 6 Z. 1.


'fy: vgl. altsüdar. J/wfy I V : hwfy, hfy „ t o grant; bestow upon" (A. Jam-
me, Sab. Inscr. from Mahram Bilqis [Märib] Glossar 432r.; 433r.). Hier
Af'ala. — O. Rössler (mündlich und brieflich) vergleicht syr. aupi „perfecit,
finivit" sowie kl.ar. waflyun „schön".

Nr. A 17 (Abb. 21):


1. hmyh bnt
2. nzrh 'ft hz-
3. II dh Idgbt
4. bkhl b'd ml-
5. h frdh ws'dh

1. „hmyh bt.
2. nzrh gab dieses Schattendach
3. für dgbt
4. nach Vermögen um ihres Besitzes willen.
5. TZr(dgbt) möge sie zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen an ihr haben)
und sie glücklich machen (oder: sie unterstützen)."

Zu 1. hmyh: vgl. den PN.m. hmy Ryckmans 94I. Hier ein PN.f. mit -h\
Zu 2. nzrh: vgl. nzr'l PN. Ryckmans 237I. sowie — entsprechend — kl.ar.
an-Nazzär PN.m. Harding, a. 0 . 592.
'ft: vgl. 'fy oben A 16 Z. 2.

Nr. A 18 (Abb. 22):


1. mr'h bnt wd'lh
2. dwtmt 'zlthzl-
3. I Idgbt b'd mlh
24 NEUE TEXTE

4. btymm frdh w'h-


5. rth ws'dh

1. „mr'h bt. wd'lh


2. dwtmt trug Sorge für das Schattendach
3. für dgbt um ihres Besitzes willen
4. in tymm. Er (dgbt) möge sie zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen an
ihr haben), desgleichen ihre (oder: an ihrer) Nachkommenschaft,
5. und möge sie glücklich machen (oder: sie unterstützen)".

Zu 1. mr'h: mr' Ryckmans 132I. Wieder PN.f. mit -h. Vgl. auch mr't
Ryckmans a. O.—PN. mit mr'- als erstem Bestandteil Ryckmans 235 r.
wd'lh: Ryckmans 224r.

Nr. A 19 (Abb. 23):


1. hn' wgsm bn
2. 'mt b'smn 'g-
3. w hzll Idgbt
4. bk]hl frdhm w'hr-
5. ihm

1. ,,hn' und gsm b.


2. 'mt b'smn
3. das Schattendach für dgbt
4—5. nach Vermögen. Er (dgbt) möge sie zufriedenstellen (oder: Wohl-
gefallen an ihnen haben), desgleichen ihre (oder: an ihrer) Nach-
kommenschaft' '.

Zu 1. gsm: Ryckmans 175 r.


Zu 2. 'mt b'smn: zu PN.f. mit 'mt- (entspr. kl.ar. amat- „Magd") Ryck-
mans 255r. b'smn ist Gottesname < b'lsmn (Ryckmans 81.). Vgl. (ebenfalls
mit Assimilation) Jaussen-Savignac Nr. 194: db'smn PN.m., dazu Ryck-
mans a. O.
Zu 1—2. gsm bn 'mt b'smn: gsm gibt seine Herkunft mütterlicherseits
an! So auch unten A. 20 Z. 1—2.

Nr. A 20 (Abb. 24). Text:


1. zlm bn 'm
2. zdlh tmhr 'zl
3
I. NEUE LIHYÄNISCHE INSCHRIFTEN AUS AL-'UDAIB I. 25

4. l]dgbt bkhl
5. b'd dt'h bd'-
6. mn frdh w'hrth

1. ,,zlm b. 'm
2. zdlh tmhr trug Sorge für
3
4 für dgbt nach Vermögen
5. um seines Frühlingswuchses willen in d'mn.
6. Er (dgbt) möge ihn zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen an ihm ha-
ben), desgleichen seine (oder: an seiner) Nachkommenschaft."

Z u 1. zlm: Ryckmans n o l .
Zu 1 — 2 : 'm zdlh: 'm entspricht kl.ar. umm; zdlh als PN.m. Ryckmans
2271.f. Wieder Nennung der Mutter, wie oben A 19 Z. 2; diese wird mit
ihrer K u n y a bezeichnet.
Zu 2. tmhr: Ryckmans 99 r.

Nr. A 21 (Abb. 24):


1
2
3. 'zlw b-
4. 'd mlhm frdh-
5. m w'hrthm

I-
2
3. trugen Sorge für das Schattendach um
4. ihres Besitzes willen. Er (dgbt) möge sie (Plur.) zufriedenstellen (oder:
Wohlgefallen an ihnen haben),
5. desgleichen ihre (oder: an ihrer) Nachkommenschaft".

Zu 3. 'zlw: wiederum ist das Verbum ohne das Objekt hzll gebraucht,
vgl. oben A 13 Z. 1 ; unten A 27 Z. 1 — 2 .

Nr. A 22 (Abb. 25):


1. yd bn wbnh
2. 'Imh 'zlw hz-
3. II Idgbt b'd
4. mlh bt\ymm] frdh
26 NEUE TEXTE

5. w'hrth
6. ws'dh

1. ,,'yd b. . . . und sein Sohn


2. 'Imh trugen Sorge für das Schattendach
3. für dgbt u m
4. seines (des Vaters) Besitzes willen in tymm. E r (dgbt) möge ihn zu-
friedenstellen (oder: Wohlgefallen an ihm haben),
5. desgleichen seine (oder: an seiner) Nachkommenschaft,
6. und ihn glücklich machen (oder: ihn unterstützen)".

Z u 2. 'Imh: 'Im P N . m . R y c k m a n s 44I.

Nr. A 23 (Abb. 26):


1. 'bd hgbr b-
2. n hb'l 'fy
3. hzll Idgbt bkhl
4. b'd dt'h bd'mn frd-
5. h ws'dh w'hrth
6. wb(n)h Ybs) w'[bd
7. 'yd bn hr
8. 'gw Idgbt

1. , , ' M hgbr b.
2. hb'l g a b
3. das Schattendach für dgbt nach Vermögen
4. u m seines Frühlingswuchses willen in d'mn. E r (dgbt) möge ihn zu-
friedenstellen (oder: Wohlgefallen an ihm haben)
5. und ihn glücklich machen (oder: ihn unterstützen), desgleichen seine
Nachkommenschaft
6. und (besonders) seinen Sohn '(bs). U n d '[bd]
7. 'yd b. hr
8 für dgbt."

Z u 1. hgbr vgl. entspr. kl.ar. al-öäbir; al-öabr, dazu öäbir, öabr, Gabbär
Caskel, Gamharat an-nasab 2491. f. Vgl. gbrn, gbrt R y c k m a n s 57 r.
Z u 2. 'fy: vgl. zu A 16 Z. 2.
Z u 6. 'bs: R y c k m a n s i 5 ö r . , kl.ar. 'Abbäs, 'Abs, 'Abis Caskel, Gamharat
an-nasab 1 0 3 I . I ; 135I.; 136I.
I. NEUE LIHYÄNISCHE INSCHRIFTEN AUS AL-'UDAIB I. 27

Zu 7. hr: Ryckmans io6r., vgl. kl.ar. al-Hurr Caskel, Gamharat an-


nasab 334 r. f.

Nr. A 24 (Abb. 27):


1. ... bn yd' '-
2. nn 'zll hzll dh
3. Idgbt bkhl b'-
4. d nhlh b(t)r w-
5. dt'h bd'mn
6. frdh ws-
7. *dh

1. „ . . . b. yd' 'nn
2. trug Sorge für dieses Schattendach
3. für dgbt nach Vermögen um
4. seiner Palmen willen in (t)r und
5. seines Frühlingswuchses in d'mn.
6—7. E r (dgbt) möge ihn zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen an ihm
haben) und ihn glücklich machen (oder: ihn unterstützen)".

Zu 1. yd' Ryckmans m l . f .
Zu 1 — 2 . 'nn: Vgl. kl.ar. 'Unain Caskel, öamharat an-nasab 572r. Vgl.
'nnn Ryckmans 1681. Zum N e b e n e i n a n d e r ^ ' 'nn vgl. zu A 3 Z. 1. Harding,
а. 0. 445.
Zu 4. (t)r vgl. A 14 Z. 3.

Nr. A 25 (Abb. 26):


1. 'yd bn hbbt
2. 'zl hzll
3. b'dh wb'd
4. 'bh wb'd nhlh
5. (l)dgbt frdh
б. w'hrth ws'dh
1. „'yd b. hbbt
2. trug Sorge für das Schattendach
3. um seiner selbst willen und
4. seines Vaters willen und seiner Palmen willen
5. für dgbt. Er (dgbt) möge ihn zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen an
ihm haben),
28 NEUE TEXTE

6. desgleichen seine (oder: an seiner) Nachkommenschaft, und ihn


glücklich machen (oder: ihn unterstützen)".
Zu i . hbbt: Ryckmans 86r. Vgl. hbb PN.m. Ryckmans a. O.

Nr. A 26 (Abb. 28; 29):


1. brkh s-
2. Ih dgbt
3. 'fy hzll
4. Idgbt b'd
5. mlh bd'mn
6. frdh w'hrth

1. ,,brkh slh
2. dgbt
3. gab das Schattendach
4. für dgbt u m
5. seines Besitzes willen in d'mn.
6. Er (dgbt) möge ihn zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen an ihm
haben), desgleichen seine (oder: an seiner) Nachkommenschaft".

Zu 1. brkh: vgl. brk, brkm, brkt Ryckmans 56I.


Z u 1 — 2 . slh dgbt: vgl. oben zu A 6 Z. 1.
Zu 3. 'fy siehe oben zu A 16 Z. 2.

Nr. A 27 (Abb. 30) :


1. tltt 'zl-
2. t frdh w-
3. s'dh
4. w'h-
5. rth

1. „tltt trug Sorge für das Schattendach.


2. Er (dgbt) möge sie zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen an ihr haben)
3. und sie glücklich machen (oder: sie unterstützen),
4. desgleichen ihre Nachkommenschaft".

Z u 1. tltt: Man gedenkt lateinischer PN., die Ordnungszahlen sind wie


Quintus, Sextus u. a. Auf eine Parallele im semitischen Bereich macht
O. Rössler (brieflich 6. 3. 70) aufmerksam: „ E s sei darauf hingewiesen, daß
in I. Chr. 7, 37 ein PN. ¿üsä (slsh) vorkommt; die Vulgata vokalisiert ihn
I. NEUE LIHYÄNISCHE INSCHRIFTEN AUS AL-'UDAIB I. 29

Salusa, Ob er an dieser Stelle männlich oder weiblich ist, läßt sich nicht
feststellen; grundsätzlich ist bei solchen Namen mit .Femininendung'
beides möglich."
Zu i — 2 . 'zlt: wieder erscheint das Verbum ohne Objekt hzll, wie oben
A 13 Z. i ; A 21 Z. 3; vgl. zu A 13 Z. 1.

Nr. A 28 (Abb. 31):


1. 'mt ...' bnt
2. rbh 'zlt
3. hzlt bkhl Idg-
4. bt b'd tbrth b-
5. d'dn frdh w'hrth

1. ,,'mt bt.
2. rbh trug Sorge für
3. das Schattendach nach Vermögen für dgbt
4. um ihres Landbesitzes willen in d'dn.
5. Er (dgbt) möge sie zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen an ihr haben),
desgleichen ihre (oder: an ihrer) Nachkommenschaft".

Zu 2. rbh: Ryckmans 1961.


Zu 3. hzlt: hier erscheint das zu ]fzU gehörige Objekt in einer Form mit -t
anstelle des sonst üblichen Objektes hzll. Dieses übliche hzll war als Sg.
gedeutet worden entsprechend kl.ar. $alälun (oder zilälun), vgl. dazu oben
zu A 1 Z. 1 — 2 [ n i c h t als Plur. entsprechend kl.ar. zulalun (Plur. zu ziüla-
tun)]. Hier erscheinendes zlt entspricht wohl kl.ar. zullatun. Als Entsprechung
ist auch altsüdar. zlt anzuführen: Jamme 846 Z. 2 „room" (a. O. S. 25or.;
438 r.; C. Conti Rossini, Chrestomathia Arabica Meridionalis Epigraphica
iöor. zlt „tectum, pavimentum lapidibus Stratum; locus complanatus").
Vgl. auch akkad. sulultu „roof or porch, covering". Siehe M. Höfner's Nach-
trag S. 37.

Z u 4. tbrth: vgl. kl.ar. tabratun „terra plana" [vgl. auch tubratun „fru-
menti in area cumulus" (Freytag)].

Z u 5. d'dn ON.: vgl. 'dn und 'dnt PN. Ryckmans 41 r.


Nr. A 29 (Abb. 32):
1 bn ...
2. 'zll hzll b-
3. khl Idgbt
30 NEUE TEXTE

4. b'd nhlh bbdr


5. frdh w'hrth

1. „ . . . . b
2. trug Sorge für das Schattendach nach Vermögen
3. für dgbt
4. u m seiner Palmen willen in bdr.
5. E r (dgbt) möge ihn zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen an ihm ha-
ben), desgleichen seine (oder: an seiner) Nachkommenschaft".

Nr. A 30 (Abb. 33):


1. s'd slh d-
2. gbt 'zll hz-
3. II Idgbt (bk)-
4. hl ('ly mlh)
5- (b)[

1. „s'd slh dgbt


2. trug Sorge für das Schattendach
3. für dgbt nach Vermögen
4. um seines Besitzes willen
5- m

Z u 1 — 2 . slh dgbt: dazu oben zu A 6 Z. 1.

Nr. D i (Abb. 34):


1. ..h slh
2. dgbt 'zll bkhl
3. 7y mkn Ih bd-
4. t"l mn dt' whrf
5. frdh w'tbh

1. ,,..h slh
2. dgbt trug Sorge für das Schattendach nach Vermögen
3. u m dessentwillen, was ihm (gehört) in dt"l
4. hinsichtlich Frühlingsgraswuchses und herbstlicher Fruchternte.
5. E r (dgbt) möge ihn zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen an ihm haben)
und ihn belohnen".

Z u 1 — 2 . slh dgbt: vgl. oben z u A 6 Z. 1.


I. NEUE LIHYÄNISCHE INSCHRIFTEN AUS AL-'UDAIB I. 31

Zu 3—4. Die übliche mit b'd eingeleitete Aussage liegt hier nicht vor.
Doch dürfte mit 'ly Entsprechendes gemeint sein, was dt', das in anderen
Texten wiederholt (oben A 2; A 13; A 20; A 23; A 24) mit b'd verbunden
ist (b'd dt'h), sowie die gewohnte Ortsangabe nahelegen, mkn entspricht
kl.ar. mä käna; mn Z. 4 schließt sich logisch an: vgl. kl.ar. mä — min.
Zu 4. hrf: das Wort erscheint wie hier neben dt' im Altsüdar. in gleicher
Bedeutung: Jamme 617 Z. 8: hrf wdt' „the fruits of autumn and of spring"
(A. Jamme, a. O. H 7 f . ) . Vgl. auch kl.ar. harf nom. act. zu ^ hrf I „decerpsit
collegitve de arbore (fructus)", also: das herbstliche Ernten von Baum-
früchten. Vgl. M. Höfner's Nachtrag S. 38.

Nr. D 2 (Abb. 35):


1. 'bd 's bn h-
2. nlh 'gw hzl-
3. I bkhl 'ly
4. mlh bbdr
5. wbSblh
6. frd w'hrth

1. ,,'bd 's b. hnlh


2 das Schattendach
3. nach Vermögen um
4. seines Besitzes willen in bdr
5. und in sblh.
6. E r (dgbt) möge (ihn) zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen <an ihm)
haben), desgleichen seine (oder: an seiner) Nachkommenschaft".

Z u 1. 'bd 's: Ryckmans 2671. Alleiniges 'bd PN.m. Ryckmans 155 r.


Alleiniges 's PN.m. Ryckmans 421.

Nr. D 3 (Abb. 36; 37):


1. llt 'zl-
2. I hzll
3. Idgbt
4. 'I dkn Ihm,
5. bbdr frdh

1. „llt trug Sorge für


2. das Schattendach
32 NEUE TEXTE

3. für dgbt
4. um dessentwillen, was ihnen (gehört)
5. in bdr. Er (dgbt) möge ihn zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen an
ihm haben)".

Zu 4. 'I dkn Ihm: 'l steht wieder für sonst übliches ¥d, vgl. oben zu D 1
Z. 3—4. d ist Relativum, vgl. den Dialekt der Tayyi', der dü indeklinabel
oder deklinabel für kl.ar. alladi verwendet, z. B. min dü 'indahum ,,of that
which is with them" (W. Wright, A Grammar of the Arabic Language i 3
[re-issued 1962, reprinted 1964], § 347, p. 272 B—C).

Nr. D 4 (Abb. 38):


1. 'mtlh bn(t') dmr
2. 'zllt hzll
3. light b'-
4. d mr'w Ih bty-
5. mm frdh w'-
6. tbh

1. ,,'mtlh bt. dmr


2. trug Sorge für das Schattendach
3. für dgbt um
4. dessentwillen, was man für sie zur Weide treibt in tymm.
5—6. Er (dgbt) möge sie zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen an ihr
haben) und möge sie belohnen".

Zu 1. 'mtlh: PN. mit 'mt Ryckmans 255 r.


dmr: vgl. Ryckmans 3131. Harding, a. 0 . 384.
Zu 4. mfwlh: entspr. kl.ar. mä ra'au lahä. ]/r'y I „weiden" (trans.) Pf.
m. pl.

Nr. D 5 (Abb. 39):


1. 'mt Hb'n
2. bnt rhbl
3. dyf'n
4. 'zllt hzll
5. Idgbt Vd
6. nhlh (Vytymm
7. frdh w'hrt(Ji)
I. N E U E L I H Y Ä N I S C H E INSCHRIFTEN AUS AL-'UDAIB I. 33

1. ,,'mt Sb'n
2. bt. rhbl
3. dyf'n
4. trug Sorge für das Schattendach
5. für dgbt um
6. ihrer Palmen willen <in) tymm.
7. Er (dgbt) möge sie zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen an ihr haben),
desgleichen /ihre) (oder: an {ihrer)) Nachkommenschaft".
Zu 1. 'mt Sb'n: sb'n PN.m. Ryckmans 205r., Sb'n ON. Ryckmans 374r.
Namen mit 'mt- Ryckmans 255I.; oben Nr. D 4 Z. 1.
Zu 2. rhbl: vgl. PN. des Stammes \/rhb rhbm, rhbn, yrhb Ryckmans
199I.; kl.ar. Rahb Caskel, Gamharat an-nasab 484I. Hier wäre rhb mit (')l
verbunden. Harding, a. O. 272.
Zu 3. dyf'n Ethnikon Ryckmans 3001.

Nr. D 6 (Abb. 40):


1 bn bn.
2. wmd bnt zbyh
3. 'zllw hzll bkhl
4. b'd tmrthmy bd-
5. t"l frdhmy ws-
6. 'dhmy

1
2. und md bt. zbyh
3. trugen Sorge für das Schattendach nach Vermögen
4. um beider Fruchtlandes willen in dt"l.
5—6. Er (dgbt) möge sie beide zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen an
ihnen beiden haben) und sie beide glücklich machen (oder: sie beide
unterstützen)".

Zu 2. md: PN.f., bezeugt ist md PN.m. Ryckmans 124I.


zbyh vgl. zby ON. Ryckmans 3411., Zabyän PN.m. Caskel, Gamharat an-
nasab 6131.

Zu 4. tmrthmy: entspricht kl.ar. tamiratun „fructibus abundans (terra)",


vgl. auch kl.ar. tamrä'u „fructifera terra". Man könnt auch eine Partizipial-
bildung (entspr. kl.ar. tämiratun) annehmen, vgl. kl.ar. \Jtmr I „fructus
habuit (arbor)", hier „fruchttragendes L a n d " bezeichnend.
3 Altheim-Stiehl, Christentum I
34 NEUE TEXTE

Nr. B i (Abb. 41; 42):


1. 'rs bn
2. b'l 'sd
3. hzll hzll
4. wf'l hslrn
5. Idgbt
6. frdh

1. „'rs b.
2. b'l 'sd
3. trug Sorge für das Schattendach
4. und machte das (Kult)bild
5. für dgbt.
6. Er (dgbt) möge ihn zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen an ihm
haben)".

Zu 1. 'rs: Ryckmans 47 r.
Zu 2. b'l 'sd: zu b'l als erstem Bestandteil eines PN.m. vgl. b'lhktd
Ryckmans 259I.; 'sd alleiniger PN.m. Ryckmans 45r.f.; 'sdn Ethnikon
Ryckmans 286I. Die Frage ist, ob man einen einzigen PN. (Konstruktus-
Verbindung), zwei Namen eines Mannes oder ob man 'sd als Ethnikon zu
verstehen hat. Vgl. oben zu A 3 Z. 1.

Nr. B 2 (Abb. 43):


1. knlt bn 'bd 'dh
2. wbnh msk 'gw
3. hzll Idgbt
4. frdh w'tbh

1. „knlt b. 'bd 'dh,


2. und sein Sohn msk,
3. das Schattendach für dgbt.
4. Er (dgbt) möge ihn zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen an ihm ha-
ben) und ihn belohnen".

Zu 1. knlt: vgl. kn-mnt („Sklave der Manät") Ryckmans 247r. Hier


kn- mit der Göttin Allät verbunden. Mit 'l verbunden: kn'l Ryckmans 247r.
'dh: Ryckmans 157 r.
I. NEUE LIHYÄNISCHE INSCHRIFTEN AUS AL-'UDAIB I. 35

'bd 'dh: Die Frage ist, ob man einen einzigen P N . (Konstruktus-Ver-


bindung) oder zwei Namen eines Mannes oder ob man 'dh als Clannamen
z u verstehen hat. Vgl. z u A 3 Z. i .

Z u 2. msk R y c k m a n s I2gr.

Nr. A 31 (Abb. 44):


1. hnfy bn t'lh
2. wsbyh bn nsf
3. zlw hzll Idgbt
4. b'd mlhrn frdhrn
5. w'tbhm

1. „hnfy b. t'lh
2. und sbyh b. nsf
3. trugen Sorge für das Schattendach für dgbt
4. u m ihres Besitzes willen. E r (dgbt) möge sie zufriedenstellen (oder:
Wohlgefallen an ihnen haben)
5. und möge sie belohnen".

Zu 1. hnfy: R y c k m a n s 1431.
t'lh: R y c k m a n s 2151. ohne h.
Zu 2. sbyh: belegt ist nur der P N . ohne -h: sby R y c k m a n s 146I. Oben
zu A 2 Z. 1.
nsf vgl. nsf ON. R y c k m a n s 351 r.

Nr. D 7 (Abb. 45):


1. mrd sl(h)
2. dgbt 'z-
3. II Idgbt
4. bkhl b'd
5. dkn Ih b(y)
6. r frdh w'-
7. tbh

1. „mrd slh
2. dgbt trug Sorge für das Schattendach
3. für dgbt
4. nach Vermögen u m
5. dessentwillen, was er besitzt in (y)r [oder (t)r\

36 NEUE TEXTE

6—7. Er (dgbt) möge ihn zufriedenstellen (oder: Wohlgefallen an ihm


haben) und ihn belohnen".

Zu 1. mrd Ryckmans 1321.


Zu 1 — 2 . slh dgbt: siehe oben zu A 6 Z. 1.
Z u 5. yr: vgl. Yry ON. al-Hamdänl 9 1 , 1 4 Müller. Vielleicht ist tr zu
lesen, vgl. oben A 14 Z. 3; A 24 Z. 4.

NACHTRAG M. HÖFNER'S

1. Zu zll:
Im Asa. kommt diese Wurzel vor allem als Subst. vor: mzll und mhzll
(formal wohl Part. II. bzw. IV.); in der Bedeutung sind beide gleich, wörtl.
„Schattenspender". Man übersetzt gewöhnlich „Schattendach, Schutzdach"
oder einfach „ D a c h " ; vgl. C I H 660, Z. 2 (WZKM 42, S. 37ff.); C I H 648
(Rhodokanakis, Studien . . . I I , S. 34; dort unter „ G l 2 7 5 ! " ; Übersetzg.
hier „gedeckte Gänge"). Als Vb. kommt die IV. Form hzll, hzl vor „ein
mzll herstellen".
In einer erst jüngst bekanntgewordenen spätsabäischen Bauinschrift
(s. G. Garbini in Ann. Ist. Orient. Napoli, n. s. vol. X I X , 1969, S. 559ff.)
wird in Z. 9 berichtet, daß im „Hausheiligtum" (mswd) „inmitten des
Daches" (b-wst/mzlln) Säulen errichtet wurden. Es scheint demnach, daß
mzll (mindestens zunächst) ein säulengetragenes Dach, eine Art Baldachin,
bzw. das Dach einer (offenen) Säulenhalle bezeichnete, was ja auch gut mit
der wörtl. Bedeutg. „Schattenspender" zusammenstimmt. Das schließt
natürlich nicht aus, daß der Begriff (anderswo oder zu anderer Zeit) abge-
wandelt oder verallgemeinert wurde.
Aus den asa. Inschriften, die zlt bzw. zllm enthalten, scheint sich mir
folgender Tatbestand zu ergeben:
1. In C I H 717 ( = Hofmus. 26), R f i S 4838 und R f i S 3321 ( = Gl 305)
dürfte zlt „ G r a b " bedeuten. Die Inschriften sind von dem Typus „zlt des
N . N . " , ganz wie andere Grabinschriften, die an Stelle von zlt einen der ver-
schiedenen Ausdrücke für „ G r a b " haben (zusammengestellt von G. Ryck-
mans in Le Museon 71, 1958, S. i25ff.); gewiß bedeuteten diese Ausdrücke
nicht ursprünglich und wörtlich einfach „Grab", sondern entweder einen
bestimmten Teil (z.B. nfs, swr), oder sie wurden dann verallgemeinert oder
I. N E U E LIH YÄNISCHE INSCHRIFTEN AUS AL-'UDAIB I. 37

waren auch Euphemismen; letzteres könnte für zlt gelten. — Auf jeden Fall
ist zlt Singular.
2. Die Bedeutung von zllm in RÉS 3955 und CIH 371 scheint dagegen
nicht ohne weiteres klar. Auf einen Eigennamen könnte die Endung -m
hinweisen (stat. indetermin.) ; denn ein Appellativ müßte eigentlich die
Artikelform (Endung -n) haben in dem Zusammenhang der genannten
Texte. Aber die beiden Inschriften sind als ganze vielleicht noch nicht rest-
los geklärt, so daß eine bindende Aussage über zllm schwierig ist.
Nun zum lihyän. zll:
a) Könnte hier zlt etwa Plural von zll sein? Oder aber ein Femin. im
Sinn eines Deminutivs ? Ich weiß nicht, ob eines von beiden formal möglich
wäre. Daß es „Grab" bedeutet, ist neben den Paralleltexten wohl kaum
möglich und würde wohl auch gar nicht in den Zusammenhang passen.
b) Läßt sich etwa aus der von Ihnen erwähnten Felszeichnung etwas
über die Beschaffenheit des zll entnehmen ? Wenn es tatsächlich aus Flecht-
werk war — könnte man da vielleicht vermuten, daß solch ein zll bei be-
stimmten Gelegenheiten ad hoc immer wieder errichtet wurde, z . B . bei
kultischen Festen; sei es im wörtlichen Sinn l-dgbt, d. h. für ein Standbild
oder Symbol des Gottes, sei es im weiteren Sinn; denn bei kultischen Feiern
geschah letztlich alles „für die Gottheit", auch wenn das „Schutzdach" nur
für die Menschen war, die sich bei der Kultstätte versammelten. — Wenn
eine solche Erklärung von zll zuträfe, wäre damit die häufige Erwähnung
an ein und derselben Örtlichkeit wohl verständlich. Doch Sie werden dies
angesichts des gesamten Materials besser beurteilen können.
2. Zu b-khl:
Ein Ortsname K H L ist zwar nicht ausgeschlossen, aber die Erklärung
„nach Vermögen" halte ich für weitaus wahrscheinlicher. — Im Asa. hat
die Wurzel khl überall die Bedeutung „können, imstande sein" (Vb., vgl.
J a 651, Z. 36), bzw. „Kraft, Macht, Vermögen" (Subst., khlt(m) vgl. J a
559 = 56 1 . Z. 12; CIH 326, Z. 3) und „mächtig, Machthaber" (khlm, R É S
4011, Z. I2f.).
3. Zu 'hrt:
Ihre Übersetzung „Nachkommenschaft" halte ich für richtig. Die Wurzel
ist gewiß 'hr, nicht hrt.
Im Asa. hat 'hr dem Arab. entsprechende Bedeutungen, z. B. J a 633,
Z. 12, 15f. wl-'hr „und weiterhin";
38 NEUE TEXTE

J a 6 o i , Z. 1 7 : wl-'hrn/'lmqh „ u n d es möge ' L M Q H fortfahren . . . " (hier


steht 'hr statt des meist üblichen wz');
J a 853 A — F = C I H 573, Z. 5: wl-wd'/ „ „ Iw'hmlklldrhmw „ u n d er (der
Gott) möge niederwerfen „ „ und vernichten (wtl. ein Ende machen) jeden
ihrer Feinde . . . " (Jamme: put aside, C I H rejicere); 'hm ist hier II. Form
in kausat. Bedeutung.

4. Z u dt':
I m Asa. bedeutet dt' „ F r ü h l i n g " ; gewöhnlich steht es neben hrf „ H e r b s t " ,
gelegentlich sind auch noch andere Jahreszeiten erwähnt. In J a 617, Z . 6 f f .
heißt es: wl-wz'/'lmqh hmr/'dmhw/ „ ,, hrf/wdt'/ws's'm/wmlym/'dy/
kl/'rdthmw „ u n d es möge ' L M Q H fortfahren, zu schenken seinen Dienern
Herbst und Frühling und Sommer und Winter auf allen ihren Ländereien".
Hier wird wohl mit den Jahreszeiten implicite auch der Pflanzenwuchs in
den Jahreszeiten gemeint sein, zumal in ähnlichen oder sonst gleichen Aus-
drücken sonst vor den Jahreszeiten fr' „ E r s t l i n g e " oder 'm(y)rt „Getreide"
steht.
„Frühlingsregen" heißt gewöhnlich brq (oder 'brq) dt' (z. B. Ja 610, Z. 14;
627, Z. n f . ) ; in F a k h r y 70 steht Z. 5 brq/dt', in Z. i 2 f . aber wsqy/hw'/dt'n
„ u n d es hat bewässert dieser Frühling(sregen)", was aber hier wohl nur eine
verkürzte Ausdrucksweise ist, die gebraucht wird, weil vorher bereits brq ¡dt'
gesagt ist.
Für lihyän. dt'h ist wohl „Frühlingswuchs" richtig.

5. Zu hrf:
Z u m asa. hrf siehe bereits dt'; es bedeutet im Asa. außerdem „ J a h r " ,
wohl deshalb, weil das Jahr im hrf anfing. Für das lihyän. hrf wird „Herbst-
w u c h s " wohl ebenso zutreffen wie „Frühlingswuchs" für dt'.

6. Z u b'd:
Im Asa. kenne ich b'd nur in der Bedeutung des arab. bada. A b e r für
das Lihyän. trifft im Zusammenhang Ihrer Texte die Erklärung nach dem
Hebr. gewiß zu. I m Asa. steht in solchen Fällen l.

7. Zu slh:
I m Asa. kommt das V b . slh vor (vermutlich II. Form) in R f i S 490g,
Z. 4f. (hadram.) in der Bedeutung „ausrüsten" (für eine Gesandtschaft) —
so übersetzt Beeston im Anhang zu Philby, Sheba's Daughters (S. 449 t.,
I. N E U E L I H Y Ä N I S C H E INSCHRIFTEN AUS A L - ' U D A I B I. 39

„Philby 82"), oder, was mir wahrscheinlicher ist, „aussenden"; ferner ist
das Subst. slhm „ W a f f e n " in C I H 548, Z. 1 belegt.
Daß in Ihren lihyän. Texten slh(t) eine Art Titel ist und irgendeine Funk-
tion der betreffenden Person in Beziehung zum Gott d - G B T bezeichnet,
scheint mir ziemlich sicher; es fragt sich nur, welche. A m ehesten könnte
man von ugar., hebr., aram. nVtf „ausstrecken, aussenden" her eine Er-
klärung finden (die „ W a f f e n " scheinen mit dem Fem. slht weniger gut ver-
einbar; zudem dürfte das Nordwestsemitische die Grundbedeutung der
Wurzel haben oder ihr jedenfalls nahestehen). Aber was man sich etwa unter
einem „Abgesandten" oder „Ausgesandten" des d-(xBT vorstellen soll, ist
eine andere Frage. Sollte man an einen „Orakelpriester" (bzw. eine Prie-
sterin) denken dürfen, die der Gott gewissermaßen „ausschickt", um seinen
Willen den Menschen kundzutun, oder die die „Aussendungen" des Gottes
verkünden. Ich bin mir bewußt, daß dies reichlich vage Erwägungen sind,
zumal ich nicht einmal im Bilde bin, ob man für „Orakel" bzw. dessen Ver-
künder im Lihyän. nicht etwa andere Ausdrücke kennt. Vielleicht finden
Sie aus Ihrer genaueren Kenntnis der Materie eine viel bessere und ein-
leuchtendere Erklärung.
Eine formale Parallele aus dem Asa. wären die 'rby = die „Ernährten"
eines Gottes (so bes. in Qatabän die ,,'rby des 'Amm von Labah"); aber
für die Bedeutung von slh hilft das natürlich nichts.
8. Zum Nebeneinander von Personennamen:
Doppelnamen, d. h. Name + Beiname, sind im Asa. sehr häufig. — Auf
Grabstelen kommt, bes. in Qatabän, auch Auslassung von bn oder d vor;
der zweite Name ist dann aber der Name der Sippe (Familie, „Clan"), nicht
des Vaters oder Großvaters.
Die lihyänische Onomatologie ist tatsächlich recht verzwickt. Ich wage
es nicht, auch nur eine Ihrer Fragen nach der einen oder anderen Richtimg
zu entscheiden, denn es scheint mir kein irgendwie gesicherter Anhaltspunkt
dafür gegeben, welcher Art die „zweiten" Namen sind. Daß ein Name sonst
als PN. belegt ist, schließt ja nicht aus, daß er auch Clanname sein kann.
Vom Asa. her kann man dazu nicht viel sagen. Die Art von Namen,
die eventuell als Beinamen in Frage kämen, sind dort nicht als solche
gebräuchlich. Beinamen sehen im Asa. gewöhnlich anders aus (z. B. Imper-
fekt-Formen wie Y H N ' M , Y H ' N , oder 'a/'aZ-Formen); und zusammen-
gesetzte Namen („Constr.-Verbindung") werden nicht getrennt geschrieben.
Daß bei Angabe des Clans d fehlt, kommt, wie ich Ihnen, glaube ich, schon
40 NEUE TEXTE

mitteilte, mehrfach auf (qatabanischen) Grabstelen vor, die ja überhaupt


nur ganz kurze Inschriften (lediglich Namen) haben.
Um der Frage der lihyän. Namengebung auf den Grund zu kommen,
wäre wohl eine sehr ausgedehnte und mühsame Untersuchung nötig, die
außer dem lihyän. Material zumindest auch die thamudischen Inschriften
einbezieht. Aber selbst dann ist es fraglich, ob man zu einer sicheren Ent-
scheidung gelangen kann.
2. KAPITEL

SAFAITIC INSCRIPTIONS
FROM
THE COUNTRY OF 'AR'AR and RA'S AL-'ANANIYAH
I n h o m a g e of gratitude and friend-
ship t o Mr. Michel Gauthier, Direc-
tor of Dumon and Vander Vin
(Brussels), Saudi A r a b i a n Division,
and t o the 1 9 6 8 — 1 9 6 9 Personnel
of the same Division.

INTRODUCTION

The small town of 'Ar'ar is located in northern Saudi Arabia, at 30° 59'
north and 41 0 02' east, near the Trans-Arabian Pipeline pumping station.
My interest in the country of 'Ar'ar was twofold. Not only did I wish to
see the area where JaS 2—23, 26—29 and 39—43 were discovered and
eventually to find more inscriptions, but I was also concerned with M.
Ghul's report on an "ancient city discovered near 'Ar'ar" 1 .
My trip to the country of 'Ar'ar on March 18—29, 1969, was sponsered
by the Department of Antiquities of Saudi Arabia, to which I had the
honor of being the epigraphical advisor. I was accompanied by the Director
of the Department of Antiquities, Mr. Mohammad A1 Ibrahim, who had
set his heart on promoting the interests of the expedition and securing the
necessary guides. I am indeed very grateful to him for his true collaboration,
and the authorization to publish the inscriptions found in the country.
Four full days were taken by the round-trip Riyadh-'Ar'ar by pickup
truck. Furthermore, the work of the expedition was plagued by a sand-
storm which lasted six and a half days, and the worst days were used to
study the three collections of Safaitic stones in possession of the Tapline
Station, Mr. 'Ibrahim al-Hawwah, the minister of Finances, and Mr.
'Ibrahim al-'Abdul'aziz al-'Awsan. I am indebted to all these persons who

1 Cf. the Saudi A r a b i a n newspaper al-Bilad, no. 2384, D e c e m b e r 8, 1966. The


report mentions also t h e discoverv of " m o r e t h a n 200 T h a m u d i c and Safaitic inscrip-
tions".
42 NEUE TEXTE

greatly facilitated my work in unusually unfavorable weather conditions,


and kindly authorized me to publish their collection.
The archaeological situation of the country of 'Ar'ar is characterized
by many heaps of stones or cairns scattered mostly on hilltops, rarely in
the wadi beds. These rocks are limestones the crust of which has become, in
many cases, brown reddish or black through the process of oxidation. They
were suitable to engraving because of the contrast between the inside,
whitish or yellowish, color of the rock and its oxidized crust. The true
colors are tarnished by the sand and can easily be restored, at least for a
short time, by a good washing and scrubbing.
These cairns or heaps of stones are landmarks or rally signs. N o text
found so far alludes, directly or indirectly, to a tomb. The expression
wgm 7, "he has mourned over", could hardly refer to a tomb; it is the simple
account of a human being grieved by the death of some of his relatives or
friends. Even the expression bny 7, "he has built upon", does not allude
to a tomb either. In my opinion, this expression merely describes the writer
as "building" a cairn to the memory of some deceased persons. However,
the actual size of such a cairn remains unknown, and we have no proof
that these Safaitic commemorative cairns are still standing. T w o texts
only, JaS 118 and 131, have the preceding expression, but no tomb is
located where they were found.
The most orderly cairn I have seen is the first site visited by the ex-
pedition, and located at the edge of the cliff west of the pipeline mark
616. 02. The almost circular wall is about 1 m. high and approximately
4 m. in diameter, and the stones are rather well set together. The inside
is a disorderly pile of stones. In the lower half of the height of this pile,
there is an accumulation of sand that has sifted down between the rocks
and has hardened by the rain. All soundings ended on the rocky ground.
The other cairns visited by the expedition do not have any outside wall,
but are mere heaps of stones.
The largest site visited by the expedition is ancient Badanah, a wide
field of volcanic black slabs and stones on the crest of a rocky hill. Some of
these stones have rather strange forms; for instance, one of them looks
like an armless human bust. None of them, however, shows the slightest
trace of being a human artifact. Inside the same field, I counted fourteen
heaps of stones, and three of them have in common the same feature, viz.
three standing slabs making two right angles and set in the direction of
II. SAFAITIC INSCRIPTIONS FROM THE COUNTRY 'AR'AR 43

Mekka. Such a large sheet of black stones strewn on a rocky surface must
have been a wonderful landmark or rally point for transmigrating people
or travelers of ancient and more recent past, in the same way that it is
well known to travelers of the present time. It is quite understandable
that these travelers have cleaned up some places which are almost even, to
establish their camp. The few places which have been cleaned up from
small rocks, are enclosed by very low elliptical walls made of loosen black
stones and are contiguous to cairns. The Bedouins of today still do the
very same. According to where they happen to stop, they use a cairn, a
boulder, or the side of a mountain, to protect their camp against the wind.
When possible, they crown the encircling low wall with bushes to further
secure the enclosing of their sheep for the night. It is impossible, in my
opinion, to understand the field of volcanic stones of ancient Badanah as
the remains of an ancient city.
Several Safaitic stones found by Mr. M. Ghul at ancient Badanah in
1966 are presently in the museum of the University of Riyadh. Unfortu-
nately, I was unable to study them.
There does not seem to be any trace of Safaitic inscription east of the
country of 'Ar'ar; all reports on the subject point to the north and west.
The country of 'Ar'ar would thus appear to be the eastern extremity of the
Safaitic area.
It was indeed a great pleasure to take advantage of the trip to 'Ar'ar
to gather an important collection of Safaitic stones and to bring them back
to the museum of the Department of Antiquities of Riyadh. This collection
of sixty-five stones comes from seven different places, as indicated by the
following schema:
1st group: JaS 90 and 91; 2nd group: JaS 102—108; 3rd group: JaS 111 —
134; 4th group: JaS 135—140; 5th group: JaS 143—162; 6th group: JaS
166—169; and 7th group: JaS 170 and 171.
The group of five Safaitic stones delivered to the museum of the Depart-
ment of Antiquities by Mr. F. S. Vidal of Aramco on July 2, 1968, is added
to the 'Ar'ar collection. These stones were found on October 8, 1950, by
Mr. D. Holm, a former Aramco employee, at Ra's al-'Ananiyah. This place
overlooks Wadi as-Sirhan, a long wadi northwest of the city of al-Jawf
and south of the country of al-Harrah, which lies east of the Jordan border.
The commentary on each of the 226 texts of the present collection was
voluntarily kept as brief as possible. However, the study of a large number
44 NEUE T E X T E

of previously published Safatic inscriptions was carried out in connection


with the texts published here and has appeared as a separate volume entitled
"Safaitic Notes" (Washington, 1970).
The importance of the present collection is stressed by the new names
outnumbering those already found elsewhere, by the new additions to the
vocabulary and, especially, by the dialectal characteristics in the usage of
the preposition 7 after some verbs, and by the new examples of the qtwl
and qtlrn nominal derivations.
dt' 7, "he has spent the spring at", (already in J a S 39 and 40) is a
feature exclusive of the texts of Saudi Arabia. Elsewhere, when dt' is
followed by the mention of a place, this word, whether a noun (e. g., dr
"place") or a proper name (e. g., hgr "Higr", a city), is normally apposed
to the verb. In three cases only, CIS 3665, 4772 and HaCH 193 = IM
49218b 2 , the word indicating the place is introduced by the preposition b.
The two formulas, dt' 'I and dt' b, are equally represented in the present
collection.
sty 7, "he has spent the winter at", is another characteristic of the texts
of Saudi Arabia.
hrs 7, "he was on the look-out for", is a characteristic of the southern
Safaitic group; it is also found in both Amman 10 and HaCH 125.
The normal usage of a preposition after a verb calls for the repetition
of the preposition before each complement; e. g., wgm 7 — w'l — w'l —
w'l — in J a S 47. However, 7 after qss "he was a narrator", in J a S 170,
introduces four complements united to each other by w "and". The ex-
pression qss 7 being attested here for the first time, it is not possible to
determine whether or not it is an exception to the normal rule, or another
characteristic of either the local or southern group. However, one may
ask whether the reason of such a feature is not to be sought in the fact
that the four persons involved in the case may have been together when
the writer was narrating.
The nominal derivation by far the most frequently attested is qtlt, and
'qtl, yqtl, mqtl and qtln follow far behind. Two of the much less illustrated
derivations, which are rare in Safaitic, are of special interest, viz, qtwl and qtlm.
The qtwl formation does not seem to have been recognized as such in
the past, and is attested here by three names, viz. krwz, kdwb and glwq.

2 Cf. JaSFP.
II. S A F A I T I C I N S C R I P T I O N S FROM T H E C O U N T R Y ' A R ' A R 45

The qtlm formation has never been formally accepted b y scholars 3 in


spite of epigraphical evidence; e. g., s'tm (CIS 1445), q'sm (CIS 1958), and
Sblm (CIS 350). In the present collection, ty'rn and s'tm belong to the qtlm
formation, and I prefer interpreting hm'm and tl'm in the same manner rather
than to explain them as - ' « theophoric names.
These two nominal derivations are discussed at length in my book
entitled Safaitic Notes (pp. 126 and 127—130).
Beside the well-known elements entering into the composition of the-
ophoric names, such as 'I-, -'I, -I and -It, the present collection offers for the
first time in Safaitic the two elements l(y)' and ygt.
The male deity L a y ' is attested b y CIS 1668 in the scriptio defectiva
/'4, as in the name s'dl', the scriptio plena being ly', as shown b y the name
'bdly'. L a y ' would appear to be an evil deity according to the suggested
etymology which refers the divine name to Ar la a (o) "to be ugly, deformed
in countenance" 5 .
The name of the male deity Y a g ü t is known in Thamudic b y the the-
ophoric name tmygf, and in Safaitic b y the two names wbygt and mr'ygt1.
Y a g ü t would seem to be a very good deity on the basis of the meaning of
the root gwt "to help, aid".
The study of the Kodachromes of the present collection indicates that
the letters are always distinctly written on the originals, and that there is
no confustion between letters, such as b and r, provided the letter forms are
analyzed with a scrutinizing care. The state of preservation of many stones
is not very good and sometimes very bad. But the task of an epigrapher is
to do his very best to read the inscriptions. Confuse and inaccurate letters
mar almost all facsimiles published so far because these copies were made

3 Cf., e. g., CIS who qualifies 'rbrn as "nomen inauditum" (p. 200B, no. 1514),
an expression which means, in CIS's vocabulary, a name without any etymology.
WiSIJ declares 'mnm a "curious name" (p. 70, no. 459). However, this author makes
no remark on s'tm, although he relates the name to the root s't (p. 173).
4 Three letters of the facsimile are misread, and a fourth one is suppressed in

CIS's decipherment of CIS 1668, from which the divine name I' is absent (p. 220A).
5 The Ar root ly' exists in the 4th form only, "(she-camel) to be slow".
6 Cf., e. g., JaTS, p. 95A, where the second t is a typing error instead of t.
7 mr'ygt is reported as a Thamudic name by J. Ryckmans (cf. Studia islamica, 5

[1956], p. 10). The text (or, texts) mentioning the name is (or, are) still unpublished,
and the Thamudic identification of many inscriptions of the same collection is surely
inaccurate (cf. my book entitled Research on Sabaean Rock Inscriptions from South-
western Arabia, Washington, 1965, pp. 3 — 7 : "The strange case of the SA graffiti").
46 NEUE TEXTE

either too hastily or b y an inexperienced person. It is of no importance


that the facsimile is decipherable and translatable; many erroneous copies
are susceptible of some translation. The only important question is to record
what is written on the stone and nothing else. I know b y experience how
absolutely necessary it is to very carefully check the first copy of a text
not only with the original, but also with a good photograph. In m y opinion,
the lack of time is neither an acceptable reason nor a valid excuse for
making an inaccurate copy.
The plates printed at the end of the book contain m y tracings made from
m y Kodachromes, except for 123, 126, 160, 173 c, 174b and c, which I
unfortunately forgot to photograph. The careful, repeated study of the
Kodachromes made possible the epigraphical analyzis of the letter forms
reproduced b y the tracings, which show the great freedom taken b y the
writers within the basic letter forms. Here follows a long series of remarks
which will be completed in due time b y the systematic palaegraphical study
of the letters known b y all available photographs.
' — The abnormal form of the second ' of 141 is the result of the correc-
tion of /, which the writer had erroneously engraved.
b — 145 a presents the unique case of a special form reserved to the
word bn "son of".
g — The letter has the same size as ' in 60, but is a rather angular
square, contrary to cf. also the very angular form, e. g., in 91 and 113,
and the lozenge form, e. g., in 156. It is rather difficult to understand w h y
g of 133 b was kept as composed of two separate elements, which the writer
could easily have united.
d — The appendix is always large, and is either triangular (e. g., 110),
square (e. g., 127) or well rounded (e. g., 60). The form of 137 belongs to
the known type of 159 a, but is new inasmuch as the appendix is open. The
central horizontal stroke inside the appendix of the letter in 170 is ad-
ventitious : the writer had erroneously engraved a second h by dittography,
a letter which he corrected b y adding a long straight line connecting the
extremities of the three parallel elements of h.
d — The forms with four elements in the upper part are Thamudic; cf.
58c, 74, 83b and 1 7 1 a . The form in 85b looks like a letter composed of
b + s.
w — The letter is always large. In two cases, viz. 56 and 112, the letter
has the horseshoe form (thus, open at the bottom) with the horizontal line
II. SAFAITIC INSCRIPTIONS FROM T H E C O U N T R Y ' A R ' A R 47

either limited by, or protrading on, both sides respectively. The letter of
58 a is normal, but the central element is protruding on the lower section
of the circle. Finally, two forms are quite elaborate. The fourth w of 67 is
a rectangle lying on its side, and the central element is an upside-down
" V " with strongly concave lateral sides. The second w of 145 is an almost
perfect square inside of which is a well-rounded " V " the upper extremities
of which are connected with two short horizontal strokes.
h — The form of 129 h is to be noted because the transversal line pro-
trudes on both sides of the space limited by the three parallel lines.
h — The letter of 109 b is composed of two small hyperbolas placed back
to back.
tB (cf. the schema on fig. 1). — The basic form is composed of five parallel
lines, two horizontal and three vertical, the two groups crossing each other
at a right angle, no. 1. No. 2 is no. 1 less one horitontal line; and nos. 3
and 4 are variants of no. 2 with the horizontal line protruding on one side
only or linited by the three vertical lines, respectively. No. 4 is the most
used type in the present collection, as it is also in JaS 2—23®. No. 5 is no. 2
rotated at a 90° angle; and no. 6 is no. 5 less one horizontal line. The sup-
pression of one horizontal line of no. 5, and of one vertical line of no. 2
gives nos. 6 and 7, respectively. No. 8 is a variant of no. 7 in which the
horizontal line protrudes on one side only. Note, however, that no. 7 could
also be explained as no. 6 rotated at a 90° angle.
z (cf. the schema on fig. 1). — The oldest form attested in the present
collection is a bottomless square with rounded angles; no. 1. Nos. 2 and 3
are no. 1 with a half-circular top and a convex line as lateral side respec-
tively. No. 5 is an angular form derived from no. 2 and missing here, no. 4,
with rounded angles and undulated and concave lines as lateral sides. No. 6
is a bottomless trapeze. The combination of nos. 5 and 6 gives the " V " -
shaped form with a short line added at the extremity of each aslant line
and making with the latter a sharp angle, no. 7. The addition of these two
short lines is necessary to differentiate the letter from the same letter form
of s. The bottomless, rectangular parallelogram of no. 8, which is missing
here also, is developed into no. 9, where the lateral sides are two lines,
undulated and concave respectively.

8 Nos. 1, 2 and 4 are respectively nos. 5, 3 (and its variant, no. 4) and 1 (and its

variant, no. 2) of JaS ISA's description of the letter (p. 194).


9 Cf. /. c., p. 194.
48 NEUE TEXTE

y — The appendix is very large in many cases (e. g., 44a); and its forms
include the triangle (located on top of the tail, as, e. g., in 59 b, or alongside
of its upper extremity as, e. g., in 74), the ellipsis (e. g., 87b), the rounded
trapeze (e. g., 153), the plain circle (e. g., 53), and the lozenge (e. g., 48b;
with a short appendix added to the upper extremity of the letter in 143 a).
The square forms are represented by two types, viz. the square is alongside
of the upper extremity of the tail (e. g., 63), and the letter in 82 b is h the
two lateral elements of which are connected to each other by a small half-
circle. These two forms have each one cursive variant, respectively, e. g.,
110, second, and 73, second.
I —• The common form is a vertical or aslant, more or less straight line.
However, the line with its extremity bent downward, which is so often
mistaken for r by publishers, is found in 46, 104, 109 a and 138 a.
m — Three cases of the square form composed of two more or less
rounded rectangles set one above the other and connected to each other by
a straight line on the side may be seen in 132 b and c. There is no confusion
between this type of m and the parallel t form because the latter has two
squares, instead of rectangles. The present collection also has open forms
(112 and 174 a).
n — The common form is a small dot; but the short stroke is used in
more than thirty inscription (e. g., 44b, 48a).
s —• The letter form is a bottomless rectangular parallelogram in 63 and
65 a. The perfectly straight "V"-shaped form is attested by 98, and its
cursive version which looks like a strongly curved beak is found in 119.
' — One may point out the large square in 66b, the large dot in 103 a,
and the lozenge in 106.
g (cf. the schema on fig. 1). — The basic form might look like a broken
line making a wide angle, and supported by a vertical line, no. 1. I do not
remember seeing it or anything similar on the photographs presently avail-
able to me. No. 2 is no. 1 the upper element of which is very strongly
curved, and this element only is the whole letter of no. 3. In no. 4, the sec-
tion of the upper element of no. 2 which is bent downward, is suppressed,
and the other element is completed as to form a half-circle. No. 5 is a strongly
cursive form of no. 4; and in no. 6, the small element of the upside down
no. 5 looses its curve and becomes a straight line. No. 7 is no. 4 with a
small vertical line added to the top of the letter. No. 8 is no. 4 with a square
upper section supported by a concave vertical line. Finally, no. 10 is the
II. SAFAITIC INSCRIPTIONS FROM THE COUNTRY 'AR'AR 49

result of the combination of nos. 7 and 8, and the longest vertical line is
hanging down from the center of the lower horizontal line.
/ (cf. the schema on fig. 1). — The basic letter form is composed of four
short strokes making three slightly rounded angles, two on one side and one
on the other, no. 1. The first development is characterized by the complete
rounding of the three angles, and is shown by two forms varying in width
only, nos. 2 and 3. Nos. 4, 5 and 6 show no. 2 with an enlarged upper ele-
ment, either concave or convex, or with both upper and lower lines becom-
ing long straight lines. No. 7 is a further development of no. 6 in which the
three horizontal elements are given the same length. Nos. 8 and 9 are no. 3
the center of which either becomes sharly angular or is replaced by a very
short vertical line. This line is lengthened to the extent of becoming the
main element of no. 10. No. 11 is the cursive, undulated form of no. 10.
In nos. 12 and 13, the short vertical line of no. 9 is replaced by a curved
stroke, small or large respectively.
Neither no. 11 nor no. 13 can be taken as £ because the central loops
are not in the vertical axis of the two extreme ones, being, as they are,
secondary developments.
s (cf. the schema on fig. 1). — The general pattern of the Thamudic
development of the letter as shown in JaTS's schema (p. 56) remains valid
here also. The basic form is a more or less rounded triangle supported by
two aslant lines independent from each other, no. 1. In no. 2, one of these
aslant lines is moved to the side so as to be in the vertical axis of one side
of the upper part. The main subsequent development affects the two lower
lines which become contiguous to each other, except in two cases of the last
stage which is characterized by the addition of a third line. Nos. 3, 4, 5 and
6 have in common that the aslant line of no. 2 is shorthened and added to
the lower half of the vertical line. These forms differ from each other by
the form of the upper element (a rounded triangle in no. 3, a rectangular
parallelogram in no. 4, a lozenge in no. 5, and a circle in no. 6) and also by
the location of the short aslant stroke, which is found either on the same
side as the upper element (nos. 3, 4 and 5) or on the opposite side (no. 6).
Nos. 7, 8, 9 and 10 are cursive forms of nos. 3—6 where the long straight
line is replaced by an undulated stroke; their upper section is respectively
a rounded square, an ellipsis, a circle, and a lozenge. In no. 11, the short
stroke is not merely added to the main line, as in nos. 3—6, but is replaced
by two short lines making a sharp angle and added to the lower extremity
4 Altheim-Stiehl, Christcntum I
50 NEUE TEXTE

of the main line. Note also that the upper section of the letter is a rectangle
the long basis of which is in the axis of the main line.
No. 12 is composed of a tall, rounded triangle resting on top of a narrow
hyperbola. The two elements of no. 12 are replaced in no. 13 by a circle
resting on top of an upside down, strongly concave " V " . This form is chang-
ed completely by the insertion of a vertical line between the two sections
of the letter, no. 14, and by the straightening of the lines of the lower part,
no. 15. No. 16 is no. 15, except for the lengthening of the added central
line, and the lozenge of the upper section. The characteristic long line of
nos. 3—6 reappears and transforms nos. 15 and 16 into nos. 17 and 18; the
central vertical line becomes the main element of the lower half of these
new letter forms, and a short line, either aslant (no. 17) or horizontal
(no. 18), is added to about the center of that vertical line. In nos. 19 and 20,
the extremity of the added horizontal stroke is bent at a right angle, and
the vertical part of it is either short (no. 19) or lengthened so as to reach
the level of the main vertical line (no. 20). In nos. 21 and 22, the two parts
of the lower appendix either are concave lines or become a single aslant,
undulated line. In nos. 23 and 24, the undulated main line of nos. 7—10
replaces the vertical line of no. 20. In no. 25, the bottomless square of no. 20
is taken as a separate entity, and the vertical line which connects it to the
upper section, coincides with the vertical axis of both sections.
The last development of the letter is characterized by the addition of
a second short line to the lower half of the letter. This newcomer is found
either between the upper section and the regular short line (either on the
opposite side of the latter, in no. 26, or on the same side in no. 27), or inside
the bottomless square of no. 25, viz. in the axis of the central vertical line,
no. 28.
d (cf. the schema on fig. 1). — The basic form seems to be composed of
two long parallels inside of which are found two short parallels, perpen-
dicular to the first group, no. 1. In no. 2, the two groups of parallel lines
cross each other. In no. 3, the four appendices of the square of no. 2 are
rotated at a 45° angle in such a way that their axes are diagonal to the
square. The same appendices are suppressed all together in no. 4. However,
a dot is inserted into the center of the square in order to differentiate d
from g. The choice of this necessary addition was propably influenced by
the original South-Arabian letter, the central horizontal line of which was
reduced to a dot. Therefore, no. 4 could also well be another basic form.
II. S A F A I T I C I N S C R I P T I O N S FROM T H E C O U N T R Y ' A R ' A R 51

No. 5 is the cursive form of no. 4; and no. 6 replaces the central dot b y a
small ellipsis. It is noteworthy to point out that the only two d's of the
previously published 'Ar'ar collection, viz. JaS 15 and 22, belong to the
no. 6 letter type.
q — The central element is normally very large (e. g., 45, 59b), but the
normal size is also attested (e. g., 52, 58 c). The form of the central element
varies considerably, as expected, fron one letter to the other, and is either
circular (e. g., 65), elliptical (e. g., 45), trapezoidal (e. g., 69), parallelo-
grammatic (e. g., 48), square (e. g., 94), or rounded rectangular (e. g., 70).
Note the very large rectangle set either normally (90 and 158) or on one
small basis (111, second). The tail in 150 a is abnormally protracted down-
ward in order to ascertain the connection of reading between the two sides
of the stone.
r (cf. the schema on fig. 2). — The basic form is a strongly curved line,
no. 1. It remains difficult in many cases to judge whether the curve is a
half-ellipsis or a half-circle. This curved line will reappear in the cursive
forms of several developments. Nos. 2, 3, 4 and 5 are square forms of no. 1 ;
they differ from each other only b y the length of the horizontal elements;
and no. 6 is the cursive form of no. 4. Nos. 7 — 1 5 are developments of nos. 2—5
with regard to the length and position of the horizontal lines. 1) In no. 7,
the two short lines of no. 2 become aslant outwardly and are affixed very
close to, but not at the end of, the vertical line. 2) One of the two short
lines is rotated at a 45 0 angle, either outwardly (no. 8) or inwardly (no. 9).
3) The horizontal lines remain at their normal places, but are rotated at a
45° angle, either inwardly (no. 10) or outwardly (no. 12), or parallelly to
each other (no. 14). Nos. 11 and 13 are variants of nos. 10 and 12; and no.
15 is a very cursive form of no. 14. The vertical line becomes slightly
undulated in no. 16. No. 17 is no. 12 with a short vertical line affixed
inwardly to the extremity of one aslant line; and in no. 20, a second short
line is added to the other aslant line. Nos. 18 and 19 are nos. 2 and 3 with
an appendix attached to the end of one horizontal line, either outward
(no. 18) or inward (no. 19). In no. 26, the rounded center of no. 1 is attached
to two straight lines, and becomes angular in no. 27. No. 28 is no. 27 rotated
to the left at a 450 angle; thus, one line is vertical. In no. 29, the two straight
lines of no. 28 are replaced by concave strokes. No. 30 is no. 27 rotated to
the right at a 45° angle with the vertical line being strongly concave. No.
31 is a strongly cursive form of no. 30 with a short line added, in its center,
4*
52 NEUE TEXTE

to the end of the upper part of the letter. The combination of nos. 18 and
32 gives no. 21. No. 22 is no. 19 with a second short line added to the ex-
tremity of the lower section of the letter. Nos. 23 and 24 are cursive forms
of no. 19, and nos. 25 and 33 are respectively nos. 24 and 32 with the same
addition as in no. 22. Nos. 34, 35 and 36 are cursive forms of no. 33.
s (cf. the schema on fig. 2). — The basic form seems to be composed of
three sharp angles made b y four straight lines, no. 1, and may be shematized
b y the figure 1/2 which indicates one angle on one side and two on the other.
This form is identical with one lettering of / (e. g., W i 37), which does not
appear in the present collection. Similarly, no. 17 of s is identical with one
form of g (e. g., W i 125), which is also missing here. Similar cases of identical
letterings can be found with regard to b and r. However, the same letterings
having two possible readings do not appear, fortunately, in the same text.
It seems certain to me that the most important development of s, which is
characterized b y the multiplication of the loops, was aimed at definitely
differentiating $ from /. In any event, this process of development opened
the door to numerous combinations. Nos. 2 — 1 1 may be described respec-
tively b y the following figures: 2/2, 3/2, 3/3, 4/3, 4/4, 5/4, 5/5, 5/6, 8/9 and
9/10. The last two types are long, narrow serpentines. Were the size of
each section kept normal, the letter would have been much too long.
Furthermore, the number of the sections differentiates £ from / in an un-
mistakable manner. Therefore, the exact shape of each section, either angu-
lar or curved, is of no importance. The types 2/2, 3/2, 3/3 and 4/3 are b y
far the most frequently attested ones in the present collection; they are
listed according to their importance.
The second trend of development is characterized b y the square type,
which is missing here. What I consider as the first development is also
missing here and would look like a horizontal line connecting two opposite,
strongly convex lines, no. 12. No. 13 is no. 12 with a square lower half; and
the latter is replaced b y a well-rounded line in no. 14. Nos. 16 and 17 are
composed respectively of three and two horizontal lines connected to each
other b y two well-rounded curves. No. 18 is no. 16 the five elements of
which are broken lines. No. 19 is no. 16 with a small vertical appendix
added to the upper extremity of the letter; and no. 20 is the perfect square
type (no. 15) with one rounded element and an undulated line hanging
down from the extremity of the lower line.
t — The square type, the swastika, is attested here twice only, 88 and 150 a.
II. SAFAITIC INSCRIPTIONS FROM T H E C O U N T R Y ' A R ' A R 53

t — The abnormal lower half of the letter in 144, the shape of which is
very similar to the corresponding part of ' in 141, can hardly be explained.
The square type is composed of two small squares united together by a
vertical line located in the axis of their lateral sides (e. g., 57a, b). Cf. also
the study on m.
It is interesting to note that one short appendix is added at one stage
of the development of y, g, r and ¿, that a second short appendix, identical
with the first, is further added to a later development of g and r and,
finally, that both appendices are added at the same time to z.
Finally, the only case of double tracing is found in 175.
The schemas representing the engraving designs are limited to the pres-
ent collection, with the exception of no. 6 of t and no. 2 of g, which come
from another collection, but still from the same area. The systematic study
of all photographs available will doubtless offer many other variants. Each
schema will be adapted accordingly.
The special emphasis given to t, z, g, /, s, d, r and f is justified because
the forms of these letters are typical in Safaitic, with the exception of s
the forms of which fit very well in South-Arabian. Furthermore, many
forms of the seven other letters differ considerably from each other. The
making of a schema for each letter is, in my opinion, the only way to find
out how the various letter forms came about and can be related to each
other and be read instead of being guessed. Yet such a research has never
been attempted before10.
Two other conclusions may be drawn from those schemas.
a) The schemas disprove considering the so-called square lettering as
the oldest. It has to be a later development.
b) The dependence from South-Arabian is manifest. The extrem left of
each schema gives the South-Arabian letter corresponding to its Safaitic
counterpart. The elements of the South-Arabian letter left out in Safaitic
are traced in stippling.
The only letter which, in my opinion, could be of importance in deter-
mining the terminus ante quern non is /. However, the geographical location
of the Safaitic area requires that the contacts were made with the Minaeans
of the trading post of al-'Ula. Unfortunately, the northern Minaean cursive

10 LiSI (p. VIII) seems satisfied by referring to his sketchy fifty-five line descrip-
tion of the alphabet published in 1904; and neither WiSIJ nor W. G. Oxtoby even
mention the question.
54 NEUE TEXTE

lettering is not known well enough to be of great help at the present time.
However, taking into consideration both the epigraphical development of
the Safaitic letters and the general historical outline of the Minaean colony
of al-'Ula, I would suggest the period including the end of the fourth
century B. C. and the beginning of the third as a plausible date for the
beginning of the Safaitic script 11 .
The pedigrees, which are such an important part of the Safaitic in-
scriptions, create the special problem of identifying persons known by
homonymic names. The approach adopted so far by editors is that two
names listed in two identical pedigrees refer to the very same persons. This
approach is materialized in WiSIJ's innovation in his word list according
to which "the name of the father of each individual has been given wherever
it was known in order to differentiate persons bearing the same name"
(p. 136). The endorsement of the preceding suggestion would also include
the principle of identification stated above which I fail to approve. The
names are known exclusively by consonantic spellings; and I consider it
illogical for an author to list several possibilities of vocalizing names12
while disregarding the same possibilities in two-name pedigrees. Only one
different vocalization of one of the two names is enough to throw off the
identification; and such a possibility cannot be denied. Therefore, the
11
The latest published statement on the question is based on an incorrect argu-
mentation. W. G. Oxtoby writes (p. 6): " T h e inscriptions in a square, almost formal,
script [ ] are generally thought to be the oldest and to date from the first century
B . C. [ ] Among the texts in this script are a number referring to a rebellion which
according to C 4438 was against Rome and which according to C 4448 and W 78
occurred the year the Persians (mdy) came to Busra (Bostra)." The elements of this
argumentation, when disentangled and put in order, read as follows. The square form
is considered as the oldest. The rebellion against Rome must have taken place in the
first century B . C. because another dating of the same historical event, 614 A. D., is
much too late according to the theory placing the end of the Safaitic script in the
fourth century A. D. I t is a vicious circle, in m y opinion, to date an historical fact
on the basis of two hypotheses of dating the inscriptions and then to find a confirma-
tion of these hypotheses in the date of the same historical event. Furthermore, these
hypotheses on the dating of the oldest and youngest Safaitic inscriptions are based
on invalid argumentations, as pointed out by Ja.RO. It may be added here that these
hypotheses allow a span of 499 years at the very most. How can such a theory be
reconciled with texts containing genealogies of fifteen generations, such as Wi 130,
C I S 1993 a n c l Wi 376 ? With an average of twenty years ascribed to one generation,
each of these genealogical lists already covers 300 years, and none of them contains
any clue suggesting that they should be either completely or even partly contemporary
to each other.
12
Cf. CIS, p. X I I I , and WiSI J , pp. 136—209.
II. S A F A I T I C I N S C R I P T I O N S FROM T H E C O U N T R Y ' A R ' A R 55

identifications based on such an approach are at their best highly ques-


tionable.
The same approach is sometimes given such an importance that the
result is a misreading aimed at forcing a facsimile to be agreeable to one given
pedigree 13 . A facsimile must be read as it stands, unless an obvious error
is detected, but it cannot be tampered with to suit any kind of preconceived
idea.
It would be safe, in my view, to identify homonymic names if the pedi-
gree is composed of at least four names, and also if two-name pedigree is
further defined. This complement of information may be the addition of
the tribe name, or the engraving of the pedigrees on either the same stone
(e. g., L P 240 and 24214) or different stones found together in situ. This
fact indicates that the area had become familiar to a certain group of
persons.
The application of the preceding guide lines led to the following iden-
tifications :
56a and c are b y the same author; three generations are listed;
61, 62 and 72a are b y the same author; eleven generations are given;
64 and 67 are b y the same author, and ys'b mentioned in 67 is the
author's uncle; three generations are listed;
75b, 157 and 158 are identical; three generations are given;
the author of 130 b is the son of the author of 130 a, the nephew of the
author of 115 and the grandnephew of the author of 113; six
generations are listed;
the author of 116 is the grandnephew of J Art of 118; six generations are
given;
the author of 117 is the nephew of the author of 134 a; five generations
are listed;
the author of 133 b is the grandnephew of the author of 128 and the
great-grandnephew of the author of 123; seven generations are
given;

13 This practice is a common feature in CIS. One example suffices here, dr bn


'swr is found in CIS 38, 48, 149, L P 576 and 1159 according to CIS (p. 10B). The
pedigree exists in CIS 149 only. The second name is 'swb ' " A s w a b " in L P 576, 'wsl
' " A w s a l " in CIS 38 and 48, and '5 tk '"Aws. He was inebriated" in L P 1159. Cf. Ar
tahka "(spirituous beverage) to inebriate, go to one's head"; here in the passive voice.
14 The study of the Safaitic collection of Princeton University made a new edition

of the texts necessary; the paper is to be published.


56 NEUE T E X T E

the author of 132 b is the brother of the author of 132 c and the son of
the author of 129b; five generations are given;
142 and CIS 310 are by the same author;
149a and 1 4 1 a are by the same author; four generations are listed.
84 presents a special case. It would appear logical to identify 'ts
of the pedigree with his homonym mentioned in the pericope of
the same text. Then, the author mourns upon his own brother, and
the pedigree covers four generations.

The deities mentioned in the inscriptions are 'It, dsr, ylt, Ih and It which
are found respectively in one, four, two, one and twelve texts.
The contents of the inscriptions offer a wide variety of interesting
details which the authors confided to the stones so that they may be
known by passing-by travelers.
Two new professional activities are mentioned, viz. qss "he was a
narrator" 15 , and ndS "he has carded cotton".
Beside well-known expressions, such as wgm ('I) "he has mourned
(over)" and tSwq "he was filled with longing", the following words describe
some human psychological reactions: gwy 'I "he had an aversion for",
htw bdh "he was grieved at the appearance of", ngd "he was distressed by
sorrow", and r'b "he was frightened".
Other words refer to specific conditions of the human body, viz. 'mhl
"he has suffered from dearth", 'lm "he was in pain", dim "he has become
black", sd' "slender in body", swy "he has withered" and Swh "he has
become an old man".
The requests made to the deity include, beside the well-known slm
"safety", dnwt wtrf "closeness and pleasantness of life", wd "love", wq' 'It
"the guard of 'Allat", hlf "progeny", mgdt "happiness" and qbll "welcome".
The texts give many other details of natural, personal or social character.
The following summary does not list well-known details, such as the offering
of a sacrifice, the encamping or spending of the spring at a certain place.
The natural facts referred to are the presence of muddy water (61), of
abundance of herbage (156), and of the deadly summer's heat (146).
The social events are the gathering of a large crowd (48 b), a successful
pursuit (59 b), the giving of a ransom (73), the misfortune brought upon

15
Cf. also Ox 7 and 77, as indicated by JaRO.
II. S A F A I T I C INSCRIPTIONS FROM T H E C O U N T R Y ' A R ' A R 57

someone by his own son (97), and the existence of disorders in some area
(e. g., 140b).
Of personal character are the following details. The author was followed
(58 c); he drew great profit (63) and wealth from pasturing (155); someone
was made chief (69); a cheat was imprisoned for his deceiving report on
the herbage situation (88); the author made his trip very rapidly (e.g.,
87b), and has arrived suddenly (164); he was helped (100a) and struck
(144); he has associated himself with someone as a friend (119) 1 8 ; he has
hidden himself (133 a); he has made an idol (133 b) and gathered crushed
date-stones (171b); finally, someone has rebelled (171b).
The last question to be dealt with here concerns the engraving designs;
for their drawings, cf. fig. 2.
First of all, 71, 84, 85, 86, 87, 92, 96, 141, 150b, c and i62d are not
listed in this study because the necessary information was not taken or the
design did not appear clearly enough.
The letters are simply pecked in no. 1. The transversal section of the
letter shows either a triangular cut with flat edges in no. 2 17 , or a rounded
curve, either elliptical or circular, with a smooth surface in no. 3, or a
rectangle at the bottom of which is the design of an ordinary spiral line in
no. 4. The elements of the spiral line are wide apart and the loops are
rather small in no. 5. The spiral line with large, imbricated loops, charac-
terizes no. 6 18 . The bottom of the rectangular cut shown by the transversal
section is ornated by either intertwined festoons with elliptical, closed
loops on both lateral sides in no. 7 19 or an ordinary serpentine in no. 820.
The elements of the serpentine are closely knit in no. 9. Finally, the design
is composed of vertical slashes and the bottom of the letter is more or less
smooth in 55.

16
Cf. already Ox 72, as indicated by JaRO.
17
As in J a S 2, 13 and 1 5 ; cf. JaSISA, p. 191.
18
As in J a S 14; cf. I. c., p. 192, and the second design of the right column on
p. 209. However, the straight line running through the center of the spiral line in
J a S 14 does not exist here.
19
As in J a S 6; cf. I. c., p. 192, and the second design of the left column on p. 209.
20
As in J a S 1 1 ; cf. I. c., p. 192, and the upper design of the right column on p. 209.
58 NEUE TEXTE

INSCRIPTIONS

1. West of the pipeline mark 616.02; March 21

44 1 : an isolated yellowish limestone with a blackened crust (42 X 27 cm)


on a cairn at the edge of the cliff; approximate measurements of the
cairn: 4 m. in diameter, and 1 m. in height.
a: I'str gwy 7 hdm By 'Astar. He had an aversion for Hadim. —• 'sir,
cf. Ar 'astaru "(man) having the eyelid slit, or his lower lip cracked". —gwy
'I, cf. Ar jawiya 'aid "to have an aversion for". •—• hdm, e. g., Wi 75.
b : IdS bn ht By Dass, son of Hawat. — ds, cf. A r dassa " t o g o on a
trip, travel". — ht, cf. Ar hawita "to be slack and hanging down; to have a
belly slack and hanging down".
45: about 150 m. north-northwest of the preceding cairn, a yellowish
limestone with a brownish blackened crust; in the ground.
Iftq By Fatiq. — Cf. A r fatiq "swollen, inflated, in the flanks".
About 15 cm. west of the preseding rock, another rock in the ground, with
a Kufic inscription which was readily read 'hmd 'bn mhdh 'Ahmad, ibn
Mahdah by Mr. Mohammed A1 Ibrahim.
46: about 200 m. northwest of the preceding place, a yellowish rock
with a brownish, slightly blackened crust; in the ground; 20 x 15 cm.
lyhld By Yahlud. — E . g., W i 153.

2. Collection of 'Ibrahim al-Hawwat; March 22

47: a yellowish limestone with a slightly blackened crust; 21.5 x 15 cm.;


maximum thickness: 4 cm.
I'n'm bn s'd wwgm 7 'sd w'l s'dl' d'l 'kt
By 'An'am, son of Saad. And he has mourned over 'Asad and over
Sa'adlay', him of the tribe of 'Akkat.
The well-known symbol composed of seven straight lines is found in the
lower right corner of the stone. — 'nm, e. g., JaS 25. — s'd, e. g., Wi 40. —
wgm 'I, cf. JaSVW. — 'sd, e. g., W i 182. — s'dl': I' is the scriptio defectiva

1 For JaS I, cf. *Atiqot, 1 (1959), pp. 150—151; JaS 2—23, cf. Oriens Antiquus. 6

(1967), pp. 189—213 and pi. 50—55; JaS 24—38, cf. my paper entitled "New Safaitic
and Hasaean Inscriptions from northern Arabia" (to be published); JaS 39—43, cf.
my paper entitled "The pre-Islamic Inscriptions of the Riyadh Museum", in Oriens
Antiquus 9 (1970), pp. 115—^136 and pi. on pp. 131—139.
II. S A F A I T I C I N S C R I P T I O N S F R O M T H E C O U N T R Y ' A R ' A R 59

of ly' which is attested b y another theophoric name, 'belly', in JaS 54a. —


'kt, JaS 39.
48: a yellowish limestone with a slightly blackened crust; 40.5 x 16 cm.;
maximum thickness: 1 1 . 5 c m .
a: Fbdlh bn mqm
By 'Abdallah, son of Muqlm.
'bdlh, e. g., Wi 271. •— mqm, e. g., W i 3 8 i ; the stone was not broken off
after the engraving.
b: Vts bn "bd bn dttn whlyt
By 'Alas, son of 'A'abd, son of Dattan. And (there was) a large
crowd [here],
'is, e. g., W i 819. — "bd, e. g., W i 601. — dttn: a qattal formation; cf. the
personal name dtn in L P 399. — hlyt, cf. Ar hilat "large crowd, throng, mob".
49: a yellowish limestone with a slightly blackened crust; 32 x 15 cm.;
maximum thickness: 6.5 cm.
... bn in]Llj, bn ghr d'l wqr'l whyt V[.. . ]dswL'j
. . ., son of Majlit, son of Gahir, him of the tribe of Waqar'il. And he
has journeyed straight through to 'A[. . . ], him of Saw(').
mjlt, e. g., W i 413. — ghr, e. g., W i 115. — wqr'l, HaNST 8. •— hyt I: the
present text is the second ascertained occurrence of the verb hyt followed b y
the preposition I, the first being Wi 101, where it was not recognized b y
WiSIJ (p. 23). Cf. Ar hata 'ila " t o journey on, not pausing for anything,
to a place". — sw(') is a personal name, e. g., in CIS 95 (cf. JaMIL, p. 126,
note 76)2; cf. also sw'l in Ox 53.
50: a whitish limestone with a brownish crust, heavily blackened in three
places; broken into three parts; 33 x 25.5 cm.; maximum thickness:
16.5 cm.
Isb bn hmnt bn mr'ygt bn w'lt wbny 7 ghs
By Sabb, son of Hammanat, son of Mara'yagut, son of Wa ilat. And
he has built upon Gahs.
Sb, e. g., Wi 693. — hmnt, cf. Ar hammana "to pocket". — mr'ygt, same
nominal formation as mr'lh (e. g., L P 339); ygt, e. g., L P 219. This is the
first theophoric name with the element ygt. — w'lt, e. g., JaS 19. — bny 'I,
cf. JaSVW, pp. 1 7 1 — 1 7 2 . — g h s , e. g., HaCH 31.

2 Note that the last letter of JsaL 67 was left out in the tracing reproduced on

the plate annexed to JaMIL.


60 NEUE TEXTE

51: a yellowish limestone with an all-blackened crust; 25.5 x 25 cm.;


almost constant thickness: 11 cm.
Inhm bn nmr bn snnm wbny 'I gnS' bn glm
By Nihm, son of Nimr, son of Sannam. And he has built upon GanSa',
son of Galim.
The seven lines cross the text. — nhm, e. g., CIS 1399. — nmr, e. g., LP
997. — snnm, cf. snm, e. g., in JaS 19. — gns', cf. Ar janS "fear, fright". —
glm, e. g., CIS 1545 (cf. JaMIL, p. 120, note 65).

52: a yellowish limestone with a slightly brownish crust; 23 x 14 cm.;


almost constant thickness: 9 cm.
Ib'r bn rm bn lrt bn Sml whyt I'qlt
By Bair, son of Ram, son of 'Arit, son of Simal. And he has journeyed
straight through to ' Uqlat.
b'r, e. g., LP 303. — rm, e. g., LP 955. — 'rt, cf. Ar 'arata "to attack some-
one's reputation". — sml, cf. Ar Simal "left". — 'qlt, cf. Ar 'uqlat "bond,
shackle", and 'ql, e. g., in Wi 663.
53: a yellowish limestone with a heavily blackened brownish crust with
many spots covered with a white pigmentation; 41.5 x 25.5 cm.;
almost constant thickness: 13.5 cm.
Inmr bn 'sd bn rny wbny 'I ghS
By Nimr, son of 'Asad, son of Rani. And he has built upon Gahs.
my, cf. Ar rana (o) "to gaze". — bny 7 ghS, J a S 50.
54: a whitish limestone with a deep-brown, partly blackened crust;
34 X 28 cm.; maximum thickness: 15.5 cm.
a: I'bdly' bn Ibk bn gfft d'l 'sr wwld fhlt wd wslm
By 'Abdlayya', son of Labak, son of Gafifat, him of the tribe of
'Asar. And he has brought forth children. So, 0 Lat, [grant] love
and safety.
'bdly' : for the second element of this new theophoric name, which is the
scriptio plena of I' in s'dl' of J a S 47, cf. Ar la a (o) "to be ugly in counten-
ance". — Ibk, e. g., CIS 2122. — gfft, e. g., LP 77. — 'sr, also a tribe name,
e. g., in CIS 1664. — wld, e. g., CIS 4148. — wd is attested here for the
first time its ordinary meaning, "love". — slm, e. g., Wi 37.
b: I'n'm bn hff bn hlk
By 'An'am, son of Hafaf, son of Hulk.
II. SAFAITIC INSCRIPTIONS FROM T H E C O U N T R Y ' A R ' A R 61

h f f , cf. Ar hafaf "an evil state of life", and 'hff, e. g., in L P 1203. — hlk,
cf. Ar hulk "loss, ruin".

3. Collection of 'Ibrahim al-'Abdul'aziz al-'Awsan; March 22

55: a yellowish limestone wit a brownish crust; 24.5 x 13 cm.; constant


thickness: 3 cm.
Igmn bn 'srk[. . . ]yl
By Gamin, son of 'Asrak [. . .
There are still three short lines remaining from the well-known series of
seven. — gmn, cf. the verb gmn "to b u r y " in the passive voice in Ox 10
(cf. JaRO). — 'srk, e. g., Stein 6; but the name could be incomplete.

56: a yellowish limestone with a slightly brownish crust; top side;


17.5 x 9.5 cm.; back side: 18 x (maximum) 7 c m .
a : on the top side: Ihdmt bn 'km bn Srb
By Hadmat, son of 'Ukam, son of Sarib.
hdmt, CIS 5376. — 'km, Wi 945. — srb, e. g., Wi 381.
b : below and on the left of a: wrf bn tgnyt d'l tm
Warf, son of Tagnayat, he of the tribe of Taym.
The text is not introduced by the preposition I (e. g., Wi 512). — wrf, cf.
Ar warafa " t o be wide, spacious". — tgnyt, cf. gny, e. g., in Wi 658. — tm,
e. g., JaS 4.
c: on the back side: Ihdmt bn 'km w'mr wtswq
By Hadmat, son of 'Ukam. And he has dwelt [here] and was filled
with longing.
'mr, 0 x 4 6 7 (cf. JaRO), and m'mr "dwelling" in 0 x 2 ; for this text, cf.
JaSFP. — tSwq, e. g., WiSIJ, p. 174.

57: a yellowish limestone with a light brownish crust; 1 9 x 1 6 cm ;


maximum thickness: 7 cm.
a: I'fs bn 'tdw
By 'Afays, son of 'Atdaw.
'fs \ the root fys (cf. Ar fasa [i] " t o go away") is attested in the theophoric
name fs'l, instead of the root fsy, as suggested b y both HaLiSTI (p. 46,
no. 494) and WiSIJ (p. 81, no. 567). — 'tdw, cf. Ar tada (i) " t o moisten",
b: I'lb bn gt bn qnym whll
62 NEUE TEXTE

By 'Alb, son of Gawt, son of Qunaym. And he has encamped [hereJ.


'lb, e. g., CIS 1706. — gt, e. g., Wi 50. — qnym, cf. qnm in HaCH 48. —
Ml, e. g., Wi 532.
c: Ihws bn fty bn 'mln bn
By Hawis, son of Fatay, son of 'Amlän. He has stopped [here],
hws, cf. Ar hawisa "(man) to have an eye sunk, depressed". — fty, e. g.,
CIS 138. — 'mln, cf. 'ml; e. g., in Wi 95. —• bn, Wi 705a (cf. JaSML), and
Ox 234 (cf. JaRO).
58: a slightly yellowish limestone with a slightly brownish crust; top
side: 15 x 11.5 cm.; front side: 19 x 7 cm.; back side: 10.5 x 10 cm.
a: on the top side: Inm bn his whll
By Na'm, son of Hälis. And he has encamped [here],
n'm, e. g., JaS 40. — his, e. g., Wi 13.
b: on the front side: Isl' bn drd bn 'lyn wdt' whll
By Sala', son of Darid, son of 'Alyän. And he has spent the spring
and encamped [hereJ.
si', cf. Ar sala' "baldness in the fore part of the head". — drd, cf. Ar darida
"to be, become toothless". — 'lyn, e. g., Wi 195. — dt', e. g., JaS 39.
c: finely engraved on the back side: Ihbd tqf
By Häbid. He was followed very closely,
hbd, cf. Ar habida "to be fast (running)". — tqf, 5th form of qf', cf. Ar
taqayyafa "to follow someone step by step"; here in the passive voice.

59: a yellowish limestone with a slightly brownish crust; 19.5 X 16 cm.


a: Imgyr bn grdt
By Migyär, son of Gurdat.
mgyr, e. g., L P 181. — grdt, cf. Ar jurdat "plain and bare land", and the
personal name grd in CIS 2749.
b: Isty fqw gtw bn t'qd wtmlkh
By Satay. He has followed the track of Gätiw, son of Ta'qld, and has
seized him.
sty, cf. the well-known verb sty in JaS 126. — fqw, cf. Ar faqä (o) "to follow
someone's track". — gtw, cf. Ar gatä (o) "to cover, conceal". — t'qd, cf.
Ar ta'qid, masdar of 'aqada, 2nd form "to make a knot", and the personal
name 'qd in CIS 5113.
60: a yellowish limestone with a slightly brownish crust partly covered with
a yellowish pigmentation¡43.5 X 1 6 5 cm.; maximum thickness: 4 cm.
II. SAFAITIC INSCRIPTIONS FROM THE COUNTRY 'AR'AR 63

Itm bn w'd bn hlmt wwgm 7 s'd wbny wngd wdt' wwhd


By Tamm, son of Waid, son of Halmat. And he has mourned over
Sa'ad and has made [this] and he has become distressed by sorrow and
has spent the spring [here] and has been lonely.
tm, e. g., JaS 5. •— w'd, e. g., W i 743. — hlmt, cf. Ar halama, 2nd form " t o
choose", and the noun him "friend, companion" in W i 156 (cf. J. T. Milik,
in Syria, 37 [i960], p. 180A). •— ngd, cf. A r najida " t o become afflicted,
distressed, oppressed b y sorrow, grief, a n x i e t y " , and the personal name
ngd in CIS 551. •— bny = bnw in CIS 3510 (instead of bn w . . .). — whd,
cf. A r wahida " t o be, become alone without anyone to cheer him", and
whd m (= mn) in CIS 1863; for whd in O x collection, cf. JaRO.

6 1 : a yellowish limestone with a heavily blackened brownish crust;


18 x 20.5 cm ; maximum thickness: 14 cm.
Ihlflh bn 'byn wswy wdt' whm'
By Halaflah, son of 'Abyan. And he has withered and spent the spring
[here], and (the water) was muddy.

hlflh, new theophoric name; the root hlf is well known in onomastics. —
'byn, e. g., W i 400. — swy, W i 90; cf. A r sawa (i) " t o become slender, dry,
dried u p " . The noun swy " c a i r n " is the plural of suwwat (cf. LiSI, p. 175,
commentary on L P 683), which is derived from the root sww. — hm', cf.
Ar hama'a "(water) to be m u d d y " .

62: a yellowish limestone with a heavily blackened brownish crust;


28 X 20 cm.; maximum thickness: 19 cm.
Ihlflh bn 'byn bn hid bn fdg bn klb bn 'Im' bn sd bn dhr bn dhr bn s'm
bn yhld
By Halaflah, son of 'Abyan, son of Halid, son of Fadig, son of Kalb,
son of 'Almac, son of Sawd, son of Dahr, son of Dahr, son of Sa'm, son
of Yahlud.
hid, e. g., W i 118. — fdg, e. g., W i 37. — klb, e. g., JaS 2. — 'lm\ cf. A r
'alma'u "gifted with a penetrating mind". — sd, e. g., L P 224. — dhr, cf.
A r dahara " t o hoard, treasure something". — s'm, CIS 2988.

63: a yellowish limestone with a blackened brownish crust; 25.5 x 12 c m . ;


m a x i m u m thickness: 10 cm.
Vbdlh bn znyt wbny fhls
64 NEUE TEXTE

By 'Abdallah, son of Zanyat. And he has made [this], and great profit!
znyt, HaCH 172. — his, cf. Ar hals "great profit" rather than the verb
hulisa " t o have lost weight".

64: a yellowish limestone with a blackened brownish crust; 32.5 x 29 cm.;


maximum thickness: 16 cm.
I'tm bn wznt in w'd wwgm 'I y'sb w'l s'd'l w'l 'sd w'l hid wdt' wwhd
By 'Atim, son of Waznat, son of Waid. And he has mourned over
Yu'sib and over Sa'ad'il and over 'A sad and over Hdlid, and he has
spent the spring [here] and has been lonely.
The text is introduced b y a square lying on one of its angles. Above the
space between z and n of wznt, there are three aslant straight lines. Finally,
three long undulated, finely engraved lines separate the lines of the text
from each other. — 'tm, e. g., Wi 318. — wznt, cf. Ar wazana " t o be h e a v y " .
— y'Sb, cf. Ar 'aSiba "to be, become dry". — s'd'l, e. g., CIS 494.

65: a yellowish limestone with a partly blackened brownish crust;


34.5 x 24 cm.; maximum thickness: 6 cm.
a: Ikrzn bn kst d'l rgym
By Karzan, son of Kasit, him of the tribe of Rugaym.
krzn, IM 49217/4. — kst, e. g., Wi 43. — rgym, a qutayl formation; cf. rgm,
e. g „ in JaS 77a.
b: Imqtl bn mlkn
By Muqatil, son of Malkan.
mqtl, e. g., Wi 324. — mlkn, e. g., CIS 27.
c: Ing' bn fr'
By Nagi', son of Fan .
ng', e. g., Wi 979. — fr', CIS 1271.
d: I'mm
By 'Amam.
E . g., Wi 266.

66: a yellowish limestone with a heavily blackened crust; 28.5 x 19 cm.;


maximum thickness: 7.5 cm.
a: lf[. ,]LkA bn d'tt wdt'
By Fu[. .Jayk, son of Da'it at. And he has spent the spring [here].
Between / and k, there is space for two letters, if compared with the letters
of the lower line; the name is most probably a qutayl form, and there are
II. S A F A I T I C I N S C R I P T I O N S FROM T H E C O U N T R Y ' A R ' A R 65

at least five radicals which may be used in the present case. — d'tt, cf. Ar
da'ata "to trample the ground",
b: Isyr bn s'dlh bn lit
By Sayir, son of Sa'adlah, son of Lawdat.
syr, cf. the verb, e. g., in CIS 1664. — s'dlh, e. g., Wi 317. — lit, cf. Id,
e. g., in CIS 334.

67: a yellowish limestone with a blackened brown crust; 53 X 22.5 cm.;


almost constant thickness: 6 cm.
I'tm bn wznt bn w'd wwgrn 7 y'Sb bn w'd
By 'Atim, son of Waznat, son of Wa'id. And he has mourned over
Yu'Sib, son of Waid. — The letter h is engraved below the space
between the sixth and seventh letters.

68: a whitish limestone with a heavily blackened crust; 41.5 x 36 cm.;


maximum thickness: 7 cm.
a: Idwm bn "bd bn dgg bn yny bn hdd bn sdh bn yn'tn hyt
By Dawm, son of 'A 'abd, son of Dagg, son of Yani, son of Hudad,
son of Saduh, son of Yan'im. He has journeyed straight through,
dwm, cf. Ar dawam "duration, continuation". — dgg, e. g., L P 383. —
yny, cf. ny (e. g., CIS 2268) "to migrate". — hdd, e. g., L P 873. — sdh, cf.
Ar saduh "having a loud voice, cry". — yn'm, L P 421.
b : lyhb By Yahubb. — CIS 353.
c: Idhs rbd By Dahs. He has stayed [here].
Between and above the first two letters of the text, there is the design of
the sun with seven very short rays. — dhs, cf. Ar dahs "(man) full of
strength". — rbd, cf. rabada "to remain, stay, dwell in a place".

69: a whitish limestone with a blackened crust; 39 X 16.5 cm.; maximum


thickness: 8.5 cm.
Iqn Ptm bn qn' swd
By Qinn. Sa'atum, son of Qunu' was made chief,
qn, e. g., Wi 557. — s'tm, e. g., HaCH 5. — qn', cf. Ar qana'a "to be, be-
come intensely red". — swd, cf. Ar sada (o), 2nd form "to make someone
a chief"; here in the passive voice.

70: a whitish limestone with a slightly blackened crust; 28 x 12 cm.;


maximum thickness : 8.5 cm.
I'srk bn yqm bn dhsrn wwgm 'I 'mh wit wdir slm wmgdt
5 Altbeim-Stiehl, Christentum I
66 NEUE TEXTE

By 'Asrak, son of Yaqum, son of Duhusam. And he has mourned


over his mother. And, Lat and DuSara, [grant] safety and happiness.
The t e x t is engraved on a strongly convex surface. A long, undulated line
separates the three lines of the t e x t ; cf. JaS 64. — yqm, IM 51045a. —
dhsm, cf. hsm, e. g., W i 636. -— dsr, e. g., W i 59. — mgdt, e. g., H a N S T 4;
cf. A r judda " t o be h a p p y " , and majdiid " h a p p y " , instead of majd " g l o r y "
(cf. CIS, p. 1 1 2 A , commentary on C I S 823, and HaNST, pp. 27 and 28,
nos. 4 and 7). mgdt is also known as a personal name (CIS 1572 and 2727).

7 1 : a whitish, slightly yellowish limestone; 19 x 13 cm.; maximum thick-


ness : 9 cm. The three texts are engraved on a slightly concave surface,
a: Itslm wqbll
By Taslim. And welcome!
tslm, JaS 43. — qbll is found either isolated here, Damas 5722 B and
N a j i (cf. A . Naji, in Sumer, 18 [1962], pp. 1 6 5 — 1 7 0 and pi. 1), or in one of
the two following expressions: slm wqbll in H a C H 42, 43, 44 and 137, and
qbll w'wr in L P 233, where LiSI (p. 53) reads qbln. This reading is hardly
possible because the letter n would be even longer than I! Cf. A r qabilal, the
infinitive of the n t h form of qabala (not the 10th form, as suggested b y
E. Littmann in HaCH, p. 23, commentary on H a C H 42), which has the
same meaning as qabila " t o receive, accept with approbation"; thus " t o
welcome". The meaning of "welcome" m a y be retained here as well as
N a j i and in the four H a C H texts. The context of L P 233 makes it impera-
tive to suggest the opposite meaning of "rejection", qbll = qbl (= qabal,
the infinitive of the 1st form) in C I S 88 and L P 701 in the expression slm
wqbl which equals slm wqbll (see above); the verb qbl " t o be welcomed" is
found in CIS 1863 and 2405.
b: Ihld
By Halid.
c: Igyr bn stygt bn hd't fwq' 'It
By Gayur, son of Sutaygat, son of Hadi'at. And the guard of 'Allat!
gyr, e. g., W i 8 6 . — stygt, a qutaylat form derived from stg; cf. A r Sataga
" t o tread, trample something under foot". — hd't, cf. A r hadi'at "deceit,
delusion". — wq', cf. A r waqa'a " t o guard, preserve", and waqa' "means
used to guard, preserve something against any evil", wq' 'It: one of the
t w o "s was forgotten b y haplography, but was added above the space be-
tween q and
II. SAFAITIC INSCRIPTIONS FROM T H E C O U N T R Y ' A R ' A R 67

72: a yellowish limestone; 27 x 15.5 cm.; maximum thickness: 11 cm.


a: Ihlflh bn 'byn
By Halaflah, son of 'Abyan.
b : I'tr bn r'f'l
By 'Attar, son of Kuaf'il.
'tr, W i 6 4 . — r'f'l: for the first element of this new theophoric name, cf.
Ar ruaf "act of proceeding, outrunning, or outstripping".
73: a yellowish limestone with a heavily blackened crust; 17 x 11.5 cm.;
maximum thickness: 3 cm.
ly'mr bn mswty bn frm bny 7 hist w'l mtH wfdyt fit dnwt wtrf
By Ya'mur, son of Miswatay, son of Farim. He has built upon Halsat
and upon Mat'at. And ransom. And, Lat, [grant] closeness and pleas-
antness of life.
The upper section of the text, m . . . st, is engraved on the upper lateral
side, and the rest of the inscription on the concave upper side. — y'mr,
e. g., L P 179. — mswty: 'st, the 4th form of the verb swt is found in L P 409;
cf. also Ar miswat "who raises his voice, cries, shouts". — frm, cf. Ar
farama "to cut into small parts". — hist, e. g., W i 16. — mt't, cf. Ar mit'at
and mut'at "pleasure", and the personal name mt' in Ox 179. — fdyt, JaS
28. — dnwt, cf. Ar danawat, masdar of dana (o) "to be, become near; draw
near; approach". — trf, cf. Ar turfat "plentifulness, and pleasantness, or
easiness, and softness of life".

74: a whitish, brownish limestone; 63 x 25 cm.; maximum thickness:


13.5 cm.
izkn bn dryn
By Zukan, son of Daryan.
zkn, cf. Ar zukan "who has a good memory". — dryn, cf. Ar dariya " t o
be delighted with something".

4. Stones at the Tapline Station; March 22 and 27

75: a whitish limestone with a slightly blackened brown crust; partly


buried in the ground; measurements of the part above the ground: 112
(center) and 115 (bottom) x 87.5 cm.; almost constant thickness:
9 cm.

68 NEUE TEXTE

a: I'n'm bn Shr whll


By 'An am, son of Sahar. And he has encamped [here].
shr, e. g., Wi 872. — There is an isolated h above bnS.
b: Iblqt bn bgt bn gsm wqss
By Balqat, son of Baggat, son of Guiam. And he was a narrator.
blqt, cf. Ar balaqa "to walk at a quick pace". — bgt, e. g., CIS 4033. — gSm,
e. g., Wi 317. — qss, Ox 7 and 57 (for this text, cf. JaSML); cf. Ar qassa
"to relate a piece of news, tradition, story to ('aid, as in qss 'I of JaS 170)
someone", and qass "the relator of a story or narrative in its proper course",
as in the personal name qs of CIS 5275 (cf. JaSVW, p. 161).
c: Ishr bn 'ys bn srdt bn 'n'm wgls
By Sahar, son of 'Iyas, son of Saridat, son of 'An'am. And he has
sat [here].
'ys, e. g., W i 38. — srdt, e. g., JaS 11. — gls: WiSIJ translates the verb as
"to set u p " with reference to the 2nd form jallasa (p. 152). The application
of such a meaning to the engraving of a text is, in my opinion, improbable.
HaCH's translation as "to abide, stay in a place" (p. 52A) overstretches
the original meaning of gls "to sit", that is to say to sit down or rest for a
while, as during an occasional halt. The expression gls whll (JaS 132 c)
illustrates the difference between gls and the staying in one place.
d: Ismr bn mqm
By ¿amir, son of Muqlm.
smr, e. g., JaS 27. — The text is followed b y the series of seven dots.

76: a slightly grayish limestone with a brownish crust; 92 x 62 cm.;


maximum thickness: 13.5 cm.
a: I'dr bn msqt
By 'Adir, son of Masqat,
'dr, cf. Ar 'adira "to have a hernia". — msqt, cf. Ar saqita "to be unhappy",
b: Ishr
By Sahir.
E. g „ HaCH 65.

77: a completely blackened whitish limestone; 41 x 31.5 cm ; almost


constant thickness: 8.5 (top) and 1 cm. (bottom).
II. S A F A I T I C I N S C R I P T I O N S FROM T H E C O U N T R Y ' A R ' A R 69

a: Irgm bn hnn
By Ragim, son of Hannan.
rgm, JaS 13. — hnn, e. g., JaS 9.
b: I'dnn bn qdn
By 'Adann, son of Qawdan.
'dnn, cf. 'dn in Wi 664, and Ar 'adannu "(man) having a curved back". —
qdn, cf. the verb qd in CIS 285.

78: a slightly blackened brownish limestone; 48.5 x 34 cm.; maximum


thickness: 13 cm.
a: Irhm
By Rahim.
Cf. Ar rahim "compassionate",
b: Inmn
By Numan.
E. g., Wi 12.
c: Ihld bn ht' bn ymlk
By Halid, son of Hati', son of Yamlik.
ht', cf. Ar hata'a " t o prevent someone from coming near something". —
ymlk, e. g., W i 284.
d: Imlhb
By Milhab.
Cf. A r milhab "(man) pleasing in beauty; having much hair", and Ihb,
e. g., in JaS 173c. — The name is followed be seven straight lines.

79: a yellowish limestone with a brownish crust; 37.5 x 19 cm.; almost


constant thickness: 12.5 cm.
a: ISzr bn hn'lh wwgm 7 'bh
By Sazir, son of Hani'lah. And he has mourned over his father,
szr, e. g., Wi 705, and Ar Sazara " t o look askew, sideways". — hn'lh, same
nominal formation, e. g., as hn'mnt (e. g., H a C H 58) and hn'Sms (CIS 264).
b: Ishl bn m'rb
By Suhhal, son of Mu'rib.
shl, cf. the verb in JaS 28, Ar suhhal "weak, bad, vile", and mshl in CIS
4978 (cf. JaMIL, p. 62). — m'rb, cf. Ar muarib "who expresses something
clearly", and 'rb, e. g., H a C H 99.
70 NEUE TEXTE

c: llhyb
By Luhayb.
A qutayl formation derived from Ihb; cf. A r lahaba " t o slap, strike someone
with the open h a n d " .

80: a yellowish limestone with a brownish crust; 28.5 x 14.5 cm.; maxi-
m u m thickness: 9 cm.
In'm bn gt wyr'b
By Nam, son of Gawt. And he is frightened,
yr'b, cf. A r ra'aba " t o fear, be afraid, frightened, terrified".

8 1 : a whitish limestone with a brown crust; 27 X 26 cm.; almost constant


thickness: 9 cm.
Ihndt bn w'lt wwg[m]
By Handat, son of Wa'ilat. And [he has] mourfnedj.
hndt, cf. A r hundat "intense, violent h e a t " . — The break of the stone is
not recent.

82: a fragment of platter of brownish limestone; height of the outside


rim: 3.8 cm.; length of the bottom: 8 cm.
a : on the outside of the rim: rzbn d\l hsf
Razban, he of the tribe of Hasir.
rzbn, cf. A r razaba " t o stick to one place". — hsr, cf. A r hasir "(man) who
presses, squeezes, vehemently".
b : on the outside of the b o t t o m : lyqz whtw bdh hlh hf
By Yuqazz. And he was grieved at the appearance — 0 Lah! —
of Hiff.
yqz, cf. A r qazza " t o spring". — htw, cf. A r hata (o) " t o droop one's head
because of grief or pain". — dh, cf. A r dahat or dihat, masdar of wadaha
" t o be manifest, evident; to appear clearly". — hf, e. g., W i 223, and A r
hiff "(man) light-footed and nimble at running". — For a t e x t interrupted
b y an invocation, cf., e. g., CIS 1984.

83: a fragment of a platter of slightly bluish limestone; height of the rim:


2.8 c m . ; width of the outside of the bottom: 9 cm.
a : on the outside of the rim: glwq 'lm
Galwaq was in pain,
glwq, cf. A r galaqa " t o go a w a y " . — 'lm, cf. A r 'alima " t o be in pain".
II. SAFAITIC INSCRIPTIONS FROM THE COUNTRY "AR'AR 71

b : on the inside of the bottom: 'rhf dkdwb


'Arhab, he of Kadwab.
'rhf, cf. Ar rahaf "softness". — kdwb, cf. Ar kadib "red inclining in color to
white".
c: on the outside of the bottom: Ihdnb bn tsn'
By Hadanib, son of Tasna .
hdnb, cf. dnb in CIS 2624 (cf. JaMIL, p. 120, note 65). — tsn', cf. Ar sanu'a
(thing) to be, become bad, evil".

5. Ancient Badanah, about 30 miles from 'Ar'ar; March 23 and 26

84: a yellowish limestone with a brownish crust; 69.5 x 42 cm.; thick-


ness : 14 cm.
Inwd bn 'is wwgm 'I mhlm bn 'ts bn 'Is bn yn'm
By Nawwad, son of 'Atas. And he has mourned over Muhallim, son
of 'Atas, son of 'Alis, son of Yan'im.
nwd, CIS 3914, and Ar nada (o) " t o move one's head as a man asleep". —
mhlm, e. g., JaS 4. — 'Is, CIS 3074.

85: a yellowish limestone with a brownish crust; 72 X 52 cm.; maximum


thickness: 11 cm.
a: Imqr' bn dr bn 'ly bn qdm bn ngm
By Muqri', son of Darr, son of 'Alay, son of Qadam, son of Nagm.
mqr', cf. the verb qr' in CIS 4803, — dr, e. g., L P 576. — 'ly, e. g., Wi
308. — qdm, e. g., JaS 37. — ngm, e. g., Wi 65.
b: Vrq bn dnn
By 'Uraq, son of Dannan.
'rq, cf. Ar 'uraq "who sweats much". — dnn, cf. Ar danna "(thing) to flow".

86: a whitish limestone with a brownish crust; 50 x 53 cm.; maximum


thickness: 8.5 cm.
a: Ihrm bn 'ly bn syh
By Harim, son of 'Alay, son of Sayih.
hrm, e. g., W i 596. — syh, e. g., Wi 633.
b: Ishh bn gt bn qdm sn[t. . .
By Sahah, son of Gawt, son of Qadam, the yea[r...
shh, cf. Ar sahah "healthy, in perfect health". — The end of the text is
destroyed.
72 NEUE TEXTE

87: a yellowish limestone with a slightly brownish crust; 84 x 65 cm.;


maximum thickness: 18 cm.
a: Vhd bn 'ssr wwgm
By ' Ahad, son of 'Assar. And he has mourned,
'hd, e. g., Wi 279. — 'ssr, cf. A t 'asara "to extract",
b: lykzb nh
By Yakzub. He has journeyed vehemently,
ykzb, cf. Ar kazdba "to become full of f a t " . — nh, cf. Ar nahha "to journey
vehemently",
c: Iks
By Kays.
Cf. Ar kays "intelligence, smartness".

88: a brownish limestone with a completely blackened crust; broken into


four parts; 92 X 150 cm.; almost constant thickness: 20 cm.
Imnm bn gnm bn mnm wqss V sly bfyh wit sgnt
By Mun'im, son of Ganim, son of Mun'im. And 'Irr has narrated
deceiving about abundance of herbage. And, Lat, imprisonment,
mn'm, e. g., JaS 37. — gnm, e. g., HaCH 154a. — V, e. g., Wi 379. — sly,
cf. Ar sala (i) "to deceive, delude"; here the present participle. — fyh, cf.
Ar fayh "abundance of herbage". — sgnt, cf. Ar sign "imprisonment". —
There are seven adventitious additions to the text, besides several straight
lines scattered all over the inscribed surface. Some of those additions look
like letters (e. g., b [?] above the second m), but, at least, two of them are
mere designs (e. g., below rsl).
The two following texts were found on a hilltop about 10 minutes on foot
north-northwest of the preceding location.
JaT 12 3 : a yellowish limestone with a purplish crust; 47 x 28 cm.; maxi-
mum thickness: 9 cm.
tqb Taqib. — Cf. Ar taqib "(man) very red"; cf. Safaitic tqbt, e. g.,
in W i 251.
89: a yellowish limestone with a purplish crust; 44 x 29 cm.; maximum
thickness: 13 cm.
Izk' zf

3 For JaT 1—8 and 9 — 1 1 , cf. my papers entitled "The Pre-Islamic Inscriptions

of the Riyadh Museum" (cf. Oriens Antiquus, 9 [1970], pp. 125—129), and "Pre-Islamic
Arabic Documentation, I " (to be published), respectively.
II. SAFAITIC INSCRIPTIONS FROM T H E COUNTRY ' A R ' A R 73

By Zuka'. He has gone quickly,


zk', cf. Ar zuka' "wealthy man prompt in paying". — zf, cf. Ar zafa (i)
"to go quickly".

6. Island in the wadi about 9 miles west of 'Ar'ar, on the road to


Sakakah al-Jawf; March 24

90: a whitish limestone with a slightly brownish crust; 74 x 44.5 cm.;


constant thickness: 12 cm.; broken into two parts during the trip
back to Riyadh.
Ihmgn bn 'qrb bn 'n'm wrgm mny 'I 'iy'h wdt' 7 ISms d'l tbn
By Hamgan, son of 'Aqrab, son of 'An'am. And he has abhorred death
on account of his friends, and has spent the spring at LiSams, him of
the tribe of Tawban.
hmgn, cf. hmgt in Ox 147. — 'qrb, e. g., Wi 164. — rgm mny 7, cf. Orientalia,
36 (1967), pp. 345—348. — 'Sy'h, e. g., LP 306. — dt' 7, J a S 39 and 40. —
Ums, e. g., LP 1. — tbn is a personal name in Wi 804.

91: a whitish limestone with a slightly brownish crust; 75 X 42 cm.;


maximum thickness: 19 cm.
Ig'ln bn 'qrb bn md' bn Iqs bn tl'm wwgm 7 Ibh'l
By Ga'ilan, son of 'Aqrab, son of Mada', son of Laqis, son of Tali'um.
And he has mourned over Labih'il.
g'ln, cf. Ar ja'ala "to go to and fro". — md', e. g., Wi 419. — Iqs, cf. Ar
laqis "narrow; talkative, loquacious". — tl'm, cf. Ar tula'a "to break". —
Ibh'l: for the first element of this new theophoric name, cf. Ar labih "fleshy".

92: a yellowish limestone with a reddish crust; 1 5 x 1 3 cm.; almost


constant thickness: 6 cm.
. . ,]m bn swr wwg[m]
. . .Jam, son of Sawwar. And [he has] mourfnedj.
swr, e. g., Wi 96.
93: a whitish limestone with a slightly brownish crust; 59.5 x 29.5 cm.;
maximum thickness: 12 cm.
Irhb bn 'dr'l whll
By Rahib, son of 'Adar'il. And he has encamped [here].
rhb, e. g., Wi 572. — 'dr'l, e. g., J a S 9.
74 NEUE TEXTE

94: a yellowish limestone with a brownish crust.


Irntq bn rbd wwgm 7 bdr
By Mi'taq, son of Rabid. And he has mourned over Badr.
m'tq, cf. Ar mi'taq "who carries off, transports swiftly (one's prey or booty)";
and 'tq, e. g., in Wi 265. — rbd, CIS 3032 (cf. JaSVW, pp. 160—161). —
bdr, e. g., Wi 587.

95: a whitish limestone,


a: Isd bn qyrn
By Sayd, son of Qiyam.
sd, cf. Ar sayd "game, prey" and the noun sd "hunt", e. g., in CIS 3113. —
qym, e. g., CIS 1185.
b: Ihlf bn gnt whll
By Halaf, son of Gunt. And he has encamped [here],
hlf, e. g., Wi 34. — gnt, e. g „ Wi 85.
c: Imqm'l
By Muqim'il.
E. g „ CIS 3356.
d: . . ,]b bn mrgm bn sbn
. . .]ab, son of Mirgam, son of Sabn.
The beginning of the text is illegible. — mrgm, cf. Ar mirjam "strong,
robust", and rgm in Ox 52 (cf. JaRO). — sbn, e. g., Wi 767.

96: a whitish limestone with a slightly brownish crust.


Iqyd bn tym bn shnn bn tsm'
By Qayyid, son of Tayyam, son of Sahnan, son of TasmV.
qyd, cf. A r qayyid "tractable, easy to be led". — tym, cf. tin, e. g., in JaS
60. — shnn, cf. Ar sahana " t o strike", and 'shn, e. g., in CIS 3458. —
tsm\ cf. Ar sama'a, 2nd form " t o make up one's mind and act accordingly",
and 'sm', e. g., in Wi 68.

97: a yellowish limestone with a blackened crust.


Itrs bn z\[. . . bn d]hr w'll b's 'bh
By Taris, son of Za .[..., son of Dajhr. And he has caused his father's
misfortune.
trs, e. g., Wi 37. — '11, cf. Ar 'alia, 2nd form "to be the cause, the occasion
of something". — b's, e. g., CIS 751.
II. SAFAITIC INSCRIPTIONS FROM T H E C O U N T R Y ' A R ' A R 75

98 : a yellowish limestone with a blackened crust.


Isrh bn bny
By Suruh, son of Banay.
srh, cf. Ar suruh "easy". — bny, e. g., Wi 41.

99: a yellowish limestone with a brownish crust.


Inds bn 'nhso
By Nâdis, son of 'Ansaw.
nds, cf. Ar nadasa "to come out, leave". — 'nSw, cf. Ar nasâ (o) " t o be
somewhat inebriated", and nswn in CIS 1520.
The two following stones were found in the middle of the wàdî about
1 klm. north-northeast of the preceding site.

100 : a whitish limestone with a slightly brownish crust ; 55 X 34 cm. ;


maximum thickness : 7.5 cm.
a: Ibgt bn 'dy bn Urns wnsr wdbh
By Buggat, son of 'Âdl, son of Lisams. And he was helped and has
offered a sacrifice.
'dy, e. g., Wi 447. — nsr, cf. Ar nusira "to be helped, assisted". — dbh,
also without any complement as, e. g., in L P 649.
b: Itm bn mnylh bn 'syr bn hll
By Tamm, son of Manaylah, son of 'Usayr, son of H alii,
mnylh: the first element of this new theophoric name is well known in the
expression rgm mny. — 'syr, a qutayl formation; cf. Ar 'asara " t o compel;
force someone against his wish". — hll, e. g., L P 1001.

101: a whitish limestone ; 54.5 x 38.5 cm.; maximum thickness: 9 cm.


a: Ihbtyr bn bdm wdbh fdSr slm
By Habutayr, son of Badam. And he has offered a sacrifice, and
Dû-Sarâ, [grant] safety,
hbtyr: btyr is a qutayl formation; cf. Ar bâtir "(sword) cutting, sharp"; and
the place name btr, e. g., in CIS 2577. — bdm, cf. Ar badama "(cereals) to
start growing". — dbh fdsr slm\ this is the first mention of the deity dsr in
connection with the verb dbh. The other deities listed in similar expressions
are 't', gd'wd and It; cf. G. Ryckmans in The Hebrew Union College Annual,
23 (1950—1951), p. 437, who comments as follows: "la mention du sacrifice
est suivie[ ] d'une invocation à une divinité, sans qu'une relation quel-
76 NEUE TEXTE

conque soit établie entre le sacrifice et cette divinité". The only explicit
relation between a sacrifice and a deity is known b y the expression dbh l-
He has sacrificed to — and, as G. Ryckmans points out, it is b'lsmn who is
mentioned in the three texts known so far, viz. CIS 4358, 4360 and 4409.
However, if the mention of a sacrifice is immediately followed b y an in-
vocation to a deity, it seems logical to infer not only that the sacrifice was
offered to that deity, but also that the main purpose — if not the only
one -— of the sacrifice is described by the noun which follows the name of
the deity.
b: Ibn bn Isms wdbh
By Binn, son of Lisams. And he has offered a sacrifice,
bn, e. g „ Wi 318, and JaTS, p. 85 A.
c: I'dq
By lAdiq.
Cf. Ar ' M i q "who does as he likes under the impulse of an idea".

7. Wàdï Sàzï, about 20 miles northwest of 'Ar'ar; March 25

102: a yellowish limestone with a completely blackened crust; 46.5 x


19 cm. ; maximum thickness : 14 cm.
a: Isbh bn bn bn rd bn nzr'l
By Subbah, son of Binn, son of Radd, son of Nazar'il.
sbh, e. g., CIS 70. — rd, e. g., Ox 385. — nzr'l, e. g., Wi 219.
b : Iw's d'l gs
By Wais, him of the tribe of Gass.
w's, cf. Ar wa'asa "to throw someone to the ground". — gs is a personal
name in CIS 3898 (cf. JaTS, pp. 75—76, note 39).
103: a yellowish limestone with a completely blackened crust; 28 X
24cm.; maximum thickness: 15.5 cm.
a: I'n'm b]fn . . .
By 'An am, so[n of . . .
b : in a cartouche : ltdry bn [.
By Tadrl, son of [.. .
tdry, cf. (d)ry in L P 1129 (cf. JaMIL, p. 123, note 70).
II. S A F A I T I C I N S C R I P T I O N S FROM T H E C O U N T R Y " A R ' A R 77

c: Imkth bn [. . .
By Makatuh, son of [.. .
mkth, cf. Ar makata "to stay, abide in one place"; the name means "his
abode".

104: a yellowish limestone with a reddish crust; 41.5 X 12.5 cm.; maxi-
mum thickness: 6.5 cm.
I'bdt bn shr wng' f'mhl
By 'Abdat, son of Sahir. And he was afflicted and has suffered from
dearth.
lbdt, e. g., CIS 372. — ng', e. g., CIS 23. — 'mhl, 4th form of mhl; cf. Ar

mahala, 4th form "(man) to suffer from dearth", and the noun mhl "dearth"
in CIS 3339.

105: a yellowish limestone with a reddish, slightly blackened crust;


20.5 x 14 cm.; the thickness is almost constant,
a: . , .] . d wwgm 'I hlh w'l f'mh1
. ..] . ad. And he has mourned over his maternal uncle and over his
mother.
The letter preceding d is either m or /, and the name refers to either a man
or a tribe. — hi, e. g., Wi 98.
b: . ..] m'nn . . .] Ma'nan. — m'nn, name of a person (Ox 382) or
a tribe.

106: a yellowish limestone with a strongly blackened reddish crust;


44 x 26.5 cm.; constant thickness: 7 cm.
I'sd bn msk bn bn hm'm r'y
By 'Asad, son of Masik, son of Sai, son of Huma'um. He has pastured
[here].
msk, e. g., JaS 35, — $", e. g., CIS 2279. — hm'm, cf. Ar huma "limping,
slight lameness". — r'y, e. g., Wi 170.

107: a yellowish limestone with a blackened reddish crust; 21 X 22 cm.;


maximum thickness: 15 cm.
. . ,]lh bn w'm [. . .
. . .]lah, son of Wi'am, [. . .
The text is engraved in a cartouche. — w'm, cf. Ar wi'am "being mutually
near or agreeing". The name might not be complete.
78 NEUE TEXTE

108: a yellowish limestone with a blackened reddish crust; 25 X 19 cm.;


almost constant thickness: 5 (top) and 3.7 cm. (bottom).
Isyh bn hzn bn 'ny bn hny bn nwd d'l tfly whll whrs 7 'trs fhlt slm wqbll
By Sayih, son of Hdzin, son of 'Anay, son of Hanay, son of Nawwad,
him of the tribe of Taflay. And he has encamped [here] and has been
on the look-out for 'Atras. And, 0 Lat, [grant] safety and welcome,
hzn, e. g., C I S 1455. — 'ny, e. g., W i 534. — hny, e. g., L P 739. — nwd,
cf. A r nada (o), 2nd form " t o soak something w i t h d y e " . — tfly, cf. A r
tafala " t o scatter, neglect something". — 'trs, cf. the personal name trs,
e. g., in W i 37.

109: a yellowish limestone with a brownish crust,


a: lydlh bn 'hrs bn Ibh whit
By Yadlah, son of 'Ahras, son of Labih. And encampment [here].
ydlh, cf. A r dalaha " t o walk slowly". —• 'hrs, cf. hrs, e. g., in H a C H 3. —
Ibh, e. g., CIS 2201. — hit, e. g., O x 144 (cf. JaRO).
b: insr bn hwty
By Nasr, son of Hutay.
nsr, e. g., W i 89. — hwty, cf. A r hut " t w i g " .

1 1 0 : a yellowish limestone with a blackened reddish crust; 28.5 x 16.5 cm.;


almost constant thickness: 3 cm.
IqrSm bn znyt wr'y wsyd fdir slm
By QirSam, son of Zanyat. And he has pastured and hunted [here]. And,
Du-Sara, [grant] safety,
qrsm, cf. A r qirSam " b i g m o t h " . — syd, CIS (4902). •— The drawing of the
sun with a large number of rays is found in the center of the loop made b y
the text.

8. W a d i Sazi "al-Qalyab", northwest of ' A r ' a r ; about 2 miles from


the preceding place; March 25

h i : a yellowish limestone with a blackened reddish crust, 22 x 22.5 cm.;


m a x i m u m thickness: 4.5 cm.
Iqnlh bn nhm wtSwq
By Qaynlah, son of Nihm. And he was filled with longing,
qnlh, same nominal formation as qn'l, qn'lh (e. g., W i 38 and 263 respec-
tively) and qnhlt ( L P 1122).
II. SAFAITIC INSCRIPTIONS FROM T H E C O U N T R Y ' A R ' A R 79

112: a yellowish limestone with a blackened reddish crust; 19 x 19.5 cm.;


maximum thickness: 5 cm.
Imhbr bn wrn
By Muhabbar, son of Waran.
mhbr, cf. Ar muhabbar "(man) having his skin marked by the bite of mos-
quitoes". •— wrn, cf. Ar warana " t o be opposite and correspond to some-
one".

113: a brownish limestone with a blackened crust; 30.5 x 8.5 cm.; maxi-
mum thickness: 6.8 cm.
Ms bn 'bt bn 'dnt bn gfft
By Tallis, son of 'Abit, son of 'Adnat, son of Gafifat.
tls, cf. Ar tallis " b a g " . — 'bt, cf. 'btn, e. g., in JaS 115. — 'dnt, e. g., Wi 39.
114: a yellowish limestone with a blackened reddish crust; 26 x 16.5 cm.;
maximum thickness: 12 cm.
I'dnt bn krb bn gfft wbny
By 'Adnat, son of Karib, son of Gafifat. And he has made [this],
krb, cf. Ar karaba " t o be near".
115: a yellowish limestone with a reddish crust; 30 x 20.5 cm.; maximum
thickness: 7 cm.
I'btn bn ttnh bn 'bt bn 'dnt
By 'Abtan, son of Tatnih, son of 'Abit, son of 'Adnat.
'btn, e. g., CIS 1230. — ttnh, cf. Ar tanaha, 2nd form "to stop and stay in a
place".

116: a yellowish limestone with a blackened reddish crust, 36.5 X 24.5 cm.;
maximum thickness: 9 cm.
Ibnn bn 'It bn grm bn tmtn bn mlk bn gfft wbny
By Banin, son of 'Alit, son of Garam, son of Tamtan, son of Malik,
son of Gafifat. And he has made [this].
bnn, e. g., L P 1019. — 'It, cf. Ar 'alit "firm, constant, in fight". — grm,
e. g., Wi 346. — tmtn, e. g., JaS 25. The writer has engraved the second
letter as t which he corrected to m. — mlk, e. g., W i 50. — There are seven
short vertical lines in the left part of the loop made by the text.

1 1 7 : a yellowish limestone with a reddish crust; 36 x 22.5 cm.; maximum


thickness: 13.5 cm.
80 NEUE TEXTE

Ihmgn bn gt bn qdy bn 'gr bn gfft wwgm 'I bnh w'l 'hth wbny
By Hamgan, son of Cawt, son of Qaday, son of 'Agir, son of Gafifat.
And he has mourned over his son and over his sister, and he has made
[this],
qdy, e. g., Wi 56. — 'gr, e. g. ( CIS 197.

118: a yellowish limestone with a slightly blackened reddish crust;


44 x 20.5 cm.; maximum thickness: 11 cm.
. . .Jdrt bn hrm bn mlk bn gfft whlf fbny 'I qnnt w'l rfz w'l msrlt w'l
drm w'l 'dm w'l gnm wwgm 'I wskt
.. .Jdrat, son of Haram, son of Malik, son of Gafifat. And progeny. And
he has built upon Qinanat and upon Rafiz and upon Masarlat and
over Darim and over 'Adum and over Ganim, and he has mourned
over WaSakat.
hrm, e. g., CIS 4138. — hlf, cf. Ar halaf "progeny". — qnnt, cf. Ar qinanat
"slavery", and qnn in CIS 4100. — rfz, cf. Ar rafaza "to strike". -—• msrlt:
for the first element of this new theophoric name, cf. msr "to attack" in
CIS 2947. — drm, cf. Ar darim "(vehemently) hungry", and drm "to be-
come vehemently hungry" in Ox 168 a (cf. JaRO). — 'dm, cf. Ar 'adum
"strong, robust". — wskt, Wi 296.

119: a yellowish limestone with a reddish crust; 31 X 19 cm.; maximum


thickness: 7 cm.
a: Isfl bn mgn bn n'm fhll hdllt
By Safil, son of Maggan, son of Na'm. And he has associated with
Hadallat as a friend,
sfl, cf. Ar safil "(man) vile, ignoble". — mgn, cf. Ar majjan "abundant". —
hll, Ox 72 (cf. JaRO). — hdllt: foi the first element of this new theophoric
name, cf. hdl in JaS 150 a.
b: Iwhy
By Wahay.
Cf. Ar waha (i) "to insinuate, "suggest".

120: a strongly concave yellowish limestone with a reddish crust; 18 X


12 cm.; almost constant thickness: 4 cm.
a: Ibtl bn gm
By Batil, son of Gumm.
II. SAFAITIC INSCRIPTIONS FROM THE COUNTRY 'AR'AR 81

btl, e. g., JaS 26. — gm, cf. gmn in JaS 55. — The text is followed by seven
short vertical lines,
b: Ihls bn w'l
By Hälis, son of Wal.
w'l, e. g., L P 2.

121: a yellowish limestone with a blackened reddish crust; 20.5 x 21.5 cm.;
maximum thickness: 10 cm.
Isyr bn gfft bn 's bn tmtn wbny
By Siyyär, son of Gafifat, son of 'Aws, son of Tamtän. And he has
made [this].
syr, cf. the verb, e. g., in JaS 157. — 's, e. g., Wi 95.

122: a yellowish limestone with a blackened reddish crust; 32 X 21 cm.;


maximum thickness: 9.5 cm.
a: Is'ft bn r'y
By Sa'fat, son of Ra'ay.
s'ft, cf. Ar sa'fat "shaking, shiver". — r'y, CIS 2648.
b: Irm'n In w'l bn gfft
By Rämi'än, son of Wa'l, son of Gafifat.
rm'n, cf. rm' in CIS 5106. — There is the series of seven dots between the
second / of this text and the first g of the next inscription.
c: Im's bn hfn bn gr bn gfft whll
By Ma'ts, son of Häfin, son of Gär, son of Gafifat. And he has
encamped [here].
m's, L P 1132. — hfn, cf. Ar hafana "to scoop something up, or out". —
gr, e. g., L P 653.
d: Ihls bn zrd bn whb whll
By Hälis, son of Zarid, son of Wahab. And he has encamped [here].
zrd, cf. Ar zarid "quick in swallowing". — whb, e. g., Wi 447.

123: a yellowish limestone with a blackened crust; 24.5 X 2.5 cm.; maxi-
mum thickness: 9 cm.
Inght bn mhl bn msry bn 'gr wwgm 'I gfft w'l m'z
By Naghat, son of Mahil, son of Masray, son of 'Agir. And he has
mourned over Gafifat and over Ma'iz.
6 Altheim-Stichl, Christentum I
82 NEUE TEXTE

nght, cf. ngh, e. g., in CIS 1 8 7 . — m h l , CIS 4430, and Ar mahil "exhausted
from being pursued continuously". — msry, cf. msrlt in JaS 118. •—• m'z,
e. g., Wi 37.

124: a slightly yellowish limestone with a slightly brownish crust; 14.5 x


15 cm.; maximum thickness: 6.5 cm.
...] ftfn zmhr bn hfn bn km[. . . J'l 'rz1[. . .
. . .], son of Zamhar, son of Hafin, son of Kam[. . . ] upon 'Ariz[. . .
zmhr, e. g., W i 120. — km[. . .: the name could be complete. — wbny *I
or wwgm 'I could be restored, and there is no w a y of knowing whether
'rzf is the first name after the expression. — 'rz[. . . , cf. 'rrz in JaS 23;
the name may be complete.

125: a yellowish limestone with a slightly blackened reddish crust;


24.5 x 16.5 cm.; maximum thickness: 6.5 cm.
a: Imtyn
By Maty an.
Cf. mty, e. g., Wi 72.
b: Iftw bt ndlh
By Fataw, daughter of Nadluh.
The two texts are separated from each other b y an undulated line which
goes from one side of the stone to the other. — ftw, cf. Ar fata (o) "to over-
come someone in generosity". — ndlh, cf. Ar nadila " t o be soiled".

126: a yellowish limestone with a reddish crust; 9 X 10.5 cm.; maximum


thickness: 2.3 cm.
Ihml w§ty snt'(l)[...] sby
By Hamil. And he has spent the winter [here] the year 'A(l)[. ..] was
captured.
hml, e. g., CIS 902. — sty, e. g., Wi 104. — The interpretation of the end is
hypothetical. — sby, CIS 2113.

127: a yellowish limestone with a blackened brownish crust; 30.5 x


23.5 cm.; maximum thickness: 13.5 cm.
Id'yt bn gsmn bn hrbt w'rf sfr yhld fndm whyt I wdt' b mgd
By Da'yat, son of Gasman, son of Harbat. And he has recognized the
writing of Yahlud, and has grieved, and he has journeyed straight
through to, and spent the spring at, Magad.
II. SAFAITIC INSCRIPTIONS FROM THE COUNTRY 'AR'AR 83

d'yt, e. g., Wi 87. — gSmn, cf. g$m, e. g., in JaS 75b. — hrbt, cf. hrb, e. g.,
in JaS 41. — V/, e. g., HaCH 71. — ndm, e. g., Wi 909. — The two verbs
have each their own preposition commanding the same name. — mgd,
e. g., Wi 158.

128: a yellowish limestone with a blackened reddish crust; 29 x 18 cm.;


maximum thickness: 12 cm.
Ikm bn km bn gfft bn msry bn 'gr wbny
By Kamm, son of Kamm, son of Gafifat, son of Masray, son of 'Agir.
And he has made [this],
km, e. g., Wi 534.

129: a yellowish limestone with a reddish crust; the upper right-hand


corner of the top is blackened; 46 x 38 cm.; maximum thickness:
13 cm.
a: Isgr bn msry wbny
By Sagir, son of Masray. And he has made [this].
sgr, cf. Ar sagir "small".
b: IgSm bn hrwz bn hzmt
By GuSam, son of Harwaz, son of Hizamat.
hrwz, cf. Ar hariz "(place) fortified, strong", and bhrzh in CIS 3877. —
hzmt, cf. hizamat "solid judgment",
c: Ihgby
By Hagbay.
Cf. Ar hajaba "to prevent, hinder", and 'hgb in CIS 2791.
d: lh.tr
By Hatir.
Cf. Ar hatir "(man) who acts with perfidy, treachery",
e: rih wgls wd§r slm
By 'Alih. And he has sat [here]. And, Du-Sara, [grant] safety.
'lh, e. g., Wi 1009.
f: ImVy tswh
By MaVay. He has become an old man.
mVy, cf. ml', e. g., in CIS 3764. — tswh, 5th form of Swh\ cf. Ar Sdha (i),
xst and 5th forms, " t o become an old man".

84 NEUE TEXTE

g: Ihwz
By Hawwaz.
Cf. A r hawwaza " t o die",
h: IdblM
By Dabil. He has encamped [here],
dbl, cf. A r dabil "lean, meagre". — hi (e. g., L P 1181) = Ml.

130: a yellowish limestone with a slightly blackened reddish crust; 37 x


33 cm.; m a x i m u m thickness: 11 cm.
a: Imsry bn 'dnt wbny
By Masray, son of 'Adnat. And he has made [this].
b: Isbr bn msry bn 'dnt bn 'bt bn 'dnt wbny
By Sabir, son of Masray, son of 'Adnat, son of 'Abit, son of 'Adnat.
And he has made [this].
sbr, cf. A r sabir " p a t i e n t " .

1 3 1 : a slightly yellowish limestone with a reddish crust; found broken


into five parts; 37 x 26 cm.; m a x i m u m thickness: 9 cm.
I'sd bn hid bn n'rt wwgm 'I 'bh fbny wwgm 'mh
By 'Asad, son of Halid, son of Na'rat. And he has mourned over his
father. And he has built and mourned over his grandfather,
n'rt, CIS 2390.

132: a whitish limestone with a brown-reddish crust; front side: 31 X


19 cm.; upper side: 30 x 21.5 cm.; maximum thickness: 25.5 cm.
a : the first letter is on the front side; the second letter is half on
the same side and half on the upper side; the rest of the t e x t is
on the upper side.
Irdwt bn hdn bn Mflh
By Radwat, son of Haddan, son of Halaflah.
rdwt, e. g., H a C H 88. — hdn, H a L i S T I 494.
b : in the upper section of the front side: Ibrdt bn gsm bn hrwz bn
hzmt bn stmt wsty 'I mnft wtswq 'I 'hh fit qbll wslm
By Bardat, son of Gusam, son of Harwaz, son of Hizamat, son of
Salmat. And he has spent the winter at Munafit and longed for his
brother. And, Lat, [grant] welcome and safety.
II. SAFAITIC INSCRIPTIONS FROM THE COUNTRY "AR'AR 85

brdt, cf. brd, e. g., in JaS 134b. — slmt, e. g., HaCH 130. -— mnft, cf. Ar
nafata, 3rd form "(pot) to boil u p " .
c: in the lower section of the front side: Isyt bn gsm bn hrwz bn hzmt
wgls whll
By Sayyit, son of GuSam, son of Harwaz, son of Hizamat. And he
has sat and encamped [hereJ.
syt, cf. Ar sayyit "strong, or loud of voice", and the verb syt in CIS 5275
(cf. JaSVW, p. 161).

133: a whitish limestone with a partly blackened brown-red crust; front


side: 35 x 21 cm.; upper side: 39 x 15.5 cm.; maximum thickness:
17 cm.
a: on the upper side: In'm bn mlk whfy
By Na'm, son of Malik. And he has hidden himself [here],
hfy, cf. Ar hafiya "to hide, conceal oneself", and the personal name hfy,
e. g., in L P 322.
b : on the front side: Ihdd bn gmm bn gmyn bn km bn gfft wwgm 'I
msk w'l n'rt wbny snm fylt hlf
By Hadid, son of Gamlm, son of dumayn, son of Kamm, son of
Gafifat. And he has mourned over Masik and over Na'rat. And
he has made an idol. And, Yalat, [grant] progeny,
hdd, e. g., Wi 873 (cf. commentary on JaS 23), and Ar hadid "man of great
stature". — gmm, e. g., L P 396. — gmyn, a qutayl formation; cf. the name
gmn in JaS 55. — snm, cf. Ar sanam "idol".

134: a whitish limestone with a blackened reddish crust on the front side;
39 X 33 cm.; maximum thickness: 16 cm.
a: Iqt bn qdy bn 'gr bn gfft wwgm cI gfft w'l hlf wbny
By Qatt, son of Qaday, son of 'Agir, son of Gafifat. And he has
mourned over Gafifat and over Halaf. And he has made [this],
qt, e. g., Wi 688.
b: Ibrd bn z'n bn mtr bn gbr wwgm 7 z'n w'l hnn d'l yknn
By Barid, son of Zain, son of Matar, son of Gabbar. And he has
mourned over Zain and over Hannan, him of the tribe of Yukannin.
brd, e. g., Wi 87. — z'n, e. g., Wi 46. — mtr, e. g., L P 155. — gbr, e. g.,
CIS 52. — yknn, cf. Ar kanna, 2nd form " t o cover".
86 NEUE TEXTE

9. Wadi Badaynah "Mutabb ar-Rusayfah"; about 20 miles from


'Ar'ar; March 26

135: a yellowish limestone with a blackened brownish crust on the top


side; 54.5 x 1 4 c m . ; maximum thickness: 15.8cm.
a: Imr'ygt bn zyd bn dfry wdt'
By Mara'yagut, son of Ziyad, son of Dafray. And he has spent
the spring [here],
mr'ygt: the writer had forgotten y which was added later below the text,
exactly in the vertical axis of the space between ' and g. — zyd, e. g.,
L P 1188. — dfry, cf. Ar dafira "to have, emit a strong odor",
b: Inmr bn sfh bn gnm
By Nimr, son of Safih, son of Canim.
Sfh, cf. Ar safih "thirsty",
c: I'zm
By 'Izarn.
E. g., Wi 221. The first three letters of the text are separated from the
others b y the first y of text a.

136: a whitish limestone with a slightly blackened brown crust; 53 X


18 cm.; maximum thickness: 23.5 cm.
a: Idkrn
By Dakim.
Cf. Ar dakama "to hit someone on the chest",
b: Ihm dim
By Haym. He has become very black,
hm, cf. Ar hama (i) "to hold back, refrain from something". — dim, cf. Ar
dalima " t o be, become intensely black and smooth".

137: a whitish limestone with a slightly blackened brownish crust; 30.5 x


22 cm.; thickness: 3.5 cm.
I'ns bn ywbg bn kd
By 'Anas, son of Yawbag, son of Kadd.
'ns, cf. Ar 'anasa "to become sociable", and 'b'ns, e. g., in Wi 195. —•
ywbg, cf. Ar wabaga "to slander someone", and mwbg in CIS 1582. — kd,
cf. Ar kadda " t o toil, work laboriously". — There is a long, fanciful festoon
on the right of the inscription.
II. SAFAITIC INSCRIPTIONS FROM THE COUNTRY 'AR'AR 87

138: a yellowish limestone with a blackened reddish crust; 34 x 20 cm.;


maximum thickness: 8 cm.
a: Iwtr bn nsrt bn hid wwgm 'I glf
By Wdtir, son of Nasrat, son of Halid. And he has mourned over
Calf.
wtr, e. g., HaCH 52. — nsrt, cf. nsr, e. g., in JaS 109 b. — glf, CIS 354.
b: Ihsb
By Hastb.
Cf. Ar hasib " a man abounding with goods, good things".

139: a yellowish limestone with a blackened brownish crust; 27 X 18 cm.;


maximum thickness: 15 cm.
[. . ?]dr bn mgb bn hid fhylt wgrn 7 dkl w'l gfft sd'n
[By . PJdir, son of Mugibb, son of Halid. And, 0 Yalat, he has mourned
over Dakil and over Gafifat, the two [being] slender in body,
mgb, cf. Ar mugibb "who leads his cattle to the water on alternate days". —•
dkl, cf. Ar dakil "haughty, proud". — sd'n = sd' + n, the absolute dual
ending, ani\ cf. Ar sada' "slender in body". — Above the last three letters,
there is a crude design which may represent a camel.

140: a yellowish limestone with a slightly brown-reddish crust; 24.5 x


19.5 cm.; maximum thickness: 10 cm.
a: Ihr bn w'r bn mlhb wwgm 7 'bh
By Hurr, son of Wa'r, son of Milhab. And he has mourned over his
father.
hr, e. g., Wi 409. — w'r, e. g., CIS 239.
b: Imknft bn hdwt snt hrb wit wdS bhwln
By Mukannafat, son of Hidwat, the year he has plundered. And,
Lat, [there were] disorders in Hawlan.
mknft, cf. Ar mukannaf "(beard) widespread", and knfyt in CIS 2142 and
2852 (cf. commentary on Ja 2126/2). — hdwt, cf. Ar hada (o) "to drive the
camels". — hrb, e. g., Wi 59. — wdS b-, ScNPO 80 (cf. JaSVW, p. 166). —
hwln, the name of a place; cf. Ar hala (o) "to pasture".
88 NEUE TEXTE

i o . W a d ! al-Gurabah " M u t a b b "Asakir"

A . F i r s t P l a c e ; about 27 miles from ' A r ' a r ; March 27


1 4 1 : a yellowish limestone with a reddish crust; 55 x 14 cm.; thickness:
53 cm.
a: I'sr bn 'fkl ww{*m1 7 dH
By 'Asar, son of 'Afkal. And he has mourned over Da it.
'sr, e. g., W i 292, and clan name, e. g., in JaS 54a. — 'fkl, CIS 2444. —
d't, cf. da'at a " t o strangle someone",
b: Iz'nt
By Za'nat.
E . g., O x 4.
142: a yellowish limestone with a brown reddish crust.
I'r'm bn s'd d'nq wdt[']
By 'Ar'am, son of Sa'ad, him of 'Anaq. And [he has] spent the spr[ing
(here)].
'r'm, cf. A r ra'ama " t o look at something", and rlm in O x 93 (cf. JaRO). —
'nq, cf. A r 'aniqa " t o rejoice, be h a p p y " , and 'anaq "goodliness, b e a u t y " .
Note that the two loops of ' are open here as well as in CIS 310.

143: a whitish limestone w i t h a reddish crust; the top side is heavily


blackened; 21 X 18 cm.; central thickness: 4 cm.
a : finely engraved on the top side: llkk bn gyr
By Lakik, son of Gayur.
Ikk, cf. A r lakik "(man) having the flesh hard and compact", and Ik,
a tribe name in CIS 1545 (cf. JaMIL, p. 120, note 65).
b : on the bottom side: Ihrb bn
By Harb. He has stopped [here].
hrb, e. g., JaS 41.

144: a yellowish limestone with a heavily blackened reddish crust; broken


into t w o parts; 21 x 16 cm.; m a x i m u m thickness: 6.5 cm.
L/jgt bn hmgn bn srdt bn knnz Itm
By Cawt, son of Hamgan, son of Saridat, son of Kannaz. He was struck,
knnz, cf. A r kinaz "thick, fleshy". — Itm, cf. A r latama " t o strike someone";
here in the passive voice.
II. SAFAITIC INSCRIPTIONS FROM T H E C O U N T R Y ' A R ' A R 89

145: a yellowish limestone with a reddish crust which is heavily blackened


on several places; front side: 44.5 x 13.5 cm.; right-hand side:
11 X 15.5 cm.; top side: 45 X 17 cm.
a: the first half is on the front side; the first h on the right-hand side,
and the second half on the top side:
Igt bn klb bn brd wgls wqss whll wit shm wmt qtl shfy wqsyn
By Gawt, son of Kalb, son of Band. And has sat [here] and was a
narrator and has encamped [here] and, Lat, summer's heat and
death: were killed Sahafiy and Qasiyan.
shm, CIS 2746 (cf. JaSML). — mt = myt in Wi 911 (cf. JaSML). — shfy,
cf. Ar sahafiy "who makes a mistake in reading". —qsyn, cf., e. g., qsy in
L P 218.
b: the first half is on the right-hand side, and the second in the
upper right corner of the top side: Isbry bn dbg
By Sabray, son of Dabig.
sbry, cf. sbr in JaS 130b. — dbg, cf. Ar dabaja " t o decorate, adorn."

146: a yellowish limestone with a heavily blackened reddish crust;


24.5 x 10.5 cm.; almost constant thickness: 9 cm.
Imlk bn gd bn bql whll
By Malik, son of Cayd, son of Baqil. And he has encamped [here],
gd, cf. the present participle in CIS 3360 (cf. JaSML). — bql, e. g., CIS
1090 + 1089. The first letter was first forgotten, but added latter. — A
series of thirteen dots follows the text.

147: a yellowish limestone with a heavily blackened reddish crust; 24 X


8.5 cm.; almost constant thickness: 9 cm.
[IJfmtfk1 [bn . . .]tmn wdf'1 wng' [l]l 'rsy
[By] Masik, [son of . . .]man. And he has spent the spring [here], and
was afflicted [up]on 'Arsay.
The expression ng' 7 (e. g., CIS 1859) is so firmly attested that the haplo-
graphy of ' should be accepted here. — 'rsy, cf. 'rs, e. g., in Wi 802.

148: a whitish limestone with a red crust; 27 X 27 cm.; maximum thick-


ness: 5.5 cm.
Islh bn ymlk bn 'Ihn' wbny wsty 'I 'hd wnds fslm
By Salah, son of Yamlik, son of 'Ilhani'. And he has made [this] and
spent the winter at 'Ahad, and carded cotton [here] and was safe.
90 NEUE TEXTE

slh, cf. Ar salah "deaf". — 'Ihn' is a new theophoric name with the well-
known root hn. — 'hd is known as a personal name; e. g., Wi 98. — nds,
cf. Ar nadasa "to card cotton".

149: a yellowish limestone with a partly blackened reddish crust; front:


36.5 x 14 cm.; left-hand side: 21.5 x 18 cm.; maximum thickness:
19 cm.
a: on the front side:
I'sr bn 'fkl bn gsm bn bgt wwgm 7 ldy
By 'Asar, son of 'Afkal, son of Gusam, son of Buggat. And he has
mourned over 'Adi.
b: on the left-hand side:
Ikhsmn bn s'bn whll wdt' 'I rwft
By Kawhsamin, son of Sa'aban. And he has encamped [here] and
has spent the spring at Rawfat.
khsmn, e. g., W i 2 4 ; same nominal formation as b'lsmn; cf. Ar kaha (o)
"to overcome someone". — S'bn, e. g., Wi 340. — rwft, place name; cf.
Ar rawfat "mercy, compassion".

150: a yellowish limestone with a reddish crust; front: 21 X 14 cm.; top:


24 x 6.5 cm.; maximum thickness: 5.5 cm.
a: on the front side; the last three letters and the lower half of the
last fourth letter are engraved on the upper side:
Igsm bn zyd bn mskt bn wnyn bn hdl bn qnyt
By GuSam, son of Ziyad, son of Maskat, son of Wany an, son of
Hadal, son of Qinyat.
mskt, e. g., CIS 235. — wnyn, cf. wny, e. g., in Wi 51. — hdl, L P 597. —
qnyt, cf. Ar qinyat "acquisition",
b: on the top side:
I'd bn mgy bn m'z

By 'Awd, son of Magay, son of Ma'iz.


'd, e. g., Wi 59. — mgy, cf. Ar magd (i) "to pronounce a word",
c: on the top side, between b and the end of a:
Iftl wr'y fhlt slm
By Fatil. And he has pastured [here]. And, 0 Lat, [grant] safety,
ftl, L P 819.
II. SAFAITIC INSCRIPTIONS FROM T H E C O U N T R Y ' A R ' A R 91

1 5 1 : a yellowish limestone with a heavily blackened reddish crust; 26.5 x


19.5 cm.; m a x i m u m thickness: 6.5 cm.
Inkd bn hdbt
By Nakad, son of Hudbat.
nkd, L P 53. — hdbt, cf. A r hudbat " p a r t , portion".

152: a whitish limestone with an all blackened reddish crust; 36.5 x


20.5 cm.; almost constant thickness: 8 cm.
ISgn bn hgg
By Sagan, son of Haggag.
sgn, O x 264. — hgg, e. g., W i 103.

153: a yellowish limestone with a blackened reddish crust; 27 X 19 cm.;


m a x i m u m thickness: 10 cm.
Ity'm bn 'dl bn 'n d'l swr fhll
By Tay'um, son of 'Adil, son of ''Awn, him of the tribe of Sawwar.
And he has encamped [here],
ty'm, for the references to ty', cf. the commentary on ty\ the present
participle in JaS 10. — 'dl, e. g., C I S 968. — 'n, e. g., L P 664. — swr, cf.
A r sara (o) " t o make a thing to incline, or lean".

154: a yellowish limestone with a heavily blackened reddish crust; 39 X


31 cm.; m a x i m u m thickness: 10 cm.
Igt bn m'z bn mgb wdt' wndS fslm whll
By Cawt, son of Ma'iz, son of Mugibb. And he has spent the spring and
carded cotton and was safe and has encamped [here],

155: a whitish limestone with a heavily blackened reddish crust; 33.5 X


17 cm.; almost constant thickness: 17 cm.
Irb bn 'nm wbny wr'y m'hb fhr
By Rabb, son of 'An'am. And he has made [this] and pastured at
Ma'hub. And wealth!
rb, e. g., W i 66. — r'y m'hb, cf., e. g., r'y hrt "he has pastured in H a r r a t "
of CIS 3131. — m'hb, place name; cf. A r 'ahiba " n o t to recognize someone",
and 'hb in CIS 3518. — hr, e. g., JaS 37.

156: a whitish limestone with an all-reddish crust; 36.5 x 22 cm.; maxi-


mum thickness: 19 cm.
92 NEUE TEXTE

Ihgy bn Smg wwgm 'l grLmj w'l grs' w7 hn' w'l hlst w'l gny bn m'g f'mr'
By Hagty, son of Sämig. And he has mourned over Garam and over
Gursu' and over Häni' and over Halsat and over Gänl, son of Mä'ig.
And he has found a place abounding with herbage,
hgy, e. g., CIS 857; cf. Ar hajiy "fit, competent". — Smg, Wi 819; cf. Ar
samaja "to hurry up". — grs', cf. Ar jurSu "big, large". — hn, e. g.,
JaS 42. — gny, e. g., Wi 658. — m'g, cf. Ar ma'aja "to go quickly". The
facsimile of CIS 3161 is much too poor to ascertain the noun m'g. — 'mr',
4th form of mr'-, cf. Ar mara'a, 4th form "to find a place abounding with
herbage".

157: a yellowish limestone with an all blackened reddish crust; 40.5 X


43.5 cm.; maximum thickness: 10 cm.
Iblqt bn bgt bn gsm wdt' bb'rn wsyr
By Balqat, son of Buggat, son of Gusam. And he has spent the spring
at Bi'rän, and has traveled [to here].
The preposition b was added later between and below dt' and b'rn. —
b'rn, cf. b'r, e. g., in CIS 2468. — syr, e. g., W i 827. — Between the beginn-
ing of the text and t, there is a series of thirteen dots.

158: a whitish limestone with a partly blackened reddish crust; 52.5 x


10 cm.; maximum thickness: 40 cm.
Iblqt bn bgt bn gsm
By Balqat, son of Buggat, son of GuSam.

159: a whitish limestone with a reddish crust which is all blackened on the
top side; 41 X 40 cm.; almost constant thickness: 9.5 cm.
a: I'fkl bn nsr bn mlk wdt' bntmt
By 'Afkal, son of Nasr, son of Malik. And he has spent the spring
at Natmat.
nsr, e. g., L P 96B. — ntmt, cf. Ar ntm in the 8th form, 'intatama " t o utter",
b: Ihn' bn 'kilt fgls hit fhlt wds fslm
By Häni', son of 'Akallat. And he has sat in one encampment. And,
0 Lat, [there were] disorders [here], and he was safe,
hn', e. g., JaS 22. — 'kilt: for the first element of this new theophoric
name, cf. 'kl, e. g., in HaCH 131.
II. SAFAITIC INSCRIPTIONS FROM THE COUNTRY 'AR'AR 93

c: I'nht bn 'mr bn 'sd bn slm whll


By 'Anhat, son of 'Amr, son of 'Asad, son of Salim. And he has
encamped [here],
'nht, cf. the tribe name 'nh in CIS 347. — 'mr, e. g., W i 61. — slm, e. g.,
W i 23.

160: a whitish limestone with a slightly blackened brownish crust; 46 x


20 cm.; maximum thickness: 16.5 cm.
a: ly'f bn hb'l bn rt fslrn
By Ya'uff, son of Haba'al, son of Ratt. And safety!
y'f, cf. '/, e. g., W i 237, and A r ' a f f a " t o abstain". — hb'l, cf. b'l, e. g., in CIS
579. — rt, e. g., L P 1097.
b: hnd bn slmlt bn S'm wwgm 7 hn'It wdt' fhlt slm
By Ma'ad, son of Salamlat, son of Sa'm. And he has mourned over
Hani'lat, and has spent the spring [here]. And, 0 Lat, [grant]
safety.
m'd, e. g., CIS 531. — slmlt, cf. slmlh in CIS 907. — s'm, CIS 5180. —
1m'It, cf. hn'lh in JaS 79 a.

1 6 1 : a yellowish limestone with a blackened reddish crust; 45 x 21 c m . ;


m a x i m u m thickness: 15.5 cm.
rPs'n bn mlk
By Sa'in, son of Malik,
s'n, cf. A r sana (o) " t o protect".

162: a whitish limestone with a slightly blackened reddish crust; front:


60 x 23.5 cm.; top: 61 x 26 cm.
a : in the upper section of the front side:
Ihdm bn nsr bn hn'mlt bn 'htr bn rd'yt bn zlm bn chd
By Hadim, son of Nasr, son of Hana'malat, son of 'Ahtar, son of
Rada'yat, son of Zalim, son of 'Ahid.
hdm, cf. hdmt, e. g., in CIS 1183. — hn'mlt, cf. A r na'malat, masdar of
na'mala " t o walk like a man whose feet are tied u p " . — 'htr, cf. A r hatara
" t o attack someone in his reputation". •—• rd'yt, cf. A r rada'a " t o help,
assist". — zlm, e. g., L P 294. — 'hd, e. g., L P 179.
b : along the right and lower edges of the front side:
Ihbb bn 'Iqt wndi whtt
94 NEUE TEXTE

By Habib, son of 'XJlqat. And he has carded cotton and encamped


[here],
hbb, e. g., Wi 126. — 'Iqt, cf. Ar 'ulqat "brilliancy, brightness",
c: in the left section of the top side:
Ismt bn Mr wdt'
By Samit, son of Hatir. And he has spent the spring [hereJ.
Smt, e. g., Wi 11. — Mr, cf. Ar hatara "to tighten something to make it
stronger".
d: on the right of the beginning of c:
Ishr bn zn
By Sahir, son of Zann.
zn, e. g., Wi 101.

B. S e c o n d P l a c e : 4.3 klm. northwest of the first stop; March 27

163: a yellowish limestone with a blackened reddish crust.


llhnn bn gkr bn why d'l sk
By Lahnan, son of Gakir, son of Wahay, him of the tribe of Sakk.
Ihnn, cf. Ihnh in CIS 2552 (cf. JaMIL, p. 71, note 17). — gkr, cf. Ar jakira
"to need something". — sk, cf. Ar sakka "to clamp with iron".

164: a yellowish limestone with a slightly reddish crust.


Ismk bn hn' bn ngh fnr
By Samik, son of Hani', son of Nagth. And he has arrived [here]
suddenly.
smk, e. g., Wi 947. — ngh, cf. Ar najih "(man) successful". — nr, CIS 3170.

165: a yellowish limestone with a slightly reddish crust.


Iwbygt bn Srh bn f'l
By Wabbyagut, son of Sdrih, son of Fail,
wbygt: for the first element of this new theophoric name, cf. Ar wabba "to
prepare to make an assault in the battle". — Srh, cf. Ar Sdrih " a young
boy". — A e. g „ CIS 592.

166: a whitish limestone with a blackened reddish crust; 21.5 x 15 cm.;


maximum thickness: 11.5 cm.
Vmtlh bn hwd bn msk wwgrn 7 hrm wll 'qllh
II. SAFAITIC INSCRIPTIONS FROM THE COUNTRY 'AR'AR 95

By 'Immitlah, son of Hawwad, son of Masik. And he has mourned


over Haram over 'Aqillah.
'mtlh: for the first element of this new theophoric name, cf. 'mt, e. g., in
L P 1222, and A r 'immlt "zealous guardian". — hwd, cf. A r hada (o) " t o
collect the water". — 'qllh: the first element of this new theophoric name
is known as a personal name, e. g., in W i 663.

167: a whitish limestone with a slightly blackened crust; 15.5 X 14 cm.;


m a x i m u m thickness: 6 cm.
Idrm bn hkn bn'm wtSwq 7 nsk bn hsmn
By Darim, son of Hakkdn, son of 'Amm. And he has longed for Nasik,
son of Hasman.
hkn, cf. A r hkn, 5th form " t o be sorry for something". — 'm, e. g., JaS 7. —
nsk, e. g., L P 947. — bn was forgotten and added later. — hsmn, cf. hsm
(Wi 636) and hsmt ( H a N S T 1).

168: a whitish limestone with a blackened reddish crust; 25 x 17 cm. ;


m a x i m u m thickness: 12 cm.
Ihzn bn zbd bn hzn d'l fltt wSty
By Hazin, son of Zabad, son of Hazin, him of the tribe of Falitat. And
he has spent the winter [here].
zbd, e. g., W i 101. — fltt is a personal name, e. g., in W i 98.

169: a whitish limestone with an all blackened reddish crust; 27 x 15 cm.;


almost constant thickness: 6 cm.
Isyd bn hdf bn 'mr whll r'y
By Sayyad, son of Hadif, son of 'Amar. And he has encamped [here]
(while) pasturing.
syd, e. g., W i 75. — hdf, cf. A r hadafa " t o cut o f f " . — r'y. first occurrence
of r'y as the present participle.

C. T h i r d P l a c e : about 400 m. north of the preceding location; March 27

170: a yellowish limestone with a slightly blackened reddish crust; 19 x


17 cm.; maximum thickness: 11 cm.
Inzr'l bn 'dy bn hddn bn nzr'l wqss 7 lmg wryh wit w'qrb wdt' f'ss
96 NEUE TEXTE

By Nazar'il, son 'Adi, son of Hudadan, son of Nazar'il. And he was


narrator to 'Amug, and Rayyih and Lat and 'Aqrab, and he has spent
the spring [here] and gone to and fro.
hddn, e. g., W i 89. — qss 'I, cf. commentary on JaS 75b. — 'mg, CIS 909. —
ryh, cf. Ar rayyih "(day) refreshed b y a good, pleasant wind". — It, first
mention of the divine name used as a personal name. — 'ss, cf. Ar 'assa " t o
go to and fro". — There is a series of seven lines on the left of the text.

1 7 1 : a yellowish limestone with a partly blackened reddish crust; 21 x


21.5 cm.; maximum thickness: 13 cm.
a : Imn'm bn hnn d'l whf wdt'
By Mun'im, son of Hannan, him of the tribe of Wahf. And he has
spent the spring [here].
whf, cf. whft in CIS 4947, and Ar wahf "(hair) abundant",
b: I'sd bn msbh bn 'hd wdt' snt wsq hys rdh, wld 'yl
By 'Asad, son of Masbah, son of 'Ahid. And he has spent the spring
[here] the year he has gathered a small quantity of crushed date-
stones and 'Ayil has rebelled,
msbh, cf. sbh (e. g., JaS 102a), and Ar masbah "the rise of the morning". —
wsq, e. g., L P 342. — hys: the first two letters were forgotten, possibly
because of the affinity of the tracings of y and <7; cf. Ar hasa (i) " t o be found
in small quantity". —• rdh, cf. Ar radih "crushed date-stones". — Id, cf.
Ar lawida " t o rebel". — 'yl, e. g., Wi 904.

11. Ra's al-'Ananiyah

172: a whitish limestone with a slightly reddish brown crust; 22.8 X


12.7 cm.; maximum thickness: 3 . 1 c m .
a: I'hdlh bn zwr bn w'l bn 'bht
By 'Abdallah, son of Zuwar, son of Wail, son of 'Abhat.
'bdlh: the engraver had started to write m instead of I, but he stopped be-
fore finishing the wrong letter. — zwr, HaCH 9. — w'l, e. g., Wi 40. —
'bht, cf. bhtt, e. g., CIS 988.
b: Iht
By Halt.
CIS 654.
II. SAFAITIC INSCRIPTIONS FROM THE COUNTRY 'AR'AR 97

c: Ihlfy
By Half ay.
Cf. hlf, e. g., in JaS 95 b.
d: I'tm gmm
By 'Atim. He was grieved,
gmm, cf. Ar gamma, 3rd form "to grieve, afflict someone"; here in the
passive voice.
173: a brownish limestone with an all-blackened crust; 16 x 10.8 cm.;
maximum thickness: 7.3 cm.
a: on the upper side:
I'qrb bn mnt wwgm 7 'Sylh fhit grt Imn rgm mny
By 'Aqrab, son of Man'at. And he has mourned over his friends.
And, 0 Lat, [grant] relief to anyone who abhors death,
grt (HaLiSTI 502) = gyrt (e. g., Wi 284). — mnt, e. g., Wi 543. — Imn,
e. g., Wi 284.
b: in the lower left corner of the upper side:
Ihllt
By Hallat.
Cf. Ox 334 (cf. JaRO). — There are seven lines between the two preceding
texts.
c: on the back side:
Vbdlh bn Ihb bn grm
By 'Abdallah, son of Lahab, son of Garam.
Ihb, e. g., CIS 279.
174: a slightly brownish limestone with a brown crust; 15 x 10.2 cm.;
maximum thickness: 6.8 (right) and 9 cm. (left),
a: on the front side:
Igrm'l bn mg[. . . J 'I 'hh wdt' 7 wd bn mnt snLt/. . .
By Garam'il, son of Mug[.. . And he has ... 7 upon his brother,
and has spent the spring at Wadd, son of Man'at, the year [. . .
grm'l, e. g., LP 835; for this text, cf. JaSFP. — wgm or bny could be restor-
ed here (cf. J a 124) before 7. — wd, e. g., Wi 207.
b: on the upper side:
Ihy bn grh d'l 'ty
By Hay, son of Garth, him of the tribe of 'Atay.
7 Altheim-Stiehl, Christentum I
98 NEUE TEXTE

hy, e. g., W i 52. — grh, e. g., W i 584. — 'ty, cf. the verb, e. g., in WiSIJ,
P- 137-
c: on the back side:
Ighfl bn V bn gl'n w[. . .
By Gahfal, son of *Irr, son of Gala'an. And [. . .
ghfl, e. g., L P 192. — gl'n, cf. A r gala (from the root glw) "high price",
and glwn in CIS 4381.

1 7 5 : a whitish limestone w i t h a slightly brownish crust; diagonal measure-


ments of the upper side: 24.8 x 11.3 cm.; thickness: 4 5 (upper right
corner) and 2.7 cm. (lower left corner).
Ishrn bn shy bn hgrn wstw by'mw
By Sahran, son of Sahay, son of Hagran. And he has spent the winter
at Ya'maw.
shrn, cf. A r sahir "(place) abounding in rocks". — shy, cf. shwt, e. g., in
W i 746. — hgrn, cf. hgr, the name of a city in H a C H 193. — stw = sty,
attested here for the first time. — y'mw, cf. 'mw in J a S 6. The name is in
double tracing, as the first name of CIS 3280.

176: a yellowish limestone with a brownish crust; 22.2 x 19 cm.; maxi-


m u m thickness: 10.5 cm.
The surface of the upper side is destroyed in m a n y locations b y some kind
of rubbing. Beside the texts given below, there are still a few isolated letters
here and there.
a: I'm bn mgt bn gmh w[. . .
By 'Amm, son of Magit, son of Gamuh. And [. . .
mgt, e. g., JaS 30. — gmh, e. g., W i 422.
b : I'wf. . .
By 'Aw[. . .
c: Ibrh'l bn [. . .
By Barah'il, son of [.. .
brh'l: for the first element of this new theophoric name, cf. A r bariha " t o
recover from illness",
d: . . .J'm bn whg
. . .Jam, son of Wahag.
whg, cf. A r wahaj "(fire) heat, burning".
II. S A F A I T I C I N S C R I P T I O N S F R O M T H E C O U N T R Y "AR'AR 99

ABBREVIATIONS

Ar = Arabic.
CIS = Corpus inscriptionum semiticarum. Pars quinta: Inscriptiones saracenicas
continens, Paris, 1950.
HaCH = G. L. Harding, " T h e Cairn of H a n i " , in Annual of the Department of
Antiquities of Jordan, 2 (1953), pp. 8—56, and pi. V — V I I .
HaLiSTI = G. L. Harding and E. Littmann, Some Thamudic Inscriptions from the
Hashemite Kingdom of Jordan, Leiden, 1952.
HaNST = G. L. Harding, " N e w Safaitic T e x t s " , in Annual of the Department of
Antiquities of Jordan, 1 (1951), pp. 25—29, and pi. V I I I .
IM = Iraq Museum.
JaMIL = A. Jamme, Minaean Inscriptions Published as Lihyanite, Washington,
1968.
JaRO = A. Jamme, Review of W . G. Oxtoby, Some Inscriptions . . . ; to be
published.
JaSFP = A. Jamme, "Safaitic / as a preposition and a particle indicating a tem-
poral succession", in Orientalia, 39 (1970), pp. 412-—418.
JaSISA = A. Jamme, "Safaitic Inscriptions from Saudi Arabia", in Oriens Anti-
quus, 6 (1967), pp. 189—213, and pi. L — L I V .
JaSML = A. Jamme, "Safaitic mlk, 'lord' of the tribe", in Orientalia, 39 (1970),
pp. 504—511.
JaSVW = A. Jamme, " T h e Safaitic Verb wgm", in Orientalia, 36 (1967), pp. 159
—172.
JaT S = A. Jamme, Thamudic Studies, Washington, 1967.
LiSI = E . Littmann, Safaitic Inscriptions, Leyden, 1943.
LP = Texts published in LiSI.
Ox = Texts published in W . G. Oxtoby, Some Inscriptions of the Safaitic
Bedouin, New Haven, 1968.
ScPNO = D. Schlumberger, La Palmyrene du Nord-Ouest, Paris, 1951.
Stein = Safaitic texts copied b y Stein.
Wi = Texts published in WiSIJ.
WiSIJ F. V. Winnett, Safaitic Inscriptions from Jordan, Toronto, 1957.

WORD LIST

Preliminary remarks. — T h e S a f a i t i c w o r d s of t h e p r e s e n t collection


o n l y a r e l i s t e d b e l o w , e x c e p t bn of t h e p e d i g r e e s , w " a n d " , a n d t h e i n i t i a l
/. — T h e t w o s i g n s x a n d [ ? ] i n d i c a t e , r e s p e c t i v e l y , a n e w w o r d a n d a n a m e
t h e e n d of w h i c h m a y b e m i s s i n g , a s p o i n t e d o u t b y t h e c o m m e n t a r y . —
E a c h w o r d i s d i s c u s s e d i n t h e c o m m e n t a r y of t h e t e x t w h e r e i t o c c u r s f o r
the first time. — For the Arabic and Thamudic ( J a T 12) inscriptions
p u b l i s h e d h e r e , c f . t h e p a r a g r a p h a f t e r 4 5 a n d 88 r e s p e c t i v e l y .

7*
100 NEUE TEXTE

'r'm x (pers. n.) 142.


'b f a t h e r ; "h 79a, 97, 131, 140a. 'str x (pers. n.) 44 a.
'bht x (pers. n.) 1 7 2 a . 'ty x (tribe n.) 1 7 4 b .
'byn (pers. n.) 61, 62, 72 a. 'tm (pers. n.) 64, 67, 172 d.
'dnn x (pers. n.) 77 b. 'trç x (pers. n.) 108.
'dr x (pers. n.) 76 a. 'tdw x (pers. n.) 57 a.
'dnt (pers. n.) 113, 114, 115, 130a, b.
'hrs x (pers. n.) 109 a. b
'htr x (pers. n.) 162 a.
b (prep.), cf. dt', wds, htw, $ly, itw.
'hd (place n.) 148.
]6 (pers. n.) 95 a.
'h brother; "h 132b, 174a.
b's misfortune 97.
'hd (pers. n.) 87 a.
b'rn x (place n.) 157.
'ht sister; "h 117.
bgt (pers. n.) 7 5 b , 100a, 149a, 157, 158.
'ys (pers. n.) 75 c.
bdr (pers. n.) 94.
'kilt x (pers. n.) 159b.
blqt x (pers. n.) 7 5 b , 157, 158.
'km (pers. n.) 56 a, c.
bn (pers. n.) 101b, 102a.
'kt (tribe n.) 47.
(prep.) 110.
'I (prep.), cf. Swq.
t o stop 57c, 143b.
tribe; d " 47, 49, 54a, 56b, 65a, 82a,
bny (pers. n.) 98.
90, 102b, 108, 134b, 153, 163, 168,
= bnw t o m a k e 60, 63, 114, 116, 1 1 7 ,
171a, 174b.
121, 128, 129a, 130a,b, 133b, 134a,
7 [ (pers. n. ?) (126).
148, 155; " 'I t o build upon: 50, 51,
'lb (pers. n.) 57 b.
53, 73, 118, 131.
'Ihn' x (pers. n.) 148.
bnn (pers. n.) 116.
'Im x t o be in pain 83 a.
b'r (pers. n.) 52.
'Im* x (pers. n.) 62.
b$m x (pers. n.) 101 a.
'Is (pers. n.) 84.
bql (pers. n.) 146.
'Iqt x (pers. n.) 162 b.
brd (pers. n.) 134b, 145a.
'It (div.) 71 c.
brdt x (pers. n.) 132b.
'm m o t h e r ; "h 70, 105a.
brh'l x (pers. n.) 176c.
'mr (pers. n.) 159c, 169.
bt daughter 125 b.
'nht x (pers. n.) 159 c.
btl (pers. n.) 120 a.
'ny (pers. n.) 108.
'ns x (pers. n.) 137.
'n'm (pers. n.) 47, 54b, 7 5 a , c , 90, 103a, g
155- g'ln x (pers. n.) 91.
'nq x (pers. n.); d" 142. gbr (pers. n.) 134 b.
'n£w x (pers. n.) 99. gwy x " 'I t o h a v e an aversion for 44 a.
's (pers. n.) 121. gh.fl (pers. n.) 174 c.
'sd (pers. n.) 47, 53, 64, 106, 131, 159c, ghr (pers. n.) 49
171b. ghs (pers. n.) 50, 53.
'srk (pers. n.) 55 [?], 70. ghr x (pers. n.) 163.
"bd (pers. n.) 48b, 68a. glm (pers. n.) 51.
7 k l (pers. n.) 1 4 1 a , 149a, 159a. gls t o sit 75c, 129e, 132c, 145a, 159b.
Vf x (pers. n.) 5 7 a . gmh (pers. n.) 176a.
'sr (pers. n.) 1 4 1 a , 149a. gmm (pers. n.) 133b.
(tribe n.) 54 a. gns' x (pers. n.) 51.
'rhf x (pers. n.) 83 b. gfft (pers. n.) 54a, 113, 114, 116, 117, 118,
'rsy x (pers. n.) 147. 121, 122b, c, 123, 128, 133b, 134a, 139.
II. SAFAITIC INSCRIPTIONS FROM THE COUNTRY 'AR'AR 101

gr (pers. n.) 122 c. hbd x (pers. n.) 58c.


grdt x (pers. n.) 59 a. hb'l x (pers. n.) 160a.
grh (pers. n.) 174b. hbtyr x (pers. n.) 101a.
grm (pers. n.) 116, 156, 173c. hdbt x (pers. n.) 151.
grm'i (pers. n.) 174a. hdd (pers. n.) 133b.
grs' x (pers. n.) 156. hdl (pers. n.) 150a.
gim (pers. n.) 75b, 129b, I32b,c, 149a, hdllt x (pers. n.) 119a.
150a, 157, 158. hdmt (pers. n.) 56a,c.
gUmn x (pers. n.) 127. hdnb x (pers. n.) 83 c.
hwz x (pers. n.) 129 g.
d
hkn x (pers. n.) 167.
U (name) 105a. hlk x (pers. n.) 54b.
d'yt (pers. n.) 127. his x great profit 63.
dbg (pers. n.) 145b. hmnt x (pers. n.) 50.
dgg (pers. n.) 68 a. hn' (pers. n.) 156, 159b, 164.
dwm x (pers. n.) 68a. hn'lh. x (pers. n.) 79a.
dhs x (pers. n.) 68 c. hn'lt x (pers. n.) 160b.
dkl x (pers. n.) 139. hn'mlt x (pers. n.) 162 a.
dkm x (pers. n.) 136a. hf (pers. n.) 82b.
dim x to become very black 136b. hsr x (tribe n.) 82 a.
dnwt x closeness 73.
d'tt x (pers. n.) 66a. w
drd x (pers. n.) 58 b.
w'l (pers. n.) 172a.
~]drt (pers. n.) 118.
w'lt (pers. n.) 50, 81.
di x (pers. n.) 44b.
w'm [ ? ] (pers. n.) 107.
dsr (div.) 70, 101a, n o , 129 e.
w's x (pers. n.) 102 b.
if to spend the spring: 58b, 60, 61, 64,
wbygt x (pers. n.) 165.
66a, 135a, (142), 147, 154, 160b, 162c,
wgm to mourn (81), 87a, (92); " 'I 47, 60,
170, 1 7 1 a , b ; " b 127, 157, 159a; " 'I 90,
64, 67, 70, 79a, 84, 91, 94, 105a, 117,
149b, 174a.
118, 123, 131, 133b, 134a,b, 138a, 139,
dttn x (pers. n.) 48 b.
140a, 141a, 149a, 156, 160 b, 166, 173 a.
d wd x love 54 a.
d introducing a noun, cf. V; introducing (pers. n.) 174 a.
a pers. n., cf. 'nq, kdwb, sw'. wdS disorders 159b; "b 140b.
dbh to offer a sacrifice 100a, i o i a , b . whb (pers. n.) 122d.
dbl x (pers. n.) 129I1. whg x (pers. n.) 176 d.
dhsm x (pers. n.) 70. wznt x (pers. n.) 64, 67.
dhr x (pers. n.) 62, (97). whd to be lonely 60, 64.
dnn x (pers. n.) 85 b. why x (pers. n.) 119b, 163.
d't x (pers. n.) 141a. whf x (tribe n.) 171a.
dfry x (pers. n.) 135a. wld to bring forth children 54 a.
dr (pers. n.) 85 a. wnyn x (pers. n.) 150a.
]dr (pers. n.) 139. wsq to gather 171b.
dryn x (pers. n.) 74. w'd (pers. n.) 60, 64, 67.
w'l (pers. n.) 120b, 122b.
h w'r (pers. n.) 140a.
h- (invoc.), cf. ylt, Ih, It. wq' x guard 71c.
-h (pers. pron.), cf. 'b, 'h, 'ht, 'm, bn, hi, wqr'l (tribe n.) 49.
mlk, 'm, Sy'. wrn x (pers. n.) 112.
102 NEUE TEXTE

wrf x (pers. n.) 56b. hrbt x (pers. n.) 127.


wsht (pers. n.) 118. hrwz x (pers. n.) 129b, I32b,c.
wtr (pers. n.) 138 a. hrm (pers. n.) 118, 166.
htr x (pers. n.) 162c.
z

*[ (pers. n.) 97. h

zbd (pers. n.) 168. hdm x (pers. n.) 162 a.


zwr (pers. n.) 172a. hd't x (pers. n.) 71c.
zyd (pers. n.) 135a, 150a. hdm (pers. n.) 44 a.
zk' x (pers. n.) 89. hwln x (place n.) 140b.
zkn x (pers. n.) 74. hwty x (pers. n.) 109b.
zmhr (pers. n.) 124. hws x (pers. n.) 57 c.
znyt (pers. n.) 63, n o . hzn (pers. n.) 108, 168.
zf (zyf) x to go quickly 89. hyt to journey straight through 68 a; '
zrd x (pers. n.) 122 d. 49, 52, 127.
hy$ x small quantity 171b.
h hi maternal uncle, in "h 105 a.
hbb (pers. n.) 162 b. hid (pers. n.) 62, 64, 71b, 78c, 131, 138
hgby x (pers. n.) 129c. 139-
hgg (pers. n.) 152. hlyt x large crowd 48 b.
hgy (pers. n.) 156. hll (pers. n.) 100b.
hgrn x (pers. n.) 175. 3rd form, to ascribe with someone
hdd (pers. n.) 68 a. a friend 119 a.
hddn (pers. n.) 170. hlmt x (pers. n.) 60.
hdwt x (pers. n.) 140b. hlf (pers. n.) 95 b, 134 a.
hdn (pers. n.) 132a. progeny 118, 133b.
hdf x (pers. n.) 169. hlfy x (pers. n.) 172 c.
hwd x (pers. n.) 166. hlflh x (pers. n.) 61, 62, 7 2 a , 1 3 2 a .
hzmt x (pers. n.) 129b, 132b,c. his (pers. n.) 58 a, 120b, I22d.
ht (pers. n.) 172 b. hist (pers. n.) 73, 156.
hy (pers. n.) 174 b. hm x (pers. n.) 136b.
hi = hll to encamp 129I1. hm'm x (pers. n.) 106.
hll = hi to encamp 57b, 58a,b, 75a, 93, hfy x to hide oneself 133a.
95b, 108, i22c,d, 132c, 145a, 146, hsb x (pers. n.) 138b.
149b, 153, 154, 159c, 162 b, 169. hr wealth 155.
hilt x (pers. n.) 173 b. hrm (pers. n.) 86a.
hit encampment 109a, 159b. hrs " 'I to be on the look-out for 108.
hm' x (water) to be muddy 61. ht' x (pers. n.) 78 c.
hmgn x (pers. n.) 90, 117, 144. htw " b to be grieved at 82 b.
hml (pers. n.) 126. htr x (pers. n.) I29d.
hndt x (pers. n.) 81. ht x (pers. n.) 44 b.
hny (pers. n.) 108.
hnn (pers. n.) 77a, 134b, 171a. t

hsmn x (pers. n.) 167. ty'm x (pers. n.) 153.


hfn x (pers. n.) 122 c, 124. tmtn (pers. n.) 116, 121.
hff x (pers. n.) 54b.
hr (pers. n.) 140a. z
hrb (pers. n.) 143b. ?lm (pers. n.) 162 a.
to plunder 140b. ?n (pers. n.) 162 d.
II. SAFAITIC INSCRIPTIONS FROM THE COUNTRY "AR'AR 103

(pers. n.) 134b.


z'nt (pers. n.) 1 4 1 b . It (div.) 70, 73, 88, 132b, 140b, 145a; h"
54a, 108, 150c, 159b, 160 b, 173 a.
(pers. n.) 170.
Itm x to strike; passive: 144.
ydlh x (pers. n.) i o g a .
ywbg x (pers. n.) 137.
yhb (pers. n.) 68b.
yhld (pers. n.) 46, 62, 127. ]m (pers. n.) 92.
ykzb x (pers. n.) 87 b. mgd (pers. n.) 127.
yknn x (tribe n.) 134 b. mgdt happiness 70.
ylt (div.) 133b; h" 139. mgn x (pers. n.) 119a.
ymlk (pers. n.) 78c, 148. md' (pers. n.) 91.
yny x (pers. n.) 68 a. mhbr x (pers. n.) 112.
yn'm (pers. n.) 68 a, 84. mhl (pers. n.) 123.
55- mhl x 4th form ' " to suffer from dearth
y'mw x (place n.) 175. 104.
y'mr (pers. n.) 73. mhlrn (pers. n.) 84.
y'f x (pers. n.) 160a. mtr (pers. n.) 134b.
y'Sb x (pers. n.) 64, 67. mknft x (pers. n.) 140b.
yqz x (pers. n.) 82 b. mkth x (pers. n.) 103 c.
yqm (pers. n.) 70. rnlhb x (pers. n.) 78d, 140a.
mlk (pers. n.) 116, 118, 133a, 146, 159a,
161.
kd x (pers. n.) 137. 5th form t"; "h 59 h.
kdwb x (pers. n.), in d" 83b. mlkn (pers. n.) 65 b.
khsmn x (pers. n.) 149b. mVy x (pers. n.) I2gi.
klb (pers. n.) 62, 145 a. mit (pers. n.) (49).
km (pers. n.) 124 t?], 128, 133b. mn (indef. pron.) I" 173a.
knnz x (pers. n.) 144. ]mn (pers. n.) 147.
ks x (pers. n.) 87 c. mny death; cf. rgm.
kst (pers. n.) 65 a. mnylh x (pers. n.) 100b.
krb x (pers. n.) 114. mn'm (pers. n.) 88, 1 7 1 a .
krzn (pers. n.) 65 a. mn't (pers. n.) 173a, 174a.
mnft x (pers. n.) 132 b.
I msk (pers. n.) 106, 133b, 147, 166.
I (prep.), cf. hyt, mn. mskt (pers. n.) 150a.
Ibh (pers. n.) 109 a. msqt x (pers. n.) 76a.
Ibh'l x (pers. n.) 91. m'g x (pers. n.) J56.
Ibk (pers. n.) 54 a. m'd (pers. n.) 160b.
Id (Iwd) x to rebel 1 7 1 b . m'hb x (place n.) 155.
Idt x (pers. n.) 66b. m'z (pers. n.) 123, 150b, 154.
Ih (div.) h" 82 b. m'nn (name) 105 b.
]lh (pers. n.) 107. m's (pers. n.) 122c.
Ihb (pers. n.) 173c. m'rb x (pers. n.) 79b.
Ihnn x (pers. n.) 163. m'tq x (pers. n.) 94.
Ihyb x (pers. n.) 79 c. mg[ (pers. n.) 174a.
Ikk x (pers. n.) 143 a. mgb x (pers. n.) 139, 154.
Iqs x (pers. n.) 91. mgy x (pers. n.) 150b.
Isms (pers. n.) 90, 100a, 101b. mgyr (pers. n.) 59a.
104 NEUE TEXTE

mgt (pers. n.) 176a. sd (pers. n.) 62.


msbh x (pers. n.) 1 7 1 b . shy x (pers. n.) 175.
mswty x (pers. n.) 73. shm summer's heat 145 a.
m§ry x (pers. n.) 123, 128, 129a, 1 3 0 a , b . sw' (pers. n.); d" (49).
msrlt x (pers. n.) 118. swd x 2nd form, t o make someone a
mqrn (pers. n.) 48 a, 75 d. chief; passive 69.
mqm'l (pers. n.) 9 5 c . swr (pers. n.) 92.
mqr' x (pers. n.) 85 a. shl x (pers. n.) 79 b.
mqtl (pers. n.) 65 b. shr (pers. n.) 7 6 b , 104, 162d.
mr'ygt x (pers. n.) 50, 135a. syr x (pers. n.) 66b.
mrgm x (pers. n.) 95d. sk x (tribe n.) 163.
mr' x 4th f o r m ' " t o find a place abound- slm (pers. n.) 159c.
i n g w i t h herbage 156. safety 54a, 70, 101a, 108, n o , I29e,
mt death 145a. 132b, 150c, i 6 o a , b .
mtyn x (pers. n.) 125a. t o be safe 148, 154, 159b.
mt't x (pers. n.) 73. slmlt x (pers. n.) 160b.
n slmt (pers. n.) 132 b.
smk (pers. n.) 164.
-n (absolute dual ending); cf. sd'.
snnm x (pers. n.) 51.
ng' (pers. n.) 65 c.
snt y e a r (86b), 126, 140b, 1 7 1 b , 1 7 4 a .
ngd x t o become distressed b y sorrow 60.
s'd (pers. n.) 47, 60, 142.
nght x (pers. n.) 123.
s'd'l (pers. n.) 64.
ngh x (pers. n.) 164.
s'dl' x (pers. n.) 47.
ngm (pers. n.) 85 a.
s'dih (pers. n.) 66b.
ng' t o be afflicted 104; " 'I (147).
sfl x (pers. n.) n g a .
ndlh x (pers. n.) 125b.
sfr writing 127.
ndm t o grieve 127.
srdt (pers. n.) 75c, 144.
nds x (pers. n.) 99.
srh x (pers. n.) 98.
ndi x t o card cotton 148, 154, 162b.
nhm (pers. n.) 51, 1 1 1 .
nwd (pers. n.) 84.
nwd x (pers. n.) 108. ' [ (pers. n.) 49.
nh (nhh) x t o journey vehemently 87 b. 'bdlh (pers. n.) 48 a, 63, 172 a, 173 c.
ngr'l (pers. n.) 102 a, 170. 'bdly' x (pers. n.) 54a.
nkd (pers. n.) 151. 'bdt (pers. n.) 104.
nmr (pers. n.) 51, 53, 135b. 'bt x (pers. n.) 113, 115, 130b.
nsh (pers. n.) 167. 'bin (pers. n.) 115.
nsr (pers. n.) 159 a. 'gr (pers. n.) 117, 123, 128, 134a.
n'm (pers. n.) 58a, 80, 1 1 9 a , 133a. 'dy (pers. n.) 100a, 149a, 170.
n'mn (pers. n.) 78 b. 'dl (pers. n.) 153.
n'r t o arrive suddenly 164. 'dq x (pers. n.) 1 0 1 c .
n'rt (pers. n.) 131, 133b. 'd (pers. n.) 150b.
nsr (pers. n.) 109b, 162 a. 'dr'l (pers. n.) 93.
t o help; passive 100a. 'hd (pers. n.) 162a, 1 7 1 b .
nsrt x (pers. n.) 138a. (pers. n.) 1 7 6 b .
ntmt x (place n.) 159a. 'ts (pers. n.) 48b, 84.
'?m (pers. n.) 135 c.
s *yl (pers. n.) 1 7 1 b .
sby t o capture; passive 126. 'I (prep.) 124, 1 7 4 a ; cf. also bny, gwy, dt',
sgnt x imprisonment 88. m gm, hrç, ng', qss, rgm, sty.
II. S A F A I T I C I N S C R I P T I O N S F R O M T H E C O U N T R Y ' A R ' A R 105

'lh (pers. n.) 129 e. 139, 148, 150c, 153, 154, 155, 156, 159b,
'ly (pers. 11.) 85a, 86a. i 6 o a , b , 164, 170, 173 a.
'lyn (pers. n.) 58 b. fdyt ransom 73.
'II x 2nd f o r m t o cause 97. fyh x abundance of herbage 88.
'It x (pers. n.) 116. /. .k (pers. n.) 66a.
'm grandfather; "h 131. fltt (tribe n.) 168.
(pers. n.) 167, 176a. f'l (pers. n.) 165.
]'m (pers. n.) I 7 6 d . fdg (pers. n.) 62.
'mg (pers. n.) 170. fqw x t o follow 59b.
'min x (pers. n.) 5 7 c . frm x (pers. n.) 73.
'mm (pers. n.) 650. fr' (pers. n.) 65 c.
'mr t o dwell 56c. ftw x (pers. n.) 125b.
'mtlh x (pers. n.) 166. fty (pers. n.) 5 7 c .
'n (pers. n.) 153. ftl (pers. n.) 150c.
'syr x (pers. n.) 100b. ftq x (pers. n.) 45.
'ss x t o go t o and fro 170.
'syr x (pers. n.) 87 a.
s
'dm x (pers. n.) 118.
'qllh x (pers. n.) 166. s ' n x (pers. n.) 161.
'qlt x (place n.) 52. sbh (pers. n.) 102 a.
'qrb (pers. n.) 90, 91, 170, 173 a. sbn (pers. n.) 95 d.
V (pers. n.) 88, 174c. sbr x (pers. n.) 130b.
V f [ ? ] x (pers. n.) 124. sbry x (pers. n.) 145b.
'rt x (pers. n.) 52. sd x (pers. n.) 95 a.
'rf to recognize 127. sd' x slender in b o d y ; absolute dual: "n
'rq x (pers. n.) 85 b. 139-
'tr (pers. n.) 72 b. sdh x (pers. n.) 68 a.
swy to wither 61.
g swr x (tribe n.) 153.
gd x (pers. n.) 146. shh x (pers. n.) 86b.
gtw x (pers. n.) 59b. shnn x (pers. n.) 96.
gyr (pers. n.) 7 1 c , 143a. shfy x (pers. n.) 145a.
gl'n x (pers. n.) 174c. shrn x (pers. n.) 175.
glwq x (pers. n.) 83a. syd (pers. n.) 169.
gif (pers. n.) 138 a. to h u n t n o .
gm x (pers. n.) 120a. syh (pers. n.) 86a, 108.
gmyn x (pers. n.) 133b. syr x (pers. n.) 121.
gmm x 3rd f o r m t o grieve; passive I 7 2 d . t o t r a v e l 157.
gmn x (pers. n.) 55. syt x (pers. n.) 132c.
gny (pers. n.) 156. j/A x (pers. n.) 148.
gnm (pers. n.) 88, 118, 135b. sly x " b deceiving a b o u t 88.
gnt (pers. n.) 95 b. si' x (pers. n.) 58b.
gs (tribe n.) 102 b. snm x idol 133b.
grt relief 173 a. s ' / i x (pers. n.) 122a.
gt (pers. n.) 5 7 b , 80, 86b, 117, 144, 145a, sgr x (pers. n.) 129a.
154-
/ à
/ (conj.) 54a, 63, 7 1 c , 73, 101a, 104, 108, 4h x appearance 82 b.
n o , 118, 1 1 9 a , 127, 131, 132b, 133b, drm x (pers. n.) 118, 167.
106 NEUE TEXTE

1 s
qbll welcome 71a, 108, 132 b. s'm (pers. n.) 62.
qdm (pers. n.) 85a, 86b. Sb (pers. n.) 50.
qdn x (pers. n.) 77b. sgn (pers. n.) 152.
qdy (pers. n.) 117, 134a. shr (pers. n.) 75 a, c.
qyd x (pers. n.) 96. swh x 5th form t" to become an old man
qym (pers. n.) 95 a. I2gf.
qn (pers. n.) 69. Swq 5th form t" to be filled with longing
qn' x (pers. n.) 69. 56c, i n ; "'Ito long for 132 b, 167.
qnym x (pers. n.) 57 b. szr (pers. n.) 79 a.
qnyi x (pers. n.) 150 a. sy' friend; pi. ' " in "h 90, 173a.
qnlh x (pers. n.) i n . smg (pers. n.) 156.
qnnt x (pers. n.) 118. sml x (pers. n.) 52.
if (ivi) x 5th form t" to follow very smr (pers. n.) 75 d.
closely; passive 58c. smt (pers. n.) 162 c.
qsyn x (pers. n.) 145 a. (pers. n.) 106.
qss to be a narrator 75b, 88, 145a; " 7 s'bn (pers. n.) 149b.
170. s'm (pers. n.) 160b.
qrsm x (pers. n.) n o . s'tm (pers. n.) 69.
qtl to kill; dual passive 145a. sfh x (pers. n.) 135 b.
qt (pers. n.) 134a. srb (pers. n.) 56a.
srh x (pers. n.) 165.
r
stw x = sty ; " b to spend the winter at
t'y (pers. n.) 122a. 175-
rb (pers. n.) 155. Sty x (pers. n.) 59b.
rbd x to stay 68 c. = stw to spend the winter 126, 168;
rbd (pers. n.) 94. " 'I 132b, 148.
rd x (pers. n.) 102 a. stygt x (pers. n.) 71c.
rd'yt x (pers. n.) 162a.
rwft (place n.) 149b. t
rzbn x (pers. n.) 82 a. tym x (pers. n.) 96.
rhb (pers. n.) 93. tls x (pers. n.) 113.
rhm x (pers. n.) 78 a. tm (pers. n.) 60, ïoob.
ryh x (pers. n.) 170. (tribe n.) 56 b.
rm (pers. n.) 52. tslm (pers. n.) 71a.
rm'n x (pers. n.) 122b. fqd x (pers. n.) 59b.
my x (pers. n.) 53. tgnyt x (pers. n.) 56b.
r'b x to be frightened; imperi, y" 80. tsm' x (pers. n.) 96.
r'y x pasturing 169. tdry x (pers. n.) 103 b.
to pasture 106, n o , 150c, 155. trf x pleasantness of life 73.
r'f'l x (pers. n.) 72 b. trs (pers. n.) 97.
rgyrn x (tribe n.) 65 a. tsn' x (pers. n.) 83c.
rgm (pers. n.) 77a. ttnh x (pers. n.) 115.
to abhor ; " mny to abhor death 173 a;
" mny 'I 90.
rfz x (pers. n.) 118. t
r<j.wt (pers. n.) 132a. tbn (tribe n.) 90.
rdh x crushed date-stones 171b. tl'm x (pers. n.) 91.
rt (pers. n.) 160a. tfly x (tribe n.) 108.
II. S A F A I T I C I N S C R I P T I O N S F R O M T H E C O U N T R Y " A R ' A R 107

LEGENDS OF THE FIGURES

Fig. i : t 3: i 2 2 d ; 130b, second; 148; 1 7 1 b , first.


4: 108, first, third; 120b.
i : 49.
5: 109b.
2 : 6 8 a ; 84; 127; 134b.
6: 145a, second; 169.
3: 52-
7: 73, first; 97.
4: 6 5 a ; 1 1 6 ; 1 2 1 ; 153; 168. 8: 73, second; 1 2 2 c ; 129a, first.
5: 172 b. 9: 5 8 a ; 88, second.
6: J a S 13. 10: 54a.
7: 48b; 59b. 11: 133 b.
8: 109b. 12: 102 a.
13: 87a, second.
1: 102 a. 14: 95 d.
2: 170, first. 15: 5 7 a ; 6 1 ; 7 5 b ; 86a; 87a, first; 108,
3: 162 d. second; 1 3 2 c ; 1 4 1 a ; 145a, third; 157.
5: 170, second. 16: 96, second; 130b, first; 138b.
6: 8 7 b ; 1 3 4 b ; 162a 17: 5 8 b ; 8 6 b ; 9 1 ; 1 1 8 ; 129a, second;
7: 141b. 1 3 0 a ; 1 3 8 a ; 1 4 5 b ; 1 4 9 a ; 1 7 1 b , sec-
9: I35C. ond.
18: 68a.
g 19: 99.
2: J a S 8. 20: 145a, first; 162a.
3: 1 1 8 ; 129. 21: 128.
4: 8 6 b ; 1 1 7 ; etc. 22: 175.
5: 144; 146. 23: 139-
6: 138a. 24: 100a.
7: 88. 25: 96, first.
8: 90. 26: 88, third.
9: 154, first. 27: 88, first.
10: 55. 28: 95a.
29: 156.
30: 102b.
1: 6 5 c ; etc. 31: 161.
2: 133-
3: 165.
4: 88. 1: 171b.
5: 104. 2: 62.
6: 127. 3: 167.
7: 118, third. 4: 101a.
8: 125b. 5: 1 0 3 b ; 118.
9: 54 a ; etc. 6: 8 2 b ; 108; 1 3 2 a ; 166.
10: 124.
Fig. 2 :
11: no.
12: 45. r
13: 1 4 0 b ; 159b. 1: (15 texts) e. g., 53, second; 62; 66b.
2: (37 texts) e. g., 6 8 c ; 70; 7 1 c .
3: (36 texts) e. g., 50; 55; 56b.
1 : 1 2 1 ; 170, first. 4: 129b.
2: 153; 170, second. 5: e. g., 1 4 1 a .
108 NEUE TEXTE

6: i o i a , second. 34: 65a, first; 108, second.


7- 5i- 35: 65a, second; 92; 94, first; 100a; 170,
8: 53, first; 93, second. first.
9: 56a; 130a. 36: 162c.
10: 72 b.
11: 44a; 1 0 1 a , first.
12: 106; 118, fifth. i
13: 110, second. 1 : 53-
14: 129 a, second. 2: 44b; 50; 5 1 ; 52; 59b; 64; 67; 75a,
15: 98. c,d; 100a; 1 0 1 a ; 1 1 8 ; i 2 g f ; 156,
16: 79b; 1 3 3 b ; 135a, second. second; 159b; 175.
17: 88; 91. 3: 44a; 70; 75b; 83c; 99; 126; i2ge;
18: 90. 157; 162c; 173a.
19: 1 2 2 a ; 143b. 4: 69; n o , second; 149b; 162b; 165;
20: 78 a. 167; 168.
21: 49. 5: 56a,c; 79a,c; 1 0 1 b ; 106; 1 3 5 b ; 152.
22: 83b. 6: i n ; 150a; 154.
23: 94, second; 95d; 175, second. 7: 156, first.
24: 127, second. 8: 110, first.
25: 58b. 9: 62.
26: 52; 166. 10: 148, second.
27: 56c; 65c; 100b; 114. 1 1 : 148, first.
28: 79a. 1 3 : 90, second.
29: 77 a. 14: 90, first.
30: 82 a, second. 16: 127.
31: 102 a, first. 1 7 : 1 3 2 b ; 140b.
32: 170, second; 174a; 175, first. 18: 129b.
33 : 49; 54; 75 e . second; 127, third; 170, 19: 132c.
third; 1 7 1 b . 20: 149a.

E n g r a v i n g designs

1 : 44b; 45; 46; 53; 63; 74; 77a, b; 79c; 81; 88; 89; 97; 1 1 3 ; 137; 143b; 1 5 1 ; 152;
153; 162c; 165; 169.
2: 58c; 60; 6 1 ; 62; 64; 65b; 67; 68a, b; 69; 83b, c; 102a, b; 103a; 104; 105a, b;
106; 1 1 9 a ; i 2 2 d ; 129I1; 138a; 143a; 168; 172.
3: 44a; 47; 72b; 82a, b; 83a; 90; 91; 93; 94; 95a—d; 99; 101a—c; 108; 1 1 0 ; 1 1 5 ;
128; i29d, e, g; 134a; 140a; 166; 1 7 1 b ; 173a, b; 175; 176a—d.
4: 49; 52; 54a; 57a, b; 65d; 66a; 70; 73; 75a; 78a; 109a; 1 1 8 ; 125b; 140b.
5: 100a; 103b, c; 107; 1 1 6 ; 1 2 1 ; 129c; 136a; 139; 145b; 149b; 154.
6: 54b; 76a; 78b—d; 80; 122a—c; 1 3 3 b ; 135a—c; 138b; 1 6 1 ; 162b.
7: 65c; 124; 130b.
8: 5 1 ; 58b; 59b; 65a; 66b; 75b—d; 76b; 79b; 1 1 1 ; 1 1 2 ; 1 1 4 ; 1 1 7 ; 1 1 9 b ; 127; 129a;
134a; 136b; 142; 144; 145a; 146; 147; 148; 149a; 150a; 155; 156; 157; 158;
159a—c; 162a; 163.
9: 48; 50; 56a—c; 57c; 58a; 59a; 72b; 79a; 98; 100b; 109a; 120a, b; 1 2 5 a ; 129b, f;
130a; 1 3 1 ; 132a—c; 1 3 3 a ; 164; 167; 170; 1 7 1 a ; 174a—c.
II. SAFAITIC INSCRIPTIONS FROM T H E COUNTRY ' A R ' A R

Fig-3 J a S 44—48 and the Arabic text Fig. 16: JaS 122—127.
Fig. 4 JaS 49—53- Fig. 17: JaS 128—131.
Fig. 5 JaS 54—57- Fig. 18: JaS 132—133 a.
Fig. 6 J a S 58—65. Fig. 19: JaS 133 b—135.
Fig. 7 J a S 66—71. Fig. 20: JaS 136—140.
Fig. 8 J a S 72—78. Fig. 21: JaS 141—146.
Fig. 9 J a S 79—85- Fig. 22: JaS 147—152.
Fig. 10: J a S 86—90 and J a T 12. Fig. 23: JaS 153—157.
Fig. 11: JaS 91—97. Fig. 24: JaS 158—164.
Fig. 12 : JaS 98—104. Fig. 25 : JaS 165—169.
Fig. 13 : JaS 105—109. Fig. 26: JaS 170—173.
Fig. 14: J a S no—116. Fig. 27: JaS 174—176.
Fig. 15: J a S 117—121.
ANHANG

LES GRAFFITES SABÉENS DE L'ARABIE


SAOUDITE MÉRIDIONALE
Un lot d'inscriptions rupestres sabéennes dont les photographies m'a-
vaient été envoyées par le Dr. Glen F. Brown auquel je redis toute ma grati-
tude, fut publié par mes soins en 19661. L'année précédente, en 1965, avait
paru un petit volume contenant les différents commentaires relatifs à ces
textes 2 , comme l'indique clairement son introduction. En d'autres termes,
ces deux ouvrages forment un dyptique bien uni. Dès lors, c'est une preuve
indéniable de mauvaise foi que de reprocher au volume des textes l'absence
d'une donnée secondaire qu'il ne peut contenir, puisqu'elle est naturellement
à sa place dans la plaquette de commentaire. C'est ce que fait Jacques
Ryckmans dans son compte rendu du volume des textes 3 ; et il ne peut
prétexter ne pas connaître le volume de commentaire, puisqu'il l'utilisa en
1966 dans la rédaction d'un article publié en 19674, c'est-à-dire au moins
seize mois avant la prétendue composition de son compte rendu. Voici
les faits. «Il aurait fallu localiser de façon précise ce texte [ = Ja 1028],
qui a échappé à nos investigations et à celles de Philby», écrit J. Ryckmans
(p. 247 B). Le volume de commentaire déclare que « Ja 1028 comes from
the same area as [le texte] Himâ. However, I am very regrettably unable
to give any détails on their respective location» (p. 12). Ce texte est clair:
l'emplacement exact des deux textes m'était inconnu lors de la rédaction
de mes deux volumes. En conséquence, la mauvaise foi de J. Ryckmans
se double de l'ignominie, indigne d'un honnête homme, de reprocher à
autrui l'absence d'une information que, lui-même, il sait ne pas exister. Les
renseignements dont je dispose actuellement et qui me manquaient lors

1 Cf. Sabaean and Hasaean Inscriptions from Saudi Arabia, Rome, 1968.
2 Cf. Research on Sabaean Rock Inscriptions from Southwestern Saudi Arabia,
Washington, 1965. Est-il nécessaire d'expliquer la différence de date des deux volumes ?
Le passage par un imprimeur prend beaucoup plus de temps que la rédaction de
stencils.
3 Cf. BiOr, 26 (1969), p. 246B—249.
4 Cf. Le Muséon, 80 (1967), p. 296, note 6.
ANHANG: LES GRAFFITES SABÉENS DE L'ARABIE 111

de la composition de mes deux volumes, me permettent de soumettre au


lecteur un fait qui ne manquera pas de l'édifier. Une expédition composée
de quatre membres et d'un guide a pour but de se livrer à des «investi-
gations» (J. Ryckmans) ou à la «caccia aile epigrafi» (G. Ryckmans) 6 . L a
chasse aux inscriptions est menée avec une telle minutie qu'un panneau
de textes, J a 1028—1032, mesurant p l u s d e h u i t m è t r e s de l o n g u e u r
e t e n v i r o n u n m è t r e v i n g t d e h a u t e u r «a échappé» au regard scruta-
teur des ces chercheurs, de ces Nimrod du vingtième siècle! Ce panneau n'est
pas caché dans quelque ravin isolé ou perdu dans un massif montagneux.
Il est à la portée de la main, à quelque cinq mètres de hauteur à partir du
niveau du sol, et son accès est des plus aisés grâce à un plan incliné rocheux
à ce point praticable que, souvent, les petits enfants y prennent leurs
ébats. Le reste de mes renseignements sera publié en temps opportun; il
est volontairement omis ici afin de prévenir que J. Ryckmans ne traque la
future publication de ses textes pour rendre l'expédition Philby un peu
plus édifiante.
J. Ryckmans consacre 96 lignes de son compte rendu à l'exposé de sa
théorie sur les graffites sabéens de l'Arabie Saoudite.
A. L a p a r t i e p o s i t i v e de l'argumentation de J. Ryckmans débute
par deux affirmations de principe et se termine par l'exposé de sa théorie.
Cette partie occupe les lignes 25—34 de sa prose à la p. 246 B, et les lignes
1 — 1 8 de la p. 247 A.
1. L a première affirmation de principe (p. 246B) concerne «les inscrip-
tions rupestres 'thamoudéennes'» ou «les textes dits 'thamoudéens'» ou
encore «les graffites en cursive, comme Ja 1011, i, généralement considérés
comme 'thamoudéens' ».
a) Le lecteur non spécialisé ne se rend pas compte — comment pour-
rait-il le faire ? — que l'auteur fait ici preuve de mégalomanie démentielle.
Quels sont les auteurs représentés par le «généralement » ? Il n'y en a qu'un
seul: J. Ryckmans lui-même; personne d'autre n'utilise l'adjectif «'tha-
moudéen' ». Mon volume de commentaire a précisé les contradictions de la
théorie de J. Ryckmans et lui a formulé des objections de principe (p.
3—7). Son compte rendu lui fournissait une belle occasion d'y répondre.
Il n'en fait rien! En conséquence, la définition exacte de l'adjectif «'thamou-
déen'» reste toujours un mystère. Les textes en question sont déclarés

6 Cf. Ecclesia, 12 (1953), p. 68.


112 NEUE TEXTE

être «thamoudéen» en 1952 6 et deviennent indifféremment «thamoudéns»


et «'thamoudéens' » en 1954 7 et en 1956 8 et, enfin, «'thamoudéens'» en
1959 9 . L'utilisation des guillemets dans un cas et leur omission dans l'autre
doivent, pour être justifiables, indiquer une différence. Si c'est l'implication
de la tribu de Thamoud qui le chagrine, pourquoi n'a-t-il pas suggéré une
appellation différente, telle que «ancien Saoudite»? Elle aurait eu l'avan-
tage d'être claire. Si le lecteur tient compte de ce que le rapport de 1954 et
l'article de 1956 représentent le même stade de l'évolution des idées de
l'auteur, puisque le premier n'est qu'un résumé du second, il peut juger,
lui-même, de l'unité et de la précision des idées de J. Ryckmans en com-
parant les deux. Le rapport de 1954 déclare que «le 'thamoudéen' serait
bien plutôt un ensemble d'écritures [souligné dans les texte], apparentées
et influencées l'une par l'autre [ ] utilisées plus ou moins simultanément
par une grande diversité de populations nomades et semi-nomades de toute
l'Arabie occidentale» (p. 92). L'adjectif «thamoudéen» serait donc un
passe-partout désignant des écritures différentes utilisées par des popula-
tions diverses. Cette opinion est juste à l'opposé de la théorie de l'article de
1956 qui milite en faveur d'une même langue représentée par différents
dialectes. On y lit, en effet, ce qui suit: «s'il s'avérait que les inscriptions
'thamoudéennes' émanent principalement des diverses populations locales
[ ], les différences locales [ ] refléteraient principalement la diversité
régionale des dialectes d'une même langue, et les variantes locales d'un
système d'écriture depuis longtemps répandu et diversifié dans tout le
pays» (p. 9).
b) Son compte rendu lui fournissait également une excellente occasion
d'appliquer sa théorie à un groupe très restreint de petits textes en donnant
la liste exacte des graffites sabéens et de ceux qu'il tient pour «'thamou-
déens' ». Ce petit travail aurait pu lui prendre une quinzaine de minutes. Il
a préféré n'en rien faire et laisser son lecteur dans l'incertitude. A mon avis, la
confusion de ses idées est telle qu'il était incapable de dresser cette liste.

2. L a seconde affirmation de principe (p. 246 B) est son aveu approbatif


de mon rejet de définir le sabéen exclusivement en fonction de la graphie

6 Cf. l'hebdomadaire f l a m a n d Ons Zondagsblad, no. 162, 6 avril 1952, p. 18.


7 Voir le rapport de l'auteur publié dans les Proceedings of the Twenty-Third
International Congress of Orientalists. Cambridge 2ist—28th August, 1954, p. 91.
8 Cf. Studia islamica, 5 (1956), p. 5 - — 1 7 .
• Cf. Le Muséon, 72 (1959), p. 1 7 7 .
ANHANG: LES GRAFFITES SABÉENS DE L'ARABIE 113

monumentale. Toutefois, cet aveu n'a pas la moindre influence sur sa


théorie parce qu'il est en fait démenti par tout le reste de son exposé ; par
exemple: «si les textes cursifs sont bien du sabéen» (p. 247A).

3. L a théorie de J. R y c k m a n s est présentée dans une longue tirade que


je m'excuse de reproduire intégralement; mais je ne vois pas comment je
pourrais y échapper. L a numérotation est introduite dans le texte original
afin de simplifier le renvoi aux différentes affirmations.

«[1] la bonne méthode est de supposer que l'écriture est probablement un


critère de différenciation linguistique, chronologique ou ethnique, et [2] de vérifier
cette hypothèse en étudiant les textes en fonction de leurs caractéristiques paléo-
graphiques, de leur distribution géographique, de leur contenu onomastique, du
panthéon auquel ils font allusion, etc. [3] Ce n'est que de la sorte qu'on pourra
établir les grandes divisions de ces écritures, l'identité des peuples qui les prati-
quaient, etc. [4] Cette étude est à peine entamée, mais déjà l'on peut constater
que les graffites cursifs d'Arabie centrale ont un contenu onomastique et un
panthéon nettement distincts de ceux des inscriptions monumentales de Saba,
[5] tandis que les graffites d'Arabie centrale en écriture monumentale se rap-
prochent nettement, par la paléographie et le contenu onomastique, des inscrip-
tions monumentales sabéennes de la période récente, qui attestent par ailleurs
une influence linguistique et onomastique de l'Arabie centrale. [6] Or des textes
historiques établissent le début de l'expansion sabéenne en Arabie centrale à
partir du III e siècle de notre ère. [7] La présence conjointe de graffites cursifs
et de graffites en sabéen monumental le long des grands axes de l'Arabie centrale
paraît provisoirement pouvoir s'expliquer par l'envahissement, à l'époque récente,
de l'écriture monumentale sabéenne, au détriment d'écritures locales antérieures. »

L'idée maîtresse de cet exposé est l'exclusion de toute cursive sabéenne,


le sabéen n'étant représenté que par la graphie monumentale, ce en quoi
l'auteur contredit sa deuxième affirmation de principe (voir plus haut). L a
donnée précédente mise à part, l'exposé manifeste l'aveu de son auteur de
ne pas savoir exactement où il en est et pas davantage ce que sont ces
textes cursifs. On comprend dès lors qu'il se soit esquivé à répondre à mes
objections de principe, à définir la valeur de l'adjectif «'thamoudéen'» et
à établir l a liste des graffites sabéens et soi-disant «'thamoudéens'» de la
collection publiée dans mon volume de textes.

[1] et [2] : si mon intelligence de ces deux affirmations est exacte, je ne


puis q u ' y voir une impossibilité et deux pétitions de principe.
Première pétition de principe, parce que l'auteur, convaincu de l'opposi-
tion exclusive entre monumental et cursif, ne pourra qu'interpréter le
scond en fonction du premier. Impossibilité, parce qu'il n'est pas possible
8 AJtheim-StichJ, Christentum I
114 NEUE TEXTE

«d'étudier les textes en fonction de leurs caractéristiques paléographiques»


aussi longtemps que le problème de ces dernières n'est pas résolu.
Seconde pétition de principe, parce que les questions de la «distribution
géographique . . . allusion, etc. » n'ont aucun rapport avec le problème
fondamental de la valeur des lettres et de la langue des inscriptions. Elles
ne commencent à exister qu'après le déchiffrement des textes, c'est-à-dire
dans l'analyse du contenu des inscriptions.
[3] est un rappel direct de son exposé de 1954 qui est reproduit plus
haut dans la discussion de sa première affirmation de principe. L'utilisation
des graffites cursifs sud-arabes permet de déterminer que les graffites
cursifs de l'Arabie Saoudite appartiennent en fait soit au sabéen, soit au
thamoudéen.
W e t [5] introduisent le lecteur au coeur même de la théorie de l'auteur.
Il peut y lire en toutes lettres les deux grossières erreurs fondamentales de
Jacques Ryckmans qui oppose, d'une part, les graffites cursifs aux inscrip-
tions monumentales et, d'autre part, les graffites cursifs «d'Arabie centrale»
aux textes monumentaux «de Saba»! Comment l'auteur pourrait-il espérer
voir clair dans un problème s'il en embrouille les données fondamentales et
oppose des réalités qui ne sont pas opposables les unes aux autres pour la
simple raison qu'elles sont indépendantes les unes des autres et ont, chacune,
connu leur propre évolution, comme je l'ai déjà indiqué dans mon volume de
commentaire (p. 7) ? Le lecteur retrouve dans [5] la même erreur qui con-
siste à opposer les «graffites d'Arabie centrale en écriture monumentale»
aux graffites cursifs de la même région mentionnés dans [4].
[6] : si J. Ryckmans avait été strictement objectif en affirmant simple-
ment, par exemple, que son interprétation de son matériel épigraphique
était identique à celle de Gonzague Ryckmans, savoir «la plupart de ces
graffites [sabéens] datent de l'expansion sabéenne qui marque les derniers
siècles de l'histoire de Saba»10, avec l'élimination de «la plupart de», on
lui aurait simplement demandé de justifier son rejet de «la plupart de»,
une expression qui laisse une porte ouverte à une autre interprétation pour
le petit nombre de graffites. Il convient de noter que G. Ryckmans n'expli-
que pas son «la plupart de ». Quoi qu'il en soit, [6] est en fait une grossière
erreur historique qui fausse toute la perspective du problème. Elle est, en
effet, démentie de la manière la plus catégorique par les textes de Himâ

10 Cf. Scritti in onore di Giuseppe Furlani, Rome, 1957, P- 558.


ANHANG: LES GRAFFITES SABÉENS DE L'ARABIE 115

datant de la période des moukarrib sabéens qui, eux aussi, ont «échappé à
nos investigations et à celles de Philby» (p. 247 B). Ces textes, auxquels
aucun compte rendu de l'expédition Philby ne fait allusion et dont l'existence
même est exclue par l'argumentation de J. Ryckmans, prouvent tout
simplement que ce dernier est en retard d'au moins n e u f siècles sur l'horaire
des Sabéens. Les renseignements précis relatifs à ces textes ne sont pas
publiés ici pour la raison explicitée plus haut à propos de Ja 1028.
[7] est une interprétation erronée des faits, basée sur les autres perspec-
tives historiques fautives de l'auteur.
Il me reste à traiter deux questions essentielles.
a) Le lecteur a remarqué sans doute que les graffites cursifs de l'Arabie
méridionale ne sont même pas mentionnés une seule fois dans l'exposé de
J. Ryckmans ; ils ne sont donc pas utilisés dans sa recherche. Pour identifier
l'écriture cursive de nombreux graffites de l'Arabie Saoudite méridionale,
l'auteur se préoccupe exclusivement de la graphie monumentale sabéenne
et ignore tout de la graphie cursive sud-arabe. Cette attitude est déjà, en
elle-même, un défi au bon sens; elle témoigne aussi d'un aveuglement
volontaire. Mon volume de commentaire note ce qui suit :
« A consideration of p r i m a r y importance is conspicuously missing in t h e dis-
cussion of G . a n d J. R y c k m a n s and of A . v a n den B r a n d e n who, in doing so,
are in perfect agreement w i t h t h e c o m m o n a p p r o a c h t o the problem, n a m e l y no
a t t e n t i o n w h a t e v e r is g i v e n t o t h e S A [sud-arabe] g r a f f i t i f r o m t h e south, t h a t
is t o s a y t o t h e numerous forms of letters f o u n d in t h e m and w h i c h are as p l a i n l y
S A as those of t h e formal lettering» (p. 5).

Cet aveuglement volontaire de J. Ryckmans est, à mon avis, la troisième


grande erreur de notre siècle. L a première est la théorie de D. Nielsen avec
son élimination, volontaire elle aussi, de toutes les divinités secondaires
sud-arabes 11 . L a seconde est la théorie de J. Pirenne sur l'origine grecque
de l'alphabet sud-arabe, le pré-sabéen et la simultanéité, à la fois temporelle
et locale, de plusieurs dynasties sud-arabes, théorie sans laquelle ne peut
exister sa chronologie «raccourcie» 12 , qui est bien à la page à l'époque des
«mini» et est ardemment défendue par J. Ryckmans et A. G. Lundin 13 .
11 L a théorie de D . Nielsen a été récemment acceptée par T . F a h d , Le panthéon
de l'Arabie centrale à la veille de l'hégire, Paris, 1968, p. 1, note 1. Il c o n v i e n t de faire
remarquer que ni le sud-arabe ni le nord-arabe ne sont connus de l'auteur.
12 Cf. BiOr, 23 (1966), p. 3 B .
13 H . v o n W i s s m a n n p e u t difficilement entrer en ligne de c o m p t e , car il est géo-
graphe, e t non épigraphiste sud-arabe. U n e reconstitution historique se doit d'être
basée sur l'intelligence personnelle des t e x t e s .


116 NEUE TEXTE

L'exposé de J. Ryckmans, loin d'être une oeuvre hâtive, est le produit


d'une réflexion très longue; c'est la seule chose qui soit certaine dans l'in-
formation selon laquelle la composition du compte rendu occupa son auteur
en «mars/septembre 1968» (p. 249B). Si, après de nombreuses années de
recherche, de 1952 à 1968, couronnées par de longs mois de réflexion intense
en 1968, un auteur s'avère incapable de clarifier ses idées et de présenter
une synthèse dépourvue des aberrations signalées dans cet article, on ne
peut que considérer sa prose comme la preuve certaine de son incompétence
foncière. Toutefois, le cas présent me paraît impliquer une raison supplé-
mentaire. Le but véritable de l'exposé de J. Ryckmans, bien qu'il se garde
de le dire, est de défendre envers et contre tout la division des graffites
récoltés par l'expédition Philby, qui fut arrêtée dés 1952; pour l'histoire
des appellations données, par l'auteur, à un des deux groupes de cette
division, voir plus haut sa deuxième affirmation de principe. Cet auteur
s'efforce à tout prix de justifier cette division parce que son rejet non
seulement indiquerait que lui et son oncle sont restés dans l'erreur depuis
1952, mais imposerait également la refonte complète des manuscrits con-
tenant l'étude des textes qui y sont répartis sur la base de cette division.
L'exposé de J. Ryckmans rappelle étonnamment la prose de G. Ryckmans
sur l'origine du texte sabéen Ja 576 14 . Le dénominateur commun de ces
deux pro domo sua est qu'un Ryckmans ne fait pas marche arrière sous la
pression d'une personne étrangère à son clan et fait flèche de tout bois pour
se justifier.
b) L'exposé de J. Ryckmans affirme que tout graffite cursif appartient
au « 'thamoudéen' », et cette affirmation est redite en des termes très clairs
dans la partie négative de son argumentation, savoir «si les textes cursifs
sont bien du sabéen» (p. 247A). Toutefois, ce n'est nullement dans son
exposé, mais bien dans la toute petite note du bas de la p. 247 A qu'il confie
à son lecteur l'unique critère paléographique de sa théorie, savoir l'absence
du «trait de séparation» est «une caractéristique qui oppose ces textes [ses
«thamoudéens»] aux textes sabéens». Il est difficile, à mon avis, de faire
preuve d'une mauvaise foi et d'une incompétence plus qualifiées.
(1) Les lettres cursives de Ja i o n h , j, 1, 1012k, 1013e, p, 1017b et
1026b se retrouvent par centaines dans les graffites de l'Arabie méridionale;

14 Cf. Le Muséon, 78 (1965), p. 2 1 5 — 2 1 7 . Pour ma mise au point, cf. mon volume

Notes on the Published Inscribed Objects Excavated at Heid bin 'Agît in 1950—1951,
Washington, 1965, p. 89—96.
ANHANG: LES GRAFFITES SABÉENS DE L'ARABIE 117

les lettres de 1021b, c, e et 1025 c sont presque du monumental pur, et


celles de Ja 1018b sont presque du monumental pur de la basse époque.
Tous ces graffites sont manifestement sabéens, et aucun d'eux ne contient
un seul trait de séparation des mots.
(2) Des centaines de graffites cursifs de l'Arabie méridionale ne contien-
nent aucun trait de séparation des mots.
B. L a p a r t i e n é g a t i v e de l'argumentation de J. Ryckmans se com-
pose d'une série de neuf objections destinées à justifier son verdict, savoir
«sa [ = la mienne] prétention d'englober les inscriptions cursives dites
'thamoudéennes' dans le domaine sabéen constitue une dangereuse pétition
de principe, qu'il faut dénoncer avant qu'elle n'ait définitivement faussé
notre documentation» (p. 246B). Ces objections occupent les lignes 18—60
de la p. 247A et les lignes 1 — 2 de la p. 247B, et sont données ici dans leur
ordre original.

1. «L'auteur n'explique pas pourquoi, dans les mêmes régions, certains en-
droits sont vierges d'inscriptions en écriture monumentale, alors qu'ils sont
remplis de textes en cursive » (p. 247 A).

Le contenu de cette affirmation équivaut à la première partie de la seconde


pétition de principe de la thèse (voir plus). Redisons-le: cette question n'a
absolument rien à voir avec l'identification des lettres. Le fait lui-même
prouve simplement que les pratiquants de la graphie monumentale n'ont
laissé aucune trace écrite à ces endroits. Cette objection de J. Ryckmans
est un argumentum ex absentia qui reste sans valeur aussi longtemps que
son auteur ne prouve que les pratiquants de la graphie monumentale
auraient dû de toute nécessité graver des textes à ces endroits.
2. «Comment s'expliquer la variation de fréquence respective, s'il s'agissait,
pour les deux types d'écriture, de sabéen ? » (p. 247 A).

Cette question, elle aussi, n'a rien à voir avec l'identification des lettres.
Le fait lui-même est un autre aspect de l'élément humain du problème. Il
n'appartient pas à la recherche de décider qu'un groupe humain aurait
dû écrire autant qu'un autre, et pas davantage aux mêmes endroits. A u
contraire, c'est sur la base de ces reliquats épigraphiques que la recherche
établira les différentes sphères d'influence réelle et leur degré d'intensité.
3. «En décidant que tous les textes cursifs sont sabéens, l'auteur se condamne
par avance à ne pouvoir dégager de ses recherches que son postulat initial: par
définition, en effet, sa norme du sabéen inclura désormais toutes les particularités
des textes cursifs» (p. 247A).
118 NEUE TEXTE

L'auteur donne une nouvelle preuve de sa mauvaise foi en me prêtant une


intention que je n'ai jamais eue, savoir d'éliminer le thamoudéen, et je le
mets au défi de se justifier. N'ai-je pas publié en 1967 un volume intitulé
Thamudic Studies ? Sa généralisation indue est une nouvelle preuve, à
ajouter aux autres déjà multiples, de sa mésintelligence des données du
problème.
4. «Si l'on pose que Ja 1008 est sabéen, on devra en bonne logique classer
le n o m hrmmnt qu'on doit y lire (inconnu en sabéen, mais bien attesté en «tha-
moudéen») parmi les noms sabéens, ce qui permettra de tenir pour sabéens
d'autres textes cursifs, en d'autres écritures, qui contiendraient ce nom» (p. 247A).

Ce raisonnement au sujet de Ja 1008 m (nullement 1008) est caractéristique


de l'auteur et fait pitié. Sa lecture, basée sur deux erreurs, le caractère
« 'thamoudéen' » de tout texte en cursive et l'absence du trait de séparation
des mots, lui donne «hrmmnt . . . (inconnu en sabéen, meus bien attesté en
'thamoudéen')». D'une part, le rejet d'un nom en raison même de sa nou-
veauté est absurde; il rendrait inutile et injustifiable toute publication de
textes nouveaux. D'autre part, aucun des soi-disant textes «'thamoudéens' »
mentionnant le nom n'est publié. Si ces textes sont en cursive, l'auteur
n'a pu que les interpréter en fonction de ses deux erreurs susmentionnées.
Peut-on imagnier une pétition de principe plus qualifiée ? Toutefois, puisque
le «'thamoudéen' » de J. Ryckmans recouvre du sabéen et du thamoudéen,
il faut attendre la publication de ces textes pour se rendre compte du groupe
auquel ils appartiennent. Quelle que soit la solution adoptée, ces textes ne
peuvent et ne pourront influencer l'interprétation de Jaioo8m, car c'est
séparément que chaque texte cursif doit être soumis à l'examen paléo-
graphique. En faveur de ma lecture du graffite en hrm mit, il m'est aisé de
signaler que mit est également le second nom de Ja 1020b en belle graphie
monumentale de la basse époque : 'bdltjmlt. C'est également de la mauvaise
foi de la part de J. Ryckmans que de cacher cette référence à son lecteur.
L'index de mon volume de textes porte à la p. 98A: «mit (2nd), cf. hrm
and 'bdlt ». Je passe sous silence hrm qui se retrouve dans toutes les langues
arabes préislamiques. Dans la seconde partie de 4, J. Ryckmans s'imagine —
ce qui est normal — que d'autres auteurs pourraient être assez dénués de
bon sens que d'emboîter le pas de son simplicisme.

5. «Toute la documentation onomastique et paléographique est ainsi faussée


au départ[ ], et on ne voit pas ce qui empêcherait, de proche en proche, de
conclure que les textes safaitiques sont bel et bien du sabéen» (p. 2 4 7 A ) .
ANHANG: LES GRAFFITES SABÉENS DE L'ARABIE 119

L a première partie est du remplissage, et la second répète la deuxième


section de 4 en l'appliquant au safaïtique.

6. «On se d e m a n d e d'ailleurs c o m m e n t l'exercice présenté à la fig. 19 s'intègre


à la thèse de l'auteur: il s ' a g i t d ' u n arbre généalogique (à partir de la forme
sinaïtique) des formes de la lettre alif dans des t e x t e s cursifs du H a d r a m a w t e t
d ' A r a b i e séoudite» (p. 2 4 7 A ) .

Le lecteur ne s'y trompe pas : J. Ryckmans se rend parfaitement compte de


la valeur probante de ce tableau généalogique et de sa relation avec mon
interprétation générale des graffites cursifs; elles sont trop obvies. Ce qui
l'ennuie, c'est son existence. Toutefois, si, comme il l'affirme, il ne les com-
prend pas, on est autorisé à désespérer qu'il puisse jamais comprendre les
données fondamentales, pourtant si simples, du problème.

7. « L e choix des t e x t e s est p u r e m e n t accidentel: c e u x qui sont publiés dans


l'ouvrage fournissent à e u x seuls p a s moins de 20 nouvelles formes sur une bonne
c e n t a i n e : c'est dire combien ce tableau, qui ne considère m ê m e p a s l'évolution
des autres lettres, est prématuré, et appelé à être bouleversé par t o u t e nouvelle
p u b l i c a t i o n » (p. 2 4 7 A ) .

Le choix des textes n'est ni plus ni moins accidentel que la collection de


graffites de l'expédition Philby. Le choix des textes cursifs de al-'Abr qui
fournirent le tableau original est d'autant plus justifié que al-'Aber est une
oasis épigraphique au milieu du désert et constitue une entiré de choix
bien délimitée. Le choix de la lettre 'alif est d'autant plus justifié que c'est
la lettre qui accuse le plus grand nombre de variantes. De plus, il est ab-
surde et injustifiable de reprocher à un tableau réservé à la lettre 'alif de
ne pas mentionner les autres lettres. Enfin, le caractère «prématuré» que
l'auteur reproche au tableau n'est ni expliqué ni justifié. Le simple fait que
la légende porte «Tentative genealogical chart » indique bien que le tableau
devra être complété par des additions futures qui, de toute nécessité, im-
poseront certains changements. Le Medice, cura te ipsurn trouve son applica-
tion ici. Que reste-t-il de la synthèse historique de J. Ryckmans de 1951 ?
Il l'a lui-même détruite en publiant successivement plusieurs autres synthè-
ses. E t chacune de ces études est présentée avec une telle assurance de par-
faite certitude que le lecteur ne peut que se dire: «Attendons la suivante! »

8. « D e u x constatations sont inquiétantes; d'abord, toutes les dérivations


sont supposées verticales; or il est invraisemblable que c e t t e évolution très loca-
lisée — v u le r a y o n restreint de provenance des t e x t e s — n'ait été largement
conditionnée par des influences et emprunts l a t é r a u x de t y p e s g é o g r a p h i q u e m e n t
voisins» (p. 2 4 7 A ) .
120 NEUE TEXTE

En tante que manifestation de la personnalité humaine, la cursive porte en


elle-même une potentialité illimitée de développement, quelle que soit
d'ailleurs l'occasion de chaque transformation, soit l'initiative spontanée
individuelle, soit une suggestion extérieure acceptée par l'individu. Le ta-
bleau généalogique a pour but de montrer comment les formes apparem-
ment très différentes de la même lettre lui appartiennent en réalité. Les
influences extérieures n'ont jamais été niées. Mais l'affirmation de l'auteur
est une exagération des plus manifestes que je le mets au défi de justifier
d'autant plus que la potentialité innée de la cursive rend extrêmement
délicate l'affirmation d'une influence extérieure dans un cas précis puisque
cette influence n'a pu prendre corps dans une variation de la lettre qu'après
avoir été adaptée par l'individu à sa connaissance acquise.

9. « C o m m e n t justifier que c e t t e évolution soit présentée c o m m e indépendante


de l'écriture monumentale et c o m m e a y a n t pris la forme d'une ramification de
plus en plus poussée ? O n s'attendrait au contraire à ce que l'écriture m o m e n t a l e
en usage à S a b a ait exercé, à l'intérieur d ' u n domaine sabéen supposé, une in-
fluence de plus en plus n e t t e sur les écritures cursives d é p e n d a n t de son domaine
et les ait m ê m e p r a t i q u e m e n t éliminées à l'époque monothéiste» (p. 247 A — B ) .

Cette prose est le plus bel example que je connaisse d'obscurantisme causé
par le culte fanatique de la graphie monumentale. Les deux graphies,
monumentale et cursive, répondent à des besoins nettement différents, et
leur évolution respective est régie par des préoccupations nettement dif-
férentes, en sorte qu'elles ne sont en aucune manière opposables l'une à
l'autre, comme je l'ai déjà dit plus haut. Il est insensé de s'imaginer que les
gens du peuple étaient capables de reproduire les splendides lettres monu-
mentales dont la gravure restait sans doute l'apanage d'ouvriers profession-
nels. E t même ces derniers ne recouraient certainement pas toujours à la
belle gravure monumentale pour écrire leurs billets personnels. Un exemple
typique est H I 2 de Heid bin 'Aqîl 1 5 , et la valeur de cet exemple est d'autant
plus adaptée au cas présent que H I 2 appartient à une période très proche
de la fin du royaume qatabanite. Ce qui reste de cette plaque témoigne
d'un art consommé dans le travail de l'albâtre. Le nom yh'n, texte A, est
gravé en relief, et l'ouvrier a signé sa pièce par une petit texte en graphie
cursive, texte B . L a deuxième affirmation de l'auteur n'est même pas

15 Cf. G . W . V a n B e e k , H ajar bin Humeid. Investigations at a Pre-Islamic Site in


South Arabia, Baltimore, 1969, p. 269, 307 (pl. 46a, b), 337, 353 (fig. 131) et 354
bis-ter (fig. 132).
ANHANG: LES GRAFFITES SABÉENS D E L'ARABIE 121

probable, puisque les deux graphies, monumentale et cursive, ne sont pas


exclusives l'une de l'autre; au contraire, elles s'allient magnifiquement en
répondant, chacune, à des besoins spécifiques, sociaux et personnels. De
plus, le développement des lettres cursives est attesté par des milliers de
graffites. Il appartient à la recherche, non d'en limiter arbitrairement les
proportions pour satisfaire une idée piéconçue, mais de le constater, de l'en-
îegistrer avec soin et d'essayer de comprendre toutes les manifestations de
cette transformation continuelle en recherchant comment elles se rattachent
les unes aux autres. Je le réaffime une fois pour toutes: cette recherche
s'impose pour la graphie cursive au même titre que la graphie monumentale ;
ces deux graphies sont parallèles et ne sont pas opposables l'une à l'autre,
et le problème des graffites cursifs de l'Arabie Saoudite méridionale doit
être résolu en fonction des graffites cursifs sud-arabes, à l'exclusion de la
graphie monumentale sabéenne.
Il m'eût été facile, au cours des dernières années, de discuter les articles
signés par J. Ryckmans; ils ne me parurent pas en valoir la peine. Bien que
son dernier compte rendu soit de la même étoffe, il n'en discute pas moins
un problème de grande envergure. C'est la seule raison qui m'a déterminé
à y répondre. Toutefois, les expédients malhonnêtes et les argumentations
trop absurdes pour être sincères auxquels l'auteur continue à avoir recours,
m'incitent, par le dégoût qu'ils inspirent, à me désintéresser de sa prose
jusqu'au jour où il se décidera d'agir en honnête homme. Je me réserve,
cependant, le droit de rédiger un compte rendu de la publication des graffi-
tes sabéens et thamoudéens récoltés par l'expédition Philby en Arabie
Saoudite méridionale.
3- K A P I T E L

EIN BISHER NICHT ERKANNTER STEPHANUSTEXT :


PSI55
LITERATUR

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Basilicorum libri L X , Supplementum, C. E. Zachariä v. Lingenthal
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Handlexikon zu den Quellen des römischen Heumann-Seckel
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124 NEUE T E X T E

Griechisch-Deutsches Handwörterbuch, 3 Vol., W. Pape


Braunschweig 1888, 3. Aufl.,
Vocabularium Iurisprudentiae Romanae Tom.
I—V, Berlin 1903—1939.
Wörterbuch der griechischen Papyrusurkunden Friedrich Preisigke — E. Kießling
I—III, Berlin 1925—1931,

VORBEMERKUNG

Im Verlaufe der Ergänzung des Papyrus erwies es sich für mich als un-
umgänglich, Einsicht in das Original von PSI 55 zu nehmen. Auf Vermitt-
lung von Herrn Prof. Seidl hin stellte mir Herr Prof. Bartoletti, Florenz,
eine Photokopie von PSI 55 zur Verfügung (Abb. 46—49).
Hierfür möchte ich an dieser Stelle meinen Dank aussprechen.
Die Photokopie war für mich bei der Ergänzung des Papyrus von großem
Wert. Ohne sie wäre eine Ergänzung häufig nicht möglich gewesen. Auch
bot sie die Möglichkeit, viele bis dahin bestehende Zweifelspunkte der zu-
grunde liegenden Lesung Vitellis zu klären und einige Irrtümer zu berich-
tigen.

EINLEITUNG

1. GEGENSTAND DER UNTERSUCHUNG


Der Papyrus, PSI 55, wurde erstmalig veröffentlicht in Band 1 der
Papyri der „Società italiana per la ricerca dei papiri in Egitto" unter Nr. 55,
S. 107—121. Er stammt aus den Ausgrabungen Pistelli (Februar 1910) und
kommt aus Oxyrhynchos1.

ÄUSSERES BILD DES PAPYRUS

Er besteht aus einem Blatt, das in der Mitte gefaltet, 4 Seiten von
gleichmäßiger Größe ergibt. Die Breite des gesamten Blattes beträgt
412 mm, die Höhe 377 mm. Ein Halbblatt, wie es durch das Falten ent-
standen ist, ist jeweils 205 mm breit. Der verbleibende Rest von 2 mm
entfällt auf die Knickung. Die beiden Außen- und Innenseiten sind be-
schrieben. Der Papyrus umfaßt 134 Zeilen, die an einzelnen Stellen teil-
weise oder völlig zerstört sind. Die vordere Außenseite (verso I) enthält

1
Vassalli, BIDR 24 (1912), 181.
III. EIN BISHER NICHT E R K A N N T E R STEPHANUSTEXT: PSI 55 125

die ersten 33, die linke Innenseite (recto I) die anschließenden 35, die rechte
Innenseite (recto II) die folgenden 32 und die rückwärtige Außenseite
(verso II) die restlichen 34 Zeilen.
Die größte Länge einer vollständigen Zeile ist 175 mm. Die höchste
Zahl der Buchstaben einer Zeile liegt zwischen 44—47. Die Schrift der
Innenseiten (recto I und II) ist einander außerordentlich angenähert. Der
Abstand beider Schriftkolumnen beträgt hier in den einander gegenüber-
liegenden Zeilen 43—44 und 78—79 höchstens 15 mm2.

SCHRIFTBILD

Die Schrift ist regelmäßig griechisch, enthält aber eine Vielzahl in Latein
geschriebene juristische termini technici. Ebenfalls lateinisch sind die
Namen einiger klassisch-römischer Rechtsschriftsteller und der eines Senats-
konsult. Das Schriftbild selbst bietet eine kalligraphisch gehaltene Unziale,
die m. E. ins 6.—7. Jhdt. n. Chr. weisen dürfte3. Die Endungen der latei-
nischen Termini sind regelmäßig gräzisiert. Größe und Abstand der Buch-
staben voneinander wechselt zuweilen, ebenso auch der Abstand von Zeile
zu Zeile; letzteres ist schon daraus zu ersehen, daß die Zahl der Zeilen sich
auf jeder Seite ändert bei einer nur um Millimeter voneinander abwei-
chenden beschriebenen Seitenhöhe (Kolumnenhöhe).

INHALT UND GLOSSEN

PSI 55 ist juristischen Inhalts. Er beschäftigt sich in kommentarhafter


Form mit einem Ausschnitt des Digestentitels „de pactis" (D. 2,14).
Am Rande des Textes finden sich 4 Glossen, die sich auf den Inhalt des
Papyrus beziehen (Z. 71—73; Z. 91—94; Z. 108—-in; Z. 119—121).

2. STAND DER BISHERIGEN FORSCHUNG AN UND ZU PSI 55


PSI 55 wurde erstmalig gelesen, zum Teil ergänzt und übersetzt durch
T. Lodi4. Neben Vitelli5 unternahm es auch Vassalli, die Lesung des Pa-

2
Oben, Anm. 1.
3
Gardthausen, Griechische Paläographie, Leipzig (1879), Anhang nach S. 472,
Tafel 1 mit Schriftproben in Form eines Alphabets von ca. 330-—697 n. Chr.
* Vassalli, BIDR 24, 181.
5
Pietro de Francisci, Rend. Ist. Lombardo, Milano (1912), Vol. XLV, 209 Anm. 1.
126 NEUE TEXTE

pyrus zu vervollkommnen, wobei letzterer ihn auch teilweise auswertete6.


Er kam dabei zu dem Ergebnis, PSI 55 sei ein „frammento di un Indice del
Digesto". Dieser Auffassung schloß sich Pietro de Francisci an7. Darüber
hinaus bestand das Hauptergebnis der Arbeit Vassallis darin, daß er den
Papyrus dem z. Zt. Justinians wirkenden Rechtslehrer Theophilus zu-
schrieb8. Dazu äußerte sich de Francisci dahin, ob in unserem Fragment
(PSI 55) ein Stück aus dem Index des Theophilus zu sehen sei, sei ein
Problem, das er nicht glaube lösen zu können. Daraufhin griff Partsch9 die
These Vassallis und de Franciscis, PSI 55 sei ein Fragment eines Index zu
den justinianischen Digesten, an und kam dazu, den Papyrus, entsprechend
seiner Lieblingshypothese, für einen Kommentar zum „predigesto" anzu-
sehen; er stufte ihn zeitlich also als vorjustinianisch ein. Vor ihm hatte
schon Peters10 es offen gelassen, ob der Papyrus vor- oder nach justinianisch
sei; neigte aber doch mehr dazu, in ihm einen Teil einer präjustinianischen
Kompilation zu sehen. Collinet11 gab ihm insoweit recht, als auch er den
Papyrus für vorjustinianisch ansah, bestritt aber seinen Charakter als Teil
einer Kompilation; vielmehr entschied auch er sich für ein Kommentar-
werk und näherte sich darin wieder Vassalli und de Francisci. Scheltema12
scheint sich hingegen der Meinung Peters anzuschließen.
Unternimmt man es, diese Meinungen gegeneinander abzuwägen, so
ergibt sich, daß das Problem: PSI 55 vor- oder nachjustinianisch ? nach
wie vor unentschieden ist, auch wenn die jüngste, Wengersche Stellung-
nahme hierzu13 sich eindeutig für eine nachjustinianische Einordnung aus-
spricht.

3. A U F G A B E N D E R A R B E I T
Das zuvor angeschnittene Problem, ist PSI 55 vor- oder nachjustia-
nisch?, wird daher eine der Aufgaben sein, die diese Arbeit zu klären hat.
Weiterhin weist der Papyrus, trotz zahlreicher bereits vorliegender Ergän-

6
Oben, Anm. 4, 1 8 1 ff.
7
Oben, Anm. 5, 209 ff.
8
Wenger, überzeugt durch die Argumente Vassallis, trat in seinen erst kürzlich
veröffentlichten „Quellen des römischen Rechts" (1953), dieser Ansicht bei; dort
S. 685 f.
9
Nachgelassene und kleinere verstreute Schriften, Berlin (1931) i g i i .
10
Oströmische Digestenkommentare, Leipzig (1913), i o i f f .
11
Histoire de l'ecole de droit de Beyrouth, 284—290.
12
Tijdschrift voor Rechtsgeschiedenis (1941) 1 7 , 4 1 2 ff.
13
Oben, Anm. 8.
III. E I N B I S H E R NICHT E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : P S I 55 127

zungsvorschläge14, in weiten Teilen noch sehr erhebliche Lücken auf, die


der Ausfüllung bedürftig und auch, je nach ihrem Charakter, zu einem
großen Teil ergänzungsfähig sind. Als dritte Aufgabe kommt die rechtliche
Auswertung des Papyrus hinzu, die bisher nur sehr bruchstückhaft erfolgte
und daher verdient, in Zusammenhang vorgenommen zu werden.
Die Behandlung dieser 3 Punkte wird den Inhalt der Arbeit aus-
machen.
Dabei erscheint es zweckmäßig, in der folgenden Reihenfolge vorzu-
gehen: zuerst die Ergänzung des Papyrus vorzunehmen, dann, an Hand
seiner so neu gewonnenen Gestalt, ihn auszuwerten und schließlich die
Suche nach der Person seines Verfassers mit dem Problem ,,vor- oder nach-
justinianisch?" zu verbinden.

I. T E I L

N E U E E R G Ä N Z U N G E N ZU PSI 55

Dem ersten Teil der Arbeit, der Ergänzung des Papyrus, wird die
Lesung Vitellis zugrunde gelegt, wie sie sich bei de Francisci1 wieder-
gegeben findet:

I. PSI 55 IN D E R L E S U N G VON V I T E L L I

[CTicoTr]ripa a[i]peais eve[i]v(ai) TT) eTrepcoTT][er]ei


[koi ccTrAcoj]
[ye]vo|i[evr|] iva tote aTrarrr|0T| t[o] Ke<paÄ[aiov
OTOCV Ol TOKOt]
[PT|] K(a)T(a)ßaAAovr(ai). ulp: conuent[i]oncov . . [
eis Suo 8ia<i)psiT(ai) eis publecov ircn<To[v Kai eis
pri-]
5 uatov t o Se priuatov UTTo8iatpeiT(ai) e[ts legitipov]
[ttJckktov k(oi) iuris gentiov cos SoKei <7 .... [
TauTr|V Tr| Suvaiaei publecov iraKT?!» e[ariv]

14
Neben Lodi (Anm. 4) und Vassalli (Anm. 6) haben sich auch Partsch (Anm. 9)
und Peters (Anm. 10) hier verdient gemacht.
1
Pietro de Francisci, Ist. Lombardo, Milano (1912) Vol. X L V , 209—213.
128 NEUE TEXTE

TO h[(e)t(cc)£]u TCOV (TTpOTTiyCOV TOU TT0Ae|J0 [u


iTEpi eipr|vris]
y i v [ o n ] e v o v legitipov 5e ttocktou e[cttiv t o a i r o ]
10 tivos i'Sikou vopou ri 5 o y n a [ T ] o ç au[yi<AT|TOU ku-
poupievov ]
k(ou) t) t i k t o v aycoyr|u r) avaipo[uv ecrnv oiov legi-]
tipioi KriSaiiovES Troioy[uTai 01 agnatoi TCOV op<pa-]
ueuoheucou ou nrjv k[cxtoc Sia0r|KT|u ? aAA o SgoSekoc-]
SEATOS kocâcùv auTouç KI] [Sepovas
15 tt) v SioiKrjCTiv n-po5r|A[
ETTl TOKETCO OyCOyT|S E . . . [c. 10 I I . OIOV El ]

riyopaaav t i ttote K(ai) ete [c. 12 11. re nondum]


secuta irpos t o crupcpcp[vo]v . . . [
[a]vExcopîiaau t o u ctuvaAAçcy p [a]T05 ot[
20 [10 I I . ] . .CpS ETTl TOU . . . [
[5 11. ]ti vocuKÄfipcov t o y a p Ççr0(ai)
Kotvcovia[. ] Soypia auyKÄr|Tou . . . . Kau Ta na-
Ai[ara
K(ai) ça Siara^Eis Kupouaiu carra Ta aucrrrina[T]a
iTpo-
5tiAco tti[ç] KOivcov[i]aç cruuaA-
Aayna
25 cos ttoktov ß f ß a i o u r ( a i ) K ( a i ) Ta u ( e ) T ( a ) ^ u auTcou
EITE ETTl CTUOTaCTEl
aycoyris eite etti avaipecrei ayTris Tris Koivcoviaç
Xpriamcoç
TrotKTEUET(ai) 0M01GÙÇ arro SoyiJia(Tos) ctu/kAtitou
Kai a n o ï6ikco(v)

Se vçjicou titiu K(ai) poblic<i)u Kai corneliu ßeßat-


ouT(ai)[
[.] . v crycrraaEi a[y]coyr|Ç eav Tis etti xPrltJLOtcrlv
TTOCl Ç [T|
30 ïua T) okoutiov T) Kovrapiov pnrrcov t)
[TpEXCOV ]
T) 71136[cou] t) TraAaicou T) TTay<K>parja£cou [.]
Hê[. . apE]jr|s EUEKa uiKrjaoi Aaßcov p vomapaTa
III. EIN BISHER NICHT ERKANNTER STEPHANUSTEXT: PSI 55 129

[c. 9 I I . ] TOCUTOC [eTr]l x[pi"|H]aCTlV T T M ^ . [.] .. OVU-


ÖT)Kri(v)
[ 3 — 4 1 1 . ] . . . K(OCI) ETTJ avaipeCTEi 5i . [.] . ox--£K.[
35 [ 4 — 5 1 1 . J.-rrgKTov iaxueiv OIOV ei X P £ C ° - - [ ] OCR [
[4 — 5 I I . ]pcp E7TI OViyXCOpT|CTEl TOU /pSOUS ETT[l TOU ?]
[auu]aAAay|iaros TauTa cruvsösro üiro x a . [
[. .T]COU AXPT)ATCOV TTOCKTCOV EpoupEV iuri[s gen- ]
[tio]V ECTTIV TJTOI conuenticou T9 OTTO TOU E0[VIKOU]
40 yevopEvov (vopou) TOUTCOV 5E TCOV iuris genti[ou]
-nva [I£V K(ai) otycoyas TIKTEI K(OI) irap[ay]pa<pas
[RJ Kai a/]cpyr)v K(C«) TTapaypa<P(r|v) EXEI Tiva 5E
Trapaypa[(pTiv]
[povov £)(6i ] J A 5E TiKTOvrct aycüya[s TT [CXKTCI
[OVOHCC£E]T(OCI) 9[U] liouov aAA 1 iSiKa
45 [ovopa(Ta) oTjvaAAJayparcov 8iaip£IT(ai) T|TOI PET-
[£pX£T(at) Tau]T[A] j a cruvaAAaypaTa EIS
[aAAa ovopa(Ta) 010v a y ] o p a a i a v irpacriv pia-
[OOOCTIV EKpiaOcocriv KOIVGO] viav xP r l CTlv "Tapot-
[KATCC0R|KT|V K(ai) TO]UTOIS opoia oiov man-
50 [datov c. 1 0 1 1 . ]ov OTOCV EIS aAAo PEV
[cruvaAAaypa pr| p]£T£px£T(ai) TO TTOKTOV OTTEOTI
[SE a m a ECTTIV aycoyr)] K(ai) y a p TIKTETOCI [E]V9[XT|]
[c. 6 1 1 . ] EV oi[ov] SESCOKO a [ o ] i IR[pay-]
[pa iva 5co]s [po]i ETEpov Ttpctypot [oiov SESCOKO]
55 [CTOI ipar]io[v iva Scos] poi xAaviSiov T[OUTO ovvaA-]
[ A a ] y p a ECTTIV K(ai) TIKT£T(OCI) r) praescriptis uerbis
[a]ycoyr) TI SESCOKCCCTOIKapaaiov "iva TTOIT]CTTIS poi
TI TTOTE oiov ypa<pris 'iv T9VT° cruvaA-
A a y p a ECTTIV ocvcpvup9y ou y [ a ] p a p y u p i a 8E8CO-
60 KA aoi 'iva picröcoaiv OUTO EITTTIS TIKTET (ai) ouy
ouy EVTE[U-]
6EV TTOAITIKTI aycoyr} T| praescriptis uerbis 81a

[8]E TOUTO opöcos ETOßAASTO TOU iulianu o ma[u-]


[ri]cianos sin TOIOUTOU Oepcrros e[av] y a p 8co a o [ I
[stijcov TOV S9UA0V iva TTOIT|crr)S TL 1 TTOTE O]IOV

9 Althcim-Stiehl, Christentum I
130 NEUE TEXTE

65 [EÀeu6]epcpgTis Tr[a]pcpiÀov TOV 8 [ o u X o v a o ] u eiT[eiTa]

eXsuQgpcooTis TOV i r a p t p i X o v o Se [sticos] EK[VI-]

KT|6TÌ [a]Tro TOUSE . . [

mauricianov TT|V praescr[iptis uerbis

riv OT||ja[ ] . avgip[. . . . cr]uvocAÀ[ay|ug . . . . ] .

TAURA[?

vo [. , ] v o v o . ixaKTo[v] e I T E EK T O U EUQECOS y s y o v o s ETT[I]

TCOV bf TUTTOL [ ?
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re nondu[m] [secuta] (a]uro SITE II(£)X(A) TOUTO yEyovos Trccp[a]yp 8i-
consensu
cjuY[a lÄAayucr S c o c n v TCO £uay[o-]

HEVCO K ( O T ) Evcxyovri avrnrapccyp EI S E T I S £T|TEI EI . [

[• •] f M l T C 0 V W bf cruvaÀÀay|ia[T]cov 8uvar(ai)

OTTO TTCXK-

[ T O U . . ] • • • [ • ] K A X A P X A ? T T À O T U v s a O (AI ) ^ A Y I ÀEKTEGV

75 [ORI] ECT0 9JE OU SUV[A]T(AI) T][JE . . . 8 U -

yg-r(ai)
o i o v O X A [ v ] ETTI S A V E I O U e u [ c . 12 I I . ] . . . .

T O X O U T T O K T E [ U ] 9 T I O [ U ] K ECTTIU [C. 1 4 II. ]

K(CXI) pactov . . . [ . . ] . . a v K(AI) avco SE . . [ ].

ETTI TCOV

TOKCOV K(A>) T O U K E < p / Q s p a T O U T O 8 . . [ . ] . . [ . . .]A§ECOS

80 TT|S ETTEP0ÙTT|CTECOJ T T a p a K O À O U [ . . . .] . T] O T [ O C V K]£p-

YORRA 8avia8r| Kai SIXOT E T T E p c o [TT] ]<JECO$ [ ] CRUU-

<PCOVR|6T| PR|TOS T U X O V N(E)T(A)£U [E]TTE}8T|

. . [E] V T C T U S A TO |ÌEV E V E X U P G Y ev TO SE

[ . . . . ] TEpUCCTCOV SOOEVTCOV TCO pactco (3ori0£lT(ai)


85 [. . . ] . O U T C P 6 . . [ ] [ ]ai N(E)T(a) TO CTUV-

[aÀÀocy]iia TE/OEiaai aito vfiX[ou] Tjai<[Tou Tra[pa-

[ypacpai] K(at) naÀicrra

[ ]v
[ ]•
90 [c. 8 — 9 OIOV El [c. IO I I . ] . . o | 3 o u
[c. 8 1 1 . ] . . O T I 7TE<pgv£pcoT(AI) [ETTI Tris a y o j p a a i g s
TTE(pi) TT1S [re|
nondum secuta K(OCI) T C O V [Aonrcov] bf ctycoycov re [nondum] sec[uta]
uiravccxw(pTiaECoç) TT^Ç
TTpaoecoç T] EvaXXayrjç y £ i v £ [ c r 6 ( a i ) u J i T a v c r ^ c o p [ r i e r i v T O U a u v a j À À a y patos
O À [ O U ] a n o TTOCKTOU x[ai ou n[o]yov EIS T O TR[a] V

aÀÀa Kai
III. EIN BISHER NICHT ERKANNTER STEPHANUSTEXT: PSI 55 131

95 EIS HEpos T[OU cr]yvaAAay|iorros EvaAAayri 6uvcrr(ai)


ysvsa6(ai) OCTTO [TT]OKTOU OIOV IVA U[RJ oA]ov TOV
ocypo(v)
aAAa laepos [a]urou 8o£co r|[
[.] op [ c. 7 n . ] v Trpa0[
]CCTC0V . . [
100 ir]opo[y]§/[
Trap[cxyp/] k(cci) avTiTrapocyß/ [K(a)T(a)]xpi"|0"n-
K[COS ] EV 010V s[I]
Eyco O TTparris KEIVCO Tr[a]pa aou Trspi E' pepous TOU
ccyp[ou]
K[(ai) a ] u o a y o p a a a s i r a p [ a y ] p / avri6r|S uoi irepi
[T]OU SEIV [EIJIE]
a]ypou TCCS TIPAS AaßEiv K(C«) irocpaSouvai aoi
[TOU
TOV irav[Ta]
105 ccypov Eyco 6E Suvapai. cos ocuo TOU TEAEUTOCJ[OU]
TTCflCT [ o u ]
napcrypatpris xpriaö(ai) K(a)T(a)xpTiaTiKCOS 8e ira-
p [ a ] y p ' A [Eyco]
EITEI re nondum sec[ut]a EIS nepos uirava)(cppr|ai[s]
yEVET(ai) o [ i o v EI TO p vo(iaianaTcov) Tr[pa]6£V i r a A i v
' ' iraKTEuaco TTAEIOVOS
T-ns ou yEvo[(ic]v]Tis cos N ^T-T-OVOTS TR]Eirpaof (AI) EI ye re [no]ndu[m s]e-
P [I]TI [EUlpriatis. 61a t VEVOVEV
TOUTO ouv Aeyco K(a)T(o) CULd y t y o v t v
XPT1CTT1XCOS 110 ttcxktov oUTCo[s] EOTIU T) ÖEUTEpOC COV[r| COJCTOCVEl TT|S
irpcoTTis
ou yEvon[E]uTis cos ß iTl EupriaEis 5ia TOUTO OUV Asyco
K(a)T(a)xpria-
TiKco [s . . . ] EI 8E coaavEi avavEOUCT6(ai) 8OKEI R) covq
KCCTCX
. . CO 80KEI EIEVOV E1TE ipSO inre (sie) T| UpCOTTl
avaipE[ia]6(ai)
So£r| KOC6 EKOtTEpav svvoiav apuo . . K(OCI) Ta Etr. [
115 KT) avaAuaai cruvaAAay |iorros TT)S consensu yEvo|I[
re nondum secuta K(CCI) EIS ayooyriv crunßaAAET(AT) [
TO Trpayua 8uvcrr(ai) avccAu0r|vcu EIKOTCOS K(OU)
n(e)T(a)TUir[oi ctycoytiv]
132 NEUE TEXTE

Kai Sokei TpoiTOV ti[v]oc avocveoua^ai) t o cruvaA-

Aocy[pa
TT£(pl) [TCOV] T i v £ s . . . r|S t . [ . . . ] . . £i t o u a y p o u povov . [
[Tra]KTCo(v) 120 tt . . [ ] 6uvcrr(ai) 8e yev[
aKvpco(v)
8E ei [ ] . [
ei 8e . . [ ] . Suco KÄ[r)]p[ovo|i ]v
auTCov re n[ondum secuta tt]ockteuot| t[ov npos
irpcnriv]
AVOCXOOPRI [croa otto t o u cruv]aAAocy perros Sokei [ ]

125 avaxcopri . [ 5 — 6 11. t]t|S ttocotis o t y o p a a i a [ s . .] .

upos to[v]

vopiov i<?x u£ • [ . . . ] . . [ . . . coctPJttep k(c«) E<p et[e-


pou] cruvaAAa[y-]
porros r i S u v a r o ttcckte[uc(oti)] tuxov etti [BJccveiou
co[ct]te
ccutov povov pr| aTraiTTi6r|v(c(i) k(öi) k. [3—4 11.]
TraKTOU T T a p a y p /

ait praetor [.] . ev ctkottos t o u . . [ . . . ] . u Koivr)

TTEp[l] TTCCK-
130 TCOV 8 . [7 — 8 II. ] . U. E.[.]<?1 TIS OCV [ . . ] . . K . .
TTEpi a [
. [ ] yEVl . [7 — 8 I I . ] TO o u [
. [ ] . Kavco[

[ ]VT£S Í • [

2. NOCH V O R H A N D E N E L Ü C K E N IN PSI 55

Trotz der Ergänzungsvorschläge von Lodi, Vassalli, Partsch, Peters1


und vereinzelter Vorschläge anderer2 weist der Papyrus noch zahlreiche
nicht ergänzte Lücken auf. Diese sind von sehr unterschiedlichem Umfang.
Teilweise fehlt nur ein einzelnes Wort oder einzelne Wörter, teilweise sind es

1 Oben, S. 127 Anm. 14.


2 Vgl. im ,,Apparat" des ergänzten Papyrus.
III. EIN BISHER NICHT E R K A N N T E R STEPHANUSTEXT: PSI 55 133

aber Lücken, die sich über mehrere Zeilen erstrecken, in denen bestenfalls
einige Wortbruchstücke oder ein vereinzeltes Wort erhalten sind. In
Z. 1—14, 19—33, 36—66, 70—118 und 123—129 finden sich nur Lücken
geringeren Umfangs, hingegen weisen die nicht genannten Zeilen noch
Lücken von recht erheblichem Umfang auf.
Gerade bei Lücken der letzten Art wird es häufig schwierig sein, einen
Ergänzungsvorschlag zu bringen, der für sich eine überwiegende Wahr-
scheinlichkeit beanspruchen darf. Dies wird wohl der Grand sein, der einen
anerkannten Gelehrten wie Vassalli, dem wir die meisten der bereits vor-
handenen Ergänzungsvorschläge verdanken3, abgehalten hat, sich an die
größeren Lücken zu wagen. Dennoch dürfte es m. E. möglich sein, an Hand
der Quellen zumindest eine große Anzahl der Fehlstellen inhaltlich festzu-
legen und mit Hilfe der in die jeweilige Lücke einzusetzenden Buchstaben
zu einem leidlich sicheren Ergebnis zu kommen. Ergänzungsvorschläge
dieser Art können natürlich nicht beanspruchen, daß sie Wort für Wort
den ursprünglichen Text wiedergeben. Häufig enthalten aber diese Groß-
lücken einige vereinzelte Buchstaben oder Wortbruchstücke, die, wenn man
zuvor den Inhalt der Stelle festgelegt hat, ein wichtiges Hilfsmittel für die
Anordnung der einzelnen zu ergänzenden Wörter innerhalb der Fehlstelle
werden können. So ist ein solches Unternehmen, diese Stellen auszufüllen,
keineswegs unfruchtbar.
Den Grad der Wahrscheinlichkeit, den unseres Erachtens die im fol-
genden vorgeschlagenen Ergänzungen jeweils beanspruchen können, werden
wir zur Orientierung für den Leser hinzusetzen.

3. IM FOLGENDEN ANGEWANDTE ERGÄNZUNGSMETHODE

Zur Ergänzung stehen zwei Hilfsmittel zur Verfügung. Das eine ist der
mutmaßliche Sinn der zu ergänzenden Stelle, das andere die Zahl der mut-
maßlichen Buchstaben der Fehlstelle. Den Sinn einer Fehlstelle zu ermitteln,
bieten sich mehrere Möglichkeiten an. Die eine ist darin zu sehen, daß der
Papyrus einen einheitlichen Stoff — die Materie „de pactis" (D. 2,14) —
kommentarähnlich behandelt und damit in einem inneren, fortlaufenden
Zusammenhang steht, der es häufig ermöglicht, von dem vor und nach der
Lücke Stehenden auf den Inhalt der Fehlstelle zu schließen. Hinzukommt

3
BIDR 24, 192—199.
134 NEUE TEXTE

ergänzend das Quellenmaterial, das uns hier die Digesten und Basiliken
bieten.
Die Zahl der errechneten mutmaßlichen Buchstaben einer Fehlstelle
gestattet den zuvor festgelegten Inhalt nach ihnen auszurichten, so daß
diese Methode die erste überdeckt und die Wahrscheinlichkeit der Ergän-
zung erhöht. Jedoch ist die Berechnung der Buchstaben in einer Lücke
häufig nicht einfach. Handelt es sich um eine zerstörte oder unleserliche
Stelle, die zwischen erhaltenen Worten oder Buchstaben steht, so läßt sich
an Hand der mir zur Verfügung stehenden Photokopie des Papyrus 1 die
Zahl der fehlenden Buchstaben regelmäßig ohne Schwierigkeiten berechnen.
Neben der Zeile, in der die Lücke zu finden ist, werden dabei auch die über
und unter ihr liegende Zeile herangezogen. Die Schwierigkeiten setzen aber
dort ein, wo die Fehlstelle sich am Ende einer Zeile befindet oder gar die
ganze Zeile fehlt, und auch die darüber und darunter liegende Zeile ausfallen
oder hier eine Lücke aufweisen. Dann läßt sich aus den ferner liegenden
Zeilen nur die ungefähre Buchstabenzahl der Fehlstelle ermitteln. Eine
weitere Erschwerung tritt dadurch ein, daß die Größe und Dichte der Buch-
staben von einer Zeilengruppe zur anderen wechselt, so daß bei der Be-
rechnung der fehlenden Buchstaben nicht schematisch vorgegangen werden
kann. Sogar die Größe und Dichte der Buchstaben innerhalb einer Zeile
wechseln öfter, was besonders gegen Ende einer Zeile auffällt, wo die Buch-
staben nicht selten enger und kleiner werden, so, als habe der Schreiber
noch ein Wort mehr hinquetschen wollen. Diese Beobachtungen geben hin
und wieder Anlaß, die in Vitellis Lesimg des öfteren enthaltenen Angaben
über den Umfang der verloren gegangenen Buchstaben zu korrigieren.

4. EINE ABKÜRZUNGSSYSTEMATIK ALS HILFSMITTEL EINER EXAKTEN


ERGÄNZUNG

Wenn man den Papyrus durchgeht, so fallen die vom Schreiber benütz-
ten Wortkürzungen auf. Diese Kürzungen sind von der unterschiedlichsten
Art und nicht immer regelmäßig. Das gleiche Wort erscheint abgekürzt
und voll ausgeschrieben, manchmal auch mehr oder weniger verkürzt. Im
ganzen ist aber eine gewisse Regelmäßigkeit der Kürzungen nicht zu über-
sehen. Soll nach dem ermittelten Inhalt und der mutmaßlichen Buch-
stabenzahl der Lücke eine möglichst genaue Ergänzung gefunden werden,

1
s. Vorbemerkung.
III. E I N B I S H E R N I C H T E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : PSI 55 135

so ist es notwendig, die von dem Schreiber selbst benutzten Kürzungen zu


verwenden. Bei den bisher gefundenen Ergänzungen sind diese Kürzungen
nicht immer benutzt worden, so daß sie zuweilen ungenau, wenn nicht
fehlerhaft sind. Im folgenden wird daher eine Abkürzungssystematik der
von dem Schreiber benutzten Abkürzungen gebracht, die den Gebrauch der
Abkürzungen in den zu findenden Ergänzungen sicherstellt. Darüber hinaus
gestattet sie, Abkürzungen selbst zu finden und zu verwenden, dort wo der
Schreiber solche angewandt haben würde.
Die Notwendigkeit eines eigenen Abkürzungsverzeichnisses ergibt sich
daraus, daß es ein einheitliches, zusammenfassendes Verzeichnis aller Ab-
kürzungen , die im Griechischen vorkommen, nicht gibt und aus verschiedenen
Gründen auch nicht geben kann. Einmal deshalb, weil die Griechen sehr
verschiedene Abkürzungsprinzipien entwickelt haben und nebeneinander
benutzten. So wird bald der Anfang eines Wortes, oder dessen Ende, bald
aber auch sein Stamm gekürzt. Aus diesen verschiedenartigen Bestandteilen
läßt sich aber kein einheitliches Ganzes zusammenstellen. Ferner ist die
Anwendung sehr verschieden. So gibt es Abkürzungen der Inschriften,
Papyri, der Unciale und der Minuskel, bei denen nicht nur die verschiedenen
Prinzipien der Kürzung angewandt werden, sondern bei denen auch (der-
selbe oder) dieselben Buchstaben eine verschiedene Bedeutung haben. Da
der Schreiber stets die häufig vorkommenden Begriffe abkürzt, werden in
einer juristischen Handschrift andere Begriffe abgekürzt als in einer theo-
logischen, rhetorischen usw., wobei (der oder) die Anfangsbuchstaben je-
weils einen sehr unterschiedlichen Sinn haben können1.
Hier die im Papyrus gefundenen Abkürzungen (mit Zeilenangabe) in
systematischer Ordnung:

Endungsverkürzte Substantive

1. S ö y n a ( T O s ) 27 Genetiv und Akkusativ gekürzt bei Aus-


unverkürzt 10 drücken aus der Rechtssphäre. Das Wort
Trapaypoc<p(r|v) 42 ist jeweils zuvor unverkürzt gefallen.
u n v e r k ü r z t als irapaypaip&s 41
2 . dcTTÖ i5lKCü(v) . . VOIJKOV 2 8 Das Endungs-v im Genetiv pluralis bei
Tr<icKTCO(v) ÖKOpco(v) Gl. 1 1 9 — 1 2 1 Substantiven und Adjektiven, sowie im
ovv0r|KT|(v) 33 Akkusativ singularis kann entfallen.
äypö(v) 96

1 Vgl. Gardthausen, Griechische Paläographie, 2. Aufl., Leipzig (1913), 323.


136 NEUE TEXTE

Stamm- und endungsverkürzte Substantive

K£<pa(Acdou) 79 Häufig vorkommende juristische ter-


in Z. i vermutlich unverkürzt mini technici verlieren ihre Endung und
vo (picp&Tcov) 108 einen Teil des Stammes. Keq>ä(Xcuov)
unverkürzt 32 stand vermutlich unverkürzt zuvor in
irapotypa(q>r|v) 71, xoo, 103, 106, 108 Z. 1, ebenso vo(iiia|i(5n"cov); auch ÜTrct-
unverkürzt 41 vaxcö(pr|CTECOs) war ebenfalls zuvor schon
<ivTrtrapaypa(<pr|v) 72, 101 im Text, Z. 93, unverkürzt gefallen.
Cnravctxco(prio-Ecos) Gl. 91 ff. Allein für b(onae) f(idei) ist der voll-
vermutlich unverkürzt 93 ausgeschriebene Begriff zuvor nicht er-
b(onae) f(idei) 73, 92 halten. Da sämtliche Kürzungen zuvor
ausgeschrieben oder zumindest vermut-
lich ausgeschrieben vorkommen, sollte
dann nicht auch der Terminus „bonae
fidei" in einer der Lücken ungekürzt ge-
standen haben 2 ?
Bei Trapaypaifns (-rju) ergreift die Kür-
zung, nachdem zuerst nur die Endung
weggelassen wurde (42), bei weiterer Ver-
wendung des Ausdrucks auch das <p als
einen Teil des Stammes.

Eigennamen juristischer Schriftsteller

ulp(ianos) 3 Eigennamen bekannter j uristischer


ápí(or)cú 3 74 Schriftsteller werden gekürzt, obwohl ge-
wöhnliche Namen ausgeschrieben wer-
den (sticos 64; 7T<ip<ptAov 66), selbst
wenn sie auch gleich mehrmals hinter-
einander vorkommen (Tr&ncpiAov 65 und
66). Allerdings werden die Namen juri-
stischer Schriftsteller nicht immer ge-
kürzt (iulianu, mauricianoj 62), doch
tauchen sie hier auch das erste Mal auf.
Sollte auch hier der Name „ U l p i a n "
schon zuvor gefallen sein ?

Verben

. £ve [I]V(CÜ) 1 Bei den Verben begegnet gleichmäßig


aber irapoSouvai 104 die Fortlassung der Endung -ai, sei es
TrAaTUvecr6(ai) 21 als Infinitiv A k t i v i Präsentis oder in der
und passim 3. Person beim Passiv und Medium in
ßoTi0eiT(cxi) 84 jedem Tempus
und passim aber tIktetcü 52
TTEcpav6pcoT(ai) 91, 109

2 Vgl. unten „ V o m Verfasser vorgeschlagene Ergänzungen" zu Zeile 16.


3 Vgl. unten, „ V o m Verfasser vorgeschlagene Ergänzungen" zu Zeile 74.
III. E I N B I S H E R N I C H T E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : PSI 55 137

2. ÙTTECTTl(v) 51 Auch das Endungs-v in der 3. Person


singularis Aktivi Präsentis kann ent-
fallen.

Präpositionen und mit solchen zusammengesetzte Verben, Adjektive usw.

k = *(a)T(à) 54 B e i d e r P r ä p o s i t i o n K(a)T(ci) u n d n(e-)


-XpT)<TTlKc5s 106 t(ö) sind regelmäßig die Vokale ausge-
I I I , Gl. 108 lassen. Dasselbe geschieht bei Wörtern,
-ßdAXoirrai 3, 25 die mit diesen Präpositionen zusammen-
gesetzt sind.
ü = H(s)T(à) 71, 85

25, 82
-TUTTOÜV 117
ite (pi) Gl. 91 ff. und Die verkürzte Form Trs(pf) findet sich
Gl. n g f f . nur in den Glossen wieder. Wie weit
diese Kürzung auch im Text berück-
sichtigt werden darf, hängt davon ab, ob
der Schreiber der Glossen mit dem des
Textes identisch ist. Für die Glosse 91 ff.
halte ich dies für sicher auf Grund des
schwungvollen Auslaufens des Sigma
(ovvaAAdyyctTOS), das sich auch im Text
wiederfindet.

Bindewörter

K(ai) 6 und passim Die beiden letzten Buchstaben beim Kocf


werden fortgelassen. Ausnahmsweise
bleiben sie aber auch erhalten (Z. 27, 81,
94)-

Mit dem in den beiden letzten Kapiteln dargelegten Handwerkszeug


wird nun an die Ergänzung des Papyrus gegangen.

5. VOM V E R F A S S E R V O R G E S C H L A G E N E E R G Ä N Z U N G E N 1 - 2

Vor Zeile 1
In Zeile 1 findet sich der Infinitiv Eveivca. Dieser muß von einem vor-
ausgehenden, hier aber fehlenden Hauptverbum abhängen. Das Verbum

1 Dort, wo die Ergänzung die Heranziehung eines umfangreichen Quellenmaterials

notwendig macht, erscheint es unzweckmäßig, dieses Kapitel der Untersuchung damit


zu belasten. Das Quellenmaterial ist in diesem Falle in dem Kapitel „Inhalt, Rechts-
quellen und rechtliche Auswertung des Papyrus" enthalten und kann da zu Rate
138 NEUE TEXTE

kann nicht in einer der folgenden Textlücken gestanden haben. Daher ist
vor Zeile i ein Soksi zu ergänzen; möglich ist auch <paiveTai oder ähnliches3.

Zu Zeile i
Anstelle der Ergänzung [„Kai crrrAcos"], wie sie die Lesung Vitellis ent-
hält, ist besser [köcv(= Kai säv) iroupcos]. Die hier parallele Digestenstelle
(D. 2, 14, 4, 3) bringt „et pure (concepta)". Mommsen hält statt „ e t " auch
„etsi" für möglich 4 . Auch Huschke emendiert „ e t " zu „etsi" 5 . Die Basiliken
bringen hier dem „etsi pure" entsprechend „Kav Troupcos"6. „ K a v uoupcos"
fügt sich auch inhaltlich besser in den Text ein. Während sich in der hier
verwendeten Bedeutung als „unbedingte" Stipulation für das lateinische
„pure" in den Basiliken ausschließlich der gräzisierte Terminus „Troupcos"
findet 7 , sucht man nach „¿ttAcos" vergeblich. „airAcos" ist auch zu viel-
deutig 8 und daher technisch unscharf, um hier geeignet zu sein.
Für „octtAcos" paßt auch nicht „yiAcos", wie es Vassalli 9 für möglich
hält. Dieser Terminus wird in den Basiliken lediglich in der Zusammen-
setzung yiAöv t t o k t o v ( = nudum pactum) oder ähnlich benützt.

Zu Zeile 3—6
Während nach Vitelli in Zeile 3 „conuent[i]oncov" zu lesen ist, lese ich
nach der Photokopie „conu6vr[i]ovco. Unsicher ist das „co". Danach leid-
lich sicher erkennbar ein „ e " , das daher nicht mehr zu dem Wort conu-
£ V t [ i ] o v c o gehören kann. Keinesfalls steht aber hinter dem co ein V . Das
fehlende v kann aber hier ergänzt werden, da der Schreiber es öfter an der
gleichen Stelle wegläßt 10 . Zu lesen ist daher „conuvr[i]ovco(v)".

gezogen werden. Soweit die Ergänzung teilweise oder gänzlich ein Ergebnis des Quellen-
materials ist, wird auf das vorgenannte Kapitel verwiesen.
2 Die unsichere Lesung eines Buchstabens (a) wird in diesem Teil der Untersuchung

nur dann wiedergegeben, wenn dies aus besonderen Gründen, z. B. bei Abweichung
von Vitellis Lesung erforderlich wird; ebenso werden die beiden Arten der Klammern
— ( ) für Kürzungen, [ ] für Lücken — fortgelassen, wenn ihre Anführung hier
nicht notwendig ist.
3 Vassalli, oben, S. 1 2 6 Anm. 6.
4 Große Digestenausgabe, Note zu D. 2, 1 4 , 4, 3.

5 ZS 9 , 3 4 4 .
6 Scholion ,, ' E t t e i S t i " Bas. Scheltema I , 1 8 0 Z . 30; Heimb. I , 555.
7 Schol. , , ' E T T S I 8 R | " Scheit. I, 1 8 0 Z. 3 0 und 3 4 .
8 Liddell-Scott, Lexicon, unter dem Terminus.
9 Oben, S. 1 2 6 Anm. 6.
1 0 „Abkürzungssystematik", unter „Endungsverkürzte Substantive", S. 1 3 6 .
III. EIN BISHER NICHT ERKANNTER STEPHANUSTEXT: PSI 55 139

Hinter dem ,,e" ist ein. kleiner Strich, fast mehr schon ein Punkt erkenn-
bar, der zu einem Iota gehören könnte, danach Bruchstücke, die zu einem
Delta passen. Bisher hätten wir also: conuEvr[i]ovco(v) ei6. Für „species"
in den Digesten (D. 2, 14, 5) bringen hier die parallel gerichteten Basiliken-
scholien 11 ,,ei5r)". Es ist daher e;5 zu siS[r| zu ergänzen. Die restliche Aus-
füllung der Lücke, dem Inhalt der Digesten und Basilikenscholien folgend,
die hier von 3 Arten von Koventionen sprechen, ist daher unschwer mög-
lich: ulp: conuevT[t]övcp(v) eiS[t] Tpia eaTi(u), i r a p ' oTs] . . .
Zeile 3 enthält damit 40 Buchstaben, Zeile 2 vergleichsweise 41 und
Zeile 4 39 Buchstaben.

Zu Zeile 6
Der sich von Zeile 6—7 erstreckende Text: „cos SoksI g [ ] Tcn/rr)v
tt) SuvctjiEi" gehört zusammen. Er dürfte einen selbständigen Gedanken
enthalten und daher von dem Vorhergehenden zu trennen sein.
Grammatisch erfordert „Sokei" einen Infinitiv nach sich. Das nach-
stehende Sigma, hinter dem die Lücke beginnt, wird vermutlich der An-
fangsbuchstabe dieses Infinitivs sein.
Für die inhaltliche Festlegung ist der vorkommende Ausdruck „6uvd-
U6t" = „ K r a f t " , „Wirkung", „Sinngehalt" aufschlußreich. In den hier
vergleichbaren Basilikenscholien findet sich der Terminus nicht, ebenso
auch nicht etwa sein lateinisches Synonym in der betreffenden Digesten-
stelle. Eine Hilfe kommt uns von daher also nicht.
Unsere zu ergänzende Stelle schließt sich an die Klassifizierung der Ver-
träge (Z. 3—6) an. Auch die nachfolgende Stelle (Z. 7 ff.) handelt über die
„pacta". In ihr wird die in Zeile 3—-6 getroffene Einteilung der pacta durch
Beispiele belegt: pactum publicum (Z. 7—9), pactum legitimum (Z. 9—40)
und pactum iuris gentium (Z. 4off.).
Auch unsere zu ergänzende Stelle wird daher über die pacta handeln. Da
Zeile 7 ff. bereits mit dem Stichwort „publicov ttöcktov" anfängt, mit dem
das Beispiel dieser Art von Verträgen beginnt und auch die übrigen Arten
von Verträgen jeweils mit dem Stichwort ihrer Kategorie beginnen (Z. 9:
legiti|iov ttocktov; Z. 40: iuris gentiov), ergibt sich hieraus, daß unsere
Stelle noch nicht zu den folgenden Beispielen gehören kann, weil für der-
artiges, wie aus dem Vorgesagten hervorgeht, kein Raum ist. Z. 6f. muß

11 Schol. ,,'H KovßEvricüv" Scheit. I, 184 und Schol. „KupiAA." Scheit. I, 184.
140 NEUE TEXTE

also inhaltlich zu der in Z. 3 ff. gegebenen systematischen Einteilung der


pacta gehören. Der Begriff „Suvapis" ist also mit der Einteilung der pacta
in Zusammenhang zu bringen. Der Sinn der Stelle dürfte etwa eine abschlie-
ßende Bemerkung zu der systematischen Einteilung der pacta sein. Damit
liegt es nahe, vor dem „Totürriv" (Z. 6) den Begriff „Einteilung", „Ordnung"
= einzufügen, also daß die Stelle bisher lautet: tt)V töc^iv] tt)
Suvochei; paraphrasiert: die Einteilung (erfolgt) nach der Wirkung. Damit
ergibt sich auch das Prädikat fast zwangsläufig und wird hier durch
CT[uviec70(oci) wiederzugeben sein. Sinngemäß käme auch cr[xT|UaTi£Eiv in
Frage, muß aber wegen Raummangels entfallen. Eine Kürzung des letzt-
genannten Infinitivs ist nach der Abkürzungsliste auszuschließen. Die voll-
ständige, ergänzte Stelle lautet: cbs Sora a[uviea6(oci) -rr|v toc£i(v)]
tocüttiv Tfj Suvocuei.

Zu Zeile 7
Zeile 7 ist — in der bisher ergänzten Form mit nur 34 Buchstaben —
gegenüber Zeile 6 und 5 mit 40, Zeile 8 mit 39 Buchstaben zu kurz. Am
Ende der Zeile ist daher der Gewohnheit des Papyrusverfassers entsprechend
ein oiov] oder ÖTrep] einzufügen.

Zu Zeile 10
Mit 44 Buchstaben ist Zeile 10 bei gleichbleibender Schrift zu umfang-
reich (Z. 9: 36, Z. 11: 36 Buchstaben bei m. E. richtiger Ergänzung).
Kupoünevov] kommt häufig vor, und mag in dem nicht erhaltenen Teil
des Papyrus schon gestanden haben, daher dürfte eine Kürzung zu Kup(oü-
nevov) möglich sein. Eine Verkürzung von au[yKÄr|TOV ist auszuschließen,
wie das in der nachfolgenden Zeile 22 enthaltene, unverkürzte ovyKXr|Tou
beweist.

Zu Zeile 14—J5
Die Länge von Zeile 14 läßt sich nicht mit Sicherheit bestimmen, da
auch die Enden der vorhergehenden und nachfolgenden Zeilen im Papyrus
zerstört sind. Nach der in diesem Teil des Papyrus üblichen Zeilenlänge
dürfte sie aber nicht über 41 Buchstaben hinausgehen. Nach Kr] [Sspiövas
könnten daher bis zu 15 Buchstaben stehen.
Inhaltlich behandeln Z. 11—13 die Berufung der Tutoren nach dem
Zwölftafel-Gesetz. Zeile 14 und mindestens teilweise Zeile 15 haben mit
diesem Gedanken etwas zu tun; sie gehören vermutlich noch zu dem ab
III. E I N B I S H E R NICHT E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : PSI 55 141

Zeile 11 beginnenden Satz, der das Beispiel von den „legitimi tutores"
bringt, wie der Begriff ,,8iokr|criv" (Z. 15) nahelegt. Aloisens bedeutet12
soviel wie „Verwaltung privaten Besitzes" und ist auf das Mündelgut zu
beziehen. In dieser speziellen Bedeutung, „Verwaltung des Mündelgutes",
findet sich Sioforicns in P. Cairo Masp. 67 151, 252 (VI)13. Doch ist hier die
Ergänzung des Begriffes „Mündelgut" (uTrapxovTa) entbehrlich. Die Stelle
spricht also von der Verwaltung (des Mündelgutes) durch die Tutoren. Es
fehlt das Verbum, da nur das Partizip kccAgov hier vorhanden ist: „indem
die Zwölftafeln sie (die Agnaten) als Tutoren berufen . . . " — mit Hilfe des
bereits eruierten Begriffes ,,Siofor)cns" liegt es nahe, fortzufahren — „über-
tragen sie ihnen die Verwaltung (des Mündelgutes)".
Nun vollständig ergänzt, lautet dieser Teil des Satzes: 6 8co8ekcc]SeAtos
(sc. vö|ios) kccAcSv aÜToOs Kr| [Sepövas ¿iriTpE-rrei aCrrois] tt^v 8ioii<r|cnv Ttpo-
8r| [Xcos- ]; paraphrasiert: „indem die Zwölftafeln sie (die Agnaten) als
tutores berufen, übertragen sie ihnen offenbar die Verwaltung" (nämlich des
Mündelgutes)11. Zeile 14 hat damit 41 Buchstaben.
Der Digestentitel „de pactis", sowie die parallelen Basilikenscholien
bieten hier keine Entsprechung, die eine inhaltliche Festlegung der Lücke
von dorther gestattet hätte. Insbesondere hat nichts zu tun mit unserer
Stelle D. 2,14, 7, 5, wo von einer actio tutelae die Rede ist.

Zu Zeile 15—20
Diese Zeilen sind schwer zerstört. Die sichere Zeilenlänge hier zu er-
mitteln, ist ausgeschlossen, doch dürfte sie auch hier nicht über 41 Buch-
staben betragen.
Inhaltlich bieten sich einige Anhaltspunkte. So spricht Zeile 16 von
einer Zinsklage (etti toketcö ccycoyfjs). Weiter hat es den Anschein, daß
diese Zinsklage die Folge eines Kaufes ist (Z. 17: f|yöpaaav), und zwar
eines Kaufes, bei dem die Leistungen noch nicht ausgefolgt sind (Z. 17f.:
re nondum secuta). Nach der Systematik des Papyrus müßte es sich auch
hier um ein pactum handeln. Eine Klage auf Zinsen gibt es aber grundsätz-
lich nur, wenn die Zinsen stipuliert waren15. Anders ist es jedoch bei pacta,

12 Preisigke, Wörterbuch der griech. Papyrusurkunden, unter dem genannten

Terminus.
13 Oben, Anm. 12.
14 Vgl. E. Seidl, Festschr. für Rabel, Bd. II, 255!.
1 5 Jörs-Kunkel, Römisches Recht, 3. Aufl., § 112, 3 (S. 182).
142 NEUE TEXTE

die im Rahmen eines „bonae fidei negotium" abgeschlossen waren. Das ist
bei der „emptio-venditio", von der hier die Rede ist, der Fall. Hier hätte
der Richter sogar ohne eine besondere Abrede, wie sie ein pactum darstellt,
zur Zahlung von Zinsen verurteilen müssen, wenn sich dies „ex bona fide"
ergab (Paul. D. 19, 2, 54 pr.: „usurae in bonae fidei iudiciis... non ex obliga-
tione" . . . „ex officio applicentur"). Erst recht genügte ein bloßes pactum
zur Entstehung einer Zinsverbindlichkeit bei den bonae fidei iudiciis (vgl.
D. 22, 2, 7 16 ). Dieses pactum gab, wenn es Bestandteil des bonae fidei nego-
tium („in continenti") war, einen eigenen Klageanspruch (D. 2, 14, 7, 5:
,,. . . (pactio) format ipsam actionem, . . . in bonae fidei iudiciis: solemus
enim dicere pacta conventa inesse bonae fidei iudiciis").
Nun stellt sich das Problem, wenn von keiner Seite eine Vertragsleistung
erfolgt ist — es handelt sich ja um einen Kauf re nondum secuta, in dem
demnach weder der Kaufpreis gezahlt noch die Sache selbst übertragen sein
kann —, aus welchem Grund will dann eine Partei Zinsen beanspruchen ?
Zinsen sind in der Regel nur üblich für ein zuvor ausgehändigtes Kapital.
Diese Leistung müßte vor den eigentlichen Hauptvertragspflichten gelegen
haben, da es sich ja um einen Kauf re nondum secuta handelt, dennoch aber
im Rahmen des Kaufvertrages ex bona fide geltend gemacht werden können
und ebenso die daraus resultierenden Zinsen.
Alle die genannten Merkmale finden sich lediglich bei der „arrha"
(appotßcöv). Sie dient bei dem durch bloßen Konsens der Parteien zustande
gekommenen Kaufvertrag, bei dem noch von keiner Seite eine Leistung
erbracht worden ist, zum Beweise des Kaufabschlusses (Gai. D. 18, 1, 35 =
„arrha confirmatoria")17. Justinianisch ist die gesetzliche Regelung der aus
dem griechischen Rechtskreis stammenden „arrha poenitentialis" (C. 4, 21,
17, 2 v. Jahre 528), die einer Vertragsstrafe im Falle des Vertragsbruches
gleichkommt18. Unser Papyrus spricht hier vom Rücktritt (ávex¿>pr|aav
Z. 19) von einem lediglich konsensual geschlossenen, aber nicht erfüllten
Kauf; vermutlich handelt es sich daher um eine der beiden Formen der
arrha.
Wer von den beiden Parteien zurückgetreten war, kann aus den erhal-
tenen Resten im Papyrus nicht ersehen werden. Doch ist dies unschwer zu

16
Weitere Quellenbelege und Beispiele für klagbare, aber nicht stipulierte Zinsen
unter „Inhalt, Rechtsquellen . . . " zu Zeile 1 5 — 2 0 , vgl. auch dort Z. 69—84.
17
Oben, Anm. 15, 190.
18
Oben, Anm. 15, 1 9 1 .
III. E I N B I S H E R N I C H T E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : P S I 55 143

schließen. Wenn die arrha durch den Käufer erlegt worden war und er neben
ihrer Rückgabe Zinsen forderte, so muß der Verkäufer ohne ausreichenden
Grund vom Kaufvertrag zurückgetreten sein. Derjenige von den beiden
Parteien hat daher den Zinsanspruch, der die arrha erlegte und vertrags-
treu blieb. Dieser Zinsanspruch, der lediglich paktiert, aber nicht stipuliert
war, konnte im Rahmen der der bona fides unterworfenen emptio venditio
geltend gemacht werden. Von diesem Inhalt ausgehend, ist die Ergänzung
von Zeile 15—20 unschwer möglich:

15 [toutectti (u) Tte(pi) tt)S £K ttocktou]


16 etti toketcö aycoyfis e[u bf cruvaAAaypcrn19, olov ei tives]
17 iiyöpacrav Ti ttote k(cu) ete[Ar|aav äppaßcova] re nondum
18 secuta TTpös t ö aun<pco[vo]v. [err£i8fi oi ttcoAoOvtes ]
19 [d]vEXwpTiaav t o ü <7vvaAAayp[a]TO<;, a[iTOÜai oi ocyo-]
20 [paarai 8ikc«]cös etti toO [y£V0pEV0U ttocktou tous tökous20, 21
.]
paraphrasiert: Dies ist der Fall bei einem pactum auf eine Zinsklage in
einem bf. Kontrakt; z. B. wenn jemand etwas kauft und ein Angeld erlegte,
ohne daß vereinbarungsgemäß die beiderseitigen Leistungen (des Käufers
und Verkäufers) erbracht wurden. Tritt darauf der Verkäufer von dem Kon-
trakt zurück, so stellt der Käufer mit Recht einen Anspruch auf Zinsen für
das Angeld aus dem geschlossenen pactum.
Die Materie „de pactis" in den Digesten, wie in den Basiliken enthält
nicht gleiches oder ähnliches. Eine Überprüfung der Digesten insgesamt an
Hand des Vocabularium Iurispr. Rom. brachte ebenfalls kein Ergebnis22.
Die einzige Stelle in den Digesten, die ausdrücklich ein „re nondum secuta"
bei der emptio venditio behandelt, ist D. 2,14, 7, 6. Sie befaßt sich aber
lediglich mit einer n a c h Abschluß des Kaufvertrages getroffenen Abrede,
die als pactum ex intervallo anzusprechen ist und daher auch nur eine ex-
ceptio gewährt. Eine Anlehnung bei der Ergänzung an die Digesten oder
Basiliken war daher ausgeschlossen.

19 Auch „contractu" möglich.


20
tokstoüs ?
21 Die hier wiedergegebene Ergänzung ist m. E. lediglich inhaltlich recht wahr-

scheinlich, beansprucht dasgleiche aber nicht für die Wiedergabe jedes einzelnen
Wortes.
22 Quellen zur „arrha" als pactum adiectum bei bf. Kontrakten unter „Inhalt,

Rechtsquellen . . . " zu diesen Zeilen.


144 NEUE TEXTE

Zu Zeile 21—27
Zeile 21—27 bringen einen neuen Gedanken. Daß diese Zeilen zusammen-
gehören, wird aus dem mehrfach auftauchenden Begriff „Gesellschaftsver-
trag" (xoivcovicc Z. 22, 24 und 26), wie auch aus dem unter Zeile 27 im
Original enthaltenen Strich, der das Ende eines Gedanken anzeigt, er-
sichtlich.
Verbindet man die Worte vocuKÄripcou und Koivcovia (Z. 21 u. 22) mit-
einander, so gewinnt man als Anhaltspunkt für den Inhalt die Vorstellung,
daß es sich um einen Gesellschaftsvertrag unter Schiffsfrachtunternehmern
handelt.
Z. 22 wird nach dem bisher bekannten Inhalt des Papyrus vermutlich
zu Söyiioc avyK/\r|TOU ßs[ßaioi zu ergänzen sein. — Das Verb ßeßcaöco
kommt in dem nämlichen Sinne, als „bestätigen" in Zeile 25 vor. — Nimmt
man hinzu, daß auch hier nach der systematischen Gliederung des Papyrus
von einem pactum (legitimum) die Rede sein muß, was durch das erhaltene
ttocktov in Zeile 25 bestätigt wird, so ergibt sich bisher folgender festzu-
legender Sinn der Stelle: Nach dem Abschluß eines Gesellschaftsvertrages
unter Schiffsfrachtunternehmern ist ein pactum von ihnen vereinbart
worden, das durch einen Senatsbeschluß bestätigt wird.
Überlegt man weiter, was in der Lücke vor uav/KXr|pcov (Z. 21) gestanden
haben könnte und nimmt die Rechtsgeschichte zur Hilfe, so liegt es nahe,
daran zu denken, daß die Schiffsfrachtunternehmer in byzantinischer Zeit
in geschlossenen erblichen Korporationen gegliedert waren 23 . Danach ist es
wahrscheinlich, daß in der Lücke vor vocuKÄr|pcov corpor]ri zu ergänzen ist. Der
Terminus „corpus" ist in griechisch-sprachigen Papyri durchaus geläufig 24 .
Bekannt ist ferner, daß ab der „lex Iulia de collegiis" unter Augustus
personenrechtliche Zusammenschlüsse der Genehmigung des Senats be-
durften 25 , von der selbstredend auch die Wirksamkeit des Gesellschaftsver-
trages abhängig war. Eine vertragsändemde Vereinbarung in Form eines
bloßen pactum unter den Mitgliedern der Corporation bedurfte sicherlich
der gleichen Form, soweit es sich nicht um imbedeutende Einzelheiten
handelte, an denen der Staat nicht interessiert war.

23 Wilcken, Chrestomathie, Grundzüge, 380.


24 Preisigke, Wörterb. der griech. Pap. urk. B d . 3 unter „ c o r p u s " .
2 5 Kornemann, „collegium", R E I V , 1 (1900), Sp. 408; Schnorr v . Carolsfeld, Ge-

schichte der juristischen Person I, München 1933, 236Ü. zur Konzessionsfrage, S. 283ff.
zu den „navicularii".
III. E I N B I S H E R N I C H T E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : PSI 55 145

Von dem nunmehr gewonnenen Standpunkt ist eine Ergänzung 26 mög-


lich, die in Zusammenhang mit den erhaltenen Zeilen bzw. deren Resten
wiedergegeben wird:

21 corpor]^ vocuKAripcov t ö yötp [7rat<TEÜ]8cr0(ca) h[(e)t(cc)£0 aOrcov


ETTI TT^S ]
22 Koivcovia[s] Söynoc cruyKÄr|TOU (3e[ßaioi], Kav tcc päAi[crrot]
23 K(ai) ai Sicrra^eis Kupoücriv auxa to crucrrrma[T]a irpo-
24 SrjAco[s, K(ai) ettitpettet(oti) ttoieiv] xfjs Koivcov[i]as awocAAccypa,
25 d>s ttocktov ßEßaioi>r(ai) K(al) tcc h(e)t(oc) ocütgov eite Irrl
cruaräaei
26 äycoyfjs, e!te eto ävaipeaei aOTfis Tfjs Koivcovias XP^^'M^S
27 TTOtKTEUET(ai).
übertragen: Ein Senatsbeschluß verleiht einem durch die Corporation der
Schiffsfrachtunternehmer in Hinblick auf den Gesellschaftsvertrag unter-
einander geschlossenen pactum Wirksamkeit, selbst wenn auch erst die
staatlichen Anordnungen (leges, senatus consulta und constitutiones prin-
cipum) offensichtlich die Kollegia rechtswirksam machen und gestatten
einen Gesellschaftsvertrag zu schließen; so z. B. wird einem pactum und
dem zwischen den Gesellschaftern Paktierten, sei es, daß es um eine Prozeß-
vertretung oder gar um die Aufhebung des Gesellschaftsvertrages geht,
Rechtswirksamkeit verliehen, soweit es (rechtlich) zulässig ist.

Zu Zeile 28—38
Z. 28: am Ende ist etti] einzufügen, das zu dem darauf folgenden
owtocctei ccycoyfis (Z. 29) gehört.
Z. 2g: in die Lücke vor o v o r d a s i paßt ne]v hinein.
Z. 31: Der „daß"-Satz in Z. 3of. (iva f| ctKovricov . . .) setzt ein Verbum
oder Partizip voraus, von dem er abhängig ist. Es an Stelle des in Z. 30 be-
reits ergänzten [TpExeov] einzufügen, verbietet sich, da das vorausstehende
und nachfolgende f| die gleichordnende Aufzählung der Wettspielarten an-
zeigt und daher keinen Raum für ein übergeordnetes Verb (Partizip) läßt.
Doch bietet sich eine auch syntaxmäßig passende Lücke am Ende von
Zeile 31 f. Die beiden erhaltenen Buchstaben -[iE- (Z. 32) lassen auf ein

28 Weiteres Quellenmaterial, das bei der Ergänzung in Erwägung gezogen wurde,

unter „Inhalt, Rechtsquellen . . ." Z. 21—27.

10 Altheim-Stiebl, Christentum I
1 4 6 NEUE TEXTE

passives oder mediales Partizip schließen. Erinnert sei nochmals daran, daß
auch hier von den pacta die Rede sein muß, die in dem erhaltenen Text
noch nicht ausdrücklich erwähnt sind. Die Lücke wird daher mit [ T T O C K T S U Ö ] -
H E [ V O S ausgefüllt.

Z. 33: eocv 0ÖT05] i s t z u e r g ä n z e n , w o b e i u n t e r OUTOS d i e P e r s o n des


Wettkämpfers zu verstehen ist. Nach C. 3, 43, 1 pr. kann nur der Wett-
kämpfer selbst eine Wette auf 100 solidi abschließen, wie der Papyrus hier
auch anführt, daher muß das Subjekt dieses Nebensatzes ein auf die Person
des Wettkämpfers sich beziehendes Reflexivpronomen sein.
u c u £ [ . . . stellt das mit [ectv verbundene Verbum dar und ist daher am
günstigsten zu dem irrealen Konjunktiv T T O U ^ zu ergänzen. Zu dem fol-
genden Wort C T U V 0 R ] K R | V ist der Artikel T T | V , in der noch Raum für 3 Buch-
staben lassenden Lücke zuvor einzufügen.
Z. 34—37: Hier sind die Lücken in Zeile 34 und 35 recht erheblich. Um
den vermutlichen Inhalt von Z. 34—37 zu ermitteln, ist es notwendig, das
in den vorangegangenen Zeilen gewonnene inhaltliche Ergebnis kurz zu-
sammenzustellen.
Danach wird durch die Gesetzgebung eine Klage aus einem pactum zu-
gelassen, wenn bei gewissen Wettkampfarten, die der körperlichen Ertüch-
tigung dienen, einer der Kämpfer selbst eine größere Summe auf seinen
Sieg wetten sollte und zu diesem Zwecke einen Wettvertrag (pactum) ab-
schließt. Ein Vertrag oder pactum dieser Art stellt aber eine krasse Aus-
nahme zu dem sonstigen Verbot der Glücksspiele dar 27 ; es bedarf daher eines
ausdrücklichen Hinweises auf die Gültigkeit eines solchen pactum, wie sie
in T T O C K T O V I C R X Ü E T V (Z. 35) zum Ausdruck kommt. Zugleich ist aber auch
eine Begründung für diese gesetzgeberische Ausnahme zu erwarten. Diese
ist m. E. in Z. 34 nach ¿Tri öcvcapecrei zu ergänzen, da schon das 61 [. . ?. .]?28,
das vermutlich in diesem Zusammenhang zu 8 I [ K O U G O ] S Z U ergänzen ist,
darauf hinweist: 5i[Kaico]s xtP^l £K[Kpiveiv]; „man muß der Billigkeit
wegen es (das pactum) von der Aufhebung (der übrigen Glücksspiele) aus-
nehmen". Altbekannt ist die wichtige Rolle, die die Billigkeit im byzan-
tinischen Recht spielt, so daß eine nähere Begründung sich erübrigt.

Vgl. unter diesen Zeilen bei „Inhalt, Rechtsquellen . . .".


27

Auch 8i[Kr|]s in adverbieller Bedeutung hier möglich (vgl. Liddell Scott und
28

Pape, Handwörterbuch, zu 8 ( K T I ) . Die Lücke enthält nach Vitelli nur 3 Buchstaben;


eine geringfügige Schwankung um einen Buchstaben mehr oder weniger ist aber bei
der Schreibweise im Papyrus möglich.
III. EIN BISHER NICHT ERKANNTER STEPHANUSTEXT: PSI 55 147

Das k(ou) vor ettI ¿voapsaet dürfte gleichordnende Funktion haben,


weswegen am Anfang von Z. 34 ein weiterer von XP1! abhängiger Infinitiv
zu erwarten ist, der mit dem voranstehendenctuv6t|kt|V(Z. 33) zu verbinden
ist. Nach dem oben eruierten Inhalt der Zeilen 27 ff. und dem darin zum
Ausdruck kommenden gesetzgeberischen Zweck muß hier von „einem Gel-
tenlassen" des durch den Wettkämpfer selbst geschlossenen pactum durch
den Gesetzgeber die Rede sein. Dies drückt ein zu ergänzendes [eaocöcrö(ai)]
(am Anfang von Z. 34) aus.
Der verbleibende Rest ist nach dem oben Gesagten jetzt unschwer aus-
zufüllen :

35 [K(al) y ä p tö] ttöcktov iCTXUsiu olov, ei xP£Co[cttoüh£v]os [fi-


3 6 [toi TTÖpjpCO . . . .

Das ictxüeiv ist gleichfalls von xpT] abhängig.


Z. 33ff. nun in Zusammenhang wiedergegeben, lauten:

3 3 [eccv . . . Tr[ct]i£[r| t t j v ] ouv6r|Kr|(v)


34 [£aococrt)(oa)] k(oci) eiti ctvoupeaei 5i[Kaico]s x[p^] eK[xpiveiv ]
35 [k(ou) y ä p tö ] ttöcktov icrxüeiv olov. ei XP£C0 [arouue v]os [f|-
36 [toi iröpjpco e-rri cruyxoopT)0'Ei toü XP^0US 'Ht01 en"[i toO ]
3 7 [ c a / u ] a A A a y p a r o s TOtüra auveÖETO.

Zu Zeih 37 /.
Zu ergänzen Ka[-rriyopi-]38|[as]

Zu Zeile 50
Zeile 43ff. sprechen von den „klagenerzeugenden pacta", die nicht bei
diesem Namen verharren, sondern in die spezielleren Bezeichnungen der
synallagmatischen Verträge übergingen, wie emptio venditio, locatio, con-
ductio, societas, commodatum, depositum und diesen ähnliche wie manda-
tum. . . . Hier bricht der Papyrus ab. In der Lücke fehlen etwa 10 Buch-
staben. Zum Zwecke der Ergänzung vergleiche man die Ulpianstelle D. 2,
14, 1, 4, in der es inhaltlich ähnlich heißt: „Sed conventionum pleraeque
in aliud nomen transeunt: veluti in emptionem, in locationem, in pignus
vel in stipulationem; ferner Ulpian D. 2, 14, 7, 1: „Quae pariunt actiones,
in suo nomine non stant, sed transeunt in proprium nomen contractus: ut
emptio venditio, locatio conductio, societas, commodatum, depositum et
ceteri similes contractus."
10«
148 NEUE TEXTE

Dem „ceteri similes contractus" entspricht in unserem Papyrus das


gerade vor der Lücke stehende toOtois (nämlich: cruvaAAayiaaai) öiaoia.
Was Ulpian unter „similes contractus" versteht, findet sich in der zuvor
zitierten Digestenstelle (D. 2, 14, 1, 4) in einigen Beispielen. Erwähnt ist
„pignus" und „stipulatio". Das Synonym für stipulatio ,,ETrepcÖTT|CTis"
paßt nicht, dafür aber das für pignus, nämlich „IvE^upov", so daß die
Lücke demnach auszufüllen ist mit Kai ivEX^pov. — Auch die Basiliken
bringen kein weiteres Beispiel für die „ceteri similes contractus" neben
£rrepci)Tr|CTis und ivexupov.

Zu Zeile 53
Bei 1 1 Buchstaben, die Vitelli für die Lücke annimmt, paßt hier sinnge-
mäß k(c()t(cx) TÖCTU\rreO]ev. Partsch will einfügen: Kcrrä t o auvaAAaJxö^v29.

Zu Zeile 58
Hier glaube ich hinter den von Vitelli gelesenen Buchstaben noch ein
deutlich sichtbares „s" zu erkennen. Die Ergänzung iv[strumentov], wie sie
schon Partsch (dieser allerdings nur an Hand der Lesung Vitellis „iv") vor-
schlägt30, wird sicher richtig sein. Aber nicht nur der dritte Buchstabe „s",
sondern auch die vorhergehenden beiden ersten Buchstaben dürften in latei-
nischer Schrift gehalten sein (vgl. iuris gentiov Z. 6; publecov Z. 7), zumal
das lateinische „i" und „n" sich von der griechischen Schreibweise hier in
nichts unterscheiden.

Zu Zeile 59
Statt ¿ycpvunov nach Vitellis Lesung ist ¿(Kovi/piov wahrscheinlicher,
das auch im Scholion „Maöcbv" (Scheit. I, i87ff.) in diesem Zusammenhang
hier wiederholt gebraucht wird.

Zu Zeile 67
Hier fehlt das Digestenstück aus D. 2, 14, 7, 2, wo davon die Rede ist,
daß Julian eine „actio in factum" für den vorliegenden Fall gibt. Ohne eine
Ergänzung in dieser Richtung wäre die Stelle ihres wesentlichen Sinnes be-
raubt.

29
Nachgelassene und kleinere verstreute Schriften, S. 19 ff.
30
Oben, Anm. 29.
III. EIN BISHER NICHT E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : PSI 55 149

In Zeile 67 erscheint mit hinter dem von Vitelli zuletzt vor der Lücke
gelesenen „toüSe" noch ein lateinisches „i" erkennbar. Die Ergänzung
lautet daher:

i[ul(ianos) cpr|0-i SotIov in factum ocycoy(f)v)]. . .


Partsch31 ergänzt: [eypccvfEV J(ulian)os tt]v in factum 8ot£ov]

Zeile 6g—72
Am Anfang von Z. 69 findet sich .T|V, das zum Artikel des nachfolgen-
den gleichfalls teilweise zu ergänzenden Hauptwortes arma[aiau auszu-
füllen ist. [T]f)v aripafaiav ( = die Bezeichnung, die Benennung) erscheint
um so mehr wahrscheinlich, als in Zeile 70 die drei Buchstaben „ o v o " zu
„ o v o [ p a " ergänzt werden können, und sich damit eine Sinnbeziehimg
zwischen den beiden Worten ergibt, die die Wahrscheinlichkeit der Ergän-
zung für beide erhöht. Abzulehnen ist die von Arangio Ruiz für Zeile 69
vorgeschlagene Ergänzung: t]t)v oriiia[ivoii£vr|]v vel ar|pia[v6eTcra]v
ccvccipfecriv cr]uvaAA[äyiJicfTa]. . . ,32. . .
Er bezieht den Artikel t J ^ v auf ein entferntes, zum Hauptwort ergänztes
ccvotip[£CTiv ( = Beseitigung, Aufhebung). Hierbei könnte es sich nur um die
Aufhebung von Kontrakten mittels eines pactum handeln. Dieser Gedanke
ist nach der Systematik des Papyrus hier verfrüht. Tatsächlich spricht der
Verfasser hier erst über die Natur der pacta („ex continenti" und „ex
intervallo") und ihre allgemeine prozessuale Wirkung bei den bf. Kontrak-
ten, wie aus Zeile 7off. hervorgeht. Er kommt jetzt speziell zu den „pacta
adiecta". Erst in einem späteren Abschnitt geht er entsprechend seinem
richtigen logischen Aufbau auf die vertragsvemichtende Wirkung der pacta
ein (Z. 91 ff.). Dort erst käme daher ein Gedanke, wie ihn Arangio Ruiz vor-
sieht, in Frage. Hier jedenfalls ist er fehl am Platze. — Auch vermag
Arangio Ruiz mit seiner Ergänzung zu Z. 69 nicht den Zusammenhang zu
Z. 70 herzustellen, was ebenfalls gegen die Richtigkeit seiner Ergänzung
spricht.
Nachdem zuvor der Begriff „pactum" sehr weit gefaßt war und den
Begriff „conventio" gleichgesetzt wurde33, beginnt ab Zeile 69 der Begriffs-

31 Oben, Anm. 29.


32 Bei Vassalli, Frammento di un Indice del Digesto, BIDR 24, S. 196/197 ange-
führt.
33 Vgl. im Papyrus Zeile 3—6 und 38 ff.
150 NEUE TEXTE

inhalt von „ p a c t u m " wesentlich enger verstanden zu werden. So spricht


Zeile 70 von den pacta in continenti bei den bf. Verträgen 3 4 . Gegenstand
der folgenden Erörterung ist also wesentlich das „ p a c t u m adiectum". Be-
denkt man, daß in D. 2,14, 7 der Ausdruck „proprium nomen" für gewisse
Formen von pacta gebraucht wird, was im Papyrus [ISIKÖJV övo[|icc (Z. 69F.)
entsprechen würde, so fügte sich dies ausgezeichnet in die Systematik des
Papyrus und in seinen A u f b a u ein. E s ist dann hier die Rede von pacta „ i m
engeren Sinne", worunter die pacta adiecta bei den bf. Kontrakten ver-
standen werden.

V o n hier aus ist die restliche Ergänzung dieser Stelle unschwer möglich:

69 [T]T}V crr|na[criccv 5e e-rr]avaip[ELT(AI) K(CC)T(C() CT]uvocAA[dynocTa


bf ]TaÜTa[i6i-
70 [KÖ]V OVO [HOC] TTOCKTO[V], . .

D a „ p a c t a in continenti" mit der Kontraktklage selbst verfolgt werden 35 ,


ist in Zeile 70 hinter TUTTOI ein [ccycoyr|v zu ergänzen.
In Zeile 70 ist zu TCÖV bf in Gedanken zu ergänzen cruvaAAaypcrrcov,
das hier u m eine Wiederholung zu vermeiden —• vgl. das in der Zeile zuvor
bereits vorgekommene ovvaAAäynocTa — ausgelassen ist.

Zu Zeile 72 f f .
A m Ende der Zeile 72 wird evfdyEiv zu ergänzen sein. A u c h im Vorher-
gehenden (Z. 69—72) ist von P a k t - K l a g e n bei bf. Kontrakten die Rede,
denen hier P a k t - K l a g e n beim „ius strictum" entgegengesetzt werden. Die
Ergänzung des Substantivs [dycoyr|V hier, das am ersten in Frage käme,
paßt nach dem Verb £r|TEi nicht, verbalisiert man Ey[ocy£iv, fügt es sich
hier jedoch neben dem sonst zu neutralen £R|TEI gut ein. Ich lese EV vor dem
ergänzten [ccyEiv, nicht wie Vitelli EI. Die Möglichkeit ,hier „EV" zu lesen,
bietet sich dadurch, daß der Strich, den Vitelli für „ 1 " liest, ganz dicht bei
einem Loch im Papyrus liegt. Der erste Abstrich des „ v " gleicht hier dem
Iota. Der weitere Teil des ,,v" hat in dem zerstörten Teil des P a p y r u s ge-
standen.
Z. 73: A m Anfang ist nach dem Sinn der Stelle ein ,,-ri" zu ergänzen.
Z. 74: Hinter TTOCK [TOU erfordert der Inhalt der Stelle ein F| äyooyf)].

34 IK TOO 6Ü06COS ysyovös £TTI TCOV bf.


35 Vgl. „Inhalt, Rechtsquellen . . ." unter den gleichen Zeilen.
III. E I N B I S H E R NICHT E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : PSI 55 151

Daß der Satz „ei 8s t i s £t|tei £y[ayeiv . . . TrXcrrOvecr9(ai) (Z. 72—74)


als Frage gemeint ist, ergibt sich aus der darauf folgenden teils bejahenden,
teils verneinenden Antwort (Z. 75). — In Zeile 74 liest Vitelli cxyi/? Mir ist
es nicht möglich, die beiden ersten Buchstaben an Hand der Photokopie zu
bestimmen, wenn der Buchstabe zuvor ein „r|" ist. Das schließt jedoch
nicht aus, daß diese Lesung am Original möglich war und ist. Ist das da-
nach gelesene Wort A e k t t o v = „man muß sagen" richtig, so ist anzu-
nehmen, daß zuvor der Name einer Person steht, die die Aussage macht.
Hierfür spricht auch die Endung -co, da die aussagende Person, gramma-
tisch gesehen, im Dativ stehen muß. Indem ich die Lesung Vitellis als ge-
geben hinnehme, erscheint mir der verkürzte Name „Aristo" — hier grie-
chisch geschrieben — am ehesten zu passen. Statt „ P ' wäre dann lediglich
„ P " zu lesen. Das ist graphisch gut möglich. Vom (hier groß geschriebenen)
„ P " brauchte bloß der Bogen teilweise nicht mehr erkennbar zu sein, um
den Rest für ein „ T" zu lesen. — Für Aristo spricht, daß er in D. 2,14, 7, 2 —
also in dem Zusammenhang hier — zweimal zitiert wird. Es kommt hinzu,
daß sich Aristo — wie hier — mit dem „pactum nudum" und seiner Wir-
kung auf Kontrakte beschäftigt hat (vgl. D. 2, 14, 58)36. Die hier im Papyrus
gemachte Aussage (Z. 74f.) ist ihm daher durchaus zuzutrauen. —• Was die
Kürzung zu ocpt/" anbelangt, so ist es durchaus möglich, wenn auch nicht
häufig, daß bei einer Abbreviatur die Endung zur Sicherheit hinzugefügt
wird37. Im Gegensatz zu dem Namen „ulp." (Z. 3), der als Lemma vor dem
eigentlichen Text steht und daher keiner Endung bedarf, steht der Name
„Aristo" im Text und benötigt zur Verdeutlichung seines Dativkasus der
Hinzufügung der Endung.

Zu Zeile 75
Nach oü 8uvccT(ai) ist, wie sich aus der vorhergehenden Frage — ob
eine Klageerweiterung (TrAaTÜvea8(ai) bei den Kontrakten des „ius stric-
tum" durch formfreie pacta möglich sei ? — ergibt, ttAoctüveiv zu ergänzen,
da hier offensichtlich auf die gestellte Frage die Antwort gegeben wird.
ecö'öte ( = zuweilen) am Anfang der Zeile entspricht ein zweites [ecrO5] öte
vor dem zweiten 8uvot(c<i). [ea6'] ist daher zu ergänzen. Statt ö t i nach
Vitellis Lesung ist es möglich, öte zu lesen.

36 Siehe dazu die Abhandlung von H. Siber, contrarius consensus, ZS 42, 97—102.
37 Wilcken, Papyrusurkunde, Histor. Teil, Grundz., S. X L .
152 NEUE TEXTE

Zu Zeile 76—77
Hier wird ein Beispiel zu der zuvor aufgestellten Behauptimg gebracht,
die Klage werde durch ein pactum bei einem Kontrakt des ius strictum zu-
weilen nicht erweitert. Genannt wird ein Darlehn mit einem formlosen
Zins-pactum. Im Mittelpunkt steht die prozessuale Betrachtungsweise.
Daher wird das Beispiel in Z. 76 f. mit einiger Wahrscheinlichkeit ergänzt
lauten:

76 olov, ÖTOC[V] Eni Socveiou ev[ayei T I S *(ai) ¿Tri T O Ü ]


77 T O X O U 7 r a K T e [ u ] 8 f j . O [ Ü ] K ecrriv [aycoyt) T Ü V TÖKCOV]

In den Hauptsatz olov OÜK eoriv [ccycoyi] EIRI TGOV TÖKCOV] ( = z. B.


gibt es keine Zinsklage) ist der Nebensatz ÖTCCV . . . uaKTeuOrj eingeschoben.

Zu Zeile 78
Da hier von einem „pactum nudum" die Rede ist, dürfte hinter pactov
zur Verdeutlichung ein [yv/nvöv] gestanden haben38. Danach sind die beiden
Buchstaben av zu K]äv zu ergänzen. Hinter avco Se ist nochmals [TTCCKTEUOT}]
einzufügen.
Der kleine Satz: avco 8e [TRCCKT£U0r)] iirl T Ü V TÖKCOV wird als Hinweis
auf „(Zins-)pactum ex continenti" aufzufassen sein.

Zu Zeile 79—82
Ab Zeile 79 beginnen die Beispiele für klagewirksame (-fähige) pacta.
Genannt ist hier als erstes der bekannte Fall, daß paktierte Zinsen
(grundsätzlich) nur durch eine Stipulation klagefähig werden. Danach
erscheint folgende Ergänzung der Zeile 79f. wahrscheinlich:

79 ©¿LAOC T O Ü T O 8 [R|Aot ovvaAAJa^ecos39


80 Tfis £TrepcüTr|CTEcos TrapaKoAou[0£ioT|s]

Dabei sind die Worte auvaXAJcc^ecos TrapaKoAou[Osicrr|s] als Genetivus


absolutus zu verstehen.

118 Nach pactov [yupuöu] ist hier das i m vorangehenden Hauptsatz enthaltene,
hier nicht nochmals wiederholte, ICTTIV hinzuzudenken.
89 Nach Vitelli enthält die Lücke nur 8, statt der hier eingefügten 10 Buchstaben.
D a die Buchstaben sich aber gegen das E n d e der Zeile sehr eng zusammendrängen
und klein geschrieben werden, wie das nach der Lücke stehengebliebene ]a£ecos be-
weist, können und dürften hier mehr als 8 Buchstaben gestanden haben.
III. E I N BISHER NICHT E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T PSI: 55 153

Zeile 81: Das zweite Beispiel eines klagefähigen. Zins-pactum wird durch
ein „oder" ( = fj) parallel geschaltet. Hier handelt es sich um den Fall, wo
ohne eine Stipulation durch die Bestellung eines Pfandes für die Zinsen
(und das Darlehn) das formlose pactum klagefähig wird. Daher ist hinter
S i x o c ETTcpco[tt|]o*£Gos ( = ohne Stipulation) das hier sinngemäß erforder-

liche [tökou] einzufügen.

Zeile 82: Hier wird von Personen gesprochen, zwischen denen ein nicht
stipuliertes Zinspactum üblich sein mag. Da die Zinsstipulation verkehrs-
üblich war, um damit die Klagbarkeit der Zinsen sicher zu stellen, wird es
sich, wenn hier eine formfreie Zinsabsprache vorliegt, um ein besonderes
Vertrauensverhältnis zwischen den Parteien gehandelt haben, auf Grund
dessen der Gläubiger auf eine rechtliche Sicherung durch Stipulation ver-
zichten konnte. Als ein solches Vertrauensverhältnis kommt Verwandtschaft
oder Freundschaft in Frage. In die Lücke paßt: [ovyyEvcov vel tcov qnAcov.
Etwas wahrscheinlicher erscheint mir auyyEVcav ohne Artikel, da ein
imbestimmter Personenkreis genannt sein dürfte.

Zu Zeile 82—84
In Zeile 83 und 84 ist die Rede von einem formfrei geschlossenen pac-
tum, das durch die darauf erfolgte Pfandbestellung klagefähig wird. Nach
unserer Arbeitshypothese handelt dieser Abschnitt ab Z. 79 ff. von der
Klagefähigkeit der formfreien pacta 40 (vgl. (ttccktov) 8uvccr(ai) TrAarüvea-
0(ai) — Z. 74t.), daher sind die Zeilen zuvor, die von einem formfreien Zins-
pactum unter Verwandten sprechen mit dem nachfolgenden Gedanken, bei
dem die Pfandbestellung die Klagefähigkeit (bzw. Klageerweiterung) zur
Folge hat, zu verbinden. Nach [ovyyevcov] in Zeile 82 wird daher der nun
ergänzte Nachsatz lauten:

82 f| K ( a i ) ¿]TTEl6fl

83 [ei ijvraüöoc t o pev Ev^x^pov [ßeßcuwOJev t ö 8e


84 [KEcpoc(Aaiov)41] K E p p a T c o v 4 2 SoOevrcov tco p a c t w ßor)8EiT(cu)

40
Vgl. „Inhalt, Rechtsquellen . . ." unter diesen Zeilen.
41
Vgl. in der „Abkürzungssystematik . . ." unter „Stamm- und endungsverkürzte
Substantive".
42
Vitelli liest stattdessen TEpia&roov. Doch kann es hier nur Keputirrcov heißen. Es
erscheint allerdings so etwas wie ein T-Strich erkennbar. Denkbar wäre daher auch,
daß sich der Schreiber, wie so häufig, verschrieben hat.
154 NEUE TEXTE

Zeile 85
Der Hauptsatz öepia TOÜTO 5[r|Aoi (Z. 79), von dem einmal der Geneti-
vus absolutus cruvaAXJd^gcos TrapaKoAouö[Eitras abhängt, zum anderen
f| ÖT[CXV. . .] ßor|0EIT(ai) (Z. 80—84), ist unvollständig. Es fehlt ihm das
Akkusativobjekt oder ein ,,ÖTi-Satz", der ihn ergänzt. Ein „ÖTI-Satz" ist
wahrscheinlicher, da die Folge fehlt, von dem was „dieser Fall offenbar
macht" (Hauptsatz Z. 79), ein Gedanke also, der sich nicht in einem ein-
zigen Wort ausdrücken läßt. Dieser ,,ÖTI"-Satz muß den Gedanken ent-
halten, daß das Zins-pactum in den beiden genannten Fällen, der Stipula-
tion und der Pfandbestellung, rechtswirksam und klagefähig ist. Für diesen
,,crn"-Satz steht dieZeile 85 bis zudem „od n(e)"r(a) . . Trapaypaq>oci" zur
Verfügung, wo ein neuer Gedanke und Satz beginnt. Der ,,ÖTI"-Satz wird
daher etwa zu lauten haben:

85 [ÖTI] OUTGO 5[0VOCT(OU) eppcÖCTÖ(ai) pövov ].

Zu Zeile 8j-—8g
Diese Zeilen sind fast völlig zerstört.
Zeile 85—89 gehören vermutlich zusammen, was sich sowohl aus dem
Inhalt von Z. 85—87 als auch aus dem verbindenden K(OI) kurz vor der
Lücke ergibt.
Aus der Systematik des Papyrus und dem Vorhergehenden geht hervor,
daß hier auf die „pacta ex intervallo" bei Kontrakten des „ius strictum"
eingegangen wird. Die Digesten behandeln in D. 2, 14, 7, 5, die allein hier
in Frage ständen, dieses Problem nicht. Für die Festlegung des Inhalts
stehen daher hier nur die Basilikenscholien zur Verfügung, insbesondere
Scholion ,,2u|icpcbvGov"43'44.
Die Basiliken enthalten hier zwei, miteinander verknüpfte Gedanken.
Einmal: pacta nuda ex intervallo nützen nur dem Beklagten, niemals aber
dem Kläger. Zum anderen: Sie gewähren dem Beklagten eine Einrede,
formen die Klage aber nicht um. Nach diesen Anhaltspunkten ist der ab
Z. 85 beginnende Gedanke, wie folgt zu ergänzen:

85 cd n(£)T(ct) TO CTUV-
8 6 [ a A X c r / j p a texSsictoci öcttö y i A [ o ü ] iraKTou Tra]pa-

43
Scheltema I, 192 f.
44
Vgl. „Inhalt, Rechtsquellen . . ." unter Z. 87—89.
I I I . E I N B I S H E R N I C H T E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : P S I 55 155

87 [ypa(<pcci)] k(cu) náXicrra [etti ¿útpEÁEÍg: t o ü évayonévou]


88 [ijlóvov yíyvovr(ai), oú8a|i£o<; 8úva-r(ai) ttócktov |í(e)t(cí) xpóvoju
89 [^(6)T(a)TUTTOÜV TT)V áyCOyT|V ÉTTl cbcpEÁEÍa TOÜ EVÓyOVTOS.]

Vorstehende Ergänzung ist m. E. zwar dem Inhalt nach wahrscheinlich,


kann aber, insbesondere ab Zeile 88, von wo ab der Text völlig zerstört ist
und daher keine Anhaltspunkte mehr bieten kann, nicht beanspruchen, den
ursprünglich im Papyrus hier enthaltenen Text Wort für Wort wiederzu-
geben.

Zu Zeile go—gi
In Zeile 90 finden sich allein 4 erhaltene Buchstaben „oßou". Diese
4 Buchstaben als Teil eines einzigen Wortes aufzufassen — wobei z. B. an
„<pößou" gedacht werden könnte, das in dem Zusammenhang hier aber
überhaupt keinen Sinn gibt —, ist unwahrscheinlich. Der erste Buchstabe
,,0" wird daher zu einem anderen Wort gehören als das nachfolgende „ßou".
Der mit „öti" beginnende ,,daß"-Satz in Zeile 91 fordert ein voraus-
gehendes Hauptverb, von dem er abhängig ist. „ßou" könnte daher Teil
dieses Hauptverbs sein. Als Verben kommen hier ausschließlich in Frage
ßouAoiiai und ßouÄEÜGo. Man erinnere sich, daß „ßouAEÜEiv" neben „ R a t -
geben" auch „respondieren" bedeuten kann. Wenn Ulpian sich in D. 2, 14,
7, 5 in Zusammenhang mit dem „pactum ex intervallo" auf ein Responsum
des Papinian bezieht („scio responsum Papiniano"), so liegt es sehr nahe,
daß hier im Papyrus von diesem Responsum die Rede ist. Daher erscheint
mir die Ergänzung „ßou-911 [Aeúei pap(inianos)", von der der folgende mit
„Öti" beginnende „daß"-Satz abhängt, recht wahrscheinlich. Der Anfang
von D. 2, 14, 7, 6, der von den „postea factae pactiones" 4 5 spricht im Zu-
sammenhang mit dem Rücktritt von den bf. Kontrakten, dürfte auch auf
dieses Responsum zurückzuführen sein; zumal auch aus D. 18, 1, 72 er-
sichtlich ist, daß Papinian sich eingehend mit der Wirkung des Rezesses auf
die emptio venditio befaßt hat, die gerade Gegenstand der folgenden Zeilen
ist. Wenn D. 18, 1, 72 auch aus Papinians „Quaestionen" stammt und das
Responsum von dem Ulpian spricht, sich sonst nicht in den Digesten findet 46 ,
so ist doch damit wahrscheinlich gemacht, daß es ein solches Responsum

45
„Exceptiones", wie es die Digesten eigentlich hier bringen, ist zu ,,et pactiones"
zu korrigieren; Mommsen ähnlich, vgl. Große Digestenausgabe, Note zu D. 2, 14, 7, 6.
46
Mit Hilfe der „Palingenesie" ermittelt.
156 NEUE TEXTE

Papinians gegeben hat, wie es unser Papyrus im folgenden ausführt. Nach


seiner Nennung in D. 2 , 1 4 , 7, 6 stände auch Pomponius hier zur Debatte,
jedoch ist diese Stelle aus dessen „libro sexto ad edictum" entnommen, und
stammt nicht etwa aus einer Responsensammlung, weswegen Pomponius
hier auszuschließen sein wird.

Das vor dem „ßou" stehende „ o " kann sprachtechnisch gehören:


1. zu TÖ = Artikel, hier nicht denkbar,
2. zu -TO = Verbalendung oder
3. zu einem Substantiv wie etwaTrcn<T]o(v), da dasEndungs-v hier ab-
gekürzt werden kann47.

Hinzukommt, was den Inhalt der zu ergänzenden Zeile 90 betrifft, daß


neben den „postea factae pactiones" bei Rücktritt von bf. iudicia, wie in
D. 2, 14, 7, 6 am Anfang zu lesen ist, auch der Inhalt der vorhergehenden
Zeilen des Papyrus zu berücksichtigen ist. Hier ist die Rede von den „pacta
ex intervallo" und ihrer prozessualen Wirkung. Dabei wird die generelle Regel
aufgestellt, daß solche pacta wohl Exceptionen erzeugen, aber nicht in der
Lage sind, die Klage selbst zu wandeln. Da aber die Rücktritt beinhaltenden
pacta, auf die der Papyrus nun zu sprechen kommt, eine Durchbrechung
von der Regel darstellen, indem sie die Klage teilweise oder ganz beseitigen,
je nachdem, ob ein völliger oder teilweiser Rücktritt vorliegt, und daher
von den Byzantinern als klageändernd aufgefaßt werden, so muß der
Papyrus hier auf die Durchbrechung der zuvor genannten Regel zu sprechen
kommen. Der Gegensatz zwischen Regel und Ausnahme muß daher in
Zeile 90 herausgestellt werden.
So ergibt sich die dem Inhalt nach wahrscheinliche Ergänzung, bevor
das Responsum Papinians beginnt:

90 [ | j ( e ) t ( c c ) 4 8 t u t t o ! ä y c o y j f i v o l o v e t 4 9 [ i 8e p ( s ) T ( ä ) x p ö v o v uock-
t]o(v) vel olov £tt[1 bf Kpiaeco(v) ttcckt]o(v)

47
Vgl. „Abkürzungssystematik" unter „ S t a m m - und endungsverkürzte Substan-
tive", oben S. 136.
48
Der Papyrus bringt das p(e)t(&) in der Schreibweise U, so daß ein Buchstabe
weniger an Raum in der Lücke beansprucht wird, als es die für den Leser bequemere
Lesung h(e)t(6) tut.
49
Vitelli liest 51.
III. E I N B I S H E R NICHT E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : PSI 55 157

Statt ttcckt]o(v) ist es nicht möglich, ttcckteüetJo zu ergänzen, zumal


dann noch ein „wenn" ( = ei) einzufügen wäre. Die Ergänzung wird dann
zu lang.

Zu Zeile 93
Die bereits ergänzte Lücke ujTrotvccxwp [rjcnv rov awajAAocyuccros ist
in dem unterstrichenen Teil größer als die bisherige Ergänzung mit nur
1 1 Buchstaben annehmen läßt, wie ich an Hand der Photokopie feststellen
konnte. Räumlich und stilistisch paßt ein chtö vor CTUvaJÄXöcynaros.

Zu Zeile 97—100
Das ab Zeile 96 beginnende Beispiel über den Teilrücktritt von dem
Kauf eines Ackers ist in Scholion „Eipr|KCCnev"50 ebenfalls enthalten. Die
in Zeile 96 und 97 erhaltenen Reste sind vollkommen hinreichend, um eine
Identifizierung mit dem Sachverhalt des Scholions zu ermöglichen51.
Die einzelnen, ab Zeile 97 erhaltenen Buchstaben und Wortreste ge-
statten nach Kenntnis des in Scholion „Eipr)Kauev" gebrachten Inhalts
eine sichere Gruppierung der Wörter innerhalb der zu ergänzenden Zeilen.
Vor der Wiedergabe der gesamten ergänzten Stelle seien vorweg die
Wortreste und einzelnen Buchstaben ab Zeile 97 im Sinne des Sachverhalts
ergänzt, um damit die Voraussetzung zur Gruppierung des restlichen Inhalts
zu schaffen:

97 i|[yopaKEv(c«)
98 [ t ] o p[spos . . . ,]v Trpa6[ivTOS
99 [ca. 9 voiiio-JpaTCov
100 [ca. 1 5 Buchst. Tr]apa[y]pcc(<pr))
Die Gruppierung und Einfügung des restlichen Textes52 kann jetzt um
diese feststehenden Wörter herum mit einiger Sicherheit erfolgen:
96 iva....
97 . . . 80^00 r)[yopco<iv(ai), ovvsSo^a CrrTavaxco(peiv) k(cc1) rmicru]
98 [t]ö |i[£pos tuxö]v Trpa6[evro5 ccypoü AaßeTu re non- ]
99 dum secuta vopicr]tiaT00v [<p' avri ,a e6o§oc ä<pi£cr0(ai) toü]

50
Scheit. I, 197 Zeile 1—9.
51
Vgl. das Quellenmaterial im einzelnen im Kapitel „Inhalt, Rechtsquellen . . .",
II. Teil der Untersuchung.
52
Die Ergänzung beruht wesentlich auf dem Quellenmaterial vgl. Anm. 51.
158 NEUE TEXTE

ioo [äAAoü contractou k(oci) Tr]apa[y]a(<pf)) [TiKTET(cci) t u


euayo|jievcp]
Sö^co (Zeile 97) allein genügt nicht, um den zum Rücktritt notwendigen
beiderseitigen Konsens zum Ausdruck zu bringen. Sokeco (hier: „ich be-
schließe") würde dazu führen, daß hier von einem einseitigen Rücktritt des
Käufers die Rede wäre. Da aber nach C. 4, 45, 1 und 2 ausdrücklich der
beiderseitige Konsens der Parteien zum Rücktritt erforderlich ist, war es
nötig, dies durch das nachfolgende owe8o£oc (Zeile 97) zum Ausdruck zu
bringen. Auch die Basiliken sprechen in diesem Zusammenhang regelmäßig
von „ctuvSokeiv" in der Bedeutung von „(beiderseits) übereinkommen".
In diesem Sinne wurdectuveSo^ocdaher hier (Zeile 97) auch eingefügt 53 .

Zu Zeile 101—118
Z. 101: Hinter [K(a)T(a)]xpr|cmK[cos ist yEyov]£V einzufügen.
Z.113: [-5r]A]co(s)
Z. 114: M. E. ist hier gut äp|J,o£ zu lesen; hinter dem das in der
Lesung Vitellis fehlt, ist so etwas wie ein hochgestelltes kleines ,,v", ver-
sehen mit einem angehängten Abkürzungsstrich, sichtbar. Daher muß es
heißen: dp|iö^(Ei)v.
Hinter dem k(oci) hat Vitelli in seiner Lesung ein in der Photokopie
deutlich erkennbares yöcp übersehen.
Z. 115: Zu ergänzen ist yEvon[Evr|S uccktcc] . Auf TräKTa bezieht sich das
Demonstrativpronomen Ta aus Zeile 114.
Z. 116: Am Ende der Zeile ist [ocü£r|aEi] zu ergänzen, womit ein neuer
Satz eingeleitet wird.
Z. 117: Hier möchte ich ergänzen n (e)totutt [cot (at) f) äycoyr)] statt
wie Vitelli p(g)T(a)TUTr[oi dycoyr|u].
Z. 118: Am Ende der Zeile ist [olov . .] einzufügen, mit dem wie üblich
ein Beispiel beginnt; hier ein solches über die Auflösung des Kontraktes
durch Vermehrung der Sachleistungspflicht.
Zu Zeile 11g—121
Das tiv zu Beginn der Zeile 1 1 9 ist als die zweite Silbe von ecttiv auf-
zufassen, wobei die erste Silbe am Ende der vorigen Zeile verloren gegangen
53
Die Ergänzung von Zeile 97 ist um 6 bis 7 Buchstaben länger, als in diesem Teil
des Papyrus üblich ist. E s ist dies jedoch dadurch möglich, daß ab Zeile 9 7 — 1 0 0 die
einzelnen Zeilen jeweils weit über die Schlußhälfte hinaus zerstört sind und ein sicherer
Anhalt fehlt. Auch ändert der Schreiber öfter die Größe und Dichte der Buchstaben.
III. E I N B I S H E R N I C H T E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : P S I 55 159

ist. — Wie aus den erhaltenen Resten zu entnehmen ist, wird nochmals das
Grundbeispiel von dem Verkauf eines Ackers aufgegriffen 54 . Nach Scholion
„Eipr)KauEv" ist zu erwarten, daß jetzt im Gegensatz zum Vorhergehenden,
wo von der Verringerung der Sachleistung beim Kauf die Rede war, jetzt
das Umgekehrte, die Vermehrung der Sachleistung behandelt wird. In
diesem Falle ist auch anzunehmen, daß die Zahlen des vorhergehenden Bei-
spiels umgekehrt werden. Wenn zuvor der ganze Acker verkauft worden
war und danach durch Teilrücktritt die von dem Verkäufer zu erbringende
Sachleistung auf 4/5 beschränkt wurde, so läßt sich vermuten, daß hier ur-
sprünglich auf 4/5 kontrahiert wurde und danach auf Grund des Teilrück-
tritts, vielleicht weil der Käufer für nur 4/6 des Ackers nicht den vollen
Kaufpreis zahlen wollte, ihm der ganze Acker zu demselben Preis überlassen
wurde.
Sollten selbst die auf Grund dieser Überlegung (Hypothese) in die Er-
gänzung eingefügten Zahlen nicht zutreffen, so hat dies für den recht-
lichen Gehalt der Stelle keine Bedeutung.
Die Ergänzung von Zeile 1 1 9 - — 1 2 1 unter Benutzung der Wortreste, die
einen guten Anhalt für die Wortstellung des inhaltlich feststehenden Sach-
verhalts bieten, lautet:

118 [olöu ECT-]


119 T[infjs cbcr] ei T O U ccypoü |iovov [TETTCtpa |iepr|]
T I V EK [TCCÜT]T)S

1 2 0 TT[STRPAYP£V05 iräs 6 äypös.] (vel TT[CCS ö äypos TTE-rrpocypEvos.])


5üvorr(ai) 8E yEvfopivou TTCCKTOU AY£A6(ai) oü-]
121 8E EI [aypös (vel TipTma/Tipr|) -irapE8ö0r|.]

Der Inhalt dieser Ergänzung steht m. E. nahezu außer Zweifel, da die


gesamte Gedankenführung, die Wahl der Beispiele, vor allem aber ihr Auf-
bau und ihre Aneinanderreihung, die dogmatischen Unterscheidungen, wie
auch die Wortwahl selbst von Zeile 91 an bis zum Ende des Papyrus über-
raschend mit Scholion ,,Eipr|Kapev" übereinstimmen 55 .
Zu Zeile 121 ist noch hinzuzufügen:
Die Worte 8E E!, als die allein erhaltenen Reste wiesen darauf hin, daß
ein gewisser Gegensatz zum Vorhergehenden vorliegen mußte. Es lag daher

54 Vgl. S. 157 und Anm. 50.


55 Der Nachweis hierfür unter Kapitel „Inhalt, Rechtsquellen . . .", ausgenommen
sind allein die Erörterung der Trapctypc«pi| KCtTaxpr|CTTiKCÖs.
160 NEUE TEXTE

nahe — im Gegensatz zum Vorausgehenden — darauf einzugehen, wann


ein Kontrakt „re nondum secuta" nicht mehr vorliegt; eine Frage, die
offensichtlich ihre Schwierigkeiten hatte, wie ihre wiederholte Behandlung
in den hier einschlägigen Konstitutionen beweist56, wo immer darauf hin-
gewiesen wird, daß eine Rückgängigmachung des Kontraktes durch ein-
fachen Konsens sich verbietet, wenn eine der Leistungen bereits erfolgt war.

Zu Zeile 121—128
Den wichtigsten Anhalt für die Ergänzung dieser Stelle bietet das
Bruchstück Suco kA[t]]p (Zeile 122). Verfolgt man die folgenden erhaltenen
Wortreste und Worte, so wird klar, daß es sich nur um den in Anschluß an
den Verkauf eines Ackers in Scholion „ Eipr|Kauev"57 vorgetragenen Sonder-
fall eines Teilrücktritts handeln kann: Maevius hat eine Sache an Titius
verkauft, ohne daß von einem der beiden Vertragspartner eine Leistung
erfolgte. Der Vertrag war also lediglich konsensual zustande gekommen
(re nondum secuta). Titius stirbt und hinterläßt zwei Erben. Mit einem der
Erben kommt der Verkäufer Maevius überein, von dem Kaufvertrag zu-
rückzutreten; nicht jedoch mit dem anderen Erben. Rechtlich ergibt sich
daraus, daß der ursprüngliche Kontrakt wohl für den einen, aber nicht für
den anderen Erben entfällt. Die Folge davon ist, daß der Verkäufer Maevius
seine Forderung aus dem ursprünglichen Kaufvertrag noch gegen einen
Erben durchsetzen kann, nicht aber gegen den Rücktrittspartner58.
Für die lineare Ergänzung ist von Bedeutung, daß dem Passus 6uoo
kA [r| ] p die zeitlich und logisch vorausgehenden Glieder der vorgenannten
Gedankenkette vorauszusetzen sind; also insbesondere der Tod des Käufers,
dessen Erben ja erst als dessen Rechtsnachfolger in den Kaufvertrag ein-
treten. Damit ergibt sich rein raumtechnisch, daß auch die vorausgehende,
nahezu völlig zerstörte Zeile 121, zum mindesten zum Teil, in die Ergänzung
einzubeziehen ist.
Auch daß im späteren Verfolg der Papyrusstelle von einem Darlehen
die Rede ist (Zeile 127), paßt hier gut hinein, da der Verkäufer auch im ge-
nannten Scholion gegenüber dem einen der Erben als SavEiorris bezeichnet
wird. Hieraus ist zu folgern, daß der Rücktritt sich dahin auswirkt, daß

56
Vgl. „Inhalt, Rechtsquellen . . .", ab Zeile 91.
57
Scheit. I, 197 Zeile 9—20.
58
Eine Wiedergabe der Basilikenstelle findet sich unter „Inhalt, Rechtsquellen...",
unten S. 219 Anm. 136.
III. EIN BISHER NICHT ERKANNTER STEPHANUSTEXT: PSI 55 161

wohl von dem anderen Erben als Rechtsnachfolger des Käufers die Kauf-
preisschuld, die als Darlehen gestundet wurde, gefordert werden kann, nicht
jedoch von dem vom Kauf zurückgetretenen Erben.
Von diesem gewonnenen Standpunkt bietet die Ergänzung von Zeile
121—128 keine übermäßigen Schwierigkeiten.

121 [otov o dcyopoKrrf|S teteAeüttikev]


122 et 6£ [5ioc Trpocyua(TOs) Trpcx)(0£v(TOs) eis] 8uco kA[t|-]
p[ovö|jicov toutco] v
123 ccurcöv re n[ondum secuta tt]ocktsOcti] Trpös t[öv "irponriv Orr-]
124 auotxcopfi[a(ai) ccttö toü ctuv] aAActyhcctos Sokei [ö TrpcnTis Ott-]
125 avocxcopf)[cT(ai) öarö xfjs *ttccot|S dyopacria[s Kai] irpös to[v]
126 v6|iov taxu£ [1 eIs aüröv oü]ttep ¿9' £r[£pou- ¿05 airö ] cruvaAAä[y-
127 pictros fiSuvcrro iro(KT6[Oo-(ai)] t u x ° v £Tri [5]aveiou w[ct]te
128 gcutöv povov |iri drraiTri6fiv(ai) K(ai) K[EiT(ai) darö] ttccktou
irapaypa(<pri)
Die Ergänzung in Zeile i26zul<p'eT[ipou cbs cnro] cruvaAAct[y]naTOS ist
dadurch möglich, daß die Lücke, die in Vitellis Lesung mit lediglich 4 Buch-
staben ausgefüllt erscheint, bei genauerer Betrachtung des Papyrus eine
wesentlich größere Buchstabenzahl enthalten muß: m. E. bis zu 8 oder 9
Buchstaben. Der Grund der zu knappen Ausfüllung der Lücke durch Vitelli
dürfte darin liegen, daß bei der normalen Größe und Dichte der Buchstaben
hier tatsächlich nur 4 oder 5 zu erwarten gewesen wären. Jedoch verkleinern
sich die Buchstaben hier derart, wie ein Vergleich der vor und nach der
Lücke stehenden Wortreste mit den vorangegangenen Zeilen beweist, daß
hier mit einer sehr erheblich größeren Buchstabenzahl als der normalen zu
rechnen ist.

Zu Zeile 12g—133
Neben D. 2,14, 7, 7 und 8 spielt Scholion ,,'Evteüöev"59 für die inhalt-
liche Festlegung dieser Stelle eine wesentliche Rolle. Scholion „'EvteÜöev"
bringt zwei Gedanken nebeneinander. Der erste befaßt sich mit der Ge-
richtspraxis, exakter der Praxis des Prätors, einfachen pacta seinen magi-
stratischen Schutz zu verleihen, ausgenommen, wenn sie gegen das Gesetz
verstoßen. Es enthält also den Gedanken der grundsätzlichen Gültigkeit der

59
Bas. II, 1, 7; Scheit. X, 198; Heimb. I, 569.
11 Altheim-Stichl, Christentum I
162 NEUE TEXTE

pacta. Der zweite Punkt bringt die Unterscheidung zwischen „pactum in


personam" und „pactum in rem". Das Nebeneinander dieser beiden Ge-
danken ist etwas unmotiviert. Eine logische Verbindung besteht zwischen
ihnen nicht. Doch weisen dieselben Aneinanderreihung auch die Digesten
auf60.
Allein schon aus der zu einem wesentlichen Teile erhaltenen Zeile 129 ist
zu entnehmen, daß hier von dem ersten Gedanken der beiden genannten
Quellen, dem magistratischen Schutz der pacta, die Rede ist. Schon die Ge-
dankenführung in den Digesten und Basiliken macht es dann wahrschein-
lich, daß anschließend die Rede auf die „pacta in personam" und „in rem"
kommt. Gewiß wird mir dies durch das in Zeile 133 mit Sicherheit zu
lesenden „i", das wie aus dem vorausgehenden Partizip (-]vres) zu schließen
ist, den Anfang eines Wortes bildet. Dies läßt in dem Zusammenhang hier
eine Ergänzung zu „i[n", nämlich „i[n personam" oder „rem" sehr wahr-
scheinlich erscheinen.
In der Zeile zuvor (Zeile 132) finden sich allein die 4 Buchstaben, ,kocvco".
Sie sind nicht ein Ausschnitt aus einem einzigen Wort, da ein solches wie
etwa Kocvcbv oder ähnliche Zusammensetzungen aus diesen 4 Buchstaben
hier keinen Sinn ergeben. Sieht man „kocvco" daher für Reste aus zwei
Worten an, so ist die wahrscheinlichste Trennung -koc)(vco. Hierbei stellt
sich -Kot als eine Verbalendung (der 1. Person des Perfekts Aktivi) dar.
Diese persönliche Form spricht, wie oben schon festgestellt, für die Aus-
führung eines Beispiels an dieser Stelle. — Unter den Anfangsbuchstaben
vco finden sich lexikalisch betrachtet, nur sehr wenige Worte. Scholion
„'Evteüöev" greift hier das Beispiel von den beiden Erben nochmals als
Muster für ein „pactum in personam" auf. Unter diesem Gesichtspunkt kam
f ü r die beiden B u c h s t a b e n vco n u r vco, vcoi, vcoiv, vcpv, vcompos in F r a g e ,
alles Wörter, die auf zwei Personen hinweisen.
Daher ist es auch wahrscheinlich, daß das Beispiel der beiden Erben
aus Scholion 'EvteüSev hier ebenfalls aufgegriffen wird. Für Zeile 132 und
133 ergeben sich damit folgende Wortgruppen, die das Kernstück der Er-
gänzung darstellen:

132 [ca. 24 Buchstaben ]-kcc vco[iv KÄr|pouö|icov]


133 [ca. 25 Buchstaben ]-vtes i[n personam

60
D. 2, 14, 7, 7 und 8.
III. E I N B I S H E R N I C H T E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : P S I 55 163

U m diese W o r t e k a n n der übrige feststehende I n h a l t , der z u diesen


beiden Zeilen gehört, herumgruppiert werden. Der ergänzte T e x t unter
Einschluß der Zeilen 129—131 lautet d e m n a c h :

129 a i t p r a e t o r [6 |J]ev OKOTTÖS TOÜ [ c o n s e n s ] u K o i v r j i r e [ p ] l TTCCK-


130 TCOV S[ia<pv/A&X6IL O]U[5]E[V] EI61 TIS ÖCV[T£0T|]K[EV]
TTEpi a[uyi<Ar|-]
131 [TOU 8ÖY|ia(TOS) f| d e c r e t o u ( v e l Sicnra^Ecos) r) e d i c t o u , ]
yeuo[|i£vov y a p ] TÖ <rü[|jupcovov]
132 T r a p ä ¿V05 OUK ÖRMIRRI ?]KCX VCO[IV K A r i p o v o p c o v ]
133 cbs TTOCKTEOO ?]VTES i [ n personam

6. P S I 55 M I T D E N E I N G E F Ü G T E N N E U E N ERGÄNZUNGSVORSCHLÄGEN

[8OKET ]
[aico-n-jripa oc[i]peais eve[i]v(ai) Trj £TTEpcoTT|[CT]£}
[KÖCV Troupcos ]
YEVO^EVQ], iva TÖTE c a r a n r | 8 r i T[Ö] K£<päA[aiov,
ÖTOtv o t TÖKOI ]
[pf)] K(CC)T(a)ßaAAovT(ai). ulp: conu£VT[I]övco(v)
EI8[T| T p i a E t r r i ( v ) , i r a p ' oTs]
EIS S O o 6 i a < i ) p E i T ( a i ) , EIS p u b l i c o v -rröocr[ov K a i eis
5 p r i u a t j o v . TÖ 6E p r i u a t o v C n T o S i c a p E r r ( a i ) e[is l e g i t i m -
ov]
[TTJOCKTOV K ( a i ) iuris gentiov. D>s SOKEI CTUvi£o6(c«)
TT]V TC<£l(v)]
TAURRIV TRJ S u v a p s i . p u b l i c o v TTCCKTOV ¿[crriv ÖTrep]
TÖ U(e)T(A)^]y TCOV a r p c r r r i y c ö v TOÜ TTOAEHO[U Trepi
Eipiiviis]
y i v [ ö | I ] £ v o v . l e g i t i p o v 6E TTÖCKTOV ¿ [ a r i v TÖ c n r ö ]
10 TIVOS 181K0O v ö ( i o u f| 8 ö y n a [ T ] o s CTU[YXARITOU KU-
p(o0pi£vov)]
K ( a i ) F| TIKTOV ä y c o y f ) v F| ä v a i p o [ ü v ECTTIV, o l o v l e g i - ]
t i |jioi KTiSayövES T r o t o O [ v T a i o i a g n a t o i TCOV öpcpa-]
VEUOJJIEVCOV, o u ^f)v K[orra SiaöriKriv, ö A A ' ö SOOSEKOC-]

61 Vitelli liest „ 9 1 " .


11«
164 NEUE TEXTE

SeXtoç (sc. vóiíos) kccàwv aÛTOùç KT| [Seuôvoç ÈTriTpéTrei


ccùroïs ]
15 TTjU 6lOÍKT]CTlV TTpo8r|À[cûç]. [tOUTECTTi(v) TTE(pî) TqÇ
£K TTOCKTOU ]
ettí toketco à y c o y r i s ê[v bf cruvaÀÀcryiacrn, olou eî
TIVEÇ ]
f i y ó p a a á v t í t t o t s K ( a l ) £ré[Xr|CTav ä p p a ß c ö v a re non-
dum]
s e c u t a Trpoç t ô crú|icpcp[vo] v. [ètteiSt) oí ttcoAoûuteç ]
[á]v£xcbpr)CTav toO cruvaÀÀôy p [cc]toç, cc[ítoücti oí
ccyo-]
20 [ p a c r r a l SikccîJcoç ettí t o û [yevopiévou ttccktou t o k e -
TOÛÇ . ]
[corporjt] vccuKÂfipcov tô yàp [TrocKTEÙ]ECT0(ca)
li[(E)T(a)ÇÙ CCÚTCÓV ÈTtI TÎjs ]
KOivcovia[ç] B ô y p a auyi<Ar|TOU ß E [ ß a i o ! ], kôv tô
uâÀi[crra]
k(ocI) a i S i a r á ^ E i s Kupoüaiv a Û T à T a CTUCTTrma[T]a
Trpo-
5f|Acp[s, K ( a l ) ETriTpéusT(oti) t t o i e î v ] Tfjs Koivcov[i]as
ovuáAAayiJia,
25 ¿5s TTccKTOV ß s ß a i o Ü T ( a i ) K(aí) T à n ( 6 ) T ( a ) Ç ù aú-
tóóv, eïte éttí a u a r á a E i
à y c o y î i s , eïte éttI ccvaipéaEi aÙTfjs TÍfe Koivcovias
XpTiaincoç
TraKTEÚET ( a i ) . ôijoîgùç c a r ô S ó y n a ( T O s ) 0vyKÂr|T0u
K(ai) ô t t ô i6iKco(v)
6e vçnoov t i t i u K(ai) poblic<i)u K(ai) corneliu ßEßai-
o û r ( a i ) [ârrl]
[uè] v çruarâo-Ei â [ y ] o o y f | s , êàv t i ç èrrl x p i f a a c n v
•n'ai
30 [ n ó v o v ] î v a f| cckóvtiov f| Kovrápiov çîtctgov f|
[Tpéxœv]
f) -ttt|5[cùv] f| iraXaicov f| TTay<K>pçrnà£cùv, [ttok-
TEUÓ-]
|íe[uos âpEjTfjs ivEKa vikt|ctoi Aaßcov p ' v o n i a p a T a ,
III. EIN BISHER NICHT ERKANNTER STEPHANUSTEXT: PSI 55 165

[edv 0UT05] Tocürg [¿ir]i x[P*ntJL]°ccriv tt)v]


cruvöriKTi (v)
[eaococr9(ai)] k(oi) £tt| ävaipEUEi 8i[j<aico]s xCPH]
^K[Kpiveiv ]
35 [K(ai) y a p t o ] ttocktov IctxOeiv olov, et XP £CJ [crroü-
pev]os [fj-]
[ t o i TTOpJpep 6Tn CTUyXCOpr]CT£l TOÜ XP^ ou S t^toi e u [ i
TOÜ ]
[auuJcxAAdynotTos TOtÜTa ctuveOeto. Otto Kar[riyop{-]
[as t]cov axpiioTcou TraKTCov £poO|iev. iuris gen-
[tio]v l a r l v f|Tc>i conuevricov t o öttö t o ü I9[vikoü ]
40 yEvöpevov <vö|iou). t o ü t c o v 8£ tcov iuris genti[ov]
Ttva |i£v K(ai) dcycoyas TiiciEi K(al) irap[ocy]pa<pots,
[k(cc1) ay]<ayr|V K(ai) Trapaypa<p(r|v) exei. Tiva S£
irapaypa(q>T|v)
[novov §x£i]. T ° TiKTOVTOt a y c o y a [ s ttJocktoc
[övopa^£]T(ai) o[0] pövou, a A A ' eis iSixa
45 [övöpa(Ta) cru vaAA ]orypidrcov SiatpEiT(ai) f|TOi het-
[¿pxer(ai) T0tü]T[a] t ? cruvaAAäynaTa eis
[aAAd 6vöpa(Ta), olov o c y j p p a a i a v , irpäcnv, nia-
[©coctiv, EKpiiuOcoaiv, Koivcojviav, xp^ctiv» •n-apa-
[KcnraöriKr|v K(al) t o ] u t o i s ö|JOia, olov man-
50 [datov Kai ev£xup]ov. ÖTav eis äAAo pev
[cruvdAAocypia pf] p]eTepxeT(ai) t ö irdicrov, üttectti
[5£ a M a , ecrriv örycoyfi] K(ai) yap TiicreTai

[K(a)T(a) t ö ctuvet60]£v olov 6£8cök& ct[o]i Tt[päy-]


[pa, !ua 8cö]s [no]t ETepov Trpgyiia. [otou 8eScoKa]
55 [croi i(jcrr]i<?[v, i v a Scps] U°t t[oüto
auvdA-
[ A a ] y n d i g r i v K(al) t ( k t e t (ai) f) praescriptis uerbis
[d]ycoyr|. f| SiScpKd a o t Kandcnov, t v a Trorfiaijs noi
t | iroTe, olov ypcapfjs |i<?[i] ins[tramentov]. T9VT°
avvaA-
AayiJid 6crny o y c b w ^ v . oO y [ d ] p d p y O p t a SiSco-
60 Ka ctoi, Iva piaöcoaiv o O t ö eTtti^s. TiicreT(ai) ovüv
fvre[ü-]
NEUE TEXTE

0EV TROÀITIKTI ò y c o y r | , Í| p r a e s c r i p t i s u e r b i s . 8ià


[ 8 ] è TOGTO ÒPOCOS ITTEßAARRO TOÖ i u l i a n u ó m a [ u - ]
[ r i ] c i a n o s è r r l TOIOÚTOU ö i n o t r o s ' è [ à v ] y à p Seo a o [ i ]
[ s t i c j o v TÒV S o O A o v , iva TOIIÌCTIJS T[Ì TOTE, O]IOV
T[va]
[ÈÀEuO]£pcócn^s i r [ Á ] n < p i X o v TÒV 8[O0ÀÓV cro]VR £IT[EI-
TO]
èXEy0EpcÓCTr)s TÒV T r ó p c p i À o v ó 6 è [ s t i c o s ] e k [ V I - ]
KTIÖF). [ CCTTÒ TO08E i [ u l ( i a n o s ) <pr|al SOTÌOV i n factum
óycoy(r)v)],
m a u r i c i a n o v "rf]v p r a e s c r [ i p t i s u e r b i s .]
[T]TJV A R M A [ c r i a v 8 è ÈTR]AUAIP[£ÌT(ai) K ( a ) T ( à ) cr]U-
v a À À [ à y n a r a bf ] TOtura [i8i-]
[KÒ]V ó v o [ u a ] TTCCKTO [ V ] . EÌTE ÈK TOO EÙQÉCOS y E y o v ò s
ÉTT[Ì] TCOV b f TUTTO! [ à y c o y ( q v ) ]
[a]ùró, EÌTE H(E)T(ÒC) TOGTO yEyovòs "rrap[a]ypa-
(cpfiv) S i B c o a i v TCO è v a y [ o - ]
névco K ( a ì ) èvóyovTi ccvTnrapaypoc((pr|v). EÌ SÉ TIS
£T|TEÍ é y [ á y £ i v ]
[ T I ] è [ i r ] ì TCOV n f ) b f o v v a A X a y p á [ T ] c o v , 6úvcrr(ai)
ÓCTTO TTÓK-
[TOU TI ÀYCOYFI] KOCT' à p x & S TTÀarùv£CT0(ai). FI
àpi(crr)cp ÀEKyégv
[ÒRI] s a © ' OTE o ù 8úy[a]y(ai) [TTAOCTÚVEIV] f| y è [ v
ÉCT0'] OTE S ú y c r r ( o a ) .
o l o v , S r g [ v ] ÉTTÍ S a v E Í o u Éy[áyEi TIS K a ì è i r ì TOÜ ]
TÓXOU TTgKT£[U]0fj (?[0]K IOTI y [dycoyf) ÉTTÍ TCOV
TOKCOV ]
K(aì) pactov [yu|ivòv K]ÓCV K(OÍ) ávco Sè [TTCCK-
TEU0fj è t r i TCOV
TÓKCOV K ( a ì ) TOÜ K E 9 a ( À a i o u ) . 0 é p a TOOTO 8[T)ÀOT
auvaAXjá^Ecos
t t ] S ÈTTEpcoTTiaEcos TTapCCKoXoU [0EÍCTas], f| ö [ T a v K ] é p -
y a r a 8 a v i a 0 f ¡ K a i S i x a ÉTT£pco[TF|]AECOS [TÓKOU] a u n -
<pcovr|0f) pr|TÒs TUXÒV p ( s ) T ( a ) ^ ú [ o v y y E v c o v f| K ( a i )
é]ttej5TI
[EÍ è ] y r a O 0 a TÒ pèv ÉvÉxupoy [ ß e ß a i c o ö j e v TÒ 8 è
III. E I N BISHER NICHT E R K A N N T E R STEPHANUSTEXT: PSI 55 167

[Ks<pd (Actiov)] Kepn&Tcov 8o6evtcov t w pactco ßor|-


eel-r(cu),
85 [ ö t i ] outco 8 [ 0 v a r ( a i ) eppcücr6(ai) pövov.] cd ia(e)-
t ( d ) TO ovv-
[aAXcty](jia TExfetoai öcrro vyiA[oü] ttök [ t o u Trocjpa-
[ypot(<pal]) k(cci) päAicrra [ett! cixpsAEia toO evcc-
yoiiEvou ]
[liövov y i y v o u r ( a i ) , ou8ancos 8uvorr(ai) ttcxktov
H(S)T(Ä) X P 6 V ° ] V -
[JJI(E)T(oc)TUTTOUV TTIV dycoyTiv ETTI cixpEAEia TOÜ EVCC-
yovros.]
90 [n(£)T(a)TuiroT oiov et[i S£ ia(E)T(a)
dcycoy]f)v
Xpövo(v) ttcckt]o(v). ßou-
[Aeüei pap(inianos)], ö t i TrE<pgvEpcÖT(ai) [etti Tfjs
ccyojpaaigs
TT6(pl) T f j s [re] K(ai) tcov [Aomcov] bf ccycoycöv re [nondum] sec[uta]
nondum secuta 1
i/iravaxto(pi|CTecos) Tfjs yeivf [a6(ai) ü]Travocxci>[pr|CTiv orrrö t o ü a v v a A ] A a y -
TrpöaEcos fj ivaAXayfjs
HOCTOS
öA[ou] orrrö [ttJöktou K(ai) ou pi[6]yov eis t o tt[6c]v,
äAAa Kai
95 eis P^pos- t [ o ü oJuvaAAaynorros evaAAayfi Suvorr(ai)
yEVECTÖ(ai) orrrö [ttJocktou. oiov, !va p.[rj 6A]ov t ö v
äypö(v)
otAAa HEpos [a]üroü 86£co f)[yopctKEv(ai), ctvveSo^oc
UTravotxco(pEiv) K(cti) T]niav ]
[t]ö |i[Epos t u x ö ] v Trpot6[£VTOS ä y p o ü (vel xpr)Ma~
(tos)) Aaßelv re non-]
[dum secuta vopiaiijcnxov [<p' a v r i ,a, e5o£a ¿(pisa-
6(ou) t o ü ]
100 [äAAoü contractou K(cci) Tr]apa[y]pa(<pfi) [t(k-
TET(ai) TCO EVayO[JlEUCp . ]
Trap[otypa(9ri)] K(ai) gyTrrrapaypcc(<pT)) [k(oc)t(oc)]-
XP1")cttik[6os y£yov]Ev, oiov e[1]
eyoo 6 irpäcTris keivgo i r [ a ] p ä aou Trepi e' ^Epous toO
dyp[oü]
k(cc1) [a]v ö ccyopdaas Trap[ay]pa(<pfiv) ccvTiöfjs |ioi
TTEpi [t]oÜ SeTV [EPE]
168 NEUE TEXTE

[ t o ü á j y p o ü Tàs T i p a s Àg(3eiv K ( a ì ) T r a p o S o ü v a í a o i

tòv Trav [ T a ]
ios ccypóv, èyò 5è S ú v a n a i cbs coró t o ü T£ÀEUTai[ou]
iráKT[ou]
Trapaypa<pf¡<; X P ^ Ì 0 ^ ^ 1 ) • k ( a ) T ( a ) x p t ì c r r i K c o s 8è Tra-
p[aypa((piiv) À[éyco]
èireì re n o n d u m sec[ut]a eìs pépos ùrrava)(cópriai [5]
y é u e T ( a i ) • o[Iov eì t ò ] p' vo(iitanórcov) 7r[pa]0èv
i r à À i v -iraKTEÚaco TrÀEÌovps
cb[víl] cbuavEl TTÍS [TTpcb ] - f) f|TTOV9[s Tr]eTrpaa6(ai), el y s re [ n o n ] d u [ m sjecuta
TT15 Oli yEVO[UÉV]TlS tbs i
pin [I]TI' [Eùjpi'iCTEis yeypvEv
6ià TOÜTO oùv Aéyu , „ r -1 • i « c- < > r> « i > ~
K(a)T(a)xpt1<mxcÓ5 HO TTOCKTOV OUTCO[s] ECTTIV T) OEUTEpa COV[T) CO]aaVEl TTjS
TTpCÓTTlS
o ú yEvop[é]vTìs <i>s p i . ir)' EÍ/pi^oEis. 8 i à t o ù t o oùv
Xéyco K(a)T(a)xpi")CT-
TiKco[s E Í v ( a i ) ] . e! Sè cbcravEl ccvav£oOa©(at) Sokeí q
covri KaTa-

[5r|À]co(s) 8okeI eì f v ò v erre ipso inre <sic) f) TTpó>TT|


àvaipe[ia-]
0(ai). 8ó§ri koc0' èKOTÉpav évvoiav á p n ó £ ( e i ) v K(al)
yàp tò ÈTr[i6f|-]
115 kt) à v a X O a a i a u v a A X ó y n a r o s Tfjs consensu y E v o y [ é -

vt)s TráKTa]
re n o n d u m secuta k ( a i ) eis à y c o y r j v ovpi|3àÀ7VET(ai).
[aO^aei]
tò Trpòcypa 6úvar(ai) ccvaAuQíívai eìkótcos k(oì)
H (e ) t ( a ) TUiT [ w T a i f) à y c o y r i ]
K ( a ì ) SokeT TpÓTrov T i [ v ] à ávaveoÜCT6(ai) t ò auvàÀ-
Àay[|ia olóv èa-]

S U r " 1 t7T<4l " T " <V) T l v [ T a , > T ] l l S T t ^ r i s w a ] e ì t o ù à y p o O nóvov [tét-


Tapa népT| ]
120 TT[eupayuévos "iras ó á y p ó s . ] 8 ú v a r ( a i ) Sè y£V [onévou
ttóktou Sy£a6(ai). où-]
8è eì [ccypòs (vel TÍprrma/Tinr]) i r a p a 8 ó 6 r i ] . [ o l o v ó
àyopaorfis teteàeùttikev • ]
eì 8è [ 8 i à TTpáytia(Tos) Trpax©év(Tos) eis] 8úco k à [ t | ] -
p[ovópcov to0tco]v
III. E I N B I S H E R NICHT E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : PSI 55 169

aÙTCóv re n [ o n d u m s e c u t a ttJcckteOcti^ i r p ò s t[òv


irpcinT| v vnr-]
avocxcopfj [crai ónrò t o ü cruv]aAÀóyiicrros Sokeì [ó
TrpÓTTìs OTT-]
125 a v a x c « : p n [ a a i darò -rjfis ttócotis àyopagia[s Kai ]
irpÒ5"T9[v]
vó|jiou ìgx^e[i els c a r r o v où]7rep Éq>* è r ^ p o u - ]d>s
ò t t o cruvaAÀa [ y ] -
piorros T|6ù verro Tron<Te[Oa(ai)] t u x ò v è u ì [SJauejpu
CÓ[a]T6
otùròv [ióvov ufi d a r a i T r i 0 f i v ( a i ) K ( a l ) k [ e I t ( c h ) ònrò]
TràKTOU i r a p a y p a ( q ) r i ) .
ait praetor [ó n]èv ctkottòs toü [consens]u KOivfj
TT£p [ì] 1TÓK-
130 t c o v 6[ia<puÀóx0Ti, o]ù[8]è[v] ei t i s ccv[te8t|]k[£v]
Trepi a [ u y K À f ) - ]
[ t o u S ó y p a ( T o s ) r| d e c r e t u (vel Siorrà^ecos) f| e d i c t u ] ,
y e v ó [ n £ u o v y à p ] t ò o v [11900vov].
[ T r a p à évòs o ù k <rrrr|TT| ?]koc vco[iv KÀTipovó|icov
[ cbs? ttcckteuó] VT6S i[n p e r s o n a m ]

APPARAT

42 [k ( a i ) — I)(ei in d e n T e x t g e r a t e n e R a n d g l o s s e .
4 3 £X £l ] Partsch tìktei], 5 0 Èvéxup]ov Partsch
c o n t r a c t ] o v . 5 2 l e x tv ó y c o y T ) ] P a r t s c h A ( r i s t o ) C(el-
so) àrr£Kp(iverro)]. 5 3 ctuvste6]èv Partsch avvaX-
ÀctxJOèv. 5 8 i n s [ t r u m e n t o v ] P a r t s c h ìvs] t r u m e n t o v ] .
5 9 óycóvu|iov V a s s a l l i à v w v u p o v . 6 6 [ÉÀEU0]epcóar|S
Partsch. 67 i[ul(ianos) <pr|CTÌ Sotéov in factum
ccycoy(r|v)] P a r t s c h [eypocyev i(ulianos) tt|V in f a c -
t u m S o t é o v ] . 69 [x]nv OT|na[aiau — <j]uvaÀÀ[cxy-
liótTCùv A r a n g i o - R u i z [ t ] t i v crrmcc[ivo|Jiévr|]v (vel ar|-
Hcc[v0eìctcc]v) <5cvocip[E<Tiv < 7 ] u v a À À [ ó y n a r r a ] . 7 2 Èv[a-
y E i v ] V i t e l l i ei[ 81 tokou] Vassalli óttàws]
oder ähnlich?. 97 r|[yopaKÉvai Vassalli. 98 tu-
XÒ]v Trpa0[éuTOS V a s s a l l i tò]v Trpa0[évra. 113 eì
170 NEUE TEXTE

EVÖV Vitelli EIEVOV; EVÖV = Part, praes. neutr. von


sveipi; evöv bezieht sich auf das zuvor genannte TTCCK-
TOV. 131 y£vo[Vitelli yeyi[.

7. ÜBERSETZUNG

Es scheint auch der unbedingt geschlossenen stipu-


latio die stillschweigende Bedingung innezuwohnen,
daß dann, wenn die Zinsen nicht bezahlt werden, auch
das Kapital zurückgefordert werden darf.
3 Ulp.: Unter den pacta gibt es drei Spezies, wobei
man eine Aufteilung in zwei vornimmt, nämlich in das
„pactum publicum" und das „pactum privatum"; das
pactum privatum wird jedoch untergegliedert in das
„pactum legitimum" und das „pactum iuris gentium".
Wie es scheint, wird diese Einteilung nach dem Sinn-
gehalt (der pacta) getroffen.
7 Ein publicum pactum ist (z. B.) der zwischen
kriegführenden Feldherrn abgeschlossene Friedens-
vertrag.
9 Als legitim bezeichnet man jedoch das pactum,
das von einem eigentlichen Gesetz oder einem Senats-
konsult bestätigt wird, und es läßt eine Klage ent-
stehen oder beseitigt sie.
11 Legitim in gleicher Weise, wie legitimi tutores als
Agnaten der Verwaisten solche sind, die nicht durch
Testament, sondern durch das Zwölftafel-Gesetz zu
tutores berufen werden, durch das ihnen bekanntlich
die Verwaltung übertragen wird.
15 Das gilt auch für die Zinsklage aus einem bf.
Synallagma; z. B. wenn einer einmal etwas kauft und
eine arrha stellt, ohne daß, entsprechend der Überein-
kunft, Leistung und Gegenleistung ausgefolgt werden
( = re nondum secuta) und nun der Verkäufer von dem
Kontrakt zurücktritt, fordert der Käufer mit Recht
Zinsen aus dem (zuvor auf die arrha) geschlossenen
pactum.
III. EIN BISHER NICHT ERKANNTER STEPHANUSTEXT: PSI 55 171

21 (Z. B.): E i n Senatsbeschluß verleiht einem d u r c h


die K o r p o r a t i o n der Schiffsfrachtunternehmer in Hin-
blick auf den Gesellschaftsvertrag miteinander ge-
schlossenen p a c t u m Wirksamkeit — selbst wenn auch
erst die staatlichen Anordnungen (leges, senatus con-
sulta, constitutione s principum) offensichtlich die
Kollegia anerkennen u n d es g e s t a t t e t wird, einen Ge-
sellschaf t s v e r t r a g zu schließen — so z. B. wird einem
p a c t u m u n d d e m zwischen (einzelnen) Gesellschaftern
P a k t i e r t e n , sei es wegen der P r o z e ß v e r t r e t u n g oder
selbst wegen der A u f h e b u n g der Gesellschaft, Rechts-
wirksamkeit verliehen, soweit es (rechtlich) zulässig
ist.
27 Z.B. wird es ( = ein legitimum pactum) von einem
Senatsbeschluß u n d den Volksgesetzen des Titius,
Publicius u n d Cornelius in Hinsicht auf das Bestehen
einer Klage allein a n e r k a n n t , falls einer u m Geld spielt,
w e n n er ein p a c t u m schließt, u m der (sportlichen) E r -
t ü c h t i g u n g willen, also u m den Speer oder den Spieß
zu werfen, zu laufen, zu springen, zu ringen oder m i t
den F ä u s t e n zu k ä m p f e n , ein p a c t u m dahin, daß,
sollte er siegen, er 100 Goldstücke gewinne. Sofern
dieser (Sportkämpfer) ü b e r h a u p t u m Geld spielen
sollte, m u ß m a n die Vereinbarung billigerweise gelten
lassen u n d sie von der Ungültigkeit ausnehmen. E s
m a ß nämlich das p a c t u m Geltungskaft haben, wie
w e n n er (der W e t t k ä m p f e r ) das, was vereinbart war,
auf G r u n d einer Darlehnsabrede oder auf G r u n d eines
Synallagma zu fordern h ä t t e .
W i r rechnen es (das vorgenannte pactum) u n t e r
die Kategorie der &xpr|crTa TrccKTCt.
38 E i n p a c t u m iuris g e n t i u m ist hingegen ein solches,
das hervorgeht aus dem Volksrecht.
40 U n t e r den p a c t a iuris g e n t i u m bringen m a n c h e
Klagen u n d m a n c h e Einreden h e r v o r ; vielmehr ge-
währen eine Klage u n d eine E i n r e d e ; m a n c h e hin-
gegen gewähren lediglich eine Einrede.
172 NEUE TEXTE

43 Erstere nennt man aber nicht nur klageerzeu-


gende pacta, sondern ordnet sie unter die speziellen
Namen der „Synallagmata" ein. Weiter gehen diese
Synallagmata in andere (speziellere) Benennungen
über, wie emptio-venditio, locatio-conductio, societas,
commodatum, depositum und diesen ähnlichen, wie
z. B. mandatum und pignus.
50 Wenn aber auch das pactum nicht in ein anderes
(spezielles) Synallagma übergeht, wohnt ihm trotz-
dem ein Rechtsgrund (causa) inne, schafft einen
Klageanspruch und erzeugt also eine Haftung.
53 Nach dem Ubereinkommen habe ich dir z. B. eine
Sache gegeben, damit du mir eine andere Sache gibst
(do, ut des): ich habe dir einen Mantel gegeben, damit
du mir ein Festkleid gibst. Dieses ist ein Synallagma
und erzeugt eine Klage praescriptis verbis.
57 Oder: ich habe dir ein Hemd gegeben, damit du
zu irgendeinem nicht näher bestimmten Zeitpunkt
etwas für micht tust (do, ut facias): z. B. mir eine Ur-
kunde schreibst. (Auch) dieses wird Synallagma be-
nannt. Ich habe dir nämlich nicht Geld gegeben, daß
du mir deine persönlichen Dienste versprichst.
60 Daraus entsteht nun eine actio civilis, nämlich
eine solche praescriptis verbis.
Deshalb macht Maurician Julian mit Recht bei
seiner folgenden Behauptung einen Vorwurf: Wenn
ich dir den Sklaven Stichus gebe, damit du irgend-
wann einmal etwas für mich tust — z. B. deinen
Sklaven Pamphilus freiläßt — und du darauf den
Pamphilus freiläßt, Stichus aber evinziert wurde,
sagt Julian dazu, es müsse eine actio in factum ge-
geben werden; nach Maurician aber muß eine actio
praescriptis verbis gegeben werden.
69 Bei den bf. Synallagmata erhalten diese (pacta)
aber den Namen „pactum" im engeren Sinne zuge-
teilt. Entweder bildet es (das pactum) selbst sogleich
mit Vertragsschluß, entsprechend den bf. Synallag-
III. EIN BISHER NICHT ERKANNTER STEPHANUSTEXT: PSI 55. 173

mata, eine Klage, oder bei späterem (nach der Kon-


traktsvereinbarung liegenden) Abschluß gewährt es
dem Beklagten eine Einrede und dem Kläger eine
Replik.
^scXsseneTsynXgmare72 Wenn aber einer es
unternimmt, etwas einzu-
•ondum secuta (wirkt) klagen auf Grund eines nicht unter die bf. fallenden
Synallagma, bedeutet das, daß mittels des pactum
die Klage von Anfang an erweitert wird ?
Insofern muß Aristo sagen, daß es (das pactum)
die Klage zuweilen zu erweitern vermag, zuweilen
aber nicht.
76 Z. B., wenn einer auf Grund eines Darlehns eine
Klage anhängig macht und auf die Zinsen paktiert
worden war, steht ihm keine Zinsklage zur Verfügung.
Es bleibt ein pactum nudum, wenn auch von vorn-
herein auf die Zinsen und das Kapital paktiert wurde.
79 Dieser Fall (der Klageerweiterung auf die Zinsen)
tritt offenbar ein, wenn sich eine Stipulation anschloß ;
oder wenn Geld als Darlehn hingegeben wurde und
man ohne Zinsstipulation übereinkam, (wie es) viel-
leicht unter Verwandten abgesprochen wird oder wenn
danach das für das überlassene Darlehnskapital als
Sicherheit hingegebene Faustpfand das (Zins-) pactum
unterstützt, daß auf diese Weise es (das pactum)
Rechtswirksamkeit erlangen kann.
85 Die nach ( = ex intervallo) Kontraktabschluß auf
Grund eines pactum nudum begründeten Einreden
dienen meist nur dem Nutzen des Beklagten; niemals
vermag aber ein pactum ex intervallo die Klage zum
Nutzen des Klägers zu verwandeln.
90 Es wandelt aber die Klage auch ein pactum ex
ve^aufre^ccjndum lecuta oder intervallo. Papinian respondiert, daß es bekannt ist
Kt r fwite echselun8 beim Kauf und den übrigen bf. Klagen re nondum
secuta, daß ein Rücktritt von dem ganzen Kontrakt
durch ein pactum bewirkt wird; und nicht nur von
dem ganzen, sondern auch von einem Teil des Kon-
traktes. Eine Auswechselung (novatio ?) des Kontrak-
174 N E U E TEXTE

tes kann von einem pactum bewirkt werden. Z. B.,


damit ich nicht den ganzen Acker, sondern einen Teil
von ihm gekauft zu haben scheine, komme ich ge-
meinsam (mit dem Verkäufer) überein, zurückzu-
treten und vielleicht die Hälfte des (zuvor) verkauften
Ackers re nondum secuta um 500 statt um 1000 Gold-
stücke zu erhalten; ich scheine dann von dem anderen
(auf den gesamten Acker gerichteten Kauf-)Kontrakt
zurückzutreten, und es entsteht eine Einrede für den
Beklagten.
101 Eine Einrede und Gegeneinrede in uneigentlicher
Bedeutung ist entstanden.
Z. B., wenn ich, der Verkäufer, den dir verkauften
Acker in Höhe eines Fünftel vorenthalte und du mir
die Einrede entgegenhältst, daß ich verpflichtet bin,
für den Acker den Kaufpreis anzunehmen und dir
den Acker insgesamt zu überlassen, (so) kann ich (der
Verkäufer) in diesem Falle auf Grund des später ge-
schlossenen pactum eine (Gegen) einrede geltend
machen.
106 Ich nenne sie aber eine Einrede im uneigentlichen
Sinne, da ein Teilrücktritt re nondum secuta vorliegt.
Z. B., wenn ich auf das für 100 Goldstücke (bereits)
Verkaufte nochmals paktiere; und zwar auf einen
höheren oder niedrigeren Preis paktiere, als verkauft
ä o f d ^ S r n t s t n d e n worden war - wenn nämlich das (erste) pactum re
S Ä I ^ e g ™ nondum secuta geschlossen worden war - , so gilt
ich sie (die Einrede) uneigen.- ^ K a u f g l d c h a k o b der erstg n i c h t existent

geworden sei, wie du im 18. Buch finden wirst.


Deswegen nun behaupte ich, sie (die Einrede) sei
uneigentlich: wenn nämlich der Kauf gleichsam ganz
und gar als erneuert gilt, so scheint der erste Kauf
— sei es, daß er in ihm (dem Kauf) enthalten ist oder
in ipso iure — aufgehoben zu werden.
114 Man könnte annehmen, daß das bei jeder der
beiden (möglichen) Erwägungen (Verminderung —
Vermehrung der Leistung) paßt, auch nämlich für die-
III. EIN BISHER NICHT ERKANNTER STEPHANUSTEXT: PSI 55. 175

jenigen pacta, die durch eine Vermehrung (der Sach-


oder Preisleistung) einen unter Konsens geschlossenen
Kontrakt re nondum secuta auflösen, und sie (die
pacta) nützen in Hinblick auf die Klage.
Durch die Vermehrung kann begreiflicherweise
die (ursprüngliche) Sachleistung (-spflicht) aufgehoben
werden, die Klage wird umgeformt und der Kontrakt
scheint auf irgendeine Weise erneuert zu werden.
118 Z. B. ist für den gleichen Kaufpreis, wie wenn nur
4
/ 6 des Ackers verkauft worden, der ganze Acker ver-
kauft worden, so kann aus dem vereinbarten (zweiten)
über unwirksame pacta pactum geklagt werden, nicht aber wenn der Acker
(oder der Kaufpreis) bereits (auf Grund des ersten
Kaufes) übergeben wurde.
121 Z. B. ist der Käufer gestorben. Wenn aber wegen
der verkauften Sache einer (seiner) beiden Erben mit
dem Verkäufer auf den Rücktritt von dem (Kauf-)
Kontrakt re nondum secuta paktiert, scheint der Ver-
käufer von dem ganzen Kauf zurückzutreten, und auf
Grund des Gesetzes wirkt es für ihn (den zurück-
tretenden Erben), nicht aber gegen den anderen (der
beiden Erben), da vielleicht (gegenüber dem nicht
zurückgetretenen Erben) in Hinblick auf den Kontrakt
es möglich war, auf ein Darlehn zu paktieren, so daß
nur von ihm (dem zurückgetretenen Erben) nicht (die
Kaufpreisschuld) gefordert werde und auf Grund des
pactum eine Einrede vorhanden ist.
129 Der Praetor sagt: der Zweck der unter gemein-
samen Konsens geschlossenen pacta werde erhalten;
ein pactum werde nicht erhalten, wenn einer (der
Paktierenden) gegen einen Senatsbeschluß, ein Dekret
oder Edikt verstößt. Nach der getroffenen Verein-
barung habe ich nämlich nicht von dem einen unserer
beiden Erben (den Kaufpreis) gefordert, . . . da
(sie) auf ein pactum in personam paktierten . . . ( ? )
176 NEUE TEXTE

IX. T E I L

AUSWERTUNG DES PAPYRUS

i. INHALT, RECHTSQUELLEN1 UND RECHTLICHE AUSWERTUNG DES


PAPYRUS

Zeile i—3
Hier ist die Rede davon, daß einer Darlehnsstipulation die stillschwei-
gende Bedingung innezuwohnen scheine, daß, wenn die Darlehnszinsen
nicht bezahlt werden, das Kapital vorzeitig zurückgefordert werden kann.
Dieser Inhalt entspricht im großen und ganzen D. 2,14, 4, 3, formuliert
jedoch positiv, was die Digestenstelle negativ bringt. Während es dort heißt,
das Kapital könne nicht zurückgefordert werden, solange die Zinsen ge-
leistet werden, formuliert der Papyrus gerade umgekehrt, das Kapital könne
zurückgefordert werden, wenn die Zinsen nicht bezahlt werden. Diese Um-
kehrung der Digestenversion, wie sie PSI 55 aufweist, bringt Scholion
EtteiSt]"2 als Ergebnis einer längeren Interpretation. Von dort dürfte
daher unsere Papyrusstelle entnommen sein.
Der Papyrus spricht hier zwar nicht ausdrücklich von einer Zinsstipu-
lation, doch ist eine solche — neben der üblichen Darlehnsstipulation —
grundsätzlich erfoderlich, wenn die Zinsen klagbar sein sollen3. Daher ist
anzunehmen, daß der Ausdruck £TrepobTT|cns ( = stipulatio) sich hier auch
auf die Zinsvereinbarung bezog.
Der Ausdruck üicoTTTipct ccipecns4 (stillschweigende Bedingung) in un-
serer Papyrusstelle stimmt bei einem Vergleich mit den Digesten nachdenk-
lich. „Zicoirripd capecns" = „tacita condicio" fehlt hier in § 3 der Digesten.
Er ist überhaupt sehr selten in den Pandekten. Nur insgesamt zweimal

1 Die Rechtsquellen werden hier grundsätzlich nur wiedergegeben, wenn sich dies

für die rechtliche Auswertung des Papyrus als erforderlich erweist. Im übrigen wird
auf die sehr umfangreiche Zusammenstellung und Wiedergabe des Quellenmaterials zu
P S I 55 auf de Francisci, Ist. Lomb. Vol. X L V (1912), 209ff. verwiesen, die trotz ihres
Umfanges in einigen hier wesentlichen Punkten nicht vollständig sind.
2 Scheit. I, 180 f.

3 Vgl. Zeile 76—79.

4 Die in diesem Teil der Arbeit gebrachten Ausschnitte aus dem Papyrustext

werden ohne textkritische Zeichen angeführt, insb. werden die die Ergänzung anzei-
genden rechteckigen Klammern [ ], sowie die eine Abkürzung bezeichnenden runden
Klammern ( ) und die unter einzelne Buchstaben als Zeichen einer unsicheren Lesung
gesetzten Punkte (z. B. a) als hier unnötig fortgelassen.
III. E I N B I S H E R N I C H T E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : P S I 55 177

findet er sich hier5, und zwar in D. 4 0 , 1 , 1 5 bei Marcellus: „propter mortis


causae tacitam condicionem" — also wegen einer stillschweigenden Be-
dingung auf den Todesfall, und in D. 23, 3, 68 bei Papinian: „dotis promissio
futuri matrimonii tacitam condicionem" — als Versprechen eines Heirats-
gutes unter der stillschweigenden Bedingung einer künftigen Ehe. Marcellus
wird der hochklassischen, Papinian der spätklassischen Zeit zugerechnet.
Man könnte daher schließen, daß seit dieser Zeit die „stillschweigende Be-
dingung" bekannt gewesen ist. Beide Stellen gelten aber als unbezweifelt
interpoliert 6 . Erst die Byzantiner kannten eine „condicio tacita" 7 . Dieser
Ausdruck wird daher erst durch Tribonian in die Digesten eingefügt sein.
Abgesehen davon wurde selbst zur Zeit der Kompilation der Digesten von
diesem Terminus noch sehr sparsam Gebrauch gemacht, wie sich aus den
nur 2 nachweisbaren Belegen der „condicio tacita" in den Digesten ergibt.
In dem unserer Stelle verwandten Basilikenscholien taucht das Synonym
für „condicio tacita" dagegen mehrfach auf 8 , wie es überhaupt ein in den
Basiliken häufig verwendeter Begriff ist. Die Verwendung dieses Ausdrucks
im Papyrus an dieser Stelle, während er im gleichgerichteten Digestentext
fehlt, bietet einen gewissen Anhalt dafür, daß der Papyrus zeitlich nach der
Kodifikation einzuordnen ist.

Zeile 3—6
In diesen Zeilen liegt der systematische Mittelpunkt des gesamten fol-
genden Papyrustextes. Hier wird nämlich die Einteilung der pacta in
„pactum publicum", „pactum legitimum" und „pactum iuris gentium"
getroffen, die für den weiteren Verlauf des Papyrus maßgebend bleibt.
Das Ulpianzitat — ersichtlich aus dem Lemma „ulp." — teilt die pacta
in 3 species ein, und zwar zuerst in „pactum publicum" und „pactum
privatum"; danach nochmals, das „pactum privatum" in das „pactum legi-
timum" und das „pactum iuris gentium".
Parallel mit dem Papyrustext laufen D. 2, 14, 5 und der Basilikenhaupt-
text „OuXtt." (Bas. 1 1 , 1 , 5)®, sowie die dazu gehörigen Basilikenscholien 10 .

5Vgl. Voc. Iurisprud. Rom. unter diesem Terminus.


6Für D. 40, 1, 50 Biondi und Krüger, für D. 23, 3, 68 Kaden; vgl. Ind. Inter-
polationum.
7 Jörs-Kunkel, Rom. Recht, 3. Aufl., S. 84 Anm. 5 und die dort zitierte Literatur.

8 Basilikenhaupttext „TTccüA." Heimb. I, 555; Schol. „'EtteiSti" Scheit. I, 180 Zeile


28; Schol. „na? t(kt€i" Scheit. I, 183 Zeile 29.
9 Heimb. I, 557. " Scheit. I, i 8 4 f . ; Heimb. I, 5 5 7 I

12 Altheim-Stiehl, Christentum I
178 NEUE TEXTE

Zu drei Arten (species) von pacta, wie Ulpian, kommt man nur, wenn
man die Gattungen (genera) „pacta publica" und „pacta privata" mit den
Arten (species) des „pactum privatum", nämlich dem „pactum legitimum"
und „pactum iuris gentium" durcheinanderbringt. Daß es sich bei dieser
Vermengung von Gattung (genus) und Art (species), um einen der Syste-
matik widersprechenden Fehler handelt, ist offensichtlich.
Diese Einteilung Ulpians scheint in byzantinischer Zeit, trotz seiner
allerseits anerkannten Autorität, nicht unbestritten gewesen zu sein, wie
sich aus einem Ausschnitt aus Scholion ,,'H Kovßevricov"11 entnehmen
läßt. Danach wird ein angenommener Zweifler, der behauptet, es gäbe nur
zwei Gattungen von Verträgen — nämlich die öffentlichen und die privaten
Verträge — mit folgendem Argument belehrt: Die privaten Verträge hätten
in sich keinen Bestand und spalteten sich von vornherein in die „conventio
legitima" und „iuris gentium". Was sich aber teile, um anderes zu be-
gründen (conventio legitima—c. iuris gentium), habe in sich keinen Be-
stand, sondern werde, indem es durch die Teilung konsumiert werde, be-
seitigt. Die Argumentation schüeßt mit der rhetorischen Frage: teilt man
also nicht den Vertrag in 3 species, in die „conventio publica", „legitima"
und „iuris gentium" ?
Diese Argumentation mutet gesucht und keineswegs überzeugend an.
Man wird sie unter dem Gesichtspunkt zu verstehen haben, daß die byzan-
tinischen Schriftsteller gegenüber den Klassikern — (Ulpian ist Spät-
klassiker, wirkte zu Anfang des 3. Jhdt.) — eine gewisse Autoritätshörig-
keit, verbunden mit einer dadurch verursachten Beeinträchtigung der Kri-
tikfähigkeit, zeigen und daher selbst Fehler ihrer großen Vorgänger vertei-
digen. Nach der in Scholion ,,'H kov^evticov" gegebenen Begründung kann
als Ursache nicht, wie es etwa bei Ulpian selbst in Frage kommen könnte,
die mystische Vorstellung der Dreizahl eine Rolle gespielt haben.
Für Ulpian selbst, dem die systematischen Begriffe „genus" und
„species" sicher aus der Philosophie und Rhetorik bekannt gewesen sind,
drängt sich hingegen der Gedanke auf, daß für seine verfehlte Dreiteilung
andere Ursachen als ein bloßer Irrtum maßgebend gewesen sind.
Bei ihm finden sich nämlich systematisch willkürliche Dreiteilungen an
einer Vielzahl von Stellen 12 .

11
Scheit. I, 184 Zeile 4—9.
12
Henry Goudy, Trichotomy in Roman Law, Oxford (1910), i8ff.
I i i . E I N B I S H E R NICHT E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : PSI 5 5 . 179

So in D. 1 , 1 , 1 , 2: „privatum ius tripertitum est: . . . ex naturalibus


praeceptis aut gentium aut civilibus" (vgl. auch Inst. 1 , 1 , 4). Demgegen-
über teilt Gaius das Privatrecht in zwei Teile ein: ius gentium und ius civile
(Gaius Inst. 1, i) 1 3 . Oder: Ulpians willkürliche Dreiteilung des Personen-
standes in Inst. 1 , 5 pr.: „ . . . iure gentium tria genera hominum esse
coeperunt, liberi et his contrarium servi et tertium genus libertini. . .";
die Dreiteilung des öffentlichen Rechts, D. 1, 1, 1. 2:
„publicum ius in sacris, in sacerdotibus, in magistratibus constitit. . ."
Neben dieser Auswahl lassen sich noch zahlreiche weitere Beispiele für
Ulpians merkwürdigen Hang zur Dreiteilung finden14. Diese Vorliebe für
die Dreizahl findet sich jedoch nicht nur bei Ulpian, wenn auch nur bei
diesem so ausgeprägt, sondern auch bei anderen Schriftstellern der spät-
klassischen Periode, insbesondere bei Paulus 15 , ja sie läßt sich sogar bis
Justinian und Tribonian verfolgen16.
Aber nur bei Ulpian geht diese Neigung soweit, daß man nahezu sagen
kann, dort wo Ulpian die Einteilung einer Institution in „genera" und
„species" bringt, man erwarten kann, sie dreigeteilt zu finden, wenn immer
es der Gegenstand zuläßt oder dazu gezwungen werden kann 17 .
Der Grund hierfür ist in der symbolischen Vollkommenheit zu sehen, die
die Römer der pythagoreischen Drei zumaßen18, daher findet sich gerade
bei Ulpian und auch Paulus, von denen man annimmt, daß sie Anhänger
der stoischen Philosophie gewesen sind19, diese Erscheinung besonders aus-
geprägt.
Neben dem Einfluß, den die von den Stoikern übernommene Zahlen-
mystik auf sie ausübte, waren Klassifikationen und Definitionen nicht ge-
rade die starke Seite der römischen Juristen20, ja es ist sogar zu beobachten,
daß die allermeisten Definitionen der älteren Juristen überaus mangelhaft
sind21.
13
Vgl. auch Kniep, Gai. Inst., Kommentar S. 9 9 , Jena ( 1 9 x 1 ) .
14
Oben, Anm. 1 2 .
15
Oben, Anm. 1 2 , S. 1 8 , dortige Anm. 1.
18
Ebrard, Die Entstehung des Corpus Iuris nach den acht Einführungsgesetzen
des Kaisers Justinian, Schweizer Beiträge zur Allg. Geschichte, Aarau (1947), 39;
Goudy, Anm. 1 2 , S. 1 8 .
17
Oben, Anm. 1 2 , S. 1 8 .
18
Vgl. Ebrard, a. a. O., 3 9 ; Goudy, a. a. O., 1 8 .
19
Goudy, a. a. O., S. 1 8 und Anm. 1.
20
Goudy, a. a. O., S. 7 7 .
21
Savigny, System II, Beilage VI, S. 5 0 8 .
12«
180 NEUE TEXTE

Daher ist es nicht zu verwundern, daß Ulpian — der systematisch rich-


tigen Zweiteilung der Konventionen in die Gattungen (genera) „conventio
publica" und „conventio privata" mit der Unterteilung der letzteren in
die Arten (species) „conventio légitima" und „iuris gentium" — eine ver-
fälschte Dreiteilung in species vorzieht. — Schon Cuiacius stößt sich an
dieser ulpianischen Dreiteilung und hält ihr eine Vierteilung der Konven-
tionen eines gewissen M. Varrus entgegen22.

Zeile 6—7
Die in einem wesentlichen Punkte ergänzte Stelle besagt, daß die zuvor
(Zeile 3—6) getroffene Einteilung der Konventionen in „pacta publica"
und „pacta privata" nach ihrer Wirkung, nämlich auf den privaten oder
den öffentlichen Interessenkreis, erfolgt.
Diese Bemerkung hat einen dogmatisch-lehrhaften Charakter. Sie findet
sich weder in den Digesten noch in den Basilikenscholien wieder.

Zeile 7—9
Hier wird — der systematischen, zuvor dargelegten Reihenfolge nach —
auf das „pactum publicum" eingegangen. Ein solches liege vor, wenn krieg-
führende Feldherrn miteinander einen Friedensvertrag abschließen.
Diese Stelle des Papyrus ist eine wörtliche Wiedergabe von D. 2,14, 5
letzter Satz. Der Basilikenhaupttext „ O ü A t t . " (Bas. Heimb. I , 557) hat
zwar den gleichen Gegenstand, weicht in der Wiedergabe aber stark von
PSI 55 ab. Verkürzt findet sie sich auch in Scholion „KupiAAou" (Scheit. I,
184 Zeile 14) : „Poublicon Sé êcrn t ô Tfjs EÎpr|VT]s"; femer in Scholion „Tcov
cnj|icpcbvcov" (Scheit. I, 184 Zeile i5f.): „Tcov crun<pobvGOV Ta ÈÇ aî-
TÎas SîipoCTÎaç eicri, olov . . . . oi orpcrrriyol ÊKorépcov crrparicov ovnq>covr|-
acoai". Die beiden letzten Basilikenstellen sind zwar inhaltlich mit unserem
Papyrus verwandt,'weichen aber in der Form der Wiedergabe stark von ihm ab.
Zeile 7—9 ist das einzige Beispiel zum „pactum publicum". Aus dieser
knappen Behandlung der Materie geht hervor, daß hier die byzantinische
Jurisprudenz keine Probleme sah, die der Erörterung wert gewesen wären.

Zeile 9—11
Sie bringen eine Definition des „pactum legitimum". Als legitim wird
ein pactum bezeichnet, das durch ein Gesetz im eigentlichen Sinne oder
einen Senatskonsult bestätigt wird. Es erzeugt eine Klage oder beseitigt sie.

22 Cuiacius, Observât, libri XVII, Colonia (1578), S. 825.


III. E I N B I S H E R N I C H T E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : P S I 55 181

Die Papyrusstelle ist eine nahezu wörtliche Wiedergabe von D. 2, 14, 6,


jedoch in kürzerer und prägnanterer Fassung. Die zwei Sätze des Digesten-
textes werden hier in einem zusammengefaßt. Ferner läuft sie parallel mit
Scholion „KupiAAou" (Scheit. 1,184 Zeile 13—14). Das erklärende Adjektiv
„iSiKOÜ" zu vöjjiou — hier mit Gesetz „im eigentlichen Sinne" wieder-
gegeben •—• findet sich im Basilikenhaupttext 23 , sowie in den dazugehörigen
Basilikenscholien (Scheit. 1,186 Zeile 5—7): „[Zrinaicocrai,öti], kocv yiAa gocti
CTUH9GOVOC ai Kovßevrioves od idixov vöfiov, 6|icos Kai tIktouctiv Kai
ctvaipoÜCTiv aycoyfiv Sia t ö ££ Idixov vöfiov KupoüaOca."
Scheit. I, 186 Zeile 1 — 2 : KupiAAou. Aeymiiov t ö iSixcö vo^co Kupou-
nevov f) S ö y i i a n • t o ü t o y ä p Kai tIktei Kai avaipei ä y « y f | v . Das Scho-
lion aus Kyrill steht in diesem Fall — inhaltlich und in der Form —• unserer
Stelle mindestens ebenso nahe, wie die Digestenstelle.
Ein pactum ist also als legitim anzusprechen, wenn es auf einem Gesetz
im eigentlichen Sinne oder einem Senatskonsult beruht. In Gegensatz ge-
stellt ist „Gesetz im eigentlichen Sinne" und das „senatusconsultum". Es
läßt sich daraus schließen, daß, obwohl man die senatus consulta unter die
Gesetzesquellen rechnete24, man sie doch von den Gesetzen im eigentlichen
und engeren Sinne trennte.
Zu den Gesetzen im engeren Sinne rechnete man in klassischer Zeit die
lex rogata, das plebiscitum und, ab Konstantin, auch die Kaisergesetze, die
der Kaiser als einziges Gesetzgebungsorgan erließ.
Durch das „ISikös" wird in unserem Papyrus und in den Basiliken-
scholien der Unterschied zwischen den Senatskonsuiten und den Gesetzen
im eigentlichen Sinne schärfer herausgearbeitet, als es in den Digesten ge-
schieht.
Daß „pactum legitimum" im Sinne des „ius civile" aufzufassen ist, be-
weist das in Zeile 11 ff. hierzu angeführte Beispiel, das von dem Zwölftafel-
Gesetz spricht; daß es aber auch im Sinne des byzantinischen Standpunkts
die Kaisergesetze miteinbezog, ergibt sich aus Zeile 23, wo von ,,al 61a-
•ra^Eis" die Rede ist. Die alleinige Festlegung des „pactum legitimum"
auf die späte Kaisergesetzgebung, wie es die heutige Lehre tut, ist recht
anfechtbar und hier — wie der Papyrus beweist — jedenfalls fehl am
Platze.

23 „nccöA." Heimb. I, 558.


24 D. 1, 3, 9: ,,non ambigitur senatum ius facere". Gai. 1, 4: „Senatusconsultum
est, quod senatus iubet atque constituit"; vgl. Kniep, Gai. Inst. Komm. S. 102.
182 NEUE TEXTE

D. 2 , 1 4 , 6, wo das „pactum legitimum" im gleichen Sinne behandelt


wird, ist der Name „Paulus" praeskribiert. Paulus, der in der 1. Hälfte des
3. Jahrhunderts wirkte, kann dem „pactum legitimum" im obigen Sinne,
das also auch die Kaisergesetze umschließt, nicht diesen Bedeutungsinhalt
gegeben haben. Dieser Begriffsinhalt des pactum legitimum, der auch die
vom Kaiserrecht der Spätzeit als klagbar anerkannten pacta erfaßte25, kann
der Paulusstelle erst durch die Byzantiner untergeschoben sein. Doch ist es
m. E. zu weitgehend, wenn Pernice annimmt, daß die gesamte Stelle nicht
von Paulus herrühren kann26. Lediglich der Begriffsinhalt dürfte sich ver-
schoben haben, oder genauer: weiter geworden sein.
Ob man die durch das Honorarrecht für klagbar anerkannten formlosen
Verträge, die sog. „pacta praetoria"27 auch unter die pacta legitima rechnen
darf, wie es Noodt tut28, indem er sie unter den in D. 2, 14, 6 enthaltenen
Begriff „lege" subsumiert, wobei er sich auf D. 38, 8 , 1 , 2 beruft, erscheint
mir zweifelhaft.
Wenn in D. 2 , 1 4 , 6 schon ein gewisser Gegensatz zwischen „lex" — im
Papyrus und den Basilikenscholien sogar „iSikos vöpios", also „Gesetz im
eigentlichen Sinne" — einerseits und „senatusconsultum" andererseits
empfunden wird, so muß dies erst recht für „lex" im Verhältnis zum
Honorarrecht gelten.
Wenn das Honorarrecht als „legitim" in dem hier gemeinten Sinne be-
zeichnet worden wäre, hätte es neben den „senatusconsulta" erwähnt sein
müssen, da es gewiß nicht als „iSivcös v6|jos" vom Standpunkt der byzan-
tinischen Dogmatik verstanden werden konnte.
In Zeile 9 ff. wird von dem pactum legitimum gesagt, es erzeuge eine
Klage oder beseitige sie.
Im ersten Falle, wo dem pactum legitimum die Eigenschaft zugelegt
wird, es erzeuge eine Klage, könnte es sich um auf dem „ius civile", dem
späten Kaiserrecht29 und Senatuskonsulten basierenden pacta handeln,
ferner aber auch um Nebenabreden (pacta adiecta), die nach bona fides zu

25
Schenkungsverträge bis zu 300 solidi (C. 8, 53, 36, 3); Zusage einer dos (C. 5,
1 1 , 6); in gewissem Sinne ein auf pactum beruhendes compromissum (C. 2, 55, 5 pr.);
paktierte Zinsen für Geldverleiher (Nov. 136, 4).
26
SZ 9, 198.
27
Jörs-Kunkel, RöR., 189 Anm. 12.
28
De pactis, cap. 13, 520 bei Glück, Pandekt. 4, 278 Anm. 24 zit.
29
Oben, Anm. 25.
II. E I N B I S H E R NICHT E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T PSI: 55 183

beurteilen sind, da für Abmachungen dieser Art auch der Terminus „lex",
in der Bedeutung „Klausel eines Rechtsgeschäfts" benutzt wird30.
Die klagevernichtende oder Passivwirkung des pactum, die etwa unserer
heutigen prozessualen Einwendung entspricht, dürfte auf die Prozeßrechts-
stellung des Beklagten hinweisen, der damit ein Mittel in der Hand hatte,
sich auf Grund des pactum legitimum zur Wehr zu setzen und die Klage zu
Fall zu bringen.
Als Beispiel für die klagevernichtende Wirkung eines pactum zählt das
Basilikenscholion aus Anonymus31 auf: die actio iniuriarum, furti und hypo-
thecaria.

Zeile 11—15
Die Stelle erklärt das „legitimum" zu dem Begriff „legitimum pactum"
an Hand eines Beispiels. Des Anschlusses wegen ist auf die Zeilen 9—10
zurückzugreifen. Danach sind „legitima pacta" solche, die von einem Gesetz
im eigentlichen Sinne oder einem Senatskonsult bestätigt werden, gerade
wie legitimi tutores solches sind, die nicht durch Testament, sondern
durch das Zwölftafel-Gesetz bestätigt werden.
D. 2 , 1 4 und die parallel gerichteten Basilikenstellen behandeln diesen
Gedanken nicht. Vergleichbar ist D. 26, 4 , 1 pr.: „Legitimae tutelae lege
duodecim tabularum adgnatis delatae sunt". Die Parallelstelle dazu fehlt
in den Basiliken. Noch näher steht Inst. I, 15, 1 pr.: „ex lege duodecim
tabularum adgnati sunt tutores, qui vocantur legitimi".
Diese Institutionenstelle dürfte hier zugrunde gelegen haben und für die
Erklärung der „legitima pacta" benutzt worden sein. Daraus ergibt sich,
daß das legitimum pactum das ius civile umfaßte, aber nicht nur das ius
civile, wie aus den in Zeile 15 ff. und 21 ff. hierzu gewählten Beispielen her-
vorgeht.
Sprachlich fällt die Verbindung KT]Se|aöbv öp<pavEUO|i£VGOv (Zeile 13) auf.
Der dem Begriff „tutor" entsprechende Ausdruck im Griechischen ist
eigentlich „¿TrnpoTros", stattdessen wird der gemeinsame Oberbegriff für
„tutor" und „curator" „Kr|8e|jcbv"32 benutzt. Da die Ergänzung „agnatoi
tcov ¿pcpa] vsvoiisvGov" richtig sein dürfte, wird hier KriSeiicov allein

30
Condanari-Michler, R E 36 Sp. 2148 unter „pactum" und die dort angegebene
Literatur.
31
Scheit. I, 186 Zeile 3—4.
32
Mitteis, Chrest., Grundzüge 248 f.
184 NEUE TEXTE

auf die tutela beschränkt. Es muß dies jedoch nicht der Ansicht Mitteis'
widersprechen, der in der Kr)6s|iovia eine Pflegschaft im weitesten, über
die technische tutela inpuberum hinausgehenden Sinne versteht33. Exakter
wäre hier allerdings eTTiTpoTTOS.
Aus der ergänzten Stelle (Zeile 15) ist zu entnehmen, daß die Zwölftafeln
den Agnaten ursprünglich nur die Verwaltung des Vermögens der impuberes
übertragen. Erst die ausdehnende Rechtsanwendung der nachfolgenden
republikanischen Zeit hat dies wohl zu einer direkten Berufung der Agnaten
als tutores der impuberes erweitert.

Zeile 15—20
Sie bringen ein weiteres Beispiel des pactum legitimum. Wenn die Er-
gänzung richtig ist, handelt es sich um eine Zinsklage aus einer arrha34, die
einem bf. iudicium re nondum secuta angefügt (pactum adiectum) war. Der
Käufer hatte die arrha erlegt, ohne daß von einer der beiden Vertrags-
partner eine Leistung aus dem Kontrakt erbracht worden war. Aber nicht
der Käufer, sondern der Verkäufer war von dem Kaufkontrakt (schuld-
haft ?) zurückgetreten. Der Käufer konnte daher die arrha im Rahmen des
bf. iudicium zurückverlangen35; ferner aber auch paktierte Zinsen auf die
arrha für die Zeit, in der der Verkäufer den Nutzen von ihr hatte.
Da unsere Stelle hier nach der Systematik des Papyrus unter der Rubrik
des „pactum legitimum" läuft, dürfte die Zinsklage eine spezielle gesetz-
liche Regelung gefunden haben, die im Corpus Iuris zu ermitteln mir jedoch
nicht möglich war. Für eine Vermutung, daß Zinsen dieser Art ohne ein
solches pactum allein schon auf Grund der bona fides in Anlehnung an das
Hauptgeschäft zu gewähren waren, bietet sich in den Quellen kein Anhalt.
Damit steht eine solche Möglichkeit der hier gegebenen Auslegung der
Stelle nicht im Wege.
Eine inhaltlich mit Zeile 15 ff. übereinstimmende Digestenstelle läßt sich
an Hand des Voc. Iurisprud. Rom. nicht ermitteln. Die einzige Stelle, die
ein „re nondum secuta" bei der emptio-venditio behandelt, ist D. 2, 14, 7, 6.
Dort ist aber lediglich ein Fall gebracht, der sich mit Abreden beschäftigt,
33
Oben, Anm. 32, S. 249.
34
Vgl. die Monographie zur „arrha": L'arra della compravendita in diritto greco
e in diritto Romano, Mario Talamanca, Milano (1953): Ihr Wert in dem hier gegebenen
Zusammenhang liegt wesentlich in der Zusammenstellung der Quellen, insb. zur justi-
nianischen (S. 79—88) und byzantinischen Periode (S. 89—96).
35
D. 19, 1, 1 1 , 6 und D. 14, 3, 5, 15.
III. E I N B I S H E R N I C H T E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : PSI 55 185

die n a c h Abschluß des Kaufvertrages getroffen wurden. Abreden dieser


Art, die als „pacta ex intervallo" anzusprechen sind, gewähren lediglich
eine exceptio aber keine Klage wie in unserem Falle, wo es sich ja um ein
„pactum ex continenti" handelt. Diese Stelle ist daher hier nicht brauch-
bar.
Selbstverständlich bleibt das Synallagma ein Vertrag re nondum secuta,
auch wenn eine arrha geleistet wurde (C. 4, 45, 2). Nicht ausgeschlossen
wäre auch eine Lösung dieser Stelle über Aristos, allerdings umstrittene,
Auffassung, wonach ein Vertrag re nondum secuta auch vorliegt, wenn die
von einer Seite erbrachte Leistung zurückerstattet wird (D. 2, 14, 58 Satz 2).
Ob dann aber auch Zinsen beansprucht werden können für die Zeit, in der
der Vertragspartner unberechtigt (?) den Nutzen aus der Leistung des
Gegners zog, ist ungeklärt und daher fraglich.

Zeile 21—27
Erläutert wird hier der Begriff des „pactum", speziell eines „pactum
nudum" an Hand eines Beispieles. Gegenstand sind Vereinbarungen (pacta),
die Mitglieder der Korporation der Schiffsfrachtunternehmer miteinander
treffen; angeführt wird dafür konkret: die Vollmachtsbestellung und die
Aufhebung des Gesellschaftsvertrages. Diese partiellen pacta hängen
wiederum von der Gültigkeit des Gesellschaftsvertrages ab, der erst durch
die Genehmigung von Seiten des Staates Rechtswirksamkeit erlangt. Die
Genehmigung des Gesellschaftsvertrages erfolgt durch Senatsbeschluß, wo-
mit er „legitim" wird, d. h. rechtswirksam und klagefähig.
Zum Verständnis dieser Stelle (Z. 21—27) ziehe man die Digestentitel
„Quod cuiuscumque universitatis nomine vel contra eam agatur" (D. 3, 4)
und „ D e collegiis et corporibus" (D. 47, 22), sowie die entsprechenden Basi-
likenstellen, B. 8, 2 , 1 0 1 — 1 1 0 und B. 60, 3 2 , 1 — 4 heran. Auf einzelne
Quellenbelege wird, soweit notwendig, im weiteren Verlauf eingegangen.
Der in unserem T e x t zu findende Terminus „vocuKXr|poi" entspricht
dem lateinischen „navicularii". Die navicularii waren in staatlich kon-
zessionierten Zwangsinnungen zusammengefaßt. A b der „lex Julia de
collegiis" unter Augustus bedurfte jeder personenrechtliche Zusammen-
schluß 36 der Genehmigung des Senats, die nach Einholung des kaiserlichen

36 Societas = iTcnpia, iTcapa(—pr]ir|); collegium = ovcttt]hcx — in dieser Be-


deutung in Zeile 23; corpus =CTCOlJotTelov;vgl. zur Begriffsgleichordnung B. 8, 2, 101,
Scheit. I, 166, Schol. 3 — Heimb. I, 419.
186 NEUE TEXTE

Konsens (ex auctoritate Augusti) erfolgte 37 . Es war nicht jedem gestattet,


eine Gesellschaft, einen Verein oder eine Korporation zu bilden (D. 3, 4, 1
pr.: „Neque societas neque collegium neque huismodi corpus passim Omni-
bus habere conceditur") 38 . Nur in wenigen Fällen erfolgte eine Konzessio-
nierung, die wohl in Form einer Einzelgenehmigung erteilt wurde (D. 3, 4, 1
pr.: „paucis admodum concessa sunt . . .;" B. 8, 2, 101 „'Epurjveia":
i S i K c ö s E T T i T e T p c r r r r a i 3 9 . Die Genehmigung erfolgte in der Regel dann, wenn
es sich um eine dem Staate nützliche Vereinigung handelte (bei Asconius in
Cornel. 75: „quae utilitas civitatis desiderasset")40. Die navicularii, denen
die Herbeischaffung von Lebensmitteln aus den Provinzen zur Versorgung
Roms oblag 41 , waren demnach solche dem Nutzen des Staates dienende
collegia und wurden daher auch durch den Senat und — wie es scheint in
der Zeit nach Augustus — auch durch constitutio des princeps tatsächlich
genehmigt (D. 3, 4 , 1 pr.: „ . . . collegia . . . senatus consultis atque consti-
tutionibus principalibus confirmatum est, veluti. . . naviculariorum").
Collegia der Schiffsfrachtführer muß es in Rom, wie in den Provinzen ge-
geben haben (D. 3, 4 , 1 pr.: „ . . . naviculariorum, qui et in provinciis sunt").
— Nach der Trennung des Ostreichs von Rom dürften diese Collegia für
Byzanz die gleiche Rolle gespielt haben wie zuvor für Rom.
Bei den collegia naviculariorum handelte es sich also um statthafte Zu-
sammenschlüsse (collegia licita), die im Gegensatz zu den unstatthaften
Vereinigungen (collegia illicita) standen — von denen die Staatsautorität
Gefahren witterte — und die daher durch Senatuskonsulte, kaiserliche Kon-
stitutionen und Mandate aufgelöst wurden (D. 47, 22, 3 pr.). Überhaupt
war jedes corpus, wobei corpus nach D. 47, 22, 3, 1 als Oberbegriff für jede
Personenvereinigung aufzufassen sein wird, das nicht konzessioniert war,
unerlaubt (D. 47, 22, 3, 1 : ,,nisi ex senatus consulti. . . corpus coiret, contra
senatus consultum . . . celebrat") mit der Folge, daß es aufgelöst werden
mußte (D. 47, 22, 3 pr.)42.
Wenn daher bereits das Koalieren (corpus coire) ohne staatliche Ge-
nehmigung unerlaubt war, so konnten aus einer solchen Vereinigung sich

3 7 R E I V , 1 (1900), 408, K o r n e m a n n ü b e r „ c o l l e g i u m " ; v g l . S c h n o r r v . C a r o l s f e l d ,

G e s c h i c h t e d e r J u r . P e r s o n I, 236U. u n d 2 8 3 f f .
38 A b w e i c h e n d S c h n o r r v . C a r o l s f e l d , G e s c h i c h t e d e r J u r . P e r s o n I, 240.
39 S c h e i t . I, 166 Z. 23.
40 K o r n e m a n n , o b e n A n m . 37.
41 K o r n e m a n n , o b e n A n m . 37, S p . 444 m i t n ä h e r e n E i n z e l h e i t e n .
42 Siehe a b e r S c h n o r r v . C a r o l s f e l d , J u r i s t . P e r s o n I , 238.
III. E I N B I S H E R N I C H T E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : P S I 55 187

auch keine klagefähigen Ansprüche Dritter, wie auch der Gesellschafter


untereinander ergeben. Daher auch die ausdrückliche Erwähnung bei
Maurician, daß bei unstatthaften (illicita) Kollegia im Falle ihrer Auflösung
es gestattet sei, etwaige gemeinschaftliche Gelder zu teilen und unter die
Mitglieder zu verteilen (D. 47, 22, 3 pr.: „sed permittitur eis, cum dissol-
vuntur, pecunias communes si quas habent dividere pecuniamque inter
se partiri"); denn klagbare Ansprüche aus dem Gesellschaftsvertrag waren,
weil die Konzessionierung fehlte, nicht vorhanden. Erst die staatliche Ge-
nehmigung machte also den Gesellschaftsvertrag wirksam.
Während der schon zuvor ausgesprochene Gedanke, daß Kollegia als
personenrechtliche Zusammenschlüsse allein erst durch die staatliche Kon-
zession rechtswirksam werden, in dem Passus unseres Textes tcc paAicrra
Kai ai 6ioctcc£eis KupoOcnv aCrra toc aucrrripaTcc Trpo5r)AGC>s (22—24) zu
finden ist, spricht der folgende wesentlich ergänzte Teil des Textes von dem
Gesellschaftsvertrag, der darüber hinaus in seiner Wirkung von der staat-
lichen Genehmigung abhängig war: [Kai ETUTpETTETai ttoieTv] tt)s koi-
vcovias cruväAXaypia (Zeile 24).
Als 8iarcc£eis (Zeile 23) oder staatliche Anordnungen, die gewisse Zu-
sammenschlüsse von der Konzessionierung ausschlössen, verboten oder als
konzessionsfähig anerkannten, kamen in Frage: leges, senatus consulta und
constitutiones principum (D. 3, 4, 1 pr.: ,,. . . legibus et senatus consultis et
principalibus constitutionibus ea res [ = concedere societatem, collegium,
corpus] coercetur").
Unter dem „coercere" dürfte aber nur die generelle Regelung zu ver-
stehen sein, die gewisse Gruppen von Vereinigungen verbot oder gestattete,
nicht aber die für den Einzelfall erforderliche Genehmigung eines auf Grund
der generellen Regelung konzessionsfähigen corpus. Diese war vielmehr,
wenn man dem Papyrus folgt, Sache des Senats, was allerdings — minde-
stens für die byzantinische Zeit •—• kaum in Frage gekommen sein kann. An
seine Stelle müßte dann auch hier die Einzelgenehmigung des Kaisers, als
alleiniges Gesetzgebungs- und Verordnungsorgan, getreten sein.
Aus dem oben zitierten „coercetur" scheint mir ferner hervorzugehen,
daß die staatliche Gesetzgebung auch den Kreis der Tätigkeit der Kollegien
in gewissem Umfange regeln konnte und auch geregelt hat. Den Nachweis
hierfür glaube ich in D. 3, 4, 1, 1 zu finden, wo neben gemeinschaftlichem
Eigentum, einer gemeinsamen Kasse, einem Geschäftsführer auch von
einem Prozeß Vertreter als z u l ä s s i g e n Institutionen eines Kollegiums die
188 NEUE TEXTE

Rede ist („permissum est habere res communes, arcam communem et ac-
torem sive syndicum . . ."). — Rechtsfolgen konnten aus diesen Institu-
tionen natürlich erst hergeleitet werden, wenn das Kollegium seine Einzel-
konzession erhalten hatte. — Das „permissum" drückt genau das gleiche
aus, was in unserem Text mit dem Terminus „xpr|CTi|icos" (Zeile 26) auch
gemeint ist, nämlich „rechtlich zulässig" mußte die Begründung einer In-
stitution innerhalb des Kollegium sein. Danach waren also diese Institu-
tionen positivrechtlich geregelt.
Ähnlich wie in der letztgenannten Digestenstelle von einem Prozeßver-
treter ( = syndicus) für die Vereinigung die Rede ist, so spricht auch unser
Papyrus von der Bestellung einer Prozeßvollmacht (ettI ctucttocctei crywyfjs
Zeile 25I), die einem Mitglied des Kollegiums von den übrigen erteilt wurde.
Dieses offensichtlich zulässige pactum hing in seiner Rechtswirksamkeit
davon ab, ob das Kollegium selbst konzessioniert war. Da es nur als Bei-
spiel eines möglichen pactum gewählt ist und damit offengehalten wird, daß
auch andere pacta möglich sind, war es notwendig, das „xpridinoos" hin-
zusetzen, das die Grenze der Paktmöglichkeiten anzeigen soll.

Zeile 27—37
Auch hier handelt es sich um ein weiteres Beispiel zum „pactum legi-
timum". Eine an sich unwirksame Wette wird legitimiert durch einen (un-
benannten) Senatsbeschluß und die Volksgesetze des Titius, Publicius und
Cornelius.
Der Sachverhalt liegt folgendermaßen: Der Abschluß einer sonst ver-
botenen Wette auf den Betrag von 100 solidi ist bei sportlichen Wett-
kämpfen für die Kämpfer selbst zulässig. Der Grund hierfür ist wohl in der
ccp£TT|, der körperlichen Ertüchtigung zu sehen, die zu fördern der Staat
ein Interesse hat. Dem Wettkämpfer selbst soll durch die Möglichkeit des
Abschlusses von Wetten ein Anreiz geboten werden.
Der Name der hier genannten Gesetze findet sich in D. 11, 5, 3 wieder:
„ex lege Titia et Publicia et Cornelia"; poblic{i)u im Papyrus dürfte daher
verschrieben sein. Was das unbenannte Senatskonsult betrifft, so findet
er sich nicht in der in R E Suppl. V I wiedergegebenen Liste der uns über-
kommenen Senatuskonsulte 43 . Daß es aber ein solches Senatuskonsult ge-
geben hat, beweist, abgesehen von unserem Papyrus, D. 11, 5, 2, 1, wo es
heißt: „Senatus consultum vetuit in pecuniam ludere, praeterquam . . .".
43 O'Brian Moore ..senatus consultum" R E , Suppl. VI, 8ooff.
III. E I N BISHER NICHT E R K A N N T E R STEPHANUSTEXT: PIS 55 189

Inhaltlich stellt hier unser Papyrus ein gelungenes Compositum aus


D. 1 1 , 5, 2, 1 und lex 3 dar. Parallel zu den beiden Digestenstellen laufen
B. 60, 8, 2 und 3. Dagegen fehlen im Papyrus die beiden Konstitutionen
Justinians, C. 3, 4 3 , 1 und 244, die gleichfalls die Zulässigkeit von Glücks-
spielen behandeln. Es fehlt einmal die Nennung dieser Konstitutionen, wie
es doch für die leges Titia, Publicia und Cornelia geschieht, wie auch die
inhaltliche Abweichung, die die Konstitutionen gegenüber den Digesten
bringen.
Während D. 1 1 , 5, 2 , 1 — wie unser Papyrus — von dem Verbot der
Spiele allein Wetten ausnimmt, die auf Sieg oder Niederlage von den Wett-
kämpfern selbst geschlossen werden, schränken die Konstitutionen diese
Ausnahme noch weiter ein. Danach ist es nur sehr Reichen gestattet, bis
zu einem einzigen solidus zu wetten (C. 3, 43, 1, 4: ,,. . . nemini permittimus
in his ludere ultra unum solidum, etsi multum dives sit, . . ."; vgl. auch
Nomoc. 13, 28, 5: „ . . . 01 irAoücnoi vo^iapotros £vös EK&arnv cfüvöectiv
irai^ouai, oi 8e Aonrol iravu fj-rrovos.), während die Höhe nach den
älteren Volksgesetzen und dem Senatsbeschluß offensichtlich unbegrenzt
war.
Auch scheint der Kreis der Wettspiele, bei denen ein Spielen um Geld
gestattet war, bei Justinian ein anderer gewesen zu sein (C. 3, 4 3 , 1 , 4)45,
zumindest was die hier, neben den in den Digesten genannten Wettkampf-
arten — Lanzen- und Speerwerfen, laufen, springen etc. — angeführten
Pferderennen betraf.
In Zeile 32 findet sich auch der Gedanke, daß der Kämpfer selbst eine
Wette auf 100 solidi abschließen darf. Dies könnte in Widerspruch zu
Justinian (C. 3, 43,1) stehen, der Wetten, auch der genannten Sportkampf-
arten, nur bis zu einem solidus zuließ. Es taucht dabei die Frage auf, ob
diese Beschränkung auf einen solidus nicht etwa nur die Personen betraf,
die nicht an den Wettkämpfen persönlich beteiligt waren — was eine Durch-
brechung der genannten Volksgesetze und des Senatsbeschlusses bedeuten
würde —, oder ob damit nur die Kämpfer selbst gemeint waren.
Aufschluß zu dieser Frage gibt C. 3, 4 3 , 1 pr. Danach war es den
Kämpfern selbst seit alters her gestattet, sogar außerhalb ihrer Tätigkeit
bei den Wettkämpfen Wetten abzuschließen („Alearum lusus antiqua res
est et extra operas pugnantibus concessa"). Hier ist von keiner Begrenzung
14
C. 3, 43, 2 datiert Krüger auf das Jahr 529.
45
Vgl. hierzu in Paul Krügers Codex-Ausgabe die Anm. 10.
190 NEUE TEXTE

auf einen bestimmten Betrag die Rede. Danach dürfte die Beschränkung
auf einen solidus lediglich für die Nichtkämpfer gegolten haben, nicht aber
für die Wettkämpfer selbst. Somit steht auch unsere Papyrusstelle, die von
einer Wette über 100 solidi spricht, nicht im Widerspruch zu der justiniani-
schen Konstitution. — Offensichtlich machte Justinian hier eine Konzession
an die Wettfreudigkeit der Bevölkerung und durchbrach damit das bisher
strikte Wettverbot der älteren Gesetzgebung, wenn auch nur in sehr be-
grenztem Umfang. In allen übrigen Fällen, wo Nichtteilnehmer der Sport-
kämpfe Wetten abschlössen und nicht unter die Ausnahmegenehmigung
Justinians fielen (C. 3, 43), hatte der Prätor oder ettutkottos die Verträge
aufzuheben, was die Basiliken mit yivönevcc cruvaAAaypaTa dvocrpeTreiv
( = habitos contractus rescindere)46 bezeichnen. Da Verträge dieser Art an
sich schon rechtsunwirksam waren, kann es sich dabei nur darum gehandelt
haben, daß die staatlichen oder kirchlichen Organe hier dahin zu wirken
hatten, daß bereits gezahlte Wettbeträge wieder zurückerstattet wurden.
Verstöße gegen das Wettverbot wurden mit Strafen geahndet.
Die abschließende Bemerkung zu unserem Beispiel in Zeile 37f., die davon
spricht, daß Wetten (pacta), wie sie den Wettkämpfern gestattet sind, unter
die Kategorie der axpr|crroc ttöktcc gerechnet werden, dürfte m. E. dem Be-
griffsinhalt „pactum nudum" am ehesten entsprechen. Erst die Legitimation
durch den Gesetzgeber machte das Wett-pactum ja zu einer Obligation.

Zeile 38—40
Ab hier beginnt die Behandlung der „pacta iuris gentium", die sich bis
zum Ende des Papyrus hinzieht. Offenbar liegt hier also stoffmäßig, wie
auch der Problematik nach, der Schwerpunkt unseres Papyrus.
Die Stelle beginnt mit einer Definition des ius gentium, die im Grunde
genommen gar keine Definition ist, sondern den lateinischen Begriff „ius
gentium" mit geringfügigen Ausschmückungen ins Griechische übersetzt:
Eine conventio iuris gentium ist eine solche, die aus dem Volksrecht hervor-
geht. Eine solche Form der Einleitung ist nur verständlich, wenn der Ter-
minus „ius gentium" für den Verfasser des Papyrus ein Fremdwort war,
das der Übersetzung ins Griechische bedurfte, um seinen Inhalt verständlich
oder mindestens voll verständlich zu machen.
Es mag dies auch aus der Zusammensetzung des Leserkreises heraus
verstanden werden können, auf den der hier dargelegte Stoff vom Verfasser
46
Bas. 60, 8, 5; Heimb. V, 417.
III. EIN BISHER NICHT E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : PSI 55 191

ausgerichtet war. Erinnert sei dabei an die auf der gleichen Linie liegende
Erklärung des sonst primitiv anmutenden „legitimum" in Zeile 11 ff. Die
Digesten bringen eine solche „Definition" des ius gentium natürlich nicht,
weil der Ausdruck aus sich heraus verständlich ist; ebenso auch nicht die
Basiliken.
Es fällt hier der Gebrauch des Terminus „conventio" iuris gentium auf,
statt „ttocktov" iuris gentium wie in Zeile 6. Aus der Auswechselung dieser
beiden Begriffe „conventio" und „pactum" läßt sich schließen, daß hier
ihr Begriffsinhalt schon als gleich empfunden wird. Da die Verschmelzung
von „pactum" und „conventio", die ursprünglich einen verschiedenen Be-
griffsinhalt hatten, erst durch Justinian erfolgte47, ist dies ein weiteres Indiz
dafür, daß der Papyrus nach oder um die Zeit der Kompilation des Corpus
Iuris anzusetzen ist.
Zeile 39—43
Hier ist von der Prozeßwirkung der pacta iuris gentium die Rede:
manche erzeugen eine Klage und eine Einrede, manche hingegen nur eine
Einrede.
Eingeschoben findet sich der Satz Kai ccycoyf)V Kai Trapaypaq>T]v i'xei,
der inhaltlich das gleiche wiedergibt wie der Vordersatz tivöc piv Kai
aycoyaj Kai tIktei irapaypaqxis. Handelt es sich dabei um eine Wieder-
holung ? Verwandt wird in dem eingeschobenen Satz — im Gegensatz zum
vorhergehenden — der Singular statt des Plurals. Statt von klagen- und
einredenerzeugenden pacta, wird hier von einer Klage und einer Einrede
gesprochen. Der Unterschied und Schwerpunkt könnte hier also auf „einer"
Klage und „einer" Einrede liegen. Diese Unterscheidung ginge dann dahin,
daß zwischen einem pactum mit mehreren Aktionen und Einreden und
einem solchen mit nur einer einzigen actio und Einrede getrennt wird. Liegt
die Betonung aber auf „einer" Klage bzw. Einrede, so müßte piav äy]ooyT]v
in der Lücke am Anfang von Zeile 42 ergänzt werden, wie dies Arangio-Ruiz
auch tut48.
Pacta mit mehreren Klagen bzw. Einreden könnten die synallagmati-
schen Verträge sein, pacta mit nur einer Klage bzw. Einrede hingegen die
einseitigen Verträge. Eine dahingehende Unterscheidung in unserem
47 Vgl. Condanari-Michler, S., R E 36 Sp. 2127a. zu „pactum"; Leist, Wilhelm

R E 4 Sp. 1172!:. zu „conventio" und Ind. Interpol, zu D. 2, 14, 7, wonach der Ter-
minus „pactum" in diesem Zusammenhang interpolationsverdächtig ist.
48 Vassalli, B I D R 24, 201.
192 NEUE TEXTE

Papyrus erscheint aber zweifelhaft, da man in Zeile 47—50 die synallag-


matischen und einseitigen Verträge ohne Unterschied nebeneinandergestellt
findet, also die evtl. zuvor getroffene Einteilung und Unterscheidung nicht
eingehalten würde. Diese Version ist daher abzulehnen.
Eine andere findet sich bei Partsch19. Er geht von dem Gedanken aus,
daß u. a. auch an dieser Stelle der Text aus dem Lateinischen übersetzt sei.
Offenbar gebe Zeile 42 eine Doppelversion des Ubersetzers; dieser hätte im
lateinischen Text die Abkürzungen act- und exc- vorgefunden und die Auf-
lösung der beiden Siglen gewissenhaft nach beiden Möglichkeiten wieder-
gegeben, indem er sagte: £)(£i> d. i. der Text lautet. — Da Siglen durch die
justinianische Einführungskonstitution „Tanta" 22 jedoch verboten waren,
ist Partsch schon deswegen gezwungen, PSI 55 in die Zeit vor Justinian ein-
zuordnen. Da aber aus den bisher genannten Indizien und zahlreichen
weiteren Gründen, auf die im III. Teil der Arbeit eingegangen wird, es sich
auch nicht um eine Ubersetzung aus einem dem Schreiber vorliegenden
Text handelt50, ist auch Partsch's Version unsicher.
Was die zahlreichen Siglen anbetrifft, die sich in unserem Text finden51,
so galt m. E. das Verbot Justinians lediglich für das berufsmäßige Schreiber-
und Schriftstellertum, das die offiziellen Ausgaben des C.I. herstellte, es
galt aber nicht für sonstige Privatpersonen, die gelegentlich für ihren
eigenen Gebrauch etwas aus einem Gesetzestext abschrieben oder einen der
dort vorkommenden Rechtsstoffe behandelten, ohne damit an die Öffent-
lichkeit treten zu wollen52. Die Wirkung des justinianischen Verbots äußerte
sich ja nur darin, daß Codices, in denen Siglen enthalten waren, nicht im
Prozeß verwandt werden konnten (C. Tanta: „ . . . neque ex tali codice in
iudicium aliquid recitare . . . ."). Daß es sich hierbei um offizielle Gesetzes-
texte handelte, geht schon daraus hervor, daß sie einer kaiserlichen Lizenz
bedurften (C. Tanta: „ . . . licentiam aperimus"). In der Lizensierung dürfte
wohl auch die einzige Kontrollmöglichkeit zur Innehaltung des Verbotes
gelegen haben, die also Privatschriften, die nicht den Ehrgeiz oder das Be-
dürfnis hatten, als „offizielle" Ausgaben zu gelten, nicht erfaßte. Damit
bietet sich auch eine einleuchtende Erklärung dafür, daß das Verbot,
Siglen zu benutzen, nicht immer beachtet wurde.

49
Nachgelassene und verstreute kleinere Schriften, S. 21.
50
Vgl. im III. Teil der Abhandlung das Kapitel „ P S I 55 wurde diktiert".
51
Vgl. die „Abkürzungssystematik" (I. Teil d. Abh.).
Vgl. SZ 34, 375.
III. E I N B I S H E R N I C H T E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : PSI 55 193

Anders liegt der Sachverhalt bei Partsch's Version. Danach waren ja


bereits im Gesetzestext, den der Schreiber nach Partsch's Auffassung be-
nutzte, solche Siglen enthalten. Dort aber waren sie unzulässig, wenn man
den Papyrus nicht vorjustinianisch einstuft.
Eine dritte Möglichkeit, die Wiederholung in Zeile 42 zu erklären, bietet
sich an, wenn man annimmt, daß sich eine Randglosse, wie sich solche in
Zeile 71 ff., 91 ff., 108ff. und 119f. finden, in den Text geschlichen hat. Gegen
diese Erklärung lassen sich keine Einwände finden und sie ist wahrschein-
lich, vorausgesetzt, daß der Papyrus tatsächlich von einem Text abge-
schrieben wurde.
War das jedoch nicht der Fall und wurde er daher diktiert 53 , so handelt
es sich um einen Fehler, der bei einem mechanischen Schreiben entstehen
kann, indem der Schreiber — den Klang des Gehörten noch im Ohr —
versehentlich nochmals gleich oder ähnlich wiederholt, was er zuvor schon
niedergeschrieben hatte; oder: der Schreiber, irregeleitet dadurch, daß der
Diktierende den Satz selbst nochmals wiederholt, um damit vielleicht dem
Gedächtnis den Schreibenden zur Hilfe zu kommen, den Text der wieder-
holten Stelle, wie er ihn im Ohr hat, zum zweiten Male niederschreibt.

Zeile 43—61
Behandelt werden hier die klageerzeugenden pacta im einzelnen. Diese
pacta tragen nicht nur den genannten Namen, sondern werden unter die
speziellen Bezeichnungen der synallagmatischen Verträge eingeordnet und
nehmen damit individualisierte Namen an, wie emptio-venditio, locatio-
conductio, societas, commodatum, depositum und ihnen ähnliche Verträge,
wie mandatum und pignus.
Diese Stelle faßt die beiden Ulpianstellen D. 2, 14, 7, 1 und D. 2, 14, 1, 4
zusammen, wo inhaltlich und auch im einzelnen von dem gleichen Gegen-
stand die Rede ist54.
A b Zeile 50 geht die Erörterung von den eben genannten Nominatkon-
trakten auf die Innominatkontrakte über. Die Überleitung geschieht in der
Weise, daß gesagt wird, auch wenn das pactum nicht in eines der zuvor ge-
nannten Nominatkontrakte überginge, ihm doch eine causa innewohne
und es daher auch eine Klage und Obligation erzeuge.

53 Oben, Anm. 50.


54 Vgl. auch die Erläuterung des Ergänzungsvorschlags zu Zeile 50.
13 Altheim-Stiehl, Christentum I
194 NEUE TEXTE

Offensichtlich wird hier auf das Responsum Aristos an Celsus zurück-


gegriffen, das Ulpian in D. 2,14, 7, 2 55 zu Anfang zitiert (.. . „in alium con-
tractum res non transeat, subsit tarnen causa, eleganter Aristo Celso
respondit esse obligationem").
Ulpian scheint hier auf die Innominatkontrakte56 anzuspielen, was auch
aus seinen folgenden zur näheren Erläuterung gewählten Beispielen hervor-
geht. Der Papyrus bringt von den bekannten 4 Kategorien der Innominats-
kontrakte: do ut des, do ut facias, facio ut des und facio ut facias, als Bei-
spiel nur das „do ut des" und „do ut facias". In dieser Auswahl gleicht er
völlig D. 2 , 1 4 , 7, 2. Für das erstere, „do ut des", führt PSI 55 aus: ich
habe dir eine Sache gegeben, damit du mir eine andere gibst (Tausch); z. B.
habe ich dir einen Mantel gegeben, damit du mir ein Festkleid gibst. Hier
ist also teilweise wörtlich die Ulpianstelle aus D. 2, 14, 7, 2 („. . . dedi tibi
rem ut mihi aliam dares, . . .") übernommen, sie wird jedoch näher aus-
geführt durch das Beispiel von dem Tausch eines Mantels gegen ein Fest-
kleid. Diese abweichende Version könnte aus Marcian D. ig, 5, 25 ent-
nommen sein. Auch hier ist von einem Tausch die Rede, und zwar von dem
Austausch von Dienstleistungen (operae), die, wie Marcian sagt, nach dem
ihm offenbar bekannten Beispiel des Austausches von Sachleistungen — wo-
bei wie in unserem Papyrus von dem Tausch von Kleidungsstücken (tunica-
paenula) die Rede ist — behandelt werden müssen. Für beide gewährt daher
Marcian eine actio praescriptis verbis. Das erinnert an das xiKTETOti t)
praescriptis verbis ccycoyri in Zeile 56.
Genau wie dann auch Ulpian an zweiter Stelle den Fall „do ut facias"
aufrollt, führt auch unser Papyrus ein Beispiel dieser Kategorie an: ich
habe dir ein Hemd gegeben, damit du irgendwann einmal etwas für mich
tust; z.B. ein Schriftstück anfertigst. Stattdessen bringt Ulpian für „do ut
facias" hier: dedi tibi Stichum ut Pamphilum manumittas. Dieses Beispiel,
verbunden mit der von ihm angeschnittenen Streitfrage zwischen Mauri-
cian und Julian, wann eine actio in factum oder eine actio praescriptis
verbis zu geben sei, bringt der Papyrus erst weit später in Zeile 62 ff.

55
Siehe hierzu Beseler, Beiträge zur Kritik der röm. Rechtsquellen II, 158.
56
Die Lehre von den Innominatskontrakten wird der frühbyzantinischen Lehre
von Beryt zugeschrieben (Jörs-Kunkel, RömR. 244 Anm. 6); es ist daher nicht anzu-
nehmen, daß Ulpian die Stellen D. 2, 14, 7, 1 ; 2, die augenscheinlich auf dem Schema der
Innominatkontrakte beruhen, in der hier wiedergegebenen Form brachte (vgl. hierzu
die zahlreichen Interpolationsvermutungen nach dem Ind. Interpol.)
III. E I N B I S H E R N I C H T E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : PSI 55 195

Auch in diesen Fällen, wo kein spezielles oder benanntes Synallagma


vorliege, handele es sich doch um ein Synallagma, das daher auch mit einer
actio civilis, nämlich der praescriptis verbis57zu verfolgen sei (Zeile 56 und 61).
Ulpian, D. 2,14, 7, 2, spricht dagegen hier nur von einer actio civilis
( „ . . . nasci civilem obligationem"). Gemeint ist aber auch hier die actio
civilis incerti oder actio in factum civilis, welche der actio praescriptis verbis
entspricht. Ein Unterschied in der Verwendung der Begriffe scheint nicht zu
bestehen, vielmehr werden sie in den justianischen Quellen synonym be-
nutzt58.
Nach Vitellis Lesung findet sich in Zeile 59 zur Bezeichnung des Inno-
minatskontrakt der Ausdruck ctvcpuu|iov verwandt. Träfe diese Lesung zu,
so hätten wir damit einen Hinweis in der Hand, der direkt zur byzantini-
schen Lehre der Innominatskontrakte führte. Andererseits ist Ulpian
D. 2, 14, 7 hier zwar von den Byzantinern stark auf die Innominatskon-
trakte zurechtgeschnitten worden59, doch fehlt ein dem dvcovupov gleich-
wertiger Ausdruck. Prüft man dazu noch die parallelen Basilikenstellen
durch, so findet sich auch da nirgends der Ausdruck ,,ccvcovu|jov", statt-
dessen aber im gleichen Zusammenhang und an gleicher Stelle der Terminus
„ö|icövunou"60. Daher wird hier nicht von einem otvcpuuiiov CTUväAAccyiicc,
sondern von einem oycpvuiJiov ovvctAAayna die Rede sein. Der Sinn der
Stelle geht also dahin, daß nicht nur die benannten pacta (Kontrakte), wie
die emptio-venditio, den Namen „Synallagma" tragen, sondern auch die
nicht benannten „Synallagma genannt" werden.

Zeile 62—68

Ein Strich zu Beginn oberhalb von Zeile 62 zeigt an, daß hier ein neuer
Gedanke beginnt.

57
Bekanntlich erfaßte die actio praescriptis verbis die Fälle, in denen der Tatbe-
stand der Klage nicht, oder nicht mit Sicherheit unter einen der rechtlich anerkannten,
dem numerus clausus unterliegenden Kontraktstatbestände fiel. Durch die Aufnahme
des konkreten Tatbestandes in den Anfang der Prozeßformel durch den Prätor war
der iudex gezwungen, ohne Rücksicht darauf, ob einer der gesetzlichen Kontraktstat-
bestände vorlag, nach der den konkreten Tatbestand wiedergebenden formula zu
urteilen. Da sich jedoch Kontrakte dieser A r t an die bf. iudicia anlehnten, wurde die
formula dieser Klagen —• im Gegensatz zu den nur in factum konzipierten — als in
ius konzipiert bezeichnet (vgl. Jörs-Kunkl, R ö R . 244).
58
Jörs-Kunkel, R ö R . 244.
59
Vgl. Ind. Interpol.
60
Insb. Schol. „MaÖcbv" Scheit. I, 1 8 7 ; hier sogar mehrfach.
13»
196 NEUE TEXTE

Es handelt sich um den von Ulpian in D. 2 , 1 4 , 7, 2 vorgetragenen Mei-


nungsstreit zwischen Julian und Maurician zu einer Klage aus einem
Synallagma der Kategorie „do ut facias". Das Beispiel hat folgenden Sach-
verhalt: ich habe dir den Sklaven Stichus gegeben, damit du den Sklaven
Pamphilus freiläßt. Darauf hast du Pamphilus freigelassen; dir aber ist der
von mir überlassene Sklave Stichus evinziert worden. Bei diesem Sach-
verhalt will nun Julian eine gewöhnliche actio in factum 61 geben, Maurician
aber eine actio civilis incerti62; dabei ist für letzteren entscheidend, daß es
sich ja auch hier um ein Synallagma handelt, auf dem die Klage fußt. Nach
den Digesten soll Maurician den Terminus „actio civilis incerti" benutzt
haben63. Diesen Begriff erläutert er dahin, man verstehe darunter eine
Klage, die einem praescriptis verbis zustehe (D. 2 , 1 4 , 7, 2: „ait civilem
incerti actionem, id est praescriptis verbis sufficere . . ."). Beides sind ter-
mini, die der byzantinischen Jurisprudenz zugeschrieben werden64.
Der Streit zwischen Maurician und Julian geht also darum: ist hier
eine actio in factum oder eine actio civilis incerti ( = praescriptis verbis)
zulässig ?
Dieses Problem taucht hier nur deshalb auf, weil es sich nicht um einen
benannten Vertrag, insb. einen Kauf, sondern um einen der unbenannten
Synallagmata handelt. Bei einem Kauf konnte nämlich, nachdem ursprüng-
lich die Gewährleistung des Verkäufers für die verkaufte Sache im Wege der
Stipulation begründet wurde, seit der klassischen Jurisprudenz auch direkt
mit der actio empti ein Ersatz des Schadens in Höhe des einfachen Inter-
esses gefordert werden65.
Bei den unbenannten Verträgen ist hier jedoch eine Vertragsklage aus-
geschlossen. Selbstverständlich ist es möglich, im Wege der Stipulation eine
Haftung des Übertragenden für Rechtsmängel, um die es sich hier handelt,
herbeizuführen. Ein solcher Fall ist aber nicht problematisch und Julian
und Maurician behandeln ihn daher in der genannten Digestenstelle auch
nicht. Sie erörtern vielmehr gerade einen Tatbestand, in dem eine solche
Sicherung einer oder auch beider Vertragsparteien nicht vorhegt.
61
Eine auf den konkreten Tatbestand abgestellte Klage ohne Anlehnung an ein
bf. iudicium (vgl. Jörs-Kunkel, R ö R 164 und 244).
62
Eine zwar vom konkreten Tatbestand ausgehende formula, die aber auf dare
oportere ex bona fide lautete, und somit ihrem Aufbau nach sich an die zivilrechtliche
Formel anlehnte (vgl. auch oben, Anm. 57).
63
Interpolationsverdächtig, siehe Ind. Interpol.
64 66
Vgl. H. Stoll, Z S 47, 546f. Jörs-Kunkel, R ö R 232.
III. E I N B I S H E R N I C H T E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : P S I 55 197

Der Name „actio in factum" rührt daher, daß ihre Formula auf den
konkreten „Tatbestand abgestellt" wurde 96 . Der Prätor konzipierte eine
solche formula in factum, wenn ein rechtsschutzbedürftiger Tatbestand
vorlag, der unter keine der rechtlich ( = durch Gesetz) anerkannten Aktionen
fiel. Daher beschreibt Papinian sie auch dahin, daß, wenn unter den ge-
wöhnlichen Aktionen, die eine eigene Bezeichnung (nach dem Aktionen-
katalog) haben, eine Aktio nicht zu finden sei, so greife man zu Aktionen,
die man als „in factum" bezeichne (D. 19, 5 , 1 pr. : „ . . . vulgaribus actioni-
bus, cum proprium nomen invenire non possumus, facile descendemus ad
eas, quae in factum appelantur".). Der Gedanke, daß das Rechtsschutz-
bedürfnis das eigentliche Motiv ist, weswegen es zur Schaffung von Rechts-
ansprüchen auch außerhalb des legalen Aktionensystems kommt, findet
sich besonders klar bei Pomponius (D. 19, 5 , 1 1 ) hervorgekehrt. Weil die
Zahl der (rechtlich anerkannten) Klagen nicht ausreichend sei, würden
meistens actiones in factum in Anspruch genommen. Auch in den Fällen, in
denen das Gesetz Aktionen vorsehe, fülle der Prätor durch die actio in
factum Lücken des Gesetzes aus, wenn es gerecht und notwendig wäre (D. 19,
5 , 1 1 : „Quia actionum non plenus numerus esset ideo plerumque actiones
in factum desiderantur. sed et eas actiones, quae legibus proditae sunt, si
lex iusta ac necessaria sit, supplet praetor in eo quod legi deest.").
Gaius (Inst. 4, 36) definiert die formula in factum als eine solche, deren
intentio nicht ex iure Quiritium konzipiert ist, sondern wo am Anfang der
Formula der Tatbestand („quod factum est") genannt wird, an den sich
dann die Worte schließen, auf Grund deren dem Richer die Gewalt gegeben
wird, zu verurteilen oder freizusprechen ( „ . . . in quibus nulla talis — id
est: ex iure Quiritium — intentio concepta est, adiciuntur ea verba, per
quae iudici damnandi absolvendive potestas datur"). Da es sich hier um
einen zur Zeit Julians (1. Hälfte des 2. Jhd.) nicht durch das geltende Recht
anerkannten Vertrag handelte — die Lehre von den Innominatkontrakten
brachten ja erst die Byzantiner auf — , konnte Julian im vorliegenden Falle
auch nur eine actio in factum gewähren. Ein Tausch von Sachleistungen,
bei dem man im Falle der Eviktion eine actio in factum in Analogie zur
actio empti zuließ (Paul. D. 19, 4 , 1 , i 67 ), liegt nicht vor, da es sich hier
um ein „do ut facias", aber nicht um ein „do ut des" handelt. Immerhin ist

68 Jörs-Kunkel, R ö R 164.
67,,. . . si ea res, quam acceperim vel dederim, postea evincatur, in factum dan-
dam actionem . . .".
198 NEUE TEXTE

daraus ersichtlich, daß auch Paulus, der als Spätklassiker erst ein Jahr-
hundert später wirkte, in einem systematisch ebenso liegenden Falle, zu
dem gleichen Ergebnis der „actio in factum" kam.
Schon aus dem bisher Dargelegten ist ersichtlich, daß von einem Fehler
Julians, wenn er hier eine actio in factum gibt, nicht gesprochen werden
kann.
Im Gegensatz zu Julian will Maurician eine actio civilis incerti ( = praes-
criptis verbis) geben. Die actio civilis incerti wird auch schlechthin als
actio incerti bezeichnet. Sie hat sich aus der actio in factum entwickelt und
führt daher auch den Namen actio praescriptis verbis in factum oder sogar
actio in factum civilis68, um ihre systematische Stellung im Aktionensystem
anzudeuten69. Im Corpus Iuris wird diese Aktio vor allem als Erfüllungs-
klage der Innominatkontrakte70 gegeben. Sie ist byzantinischen Ursprungs71,
wie die gesamte damit zusammenhängende Lehre der Innominatkontrakte72.
Ist dies richtig, so kann der in D. 2, 14, 7, 2 von Ulpian zitierte Klassiker
Maurician hier nicht von einer actio civilis incerti gesprochen haben, da
dieser Begriff ihm unbekannt gewesen sein muß. Diese Stelle dürfte daher
von den Byzantinern verfälscht worden sein. Bestätigt wird dies u. a.73
von Beseler74, der die Worte „civilem incerti actionem" für interpoliert
hält.
Es ergibt sich damit, daß die Byzantiner unter dem Einfluß der Lehre
von den Innominatkontrakten dem Klassiker Maurician bewußt nach-
klassisches Recht in den Mund gelegt haben und die seiner Zeit richtige
Entscheidung Julians wegen ihres durch die Lehre von den Innominatkon-
trakten neu erworbenen Standpunktes als falsch ansehen mußten, was sie
hier zum Ausdruck gebracht haben.
Was den eigentlichen Inhalt des Meinungsstreites zwischen Julian und
Maurician betrifft, so sind nur Vermutungen möglich, die, da ein sicherer
Anhalt fehlt, recht zweifelhaft bleiben müssen. Erwähnt sei nur die Ansicht

68
H. Stoll, ZS 47, 546; Pietro de Francisci, ZuvaAAaypia, Pavia (1916), I. Teil,
1. Kapitel, S. 31.
69
Jörs-Kunkel, RöR. 244.
70
Oben, Anm. 68.
71
So de Francisci, oben Anm. 68 und die neuere Literatur (Jörs-Kunkel RöR. 244
dortig. Anm. 4).
72
Jörs-Kunkel, RöR., 244 f. und dortige Anm. 6.
73
Vgl. Ind. Interpol.
74
Beiträge zur Kritik der röm. Rechtsquellen, Heft 2, Tübingen (1911), 158.
III. EIN B I S H E R NICHT E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : PSI 55 199

Partsch's 7 5 , der in Anschluß an Beseler meint, es könnte hier von der A n -


wendbarkeit der condictio 76 die Rede gewesen sein, mit der wegen nach-
träglichen Fortfalls der causa dandi die erbrachte Leistung zurückgefordert
werde und insofern der Vertragsinhalt als der zu erreichende Zweck be-
zeichnet würde.
A u c h die Basiliken behandeln in den Scholien „Mccöcov" 77 und „Ku-
piAAou" 78 den Meinungsstreit zwischen Julian und Maurician, bringen in-
haltlich aber nichts anderes als die Digesten; am ausführlichsten ist dabei
Scholion „Maöobv".
Der Papyrus selbst bringt das in den Digesten hier Gesagte mit größerer
Kürze und Genauigkeit.

Zeile 6g—72
Wenn die Ergänzung richtig ist, wird hier v o m „ p a c t u m im engeren
Sinne" gesprochen. P a c t a dieser A r t sind die sog. pacta adiecta bei den bf.
Kontrakten. Die pacta werden dabei in zwei Gruppen geschieden, wobei
der einen der Name „ p a c t a ex continenti", der anderen die Bezeichnung
„ p a c t a e x intervallo" beigelegt wird. Pacta e x continenti sind pacta, die
sogleich mit Kontraktschluß vereinbart sind. Pacta ex intervallo hingegen
solche, die erst nach Abschluß des K o n t r a k t e s vereinbart werden. Beide
Arten dienen dazu, den K o n t r a k t selbst zu ergänzen oder auszufüllen. D a s
pactum ex continenti bezeichnet unser Papyrus als „ttccktov ek t o ü euöecüs
ygyovös", das pactum ex intervallo als „ttccktov metoc toOto ( = cruvaAAocy-
|ja) yEyovös". Während das pactum ex continenti eine K l a g e gewährt,
erzeugt das pactum e x intervallo nur eine Einrede.
B e i m Quellenvergleich fällt auf, daß D. 2 , 1 4 , 7, 3 und 4 übergangen
werden und erst wieder das dort in § 5 behandelte Thema, die Unter-
scheidung zwischen pacta ex continenti und ex intervallo wiederkehrt. A b -
gesehen von der Formulierung „ p a c t u m im engeren Sinne", weicht der
Papyrus aber in einem weiteren wesentlichen P u n k t von den Digesten ab.
E r trennt nämlich zwischen pacta der genannten A r t bei bf. K o n t r a k t e n
in Zeile 6gf. ( o w a X A d y p a r a . . . etti tgov bf-) und pacta bei nicht unter
die bf. fallenden Kontrakten des ius strictum in Zeile 73 (tcov (jif) bf.

75 ZS 35, 338.
76 Vgl. hierzu D. 19, 4, i, 4, wo von einer condictio beim Tausch die Rede ist.
Auch Partsch scheint hier einen Tausch anzunehmen, obwohl doch die Gegenleistung
hier in einem Tun besteht (do ut facias).
77 Scheit. I, 188 Zeile 6—13. 78 Scheit. I, 192 Zeüe 7—9.
200 NEUE TEXTE

cruvaXXaynaTwv); eine Differenzierung, die D. 2 , 1 4 , 7, 5 nicht ausspricht,


wenn ihr Verfasser Ulpian sie auch sicher als Gegensatz empfunden hat, was
einmal die einseitige Betonung der bf. iudicia, zum anderen aber auch die
Betonung des Gegensatzes zwischen den nur eine exceptio gewährenden
gewöhnlichen pacta (D. 2, 14, 7, 4) und den allein bei den bf. iudicicia
(D. 2, 14, 7, 5 am Anfang) eine Klage gewährenden pacta ex continenti,
erkennen läßt.
Der Verfasser des Papyrus behandelt also gleich zwei Probleme auf ein-
mal: 1. Welche prozessuale Wirkung haben pacta ex continenti und ex
intervallo auf Kontrakte?
2. Welchen Unterschied macht es, wenn es sich dabei um bf. oder nicht
bf. Kontrakte handelt ?
Die Digesten behandeln dagegen nur das erste Problem, wobei sie die
bf. iudicia ins Auge fassen. Schon die Stoffwahl läßt erkennen, welch un-
gleich größere Bedeutung die Byzantiner hier den pacta bei den bf. iudicia
zumaßen.
Bei den pacta ex continenti und pacta ex intervallo handelt es sich um
pacta, die von der Romanistik unter dem Namen „pacta adiecta" zu-
sammengefaßt werden. Den Quellen sei diese Bezeichnung unbekannt,
meint Condanari-Michler79, was meines Erachtens aber nicht ganz zu-
treffen kann, da z. B. Scholion „Tcov ovn<pci>vcov die pacta ex continenti
und ex intervallo unter den gemeinsamen Begriff „7rpoari0i|i£va" =
adiecta bringt80.
Pacta der genannten Art sind Nebenabreden (adminicula81) zum Haupt-
geschäft ( = contractus). Das Hauptgeschäft selbst kann nicht nur ein bf.
Kontrakt sein, sondern auch ein nicht unter die bf. fallender Kontrakt, wie
die stipulatio („pactum contineri contractui, emptioni — D. 1 8 , 1 , 72 pr. —
stipulationi" •— D. 12, 1, 40).
Die pacta adiecta zerfallen nun zeitlich in pacta, die zugleich mit dem
Kontrakt abgeschlossen werden ( = ex continenti) und solchen, die erst
nach Abschluß des Kontraktes, aber immer mit der Absicht, Wirkung auf
ihn auszuüben, getätigt werden ( = ex intervallo)82.
79
R E 36 Sp. 2 1 3 7 zu „ p a c t u m " .
80
Scheit. I, 1 9 2 Zeile 29.
81
Papinian D. 18, 1 72.
82
Dafür werden auch andere termini benutzt: „postea f a c t a " D. 18, 1, 72 pr.;
„postea interponuntur" D. 2, 14, 7, 5 ; „postea factae" (pactiones statt des verfälsch-
ten exceptiones — Huschke, Z S g, 344] D. 2, 14, 7, 6; „postea" C. 2, 3, 13.
III. EIN BISHER NICHT ERKANNTER STEPHANUSTEXT: PSI 55 201

Der Papyrus behandelt hier lediglich die prozessuale Wirkung dieser


pacta. Er greift dabei in Zeile 69—72 zunächst die bf. Kontrakte auf. Im
Anschluß an die Lehre, nach der zugleich mit einem bf. Kontrakt (als
Hauptgeschäft) eine getroffene Nebenabrede Inhalt und Teil des Haupt-
geschäftes ist („pacta" — ex continenti — „inesse bonae fidei iudiciis",
Ulp. D. 2 , 1 4 , 7, 5), die darum auch zugleich mit der actio des Haupt-
geschäftes verfolgt werden kann („format actionem in bonae fidei iudiciis",
Ulp. D. 2 , 1 4 , 7, 5), gewährt auch der Verfasser des Papyrus bei einem
gleichzeitig mit dem Kontrakt geschlossenen pactum die actio aus dem
Hauptgeschäft. Umgekehrt läßt er für ein nach Vertragsschluß abge-
sprochenes pactum (ex intervallo) — wie die Digesten — nur eine exceptio
zu ( — pacta — „ e x intervallo, non inerunt" — bonae fidei iudiciis — „si
agat, ne ex pacto actio nascitur.").
Die dogmatische Begründung, wie sie die Digesten für beide Fälle, der
pacta ex continenti wie auch der pacta ex intervallo, in ihrer unterschied-
lichen prozessualen Wirkung geben, fehlt im Papyrus. Über die Digesten
hinaus geht jedoch im Papyrus die Unterscheidung beim pactum ex inter-
vallo zwischen einer Einrede zugunsten des Beklagten (irapccypacpfiv t u
£vayon£vcp) und einer Gegeneinrede des Klägers (evocyovn ccvTiTrapa-
ypa<pr)v). Auch in den Basiliken findet sich dieser Gedanke nicht.

Zeile 72—84

Hier werden — im Gegensatz zum Vorhergehenden — pacta bei den


nicht unter die bf. fallenden Kontrakten, also beim ius strictum, ange-
schnitten.
Zeile 72—75 spricht von der Wirkung des pactum auf die Klage. Es wird
die Frage gestellt, ob durch das pactum die Klage von Anfang an erweitert
wird. Darauf antwortet — wenn die neue Lesung richtig ist — Aristo, daß
das pactum die Klage zuweilen zu erweitern vermag, zuweilen aber auch
nicht.
Belegt wird diese allgemeine Feststellung für den Fall, daß die Klage
nicht erweitert wird, durch das Beispiel in Zeile 77—81. Danach können
mit einer Darlehnsklage nur paktierte Zinsen nicht mitverlangt werden,
sondern, um auf die Zinsen klagen zu können, ist eine Zinsstipulation er-
forderlich. Eine Klageerweiterung ist in diesem Falle also nicht gegeben.
Für den zweiten Fall, wonach ein pactum die Klage zu erweitern vermag,
wird ebenfalls auf ein Darlehn als Hauptgeschäft zurückgegriffen. Doch
202 NEUE TEXTE

liegt der Sachverhalt hier insoweit anders, als für das Darlehnskapital der
Schuldner dem Darlehnsgeber ein Pfand (evexupov) bestellt hat. Das Pfand
haftet auch für nicht stipulierte, lediglich paktierte Zinsen.
Wenn die Stelle von einer erweiterten actio spricht, so kann damit nur
die „actio pigneraticia" gemeint sein, die demnach nicht nur wegen des
Kapitals, sondern auch wegen der Zinsen stattfand. Bei den Zinsen kann
es sich nicht nur um ein bloßes Retentionsrecht handeln (C. 4, 32, 4 pr.:
„Per retentionem pignoris usuras servari posse, de quibus praestandis con-
venit, licet stipulatio non sit . . ."; C. 4, 32, 22: „Pignoribus quidem inter-
venientibus usurae, quae sine stipulatione peti non poterant, pacto retineri
possunt"), da in diesem Falle weder von einer Klage, noch erst recht nicht
von einer Klageerweiterung die Rede sein kann. Denkbar wäre, daß der
besitzlose Darlehnsgläubiger mit der actio pigneraticia sich den Besitz der
verpfändeten Sache sowohl wegen des Kapitals, wie auch der Zinsen wegen
verschaffen konnte, wenn sich der Schuldner im Verzuge befand. Daß der
Papyrus hier von evexupov spricht, schließt nicht aus, daß es sich um ein
besitzloses Pfand handelt. ' Evexupov wird auch für Pfand im allgemeinen
Sinne, also auch für das besitzlose Pfand verwandt 83 und hat nicht nur die
Bedeutung „Faustpfand". Der Terminus „evexupov" ist dem lateinischen
„pignus" gleichzusetzen84. Eine eigentliche Trennung zwischen Faustpfand
und besitzlosem Pfand fehlt auch hier, beide erscheinen noch in den justi-
nianischen Quellen unter dem gemeinsamen Namen „pignus" 85 . Das geht
schon daraus hervor, daß nach Ulpian zur Begründung eines „pignus" nicht
die Ubergabe der Sache notwendig ist (D. 13, 7 , 1 pr.: „pignus contrahitur
nuda conventione, etsi non traditum est"). Daher läßt sich auch D. 13,7,8,5
hier anwenden, wo es heißt, daß der Pfandverkauf (Pfand hier „pignus")
nicht allein wegen des nicht bezahlten Kapitals, sondern auch wegen der
Zinsen erfolgen könne88. Es kann daraus gefolgert werden, daß, wenn der
Pfandverkauf auch wegen der Zinsen betrieben werden konnte, die Klage
auf Aushändigung des Pfandes (actio pigneraticia) gegen den Darlehns-
schuldner auch (zugleich oder allein ?) wegen der Zinsen erfolgen kann.

83 „Der Terminus ,,iv£y\ipov" wird für das Faustpfand, aber durchaus nicht für

dieses allein, sondern auch für die Hypothek und für Pfand allgemein gebraucht.
Das evexupov ist dem römischen pignus an die Seite zu stellen, das auch für die Hypo-
thek wie für das Pfand überhaupt gebraucht wird". Manigk, ZS 30, 302.
84 Oben, Anm. 83. 85 Jörs-Kunkel, RöR. 156.
8,1 „Cum pignus ex pactione venire potest, non solum ob sortem non solutam venire

poterit, sed ob . . . usuras et quae in id impensa sunt."


III. E I N B I S H E R N I C H T E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : PIS 55 203

Dann spricht auch die Papyrusstelle mit Recht von einer Klageerwei-
terung.
Einer solchen Lösung begegnen aber Bedenken.
Wenn der Darlehnsgläubiger und Pfandnehmer, die nicht in seinem
Besitz befindliche Pfandsache von dem Pfandgeber bzw. einem Dritten
für sein Darlehn mittels der actio pigneraticia herausverlangen konnte, so
macht es keinen Unterschied, ob daneben die Darlehnszinsen als Haftungs-
grundlage auch noch hinzukamen. Die Herausgabe des Pfandes konnte er ja
allein schon wegen der Darlehnsschuld verlangen. Dem anderen Fall, daß
er allein wegen der Zinsen die actio pigneraticia hatte, stehen noch erheb-
lichere Bedenken entgegen. Es handelt sich ja gerade um den Fall, daß das
Zinspaktum nicht stipuliert wurde, also lediglich um ein „pactum nudum" 87 ,
hier gilt aber „nudum pactum non parit actionem"88. Eine selbständige
actio pigneraticia nur wegen der Zinsen kommt daher nicht in Frage, auch
wenn vereinbart war, daß das Pfand neben dem Darlehn auch für die
Zinsen haftet 89 .
Wie ist es aber, wenn man annimmt, daß allein für die Zinsen ein Pfand
bestellt war ? Richtig ist, daß das mutuum als ius strictum die Zinsen nicht
von vornherein in sich begreift. Das mag sich aber ändern, wenn zur Siche-
rung der formfrei paktierten Zinsen ein Pfand bestellt war. Hier bietet sich
die Basilikenstelle „ ' O aun<pcovr)0eis T O K O S O 0 peOoSeüsrai90, 6 T ) A O V Ö T I
ei pf| UTTEOTIV evex^pov91". Danach können also Zinsen auf Grund eines
bloßen pactum nicht eingeklagt werden, wenn nicht ein Pfand gestellt ist.
Denkt man diesen Satz nur positiv um, so ergibt sich: Zinsen können
eingeklagt werden, wenn ein Pfand für sie bestellt ist. Als Begründung zieht
die Basilikenstelle die schon genannten Konstitutionen (C. 4, 32, 4 und 22)

87 Definition des pactum nudum: 14/iAov ecrriv a0|jupcovov PR| TIKTOV äycoyr)v, ÖTTEp
OÜTE OTTO VOIJOU KUpoÜTcn, OÜTE ISIKÖV ävoiia Ix61- TECTCT&PCOV arricov.
Schol. ,,£r|Tei" Bas. Scheit. I, 209 Z. 25ff. Die 4 Arten des pactum nudum werden in
Schol. „Toü 'Evavr." näher bezeichnet (Bas. Heimb. I, 565). Sie werden dort gleich-
gesetzt mit den 4 Arten der Innominatkontrakte. Der Terminus yiAöv (vel yupvöv)
<T\)H<pcovov ( = nudum pactum) scheint von den Byzantinern keineswegs einheitlich auf-
gefaßt worden zu sein.
88 Vgl. D. 2, 14, 7, 4 und 5.

89 D. 13, 7, 8, 4.
90 ne0o6eücü „eine Schuld eintreiben" (Preisigke, Wörterb. d. griech. PapUrk.)

setzt also eine Verpflichtung ( = obligatio) voraus — als Obligation immer klagbar
(vgl. z. B. D. 2, 14, 7, 4 als Umkehrschluß!).
91 Schol. „GsoScopou", Bas. Heimb. II, 720.
204 NEUE TEXTE

an, wo formfrei paktierte Zinsen mit Hilfe eines Retentionsrechtes ,.er-


halten werden" ( = servari) können92. Meines Erachtens geht aber die obige
Basilikenstelle weit über die Konstitutionen hinaus, auf die sie sich zurück-
bezieht, wenn sie das dort zugestandene materiell-rechtliche Zurückbehal-
tungsrecht in einen prozessualen Klageanspruch in Hinblick auf die Zinsen
umformt.
Immerhin läßt sich dagegen einwenden, das „usurae servari" der Kon-
stitution (C. 4, 32, 4) stehe in einem gewissen Widerspruch zu der Form, in
der das „servari" bewirkt werden soll, nämlich „per retentionem pignoris".
Dadurch, daß der Gläubiger das Pfand zurückbehält, kommt er ja nicht zu
seinen Zinsen; die Zinsen werden ihm nicht „erhalten" (servari). Ein Zins-
anspruch bestand ja weder zuvor, noch besteht er jetzt auf Grund des Zu-
rückbehaltungsrechts, da ja ein pactum nudum vorliegt. Das „servari"
meint wahrscheinlich die tatsächliche Machtlage, die dem Gläubiger auf
Grund seines Zurückbehaltungsrechtes an der Sache des Schuldners ein-
geräumt ist. Regelmäßig wird die (zurückbehaltene und damit dem Schuld-
ner vorenthaltene) Sache einen in ihrem Wirtschafts- und Gebrauchswert
sehr viel höher anzusetzenden Wert für den Schuldner besitzen als die zu
leistenden Zinsen. Er wird sich daher gezwungen sehen, rein aus der wirt-
schaftlichen Machtlage und Position, die dem Gläubiger durch die Kon-
stitution eingeräumt ist, die Zinsen zu leisten, um wieder die Verfügungs-
möglichkeit über die verpfändete Sache zu erlangen. Auf diesem Wege
werden dem Gläubiger seine zwar rechtlich nicht existenten, faktisch aber
mit Sicherheit erlangbaren Zinsen erhalten. Der Ausdruck „servari" ist
zwar etwas unglücklich, aber gut verständlich und zutreffend, wenn man
hierin die faktische Erlangbarkeit der Zinsen sieht. Die Byzantiner haben
dann lediglich den nur geringen Sprung gemacht, die tatsächliche Macht-
position des Gläubigers in eine prozessuale umzuwandeln. Vielleicht haben
sie auch den eigentlichen Sinn des „servari" verkannt und es prozessual
ausgelegt.
In Verbindung mit unserer Papyrusstelle sei zusammengefaßt: Materiell-
rechtlich gibt ein Pfandrecht für formlos paktierte Zinsen nur ein Zurück-
behaltungsrecht, prozessual — nach der obigen Basilikenstelle — mehr als
das, nämlich ein Klagerecht. Die Zinsen müssen dann auch mit der Dar-
lehnsschuld zugleich eingeklagt werden können. Damit wird verständlich,
92
C. 4, 32, 4: „Per retentionem pignoris usuras servari posse . . . " ; C. 4, 32, 22:
„Pignoribus quidem intervenientibus usurae pacto retineri possunt".
III. E I N B I S H E R N I C H T E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : P S I 55 205

wenn der Papyrus hier von einer Klageerweiterung (TrXorrOvgcrOai) der Dar-
lehnsklage spricht, da das Zins-pactum hier immer nur als Nebenabrede
zum Hauptgeschäft, dem mutuum, aufzufassen ist.
Eine weitere Lösungsmöglichkeit für den Fall der Klageerweiterung
(Z. 74), wie ihn Zeile 80—84 konkret belegt, läßt sich für unsere Erörterung
an Hand einer Reihe weiterer Digestenstellen und einer verschollenen Basi-
likenstelle, die Cuiacius bringt, nachweisen.
Scaevola dehnt in D. 22, 2, 5 die Grundsätze, die für Seezinsen (faenus
nauticum) beim Seedarlehn (nautica pecunia vel traiecticia pecunia) gelten,
insb. die Zinsnahme als Entgelt für die Gefahr des Unterganges des Kapitals
(bzw. der dafür angeschafften Waren) allgemein auf die Fälle aus, in denen
der Darlehnsgeber die Gefahr für den Untergang des Darlehns übernimmt,
also eine Art Risikogeschäft abschließt; diese Risikoübernahme darf jedoch
nicht in eine Art verbotenen Spiels93 ausarten. Der Eintritt oder Nichtein-
tritt des Unterganges der Sache, bzw. des Darlehns, wird rechtlich dabei
als eine Bedingung (condicio) behandelt. Als Beispiel nennt Scaevola ein
Darlehn an einen Fischer, um ihm die Möglichkeit zu geben, sich Fanggerät
zu kaufen, das zurückzahlbar ist, falls der Fang erfolgreich ist; weiter ein
Darlehn an einen Wettkämpfer zur Bestreitung seines Unterhalts und seiner
Ausbildungskosten, das samt Zinsen zurückzuzahlen ist, falls er im Wett-
kampf siegt usw. Bei solchen Risikogeschäften „nützt" ein pactum ohne
Stipulation, um die Schuldverpflichtung auf die Zinsen zu erweitern
(„pactum sine stipulatione ad augendam obligationem prodest") 94 .
Da der Sinn einer obligatio in ihrer prozessualen Durchsetzbarkeit liegt
und sie daher zu einer actio führt, bedeutet die Erweiterung der obligatio
zugleich auch eine Erweiterung der Klage, eine Klageänderung zugunsten
des Klägers 95 und Darlehngebers.
Cuiacius, Obs. liber I X cap. 28, führt zu der obigen Digestenstelle 22,
2, 5, 1 eine sonst unbekannte Paraphrase96- 97 an, in der es, soweit hier
83
Vgl. S. 188 ff.
94
Die Benützung des Ausdrucks „prodest" ist auf die dogmatische Einteilung der
pacta „zum Nutzen des Klägers oder Beklagten" zu erklären (vgl. Bas. Schol. 'Tcov
ovn<pcbvcov" Scheit. I, 192 Z. 3 1 : (ttctktcc) töv IvdyovTCt f| töv ivctyöpEVOv cö<peXoüvTa
( = actori vel reo prosunt).
95
Vgl. oben, Anm. 94.
96
Bas. Heimb. V, 1 1 7 , dortige Anm. z.
97
Cuiacius spricht dabei zwar von „sie lego ex Basilicis" und vor seinem Zitat
„ut exposui supra BcktiAikcös", beläßt es aber bei diesen mageren Angaben, die keinen
näheren Anhalt für die Herkunft der Stelle zu bieten vermögen.
206 NEUE T E X T E

interessiert, heißt: Aocvei£cov Süvapai cruptpwveTv Aaßeiv 6 SsScoKa a v v


ETepa ttoct6ttiti cbcjauei Tinrma toO KivSOvovr . . . Eni toutccv yap tö
iraKTOU Kai X°°P'S eTTEpcoTr|<7Ecos ttAcxtuvei tt)v evox^v.
Gerade was die Klageerweiterung in unserem Papyrus betrifft (Z. 74:
[f] öcycoyT)]98 TrÄaruvECTÖoa) in Hinblick auf ein formfreies Zins-pactum im
Rahmen eines Kontraktes des ius strictum, speziell eines mutuum (Z. 80 ff.)
liegt ein sehr enger Zusammenhang mit D. 22, 2, 5, 1 und der angeführten
Basilikenparaphrase offen.
Aufmerksam machen möchte ich noch auf eine Stelle, der inhaltlich
wohl die gleiche Rechtslage zugrunde liegen dürfte, wie in dem bereits an-
gezogenen Scaevola-Zitat. Dies ist D. 22, 2, 7. Hier ist die Rede von einer
unbestimmten Anzahl von Kontrakten, bei denen Zinsen auf die gleiche
Art geschuldet werden, wie bei einer Stipulation („in quibusdem contractibus
etiam usurae quemadmodum per stipulationem"), d. h. eben ohne Stipu-
lation.
So nahe die zuletzt besprochene Lösungsmöglichkeit in wesentlichen
Teilen dem Papyrus steht (Klageerweiterung, Darlehnszinsen aus einem
formfrei vereinbarten pactum), so gibt sie doch für das mit dem Zins-pactum
verbundene Faustpfand keinen näheren Anhalt auf Grund der besprochenen
Gesetzesstellen; vielmehr würde danach das Zinspactum auch ohne Stellung
eines Faustpfandes gültig sein.
Insoweit scheint die zuvor besprochene Lösungsmöglichkeit, die die
prozessuale Umdeutung eines materiell-rechtlichen Zurückbehaltungsrechtes
an einem für die Zinsen bestellten Faustpfand darstellt, ein wahrschein-
licherer Deutungsversuch. Doch ist es auch beim letzten Deutungsversuch
nicht ausgeschlossen, daß neben den Rechten aus dem formfreien pactum
auf Grund eines bestellten Pfandes, eine weitere Rechtsmöglichkeit für den
Kläger, seine Zinsforderung durchzusetzen, herausgestellt wurde. In diesem
Falle würde es sich um eine Kombination beider Lösungsbegründungen
handeln, die auf die Deutung der Papyrusstelle anzuwenden wäre.
Von diesem Standpunkt sind noch zwei weitere Digestenstellen inter-
essant. Es ist dies D. 2 2 , 1 , 30, wonach Städte, die öffentliche Darlehn ge-

98 Es ist zwar nicht ausgeschlossen, daß hier statt äyooyr| [auch ¿voxr|] stehen
könnte, doch ist äycoyr) wahrscheinlicher, da der Papyrus auch in Z. 70—73, die den
Gegensatz zu dieser Stelle hier bilden, nur von Rechtsmitteln (Trccpaypa<pr|-c(VTmapcc-
ypaq>r|-dycoyr|) spricht, und der Verfasser des Papyrus daher bei der prozessualen Wer-
tung der pacta (hier beim ius strictum) dem Gedankengang nach bleiben muß.
III. EIN BISHER NICHT ERKANNTER STEPHANUSTEXT: PSI 55 207

währen, Zinsen auch aus einem formlosen pactum fordern können („Etiam
ex nudo pacto debentur civitatibus usurae creditarum ab eis pecuniarum")99,
verbunden mit D. 22,1, 3 3 , 1 : hiernach müssen Darlehn aus öffentlichen
Geldern durch geeignete Pfänder gesichert sein („Praeterea prospicere debet,
ne pecuniae sine pignoribus idoneis vel hypothecis".). Freilich erklärt auch
diese Version nicht, warum es nötig ist, daß das Faustpfand das pactum
(prozessual) „unterstützt" (TCO pactcp ßorjöäTai — = adiuvatur). Ver-
gleiche ferner D. 22, 1, 11 pr. und Bas. 23, 3, 11.
Die Unterscheidung „pro reo" und „pro actore", wie sie z. B. Schol.
„Zu|i<pcbvcov" für pacta beim ius strictum bringt100, fehlt hier. Doch
spricht der Papyrus hier auch von einer Klageerweiterung und nicht von
den dort üblichen Exceptionen. Es scheint damit also etwas völlig anderes
gemeint zu sein als die dort erwähnte Exceptionenwirkung der pacta.
Die teilweise Klagefähigkeit der pacta nuda gegenüber dem geltenden
Leitsatz „ex pacto actio non nascitur" (D. 2, 14, 7, 5) erklärt Enantiophanes
damit, daß hier die lex generalis der lex specialis weichen müsse101, er geht
also offenbar davon aus, daß die Klagefähigkeit der pacta nuda durch Ge-
setz begründet werden kann. Daher erwies es sich als erforderlich, die ge-
setzlichen Belege ausfindig zu machen, auf denen unsere Papyrusstelle be-
ruhen könnte102.

Zeile 85—89
Nachdem die prozessuale Position des Klägers bei Kontrakten des ius
strictum behandelt worden ist und die Änderungen, die pacta nuda zu
seinen Gunsten bewirken können (Z. 72—84), geht der Papyrus nun auf
die Prozeßstellung des Beklagten 103 ein und stellt heraus, welche Rechts-
mittel ihm durch die Absprache von pacta nuda erwachsen können.
Da hier von Einreden gesprochen wird, ist zu schließen, daß damit die
Rechtsposition des Beklagten erörtert wird. Diese Einreden rühren aus
einem pactum nudum her (coro yiAoü irö(KTOuZ.86),daszeitlichnachdem

99 Kai cnrö yiAoO aupupcbvou a-rraiTsiTai TOKOS TCOV irapci Tfjs TTOAEWS 8ocvei£o|j£vcöv
XPRMÖTTCOV. Bas. Schol. ,,MT) Scheit. I , 2 1 0 Z. 2—3.
100 Scheit I, 192 Z. 33ff.
1 0 1 IK£IVO (ÖT1OTTOYIAOÜ T TCTKTOU ÖCTTOClTSlTCCl) iSlKOÜ VOMTJJLOU IOTIV Kai T<2 iSlKOt TCÖV
yeviKcöv ¿TTiKpaTECTTEpa. Schol. ,,Mti 8 6 ^ " Scheit. I, 210 Z. 4f.
102 Ygj z u Zeile 82 unter „Vom Verfasser vorgeschlagene Ergänzungen".
1 0 3 Die gleiche Disposition: Prozeßstellung des Klägers — Prozeßstellung des

Beklagten, findet sich auch in Z. 7 1 — 7 2 .


208 NEUE TEXTE

Kontrakt (nera t ò auvóÀÀayiaa Z. 85) entstanden ist. Es handelt sich also


um ein pactum ex intervallo. Ein solches pactum hat prozessual regelmäßig
nur die Wirkung einer Einrede zugunsten des Beklagten, zugunsten des
Klägers (pro actore) kann es keine Prozeßwirkung hervorrufen: Ei Sè
(ttocktcc) uetò xpóvov eìctìv, Trapotypacpriv Ss nóvov tco pÉco xocpi£ovTou.
ètt' cbfeÀEÌa toO àKTOpos (ttóktcx) pr)T£ KOVTiuÉVTi, uri te Ivrep-
póÀÀo, UETOtTUTToOvTai (tt)v àycoyriv) 104 . Pacta ex intervallo bei Kon-
trakten des ius strictum gewähren nur dem Beklagten Einreden, hingegen
üben sie keinen Einfluß auf die Klage dahin aus, daß diese in ihrem Inhalt
selbst verwandelt wird. Da sie „extra naturam contractus" 105 stehen, sind
sie nicht Teil der Kontraktobligation und -klage („non inesse contractui")
und können daher keine direkte Wandlung der Klage hervorrufen. Folglich
können pacta nuda ex intervallo auch die klägerische Prozeßrechtsstellung
nicht verbessern ; sie nützen dem Kläger daher nichts.
Während der Papyrus in Zeile 71 und 72 von der Prozeßwirkung der
pacta ex continenti und ex intervallo bei bf. Synallagmata spricht, führt er
bei den Kontrakten des ius strictum anfangs nur etwas zur Prozeßwirkung
der pacta ex continenti aus (Z. 74: kcct' àpxàs TrÀorrùvEcrOoa). Es fehlt
also aufbaumäßig die Erläuterung der pacta ex intervallo bei Kontrakten
des ius strictum. Dies wird nachgeholt in Zeile 85—89.

Zeile go—95
Hier beginnt ein neues Thema. Behandelt wird der Rücktritt mittels
pactum von bf. Kontrakten re nondum secuta.
Zeile 90—95 erörtern den Rücktritt bei bf. Kontrakten erst allgemein.
Zeile 95—128 enthalten dann einzelne Beispiele zu diesem Problemkreis.
Als Beispiel für den Rücktritt wird die emptio-venditio gewählt, die in
den verschiedensten Abwandlungen immer wieder auftaucht. Dabei kann
durch ein Rücktritts-pactum der Rücktritt von dem ganzen, wie auch nur
von einem Teil des Kontrakts bewirkt werden. Ist die Ergänzung richtig,
so handelt es sich hier um ein Responsum Papinians.
Die logische Verbindung mit dem vorhergehend Erörterten kommt da-
durch zustande, daß es sich auch hier um ein pactum ex intervallo handelt,
das den Rücktritt herbeiführt. Es fehlt aber die Erklärung der Digesten,
warum pacta ex intervallo ausnahmsweise bei den bf. iudicia eine direkte

104 Bas. Schol. Zupcpcóvcov, Scheit. I, 193 Z. 2—4.


105 vg| d 2 ¡^ y_ g u n ( j Schol. Eipr|KaUEV Bas. 11, 1, 7, Scheit. I, 194.
III. E I N B I S H E R N I C H T E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : PSI 55 209

Wirkung auf den Klageanspruch ausüben (D. 2,14, 7, 6: „ . . . postea factae


[pactiones]108, quae ex eodem sunt contractu, insunt [bonae fidei iudiciis]).
Ausnahmsweise sieht man also auch in diesen pacta einen Bestandteil des
Kontrakts, was sonst nur bei den pacta ex continenti der Fall ist.
Daß es sich tatsächlich beim Rücktritt um eine direkte Einwirkung
eines pactum ex intervallo auf die Klage handelt, geht aus dem von Ulpian
angezogenen Pomponius-Zitat in D. 2, 14, 7, 6 hervor. Danach übt ein
pactum der genannten Art auch eine Wirkung auf Seiten des Klägers aus
dahin, daß es ihm bei der actio hilft107. Noch deutlicher geht dies aus
Scholion „To 8e yiAov" hervor, wo es sogar heißt, ein pactum ex intervallo
erzeuge in diesem Falle sowohl eine Klage wie auch eine Einrede108. Auch
hier wird es sich um den völligen oder teilweisen Rücktritt von einem bf.
Kontrakt handeln, auf den sich in gleicher Weise der Kläger wie der Be-
klagte berufen kann. Entscheidend ist, daß damit die Regel „pacta ex
intervallo erzeugen nur Einreden, können aber die Klage in ihrem Bestand
nicht ändern", durchbrochen wird. Die Begründung „postea factae (pac-
tiones) contractui insunt" gegenüber dem sonst geläufigen „ex intervallo
non insunt contractui, quod extra naturam" mutet doch sehr willkürlich an.
Warum sollen gerade in diesem Falle, wo es sich um den Rücktritt vom Kon-
trakt handelt, die pacta ex intervallo eine solche einschneidende Wirkung
haben ? Das Motiv für die willkürliche Handhabung des „insunt contractui"
oder „non insunt contractui" wird seinen Grund darin haben, daß wahr-
scheinlich dem Konsens bei den Konsensualverträgen eine wachsende Be-
deutung eingeräumt wurde. In dem Falle, wo ein solcher Konsensualvertrag
nur auf dem Konsens basierte, ohne daß also eine Sachleistung erfolgt war (re
nondum secuta), war es logisch, daß bloßer Konsens auch zur teilweisen
oder ganzen Auflösung des Kontraktes führen mußte („5ioc6ectis auvEorr|aE
tö CTUVccAccytia Kai SiocÖEcns IAuctsv"109).
Als diese Erkenntnis sich Bahn brach, hatte sich die Dogmatik aber
schon auf die Unterscheidung zwischen „pacta insunt contractui" und

106 „Exceptiones" corr. zu „pactiones", Huschke ZS 9, 344; vgl. auch Mommsen

hierzu, Große Digestenausgabe Vol. I, 63, Note 3: „fuitne pactiones ?"


107 ,,. . . etiam ex partis agentis pactio locum habet, ut et ad actionem proficiat

nondum re secuta".
108 To 8£ 14/iAöv otiijupcovov f|Toi T Ö nrrct ypövov iirl usicocrei TOO CTUvaAA&ypaTOS

yEvöpavov IttI TGOV KaArj iriaTei Kai (Scyooyf)v TIKTEI Kai -rrapaypaipriv. Kai £r|Tsi ßiß.
10' TIT. a ' KS<p. oß' 0E|i. ß'. — ÖEna ß ' fehlt leider. Bas. 11, 1, 7; Scheit. I, 210, schol. 60.
109 Schol. „Etprp<anev" Scheit. I, 195 Z. i8f.

14 Althcim-StiehJ, Christentum I
210 NEUE TEXTE

„pacta non insunt contractui" festgelegt. Sollten nun spezielle Fälle der
pacta ex intervallo eine Wandlung der Klage oder gar ihren Fortfall ver-
ursachen, so blieb nichts weiter übrig, als sie unter pacta einzuordnen, die
im Kontrakt enthalten, also Bestandteil des Kontraktes („insunt con-
tractui") sind. Im Basilikenscholion „ Eipf]Kan£ v" führt die Erwähnung
von „exceptiones postea factae" in D. 2, 14, 7, 6 mit ihrer klageändernden
Wirkung geradezu zu einer Umstürzung der Begriffe „pacta ex intervallo"
und „pacta ex continenti". Hier heißt es: Einreden aus pacta ex continenti,
die nach dem Kontrakt („|iETa tccütcc") entstehen, sind, weil sie zum Kon-
traktsinhalt gehören, in der Lage, auch die Natur des Kontrakts zu wandeln
(„cd cctto tcov e | kovtivevti cunipcovcov TiKTÖpevca ijetcc tccütoc Trapa-
y p o ^ a i Kotra t o evöv e^etö^ovtcxi, Kai UETormrovcnv tt)v cpOaiv t o ü cruvaA-
XayiiaTos"110.
Da der alleinige Maßstab für pacta ex continenti und pacta ex inter-
vallo die Zeit ist, zu der die pacta abgeschlossen sind —• gleichzeitig mit
dem Kontrakt ( = ovyxpovov): pacta ex continenti oder zeitlich nach dem
Kontrakt ( = hetöc xpövov): pacta ex intervallo — stürzt hier der ganze
dogmatische Bau bei dem Versuch zusammen, die klageändernde Wirkung
der „pacta postea facta" dogmatisch begründen zu wollen. Wie das Scho-
lion „Eipr)KOC|iEv" beweist, ist die Begriffsverwirrung hier nahezu voll-
kommen. Der Verfasser des Scholion sieht sich gezwungen, ein pactum ex
intervallo in ein pactum ex continenti umzudeuten, um die Einwirkung des
pactum auf die Klage in den Rahmen der dogmatischen Begriffslehre ein-
zupassen. Genau den umgekehrten Fall bringt Scholion „Zupicpcovcov".
Hier wird bei dem gleichen Thema, Rücktritt von einem bf. Kontrakt re
nondum secuta mittels pactum, von einem pactum ex intervallo gesprochen.
Auch hier heißt es, das pactum könne die Natur des Kontrakts wandeln
und zwar dann, wenn es zugunsten des Beklagten geschlossen sei („[eni
tcc Se KcxArj -rrioTEi] e§ ivTEpßäAAo [CTUti<pcüVT|0EVTa ttccktoc] ä^Ei(3ouai
-rr)v (pÜCTiv Tfjs äycoyfis-" 1 1 1
Es fällt hier insb. auf, daß der Papyrus nicht, wie es die Digesten tun,
fälschlich von exceptiones postea factae, sondern richtig von einem pactum
(ex intervallo) spricht.
Der Papyrus vereinigt die beiden in D. 2,14, 7, 6 getrennt wiedergege-
benen Gedanken — einmal: mittels eines pactum ex intervallo könne man
110 Bas. 11, 1, 7, Scheit. I, 194 schol. 13 Z. 35 ff.
111 Bas. 11, 1, 7, Scheit. I, 193 Z. 6.
III. E I N B I S H E R N I C H T E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : P S I 55 211

von einem bf. Kontrakt zurücktreten, zum anderen: wenn man auf diese
Weise von dem ganzen Kontrakt zurücktreten könne, so müsse auch ein
teilweiser Rücktritt möglich sein — in einem einzigen Satz, in dem fest-
gestellt wird, teilweiser oder gänzlicher Rücktritt von einem bf. Kontrakt
mittels eines pactum (zu ergänzen: ex intervallo) sei möglich. Auch hier
fällt wieder auf, daß der Papyrus kürzer und prägnanter ist als die Di-
gesten.
In Zeile 91 findet sich HEipavsporroa, in den Basiliken an der inhaltlich
gleichen Stelle n a p T u p e l 1 1 2 , in den Digesten „constet" (D. 2,14, 7, 6). Alle
drei Versionen weisen darauf hin, daß eine gesetzliche Regelung vorliegt.
Diese gesetzliche Grundlage findet sich in den Konstitutionen: C. 4, 45, 1
und 2; C. 4, 10, 5. C. 4, 45, 1 und 2 bestimmen, wann ein Rücktritt vom
Kauf möglich ist. In beiden leges ist ein Rücktritt nur vorgesehen, wenn
der Kauf noch nicht vollzogen ist (re integra), was unserem re nondum
secuta entspricht. C. 4, 45,1 spricht ausdrücklich vom Konsens der Par-
teien, durch den der Kauf geschlossen wird („consensu contractum est")
und vom „contrarius consensus", durch den er beseitigt wird (statt „con-
sensüs" steht allerdings „voluntatis" hier; doch meinen beide dasselbe).
Dies deckt sich genau mit dem Inhalt der Glosse neben Zeile 72—74,
wo es heißt: „wie ein (allein) auf Konsens beruhender Kontrakt re nondum
secuta (wirkt)". Die Glosse gehört daher zu Zeile 9iff. und ist irrtümlich
der Abhandlung der pacta ex continenti und ex intervallo zur Seite gestellt.
Das läßt darauf schließen, daß der Glossator beide Stellen, die Z. 72 ff.
und Z. 91 ff., in ihrem Inhalt nicht voll begriffen hatte 113 .
C. 4,10, 5 macht deutlich, daß die einseitige Aufhebung eines Kon-
traktes, wobei unter Kontrakt nur ein solcher re nondum secuta zu ver-
stehen ist, durch eine Partei nicht möglich ist. Anders natürlich, wenn ein
einseitiger Rücktritt vorbehalten war, wie bei der „in diem addictio" 114 .
Auch hier zeigt sich deutlich das Erfordernis des contrarius consensus.

Zeile 95—100
Zeile 95 f. spricht von einer evocAAocyr|, die durch ein pactum, hier das
auf einen Rücktritt oder Teilrücktritt abzielende pactum ex intervallo, ein-
tritt. Ist der Terminus „£vocAAayf|" hier gleichbedeutend mit „Tausch" ?
112 Schol. „EipriKansv", Scheit. I, 194 Z. 13.
113 Vgl. Kapitel „Besonderheiten des Papyrus, die auf die Person des Schreibers
schließen lassen" im III. Teil der Abhandlung.
114 Vgl. D. 41, 4, 2, 4; aber D. 18, 2, 2 pr.

14»
212 NEUE TEXTE

Ebenso ist auch in der danebenstehenden Randglosse von der EvaAXocyr)


die Rede.
Ausgeschlossen ist es nicht, daß hier vom Tausch gesprochen wird. Der
Tausch, der ja unter die zuvor behandelten Innominatkontrakte, speziell
die Kategorie ,,do ut des" fällt, wurde den bf. Kontrakten gleichgesetzt mit
der Wirkung, daß für ihn die gleichen Prozeßgrundsätze gelten, wie für die
bf. Kontrakte direkt. Zu bedenken ist aber, daß der „Tausch" in diesem
Zusammenhang (Rücktritt mittels pactum ex intervallo bei bf. Kontrakten)
ein recht ausgefallenes, ja fast gewagtes Beispiel darstellen würde, da er die
erst aus der byzantinischen Zeit stammende und umstrittene Lehre der
Innominatkontrakte voraussetzt. Ein ähnliches Beispiel findet sich daher,
soweit mir ersichtlich, auch nicht in den Digesten oder Basiliken. Hinzu-
kommt, daß man als Beleg für einen rechtlichen Grundsatz doch die ge-
bräuchlichsten und nicht die ausgefallensten Beispiele wählt. Sieht man
daher von der regelmäßigen, rechtlichen Bedeutung von IvocAAayri, als
„Tausch" ab, so kommt man zu der Grundbedeutung „Wechsel", „Aus-
tausch" und ähnliches115. Untersucht man die Digesten und Basiliken dar-
aufhin, was sie über die rechtliche Natur und Wirkung des Rücktritts bei
den bf. iudicia sagen, so findet sich, daß hier häufig und eingehend von
einer „nova emptio" 116 oder sogar von einer „Quasi-Novatio" (coorrep
VGoßctTico)117 die Rede ist. Die eigentliche Ubersetzung für „novatio" ist
allerdings „pteTocOecris". Daher habe ich Bedenken „evaAAayri" gleich
„novatio" zu setzen.
Gerade dieses Problem, ob beim Teilrücktritt eine novatio anzunehmen
sei, scheint bei den Byzantinern heftig umstritten gewesen zu sein. Die
einen nehmen an, durch den Teilrücktritt erlösche der alte Kontrakt ipso
iure und ein neuer gelange zur Entstehung (D. i8, i, 72 pr.: „ . . . recessum
a priore contractu et nova emptio intercessisse videtur"). Die gleiche
Haltung nimmt auch das Scholion zu den Basiliken „ Eipr|KocnEv" ein118.
Wenn hier die Belege von einer Quasi-Novatio sprechen, so setzt dies den
Gedanken voraus, daß der alte Vertrag durch den Rücktritt beseitigt wird.

Lex. Liddell-Scott.
115

D. 18, 1, 72 pr.
116
117 Z. B. Bas. 11, 1, 7 Schol. „ EipTiKccuev", Scheit. I, 196 Z. 26ff.: dxrrrep voßct-

teOectOot; soiKEV v o ß a T f o v i .
118
'EttI ycxp Trjs vövSoup, asKoCrra üiravaxcopriascos Sokel tö cruuAAXaypia
wcnrep voßaTsüeaOai Kai ävocKcavi^eaflai (= mutari). 'H yctp vövßovu ctekoOtcx yevo-
u£vt| CnTavccxcopi'iCTis Ioikev voßariovi. Vgl. oben, Anm. 117, Scheit. I, 196 Z. 24ff.
III. EIN BISHER NICHT ERKANNTER STEPHANUSTEXT: PSI 55 213

Die andere Ansicht geht dahin, daß der Teilrücktritt den Fortbestand
des alten Vertrages nicht hindere, er vielmehr hinsichtlich seines restlichen
Teiles erhalten bleibe. Daß auch diese zweite Ansicht dem Verfasser des
Papyrus bekannt gewesen ist, zeigt das Zitat eines Buches 18 in Zeile i n ,
das in dem Zusammenhang vermutlich die Papinianstelle in D. 1 8 , 1 , 72 pr.
meint; dort heißt es: „Pacta conventa, quae postea facta detrahunt aliquid
emptioni, c o n t i n e r i c o n t r a c t u i videntur". Danach kann ein Teilrück-
tritt nur die Folge einer teilweisen Beseitigung des alten Kontraktes haben,
nicht ihn aber insgesamt aufheben, da sein restlicher Teil ja in dem neuen
Kontrakt e n t h a l t e n ist.
Dem Ergebnis nach scheint sich der Verfasser des Papyrus der ersten
Ansicht zuzuneigen, wie ich im Vorgriff auf Zeile i i ß f f . feststellen darf, wo
von einer Beseitigung des alten Vertrages (TTpcoTt) ccvaipsicrOai Z. 114)
und einer Vertragserneuerung (ocvaveoüoöai Z. 1 1 3 ) die Rede ist.
Unter ivaAAcryf] wird hier daher, wenn auch nicht direkt die „novatio",
so doch die „Auswechselung" des alten gegen den neuen Vertrag zu ver-
stehen sein.
Diese Deutung im Gegensatz zur Begriffsvorstellung „Tausch" scheint
um so mehr wahrscheinlich, als das Beispiel, das sich auf die svaAAocyr| be-
zieht (Z. 96ff.), nicht etwa einen Tausch zum Gegenstand hat, sondern von
einem Rücktritt beim Kauf spricht.
Meines Erachtens handelt also Zeile 95 f. von der Auswechselung eines
Kontraktes mittels eines pactum. Das Beispiel, das die Auswechselung eines
Kontraktes aufnimmt, beginnt in Zeile 96 und endigt mit Zeile 100, da ab
Zeile 1 0 1 ein neues Thema beginnt.
Zeile 96 ff. behandeln den Fall eines Käufers, der einen Acker gekauft
hat und nun aus irgendeinem Grunde teilweise von dem Kauf re nondum
secuta zurücktritt. Genau den gleichen Fall führen die Basiliken in Scholion
„Eipr)KOtnev" aus. Hier hat Titius für 1000 Goldstücke einen Acker gekauft,
für den er den Kaufpreis noch nicht bezahlt und auch den Acker noch
nicht erhalten hatte. Vielleicht weil er mit dem Kontrakt nicht zufrieden
war oder die Kaufsumme nicht zu zahlen in der Lage war, vereinbarte er
mit dem Verkäufer, daß er die Hälfte des Ackers, vielleicht für 500 Gold-
stücke erhielte. — Die Basiliken fahren dann fort, indem sie auf Pomponius
Bezug nehmen, wobei offenbar dessen in D. 2, 14, 7, 6 gemachten Ausfüh-
rungen gemeint sind, Pomponius sage, daß ein Teilrücktritt bei einem
214 NEUE TEXTE

Kontrakt re nondum secuta möglich sei, und eine neue Quasi-emptio-ven-


ditio auf die Hälfte des Ackers kontrahiert zu sein scheine 119 .
Dies ist inhaltlich auch exakt unser Fall in Zeile 96—100. Hinzu kommt
aber neben der Behandlung der materiellen Rechtslage die prozessuale
Seite, wie aus dem in der Lücke erhalten gebliebenen 7rapa[y]p (Zeile 100)
zu entnehmen ist. Einen Anhalt hierfür kann das in D. 2, 14, 7, 6 zu Anfang
tatsächlich zu findende „exceptiones" postea factae wohl nicht bieten, da
es zu „pactiones" korrigiert werden muß 120 . Doch bietet auch hierfür
Scholion „ Eipr|KcciJi£v" Aufschluß. Hier werden zum Rücktritt bei bf.
Kontrakten 3 Beispiele nacheinander behandelt 181 . Das erste hat den Kauf
von einigen Krügen Wein zum Gegenstand, wobei alle 3 Mögüchkeiten des
Rücktritts — 1. Ermäßigung des Kaufpreises, 2. Herabsetzung der Zahl
der Weinkrüge und 3. Verminderung des Preises und Herabsetzung der
Zahl der Weinkrüge zugleich •—• untersucht werden. Diese Durchprüfung
ist sehr ausführlich und geht auf die prozessuale Seite des Teilrücktritts
beim Kauf ein, weil es sich ja um das erste Beispiel zum Teilrücktritt
handelt. Unser Beispiel, das den Teilrücktritt von einem Grundstückskauf
behandelt, wird erst als zweites Beispiel angeführt und ist nur als Spielart
der dritten Möglichkeit des ersten Beispiels gedacht, nämlich der Vermin-
derung des Preises wie der Sache. Es stellt also genau genommen einen
doppelten Rücktritt dar, einmal auf Seiten des Käufers hinsichtlich der
Verminderung des Preises, zum anderen auf Seiten des Verkäufers hin-
sichtlich der Verminderung der Sache.
Dieses zweite Beispiel führen die Basiliken aus verständlichen Gründen
im Verhältnis zum ersten nur sehr kurz aus, weil die Prozeßwirkung bei
ihm die gleiche sein muß, wie bei der dritten Spielart des ersten Beispiels
und sich die nochmalige prozessuale Behandlung des Stoffes daher erübrigt.
Es gilt also das, was die Basiliken in prozessualer Hinsicht für die dritte
Spielart des ersten Beispiels sagen, auch für unseren Fall.
Es paßt daher hier auch das dort Gesagte, wo es heißt, eines lasse sich
feststellen, die eine der Parteien könne wegen des (alten) Kaufpreises, die
andere wegen der (alten) Sache schlecht eine Klage betreiben. Ihr könne
nämlich eine exceptio, die dem (neuen) Kontrakt innewohne, entgegen-
gehalten werden und der Beklagte könne zu nichts anderem gezwungen

119 Bas. 11, 1, 7, Schol. „EipriKCCuev" Scheit. I, 197 Z. 1—9.


120 Oben, Anm. 106.
121 Schol. „Eipi'iKauEv" Scheit. I, 195 ff.
III. E I N B I S H E R NICHT E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : PSI 55 215

werden, als die (herabgesetzten) 80 Amphoren (Wein) anzunehmen und die


(herabgesetzten) 40 Goldstücke zu zahlen („sls EiaeAöcbv Ktvr|aei, o |iev
eiri TOTS vo|iicr|iacn, 6 8E STTI TOIS Trpaynocai, KCCKG&S KIVEI. Trapaypa<pr) y a p
CTUTIKEITOTI AÖTCO Koträ TÖ EVÖV £^£TA^OP£uri, Kai OÜBEV äXKo KarraßaAstv
6 EUAYÖIIEVOS ccvayKa^ETAI, EI PF] TOOS TT ' KEPÄUOUS F| TOC P ' voiatapcrra122.
Es wird sich daher auch in unserem Falle um eine exceptio zugunsten der
Beklagten handeln, der sie dem Kläger entgegensetzen kann, falls dieses
sich auf den alten Vertrag beruft und danach seine Ansprüche stellt. Dies
behandelt der hier stark ergänzte Papyrus ab Ende der Zeile 99 bis ein-
schließlich Zeile 100123.

Zeile 101—114
Hier wird nochmals auf die prozeßrechtliche Seite des Rücktritts ein-
gegangen, diesmal sehr ausführlich und mit dogmatischen Finessen. Es
heißt nämlich, durch den Teilrücktritt sei eine Einrede und Gegeneinrede
„im uneigentlichen Sinne" entstanden. — Diese Bedeutung wird KOTOC-
XPT|OTIKCOS (Z. 101,106 und 111) beizulegen sein. KORRAXPRIOTIKÖS entspricht
dem lateinischen „inutilis" oder „invalidus". Da aber, wie aus dem Beispiel
in Z. iox—106 ersichtlich, nicht etwa die Einrede (bzw. Gegeneinrede) „un-
wirksam" ist, sondern im Prozeß vorgebracht werden kann, handelt es sich
um eine tatsächlich prozessual wirksame Einrede (bzw. Gegeneinrede), wobei
die Bezeichnung als „Einrede" lediglich als technisch-dogmatisch nicht
korrekt empfunden wird; daher auch „Einrede im uneigentlichen Sinne".
Wann liegt eine solche Einrede bzw. Gegeneinrede im uneigentlichen
Sinne vor?
Dazu bringt der Papyrus das Beispiel in Z. 101—106. Danach ist dies
dann der Fall, wenn der Verkäufer, nachdem ein Teilrücktritt bei einem
Kontrakt re nondum secuta erfolgt ist, dem Käufer auf Grund der Rück-
trittsvereinbarung einen Teil der Sache vorenthält, aber auf Zahlung des
Kaufpreises für den Rest der Sache klagt. Hält ihm nun der Käufer und
Beklagte die auf dem vor dem Teilrücktritt liegenden Kontrakt basierende
Einrede entgegen, er, der Kläger sei verpflichtet, auf Grund des Kontraktes
den Kaufpreis in voller Höhe anzunehmen124 und habe ihm, dem Beklagten,
den Acker ungeteilt zu übergeben, so kann der Kläger und Verkäufer ihm
122
Schol. „ Etpr|Kan6v" Scheit. I, 196 Z. 5—9.
123 vgl. „Ergänzung" zu Z. 99—100.
124
Voraussetzung für die eigene Forderung des Beklagten bei den auf dem Lei-
stungs- und Gegenleistungsprinzip basierenden Kontrakten.
216 NEUE TEXTE

die Gegeneinrede auf Grund der Teilrücktrittsvereinbarung entgegenhalten,


er brauche dem beklagten Käufer nur den Rest des Ackers übergeben, wes-
wegen er ja auch nur den reduzierten Kaufpreis fordere125.
Soweit der prozessuale Sachverhalt.
Es folgt in Z. 106—108 der erste, allgemeine Teil der Begründung,
warum eine solche Einrede als „Einrede im uneigentlichen Sinne" anzu-
sprechen ist.
Der Verfasser des Papyrus sagt126 dazu, einfach deswegen müsse sie als
Einrede im uneigentlichen Sinne bezeichnet werden, weil ein Teilrücktritt
re nondum secuta vorliege.
Da dies aber in seiner Abstraktion schwer verständlich erscheint, fügt
er nochmals ein Beispiel an (Z. 108—in), an dessen Schluß das Motiv
steht, warum infolge des Teilrücktritts eine Einrede aus dem alten Kon-
trakt eine ,,untechnische Einrede" ist. Hier sagt er nämlich (Z. 1 1 0 — i n ) ,
es gelte die Teilrücktrittsvereinbarung wie ein zweiter Kauf, während der
erste Kaufkontrakt aufgehoben zu sein scheine. Demnach ist der Teilrück-
tritt von einem Kaufvertrag re nondum secuta wie eine Quasi-Novation zu
behandeln. Wird auf die volle Leistung aus dem Kaufkontrakt geklagt, kann
der Beklagte dem die Einrede aus dem Teilrücktritts-pactum entgegen-
setzen, die die Wirkung hat, als läge eine Novation des Kaufvertrages vor,
d. h. als wäre der Kaufvertrag aufgehoben und an seine Stelle ein neuer,
zweiter Kaufvertrag getreten.
Interessant ist noch, daß bei der Feststellung, die Teilrücktrittsverein-
barung habe die Folge, der zweite Kauf gelte, als ob der erste nicht ent-
standen sei, auf ein Buch 18 hingewiesen wird. Die unsichere Lesung des
Buchstaben T) bei der Zahl IT]' wird durch ihre Wiederholung in der Rand-
glosse gesichert127. Hier handelt es sich vermutlich um die Paulus-Note in
D. 18, i, 72 pr.: „ . . . recessum a priori contractu et nova emptio inter-
cessisse videtur".

125
E s ist zu beachten, daß der Begriffsinhalt von exceptio (= TrapaypOKpri) sich
nicht mit dem Begriffsinhalt der „Einrede" im deutschen zivilprozessualen Sinne
deckt.
126
Bemerke die persönliche Form: Aeyco bei einer dogmatischen Begründung und
der Behandlung eines Problems, das sonst nirgends in den Digesten oder Basiliken
auftaucht, und daher dem geistigen Urheber des Papyrus zuzurechnen ist; vgl. auch
S. 2 1 7 und das Kapitel „ P S I 55 ist für und im Rechtsunterricht verfaßt" im III. Teil
der Abhandlung.
127
De Francisci, Ist. Lomb. X L V , 238.
III. E I N B I S H E R NICHT E R K A N N T E R STEPHANUSTEXT: PSI 55 217

Zeile i n — 1 1 4 verbreitern das zuvor Gesagte. Eine Einrede aus dem


ersten Kauf sei uneigentlich, wenn man annähme, der Kauf sei durch den
Rücktritt vollständig erneuert und der alte Kontrakt damit aufgehoben.
Neu sind hier die beiden wiedergegebenen dogmatischen Ansichten, die
erste, daß die auf die Aufhebung gerichtete Einrede dem Kontrakt inne-
wohne 128 , die andere aber die Aufhebungs-Einrede als „ipso iure" 129 ent-
standen 130 ansieht.
Zusammenfassend läßt sich sagen, der Verfasser des Papyrus bezeichnet
hier gewisse Einreden als „Einreden im uneigentlichen Sinne" (KO(TOt)(pT|OTt-
KC05). Er begründet dies damit, daß der ursprüngliche Kontrakt durch die
Rücktrittsvereinbarung (bzw. Teilrücktrittsvereinbarung) aufgelöst wird
und an seine Stelle die neue Vereinbarung tritt. Dieser Argumentation liegt
der Gedanke zugrunde, daß, wenn der alte Kontrakt entfällt, es gegen ihn
keine Einrede im eigentlichen, technischen Sinne geben kann, da diese
ja den Kontrakt als Basis voraussetzt. Da aber nun die Praxis im Falle einer
Klage zuläßt, daß sich eine Partei auf den alten Kontrakt beruft, wie aus
dem Beispiel in Z. 101—106 hervorgeht, und vorbringen kann: nimm den
vollen Kaufpreis und gib mir die ganze Sache, was die andere Partei aller-
dings zurückschlagen kann —, so muß zwar anerkannt werden, daß tat-
sächlich eine Einrede vorliegt, die aber als eine dogmatisch nicht korrekte,
daher als „Einrede im uneigentlichen Sinne" zu bezeichnen ist.
Dieser Gedankengang, der den Dogmatiker erkennen läßt, hat weder in
den Basiliken noch in den Digesten 131 seine Parallele. Er dürfte daher allein
dem geistigen Verfasser des Papyrus zuzuschreiben sein. Darauf weist auch
die Randglosse zu Zeile 108—-112 hin, wo die persönliche Form gebraucht
wird und es heißt „ i c h sage uneigentlich" („Xéyco KaTccxpr|OTixcos)•
Ebenso gebraucht wird Xéyco in Zeile 106 und i n 1 3 2 .

128
-rrapocypocipri Kcnrct TÓ ivöv é£eTa£opévi] ( = exceptione, quae inest contractu!);
Schol. ,, ElpriKapev" Scheit. I, 195 Z. 22.
128
C. 4, 45, 1 und 2.
130 vgl. Bas. 1 1 , 1, 7; Schol. „ELPRIKOCUIV" Scheit. I, 195, Z. 24: ((TI; AUSÉUTO; TOÜ
ovvaMáynocTos Kivr|OTj) ó vópos olSeu aÜTÖv ¿KßeßXrmevov 61a Tfjs irapccypa<pf¡s.
131
Der Ausdruck „exceptio invalida, inutilis, inefficax vel informa", der als latei-
nisches Synonym für KarraxpT|cmKcös in Frage käme, ist den Digesten unbekannt,
wie eine Durchsicht des Voc. Iurisprud. Rom. beweist.
132
Vgl. Kapitel ,,PSI 55 ist für und im Rechtsunterricht verfaßt" im III. Teil
der Abhandlung.
218 NEUE TEXTE

Zeile 114—121
Nachdem zuvor von einem Rücktritt, der auf Verringerung der Leistung
abzielte, die Rede war, wird hier kurz ausgeführt, daß die gleichen mate-
riellen und prozessualen Folgen auch für einen Rücktritt gelten, der die
Erhöhung einer oder beider Kontraktleistungen bezweckt. So erklärt sich
auch das koi6' EKCXTepav evvoiav apiao^siv in Zeile 114, das sonst etwas
schwer verständlich wäre. Es besagt, daß die zuvor für die Verringerung
der Leistung gewonnenen Folgerungen auch für die Erhöhung der ur-
sprünglich kontrahierten Leistung (bzw. Leistungen), also für jede „der
beiden möglichen Erwägungen", zutreffen.
Gedanklich vorweggenommen wird also die zweite der möglichen Er-
wägungen: die Vermehrung der Leistung. Gemeint ist also: der Rücktritt
kann zweierlei Formen annehmen; er kann zur Verringerung ( = lisicoais)
oder zur Vermehrung ( = em0f|KTi oder ocu£r|ais) der Leistung führen;
beide Formen seien gleich zu behandeln. Offensichtlich hat sich hier die
Auffassung des Paulus (D. 1 8 , 1 , 72 pr.) durchgesetzt, der ebenso beide
Fälle gleichbehandelt; anders Papinian (ebenfalls D. 18, 1 , 72 pr.).
Nachdem gesagt ist, daß der Rücktritt in beiden Fällen, der Verrin-
gerung und der Vermehrung des Kaufgegenstandes, gleich zu behandeln
ist, wird nur kurz ausgeführt, auch eine Vermehrung löse das lediglich
unter Konsens geschlossene Synallagma re nondum secuta auf und nütze
dem Kläger — eigentlich genau: es nütze in Hinblick auf die Klage. Die
Übertragung von ovpßaAAETai (Z. 115) mit „es nützt" dürfte richtig sein,
da die Basiliken es in der gleichen Bedeutung benutzen. Auch entspricht
die in Frage stehende Basilikenstelle inhaltsmäßig unserem Text hier, wes-
wegen sie angeführt sei:
,,i] £v au^r|CT£i TTpaypcrros f| Ti|if||aaTos yivo^eur) vnrocvocx&bprio'is
CTUußäAAeTcu ( = „prodest" im Heimbachschen Context) Kai tco aKTopi
Kai pETaTUTro! aörco tt|v aycoyf|v 133 ; . . . yevöpevov -ttckktov . . . povw
CTUnßccAÄETai"134.
Nachdem schon oben erwähnt wurde 135 , daß eine der byzantinischen
pacta-Theorien es darauf abstellt, ob das pactum dem Kläger oder Be-
klagten „nützt", ist ein solcher dies behandelnder Passus hier leicht ver-
ständlich.
133
Schol. „Etpr|Kanev" Scheit. I, 196 Z. 27—30.
134
Schol. ,,ElpT|KanEv" Scheit. I, 197 Z. 19.
135
Oben, Anm. 94 und Seite 205.
I I I . E I N B I S H E R N I C H T E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : P S I 55 219

Der Papyrus fährt dann fort, eine Vermehrung der Leistung löse daher
ebenso wie die Verringerung den ursprünglichen Kontrakt auf und bilde
die Klage um.
In Zeile 118—121 wird ein Beispiel für die Vermehrung der Sach-
leistung gebracht. Wieder handelt es sich um den Verkauf eines Ackers.
Diesmal hat der Rücktritt offenbar die Folge, daß der ursprünglich nur
teilweise verkaufte Acker nun in seiner Gesamtheit als verkauft gilt. Aller
Wahrscheinlichkeit nach ist das vorgängige Beispiel nur umgekehrt worden.
Die hier ergänzte Stelle spricht daher von einem ursprünglichen Kauf über
4/ eines Ackers, von dem insoweit ein Rücktritt vereinbart wird, als für
5

den gleichen Kaufpreis, der für den alten Kontrakt galt, nun der gesamte
Acker als verkauft gilt.

Zeile 121—128

Diese Stelle legt den in Scholion ,,Eipf)Kapi8u" an dritter Stelle stehenden


Fall über den Rücktritt von einem Kontrakt zugrunde: Der Käufer eines
bloßen Konsensualkaufes (re nondum secuta) stirbt. An seiner Statt treten
seine beiden Erben im Wege der Rechtsnachfolge in den Kaufkontrakt ein.
Der Verkäufer paktiert nun mit einem der beiden Erben auf einen Rück-
tritt vom Kontrakt. Will er aus dem alten Kontrakt klagen, so kann er nur
gegen den Erben vorgehen, der kein Rücktritts-pactum mit ihm geschlossen
hat; seinen Vertragspartner in der Rücktrittsvereinbarung kann er da-
gegen nicht belangen136.
Soweit in großen Zügen der Sachverhalt.
Hier handelt es sich um einen Sonderfall des Rücktritts. Nach der herr-
schenden Theorie, nach der der Rücktritt — auch der Teilrücktritt — eine
Beseitigung des alten Kontraktes bewirkt, entfällt auch hier der alte Kon-

138 Scheit. I, 197 Z . 9—20: Maeßios TTETTpaKE irpayua T M A R äAAcx pe vövSouu

(TEKOÜTa eTEÄEÜTriCTe TItios IttI TTpiucp Kai 2ekoüv5u KAR|pov6nois' TTpIno; eis tcöv kAt|-
povöiaoov tc¡5 MaEßico Treprruxcov ^¿pepETo Tri ccyopacjia, Kai iSo^ev cncupov sivai tö
cnjväAAayiaa • KaraAuECTÖai te Kai eis nipos ävaveoücröai SokeT, äAA' iitl novo} tcö |jEpsi
TTpiiaou toü uaKTEÜaavTOs KArjpovönou KorraAuEcrSai tö auvaAAayp,a, Kai öctov f)Ksv eis
tö auuaAAaypa ccOtoO Kai növou daüaraTov clvar cbuTTEp av T15 xpEtoarcov ett! SucjI
teAeutticti] KAripovönois, Kai ö Savsicrrfis iv\ tcöv KAripouopicou Troir|crri ttäktov, öti oük
<änraiTT|CTEi to xpeos' SuvaTat yccp töv äAAov önraiTEiv, irpö VEpESiTÖpiE -rrApTE 8t|Aovöti.
Tct slpripiva nontrcovico te Kai 'louAiavcö Kai OOAmavös änroSEXSTai. ZtiueIcoctoi ouv,
ivl tcöv KAr]pouop;cov yEvonEvou ttoktov aÜTcö Kai uövco crunßaAAETai, oük£ti Kai toTs
auyKAr)pou6|jois aÜToO.
220 NEUE TEXTE

trakt 137 . Wie aus der Verwendung des Ausdrucks „Darlehnsgeber" („5a-
VEICTTTIS") in unserem Basilikenscholion und der ausführlicheren Schilderung
im Papyrus, wo von einem Darlehns-pactum die Rede ist (f)50votro iraK-
Teüaai eni Saveiou Z. 127), zu entnehmen ist, wird die Zahlungspflicht
des anderen Erben in eine Darlehnsrückzahlungspflicht umgewandelt.
Da der Verkäufer ihn auf Grund erbrechtlicher Vorschriften in Hinsicht auf
die Kaufpreisverpflichtung nur zur Hälfte — neben seinem Miterben —
in Anspruch nehmen kann 138 , bedeutet dieser Rücktritt in Hinblick auf
die gesamte Kaufpreisforderung einen Verlust der halben Kaufpreis-
forderung, gegenüber dem zurücktretenden Erben aber die Einbuße
der gesamten gegen ihn gerichteten Forderung. Es tritt also eine For-
derungsspaltung 139 ein. Wie aus dem ctxupov Elvat TÖ auväAAayiicc140 her-
vorgeht, scheint die Theorie ihn nach wie vor als eine Einheit betrachtet zu
haben. Deshalb konnte sie bei diesem personellen Teilrücktritt immer nur
den Kontrakt als in seiner Gesamtheit aufgelöst ansehen. Dies hätte aber
die Wirkung haben müssen, daß die Auflösung des Kontraktes nicht nur
dem paktierenden Erben, sondern auch dem an dem Rücktritts-pactum
unbeteiligten Miterben zugute kam. Dies widersprach aber offensichtlich
dem Interesse des Gläubigers, während ein Schutzbedürfnis für den unbe-
teiligten Miterben nicht bestand. Um den ungewollten Erfolg, der sich als
Folge der herrschenden Rücktrittstheorie ergab, zu vermeiden, griff man
hier zu der Theorie der „pacta in personam" und „in rem". Damit erklärte
man, daß das Rücktrittspactum nur für den Vertragsschließenden (hier
den einen Erben) wirkte und nur ihm gegenüber die Auflösung des alten Kon-
traktes zur Folge hatte. Dieser Gedanke ist zwar nicht direkt an dieser
Stelle des Papyrus enthalten, aber sicher als Voraussetzung für die theore-
tische Begründung des Falles hinzuzudenken.
Zugleich stellt dieses Beispiel den Grenzfall zwischen der Behandlung
des Rücktritts-pactum und der des „pactum in personam" und „in rem"
dar, die mindestens ab Zeile 132 aufgenommen wird.

1 3 7 Schol. „ Eipr|Kocpsv" Scheit. I, 197 Z. 1 1 — 1 3 : ISO^EV, fixupov elvai TÖ auv&A-

Aaytia; KaraAüsCTÖai Kai NIPOS ävavEoücröai SOKET.


138 Im Falle der Erbenmehrheit gilt der Satz „nomina ipso iure divisa". Die teil-

baren Verbindlichkeiten — um eine solche handelt es sich hier — zerfallen also im


Verhältnis der Erbquoten in selbständig geteilte Schulden. M. Käser, Rom. P r i v R . I,
610; 550 dortige Anm. 13.
1 3 9 M. Käser, R ö P r i v R I, 549 u. 610.

140 Schol. „ Etpr|Kccnev" Scheit. I, 197 Z. 12, vgl. Anm. 137.


I I I . E I N B I S H E R N I C H T E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : P S I 55 221

Die Digesten, die in einer von Ulpian angeführten Julian-Note (D. 2,


14, 7, 6) den Fall der beiden Erben nur kurz berühren, sprechen hier von
einer teilweisen Auflösung des Kontraktes („dissolvi pro parte 141 emtionem"),
unterscheiden also nicht zwischen dem Teilrücktritt in der Sache, die eine
Verringerung oder Vermehrung einer der Leistungen zur Folge hat, und
dem Rücktritt einer Person aus einer Personenmehrheit, die einen Voll-
rücktritt für diese Person bedeutet. Hier wird ungenau der Erfolg des
Rücktritts für den Gläubiger, der ihm nur die halbe Kaufpreisforderung
einzutreiben gestattet, mit der Ursache, die hier keineswegs einen Teilrück-
tritt hinsichtlich der Kaufpreisschuld, sondern einen Vollrücktritt einer
Person hinsichtlich ihrer vollen Haftungspflicht darstellt, gleichgesetzt.
Da sind die Basiliken insoweit genauer, die hier den Erfolg aus einem pac-
tum in personam heraus erklären.

Zeile 12g—133

Zu Anfang wird der in D. 2 , 1 4 , 7, 7 und den Basiliken142 gleichermaßen


enthaltene Gedanke wiedergegeben: Der Prätor erklärt, er werde form-
losen pacta seinen magistratischen Schutz angedeihen lassen, falls sie nicht
gegen die Gesetze ( = Plebiszit, Senatuskonsult, Dekret und Edikt) ver-
stoßen.
Das wird daraus verständlich, daß unter pacta diejenigen (formlosen)
Vereinbarungen zu rechnen sind, die, da sie nicht unter die zivilrechtlich
anerkannten Rechtsnormen fielen, auch keine Klage erzeugen konnten
(Paul. sent. 2 , 1 4 , 1 : „ex nudo pacto inter cives Romanos actio non nasci-
tur."). Doch war dem Prätor, indem er auf Grund seiner magistratischen
Gewalt den Parteien die „formula" zudiktierte, durch die er den Richter
anwies, seine Untersuchung in einer bestimmten Richtung zu führen, die
Möglichkeit gegeben, die Urteilsgrundlagen von vornherein festzulegen und
auch andere, außerhalb des ius civile stehende Gesichtspunkte in der For-
mula zu berücksichtigen. Er konnte daher mittels der Formula neue Rechts-
grundsätze in das Verfahren „apud iudicem" hineintragen143. Von dieser

141
Gegensatz „in solidum", L e x . Heumann-Seckel.
142
Schol. ,,' EVTEOÖEV" ; Schol. ,,Kup!AAou und Schol. „Toü 'Avcov". — Scheit. I,
igyi.
143
Durch Einführung von Rechtsmitteln (actiones, exceptiones, interdicta, resti-
tutiones in integrum u. a. m.) konnte der Gerichtsmagistrat das ius civile ergänzen.
Käser, R ö P r i v R I, 1 8 4 f.
222 NEUE TEXTE

Möglichkeit ist hier offensichtlich die Rede. Die Stelle will sagen: form-
freie, nicht legitime pacta werden entgegen dem Grundsatz „ex pacto actio
non nascitur" im Gefolge der Tätigkeit des Prätors klagbar.

2 Probleme tauchen hier auf:


1. Haben die Quellen hier die Bedeutung, daß pacta ganz allgemein und
jeder Art durch diesen im prätorischen Edikt proponierten Grundsatz
Klagefähigkeit verliehen werden sollte, oder galt diese Ankündigung des
Prätors lediglich beschränkt, hier speziell auf die Gruppe der Rücktritts-
pacta zugeschnitten?
2. Wie kommen die Digesten und erst recht die Basiliken dazu, die
rechtsschöpfende Gewalt des Prätors, die doch bereits in klassischer Zeit
mit dem Erlöschen des Formularprozesses endete, hier in eine so späte
Periode zu übernehmen ? Existierte eine solche Funktion des Prätors noch,
oder haben die Quellen hier nur noch den Wert einer historischen Remi-
niszenz, ohne gegenwartswirkend zu sein? Schließlich handelt es sich hier
evtl. um Quellen, die der byzantinischen Gegenwart die Anwendung ana-
loger Ersatzformen gestattete?

Zu i)
Wie u. a. aus D. 2,14, 7, 5 und auch dem weiter oben Gesagten hervor-
geht, betonen die Digesten immer und immer wieder den Grundsatz „ex
pacto actio non nascitur". Anschließend daran werden einzelne Ausnahmen
erörtert, wie z. B. „pacta ex continenti inesse bf. iudiciis", die damit als
klagefähig anerkannt werden. Ähnlich muß es auch hier sein. Es handelt
sich um eine Ausnahme von der Regel. Pacta ex intervallo, die den Teil-
rücktritt bewirken, lösen ja nach der h. L. den alten Kontrakt auf und
schaffen einen neuen Kontrakt, oder wie Paulus (D. 18,1, 72 pr.) vorsich-
tiger ausdrückt, einen Quasi-Kontrakt. Dieser, der aus einem formlosen,
nicht klagbaren pactum entstanden ist, ist hier selbständig klagefähig.
Diese Gruppe von pacta durchbrechen damit gleichfalls die Regel „ex
pacto actio non nascitur". Die Wirkung dieser Gruppe beruht nun, und
das wollen die Quellen wie unser Papyrus sagen, auf der Jurisdiktionsgewalt
des Prätors. Damit ist der Sinn dieser Stelle und zugleich auch der logische
Anschluß an die Behandlung der zuvor stehenden Rücktritts-pacta ge-
funden.
III. E I N B I S H E R N I C H T E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : PSI 55 223

Zu 2)
Die im Wege des prätorischen Imperium herausgebildeten Rechtsgrund-
sätze, die ursprünglich für den konkreten Fall geschaffen waren, wurden,
wenn sie sich bewährt hatten, schließlich als generelles Recht anerkannt144-
145
. Nach Erlöschen des Formularprozesses wurden sie dann ihrem Inhalt,
wenn auch nicht ihrer Form nach, in das Kognitionsverfahren übernom-
men148. Das „pacta servabo" des Prätors, beschränkt, wie wir oben gesehen
haben, auf pacta ex intervallo, die auf einen Rücktritt von einem bf. Kon-
trakt abzielen147, galt nunmehr in der byzantinischen Periode für den be-
amteten iudex und wirkte damit auch in dieser Zeit fort.

Nach dem soeben behandelten Punkt, der den magistratischen Schutz


formfreier pacta zum Gegenstand hatte und seine Fortgeltung, wenn auch
in verändertem Kleide, in der byzantinischen Periode darlegte, enthält der
Papyrus, ebenso wie die Digesten148 und die Basiliken, Ausführungen zur
Theorie der „pacta in personam" und „in rem". Beide Gedanken stehen
in keinem zwingend logischen Zusammenhang. Wie mag es zu ihrer hier
doch unmotivierten Verknüpfung gekommen sein ?
Die Digesten zitieren in 2, 14, 7, 7 eine Note Julians, die den Fall eines
Teilrücktritts, nämlich den unserer beiden Erben, vom Kauf behandelt.
Der Fall selbst ist nur sehr knapp angedeutet, daß, wenn man ihn nicht,
wie wir, aus den Basiliken kennen würde, ihn kaum rekonstruieren könnte.
Bei dieser Darstellung der Digesten handelt es sich vermutlich um einen
Ausschnitt aus Julians „Digesta", wobei uns die sicher dort umfang-

144
Käser, RöPrivR. I, 185.
145
Ausführlich bei Wenger „formula", R E V I Sp. 2868.
146
Erst eine Konstitution der Kaiser Constantius und Constans aus dem Jahre
342 schaffte das bis dahin übliche Formelverfahren ab (C. 2, 57, 1 : „Iuris formulae
aucupatione syllabarum insidiantes cunctorum actibus radicitus amputentur."). Bis
dahin wurden die Formeln ins Kognitionsverfahren direkt übernommen, was insb. aus
C. 4, 52, 3 (J. 293) hervorgeht: „iudicium ( = formula) dictare"; vgl. Wenger, R E V I ,
Sp. 2868 unter „formula"; ebenso Wlassak, Prozeßgesetze II, 61, 4 mit Literatur.
Wegen der obigen Konstitution aus dem Jahre 342 verschwand zwar der Ausdruck
„formula" fast vollständig aus den justinianischen Quellen, ohne daß jedoch die durch
den Prätor eingeführten Rechtsneuerungen entfielen (Wenger, „formula", R E V I
Sp. 2869). Vielmehr formten die Juristen die honorarrechtlichen Rechtsmittel in
Rechtsnormen um — eine Entwicklung, die jedoch niemals abgeschlossen worden ist
(Käser, R ö P r i v R . I, 185).
147
Vgl. S. 2 2 1 f.
148
D. 2, 14, 7, 8.
224 NEUE TEXTE

reichere Erörterung des Falles in der justinianischen Kompilation nicht


erhalten ist149.
Die Note Julians in D. 2 , 1 4 , 7, 7, die Ulpian hier bringt, ist daher nur
als indirekte Überlieferung aus Julians „Digesta" anzusprechen. Julian
hat diesen Fall sicher im Rahmen einer größeren Abhandlung über den
Teilrücktritt behandelt150 und hat dabei auch das prätorische Edikt be-
nutzt, um klar zu machen, daß die Gruppe der Rücktritts-pacta bei bf.
iudicia prozessual wirksam waren durch den ihnen vom Prätor verliehenen
Rechtsschutz. Anschließend ging er dann auf die „pacta in personam" und
„in rem" ein, wahrscheinlich indem er das Beispiel des Rücktritts eines der
beiden Erben vom Kaufkontrakt gleich als Anschluß benutzte und damit
demonstrierte, was unter einem pactum in personam im Gegensatz zu einem
pactum in rem zu verstehen sei. Das wird dadurch besonders wahrschein-
lich, daß auch das Basilikenscholien „'Evteüöev" das Beispiel von dem
Rücktritt des einen von beiden Erben nochmals zu dem gleichen Zweck
aufgreift. Da der Fall von Julian stammt und ihm seine Behandlung unter
beiden Aspekten, Teilrücktritt und pactum in personam, damit am ehesten
zuzutrauen ist, ist es auch wahrscheinlich, daß hier das Basilikenscholion
„'Evteüöev" einen Gedanken Julians übernimmt151. Die Kompilatoren

149 Vgl. Voc. Iurisprud. Rom. unter den in der Julian-Note enthaltenen Termini
und Palingenesie Vol. I, wo ich die originale Julian-Stelle bei oberflächlicher Durch-
sicht nicht zu entdecken vermochte. Das die Originalstelle vermutlich verkürzende
Julian-Exzerpt in D. 2, 14, 7, 6 bringt Lenels Palingenesie in Vol. I, 320 unter Nr. 16.
150
In Lenels Palingenesie nicht enthalten; vgl. Anm. 149.
151
Die Frage, ob sich vorjustinianisches Schrifttum in den Basilikenscholien er-
halten hat, ist heftig umstritten. Hierauf einzugehen, was nicht ohne umfangreiche
Erörterung geschehen könnte, würde über den Rahmen der Arbeit hinausgehen. Daher
sei es mir gestattet, dieses Problem ungelöst zu lassen.
F ü r die über die Digesten weit hinausgehende Darlegung der Julianstelle in
Scholion „ Eipf|Ka|jev" — und P S I 55 — bieten sich m. E. auch f ü r den Fall einige
Erklärungsmöglichkeiten an, daß der Verfasser des Scholion den Klassiker Julian
nicht im Original gelesen hat.
1. Der Verfasser des Scholion hat einen umfangreicheren Digestentext gehabt als
der uns erhaltene, was Heimbach von Stephanus behauptet (Prolegomena Basilico-
rum 52).
2. Der Verfasser des Scholion hat aus den in D. 2, 14, 7, 6 enthaltenen Bruch-
stücken des Julianfalles den Sachverhalt und seine prozessualen Folgen rekonstruiert.
3. Der Verfasser des Scholion hat dieses in einer Zeit so kurz nach der Kompliation
der Digesten geschrieben, daß ihm der Klassikertext noch aus der vor justinianischen
Periode, vielleicht aus seiner Studentenzeit, bekannt war, so daß er ohne Mühe den
III. EIN BISHER NICHT ERKANNTER STEPHANUSTEXT: PSI 55 225

haben dann durch Herausschneiden einzelner Teile aus der julianischen Ab-
handlung den logischen Zusammenhang zerstört, und so erscheint uns das
Nebeneinander von Teilrücktritt (D. 2 , 1 4 , 7, 6), magistratischem Schutz
der pacta (D. 2 , 1 4 , 7, 7 und 8) und von pacta in personam und in rem un-
motiviert und unverständlich.
Nun geht unser Papyrus in Zeile 132 auf den Fall unserer beiden Erben
ein und spricht in Z. 1 3 3 von einem pactum in personam — falls man die
Ergänzung gelten läßt—, ebenso wie auch Scholion EvteGOev"152. Dabei
setzen beide, Papyrus und Scholion, übereinstimmend den Fall der beiden
Erben im Sachverhalt als bekannt voraus. Er wird in keinem Punkte auf-
gerollt, sondern es setzen sofort die rechtlichen Erörterungen ein, die völlig
unverständlich wären, wenn man den Fall nicht schon kennen würde. So
heißt es lediglich: der Gläubiger darf von einem der beiden Erben den Kauf-
preis nicht fordern, was ein pactum in personam darstelle. Selbst der Ge-
danke, daß der anteilige Kaufpreis von dem anderen Erben eingefordert
werden darf, fehlt, da er im Papyrus zuvor in Verbindung mit dem Rück-
tritt bereits ausgesprochen war, und daher als überflüssige Wiederholung
angesehen wird; ebenso auch in Scholion „'Evteüöev". Damit ist ein-
deutig erwiesen, daß Scholion „'Evteüöev", den im Scholion „Eipriraiiev"
gebrachten Sachverhalt voraussetzt und nicht nur diesen, sondern sogar
einen Teil der dort gebrachten Lösung, wenn es verständlich sein soll.
Selbst ohne Heimbachs Manuale läßt sich damit schon sagen, daß beide
Scholien nur ein und denselben Verfasser haben können. Nirgends sonst,
weder in den Basiliken noch in den Digesten, als allein hier wird der Fall
unserer beiden Erben auch für die Erläuterung der pacta in personam
und in rem gebraucht. Das ist genau das gleiche Bild, das auch unser
Papyrus bietet. Damit ist eine weitere frappierende Übereinstimmung
zwischen mehreren, von ein und demselben Verfasser stammenden Scholien
und unserem Papyrus aufgedeckt. Da gerade die Wahl dieses Beispiels im

bruchstückhaften Sachverhalt der Digesten für diesen Fall ergänzen konnte. Wahr-
scheinlicher sind m. E. die beiden letzten Möglichkeiten.
152
Scheit. 1,198: tegjs S£ n<5c9e• tcovttccktoov tcj niviori iv ^iitcxSe iv TTEptrovap,. Kai
tv pen hev lern tt&ktov, ä>s üvöa eIttev • oük cnraiTÜ xp£°S • ivTaüÖa yap aÜTcö tcö Ttpdyija-
t i ä-rroTETCtKTai • !v Ttepaövan 8£ ecttiv, otccv eIttt] • oük änraiTÖ cte, töv Tmov, t ö xpeos'
Sokei yäp Asysiv, öti ct£ |j£v oük cnraiTco. tou; S£ KAripovöuous ctou öcttocitco. 5ia<popä yap
tv pi|i Kai TCO TTpCOTOTUTTO}CTUpßaAÄETaiKai TOIS KAripOUOHOlS aCrroü. (Z. 17—23).
15 Altheim-Stichl, Christentum I
226 NEUE TEXTE

Zusammenhang mit dem pactum in personam in den Basiliken einzig dar-


steht, wird dieser Übereinstimmung zwischen Scholion „'EVTEGÖEV" und
unserem Papyrus eine um so größere Bedeutung zuzumessen sein.

2. ZUSAMMENFASSUNG

Der Papyrus weist einen klar umrissenen und durchgeführten Aufbau


aus. Gegenstand der Abhandlung ist die Materie „de pactis" (D. 2, 14). Den
Digesten folgend, beginnt er mit einem Beispiel zur conventio tacita. Dann
ausgehend von der conventio als Oberbegriff gliedert er auf in die conventio
publica und privata. Die conventio privata gliedert er weiter unter (CnroSioa-
peiTai) in das pactum legitimum und iuris gentium. Diese, zu Anfang ge-
machte Gliederung (Z. 3—6), behält er für den weiteren Verlauf der Aus-
führungen bei. Jede dieser drei Arten von pacta wird dann der Reihenfolge
nach zum Gegenstand einer genauen und mit Beispielen belegten Unter-
suchung gemacht: pactum publicum (Z. 7—9), pactum legitimum (Z. 9—38)
und pactum iuris gentium (Z. 38 bis Ende).
Das pactum publicum wird, da es dem Verfasser wohl rechtlich einfach
und ohne Problematik erscheint, kurz in nur 2 Zeilen, mit einem einzigen
dazu angeführten Beispiel abgetan.
Die Ausführung zur Materie des pactum legitimum nimmt schon einen
größeren Umfang an. Erläutert wird zuerst der Begriff „legitimum"
(Z. 9—15), dem sich einige Beispiele zum pactum legitimum anschließen.
Der Schwerpunkt der Abhandlung liegt, entsprechend seiner Bedeutung
und Schwierigkeit, bei den Ausführungen zum pactum iuris gentium. Hier-
bei werden die pacta iuris gentium von der prozessualen Seite her aufgerollt.
Ausgegangen wird von der Unterscheidung zwischen klage- und einrede-
erzeugenden pacta. Unter den klageerzeugenden pacta werden die Synallag-
mata (Kontrakte) verstanden (Z. 43—53), unter den grundsätzlich nur ein-
redenerzeugenden pacta, die pacta nuda (ab Zeile 70), die als „pacta im
engeren Sinne" bezeichnet werden.
Unter die klageerzeugenden pacta werden nicht nur die benannten bf.
Kontrakte, sondern insbesondere auch die unbenannten oder Innominat-
kontrakte gerechnet. Von den nuda pacta wird hingegen gesagt, sie erzeugen
in der Regel nur Einreden, anders jedoch, wenn das pactum in der Form
der Stipulation abgefaßt wurde (Z. 79—80), wenn es durch ein Faustpfand
III. E I N B I S H E R NICHT E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : PSI 55 227

gesichert ist (Z. 80—84) oder beim Rücktritt vom Vertrag (Z. 85—128).
Bei diesen von der Regel abweichenden Fällen tritt eine Klageänderung ein,
die den Kontrakt erfaßt. Nach der Erläuterung des Rücktritts vom Kon-
trakt mittels pactum nudum wird noch kurz auf den magistratischen
Rechtsschutz dieser Gruppe von pacta eingegangen, sowie auf ihre per-
sonelle (pactum in personam) oder dingliche (pactum in rem) Wirkung.
Der zuvor gegebene Aufbau folgt in großen Zügen der Gliederung der
Digesten, beginnend mit D. 2 , 1 4 , 4, 3 bis hin zu D. 2 , 1 4 , 7, 8 153 , wo der
Papyrus mit dem pactum in personam abbricht.
Dagegen fehlen im Papyrus D. 2 , 1 4 , 7 der § 4 ganz, ein Teil von § 5,
d. i. das Beispiel zum pactum nudum bei einer actio tutela, und das weitere
Beispiel zum gleichen Thema über die Rückgabe einer dos.
Über den Stoff des Digestentextes hinausgehend, finden sich sehr zahl-
reiche Beispiele154 zu dem jeweils vorangestellten Rechtsproblem; daneben
auch eine Anzahl dogmatischer Bemerkungen155. Gerade die aus dem
Rahmen der Digesten herausfallenden Beispiele weisen eine frappierende
Übereinstimmung mit gewissen Basilikenscholien auf. Auch findet sich die
Umkehrung einer Digestenversion (D. 2, 14, 4, 3) im Papyrus, die gleich-
falls mit einem Basilikenscholion übereinstimmt.
Im ganzen kann man sagen, daß durch die Aufnahme zahlreicher Bei-
spiele, dogmatischer und lehrhafter Bemerkungen der Papyrus erheblich
über den Umfang des parallel laufenden Digestentextes hinaus ange-
schwollen ist.
Der Papyrustext, so wie er uns erhalten ist, läßt vermuten, daß er
lediglich einen Ausschnitt aus einer umfangreicheren Arbeit darstellt. —
Was den Anfang des Papyrus betrifft, so setzt der Infinitiv eveTvoci in
Zeile 1 ein ihm vorausgehendes Hauptverbum voraus, das nicht erhalten
ist und auch nicht in einer der nachfolgenden kürzeren Lücken ergänzt
werden kann. Dieses Hauptverbum, das am ehesten mit Sokei wiederge-
geben werden kann, muß daher auf einem verloren gegangenen Blatt ge-

153
Siehe „Vergleich zwischen PSI 55, Digestentext . . ." im III. Teil der Abhand-
lung; vgl. auch Vassalli, B I D R 24, 181 ff.
154
Siehe „Vergleich zwischen PSI 55, Digestentext und Scholion des Stephanus"
im III. Teil der Abhandlung, wo sich unter der Rubrik „irccpotypocipai" oder „adnota-
tiones" die außerhalb des Digesten- und Basilikentextes stehenden Beispiele des Papy-
rus vermerkt finden; der Rest der nicht in den Digesten enthaltenen Beispiele findet
sich dort in den einzelnen Scholien aus dem Stephanus-Index wieder.
155
Oben, Anm. 154, unter der Rubrik „-rrapctypottpai" enthalten.
15*
228 NEUE TEXTE

standen haben, zumal auch auf der erhaltenen ersten Papyrusseite zu


Anfang keine Zeile verloren gegangen sein kann. Nimmt man die Doppel-
blattform des Papyrus zur Hilfe, die durch Faltung in der Mitte entstanden
ist, so würde entweder ein weiteres Doppelblatt um das vorhandene gelegen
haben, auf dessen linker Innenseite der vor unserer erhaltenen Zeile i ver-
mutete Text gestanden hat und auf dessen rechter Innenseite der bei
Zeile 134 endgültig abbrechende Text fortgeführt wurde, oder ein für sich
jeweils gesondertes Doppelblatt lag vor und nach dem uns erhaltenen. Jede
der beiden Möglichkeiten macht es wahrscheinlich, daß vor wie nach dem
uns erhaltenen Text weitere Teile von D. 2 , 1 4 behandelt waren. Der voran-
gehende Teil enthielt vermutlich aus dem Digestentitel ,,de pactis" Aus-
führungen zu lex 1 bis lex 4, 2, während der nachfolgende sich über lex 7, 8
hinaus fortsetzte. Diese Vermutung wird durch ein weiteres Indiz be-
stätigt. PSI 55 folgt in seinem Verlauf D. 2,14, 4, 3 bis lex 7 § 8, stellt also
gerade einen Ausschnitt aus der Mitte des Titels „de pactis" kommentar-
artig dar. Es wäre dies eine durch nichts verständliche, willkürliche Zu-
sammenstellung, wenn man sie nicht als Bruchstück einer größeren Ab-
handlung verstände, von der uns nur ein Teil, PSI 55, erhalten geblieben
ist.
Somit darf angenommen werden, daß hier ursprünglich eine kommentar-
artige Abhandlung zu dem Titel „de pactis" vorgelegen hat, von der uns
durch ein Spiel des Zufalls nur ein Teil erhalten geblieben ist.

III. T E I L

W E R IST DER V E R F A S S E R VON PSI 55 ?

1. MERKMALE DES PAPYRUS, DIE AUF DIE PERSON DES V E R F A S S E R S


SCHLIESSEN LASSEN

Der rein theoretische Inhalt des Papyrus, der die Materie „de pactis"
behandelt, schließt es aus, daß er in der Praxis entstanden ist.
Die durchdachte Gliederung1, die in jedem Teil des Papyrus erkennbar
ist, und ausgehend von dem Begriff der „conventio" — wenn man von
Zeile 1—3 absieht — aufgliedert in die verschiedenen Arten der Konven-
1
Vgl. Kapitel „Zusammenfassung" im II. Teil der Abhandlung.
III. E I N B I S H E R NICHT E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : PSI 55 229

tionen und nach der so vorgezeichneten Systematik dann vorgeht, zeigt


eine gute logische Befähigung. Wenn dabei allein schon aus Stoffgründen
eine Anlehnung an den Verlauf der Digesten erfolgt und Übereinstimmungen
mit gewissen Scholien der Basiliken vorliegen2, enthält PSI 55 doch zahl-
reiche Einzelheiten, die weder in den Digesten noch in den uns erhaltenen
Fragmenten der Basilikenscholien zu finden sind. Zugleich zeigt der Papyrus
auch dort, wo er mit den Digesten und Basilikenscholien verwandt ist, wie
auch in den übrigen Teilen eine selbständige und qualitativ hochstehende
Verarbeitung, die einen guten und kenntnisreichen Juristen voraussetzt.
Besonders wesentlich für die Beurteilung des Verfassers sind m. E. die
häufigen dogmatischen Bemerkungen, wobei ich allein auf diejenigen zu-
rückgreifen will, die in keinem der Basilikenscholien, und selbstverständ-
lich erst recht nicht in den Digesten zu finden sind. Am umfangreichsten
ist hier die Bemerkung zur Natur der Trocpaypaq>r| bei einem Rücktritt von
Kontrakten re nondum secuta (Z. 101—114), die als KaTaxpqaTiKcos be-
zeichnet wird. Weitere finden sich in Z. 5—6 zum Motiv der Einteilung der
conventio, in Z. 37—38 zur Kategorie der ccxpricrra trécicTct, Z. 58—59 zum
awócAAayua ó ywvu|iov und Z. 95—96 zur évocAÁayr) bei Teilrücktritt
von einem Kontrakt re nondum secuta. Gerade dies spricht dafür, daß wir
einen hervorragenden Dogmatiker vor uns haben, eine Qualifikation, die
sich in diesem Maße meist nur bei einem Rechtslehrer findet.
Hinzukommt, daß der Verfasser des Papyrus beachtliche Lateinkennt-
nisse gehabt hat, wofür einmal die Handhabung lateinischer termini tech-
nici, die sich in großer Zahl im Text finden, spricht, zum anderen aber auch
die Vermutung, daß er die lateinischen Klassiker im Original gekannt und
wohl auch gelesen hat3. So finden sich in Z. 96—100 und Z. 121—128 zwei
Fälle, die dies vermuten lassen. Der erste stammt aus Pomponius, libri
lectionum, der zweite hingegen ist den Schriften Julians — vermutlich
seinen „Digesta" — entnommen. Berührt werden zwar beide Fälle auch
in D. 2 , 1 4 , 7, 6, doch werden sie dort nicht im einzelnen ausgeführt,
während der Papyrus ihren Sachverhalt eingehend wiedergibt. Die Kenntnis
dieser Einzelheiten dürfte daher nicht aus den Digesten, sondern aus dem
Studium der genannten Klassiker selbst herrühren4.

2
Vgl. in diesem Teil der Arbeit Kapitel 7 „Welcher Rechtslehrer kommt als Autor
des Papyrus in Frage ?", insb. den Abschnitt „Vergleich zwischen PSI 55, Digesten-
text, Scholion des Stephanus . . .".
3 4
S. 224 ff* und dortige Anm. 151. s. oben, Anm. 3.
230 NEUE TEXTE

Alle die genannten Fähigkeiten des Verfassers, stark ausgeprägte Logik,


reiche juristische und umfangreiche lateinische Kenntnisse, Neigung zu
dogmatischen Erörterungen, machen es für mich sicher, daß niemand
anderer als ein Rechtslehrer an einer der damaligen Rechtsschulen als Ur-
heber des Papyrus in Frage kommt.

2. S C H R E I B E R UND V E R F A S S E R DES P A P Y R U S SIND NICHT IDENTISCH

Schreiber und Autor des Papyrus können nicht dieselbe Person sein.
Während der Autor dem Inhalt des Papyrus nach ein hochqualifizierter
Jurist, vermutlich ein Rechtslehrer an einer der byzantinischen Rechts-
schulen des 6.—7. Jahrhunderts war, erlaubt sich der Schreiber einen
juristischen Schnitzer, der die Identität mit dem geistigen Urheber des
Papyrus ausschließt. Die Stellung der Randglosse neben Zeile 71—73, die
m. E. die gleiche Hand wie der Haupttext aufweist5, beweist dies. Sie
lautet: D>s erri TOÜ re nondum secuta consensuCTWccAXayncc;paraphrasiert:
wie ein unter Konsens geschlossenes Synallagma re nondum secuta wirkt.
Diese Randglosse gehört nicht zu Zeile 69ff., wo gar nicht vom Rücktritt
die Rede ist, sondern erst zu Zeile 91 ff. An beiden Stellen hat also der
Schreiber den rechtlichen Gehalt nicht, oder doch nicht voll erfaßt, denn
sonst wäre ihm ein solcher Fehler nicht unterlaufen. Er scheint also nicht
gerade ein vollkommener Jurist gewesen zu sein, wenn er überhaupt einer
war. Dies stimmt mit dem Bilde, das wir von dem Verfasser des Papyrus
als einem exzellenten Juristen gewonnen haben, nicht überein. Es kommt
hinzu, daß der Schreiber zumindest mit der lateinischen Grammatik „auf
Kriegsfuß stand", während für den Autor des Papyrus doch feststeht, daß
er bedeutende Lateinkenntnisse gehabt hat und vermutlich sogar die
römischen Klassiker im Original gekannt hat. So finden sich im Papyrus
wiederholte Falschschreibungen lateinischer Endungen®; so in Zeile 62
„Iulianu" statt „Iuliani" und in der Glosse Zeile 71—73 „consensu" statt
„consensüs". Man mag dieser Annahme entgegenhalten, daß es in der
byzantinischen Periode üblich war, die griechische Flexion sogar in latei-
nischen Buchstaben anzufügen (z. B. PSI1349 [6- Jhdt. ?] B. Z. 5: Paulos);
umgekehrt findet sich in anderen Papyri der gleichen Zeit ein völlig stil-
5 Die lateinischen Buchstaben der Glosse haben die gleiche Form wie im Haupt-
text.
6 Eine Erklärung dieser Fehler findet sich in Kapitel 5 „PSI 55 wurde diktiert".
III. EIN BISHER NICHT E R K A N N T E R STEPHANUSTEXT: PSI 55 231

reines Latein eingestreut (z. B. PSI 1350, Fragm. A — 6. Jhdt. — recto:


stipulatu (Z. 5 f.); Paulus, filius (Z. 8); verso: noxali (Z. 2); noxam (Z. 10)
usw.). Ferner weist Zachariä v. Lingenthal darauf hin, daß es im 6. Jhdt.
auch üblich gewesen sei, lateinische Termini mit einer griechischen Flexion
zu versehen, die aber auch in griechischen Buchstaben gehalten war'.
Bei allen nachgeprüften Schriftstücken dieser Zeit habe ich feststellen
können, daß eine jede der drei möglichen sprachtechnischen Methoden
— lateinische Wörter 1. in stilreinem Latein, 2. mit griechischer Flexion aber
in lateinischer Schrift und 3. mit griechischer Flexion aber in griechischen
Buchstaben wiedergegeben — bei jedem Schreiber für sich in der von ihm
angenommenen Methode mit großer Regelmäßigkeit durchgeführt wird,
ohne daß er dabei in eine der anderen Methoden überwechselt. Wenn der
Schreiber von PSI 55 also regelmäßig eine in griechischen Buchstaben ge-
haltene griechische Flexion an die vorkommenden Termini hängt, in
einigen Fällen das aber nicht tut, hat das seinen besonderen Grund. Bei
diesen Ausnahmen handelt es sich, wie ich vorgreifend feststellen darf, um
Irrtümer, die dadurch entstanden sind, daß PSI 55 diktiert wurde und der
Schreiber statt der vom Diktierenden gemeinten griechischen Buchstaben,
lateinische hinsetzte8. Dieser Irrtum ist aber wieder nur dann möglich, wenn
der Schreiber nicht genügend Latein beherrschte, um zu erfassen, daß es
sich bei diesen Endungen nicht um lateinische, sondern um griechische
Endungen handelte. Damit halten wir ein Indiz in Händen, das uns zeigt,
daß es um die Lateinkenntnisse des Schreibers nicht gerade zum besten
bestellt war, was ganz im Gegensatz zu der Meinung steht, die wir von dem
Verfasser des Papyrus gewonnen haben.

3. BESONDERHEITEN IM PAPYRUS, DIE AUF DIE PERSON DES SCHREI-


BERS SCHLIESSEN LASSEN

Der Text des Papyrus ist in Griechisch gehalten, doch finden sich in
ihn eingebettet zahlreiche lateinische termini technici, die mit gewandter
lateinischer Schrift niedergeschrieben sind; ebenfalls in Latein gehalten

7
Krit. Jahrb. f. deutsche RW (1844), 799ff.
8
Vgl. oben, Anm. 6.
9
Z. B. „ulp(ianos)" Z. 3; eine Ausnahme macht hingegen „dpi(oTCj))" Z. 74 —
handelt es sich hier um eine Verwechselung des Schreibers mit dem gleichnamigen
griechischen Adjektiv „äpicrros" ?
232 NEUE TEXTE

sind die Namen römischer Rechtsschriftsteller9 und „leges" 10 . Daß die


Muttersprache des Schreibers und Autors des Papyrus griechisch ist, ist
unzweifelhaft, was sich aus der Wahl der Sprache ergibt wie auch aus einer
beim Schreiber zu suchenden gewissen Unvertrautheit und grammatischen
Unkenntnis des Lateinischen11, während die Fehler im griechischen Text we-
sentlich als Hörfehler18, nie aber als Fehler auftreten, die sprachliche Un-
kenntnis oder ein Nichterfassen des Wortsinnes vermuten lassen. Der Schrift
des Schreibers ist anzumerken, daß er die lateinischen Worte und einzelne
Buchstaben flüssig schreibt und nicht etwa nach einem ihm zur Vorlage die-
nenden Text nur mühsam nachmalt. Er beherrscht also die lateinische
Schrift. Ziehen wir dabei die Zeit in Erwägung, in der der Papyrus vermutlich
geschrieben sein dürfte, wobei wir es vorläufig bei der bisher geltenden Auf-
fassung belassen und ihn zwischen dem Ende des 5. bis zum 6. Jhdt. an-
setzen, ferner den Ort, an dem der Papyrus gefunden worden ist, Faiyüm
in Oberägypten, so ergibt sich für die Person des Schreibers, sofern man
ihn und seinen Eigentümer gleichsetzt, daß er ein griechisch sprechender
Ägypter ist, für den die Beherrschung der lateinischen Schrift verbunden
mit einigen, wenn auch nicht bedeutenden Lateinkenntnissen13 hervorsticht.
Die zuvor erfolgte Gleichsetzung zwischen der Person des Schreibers und
dem Eigentümer des Papyrus rechtfertigt sich im wesentlichen daher, daß
wir es bei der Person des Schreibers hier nicht mit einem gewöhnlichen
kommerziellen Schreiber zu tun haben dürften, da für einen solchen die
Kenntnis der lateinischen Schrift und Sprache, wenn letztere auch nicht
allzu bedeutend ist, recht ungewöhnlich wäre. Daß wir es mit keinem Be-
rufsschreiber zu tun haben, verrät auch das Schriftbild. Bei einer sauberen
und kalligraphischen Form der Buchstaben wechselt doch ihre Größe und
Dichte häufig; besonders gegen das Zeilenende drängen sich oft die Buch-
staben enger zusammen und werden kleiner; auch wechselt der Abstand
der Zeilen zuweilen; alles Merkmale, die gegen einen berufsmäßigen Schrei-
ber sprechen. Dennoch ist die Schrift keineswegs ungewandt und ungeübt,
was verrät, daß sie von einem zu Papier gebracht wird, der häufig zu
schreiben gewohnt ist.
Da gewisse Lateinkenntnisse, zu denen selbstverständlich die Beherr-
schung der lateinischen Schrift gehörte, von den Rechtsstudierenden der
10 11
„titiu", „pobliciu", „corneliu" Z. 28. Vgl. das vorhergehende Kapitel.
12
Vgl. Kapitel 5: „ P S I 55 wurde diktiert".
13
Vgl. Kapitel 2 und 5.
III. EIN BISHER NICHT ERKANNTER STEPHANUSTEXT: PSI 55 233

damaligen byzantinischen Rechtsschulen gefordert wurden, spricht ihr


Vorhandensein bei dem Schreiber des Papyrus, zusammen mit den übrigen
Besonderheiten der Schreibweise und einigen anderen Umständen, die
weiter unten ausgeführt werden, dafür, daß wir in der Person des Schreibers
einen Rechtsschüler vor uns haben.

4. PSI 55 WURDE FÜR UND IM RECHTSUNTERRICHT VERFASST

Dafür, daß PSI 55 für und im Rechtsunterricht entstanden ist, sprechen


eine größere Anzahl von Besonderheiten im Papyrustext.
Hierauf weist bereits sein rein theoretischer Inhalt hin, wie seine kom-
mentarähnliche Darstellungsweise, die von vereinfachenden Bemerkungen,
der Aufnahmefähigkeit des Schülerkreises angepaßt, nicht frei ist.
Daneben fallen gewisse Sprachformen auf, so die Verwendung des
Majestätskasus „wir", dort wo der Verfasser von sich selbst spricht (z. B.
Z. 38: epoüpev)14, oder die „ich"-Form bei vom Verfasser stammenden
dogmatischen Erörterungen (Aeyco Z. 106, 1 1 1 , Gl. 108—112) 1 5 . In Rechts-
beispielen werden die Rollen der Parteien verteilt und mit „ich" (Eycb) und
„ d u " (au) wiedergegeben (z. B. Z. 102—106), wodurch der Rechtsschüler
direkt angesprochen wird, eine Form also, in der der Schüler selbst im
Rechtsunterricht unter Leitung seines Lehrers Fälle zu einzelnen Rechts-
problemen zu bilden pflegte.
Für den Rechtsunterricht spricht weiter die Simplizität einzelner Er-
läuterungen, z. B. „iuris gentiov ecttiv t ö ccttö t o ü £6vikoü y£V0|aEV0U
<vö(iou> (Z. 38—40). Hier wird der lateinische Terminus lediglich mit dem
gleichnamigen griechischen Begriff erklärt. Eine solche Erklärung wäre
überraschend primitiv neben der sonstigen rechtlichen Qualität des Inhalts,
wenn man nicht annimmt, der Rechtslehrer, der zugleich auch der Ver-
fasser des Papyrus ist, habe seinen griechischsprachigen Schülern, von
denen er erwartete, daß sie wegen ihrer geringen lateinischen Kenntnisse
das Wort „ius gentium" nicht oder nicht voll erfaßten, dadurch verständ-
lich machen wollen. E r behandelt es also gleichsam als Fremdwort, das man
erst in die Muttersprache übersetzen muß. — Ein weiteres interessantes
Beispiel bietet Z. 9—15: legiti|iov Se tt&ktov eotIv t ö coro tivos iSikoü
vöpiou f| Söypcrros ovyKÄr|Tou KvpoünEvov olov legitipioi KT)Sa|iövss
14
nicht ausgeschlossen ist hier ein „pluralis modestiae".
15
Vgl. S. 217 und Anm. 132.
234 NEUE TEXTE

TTOioüvrai oi agnatoi TCOV öpcpotveuoiiivcov, oO |IF]v Korra 8iot6T)Kr|V,


aAA' 6 SCOSEKÖSEATOS KCCACOV CCÜTOOS Kr)8E|iövas SiScocriv OÜTOIS
TT|V SioiKriaiv Trpo5r)Acos; paraphrasiert: „legitima pacta sind solche, die
von einem eigentlichen Gesetz oder einem Senatskonsult bestätigt sind,
gerade wie legitimi tutores solche sind, die nicht von einem Testament,
sondern von dem Zwölftafel-Gesetz bestätigt sind." Einen juristischen Ge-
danken enthält dieser Satz nicht. E r hat nur dann einen Sinn, wenn man
annimmt, der Rechtslehrer habe seinen griechischsprachigen Schülern das
Fremdwort „legitima (pacta)" dadurch deutlich machen wollen, daß er auf
den zuvor im Rechtsunterricht behandelten Fall der „legitimi tutores" zu-
rückgriff. Die vorliegende Materie „ d e pactis" gehört zu den „irpocTTÖ-
liEva ß i ß A i a " , die nach der Constitutio „ O m n e m " § 2 f . in den Rechts-
schulen im ersten Schuljahr durchzunehmen war. Vor den zu studierenden
libri I — 4 der Digesten, unter die auch der Titel „de pactis" fällt, waren
die Institutionen durchgenommen worden. Dort heißt es unter dem Titel
„ d e legitima adgnatorum t u t e l a " (Inst. I, 1 5 , 1 pr.): „ e x lege duodecim
tabularum adgnati sunt t u t o r e s , qui vocantur l e g i t i m i . " Auf diesen
seinen Schülern bekannten Begriff der „legitimi tutores" griff der Lehrer
zurück, u m ihnen die Erfassung des Begriffes „legitimum (pactum)" z u
erleichtern 16 . A u c h durfte der Lehrer an seine Schüler, die nach obigem ja
Erstklässer waren, nicht zu hohe juristische Anforderungen stellen.
Allein so läßt sich die Diskrepanz zwischen dem sonst gediegenen Inhalt
des P a p y r u s und der Simplizität dieser Stelle erklären. Die genannten Bei-
spiele sprechen eindeutig für ein in Blickrichtung auf den Rechtsunterricht
abgefaßtes W e r k eines der byzantinischen Rechtslehrer.

5. P S I 55 W U R D E D I K T I E R T

D e m Schreiber unterlaufen zahlreiche Schreibfehler. Dabei lassen sich


gewisse Gruppen gleichartiger oder ähnlicher Fehler erkennen.

Z u der ersten Gruppe gehören z . B . :

KR)5OC|I6VES statt KT|SE|J6VES (Z. 12),


öcyopocriav statt ayopaaiocv (Z. 47),
¿Kotxepov statt ¿Kccrepav (Z. 114).
E s wird also £ mit a und wiederholt a mit o verwechselt.
16 E. Seidl, Festschrift Rabel, Bd. II, 255!.
III. EIN BISHER NICHT E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : PSI 55 235

In der zweiten Gruppe z. B.:

KOCTaxpr|crTix&>s statt KaTocxpT)crriKcos (Gl. 108 ff.),


TO^OU statt TOKOU (Z. 78).

Es wird also wiederholt x statt k gebraucht.

Die Art dieser beiden Gruppen von Fehlern legt es nahe, daß es sich um
Hörfehler17 handelt. Abschreibfehler18 sind so gut wie ausgeschlossen, da
die verwechselten Buchstaben zu verschieden sind, als daß dies der Fall
sein könnte.
Eine Bestätigung erfährt diese Vermutung auch aus den im Text hin und
wieder zu findenden Auslassungen, insb. der Schreibung von irotypcmct^cov
statt Trccy(K>porna£cov (Z. 31). Das in seinem Lautwert als unbetontes
— und fast nicht hörbares — v gebrauchte y wird der Schreiber überhört
haben. Weiter ist der Tonwert von y und k fast der gleiche, so daß die
weitere Verwechslung zwischen beiden bei der Niederschrift leicht möglich
ist. Weitere Auslassungen, wie „poblic<i)u" (Z. 28) und (vopiou) (Z. 40)
sind als Flüchtigkeitsfehler zu werten, wahrscheinlich dadurch entstanden,
daß der Schreiber Mühe hatte, dem Vortrag mit seiner Niederschrift zu
folgen.
Eine m. E. besonders einleuchtende Bestätigung erfährt die Annahme,
der Schreiber habe nach Diktat geschrieben, durch die wiederholte Falsch-
schreibung lateinischer Wortendungen; so „Iulianu" statt „Iuliani" (Z.62)
und „consensu" statt „consensüs" (Gl. 70—72). Beide sind in einem gewissen
Sinne auch als Hörfehler zu werten. Während der Diktierende jeweils die
griechische Endung ,,-ou" meinte, was daraus hervorgeht, daß die latei-
nischen Worte des Textes sonst regelmäßig mit einer griechischen Endung
versehen werden, also eine gewisse bescheidene Gräzisierung stattfindet,
schrieb der Schreiber sie statt in Griechisch, wie es richtig gewesen wäre,
in Latein. Der Laut wert war ja der gleiche. Zugleich beweist diese Art von
Fehlern gerade negativ, daß der Schreiber keine schriftliche Vorlage gehabt
haben kann, da ihm sonst die wiederholte Auslassung des Buchstaben ,,o"
nicht hätte passieren können.
Als Ergebnis ist also festzustellen: PSI 55 wurde diktiert.

17 Vgl. Birt, Kritik und Hermeneutik, München (1913), 135ff.


18 Oben, Anm. 17, S. i32ff.
236 NEUE TEXTE

6. Z U S A M M E N F A S S U N G D E R E R G E B N I S S E A U S K A P I T E L 1—5 UND D A R A U S
SICH E R G E B E N D E F O L G E R U N G E N

Schreiber und Autor sind nicht identisch. Während der Autor ein
Rechtslehrer an einer der byzantinischen Rechtsschulen des ausgehenden
5. oder 6. Jhdts. sein dürfte, haben wir in der Person des Schreibers ver-
mutlich einen seiner Studenten vor uns. Der Papyrus wurde dem Studenten,
wahrscheinlich nicht nur ihm allein, sondern zugleich auch einer ganzen
Anzahl seiner Kollegen, die mit ihm zusammen bei dem betreffenden
Rechtslehrer hörten, von seinem Professor diktiert. Der Rechtslehrer hielt
dabei ein sehr wohl vorbereitetes Konzept in Händen, wie aus dem sorg-
fältigen Aufbau und qualifizierten Inhalt des Papyrus zu vermuten ist;
dieses Konzept diktierte er ab, während die Studenten nach seinem Diktat
ihre Niederschrift anfertigten. Das Konzept erstreckte sich vermutlich über
die gesamte Materie „de pactis" oder sogar darüber hinaus, wie gewisse
Merkmale am Anfang und Ende des Papyrus schließen lassen19. Ob PSI 55
im Anschluß an eine größere Vorlesung über die Materie „de pactis" als
eine Art Zusammenfassung und Merkhilfe für den Studenten entstanden
ist oder ob er das Ergebnis eines „Diktierkollegs" ist, läßt sich nicht ent-
scheiden.
7. W E L C H E R RECHTSLEHRER KOMMT A L S A U T O R D E S P A P Y R U S IN
FRAGE ?

Maßgebend ist hier, wenn wir vorerst von einem Identitätsvergleich


mit den Scholien der Basiliken absehen, die zeitliche Einordnung des
Papyrus.
Einen Anhalt bietet das Zitat in Z. 1 1 1 und Glosse io8ff., wo von
einem Buch 18 die Rede ist. An Hand des Inhalts der genannten Stellen
kommt entweder D. 1 8 , 1 , 72 pr. oder D. 18, 5, 2 (?) in Frage. Da es sich
um ein Digestenzitat handelt, spricht dies für eine zeitliche Einordnung
nach der Kodifikation20. Weiter finden sich im griechischen Text zahlreiche
lateinische termini technici, die entweder unverändert oder mit griechischer
Flexion beibehalten werden; gerade in der genannten Form werden sie von
19
Vgl. im II. Teil, Kapitel 2 „Zusammenfassung".
20
Die der h. M. entgegenstehende Ansicht Partsch's (Nachgelassene und kleinere
Schriften, S. 2off.), die Stelle beziehe sich auf Buch 18 des Predigesto, hat wenig
Wahrscheinlichkeit für sich, da, selbst wenn man einen Predigesto in der von Partsch
unterstellten Form voraussetzt, die eine nahezu völlige Identität mit der uns bekann-
ten Digestenfassung haben müßte —- wogegen ich stärkste Bekenken habe —, so
könnte sich dennoch diese Stelle mit 5 0 % Sicherheit auf die Digesten beziehen; vgl.
III. E I N B I S H E R NICHT E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : PSI 55 237

Zachariä v. Lingenthal als ein wesentliches Kennzeichen für die Sprache


und den Stil der justinianischen Juristen bezeichnet 21 .
Der Verfasser wird daher unter den Rechtslehrern zu suchen sein, die
kurz nach Justinian gewirkt haben.
a) S T E P H A N U S ?
In unserem Papyrus finden sich 4 Beispiele, die geradezu frappierend
mit gewissen Basilikenscholien übereinstimmen. Es ist dies:
1. Zeile 1—3. Diese Stelle kehrt D. 2,14, 4, 3 genau um. Sie formuliert
positiv, was die Digesten negativ bringen. Sie spricht davon, daß ein
stipuliertes Darlehn zurückgefordert werden darf, wenn die Darlehns-
zinsen nicht bezahlt werden. Dagegen sagt D. 2, 14, 4, 3, ein Darlehn
könne nicht zurückgefordert werden, solange die Zinsen geleistet
werden. Gerade diese Umkehrung der Digestenstelle bringt Scholion
,,'ETr£i5r|" (Scheit. I, 180) als Ergebnis einer weitläufigen Auslegung
von D. 2, 14, 4, 3.
2. Zeile 96—100 gibt ein Beispiel des Pomponius aus seinen „libri lec-
tionum" zum Teilrücktritt vom Kauf eines Ackers wieder. Sie bringen
es in allen Einzelheiten, während es in den Digesten fehlt, wo lediglich
der Fall des Teilrücktritts abstrakt erörtert wird 22 . Wie schon oben
gesagt, ist es möglich, daß der Verfasser des Papyrustextes das von
Pomponius gebrachte Beispiel direkt aus dem Klassikertext entnommen
hat oder es ihm aus seiner Studienzeit von dorther bekannt gewesen
ist 23 . Aber ebenso möglich und sogar wahrscheinlicher ist es, daß er es
dem Scholion „ Eipf|Ka|iev" entnommen hat, wo es sich wiederfindet
(Scheit. I, 197 Z. 1—8; olov . . . dypoö).
3. Ähnlich liegt der Fall bei Z. 121—128. Hier wird ausführlich ein Bei-
spiel Julians von einem personellen Teilrücktritt eines von zwei Erben
bei einer emptio-venditio gebracht. Die Digesten 24 führen dagegen nur
ganz knapp die Lösung an, ohne das Beispiel selbst zu bringen. Doch
unterscheidet sich diese Digestenstelle von der vorhergenannten dadurch,
daß sich aus der Lösung mit einiger Verstandesschärfe evtl. der Fall
rekonstruieren läßt, während das unter Zeile 96—100 gebrachte Beispiel

unten den Identitätsvergleich des Papyrus mit gewissen Stellen der Basilikenscholien
(im gleichen Kapitel), wodurch m. E. die Ansicht Partsch's endgültig unhaltbar wird.
21
Krit. Jahrbücher f. deutsche R W (1844), 799.
22 23 24
D. 2, 14, 7, 6. Vgl. Teil II, Anm. 1 5 1 . D. 2, 14, 7, 6.
238 NEUE TEXTE

in den Digesten ganz, auch hinsichtlich der Lösung, fehlt, so daß die
Möglichkeit einer Rekonstruktion aus den in den Digesten evtl. vorhan-
denen Bruchstücken ausgeschlossen ist. Aber auch hier findet sich Bei-
spiel und Lösung ausführlich in Scholion „ Elpr|Kcc|Jiev" wieder (Scheit. I,
197, 9-—20) und erstaunlicherweise gleich im Anschluß an den zuvor dort
entnommenen Fall.
4. Z. 129—133 greift das Beispiel von den beiden Erben, diesmal als Muster
für das „pactum in personam" wieder auf25. In den Digesten fehlt diese
Stelle dort, wo das Beispiel zu erwarten wäre26. Dagegen ist es in genau
dem gleichen Zusammenhang in Scholion „'EvreOOev" (Scheit. I, 198,
Z. 19—23) zu finden. Hier ist die Verwandtschaft um so überraschender,
da an beiden Stellen, im Papyrus wie im Basilikenscholion, der Fall als
bekannt vorausgesetzt wird und die Rechtserörterung unverständlich
bliebe, wenn man den Fall nicht kennen würde27.
Alle genannten Scholien sind Ausschnitte aus dem Index des Ste-
phanus28.
Dies gibt Anlaß zu überprüfen, ob sich darüber hinaus nicht Anzeichen
finden lassen, nach denen der Papyrus insgesamt Stephanus zugerechnet
werden könnte.
Zweifellos läuft der Index des Stephanus, soweit er uns in den Basiliken-
scholien erhalten ist, in seinen sämtlichen Teilen parallel zu PSI 55, was
schon Vassalli29 bemerkt hat. Doch ist dies allein keineswegs ein stichhal-
tiges Indiz dafür, daß der Verfasser des Papyrus mit Stephanus identisch
ist. Denn geht man die Basilikenscholien mit Hilfe von Heimbachs „Ma-
nuale" durch, so findet sich, daß, soweit es sich um den in den Rechts-
schulen durchzunehmenden Stoff handelt30, die Kompilatoren der Basi-
liken bei der Zusammenstellung der älteren Scholien den Index des Ste-
phanus mit Vorliebe exzerpiert haben, so daß sich gerade aus seinem Index
eine große Anzahl, öfter sogar zusammenhängender Fragmente erhalten haben.
Immerhin spricht die nahezu lückenlose Darbietung der von Stephanus
stammenden Basilikenscholien zur gesamten Materie unseres Papyrus zu-
25
Das Beispiel liegt auch Z. 1 2 1 — 1 2 8 zugrunde.
28
D. 2, 14, 7, 8.
27
Vgl. im II. Teil unter Z. 129—133.
28
Heimbach, Manuale Basilicorum, 244.
29
B I D R 24 (1912), 187.
30
Const. „Omnem" § 2f: Digesten libri 1—2, 26, 28, 30; im übrigen vgl. Kubier,
„Rechtsunterricht", R E I, 1 der zweiten Reihe, Sp. 404.
III. E I N BISHER NICHT E R K A N N T E R STEPHANUSTEXT: PSI 55 239

sammen mit den gefundenen frappanten Übereinstimmungen sehr für die


Autorschaft von Stephanus. Doch bedarf es, um hier sicher zu gehen, einer
näheren und umfangreicheren Prüfung, die in der Weise vorgenommen
werden soll, daß den einzelnen inhaltlich gegliederten Teilen des Papyrus
der Digestentext und die Stephanusstellen gegenübergestellt werden. Ich
darf vorwegnehmen, daß sich neben zum Stephanus-Index verwandten
Stellen auch eine große Anzahl von Trapaypaipai (adnotationes) im Papyrus-
text finden, die in dieser Form nicht aus den bekannten Scholien des Ste-
phanus entlehnt sein können. Auch diese werden in einer gesonderten
Rubrik wiedergegeben. Es stellt sich dabei die Frage, ob auch diese adnota-
tiones Stephanus zugerechnet werden können. Fest steht, daß Stephanus
neben seinem Digestenindex, aus dem uns große Teile in den Basiliken-
scholien erhalten sind, auch „adnotationes" geschrieben hat, die nach
Heimbachs Ansicht dem eigentlichen Index angefügt waren31. Nun fällt auf,
daß die Kompilatoren der „scholia antiqua" bei der Zusammensetzung der
Basilikenscholien nicht immer das gleiche Ordnungsprinzip verfolgen.
Während sich bei den Schoben libri 12—14 der Basiliken zahlreiche adno-
tationes des Stephanus finden, aber keine Fragmente aus seinem Index, ob-
wohl der Index sich doch mit Sicherheit auch auf diese Bücher erstreckte32,
finden sich umgekehrt in über 1 1 , 1, wo die Materie „de pactis" (D. 2, 14)
behandelt wird, keine adnotationes von Stephanus wiedergegeben, dafür
aber umfangreiche Exzerpte aus seinem Index. Auffallend ist auch, daß der
anschließende Titel liber 1 1 , 2 wieder zahlreiche adnotationes von Stephanus
enthält. Wie ist das Fehlen der adnotationes hier, in Uber 1 1 , 1, zu erklären ?
Heimbachs Ansicht geht dahin33, daß das Fehlen der adnotationes nicht
damit erklärt werden könne, daß Stephanus hier etwa keine adnotationes
geschrieben hätte, oder daß die Komilatoren der „scholia antiqua" nicht
alle adnotationes des Stephanus wiedergegeben hätten. Ihr Fehlen in ein-
zelnen Titeln oder Büchern der Basiliken sei vielmehr damit zu erklären,
daß die Kompilatoren ältere Codices abgeschrieben hätten, die vieles aus-
ließen. Es mag dahingestellt bleiben, ob Heimbachs Vermutung richtig ist,
jedoch wird ihm im Ergebnis zu folgen sein, wonach Stephanus auch zur
Materie „de pactis" adnotationes geschrieben hat, die uns aber bei den
einschlägigen Basilikenscholien nicht erhalten sind.
31
Heimb., Prolegomena Basilicorum, 49ff.
32
Oben, Anm. 30; vgl. auch Heimb., Proleg., 49ff.
33
Heimb., Prol., 4 9ff.
240 NEUE TEXTE

Es kann daher die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, daß die in


PSI 55 enthaltenen adnotationes von Stephanus herrühren. Dies bedarf
einer genaueren Untersuchung, in der zu prüfen sein wird, ob die im Papyrus
zufindenden adnotationes Besonderheiten aufweisen, die für Stephanus
sprechen.
Eine größere Anzahl von adnotationes, die im Papyrus vorkommen,
beschäftigen sich mit der Erklärung lateinischer termini technici. So wird
z. B. in Z. i i — 1 5 der Begriff „legitimum", in Z. 15—18 der Begriff „pactum
(legitimum)" und in Z. 38—39 der Terminus „iuris gentium" erklärt. Geht
man die von Heimbach als adnotationes des Stephanus bezeichneten
Stellen34 durch, so finden sich häufig Bemerkungen dieses Inhalts in den
Basiliken, eine Eigentümlichkeit, die, wie schon oben behandelt35, ver-
mutlich auf den Rechtsunterricht und seine Erfordernisse zurückzuführen
ist.
Weiter spricht die Ausführlichkeit und Häufigkeit dieser Trapocypacpai
für Stephanus, die u. a. ganz im Gegensatz stehen zu den seltenen und
knappen Trapccypacpai des Dorotheus38. Ferner spricht für ihn die „Frage-
Antwort"-Formulierung (epcoTcrrroKpiaEis)37 in Zeile 72—90, die eben-
falls auf den Schulunterricht zurückzuführen ist und in einer besonders
einprägsamen Form ein Rechtsproblem stellt und löst.
Besonders aber fällt auf, daß der Wortschatz und Stil38 dem restlichen
Teil des Papyrus gleicht und dieser wieder den erhaltenen Stephanus-
scholien sehr nahe steht.
Hält man sich diese getroffenen Feststellungen vor Augen, so ist auch
für die in unserem Papyrus zu findenden Trapccypacpai eine enge Verwandt-
schaft mit Stephanus wahrscheinlich. Es darf daher vermutet werden, daß
es sich bei diesen 7rapaypa<pai ausschließlich oder doch zu einem großen
Teil39 um die zu unserer Materie „de pactis" verlorengegangenen adnota-
tiones des Stephanus handelt. Aus diesem Grunde sind auch sie in die fol-
gende Vergleichsliste aufgenommen worden.

34
Manuale Basilicorum, Tom. V I , 2 2 1 ff.
35
Vgl. Kapitel 4 „ P S I 55 wurde für und im Rechtsunterricht verfaßt".
39
Heimb., Prol., 36ff.
37
Vgl. Heimb., Prol., 49ff.
38
Vgl. in diesem Kapitel, Abschnitt cc) „Verhältnis von P S I 55 zum Stephanus-
Index — P S I 55 eine „EpnT|VEicc".
39
Oben, Anm. 38.
III. EIN BISHER NICHT E R K A N N T E R STEPHANUSTEXT: PSI 55 241

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16*
244 NEUE TEXTE

Vergleicht man die einzelnen angegebenen Parallelstellen der Scholien


mit den betreffenden Zeilen des Papyrus, so wird man finden, daß sie nicht
nur inhaltlich gleich sind, sondern regelmäßig auch in der Wahl der tech-
nischen Ausdrücke bis ins einzelne übereinstimmen40. Besonders augen-
fällig ist dies bei recht ausgefallenen Worten und Wortgruppen, wobei als
Beispiel der Ausdruck ctköttos [ect)(]ev (Z. 129) gelten mag, der sich zweimal
gleich oder ähnlich auch in Scholion „'Evteööev" findet. Den Parallelismus
Wort für Wort nachzuweisen, möchte ich mir ersparen, da dies einen be-
trächtlichen Raum füllen würde, zumal der Leser selbst an Hand der Ver-
gleichsliste dies ohne Schwierigkeit und erhebliche Mühe festzustellen ver-
mag.
Läßt man die für Stephanus angeführten Indizien gelten, so dürfte es
m. E. kaum einen Zweifel geben, daß die adnotationes und die mit dem
Scholion-Text belegten Stellen des Papyrus mit den Trapaypcwpai bzw. dem
Index des Stephanus zu identifizieren sind. Es bleiben dann übrig die
Kcrrd iröSa und Kcrrä iroSa ähnlichen Stellen in PSI 55. Da gerade der
Basilikenhaupttext, der hier aus der ¿ttitouti des älteren Anonymus41
stammt42, zahlreiche Korröt TröSa und koctcx TröSa ähnliche Stellen enthält,
ist eine Identitätspiüfung zwischen ihm und dem Papyrus nötig, um fest-
zustellen, ob nicht dieser als Autor für die Stellen gleicher Art im Papyrus
in Frage käme.

bb) B A S I L I K E N H A U P T T E X T UND KATA TTOAA BZW. KATA TTOAA-


ÄHNLICHE S T E L L E N IN PSI 55

PSI 55 (in Zeilen D. 2, 14 Basilikenhaupttext

7—9 lex 5 völlig verschieden


9—11 lex 6 völlig verschieden
43—50 lex 7 § 1 verschieden, aber inhaltlich
verwandt

40
Vgl. oben, Anm. 38.
41
Identisch mit Enantiophanes; beide Namen wahrscheinlich ein Pseudonym für
Julian, der ein Schüler des Stephanus war (Zachariä v. Lingenthal, Krit. Jahrb. f.
deutsche RW (1844) 804; Heimb. Prol., 56).
42
Heimb., Prol., 54f.
III. E I N B I S H E R N I C H T E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : P S I 55 245

50—52 lex 7 § 2 ähnlich


53—54 lex 7 § 2 Satz 2 ähnlich
55—57 Satz 3 völlig verschieden
61—68 lex 7 § 2 (Teil) fehlt
90—95 lex 7 § 6 völlig verschieden

Der Basilikenhaupttext ähnelt PSI 55 nur an sehr wenigen Stellen, dort


wo es sich um eine direkte Kcrrot ttoScc Übersetzung der Digesten in beiden
Quellen handelt, und auch hier bleibt es eine Ausnahme, daß sie beide
parallel laufen. Basilikenhaupttext und Korra ttoSoc bzw. Korrä TTÖSa-ähn-
liche Stellen in PSI 55 sind also nicht identisch. Mit Sicherheit kann daher
gesagt werden, daß die Korra TröSa und KOtra iro8a-ähnlichen Stellen im
Papyrus nicht von Anonymus sein können.
Ob der Index des Stephanus eine solche Korra ttöScc bzw. Korra ttoSoc-
ähnliche Übersetzung der Digesten an der Spitze der einzelnen abgehan-
delten Digestenstellen trug, ist nicht bekannt. Jedenfalls ist eine solche in
den Basiliken nicht erhalten, da dort als Basilikenhaupttext die Version
des älteren Anonymus oder die des Dorotheus übernommen worden ist43.
Hat der Index des Stephanus eine wörtliche oder beinahe wörtliche Uber-
setzung des Digestentextes nicht besessen, so ist doch anzunehmen, daß
Stephanus sie im Bedarfsfalle für seine Schüler angefertigt hat, da bei
ihren mageren Lateinkenntnissen ein direktes Arbeiten im lateinischen
Digestentext nicht möglich gewesen sein wird.

Weitere, für Stephanus sprechende Indizien, die in Übereinstimmung


mit Heimbach44 sich in unserem Papyrustext finden, seien im folgenden
noch kurz zusammengestellt.
So hat Stephanus die Gewohnheit, wenn er ein neues Rechtsproblem
aufgreift, dieses mit einer allgemeinen Vorbetrachtung (protheoria)45 ein-
zuleiten, in der er kurz das Thema umreißt. Diese Besonderheit findet sich
fast vor jedem neuen Gedanken, den der Papyrus anschneidet. Ebenso
findet sich hier auch wieder, seine Neigung zu Definitionen und dogma-
tischen Erörterungen, die Fülle von Beispielen, die Häufung verwandter

48
Oben, Anm. 36 und 42.
44
Prol., 49—54-
45
Das gleiche gilt auch für Theophilus (Heimb., Prol., 33ff.).
246 NEUE TEXTE

und ähnlicher Fälle, die das zuvor Gesagte bekräftigen und das Spiel mit
dem Gegensatz.
Auch soll Stephanus einen umfangreicheren Digestentext besessen
haben 4 8 , als der uns überlieferte. Sollte dies zutreffen, so wäre dies die ein-
fachste Erklärung für die ausführlichere Fassung der Julianstelle und die
Anführung des Pomponius-Falles, der in dem heutigen Digestentext fehlt.

cc) V E R H Ä L T N I S VON P S I 5 5 ZUM S T E P H A N U S - I N D E X — P S I 5 5 EINE


EPMNEIA

Die Verwandtschaft zwischen P S I 5 5 und dem Stephanus-Index in


Inhalt, Stil und Wortwahl ist augenscheinlich. In der Wortwahl ist sie so
eng, daß z. B . in Z. 1 1 4 — 1 3 3 keine 3 Wörter vorkommen, die nicht in den
entsprechenden von Stephanus herrührenden Scholientexten auch zu finden
sind. A u c h die adnotationes weisen eine H ä u f u n g von Stilmerkmalen und
sonstigen Besonderheiten auf, die für Stephanus eigentümlich sind 47 . Ebenso
können die koctöc ttoScc und Kotrot Trö8oc-ähnlichen Stellen nicht von dem
— neben Stephanus — hier allein in F r a g e stehenden älteren A n o n y m u s
herrühren 48 . Meines Erachtens macht daher das zusammengetragene Ma-
terial es nicht nur wahrscheinlich, daß P S I 5 5 aus dem Index des Stephanus
bzw. seinen Trapotypacpai geschöpft ist, sondern läßt sogar vermuten, daß
er von ihm selbst verfaßt ist, wobei ihm der eigene Index und seine r r a p a y -
pacpcci als Grundlage gedient haben.
E i n E i n w a n d kann einer solchen Vermutung noch entgegengehalten
werden: P S I 5 5 ist bei einer gewissen Breite im Inhalt und in der A u s -
führung der Beispiele speziell doch wesentlich knapper, kürzer und wohl
auch genauer als die in F r a g e stehenden vergleichbaren Schoben aus dem
Stephanus-Index, deren inhaltliche Überfülle 4 9 sie häufig schwer verständ-
lich macht. A u c h sind alle Formalfloskeln, mit denen Stephanus einen F a l l
einzuleiten oder die Aufmerksamkeit seiner Leser auf die Bedeutung einer
Stelle hinzulenken pflegt 5 0 , im P a p y r u s entfallen.

46
Heimbach beweist dies mit Bas. 20, 1, 55, eine Stelle, die ein Thema behandelt,
das zwischen D. 19, 2, 55 und lex 56 gestanden haben muß (Prol. 52).
47
Vgl. oben, S. 2 39 ff.
48
Vgl. oben, S. 244t. mit Anmerkungen.
49
Dies brachte dem Stephanus-Index auch die Bezeichnung „ttAoctös" ein.
60
Heimb., Prol., 49ff.
III. E I N BISHER NICHT E R K A N N T E R STEPHANUSTEXT: PSI 55 247

Wie ist diese Diskrepanz zwischen Papyrus und Index zu erklären ? Zur
Klärung dieser Frage muß man sich vergegenwärtigen, zu welchem Zweck
der Index einerseits und der Papyrus andererseits verfaßt ist. Der Digesten-
index des Stephanus ist wohl am ehesten vergleichbar mit einem der heu-
tigen Großkommentare, die auf möglichste Vollständigkeit gerichtet, mehr
der Praxis als dem Schulgebrauch zu dienen bestimmt sind. Einen völlig
anderen Zweck hatte unser Papyrus, der die Unterrichtung der Studenten
im Auge hatte 51 . Seiner Natur nach ist er am besten mit einem Ausschnitt
aus einem Kurzlehrbuch zu vergleichen. Alle Merkmale, die ein solches
Buch auszeichnet, finden sich auch in unserem Papyrus: guter Aufbau,
Klarheit, Prägnanz, Anpassung an das Verständnis des Schülers, zahlreiche
Beispiele zur Verdeutlichung der abstrakten Materie und eine gewisse
Knappheit bei möglichster Vollständigkeit. Daß Stephanus auch in diesem
Stil zu schreiben verstand, trotz seiner regelmäßig in seinem Index zu fin-
denden Breite, beweisen zahlreiche Scholien, besonders aber auch viele
seiner Trapaypa<pal, wie man bei einem Überprüfen der von ihm herrüh-
renden Basilikenstellen mit Hilfe von Heimbachs „Manuale" feststellen
kann. Zugleich macht es der erkannte Zweck in der Behandlung des Stoffes,
wie er aus PSI 55 zu ersehen ist, notwendig, auch alles Überflüssige fallen
zu lassen. Hierzu gehören auch die in dem Index zu findenden Formal-
floskeln. — Damit stehen die im Papyrus gefundenen Abweichungen gegen-
über dem Index nicht der oben geäußerten Vermutung entgegen, daß PSI 55
Stephanus selbst zum Autor hat. Es ist daher anzunehmen, daß Stephanus
hier zwar seinen Index wie auch seine irapotypa<pai als Grundlage für den
vorliegenden Papyrus benutzte, ihr Material aber seinem Zweck ent-
sprechend auf seine Schüler zuschnitt. Die einheitliche und in sich zusam-
menhängende Fassung des Papyrus, die wie aus einem Guß geformt ist,
läßt es nicht ausgeschlossen erscheinen, daß einzelne Ubergänge von ihm
neu und ohne Vorbild geschaffen wurden. So erklären sich die bei aller
Ähnlichkeit doch festzustellenden Differenzen zwischen PSI 55 und dem
Stephanus-Index.
Der damit klargelegte Charakter des Papyrus entspricht somit am
ehesten dem, was die byzantinische Zeit unter einer Epprqvda52, also einer
kurzen Texterläuterung (hier: der Digesten) verstand, eine Einordnung,
die auch Vassalli vorschlägt53. So erklärt sich auch, daß häufig die Namen
51
Vgl. Kapitel 4 und 6.
52 53
Wenger, Quellen des röm. Rechts, 682. BIDR 24 (1912), 186.
248 NEUE TEXTE

der Rechtsschriftsteller fehlen, die hier in den Digesten und den sonstigen
Quellenbelegen genannt werden, da dies für den Zweck, den die Abhandlung
verfolgte, nicht erforderlich war.
Um nun das obige Beweisergebnis nach jeder Richtung hin zu sichern,
ist es erforderlich, auch die übrigen zeitlich und sachlich in Frage stehenden
Rechtsschriftsteller heranzuziehen, um zu überprüfen, ob einer von ihnen
evtl. als Urheber des Papyrus gelten könnte.

b) THEOPHILUS?
Vassalli vertritt die Ansicht, PSI 55 stamme von Theophilus54. In der
neuesten Literatur ist es Wenger, der auf Grund der Argumente Vassallis
in PSI 55 eine, wenn „auch nicht gesicherte Bereicherung unseres Theo-
philus-Quellenbestandes" sieht55. Diese beiden gewichtigen Meinungen
geben Anlaß zu einer gründlichen Prüfung, ob Theophilus hier als Ver-
fasser in Frage käme.
Vasalli geht in der Weise vor, daß er mittels Heimbachs „Manuale" die
Verfasser der einzelnen Basilikenscholien, die zu unserer Materie „de pactis"
gehören, feststellt, und sie entsprechend den einzelnen Ausschnitten des
Papyrus unter ihrem jeweiligen Verfasser (Stephanus, Anonymus, Doro-
theus, Theophilus und Cyrill) zusammenstellt. Diese Gegenüberstellung
von PSI 55 und den Basilikenscholien ist in einer etwas generellen Manier
gehalten, die auf keine Einzelheiten eingeht und nicht als sehr genau anzu-
sprechen ist. Bei Stephanus stellt er lediglich fest, daß seine Scholien in
allen Gegenständen parallel zum Text verlaufen, gibt aber trotz dieses für
Stephanus sprechenden Indizes keine Gründe an, warum er Stephanus als
Autor dieses Papyrus ablehnt.
In Zeile 1 1 1 findet sich nun eine Verweisung auf ein Buch 18, womit
D. 1 8 , 1 , 72 pr. oder evtl. auch D. 18, 5, 2 gemeint ist. Diese Verweisung
wird sich wahrscheinlich auf den Digestenindex des Verfassers selbst be-
ziehen, der u. a. diese Stelle des Buches 18 kommentierte; zumal PSI 55
deutlich erkennen läßt, daß der Kreis, an den er sich wendet, aus Studenten
der Rechtswissenschaft an einer der byzantinischen Rechtsschulen56 be-
standen hat, von denen nur geringe Lateinkenntnisse erwartet werden
können, so daß ein Lesen des lateinischen Digestentextes schwerlich in

54
B I D R 24 (1912), i88f.
55
Wenger, Quellen des röm. Rechts, 685 f.
56
Vgl. Kapitel 6.
III. EIN BISHER NICHT E R K A N N T E R STEPHANUSTEXT: PSI 55 249

Frage gekommen wäre57. Nun weisen nach Ferrinis Ansicht Spuren des
Theophilus-Index, der uns allerdings nur sehr fragmentarisch erhalten ist,
nicht über Buch 17 der Digesten hinaus58. Trifft die Vermutung zu, daß
der Verweis sich nicht auf die Digesten direkt, sondern auf den dazu ge-
schriebenen Index des Papyrusverfassers bezog, so ist es wenig wahrschein-
lich, daß PSI 55 von Theophilus herrühren kann.
Als positives Indiz für Theophilus, soweit man es als solches überhaupt
werten darf, führt Vassalli allein das Scholion (DiAó^evos (Scheit. I, 182
schol. 1 1 ) an. Dieses behandelt aber allein das vor dem erhaltenen Text
unseres Papyrus liegenden principium von D. 2 , 1 4 , 4. Es hat also zu
unserem Text überhaupt keine Parallele. Es beweist bestenfalls, daß der
Index des Theophilus sich auf D. 2 , 1 4 erstreckte. Auch eine Stilverwandt-
schaft läßt sich aus diesen paar erhaltenen Worten nicht herauskonstruieren,
während eine inhaltliche Verwandtschaft ja schon von vornherein ausge-
schlossen ist. Doch möchte ich nicht verschweigen, daß Vassallis Annahme,
Stephanus habe aus dem Theophilus-Index geschöpft, woraus sich evtl.
eine Übereinstimmung des Stephanus-Index mit unserem Papyrus erklären
ließe59, gerade in den hier einschlägigen Basilikenscholien eine teilweise Be-
stätigung erfahren hat. Zachariä v. Lingenthal weist in dem Stephanus-
Scholion „Maöcov" (Scheit. 1,187—192) zwei und in Scholion ,,Etpr|Kapi£u"
(Scheit. I, 194—197) eine Formulierung nach, die eigentümlich für Theo-
philus sind60. Es handelt sich um die Ausdrücke ccvocyKociov ehreiv (Schol.
„Moc6ci>v" Scheit. I, 188 Z. 35; Schol. „ EípiÍKOcuev" Scheit. I, 195 Z. 6) und
TCÖV ú>|ioAoyrmévcov éorív (Schol. „MaOcov" Scheit. I, 189 Z. 33).

Eine solch geschraubte Formulierung, wie ,,es zwingt mich zu sagen"


(ccvayKalov ehreiv), die sich auch in der Institutionenparaphrase des
Theophilus81 findet, spricht für eine persönliche Einmaligkeit. Zachariä's
Feststellung erscheint mir daher sachlich zweifelsfrei.

57
Vgl. Kapitel 3 und 6.
58
BIDR III, 64.
59
Eine Folgerung, die Vassalli jedoch nicht gezogen hat.
60
ZS 10, 263.
61
Ferrini nennt allerdings den Verfasser der Institutionenparaphrase in seinen
„Opere" (ab Vol. I, 3. Teil) nur Pseudo-Theophilus, die h. M. (u. a. Zachariä, SZ 10,
257; Peters, Ostrom. Digestenkommentare 46, Anm. 132) hielt aber auch danach —
nach Abwägung der Argumente Ferrinis — an der bis dahin vertretenen Ansicht fest,
daß die Institutionenparaphrase Theophilus zuzuschreiben sei (Seidl, Krit. Vjschr. 24,
1931, S. 78f.).
250 NEUE TEXTE

Stellt man sich daher auf den Standpunkt, Stephanus habe hier den
Theophilus-Index benutzt und hält man die Verwandtschaft zwischen den
beiden genannten Scholien zu Teilen des Papyrus für erwiesen, so könnte
man auch folgern, daß nicht der Stephanus-, sondern der Theophilus-Text
direkt dem Papyrus zugrunde gelegen hat.
Dem ist aber entgegenzuhalten, was die frappante Übereinstimmung
der beiden Floskeln mit der Redeweise des Theophilus betrifft, daß Ste-
phanus als Schüler des Theophilus bewußt oder unbewußt sprachliche
Eigenheiten seines von ihm verehrten Lehrers angenommen haben dürfte,
wie es bei jungen und noch bildsamen Menschen zu geschehen pflegt. Finden
sich doch auch sonst zahlreiche sprach- und stiltechnische Ubereinstim-
mungen zwischen Stephanus und Theophilus, wie ein Blick in Heimbachs
„Prolegomena Basilicorum" lehrt, die mit Sicherheit auf dem gleichen
Wege der Assoziation zustande gekommen sind, da sie überall bei Stephanus
auftauchen, auch dort, wo er gar nicht aus dem theophilinischen Index ge-
schöpft haben kann 62 . Der Gebrauch dieser beiden Redewendungen beweist
also keineswegs, daß Stephanus hier aus Theophilus geschöpft hat. Abge-
sehen davon hat Stephanus nicht nur aus dem Index des Theophilus ge-
schöpft 63 , sondern auch aus dem des Dorotheus 64 , er benutzt aber auch
eine Abhandlung des Thalelaeus 65 . Vom letzteren ist es zwar zweifelhaft,
ob er einen Digestenkommentar geschrieben hat, jedoch steht fest, daß
er mindestens zu einer Anzahl von Digestenstellen Interpretationen ver-
faßt hat. Die bei Heimbach gebrachten zahlreichen Beispiele aus Thalelaeus
beziehen sich alle auf Digesten libri i — 1 7 , also gerade auf die Bücher, auf
die sich auch mit Sicherheit der theophilinische Index erstreckte. Wenn
man schon annimmt, daß in den beiden sehr umfangreichen Scholien
„MocOcbv" und „EipriKOcpsv" gewisse einzelne Formulierungen auf Theo-
philus schließen lassen, so wäre nach obigem dennoch zweifelhaft, ob

62 Der Theophilus-Index ist nur bis Buch 17 der Digesten nachzuweisen (Ferrini,

B I D R III, 64), während der Stephanus-Index sich auf sämtliche an den Rechts-
schulen behandelten Bücher der Digesten erstreckte (vgl. Anm. 30), insb. auch auf
die „libri singulares" (libri 23, 26, 28, 30). Auch hier finden sich dem Theophilus ver-
wandte Stilmerkmale im Stephanus-Index. 63 Heimb., Prol., 49ff.

64 Z. B. Schol. „ZT6<p." Heimb. II, 579; Schol. Steph. 19, Heimb. Suppl. 192;
Schol. Steph. 24, Heimb. Suppl. 193; Schol. Steph. 26, ibidem — vgl. Heimb. Prol. 41
und dortige Anm. 51, 52, 54, 55. Darüber hinaus finden sich zahlreiche weitere Nach-
weise für die Benutzung des Dorotheus-Index durch Stephanus in Heimbachs Prol.
bei den Anmerkungen zum Dorotheus-Kommentar (3öff.).
• 5 Heimb., Prol. 47.
III. EIN BISHER NICHT ERKANNTER STEPHANUSTEXT: PSI 55 251

Stephanus bei der Herstellung dieses Indexausschnittes den Theophilus-


Index allein benutzt hat; vielmehr müßte man dann auch in Erwägung
ziehen, ob nicht Stephanus auch andere Kommentare hier herangezogen
hat. Eine Vermutung, daß in den Stephanus-Scholien „Maöcov" und
,,Eipf)KanEv" ausschließlich der Theophilus-Index benutzt wurde — wenn
man schon annimmt, daß er benutzt wurde — läßt sich daher nicht aus-
sprechen.
Regelmäßig pflegt aber Stephanus den Urheber zu zitieren, wenn er
einen fremden Kommentar benutzt. Da dies in beiden Scholien nicht der
Fall ist, ist es daher unwahrscheinlich, daß er hier überhaupt Versionen
anderer Autoren aufgenommen hat.
Schließlich und endlich ist für Stephanus bisher noch von keiner Seite
behauptet worden, sein Index stelle eine Art Sammelsurium fremder
Kommentarausschnitte dar, wie es etwa für die EiriTonri des älteren
Anonymus feststeht66. Dort, wo Stephanus nicht ausdrücklich einen an-
deren Autor zitiert, wie es auch schon in damaliger Zeit wissenschaftlichem
Anstand und Brauch entsprach, darf man mit ruhigem Gewissen annehmen,
daß es sich um sein eigenes geistiges Erzeugnis handelt; es sei denn, es
sprächen schwerwiegende Gründe dagegen, an denen es hier fehlt, wenn
man meine obige Erklärung zu den beiden Floskeln dvayKOciov ehreiv und
tcov cbnoAoyr)|j£vcov icrriv gelten läßt.
c) CYRILLUS?
Auch Cyrillus (Kyrillos) hat einen Index zu den Digesten geschrieben,
den Mattheus Blastares als kot* ettitoht] v bezeichnet67. In der Behandlung
der einzelnen Digestenfragmente ist er sehr knapp. Dies wird gerade für
den hier in Frage stehenden Teil der Digesten, den unser Papyrus behandelt,
durch ein Florilegium Scheltemas68 bestätigt, das den von Cyrill in den
Basilikenscholien erhaltenen und mit Hilfe des Cod. Mss. emendierten Text
zu D. 2 , 1 4 , 1 — 6 2 in Zusammenhang wiedergibt 89 - 70 .
Der Kommentar Cyrills zu D. 2 , 1 4 , 4, 3 — lex 7 § 8 ist wesentlich
kürzer als der Papyrus und inhaltlich wie in der Wortwahl nicht mit ihm
zu vergleichen.
88 67
Heimb., Prol. 54—56. Heimb., Prol. 56.
88
Flor. Iurisprudentiae Graeco-Romanae Nr. 13, Leiden 1950.
69
Oben, Anm. 68, dortige S. 17—27.
70
Zweifel an der genauen und richtigen Wiedergabe des Cyrillus-Textes bestehen
nicht, vgl. die Rezension Dölgers (Byz. Ztschr. 45, München 1952, 105ff.).
252 NEUE TEXTE

d) D O R O T H E U S ?

Ebenso hat auch Dorotheus einen Index zu den Digesten geschrieben71.


Mattheus Blastares beschreibt die Anlage des Index als „Acopoösos
tcc^ei ¿xpr|CTOCTO( womit er meint, Dorotheus halte die Mitte zwischen der
Fülle des Stephanus und der Kürze Cyrills72. Der Index war eine griechische
Version der Digesten, weshalb er verdient kotqc ttöSoc genannt zu werden73.
Schon das macht es wenig wahrscheinlich, daß PSI 55 von Dorotheus
stammt, da der Papyrus in weiten Teilen Abweichungen von den Digesten
enthält, darüber hinaus sogar Stellen, die nichts mit dem Digestentext zu
tun haben. Hinzukommt, daß es vom Dorotheus-Index zweifelhaft ist, ob
er im Schulunterricht entstanden ist, während für PSI 55 nachgewiesen
wurde, daß dies der Fall ist74. Schließlich bestätigt der Dorotheus-Index
selbst, dort wo er unserem Papyrus parallel läuft
Schol. TTäaa Heimb. I, 558 (Pap. Z. 3—Ii) 7 5
Schol. Tcov <puoiKcov Heimb. I, 562 (Pap. Z. 40—42; 53—61) 75
Schol. 'EmbAricre Heimb. I, 569 (Pap. Z. 122—128) 75
daß keine nahe Verwandtschaft zwischen beiden besteht. Wo der KotTa
ttoScc Version des Dorotheus eine solche des Papyrus entspricht, fällt ein
starker Unterschied in der Wortwahl auf.

e) A N O N Y M U S D E R Ä L T E R E ?

Auch der ältere Anonymus mit seiner Ittitoht®!76 kommt hier in Frage.
Dies um so mehr, als er als ein Schüler des Stephanus gilt77 und den Index
des Stephanus als Grundlage für eine Arbeit benutzt haben könnte, wie sie
uns in PSI 55 entgegentritt. Doch hat bereits der Basilikentext (Haupt-
text!), der hier von Anonymus stammt, gezeigt, daß PSI 55 in weiten Teilen
nicht von ihm herrühren kann78.

71
Heimb., Prol. 36.
72
Oben, Anm. 71.
73
So Heimbach (oben, Anm. 71), von Berger bestritten (BIDR 55—56, S. 65ff.,
insb. S. 76).
74
Vgl. Kapitel 4.
75
Nur mutmaßlich wegen ihres Kcrroc TTÖSa-Charakter von Heimbach als Stellen
aus dem Dorotheus-Index identifiziert (Prol. 44).
76
Heimb., Prol. 54.
77
Heimb., Prol. 54ff.; Zachariä v. L „ Krit. Jahrb. f. deutsche R W (1844), 804.
78
Oben, Kapitel 7 Abschn. „Basilikenhaupttext und kcttci TTÖSa bzw. koctoc iröSa
-ähnliche Stellen in PSI 55.
III. E I N B I S H E R NICHT E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : PSI 55 253

Auch die beiden einzigen Trapotypacpai79 eines Anonymus, von dem es


fraglich ist, ob er mit dem älteren identisch ist, die mit Teilen unseres
Papyrus parallel laufen
Toü 'Avcov. Scheiteina I, 186 (Pap. Z. 9 — 1 1 )
TTepl Heimb. V, 4 1 5 (Pap. Z. 27—33)
sind teils im Inhalt, teils in der Wortwahl (z. B . wird der christliche Name
rfcrpos benutzt) so verschieden von unserem Text, daß die Identität
zwischen beiden Verfassern auszuschließen ist.

f) ISIDORUS, THEODORUS, T H A L E L A E U S , COBIDAS ?

Parallelstellen von Isidoras, Theodoras, Thalelaeus und Cobidas zu


unserem Papyrus sind nicht erhalten. E s ist zweifelhaft, ob von diesen
Autoren überhaupt Kommentare zu D. 2 , 1 4 geschrieben wurden.
I s i d o r u s war wahrscheinlich zur Zeit der justinianischen Kodifikation
Lehrer in Beryt. Ihm wird eine Bearbeitung der Digesten zugeschrieben,
die aber sehr problematisch ist. Nur wenige Stellen sind von ihm erhalten.
Zachariä v. Lingenthal zählt insgesamt nur sieben auf 80 , von denen nur
eine einzige als Indexstelle identifiziert ist 81 . Überall, wo der Name Isidorus
an der Spitze eines Scholion steht, will Zachariä stattdessen Dorotheus
lesen 82 , da er die Benennung „Isidorus" für einen Irrtum hält.
T h e o d o r u s wird lediglich irrtümlich ein Digestenkommentar zuge-
schrieben 83 .
T h a l a l a e u s verweist in seinem Codexkommentar häufig auf die Di-
gesten, woraus geschlossen wird, daß er auch unmittelbar an den Digesten
gearbeitet hat. Doch er hat kaum einen besonderen Kommentar zu den
Digesten geschrieben 84 .
C o b i d a s schließlich hat ein ttoivccAiov geschrieben. Nur selten finden
sich von ihm Bemerkungen zu Digestenstellen in den Basilikenscholien; da-
neben hat er eine Anzahl frapotypaq>ai zu den Digesten verfaßt, die jedoch
erst mit Uber 3 beginnen 88 , so daß man ihn nicht direkt vergleichen kann.

79
Scholien des Anonymus (des Älteren) fehlen hier.
80
Krit. Jahrbücher f. deutsche R W (1844), 811.
81
Heimb. II, 384, index zu D. 22, 5, 1.
82
Oben, Anm. 80.
83
Oben, Anm. 80, 816; Heimb., Prol. 62ff.
84
Oben, Anm. 80, 8 1 4 ! ; Heimb., Prol. 72ff.
85
Oben, Anm. 80, 805 ff.; Heimb., Prol. 87; vgl. auch Wenger, Quellen des röm.
R., 688.
254 NEUE T E X T E

Die wenigen von ihm erhaltenen Trccpaypa<pai sind fast immer sehr knapp
gehalten84, was im Gegensatz zu der Breite steht, in der die meisten Ttapay-
pa9Cti unseres Papyrus auftreten. Auch dürfte Cobidas zeitlich als Ver-
fasser des Papyrus nicht mehr in Frage kommen, da er erst zu Beginn des
7. Jhdts. oder später tätig gewesen ist87, und der Papyrus wegen der Be-
nutzung zahlreicher in Latein gehaltener termini technici vermutlich ins
6. Jhdt. 88 fällt.

g) ERGEBNIS DER UNTERSUCHUNG

Bei keinem der in Frage stehenden Digestenkommentatoren lassen sich


Indizien finden, die die Annahme, daß Stephanus der Verfasser des Pa-
pyrus ist, zu erschüttern vermögen.

8. DER V E R F A S S E R VON PSI 55: STEPHANUS

Nach den vorstehenden Ausführungen wird es m. E. nicht bezweifelt


werden können, daß Stephanus der Verfasser des vorliegenden Papyrus ist.
Die Übereinstimmung in weiten Teilen des Papyrus mit dem Index des
Stephanus ist offensichtlich. Beispiele, die sich allein oder in von den Di-
gesten abweichender Form im Stephanus-Index finden, kehren in unserem
Papyrus wieder. Die Wortwahl ist in beiden die gleiche oder doch min-
destens ähnlich. Ausgefallene, gleichlautende Formulierungen finden sich
hier wie dort. Wo der Papyrus sich einer größeren Knappheit befleißigt als
der Index, ist dies aus seinem Zweck als ausschließlich für den Schul-
gebrauch bestimmte ippriveioc zu erklären, während der Index vorwiegend
der Praxis zu dienen bestimmt war, was größtmögliche Vollständigkeit und
damit größere Breite bedingte.
Da PSI 55 den Index des Stephanus zur Grundlage hat, setzt er ihn
auch zeitlich voraus. Für die Datierung des Papyrus ist es daher erforder-
lich, erst den Index selbst zeitlich festzulegen.
Stephanus war im 6. Jhdt. Professor der Rechtswissenschaft an der
Universität Beryt 89 . Er schrieb dort seinen Index, der die nach Justinians

8
» Vgl. z. B. Scheit. I, 95 Nr. 1; Scheit. I, 112 Nr. 17; Scheit. II, 556 Nr. 5.
87
Oben, Anm. 80, 807.
88
Oben, Anm. 80, 799.
89
So Zachariä v. Lingenthal, SZ 10. i-jol.; nach Heimbach war Stephanus aller-
dings Rechtslehrer in Konstantinopel, Zeitschr. f. Rechtsgesch. 2, 325.
III. EIN BISHER NICHT ERKANNTER STEPHANUSTEXT: PSI 55 255

Vorschrift im Rechtsunterricht zu behandelnden Bücher, TOC irpcrrrouEva


ßißAia, der Digesten umfaßte90, frühestens im Jahre 556. Dieser Zeit-
ansatz ergibt sich daraus, daß in dem Index die Novelle 134 des gleichen
Jahres genannt wird 91, 92. Wie lange Stephanus gewirkt hat, ist nicht be-
kannt, doch wird er von Späteren, Kyrillos und anderen zitiert93.
PSI 55 ist daher ebenfalls nach 556 n. Chr. verfaßt worden. Doch wäre
es auch möglich, daß, wenn man PSI 55 für einen Ausschnitt aus einem
umfangreichen Werk des Stephanus ansieht, das nicht nur den Digesten-
titel „de pactis" behandelte, sondern darüber hinaus sämtliche oder einen
großen Teil der im Rechtsunterricht zu behandelnden Bücher der Di-
gesten94, gedacht als eine fortlaufende £p|ir|veia für die einzelnen Klassen
der Studierenden, dieses Werk selbst wiederum von Stephanus zu der
größeren Arbeit seines Digesten-Index und seiner adnotationes als Grund-
lage benutzt wurde. Dann wäre PSI 55 kurz vor 556 n. Chr. verfaßt. Da
dieser Zeitansatz jedoch einige Hypothesen voraussetzt, ist der erste Zeit-
ansatz wahrscheinlicher95.

QUELLENREGISTER

1. Codex Iustinianus
2, 3. 13 200 Anm. 82
2, 55. 5 pr- 182 Anm. 25
2, 57. 1 223 Anm. 146
3. 43 190
3. 43. 1 189
3. 43. 1 pr- 189
3. 43. 1. 4 189
3. 43. 2 189; 189 Anm. 44
4. 5 211; 211
4, 21, 17, 2 142

90
Vgl. oben ,Anm. 30.
91
Schol. „Tux^v", Heimb. I, 772 (in Scheltemas Basilikenausgabe nicht zu fin-
den!).
92
Heimbach, Zeitschr. f. Rechtsgesch. 2, 325.
93
Vgl. Kübler, „Stephanus" RE III, Sp. 2402.
M
Vgl. oben, Anm. 30.
95
Die Frage vor- oder nachjustinianisch ? ist m. E. eindeutig zugunsten des letz-
teren gelöst. Es erübrigt sich damit eine hilfsweise zur Zeitbestimmung ins Auge
gefaßte Uberprüfung der in PSI 55 enthaltenen KCITÖC TTÖSCC oder K O T Ä ir66o-ähnlichen
Stellen in Richtung auf eine evtl. Übernahme solcher Digesten-Interpolationen, die
erst durch die Kompilatoren des C. I. hier in die Digesten eingefügt sind.
256 NEUE TEXTE

4. 32, 4 203; 204 A n m . 92


4. 32. 4 pr- 202
4. 32, 22 202; 203; 204 A n m . 92
4. 45. 1 158; 2 1 1 ; 217 A n m . 129
4. 45. 2 158; 185; 2 1 1 ; 217 A n m . 129
4. 52, 3 223 A n m . 146
5. «. 6 182 A n m . 25
8. 53. 36. 3 182 A n m . 25

2. Institutiones Iustiniani
1. 1. 4 179
1, 5 pr. 179
1, 15. 1 pr- 183; 234

3. Digesta Iustiniani
Const. Omnem § 2 f. 234; 238 A n m . 30
Const. T a n t a § 22 192

Digesta
1, 1, 1, 2 179
3. 9 181 A n m . 24
2, 14 183; 226; 228; 239
14, 1 — 6 2 251
14. i — 1 4 . 4, 2 228
14. 1. 4 147; !93
14, 4, 3 — 2 , 14, 7, 8 227; 228; 251
4. 3 138; 138 A n m . 4; 176; 176; 227; 237; 241
5 177; 241; 243 A n m . c
5 letzter Satz 180; 241
6 181; 182; 241
7 1 5 ° ; 195
7 pr- 241
7. 1 147; 193; 194 A n m . 56; 241
2 149; 1 5 1 ; 194; 194 A n m . 56; 195; 196; 198;
241 ; 242 A n m . a
2 Satz 1 241
Satz 2 Teil 1 242
Satz 3 242
3 199
4 199; 200; 203 A n m . 88 u. A n m . 90; 227
5 1 4 1 ; 142; 154; 155; 200; 200 A n m . 82; 201;
203 A n m . 88; 207; 208 A n m . 105; 222; 227;
242; 243 A n m . c
6 r43.' 155; 155 A n m . 45; 156, 184; 200 A n m .
82; 209 A n m . 106; 210; 221; 224 A n m . 149;
224 A n m . 1 5 1 ; 229; 237 A n m . 22; 237 A n m .
24; 243
6 vorletzter Satz 243
III. EIN BISHER NICHT ERKANNTER STEPHANUSTEXT: PSI 55 257

7 162 Anm. 60; 221; 223; 243


8 162 Anm. 60; 224 Anm. 148; 225; 238

Anm. 2 6
2. 14. 58 151
58 Satz 2 185
3. 4. 185
4. 1. 1 187
1 pr. 186; 187
11, 5, 2, 1 188; 189
3 188
12, I, 40 200
13, 7. I Pr- 202
8, 5 202; 2C2 Anm. 86

4. 203 Anm. 89

14, 3, 5, 15 184 Anm. 35

18, 1, 35 142

72 155; 200 Anm. 8 1


72 pr. 200; 200 Anm. 8 2 ; 212 u. Anm. 116; 213; 216
218; 222; 236; 248
2, 2 pr. 211 Anm. 114
5, 2 236; 248
19, I, 11, 6 184 Anm. 35
2,54 Pr- 142
55 246 Anm. 46
56 246 Anm. 46

4- 1, 1 197; 197 Anm. 67

4 199 Anm. 76
5. 1 pr. 197
11 197
25 194
22, I, 11 pr. 207

3° 206

33, 1 207
2, 5 205

5, 1 206

7 142; 206

23, 3, 6 8 177; 177 Anm. 6


26, 4- 1 pr. 183
38. 8 , 1, 2 182

4°, 1, 15 177; 177 Anm. 6


41, 4, 2 , 4 211 Anm. 114

47. 22 185
22, 3 pr. 186

3, 1 186

4. Novellae Iustiniani
134 255
136, 4 182 Anm. 25

17 Altheim-Stiehl, Christentum I
258 NEUE T E X T E

Gai Institutiones
i. i 179
i. 4 181 Anm. 24
4. 36 197

Pauli sententiae
2, 14.1 221
Basilica
8, 2, 1 0 1 -- 1 1 0 Heimb. I, 419—424 185
I i , i, 4 I. 555 177 Anm. 8
i, 5 I. 557 177; 180
1, 6 I. 558 181 Anm. 23
20, i , 55 II, 364 246 Anm. 46
23. 3. I i II, 691 207
60, 8, 2 V, 415 189
8, 3 V, 415 f. 189
8, 5 v, 417 190
32. I - -4 V, 668—669 185
Scholia Basilicorum 1

8, 2, 101, 'Epuri vela. Scheit. I, 166 186 Anm. 39


I, 166 Z. 23 186
LI, I. 4. 'ETTEISI^, I, 180 176; 237
180 Z. 28 177 Anm. 8
180 Z . 2 9
— 241 Z . 3 130
180 Z. 30 138 Anm. 61
180 Z. 34 138 Anm. 7
ÎHÀÔÇEVOS, 182 249
TTcös TIKTEI, 183 Z . 2 9 177 Anm. 8
1, 5 'H Kovßevrlcov, 184 139 Anm. II
z. 1—3 241
Z. 4—9 177
Z. 9—11 241
II, I. 5. KvpiÀÀou, Scheit. I, 184 139 Anm. II
Z. 13—14 181
Z. 14 180
Zvpçcbvcov, I, 184 242 Anm. c
Z. I 5 f . 180
"Eyvœs, I, 185 Z. 13—14 241
TTâo-a, Heimb. I, 558 252
II, I, 6, 'Avwv., Scheit. I, 186 Z. 3—4 183
[2r||jE(coaai, 186 Z. 5—7 181
II, I, 7. ' ETTCÓÀTÌCTE, Heimb. I, 569 252
Ma6cóv, Scheit. I, 187—192 249
I, 187 ff. 148; 250
187 195
1 Scheltema, Scholia Basilicorum, wird benutzt, soweit die betreffenden Scholien-

stellen bei ihm vorhanden sind; sonst wird Heimbachs Basiliken-Ausgabe zitiert.
I I I . E I N B I S H E R NICHT E R K A N N T E R S T E P H A N U S T E X T : P S I 55 259

(8. Scholia Basilicorum)


7, Maöcfaw, Scheit. I, 187 Z. 4—5 241
Z. 5 242 Anm. b
z. 5—14 241
z. 14—15 241
z. 17—18 242
z. 28 242 Anm. b
I, 188 z. 5—13 242
z. 6—13 199 u. Anm. 77
z. 35 249
I, 189 z. 33 249
Twv 9UVIKÜV, Heimb. I, 562 252
KuplAAou, Scheit. I, 192 z. 7—9 199 u. Anm. 78
Zu|i<pcövcov, I, 192 f. 154 Anm. 43
z. 29 200 u. Anm. 80
z. 3 i 205 Anm. 94
z. 33 ff- 207 Anm. 100
193 z. 2—4 208 Anm. 104
z. 6 210 u. Anm. i n
Toü "Evavr., Scheit. I, 193 z. 23 ff-
(Heimb. I, 565) 203 Anm. 87
Elpi^Kapsv, Scheit. I, 194 ff. 224 Anm. 151; 250
194-—197 249
194 208 Anm. 105
z. 13 211 u. Anm. 112
z. 35 ff- 210 u. Anm. 110
195 ff- 214
195 z. 6 249
z. i 8 f . 209
z. 22 216 Anm. 128
z. 24 217 Anm. 130
196 z. 5—9 215 u. Anm. 122
z. 26 ff. 212 Anm. 117; Anm.
z. 27—30 218; 243
196 z. 37—197 Z.9 243
197 z. 1 — 8 237; 243
z. 1—9 157 Anm. 50; 214 u.
Anm. 119
z. 9—20 160 Anm. 57; 219
Anm. 136; 224 Ai
151; 238; 243
z. 12 220 Anm. 140
z. 12 1 3 219 11. Anm. 137
z. 19 218 u. Anm. 134
KupiAAou, I, 197 221 Anm. 142
Toö 'Avcüv., 197 221 Anm. 142
' EvteOÖEV, ig8f. 225; 243
198 161; Anm. 59—221
Anm. 142
17«
260 NEUE T E X T E

Z. 7—10 243
Z. 17—23 225 u. Anm. 152

8. Scholia Basilicorum
Z. 19—23 238; 243
Zr|TEt, I, 209 Z. 25 ff. 203 Anm. 87
Mf) 86Ç1J, I, 2 1 0 Z. 2—3 207 Anm. 99
Z. 4 f. 207 Anm. 1 0 1
T6 6k i^tAöv, Z. 9ff. 209; 209 Anm. 108
12, I, 62, Tuxöv, Heimb. I, 772 255 Anm. 91
18, 3. 4. Ti yàp. Zach. Suppl. 192 250 Anm. 64
(Steph. 19)
CTTE<p., Zach. Suppl. 193 250 Anm. 64
(Steph. 24)
TTOAAÄ, Zach. Suppl. 193 250 Anm. 64
(Steph. 26)
22, 6, 4. Zteç., Heimb. I I , 579 250 Anm. 64
23. 3. 52, öaoScbpou, Heimb. I I , 720 203 Anm. 19
53. 5. 4 ( ? ) AccveIÇCOV, Cuiacius, Obs. S. 431 f. 205f.; 205f. Anm. 96
(vgl. Heimb. V, 1 1 7 Anm. z)
. riapaypa<pai in Basilicis
8, 2, 1, 'EpiirjVEÎa, Scheit. I, 95 Nr. 1 254 Anm. 86
(Cobid.)
8, 2, 39. 'Epuriveia, I, 1 1 2 Nr. 1 7 254 Anm. 86
(Cobid.)
11, 1, 6, ToO 'Avcovùnou, I, 186 Nr. 4 253
12, 2, 5. ToCrroov, I I , 556 Nr. 5 254 Anm. 86
(Cobid.)
6o, 8, 3. nepf. Heimb. V, 4 1 5 253
, Nomocanon XIV titulorum
13. 28, 5 189

. Papyri
Cairo Masp. 67 1 5 1 , 252 (VI) 141
P S I 1349, B Z. 5 230 f.
1349, A Z. 2; 5; 8; 10 2 30 f.
4- K A P I T E L

DAS ÄGYPTISCHE ALS SEMITISCHE SPRACHE

Alle sprachliche Verwandtschaft, die ja nichts anderes ist, als das Pro-
dukt miteinander in historischem Zusammenhang stehender sprachlicher
Entwicklungen, wird erkennbar in der selbst systemhaften Beziehung
zwischen verschiedenen sprachlichen Systemen. Anliegen dieser Unter-
suchung ist, die unbezweifelbare — gleichwohl exakt immer noch nicht
etablierte — Verwandtschaft des Ägyptischen mit dem Semitischen (diesen
Terminus im engen herkömmlichen Sinn genommen) durch Ermittlung der
sytemhaften Beziehung zwischen den beiden Lautsystemen endgültig zu
etablieren und so die Grundlagen für die Erforschung des semitischen
G r o ß s p r a c h s t a m m e s zu legen, den wir mit G. Bleek 1 den Semito-
Afrikanischen, mit M. Cohen2 im Gefolge von C. Meinhof3 den Hamito-
Semitischen, mit J. H. Greenberg4 den Afro-Asiatischen, mit A. N. Tucker 6
den Erythräischen nennen, und dessen äußerste Begrenzung überhaupt
noch nicht feststeht.
Es ist nicht möglich — und wäre wohl auch nicht sinnvoll — all die
zahllosen Gedankengänge, die zu Ende gedacht werden mußten, ehe sich
das abschließende Bild rundete, in der Reihenfolge, in der sie gedacht wur-
den (einschließlich aller Umwege, Irrwege und Sackgassen des Denkens)
hier nochmals nachzuzeichnen. Vor allem auch wäre es eine unmögliche
Forderung, zu verlangen, alles in den letzten hundert Jahren zum Thema
Vorgebrachte müsse nochmals diskutiert, alle tausend und mehr bisher
aufgestellten „Gleichungen" (von denen noch nicht 10% bleiben werden!)
müßten erst noch überprüft, jede Annahme, die bisher das Weiterschreiten

1 G. Bleek, De nominum generibus linguarum Africae Australis, Copticae, Semiti-

carum aliarumque sexualium. Bonnae M D C C C L I .


2 M. Cohen, Essai comparatif sur le vocabulaire et la phonétique du Chamito-

Sémitique. Paris 1947.


3 C. Meinhof, Die Sprachen der Hamiten. Hamburg 1912.

4 J. H. Greenberg, The Languages of Africa. 1963.

5 A. N. Tucker and M. A. Bryan, Linguistic Analyses. The Non-Bantu Languages

of North-Eastern Africa, London 1966.


264 ÄGYPTEN

der Erkenntnis behindert oder in die falsche Richtung gelenkt hat, müsse
erst noch einzeln widerlegt werden, ehe man versuchen dürfe, neue Wege
zu gehen. Die Wissenschaftsgeschichte lehrt, daß Irrtümer meist nicht
durch direkte Widerlegung überwunden werden, sondern durch Gewinnung
eines neuen Standpunktes. Und gerade gegen einmal in die Welt gesetzte
„Gleichungen" kann man kaum andere, als höchstens sehr allgemeine
methodische Einwände erheben. Umgekehrt hat allerdings auch die schön-
ste Gleichung wenig Beweiskraft wegen des leidigen Faktors Zufall, der
gewöhnlich weit unterschätzt wird. In der vergleichenden Sprachwissen-
schaft gilt der Satz: „ E i n e Gleichung ist k e i n e Gleichung" — und er
gilt gegebenenfalls auch tausendmal! Das bedeutet: nicht auf „Gleichungen"
an sich kommt es an, sondern auf Ermittlung von Beziehungssystemen,
allerdings durch das Mittel von Gleichungen. Erst Beziehungssysteme
schalten den Faktor Zufall aus. Und der Mangel aller bisherigen Bemühun-
gen liegt darin, daß sie nicht zur Ermittlung von Beziehungssystemen
durchgedrungen sind.
Wir können also gar nicht einfach auf dem bisherigen Weg weiter-
schreiten. Es bedarf gar nicht der Widerlegung irgendwelcher Irrtümer. Es
kommt auf die Umgehung früherer Fehlannahmen an. Möglichst viele ganz
neue Beobachtungspunkte müssen gewonnen werden, möglichst viele neue
Annahmen müssen gewagt, selbst neue Gleichungen müssen gefunden wer-
den (letztere zum Ersatz für die Hekatomben, die geopfert werden müssen),
— und erst in der Rückschau vom endlich gewonnenen neuen Standpunkt
erweist sich dann alles, was nicht neuerdings bestätigt wird, als überholt
und damit widerlegt.
Wir werden also zweckmäßig eine Darstellung vom neuen Ergebnis her
wählen, nicht vom unbefriedigenden alten Stand der Dinge her, und wir
werden auch nicht alle Gedankengänge, die notwendig waren, rekapitulieren.
Auch in einer Darstellung des letzten Standes unseres Wissens von der indo-
germanischen, germanischen oder romanischen Lautlehre würde man in
dieser Weise verfahren.

I. DAS GEMEINSEMITISCHE LAUTSYSTEM

Das gemeinsemitische Lautsystem umfaßt nach bisheriger Auffassung


— neben den drei Grundvokalen (a, u, i) — 29 sogenannte konsonantische
IV. DAS Ä G Y P T I S C H E ALS SEMITISCHE SPRACHE 265

Phoneme. Diese Auffassung beruht auf der Vergleichung der orientalischen


semitischen Sprache, und eine von ihnen, das Alt-Südarabische, stellt
sich uns tatsächlich noch mit diesem vollen Konsonantismus dar. In Wahr-
heit ist, wie die ägyptischen Verhältnisse beweisen, auch dieser Lautstand
bereits etwas reduziert. Der älteste, durch weitere Vergleichung gewinnbare
Konsonantenbestand beläuft sich auf 33 konsonantische Phoneme.
Dabei verstehen wir in der Semitistik unter Konsonanten solche Laute,
die die Fähigkeit besitzen, Silben zu eröffnen (diese semitistische Definition
beruht also — wohlgemerkt — rein auf der Funktion der Laute, nicht auf
ihrer Phonetik!). Nur die (drei) Laute, die nicht die Fähigkeit besitzen,
Silben zu eröffnen, das sind die oben erwähnten (a, u, i), sind im Sinn der
Semitistik Vokale. So, wie die Konsonanten unerläßlich sind zur Silben-
e r ö f f n u n g , so sind die Vokale unerläßlich zur S i l b e n b i l d u n g .

Diese 33 semitischen Konsonanten sind weiter einzuteilen in:

1. zwei „selbständige" Spiranten: $ und k;

2. drei „Halbkonsonanten" oder „Halbvokale" (gewissermaßen die kon-


sonantischen Erscheinungsformen der drei Grundvokale): w, y;

3. vier Liquiden: l, m, n, r;

4. vierundzwanzig (davon im Alt-Südarabischen nur noch zwanzig!)


eigentliche Konsonanten im engsten Sinn, die einen dreigliedrigen
„Konsonantenblock" von 8 Triaden bilden:

1. p p b
2. t t d
3. SJL s t zx
4- s2 s2 z2
5. s3 s3 z 3
6. k k g
7. Xi ? 1 y x
8. x2 x2 y 2

Es sind dies acht (hier horizontal dargestellte) „Reihen" mit jeweils


drei (im engsten Sinn) konsonantischen Positionen. Jede dieser Positionen
hat nicht nur an ihrer horizontalen „Reihe", sondern (in einer zweiten
vertikalen Dimension) auch an einem der drei vertikalen „Glieder" Anteil.
Den „Reihen" ist gleiche Artikulationsstelle gemeinsam, den „Gliedern"
266 ÄGYPTEN

gleiche Artikulationsart im Sinne von Stimmlosigkeit, Stimmhaftigkeit


und „Emphase". Dabei sind die Ausdrücke Stimmlosigkeit und Stimm-
haftigkeit ganz im landläufigen Sinn zu nehmen, obwohl wir natürlich
nicht wissen können, wie diese beiden Artikulationsarten zur Zeit der Ur-
sprache vor einigen tausend Jahren tatsächlich realisiert wurden. „Em-
phase" kann für uns nichts weiter bedeuten, als Zugehörigkeit zu einem
dritten, von den beiden anderen streng unterschiedenen Glied. Über die
Art und Weise der Realisierung der „Emphase" zur Zeit der Ursprache vor
einigen tausend Jahren, oder auch zu einem bestimmten Zeitpunkt im
Leben einer inzwischen verstorbenen Sprache, können wir natürlich keine
Aussagen machen. Phonetische Feststellungen über sie können wir über-
haupt nur in noch lebenden Idiomen (und nur für diese geltend) treffen. So
gibt es in den lebenden arabischen Dialekten etwa ein halbes Dutzend ver-
schiedener (z. T. sehr verschiedener) phonetischer Realisierungen des ge-
meinsemitischen Phonems / k /, d. i. des emphatischen Vertreters der 6.
Reihe des gemeinsemitischen Konsonantenblocks. Und mag der praktische
Phonetiker hundertmal an allen diesen rezenten Realisierungen nichts ent-
decken, was man als „Emphase" isolieren könnte, so bleibt dieses arabische
Phonem doch der emphatische Vertreter der A-Reihe, einfach weil es weder
der „stimmlose", noch der „stimmhafte", sondern der dritter Art ist. Ein
Konsonant ist sprachgeschichtlich —• und nur darauf kommt es hier
an — ein emphatischer, wenn er genetisch von irgendeinem Phonem dritter
Art des ursprachlichen Konsonantenblocks herstammt — das ist alles.
Weder Tatsachen aus der Experimentalphonetik, noch philologische Theo-
rien über Lautwerte von Schriftzeichen toter Sprachen kommen hier als
Argument in Frage. Über tote Sprachen ist grundsätzlich zu sagen, daß wir
sie günstigstenfalls zwar vollständig verstehen lernen können, aber, solange
wir sie sozusagen nur in sich betrachten, in phonetischer Hinsicht über sie
nur wenig wissen können. Und so paradox es klingt: in einer toten semiti-
schen Sprache, die wir für sich allein betrachten, können wir eher erkennen,
daß irgendein Phonem etwa zur selben Reihe gehört, wie ein gegebenes
anderes, als um welche Reihe es sich nun tatsächlich handelt. Wir erkennen
sehr gut die Unverwechselbarkeit, die relative Identität der Phoneme, sehr
schwer ihre absolute Identität, kaum je ihre phonetische.
Das Gelingen der Darstellung des semitischen Konsonantenblocks in
dieser seiner vollkommenen Gestalt ist etwas absolut Neues. Diese Dar-
stellung des Konsonantenblocks ist nicht etwa auf spekulativem Wege,
IV. DAS Ä G Y P T I S C H E A L S S E M I T I S C H E S P R A C H E 267

sondern durch Ausdehnung der Vergleichung auf das Ägyptische gewonnen.


Bisher erkannte man nur vier sogenannte T r i a d e n (die dentale, inter-
dentale, sibilantische und palatovelare) 1 . Ein Versuch von J. Vilencik 2 ,
innerhalb des kanonischen Bestandes von 29 Konsonanten eine fünfte
Trias zu konstituieren (arab. / d / sollte als emphatischer Vertreter zur
/ b I - 1 g /-Reihe hinzutreten) kann als gescheitert gelten. Wir haben zu-
nächst anzuerkennen, daß im „Kleinsemitischen" vier Reihen des Kon-
sonantenblocks keine Triaden, das bedeutet: defektiv sind. Auf Grund der
Vergleichung mit dem Ägyptischen können wir sagen: defektiv geworden
sind. Und zwar haben sie ihren emphatischen Vertreter als selbständiges
Phonem verloren. Auf diesem Verlust von vier ursprünglichen Positionen
beruht der Unterschied von 20 eigentlichen Konsonanten bei insgesamt
29 im Südarabischen gegenüber 24 eigentlichen Konsonanten bei insgesamt
33 im Gemeinsemitischen.
Die Erkenntnis der wahren Gestalt des Konsonantenblocks ist in viel-
facher Hinsicht bedeutsam. Es herrscht nämlich allgemein innerhalb der
einzelnen Triaden dieses Blocks ein wichtiges Prinzip, das der Inkompa-
tibilität der einzelnen Glieder miteinander. Es besagt, daß die Glieder der
gleichen Trias bei der Wurzelbildung gewöhnlich nicht zusammentreten
können, daß sie in diesem Sinne miteinander unverträglich sind 3 . Dieses
Prinzip ist der Grund dafür, daß beispielsweise im Arabischen keine
Wurzeln wie *faraba, *dakata, *nagaka existieren (und Fälle wie tarada
singulär bleiben!). Die seltenen Ausnahmen von diesem Prinzip sind, z. T.
wenigstens, erklärbar. Immerhin ist das Inkompatibilitätsprinzip im Semi-
tischen so stark wirksam, daß man gegebenenfalls ein phonetisch in die
Isolation geratenes einzelsprachliches Phonem an seinen Inkompatibilitäts-
verhältnissen als zugehörig zu einer bestimmten Reihe erkennen kann. Im
Arabischen beispielsweise ist die Zugehörigkeit von / s / und / d / zu ein
und derselben Reihe eigentlich schon dadurch evident, daß es in der ge-
samten Sprache keine dreikonsonantige Wurzel gibt, die beide Phoneme
gleichzeitig enthielte.
Ein interessanter Versuch zur Herstellung des Konsonantenblocks
wurde vor wenigen Jahren unternommen, bezeichnenderweise auch im Zu -

1 S. Moscati, An Introduction to the Comparative Grammar of the Semitic Lan-

guages. Phonology and Morphology. Wiesbaden 1964. P. 24.


2 J. Vileniik, Welchen Lautwert hatte d im Ursemitischen ? O L Z 33 (1930), S. 89ff.
3 W. v. Soden, Grundriß der Akkadischen Grammatik. Rom 1952. § 51.
268 ÄGYPTEN

sammenhang mit weitreichenden Vergleichungen, die das Ägyptische mit


umfassen: der Versuch von J. M. Diakonoff 1 . Auch dieser Versuch mißlang,
wenn auch das Problem bemerkenswert deutlich erkannt wurde. Diakonoff
hat allzuviel in den Konsonantenblock hineingepackt, der bei im 9 — 1 0
Reihen bekommen hat. Nicht nur die wohl mehr aus Verlegenheit unter
11. geführten Halbvokale / w / und / y /, auch die unter 10. geführten
/ ' / und / h / haben außerhalb zu bleiben. Sind dies noch kleine Schön-
heitsfehler, so ist die Aufstellung einer Reihe / s / - / s / - / r /, seiner 5.,
eine durch nichts gerechtfertigte Konstruktion. Keine Liquida hat im ge-
meinsemitischen Konsonantenblock etwas zu suchen, und die Einsetzung
des ganz unsicheren Phonems / s /, d. i. des „Su : Aw-Phonems", in Wahr-
heit wohl mit ursemitischem / s / = hebr. / s / = arab. / s / identisch,
ausgerechnet noch als emphatischer Vertreter — ist der Gipfel der Willkür!
Daß das echte / s / mit seiner unbegrenzten Kompatibilität außerhalb des
Konsonantenblocks steht, ist ja evident. — Auch die Einbeziehung des
Phonems /1 / als stimmhafter Vertreter in die — arabisch ausgedrückt —
/ s / - / d /-Reihe (Diakonoff's 6. Reihe) ist unmöglich. Wurzeln wie arab.
ialla und dalla wären dann nämlich durch das Inkompatibilitätsprinzip
ebenso ausgeschlossen, wie es Hadda, Hadda und ähnliche Monstra tat-
sächlich sind 2 . Übrigens ist auch Fischer's (ohnedies sehr vorsichtiger)
Versuch, das Phonem „echtes / $ /" (hebr. Schin = arab. Sin) ebenfalls
in dieser Reihe unterzubringen, nicht annehmbar 3 .

Zusammenfassend ist festzustellen, daß die früheren Bemühungen um


den semitischen Konsonantenblock höchstens zur Bildung künstlicher
Systeme, nicht aber zur Erfassung des natürlichen, im Phänomen selbst
liegenden Systems geführt haben.
Es bleibt noch darzustellen, wie die Konsonantenblöcke der wichtigsten
orientalisch-semitischen Sprachen aussehen, und wie sie sich aus dem ur-
sprachlichen Block ableiten. Im gesamten orientalischen Semitisch fehlende
Positionen sind durch «+ bezeichnet, einzelsprachlich fehlende durch ( ) .

1 I. M. Diakonoff, Semito-Hamitic Languages. An Essay in Classification. Moscow

1965. P. 18 seqq.
2 W. Fischer, Die Position von d im Phonemsystem des Gemeinsemitischen. Stu-
dia Orientalia in Memoriam Caroli Brockelmann. Halle 1968. S. 55ff. — Vgl. hier
S. 293.
3 W. Fischer a. a. O. S.60.
IV. DAS ÄGYPTISCHE ALS SEMITISCHE SPRACHE 269

Alt-Südarabisch
(ähnlich Arabisch) Ugaritisch
I. P b I. P b
2. t t d 2. t t d
3- t z d 3- t z d
4- s s z 4- s 2 s z
5- s d 5- s (?)
6. k k g 6. k k g
7- h «•
g 7- h g
t e
8. h 8. h
(20 Phoneme) (19 Phoneme)
Akkadisch Äthiopisch
(alt) (Ge'ez)
1. P «• b 1. f b
2. t t d 2. t t d
3- s (?) (z) 3- (s) (?) (z)
4- s 3§ 2 z 4- 2 s 2 s 2 z
5- S (?) 5- s d
6. k k g 6. k k g
»
7- h - s 7- 2 h (fe)
3 t «
8. 3 4 8. h «

(17 Phoneme) (16 Phoneme)


Hebräisch Syrisch
1. P b 1. P ** b
2. t t d 2. 2 t 2 t 2 d
3- s (?) (z) 3- (t) (t) (d)
4- s 3? 2 z 4- 2 s s z
5- s (?) 5- (S) C)
6. k k g 6. k k g
7- (W 0 7- (W C)
8. 2 h 2 ' 8. 2 h 3
(15 Phoneme) (13 Phoneme)
Diese Diagramme bedürfen kaum einer weiteren Interpretation. Sie
sprechen für sich und zeigen deutlich die allmähliche lautliche Verarmung
im orientalischen Semitisch. Allen sechs hier vorgeführten Sprachen ge-
meinsam ist die Defektivität der 1., 5., 7. und 8. Reihe.
270 ÄGYPTEN

II. DER ÄGYPTISCHE KONSONANTISMUS

Die Entzifferung der Hieroglyphen war eine der Großtaten der Wissen-
schaft des vorigen Jahrhunderts — aber das Problem, für die im Zuge der
Entzifferung ermittelten 24 konsonantischen Phoneme des Ägyptischen
eine tatsachengerechte Transkription zu schaffen, ist leider immer noch nicht
gelöst. Ja, es muß gesagt werden, daß uns auf dem Felde der Transkription
— anders als auf dem der ägyptologischen Forschung überhaupt — die
letzten hundert Jahre mehr Rückschritte als Fortschritte gebracht haben.
Durch fortgesetzte Verschlimmbesserungen ist es hier so weit gekommen,
daß wenig mehr ausreichen würde, bestimmte durchaus wesentliche sprach-
liche Tatsachen völlig zu verdecken.
Fast der einzige Fortschritt der letzten hundert Jahre auf dem Felde
der Transkription war die Ersetzung der ersten Zeichen des alten ägyptolo-
gischen „Lepsius-Alphabets" von 1874, a, a, ä, u, durch l, l, \ w im Jahre
1889, also durch Typen, die auf den Konsonantencharakter der betreffen-
den Phoneme hinweisen, was die alten Lepsiusschen Zeichen ja (aus for-
schungsgeschichtlichen Gründen) nicht taten. Außerdem hat man 1889
noch die drei Lepsiusschen k-Zeichen — halb zufällig-richtig •—• als Trias
erkannt. Wenig Positiva — besonders wenn man weiß, daß schon das erste
,,Neo-Lepsius"-Zeichen 5 falsch gewählt ist: es beruht auf der Fehlvor-
stellung (und suggeriert sie seinerseits), es handle sich — arabistisch aus-
gedrückt •— um ein Hamz, einen sog. Stimmansatz resp. Stimmabsatz.
Es existiert aber in Wirklichkeit nicht der Schatten eines Beweises dafür,
daß dieses Phonem jemals eir solcher war, nicht am Anfang der ägyptischen
Sprachentwicklung, nicht in der Mitte, nicht am Ende, and auch nicht in
„vorägyptischen" Zeiten! Daß das Phonem von Anfang der ägyptischen
Schriftgeschichte an eine gewisse Schwächlichkeit aufweist, ist noch lange
kein Beweis für Hamz. So kann man heute sagen, daß es eigentlich ersprieß-
licher gewesen wäre, man hätte das alte Lepsiussche a beibehalten mit dem
Veimerk: ,,in Wahrheit kein Vokal, sondern irgend ein extrem abgeschwäch-
ter Konsonant", als ein Zeichen einzuführen, das zwar auf einen Konsonan-
ten hinweist, aber auf den falschen (was man 1889 noch nicht wußte, aber
eigentlich hätte wissen können).
Damit sind wir mitten in der Problematik jeder Transkription überhaupt:
an sich ist es ja für denjenigen, der es weiß, ganz gleichgültig, wie sie aus-
sieht. Sie ist ja kein Weg zur Seligkeit, sondern nur ein Requisit für sehr
IV. DAS ÄGYPTISCHE ALS SEMITISCHE SPRACHE 271

praktische Zwecke, sie hat komplizierte schrift-sprachliche Verhältnisse in


eine begrenzte Zahl einfacher, eindeutiger, leicht schreibbarer und leicht
druckbarer Zeichen umzusetzen, wobei sich der Wert der Transkriptions-
zeichen selbstverständlich nach dem der Originalzeichen (soweit dieser
erkannt ist) zu regulieren hat — nicht umgekehrt. Dies ist die Theorie, die
Praxis ist leider anders. Die Transkription gewinnt in der Praxis über kurz
oder lang ein gespenstiges Eigenleben und entwickelt ihre eigene Suggestiv-
kraft. Was die Schöpfer einer Transkription unter ihr wirklich verstanden,
gerät in Vergessenheit, man hält allmählich das Zeichen für die Sache
selbst — • und aus Mexico wird „Meck-siko"!
Aber noch weitere Problematiken müssen einer Transkription anhaften,
die gleichzeitig das Endprodukt einer Entzifferung ist. Die ägyptische
Sprache war ja vor ihrer Entzifferung total unbekannt. Die Ermittlung
ihrer „ L a u t e " mußte auf dem Umweg über (relativ) bekannte „ L a u t e "
anderer, jüngerer alter Sprachen erfolgen. Entscheidend wurde die Identi-
fizierung der ägyptischen Phoneme mit solchen des Koptischen, der Tochter-
sprache des Ägyptischen, und mit solchen von Wiedergaben ägyptischer
Wörter in fremden Sprachen. Auch Fremdwörter im Ägyptischen, wie sie
seit dem Neuen Reich in großer Menge vorliegen, wurden herangezogen.
Dieses Vorgehen war unvermeidlich und darum gut. Es lieferte eine Trans-
kription, die sich besonders bei der Vergleichung mit dem Koptischen und
bei Fremdwörtervergleichungen ziemlich bewährt. Dennoch muß man sich
im klaren sein darüber, daß hier ein verhältnismäßig später Lautstand, teil-
weise sogar ein sehr später, der Gesamtsprache unterlegt und bis auf die
älteste Gestalt derselben zurückprojiziert wurde —• es kann ja gar nicht
anders sein. Für den Linguisten ist es beispielsweise a priori unwahrschein-
lich, daß das Phonem, das man nach dem Koptischen als / umschreibt,
immer schon, auch 4000 Jahre vor der koptischen Zeit, ein / gewesen sein
soll. Der Konsonantenbestand, wie ihn die Transkription spiegelt, macht
nicht nur einen verwaschenen Eindruck, er ist es tatsächlich, und zwar
infolge Überalterung. Die Rekonstruktionsschwierigkeiten sind nur sehr
zum Teil gemeistert worden. Man hat z.B. — durchaus gegen den ver-
waschenen koptischen Befund — die drei ägyptischen k-Laute als k-Trias
erkannt und —• wie schon gesagt richtig — auf die triadischen Positionen
verteilt. Man hat aber nicht erkannt, daß die drei ägyptischen Labiale
p, /, b und die drei ägyptischen Hauchlaute h, h, h genau solche Triaden
und ebenfalls auf die triadischen Positionen zu verteilen sind (wobei / und
272 ÄGYPTEN

h die emphatischen Vertreter sind)! Diese Teile des ägyptischen Konsonan-


tismus sind also so unverstanden geblieben, wie am ersten Tag.
Ein besonderer Unstern waltete aber über den dentalen Phonemen, die
bereits 1874 durch Lepsius richtig als t und t erfaßt waren: dies wurde näm-
lich 1889 in t und d geändert und ist so bis heute geblieben. Natürlich gab
es dafür einen „Grund": man brauchte auch für zwei palatale Phoneme
Zeichen, und ging von der (übrigens grundfalschen) Voraussetzung aus, die
Palatale wären eine Art Doublette der Dentale, und man wollte dies in der
Transkription zum Ausdruck bringen. Man kreierte also zu t ein t, und hätte
nun folgerichtig zu t ein t bilden müssen, was freilich recht ungeschickt wäre.
Da besann man sich, daß die Type d ja noch frei war (weil das Ägyptische
kein Dalet besitzt!) und deklarierte sie als monotypischen Ausdruck für t.
Und nun klappte es: man hatte die gewünschten Proportionen t:t = d: d
und t: d = t: d in äußerst geschickter Form, und ahnte nicht im entfern-
testen, daß man damit für die Zukunft das Wissen um den ägyptischen
Lautbestand verfälschte! Denn man wußte damals (1889) natürlich genau,
daß dieses unselige „d"-Phonem von den schriftkundigen alten semitischen
Nachbarn immer mit Tet, niemals jedenfalls mit Dalet wiedergegeben wurde,
auch im Koptischen und von den Griechen niemals mit Delta. Es wird
nämlich überhaupt kein ägyptisches Phonem mit Dalet-Delta wiederge-
geben ! Und daß das Bild anders aussieht, wenn man die ägyptischen Trans-
kriptionen orientalisch-semitischer Wörter heranzieht, besagt dagegen
natürlich gar nichts: wenn nämlich die Ägypter, wie ihnen alle Fremden
durch ihre Umschreibungen bescheinigen, gar kein „ d " besaßen, dann ist
der Ersatz von fremden Dalet in ägyptischen Transkriptionen durch irgend-
einen der vorhandenen ägyptischen Dentale ja unausweichlich und für
dessen speziellen Charakter ohne Relevanz. Das waren auch damals klare
Tatbestände, über die man sich mit vollem Bewußtsein hinwegsetzte, nur
um eine schöne Transkription zu bekommen, und im guten Glauben, daß
aus dieser kleinen Manipulation nichts Schlimmes entstehen könne: Es
wisse doch jeder . . . usw. 1 .
1
Man lese genau G. Steindorff, Das altägyptische Alphabet und seine Umschrei-
bung. Z D M G 46 (1892). S. 709 ff. — Steindorff hat wohl die Schreibregelung von 1889
nolens volens hingenommen, aber (auf S. 7 2 0 — 7 2 1 ) in unmißverständlicher Form zu
ihrer Problematik Stellung genommen. Selbst ist er bis in seine nachgelassene letzte
Auflage des Lehrbuchs der Koptischen Grammatik, Chicago 1 9 5 1 , bei den sehr alt-
Lepsiusschen Transkriptionen t, t, t, $ geblieben. — Auch A . Erman, der die Schreib-
regelung von 1889 annahm, pflegte gewöhnlich den Tet-Charakter des vorgeblichen
IV. D A S Ä G Y P T I S C H E ALS SEMITISCHE SPRACHE 273

So simpel waren die Ursachen dieses Unglücks — und ein solches wurde
es, weil seit dem Ableben der Großen Erman und Steindorff anscheinend
niemand sich mehr des Hergangs erinnert. Man muß mit Entsetzen fest-
stellen, daß die Heutigen tatsächlich an den Dalet-Charakter des Phonems
glauben 1 . Sie meinen, ein gesichertes Ergebnis der Wissenschaft vor sich
zu haben, das man nicht mehr in Zweifel ziehen brauche; wenn dies nicht
irgendwie einmal bewiesen worden wäre, würde man ja nicht seit drei
Menschenaltern so transkribieren. Und an die Stelle eines in der Wissen-
schaftgeschichte nicht vorhandenen einschlägigen Beweises tritt der Hin-
weis auf die Hieroglyphe „d", das Bild einer Hand (bis zum Handgelenk),
und auf das orientalisch-semitische Wort yad, id. Nun ist aber gerade die
bekannte und beliebte Bedeutung ,Hand' dieses orientalischen Wortes
relativ jung. Kein alter Akkader hätte die ägyptische ,Hand'-Hieroglyphe
„d" als id angesprochen, weil idu für ihn ,Arm, Seite' bedeutete; für ,Hand'
galten ganz andere Wörter. Es ist ganz unvorstellbar, daß die Ägypter der
Schrifterfindungszeit so modern gewesen wären, für ,Hand' id zu sagen.
Wir werden noch sehen, daß sie dieses Etymon wohl besaßen, aber mit der
Bedeutung ,Arm, Seite', und natürlich lautgesetzlich verändert und natür-
lich ohne Verbindung mit der ,Hand'-Hieroglyphe. — Auch alle anderen
spärlichen und dürftigen Argumente für einen ursprünglichen Dalet-Charak-
ter unseres Phonems halten der Kritik nicht stand.
Leider hat es auch mit dem „d" noch nicht sein Bewenden. Denn dieses
zieht ,,d" nach sich, dem man nun Zayin- und Sade-Charakter andichtet,
und noch Schlimmeres, nämlich daß es ein palatalisiertes Gimel wäre, und
eigentlich „ g " zu schreiben wäre. Noch schlimmer aber ist die moderne, auf
illusionärer Komparatistik beruhende, doch selbst von E. Edel und G.
Fecht angenommene Ersetzung des guten alten s aller bisherigen ägyptolo-
gischen Transkriptionen durch ein ,,z". Eine einzige, besonders suggestive
illusionäre Gleichung hat genügt, diesen Widersinn weltweit — bis hin zu
Diakonoff — zu verbreiten.
Dies alles, zusammen mit dem weitverbreiteten Transkriptionsfeti-
schismus, der wähnt, gleiche Transkription von Phonemen verschiedener
„d" besonders anzumerken: vgl. A . Erman, Die Hieroglyphen. B e r l i n — L e i p z i g 1912
(Göschen), S. 24.
1 E i n klassischer Vertreter dieser R i c h t u n g ist J. Vergote (Phonétique historique
de l ' E g y p t i e n . Les Consonnes. L o u v a i n 1945). E r glaubt sogar zu wissen, wie sich
„ d " phonetisch so entwickeln konnte, daß es die Orientalen mit T e t transkribieren
mußten !

18 Althcim-Stichl, Christentum I
274 ÄGYPTEN

Sprachen involviere unbedingt irgendeine Art von Identität, hat dazu ge-
führt, daß die in Wahrheit sehr engen Beziehungen zwischen Ägyptisch
und Orientalisch-Semitisch immer mehr und mehr unkenntlich wurden.
So wenig Verf. grundsätzlich übrig hat für Experimente mit der Trans-
kription, weiß er in diesem Fall doch keinen anderen Weg, als den entschie-
den zurück in Richtung Steindorff und Lepsius. Dieser ganze greuliche
Pseudofortschritt muß schleunigst wieder abgebaut werden, ehe sich das
Ägyptische bei uns vollends in etwas verwandelt, was es überhaupt niemals
gegeben hat.
Wir stellen jetzt die übliche ägyptologische Transkription und unsere
Vorschläge gegenüber.

Neo-Lepsius Eigene Vorschläge:


(in der Form des Berliner
Wörterbuchs):
D c 3
I . •»
3
2 . 1, 3 - > 4 . w, 1 . 2 . 1, 3 - 4 - w ,

5- b, 6 . p, 7 - f, 5 - b, 6 . p, 7• f,
8 . m, g. n, 1 0 . Y, 8 . m, 9 . n, 1 0 . r,
i i . h, 1 2 . h, 1 3 - h, 1 4 - b, 1 1 . h, 1 2 . h, 13- g(>b).
1 4 - b,
i 5 - s, 1 6 . s,
1 7 - s, 1 5 - s, 1 6 . s, 1 7 . s ,

1 8 . k, 1 9 . k, 2 0 .
g. 1 8 . h 1 9 . k, 2 0 . g,
2 1 . t, 2 2 . t, 2 3 - d, 2 4 . d. 2 1 . t, 2 2 . c , 2 3 . t, 2 4 . c.

Bemerkungen: Den Hacek (das Häkchen) auf c, c kann man für die
ägyptologische Praxis fortlassen. Doch möchte Verf. allgemein folgendes
empfehlen: da i ja ursprünglich kein Y o d war, d . h . kein Halbvokal-
Halbkonsonant, sondern ein richtiger stimmhafter Palatal und Glied
des Konsonantenblocks, das nur aushilfsweise im Notfall für Y o d mit-
verwendet wurde, — da eigentliches Y o d in der Sprache zwar vorhanden
war, aber in der Schrift meist nicht ausgedrückt wurde, da ferner allmählich
der Brauch aufkam, für eigentliches Y o d fallweise doppeltes i (Doppel-
Schilfblatt) zu schreiben, das wir dann y transkribieren wollen, so möge
man auch im Falle defektiver Schreibung das gar nicht dastehende Y o d
mit jenem y transkribieren. Man schreibt dann wohl etwas, was sozusagen
gar nicht da steht, aber das muß man ja auch bei w häufig und auch sonst
manchmal tun.
IV. DAS ÄGYPTSICHE ALS SEMITISCHE SPRACHE 275

Damit wären die graphischen Probleme abgehandelt. Wir haben an


dieser Stelle aber auch noch ein lautliches Problem zu behandeln, und zwar
eines, das bisher anscheinend überhaupt noch niemand bemerkt hat: das
Problem des ägyptischen 'Ayn.
Dieser in der ägyptischen Sprache durchaus häufige Laut, der durch die
Fremdwörterschreibungen (und zwar nach beiden Richtungen hin) ein-
hellig als lautlich dem orientalisch-semitischen 'Ayn entsprechend er-
wiesen wird, reagiert nämlich in seinen Kompatibilitätsverhältnissen total
anders, als sein orientalischer Doppelgänger. Es ist entlarvend, daß es eine
Unzahl von „Wurzeln", bestehend aus drei Konsonanten, die im Orienta-
lisch-Semitischen ohne weiteres möglich sind, und die beispielsweise im
arabischen Wörterbuch auch erscheinen, im Ägyptischen einfach nicht gibt.
So fehlen im Ägyptischen die folgenden im Arabischen ganz selbst-
verständlichen Wurzeln:

'ys ' ss w s s *b kt'


'yt *sk b't s'f g 's
' ws 'sg bt * s1m gs '
' bs ' ks b t' s *n ty'
'bt ' tw m 's s't t "
'f s 'tb m ' t sw ' t'b
*f t 'tf mt* sb * t'r
' ms ' t m n' s sf ' t' s
' ns 'tu n't sn ' tw '
'nt 'tr ns ' sr' tb'
' rs ' th nt' sk' tr '
'sy 'tk r's sk' ts'
c
1 sw 'tk rs Sg' t'm
'sb 'tt rt* k 's t' n
*sf 'tb ht' k't tm'
' sm 'tf h f kt' ts'
' sn 'ts sy' kt '
' sr w's s 'w ks '
Es lohnt sich, diese Liste 88 im Arabischen existierender, im Ägyptischen
fehlender Wurzeln genau zu betrachten. Selbst wer das Ägyptische gut
kennt und seine Wurzelarmut bemerkt hat, wird überrascht sein, daß es
so v i e l e Wurzeln einfach nicht hat. Es hält damit dem gewöhnlichen Semi-
18»
276 ÄGYPTEN

tisch gegenüber den Rekord. Ja, es besitzt noch viel mehr Wurzeln nicht,
die es an sich haben könnte! Hier sind ja nur solche aufgeführt, die im
Ägyptischen dem Arabischen gegenüber fehlen. Solche, die zufällig auch
das Arabische nicht hat, wären für unser Experiment insignifikant.
Betrachtet man die dem Ägyptischen fehlenden Wurzeln genauer, so
sind es lauter solche, in denen sich ' A y n mit Dentalen und Zischlauten ver-
bindet. Das ist in der T a t kein Zufall: ägyptisches ' A y n meidet in geradezu
komisch anmutender Weise die Gesellschaft von Dentalen und Zischlauten
(dies gilt natürlich nur für die wirklichen Dentale und Zischlaute, nicht für
die mit ihnen leicht verwechselbaren „Palatale", ägyptisches s beispiels-
weise ist natürlich in diesem Sinne Palatalspirant, nicht Zischlaut!). Findet
man doch einmal ein Wort mit der verpönten Lautkombination, so ist es
totsicher ein Fremdwort aus dem Osten.
Daß sich ägyptisches und orientalisches ' A y n so völlig verschieden gegen-
über Dentalen und Zischlauten verhalten, ist ein sicherer Beweis dafür, daß
sie genetisch völlig verschieden sind. Und daß ägyptisches ' A y n gerade mit
Dentalen und Zischlauten i n k o m p a t i b e l ist, ist ein absoluter Beweis
dafür, daß es g e n e t i s c h zu ihnen gehört! Es ist, kurz gesagt, das Verfalls-
produkt aller im Ägyptischen bisher vermißten stimmhaften Vertreter der
Dental- und Zischlautreihen! Und daß es phonetisch dem orientalischen
' A y n , das sicher total anderer Herkunft ist, so ähnelt, das ist auch nicht so
verwunderlich, wie es zunächst scheint. Ein ' A y n in der Aussprache der-
jenigen heute lebenden Sprachen, die es als solches besitzen, ist ja nichts
anderes als die allereinfachste, allerärmlichste Form eines spirantischen
Stimmhaften, gewissermaßen reiner spirantischer Stimmton, die typische
Verfallsform von Konsonanten. Es ist sehr gut vorstellbar, daß u. U. jeder
beliebige stimmhafte Laut zu ' A y n degenerieren kann 1 . Im Ägyptischen

1 'Ayn-Laute, die phonetisch mit den orientalisch-semitischen identisch sind, ohne

darum genetisch identisch sein zu müssen, gibt es massenhaft in afrikanischen Spra-


chen des großsemitischen Bereichs. So wurden —• ohne daß die folgende Aufzählung
Anspruch auf Vollständigkeit erhebt — c Ayn-Laute im tschado-hamitischen Musgu
beobachtet (vgl. J. Lukas, Deutsche Quellen zur Sprache der Musgu in Kamerun.
Berlin 1941. — S. 20), im gleichfalls tschadohamitischen Scha (vgl. H. Jungraithmayr,
Die Laryngale h und ' im Scha (Süd-Plateau, Nigerien). Afrika und Übersee 49
(1965). — S. lögff.), im „kuschitoiden" Iraqw (Tucker-Bryan, Linguistic Analyses.
The Non-Bantu Languages of North-Eastern Africa. London 1966. — P. 570 seqq.)
und selbstverständlich in vielen Kuschitensprachen, allen voran Somali. Es bestehen
die besten Aussichten für die Klärung des Problems, um was für 'Ayn-Laute es sich
in diesen Sprachen g e n e t i s c h handelt.
IV. DAS ÄGYPTISCHE ALS SEMITISCHE SPRACHE 277

hat eine solche Entwicklung sämtliche stimmhaften apikalen Präpalatalen


ergriffen, im orientalischen Semitisch die hintersten stimmhaften Post-
palatale.
Es ist nur die Kehrseite des bisher betrachteten Tatbestandes, wenn wir
andererseits feststellen können, daß das ägyptische 'Ayn mit allen anderen
ägyptischen Lauten, auch mit den „Hauchlauten", schier grenzenlos
kompatibel ist. Sogar mit äg. h war es — gegen allen semitischen Anstand —
zur Zeit des Alten Reiches kompatibel; erst im Mittleren Reich wurde es
in dieser Nachbarschaft dissimiliert zu i. Das bedeutet: anfangs war dieses
,,'Ayn" noch gar kein richtiges 'Ayn, und da war es mit h kompatibel; als
es dann allmählich tatsächlich ein richtiges "Ayn wurde, wurde es inkom-
patibel und mußte dissimiliert werden.
Übrigens haben einige arabische Wurzeln unserer obigen Liste ägyptische
Verwandte. Diese zeigen dann natürlich an der Stelle des arabischen 'Ayn
einen anderen Laut, nicht ägyptisches 'Ayn!
Nach all dem ist es erstmals möglich, ein Diagramm des ägyptischen
Lautsystems aufzustellen. Den Konsonantenblock geben wir in zweifacher
Gestalt: einer semitistischen und einer vereinfachten ägyptologischen. Die
Aussagen bleiben natürlich wesentlich dieselben.

I. P f b 1. P f b