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Nachzucht von Pseudotriton ruber (Sonnini,


1802).

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Sebastian Voitel
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Nachzucht von Pseudotriton ruber (Sonnini, 1802)
Sebastian Voitel

Einleitung wird heute hin und wieder von Importeuren


nach Deutschland gebracht. Obwohl er eines
Bereits 959 schrieb Lang, dass Pseudotri-
der meist fotografierten Schwanzlurche ist, der
ton ruber seit Jahrzehnten in deutschen Ter-
auch großformatig Umschlagseiten diverser
rarien gehalten werden und 960 berichte-
Hobbybücher schmückt, fand ich bisher kaum
ten Freytag und Hübner über die „Haltung
konkrete bzw. keine Angaben zu dessen Ver-
und Pflege einiger Plethodon- Salamander“
mehrung in Gefangenschaft.
aus Nordamerika, die damals zahlreich nach
Deutschland importiert wurden. In den Fol-
gejahren konnten einige Zuchterfolge unter Biologie
den Eurycea-, Aneides- und Plethodon-Arten
Gefunden werden adulte Pseudotriton ru-
dokumentiert werden und den Liebhaberkreis
ber in ihrem nordamerikanischen Habitat in
nordamerikanischer Plethodontidae vergrö-
ßern, jedoch verschwanden auch wieder vie-
le dieser Arten aus den Terrarien und finden
heute leider kaum noch Beachtung als züch-
terische Herausforderung. Pseudotriton ruber

Abb. 2. Die an der Zucht beteiligten Pseudotriton,


der linke Salamander ist das Männchen.

Abb. 1. Ventralansicht, beim linken Salamander


sind unter der Bauchhaut Eier zu erkennen. Eben-
falls ist die für diese Unterart typische schwarze Abb. 3. Brutfürsorge des Weibchens unter dem Ge-
Unterlippe zu sehen. lege, erste Larven schlüpfen bereits.

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Sebastian Voitel

und an kleinen Fließgewässern, sumpfigen weder Filter noch Durchlüftung. Der Boden ist
Bachniederungen und Waldlichtungen unter mit groben 20-40 mm Kies bedeckt, ein großer
Steinen und Totholz (Thiesmeier 99) , aber Lochziegel und ein Firstziegel aus gebrann-
auch in trockener Umgebung, insofern dort tem Ton dienen als einsehbare Unterschlup-
mikroklimatisch günstige Versteckmöglich- fe. Auf dem Firstziegel befindet sich ein Stück
keiten vorhanden sind (Wallays 2004). Bei Korkrinde, welches aus dem Wasser ragt. Der
nördlichen Populationen erfolgt im Winter Lochziegel erreicht die Wasseroberfläche und
eine Hibernation unterhalb 4°C. Vom Früh- dient somit ebenfalls als Insel. Eine Ecke des
jahr bis zum Herbst findet die Paarung in Beckens ist mit Javamoos bepflanzt. Die Sala-
Fließgewässern statt, wobei zuvor das Männ- mander bevorzugen Versteckplätze, bei denen
chen sein Kinn an Kopf und Schnauze des sie, ungeachtet ihrer Lungenlosigkeit, die Na-
Weibchens reibt. Danach folgt das Weibchen sen aus dem Wasser strecken können. Trotz
dem Männchen mit ihrem Kinn auf dessen dieser vielen Versteckmöglichkeiten kann ich
Schwanz, bis dieser eine Spermatophore ab- mit einer Taschenlampe die Tiere beobachten,
setzt, welche vom Weibchen mit der Kloake ohne das Aquarium zu verändern. Die trocke-
aufgenommen wird. nen Inselplätze werden nur selten aufgesucht.
Die Eiablage der 30-30 Eier erfolgt, je nach Das Aquarium ist dicht abgedeckt und hat eine
Fundort, vom Herbst bis zum Frühling an dementsprechend hohe Luftfeuchtigkeit über
der Unterseite von Steinen in Fließgewässern der Wasseroberfläche. Beleuchtet wird mit ei-
(Pfingsten & Downs 989; Harding 997; ner 9 Watt Energiesparlampe der mitteleuro-
Petranka 998). Auch findet man Eier un- päischen Tageslänge entsprechend. Die Was-
ter flachen Steinen und verrottendem Holz am sertemperatur schwankt im Jahresverlauf von
Rande dieser Gewässer oberhalb des Wasser- minimal 0°C bis maximal 24°C. Als Futter
spiegels (Indiviglio 995). Das Gelege wird akzeptieren die Salamander fast ausschließlich
vom Weibchen bewacht. Larven werden in Regenwürmer, Dendrobaena fressen sie sogar
kleineren, mit Falllaub und Schlamm durch- gierig, während sie Mückenlarven und Tubifex
setzten Quellrinnsalen mit schwacher Strö- verschmähen. Selbst lebende und tote Fische
mung gefunden, die einen stark schwanken- entsprechender Größe, Grillen, Mehlwürmer
den Sauerstoffgehalt haben können (Thies- und Nacktschnecken werden nicht beachtet.
meier 99). Einzig mit Wasserasseln und selbst gezüchte-
ten Kaulquappen konnte ich Abwechslung in
Unterbringung und Pflege den Speiseplan bringen.

Im Jahre 2004 erhielt ich aus den südli-


Paarung
chen Appalachen eine Gruppe von fünf adul-
ten Pseudotriton ruber. Dem Fundort und dem Schon nach der Ankunft der Salamander
dorsalen Schwarzanteil entsprechend sollte es in Deutschland 2004 bemerkte ich die Ei-
sich um die Unterart Pseudotriton ruber schen- pakete, welche durch die dünne Bauchhaut
cki (Brimley, 92) handeln. Anfänglich brach- zweier Weibchen zu sehen waren (Abb. ). Es
te ich die Salamander in einem gut strukturier- vergingen aber noch  Monate bevor sich im
ten Aquaterrarium unter, aber da sie sich dort, Oktober 2005 (nunmehr bei einer Tempera-
aufgrund der vielen Versteckmöglichkeiten tur von 7-8°C) erste Fortpflanzungsaktivitä-
auf dem Landteil jeglicher Kontrolle entzogen, ten zeigten. Als Erstes fielen mir die harmlo-
baute ich kurzerhand, wie schon von Freytag sen Bissmale auf dem Rücken zweier kleinerer
(960) empfohlen, das Aquaterrarium in ein Salamander auf, und in den darauf folgenden
Aquarium um. Die Grundfläche beträgt 60 cm Nächten konnte ich ein reges Umherrschrei-
x 70 cm und der Wasserstand 2 cm. Das Was- ten der großen Exemplare beobachten. Ein
ser wird automatisch täglich zu /3 mit Frisch- Geschlechtsunterschied bei Pseudotriton ist an
wasser ausgewechselt und abgekühlt (Durch- äußeren Merkmalen nur bedingt zu erkennen.
laufanlage nach Voitel 2002). Das Becken hat Bei meinen Tieren hat das dominante Männ-

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chen einen größeren massigeren Kopf als die Aquarium, so konnte ich die Aufmerksam-
anderen Beckeninsassen (Abb. 2). Beim Paa- keit und den Beschützertrieb der Muttertiere
rungsvorspiel reibt das Männchen mit sei- gegenüber dem Gelege erhalten, da diese sehr
ner Kehle an verschiedenen Körperstellen des wachsam ungewollte Eindringlinge aus der
Weibchens und geht dabei sehr behutsam vor, Gelegenähe vertrieben. Die brutpflegenden
das Weibchen ist dabei nicht minder aktiv und Weibchen verließen ihren Platz am Gelege fast
ergreift ebenfalls die Initiative. Wahrschein- nie.
lich durch biochemische Wirkstoffe animiert,
durchschreiten die paarungswilligen Tiere be- Embryonalentwicklung des ersten Geleges
unruhigt den Behälter und reiben beim Zu- bei 17-18°C
sammentreffen Kehle und Kopf aneinander.
Dabei umschlingen und unterkriechen sie sich Die Eier sind nach der Ablage pigment-
auch. Die Weibchen suchen währenddessen los. In der zweiten Woche entwickelte sich die
immer wieder den zukünftigen Eiablageplatz Neuralfalte (Glässner Stadium 6), nach ei-
auf und verweilen dort kurzzeitig. Die Sper- ner weiteren Woche ist das Embryo in Form
maübergabe konnte ich leider nicht beobach- eines Kommas (Stadium 24) zu erkennen. Der
ten. Sie fand wahrscheinlich in den frühen Schlupf erfolgte nach 28 Tagen (Stadium 28-
Morgenstunden statt. 30) und erstreckte sich über zwei Wochen bei
einer Wassertemperatur von 7-8°C (Abb. 3).
Die noch weitgehend pigmentlosen Embry-
Eiablage und Brutpflege
onen haben einen großen Dottersack, kurze
Bei der Eiablage, welche wenige Tage nach Außenkiemen und schwimmen noch unkoor-
der Paarung stattfand, hefteten die Weibchen diniert (Abb. 4). Die Augen sind als schwar-
die Eier einzeln oder zu Trauben kopfüber ze Punkte erkennbar. Die geschlüpften Larven
oder seitlich an die Unterseite der Korkrinde liegen zwei Wochen auf der Seite, richten sich
und des Firstziegels. Dazu legt sich das Weib- dann erst auf und schwimmen kleinere Ent-
chen auf den Rücken und presst die Kloake ge- fernungen. Die Oberseite der Larven dunkelt
gen das Substrat, bis das Ei daran verklebt ist. in dieser Zeit ein und sowohl Hinterbeine als
Eier, die bei dieser ungelenken Prozedur kei- auch Vorderbeinansätze werden sichtbar. Nach
ne Haftung finden, fallen zu Boden und entwi- einer weiteren Woche nehmen sie dann erstes
ckeln sich im Verlauf der nächsten Tage nicht. Futter an und verstecken sich im Kies.
Ein großes Weibchen legte über 50 Eier, ein
kleineres zwei Wochen später nur zirka 5. Die
Embryonalentwicklung des zweiten Geleges
Eier werden so abgelegt, dass das Weibchen im bei 15°-16°C
direkten Körperkontakt mit diesen verbleiben
kann, um die Brutfürsorge zu betreiben. Die Da das kleinere Weibchen zwei Wochen
Gelegegröße des kleineren Salamanders ver- nach dem ersten Weibchen die Eier ablegte,
ringerte sich im Verlaufe der Brutzeit von 5 änderte sich auch im Laufe der Embryonalent-
auf 8 Eier. wicklung, jahreszeitlich bedingt, die Tempe-
Dieses Weibchen konnte ich sowohl am ers- ratur im ungeheizten Terrarienraum. So sank
ten Tag nach der Eiablage als auch nach einer die Wassertemperatur Ende November um
Störung durch Fotografieren mit Blitzlicht in mindestens 2°C. Die Entwicklungszeit der Eier
der zweiten Brutwoche beim Eierfressen beo- dauerte sieben Wochen, die Larven schlüpften
bachten. Abgestorbene Eier werden von vielen im Stadium 32, also wesentlich weiter entwi-
Plethodontidaen aus dem Gelege entfernt, um ckelt (Abb. 5). Wahrscheinlich ist eine tiefere
zu verhindern, dass eventuelle bakterielle In- Temperatur natürlicher und der Schlupf im
fektionen auf das gesamte Gelege übergreifen. Stadium 28-30 als verfrühten Notschlupf zu
Die verbliebenen adulten Salamander, wel- betrachten. Trotzdem haben sich die Larven
che nicht an der Brutfürsorge beteiligt waren, des ersten Geleges ohne nennenswerte Ausfäl-
fing ich erst in der dritten Brutwoche aus dem le gut entwickelt.

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Sebastian Voitel

Abb. 4. Geschlüpfte
Larven aus dem ers-
ten Gelege.

Abb. 6. Larven fünf Wochen nach dem Schlupf.

Abb. 5. Larven des zweiten Geleges, rechts eine


Larve beim Schlupf. Abb. 7. Sechs Monate alte Larve.

Abb. 8. Zwei einjährige Larven.

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Nachzucht von Pseudotriton ruber (Sonnini, 1802)

Larvenaufzucht Danksagung
Nachdem sich schlüpfende Larven aus der Meinen Dank an Dr. Uwe Gerlach für
Gelegenähe entfernten, sammelte ich sie in ei- amerikanische Literatur, Eike Amthauer für
nem Ablaichnetz innerhalb des Aquariums. seine kritische Durchsicht des Manuskriptes
Viele Arten der Familie Plethodontidae son- und meinem Vater, Rainer Voitel, der in den
dern mit ihrem Hautsekret fungizide Substan- Wintermonaten in eisigen Gewässern Cyclops
zen ab, welche sowohl den Eiern als auch den kescherte.
Larven in der Entwicklung förderlich sind.
Deshalb beließ ich auch die Weibchen noch Literatur
einige Tage bei den Larven im selben Aquari-
um. Da die Larven bei der ersten Futterannah- Freytag, G. & H. Hübner (960): Haltung und
me bereits eine Größe von über 0 mm haben, Pflege einiger Plethodon-Salamander. – Aquari-
ist die Fütterung kein Problem. Im Winter bot en-Terrarien, 7: 48.
ich Cyclops aus der Natur und ausgesiebte klei- Glässner, L. (925): Normentafel zur Entwick-
ne rote Mückenlarven aus dem Handel an. Mit lungsgeschichte des Gemeinen Wassermolches
einer Größe von ca. 20 mm (Abb. 6) setzte ich (Molge vulgaris) – zitiert nach: Grosse, W.-R.
(2004): Vermehrung und Entwicklung des Axo-
die Larven in einen größeren Behälter, welcher lotl, Ambystoma mexicanum (Shaw, 798), im
ebenfalls an die Durchlaufanlage angeschlos- Aquarium. – amphibia, 3: 9-24.
sen ist. Einige größere Steine dienten den Lar-
Harding, J. (997): Amphibians and reptiles of the
ven als Deckung, der Wasserstand betrug 2 Great Lakes Region. – Ann Arbor: Univ., Michi-
cm. In diesem neuen Behälter kam es zu eini- gan Press.
gen Abgängen, die ich aber, nachdem ich die Indiviglio, F. (997): Newts and salamanders. New
Steine entfernte, den Wasserstand auf 6 cm York: Barron‘s Educational Series.
senkte und den Behälter mit Kunststoffpflan-
Lang, H. (959): Pseudotriton ruber, der rote Sala-
zen und grober Perlonwolle großzügig ausstat- mander aus den USA. – DATZ, 2: 88.
tete, stoppen konnte. Die Larven nutzen die
Pfingsten, R. & F. Downs. (989): Salamanders of
schwimmenden Kunststoffpflanzen dicht un- Ohio. – Columbus, Ohio Biol. Survey.
ter der Wasseroberfläche als Ruheplätze. Auf
Petranka, J. (998): Salamanders of the United
Licht reagieren die Larven panisch, deshalb,
States and Canada. – Washington and London:
und auch um zusätzliche Mulm im Wasser zu Smithsonian Institution Press.
vermeiden, verwendete ich keine echten Was-
Thiesmeier, B. (99): Salamander im Osten der
serpflanzen. Wichtig bei der Aufzucht scheint USA. – herpetofauna, 3: -9.
ein flacher, steriler Behälter mit der Möglich-
Voitel, S. (2002): Rationelle Aufzucht verschiede-
keit zum Oberflächennahen ausruhen zu sein
ner Urodelenlarven. – amphibia, : 2-27.
und eine Abdeckung die die Larven am her-
ausspringen hindert, was durchaus nach dem Wallays, H. (2004): Salamander in den nordame-
rikanischen Appalachen, Teil . – amphibia, 3:
Lichteinschalten passieren kann. Als Futter 6-8.
nehmen die Larven bereitwillig lebende rote
Mückenlarven und Tubifex. Mit einem halben
Jahr ließen sich die Larven auch an Frostfutter Eingangsdatum: 0.04.2006
gewöhnen (Abb. 7).
Im Alter von einem Jahr und einer Größe
von  cm fressen sie dann kleine Regenwür-
Autor
mer und einige der Larven sehen den Adulti
schon sehr ähnlich (Abb. 8). Im März 2007, Sebastian Voitel
also ca. 5 Monaten nach dem Schlupf, hatten Spangenbergstraße 8
sich bereits /3 der Larven umgewandelt und D-06295 Eisleben
gingen an Land. E-Mail: sebastian.voitel@t-online.de

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