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«Meine

Geschichte,
mein Recht
– bewegende
Geschichten
aus der
Schweiz»

Eine Porträtserie von


«Schutzfaktor M»
Broschüre zur gleichnamigen
Ausstellung

Fotografien: Fabian Biasio

Informationskampagne Schutzfaktor M – Menschenrechte schützen uns

Verein Dialog EMRK · CH-3000 Bern · Tel: 031 508 56 52 · E-Mail: info@schutzfaktor-m.ch
www.schutzfaktor-m.ch · www.facteurdeprotection-d.ch · www.fattorediprotezione-d.ch
PC 30-106-9 · IBAN: CH65 0079 0042 9281 1595 1
Inhaltsverzeichnis

Ursula Biondi
Im Gefängnis, weil sie mit 17 schwanger wurde 1

Renate Howald Moor


Ihr langer Kampf um Gerechtigkeit für Asbestopfer 3

Daniel Monnat
Sein Dokumentarfilm wurde zu Unrecht zensuriert 5

Menschenrechte in der Schweiz


Übersicht zum schweizerischen Menschenrechtsschutz 7
Fotografie
Fabian Biasio, www.biasio.com Yannick Forney
Engagiert sich gegen die Diskriminierung von Transmenschen 9
Redaktion
das Team von Schutzfaktor M Margrith Bigler-Eggenberger
Die erste Bundesrichterin der Schweiz und ihr Einsatz für die Gleichstellung 11
Grafik
Nora Vögeli, www.noravoegeli.com Tommaso Mainardi
Aktiv für Menschen mit Behinderungen 13
Druck
Koprint AG Pascal Falcy
Zu Unrecht von seiner Versicherung überwacht und verdächtigt 15
1. Auflage
4500 Hans Glor
Wehrte sich gegen die Diskriminierung seines Sohnes 17

Seba Arab
Weiss, was es bedeutet, wenn die Menschenrechte nicht gelten 19

Schutzfaktor M
Die Informationskampagne für die Menschenrechte 21

Danke 22
Liebe Leserin,
lieber Leser
Diese Publikation ist Teil der Ausstellung «Meine Geschichte, mein Recht – bewegende Geschichten aus
der Schweiz». Die Wanderausstellung steht allen Interessierten kostenlos zur Verfügung. Mehr dazu
unter www.schutzfaktor-m.ch/meine-geschichte-mein-recht

Wann haben Sie sich das letzte Mal über Men- Sehr nahe geht mir das Schicksal der jenischen
schenrechte Gedanken gemacht? Und dachten Bevölkerung, deren Kinder bis Anfang der 70er
Sie dabei an eine Situation in der Schweiz? Oder Jahre im Rahmen des Programmes «Kinder der
betraf es ein anderes Land, wie beispielsweise Landstrasse» zu Hunderten ihren Eltern entrissen,
Diese die Türkei oder Russland, über deren Menschen- zur Adoption freigegeben und damit für immer ent-
Porträ rechtssituation in den letzten Monaten oft in den wurzelt wurden. Auch da ist die Traumatisierung
t
meine e s auch o s gibt Medien berichtet wurde? so gross, dass wir niemanden finden konnten,
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hichte nline: der darüber sprechen wollte. Im Kontakt mit An-
mit Vi .sch Viele Menschen hierzulande denken, unsere wält_innen erfuhr ich, dass es in der Schweiz zum
deo-In utzfaktor-m Grundrechte seien in Stein gemeisselt und un- Beispiel in den Bereichen des Fürsorgerischen
aller P terv .ch
orträt iews umstösslich. Sie gehören so selbstverständlich Freiheitsentzuges oder der Berücksichtigung des
ierten zur Schweiz wie das Matterhorn. Es stimmt: Die Kindeswohls bei Sorgerechtsentscheiden oder
Schweiz hat einen hohen Menschenrechtsstan- Fremdplatzierungen noch heute zu menschen-
dard. Doch auch hierzulande gibt es dunkle Kapi- rechtlich kritischen Situationen kommen kann. Es
tel des staatlichen Handelns, die noch gar nicht sind Beispiele, die zeigen, wie wichtig es ist, dass
so weit zurückliegen. Wir sehen sie, wenn wir die Menschenrechte für alle Menschen gelten und
bereit sind hinzuschauen. Und es werden nach nicht je nach Nationalität, Religion, Geschlecht,
wie vor immer wieder Lücken in unseren Geset- Ethnie, Lebensarten oder gesundheitlichen Voraus-
zen oder Fehler in der Rechtsprechung sichtbar. setzungen variieren dürfen.
Viele davon können nur dank Urteilen des Euro-
päischen Gerichtshofes für Menschenrechte ge- Die folgenden Geschichten illustrieren eindrücklich,
schlossen oder korrigiert werden. Wie wichtig die dass wir auch in der Schweiz unsere Rechte immer
Urteile des Gerichtshofes für die Durchsetzung wieder einfordern und verteidigen müssen: Sei es
und Weiterentwicklung des Grundrechtsschutzes das Recht auf ein faires Verfahren und die Presse-
in der Schweiz sind, haben mehrere der hier port- freiheit, die Rechte von Menschen mit Behinderun-
rätierten Menschen selber erlebt. gen und die Frauenrechte oder den Schutz der Pri-
vatsphäre und das Diskriminierungsverbot.
Es kommen neun Menschen zu Wort, deren Ge-
schichten deutlich machen, dass der Menschen- Für die Porträtierten brauchte es viel Mut, sich zu
rechtsschutz nur gesichert werden kann, wenn exponieren. Der Fotograf und Fotoreporter Fabian
sich sowohl Einzelne als auch Gruppen, wie die Biasio eröffnet uns durch seine authentischen
zahlreichen Partnerorganisationen von Schutz- und gleichzeitig respektvollen Bilder und Video-
faktor M, dafür starkmachen. Interviews einen persönlichen Zugang zu diesen
Menschen.
nd die
Wie si chte in
Bei der intensiven Recherche für die Porträts ist
mir bewusst geworden, wie viele Menschen durch Ich danke allen Porträtierten herzlich, dass sie mit

e n s c henre hützt? staatliche Willkür traumatisiert und stigmatisiert ihrer Geschichte einen Beitrag zum Verständnis
M z gesc zu
wurden und darum noch heute nicht über das Er- dafür leisten, dass die Menschenrechte unver-
h w e i
der Sc bersicht da
lebte sprechen können. So hatte ich etwa Kontakt zichtbar und kostbar sind.
mit einer Frau, die man als Jugendliche zu einer
Eine Ü i n d e r Mitte Abtreibung gezwungen und ohne ihr Wissen ste- Andrea Huber
Sie rilisiert hatte. Man wollte nicht, dass sich «ihres- Initiantin & Geschäftsführerin von Schutzfaktor M
finden Broschüre. gleichen» vermehrte. Viele Frauen erlitten diesel-
dieser ben Übergriffe.
Ursula Biondi: WISSENSWERTES

Im Gefängnis,
Die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) wurde vom Europarat nach den Schrecken der Welt-
kriege geschaffen. Damit entstand in Europa ein verbindlicher Mindeststandard an Menschenrechten zur

weil sie mit


Sicherung von Frieden und Demokratie. Die Schweiz trat dem Europarat 1963 bei und ratifizierte die Konven-
tion 1974. Alle 47 Mitgliedstaaten des Europarates haben die Konvention ratifiziert. Nur die Diktatur Weiss-

17 schwanger
russland gehört nicht dazu. Der Europarat wird fälschlicherweise öfters mit der EU oder dem EU-Parlament
verwechselt, mit denen er nichts zu tun hat. Der Sitz des Europarates und seiner Gremien ist in Strassburg.

wurde
Ursula Biondi landete 1966 in der Strafanstalt glücklich aufwachsen könne, sagte man ihr. Ursu- und Zwangssterilisationen an. Erst mit Inkrafttre-
Hindelbank, ohne eine Straftat begangen zu la Biondi dachte an Suizid, entschloss sich dann ten der Europäischen Menschenrechtskonvention
haben und ohne Gerichtsverhandlung. Die aber, mit aller Kraft für ihr Kind zu kämpfen. Nach (EMRK) 1974 sahen sich die Behörden gezwungen,
Vormundschaftsbehörde der Stadt Zürich hat- drei Monaten konnte sie ihren Sohn endlich wie- die Praxis, die in massiver Weise in die Freiheit
te zu dieser «erzieherischen Massnahme» ge- der in die Arme schliessen. Daraufhin musste sie der Betroffenen eingriff, zu überdenken. Denn das
griffen, weil Ursula Biondi sich in einen sieben fünf weitere Monate mit ihm im Gefängnis leben. in Art. 6 durch die Konvention garantierte Recht
Jahre älteren Mann verliebt hatte und minder- auf ein faires Verfahren wurde damit verletzt. Die
jährig schwanger wurde. Ihren Sohn wollte Neustart trotz Trauma und Stigma Schweiz passte in der Folge 1981 das Zivilgesetz-
man ihr direkt nach der Geburt wegnehmen. Mit ihrem inzwischen acht Monate alten Sohn und buch entsprechend an. Dass ausgerechnet die
Gegen die Zwangsadoption setzte sie sich mit einem Startkapital von 23 Franken flüchtete EMRK politisch angegriffen wird, macht Ursu-
tapfer zur Wehr. Als ihr Sohn acht Monate alt sie nach Genf in die Anonymität. «Ich war schwer la Biondi grosse Sorgen: «Ich habe Angst, dass
war, konnte sie das Gefängnis endlich mit ihm traumatisiert, mein Urvertrauen wurde in Hindel- sich so etwas wie damals wiederholen könnte.
im Arm verlassen. Das Stigma und die Wunden bank für immer zerstört», sagt Ursula Biondi heu- Nicht für mich, sondern für die heutigen und für
«Sie nahmen mir mein Kind bleiben bis heute. te. Die Angst, als «Kriminelle» erkannt zu werden, die nächsten Generationen. Die sind sich nicht
und meine Würde. Die Zeit im prägte sie während vieler Jahre. Sie gründete in bewusst, was auf sie zukommen kann, wenn der
Heinz war Ursulas grosse Liebe, sie wollten heira- Genf eine Familie und machte Karriere als Infor- Menschenrechtsschutz nicht mehr intakt ist.»
Gefängnis hat tiefe seelische ten. Ihre Familien und die Behörden legten ihnen matikerin in einer Organisation der UNO. Doch all
Wunden hinterlassen. Tausen- so viele Steine in den Weg, dass sie nach Itali- das half nicht, um das Stigma «Hindelbank» los- Weiterführende Informationen
de von Menschen sind früher en flüchteten. Von dort wurde Ursula Biondi von
Interpol in die Schweiz zurückgebracht und auf
zuwerden. Die Ungerechtigkeit quält Ursula Biondi
bis heute.
> www.administrativ-versorgte.ch
> www.fremdplatziert.ch
so vom Staat gebrochen wor- Beschluss der Amtsvormundschaft der Stadt Zü- > www.wiedergutmachung.ch
den. Wenn wir den Menschen- rich «zum Schutz des ungeborenen Kindes» in die Schweiz steht endlich gerade für ihre Fehler
geschlossene Arbeitsanstalt Hindelbank einge- Dank der «Wiedergutmachungsinitiative», wel-
rechten nicht Sorge tragen, wiesen. Heinz sah sie nie wieder. Die Eltern unter- che 2014 von Betroffenen gestartet wurde, kam
kann das wieder passieren.» schrieben auf Druck der Behörden die Einweisung, Bewegung in die Aufarbeitung dieser gravieren-
in der Hoffnung, sie vom Kindsvater fernzuhalten. den Menschenrechtsverletzungen. Im September
Man hatte ihnen versichert, die werdende Mut- 2016 stimmte das Parlament einer finanziellen
ter erhalte dort eine Ausbildung in Haushalt und Wiedergutmachung für Tausende von Opfern der
Säuglingspflege. Als die Mutter merkte, dass ihre «administrativen Versorgung» zu. «Das ist eine BETROFFENE RE
CHTE
Tochter zusammen mit Mörderinnen eingesperrt grosse Erleichterung und ein wichtiger Schritt, um
und zur Arbeit gezwungen wurde, versuchte sie unsere Würde zurück zu gewinnen», sagt Ursula > Recht auf Le
be
vergeblich, die Einweisung rückgängig machen. Biondi heute. > Recht auf Fa n
milie
> Recht auf Pr
ivatleben
Der lange Kampf um ihren Sohn Angst um die Menschenrechte > Recht auf ei
n
Kaum war ihr Sohn geboren, wurde er ihr wegge- Tausende von Jugendlichen und Erwachsenen faires Verfah
ren
nommen. «Ich durfte ihn nicht einmal in den Arm wurden bis in die Achtzigerjahre in Strafanstalten
nehmen, er wurde mir unmittelbar nach der Ge- «versorgt», weil sie nicht den gängigen gesell-
Ursula Biondi im
burt weggenommen», erinnert sich Ursula Biondi schaftlichen Vorstellungen entsprachen. Es reich-
Alter von 17 Jahren,
kurz vor ihrer
heute noch schockiert. Monatelang setzte man te der Vorwurf eines «liederlichen Lebenswan-
«administrativen sie unter Druck, ihr Einverständnis zur Adopti- dels», «Vaganterei» oder «Arbeitsscheue». Die
Versorgung» on zu geben. Um sie abzulenken, liess man sie Betroffenen konnten sich weder zu den Vorwürfen
zehn Stunden am Tag in der Wäscherei arbeiten. äussern noch sich wehren. Die Behörden ordne-
Man würde für ihn eine Familie suchen, in der er ten damals auch regelmässig Zwangsadoptionen
1 2
Renate Howald Moor: WISSENSWERTES

Ihr langer Kampf


Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Strassburg ist ein gemeinsames Gericht der
Mitgliedstaaten des Europarates. Jedes Land stellt einen Richter oder eine Richterin. Jeder Mensch, der in

um Gerechtigkeit
einem der Mitgliedstaaten lebt, kann beim Gerichtshof klagen, wenn sie oder er der Meinung ist, durch die
EMRK garantierte Rechte seien verletzt worden. Die Schweiz ist gut auf Kurs in Sachen Menschenrechte.

für Asbestopfer
Seit 1974 hat der Gerichtshof nur in 1.6 Prozent der Klagen aus der Schweiz eine Verletzung der Konvention
festgestellt. Der Entscheid betreffend Verjährungsfrist für Asbestopfer zeigt, wie wichtig die Entscheide
des EGMR sind, um bestehende Lücken im schweizerischen Rechtssystem zu schliessen.

Das Engagement der Aargauerin Renate Howald Auch die «Grossen» sollen für ohne Bezug auf die geltenden Verjährungsfristen.
Moor zeigte Wirkung in der ganzen Schweiz: Vie- ihre Fehler geradestehen «Wir werden nun endlich ernst genommen. Vor
le Jahre nachdem ihr Mann an den Folgen der Die tödliche Diagnose kam eineinhalb Jahre vor sei- dem Entscheid aus Strassburg waren wir schlicht
Arbeit mit Asbest starb, entschied der Europä- nem Tod. Er nutzte die verbleibende Zeit, um Alstom ausgeschlossen von einem Verfahren, obwohl wir
ische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) auf Schadenersatz in der Höhe von 200‘000 Fran- das Recht darauf hatten.»
2013, die Schweiz habe das Recht auf ein fai- ken zu verklagen. «Es ging ihm nie ums Geld, son-
res Verfahren verletzt. Die Schweizer Gerich- dern um ein Prinzip. Nämlich, dass nicht nur die Die Schweiz muss über die Bücher
te hatten die Klage auf Schadenersatz mit der Kleinen, sondern auch die Grossen für ihre Ver- Dank dem Urteil aus Strassburg kam in der Schwei-
Begründung abgelehnt, seine Forderungen sei- fehlungen geradestehen müssen», erklärt Renate zer Politik langsam Bewegung in die Diskussion be-
en spätestens 10 Jahre nach dem letzten Kon- Howald Moor. Hans Moor war bereits tot, als das züglich Entschädigung für Asbestopfer: An einem
takt mit Asbest verjährt. Dank dem Urteil aus Arbeitsgericht Baden und das Aargauer Oberge- Runden Tisch einigten sich Industrie, Arbeitgeber,
Strassburg werden die Verjährungsfristen in der richt seine Klage ablehnten. Die Forderungen sei- Gewerkschaften, die Unfallversicherung Suva und
«Mein Mann musste sterben, Schweiz nun der Realität angepasst. Denn es en bereits seit 1988 verjährt, 10 Jahre nach dem der Bund, Asbestopfer finanziell und psycholo-
weil seine Firma im Umgang dauert meist 20 bis 40 Jahre, bis die Krankheit letzten Kontakt mit der gefährlichen Substanz, so gisch zu unterstützen. Beim Festlegen der künfti-
nach dem Kontakt mit dem gefährlichen Asbest die Begründung der Gerichte. «Wie kann eine Sa- gen gesetzlichen Verjährungsfrist konnte sich das
mit Asbest fahrlässig gehan- ausbricht. Dieser Entscheid aus Strassburg er- che verjähren, von der noch gar niemand weiss?», Parlament leider noch nicht einigen. Klar ist, dass
delt hatte. Ich kämpfte bis möglicht Tausenden von Betroffenen und ihren fragte sich die Familie von Hans Moor. erst eine Frist ab 30 Jahren dem Krankheitsverlauf
zum Europäischen Gerichts- Familien Zugang zu den Gerichten, um Schaden-
ersatz einzuklagen. Das Bundesgericht gewichtete
Rechnung trägt. Noch sinnvoller wäre es, wenn die
Frist erst nach Ausbruch der Krankheit anläuft und
hof für Menschenrechte um die Firmeninteressen stärker nicht ab dem letzten Kontakt mit Asbest.
ein faires Verfahren. Denn Dieser Kampf für Asbestopfer in der Schweiz ist Das Bundesgericht hielt 2010 an der kurzen Ver-
Hans Moors Vermächtnis. Er starb im November jährungsfrist fest. Man wolle verhindern, dass Un- Hoffnung für Tausende von betroffenen Familien
nicht nur die Kleinen, sondern 2005 im Alter von 58 Jahren nach qualvollem Lei- ternehmen Jahrzehnte später plötzlich mit Scha- Der Entscheid des EGMR gibt Tausenden von As-
auch die Grossen müssen für den an Lungenkrebs, der auf die Arbeit mit der ge- denersatzforderungen konfrontiert seien, wenn bestopfern und ihren Familien Hoffnung, dass
ihre Fehler geradestehen.» fährlichen Substanz Asbest zurückzuführen war. es schwierig sei, entlastendes Material zu finden, die verantwortlichen Firmen zur Rechenschaft
Sein Tod war die Folge jahrzehntelanger Arbeit für argumentierte das Bundesgericht. «Mit dem Ur- gezogen werden und Schadenersatz leisten
die Maschinenfabrik Oerlikon, später BBC, ABB und teil wurde eigentlich gesagt, dass der Schutz der müssen. Bis heute sind in der Schweiz rund 1700
zuletzt für Alstom, bei der er mit der gefährlichen Firmen wichtiger sei als der Schutz der Arbei- Menschen in der Folge der Arbeit mit dem hoch
Substanz in Berührung kam. «Mein Mann montier- ter_innen», findet Renate Howald Moor. Die Fami- krebserregenden Asbest gestorben und viele
te bis 1978 Turbinen in aller Welt und atmete dabei lie erhob gegen dieses Urteil Klage beim EGMR in mehr werden in den kommenden Jahren von der
grosse Mengen Asbest ein. Er wurde nie über die Strassburg. heimtückischen Krankheit betroffen sein. «Viel-
Gefahren von Asbest aufgeklärt, obwohl die Ver- leicht übernehmen Firmenverantwortliche dank
antwortlichen davon wussten», erzählt seine Wit- Gerechtigkeit dank dem Europäischen dem Urteil aus Strassburg in Zukunft mehr Verant-
we, Renate Howald Moor. Gerichtshof für Menschenrechte wortung für die Sicherheit ihrer Arbeiterinnen und
Der EGMR kam 2013 zu einem anderen Schluss: Arbeiter», sagt Renate Howald Moor hoffungsvoll.
Die kurze Verjährungsfrist schliesse Opfer von
Hans Moor im Alter Spätschäden kategorisch vom Rechtsweg aus, Weiterführende Informationen
von 48 Jahren.
so das Gericht. Damit verletze die Schweiz das > EGMR-Urteil: Howald Moor vs. Schweiz
Recht auf ein faires Verfahren (Art. 6 EMRK). Das (11. März 2014)
ECHTE
FENE R Bundesgericht wies den Fall daraufhin zurück an > www.asbestopfer.ch
BETROF das Arbeitsgericht in Baden zur Neubeurteilung,
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3 4
Daniel Monnat: WISSENSWERTES

Sein Dokumentar-
Der Gang an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Strassburg steht allen Menschen
zu, die der Meinung sind, ihre Grundrechte seien in der Schweiz oder in einem der 47 Mitgliedstaaten ver-

film wurde zu
letzt worden. Weder die Staatsangehörigkeit noch der Wohnsitz sind dafür nötig. Wichtig ist, dass man
erst alle innerstaatlichen gerichtlichen Instanzen ausgeschöpft und dort bereits eine Verletzung der EMRK

Unrecht zensuriert
beanstandet hat. In der Schweiz muss also erst ein negativer Entscheid des Bundesgerichtes oder des
Bundesverwaltungsgerichtes vorliegen, bevor sich jemand an den Gerichtshof wenden kann. Ansonsten
wird die Klage als nicht zulässig zurückgewiesen. Stellt der EGMR eine Verletzung der Konvention durch die
Schweiz fest, kann die Klägerin oder der Kläger beim Bundesgericht die Revision des Urteils verlangen. Denn
die Entscheide aus Strassburg sind für alle rechtsanwendenden Behörden der Mitgliedstaaten verbindlich.

Daniel Monnat arbeitete als Journalist bei der Zensur ist auch in einer Demokratie möglich Daniel Monnat ist überzeugt: «Hätte der Europä-
Télévision Suisse Romande, als er 1997 einen «Das Ausstrahlungsverbot gegen meinen Do- ische Gerichtshof für Menschenrechte dieses
Dokumentarfilm über die Haltung der Schweiz kumentarfilm: ‹Die verlorene Ehre der Schweiz› Verbot nicht aufgehoben, so wäre nicht nur diese
zu Nazideutschland während des Zweiten Welt- zeigt, dass sogar ein demokratisches Land Zen- Reportage definitiv zensuriert geblieben. Ich und
kriegs realisierte. Mitten in der Krise um die jüdi- sur ausüben kann. Hierzu genügen einige wenige andere Journalisten der öffentlich-rechtlichen
schen nachrichtenlosen Vermögen rüttelte der Kriterien: eine leidenschaftliche Diskussion beim Anstalten hätten nicht mehr auf seriöse und kri-
Film am Mythos der integren Schweiz, die Na- Publikum und ein emotionales Thema, in dem sich tische Weise über die Schweizer Geschichte re-
zideutschland wehrhaft entgegengetreten war. das Land angegriffen fühlt. Diese Bedingungen cherchieren können», erklärt Daniel Monnat.
Aufgrund einer Zuschauerklage beurteilte die waren zur Zeit der Ausstrahlung meines Doku-
«Zum Glück gibt es den Unabhängige Beschwerdeinstanz der SRG (UBI) mentarfilmes gegeben», fasst Daniel Monnat die Weiterführende Informationen
Europäischen Gerichtshof 1999 die Reportage als einseitig und erliess ein Konstellation zusammen, die zur Zensur führte. > EGMR-Urteil: Monnat vs. Schweiz
Ausstrahlungsverbot. Dagegen wehrte sich der Die SRG legte Rekurs gegen den Entscheid der (21. September 2006)
für Menschenrechte. Er Journalist aus Lausanne jahrelang. Der Europä- UBI ein, aber auch das Bundesgericht stufte die- > Broschüre «Bedeutung der Europäischen
ist die Rückversicherung ische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) se Einschränkung der Meinungsäusserung als Menschenrechtskonvention (EMRK) für
für unsere Grundrechte gab ihm schliesslich Recht: Mit der Zensur sei-
nes Filmes hatte die Schweiz sein Recht auf
verhältnismässig ein. Schweizer Medienschaffende», Schweizeri-
sches Kompetenzzentrum für Menschen-
– auch für die Pressefreiheit. freie Meinungsäusserung verletzt. Strassburg verteidigt Pressefreiheit rechte (2016)
Dank dem Urteil musste Daniel Monnat klagte daraufhin beim EGMR gegen > Reporter ohne Grenzen, Partnerorganisation
das Ausstrahlungsverbot Daniel Monnat wurde angelastet, eine einseitige,
voreingenommene und unrealistische Reportage
die Schweiz. Dieser entschied 2006 einstimmig,
dass die Meinungsäusserungsfreiheit des Jour-
von Schutzfaktor M

gegen meinen Dokumentar- erstellt zu haben. «Die Schlussfolgerungen mei- nalisten mit dem Ausstrahlungsverbot verletzt
film über die Rolle der nes Filmes beruhen auf den Forschungen der worden war (Art. 10 EMRK). Das Gericht stellte fest,
besten Spezialisten der neueren Schweizer Ge- die Reportage beruhe auf seriösen historischen
Schweiz im Zweiten Welt- schichte und auf Dokumenten anerkannter Archi- Recherchen. Die Gutheissung der ursprünglichen BETROFF
ENE REC
krieg aufgehoben werden.» ve, also auf Tatsachen und nicht auf Interpretatio- Zuschauerbeschwerde habe zu einer Art Zensur HTE
nen», erklärt Daniel Monnat. geführt, um Daniel Monnat künftig daran zu hin- > Re c h t a
dern, auf eine solche Weise Kritik zu äussern, Meinung uf freie
säusseru
befanden die Richter_innen. Die Schweiz musste ng
das Verbot aufheben, und die Reportage konnte
wieder ausgestrahlt werden.

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a h lungsve t,
«Das A u s s tr rfilm zeig
in e n D o kumenta sches
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gegen m gar ein demokra . Hierzu
dass so b e n ka nn
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Land Zen reits eine leide kum
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genügen kussion beim Pu
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e m a , in dem sic lt.»
5 T h en füh 6
angegriff
Schutz der Menschenrechte Gl
Warum wir die EMRK als

in der Schweiz Rech eiche


Rückversicherung brauchen
In der Schweizer Bundesverfassung sind viele
te
> Sch für alle
Menschenrechte als «Grundrechte» festgehalten.
Aber die Grundrechte gelten nicht unumstösslich:
Diskr utz vor Sie können durch die Gerichte, das Parlament oder
imini Volksentscheide geschwächt werden. Wenn zum
«Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.» erun Beispiel ein Bundesgesetz erlassen wird, das ein
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, 1948
g Grundrecht unserer Verfassung ausser Kraft setzt,
haben wir ein Problem: Die Schweizer Gerichte
können einen solchen Widerspruch nicht korri-
gieren, sondern müssen das verfassungswidrige
Gesetz anwenden. Nur mit dem Verweis auf die
Die Menschenrechte garantieren, dass wir alle Von der Schweiz ratifizierte internationale Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK),
in Würde leben können. Sie bilden die rechtliche Menschenrechtsabkommen (Auswahl) die für die Schweiz verbindlich ist, können das
Grundlage dafür, dass alle die gleichen Rech- Bundesgericht oder das Bundesverwaltungsge-
te haben und niemand diskriminiert wird; dass auf Ebene des Europarates richt das betroffene Recht schützen. So werden
wir vor staatlicher Willkür geschützt sind; dass > Europäische Menschenrechtskonvention unsere verfassungsmässigen Grundrechte durch
unsere individuellen Freiheiten geschützt, die des Europarates mit diversen die EMRK garantiert und gestärkt. Dank der EMRK
materielle Existenz abgesichert ist und wir am Zusatzprotokollen
r e i h eitentleben eit können Lücken in unseren Gesetzen oder Fehler in
kulturellen Leben teilnehmen können. Die Men- > Europaratskonvention zur Verhütung von F f Priv
a
nsfre
ih
t der Rechtsprechung geschlossen bzw. korrigiert
ht au isse eihei
schenrechte sind die Basis unserer Demokratie Gewalt gegen Frauen (Istanbul-Konvention) > Rec und Gew ationsfr werden. Dies zeigen eindrücklich die Geschichten
s- rm
und unserer Selbstbestimmung. Sie stehen uns > Europäisches Übereinkommen zur Verhütung
G l a uben und Info freiheit von Renate Howald Moor (S. 3), Daniel Monnat (S. 5)
allen zu, egal ob arm oder reich, alt oder jung, von Folter und unmenschlicher oder > gs - gs t oder Hans Glor (S. 17), die im Kampf um Gerech-
inun ewegun immrech
gesund oder krank, Schweizer_in oder Auslän- erniedrigender Behandlung oder Strafe > Me >B S t tigkeit bis an den Europäischen Gerichtshof für
nd
der_in. > Europäisches Rahmenübereinkommen zum hl- u Menschenrechte (EGMR) gelangten. Die EMRK ist
> Wa
Schutz nationaler Minderheiten ein wichtiger Schutzfaktor für uns. Sie garantiert,
In der Schweiz sind die Menschenrechte als so- dass ein Mindeststandard an Menschenrechten
genannte «Grundrechte» in der Bundesverfas- auf Ebene der UNO gewahrt bleibt. Auch in der Schweiz.
sung verankert. Zur zusätzlichen Sicherung und > die Pakte I und II der UNO über Sozialrechte
Förderung dieser Rechte hat die Schweiz zahlrei- und bürgerliche Rechte Weiterführende Informationen
che Menschenrechtsabkommen der UNO und des > Antirassismuskonvention Persön > Schutzfaktor M macht Medienarbeit zu den
Europarates ratifiziert. Durch die freiwillige Rati- > Antifolterkonvention l
> Rech iche Sich EGMR-Urteilen, welche die Schweiz betreffen.
fizierung werden diese staatenübergreifenden > Frauenrechtskonvention t auf k
örp erheit Eine Übersicht von wichtigen Urteilen findet sich
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Regelwerke für den Vertragsstaat verbindlich. Sie > Kinderrechtskonvention > Schu eelische Un erliche und auf der Website von Schutzfaktor M:
tz ve
formulieren einen internationalen Mindeststandard > Behindertenrechtskonvention > Schu vor Sklaver rsehrtheit www.schutzfaktor-m.ch
tz vor ei und
für die Menschenrechte in den jeweiligen nationa- Folter Zwang
un ode sarb
len Verfassungen und Gesetzen. Alle vier bis fünf > Rech d grausame r unmensch eit > Eine ausführliche Datensammlung über für
t auf e r Beha licher
Jahre legen die Vertragsstaaten mit einem soge- > Rech ine wirksam ndlung die Schweiz relevante Menschenrechts-
nannten «Staatenbericht» Rechenschaft über den t auf e e abkommen und deren Umsetzung ist auf der
in faire Beschwerd
Stand der Umsetzung der Verträge ab. Die zustän- s Verfa e Website www.humanrights.ch zu finden.
hren
digen Ausschüsse geben Empfehlungen ab für Humanrights.ch ist Partnerorganisation
die kommende Vertragsperiode. Dadurch werden
s i c h erunggen von Schutzfaktor M.
innerstaatliche Reformen und der internationa-
le Dialog über die Menschenrechte gefördert. Die
tenz Notla
Exis t auf Hilfe in ldung
h Bi
Rechte der Europäischen Menschenrechtskonven- > Rec echt auf rbeit
> R fA
tion (EMRK) können am Europäischen Gerichtshof ht au um
für Menschenrechte (EGMR) eingeklagt werden, > Rec uf Eigent g
h t a r u n
wie das mehrere der Geschichten dieser Broschü- > Rec t auf Nah heit
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enleben
re illustrieren. c
> Re auf Gesu n
> Rec
ht Zusammamilienfreiheit
dF n Leben
> Ehe- un kulturelle
m e a m
> Teilnah mlungs-
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> Versam it
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Yannick Forney: WISSENSWERTES

Engagiert sich gegen


Der Entscheid des EGMR vom April 2017 ist ein Meilenstein für die Transcommunity in ganz Europa. Drei Trans-
personen aus Frankreich hatten sich dagegen gewehrt, dass sie ihr Geschlecht nur amtlich anerkennen las-

die Diskriminierung
sen können, wenn sie sich sterilisieren lassen. Solche Auflagen verletzten das Recht auf Privatleben (Art. 8
EMRK), entschied das Gericht. Es ist ein wegweisendes Urteil, das sich wohl auch deutlich auf die Schweizer

von Transmenschen
Gerichtspraxis auswirken wird. Hier sind Zwangssterilisation oder der Zwang zu hormonellen Angleichungen
zwar seltener geworden, sind aber nach wie vor nicht ausgeschlossen. Transgender Network Switzerland
erklärt, warum dieses Urteil von so grosser Bedeutung ist: «Viele Schweizer Transmenschen können dank
diesem Urteil in eine Zukunft mit weniger Diskriminierung, Stigmatisierung und Marginalisierung im Alltag
blicken. Die unnötigen Hürden zur Anpassung des amtlichen Geschlechtes sind mit dem Entscheid deutlich
gesenkt worden.»

Yannick Forney wurde in einem Frauenkörper ge- Ängste und Vorurteile gegenüber Stetes Engagement zeigt Wirkung
boren. Vor einigen Jahren hat der Lausanner den Transmenschen Das Engagement für die Transmenschen in der
Prozess einer Geschlechtsangleichung begon- Transmenschen kämpfen im Alltag oft gegen Schweiz trägt langsam Früchte. Im Laufe der
nen. Er weiss aus eigener Erfahrung, dass Trans- Schwierigkeiten an. Yannick Forney analysiert die letzten Jahre erhielt das Thema mehr Sichtbar-
menschen oft Diskriminierungen und Aggressio- Ursachen dafür so: «Es herrschen sehr binäre keit. 2017 entschied der Europäische Gerichtshof
nen ausgesetzt sind. Darum engagiert er sich für Geschlechterbilder vor, also eine genaue Vorstel- für Menschenrechte (EGMR), dass Zwangssteri-
deren Rechte. Die Reaktionen von Mitmenschen, lung, wie ein Mann oder eine Frau zu sein haben. lisationen das Recht auf Privatleben verletzten
Auflagen der Krankenkassen oder ungenau for- Wenn man aus diesem Rahmen ausschert, löst (siehe Kasten). Yannick Forney hält fest: «Trans*
mulierte Gesetzestexte können zur grossen Be- das viele Ängste und leider auch oft Diskriminie- zu sein, kann man nicht wählen, man wird so
«Tut bitte nicht so, als gäbe lastung werden. Der langwierige Kampf um die rung aus. Auch sind wir mit physischer, verbaler geboren. Die Angleichung an das gefühlte Ge-
es uns Transmenschen nicht. amtliche Änderung des Vornamens und des Ge- und psychischer Gewalt konfrontiert. Und manch- schlecht ist eine Notwendigkeit, damit wir Trans-
schlechtseintrages ist nur ein Beispiel. mal sind das Schweigen oder auch das Gerede menschen uns in unserem Körper, in unserem
Wir fordern von der Politik über uns schwer auszuhalten», erzählt der junge Leben und in der Gesellschaft wohl fühlen und
und von unseren Mitmen- Yannick Forney ist 30 Jahre alt. Er verteidigt die Mann von seinen Erfahrungen. uns selbst sein können.»
schen, anerkannt zu werden Rechte von Transmenschen (auch Trans* ge-
nannt) mit Herzblut, sowohl ehrenamtlich als Gesetzesanpassungen sind dringend nötig Weiterführende Informationen
und ein Existenzrecht in auch bei seiner Arbeit im Gesundheitszentrum Ungenau formulierte Gesetze erschweren Trans- > EGMR-Urteil: A.P., Garçon and
der Gesellschaft zu haben. Checkpoint Waadt. Von Trans* spricht man, wenn menschen in der Schweiz das Leben zusätzlich. Nicot vs. Frankreich (6. April 2017)
Ohne Diskriminierung!» sich ein Mensch nicht dem Geschlecht zugehö-
rig fühlt, dem er bei Geburt zugeordnet wurde.
«Die Politik schaut weitgehend weg. Wir sind zwar
eine Minderheit, aber auch wir haben Rechte.»
> www.transgender-network.ch
Partnerorganisation von Schutzfaktor M
Diese Menschen kommen mit einem eindeutig Die Transcommunity fordert klare Gesetzesarti-
männlich oder eindeutig weiblichen Körper zur kel. So könnten zum Beispiel die unkomplizierte
Welt, sie identifizieren sich aber als das andere Kostenerstattung durch die Krankenkasse, die
Geschlecht, als zwischen den Geschlechtern oder zügige amtliche Anpassung des Geschlechtsein-
als ein bisschen von beiden. Viele – aber nicht alle trages oder des Vornamens schnell zur Verbesse-
– gleichen ihren Körper mit Hormonen oder mit rung des Lebens von Transmenschen beitragen.
Operationen an. Yannick Forney hat vor drei Jahren In der Schweiz leben schätzungsweise 40’000
eine Geschlechtsangleichung begonnen: Psycho- Transmenschen. Jährlich lassen ca. 200 eine ge-
therapie, auf Testosteron basierende Hormonthe- schlechtsangleichende Operation machen. «Es ist
rapie und Mastektomie (chirurgischer Eingriff im bekannt, dass die Arbeitslosenquote von Trans-
Brustbereich) haben diese wichtige Zeit seines menschen hoch ist. Es ist extrem schwierig, eine
Lebens bestimmt. Parallel dazu begann ein auf- Arbeit zu finden, wenn Sie zum Beispiel körperlich
wändiger Kampf um die Kostenübernahme durch eine Frau sind, aber Ihre Papiere auf Robert lauten ECHTE
die Krankenkasse sowie die Änderung seines Vor- und drinsteht, dass Sie männlich seien», gibt Yan- FF ENE R
BETRO en
namens und seines Geschlechtseintrages. nick Forney zu bedenken. atleb
t a u f Pr i v n l e b e n
h e
> Rec auf Famili nierung
e c h t k r i m i
>R
t d e r Dis
o
> Verb
9 10
Margrith Bigler- WISSENSWERTES

Eggenberger:
Die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) trug wesentlich dazu bei, dass die Schweiz 1971 das
Frauenstimmrecht einführte. Die EMRK definierte schon damals den europäischen Mindeststandard der

Die erste Bundes-


Menschenrechte, dem sich auch die Schweiz verpflichten wollte. Wegen des fehlenden Frauenstimmrechts
hätte die Schweiz bei der Ratifizierung einen sogenannten «Vorbehalt» anbringen müssen. Das war der

richterin der Schweiz


Auslöser für den Protestmarsch von 1969, mit dem Frauenrechtlerinnen den Bundesrat schliesslich dazu
brachten, eine Volksabstimmung über die Einführung des Frauenstimmrechts vorzubereiten. Die EMRK ist

und ihr Einsatz für


noch heute bedeutsam für den Abbau von Diskriminierung der Frauen. Viele Frauen konnten sich beim Euro-
päischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) erfolgreich gegen Diskriminierung wehren, so etwa be-

die Gleichstellung
treffend die Berechnung der IV-Rente, bei dem Mütter benachteiligt wurden (siehe «Wissenswertes» S. 14).

Sie war 17 Jahre lang die einzige Bundesrich- Engagement für die Frauenrechte Die Menschenrechte auf dem Prüfstand
terin der Schweiz. Nur ganz knapp schaffte die Politisiert wurde sie bereits in ihrem Elternhaus. Margrith Bigler-Eggenberger weiss aus ihrem Be-
damals 39-jährige Margrith Bigler-Eggenberger «Dass Frauen mitdenken, mitentscheiden und gut rufsalltag und auch privat, dass die Menschen-
aus St. Gallen ein Jahr nach Einführung des Frau- gebildet sind, war bei uns zuhause ganz normal.» rechte unverzichtbar sind. Ihr Mann hat nur mit
enstimmrechts den Einzug ins Bundesgericht Bereits 1968 schrieb die Juristin gegen das beste- viel Glück ein Nazi-Konzentrationslager überlebt.
als Ersatzrichterin. Sie wurde 1974 dann zur hende Familienrecht an. «Damals durften Frauen «Der Vormarsch der rechtspopulistischen Partei-
vollamtlichen Bundesrichterin gewählt. Nach- nur mit der Erlaubnis ihrer Ehemänner arbeiten, en in Europa macht mir grosse Sorgen. Wenn wir
dem sie sich jahrelang für die Einführung des und sie hatten kaum Rechte bei einer Scheidung», nicht wachsam und engagiert bleiben, droht den
Frauenstimmrechts engagiert hatte, wollte sie nennt sie zwei Beispiele für die damaligen Diskri- Menschenrechten Gefahr, und das Fundament
nun mit gutem Beispiel vorangehen und die neu minierungen. Mit 33 Jahren wurde sie Versiche- unserer Demokratie wird angegriffen.»
«Manchmal braucht es erlangten Rechte nutzen. Viele wollten damals rungsrichterin in St. Gallen und Dozentin an der
den Druck von aussen. die Wahl einer Frau in diese Männerdomäne mit Hochschule St. Gallen. Weiterführende Informationen
allen Mitteln verhindern. Sie war es gewohnt, Zahlreiche Partnerorganisationen von Schutz-
Die Europäische Menschen- nicht den gängigen Rollenbildern zu entspre- Nach 123-jährigem Kampf faktor M engagieren sich für Frauenrechte in der
rechtskonvention spielte chen, und trotzte allem Widerstand. endlich das Frauenstimmrecht Schweiz und weltweit. Diese Auswahl hat keinen
eine wichtige Rolle bei der «Der Anfang am Bundesgericht war nicht ein-
Margrith Bigler-Eggenberger setzte sich aktiv
für die Einführung des Frauenstimmrechts ein.
Anspruch auf Vollständigkeit:

Einführung des Frauen- fach. Es gab Kollegen, die sich sogar weigerten, «Dass ausgerechnet die damalige Bauern-, Ge- > www.cfd.ch
stimmrechts in der Schweiz. mit mir zu sprechen», erinnert sich Margrith Big- werbe- und Bürgerpartei, die heutige SVP, das > www.frauenfuerdenfrieden.ch
Die Gleichstellung der Frau ler-Eggenberger heute. Als erste Bundesrichterin
war sie in eine Männerdomäne vorgedrungen,
Frauenstimmrecht am stärksten bekämpfte, habe
ich nie verstanden», sagt Margrith Bigler-Eggen-
> www.1000peacewomen.org
> www.iamaneh.ch
ist leider heute noch keine die sich den Frauen erst mit der Einführung des berger. «Gerade bei den Bauern hatten die Frauen > www.lawandwomen.ch
Selbstverständlichkeit.» Frauenstimmrechts geöffnet hatte. Margrith Big- doch schon immer eine sehr aktive Rolle im Ar- > www.efs-fps.ch
ler-Eggenbergers Berufswünsche hatten nie so beitsalltag.» Auch kirchliche Kreise waren beson- > www.frauenbund.ch
recht zu den damaligen Frauenrollen gepasst. Die ders skeptisch. 123 Jahre nach der Gründung der > www.terre-des-femmes.ch
Überzeugung, dass in einer modernen Demokra- modernen Schweiz 1848 gewährten die Schweizer
tie die Gleichstellung von Frau und Mann selbst- Männer den Frauen 1971 mit 65 Prozent Ja-Stim-
verständlich sein muss, ist bis heute der Motor für men endlich das Wahl- und Stimmrecht auf Bun-
ihr grosses Engagement geblieben. desebene. Bis zur Einführung des Frauenstimm-
rechts in allen Kantonen vergingen allerdings
noch weitere 20 Jahre: Im November 1990 gab das
Bundesgericht einer Klage von Frauen aus dem
Kanton Appenzell-Innerrhoden Recht und bestä-
tigte damit die Verfassungswidrigkeit der Inner-
Erstes offizielles
rhoder Kantonsverfassung in diesem Punkt. An
Bild der Bundesrich-
der Landsgemeinde im April hatten die Männer E RECHTE
terin Margrith Bigler- BETROFFEN
Eggenberger (1975) das Frauenstimmrecht erneut abgelehnt.
ierung
r Diskrimin
> Schutz vo d Wahlrecht
> Stimm- un
11 12
Tommaso Mainardi: WISSENSWERTES

Aktiv für Menschen


In der Schweizer Bundesverfassung ist der Auftrag zur Förderung der Gleichstellung von Menschen mit
Behinderungen verankert. Das Bundesgesetz über die Beseitigung von Benachteiligungen von Menschen

mit Behinderungen
mit Behinderung (BehiG) trat 2004 in Kraft. Die Schweiz hat 2014 zudem die UNO-Behindertenrechtskon-
vention ratifiziert und sich damit verpflichtet, politisch und rechtlich die nötigen Rahmenbedingungen für
die Gleichstellung zu garantieren. Eine vom Bund in Auftrag gegebene Evaluation zeigte 2015, dass nur
dort Fortschritte erzielt wurden, wo das Gesetz klare Vorgaben macht oder klare Zuständigkeiten vorsieht.
Darum ist der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) für Menschen mit Behinderungen be-
sonders wichtig.

Ein Beispiel ist der Fall von V. di Trizio, die wegen starken Rückenbeschwerden eine Invalidenrente von 50
Tommaso Mainardi ist Radiomoderator, Reg- Prozent bezog. Nach der Geburt ihrer Zwillinge wurde die Rente aufgehoben. Dies mit der Begründung, dass
gae-Sänger und Musiktherapeut aus Locarno. die Mutter aufgrund der Kinderbetreuung auch ohne Gesundheitsschaden nur noch einer Teilzeitbeschäf-
Seit seiner Geburt ist er sehbehindert. Er enga- tigung hätte nachgehen können. Gegen diese in der Schweiz gängige und von Behindertenorganisationen
giert sich mit seiner Musik und mit Sensibilisie- seit Jahren kritisierte «gemischte Methode» wehrte sich Frau di Trizio beim EGMR und erhielt Recht: Der
rungs-Workshops an Schulen für die Achtung der Gerichtshof kam 2016 zum Schluss, diese Berechnung diskriminiere (Teilzeit arbeitende) Frauen. Dank dem
Rechte von Minderheiten. Die Rechte von Men- Urteil muss die Schweiz nun diese unfaire Praxis der Invaliditätsbemessung ändern.
schen mit Behinderungen sind in der Schweiz
längst noch keine Selbstverständlichkeit. Viele
sind aus zahlreichen Lebensbereichen noch im-
mer vollständig oder teilweise ausgeschlossen,
obwohl der Anspruch auf Gleichstellung in der sind, oder dass jeder in einer schwierigen Situ- Behinderungen oft benachteiligt. Doch das Gesetz
Schweiz gesetzlich verankert ist. Der Europä- ation plötzlich auch zu einer Minderheit gehören macht es möglich, sich gegen Diskriminierung zu
ischen Menschenrechtskonvention kommt in könne und vor Diskriminierung geschützt sein wehren: Vor wenigen Jahren verweigerte ein Heil-
«Minderheiten gehören zur diesem Bereich deshalb eine besondere Bedeu- möchte. bad in Appenzell-Ausserrhoden einer begleiteten
‹menschlichen Biodiversität› tung zu. Gruppe von körperlich und geistig behinderten
Blind People Kindern den Zugang. Die Betroffenen gingen vor
und sind in ihrer Vielfalt eine Ein bösartiger Tumor der Netzhaut, der glückli- Damit die Rechte von Minderheiten geachtet wer- Gericht und erhielten Recht. Das Bad wurde 2017
Bereicherung für die Gesell- cherweise behandelt werden konnte, hat zum den, brauche es Aufklärung, erklärt der Aktivist: durch das Kantonsgericht wegen Diskriminierung
schaft. Jeder von uns kann Verlust des Sehvermögens von Tommaso Mainar-
di geführt. Trotz dieser Sinnesbeeinträchtigung
«Eine sehbehinderte Bekannte von mir wollte an
ihrer Trauung die Papiere unterschreiben. Der Be-
verurteilt. Das Verhalten der Geschäftsleitung sei
eine «Demütigung von Personen mit Behinderun-
plötzlich einer Minderheit wurde er als zweites Kind im Tessin in eine klassi- amte sagte dann, er sei nicht sicher, ob das gehe, gen», so die Begründung. In der Schweiz gibt es
angehören, das habe ich selber sche Primarschulklasse aufgenommen. Dennoch und fragte, ob sie da nicht eine spezielle Beschei- mehrere Organisationen für Menschen mit Behin-
liessen die Probleme nicht auf sich warten. Es gab nigung brauche, damit die Unterschrift gültig sei.» derungen, die sich für die Verbesserung der po-
erlebt. Alle Menschen haben regelmässig Widerstand, insbesondere von Leh- Der Musiker schreibt Lieder, deren Texte oftmals litischen und rechtlichen Rahmenbedingungen
das Recht, in Würde zu leben. rern, die der Meinung waren, ihr Unterrichtsfach die Problematik der Gleichberechtigung aufgreifen: starkmachen.
Dafür engagiere ich mich.» sei für ein Kind, das sein Sehvermögen verloren «Ich habe beispielsweise ein Stück geschrieben,
hatte, nicht von Bedeutung. das ‹Blind People› heisst. Es handelt offensichtlich Weiterführende Informationen
nicht von Menschen mit Sehstörungen, sondern > EGMR-Fall: Di Trizio vs. Schweiz (2. Februar 2016)
Engagierter Aktivist davon, dass man auf verschiedene Arten blind sein
Seit jeher setzt sich Tommaso Mainardi aktiv für kann.» > Zahlreiche Partnerorganisationen von
die Achtung der Rechte von Minderheiten ein: «In Schutzfaktor M engagieren sich für die Rechte
meinen Augen ist es extrem wichtig, sich dafür zu Schweizer Recht weist Lücken auf von Menschen mit Behinderungen. Diese
engagieren. Einerseits natürlich, um Menschen Trotz eines Gesetzes zum Schutz vor Diskrimi- Auswahl hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit:
ein würdiges Leben zu ermöglichen, und ande- nierung werden Menschen mit Behinderungen in
rerseits, weil die Minderheiten, nennen wir sie die vielen Bereichen benachteiligt. So zum Beispiel > www.inclusion-handicap.ch
‹menschliche Biodiversität›, den Reichtum der auf dem Arbeitsmarkt: Das Gesetz sieht hier kei- > www.insos.ch
Menschheit darstellen. Wenn wir sie nicht schüt- nen Diskriminierungsschutz vor, und es gibt kaum > www.procap.ch
zen, drohen sie zu verschwinden.» Tommaso Mai- Anreize für Unternehmen, Menschen mit Behinde- > www.promentesana.ch
nardi führt Sensibilisierungsarbeit in den Tessiner rungen anzustellen. Trotz gesetzlicher Auflagen > www.sensability.ch
ECHT Schulen durch. Den Schülern_innen erklärt er un- sind viele Gebäude nicht hindernisfrei zugänglich.
FF ENES R
BETRO ter anderem, dass Menschen weniger benachtei- Auch im Bereich Zugang zu Bildung oder beim
t z vo r ligt seien, wenn die Rahmenbedigungen günstig Recht auf Selbstbestimmung sind Menschen mit
> Schu ierung
in
13 Diskrim 14
Pascal Falcy: WISSENSWERTES

Zu Unrecht von
Expert_innen fordern schon seit einiger Zeit klare rechtliche Rahmenbedingungen für die Überwachung von
Versicherten in der Schweiz. Denn Foto- und Videoaufnahmen stellen einen Eingriff in die Privatsphäre dar,

seiner Versicherung
der nur vorgenommen werden darf, wenn rechtlich genau geregelt ist, unter welchen Bedingungen eine
Versicherung eine solche Massnahme anordnen darf. Erst mit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes

überwacht und
für Menschenrechte (EGMR) im Oktober 2016 entstand der nötige Druck zum Schliessen dieser Gesetzeslü-
cke. Der Gerichtshof gab einer Frau Recht, die von ihrer Versicherung überwacht worden war: Ihr Recht auf

verdächtigt
Privat- und Familienleben (Art. 8 EMRK) sei verletzt worden. Denn im schweizerischen Recht sei nicht gere-
gelt, wann eine solche Massnahme angeordnet werden darf und wie lange die Überwachung dauern dürfe,
so der Gerichtshof. Auch fehlten eine gerichtliche Überprüfungsmöglichkeit sowie Regelungen betreffend
Speicherung, Zugang zu und Gebrauch von persönlichen Daten, die aus solchen Überwachungen stammen.
Dank diesem Urteil wird die Schweiz nun endlich eine gesetzliche Grundlage schaffen müssen.

Das Leben von Pascal Falcy wurde 2009 kom- Langjähriger Kampf gegen die Versicherungen Finanzielle und psychische Belastung
plett auf den Kopf gestellt, als er nach der Arbeit Das Kantonsgericht Fribourg verurteilte die Versi- Neben den juristischen und finanziellen Aspekten
auf dem Weg zu seinem Auto auf einer Eisfläche cherung von Pascal Falcy. Das Gericht stellte fest, sind die psychologischen Konsequenzen die hef-
ausrutschte und auf den Kopf aufprallte. Er hatte dass die Interpretationen des Detektivs völlig tigsten: «Als wir erfuhren, dass wir während 10 Ta-
zwei gerissene Bandscheiben am Hals, grosse subjektiv waren und nicht dazu dienten, die Be- gen überwacht worden waren, und ich zum Simu-
Schmerzen und brauchte mehrere Operationen. rechtigung der Rentenbezüge zu beurteilen. «Der lanten erklärt wurde, war das ein riesiger Schock.
Dieser Unfall und vor allem der Umgang seiner Bericht war stark gelenkt, um ein bestimmtes Ziel So wurde uns zum Beispiel bewusst, dass der
Versicherung damit bleiben dem Familienvater zu erreichen. Zum Beispiel hatte mich ein Freund, Detektiv uns in unserem Garten gefilmt hatte. Das
«Als wir erfuhren, dass wir aus dem Kanton Fribourg bitter in Erinnerung: der im Finanzbereich arbeitet, ins Dorfrestau- beunruhigte die Familie. Die Kinder fühlten sich
während 10 Tagen überwacht Vor der zweiten Operation liess ihn die Versi- rant eingeladen, um mich etwas abzulenken. Es nicht mehr sicher. Unter diesem massiven Eingriff
cherung von einem Privatdetektiv beobachten schneite an diesem Tag und ich entschied mich, in mein Privatleben leide ich noch heute.»
wurden, und ich auch noch und stellte anschliessend die Rentenzahlun- einen schwarzen Mantel zu tragen. Der Privatde-
beschuldigt wurde, meine gen ein. Mit der Begründung, die Beschwerden tektiv meinte deswegen, dass ich arbeiten gehe, Nach drei grossen Operationen und Implantaten
gesundheitlichen Beschwer- seien gar nicht echt. Diese in der Schweiz weit
verbreitete Praxis ist ein massiver Eingriff in
einen Kunden treffe oder sonst geschäftlich aus-
ser Haus gehe. Es war eine komplett falsche In-
in der Wirbelsäule geht es Pascal Falcy heute
besser. Er ist dankbar, dass er nun wieder Teilzeit
den nur vorgetäuscht zu die Privatsphäre. Der Europäische Gerichtshof terpretation der Umstände», erzählt Pascal Falcy. arbeiten kann.
haben, war das ein grosser für Menschenrechte entschied darum 2016 in Obwohl er vor Gericht Recht bekam, ist der juris-
Schock. Unter diesem massi- einem ähnlichen Fall, dass es für diese Art von
Überwachungen eine ausdrückliche gesetzliche
tische Kampf mit den Versicherungen noch nicht
vorbei. Bisher wurden ihm bloss Entschädigungen
Weiterführende Informationen
> EGMR-Fall: V.-B. vs. Schweiz (18. Oktober 2016)
ven Eingriff in mein Privat- Grundlage brauche. für ein Jahr bezahlt. Jetzt kämpft er dafür, dass > Bericht der RTS: «Détectives,
leben leide ich noch heute.» ihm auch die restlichen zu Unrecht vorenthalte- des privés sans surveillance»
Die Überwachungen hatten in zwei Etappen statt- nen Gelder ausbezahlt werden.
gefunden und insgesamt 10 Tage gedauert. Pascal
Falcy wurde in seinem Alltag beobachtet: im Gar-
ten, beim Laufen mit dem Hund, beim Einkaufen
oder unterwegs mit seiner Familie. Aufgrund des
Berichts des Detektivs glaubte die Versicherung,
er täusche seine Beschwerden nur vor und sei
eigentlich arbeitsfähig. Und das, obwohl medizi-
nische Untersuchungen das Gegenteil bewiesen.
Die Krankentaggeldversicherung kündigte den
Vertrag mit Pascal Falcy, was einen Schneeballef-
fekt auf die Entscheidungen weiterer involvierter HTE
FFE NE REC
Versicherungen hatte, insbesondere der Invali- BETRO
n
denversicherung. Pascal Falcy wehrte sich gegen atlebe
diesen Entscheid vor Gericht. e c h t auf Priv tsphäre
>R Priva
tz der
> Schu
15 16
Hans Glor: WISSENSWERTES

Wehrte sich
Jede Person, die der Meinung ist, ihre Grundrechte seien von einem Mitgliedstaat des Europarates verletzt
worden, kann Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) einreichen. Auch

gegen die
Firmen oder Vereine (sogenannte «juristische Personen») können sich auf diese Weise gegen eine Ver-
tragsverletzung durch einen Mitgliedstaat wehren. Eine solche liegt dann vor, wenn ein Staat die in der Eu-

Diskriminierung
ropäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) garantierten Rechte verletzt. Weder der Wohnsitz noch die
Staatsangehörigkeit sind ausschlaggebend, sondern lediglich, wo die Verletzung stattgefunden hat. Das

seines Sohnes
Einreichen einer Klage ist kostenlos. Das Formular kann auf der Website des Gerichtshofes heruntergeladen
werden und per Post oder per Fax eingeschickt werden. Sobald die Beschwerde vom EGMR den Schweizer
Behörden kommuniziert wird, braucht man einen Anwalt oder eine Anwältin. Für die Übernahme der Kosten
kann ein Gesuch für Rechtsbeistand beim EGMR gestellt werden.

Hans Glor konnte es nicht fassen, als das Bun- Wehrpflichtersatz trotz Behinderung Verteidigung der Gleichbehandlung
desgericht 2004 die Beschwerde seines Soh- Hans Glors Sohn schrieb viele Briefe, sogar an den Sein Sohn war gegenüber zwei anderen Gruppen
nes ablehnte: Der junge Mann wollte trotz seiner damaligen Bundesrat Schmid, leider erfolglos. diskriminiert worden: Männer mit erheblichen Be-
Diabetes Militärdienst leisten, wurde aber für Das Bundesgericht wies seine Beschwerde 2004 hinderungen, die keinen Wehrpflichtersatz bezah-
untauglich erklärt und zu Wehrpflichtersatzzah- mit Verweis auf die gültige Praxis ab, wonach nur len, und gegenüber Männern, die aus Gewissens-
lungen verpflichtet. Gegen dieses Urteil kämpfte Personen mit einem Invaliditätsgrad von mehr als gründen Zivildienst leisten. Die Schweiz musste
der Vater aus dem Kanton Zürich bis zum Europä- 40 Prozent von der Pflicht zur Zahlung des Wehr- aufgrund des Urteils die Praxis ändern und bietet
ischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) pflichtersatzes ausgenommen seien. Sein IV-Grad nun Menschen mit leichter Behinderung Alternati-
«Man kann natürlich sagen, und erhielt Recht. Dank diesem Entscheid haben sei indessen tiefer als 40 Prozent, so das Gericht. ven innerhalb des Militärs. Hans Glor hat erfahren,
es handle sich bei diesem heute Männer mit leichten Behinderungen die wie wichtig der EGMR ist: «Man kann natürlich
Wahl zwischen Ersatzzahlungen oder Militär- Letzte Hoffnung Strassburg sagen, es handle sich bei diesem Entscheid um
Entscheid um ein Detail, dienst. «Als ich beschloss, den Fall an den Europäischen ein Detail, aber es geht um ein Prinzip – das Prin-
aber es geht um ein Prinzip – Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg zip der Gleichbehandlung. Und das ist doch das A
das Prinzip der Gleichbehand- Sein Sohn steckte 1997 mitten in der Ausbildung
zum Lastwagenmechaniker, als ihn die Diagno-
weiterzuziehen, sagten alle, ich sei total verrückt.
Aber der Gerichtshof kann Unrecht geradebiegen,
und O einer gerechten, demokratischen Schweiz.»

lung. Und das ist doch das se Diabetes erreichte. Es war das Aus für seinen wenn in der Schweiz alle Stricke reissen.» Hans Weiterführende Informationen
A und O einer gerechten, Traum, Lastwagenfahrer zu werden und die RS zu Glor erkundigte sich im Internet, wie er vorgehen > EGMR-Urteil: Glor vs. Schweiz (30. April 2009)
absolvieren. Denn im Militär war für den Diabetiker musste. Mit Erfolg: Die Richterinnen und Richter > Website EGMR: www.echr.coe.int
demokratischen Schweiz.» kein Platz, auch nicht im Zivildienst. Die Behör- waren 2009 der Ansicht, dass es möglich sein
den verpflichteten den Zürcher, rund 700 Franken sollte, leicht behinderten Personen entweder in
Wehrpflichtersatz pro Jahr zu bezahlen, obwohl er der Armee eine Funktion anzubieten, die sie trotz
Militärdienst leisten wollte. «Mein Sohn freute sich ihrer Einschränkung ausüben können, oder sie
darauf, im Militär einen Beitrag für unsere Schweiz aber zum Zivildienst zuzulassen. Das Gericht be-
zu leisten. Schliesslich durfte er nicht dienen, soll- stätigte, was Hans Glor immer gewusst hatte: Der
E te aber Ersatzzahlungen leisten, das empfanden Wehrpflichtersatz war im Falle seines Sohnes dis-
RECHT
FFENE wir als unfair», erinnert sich Hans Glor. kriminierend (Verletzung von Art. 14 und Art. 8 EMRK).
BETRO
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kann Unrech erichtshof
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der Schweiz gen, wenn in
alle Stricke
reissen.»

17 18
Seba Arab: Weiss, DIE HERAUSFORDERUNGEN DES EUROPÄISCHEN MENSCHENRECHTSSCHUTZES

was es bedeutet,
In Syrien gibt es keinen funktionierenden Menschenrechtsschutz. Weltweit stellt sich die Herausforderung,
wie internationale Menschenrechte, denen sich ein Staat verpflichtet, eingefordert werden können. Die Euro-

wenn die Menschen-


päische Menschenrechtskonvention (EMRK) ist mit ihrer Gerichtsbarkeit weltweit einzigartig. Der Europäische
Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) behandelt Fälle aus ganz Europa und verteidigt so im Namen der Mit-

rechte nicht gelten


gliedstaaten den in der EMRK definierten Mindeststandard. Gerade im Osten Europas bilden sich zunehmend
autokratische Regime, deren Machthaber mit dem Bruch von Grundrechten die eigene Macht ausbauen.

Der EGMR entschied 2016, dass Ungarn mit seinem Anti-Terror-Gesetz das Recht auf Privat- und Familien-
leben verletzte. Denn dieses erlaubte dem Staat, ohne jede Begründung und Sicherheitsgarantien für die
überwachten Personen, private Post, E-Mails und Räumlichkeiten heimlich durchsuchen zu können. 2017
Seba Arab braucht viel Mut, um über die Repres- hat das Gericht Russland wegen eines Gesetzes gegen «homosexuelle Propaganda» verurteilt, weil dieses
sionen in Syrien zu sprechen, wo die kleinste das Recht auf freie Meinungsäusserung verletzt und diskriminierend ist. Mit den Repressionen in der Türkei
Kritik Gefängnis bedeutete. Die Kurdin gehört steht der europäische Menschenrechtsschutz auf dem Prüfstein: Wann ist die rote Linie überschritten?
in ihrer Heimat zu einer verfolgten Minderheit. Wann soll ein Mitgliedstaat aus dem Europarat ausgeschlossen werden? Die einen sagen, der Mindeststan-
Schon als Kind lernte sie, ausser ihrer Familie dard werde wertlos, wenn hier nicht ein Ausschlussverfahren eingeleitet werde. Andere Stimmen betonen,
niemandem zu trauen. Sie flüchtete 2014 zu- ohne EMRK könnten zivilgesellschaftliche Kräfte die garantierten Rechte nicht mehr einfordern oder beim
sammen mit ihrem Mann vor dem Krieg aus Alep- EGMR einklagen. Diese Diskussion hat erst begonnen und wird Europa auch bezüglich anderer Staaten
po, wo sie als Ingenieurin in einem staatlichen weiterhin beschäftigen.
Betrieb gearbeitet hatte. Heute lebt das Paar im
Kanton Schwyz. Seba Arab wäre gerne in einem
Land aufgewachsen, in dem die Grundrechte ge- Seba Arab gewöhnte sich nie an das Leben in der ge Aufnahme) sind sie und ihr Mann sehr einge-
schützt werden. Diktatur, lernte aber, sich darin zu bewegen. «Wir alle schränkt in ihren beruflichen Möglichkeiten oder
wussten, dass in jedem Büro Spitzel des Geheim- in der Bewegungsfreiheit. Sie können keine Zu-
«Ich bin mit der Angst auf- Nachdem sich Hafiz al Assad 1970 an die Macht dienstes mithörten», erzählt die Ingenieurin. «Nie- kunft aufbauen. Darunter leiden sie. «Wir verste-
gewachsen, nie zu wissen, geputscht hatte, gab es nur eine Partei in Syrien. mand äusserte sich darum am Arbeitsplatz jemals hen nicht, warum es zwei Arten von Bewilligungen
Die Medien wurden gleichgeschaltet, Kritiker_in- kritisch und wir pflegten keine privaten Kontakte.» gibt – permanente und vorläufige, wir sind doch
wem ich trauen kann. An der nen verhaftet, gefoltert und getötet. Kinder wur- alle aus demselben Krieg geflüchtet», formuliert
Uni und bei der Arbeit gab es den in Ferienlagern und an Veranstaltungen dar- Als im Jahr 2000 Baschar al Assad seinen Vater Seba Arab ihr Unverständnis. Die Mehrheit der sy-
Spitzel des Geheimdienstes. auf getrimmt, ihren Präsidenten zu besingen und
zu verehren. «Die Wände haben Ohren» – diesen
nach dessen Tod ablöste, kam Hoffnung auf. Die
Repressionen schienen sich etwas zu lockern.
rischen Flüchtlinge erhält in der Schweiz nur eine
vorläufige Aufnahme.
Wer sich kritisch äusserte, Spruch hörte Seba Arab sehr oft als Kind. Ihr Vater Trotzdem gab es weiterhin sehr viele politische
wurde verhaftet. Wir hatten war Richter und sehr bedacht darauf, seine kurdi- Häftlinge und keine Medienfreiheit. Seba Arab und Es ist für die Syrerin neu, in einem Land zu leben,
keine Rechte. Menschen- sche Herkunft zu verbergen und nicht aufzufallen.
Sie verstand nicht, warum sie die Sprache ihrer
ihr Mann Azad Issa, der als Chemielehrer an ei-
nem Gymnasium tätig war, nahmen ab 2011 mit
in dem sie Kritik üben darf, ohne Repressionen zu
erleiden. «Im Asylbereich gibt es sicher auch pro-
rechte sind so kostbar, man Grosseltern nicht sprechen durfte. Als in der 7. Tausenden anderen hoffnungsvollen Syrer_innen blematische Regelungen, die verbessert werden
muss Sorge dazu tragen.» Klasse ein syrischer Held vorgestellt wurde, von an friedlichen Demonstrationen für mehr De- müssen, wie eben zum Beispiel der F-Status. Aber
dem sie wusste, dass er Kurde war, gab sie ganz mokratie in Aleppo teil. «Wir hätten nie gedacht, hier gibt es einen Menschenrechtsschutz, in Syri-
stolz ihre Herkunft preis. Fortan war sie an ihrer dass das der Anfang des Endes unserer Heimat en nicht.» Dass in Europa alle Menschen die Mög-
Schule stigmatisiert. Das war für Seba Arab der ist», sagen sie heute. 2014 mussten auch sie ihre lichkeit haben, beim Europäischen Gerichtshof für
Auslöser, im Verborgenen die kurdische Kultur und geliebte und zerbombte Stadt verlassen. Mit Hilfe Menschenrechte ihre Rechte einzuklagen, findet
Sprache kennen zu lernen. des Schweizerischen Roten Kreuzes gelangten Seba Arab besonders bemerkenswert. «Das ist
sie über die Türkei in die Schweiz. eine grosse Errungenschaft, die man unbedingt
Ende der Achzigerjahre kam sie an der Universi- schützen sollte.»
tät mit politischem Widerstand in Kontakt. Es war «Wir können nie mehr zurück, solange Assad an
lebensgefährlich, sich über Politik zu unterhalten: der Macht ist», schildert Seba Arab ihre Situati- Weiterführende Informationen
«Wenn an der Uni mehr als zwei Kurd_innen mit- on nachdenklich. «Wir waren beide Beamte und > Viele der Partnerorganisationen von
einander redeten, stand sofort der Geheimdienst gingen, ohne gekündigt worden zu sein. Jetzt Schutzfaktor M setzen sich für die Menschen-
da und nahm sie mit.» Das Regime verfolgte auch sind wir Volksverräter.» Sie war sehr erleichtert, rechte weltweit und für Frieden sowie für die
andere Minderheiten und Andersdenkende. Seba in der Schweiz in Sicherheit zu sein, und freute Rechte von Flüchtlingen und Migrant_innen ein:
Arab war sehr beeindruckt, mit wie viel Mut sich sich, ein neues Leben zu beginnen. Seba Arab www.schutzfaktor-m.ch/partnerorganisationen
Mitstudent_innen während Versammlungen der lernte rasch und gut Deutsch, wurde Aktivmitglied > Informationen über das Asylrecht und zu
Baath-Partei mit kritischen Äusserungen gegen im Turnverein und singt im örtlichen Chor. Mit ih- Aktivitäten für die Rechte von Migrant_innen
die Repression auflehnten. Sie büssten dies alle ren Fachkenntnissen wollte sie beruflich einen in der Schweiz finden sich unter anderem
19 mit ihrer Freiheit oder ihrem Leben. Beitrag leisten. Doch mit dem F-Status (vorläufi- hier: www.sfh.ch / www.sosf.ch 20
Schutzfaktor M Danke
Die Informationskampagne
für die Menschenrechte
Die Informationskampagne Schutzfaktor M – > Mobilisierung mit dem Appell «Übernehmen wir Ein grosses Dankeschön an alle, welche «Meine Geschichte, mein Recht»
Menschenrechte schützen uns engagiert sich Verantwortung für unsere Menschenrechte» durch das Herstellen von Kontakten, durch Hilfe bei der Recherche oder
seit 2014 für einen intakten Menschenrechts- > Sensibilisierung im Parlament durch die durch das Mitdenken bezüglich des Konzeptes unterstützt haben.
schutz in der Schweiz. Auch in der Schweiz sind Durchführung von Runden Tischen und Briefings
die Menschenrechte politischen Angriffen aus- unter Beisein von Expert_innen
gesetzt. Allem voran durch die Volksinitiative > Aufbau der Regiongruppen, welche helfen,
«Schweizer Recht statt fremde Richter». Gemein- die Anliegen von Schutzfaktor M in der ganzen Sie alle haben das Crowdfunding für «Meine Geschichte, mein Recht» unterstützt
sam mit Tausenden von Einzelpersonen und mit Schweiz sichtbar zu machen und damit ermöglicht, dieses Projekt zu realisieren. Ganz herzlichen Dank!
der Unterstützung von über 100 Partnerorgani- > Aufbau eines breiten Netzwerkes mit
sationen aus der ganzen Schweiz sensibilisiert Partnerorganisationen Bruno Achermann, Christine Aguet, François Aigeldinger, Silvia Althaus, Robert Ammann,
Schutzfaktor M auf die Gefahren dieser Anti-Men- www.schutzfaktor-m.ch/partnerorganisationen Kathrin Arioli, Antoine Auchlin, Marianne Baitsch, Rudolf Balmer, S. Edith Barth, Yvette Baum,
schenrechtsinitiative und auf die Wichtigkeit ei- Martin Baumeister, André Baur, Kornel Bay, Gaby Belz, Peter Berchtold, Marco Bernegger,
nes intakten Menschenrechtsschutzes. Cecilia Berther, Michelle Beyeler, Margrit Bindzi-Bossert, Rosmarie Blaser-Gisler, Werner Blatter,
Die Ausstellung «Meine Geschichte, mein Recht Samuel Bösch, Res Bosshart, Kathrin Brülhart Corbat, Ursula Brunner, Marcel Brunold, Regula
Eine Annahme der Initiative würde dazu führen, – bewegende Porträts aus der Schweiz» ist eine Burri, Thomas Camenzind, Jean Curtet, Margreth Däscher, Bertrand Demierre, Jasmine Demuth,
dass die 1974 durch die Schweiz ratifizierte Euro- Wanderausstellung, die in drei Sprachen Organisa- Dorothee Dieterich, Veronika Djelid-Boller, Armin Eberli, Monika Egli, Sylvia Egli von Matt, Fabio
päische Menschenrechtskonvention (EMRK) als tionen und Vereinen kostenlos zur Verfügung steht. Eiselin, Claudine Esseiva, Romeo Eusebio, Letizia Fiorenza, Urs Fischer, Andrea Flück von Planta,
Garantin für unsere Grundrechte ausgeschaltet Das Team von Schutzfaktor M unterstützt beim Claudia Forni, Heinz Forter, Christoph Frei, Andreas Frei, Marco Fritschi, Kurt Gabathuler, Katharina
würde. Damit ginge uns allen ein wichtiger Schutz- Entwickeln der individuellen Anlässe und stellt auf Gallizzi, Peter Gassner, Daniel Gerber, Daniel Gerber-Balmer, Patrick Gindrat, Balthasar Glättli,
faktor verloren. Ausgerechnet die Schweiz würde Wunsch Fachleute zur Verfügung. Mauro Gorgi, Thomas Xaver Graf, Blaise Robert Graf, Claude-Evelyne Grandjean, Philip Grant, Peter
durch eine faktische Aushebelung der EMRK die- Gründler, P. und H. Guggenheim, Dennis Guggenheim, Juliane Gürr, Ulrich Gut, Kaspar Häberling,
sen weltweit einzigartigen Menschenrechtsschutz Auf der Website von Schutzfaktor M finden sich Corinne Haffter Schaffner, Margot Hansjakob, Andrea L. Hartmann, Stefan Haupt, Hans Hauri, Eliza
schwächen. umfassende Informationen rund um die Anti-Men- Hauri, Susanne Heid-Roth, Esther Holl, Patricia Horgan, Edi Hubschmid, Samuel Hug, Franz-Dominik
schenrechtsinitiative sowie Formulare für Material- Imhof, Samuel Iseli, Susanna Janett, Xenia Jehle, Ruedi Jörg-Fromm, Elisabeth Joris, Regula Kägi-
Doch diese Initiative steht nicht allein. In den letz- bestellungen, Spenden oder Mitgliedschaft. Diener, Friedburg Kaufmann-Rose, Theres Keel-Kunz, Margrith Kellenberger, Jonas Keller, Katharina
ten Jahren wurden dem Schweizer Volk mehrere Kerr, Hans Koller, Heinrich Koller, Georges Köpfli, Enid Kopper, Sereina Kranenburg, Laura Kronig,
Volksinitiativen zur Abstimmung vorgelegt, deren Trägerverein der Kampagne ist Daniel Kunz, Thomas Kupferschmid, Hans Kurt, Martin Kuse, Verena Labhardt, Hedwig Lamanna,
Inhalte aus menschenrechtlicher Sicht problema- der Verein Dialog EMRK. Eliane Launaz Perrin, Kathrin Lenz, Carlo Lepori, Markus Leupp, Susanne Leuzinger, René Levy,
tisch waren. Deshalb setzen wir uns mit aller Kraft Christoph Lips, Adrian Lüthi, Francesca Machado, Stefan Mächler, Imma Mäder, Felix Marti, Emmanuel
für den Erhalt des Menschenrechtsschutzes in der www.schutzfaktor-m.ch Martinoli, Susanne Mayer, Rolf Meierhofer, Verena Meng, Hansuli Meng, Kilian Meyer, Emilio Modena,
Schweiz ein. An erster Stelle steht dabei die Infor- Tiziana Mona-Magni, Luca Mondelli, Carlo Moos, René Munz, Hans Peter Nef, Pierre Nicole,
mation – denn nur was wir kennen und schätzen, Kontakt: Verein Dialog EMRK, 3000 Bern, Claude Nordmann, Christoph Obrecht, Winfried Odermatt, Jacqueline Ott, Liza Papazoglou, Franz
können wir auch aktiv schützen und verteidigen. E-Mail: info@schutzfaktor-m.ch / Tel. 031 508 56 52 Parigger, Brigitte Perez-Frei, Hans Rudolf Peter, Serge Pfister, Udo Rauchfleisch, Gabriele E. Rauser,
Spenden: Berner Kantonalbank AG, 3001 Bern, Lorenz und Regula Raymann-Isler, Robin Reeve, Bernhard Rindlisbacher, Franz Roos, Anne Roth,
Dazu setzt Schutzfaktor M auf Zugunsten von: Verein Dialog EMRK, Hannes Rudolph, Thomas Rüst, Danou Rychen, Dori Schaer-Born, Romano Schäfer, Urs Scheibler,
folgende Aktivitäten: 3000 Bern, IBAN: CH65 0079 0042 Norina Schenker, Hans Peter Schmid, Stephan Schmid-Keiser, Christof Schmitz, Alexandra Schmuckli,
> Porträtserie «Meine Geschichte, mein Recht – 9281 1595 1, PC-Konto: 30-106-9 Peter Schneider, Martin Schori, Barbara Schütz, Marianne Schwander, Ann Schwarz, Hans-Peter
bewegende Geschichten aus der Schweiz» Sieber, Ruth Sieber Mugglin, Anita Siegfried, Ruedi Spinnler, Anna-Margaretha Stalder, Theres Steck,
www.meine-geschichte.schutzfaktor-m.ch/de Johannes Steiner, Marlise Suter, Roberto Tani, Oliver Tiller, Ulrike Ulrich, Sybille Untersee, Werner
> Produktion einfacher Informationsmaterialien van Gent, Barbara Vauthey, Orsola Vettori, Bruno Vögeli, Christine Vögtli-Buess, Peter und Eva von
> gezielte Medienarbeit für eine bessere Arx-Haas, Alex von Hettlingen, Hilary Waardenburg, Anton Weber, Florentin Westermann, Hanna Widrig,
Qualität in der Berichterstattung (u.a. Briefing Hanspeter Zehnder, Dieter Zellweger, Mathieu Ziegler, Daniela Ziemba Cuenin, Arlette Zurbuchen.
von Medienschaffenden, Medienarbeit zu den
Urteilen des EGMR oder Medienreisen an den
Gerichtshof in Strassburg)

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