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CORPUS

3 DRACULIANUM 3
CORPUS DRACULIANUM
Dokumente und Chroniken zum walachischen
3 Herausgegeben von Thomas M. Bohn,
Adrian Gheorghe und Albert Weber
Fürsten Vlad dem Pfähler 1448 – 1650

Die Überlieferung aus dem Osmanischen Reich


Postbyzantinische und osmanische Autoren

DRACULIANUM
Der dritte Band des Corpus Draculianum dokumentiert die gesamte osmanische Überlieferung
zur historischen Dracula-Gestalt. In zahlreichen, zum Teil bisher unbekannten Quellen kom-
men neben muslimischen, meist osmanischen, auch christliche postbyzantinische Autoren zu
Wort und machen den Leser mit dem „orientalischen“ Dracula bekannt. Denn Vlad, der Pfähler
war nicht nur im westlichen und östlichen Europa, sondern auch in der byzantinischen und

CORPUS
osmanischen Literatur eine bekannte und berüchtigte Gestalt. Auf Grundlage mündlicher und
schriftlicher Augenzeugenberichte, die in den Jahrzehnten nach dem Feldzug des Jahres 1462 in
Südosteuropa zirkulierten, wurde dabei ein ganz eigenes Bild des walachischen Woiwoden kre- Die Überlieferung aus
iert und tradiert, das der zeitgenössischen europäischen Überlieferung an narrativem Gehalt und
Quellenwert in nichts nachsteht. dem Osmanischen Reich
Die Quellen werden nicht nur erstmals in ihrer Gesamtheit der Forschung zugänglich gemacht,
sondern bieten sich auch als lohnende Lektüre für den allgemein an den Dracula-Mythen und
der mittelalterlichen Geschichte Südosteuropas interessierten Leser an. Die von 35 Autoren Postbyzantinische und
überlieferten Erwähnungen Vlads werden durch kritische Edition der Originaltexte mit Über-
setzung, Einführung, Bibliographie und Kommentar wiedergegeben und die Figur des Dracula
osmanische Autoren
wird so im Sinne einer „untouched biography“ in ihren authentischen historischen Kontext ge-
stellt. Die textgenealogische statistische Systematisierung und kapitelweise Darstellung der Texte
mit verschiedenen Registern, Karten und einer ausführlichen Chronologie machen die Edition
zugleich auch als enzyklopädisches Nachschlagewerk nutzbar.

Bearbeitet von Adrian Gheorghe


und Albert Weber

Harrassowitz

www.harrassowitz-verlag.de Harrassowitz

Ueberzug-Bd3-mmc.indd 1 14.11.13 15:42


Corpus Draculianum
Band 3

Bohn Dracula 3 endgültig.indd Abs11 11.11.2013 15:48:26


Bohn Dracula 3 endgültig.indd Abs12 11.11.2013 15:48:36
Corpus Draculianum
Dokumente und Chroniken
zum walachischen Fürsten Vlad dem Pfähler
1448–1650
Herausgegeben von
Thomas M. Bohn, Adrian Gheorghe und Albert Weber

Band 3
Die Überlieferung
aus dem Osmanischen Reich
Postbyzantinische und osmanische Autoren

Bearbeitet von
Adrian Gheorghe und Albert Weber

2013
Harrassowitz Verlag . Wiesbaden

Bohn Dracula 3 endgültig.indd Abs13 11.11.2013 15:48:36


Umschlagabbildung: Kryptoporträt Vlads des Pfählers (Martyrium des Hl. Andreas;
spätgotisches Altarflügelbild um 1470/80, Detail. Österreichische Galerie Belvedere, Wien).

Titelblattabbildung: Bildnis Vlads des Pfählers aus dem Augsburger Druck von 1530
(die Identität des Dargestellten ist umstritten).

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Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen
Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet
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© Otto Harrassowitz GmbH & Co. KG, Wiesbaden 2013
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Gedruckt auf alterungsbeständigem Papier.
Umschlag: Tatjana Beimler
Druck und Verarbeitung: Memminger MedienCentrum AG
Printed in Germany
ISBN 978-3-447-06989-2

Bohn Dracula 3 endgültig.indd Abs14 11.11.2013 15:48:36


Celor,
care ne-au dat vorba.
Inhalt

Einleitung
1. Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . IX
2. Transliterationssystem für die osmanischen Texte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XV
3. Abkürzungen für Periodika. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XIX
4. Allgemeine Literaturhinweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XXI
5. Kataloge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XXIV
6. Vlad der Pfähler alias Kazıklı Voyvoda. Gestalt, Dynamik und
Entwicklung des Pfahlfürstendiskurses im Osmanischen Reich . . . . . . . . . . . . . . . . XXVII

I. Die postbyzantinischen Autoren


1. Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
2. Texte und Übersetzungen
1. Laonikos Chalkokondylēs: Apodeixeis Historiōn. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
2. Kritovoulos Imbriotēs: Syngraphē Historiōn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
3. Anhang: Die griechisch-italienische Synthese
a. Doukas . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
b. Anonymus Zoras . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65
4. Postbyzantinische Ergänzungsquellen (Sphrantzēs, P.-Sphrantzēs/
Makarios Melissenos, Kleinchroniken) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75

II. Die osmanischen Autoren


1. Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81
2. Texte und Übersetzungen
1. Primärquellen
1. Enveri: Düstūr-nāme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
2. Maʿāli: Ḫonkār-nāma . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97
3. ʿĀşık Pāşā-zāde: Menākib ü tevārīḫ-i Āl-i ʿOṡmān . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103
4. Ṭūrsūn Beğ: Tārīḫ-i Ebü’l-Fetḥ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115
5. Tevārīḫ-i Āl-i ʿOṡmān / Orūc b. ʿĀdil / Rūḥi Çelebi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 141
2. Sekundärquellen
6. Ḳıvāmi: Fetiḥ-nāme-i Sulṭān Meḥmed . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 165
7. Idrīs Bitlīsi: Hašt behešt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185
8. Kemāl Pāşā-zāde: Tārīḫ-i Āl-i ʿOṡmān . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 223
9. Meḥmed Neşri: Kitāb-i Cihān-nüma . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 265
10. Aḥmed Sinān Bihişti: Tārīḫ-i Āl-i ʿOṡmān . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 271
11. Ḥadīdi: Tevārīḫ-i Āl-i ʿOṡmān . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 275
12. (Pseudo-)Rüstem Pāşa: Tārīḫ-i Āl-i ʿOṡmān . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 285
VIII Inhalt

3. Tertiärquellen
13. Ḫoca Saʿdeddin Efendi: Tācü’t- tevārīḫ. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 293
14. Musṭafa ʿAli: Künhü’l-abḫār . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 321
15. Meḥmed b. Meḥmed: Nuḫbetü’t-tevārīḫ ve’l-aḫbār . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 329
16. Ḳoca Ḥüseyn: Bedāʾi’l-veḳāʾi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 335
17. Solāḳ-zāde: Tārīḫ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 343

4. Ergänzungsquellen (Ḳārāmāni Meḥmed Pāşa, Meḥmed el-Konyevi,


Sarıca Kemāl, Lütfi Pāşa, Küçük Nişāncı, el-Lāri, Cenābi, Kātib Çelebi) . . . . . . . . 349

5. Anhang: Europäische und orientalische Synthesen der postbyzantinischen und


osmanischen Chronistik
a. Konstantin Mihajlović aus Ostrovica: Kronika turecka . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 357
b. Ḥasan-i Rūmlu: Aḥsanu’t-tawārīḫ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 373
c. Müneccim-bāşı: Ǧamiʿad-duwwāl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 385

Chronologie der im 3. Band aufgeführten Ereignisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 393

Karte (1) zum Verlauf des Feldzugs 1462 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 398


Karte (2) zum Nachtangriff am 22./23. Juni 1462. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 399

Register: Personen-, Personengruppen- und Ortsindex . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 401

Synchronische Tabelle der Erzählelemente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 407


Quantitativ-kontrastive Statistik
Einleitung

1. Einführung

Im dritten Band des Corpus Draculianum wird die gesamte gegenwärtig in der Forschung
bekannte Überlieferung aus dem Osmanischen Reich dokumentiert; hinzu kommt eine
Reihe von teilweise noch nicht edierten Quellen, die von den Bearbeitern dieses Bandes
erstmals für die Erforschung von Person und Herrschaft Vlads des „Pfählers“ (rumän. Vlad
III. „Ţepeş“, nach seinem Familienzweig auch „Drăculea“ genannt) entdeckt worden sind.
Neben den muslimischen, meist osmanischen, kommen dabei auch christliche postbyzan-
tinische Autoren zu Wort und machen den Leser ergänzend zum „europäischen“ mit dem
„orientalischen Dracula“ bekannt: Vlad der Pfähler war erstaunlicherweise nicht nur im
westlichen und östlichen Europa eine bekannte und berüchtigte Gestalt, sondern ebenso in
der postbyzantinischen und osmanischen Literatur. Durch diese außergewöhnlich große
kulturelle und auch geographische Spannweite der „Dracula-Mythen“ wird die besondere
historische und literarische Bedeutung dieses walachischen Woiwoden bezeugt. Auf
Grundlage von Augenzeugenberichten, die in den Jahrzehnten nach dem Feldzug des
Jahres 1462 in Südosteuropa zirkulierten, wurde dabei ein ganz eigenes Bild des Pfählers
kreiert und tradiert, das der europäischen Überlieferung an narrativem Gehalt und
Quellenwert nicht nachsteht. Durch Beibehaltung der Methode aus den anderen Bänden
des Corpus Draculianum – Wiedergabe sämtlicher Erwähnungen Vlads durch kritische
Edition der Originaltexte mit Übersetzung, Einführung, Bibliographie und Kommentar –
sollen diese Quellen nicht nur erstmals in ihrer Gesamtheit für die Forschung verfügbar
gemacht, sondern auch dem allgemein an den Dracula-Mythen und an der mittelal-
terlichen Geschichte Südosteuropas interessierten Leser zur Lektüre angeboten werden.
Die Klassifizierung der Autoren im vorliegenden Band orientiert sich an ihrer kulturellen
Identität und an der Herkunft ihrer Quellen. Aufgrund des vergleichsweise hohen Niveaus
der byzantinischen Historiographie liefern die griechischen Autoren die historisch zuver-
lässigsten Informationen, weswegen das postbyzantinische Quellenkapitel dem osmanischen
vorangestellt wurde.
Der erste Autor Chalkokondyles gilt zu Recht als wichtigste Quelle zu Vlad dem Pfähler.
Sein detailreiches Wissen über dessen Herrschaft und über den Feldzug Mehmeds II. gegen
die Walachei offenbaren ihn als einen kritischen Geschichtsschreiber, der sich über
Augenzeugen informierte und der trotz seiner christlichen Gesinnung teilweise osmanische
Positionen vertrat. Der zweite Autor, Kritovoulos, repräsentiert dagegen eine politische
Richtung unter den Byzantinern, die weder im Widerstand gegen die muslimischen
Eroberer noch im Paktieren mit den katholischen Mächten des Westens die Rettung der
orthodoxen Kirche und der griechischen Kultur sah, sondern in der Kollaboration mit den
neuen osmanischen Herren. Kritovoulos wurde daher zum Hofhistoriographen Mehmeds
und schrieb – obwohl ein Anhänger der byzantinischen historiographischen Tradition und
X Einleitung

Nachahmer des Thukydides – größtenteils Geschichte vom osmanischen Standpunkt aus.


Als Anhang zur postbyzantinischen Historiographie werden die beiden Autoren Doukas
und Anonymus Zoras aufgeführt. Beide entstammten, lebten und wirkten in einer
griechisch-italienischen Kontaktzone, was sich in ihren Werken nicht nur in inhaltlicher,
sondern bei Anonymus Zoras auch in sprachlicher Hinsicht niederschlug. Am Ende dieses
Quellenkapitels folgen postbyzantinische Ergänzungsquellen, die äußerst kurze, meist
zeitgenössische Erwähnungen des Feldzugs Mehmeds II. in die Walachei enthalten.
Zu den osmanischen Autoren werden in diesem Band alle gezählt, die osmanisch, arabisch
oder persisch geschrieben haben. Als Primärquellen gelten alle Texte, deren Autoren ihre
Informationen aus erster Hand bezogen oder das Beschriebene sogar selbst erlebt haben.
Hierbei handelt es sich allerdings nicht um die ältesten Berichte über den walachischen
Woiwoden, sondern um diejenigen, die bis heute erhalten geblieben sind. Zumindest
teilweise beziehen sie sich auf ältere Texte, die während des Feldzuges von 1462 oder
unmittelbar darauf verfasst worden sind, wie etwa Hofkalender und –almanache (takvim),
offizielle Siegesproklamationen 1 oder „Eroberungsbücher“ (fetih/zafer-name). Überliefert sind
diese Texte jedoch nicht. Ihre Inhalte lassen sich allerdings zum Teil anhand der
„Primärquellen“ rekonstruieren.
Der erste aufgeführte Autor, Enveri, war anscheinend ein Teilnehmer des Feldzuges von
1462 und verfasste unmittelbar darauf seine Beschreibung. Der zweite Autor Maʿali schrieb
in den 1470er Jahren ein Geschichtswerk, das er womöglich durch archivalische Quellen
ergänzte. Tursun Beğ, ebenfalls ein Feldzugsteilnehmer, ist als osmanisches Pendant zu
Chalkokondyles zu betrachten; an Umfang und Informationsgehalt stellt er die bedeu-
tendste osmanische Quelle dar, allerdings beschrieb er die Ereignisse mindestens zwanzig
Jahre später und kann überdies als Hofhistoriograph Bayezids II. (1481-1512) bezeichnet
werden. Tursun Beğ unternahm den ersten und nicht unbedingt gelungenen Versuch, in
einer hoch komplizierten osmanischen Literatursprache (inşa) ein historiographisches Werk
zu verfassen. Sehr bedeutend und geradezu ein Schlüssel für die osmanische Überlieferung
über Vlad den Pfähler/Kazıklı Voyvoda ist der stark rezipierte Klassiker Aşık Paşa-zade, der
als Derwisch und Geschichtenerzähler große Bekanntheit erlangte und erst in hohem Alter
begann, sein Geschichtswerk zu verfassen. Von den zahlreichen Anonymchroniken (Tevarih-
i Al-i Osman – Geschichten des Osmanischen [Herrscher]hauses) werden im vorliegenden
Band, abgesehen von Oruc und Ruhi, nur die älteren Fassungen und darunter
insbesondere der sogenannte Anonymus Giese wiedergegeben. Die anderen Fassungen
werden nicht mehr direkt berücksichtigt, sondern lediglich im bibliographischen Apparat
erwähnt. 2
Zu den Sekundärquellen gehören sieben Autoren, deren Werke sich unmittelbar auf die
Primärquellen stützen. Fünf davon (Hadidi, Kıvami, Sinan Çelebi, Idris Bitlisi und Rüstem
Paşa) werden erstmalig für die Erforschung der Geschichte der Donaufürstentümer
verwendet, die letzten drei sogar zum ersten Mal und nach den maßgeblich besten bezie-
hungsweise ältesten Handschriften veröffentlicht. Idris Bitlisi verdient dabei besondere

1 Wahrscheinlich nach Art derjenigen, die 1473 nach dem Sieg gegen Uzun Hasan verbreitet wurden
und historisch besser dokumentiert sind.
2 Die Systematisierung und Edition dieser Chroniken wird für einen vierten Band des Corpus Draculianum
in Betracht gezogen.
Einführung XI

Aufmerksamkeit: Sein literarischer Stil und seine komplizierte Sprache umgeben sein Werk
mit einer für Osmanisten geradezu geheimnisvollen Aura. Die sechs veröffentlichten
Tertiärquellen sind im Rahmen der biographischen Zielsetzung dieser Edition von
historisch geringer Aussagekraft und wurden nur berücksichtigt, um die Überlieferung und
Rezeption der Kazıklı Voyvoda-Tradition im Osmanischen Reich bis in die spätere Zeit
nachvollziehen zu können. Ein weiterer und vielleicht noch wichtigerer Grund ist die
Notwendigkeit einer kritischen Korrektur zum häufig etwas leichtfertigen Umgang mit den
Quellen. Vor allem Hoca Saʿdeddin Efendi wird bezüglich Vlad dem Pfähler häufig den
Primärquellen gleichgestellt und besondere Glaubwürdigkeit zugesprochen, weil er die
meisten seiner Vorgänger an literarischer Quantität und Popularität weit übertrifft und
somit den Eindruck verschafft, er könne mehr Informationen anbieten. Eine ähnliche Falle
stellt sich der Forschung auch bei Koca Hüseyn, da seine Beschreibung der Tyrannei
Kazıklıs nicht wenig an die abendländische Darstellung Vlads erinnert. Weitere Autoren wie
Mehmed bin Mehmed und Solak-zade werden wiedergegeben, da sie in Mehmed Guboglus
Sammlung enthalten sind und daher von der Forschung rezipiert wurden. Insgesamt
gesehen ist es aufgrund der umfangreichen osmanischen Publizistik der zweiten Hälfte des
16. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts nahezu unmöglich, alle
Erwähnungen Vlads des Pfählers zu erfassen. Bearbeitet und übersetzt wurden letztendlich,
abgesehen von den bereits erwähnten Ausnahmen, nur diejenigen, welche sich ausschließ-
lich auf Primär- und Sekundärquellen stützen. Alle Autoren, die Tertiärquellen verwenden,
wie etwa Cenabi und Saʿdeddin, werden lediglich in den Anhängen zu den jeweiligen Auto-
ren genannt, mitsamt einer Erläuterung der textgenealogischen Bezüge und bibliogra-
phischer Angaben. Da Saʿdeddin den letzten großen „Bestseller“ verfasste, war unver-
meidbar, dass das ihm gewidmete Kapitel das längste ist. Dieses umfasst neben der
Auflistung seiner Rezipienten und Bearbeiter auch die italienische Übersetzung seines Wer-
kes (1652), welche im Abendland recht populär war. Auch in dieser Überlieferungsklasse
werden erstmals Auszüge aus noch unedierten Autoren veröffentlicht. Alle anderen, welche
die Selektionskriterien bestanden, aber rein quantitativ von sehr begrenzter Nutzbarkeit
sind, werden in einer separaten Liste als Ergänzungsquellen mit knapper Einführung und
limitierter Bibliographie wiedergegeben und übersetzt. Dazu zählt auch Karamani Meh-
med Paşa, einer der Akteure des Jahres 1462, der als Großwesir ein arabischsprachiges
Werk verfasste oder verfassen ließ.
Der vorliegende Band umfasst somit Quellen unterschiedlicher Art und Herkunft. Alle
teilen jedoch denselben Ausgangspunkt: das Osmanische Reich. Sie sind entweder
innerhalb seiner geographischen Grenzen entstanden – am Hof der Sultane oder aber
unabhängig davon –, oder sie haben diese Quellen rezipiert und stellen daher eine
Widerspiegelung der osmanischen Historiographie dar – so etwa Hasan-i Rumlu – oder sie
haben gemeinsame Quellen und Informanten wie beispielsweise die postbyzantinischen
Historiographen; oder sie stammen von Personen, die im Reich gelebt haben und deswegen
der stil- und inhaltsbildenden Tradition angehörten, wie etwa Konstantin Mihajlović. Das
Osmanische Reich diente somit als Schlüssel der Erzählmodalitäten, aus denen die Autoren
neben den Informationen teilweise auch die Leitmotive entnahmen. Sie alle spiegeln auf
verschiedene Weisen ein gegenüber der westeuropäischen Überlieferung eigenständiges
Bild der Dracula-Gestalt wider, das Ende des 15. Jahrhunderts unter den Bewohnern des
XII Einleitung

Reiches zirkulierte, die unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten angehörten und un-


terschiedlicher ethnischer Herkunft oder Religion waren.

Schwierigkeiten und Besonderheiten des Bandes

Während der Recherchen zu den osmanischen Autoren stellte sich heraus, dass in Franz
Babingers Standardnachschlagewerk „Die osmanischen Geschichtsschreiber und ihre
Werke“ eine Reihe von Mängeln und Irrtümern enthalten sind. Daher wurden in der Bib-
liothek Süleymaniyye in Istanbul über hundert Handschriften überprüft, von denen einige
schließlich neu zugeordnet und die Existenz von Autoren wie Ayas Paşa in Frage gestellt
wurde.
Als problematisch erwies sich auch die Arbeit mit den ersten beiden Bänden des Werkes
Cronici turceşti privind Ţările Române [„Türkische Chroniken zu den rumänischen Ländern“],
welches eine Reihe willkürlich ausgesuchter osmanischer Autoren beinhaltet. Bei den
Übersetzungen handelt es sich oft um simple oder freizügige Paraphrasen der Originaltexte.
Obgleich die Edition einem nationalkommunistischen Duktus verpflichtet ist, scheuten sich
westliche Rumänienspezialisten nicht, das sich darin widerspiegelnde Dracula-Bild an ein
breites Publikum zu vermitteln. Ein weiteres Problem besteht in der Vernachlässigung der
Chronologie oder der Überlieferungsketten bei der Gegenüberstellung einzelner Autoren
durch die Forschung. Der vorliegende Band versucht daher, dieses Desiderat zu erfüllen:
Alle erzählten Episoden beziehungsweise Erzählelemente der verschiedenen Autoren wur-
den erfasst und mithilfe einer chronologischen Einordnung errechnet, aus welchen Quellen
und in welchem Umfang die späteren Autoren von den früheren wahrscheinlich abge-
schrieben haben.

Danksagungen

Aufgrund der Komplexität der vorliegenden mehrsprachigen Edition war die


Unterstützung durch zahlreiche Kollegen sehr viel wichtiger und entscheidender als in
anderen Projekten. Es ist eine angenehme Pflicht, Ihnen allen herzlichst zu danken, denn
ohne ihre strapazierbare Hilfsbereitschaft hätten die aufgestellten Zielsetzungen nicht in
diesem Maße erfüllt werden können: Die Bearbeiter wurden unterstützt bei der Beschaf-
fung von Digitalisaten wichtiger Manuskripte, die in verschiedenen Ländern, darunter auch
im revolutionären Ägypten, in verschiedenen, bisweilen recht bürokratisch geleiteten Biblio-
theken und Archiven liegen. Ohne Einsicht in diese Texte hätten die angestrebte Vollstän-
digkeit der Edition sowie das Auffinden bislang unbekannter Autoren nicht gewährleistet
werden können.
Wichtige Hilfe wurde des Weiteren über viele Monate hinweg bei der Bearbeitung eines
Teils der Originaltexte gewährt. Bei der Erstellung der kritischen Texte der postbyzan-
tinischen Autoren und ihrer Übersetzung leisteten die Byzantinisten Dr. Mihajlo Popović
(Wien), Dr. Dimitri Theodoridis (München) und Dr. Alexandru Anca (Bamberg) unver-
zichtbare Hilfe und bewiesen große Aufmerksamkeit beim Auffinden selbst kleinster Fehler.
Bei den osmanischen Originaltexten wurde wiederum die Hilfsbereitschaft von Dr.
Einführung XIII

Theodoridis beansprucht, viel Mühe wurde damit des Weiteren Dr. Özgür Savasçi bereitet,
der genug Geduld aufbrachte, um viele Autoren gründlich zu korrigieren. Die Trans-
literation eines Teils der osmanischen Texte hat Alptuğ Güney über Monate hinweg
begleitet, ebenso hat Hayim Malkhasy wichtige Lektoratsarbeit geleistet. Dr. David Arn sei
gedankt für die Unterstützung bei Korrektur und Übersetzung der vielen arabischen Texte.
Aufgrund der entscheidenden Mitwirkung beim Kapitel des Idris Bitlisi durch unsere
Kollegen Iradj Esmailpour Ghouchani, Kianoosh Sadigh und Dr. Mehr Ali Newid, der für
die Zukunft auch die erste kritische Edition der letzten beiden kātiba des Hašt Behešt
verspricht, wurde der Text entschlüsselt und hier in vollständiger Form das Kapitel über
Kazıklı Voyvoda erstmals ediert und übersetzt. Sie haben uns in der eindrucksvollsten Weise
ein Beispiel iranischer Freundschaft und Hilfsbereitschaft geboten, wofür ihnen der herz-
lichste Dank ausgesprochen sei.
Besondere Anerkennung verdient das Organisationstalent von Frau Feray Koşkun, die
selbst oder durch Freunde und Bekannte digitalisierte Manuskripte aus der Süleymaniye
Kütüphanesi beschaffte. Zu danken ist auch der Informatikerin Corina Gheorghe, ohne
deren Kenntnisse die mathematische Berechnung der Abschreibquoten der Autoren nicht
möglich gewesen wäre. Nichtsdestoweniger bedankt sich ihr Ehemann für das geduldige
Zuhören seiner langen Ausführungen über Kazıklı Voyvoda, für ihre Unterstützung und
Anregungen. Unvergessen ist auch der Beitrag von Herrn Direktor Dr. Florin Rotaru,
Leiter der Bukarester Metropolitan- und der Digitalen Bibliothek Rumäniens, der quasi auf
unsere Bitten hin und äußerst zügig wichtige und seltene Forschungsliteratur auf
Bibliothekskosten digitalisieren ließ. Gedankt sei auch Dr. Daniel Ursprung und Dr. Liviu
Câmpeanu, die wichtige Hinweise auf die aktuelle Forschungsliteratur zu den Donau-
fürstentümern beisteuerten, sowie, ein weiteres Mal, Dr. Alexandru Anca und Dr. Silviu
Anghel, die bei der Rekonstruktion der im Band beschriebenen Ereignisse sowie bei weiter-
gehenden Korrekturen der Chronologie und der Karten äußerst hilfreich gewesen sind.
Etwaige Irrtümer und Fehler in den Originaltexten, Übersetzungen oder Kommentaren,
wie sie leider nie und vor allem in einer mehrsprachigen kritischen Edition nicht zu
vermeiden sind, verantworten freilich allein die Bearbeiter. Sie haben in Viktor Schneider
immerhin einen fleißigen Korrekturleser gefunden.
Der leitende Wunsch der Bearbeiter des vorliegenden Bandes war es, ein minuziös doku-
mentiertes und bearbeitetes Werk zu schaffen, das neben der unterhaltenden Lektüre auch
über eine längere Zeit als Nachschlagewerk im wissenschaftlichen Umgang dienen kann.
Ob der dritte Band des Corpus Draculianum eine gelungene Begleitung durch das byzan-
tinisch und osmanisch erzählte Leben Vlads des Pfählers ist, mag der geneigte Leser selbst
entscheiden.

Adrian Gheorghe, Albert Weber


München-Regensburg, September 2013
2. Transliterationssystem für die osmanischen Texte

Wie alle Bände des Corpus Draculianum spiegelt auch der vorliegende dritte Band den
heutigen wissenschaftlichen Stand wider. Für die Originaltexte werden daher die bis dato
besten beziehungsweise Standardeditionen verwendet, die – je nach Möglichkeit – auch mit
den jeweiligen Hss. abgeglichen wurden; an einigen Stellen wurden eigene textkritische Bei-
träge geleistet.

Allgemeine Angaben

Die Originaltexte werden möglichst vorlagentreu mit ihren jeweiligen Schreibfehlern oder
konfusen Stellen wiedergegeben. Die Berichtigungen werden im kritischen Apparat,
Ergänzungen jedoch direkt im Text vorgenommen. Der Apparat beinhaltet neben den Les-
arten verschiedener Hss. auch die in den kritischen Editionen bevorzugten Varianten.

Legende:
Am Rand fett geschrieben: Seitenzahl der bevorzugten Hs.
"()" im Text, kleiner geschrieben: Zeilen in Hs.
"[]" kleiner, fett und kursiv geschrieben: Seitenzahlen verschiedener Editionen.
"|" trennt die Hs.-Seiten.
"[]" gehört nicht zum Originaltext: Ergänzungen, kritischer Apparat, Seitenzahl,
Zeilennummerierung
"()" Ergänzungen, welche die Übersetzung präziser machen oder Originalbegriffe /
Schlüsselbegriffe im Text der Übersetzung.
Am Rand die Seiten der Hs. bzw. der Standardausgabe in arabischen Ziffern
Im Text kursiv bzw. fett Seitenzahl verschiedener Editionen
„“ direkte Rede (mit normaler Schrift) bzw. Zitate
Kursiv relevante Personen- und Ortsnamen; Schlüsselbegriffe; Koranzitate; lyrische Einschü-
be

Postbyzantinische und andere nicht-osmanische Texte

Alle nicht in osmanischer Sprache verfassten Texte (griechisch, persisch und arabisch) wer-
den in der Originalschrift wiedergegeben, da Leser mit Vorkenntnissen in diesen Sprachen
mit dem jeweiligen Alphabet bereits vertraut sind.

Zur Transkription osmanischer Texte

Die Transkription der osmanischen Texte versucht einerseits die Rekonstruktion des ara-
bisch-osmanisch geschriebenen Textes für den fachlich kundigen Leser zu ermöglichen und
XVI Einleitung

andererseits die verschiedenen Abweichungen und Schreibweisen zu erläutern. Durch Wie-


dergabe der alttürkisch-osmanischen Texte in lateinischem Alphabet sollen diese für Leser
mit Türkischkenntnissen leichter lesbar gemacht werden.

Legende: 3
Kennzeichnung langer Vokale (ausgenommen die Schlussvokale): a – ā; i – ī; u – ū.
Die Verben werden nach den Regeln der moderntürkischen Sprache transkribiert:
- ohne Kennzeichnung der Vokallängen (Ausnahmen begründet)
- yumuşak g (ğ) für ‫ ﮎ‬und ‫غ‬: z.B. ‫ ﻳﻮق‬yoḳ – ‫ ﻳﻮﻗﻴﺪي‬yoğıdı. Dies gilt sowohl für k als
auch für ḳ und ġ (wie in ‫ ﻳﻮغ‬yoġ – ‫ ﻳﻮﻏﻴﺪي‬yoğidi) (s. unten)
Es wird nicht die moderntürkische Vokalharmonie berücksichtigt, sondern versucht, sämt-
liche Sprachbesonderheiten des Textes bzw. die dialektalen Abweichungen wiederzugeben.

Konsonantentrennung bei allen Wörtern unberücksichtigt ihrer sprachlichen Abstammung


(bei den türkischen Wörtern weist – nach den Regeln der Vokalharmonie – die Anwe-
senheit eines harten bzw. weichen Konsonanten auf einen entsprechenden Vokal hin):
١ = a, e (am Wortanfang); o, u, ö, ü (insbesondere in arabischen Wörtern); selten i
(wenn als solches vokalisiert: z.B. İflāḳ); sonst ā
‫=ب‬b
‫=ﭖ‬p
‫ = ﺕ‬t (weich) ≠ ‫ = ﻁ‬ṭ (hart)
‫ = ﺙ‬ṡ (in arabischen Wörtern)
‫=ج‬c
‫ = ﺡ‬ḥ (im Arabischen aspiriertes h)≠ ‫ = ﺥ‬ḫ (hartes h) - ‫ = ﻩ‬h (neutrales h; im
Persischen und Osmanischen wird nicht zwischen h und ḥ unterschieden)
‫=ﺩ‬d
‫ = ﺫ‬ẕ (weich) ≠ ‫ = ﺽ‬ż (hart)
‫=ر‬r
‫ = ﺯ‬z (weich) ≠ ‫ = ظ‬ẓ (hart)
‫ = ﮊ‬j (selten)
‫ = ﺱ‬s (weich) ≠ ‫ = ﺹ‬ṣ (hart)
‫=ﺵ‬ş
‫ = ﻉ‬ʿ ≠ ‫( ͗ = ﺀ‬auch von ‫و‬,١ und ‫ ي‬getragen, jedoch separat umgeschrieben: zuerst
der Träger und dann der Getragene)
‫ = غ‬ġ (wie in ġayr); ğ (mit harten Vokalen: ‫ اﳌﻐﲔ‬olmağın; vgl. unten) ≠ ‫( ﮎ‬s. unten)
‫=ف‬f
‫گ‬/‫ = ﮎ‬k (weiches k); g (für türkische und persische Wörter), ğ (mit weichen
Vokalen: ‫ ﮐﻠﺪﮐﲔ‬geldüğin); ñ (für die türkischen Endungen) ≠ ‫ = ﻕ‬ḳ (hartes k)
‫=ﻝ‬l
‫=ﻡ‬m
‫=ﻥ‬n
‫ = و‬v (am Anfang des Wortes); sonst o, u, ö, ü (für die türkischen Wörter); ū (für
alle Wörter, um Vokallänge zu markieren)

3 Vgl. Robert DANKOFF: Evliya Çelebi in Bitlisi. The relevant section of the Seyāḥatnāme. Leiden 1990, S. 27-37.
Transliterationssystem XVII

‫ی‬/‫ = ي‬y (am Anfang des Wortes; als Semikonsonant verstanden); ė (in türkischen
Wörtern – vgl. unten ‫ي‬١ – z.B. ‫ وﻳﺮﻣﻖ‬vėrmek 4); sonst y oder ī (innerhalb des Wortes)
3F

‫( ﻩ‬innerhalb des Wortes) = ê und â (meist in den türkischen Wörtern zwischen dem
Stamm und den Endungen wie in ‫ ﮐﻮﻧﺪەرب‬göndêrüb oder ‫ اﻗﺮەﺑﺎ‬aḳrâba; dieselbe Regel
in ähnlichen Fällen für ١; e als Schluss-‫ ;ﻩ‬sonst h

‫ = ﺁ‬ā (١ als Träger für ein weiteres ١; daher als langer Vokal betrachtet)
‫ي‬١ = ė (in türkischen Wörtern: z.B. ‫ اﻳﺪب‬ėdüb) und i (in persischen Wörtern) wenn
١ der Träger des ‫ ي‬ist zur Wiedergabe des i als Vokal; ey (nur wenn beide Buch-
staben unabhängig betrachtet werden)
‫و‬١ = o, u, ö, ü (١ als Träger des ‫ و‬hebt seine Rolle als Vokal hervor)
’ = kontrahierte Wörter bzw. Ligaturen (z.B. beytü’l-ʿOṡmāniye anstatt beyt al-
ʿOṡmāniye); sonst dieselben Funktionen wie im Moderntürkischen (z.B. Edirne’den)

Die Koranzitate werden nach etablierten arabistischen Regeln wiedergegeben,


welche folgende Abweichungen zu den obigen Regeln aufweisen:
‫=ث‬ṯ
‫=ج‬ǧ
‫=ﺫ‬ḏ
‫=ﺵ‬š
‫=ﻕ‬q
‫ = و‬w, ū
Die Endungen, die nur in der Aussprache präsent sind, werden klein geschrieben,
z.B.: wa qaryatun

"~" für zusammengeschriebene Wörter (nicht zusammengehörend, aber dennoch zusam-


mengeschrieben)
"–" für zusammengesetzte Wörter und das izafet (im Originaltext jedoch getrennt geschrie-
ben)

Zu den Übersetzungen

Die Übersetzungen sind als Begleitung zum Originaltext zu verstehen und sollen und kön-
nen dessen Lektüre keineswegs ersetzen. Sie sind jedoch nicht ausschließlich für die Fach-
welt konzipiert, sondern wurden auch mit Berücksichtigung eines breiteren Lesepublikums
erstellt. Sie sind überdies als Lehrmaterial für Studierende gedacht, die einen Einstieg in die
Quellen und in die Thematik suchen. Die Übersetzungen sind daher bisweilen sehr aus-
führlich kommentiert, um sowohl die stilistischen Besonderheiten der Originaltexte als auch
den historischen Stoff verständlicher zu vermitteln. Zugleich wurde versucht das Grund-
konzept des Corpus Draculianum zu realisieren: Die Quellen sollen, herausgelöst aus den für
die Thematik gängigen historiographischen Narrativen, die „Rohbiographie“ (untouched
biography) Vlads des Pfählers dokumentieren und dem Leser somit die Freiheit bieten, sein

4 Wenn ‫ ورﻣﻖ‬geschrieben, dann vermek gelesen.


XVIII Einleitung

eigenes historiographisches Bild zu entwickeln; es soll also den Quellen überlassen bleiben,
die Geschichte dieser Gestalt zu erzählen. Mit der wissenschaftlichen Begleitung des Quel-
lenmaterials wird dies vereinbart, indem etwa bei der Erläuterung einer konfusen Stelle die
verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten sowie einführende Sekundärliteratur ange-
geben werden. Ausnahmen erfolgen, wenn in der Fachliteratur der jeweilige Text grund-
sätzlich übereinstimmend interpretiert wird.
Die Übersetzungen richten sich – anders als allgemein üblich – nach den stilistischen Be-
sonderheiten der Originaltexte und versuchen diese unmittelbar ins Deutsche zu über-
tragen. Es werden somit keine literarischen beziehungsweise literarisierten Übersetzungen angeboten –
auch wenn solche bei der Erstellung der Übersetzung herangezogen wurden –, sondern
historische, die es vermeiden, im Originaltext nicht vorhandene Ästhetisierungen zu
konstruieren. Der daraus resultierende unkonventionelle Übersetzungsstil vermittelt somit
gerade dem mit den zeitgenössischen Quellen weniger vertrauten Leser ein historisch weit-
gehend getreues Abbild des Originals und bringt ihm auch die insbesondere von den osma-
nischen Autoren verwendeten rhetorischen Paradigmen näher. Nur bei hoch komplizierten
Texten wie etwa Idris Bitlisi – der sogar philologisch und geschichtswissenschaftlich ausge-
bildeten Muttersprachlern erhebliche Verständnisschwierigkeiten bereitet – wurde zwecks
Verständlichkeit freier übersetzt.
3. Abkürzungen für Periodika und Reihenbände

BalkSt Balkan Studies


BMGS Byzantine and Modern Greek Studies
B Byzantion
BF Byzantinische Forschungen
BOAS Bulletin of the School of Oriental and African Studies
ByzSlav Byzantinoslavica
BZ Byzantinische Zeitschrift
CSHB Corpus Scriptorum Historiae Byzantinae
CFHB Corpus Fontium Historiae Byzantinae
DOP Dumbarton Oaks Papers
JOAS Journal of Oriental and African Studies
JÖB Jahrbuch der Österreichischen Byzantinistik
MO Manuscripta Orientalia
MOG Mitteilungen Osmanischer Geschichte
REB Revue des Études Byzantines
SüdostF Südost-Forschungen
TM Travaux et Mémoires
VV Vizantiiskij Vremennik
WKZM Wiener Zeitschrift zur Kunde des Morgenlandes
ZDMG Zeitschrift der Morgenländischen Gesellschaft
ZRVI Zbornik Radova Vizantološkog Instituta
4. Allgemeine Literaturhinweise

Die folgende Liste umfasst die in den Fußnoten am häufigsten zitierte allgemeine Fachliteratur. Da
Enzyklopädien und Nachschlagewerke in den Literaturangaben zu den jeweiligen Autoren aus Platz-
gründen keine Berücksichtigung finden, werden sie an dieser Stelle aufgeführt.

4.1. Enzyklopädien

Enzyklopädie des Islam. 4 Bände. Berlin 1913-1938.


Encyclopaedia of Islam. 12 Bände. Leiden 1960-2007.
Encyclopaedia Iranica. 15 Bände. London, New York 1985-2011.
Lexikon des Mittelalters. 9 Bände. Darmstadt 1977-1999.
Türkiye Diyanet Vakfı İslam Ansiklopedisi. 40 Bände (aus 42 geplanten). Istanbul 1988-.

4.2. Nachschlagewerke

ANŪŠE, Ḥasan: Dānišnāma-ye adab-e fārsī. VI. Bd: Adab-e fārsī dar Ānātūlī wa Bālkān . Tehran
2005=1383 H.
BABINGER, Franz: Die osmanischen Geschichtsschreiber und ihre Werke. Leipzig 1927.
BAYERLE, Gustav: Pashas, Begs, and Effendis. A Historical Dictionary of Titles and Terms in the
Ottoman Empire. Istanbul 1997.
BOMBACI, Alessio: Storia della letteratura turca dall' antico Impero di Mongolia all' odierna Turchia.
Milano 1956.
Der Koran. Übers. von Rudi Paret. Stuttgart 19802.
FORRER, Ludwig: „Handschriften osmanischer Historiker in Istanbul.“ In: Der Islam 26
(1942), S.173-220.
GUBOGLU, Mihail: Tabele sincronice. Datele Hegirei şi datele erei noastre. Cu o introducere în cronologia
musulmană. Bucureşti 1955 [Standardwerk mit einigen Mängeln].
DERS. u Mustafa Ali MEHMET: Cronici turceşti privind Ţările Române, Extrase. Bucureşti 1966
(1. Bd.), 1975 (2. Bd.) und 1980 (3. Bd.).
HORN, Paul: „Aus italienischen Bibliotheken.“ In: ZDMG 51 (1897), S. 1-65.
RIĀḤI, Moḥammad-Amin: Zabān o adab-e fārsi dar qalamrow-e ʿOṯmāni. Tehran 1990=1369 H.
REINDL, Hedda: Männer um Bayezid. Prosopographische Studie über die Epoche des Sultans Bāyezīds
II. (1481-1512). München 1980.
REZACHEVICI, Constantin: Cronologia critică a domnilor din Ţara Românească şi Moldova. a. 1324-
1881. Bucureşti 2001.
XXII Einleitung

Sicill-i ʿOṡmāni. Hg. von Mehmed SÜREYA. Istanbul: Matbaa-i Amire 1890-1894=1308-
1311 H. [4. Bd., osman.]. Hg. von Nuri AKBAYAR u. Seyit Ali KAHRAMAN. Istanbul 1996
[6. Bd., türk. Übers.].
SACHELARIE, Ovid u. STOICESCU, Nicolae (Hg.): Instituţii feudale din Ţările Române: dicṭionar.
Bucureşti 1988.
STOICESCU, Nicolae: Curteni şi slujitori. Bucureşti 1968.
STOREY, C. A.: Persian Literature. A Bio-bibliographical Survey. 2 Bde. London 1929.
TRAPP, Erich u.a. (Hg.): Prosopographisches Lexikon der Palaiologenzeit. 15 Bde. Wien 1976-1996;
Online-Ausgabe unter http://hw.oeaw.ac.at/3310-3inhalt.

4.3. Internetressourcen

http://apps.brepolis.net/bmb/search.cfm (International Medieval Bibliography /


Bibliographie de Civilisation Médiévale)
http://apps.brepolis.net/lexiema/test/Default2.aspx (Lexikon des Mittelalters &
International Encyclopaedia for the Middle Ages)
http://www.iranicaonline.org
http://www.oriold.uzh.ch/static/hegira.html
http://www.ottomanhistorians.com

4.4. Studien

Im Folgenden werden diejenigen Titel aufgelistet, die mehr als einmal in den Fußnoten zitiert oder intensiv
bei der Bearbeitung der Quellen verwendet wurden. Diese Liste umfasst keine Studien über Vlad den Pfäh-
ler, da diese in der Bibliographie des ersten Bandes aufgeführt werden.

BABINGER, Franz: Mehmed der Eroberer und seine Zeit. Weltstürmer einer Zeitenwende. München
1953.
BINSWANGER, Karl: Untersuchungen zum Status der Nichtmuslime im Osmanischen Reich des 16.
Jahrhunderts. Mit einer Neudefinition des Begriffes “ḏimma”. München 1977.
CÂMPEANU, Liviu: “Nefericitul voievod Dan cel Tânăr. Intervenţiile Ungariei în
problemele dinastice ale Ţării Româneşti”. In: Acta Musei Napocensis, Bd. 45-46.
Historica II. 2008-2009, Cluj Napoca 2009, S. 13-20.
DIETRICH, Karl: Byzantinische Quellen zur Länder- und Völkerkunde. 5.-15. Jahrhundert. Leipzig
1912.
FLEISCHER, Cornell: Between the Lines: Realities of Scribal Life in the Sixteenth Century. In: Colin
HEYWOOD and Colin IMBER (Hg.): Studies in Ottoman History in Honour of Professor V. L.
Ménage. Istanbul 1994, S. 45-61.
GEORGESCU, Mircea Z.: Nume de locuri în Ţara Românească în secolele al XV-lea şi al XVI-lea.
Consideraţii morfo-sintactice şi semantice. Constanţa 2007.
Literaturangaben XXIII

GREGORIO, Giuseppe di: “Studi su copisti greci del tardo Cinquecento: I: Ancora Manuel
Malaxos.” Römische historische Mitteilungen 37 (1995), S. 97-144 und II. In: ebd. 38 (1996) S.
189-268.
HAMMER, Joseph von: Geschichte des Osmanischen Reiches, großentheils aus bisher unbenutzten
Handschriften und Archiven. Bd. 1 (1300-1520). Pest 18342.
HUMPHREYS, Robert Stephan: Historiography, Islamic. In: Dictionary of the Middle Ages VI. New
York 1985, S. 251.
HUNGER, Herbert: Die hochsprachliche profane Literatur der Byzantiner. 2 Bde. München 1978.
IMBER, Colin: The Ottoman Empire, 1300-1481. Istanbul 1990.
DERS.: The Ottoman Empire, 1300-1650. The Structure of Power. London 2002.
İNALCIK, Halil: “The Rise of Ottoman Historiography.” In: Peter Malcolm HOLT and
Bernard LEWIS (Hg.): Historians of the Middle East. London 1962, S. 152-67.
DERS.: The Ottoman Empire. The Classical Age. London 19952.
DERS. / Donald QUATAERT (Hg.): An Economic and Social History of the Ottoman Empire, 1300-
1914. Cambridge 1994.
KRUMBACHER, Karl: Geschichte der byzantinischen Litteratur von Justinian bis zum Ende des
oströmischen Reiches (527 – 1453). München 1897².
MÉNAGE, Victor Louis: “A Survey of the Early Ottoman Histories, with Studies on Their
Textual Problems and Their Sources.” 2 Bde. London 1961 [unveröff. Diss.].
DERS.: “The Beginnings of Ottoman Historiography.” In: Peter Malcolm HOLT and
Bernard LEWIS (Hg.): Historians of the Middle East. London 1962, S. 152-167; repr. in
From Empire to Republic: Essays on Ottoman and Turkish Social History. Istanbul 1995, S. 1-16.
MILEA, Vasile et alii (Hg.): Istoria militară a poporului român. Vol. 2: Epoca de glorie a oastei celei
mari, a doua jumătate a secolului al XIV-lea – prima jumătate a secolului al XVI-lea. Bucureşti
1986. MURPHEY, Rhoads: Ottoman Warfare, 1500-1700. New Brunswick 1999.
NICOL, Donald M.: The Last Centuries of Byzantium 1261 – 1453. Cambridge 2002.
NYITRAI, Istvan: “Rendering History Topical: One Aspect of a 16th Century Persian Historical Epic in
the Ottoman Empire.” In: Acta Orientalia Academiae Scientiarum Hungarica 48/1-2 (1995), S.
109-116.
PAGE, Gill: Being Byzantine. Greek identity before the Ottomans. Cambridge 2008.
PAMUK, Şevket: A Monetary History of the Ottoman Empire. Cambridge 2000.
PANAITE, Viorel: Pace, război şi comerţ în Islam. Ţările Române şi dreptul otoman al popoarelor.
Bucureşti 1997; DERS.: The Ottoman law of war and peace. The Ottoman Empire and tribute
payers. New York 2000 [engl. Fassung] .
PAPOULIA, Basilike: Ursprung und Wesen der Knabenlese im Osmanischen Reich. München 1953.
PHILIPPIDES, Marios: “Patriarchal Chronicles of the Sixteenth Century.” In: Greek, Roman
and Byzantine Studies 25/1 (1984), S. 87-94.
DERS.: “Early Post-Byzantine Historiography.” In: Aldo BERNARDO and Saul LEVIN (Hg.).
The Classics in the Middle Ages. Binghamton 1990, S. 253-263.
SHEPARD, Jonathan (Hg.): The Cambridge history of the Byzantine Empire. 500 – 1492.
Cambridge 2008.
UZUNÇARŞILI, İsmail Hakkı: Osmanlı Devleti Teşkilatından Kapukulu Ocakları. I. Acemi Ocağı ve
Yeniçeri Ocağı. Ankara 19883.
XXIV Einleitung

5. Kataloge

Diese Liste umfasst die wichtigsten Handschriftenkataloge, insbesondere aus westeuropäischen Bib-
liotheken. Die Suche in den türkischen Bibliotheken ist dank der Zentralisierung mittlerweile erleich-
tert worden und erspart die Auflistung weiterer Kataloge; vgl. http://www.yazmalar.gov.tr.

AUMER, Joseph: Verzeichniss der orientalischen Handschriften der K. Hof- und Staatsbibliothek in
München, mit Ausschluss der hebraeischen, arabischen und persischen. München 1875.
BLASKOVICS, Jozef: Arabische, türkische und persische Handschriften der Universitätsbibliothek in
Bratislava. Bratislava 1961.
BLOCHET, E.: Catalogue de la collection de manuscrits orientaux arabes, persans et turcs formée par M.
Charles Schefer et acquise par l'État. Paris 1900.
DERS.: Catalogue des manuscrits arabes, persans et turcs offerts à la Bibliothèque Nationale par M. J.-A.
Decourdemanche. Paris 1909.
DERS.: Bibliothèque Nationale. Catalogue des manuscrits turcs. Tome Ier. Ancien fonds nos 1-396,
Supplément, nos 1-572. Paris (Bibliothèque Nationale) 1932; Tome II. Supplément, nos 573-
1419. Paris 1933.
BROWNE, Edward G.: A Hand-List of the Muhammadan Manuscripts, including all those written in
the Arabic character, preserved in the Library of the University of Cambridge. Cambridge 1900.
A hand-list, arranged alphabetically under the titles, of the Turkish and other printed and lithographed books
presented by Mrs. E.J.W. Gibb to the Cambridge University Library. Cambridge 1906.
DERS.: A Supplementary Hand-List of the Muhammadan Manuscripts, including all those written in the
Arabic character, preserved in the Libraries of the University and Colleges of Cambridge. Cambridge
1922.
DERS.: A Descriptive Catalogue of the Oriental MSS. Belonging to the late E.G. Browne. Completed and
edited with a Memoir of the Author and a Bibliography of his Writings by Reynold A. Nicholson.
Cambridge 1932.
DĀGESTĀNI, Ali Hilmi ibn Sobtān ibn Muḥammad al: Firhist'l kutubi't Turkīyati'l mavcūd fi'l
Kutubhāna al-Ḫidīwīya al-miṣriya [Verzeichnis der türkischen Handschriften aus der
ägyptischen Königlichen Bibliothek]. Kahira: Matbaatu’l ʿOsmaniyya 1889=1306 H.
DORN, Boris A: Catalogue des manuscrits et xylographes orientaux de la Bibliothèque Impériale Publique
de St. Pétersbourg. St. Pétersbourg 1852.
ETHÉ, H.: Catalogue of the Persian, Turkish, Hindûstânî, and Pushtû manuscripts in the Bodleian
Library: Part 2. Turkish, Hindûstânî, Pushtû and additional Persian manuscripts. Oxford 1930.
FLEISCHER, H.O.: Codices Orientalium Linguarum qui in Bibliotheca Senatoria Civitatis Lipsisuensis
Asservantur. Grimae 1838.
FLEMMING, Barbara: Türkische Handschriften. Wiesbaden 1968 (Verzeichnis der orientalischen
Handschriften in Deutschland XIII, 1).
FLÜGEL, Gustav: Die arabischen, persischen und türkischen Hss. der Kaiserlich-Königlichen
Hofbibliothek zu Wien. 3 Bde. Wien 1865-1867.
HAMMER, Joseph von: Catalogo dei Codici arabi, persiani e turchi della Biblioteca Ambrosiana.
Milano 1839.
GÖTZ, Manfred: Türkische Handschriften. 2 Bd. Wiesbaden 1968 u. 1979 (Verzeichnis der
orientalischen Handschriften in Deutschland III, 2 u. XIII, 4).
Literaturangaben XXV

KARATAY, Karatay: Topkapı Saray Müzesi Kütüphanesi Türkçe Yazmalar Kataloğu. 2 Bde.
Istanbul 1961.
DERS.: Topkapı Sarayı Müzesi Kütüphanesi Farsça Yazmalar Kataloğu. Istanbul 1961.
KUT, G.: Tercuman Gazetesi Kütüphanesi Türkçe Yazmalar Kataloğu I. Istanbul 1989.
DERS.: Supplementary catalogue of Turkish Manuscripts in the Bodleian Library, with reprint of the 1930
catalogue by H. Ethé. Oxford 2003.
PERTSCH, Wilhelm: Verzeichniss der Türkischen Handschriften der Königlichen Bibliothek zu Berlin.
Berlin 1889.
DERS.: Die orientalischen Handschriften der Herzoglichen Bibliothek zu Gotha II: Die Türkischen
Handschriften. Wien 1864.
RICHTER, G.: Verzeichnis der orientalischen Handschriften der Staats- und Universitäts-Bibliothek
Breslau. Breslau 1933.
RIEU, Charles: Catalogue of the Turkish Manuscripts in the British Museum. London 1888.
DERS.: Supplement to the Catalogue of the Persian Manuscripts in the British Museum. London 1895.
ROSSI, E.: Elenco dei manuscritti turchi della Biblioteca Vaticana. Vatican 1953.
TORNBERG, C. J.: Codices arabici, persici et turcici bibliothecae regiae universitas Upsaliensis. Uppsala
1849.
SCHMIDT, Jan: Cataloge of Turkish Manuscripts in the Library of Leiden University and Other
Collections in the Netherlands. Leiden 2000.
DERS.: A catalogue of the Turkish manuscripts in the John Rylands University Library at Manchester.
Leiden 2011.
SOHRWEIDE, Hanna: Türkische Handschriften. Wiesbaden 1974 u. 1981. (Verzeichnis der
orientalischen Handschriften in Deutschland XIII, 3 u. XIII, 5).
ŞEŞEN, Ramazan, Cevat ILGI u. Cemil AKPINAR: Catalogue of Manuscripts in the Koprülü
Library. 3 Bde. Istanbul 1986.
AT-TARRAZI, Nasr Allah: Fihris al-makhṭūṭāt al-Fārisīya „ilallati taqtanīhā Dār al-Kutub hattaʿām
1963 M“. 2 Bde. Kairo 1966-1967.
TTY: Istanbul Kütüphaneleri Tarih-Cografya Yazmalarz Kataloglarz. I. Turkfe Tarih Yazmalarz.
Istanbul 1943-62.
Türkiye Yazmaları Toplu Kataloğu/ The Union Catalogue of Manuscripts in Turkey, 34/IV. Ankara
1994 [Süleymaniye, Mustafa Âşir Efendi].
YARDIM, Ali: Izmir Milli Kütüphanesi Yazma Eserleri Kataloğu. 4 Bde. Izmir 1992-1997.
6. Vlad der Pfähler alias Kazıklı Voyvoda. Gestalt, Dynamik und Entwicklung
des Pfahlfürstendiskurses im Osmanischen Reich

Die folgende Kurzstudie ist an Leser gerichtet, die mit den Texten dieses Bandes zumindest
teilweise bereits vertraut sind. Sie versteht sich als ein virtueller Besuch in den
Schreibstuben der hier umfassten Autoren: Durch eine textgenealogische Analyse soll
veranschaulicht werden, welche Quellen ihnen bei der Abfassung ihrer Werke zur Ver-
fügung standen und in welchem Maße sie diese verwendet haben – was letztlich auch ihre
Methoden und Absichten verdeutlicht. Die abgedruckten Tabellen sollen dabei durch
genaue Zuordnung der jeweiligen Erzählelemente, d.h. der mitgeteilten historischen Infor-
mationen, auch eine hilfreiche Übersicht über die Textstruktur der insgesamt sechs-
undzwanzig osmanischen und fünf christlichen Autoren leisten. Insbesondere vergleichende
Untersuchungen werden somit ermöglicht.
Hierfür wurde eine synchronische Tabelle der Erzählelemente (s. Ende des Bandes) und eine
quantitativ-kontrastive Statistik (aufgeteilt nach absoluten Zahlen und nach Prozentsätzen, ebd.)
der christlichen und osmanischen Autoren erstellt: In der synchronischen Tabelle bilden die
Erzählelemente die Vertikale, die Autoren die Horizontale; dokumentiert wird, welcher
Autor welche Erzählelemente verwendet hat. Die Autoren werden dabei nach Möglichkeit
chronologisch aufgeführt. Als Erzählelement werden die minimalen epischen Bausteine der
jeweiligen Narrationen beziehungsweise Erzählungen begriffen, die entweder Informati-
onen über die Handlung oder ihre Hauptakteure oder auch grundlegende Informationen
zu den Ursachen, den Folgen oder zum Kontext beinhalten, in welchem die Handlung
stattfindet. 5 Dies stellt eine operative Definition dar, die zwecks praktikabler Wiedergabe
der Erzählelemente verwendet wird. Um die Verständlichkeit zu gewährleisten, werden die
Erzählelemente historisch-chronologisch geordnet. Ihre Eingrenzung erfolgt nicht quanti-
tativ, d.h. nach ihrem Umfang, sondern qualitativ nach ihrem narrativen Gehalt, weswegen
sie drei bis vier Wörter bis zu einer halben Seite umfassen können. Für die vorliegende Sys-
tematisierung wurde der historische Stoff der jeweiligen Werke, nicht aber die literarischen
Einschübe 6 oder übermäßig stark ästhetisch geprägten Erzählelemente verwendet, da diese
aufgrund ihrer individuellen Prägung durch die jeweiligen Autoren keine textgenealogi-
schen Rückschlüsse zulassen. Zwei Tendenzen der osmanischen Texte, welche die Identifi-
kation der authentischen Erzählelemente erschweren, sind nachweisbar: Einerseits wurden

5 Zur literaturwissenschaftlichen Theorie der oppositionellen Erzählstruktur, wie sie auch in der
manichäisch geprägten osmanischen Darstellung Vlads des Pfählers belegt werden kann, und zur
,Grammatik‘ der Strukturelemente in einer Narration vgl. Hilary P. DANNENBERG: „Die Entwicklung
von Theorien der Erzählstruktur und des Plot-Begriffs“. In: Literaturwissenschaftliche Theorien, Modelle und
Methoden. Eine Einführung. Hg. von Ansgar Nünning. Trier 20044, S. 51-68, insbesondere S. 55-57. Zur
Systematisierung von Erzählelementen vgl. Umberto ECO: The Role of the Reader: Explorations in the
semiotics of texts. London 1981², S. 157-161. Zum aktuellen Stand der mediävistischen Erzählforschung
vgl. Armin SCHULZ: Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive. Hg. von Manuel Braun u.a. Berlin 2012.
6 Für weitere theoretische Ausführungen vgl. Gisela PROCHÂZKA-EISL: “Die lyrischen Einschübe in der
altosmanischen Chronik des Âşıkpaşazâde”. In: Osmanlı Araştırmaları 15 (1995), S. 94-122.
XXVIII Einleitung

literarische Einschübe teilweise zu historischen Stoffen weiterverarbeitet, andererseits


wurden historische Stoffe bisweilen literarisiert und somit sukzessive zu literarischen
Einschüben. Das Kriterium der Parallelität von Erzählelementen, d.h. das Vorhandensein
eines Elements bei mehr als einem Autor, kann nur bedingt gültig sein bei einer Handlung,
die über Motive wie Vorbereitungen, Intentionen, Massaker, Flucht, Rückkehr, Rache etc.
verfügt, die in der narrativen Logik begründet liegen; Parallelität kann daher auch zufällig
sein (vgl. Erzählelemente des Gartens der Gepfählten mit westeuropäischer Erzählung vom
Mahl bei den Gepfählten aus den Deutschen Geschichten [2. Bd. des Corpus Draculianum]).
Aus diesem Grund wurde insbesondere auf die Authentizität der historischen Stoffe geach-
tet. Deren Textstruktur wirkt allgemein konservativer als diejenige der literarischen Ein-
schübe; sie können historische Anhaltspunkte enthalten, welche möglicherweise Authen-
tizität belegen, was bei den Einschüben nicht der Fall ist. Ein Beispiel für einen historischen
Anhaltspunkt sind Zahlen wie etwa jene über die Opfer Vlads; Chalkokondyles spricht von
20.000 Toten, ebenso Oruc, womit die Verwendung einer gemeinsamen Quelle sehr wahr-
scheinlich wird. 7 Wenn künftige Forschungen trotz der hier verwendeten Eingrenzungs-
methoden einige in der Tabelle aufgeführte Erzählelemente letztlich als literarische Ein-
schübe identifizieren, so ist dennoch anzunehmen, dass die generellen Schlussfolgerungen
zur Textgenealogie aufgrund der großen Anzahl der Autoren gültig bleiben werden.
Die quantitativ-kontrastive Statistik verwendet die Ergebnisse der Tabelle, um die
Verbindungen der Autoren zueinander in absoluten Zahlen sowie nach Prozentsätzen
statistisch zu belegen: Horizontal wird dabei angezeigt, welche Quellen der jeweilige Autor
wahrscheinlich verwendet hat (Wahrscheinlichkeitsquote), vertikal, wie intensiv der Autor
diese Quellen genutzt hat (Abschreibungsquote). Ein Beispiel: Die Erzählung des Sekun-
därautors Neşri enthält 18 Erzählelemente, die des Primärautors Aşık Paşa-zade 20. Alle
Elemente aus Neşris Erzählung sind bei Aşık Paşa-zade zu finden, woraus zu folgern ist,
dass er diesen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit als seine einzige Quelle verwendet hat
(Wahrscheinlichkeitsquote: 100 %). Rezipiert hat Neşri jedoch nicht alle Erzählelemente,
sondern nur 18 von 20 (Abschreibungsquote: 90 %). Die beiden Quoten sind meistens nicht
gleich und spiegeln das Verhältnis zwischen einem Autor und seinen Quellen wider.
In einem zweiten Schritt wird die qualitative Evaluation durchgeführt. Dabei wird die
Quellenherkunft mit gängigen textkritischen Methoden ermittelt, um die Nachteile der
quantitativen Evaluation auszugleichen: Letztere zieht ihre Schlussfolgerungen aus den
Statistiken aufgrund der Anzahl der Erzählelemente ohne Rücksicht auf ihren Umfang und
Inhalt. Je nach Forschungsabsicht oder Untersuchungsmethode können diese Erzählele-
mente hierarchisiert werden. Beispielsweise kann dabei die unterschiedliche Länge ein
Indikator sein. Deutlich wichtiger ist die Aussagekraft mancher Erzählelemente, die mit
verhältnismäßig hoher Wahrscheinlichkeit die Genealogie einer Quelle nachweisen kann.
Gerade angesichts enger Ergebnisse der Statistik ist die qualitative Evaluation entscheidend.
Auf Grundlage der beiden kombinierten Methoden wurde eine grafisch dargestellte Genea-
logie der gesamten in diesem Band beinhalteten Werke erstellt und eine Analyse der Dis-

7 Vgl. S. 17 und S. 153.


Begleitstudie XXIX

kurse 8 über Vlad den Pfähler (Drakoulis/Kazıklı Voyvoda) im Osmanischen Reich vorge-
nommen.

Historiographien im Kontrast

Vor einer statistischen Evaluation der beiden Überlieferungen müssen zunächst die grund-
legenden historiographischen und ästhetischen Unterschiede zwischen den postbyzantini-
schen und den osmanischen Autoren berücksichtigt werden: Während die byzantinische
Historiographie in der antiken, an christliche Werte angepassten Tradition verwurzelt ist,
die sich u.a. in einer analytischen Methode mit ausgeprägtem Interesse für Kausalitäten
manifestiert – die Historiographen beschäftigten sich häufig mit politischen, militärischen
sowie sozialen und wirtschaftlichen, bisweilen auch mit volkskundlichen Themen, deren
Behandlung gerade für die heutige Forschung äußerst wertvoll ist –, wollen die osmanischen
Autoren vor allem die Aufmerksamkeit des Publikums auf die Einzigartigkeit des
historischen Geschehens lenken. Die byzantinische Methode kann dagegen essentiell an
Chalkokondyles veranschaulicht werden, der ohne aufwändiges literarisches Dekor die
Mechanismen beschreibt, nach denen Vlad seine Herrschaft sicherte: Er stellte eine Leib-
garde auf, die seine persönliche Sicherheit garantierte. Daraufhin ließ er die Adeligen der
Walachei, welche die Feinde seiner Partei waren und daher mit ausländischen Mächten
paktieren wollten, mitsamt ihrer Familien ermorden und verschenkte ihre Güter an seine
Gefolgsleute. Letztlich verfolgte er auch diejenigen Ungarn, die gegen seine Herrschaft agi-
tierten. 9
Keine der beiden Historiographien vernachlässigt jedoch den Stil, der insgesamt eine
überaus wichtige Rolle spielt. Die byzantinischen Autoren pflegten mit großer Sorgfalt die
antiken Modelle und bemühten sich dabei zu Ungunsten der historischen Genauigkeit um
ihre Nachahmung: antikisierende Namen, Tabuisierung der „barbarischen“ Namen und
Bezeichnungen, fiktive Diskurse usw. Auf der anderen Seite blieben die Osmanen eng an
die persische epische Tradition und an den panegyrischen Stil gebunden. Beide Historio-
graphien sind somit ausgesprochen traditionsgebunden und statisch, begreifen jedoch Infor-
mation und Unterhaltung in verschiedenen Weisen. 10
Zu diesen grundsätzlich unterschiedlichen Paradigmen der beiden Historiographien kommt
bei den osmanischen Autoren hinzu, dass der historische Stoff nicht nur zugunsten der
arabisch-persischen Rhetorik vernachlässigt wird, sondern dass sich spätere Chronisten oft
als Bearbeiter oder Kopisten betätigten: Sie gaben die früheren Autoren durch eine Neu-
gestaltung ihrer Texte wieder, die sich am eigenen literarischen Geschmack oder am ästhe-
tischen Empfinden orientierte. Gerade in der späteren Überlieferung führte dies dazu, dass
die Gliederung der Erzählung verändert wurde, wobei einzelne Elemente oder Kurz-

8 Einige weiterführende theoretische Werke: F. X. EDER (Hg.): Historische Diskursanalysen. Genealogie,


Theorie, Anwendungen. Wiesbaden 2006; A. LANDWEHR: Historische Diskursanalyse. Historische Einführungen.
Frankfurt a.M., New York 2008; R. KELLER: Wissenssoziologische Diskursanalyse. Grundlegung eines
Forschungsprogramms. Wiesbaden 2011³.
9 Vgl. S. 17.
10 Vgl. für eine genauere Betrachtung die Studien von V. L. MÉNAGE und Steven RUNCIMAN in Bernard
LEWIS und P. M. HOLT (Hg.): Historians of the Middle East. London 1961.
XXX Einleitung

informationen umgestellt, weggelassen oder hinzugefügt wurden. Dennoch können die


osmanischen Chroniken nicht insgesamt als Quellen zweiter Hand betrachtet werden, da
gerade die frühen Autoren in ihren Werken von Augenzeugen der Ereignisse stammende
Quellen verarbeitet haben. Für den heutigen Forscher, der die jeweiligen Rhetorikmuster
identifiziert hat, halten sie daher äußerst wertvolle historische Informationen bereit.

Varianten der Überlieferungen

Da eine Tradition der Dracula-Gestalt sich in der postbyzantinischen Historiographie nicht


bilden konnte, bespricht dieses Kapitel ausschließlich die osmanischen Autoren. Für ein
leichteres Verständnis der Überlieferung wird diese im Folgenden systematisiert. Fünf Fas-
sungen der Überlieferung der Primärquellen und zwei Varianten sind chronologisch geord-
net voneinander zu trennen:
1. Enveri: Düsturname. Dieses Werk wurde kurz nach dem Feldzug in die Walachei gegen
Ende der 1460er Jahre gedichtet. Es beruht auf eigener Anschauung und Erfahren des
Autors und auf Informationen aus einem heute verlorenen Werk, das diese militärische
Unternehmung ausführlich beschrieben haben dürfte. Der sehr simple Bericht konzentriert
sich, abgesehen vom Stil und den daraus entstehenden narrativen Konzessionen, ganz auf
die Ereignisse. Der Name des walachischen Woiwoden wird nicht erwähnt, aber man kann
ihn aufgrund der Übereinstimmungen mit den anderen Berichten eindeutig identifizieren.
Eine klar umrissene Identität besitzt er nicht: Die starken Anachronismen – beispielsweise
wird der Feldzug gegen die Walachei von 1462 vor der christlichen Niederlage im Kosovo
von 1448 beschrieben – weisen auf die anzunehmende Komprimierung zweier Figuren hin:
Vlad Dracul (Drakula voyvoda) und sein Sohn, Vlad der Pfähler (Drakula-oğlu voyvoda).
2. Zeitgleich mit Enveri entstanden die ursprünglichen Fassungen des Oruc, dessen
historiographische Tätigkeit stark zwischen der eines Kopisten und der eines Bearbeiters
schwankte. Er ist einer von vielen Chronikbearbeitern, sein Name wurde aber glückli-
cherweise überliefert. Der ursprüngliche Stoff seines Werkes waren die Hofkalender oder –
almanache. Es ist aber nicht mehr eindeutig zu verifizieren, ob der Bericht über Kazıklı zum
Stoff gehörte, den er bearbeitete, oder auf einen eigenen Beitrag zurückging. Diese
Kalender und Almanache wurden jährlich am Hof des Sultans für seinen Gebrauch verfasst
und beinhalteten die für ihn relevanten Ereignisse des zu Ende gehenden Jahres. Dazu
wurden die Informationen der vorherigen Jahrgänge addiert und die Daten umgerechnet.
Diese Tatsache könnte u.a. die fehlerhafte Datierung des Feldzuges gegen Vlad (865 H.
statt 866 H.) erklären. Oruc ist der älteste Autor, der den Namen Drakula-oğlu Kazıklı
erwähnt. Die ursprüngliche Fassung seines Berichts (Oxforder Hs.) steht dem Annalenstil
nahe und bietet somit keine umfangreiche Erklärung bezüglich der Kausalität der
laufenden Ereignisse, wie etwa für den Feldzug in die Walachei. Seine chronologische
Einreihung der Ereignisse ist dagegen erstaunlich detailliert. Vlad wird vom ungarischen
König festgenommen und nach einigen Jahren freigelassen, verliert jedoch die Schlacht mit
Ţepeluş (= „Der kleine Pfähler“, Çepeluş). Nach Ţepeluş folgen Basaraba und darauf Keşiş (=
„der Mönch“, d.h. Vlad Călugărul). Der Text und die Komposition lassen keine besondere
Sorgfalt beim Stil erkennen und verweisen somit auf eine Übernahme der Informationen
aus offiziellen Vorlagen. Die ursprüngliche, den Annalen nahestehende Fassung wurde in
Begleitstudie XXXI

einer späteren Überlieferungsphase (Pariser Hs.) mit Stoffen aus einer Quelle erweitert, die
wahrscheinlich einerseits Enveri und (Pseudo-)Ruhi, andererseits Tursun Beğ (z.B. das
Tyrannenbild) rezipierte (vgl. unten).
3. Tevarih-i Al-i Osman: Die Berichte sind knapp und annalenartig. Sie interessieren sich
weder für die Kausalität noch können sie literarische oder rhetorische Qualitätsansprüche
erheben. Die Analyse und Textwiedergabe in diesem Band beschränken sich auf die
publizierten Hss. 11 und berücksichtigen nur einige anonyme Autoren. Gemäß jetzigem For-
schungsstand ist festzustellen, dass die zahlreichen erhaltenen Hss., von denen viele als
unabhängige Werke zu betrachten sind, drei Autoren nahestehen: Oruc, Anonymus Giese
beziehungsweise Aşık Paşa-zade und schließlich Tursun Beğ.
4. Tursun Beğ gilt neben Aşık Paşa-zade als Vater der Kazıklı Voyvoda-Tradition im
Osmanischen Reich. Beide stehen jedoch, wie bereits erwähnt, nicht am Anfang der
Überlieferung. Als Sekretär und Protegé des Großwesirs Mahmud Paşa und Teilnehmer
am Feldzug gegen Vlad hatte Tursun direkten Zugang zu Quellen erster Hand. Er bietet
einen sehr langen und detaillierten Bericht, ist jedoch wenig analytisch. Tursun ersetzte die
Analyse mit einem poetischen Stil und häufigen Hyperbeln, d.h. durch eine ausgeprägte
Tendenz zur Übertreibung. Anstatt sich auf Kausalitäten zu besinnen, setzte er auf den
teuflischen und tyrannischen Charakter des Kazıklı, um die osmanische Intervention gegen
die Walachei zu legitimieren. Dieses Argument bekräftigte er mit dem Hinweis auf die
Undankbarkeit Kazıklıs gegenüber seinem Herrn, mit dessen Unterstützung er seine Macht
und Überlegenheit über seine Feinde erreicht hatte. Tursuns Publikum soll sich offenbar die
ad hoc-Rebellion des Kazıklı aus seinem labilen Charakter erklären. Daher verlangt der Sul-
tan in der Erzählung einen Loyalitätsbeweis und fordert die persönliche Abgabe des jähr-
lichen Tributs. Die diplomatische Weigerung des walachischen Woiwoden mit der Begrün-
dung, das Land sei politisch nicht stabil, liefert den Kriegsgrund. Darauf folgt eine Invasion
durch ein massives Heer von 300.000 Mann. Der unmittelbare Kontakt mit den dar-
gestellten Ereignissen ermöglicht es dem Autor, einen detaillierten Bericht über diesen
Feldzug zu bieten. Das walachische Heer wird in zwei Etappen massakriert: Zunächst
überleben von den 7.000 von Vlad gegen den moldauischen Woiwoden ausgesandten Rei-
tern, welche die akıncıs des Evrenos Beğ-oğlu Ali Beğ in einen Hinterhalt locken wollten,
aber unerwartet auf das Großheer des Sultans stießen, nur 700. Danach kommen drei
Viertel des Heeres um, das den Nachtangriff unternommen hatte. Vom Rest wird ein
Drittel auf dem Rückweg getötet, ein weiteres Drittel (3.700 Mann) gefangen genommen
und später vor dem Sultan hingerichtet. Kazıklı flieht zum ungarischen König, wird aber
festgenommen und „schickt [dort] seine Seele in die Hölle“.
5. Aşık Paşa-zade: Menakib ü Tevarih-i Al-i Osman (Die Denkwürdigkeiten und Geschichten
des Osmanischen Hauses). Im Gegensatz zu Tursun versucht Aşık Paşa-zade die politischen
Ereignisse zu erklären, wobei er eine ausführliche Argumentation verwendet. Der ver-
gleichsweise deutlich kürzere Bericht fokussiert auf die Kausalität dieses Konfliktes und
bietet eine Reihe von Neuerungen: Während der Belagerung Trapezunts erwähnt Aşık
Paşa-zade keine Aktionen des Kazıklı gegen die osmanischen Territorien südlich der Donau.

11 Eine künftige komparative Untersuchung der über 30 Hss. stellt aufgrund der bisweilen erheblichen
Überlieferungsunterschiede ein dringendes Desiderat dar und kann auch bezüglich Vlads des Pfählers
zu neuen Erkenntnissen führen.
XXXII Einleitung

Der walachische Woiwode sendet wie gewöhnlich seine Boten, um dem Sultan zu seiner
neuen Eroberung zu gratulieren. Daraufhin kehren die walachischen Boten mit einem
osmanischen çavuş zurück, der das persönliche Erscheinen des Woiwoden am Hof des
Sultans fordert. Der Woiwode zeigt sich bereit, dem nachzukommen, macht seine Reise
aber von der Präsenz eines osmanischen Heeres an der walachischen Grenze abhängig, um
dafür Sorge zu tragen, dass die von den Bojaren ausgehende politische Instabilität nicht
zum Verlust des Thrones führe. Unerwartet greift der Woiwode dieses osmanische Heer an,
enthauptet ihre Führer und schickt die Köpfe an den ungarischen König als Zeichen seiner
Rebellion gegen die Osmanen. Dadurch wird die anschließende Intervention des Sultans
gerechtfertigt. Vom Feldzugsgeschehen erwähnt der Autor nur das Verstecken des Woi-
woden nach der Invasion, den Nachtangriff und seine Niederlage. Ähnlich wie Tursun
beendet auch Aşık Paşa-zade seinen Bericht mit dem Hinweis auf die Unterwerfung des
Landes und auf die Inthronisation Radus, des jüngeren Bruders des Kazıklı Voyvoda.
Je nach Intention der späteren Autoren wird die Überlieferung durch zwei, quantitativ und
inhaltlich unterschiedliche Varianten gestaltet: durch eine lange und oft pompöse sowie
durch eine kurze und informationsärmere. Die lange findet sich bei Tursun Beğ, Idris
Bitlisi, Kemal Paşa-zade, Hoca Saʿdeddin Efendi, Mustafa Ali und Koca Hüseyn. Auf die
kurze Variante beschränken sich Aşık Paşa-zade, Neşri, Kıvami, Ahmed Sinan Çelebi,
Hadidi, Rüstem Paşa, Mehmed bin Mehmed, Solak-zade und Müneccim-başı.
Die späteren Berichte über Kazıklı Voyvoda sind lediglich Nacherzählungen, Zusammen-
fassungen oder stilistische Neumodellierungen der Schriften von Idris Bitlisi und Kemal
Paşa-zade. Bei den kurzen Varianten handelt es sich meist um detailgetreue Kurzfassungen
der älteren Chronisten. Zusammenfassungen erfolgen auf zwei Arten: 1. Komprimierung
der ursprünglichen Information, wobei die stilistischen Ornamente häufig wegfallen und
der Inhalt essentiell dargestellt wird (abgesehen von vielen Missverständnissen oder Fehl-
interpretationen), und 2. Beseitigung bestimmter Passagen, welche dem Autor für seine
Absichten unwichtig erschienen (z.B. Neşri). Im Falle längerer Varianten bieten sich den
Autoren wiederum zwei Möglichkeiten: 3. stilistische Überarbeitung des abgeschriebenen
Fragments (z.B. Kıvami, Kemal Paşa-zade oder Idris Bitlisi), oder 4. Rezeption der
Information sowie dem eigenen Verständnis angepasste Assimilation und Wiedergabe (z.B.
Koca Hüseyn).

Auf der Suche nach der verlorenen osmanischen Urquelle

Wie im Laufe der Bearbeitung des Editionsbandes festgestellt wurde, handelt es sich bei den
hier als Primärquellen aufgeführten Werken aus methodischer Perspektive tatsächlich um
Derivate einer oder mehrerer nicht mehr erhaltener schriftlicher Quellen – obwohl einige
Autoren Augenzeugen des berichteten Geschehens waren.12 Um die Mechanismen nach-
vollziehen zu können, denen die Abfassung dieser Werke unterlag, muss das zeitgenössische
Verständnis von Historiographie berücksichtigt werden: Es war im Mittelalter üblich, dass
selbst bei der Abfassung von Memoiren schriftliche Vorlagen und Quellen benutzt wurden,

12 Die Tabelle und die Statistik der Erzählelemente berücksichtigen jedoch nicht die eigene Erfahrung
oder Autopsie der jeweiligen Autoren, sondern ausschließlich ihre erhaltenen Werke.
Begleitstudie XXXIII

damit der Text mit einer Fülle von Details ausgestattet werden konnte und somit beim
Leser authentisch wirkt. Diese Details wären sonst infolge des natürlichen Prozesses des
Gedächtnisverlustes nur schwer und konfus weitergegeben worden. Der Rückgriff auf
schriftliche Quellen konnte dabei so weit reichen, dass sogar Augenzeugen historischer
Ereignisse diese in ihren Werken nicht authentisch beschrieben, sondern von einer schriftli-
chen Vorlage kopierten. 13 Von den hier wiedergegebenen osmanischen Autoren bekennt
sich lediglich der Feldzugsteilnehmer Enveri offen dazu, eine Vorlage verarbeitet zu haben
und verweist auf das Werk Teferrüc-name, das mehr zum Kampf zwischen dem Sultan und
Vlad zu erzählen habe. Dennoch hat Enveri anscheinend auch das eigene Erleben in seine
Erzählung eingehen lassen – womit die Rekonstruktion seiner Vorlage erschwert wird –,
nämlich diejenigen Passagen, die er in erster Person wiedergibt. Dass sie wahrscheinlich
nicht in Teferrüc-name enthalten sind, wird dadurch belegt, dass diese Erzählelemente – der
letzte Zusammenstoß bei Buzău sowie das Feld der Gepfählten – bei keinem anderen Autor
als bei Chalkokondyles anzutreffen sind. Sogar der Augenzeuge Tursun Beğ lässt die Epi-
sode über das Feld der Gepfählten unerwähnt. Ausschlaggebend für sein Schweigen waren
vermutlich politische Gründe: Vlad sollte nicht so dargestellt werden, als wäre er in der
Lage gewesen den osmanischen Untertanen und Verwaltern Schaden zuzufügen.
Die bei Beginn der Bearbeitung des vorliegenden Bandes als gesichert geltende Annahme,
dass die Väter der osmanischen Drakula-Tradition Aşık Paşa-zade und Tursun Beğ gewesen
seien, musste somit einer Überprüfung unterzogen werden, mit dem Ergebnis, dass sie fort-
an nuanciert wird: Die beiden Autoren können nach wie vor als Väter der späteren
Tradition gelten, stehen aber nicht unbedingt am Anfang der Überlieferung. Vielmehr ist
davon auszugehen, dass ihre Ausführungen auf einer heute verloren gegangenen Quelle
beruhen. Um diesen Umstand rekonstruieren zu können, müssen die vorhandenen sowie
die verlorenen Quellen gleichwertig betrachtet werden.
Die Osmanen zeichneten im 15. Jahrhundert die als bedeutend bewerteten Ereignisse
systematisch auf. Dies geschah auf zweierlei Weisen: 1) passiv für den eigenen Gebrauch des
Hofes oder eines bestimmten geschlossenen Personenkreises oder als historische Erinne-
rung, und 2) aktiv und instrumentalisierend für politische Belange. Beide Vorgehensweisen
sind historiographisch gut belegt: Im ersten Fall die Hofaufzeichnungen und –almanache
(takvim) und im zweiten die politischen Proklamationen und die sogenannten „Bücher der
Eroberungen“ (Feth- oder Zafer-name). Die Proklamationen und die „Bücher“ (name) waren
als eine Art politischer Statements gegenüber den Nachbarn und vor allem den politischen
Konkurrenten gedacht.
Das am besten dokumentierte zeitgenössische Beispiel eines Eroberungsbuches, das auch
für Vergleiche nutzbar gemacht werden kann, ist die erhalten gebliebene Proklamation
über den – verglichen mit 1462 – äußerst bedeutenden Sieg Sultans Mehmeds II. gegen sei-

13 Ein Beispiel hierfür ist Ibn Battuta, ein berühmter Reisender des 14. Jhs. Er berichtet, dass er während
eines Schiffbruchs alle Aufzeichnungen seiner Reisen verloren habe. Nach zwei Jahrzehnten schrieb er
seinen Bericht schließlich auf. Oft erscheinen hier Beschreibungen – wie beispielsweise von Damaskus –,
die so reich an Details sind, dass sie nach einem so langen Zeitraum nicht aus seinem Gedächtnis
stammen können. Es ist nachweisbar, dass er einen Großteil seiner Beschreibungen Anatoliens u.a. von
arabischen Geographen und Historikern übernommen hat. Vgl. Ralf ELGER (Hg. und Übers.): Ibn
Battuta. Die Wunder des Morgenlandes. Reisen durch Afrika und Asien. München 2010. Der Übersetzer belegt in
seinem informativen Nachwort, dass der gesamte Bericht eine äußerst gelungene Erfindung sein dürfte.
XXXIV Einleitung

nen langjährigen Rivalen Uzun Hasan (1472/3). 14 Aufgrund ihrer Bindung an die zeit-
genössische politische Konjunktur sowie wegen ihres geringeren Unterhaltungswertes
waren diese Schriften jedoch dazu bestimmt, außerhalb des literarischen Kanons zu bleiben
und hatten daher mangels literarischer Grundlage eine zeitlich begrenzte Existenz inner-
halb der Überlieferung.
Das bei Enveri erwähnte Teferrüc-name, das ausführlich die Strafaktion gegen Vlad den
Pfähler beschrieben haben soll, ist keine Ausnahme und bis heute verloren. Es ist nicht
mehr zu klären ob diese Schrift eine Proklamation des Sieges gegen die Walachei oder eine
Retrospektive des Jahres 866 H. (1462) gewesen ist, in dessen Verlauf auch weitere wichtige
Siege errungen wurden. Der Inhalt ist allerdings in einigen wichtigen Details rekonstruier-
bar. Zunächst ist annähernd sicher feststellbar, dass Teferrüc-name in mindestens zwei Fas-
sungen zirkulierte oder eine Schrift mit ähnlichem historischem Inhalt existierte, die jedoch
prägnanter ideologisierte, da sie das Tyrannenbild tradierte. Die ideologisch neutrale
Fassung scheint die ältere zu sein: Enveri verfasste sein Werk drei Jahre (1465) nach der
Strafaktion in der Walachei, rezipiert jedoch nicht das Tyrannenbild, obwohl dieses sehr
gut in seine Darstellung des walachischen Rebellen gepasst hätte. Das Gleiche gilt auch für
Kritovoulos, der die Grundversion seines Werkes im selben Jahr niederschrieb. Das
Tyrannenbild hat in der älteren Fassung also gefehlt. Wie im Falle anderer in seinem Werk
zitierter Schriften verwendete er Teferrüc-name als Autorität für das Berichtete und versucht
damit seine Leser zu überzeugen, dass er kritisch prüfe und Quellen erster Hand verwende.
Das Werk muss also entweder recht bekannt und somit eine Autorität gewesen sein oder
aber Enveri selbst war dessen Autor.
In einer späteren Überlieferungsphase wurde das Tyrannenbild popularisiert; die älteren
Fassungen des Oruc (Hss. O und C) sowie (Pseudo-)Ruhi rezipieren es nicht: Spätestens
Ende der 1460er Jahre war es jedoch fester Bestandteil der Überlieferung, so etwa in einer
späteren Bearbeitung des Oruc (Pariser Hs.), darunter auch in der sachlicheren, um
detaillierte Chronologie bemühten Bearbeitung des annalenartigen Urtextes (Oxforder Hs.).
Auch Chalkokondyles bestätigt diese Annahme, da er erstaunlicherweise die Details dieses
Bildes getreu wiedergibt (20.000 Opfer). Auch an Doukas, der seine Quellen zuungunsten
der ihm verhassten Osmanen manipulierte, ist eine gemeinsame Quelle sichtbar.
Kritovoulos tat dies jedoch nicht: Er rezipierte höchstens die ideologisch neutrale Fassung,
falls er überhaupt andere Quellen außer den Archivalien und Augenzeugenberichten ver-
wendete. Die Abwesenheit des Tyrannenbildes in seinem äußerst ideologisierten, in starken
panegyrischen Linien geschriebenem Werk scheint zu verdeutlichen, dass im Zeitraum
1462-1465 kein Tyrannenbild existierte oder dass es sich noch nicht durchgesetzt hatte,
denn er hatte noch mehr Gründe als Enveri diese grausamen Szenen aufzuzeichnen.
Die Verbindung zwischen Enveri und Oruc P. stellt (Pseudo-)Ruhi dar, dem das
Tyrannenbild seinerseits völlig fremd ist, und Chalkokondyles. An vielen Stellen gibt
(Pseudo-)Ruhi wortgetreu einige Passagen aus Enveris Werk wieder. Seine Datierung ist
ebenso präzis wie die seines Vorgängers Enveri, die Daten stimmen bei beiden überein.
Chalkokondyles stellt als einziger die Verbindung zwischen den 20.000 Opfern und dem

14 Im gleichen Jahr erfolgte die bekannte Orchon-Proklamation auf Uigurisch sowie zwei bis heute wenig
bekannte Zafer-names von Maʿali und ʿAli b. Moluk-i Monši; dessen einzige Hs. wurde in Kairo von den
Bearbeitern des Bandes entdeckt, ist für diese Edition aber nicht nutzbar zu machen.
Begleitstudie XXXV

Feld der Gepfählten nahe Vlads Hauptstadt her, wovon auch Doukas berichtet und das von
Enveri auch persönlich gesehen worden ist. Auch Tursun mit seinem seit ihm klassischen
Bild des Gartens der Qualen um Kazıklıs Residenz scheint dieses Bild zu bekräftigen, wobei
seine ideologische Agenda ihm nicht erlaubt zu behaupten, dass der walachische Rebell so
viel Macht hatte, den „wohl behüteten islamischen Ländern“ (Memalik-i Mahruse) so schwe-
ren Schaden zuzufügen. Stattdessen lässt er den Rebellen seine eigenen Untertanen sowie
seine christlichen Nachbarn in diesem Garten quälen.
Idris und Kemal Paşa-zade scheinen aus einer (?) gemeinsamen Quelle (Teferrüc-name?) zu
schöpfen. Es kann jedoch nicht völlig ausgeschlossen werden, dass diese beiden Autoren
dabei nicht mit Aşık Paşa-zade und Tursun (zumindest) überprüft oder kombiniert haben.
Tatsache ist, dass wichtige Details, wie der Name des zweiten Gesandten, Yunus Beğ, bei
Aşık Paşa-zade beziehungsweise die gesamte Episode der ermordeten Gesandten bei Tur-
sun, nicht vorkommen, und dass die Identifizierung des Yunus mit dem Beğ von Silistra
nirgendwo zu belegen ist. Dieses Detail wird bei Enveri und Mihajlović dadurch höchstens
suggeriert, weil Silistra eines der wichtigsten Ziele von Vlads Unternehmungen südlich der
Donau war. Es ist gut möglich, dass Enveri, Tursun, Idris, Kemal Paşa-zade und Kıvami
nicht aus einer und derselben Quelle schöpften, sondern dass, ausgenommen Enveri
(sicher), die anderen (Kıvami unsicher) ein Derivat dieser Quelle verwendeten, das Gemein-
samkeiten mit dem Bericht des Aşık Paşa-zade aufweist (z.B. erhält Radu eine Identität und
wird als jüngerer Brüder Kazıklıs bezeichnet) und wahrscheinlich eine andere Quellenart
berührt.
Die hier wiedergegebene Analyse stellt freilich lediglich einen Einstieg in die Beantwortung
der Frage nach Existenz, Inhalt, Varianten und Wirkung der verlorenen osmanischen Ur-
quelle dar. Ihre Beantwortung hängt zum einen von neuen, zu erwartenden Quellenfunden
ab, zum anderen von einer künftigen kritischen Edition aller Anonymchroniken.

Das Bild des Pfählers im Vergleich – Dämonisierung oder Standarddarstellung?

Um alternative Ansätze für die Forschung zu Vlad dem Pfähler zu skizzieren, soll im
Hinblick auf die zugrundeliegenden Intentionen eine einführende Diskursanalyse der
Primär- und Sekundärautoren vorgenommen werden.
Eine gewisse „Dämonisierung“ des Kazıklı Voyvoda erfolgt nur in der längeren Fassung der
Überlieferung und beruht ausschließlich auf dem Text des Tursun Beğ. Wie sich aus der
oberen Systematisierung ergibt, ist er praktisch der einzige Autor, dessen Narration auf dem
Bild des Tyrannen basiert. Originalität kann er dabei nicht beanspruchen, denn dieses Sujet
erschien mindestens ein Jahrzehnt zuvor bereits bei Chalkokondyles. Erstaunlich erscheint
dabei die Abwesenheit dieses Sujets bei Kritovoulos, der größtenteils ähnliche ideologische
Absichten wie Tursun verfolgte und für den die Instrumentalisierung des Tyrannenbildes
daher zweifellos äußerst opportun gewesen wäre. Die einzige aggressive Stelle bei Aşık Pa-
şa-zade stellt nur eine Reflexion des Autors über die bereits erwähnten Taten dar – in
Versen als rein stilistischer Schmuck – und zeigt keine klare ideologische Intention. Aşık
Paşa-zade, Kritovoulos und Mihajlović scheinen daher diese Art der Darstellung des wala-
chischen Woiwoden nicht gekannt zu haben.
XXXVI Einleitung

In der kurzen Variante zeichnet sich durch die Abwesenheit des Tyrannenbildes eine eher
neutrale Darstellung des Kazıklı Voyvoda ab. Die Nachfolger von Oruc und Aşık Paşa-zade
weisen keine Intention der Entwicklung einer exzessiv-negativen Darstellung auf. Unter-
schiede sind nur konjunkturell und beziehen sich auf die literarische Absicht des Autors
oder Bearbeiters. Diese Tradition erreichte ihren Höhepunkt mit Idris Bitlisi und Kemal
Paşa-zade. Diese übernahmen den Kern der Narration, verpackten jedoch die ursprüngli-
che Information in einer hoch komplizierten und raffinierten literarischen Form. Mit Idris
begann auch die rhetorische Tradition der Darstellung Kazıklı Voyvodas in der Art, die
stellenweise an das abendländische Bild erinnert. 15 Keine der vorherigen Darstellungen im
Osmanischen Reich und auch nicht Chalkokondyles assoziieren den Palastgarten des
Kazıklı mit einem Ruhe- oder sogar Belustigungsort. Idris war ein Spezialist der Rhetorik,
mit welcher er den historischen Stoff ersetzt, den er selektiv von Tursun übernahm.
Verhältnismäßig bietet Idris die zweitlängsten literarischen Einschübe und unzweifelhaft die
solideste literarische Infrastruktur der osmanischen Autoren. Es war also zu erwarten, dass
er mit literarischen Mitteln und für literarische Zwecke das Tyrannenbild schmückt und
seine rhetorischen Linien bekräftigt. Die Tyrannei Kazıklıs erhält bei ihm sadistische Nuan-
cen, die jedoch nur kontextuell ausgenutzt und nicht wiederholt thematisiert werden wie
etwa im Fall der Deutschen Geschichten. Ganz im Stile der persisch-islamischen Rhetorik
sind diese Einschübe Attribute der Hauptgestalt, die das Publikum unterhalten sollten.
Diese Technik ist auch in der orientalischen Musik zu finden, bei der kompositorischer
Schmuck auftaucht, der die Essenz des Liedtextes jedoch nicht tangiert.
In einem breiteren Kontext gesehen verliert diese aggressive Tradition an Intensität. Kazıklı
Voyvoda wird per se negativ dargestellt, da er aus einem doppelten Grund als Feind erachtet
wird: Er ist Ungläubiger (kāfir) und Rebell. Diese Zuschreibungen erfolgen bei allen
Autoren direkt oder indirekt, einerseits durch Beschimpfungen (verflucht [melʿun], unrein
[murdar], Bastard [haram-zade] etc.), andererseits durch Tendenziösität. Mit ähnlichen Ste-
reotypen werden auch andere Personen dargestellt, wie beispielsweise Mircea der Ältere
oder Stefan der Große. Im Falle des János Hunyadi urteilen die osmanischen Autoren sogar
noch aggressiver. Er gilt nicht nur als gefährlicher Feind, sondern auch als großer Krieger.
Wie der Fall des Kazıklı Voyvoda deutlich macht, hängen die jeweiligen Referenzen von be-
stimmten Konjunkturen ab. Die wissenschaftliche Systematik macht es daher zwingend,
Vlad den Pfähler und Hunyadi in ähnlichen Kontexten zu vergleichen, um zu einer fun-
dierten Analyse des Diskurses zu gelangen.

15 In jeder Fassung der Deutschen Geschichten wird folgende Episode über die Strafaktion gegen
Kronstadt erzählt und abgebildet, in der Vlad der Pfähler neben den Gepfählten am gedeckten Tisch
steht: „Vnd alle die er da selbst hat gefangen zu Kranstat pey der capelln die haist Sant Jacob die hat er
all selbs ermort Auch die gantzen vorstet die hat er auch all lassen auß prennen/ Auch als der tag
herkumen ist des morgens frw Was er begrayff frawen vnd man/ vnd kinder jung vnd allt hat er an dem
vorgenanten perg pey der capelnn all lassen spissen vmb vnd vmb den perk vnd er ist mitten vnter yn
gesessen zu tich vnd sein frewnt da selbst vnd sein freud gehabt etc“ (Spätes 15. Jh., Hs. London),
entnommen aus: Die historii von dem posen Dracol der vil wunders vnd vbels begangen hat. In: Dieter
HARMENING: Der Anfang von Dracula. Zur Geschichte von Geschichten. Würzburg 1983, S. 21. Diese
Geschichte und die Derivate werden publiziert in Corpus Draculianum, 2. Bd.
Begleitstudie XXXVII

Einheimisches und Importiertes – ein Vergleich der osmanischen und byzantinischen Berichte

Wie oben erwähnt werden die postbyzantinischen Autoren in zwei unterschiedlichen


Rahmen betrachtet: Auf der einen Seite stehen Chalkokondyles und Doukas, auf der
anderen „der Verräter“ Kritovoulos. Alle Autoren verteidigen die rivalisierenden Parteien –
Byzantiner/Christen und Osmanen – mit den gleichen Argumenten: Solange Drakoulis die
Feinde des Christentums bekämpfte, konnten seine Intentionen für die christliche Partei nur
gut sein. Jedoch ist das Bild des Drakoulis auch bei Chalkokondyles und Doukas nicht frei
von negativen Merkmalen. Darüber hinaus wird sein Bild mit einem analytischen Ansatz
konstruiert. Beispielsweise werden bei Kritovoulos die Taten des Drakoulis nicht ausschließ-
lich auf seinen negativen Charakter bezogen; er wird von Anfang an als Rebell bezeichnet,
worauf eine historisch-politische Begründung dieser Bewertung aufgrund seiner Undank-
barkeit gegenüber dem Sultan erfolgt, der ihm und seinem Bruder Rhados Schutz und
Gastfreundschaft gewährt und ihn später auf den Thron gebracht hat. Eine Rolle spielt hier
das Prinzip der Dankbarkeit (şükr), das ein Leitmotiv der osmanischen Hofrhetorik war und
sowohl von Kritovoulos als auch von Tursun verwendet wurde. Eine weitere Eigenschaft
des Drakoulis ist die List. Er überfällt zunächst die osmanischen Gebiete und tötet daraufhin
die Gesandten des Sultans. Ohne dass seinem Charakter dabei die List fehlt, bleibt diese
negative Eigenschaft eines der Hauptinstrumente der byzantinischen Rhetorik bei der
Zeichnung des Barbaren, hier also des Feindes. Chalkokondyles leitet die Macht des
walachischen Woiwoden von der Unterstützung des Sultans ab, was eindeutig auf die
osmanische Perspektive und somit auf die Herkunft seiner Quelle hinweist. Interessanter-
weise ähnelt das Bild Vlads eher der aggressiven Darstellung des Tursun Beğ: Seinen
schweren Verfolgungen seien 20.000 Menschen zum Opfer gefallen. Die Hauptepisoden
dieser Geschichte passen größtenteils zur osmanischen Version. Der postbyzantinische
Autor erzählt allerdings aus einer völlig anderen Perspektive, denn sein nach außen
neutraler Bericht birgt eine pro-christliche Tendenz in sich. Daher arrangierte er die
Episoden seiner Geschichte neu: Drakoulis verliert beim Sultan Vertrauen, weil er in diplo-
matische Kontakte mit Ungarn tritt. Hamza und der osmanische Gesandte Katavolinos
werden gefangen genommen und mit dem Tod bestraft, weil sie Vlad in einen Hinterhalt
locken wollten. Der Sultan kehrt wegen Vlads gewaltsamen Guerillakriegs und der Gefahr
durch Ungarn zurück. Auch die gegen die Osmanen gerichtete Darstellung des Doukas
bezeugt seine Zugehörigkeit zur selben Tradition. Er ignorierte die negativen Eigenschaften
des walachischen Woiwoden, dessen Namen er nicht einmal erwähnt, und stellt in jeder
Episode die Osmanen in ein ungünstiges Licht. So greift Hamza Vlad aus eigener Initiative
an, und die Osmanen werden beim Nachtangriff derart geschlagen, dass sie sich zurück-
ziehen müssen.
Chalkokondyles bestätigt also, dass das aggressive Bild des Kazıklı Voyvoda keine Erfindung
des Tursun Beğ und seiner Nachfolger ist, sondern eine einigermaßen bekannte Darstellung
dieser Zeit. Die Tatsache aber, dass der postbyzantinische Hofgeschichtsschreiber der
Osmanen, Kritovoulos, die Tyrannei Vlads nicht erwähnte, spricht für eine begrenzte Dy-
namik oder Zirkulation dieser Darstellung sowie für eine spätere Entstehung. Eine offen-
sichtlich pro-osmanische Person wie Kritovoulos hätte diese Informationen nicht unbe-
XXXVIII Einleitung

achtet gelassen. Er blieb aber einer postbyzantinischen, milderen Variante treu, die er aus
osmanischer Perspektive mit byzantinisch-griechischer Methode neu erzählte.

Autorenintention – zwischen Ideologie, Unterhaltung und Originalität

Abschließend sollen die individuellen Gründe der jeweiligen Autoren für den von ihnen
angebotenen Diskurs analysiert werden. Es sind dabei unterschiedliche Ansätze zu beob-
achten, welche die Funktionalität der jeweiligen Diskurse betreffen. Tursun beispielsweise
betonte den tyrannischen Charakter Kazıklıs und begründete damit die osmanische Inter-
vention in der Walachei. Für diesen Zweck fügte er eine Episode als Exemplifizierung
dieser Tyrannei hinzu: einen Garten, in dem der walachische Woiwode seine Feinde
pfählen ließ. Das Nebenargument ist die Undankbarkeit Kazıklıs, dessen Macht mit
Unterstützung des Sultans aufgebaut wurde. Das Publikum ist somit bereit, die Logik der ad
hoc-Rebellion des Walachen zu akzeptieren. Ohne offensichtliche Gründe entscheidet der
Sultan seine Loyalität zu prüfen und verlangt die persönliche Abgabe des jährlichen
Tributs. Die diplomatische Verweigerung des Kazıklı bietet einen literarischen Vorwand,
um das Publikum auf die Narration über den Feldzug des Sultans vorzubereiten. Diese
Technik öffnet zugleich Raum für ein sehr beliebtes Leitmotiv in der osmanischen
Historiographie: die Rache. Der Sultan scheint also seine Rache nicht wegen der Tyrannei
des Walachen, sondern wegen der Verweigerung der Befehle zu üben. Die Tyrannei hat
auch weitere Hintergründe. Sie ist eine Exemplifizierung der Vision des Autors über die
Rolle des Sultans in der Verwaltung der Weltordnung. Ganz gleich ob die dem Kazıklı
Voyvoda zugeschriebenen Taten historisch waren oder nicht, es ist wenig bestreitbar, dass
Tursun Beğ sie literarisch und ideologisch instrumentalisierte, um seine politische Theorie
in historische Form zu kleiden. Von den ca. 170 Seiten seiner Autorenhandschrift reserviert
Tursun ca. 30 Seiten einer ausführlichen Einführung, welche an vielen Stellen die
Konzepte von Staatsordnung und Gerechtigkeit des Führers thematisiert. Der osmanische
Sultan sei der größte Garant der Gerechtigkeit und als Einziger befähigt, eine Pax Islamica in
der Welt zu etablieren. Diese Idee entwickelt sich vom Ausgangspunkt des alten islamischen
Konzepts der Weltordnung, welche die Essenz der Religion Muhammads sei. In diesem
Kontext ist auch die Entwicklung der Urdarstellung Kazıklıs mit tyrannischen Attributen zu
erklären, welche, wie bereits angedeutet, von Chalkokondyles und Oruc getreuer wieder-
gegeben wird. Der Sultan dominiert die Darstellung der Konfrontation mit Kazıklı Voyvoda.
Daher wird dieser als seine negative Projektion aufgebaut, seine Figur von Anfang an
benachteiligt: Er ist kein Muslim und den Muslimen feindlich gesinnt. Auf diese Infra-
struktur wird mithilfe einer Reihe von Kontrasten aufgebaut. Seine bereits erwähnte Tyran-
nei ist das Gegenteil zur Gerechtigkeit des Sultans. Die als Tyrannei verwirklichte Macht ist
dabei sehr relativ, da sie sich auf die direkte Unterstützung des Sultans stützt. Hierauf kann
man die Annahme begründen, dass die Rache des Sultans aufgrund des Konzepts von şükr
(Dankbarkeit des politischen Führers gegenüber Gott; hier die Dankbarkeit des Kazıklı
seinem Herrn gegenüber) geübt wird. Der Angriff des Kazıklı auf das Heer des Sultans ist
das Ergebnis seiner Arroganz. Es wird damit suggeriert, dass er die große Macht des Sul-
tans nicht anerkennt. Der sultanischen Großmut wird die Feigheit des Kazıklı entgegen-
gestellt. Dieser vermeidet jegliche Konfrontation mit dem osmanischen Heer und versteckt
Begleitstudie XXXIX

sich in der Finsternis der Wälder. Wald und offenes Feld, Guerillakrieg und offene Schlacht
sind weitere Exemplifizierungen – hier durch literarische Extensionen wiedergegeben – des
Chaos und der Ordnung. Alles führt letztendlich zum Machtbesitz, der nach der Religion
die zweite Quelle der Ordnung ist. Der Tyrannendiskurs bei Tursun Beğ stellt also die
Instrumentalisierung des erwähnten Urstoffs dar, der bereits im Umlauf war.
Die ideologische Absicht des Aşık Paşa-zade bezog sich eher auf die religiösen Ansprüche
der Dynastie. Er sah alles durch den Filter des Glaubenskampfes, obwohl sein Werk
deutliche Spuren altosmanischer Mentalität aufweist. Seine Weltanschauung und sein ideo-
logischer Hintergrund erscheinen bei ihm durch die historische Einordnung beziehungs-
weise Historisierung der Dracula-Gestalt und durch seine Polemik hindurch. Er ließ keine
besonders negativen Eigenschaften bei seinem Kazıklı Voyvoda bemerkbar werden. Ähnlich
wie bei Tursun Beğ spiegelt sich der schlechte Charakter des walachischen Woiwoden an
seiner religiösen Zugehörigkeit und seiner politischen Orientierung wider.
Die von Aşık Paşa-zade vorgenommene historische Einordnung wird durch das Werk des
Kemal Paşa-zade noch radikalisiert. Aşık Paşa-zade und Tursun Beğ bekräftigen einander:
Die Tyrannei des Kazıklı wird historisiert und sein schlechter Charakter gleichmäßig durch
Taten und psychologische Exkurse wiedergeben. Kemal Paşa-zade gab seine Quellen
jedoch durch zwei wichtige Filter wieder: durch eine neue rhetorische Bekleidung und
durch eine individuelle Interpretation seiner Quellen. Die Infrastruktur stammte von Aşık
Paşa-zade, die Suprastruktur des Tursun Beğ wird erweitert durch Interpretationen und
Exemplifizierungen. Der Garten der Qualen wird deutlicher interpretiert und erhält weitere
Details: Bau und Dimensionen. Dieser scheint eine literarische Allegorie zu sein, da der
Autor sein Publikum überzeugen will, dass er wirklich von einem Garten erzählt. Daher
wird das grausame Spektakel der gepfählten Leichen mit der spezifischen Vegetation eines
Gartens verglichen: Bäume, Früchte und Blumen. Noch ausgeprägter ist diese Tendenz bei
Idris Bitlisi, der einen Großteil seiner poetischen und rhetorischen Mittel mobilisiert, um ein
besonders schauerliches Bild des Gartens zu kreieren.
Die Neigung des Kemal Paşa-zade und Idris Bitlisi zur Interpretation ihrer Quellen wird
noch deutlicher mit Blick auf die einzige positive Stelle über Kazıklı. Die Autoren erkennen
seine Begabung als Krieger an: Er sei der größte serdar (Kommandant eines Heeres des
Sultans) seiner Zeit gewesen. Vlad wird somit zu einem der zahlreichen Anführer der vielen
osmanischen Heere. Paradigmatisch kann hieran die Entwicklung des politischen Verhält-
nisses der Walachei zum Osmanischen Reich verdeutlicht werden. Die Walachei wird hier
als Teil des Reiches und ihre Woiwoden als Lokalgouverneure betrachtet, obgleich der
Status zur Abfassungszeit der Quellen keineswegs endgültig geklärt war. Wie an diesem Bei-
spiel deutlich wird, bietet sich Kazıklı Voyvoda für verschiedene Analysen an: Von der
methodisch weniger komplexen Ereignisgeschichte bis zur facettenreichen historischen
Diskursanalyse, welche eine diachrone Perspektive auf zahlreiche verschiedenartige Ent-
wicklungen innerhalb des Reiches eröffnet.
XL Einleitung

Folgende Schlussfolgerungen können gezogen werden:

1) Vlad war eine relativ bekannte Figur in der postbyzantinisch-osmanischen Welt.


2) Die Väter der Kazıklı Voyvoda-Tradition im Osmanischen Reich sind zwar Aşık
Paşa-zade und Tursun Beğ, der Ursprung der Tradition aber scheint eine heute
verloren gegangene Quelle, vermutlich ein Teferrüc-name, eine Siegesproklamation
oder eine höfische Aufzeichnung der militärischen Erfolge des Jahres 866 H.
(1461/62) gewesen zu sein. Diese wurde von den Autoren, die in diesem Band als
Primärquellen wiedergegeben werden, in unterschiedlicher Weise rezipiert. Alter-
nativ oder ergänzend wurden dabei die Hofkalender oder –almanache und münd-
liche Augenzeugenberichte verwendet.
3) Die Darstellung Kazıklıs in den osmanischen Quellen basiert auf fünf Fassungen
beziehungsweise Mustern. Mit einer Ausnahme (Anonymus Giese) beziehen sich
alle auf die Ereignisse des Jahres 1462: Enveri, Oruc, Anonyme, Aşık Paşa-zade
und Tursun Beğ.
4) Die Kazıklı Voyvoda-Berichte wurden überdies in zwei Varianten kolportiert: Zum
einen durch eine längere Variante, welche die gewaltsamen Taten Vlads beson-
ders thematisiert, und durch eine komprimierte Variante, die eher auf die poli-
tisch-historischen Ereignisse fokussiert.
5) Die Zirkulation eines negativen Bildes war auf die Eliten beschränkt.
6) Eine allgemein verbreitete Dämonisierung nach dem westeuropäischen Muster des
Kazıklı Voyvoda ist bei den Osmanen nicht belegbar.
7) Eine Dämonisierung tritt isoliert bei Tursun Beğ auf, Augenzeuge der Ereignisse
von 1462 und aktives Mitglied der osmanischen Beamtenschaft. Erst durch Idris
Bitlisi erfuhr diese Variante eine Popularisierung.
8) Alle weiteren negativen Darstellungen dieses Woiwoden gründen auf den Stereoty-
pen des Ungläubigen und Rebellen.
9) Für einige Zeitgenossen Vlads ist ein vergleichbares oder sogar noch negativeres
Bild belegbar.
10) Außer Tursun Beğ zeigen alle anderen frühosmanischen Autoren kein besonderes
Interesse für die Psychologie des Kazıklı Voyvoda.
11) Das Bild des Kazıklı Voyvoda erreichte seine maximale Entwicklung mit Idris Bitlisi
und Kemal Paşa-zade (erste Hälfte des 16. Jhs.). Als Standarddarstellung erlangte
es mit Saʿdeddin (Ende des 16. Jhs.) hohe Popularität.
12) Eine Verbindung zu den zentraleuropäischen Dracula-Legenden ist bei den
Osmanen nicht eindeutig nachweisbar. Die einzigen potenziellen Bezüge erschei-
nen nur in Tursun Beğs einseitiger Darstellung.
Ähnlichkeiten zwischen den osmanischen und den europäischen Dracula-Erzählungen sind
anscheinend zufällig. Die Anzahl der Erzählungen erreichte bei den Osmanen gegen Mitte
des 17. Jahrhunderts einen Höhepunkt; als pseudohistorische Figur fand Dracula noch ein
weiteres Jahrhundert Erwähnung. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts zeichnete sich schließlich
eine an europäische Muster angenäherte Darstellung ab.
Begleitstudie XLI

0 Chronologie
Takvim
Teferrüc
1462 ?
? -name
Ein
(Urfassung
späteres Teferrüc
1462-64)
takvim

15. Jahrhundert
-name
(1465-73)

Chalkok. Doukas
Kritvoulos

Primärquellen
(1462-70) (nach 1462) Enveri
(1464-5) Ruhi
(1465) Oruc O Oruc P
(vor 1473)
Ma ali (vor (nach

Anonymchroniken
(1474) 1482) 1482) Tursun A p.
(1480er) (1480er)

Kıvami
Idris Kpz. (ca. 1490)
Länge der Überlieferungskette

(1502-3) (1502-03)

Sekundärquellen
Ne ri
(1484-1512)
Bihi ti
(1511)

16. Jahrhundert
Hadidi
(1523-4?)
Zoras
(Ende 16.Jh.) Rüstem
(vor 1560-1)
El-Lari
(vor 1572) Cenabi
(vor 1590-1) Mustafa
Ali

Tertiärquellen
(1593-5)
Sa deddin
(vor 1590)

Hüseyn Solak-zade
Karamani II. (1640er) (nach 1643)
(?) 17. Jahrhundert
Mehmed
(nach 1617) Lokman
(?)

Müneccim.
(1704)
Rest

Legende:
$NCW = neutraler Diskurs
4QV = Tyrannendiskurs
Fett = Schlüsselautoren der Überlieferung
— = nachgewiesene Genealogie
-- = unsichere/vermutete Genealogie
XLII Einleitung

Anmerkungen zur Chronologie der Primärquellen:

1. Fester Anhaltspunkt: Enveri (1465).


2. Da das Tyrannenbild bei Enveri nicht nachweisbar ist, sollte die zweite Version des
Teferrüc-name oder eines damit eng verbundenen Werkes nach 1465 (aber nicht später als
1482 – vgl. unten Nr. 4 oder 1473, vgl. Nr. 3) entstanden sein.
3. Da Chalkokondyles als erster Autor das Tyrannenbild berücksichtigt, sollte der Bericht
über den walachischen Woiwoden ebenfalls nach 1465 (aber nicht später als 1470, die ante
quem–Eingrenzung der Niederschreibungsperiode des gesamten Werks) entstanden sein.
4. Da Ruhi Çelebi das Tyrannenbild nicht kennt, sollte er seinen Bericht vor 1470 (vgl. Nr.
3) geschrieben zu haben.
5. Da die beiden Hss. von Oruc den Tod des Ţepeluş beinhalten, sollte der Kazıklı-Bericht
nach dessen Tod (1482), also ungefähr zur selben Zeit wie Tursun, geschrieben worden
sein. Der Bericht in Hs. C scheint die ursprüngliche Fassung des Oruc zu sein. Diese fokus-
siert auf Ereignisse und ist in Verbindung mit einem Hofkalender zu setzen, im Gegensatz
zur Hs. P, die deutlich ideologisiert und eine Erweiterung des ursprünglich sachlichen Tex-
tes aufweist.
6. Die Abwesenheit des Tyrannenbildes bei Kritovoulos datiert die Abfassung seiner
Chronik vor 1470 (vgl. Nr. 3), vielleicht sogar auf das Jahr 1464, wie in der Forschung
angenommen wird.
7. Im Gegensatz zu Kritovoulos kann Doukas nicht nach demselben Prinzip betrachtet
werden: Er manipuliert zuungunsten der Osmanen seine Quellen und ist daher daran
interessiert, das Tyrannenbild Vlads (falls er überhaupt Kenntnis davon hatte) zu über-
sehen, da er die Feinde des Christentums bekämpft hatte. Sein Bericht kann aber nicht zu
jung sein (vor Oruc-Tursun, die das Tyrannenbild als durchgesetzt nachweisen), weil
andernfalls Reminiszenzen dieses Bildes erkennbar gewesen wären.
8. Die Anonymen (wie etwa Anonymus Giese) bleiben sachlich im Sinne der Hs. C des
Oruc. Selbst wenn das Tyrannenbild in der Zeit ihrer Kompilierung bekannt gewesen
wäre, besaßen die Autoren/Kopisten keine Neigung für Ideologie, weil sie ihre Aufgabe le-
diglich in der Aufzeichnung zeitgenössischer Ereignisse sahen und nicht in Rhetorik oder
literarischer Narration.
I. Die postbyzantinischen Autoren
I.1. Einleitung zu den postbyzantinischen Quellen

Im Folgenden sollen ohne Anspruch auf Ausführlichkeit die in diesem Kapitel wieder-
gegebenen Autoren in den Kontext der postbyzantinischen Historiographie eingeordnet
werden. Der Begriff „post-byzantinisch“ impliziert, dass es sich um Quellen handelt, die
trotz ihrer byzantinischen Tradition nicht mehr byzantinisch genannt werden können: Alle
in diesem Band aufgeführten Autoren schrieben nach dem Fall Konstantinopels und nach
dem Verfall aller übrigen Teile des ehemaligen Byzantinischen Reiches. Chalkokondyles,
Kritovoulos und teilweise auch Sphrantzes können als traditionszugehörig bezeichnet
werden, während die Werke des Doukas und Anonymus Zoras hybride Kulturprodukte
darstellen: Ersterer kann als Repräsentant des mittelmeerländischen byzantinisch-
italienischen Kulturaustausches betrachtet werden, Anonymus Zoras dagegen ist der Autor
einer volkstümlichen griechisch-osmanischen Chronik des 16. und 17. Jahrhunderts, der
aufgrund fehlender muttersprachlicher Kenntnisse sprachlich äußerst stark von den an-
deren Historiographen abweicht. Beide Autoren sind daher im Anhang zu finden.
Das vereinende Charakteristikum der vorliegenden Autoren ist ihre Heterogenität: Keiner
von ihnen gehörte einer einzelnen historiographischen Strömung an; ihre Absichten und
Motivationen fallen äußerst unterschiedlich aus. Chalkokondyles ist der einzige Autor einer
substantiell „byzantinischen“ Chronik. Ihm steht Kritovoulos nahe, der jedoch im Dienste
der Auflöser des Byzantinischen Reiches stand: Er schrieb sein Werk für die Osmanen und
ihren Sultan Mehmed II. (1451-1481). Kritovoulos’ Arbeit wirkt zwar stilistisch, rhetorisch
und aus Perspektive der nachgeahmten Modelle sehr byzantinisch, ihre politisch-ideolo-
gischen Inhalte sind jedoch den Osmanen verpflichtet. Die byzantinischen Historiker
stellten die Griechen beziehungsweise Rhomäer stets als oekoumena, also als die „zivilisierte
Welt“ dar, deren Hauptcharakteristikum die Zugehörigkeit zum Christentum war, mit
ihrem Basileus im Zentrum als Herrscher von Gottes Gnaden und Machtverleiher in der
irdischen Welt. Bei Kritovoulos dagegen verschiebt sich dieses Zentrum der Welt auf den
osmanischen Sultan – entsprechend negativ fällt seine Bewertung der Rebellion gegen diese
Herrschaft aus.
Sphrantzes und vor allem Doukas schrieben anscheinend für eigene private und weniger für
konkrete politische Zwecke. Ersterer konzipierte sein Werk als Memoiren und wird, auch
aus persönlichen Gründen, sukzessive immer wehklagender und summarischer. Beim Werk
des Doukas handelt es sich anscheinend um unbearbeitete Notizen eines Halbgriechen, der
für nicht näher bekannte Zwecke eine Reihe von Quellen kompilierte, die wahrscheinlich
größtenteils osmanisch gewesen sind. Auch dem Autor oder den Autoren des Anonymus
Zoras dienten u.a. osmanische Quellen als Vorlage, diesmal zweiter und dritter Hand.
Diese wurden oft in einer verwirrenden Weise mit christlichen Quellen und eigenen
Spekulationen vermengt. Es liegen, abgesehen von Sphrantzes, der hier von peripherer Be-
deutung ist, drei Autoren vor, die mehr oder weniger beabsichtigt der osmanischen Über-
lieferung nahe stehen, während Chalkokondyles als einziger Autor einer halbwegs neutralen
Richtung zuzuordnen ist.
4 Einleitung postbyzantinische Quellen

Politisch-ideologisch betrachtet werden somit drei unterschiedliche Haltungen der spätby-


zantinischen Eliten gegenüber den Osmanen sichtbar – beziehungsweise die Perspektive
der unter den neuen Herren lebenden orthodoxen Christen. Bedingt wurden sie durch die
politische Polarisierung zwischen den Osmanen und den verschiedenen christlichen An-
führern. Sie variieren stark, nämlich von der (laut Autor) neutralen Haltung des Chalko-
kondyles bis hin zu den unversöhnlichen Positionen des „Traditionalisten“ Doukas und des
„Verräters“ Kritovoulos. Der Grund für diese Heterogenität dürfte im Fehlen eines ideo-
logischen Bezugspunktes liegen; dieser war mit der Auflösung des byzantinischen Staates
weggefallen. Auf die historischen Werke wirkten daher in besonderem Maße die persön-
liche Motivation des Autors oder der Gruppe, zu der dieser gehörte. Auch die Unterhal-
tungsabsichten wurden auf ein Minimum reduziert. Hinzu kommt, dass die Autoren –
abgesehen von Kritovoulos und Anonymus Zoras – unter der starken emotionalen Wirkung
des Falles Konstantinopels schrieben. Außer letzterem versuchen alle in und durch ihre
Werke ihrem Leben und dem politischen Leben ihrer Gruppen einen neuen Sinn zu
verleihen. Manche träumen von einer Résistence mit Hilfe der abendländisch-christlichen
Mächte (Doukas), manche hoffen auf ein Auferstehen der einheimischen Kräfte
(Sphrantzes), manche sehen in den „heidnischen“ Osmanen eine günstigere Wahl als im
Katholizismus der wortbrüchigen Franken oder geben ohne weiteres zu, dass die Osmanen
in der Gegenwart das Machtmonopol besitzen und man allein durch das Zusammenleben
und Zusammenwirken auf die Zukunft hoffen könne (Kritovoulos).
Kritovoulos ist der einzige dieser Autoren, bei dem die Linien einer offiziellen Ideologie
beobachtbar sind. Diese wird in den panegyrischen Zügen seines Werkes umfasst, deren
eigentliche Motivation mit Blick auf die Integrationspolitik Mehmeds II. sehr gut sichtbar
wird: Kritovoulos schrieb in einer Übergangsperiode des osmanischen Reiches, als die
Zentralmacht sich bemühte die äußerst verschiedenen Lokalentitäten zu integrieren und zu
homogenisieren. Voraussetzung für den Erfolg dieser Maßnahmen war die Gewinnung der
Loyalitäten der neu angeschlossenen Bevölkerungen. Je nach den Umständen der Erobe-
rung durften die Lokalgemeinden größtenteils ihre Eliten und ihre politische Organisation,
ja sogar ihre Gesetze behalten. Besonders Mehmed II. machte von einer solchen Politik
regen Gebrauch. Teil davon mag auch propagandistische Überzeugung mithilfe historio-
graphischer Entwürfe gewesen sein, welche nach bekannten Paradigmen verfasst wurden.
Die Schrift des Kritovoulos schien jedoch die erwartete Aufmerksamkeit nicht erlangt zu
haben, da sie nur in einer einzigen Handschrift bekannt ist. Denkbar ist, dass der Autor
erfolglos versuchte die Gunst des Großherrn durch eine Panegyrik und durch Befolgung
seiner ideologischen Richtlinien zu gewinnen.
Eine wichtige Besonderheit der byzantinischen Geschichtsschreibung ist das antike Streben
nach dem, was die Autoren als Wahrheit verstanden. Abgesehen von vielen Unstimmig-
keiten zwischen Anspruch und Verwirklichung dieses Ideals haben die byzantinischen
Autoren durch ihre ausgeprägte Neigung für Kausalität und Kritizismus einen wichtigen
Beitrag zur modernen Geschichtswissenschaft des Abendlandes geleistet. Chalkokondyles ist
dabei ein besonderes Beispiel. Er war auf intellektueller Ebene ein Mann seiner Zeit. Seine
starke Rezeption im Westen verdankt er größtenteils seiner Neugierde, die ihn veranlasste
nach Antworten auf zahlreiche Fragen zu suchen, Behauptungen und Thesen herauszu-
fordern oder sachlich zwischen den streitenden Positionen nach dem eigentlichen Wahr-
heitsgehalt zu suchen. Chalkokondyles ist zugleich auch einer der letzten großen
Die postbyzantinischen Autoren 5

Repräsentanten der spätbyzantinischen rhetorischen Schule, welche nach dem Zerfall des
Reiches der italienischen Renaissance zahlreiche hochrangige Gelehrte zuführte. Sein Werk
steht neben ihnen als hochgeschätztes Exportprodukt. Zugleich ist er die wichtigste Brücke
zwischen der Überlieferung aus dem Osmanischen Reich und der abendländischen Über-
lieferung über Dracula/Drakoulis. Durch Rezeption, Nachahmung oder Bearbeitung dieses
Bildes haben manche Autoren wie Sansovino ihre eigene Meinung gebildet, welche interes-
santerweise durch Anonymus Zoras den Weg zurück ins Osmanische Reich fand.
Die postbyzantinischen Geschichtsschreiber sind ein geradezu ideales Beispiel der poli-
tischen und kulturellen Verflechtungen zwischen Christen und Muslimen, zwischen Unter-
tanen und Herrschern im Osmanenreich. Die Bindungen zwischen Ost und West werden
anhand ihrer Werke besonders anschaulich analysierbar. Zugleich stellen sie ein reprä-
sentatives Beispiel dar, wie kulturelles Material in transkultureller Zirkulation den Mittel-
meerraum als Umschlagplatz oder „Absatzmarkt“ nutzte.
2. Texte und Übersetzungen
Laonikos Chalkokondyles
(vor 1430 – nach 1464)

Autor
Über das Leben des Ch. ist erstaunlich wenig bekannt. ,Laonikos‘ scheint eine antiki-
sierende Metathese seines eigentlichen Namens Nikolaos zu sein. Ch. gehörte einer alten
athenischen Aristokratenfamilie an. Sein Vater Georgios spielte eine bedeutende Rolle
während der Hegemonie der Acciaiuoli-Familie in Athen. Die radikale Änderung der
politischen Verhältnisse durch den Tod des Antonio Acciaiuoli (1435) und der Aufstand der
griechischen Partei führten zur Exilierung der Chalkokondylen, die daraufhin nach Mistra
gingen. Dort betrieb der junge Ch. seine Studien bei Georgios Gemistos-Pleton, dem be-
deutendsten zeitgenössischen Gelehrten. Trotz eines Hangs zur politischen Theorie übte er
anscheinend keine politische Tätigkeit am Hof der Palaiologen aus. Seine zweite Lebens-
hälfte nach der Eroberung Konstantinopels und Griechenlands ist nur durch Rückschlüsse
aus seinem Werk rekonstruierbar: Entweder ist er nach Athen zurückgekehrt oder, wie viele
andere griechische Gelehrte, nach Italien geflohen. Möglich ist auch, dass er in Kreta zum
Priester geweiht wurde. An einem dieser Orte soll er gestorben sein. Sowohl sein Geburts-
als auch Sterbedatum lassen sich durch sein Werk abschätzen.

Werk
Ch. war ein starker Imitator des Thukydides und Herodot und schrieb im attischen Dialekt.
Nach ersterem nannte er sich „Laonikos der Athener“ und nach letzterem betitelte er sein
Werk Ἀπόδειξεις Ίστοριῶν („Zeugnisse der Erkundungen“). Diese Geschichte behandelt
den Aufstieg der Osmanen und den Niedergang des byzantinischen Staates, bietet aber
zahlreiche Exkurse zu den Nachbarvölkern und -staaten, so dass dieses Werk als eine zeit-
genössische Weltgeschichte bezeichnet werden kann. Es ist in zehn Büchern aufgeteilt und
erzählt die Ereignisse von 1298 bis zum Feldzug gegen Lesbos (Mytilene, türk. Midilli) 1463.
Da die Erzählung mitten im Satz endet und die letzten Bücher zahlreiche Wiederholungen
und Auslassungen enthalten, scheint die Ἀπόδειξεις Ίστοριῶν unvollendet zu sein. Das
Werk kann allerdings nicht später als 1470 niedergeschrieben worden sein; man vermutet
aufgrund der inneren Kritik des Textes, dass der Autor vor diesem Jahr starb. Dafür spricht
auch, dass Ch. über den Tod Vlads unkundig zu sein scheint.
Trotz seiner unzureichenden literarischen Originalität und vielen Ungenauigkeiten zeichnet
sich Ch. durch seine vergleichsweise ausgeprägte Tendenz zur Neutralität und durch seine
Neugierde aus. Der Autor zeigt Interesse u.a. für Linguistik, Völkerkunde und Kriegskunst,
was zu detailreichen Erzählungen über die ost- und südeuropäischen Völker und dabei
auch über Drakoulis beiträgt; seine Geschichte machte Ch. daher im westeuropäischen
Raum bereits frühzeitig sehr populär. Leider zwang ihn seine übertriebene Imitation der
altgriechischen Modelle zu antikisierenden Völkerbezeichnungen, weswegen er sogar zeit-
genössische, nicht-griechische Personennamen umschrieb (wie etwa Hunyadi > Choniates).
Die Verwirrung wird noch gesteigert durch seine minimale Chronologie und häufigen Ex-
kurse.
10 Chalkokondylēs
(Postbyzantinische Quellen)

Ideologisches Profil
Die neutrale Stellung insbesondere gegenüber den Osmanen, den größten Feinden der By-
zantiner, aber auch gegenüber anderen, in der byzantinischen Historiographie sonst als
„Barbaren“ bezeichnete Völker, unterscheidet Ch. radikal von seinen Zeitgenossen. Der
Autor erweist sich gegenüber den Eroberern weder als aggressiv noch als kompromissbereit
und behält eine ähnliche Einstellung auch bezüglich der Kirchenunion. Er zeigt limitiertes
Interesse sowohl für Religionsangelegenheiten – abgesehen vom Islam – als auch für Politik.
Weil er wahrscheinlich nie ein Staatsmann gewesen ist, blieb er vor allem ein Gelehrter, der
gemäß bisherigem Forschungsstand das Geschehen passiv durch das philosophische System
seines Lehrers Gemistos-Plethon betrachtete. Eine nähere Untersuchung zu den tieferen
Gründen seiner neutralen und manchmal sogar positiven Betrachtung der Osmanen sowie
zu seiner Neugierde ihnen und ihrer Religion gegenüber stellt ein Desiderat dar.

Quellen: eine heute verlorene osmanische Quelle; Augenzeugen, Autopsie

Handschriften
1. Vaticanus Palatinus 266 (A): 348 Bl. Ende 15., Anfang 16. Jh.
2. Laurentianus gr. plut. XVII (L): 186 Bl., von zwei Händen, 15. Jh.
3. Ashburnham 998 (Y): 66+22 Bl., nur Exzerpte, 15. Jh.
4. Vaticanus gr. 158 (F): Mitte des 16. Jhs.
5. Coisilianus gr. 314 (C): 320+12 Bl., mit zahlreichen Abschreibfehlern, 15. Jh.
6. Boilleiamis Canonic gr. 80 (B): 210+6 Bl., 16. Jh.
7. Parisinus reg. gr. 1726 (P): 268+7 Bl., Kopist: Basilius Valerus, 16. Jh.
8. Parisinus reg. gr. 1727 (Q): 185+6 Bl., Kopist: Constantinus Palaeocappa, 16. Jh.
9. Parisinus reg. gr. 1729 (S): 323+10 Bl., Kopist: Michaele Conteleonus, 16. Jh.
10. Tubingensia Mb 11 (U): 420 Bl., Kopist: Oesterlinus u.a., 1575.
11. Parisinus reg. gr. I728 (R): 284+16 Bl., Kopist: Constantin Palaeocappa, 16. Jh.
12. Vaticanus Palatinus gr. 50 (I): 352 Bl., von verschied. Händen, 16. Jh.
13. Vaticanus gr. 159 (G): 176 Bl., Kopist: Andronicus Nucius Corcyraeus, 1544.
14. Vaticanus Reg. Christ. (ol. Petav.) gr. 108 (N): 174 Bl., von versch. Händen.
15. Neapolitanus III, Β 25 (X): 318+9 Bl., Anfang 16. Jh.
16. Escorialensis Φ I-12 (E): 330 Bl., Kopist: Andronicus Nucius Corcyraeus, 1543.
17. Monaceneis gr. 307a (M1): 234+7 Bl., 16. Jh.
18. Parisianus reg. gr. 1781 (Z): 237+12 Bl., 16. Jh.
19. Parisianus reg. gr. 1781 (V): 274+12 Bl., 16. Jh.
20. Monacensis gr. 150 (M2): 321+3 Bl., 1567.
21. Parisinus reg. gr. 1779 (T): 652+3 Bl., Kopist: Andreas Darmarius Epidaurius,
1579.
22. Monacensis gr. 127 (M): 352+14 Bl., von zwei Händen, 1548.
23. Bodleianus gr. Roe XII (O): 211 Bl., Anfang 16. Jh.
24. Vaticanus gr. 1732 (D): 436+2 Bl., 16. Jh.
25. Vaticanus Palatinus gr. 396 (H): 208 Bl., 16. Jh.
26. Ottobonianus gr. 309 (K): 301 Bl., 16. Jh.
Apodeixeis Historiōn 11
(Postbyzantinische Quellen)

Nach DARKÓ, S. XIII

Auszüge: Haralambie MIHĂESCU u.a. (Hg.): Izvoarele istoriei României, IV: Scriitori şi acte bizantine. Secolele
VI – XV. Bucureşti 1982, S. 501-515 [aus DARKÓ; mit rumän. Übers.]; Matei CAZACU: Dracula. Suivi
du Capitaine Vampire. Une nouvelle roumaine par Marie Nizet (1879). Paris 2004, S. 413-425 [nur in frz.
Übers.]; Europa im 15. Jahrhundert von Byzantinern gesehen. Übersetzung, Einleitung und
Erklärung von Franz GABLER u. Günther STÖKL (Hg.). Graz u.a. 1954, S. 7-97 (= Byzantinische
Geschichtsschreiber 2) [dt. Übers]; Kurt TREPTOW (Hg.): Dracula. Essays on the Life and Times of Vlad
Ţepeş. New York 1991, S. 323-333; DERS.: Vlad III Dracula. The Life and Times of the Historical Dracula.
Iaşi, Oxford, Portland 2000, S. 206-215 [nur in engl. Übers.].

Editionen: *** Historia de origine... Turcorum. Colonia Allobrogum 1615 [gr. u. lat.]; Conrad,
CLAUSER, Johannes, LEUNCLAVIUS u. Charles Annibal FABROT: Λαονικου Καλκοκονδυλου
Αθηναιου ὰποδειχις ιστοριῶν δέκα. Interprete Conrado Clausero Tigurino. Cum annalibus sultanorum, ex
interpretatione Joannis Leunclavii. Accessit index glossarum Laonici Chalcocondylae, studio & opera Caroli Annibalis
Fabroti JC. Venedig 1729 [gr. u. lat.]; Immanuel BEKKER: Laonici Chalcocondylae Atheniensis Historiarum
libri decem. Bonn 1843 [„Corpus Scriptorum Historiae Byzantinae“ 27] [gr. u. lat.]; Jacques Paul
MIGNE: Λαόνικου Χαλκοκονδύλου Ἀπόδειχεις Ίστοριῶν δεκα. 1866, 1966² [„Patrologia
Graeca“ 159] [gr. u. lat.]; Εugenius DARKÓ: Laonici Chalcocandylae historiarum demonstrationes. 3 Bde.
Budapest 1922, 1923, 1927.

Übersetzungen: *** Laonicus Calcondyles Historiae. (s.l.) 16. Jh. [München, Bayerische Staatsbibliothek
Cod.graec. 307 a]; Conrad CLAUSER: Laonici Chalcondylae ... de Origine et rebus gestis Turcorum libri decem.
Basilea 1556 [lat.]; *** Lib. X. Historiae Turcicae. Lutetia 1567 [lat.]; *** Historia. Frankfurt a. M. 1568
[lat.]; Blaise DE VIGENERE: L’Histoire de la décadence de l'empire grec et establissement de celuy des Turcs. Paris
1577 [frz.]; *** Historia Rervm In Oriente Gestarvm Ab Exordio Mvndi Et Orbe Condito Ad Nostra Haec Vsqve
Tempora… Francof. ad Moenum 1587 [lat.]; Blaise DE VIGENERE u. Thomas ARTUS: L’Histoire de la
décadence de l'empire grec et establissement de celuy des Turcs. Paris 1620 (2. Edition: Histoire générale des Turcs,
contenant l'Histoire de Chalcondyle…, Paris 1662) [frz.]; Thomas ARTUS: Tableaux prophétiques prédicant la
ruine de la monarchie Turque et le rétablissement de l'empire grec. Lyon 1821 [frz.]; Vasile GRECU: Laonic
Chalcocondil. Expuneri istorice. Bucureşti 1958 [rumän. Übers]; Nikolaos NICOLOUDĒS: Laonikos
12 Chalkokondylēs
(Postbyzantinische Quellen)

Chalkokondyles, A translation and commentary of the „Demonstrations of Histories“, books I – III. London 1992
[Diss., engl.; publiziert in Ιστορικές Μονογραφίες 16, Αθήνα 1996] [rezensiert in Byzantinoslavica
58 (1997), S. 418-421].

Literatur 16: K. GÜTERBOCK: „Laonikos Chalkokondyles.“ In: Zeitschrift für Völkerrecht und
Bundesstaatsrecht 4 (1909), S. 72-102; G. MISKOLCZI: „Adatok Laonikos Chalkokondyles éltrajzáhon“
[Fakten zur Biographie des Laonikos Chalkokondyles]. In: Történeti Szemle 2 (1913), S. 198-214;
William MILLER: „The Last Athenian Historian: Laonikos Chalkokondyles.“ In: Journal of Hellenistic
Studies 42 (1922), S. 36-49; Εugenius DARKÓ: „Zum Leben des Laonikos Chalkokondyles.“ In: BZ 24
(1923-24), S. 29-39; DERS.: „Neue Beiträge zur Biographie des Laonikos Chalkokondyles.“ In: BZ 27
(1927), S. 276-285; DERS.: „Neue Emendationsvorschläge zu Laonikos Chalkokondyles.“ In: BZ 32
(1932), S. 2 -12; Dēmētrios Grēgoriou KAMPOUROGLOU: Οἱ Χαλκοκονδύλαι. Athen 1926 (19962);
A. NIMET [KURAT]: Die türkische Prosopographie bei Laonikos Chalkokondyles. Hamburg 1933; V. GRECU:
„Zu den Interpolationen im Geschichtswerke des Laonikos Chalkokondyles.“ In: Buletinul Academiei
Roumâne. Secţia Istorică 27 (1946), S. 92-94; G. CAMMELLI: „Calcondiliana.“ In: Mise. Giov. Mercati III
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Άθήναις Χαλκονδύλων. In: Ελληνική Δημιουργία 9 (1952), S. 171-176; Ε. IVANKA: „Der Fall
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VESELAGO: „Istoričeskoe sočinenie Laonika Chalkokondila.“ In: VV 12 (1957), S. 203-217; DERS.: „К
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Byzantine Congress, Munich 1958. München 1960, S. 35-42; DERS.: „Laonikos Halkondilas.“ In: Türk
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europäischen Küsten des Schwarzen Meeres (15. Jahrhundert u.Z.).“ In: Klio. Beiträge zur alten Geschichte
43-45 (1965), S. 185-246; Albert WIFSTRAND: Laonikos Chalkokondyles der letzte Athener. Ein Vortrag. Nebst e.
Nachw. von Christian Callmer u. e. Wifstrand-Bibliogr. von Sven G. Sjöberg. Gleerup 1972; S. VRYONIS jr.:
„Laonicus Chalcocondyles and the Ottoman Budget.“ In: Int. Journal of Middle East Studies 7 (1976), S.
423-432; Matei CAZACU: „Les parentes Byzantines et Ottomanes de l’historien Laonikos
Chalkokondyles (c. 1423-c.1470).“ In: Turcica 17 (1984), S. 95-114; H. WURM: „Anmerkungen zum
PLP im Anschluss an die Lektüre der ‘Apodeixeis istorion’ des Laonikos Chalkokondyles.“ In: JÖB 37
(1987), S. 277-292; DERS. u. E. GAMILLSCHEG: „Bemerkungen zu Laonikos Chalkokondyles.“ In:
JÖB 42 (1992), S. 213-219; DERS.: Der Codex Monacensis gr. 307A: ein Beitrag zur Überlieferungsgeschichte des
Laonikos Chalkokondyles. In: JÖB 44 (1994), S. 455-462; DERS.: Die handschriftliche Überlieferung der
Ἀπόδειχεις Ίστοριῶν des Laonikos Chalkokondyles. In: JÖB 45 (1995), S. 223-232; Nikolaos
NIKOLOUDĒS: „Laonikos Chalkokondyles on the Council of Florence.“ In: Εκκλησιαστικός Φάρος
3, 74 (1992), S. 132-134; DERS.: „Η ζωή του ιστορικού Λαονίκου Χαλκοκονδύλη υπό το
πρίσμα νεώτερων ερευνών.“ In: Τετράμηνα 49 (1992), S. 3386‐3394; DERS.: „Ἑρμηνευτικά
προβλήματα ἑνός ἱστορικοῦ γεγονότος; κατάληψη τῆς Καλλίπολης καί ὁ Λαόνικος
Χαλκοκονδύλης.“ In: Τα Ἱστορικά 9, 16 (1992), S. 41-48; DERS.: „Ένα πορτραίτο του
ιστορικού Λαόνικου Χαλκοκονδύλη.“ In: 'Ιστωρ 5 (1993), S. 63-73; DERS.: „Οι απόψεις του
Λαονίκου Χαλκοκονδύλη για την Πελοπόννησο του 14ου αιώνα.“ In: Βυζαντιναί
Μελέται 5 (1993), S. 361‐375; DERS.: „Επιδράσεις των «Αποδείξεων ιστοριών» του

16 Es werden hier nur Beiträge mit direkter Relevanz zu Ch. und seinem Werk sowie seiner Berichte über
Osmanen und Walachen aufgelistet. Für die ältere und allgemeine Literatur vgl. KRUMBACHER, S.
302-305; MORAVCSIK, S. 391-397; COLONNA, S. 15-18; HUNGER, S. 485-490. Die Literatur über Ch.
soll bereits im 16. Jahrhundert mit seiner fiktiven Biographie des kretischen Arztes Antonios Kalosynas
begonnen haben (vgl. C. HOPF: Chroniques Greco-romanes. Paris 1873, S. 243-245).
Apodeixeis Historiōn 13
(Postbyzantinische Quellen)

Λαονίκου Χαλκοκονδύλη στο έργο του Θ. Σπαντούνη.“ In: ΙΔ΄ Πανελλήνιο Ιστορικό
Συνέδριο, S. 133‐142; DERS.: Observation on the possible sources of Laonikos Chalkokondyles’ Demonstrations of
Histories. In: Βυζαντινά 17 (1994), S. 75-82; DERS.: Λαόνικος Καλκοκονδύλης, Βυζαντίου
Άλωσις. Athen 1997; Α. MARKOPOULOS: „Das Bild des Anderen bei Laonikos Chalkokondyles und
das Vorbild Herodot.“ In: JÖB 50 (2000), S. 205-216; Kōnstantinos I. ZōGRAPHOPULOS: Ο
Λαόνικος Χαλκοκονδύλες καὶ οι απόψεις του για τοὺς Oθωμανούς Τούρκους. Xanthē 2002;
D. GIANAKOPOULOS: „Η θεώρηση του πολιτικού συστήματος των ιταλικών κρατιδίων (α’
μισό του 15ου αιώνα) από τον Λαόνικο Χαλκοκονδύλη.“ In: Εώα και Εσπέρια 5
(2001‐2003), S. 69‐88; Jonathan HARRIS: „Laonikos Chalkokondyles and the rise of the Ottoman
Turks.“ In: Byzantine and Modern Greek Studies 27 (2003), S. 153-170; Ferhan KIRLIDÖKME
MOLLAOĞLU: „Laonikos Chalkokondyles’in Hayatı ve “Tarih”i (The Life and “History/
Demonstrations of Histories” of Laonikos Chalkokondyles).“ In: OTAM (Ankara Üniversitesi
Osmanlı Tarihi Araştırma ve Uygulama Merkezi Dergisi) 21 (2007), S. 41-57 [Exzerpt aus der
unpublizierten Dissertation „Laonikos Chalkokondyles’in Kroniği ve Değerlendirilmesi
(V.-VII. Bölümler).“ Ankara Üniversitesi Sosyal Bilimler Enstitüsü, Ankara 2005]; Hasan
ÇOLAK: „Bizans Tarih Yazıcılığında "Dönüşüm": Laonikos Chalkokondyles’te Bizanslı ve Osmanlı
İmajı (1299-1402).“ In: U. Ü. Fen-Edebiyat Fakültesi Sosyal Bilimler Dergisi 9, 15 (2008/2), S. 33-352;
Anthony KALDELLIS: „The Date of Laonikos Chalkokondyles’ Histories.“ In: Greek, Roman, and Byzantine
Studies 52 (2012), S. 111–136, DERS.: „The Greek Sources of Laonikos Chalkokondyles’ Histories.“ In:
Ders., S. 738–765.

Nota bene: Text nach DARKÓ II,1, S. 250-267, 271, 279f., 295f. Die Übersetzung berücksichtigt MIHĂESCU, S.
501-517 und GRECU, S. 282-292, 295, 300, 309.
14 Chalkokondylēs
(Postbyzantinische Quellen)

250 D [FHDR, 500] (II, 2) τοῦ μέντοι χειμῶνος τούτου βασιλεὺς διατρίβων ἐν τοῖς ἑαυτοῦ 1
499 B βασιλείοις μετεπέμπετο Βλάδον τὸν Δρακούλεω παῖδα, Δακίας ἡγεμόνα, ἔχων
παρ’ ἑαυτῷ τὸν νεώτερον αὐτοῦ ἀδελφόν, παιδικά τε αὐτοῦ γενόμενον καὶ
διαιτώμενον παρ’ αὐτῷ. ξυνηνέχθη δὲ καὶ αὐτῷ βασιλεῖ ξυγγενέσθαι τῷ παιδὶ
τῷδε βουλομένῳ, ὃτε πρῶτον παριὼν ἐπὶ τὴν βασιλείαν ἐστέλλετο ἐπὶ 5
Καραμᾶνον, ὀλίγου ύπ’ αὐτοῦ ἀποθανεῖν. ὡς γὰρ ἐρῶν τοῦ παιδὸς ἐκάλει ἐς
ὁμιλίας, καὶ φιλοτιμίαν αὐτῷ προπίνων ἐκάλει ἐπὶ τὸν κοιτῶνα. ὁ μέντοι παῖς
οὐδέν τι τοιοῦτον δοκῶν πρὸς τοῦ βασιλέως πείσεσθαι, ἑώρα τὸν βασιλέα
ἐπιφερόμενον αὐτῷ ἐς τοιοῦτόν τε πρᾶγμα, ἀπεμάχετό τε καὶ οὐ συνεγινώσκετο
ἐς τὴν συνουσίαν βασιλέως. καὶ ἄκοντος ἐφίλει, σπασάμενος ὁ παῖς μάχαιραν 10
παίει τὸν βασιλέα κατὰ τὸν μηρόν, καὶ οὕτω φεύγων αὐτίκα, ὅποι προεχώρει
αὐτῷ, ᾤχετο. βασιλέως μέντοι οἱ ἰατροὶ ἰάσαντο τὸ τραῦμα. ὁ δὲ παῖς ἐπὶ δένδρον
αὐτοῦ που ταύτῃ ἀναβάς ἐκέκρυπτο. ὡς δὲ συσκευασάμενος ὁ βασιλεὺς ἀπῄει,
ἐντεῦθεν καταβὰς ὁ παῖς ἀπὸ τοῦ δένδρου καὶ διαπορευόμενος οὐ πολλῷ
ὕστερον ἀφίκετο ἐπὶ τὰς θύρας, καὶ παιδικὰ ἐγένετο βασιλέως. χρῆσθαι δὲ 15
νομίζει οὐχ ἧττον τοῖς ἐς τὴν ἑαυτοῦ δίαιταν τετραμμένοις· τούτοις μὲν γὰρ αἰεί
τε συγγενόμενος συνδιατρίβει νύκτωρ καὶ μεθ’ ἡμέραν, τοῖς δ’ ἀλλοφύλοις οὐ
πάνυ τι χρῆσθαι νομίζεται βασιλέα, ἀλλ’ ἐπὶ βραχύ. τούτου δὲ τοῦ παιδὸς |τῷ
500 B ἀδελφῷ Βλάδῳ ἐπέτρεψε βασιλεὺς τὴν Δακίας ἡγεμονίαν.
Apodeixeis Historiōn 15
(Postbyzantinische Quellen)

1 Als der Kaiser (basileus) 17 diesen Winter in seinen Kaiserpalästen 18 verbrachte, sandte er Winter; der Sultan
nach Vlad, dem Sohn Draculs, dem Herrscher Dakiens. Er hatte bei sich dessen jüngeren befindet sich in seinem
Palast
Bruder 19, der sein Geliebter geworden war und bei ihm lebte. Es geschah aber, dass er, als
er Kaiser geworden war [und] Umgang mit dem Knaben haben wollte, fast durch ihn zu Sultan hat den jüngeren
Bruder Radu bei sich
5 Tode gekommen wäre, als er sich bereit machte gegen Karaman zu ziehen. Denn als er
aus Liebe zu dem Jungen entbrannte, rief er ihn zur Besprechung und als er das Glas mit
Leidenschaft ihm zuneigte, rief er ihn in sein Schlafzimmer. Der Junge aber, der nicht Vergewaltigungsversuch
des Sultans
daran gedacht hatte, dass er durch den Kaiser so etwas erleiden würde, sah den Kaiser, der
sich ihm näherte für eine solche Sache wie jene und widersetzte sich ihm und unterwarf
10 sich nicht dem Wunsch des Kaisers. Und dieser küsste ihn gegen seinen Willen und der
Junge, der einen Dolch hervorzog, traf den Kaiser in die Achsel und auf einmal rannte er
weg, wohin er nur konnte. Die Ärzte aber heilten die Wunde des Kaisers. Der Junge aber
verbarg sich, indem er auf einen Baum stieg. Nachdem aber der Kaiser sich für die Reise Radu wird zum
vorbereitete und wegging, kam der Junge, nachdem er vom Baum hinabgestiegen und auf Günstling des Sultans

15 den Weg gegangen war, nicht viel später bei der Pforte an und wurde [der Günstling] des
Kaisers. Dieser aber hat die Gewohnheit, sich nicht weniger um die zu kümmern, die
dasselbe Leben wie er führen, denn mit diesen ist er ständig zusammen und verbringt mit
ihnen Tag und Nacht; mit diesen aus einem anderen Stamm glaubt man, dass sich der
Kaiser nicht zu viel, sondern eher wenig beschäftigt. 20 Vlad, dem Bruder dieses Jungen, hat V. übernimmt die
Führung dank seines
20 der Kaiser die Herrschaft Dakiens anvertraut. 21 Bruders

17 Ch. verwendet dieselbe Terminologie zur Bezeichnung sowohl des byzantinischen Kaisers als auch des
osmanischen Sultans. Hier wurde die literarische Übersetzung vor der ideologischen Interpretation
bevorzugt. So hat beispielsweise van Dieten in seiner Übersetzung des Werkes des Gregoras zwischen
dem byzantinischen βασιλεὺς als Anführer der zivilisierten Welt und einzigem Kaiser und den
barbarischen, mit demselben Wort bezeichneten Anführer unterschieden, wobei er diesen Begriff mit
„Kaiser“ bzw. „König“ übersetzt hat. Vgl. Jan Louis VAN DIETEN: Rhomäische Geschichte. Stuttgart 1973-
2007 [6 Teile in 7 Bänden].
18 Wahrscheinlich in Istanbul, wenn die Berichte der osmanischen Autoren berücksichtigt werden.
19 Radu cel Frumos (der Schöne) herrschte vor dem 15. Aug. 1462 – 23. Nov. 1473, Dez. 1473 – vor 10.
Aug. 1474, Ende 1473 – vor 10. Aug. 1474 u. Ende 1474 – 1./5. Okt. 1475. Vgl. REZACHEVICI:
Cronologia domnilor, S. 106-107, S. 109, S. 110 und S. 112-115.
20 Konfuse Stelle, die deutliche Züge einer Anekdote aufweist. Es handelt sich wahrscheinlich um
Erzählungen, welche damals in bestimmten christlichen Milieus zirkulierten. Gemeint sind die jungen
Pagen (iç-oğlan = Knaben des Inneren [Palastes]), welche die erste Phase ihrer Ausbildung im Palast des
Sultans absolvierten, wobei sie die niedrigsten Aufgaben erfüllen mussten. Die meisten traten in diesen
Stand nach ihrer Rekrutierung durch das devşirme-Sytem aus den christlichen Bevölkerungen des
Balkans und bald nach ihrer Konversion und „Türkisierung“ ein. Vgl. IMBER: Structure of Power, S. 149-
153; Zur Gestaltung des Palastes vgl. S. 143-147. Auch die Geiseln, also die Söhne oder andere nahe
Verwandte, verfolgten eine ähnliche Ausbildung. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Vlad und Radu
sehr gut mit der türkischen Sprache und Bräuchen vertraut waren. Nicht selten konvertierten viele
dieser Prinzen. Dieses Phänomen existierte in der Walachei des 16. Jahrhunderts auch unter den
Woiwoden, namentlich im Falle des Mihnea Turcitul (= der Türkisierte, also der Konvertierte,
Islamisierte) (September 1577 – Juli 1583 und April 1585 – Mai 1591).
21 Dies ist ebenso wie bei Kritovoulos (→), S. 47, möglicherweise ein Bezug auf Vlads erste Herrschaft
1448, die er mit militärischer Unterstützung des Sultans erhielt, bis Vladislav II. ihn wieder vertreiben
konnte. Liviu Câmpeanu (Universität Klausenburg) vertritt die Ansicht, dass alle osmanischen und
byzantinischen Quellen, die über die Inthronisierung Vlads berichten, sich eigentlich auf diese erste
16 Chalkokondylēs
(Postbyzantinische Quellen)

καὶ συμβαλλομένου βασιλέως ἐπήλασέ τε καὶ κατέσχε τὴν ἡγεμονίαν Βλάδος ὁ 20


251 D Δρακούλεω παῖς. ὡς δὲ ἐπὶ τὴν ἡγε-|μονίαν ἀφίκετο, πρῶτα μὲν ἑαυτῷ
δορυφόρους ἐποιεῖτο καὶ ὁμοδιαίτους, μετὰ δὲ μεταπεμπόμενος ἕνα ἕκαστον
τῶν τῆς χώρας ἐπιφανῶν ἐς τὰς τῶν ἡγεμόνων μεταβολὰς δοκούντων μετεῖναι
τῆς προδοσίας, πανοικὶ διέφθειρέ τε καὶ ἀνεσκολόπιζεν, αὐτόν τε ἅμα καὶ
παῖδας καὶ γυναῖκα καὶ θεράποντας, ὥστε ἄνδρα τοῦτον ἕνα ἐπὶ μέγα δὴ φόνου 25
ἀνδρῶν, ὧν ἡμεῖς ἴσμεν, ἐλάσαι ἐπυθόμεθα· ὥστε γὰρ οἱ ἐμπεδῶσαι τὴν
ἡγεμονίαν, [FHDR, 502] ἀνελεῖν αὐτόν φασιν ἄνδρας τε καὶ γυναῖκας καὶ παῖδας
ὀλίγον τινὰ χρόνον ἐς δισμυρίους, καθιστῶ δὲ καλούς τινας αὐτῷ στρατιώτας22
καὶ δορυφόρους, τούτους ἐδωρεῖτο τοῖς τῶν ἀπογιγνομένων χρήμασί τε καὶ
ὄλβῳ καὶ τῇ ἄλλῃ εὐδαιμονίᾳ, ὥστε διὰ βραχέος ἐπὶ μέγα ἀφικέσθαι μεταβολῆς 30
καὶ καινοτομηθῆναι πάνυ τὰ Δακίας πράγματα ὑπὸ τούτου τοῦ ἀνδρός. καὶ
Παίονάς τε οὐκ ὀλίγους, οἷς μετεῖναι ἐδόκει ὁτῳοῦν τῶν πραγμάτων, καὶ
τούτων οὐδενὸς φειδόμενος φόνον δὲ μέγιστον εἰργάζετο. ὡς μὲν οὖν αὐτῷ
ἐδόκει ἀσφαλῶς ἔχειν τὰ Δακίας πράγματα, ἐβουλεύετο ἀπόστασιν ἀπό τοῦ
βασιλέως. ἐτιμωρεῖτο μέντοι τοὺς ἄνδρας τούτους γνώμῃ τοῦ βασιλέως, ὡς ἄν 35
501 B αὐτῷ κρατύνοιτο τὴν ἀρχήν, καὶ μὴ μεταστάν-|των αὖθις τῶν τῆς Δακίας
ἀνδρῶν πρωτευόντων πράγματα ἔχοι, ἐπαγομένων αὐτῶν τοὺς Παίονας
συμμάχους τε καὶ ἐπικούρους.

Herrschaft beziehen, diese jedoch nicht datieren und keine Kenntnis über die Herrschaft Vladislavs II.
sowie über Vlads erneute Thronbesteigung 1456 belegen. Lediglich Anonymus Giese (→), S. 149,
berichtet explizit und detailliert über die erste Thronbesteigung. Zur Übernahme dieser
Überlieferungstradition vgl. Tursun Beğ (→), Kemal Paşa-zade (→), Saʿdeddin (→) Konstantin
Mihajlović (→). Zur Herrschaft 1448 vgl. Matei CAZACU: „La Valachie et la bataille de Kossovo
(1448).“ In: Revue des Études Sud-Est-Européennes 9 (1971) 1, S. 131-139. Erstmals wurde auf die erste
Herrschaft hingewiesen von Alexandru A. VASILESCU: Urmaşii lui Mircea cel Bătrîn pînă la Vlad Ţepeş
(1418-1456). Bd. 3. De la moartea lui Mircea cel Bătrîn pînă la Vlad Dracul (1418-1437). Bucureşti 1915, S. 3.
Vgl. auch Ilie MINEA: „Vlad Dracul şi vremea sa.“ In: Cercetări istorice 4 (1928), S. 215.
22 ἐς δισμυρίους, καθιστῶ δὲ καλούς τινας αὐτῷ στρατιώτας fehlt in FHDR.
Apodeixeis Historiōn 17
(Postbyzantinische Quellen)

Und mit Hilfe des Kaisers griff Vlad, der Sohn Draculs, an und nahm die Herrschaft. Als er
aber Herrscher wurde, machte er eine persönliche Garde, die sich nicht von ihm trennte.23 V. bildet persönliche
Garde
Danach ließ er jeden der Oberhäupter des Landes rufen, von dem es schien, dass er um
eines Herrscherwechsels willen Verrat üben konnte, und verstümmelte und spießte diese mit
25 ihrem ganzen Haus auf, sie, ihre Kinder, Frauen und Diener, so dass ich hörte, dass dieser Morde
Mann als einziger mehr Morde unter den Menschen beging als [alle],24 die wir kennen.
Denn, damit er seine Herrschaft stärkte, soll er, sagt man, in kurzer Zeit bis zu 20.000
Männer, Frauen und Kinder getötet haben25 und, indem er sich mit einer Anzahl an
Beraubung des
erlesenen Soldaten und Gefolgsleuten umgab, gab er ihnen das Geld und das Vermögen und Vermögens der
30 die übrige Habe der Getöteten, so dass es in kurzer Zeit eine große Wandlung gab und der Hingerichteten

Zustand Dakiens völlig von diesem Mann verändert wurde. Und an nicht wenigen Paionern,
V. bringt viele
von denen er glaubte, dass sie sich irgendwie in diese Angelegenheiten einmischten, vollzog Ungarn um
er, wobei er keinen von ihnen schonte, ein sehr großes Morden.26 Als es ihm aber schien,
dass die Verhältnisse in Dakien sicher waren, plante er sich gegen den Kaiser zu erheben.
35 Denn diese Menschen bestrafte er mit dem Wissen des Kaisers, damit er seine Herrschaft in
dessen Nutzen sicherte, damit er kein Unglück erleidet, falls sich wieder die führenden Bündnis mit den
Männer Dakiens erheben, indem sie die Paioner als Verbündete und Helfer rufen.27 Ungarn

23 Originelle Behauptung des Ch. Eine Garde wird in der europäischen Überlieferung bei Michel Beheim
erwähnt, der diese Information rhetorisch überformt: „er furt sein reigement und stat / mit den
ergesten wichten / Dy man mach vinden auff der erd, / dy hielt er gar in grassem werd. / wu sy her
woren kummen, / Auss Ungern oder der Sirvei, / von Turken oder Tartarei, / dy warn all auff
genummen.“ Michel BEHEIM: Von ainem wutrich der hies Trakle waida von der Walachei. In: Hans GILLE und
Ingeborg SPRIEWALD (Hg.): Die Gedichte des Michael Beheim. Bd. 1: Einleitung – Gedichte Nr. 1-147.
Berlin 1968, Nr. 99, S. 285-316, Vv. 919-926; Corpus Draculianum, 2. Bd.
24 Vgl. die ähnliche Rhetorik bei Tursun Beğ (→), S. 119. Möglicherweise handelt es sich um eine
Anspielung auf den Konflikt mit dem Bojaren Albu dem Großen, vgl. Ştefan ANDREESCU: Vlad Ţepeş.
Dracula. Bucureşti 1998², S. 90-92; Nicolae STOICESCU: Vlad Ţepeş. Bucureşti 1976, S. 45-47.
Wahrscheinlich verweisen auch die Deutschen Geschichten auf diesen Konflikt mit dem Hinweis, Vlad
habe ein großes walachisches Geschlecht ausgelöscht; vgl. Corpus Draculianum, 2. Bd.
25 Diese Zahl wird grundsätzlich von den Angaben aus der westeuropäischen Überlieferung bestätigt –
was für eine gemeinsame Quelle spricht –, dort aber meist etwas höher angegeben: Im mutmaßlich von
Vlad an Matthias Corvinus verfassten Brief vom 11. Februar 1462 (Corpus Draculianum, 1. Bd.) wird eine
Zahl von 23.884 Toten genannt. Dem entsprechen die Annales Mellicenses (ebd., 2. Bd.), die von
25.000 Toten – anscheinend Walachen und Ungarn – und 23.000 toten Türken berichten. Die
Deutschen Geschichten (ebd., 2. Bd.; Hs. Colmar, Hs. London, Hs. Nürnberg) nennen als Zahl 25.000;
lediglich die Hs. Lübeck spricht, wahrscheinlich aufgrund eines Lesefehlers des Autors oder einer
fehlerhaften Vorlage, von 5.000. Papst Pius II., dem anscheinend eine heute verlorene lateinische
Fassung der Deutschen Geschichten vorlag, gibt deren Angabe von 25.000 Toten wieder. Der
päpstliche Gesandte Nicolaus Modrussa (ebd., 2. Bd.) berichtet, Matthias Corvinus habe ihm im
persönlichen Gespräch von 40.000 Ermordeten „der anderen Partei“ berichtet, also eine doppelte
Anzahl. Ch.s Angabe wird von Oruc (→), S. 153, bestätigt, was auch in diesem Fall auf eine
gemeinsame mündliche oder schriftliche Quellengrundlage – ein Feldzugsbericht? – hindeutet.
26 Gemeint sind die Siebenbürger Sachsen, die als Untertanen des ungarischen Königs „Ungarn“ gewesen
sind, und daher von Ch. antikisierend als „Paioner“ bezeichnet werden. Zum Konflikt mit Vlad vgl.
insbesondere Gustav GÜNDISCH: „Vlad Ţepeş und die sächsischen Selbstverwaltungsgebiete
Siebenbürgens“. In: DERS.: Aus Geschichte und Kultur der siebenbürger Sachsen. Köln-Wien 1987, S. 65-76.
27 Die Opposition der Bojaren gegen Vlad wird auch bei Aşık Paşa-zade (→), S. 109, thematisiert.
18 Chalkokondylēs
(Postbyzantinische Quellen)

Ταῦτα μέντοι οὕτω διεπράττετο. τότε δὴ οὖν τοῦ χειμῶνος, ὡς ἠγγέλλετο


βασιλεῖ τοῦτον νεωτερίσαι διανοούμενον ἀπόστασιν βουλεύεσθαι, ἐπὶ Παίονας 40
τραπόμενον συντίθεσθαι ἐκείνοις καὶ συμμαχίαν ποιεῖσθαι, δεινόν τε ἐποιεῖτο,
252 D καὶ πέμπων ἄνδρα | εὐδόκιμον τῶν θυρῶν αὐτοῦ, γραμματιστὴν Ἕλληνα,
μετεπέμπετο ἐς τὰς θύρας, ὡς, ἤν ἀφίκηταί οἱ ἐπὶ τὰς θύρας, ἄχαρι μὲν οὐδὲν
πρὸς βασιλέως πείσεται, ἀγαθὰ δὲ καὶ εὔνοιαν ἀνακτώμενος οὐχ ὑπερβαλεῖται
αὐτὸν βασιλέα, εὐνοῶν ἐς τὰ τοῦ βασιλέως πράγματα. ταῦτα μὲν ἐπιτείλας 45
ἔπεμπεν ὡς τοῦτον Καταβολινὸν γραμματέα τῶν θυρῶν.
Apodeixeis Historiōn 19
(Postbyzantinische Quellen)

Dies hat er also auf diese Weise getan. Dann in jenem Winter, als dem Kaiser gemeldet
wurde, dass dieser mit feindlichen Gedanken zum Aufstand umging und sich an die Paioner
40 wendet, schließt er mit ihnen ein Übereinkommen und ein Bündnis, [und] er bewertete das
als eine ernste Sache. Und, indem er einen Mann, wohlangesehen von der Pforte schickte,
einen griechischen Sekretär (grammatistes) 28, rief er ihn zur Pforte, indem er sagte, dass ihm,
falls er zur Pforte kommt, nichts Unangenehmes von Seiten des Kaisers geschehen wird,
sondern dass er, weil er sich wohlwollend gegenüber den Interessen des Kaisers erwiesen Sultan sendet
45 hat, Gutes und Gunst gewinne und sogar noch mehr. Indem er dies befahl, sandte er zu ihm Katavolinos

den Sekretär der Pforte, Katavolinos 29.

28 Übersetzung aus TRAPP: PLP. „Grammatistes“ ist eine antikisierende Form des „gramatikos“ (osm.
‫)ﻏﺮاﻣﺎﺗﻴﻘﻮش‬, einer Bezeichnung aus dem 15. Jahrhundert für nicht-muslimische Mitglieder der
osmanischen Kanzlei, welche sich vor allem mit griechischsprachigen offiziellen Schriften befasste. Vgl.
Mehmet Zeki PAKALIN: Osmalı Tarih Deyimleri ve Terimleri Sözlüğü. 1. Bd. Istanbul 1943, S. 679.
29 Die meisten rumänischen Historiker übernehmen wörtlich die Aussagen des Ch.: STOICESCU: Vlad
Ţepeş, S. 91: „diacul Porţii“; ANDREESCU: Vlad Ţepeş (Dracula), 1976, S. 100: „un diac elin în slujba
turcilor“; CAZACU: Dracula, S. 189: „grămătic grec“; Ştefan ŞTEFĂNESCU: „Vlad Ţepeş - un
conducător de stat celebru.“ In: Revista de istorie 29 (1976), Nr. 11, S. 1647-1656, hier S. 1648: „grec“;
Constantin REZACHEVICI: „Vlad l'Empaleur - chronologie, bibliographie.“ In: Revista de istorie 29
(1976), Nr. 11, S. 1745-1766, hier S. 1749: „diacul elin al Porţii“. Im Gegensatz dazu nimmt
BABINGER: Mehmed, S. 218, der die gesamte Textpassage von HAMMER: Geschichte, S. 470,
übernommen hat, eine Konversion an. Diese mutmaßliche Konvertierung stützt sich auf die
Überschneidung der Aufgaben des Katavolinos und des Yunus Beğ. Möglicherweise ist dies lediglich
ein Zufall, wobei Ch. der einzige Autor ist, der von der Mission des Katavolinos berichtet. Seine
Konversion ist jedoch unwahrscheinlich: Thomas Katavolinos war eine bekannte Persönlichkeit in
griechisch-orthodoxen Kreisen und machte Karriere als Vermittler zwischen Griechen und Osmanen.
1460 führte er erfolgreich die Verhandlungen mit Dēmētrios Palaiologos für die Übergabe Mistras
(Kritovoulos, Hg. GRECU, S. 254f.) und 1461 mit David Komnēnos für die Übergabe Trapezunts
(DERS., S. 284f.). Auch mit dem Patriarchat unter Isidoros pflegte er enge Verbindungen. Eine
Konversion hätte daher seinem Ansehen bei den Griechen geschadet. Das entscheidende Argument
liefert Theodoros Agallianos (Hg. Ch. PATRINĒLĒS): Ὁ Θεόδωρος Ἀγαλλιανὸς ταυτι ξόμενος
πρὸς τὸν Θεοφάνην Μηείας καὶ οἱ ἀνέκδοτοι λόγοι του. Athēna 1966, S.120f. (vgl. Einleitung des
Herausgebers über Katavolinos auf S. 72-74): Ein Jahr nach seinem Tod hat sein Bruder in der
Patriarchatskirche und unter der persönlichen Teilnahme des Patriarchen und vieler anderer hoher
kirchlicher Würdenträger aus Konstantinopel eine Totengedenkmesse (μνημόσυνον) veranstaltet; für
eine unbedeutende Persönlichkeit oder einen Renegaten wäre eine solche Messe wohl nicht abgehalten
worden. Dagegen ist zu bedenken, dass der Patriarch unter bestimmten Umständen eine Ausnahme
machen konnte; hingewiesen sei auf die krypto christianoi („verborgene Christen“), die ihre religiöse
Zugehörigkeit vor den osmanischen Autoritäten versteckten (vgl. Kōnstantinos E. PHŌTIADĒS: Die
Islamisierung Kleinasiens und die Kryptochristen des Pontos. Tübingen 1985). Grund dafür waren die
verschiedenen Diskriminierungen als auch die Erleichterung des Aufstiegs in Gesellschaft, Wirtschaft
und Verwaltung (vgl. BINSWANGER: Status der Nichtmuslime, S. 274-309). Ein weiteres Argument gegen
die Gleichstellung von Katavolinos und Yunus Beğ ist die Darstellung des Yunus als
Grenzkommandant (uc beğ) in den osmanischen Quellen. Katavolinos wird bei den Byzantinern dagegen
eindeutig als gelehrter Mann beschrieben, der im Zentrum des Reiches tätig war. Mit der Mission in
der Walachei wurde Katavolinos vermutlich beauftragt, da er einerseits über eine erwiesene
diplomatische Qualifikation verfügte, und andererseits der Sultan wiederum von seinem
Vertrauenskapital bei den Christen profitieren wollte. Das lässt überdies die Vermutung zu, dass
Katavolinos vielleicht durch seine Beziehungen zum Patriarchen am walachischen Hof bekannt war.
Zu Katavolinos vgl. auch: CAZACU: Dracula, S. 189.
20 Chalkokondylēs
(Postbyzantinische Quellen)

Χαμουζᾷ δὲ τῷ ἱερακοφόρῳ λεγομένῳ, ὅς παρὰ τὸν Ἴστρον διέλαχε διοικεῖν


χώραν οὐκ ὀλίγην καὶ Βιδίνης ὕπαρχον εἶναι, κρύφα ἐκέλευε πέμπων, δόλῳ εἰ
δυνήσεται ἀγαγεῖν τὸν ἄνδρα, αὐτῷ χαριεῖσθαι μεγάλως, εἴτε δόλῳ εἴτε τρόπῳ
ἄλλῳ, οἱῳ δυνήσεται συλλαβεῖν. οὗτος μὲν οὖν παραγγείλας τῷ γραμματιστῇ 50
ἐς τὴν σύλληψιν τοῦ ἀνδρός, ἅττα ἐδόκει σφίσι βουλευομένοις πρόσφορα εἶναι,
συμπροπέμποντι αὐτὸν τῷ Βλάδῳ ὑποίσειν ἐνέδρας προλοχίσαντα αὐτοῦ
502 Β ταύτην τὴν χώραν, οὕτω ποιεῖσθαι τὴν σύλληψιν, | σημαίνεσθαι δέ οἱ, ἐπαν
μέλλῃ ἀποχωρεῖν, τὸν γραμματιστήν. ταῦτα ποιοῦντος ἐκείνου, καὶ τὴν ὥραν
ὑποσημαίνοντος, ἐν ᾗ ἀποχωροῦντα αὐτὸν ἔδει συμπροπέμψαι τόν Βλάδον, 55
προελόχισεν αὐτοῦ ταύτην τὴν χώραν ὁ Χαμουζᾶς. Βλάδος δὲ σὺν τοῖς περὶ
αὐτὸν ὡπλισμένος, ὡς συμπροὔπεμπε τὸν θυρῶν τῆς αὐτῆς ἡγεμόνα καὶ τὸν
γραμματιστήν, ἐνέπεσέ τε ἐς τὰς ἐνέδρας, καὶ ὡς ἔγνω, τούτους μὲν αὐτίκα
διακελευσάμενος συλλαμβάνει καὶ τοὺς θεράποντας, ὡς δὲ ἐπῄει ὁ Χαμουζᾶς,
ἐμαχέσατό τε ἀξίως λόγου, καὶ τρεψάμενος αὐτόν τε ἐζώγρησε καὶ τῶν ἄλλων 60
διαφυγόντων διέφθειρεν οὐ πολλούς. τούτους [μὲν] 30 ὡς ἐζώγρησε, σύμπαντας
253 D ἀπαγαγὼν | ἀνεσκολόπισεν, ἀκρωτηριασάμενος τοὺς ἄνδρας πρότερον,
Χαμουζᾶν δὲ ἐπὶ ὑψηλοτέρου σκόλοπος ποιησάμενος, τήν τε θεραπείαν ἅμα
τοῖς ἑαυτῶν δεσπόταις τὰ αὐτὰ ταῦτα ἔδρασε. μετὰ δὲ ταῦτα αὐτίκα στρατὸν
παρασκευασάμενος, ᾕ δύναμις, μέγιστον, ἤλασέ τε αὐτίκα ἐπὶ τὸν Ἴστρον, καὶ 65
διαβὰς ἐς τὰ ἐπὶ τάδε χωρία τοῦ Ἴστρου καὶ χώραν τοῦ βασιλέως πασσυδί τε
ἅμα παισὶ καὶ γυναιξὶ διέφθειρε, καὶ οἰκίας ἐνεπίμπρα, πῦρ ἐνιείς, ὅποι
προσῄει. καὶ μέγιστον ἐργασάμενος φόνον ἀπήλαυνεν ὀπίσω ἐπὶ Δακίας.
503 Β [FHDR, 504] Ταῦτα μὲν οὖν ὡς ἠγγέλλετο βασιλεῖ Μεχμέτῃ, τούς τε πρέσβεις
αὐτοῦ διαφθαρῆναι ὑπὸ Βλάδου τοῦ Δακίας ἡγεμόνος, καὶ Χαμουζᾶν ἄνδρα 70
εὐδόκιμον τῶν βασιλέως θυρῶν οὕτω ἐν oὐδενὶ λόγῳ ἀποθανεῖν, ἢχθετο μέν,
οἷα εἰκός, καὶ δεινότερα ἐποιεῖτο, εἰ ἄνδρας αὐτῷ τοιούτους περιόψεται οὕτω
διαφθαρέντας, κἀκεῖνον εἰς τοῦτο ὕβρεως ἀφικόμενον, ὥστε καὶ τοὺς πρέσβεις
αὐτῷ διαχρήσασθαι, μὴ τιμωρήσεται τὸν φόνον ἐκείνων τῶν αὐτῶν
εἰσπραττόμενος τὸν τῆς Δακίας ἡγεμόνα. ἤχθετο μέντοι καὶ τόδε, ὅτι τὸν 75
Ἴστρον διαβὰς σὺν χειρὶ πολλῇ καὶ ἐμπρήσας τὴν βασιλέως χώραν καὶ φόνον
τῶν τε ὁμοφύλων αὐτῷ ἐργασάμενος ὀπίσω ἐλαύνοι. πολλῷ δὲ τούτων
δεινότερα ἐποιεῖτο, ταῦτα τοὺς ἑαυτοῦ πρέσβεις ἐργάσασθαι.

30 Eingefügt von DARKÓ.


Apodeixeis Historiōn 21
(Postbyzantinische Quellen)

Dem Hamuza aber, genannt der Falkenmeister, der die Aufgabe erhalten hatte, nicht wenig
Land neben der Donau zu beherrschen 31 und der Statthalter Vidins 32 zu sein, sandte er den
geheimen Befehl, ihm, wenn er es kann, durch eine List den Mann zu bringen, [wobei er Aufgabe: V. in die
50 ihm versprach, dass er ihm sehr dankbar sein werde für dieses und [er regte an,] ihn durch Falle zu locken und
zu fassen
eine List zu fangen, [oder] sei es auf andere Weise. Dieser befahl also dem Sekretär, den
Mann zu fangen. Sie berieten untereinander, welche von den anzuwendenden Mitteln für
das Erreichen dieses Ziels geeignet erschienen, nämlich als Vlad ihn zur Rückkehr begleitet,
sollte er ihn in eine Falle locken in diesem Land und ihn solcherweise sogar fangen. Der
55 Sekretär aber soll ihm [Hamuza] melden, wenn er zurückgeht.
Und nachdem der Sekretär das tut und ihm im Geheimen die Stunde nennt, in welcher er in
Begleitung Vlads weggeht, legte ihm Hamuza eine Falle in diesem Land. Vlad aber, der
samt seinen Leuten bewaffnet worden war, als er den Statthalter (hegemona) dieser [Hohen] V. ist vorbereitet
Pforte und den Sekretär geleitete, fiel in die Falle und, als er es merkte, gab er den Befehl,
60 dass diese zusammen mit ihren Dienern gefangen werden und, als Hamuza angriff, kämpfte
er mit Tapferkeit und, indem er ihn besiegte, fing er ihn und von den anderen, die
flüchteten, tötete er einige. Diese, einmal gefangen, brachte er alle weg und spießte sie auf,
nachdem er die Männer zuerst verstümmelte, dem Hamuza aber machte er einen höheren Katavolinos und
Hamza werden
Pfahl; und den Dienern tat er dasselbe an wie ihren Herren. Danach aber stellte er sogleich ermordet

65 ein möglichst großes Heer zusammen [und] zog in Richtung Donau und, indem er in die
V. überquert die
Gebiete diesseits der Donau zog, zerstörte er das Land des Kaisers, indem er die Bewohner Donau und verheert
völlig ausrottete, zusammen mit ihren Frauen und Kindern und die Häuser zündete er an,
wobei er alles verbrannte, wohin er auch ging. Und nachdem er großes Verderben
angerichtet hatte, ging er zurück nach Dakien. 33
70 Als dem Kaiser Mehmed dies gemeldet wurde, dass seine Gesandten von Vlad, dem Sultan verärgert

Herrscher Dakiens getötet wurden, und dass Hamuza, ein geachteter Mann der kaiserlichen
Pforte, dem Tod übergeben wurde, wurde er traurig, wie es natürlich war und er glaubte,
dass es noch schlimmer war, wenn er die Tötung in einer solchen Weise einiger so
bedeutender Männer überging und das so große Wagnis dieses einen, die Gesandten zu
75 töten, und wenn er keine Rechenschaft vom Herrscher Dakiens verlangt für ihren Tod.
Aber er war auch böse, weil er die Donau überquert hatte mit einem großen Heer und,
nachdem er das Land des Kaisers verbrannt und die Menschen aus seiner Sippe 34 ermordet
hatte, hinübergehen konnte. Aber als viel schlimmer als das empfand er, was man seinen
Gesandten angetan hatte.

31 Vgl. Aşık Paşa-zade (→), S. 109: Çakırcı-başı Hamza Beğ, der vom Sultan mit der Überwachung der
Walachei beauftragt wurde.
32 Vgl. die osmanischen Quellen (→): Nikopolis.
33 Dieser Bericht wird vom mutmaßlichen Brief Vlads vom 11. Februar 1462 an König Matthias Corvinus
bestätigt, eine von Ch. unabhängige Quelle. Vgl. Nicolae IORGA: Scrisori de boieri, scrisori de domni.
Vălenii de Munte 1925, S. 166-170, sowie Corpus Draculianum, 2. Bd.
34 Wahrscheinlich sind damit die Muslime gemeint.
22 Chalkokondylēs
(Postbyzantinische Quellen)

ὅθεν δὴ ἁπανταχῇ περιαγγέλλων τοῖς τε ἀρίστοις καὶ τοῖς ἄλλοις κατὰ λόγον
προηγόρευε καλλίστῳ κόσμῳ ἐλαύνοντας καὶ ἐξωπλισμένους παρεῖναι αὐτῷ 80
254 D τὰ στρατεύματα ἐξελαύνοντι. τὴν μὲν οὖν στρατιὰν οὕτω παρεσκευάζετο ἐπὶ
τοὺς Δακούς. λέγεται δὲ καὶ τόδε, ὡς Μαχουμούτῃ τῷ ἡγεμόνι, ὅτι τῆς ἀγγελίας
πρότερον τούτων ἔτι ἀφικομένης περί | τε τοῦ φόνου τῶν πρέσβεων καὶ
504 B Χαμουζᾶ τοῦ ὑπάρχου καὶ τοῦ ἐμπρησμοῦ τῆς χώρας, οὔτε εὑρὼν παρὰ βασιλέα
ἀπηγγέλλετο τὰ γενόμενα περὶ Δακῶν ἐς τοὺς βασιλέως ἄνδρας, καὶ χαλεπῶς 85
ἤνεγκε. λέγεται δέ, ὡς καὶ πληγὰς | ἐνέβαλε τῷ ἀνδρί. νομίζεται δὲ καὶ τοῦτο ἐς
τὰς θύρας τοῦ βασιλέως οὐ πάνυ τι αἰσχρὸν εἶναι, τούτους οὕς ἀπὸ
ἀνδραπόδων καὶ μὴ Τούρκων παῖδας αὐτῷ ἐς τὴν ἀρχὴν παραγενομένους.
κήρυκας μέντοι πέμπων ἁπανταχῇ ἐκέλευεν αὐτῷ παρεῖναι τὴν στρατιὰν
ἐξωπλισμένην καλῶς, καὶ τοὺς ἱπποδρόμους αὐτῷ ἕπεσθαι ξύμπαντας ἐς τήνδε 90
τὴν στρατείαν. οἱ δὲ τοῦ βασιλέως κήρυκες οἱ τἀς ἀγγελίας φέροντες αὐτῷ ἐς
255 D τὴν χώραν (...)
505 B [...]
Ἐπεί τε δὴ τὰ στρατεύματα παρεσκεύαστο τῷ βασιλεῖ, ἐπὶ Δακίαν
ἐστρατεύετο 35 ἦρος εὐθὺς ἀρχομένου. μέγιστον δὲ τοῦτον | στρατὸν γενέσθαι
φασί, δεύτερον μετά γε τὴν ἐς τὸ Βυζάντιον ἐπέλασιν τοῦ βασιλέως τοῦδε. 95
λέγεται δὲ τοῦτο τὸ στρατόπεδον κάλλιστον μὲν γενέσθαι τῶν ἄλλων
στρατοπέδων, καὶ κόσμον πoλὺν παρέχεσθαι ἔς τε τὰ ὅπλα σφισι καὶ ἐς τὴν
σκευήν, γενέσθαι δὲ ἀμφί τὰς πέντε καὶ εἴκοσι μυριάδας στρατοῦ. καὶ τοῦτο
λογίζεσθαι ῥᾳδίως ἀπὸ τῶν τοῦ πόρου τοῦ Ἴστρου ἐμποριστῶν, ὡν
ἐξωνησαμένων ἀπό βασιλέως τὸν πορθμὸν ἐς τριάκοντα μυριάδας χρυσίου 105
στατῆρας, λέγεται χρήματα μεγάλα κερδᾶναι.

35 DARKÓ ἐστρατύετο (offensichtlich falsch).


Apodeixeis Historiōn 23
(Postbyzantinische Quellen)

Sammlung des
80 Daher sandte er Nachricht überallhin, an seine führenden Männer und sagte ihnen und den Heeres
anderen, jedem seinem Rang entsprechend, er soll in guter Ordnung kommen und sich voll
bewaffnet vorstellen, denn er geht in den Krieg mit seinen Heeren. 36 Solcherweise bereitete
er seinen Feldzug gegen die Daker vor. Aber man sagt auch, dass vor all diesem, als die
Nachricht über die Ermordung der Boten und des Statthalters (hyparchos) Hamuza und über
85 die Verwüstung des Landes eintraf, der Wesir (hegemon) Mahmud, ohne beim Kaiser gewesen
zu sein, den Männern des Kaisers sagte, was bei den Dakern geschehen war und er ihn sehr
böse machte. Und man sagt, dass dieser ihn sogar schlug. An der Pforte des Kaisers hält
man so etwas nicht für eine völlig beschämende Sache, wenn es um Leute geht, die aus den
Reihen der Sklaven 37 und nicht aus den Söhnen der Türken zur Führung gelangt sind.
90 Indem er also Herolde nach allen Seiten schickte, befahl [der Kaiser], dass sich ihm das
Heer vollständig und gut bewaffnet vorstellt und dass ihn auf diesem Feldzug die ganze
Reiterei begleiten soll. Die Herolde des Kaisers bringen seine Nachrichten in das Land (…)

[Es folgt ein Exkurs über die Schnelligkeit des osmanischen Nachrichtenwesens.]

Nachdem seine Heere vorbereitet wurden, zog der Kaiser zu Frühlingsbeginn gegen Dakien Frühling

los. Man sagt, dass es ein sehr großes Heer gewesen sei, das zweite [an Größe] nach dem Sultan zieht mit
95 Angriff dieses Kaisers gegen Byzanz. Und man sagt, dass die Aufstellung dieses Heeres großer Streitmacht
zur Donau
schöner gewesen sei als je zuvor. Und dass es viel Ordnung hinsichtlich der Waffen und der
Ausrüstung gab, und dass das Heer etwa 250.000 38 Soldaten gezählt haben soll. Und das Sultan zahlt für
kann man leicht davon ableiten von denen, die den Übergang über die Donau verpachteten das Übersetzen
der Donau
und die vom Kaiser den Übergang über den Fluss gekauft haben mit 300.000 Goldmünzen; 300.000
Goldmünzen
100 man sagt, dass sie sehr viel Geld gewonnen haben. 39

36 Damit ist die timariotische Reiterei (sipahi) gemeint, die den größten Anteil an der osmanischen Armee
bildete. Entsprechend des Umfangs seines timars sollte ein sipahi bestimmte Ausrüstung und eine gewisse
Anzahl bewaffneter Gefolgsleute (cebelü) und Zelte (çadur oder tenkür) mitbringen. Vgl. INALCIK: Classical
Age, S. 113-116.
37 Gemeint ist, dass der osmanische Zentralverwaltungsapparat, falls er nicht aus assimilierten
südosteuropäischen Eliten bestand, sich fast ausschließlich aus den devşirme-Rekruten und anderen
Renegaten zusammensetzte. Vgl. PAPOULIA: Knabenlese; Heath LOWRY: The Nature of the Early Ottoman
Empire. New York 2003, S. 117-119 und 128.
38 Diese Zahl stellt freilich eine starke Übertreibung dar. Das gesamte Kriegspotential des Osmanischen
Reiches zählte zur Zeit Mehmeds II. nicht einmal die Hälfte, nämlich höchstens 110.000 Männer.
Wenn man die Garnisonsbesatzungen, die Reserven und diejenigen zusammenzählt, die polizeiliche
und andere Dienste erfüllten, so konnten nur maximal zwei Drittel davon mobilisiert werden. Die
Praxis zeigte allerdings, dass es den Osmanen niemals gelungen ist, mehr als 60% dieser potentiellen
Kriegsteilnehmer zu mobilisieren. Vgl. MURPHEY: Ottoman Warfare, S. 35-49. Der Grund, warum der
Sultan mit einem großen Heer in die Walachei zog, war anscheinend, dass er eine Konfrontation mit
den Ungarn auf walachischem Boden erwartete; anders kann nicht erklärt werden, warum er mit
solchem Aufwand gegen ein Land von so geringer Größe zog, das zudem innenpolitisch instabil war.
39 Diese Stelle ist ein wichtiger Beleg für die Quellen des Ch.: Offensichtlich bezieht der Autor seine
Informationen von Augenzeugen. Im Übrigen konfuse und unklare Stelle; bei der Überquerung der
Donau hat sehr wahrscheinlich das osmanische Heer Fuhrmänner angeworben.
24 Chalkokondylēs
(Postbyzantinische Quellen)

κατὰ τὴν ἤπειρον ὁ στρατὸς ὁρμώμενος ἀπὸ Φιλιπποπόλεως, κατὰ δὲ


θάλατταν πληρώσας τριήρεις ἀμφὶ τὰς εἴκοσι καὶ πέντε καὶ πλοῖα εἰς ἑκατὸν
καὶ πεντήκοντα, ἐπορεύετο εὐθὺ τοῦ Ἴστρου ὡς διαβησόμενος διὰ τῆς Βιδίνης
πόλεως. ἐκέλευε δὲ πλέειν ταῦτα τὰ πλοῖα [FHDR, 506] διὰ τοῦ Εὐξείνου πόντου
ἐπὶ τὸν Ἴστρον. καὶ ὁ στόλος, ὡς ἐνετέλλετο βασιλεύς, διὰ τοῦ Πόντου ἐπέπλει 110
ἐς τὸ τοῦ Ἴστρου στόμα· καὶ ὡς ἐς τὸ στόμα ἐγένετο, ἀνήγετο ἐπὶ τοῦ ποταμοῦ
ἐπὶ τὴν Βιδίνην. καὶ ποι καὶ ἀπόβασιν ποιησάμενος ὁ στόλος τάς τε οἰκίας
ἐνεπίμπρα, καὶ ἔκαὶε, τήν τε Πραΐλαβον πόλιν τῶν Δακῶν, ἐν ᾖ καὶ ἀγορὰν
παρέχονται βελτίω ἁπασῶν τῶν ἐν τῇ χώρᾳ, πῦρ ἐνιέντες ἐνέπρησαν. εἰσὶ δὲ αἱ
οἰκίαι ξύλιναι ὡς τὸ ἐπίπαν. Δᾶκες γάρ, ὡς ἐπύθοντο βασιλέα ἐπιέναι ἐπὶ σφᾶς, 115
506 B τὰς μὲν γυναῖ‐|κας καὶ παῖδας ὑπεξέθεντο, τὰς μὲν ἐς τὸ ὄρος τὸ Πράσοβον,
256 D τὰς δὲ ἐς πολίχνην [...] τοὔνομα, ἐς ἣν κύκλῳ περιιὸν ἐνετήρει καὶ ἐφύλαττε, καὶ
τὸ ἕλος ἐχυρώτατον ἐποιεῖτο, καὶ ἐν ἀσφαλεῖ καθίστησι μάλιστα. τὰς δ' αὖ καὶ
ἐς τοὺς δρυμῶνας, οὕς χαλεπόν ἐστι διιέναι ἀνδρὶ ἐπήλυδι καὶ μὴ ἐπιχωρίῳ·
πυκνότατοι γὰρ ὂντες, καὶ δένδροις καταπεφυτευμένοι πυκνοῖς, ὡς ἥκιστα 120
παρέχονται διὰ πολλοῦ βάσιμον τὴν εἴσοδον. τὰς μὲν οὖν γυναῖκας καὶ παῖδας
οὕτως ἐξέθεντο, αὐτοὶ δὲ συναθροισθέντες ἐς τὸ αὐτὸ εἵποντο Βλάδῳ τῷ
ἡγεμόνι.
Apodeixeis Historiōn 25
(Postbyzantinische Quellen)

Zu Lande zog das Heer von Philippopolis los, auf dem Meer aber rüstete er 25 Triremen aus Osmanische Flotte
und 150 Transportschiffe 40, und er ging an die Donau heran, mit dem Gedanken bei Vidin auf der Donau

überzusetzen. Und er befahl, dass diese Schiffe durch das Schwarze Meer in die Donau
einlaufen. Und die Flotte fuhr, so wie es der Kaiser befohlen hatte, durch das Schwarze
105 Meer zur Mündung der Donau. Und als sie an der Mündung ankam, fuhr sie in den Fluss
Richtung Vidin. Und wo die Flotte eine Landung machte, zündeten [die Türken] die
Häuser an und verbrannten [alles]; und, indem sie anzündeten, verbrannten sie auch Brăila verbrannt

Prailavon 41, eine Stadt der Daker, in dem ein Markt stattfindet, besser als in allen Städten
des Landes. Denn fast alle Häuser sind aus Holz. Die Daker aber, als sie hörten, dass der Walachen
verbergen
110 Kaiser gegen sie zieht, verbargen ihre Frauen und Kinder, einen Teil im Berg Prasovon 42, Familien, Habe
an unzugänglichen
einen anderen in einer Stadt namens […] um die rundherum sich ein Sumpf erstreckte, Orten
[wobei] er verteidigte und Wache hielt, und das Moor machte [den Ort] stark und gewährte
Sicherheit. Die anderen aber versteckten sie in Wäldern, die nur schwer durch einen aus der
Fremde gekommenen Mann zu durchschreiten waren, der nicht ortsansässig war, denn sie
115 sind sehr dicht, und die in ihnen wachsenden Bäume stehen sehr nahe aneinander, so dass
man nur allzu wenig in ihre Tiefe vordringen kann. So also verbargen sie ihre Kinder und
Frauen, sie selbst aber folgten, nachdem sie sich an einem Ort versammelt hatten, Vlad,
dem Herrscher.

40 Die Anzahl der Schiffe ist überraschend klein und relativiert noch weiter die übertriebene Angabe über
die osmanische Heeresstärke. Sie scheint akkurat zu sein und deutet auf ein viel kleineres Heer hin,
dessen Donauüberquerung und Proviant durch die Flotte gesichert wurden. Wird die osmanische
Heeresstärke mit 50.000 Mann angenommen, dann müssten mindestens 100.000 Pferde zur Verfügung
gestanden haben, da die osmanische Armee größtenteils aus Reitern bestand. Hinzu kommen
Tausende von Menschen, welche die komplexe Logistik unterstützten. Eine Berechnung des
Wasserbedarfs ergibt (1 Liter pro Mensch und 10 Liter pro Pferd), dass täglich über 1 Million Liter
Wasser pro Tag gebraucht wurden. Beispielsweise wurden während des Feldzugs gegen Bagdad
(1638/39) vom Sultanshof, einschließlich 9.000 Janitscharen, in 21 Monaten über 260.000 Schafe
konsumiert. In den drei Monaten der Mobilisierung gegen die Walachei (zwei Monate Marsch, ein
Monat Krieg in der Walachei) sollten in vergleichbarer Relation etwa 37.000 Schafe geschlachtet
worden sein. Ausgehend davon, dass die gewöhnlichen Soldaten sich eine solche Ernährung nicht
leisteten, können weitere 50.000 Schafe für den Rest des osmanischen Heeres berechnet werden.
Rhoad Murphey hat für 20.000 Soldaten monatlich 600.000 okka berechnet, welche von 3.150
Kamelen transportiert werden sollten. Den gesamten Transport für diese Soldaten übernahmen in zwei
bis drei Monaten zwischen 35.000 und 55.000 Kamele. Wenn man von 50.000 Soldaten ausgeht,
werden die Summen äußerst hoch, sogar im Falle von 150 Frachtschiffen. Vgl. MURPHEY: Ottoman
Warfare, S. 65-103, hier S. 70-73.
41 Brăila. Zur Frage der Befestigung vgl. Fn. 162.
42 Braşov, dt. Kronstadt, an der südlichen ungarischen Grenze zur Walachei.
26 Chalkokondylēs
(Postbyzantinische Quellen)

καὶ ἐς δύο μοίρας ἐπιδιελόμενος τὸν στρατὸν τὸν μὲν εἶχε παρ' ἑαὐτῷ, τὸν δὲ
ἔπεμπεν ἐπὶ τὸν τῆς μελαίνης Μπογδανίας ἡγεμόνα, ὡς, ἢν ἐσβαλεῖν ἐκεῖνος 125
πειρῷτο, ἀμυνόμενοι μὴ περιίδωσιν ἐσβαλόντα ἐς τὴν χώραν. ὁ γὰρ τῆς
μελαίνης ταύτης Μπογδανίας ἡγεμὼν διενεχθεὶς ἐπολέμει τῷ Βλάδῳ ἀπὸ
αἰτίας τοιᾶσδε, καὶ πρέσβεις πέμπων παρὰ βασιλέα Μεχμέτην ἐπεκαλεῖτο, καὶ
συνάρασθαι τὸν πόλεμον ἔφασκεν ἕτοιμος εἶναι. βασιλεὺς μὲν οὖν ἠρέσκετό τε
τοῖς τοῦ ἡγεμόνος τούτου λόγοις, καὶ ἐκέλευσεν οὕτω ποιεῖν τὸν ἑαυτοῦ 130
στρατηγόν, συμμίσγοντα τῷ ναυάρχῳ ἐς τὸν ποταμὸν πολιορκεῖν τὸ Κελλίον
πόλιν οὕτω καλουμένην τοῦ Βλάδου, ἐπὶ τῷ στόματι τοῦ ποταμοῦ. ὁ μέντοι
ἡγεμὼν οὗτος συλλέξας στράτευμα ἀπὸ τῆς χώρας ἴετο ἐπὶ τὸν βασιλέως
507 Β στόλον εὐθὺ τῆς Κελλίου πόλεως, ὡς συμμίξων τῷ ναυάρχῳ. | καὶ ἐπεί τε
συνέμισγε τῷ βασιλέως στρατῷ, ἐπολιόρκουν ἀμφότεροι τὴν πόλιν, καὶ 135
257 D προσβάλλοντἐς ἐπὶ ἡμέρας συχνὰς ἐξεκρούσθησαν | καὶ ἀπέβαλον ὀλίγους
τινάς. ὡς δ' οὐ προεχώρει ἡ τῆς πόλεως αἵρεσις, ἀπεχώρουν ἢδη ἑκάτεροι. ὁ μὲν
οὖν μέλας Μπόγδανος ἤϊεν ὁμόσε ὡς ἐσβαλῶν ἐς την τῶν Δακῶν χώραν,
ἐκωλύετο δὲ ὑπὸ τῆς μιᾶς μοίρας τοῦ στρατοῦ, ἥτις ἐτέτακτο ταύτῃ φυλάσσειν
τὴν χώραν. Βλάδος δὲ αὐτὸς ἔχων τὴν μείζω μοῖραν τοῦ στρατοῦ ἐπορεύετο διὰ 140
τῶν δρυμώνων, ἐκδεχόμενος ἰδεῖν, ὅπου χωρήσει ὁ τοῦ βασιλέως στρατός.
βασιλεὺς μὲν γάρ, ώς τὰ στρατεύματα αὐτῷ διαβάντα τὸν Ἴστρον ὲγένετο ἐς
τὴν Δακίαν, ἐπέδραμεν οὐδαμῇ. οὐ γὰρ εἴα ὁ βασιλεύς, ἀλλὰ συντεταγμένῳ
ἐπορεύετο τῷ στρατεύματι. ἐπορεύετο δ' εὐθὺ τῆς πόλεως, ἐς ἣν γυναῖκάς τε
καὶ παῖδας ὑπεκθέμενοι οἱ Δᾶκες αὐτοὶ εἵποντο τῷ βασιλεῖ διὰ τῶν δρυμώνων· 145
καὶ ἤν τι ἀποσπασθείη τοῦ στρατοῦ, αὐτίκα ὑπὸ τούτων διεφθείρετο. ὁ μὲν οὖν
βασιλεύς, ὡς οὐδεὶς ἐπιὼν ἐπηγγέλλετο αὐτῷ ἐς τὴν μάχην, οὔτε ἀπὸ Παιόνων
παρεῖναι τῷ Βλάδῳ βοήθειαν, ὠλιγώρει τε καὶ ἠμέλει τoῦ χάρακος, καὶ τὸ
στρατόπεδον ἐν εὐρυχωρίᾳ ἔπιπτε. Βλάδος τε γάρ, ώς ἐπύθετo τοὺς πολεμίους
508 Β ἐπιόντας, ἔπεμπεν ἄγ‐|γελον ἐς τοὺς Παίονας, λέγοντα τάδε· «ὦ ἄνδρες 150
Παίονες, ὑμεῖς ἴστε που, ὡς ἡ χώρα ἡμῶν ὅμορός τέ ἐστι τῇ ὑμετέρᾳ, καὶ παρὰ
τοῦ Ἴστρου οἰκοῦμεν ἀμφότεροι. νῦν οὖν πυνθάνεσθε, [FHDR, 508] οἴομαι,
Apodeixeis Historiōn 27
(Postbyzantinische Quellen)

Und indem er das Heer in zwei Teile aufteilte, hielt er einen Teil bei sich, den anderen aber
120 schickte er gegen den Herrscher des Schwarzen Bogdaniens43, um ihn abzuwehren, wenn V.s Feindschaft
mit der Moldau
jener es versuchen würde, ihn anzugreifen, damit er ihn nicht schwächt mit Geplänkeln, und seine
Maßnahmen
wenn es ihm gelingt, ins Land zu kommen. Denn der Herrscher dieses Schwarzen
Bogdaniens lag im Streit44 und führte Krieg aus diesem Grund mit Vlad und, indem er
Bündnis und
Gesandte zum Kaiser Mehmed schickte, rief er ihn [zur Unterstützung] und sagte, dass er Abmachungen zw.
125 bereit ist, neben ihm in den Krieg zu ziehen. Dem Kaiser gefielen die Worte dieses den Moldauern
und Osmanen
Herrschers und er trieb ihn dazu, es so zu tun, dass sein Heerführer sich auf dem Fluss mit
seinem Flottenkommandanten vereinigt und sie die Stadt Vlads genannt Chilia belagern
sollten, an der Mündung des Flusses. So ist dieser Herrscher, indem er ein Heer aus dem
Land sammelte, eilig weggezogen zur Flotte des Kaisers, nahe der Stadt Chilia, um [seine Moldauer

130 Streitkräfte] mit dem Flottenkommandanten zu vereinigen. Und nachdem er sich mit dem belagern erfolglos
Chilia, plündern
Heer des Kaisers vereinigt hatte, belagerten beide die Stadt und, nachdem sie sie mehrere dann Walachei

Tage berannt hatten, wurden sie vertrieben und verloren einige Männer. Aber da sie bei der
Eroberung nicht vorankamen, zogen sich beide nun zurück.45 Und dann begann der
Schwarze Bogdan mit seinem Angriff gegen das Land der Daker, er wurde aber von diesem
135 Teil des Heeres aufgehalten, welches dort aufgestellt worden war, um das Land zu
bewachen. Vlad aber zog mit dem größeren Teil des Heeres durch die Wälder, wobei er V. verbirgt sich
wartete, wohin das Heer des Kaisers ziehen würde. Denn, nachdem die Soldaten über die Sultan marschiert
Donau gezogen und in Dakien angekommen waren, kam es nirgendwo zu Überfällen. Denn in Ordnung,
erlaubt keine
der Kaiser erlaubte [so etwas] dem Heer nicht, sondern ging mit ihm in Schlachtordnung. Plünderungen
140 Er ging zu der Stadt, in welcher die Daker ihre Frauen und Kinder versteckt hatten, sie aber Sultan greift eine
Stadt an, in der
hielten sich in den Wäldern auf, dem Kaiser folgend. Und wenn einige aus dem Heer sich Frauen und
zerstreuten, wurden sie sofort von diesen getötet. Da ihm gemeldet worden war, dass Kinder waren

niemand sich ihm zum Kampf entgegenstellt und dass auch von den Paionern keinerlei Hilfe Sultan hört, dass
die Ungarn nicht
für Vlad kam, sorgte sich der Kaiser nicht und kümmerte sich nicht um die Befestigung [des kommen und ist
145 Lagers]; und das Lager wurde auf einem offenen Feld aufgeschlagen. Vlad aber hatte, sobald sorglos

er vom Angriff der Feinde erfahren hatte, einen Boten zu den Ungarn geschickt, der
Folgendes sagte: „Paioner, Ihr wisst wohl, dass unser Land Nachbar mit Eurem ist und dass
wir beide an der Donau wohnen.

43 Osmanisch Kara Boğdan = Moldau; in diesem Fall Stefan der Große (1457-1504). Die Osmanen
benannten politische oder Staatsentitäten meistens mit dem Namen des Gründers des Herrscherhauses
(Patronym). Das Epitheton „schwarz“ hatte mehrere Bedeutungen im Mittelalter: klein, nieder, ferner,
Nord/nördlich. Die Bezeichnung „Kara Boğdan“ bedeutet mit Bezug auf die Walachei „die kleine
Walachei“. Bisweilen wurde die Moldau in osmanischen Dokumenten sogar Kara Eflak (= die schwarze
Walachei) oder Küçük Eflak (= die kleine Walachei) genannt. Verwirrend ist auch, dass selbst die
Walachei manchmal mit „Kara“ belegt wurde. Dabei steht die Walachei in Verbindung zu Valachia
Magna im Epyros-Gebirge: die „rumänische“ Walachei ist die Kleine (kara) und die epyrotische die
Große.
44 Vgl. Tursun Beğ (→), S. 127.
45 Stefan wurde laut seiner Hofchronik am 22. Juni bei der Belagerung Chilias am Bein verwundet; die
Chronik bietet überdies keine weiteren Informationen zum Verlauf des Feldzugs. Vgl. Corpus
Draculianum, 2. Bd.; „Letopiseţul de când s-a început ţara Moldovei“. Letopiseţul lui Ştefan cel Mare. Hg. von G.
MIHĂILĂ. Bucureşti 2005, S. 44.
28 Chalkokondylēs
(Postbyzantinische Quellen)

καὶ ὑμεις τὸν βασιλέα Τούρκων μεγάλῃ χειρὶ ἐπιόντα στρατεύεσθαι ἐφ' ἡμᾶς.
258 D καὶ ἢν τάδε καταστρεψάμενος ὑπάγηται ὡς τὴν Δακίαν, τόδε ἐπίστασθέ που
καὶ ὑμεῖς, ὡς οὔτε ἡσυχίαν ἄγοντἐς καθεδοῦνται, ἀλλ' ἐφ' ὑμᾶς αὐτίκα | 155
ἐπιόντες στρατεύσονται, καὶ πράγματα ἔσται ὑπ' αὐτῶν ἀνήκεστα ἐς τὴν
ὑμετέραν χώραν ἰδρυμένοις. νῦν οὖν ὥρα ἐστὶ καὶ ὑμᾶς βοηθοῦντας ἡμῖν
ἀπαμύνειν, ὡς οἷόν τε μάλιστα, τὸν στρατὸν τόνδε ἀπὸ τῆς χώρας, καὶ μὴ
περιορᾶν φθείροντά τε τὴν χώραν καὶ ἐπικακοῦντα καὶ καταστρεφόμενον τὸ
γένος ἡμῶν. ἔχει δὲ καὶ τοῦ ἡγεμόνος τοῦ ἡμετέρου ἀδελφὸν νεανίαν, ὥστε 160
καθιστάντα αὐτὸν ἡγεμόνα ἐς τὴν Βλαχίαν, ἤν τι μὴ προχωροίη αὐτῷ ἑκάστων
κατὰ νοῦν». τὸν γάρ τοι τοῦ Βλάδου ἀδελφὸν νεανίαν, ὡς ἐστρατεύετο ἐπὶ τὴν
Δακίαν, μεγάλως τε φιλοφρονησάμενος ἐτίμησε, καὶ χρήμασι καὶ ἐσθῆτι
ἐδωρεῖτο πολλῇ τε καὶ ἀγαθῇ, καὶ ἐκέλευε πέμπειν ἐπὶ τὴν Δακίαν λόγους, ἐπὶ
τοὺς δυνατοὺς ἄγειν τὰ πράγματα. ὃθεν ἐπὶ εὐδαιμονίαν αὐτίκα γενόμενος 165
ἔπρασσε πέμπων, ὡς ἐκέλευε βασιλεύς. οὐ μέντοι γε προεχώρει αὐτῷ τότε
509 Β προπέμποντι. | ταῦτα ὑπὸ τοῦ ἀγγέλου ἀκούσαντες οἱ Παίονες ἐπείθοντό τε
τοῖς λόγοις, καὶ ὥρμηντο βοηθεῖν καὶ ἐς τὰ μάλιστα ἐπαμύνειν. συνέλεγον δὲ
στράτευμα.
Καὶ οἱ μὲν ἐν τούτοις ἦσαν βασιλεὺς δὲ προελαύνων σὺν τῷ στρατῷ ἐνεπίμπρα 170
μὲν τὰς κώμας καὶ τὰ ὑποζύγια διήρπαζεν, οἷς ἂν περιτύχοι. καὶ ἀνδράποδα
πάνυ ὀλίγα ἤγοντο ἐς τὸ στρατόπεδον οἱ ἱπποδρόμοι, αὐτοὶ δὲ μάλιστα
διεφθείροντο, εἴ πού τις αὐτῶν ἀποσπασθείη ἀπὸ τοῦ στρατοπέδου. Βλάδος δὲ
λέγεται καὶ αὐτὸς ἐς τὸ τοῦ βασιλέως στρατόπεδον κατάσκοπος ἐσελθεῖν καὶ
περιιὼν ἐπισκοπῆσαι, ὡς ἔχει τὸ στρατόπεδον. οὐ πείθομαι δὲ Βλάδον αὐτὸν 175
259 D ἐθελῆσαι ἐς τοσοῦτον κίνδυνον | ἀφικέσθαι, ὡς παρὸν αὐτῷ κατασκόποις
πολλοῖς χρήσασθαι, [ἀλλὰ τοῦτο, ὡς οἶμαι, πεπλασμένον] 46 ἐς τὴν ἐξήγησιν τῆς
τόλμης αὐτοῦ. αὐτὸς μὲν οὖν καὶ ἡμέρας ἐπελθὼν ἐγγυτάτω τοῦ στρατοπέδου
ἐπεσκόπει τε τὰς βασιλέως σκηνὰς καὶ τὴν Μαχουμούτεω καὶ τὴν ἀγοράν.
ἔχων δὲ καὶ ἐλάττους τῶν μυρίων ἰππέων (ἔνιοι δέ φασιν ὡς οὐ πλείους τῶν 180
ἑπτακισχιλίων παρῆσαν αὐτῷ ἱππέων) σὺν τούτοις περὶ πρώτην φυλακὴν τῆς
νυκτὸς ἐπελάσας ἐσέβαλλεν ἐς τὸ βασιλέως στρατόπεδον. καὶ δείματα μὲν
πρῶτον ἐγένετο ἐν τῷ στρατοπέδῳ μεγάλα, στρατὸν μέγαν ἀλλότριον καὶ
ἐπήλυδα οἰομένων τῶν τοῦ βασιλέως ἐπιθέσθαι σφίσι, καὶ αὐτοὶ [καὶ] ἐνόμιζον
510 Β ἀπόλλυσθαι πάνυ, ἐς | φόβον τε πολὺν καὶ δείματα καθιστάμενοι [τὴν 185
ἐσβολην.] ἐστρατεύετο γὰp ὑπὸ λαμπάδων καὶ κεράτων, ὑποσημαινόντων
αὐτῷ τὴν ἐσβολήν.

46 Eingefügt von DARKÓ.


Apodeixeis Historiōn 29
(Postbyzantinische Quellen)

Nun habt auch Ihr erfahren, glaube ich, dass der Kaiser der Türken mit einem großen Heer V. erklärt den
Ungarn die
150 gegen uns zieht. Und wenn er siegt und dieses Dakien unterwirft, erkennt wohl auch Ihr, Gefahr der
dass sie nicht still an diesem Ort bleiben werden, sondern dass sie Euch mit Krieg Osmanen

überziehen und dass die Bewohner Eures Landes durch sie sehr zu leiden haben werden.
Jetzt ist die Zeit, dass Ihr, uns helfend, auch Euch verteidigt, indem Ihr dieses Heer
möglichst weit von diesem Land aufhaltet; und lasst sie nicht unser Land zerstören und uns
155 zugrunde richten und unser Volk unterwerfen. Er hat aber auch den jüngeren Bruder
unseres Herrschers bei sich, den er als Herrscher in der Walachei47 einsetzen will. Möge
ihnen nichts nach ihrer Absicht gelingen, keinem von ihnen!“ Denn, als der Krieg gegen
Radu bekommt
Dakien begann, hatte [der Kaiser] mit besonderer Freundschaft den jüngeren Bruder Vlads Geschenke und
wird vorgestellt
geehrt und ihm Geld und viel und prächtige Kleidung geschenkt und er ließ ihn in Dakien
160 bekannt machen bei den Mächtigen, die Einfluss hatten. Indem er nun auf einmal sehr reich
wurde, sandte er Botschaft aus und tat, wie der Kaiser befohlen hatte, aber es gelang ihm
damals nicht, durch diese Unternehmung das Ziel zu erreichen. Indem sie diese Worte des
Gesandten anhörten, ließen sich die Paioner überzeugen und gingen es an, [Vlad] zu helfen Militärische
Reaktion Ungarns
und vor allem ihn zu verteidigen. (Und) sie sammelten ein Heer.
165 Und damit beschäftigten sie sich. Der Kaiser aber, der zusammen mit seinem Heer
vorrückte, zündete alle Dörfer an und erbeutete Vieh, wo immer er es antraf. Und die
Reiterei brachte Sklaven, aber sehr wenige, in das Lager. Denn [die Reiterei] litt unter sehr
schweren Verlusten, sooft sie sich vom Lager entfernte. Man sagte, dass Vlad selbst in V. spioniert das
osmanische Lager
Verkleidung in das Lager des Kaisers kam, und dass er, in ihm herumgehend, erforscht aus

170 hatte, wie das Lager aufgebaut ist. Ich glaube aber nicht, dass Vlad beschlossen hat, sich in
eine solch große Gefahr zu begeben, da er doch viele Spione benutzen konnte, [sondern ich
glaube, das ist eine Erfindung], um seinen Wagemut zu zeigen. Er kam aber selbst am Tage
dem Lager sehr nahe und sah sich aufmerksam die Zelte des Kaisers und das Zelt Mahmuds V. unternimmt
an und den Markt. Und obwohl er weniger als 10.000 Reiter bei sich hatte (einige sagen einen Nachtangriff

175 aber, er hätte nicht mehr als 7.000 Reiter bei sich gehabt)48, griff er mit ihnen das Lager des
Kaisers während der ersten Nachtwache an. Und zunächst entstand großer Schrecken im
Lager, denn die Männer des Kaisers glaubten, dass sie von einem großen feindlichen Heer
angegriffen wurden, das von anderswo herkam.49 Und, erschrocken und voller Schrecken
wegen des Angriffs, sahen sie sich völlig verloren.

47 Hier bezeichnet der Autor die Walachei nicht mehr antikisierend als „Dakien“, vielleicht weil diese
„barbarische“ Bezeichnung nicht vom Autor direkt, sondern von Vlad ausgesprochen wird.
48 Vgl. diese Zahlen mit denjenigen von Tursun Beğ (→), S. 127 u. 129. Diese Zahlen scheinen
realistischer zu sein. Selbst 7.000 Reiter sind allerdings eine zu große Anzahl für eine Operation, die vor
allem Diskretion und Schnelligkeit erfordert. 7.000 Reiter benötigen mindestens 10.000 Pferde, welche
wenigstens 10 ha Weide brauchten oder eine äußerst aufwändige Nahrungsversorgung. Die dichten
Wälder hätten dies jedoch entscheidend erschwert; hinzu kam, dass die zahlreichen osmanischen
Truppen die walachischen Reiter rasch erspäht hätten. Diese Reiter dürften wohl nicht alle Walachen
gewesen sein: Die von Osmanen bedrohten ungarischen Könige haben ihre Vasallen sicherlich
unterstützt. Vgl. das spanische Werk des Vincente Rocca in Ştefan ANDREESCU: „Vlad Vodă Ţepeş şi
Mahmud paşa Grecul.“ In: Revista istorică s.n. 15, 1-2 (ian.–apr. 2004), S. 83 (Originaltext) u. S. 85
(rumän. Übersetzung); Corpus Draculianum, 2. Bd.
49 D.h. sie fürchteten, dass es sich dabei um das herangerückte ungarische Heer handelte. Zur
Marschroute des königlichen Heeres vgl. STOICESCU, S. 127f.
30 Chalkokondylēs
(Postbyzantinische Quellen)

τὸ μὲν στρατόπεδον ἅπαν κατὰ χώραν ἔμενεν οὐδαμόσε κινούμενον· εἰώθει


μὲν γὰρ καὶ ἄλλως τὰ τοῦ γένους τούτου στρατόπεδα νυκτὸς μηδέποτε μηδαμῇ
κινεῖσθαι τὸ παράπαν, ἀλλ' ἱδρῦσθαί τε κατὰ χώραν, ἤν τε κλέπτης διιὼν 190
τυγχάνῃ ἐς τὸ στρατόπεδον, εἴτε ἄλλο τι καταλαμβάνῃ νεώτερον. καὶ τότε δὴ ἐς
μέγα δέος ἀφικόμενοι οἱ Τοῦρκοι ἔμενον, ᾗ ἐσκήνουν ἕκαστος ἱδρυμένος. καὶ
260 D κήρυκες βασιλέως ἀνὰ τὸ στρατόπεδον ὡς ἐς αὐτίκα ἐσβα‐|λόντα τόν Βλάδον,
ἐν τῷ στρατοπέδῳ περιιόντἐς ἀνεκήρυττον μηδένα μηδαμῇ μεταστῆναι, ὡς
αὐτίκα ἀποθανούμενον ὑπό βασιλέως. οἱ μὲν οὖν κήρυκες τοῦ βασιλέως 195
παραμυθούμενοι ἐκέλευον μένειν αὐτοῦ ἕνα ἕκαστον, ᾗπερ ἐτέτακτο, λέγοντες
τοιάδε «ἄνδρες Μουσουλμάνοι μείνατε ἐπὶ βραχύ·ὄψεσθε γὰρ τὸν βασιλέως
πολέμιον πεσόντα αὐτίκα μάλα ἐν τῷ στρατοπέδῳ, καὶ δώσοντα δίκην, ὧν ἐς
βασιλέα τετόλμηκε». ταῦτα ἔλεγον καὶ ἄλλα πολλὰ παραπλήσια φάσκοντες,
μάλιστα δὲ ἐκεῖνο, ὡς ἢν μένῃ ὁ στρατός, αὐτίκα ἀπόλλυται ὁ πολέμιος, ἢν 200
[FHDR, 510] δὲ μεταστῇ, ἀπόλλυσθε ἅπαντἐς· βασιλεὺς γὰρ πρώτους ὑμᾶς
511 Β διαφθερεῖ, πρὶν ἢ αὐτὸν οἴχεσθαι φεύγοντα. Βλάδος δὲ ὡς τάχιστα ἐσέβαλεν |
ἐς τὸ στρατόπεδον, πρῶτα μὲν ὑπήντα αὐτῷ ὁ ἀπὸ τῆς Ἀσίας στρατός, καὶ
βραχεῖαν μὲν τινα αὐτοῦ ἐποιήσαντο μάχην, μετὰ δὲ ἀνατραπόμενοι ἀνὰ μέρος
ἐχώρουν ἐπὶ τὸ σώζεσθαι αὐτοὶ ὡρμημένοι. ὁ δὲ λαμπάδας τε ἔχων ἡμμένας καὶ 205
πυρά, καὶ συντεταγμένως μάλιστα καὶ ἀθρόως ἐπιὼν τῷ στρατεύματι, ὥρμητο
μὲν πρῶτα ἐπὶ τὰς βασιλέως θύρας. καὶ ἀποτυγχάνουσι μὲν τῆς τοῦ βασιλέως
αὐλης, ἐπεισπεσόντες δὲ ἐς τὰς σκηνὰς τῶν ἡγεμόνων, τοῦ τε Μαχουμούτεω
καὶ Ἰσαάκεω, ἐμάχοντο ἐς ταῦτα μεγάλως, καὶ τάς τε καμήλους ἐφόνευον καὶ
ἡμιόνους καὶ ὑποζύγια. καὶ ἀθρόως μὲν καὶ συντεταγμένων αὐτῶν μαχομένων 210
οὐδέν τι ἀπεγίγνετο, ὅ τι καὶ ἄξιον λόγου· εἰ δέ τι που ἀποσπασθείη, αὐτίκα
261 D ἔπιπτεν αὐτοῦ ὑπὸ τῶν Τούρκων. καὶ οἱ περὶ Μαχουμούτην ἄνδρες γενόμενοι |
ἀγαθοὶ ἐμάχοντο ἀξίως λόγου, πεζοὶ ἅπαντες.
Apodeixeis Historiōn 31
(Postbyzantinische Quellen)

180 Denn [Vlad] griff mit Fackellicht an und mit Hornrufen, die das Signal zum Angriff gaben.
Das Heer aus dem Lager blieb auf der Stelle, ohne sich irgendwohin zu bewegen. Denn die
Heere dieses Volkes haben darüber hinaus die Gewohnheit, sich nachts nirgendwohin zu Sultan und sein
Heer halten ihre
bewegen, sondern sie bleiben unbewegt auf der Stelle, sei es, dass ein Dieb ins Lager Stellung

eindringt, sei es, dass ein anderes Geschehnis sie trifft. Und auch dann blieben also die
185 Türken unbeweglich, obwohl sie von großem Schrecken ergriffen wurden, jeder dort, wo er
sein Lager hatte. Und, als Vlad angriff, gingen Herolde des Kaisers im Lager umher und
riefen, niemand solle von seiner Stelle weichen, denn er werde sofort von der Hand des
Kaisers sterben. Die Herolde des Kaisers ermutigten sie solcherweise, auszuharren, dort wo
sie aufgestellt worden waren, indem sie ihnen folgendes sagten: „Muslimische Männer,
190 wartet ein wenig! Denn ihr werdet sofort sehen, wie im Lager der Feind des Kaisers fällt und
seine Strafe erhält für das Wagnis gegen den Kaiser.“ Sie sprachen solche Worte und vieles
andere ähnliche sagten sie, vor allem dass, wenn das Heer auf der Stelle verbleibt, der Feind
untergehen muss, anderfalls, wenn es sich von der Stelle rührt: „Ihr seid alle verloren. Denn
der Kaiser wird euch töten, bevor ihr noch vor ihm flüchten könnt.“ Als Vlad eilends das V. stößt zunächst
195 Lager angriff, stellte sich ihm zunächst das Heer aus Asien50 entgegen und dort kämpften sie auf die Anatolier

eine kurze Weile. Später aber, auf der Flucht, fingen sie an, sich reihenweise
zurückzuziehen, wobei sie versuchten, mit dem Leben davonzukommen. Er aber, mit V. zieht gegen das
Fackeln und angezündeten Pechfackeln, rückte mit dem Heer vor in voller Kampfordnung Zelt des Sultans,
trifft aber die Zelte
und guter Aufstellung und wendete sich zunächst gegen die Pforte des Kaisers. Aber sie Mahmuds und

200 trafen nicht den Hof des Kaisers51, sondern auf die Zelte der Statthalter, Mahmuds und Ishaks

Isaaks52. Es gab dort einen großen Kampf und sie haben Kamele getötet und Maultiere und Verluste unter den
Lasttiere53 getötet. Und, während sie in dichten Reihen kämpften, hatten sie keine Lasttieren

nennenswerten Verluste, wenn sich aber einer aus den Reihen entfernte, wurde er sofort von
den Türken erschlagen. Und die Männer Mahmuds waren tapfer, und kämpften alle zu Fuß
205 erinnerungswürdig.

50 Ähnlich berichtet Tursun Beğ (→), S. 133.


51 Die Mitte des osmanischen Lagers; der Sultan und sein Hof waren umringt von seinen Hofeinheiten
(kapı kulu), befestigt hinter den Gräben und Palisaden zwischen den beiden Flügeln der timariotischen
Reiter (sipahi) Anatoliens (Anadolu - links) und Europas (Rumeli - rechts). Vgl. Mihajlović (→), S. 369. Vgl.
CHRISTENSEN: The Heaten Order of Battle, S. 95-100, insbesondere die Graphik auf S. 97.
52 Vielleicht der von Aşık Paşa-zade (→), S. 109, erwähnte Ishak Paşa, der mit dem Schutz Rumeliens
beauftragt wurde.
53 Gemeint sind die Lasttiere, die hinter dem Sultan standen (vgl. CHRISTENSEN, S. 96-97). Das spricht
dafür, dass Vlad von hinten angegriffen hat, da sich an der Vorderseite die Artillerie befand und
wahrscheinlich auch die Gräben tiefer waren, und dass er auf das Zentrum zielte. Da manche
osmanische Autoren wie Tursun meinten, dass er auf die anatolischen Einheiten traf, kann die
Richtung der Angreifer genauer eingeschätzt werden. Wenn bedacht wird, dass der Sultan von Süden
(Donau) nach Norden Richtung Karpaten und Târgovişte marschierte und daher mit dem Rücken zur
Donau stand, dann sollten die Anatolier im Osten Position bezogen haben. Vlad hat also von Südosten
angegriffen und kam daher aus der Richtung seiner Hauptstadt. Er stand also mit seinem Heer nicht
zwischen dem Sultan und Stefan dem Großen, dem Herrscher der Moldau, der seine östlichen Gebiete
angriff. Dafür war eine spezielle Abteilung abkommandiert worden, wahrscheinlich unter der Führung
seines vornic oder spătar. Vgl. für diese Diskussion Tursun Beğ (→), S. 133 sowie Chronologie, S. 396
und Karte (2), S. 399. Auch Kritovoulos (→) erwähnt die Lasttiere, vgl. S. 51.
32 Chalkokondylēs
(Postbyzantinische Quellen)

ἀνέβησαν δὲ καὶ ἐπὶ τοὺς ἑαυτῶν ἵππους οἱ τοῦ στρατοπέδου σχεδόν ἃπαντες,
πλὴν τῶν βασιλέως θυρῶν. ἐμάχοντο μὲν οὖν ἐνταῦθα ἐπὶ συχνόν τινα χρόνον· 215
μετὰ δὲ συστραφέντες ἤλαυνον ἐπὶ τὰς βασιλέως θύρας, καὶ εὕρον τοὺς ἀμφὶ
βασιλέα ἐκτὸς τῶν θυρῶν παρατεταγμένους. καὶ βραχὺ ἔτι ἐνταῦθα
μαχεσάμενοι ἐτράποντο ἐπὶ τὴν ἀγορὰν τοῦ στρατοπέδου, καὶ διαρπάσαντες
τήν τε ἀγοράν, καὶ εἴ τίς που ταύτῃ ἐνίστατο, διαφθείραντες, ὡς ἐγγὺς ἧκεν ἡ
ἠὼς καὶ ἐπέφανεν, ἀπεχώρει ἀπὸ τοῦ στρατοπέδου, ἀποβαλὼν μὲν ταύτης τῆς 220
512 Β νυκτὸς ὀλίγους πάνυ τινάς. καὶ οἱ ἀπό τοῦ βα‐|σιλέως στρατοπέδου ὀλίγοι
διεφθάρησαν, ὡς ἐλέγετο. μετὰ δέ, ὡς ἡμέρα τάχιστα ἐγεγόνει, βασιλεὺς
ἐπιλεξάμενος τῶν ὑπάρχων τοὺς λογάδας, καὶ Ἁλίην τὸν Μιχάλεω παῖδα
στρατηγὸν ἀποδείξας, ἐκέλευεν ἰόντας κατόπιν τῶν Δακῶν ἐπιδιώκειν ὡς
ἔχοιεν τάχος. ὁ μὲν οὖν Ἁλίης παραλαβὼν τὸν στρατὸν ἦγε σπουδῇ ἐπὶ τὸν 225
Βλάδον, καὶ κατόπιν γενόμενος ἤλαυνε κατὰ κράτος, καὶ καταλαμβάνει τὸν
Βλάδου στρατόν, καὶ ἐπεισπεσὼν διέφθειρε μὲν πολλούς, ζωγρήσας δὲ ἀμφὶ
τοὺς χιλίους τῶν Δακῶν ἀπήγαγεν ἐς τὸ στρατόπεδον παρὰ βασιλέα. τούτους
μὲν λαβὼν ὁ βασιλεὺς καὶ ἀπαγαγὼν διεχρήσατο ἄπαντας. καί τινα λαβόντες
νυκτὸς ταύτης τῶν τοῦ Βλάδου στρατιωτῶν οἱ τοῦ βασιλέως στρατιῶται, καὶ 230
ἀπαγαγόντἐς ἐς Μαχουμούτην, ἠρώτα αὐτόν, ὅστις τε εἴη καὶ ὅθεν ἥκοι. μετὰ
δέ, ὡς ἕκαστα διελέχθη, ἐπανήρετο αὐτόν, εἰ εἰδείη, ὅπου διατρίβων τυγχάνει
Βλάδος ὁ τῆς Δακίας ἡγεμών. ὁ δ' ἀμείβετο, ὡς εἰδείη σαφῶς, οὐδέποτε δ' ἄν
εἴποι τούτων οὐδέν, δεδιὼς ἐκεῖνον τὸν ἄνδρα. οἱ δ' οὖν ὡς ἔφασκον αὐτὸν
262 D ἀποθανεῖσθαι, ἂν μὴ πύθωνται | αὐτοῦ, ὃ βούλονται ἐρέσθαι, αὐτὸς ἔφασκε 235
τεθνάναι μὲν ἕτοιμον εἶναι καὶ πάνυ, ἐξειπεῖν δὲ ὁτιοῦν τῶν ἐκείνου οὐκ ἂν
513 Β τολμῴη. ταῦτα ἐν θαύματι ποιη‐ | σάμενον τὸν Μαχουμούτην ἀνελεῖν μὲν τὸν
ἄνδρα, ἐπιλέγεσθαι δέ, ὡς δέει τῷ ἀμφ' αὑτόν, εἰ εἶχε στρατὸν ἄξιον λόγου, ἐς
μέγα ἂν ἐδόκει οὗτος ἀφικέσθαι.
Ταῦτα μὲν τότε ἐς τοσοῦτον ἐγένετο· βασιλεὺς δὲ τὸ ἐντεῦθεν προϊὼν ἐς τὸ 240
πρόσω τῆς χώρας ἴετο εὐθὺ τῆς πόλεως, ἐν ᾗ τὰ βασίλεια ἦν αὐτῷ τῷ ἡγεμόνι
Βλάδῳ.
Apodeixeis Historiōn 33
(Postbyzantinische Quellen)

Und fast alle aus dem Lager bestiegen ihre Pferde, außer jenen von der Pforte des Kaisers 54.
Sie kämpften dort recht lange, nachher aber, zurückkehrend, rückten [die Soldaten Vlads]
gegen die Pforte des Kaisers vor und fanden die Soldaten aus der Umgebung des Kaisers V. trifft auf die
Janitscharen
außerhalb der Pforte, aufgestellt zum Kampf. Und nachdem sie auch dort ein wenig
210 gekämpft hatten, kehrten sie in Richtung Markt zurück 55 und den Markt plündernd und V. versucht durch
den Heeresmarkt zu
jeden tötend, der ihnen irgendwie im Weg war, gingen sie, da das Morgengrauen und das entfliehen
Tageslicht sich näherten, aus dem Lager hinaus, wobei sie in dieser Nacht nur sehr wenige
Wenige Verluste auf
Männer verloren. Und auch aus dem Heer des Kaisers sagt man, dass wenige starben. 56 beiden Seiten
Danach, als es rasch Tag wurde, befahl der Kaiser, nachdem er ausgewählte Soldaten der
215 Statthalter versammelt hatte und als Kommandanten Ali, den Sohn Mihals eingesetzt hatte,
die Daker zu verfolgen, wobei sie dahinjagen sollten, so schnell sie nur konnten. Ali, der das
Heer übernahm, führte es in Eile gegen Vlad und, als er seine Verfolgung aufnahm, jagte er
nach Kräften dahin und erreichte das Heer Vlads und, indem er es angriff, tötete er viele 57
und fing etwa eintausend Daker und führte sie in das Lager des Kaisers. Der Kaiser nahm Hinrichtung der
Gefangenen vor dem
220 sie und, indem er sie weiter weg [vom Lager] führte, tötete er sie alle. 58 Und als die Soldaten Sultan
des Kaisers in dieser Nacht einen von den Soldaten Vlads gefangennahmen, brachten sie ihn
zu Mahmud; und dieser fragte, wer er sei und woher er kommt. Und nachdem er über alles
geredet hat, fragte er ihn noch, ob er wisse, wo Vlad, der Herrscher Dakiens, nun sei. Der
[Soldat] aber antwortete ihm, dass er es offensichtlich weiß, aber dass er aus Angst vor
225 diesem nichts sagen könne. Und als sie ihm immer wieder sagten, dass sie ihn töten würden,
wenn sie nicht von ihm erfahren, was sie wissen wollen, während sie ihn fragen, sagte er,
dass er jederzeit bereit sei zu sterben, er es aber nicht wagt, irgendetwas zu verraten, nichts
von dem, was [Vlad] betrifft. Mahmud, der sich über diese Dinge sehr wunderte, hätte den
Soldaten getötet, fügte in gewisser Furcht wegen seiner Lage aber hinzu, dass er [Vlad] groß
230 werden könne, wenn er eine bedeutende Armee hätte.
So geschahen damals diese Dinge. Der Kaiser, von hier in das Innere des Landes Sultan zieht gegen
vorrückend, ging geradewegs zu der Stadt 59, in welcher der Herrscher Vlad seinen Sitz die Hauptstadt V.s

hatte.

54 Gemeint sind die Janitscharen, welche die Eliteeinheiten der osmanischen Armee und eine der
Einheiten (ocak) der Pforte (kapı kulu = die Knechte der Pforte, vgl. Fn. 311) waren, die ständig unter
Waffen standen. Im Unterschied zu den spahi der Pforte, die Elitereiterei, kämpften sie zu Fuß. Vgl.
Mihajlović (→), S. 367. Für weiterführende Lektüre vgl. das klassische Werk UZUNÇARŞILI: Yeniçeri
Ocağı.
55 Ch. verwendet dabei offensichtlich dieselben Quellen wie Tursun Beğ (→), S. 135, übernommen von
Idris Bitlisi (→), S. 215, → Hasan-i Rumlu (→), S. 383. Es wird dort erzählt, dass die walachischen
Angreifer den Widerstand der osmanischen Soldaten nicht durchbrechen konnten und daher in
Richtung des Heeresmarktes (ordu bazarı) flohen. Das lässt zweierlei Interpretationsmöglichkeiten zu: 1.
Entweder war diese Stelle der einzige Weg zum Rückzug, da sie am wenigsten geschützt war, oder 2.
die Quelle – mit großer Wahscheinlichkeit osmanisch – schreibt die Verluste den Nichtkriegsteil-
nehmern zu, damit die Statistik der osmanischen Verluste im Feldzug geschönt wird.
56 Die Stelle bestätigt die Verwendung von osmanischen oder pro-osmanischen Quellen, da der Autor
wieder auf minderen Verlusten besteht.
57 Ähnlich wie Tursun Beğ (→), S. 137.
58 Ebd.
59 Wahrscheinlich Târgovişte.
34 Chalkokondylēs
(Postbyzantinische Quellen)

καὶ νυκτὸς μὲν ἑκάστης, ὁπότε σταθμὸν ποιήσαιτο, ἐποιεῖτο χάρακα κύκλῳ τοῦ
στρατοπέδου, καὶ φραγμοῖς φραξάμενος ἐντὸς τοῦ χάρακος διετήρει, φυλακάς
τε ἐποιεῖτο μείζους τῶν γιγομένων, καὶ ὅπλα ἐν ὅπλοις παρηγγύα νυκτός τε 245
καὶ ἡμέρας αὐτῷ εἶναι τὰ στρατεύματα. προελαύνων δὲ οὓτω συντεταγμένῳ τῷ
στρατεύματι ἐς τὸ πρόσω τῆς Δακίας ἀφίκετο ἐπὶ τὴν πόλιν, ἐν ᾗ Βλάδῳ τῷ
ἡγεμόνι ἦν τὰ βασίλεια. καὶ οἱ μὲν Δᾶκες παρασκευασάμενοι ὡς ἐνταῦθα ὑπὸ
βασιλέως πολιορκησόμενοι, τάς τε θύρας ἠνέῳξαν [FHDR, 512] καὶ ἓτοιμοι ἦσαν
δέχεσθαι αὐτὸν βασιλέα σὺν τῷ στρατῷ ἐπιόντα. βασιλεὺς μὲν οὖν τήν τε πόλιν 250
διελαύνων, καὶ ἄνδρα οὐδένα ἐπὶ τῶν τειχῶν θεώμενος ὅτι μὴ τηλεβολιστὰς
ἐπαφιέντας τηλεβόλους ἐς τὸν στρατόν, oὔτε ἐστρατοπεδεύσατο, oὔτε ἐς τὴν
πολιορκίαν καθίστατο. προιὼν δέ, ὡς τοὺς σφετέρους αὐτῶν ἐν τοῖς σκόλοψιν
ἐθεώρουν, προῄεσαν ὡσεὶ σταδίους εἴκοσι καὶ ἑπτά· καὶ ἐμπίπτει ὁ βασιλέως
263 D στρατὸς ἐς τοὺς | ἀνασκολοπισμούς, χῶρον ἐπέχοντας τὸ μὲν μῆκος ἐπὶ 255
514 Β σταδίους ἐπτακαίδεκα, τὸ [δὲ] εὖρος ἐπὶ σταδίους ἑπτά. σκόλοπες δὲ μεγάλοι
ἐνῆσαν, ἐν οἷς διαπεπαρμένοι ἄνδρες τε καὶ γυναῖκες καὶ παῖδες ἀμφὶ τοὺς
δισμυρίους, ὡς ἐλέγετο, θέαμα παρείχοντο τοῖς Τούρκοις καὶ αὐτῷ τῷ βασιλεῖ.
καὶ ὅ τε βασιλεὺς ἐν θαύματι ἐνσχεθεὶς ἔφασκεν, ὡς οὐ δυνατόν ἐστιν, ἄνδρα
οὕτω μεγάλως ἐργασάμενον ἀφαιρεῖσθαι τὴν χώραν, ὡς δαιμονίως ἐπισταμένῳ 260
χρῆσθαι τῇ ἀρχῇ καὶ τοῖς ὑπηκόοις. καὶ ἔλεγεν, ὡς πολλοῦ ἄρα ἄξιος εἴη ὁ ἀνὴρ
οὗτος τοιαῦτα ἐργασάμενος. καὶ οἱ λοιποὶ Τοῦρκοι ὁρῶντες τὸ πλῆθος τῶν ἐπὶ
τοῖς σκόλοψιν ἀνδρῶν ἐξεπλήττοντο. ἐνῆσαν δὲ καὶ νήπια τέκνα τῶν μητέρων
ἐξηρτημένα ἐν τοῖς σκόλοψιν, καὶ πτηνὰ ἐνῴκουν ἐν τοῖς ἐγκάτοις αὐτῶν
ἐμφολεύοντα. ὡς δὲ πρός τοῖς στρατεύμασι βασιλέως ἐφεπόμενος ὁ Βλάδος 265
ἔφθειρέ τε, εἴ που διασπασθείη, εἴτε ἴπποδρόμος εἴτε ἀζάπης, αὐτὸς μὲν
ἐτράπετο ἐπι τὸν μελαίνης Πογδανίας ἡγεμόνα, πολιορκοῦντα, ὡς ἠγγέλετο
αὐτῷ, τὸ Κελλίον, στρατὸν δὲ ἀμφὶ τοὺς ἑξακισχιλίους καταλιπὼν αὐτοῦ
παρηγγύα ἕπεσθαι τῷ βασιλεῖ διὰ τῶν δρυμώνων, καὶ ἤν τὶς που διασπασθείη,
τοῦτον ἐπιόντας αὐτίκα ἐπιβαίνειν. καὶ ὁ μὲν ἤγετο ὁμόσε τῷ μελαίνης 270
Πογδανίας ἡγεμόνι· ὁ δὲ στρατός, ὡς ἀνεχώρει ὁ βασιλεύς, ἰθὺ τοῦ στρατοῦ
ἐλαύνων, ἀναθαρρήσαντες ὡς οἰχομένῳ, ἐπεισπεσόντες μεγάλως ἡγοῦντο
εὐδοκιμήσειν, καὶ ἐπιόντες ἐς τὸ στρατόπεδον τοῦ βασιλέως ἐπήλαυνον. ἐπεὶ δὲ
515 Β
| ἀγγελία ἀφίκετο παρὰ τῆς ταύτῃ που φυλακῆς ὡς οἱ πολέμιοι ἐπιῶσιν,
264 D
ὥρμητο μὲν αὐτός τις ἕκαστος ἐπὶ τὰ ὅπλα πλὴν τοῦ βασιλέως θυρῶν, 280
Ἰωσούφην δ' ἐκέλευε Μαχουμούτης προσιόντα ὐπαντιάζειν τοὺς πολεμίους. καὶ
αὐτός τε ἐν ὅπλοις ἦν Μαχουμούτης σὺν τοῖς στρατεύμασιν. ὁ μέντοι Ἰωσούφης
ὡς ἐπιὼν αὐτίκα συνέβαλεν, ἡττήθη τε καὶ ἐς φυγὴν τραπόμενος ἐφέρετο ἐς τὸ
βασιλέως στρατόπεδον. Ὀμάρης δὲ ὁ Τουραχάνεω παῖς ταχθεὶς καὶ αὐτὸς ὑπὸ
τοῦ Μαχουμούτεω ὁμόσε ἰέναι τοῖς πολεμίοις, καὶ ἐλαύνων ὑπήντα τῷ Ἰωσούφῃ 285
φεύγοντι τοὺς πολεμίους,
Apodeixeis Historiōn 35
(Postbyzantinische Quellen)

Und in jeder Nacht, sooft er Rast machte, machte er einen Kreis aus Palisaden um das Sultan befestigt sein
Lager und ist sehr
235 Lager und befestigte es von innen mit Palisaden und hielt es geschlossen und stellte größere vorsichtig

Wachen auf als zuvor und befahl, dass das Heer Tag und Nacht unter Waffen war. Indem er
so mit dem Heer in enger Kampfordnung weiter in Dakien vorrückte, kam er zur Stadt, in
welcher der Herrscher Vlad seinen Sitz hatte. Und die Daker, die sich vorbereitet hatten
und erwarteten, hier vom Kaiser belagert zu werden, hatten ihre Tore geöffnet und waren
240 bereit, sich dem Kaiser selbst entgegenzustellen, der mit einem Heer gegen sie anrückte. Der
Kaiser, der an der Stadt vorbeizog und keinen Menschen auf den Mauern sah außer den
Schützen, die mit ihren Geschützen auf sein Heer schossen, schlug weder ein Lager auf noch Sultan zieht einige
Stadien/Meilen an
fing er eine Belagerung an. Vorwärts ziehend ging er etwa 27 Stadien, als er die Seinen auf der Stadt vorbei und
stößt auf ein Feld mit
Pfähle gezogen sieht; und das Heer des Sultans trifft auf ein Feld mit Pfählen, an Länge etwa Gepfählten
245 siebzehn Stadien, an Breite sieben Stadien. Und es waren große Baumstämme, auf denen
Männer und Frauen und Kinder aufgespießt waren, etwa 20.000, wie man sagte, 60 ein
Anblick für die Türken und für den Kaiser selbst! Sogar der Kaiser, von Staunen ergriffen,
Reaktion des Sultans
sagte, dass er nicht das Land eines Mannes erobern könne, der so große Dinge tut und so
jenseits alles Menschlichen (daimonios) seine Herrschaft und seine Untertanen gebraucht. Und
250 er sagte, dass dieser Mann, der solche Taten vollbringt, größerer Dinge würdig wäre. Die Osmanen sind
erschreckt von
übrigen Türken aber, die eine solche Menge an gepfählten Menschen sahen, erschraken diesem Bild
sehr. Es waren auch kleine Kinder darunter, die an ihren Müttern aufgespießt hingen, und
Vögel hatten in ihren Eingeweiden Nester gebaut. Vlad blieb auf der Spur der Soldaten des V. zieht gegen Stefan
Kaisers, tötete jeden, der sich zerstreute, sei er ein Reiter oder azap 61. Er selbst wendete sich
255 gegen den Herrscher des Schwarzen Bogdaniens, der, wie man gemeldet hatte, Chilia
belagerte, aber er ließ ein Heer von 6.000 zurück, dem er befahl, sich in den Wäldern
aufzuhalten auf der Fährte des Kaisers und, wenn einer sich zerstreut, ihn anzugreifen und
zu überfallen. Und er griff den Herrscher des Schwarzen Bogdaniens an. Und das
[walachische] Heer begann, als sich der Kaiser zurückzog, rechts von seinem Heer zu ziehen
260 und, ermutigt durch seinen Rückzug, glaubten sie, dass sie großen Ruhm gewinnen würden,
Eine letzte Schlacht
wenn es vor ihm einfällt. Und sie begannen das Lager des Kaisers anzugreifen. Als aber
Nachricht kam von der dortigen Wache, dass die Feinde angriffen, lief jeder, außer von der Yusuf zieht Walachen
entgegen und wird
Pforte des Kaisers, zu den Waffen. Mahmud aber befahl Yusuf (Iosuf) 62 vorzurücken, um sich besiegt

den Feinden entgegenzustellen. Und Mahmud selbst stand mit den Soldaten unter Waffen.
265 Yusuf aber zog los und wurde sofort handgemein, wurde aber geschlagen und flüchtete, er
ging zum Lager des Kaisers. Ömer (Omares) aber, der Sohn Turahans, aufgestellt von
Mahmud, um gegen die Feinde zu ziehen, traf auf dem Weg Yusuf, der vor den Feinden
davonlief.

60 Vgl. Ch. S. 17. Möglicherweise spielt Tursun Beğ (→), S. 119, am Anfang seines Berichtes zu Kazıklı
Voyvoda darauf an.
61 Fußsoldat der Hilfseinheiten, der seinen Lebensunterhalt auf dem Schlachtfeld verdiente. Die azap
dienten zugleich auch in den Kriegsschiffbesatzungen.
62 Vielleicht ein akıncı-Anführer wie der unten erwähnte Omar, Sohn Turahans. Eventuell ist die Rede
von einer weiteren Konfrontation in der Ostwalachei. Vgl. Enveri (→), S. 93: Buzău.
36 Chalkokondylēs
(Postbyzantinische Quellen)

ἐβλασφήμει καὶ ἔλεγε τοιάδε «ὦ κακόδαιμον, ποῖ φέρῃ; ἢ οὐκ οἶσθα βασιλέα,
ὅπως σε φεύγοντα ὑποδέχεται; ἢ οὐ χεῖρον τῶν πολεμίων διακείσεταί σοι αὐτὸς
βασιλεύς, καὶ κακίστῳ σε ὀλέθρῳ παραδίδωσιν αὐτίκα, ἐπειδάν σε φεύγοντα
νοήσῃ;» ταῦτα εἰπὼν ἐπώτρυνε τὸν ἄνδρα, καὶ συστραφεὶς ἅμα Ὀμάρῃ τῷ 290
Τουραχάνεω συνέβαλον τοῖς πολεμίοις, καὶ ἐμάχοντο ἀξίως λόγου. μετ' οὐ
πολὺ δὲ τρεψάμενοι τοὺς Δᾶκας ἐπιδιώκοντες ἐφόνευον ἀφειδέστατα, καὶ
ἔφθειρον ἀμφὶ τοὺς δισχιλίους. τὰς δὲ κεφαλὰς πηξάμενοι ἐπὶ τῶν δοράτων
ἐπανῆκον ἐς τὸ στρατόπεδον. καὶ τὸν μὲν Ὀμάρην ἐδωρήσατο βασιλεὺς τῇ τῆς
Θετταλίας ἀρχῇ μαζούλης 63 δὲ ἔτι ἦν, καὶ ἄνδρας ἔχων ἀγαθοὺς εἵπετο τῷ 295
βασιλεῖ.
Ἐς μὲν τὴν δευτέραν τῶν Δακῶν τόλμαν ἐς τὸν τοῦ βασιλέως στρατὸν τοσοῦτον
ἐγένετο.

63 Μαζούλης DARKÓ, FHDR; bei diesem Wort handelt es sich jedoch offensichtlich um ein Adjektiv.
Apodeixeis Historiōn 37
(Postbyzantinische Quellen)

Er beschimpfte ihn und sagte in etwa: „Du Unglücklicher, wohin gehst du? Weißt du denn
270 nicht, wie der Kaiser dich empfangen wird, wenn du zu ihm kommst als Flüchtiger? Wird
der Kaiser sich mit dir nicht schlimmer benehmen als die Feinde und dich sofort dem Ömer, Sohn
Turahans, hilft Yusuf
schlimmsten Tod ausliefern, wenn er merkt, dass du geflohen bist?“ Mit diesen Worten trieb die Walachen zu
besiegen
er den Mann vorwärts. Und, zurückkehrend zusammen mit Ömer, dem Sohn Turahans,
kämpften sie mit den Feinden und sie kämpften erinnerungswürdig. Nach kurzer Zeit,
275
nachdem sie die Daker besiegt und verfolgt hatten, töteten sie sie ohne jede Gnade. Und sie
töteten etwa 2.000. Die Köpfe aber spießten sie auf ihre Lanzen und sie gingen zurück ins Sultan schenkt Ömer
Lager. Und der Kaiser schenkte Ömer die Herrschaft über Thessalien;64 er war immer noch die Herrschaft
Thessaliens
ohne Amt (mazoules)65 und er hatte tapfere Männer [bei sich] und begleitete den Kaiser.
So geschah es nun mit dem zweiten wagemutigen [Angriff] der Daker gegen das Heer des
280 Kaisers.66

64 Die akıncı-Familie des Turahan, Sohn des Paşa Yığıt, eines der bekanntesten Treiber der
frühosmanischen Eroberung im südeuropäischen Raum, besaß in Thessalien seit längerem ihre
Einflusssphäre ähnlich wie die Evrenos in Nordgriechenland und die Mihaloğlus in Südbulgarien und
teilweise in Serbien und Bosnien. Ömer folgte im Amt seines Vaters nach dessen Tod spätestens 1456
als sancak-beğ, das er mit Unterbrechungen, über die jedoch wenig bekannt ist, bis zu seinem Tod (Okt.
1502) innehatte. Vgl. Machiel KIEL: „Das türkische Thessalien: Etabliertes Geschichtsbild versus
Osmanische Quellen. Ein Beitrag zur Entmythologisierung der Geschichte Griechenlands.“ In:
Reinhard LAUER u. Peter SCHREINER (Hg.): Die Kultur Griechenlands in Mittelalter und Neuzeit: Bericht über
das Kolloquium der Südosteuropa-Kommission, 28.-31. Oktober 1992. Göttingen 1996, S. 109-184 und Levent
KAYAPINAR: „Teselya Bölgesinin Fatihi Turahan Bey Ailesi ve, XV. - XVI. Yüzyıllarındaki Hayır
Kurumları.“ In: Abant Izzet Baysal Üniversitesi Sosyal Bilimler Enstitüsü Dergisi 10, 1 (2005), S. 183-196. Ch.
ist eine der wichtigsten Quellen zu seinem Leben und liefert sogar originelle Informationen (vgl. nächste
Fn.). Ömer wird von ihm als Schwiegersohn des von Vlad gepfählten Çakırcı-başı Hamza Beğ erwähnt
(Darkó, S. 457; Grecu, S. 262); seine Teilnahme am Feldzug und seine militärische Leistung waren
daher auch persönlich motiviert, Ch. hebt das Motiv der Rache jedoch nicht hervor.
65 Osm. mazul > rum. mazil. Die Interpretation GRECUS ist wissenschaftlich vertretbar: ähnlich wie im
Altrumänischen (z.B. boier mazil = Bojar, der aus seinem Amt entlassen wurde; im Gegensatz zu boier
halea = Bojar, der ein Amt innehatte) weist dieses Wort darauf hin, dass Ömer bis Sommer 1462 noch
immer kein Amt innehatte. Ch. erwähnt ihn 1458 zunächst als Gouverneur Thessaliens und berichtet
später von seiner Entlassung; ihm war der Aufstand des Thomas Palaiologos in der Peloponnes
angelastet worden. Diese Entlassung bezog sich ausschließlich auf seine Stelle in der Hierarchie des
osmanischen Verwaltungssystems und schränkte seinen Besitz über weite Teile Thessaliens um seinen
Hauptsitz in Yenişehir (Larissa) nicht ein, wo seine Familie fromme Stiftungen (vakf) besaß (vgl. oben
KIEL: Geschichtsbild). Bald nach seiner Entlassung wurde er von seinem Schwiegervater Hamza Beğ in
das Heer berufen, das den Aufstand des Thomas Palaiologos niederschlagen sollte. Abgesehen vom
Umstand, dass die aufgestellten Kontingente Thessaliens und Ätoliens in unmittelbarer Nähe des
Aufstands bereitstanden, kann dieser Einsatz das Ergebnis einer Intervention Hamzas beim Sultan sein.
Da seine finanzielle Situation unangetastet blieb, konnte Ömer weiterhin über ein beträchtliches
Aufgebot leichter Reitereinheiten der akıncıs verfügen, die von ihm persönlich abhängig waren. Durch
Heeresfolge und militärische Leistung konnte er die Gunst des Sultans zurückerlangen, was ihm am
Ende des Feldzugs gegen Vlad gelang (vgl. vorherige Fn.). Zum Zeitpunkt der hier wiedergegebenen
Handlung „war er immer noch (ein) mazul“.
66 Auch in der Überlieferung des Aşık Paşa-zade (→), S. 109, 113, ist von zwei Nachtangriffen die Rede,
wenngleich in einem anderen Kontext. Zu diskutieren ist die Hypothese, dass Ch. oder die
osmanischen Quellen den zweiten Angriff mit spekulativem Inhalt versahen, um somit der Erwartung
des Publikums bezüglich zweier Nachtangriffe entgegen zu kommen.
38 Chalkokondylēs
(Postbyzantinische Quellen)

516 Β βασιλεὺς δὲ ἀνδράποδα ἀγόμενος τῆς χώρας οὐκ ὀλίγα — ἐπαφεὶς γὰρ τὸ
265 D ἐντεῦθεν τοὺς | ἱπποδρόμους ἐπέδραμον χώραν [FHDR, 514] οὐκ ὀλίγην, καὶ 300
ἀνδράποδα ἀγόμενοι ἐκέρδανον μεγάλα. καὶ ὑποζύγια δὲ καὶ πλέον τῶν εἴκοσι
μυριάδων ἵππους καὶ βόας ἐλαύνοντες, ὁ τοῦ βασιλέως στρατὸς ἀφίκετο ἐπὶ τὸν
Ἴστρον. τὸ μέντοι στρατόπεδον ἐδεδοίκει μὲν τοὺς Δᾶκας οὐδὲν ἧττον τόλμης
μέγα τι ἀποδεικνυμένους, διέβαινον δὲ τὸν Ἴστρον σπουδῇ πολλῇ. βασιλεὺς δὲ
Ἁλίην τὸν Μιχάλεω ὄπισθεν ἕπεσθαι τῷ στρατῷ παραγγείλας, ὡς 305
ἐστρατοπεδεύσατο παρὰ τὸν Ἴστρον, Δρακούλην μὲν τὸν ἀδελφὸν Βλάδου τοῦ
ἡγεμόνος κατέλιπεν αὐτοῦ ἐν τῇ χώρᾳ μετιέναι τε τοὺς Δᾶκας καὶ ὑφ' αὑτῷ
ποιεῖσθαι τὴν χώραν, καὶ τιμωρεῖν παραγγείλας τῷ κατὰ ταῦτα τὰ χωρία
ὑπάρχῳ, αὐτός τε ἤλαυεν εὐθὺ τῶν βασιλείων. Δρακούλης μὲν oὖν ὁ νεώτερος
ἐπεκαλεῖτο ἕνα ἕκαστον, λέγων «ὦ ἄνδρες Δᾶκες, τί δὲ οἴεσθε ἐς τὸ ἐπιόν ὑμᾶς 310
ἔσεσθαι; ἢ οὐκ οἴδατε βασιλέα, ὅσην τε δύναμιν ἔχει καὶ ὡς αὐτίκα τὰ βασιλέως
στρατεύματα προσδέξιμα ὑμῖν ἔσται, δῃώσοντα τὴν χώραν, ἤν τι ὑπόλοιπον
ἀφελώμεθα; τί οὐ γίγνεσθε βασιλεῖ φίλοι; καὶ ἔσται ὑμῖν παῦλα ἔστε τὴν χώραν
καὶ ἐς τοὺς οἴκους. ἴστε γάρ, ὡς ἐν τῷ παρόντι οὔτε ζῷον οὔθ' ὑποζύγιον
517 Β ὑπελείφθη. ταῦτα δὲ | πάντα διὰ τὸν ἐμὸν ἀδελφόν ἐπεπόνθειτε χαλεπώτατα, 315
χαριζόμενοι ἀνδρὶ ἀνοσιωτάτῷ καὶ κακὸν μέγα τὴν Δακίαν ἐξειργασμένῳ, οἷον
οὐδαμῇ ἄλλοθι τῆς γῆς ἐπὶ ἀκοὴν ἀφικνεῖται ἡμετέραν.» ταῦτα ἐπιπέμπων τοῖς
Δαξίν, ὅσοι ἐς τὸ ἐξωνεῖσθαι σφῶν αὐτῶν τὰ ἀνδράποδα διέβαινον, ἔπειθέ τε,
266 D καὶ τοῖς ἄλλοις εἰπεῖν ἐκέλευεν ἐπιέναι | θαρροῦντας ἐπ' αὐτόν. οὗτοι μὲν oὖν
συνιόντες ἔγνωσαν σφίσιν αἱρετώτερα εἶναι ἢ τὰ Βλάδου τοῦ ἡγεμόνος, καὶ 320
ἰόντες ἐπὶ τὸν νεώτερον συνελέγοντο κατ' ὀλίγους. καὶ ὡς ᾔσθοντο οἱ λοιποὶ
Δᾶκες, αὐτίκα ἀπολιπόντες τὸν Βλάδον ᾔεσαν ἐπὶ τὸν ἀδελφόν. καὶ ὡς
συνελέγη αὐτῷ στράτευμα, ἐπιὼν κατεστρέψατο τὴν ἀρχήν, καὶ ἐπαγόμενος
ἅμα στρατὸν τοῦ βασιλέως ύπηγάγετο τὴν χώραν. ὁ μέν oὖν ἀδελφός, ὡς
μετέστησαν ἐπὶ τὸν ἀδελφὸν οἱ Δᾶκες, καὶ ἔγνω δὴ ὡς μάτην εἴη τοσοῦτον 325
φόνον πρότερον ἐξειργασμένος, ᾤχετο ἐς τοὺς Παίονας.
[...]
Apodeixeis Historiōn 39
(Postbyzantinische Quellen)

Der Kaiser aber nahm nicht wenige Sklaven aus dem Land, denn, als er schließlich die
Reiter entließ, durchstreiften sie das Land nicht wenig und, indem sie Sklaven
herbeibrachten, gewannen sie Großes. Und, indem sie auch Vieh mit sich führten, mehr als
200.000 Pferde und Ochsen und Rinder, kam das Heer des Kaisers zur Donau. Übrigens
285 fürchteten die Soldaten den keineswegs schwächeren Wagemut der Daker, die Großes
zeigten und sie gingen in großer Eile 67 über die Donau.
Der Kaiser aber befahl dem Ali, dem Sohn Mihals, das Heer hinten zu sichern. Als er sein Ali, Sohn Mihals, als
Kommandant der
Lager an der Donau aufschlug, ließ er den Dracul 68, den Bruder des Herrschers Vlad, in Nachhut
dessen Land, um mit den Dakern zu verhandeln und das Land unter seinen Gehorsam zu Sultan lässt Radu
verhandeln und das
290 bringen. Und er befahl dem Statthalter 69 dieser Gegend ihm zur Hilfe zu kommen, er selbst Land befrieden
aber zog geradewegs zur Hauptstadt. Der junge Dracul aber rief jeden zu sich, wobei er
ihnen sagte: „Dakische Männer, was glaubt ihr, dass mit euch in Zukunft geschehen wird?
Wisst ihr denn nicht, welch große Macht der Kaiser hat, und dass auf einmal die Heere des
Kaisers gegen euch ziehen und das Land verwüsten werden, so dass man uns nimmt, was
295 noch geblieben ist? Warum werdet ihr nicht zu Freunden des Kaisers? Und ihr werdet Ruhe
haben im Land und in euren Häusern. Ihr wisst wohl, dass [euch] kein Tier und Lasttier
mehr geblieben ist. Und alle diese schweren Leiden habt ihr erlitten wegen meines Bruders,
weil ihr zu diesem ruchlosen Mann gehalten habt, der Dakien viel Schlechtes getan hat, wie
ich nie gehört habe, dass es irgendwo auf der Welt einmal geschehen sei.“ Indem er diese
300 Worte den Dakern sandte, die vorbeikamen, um ihre versklavten Angehörigen freizukaufen,
überredete er sie und brachte sie dazu, es auch den anderen zu sagen, es zu wagen, zu ihm
zu kommen. Diese, sich versammelnd, merkten, dass der junge Mann besser für sie war als Bevölkerung/Eliten
der Walachei
der Herrscher Vlad, und, auf seine Seite übertretend, sammelten sie sich allmählich. Und als huldigen Radu
auch die anderen Daker das fühlten, haben sie Vlad sofort verlassen und sind auf die Seite
305 seines Bruders übergegangen. Und als er [Radu] ein Heer gesammelt hatte, griff er an und Radu erobert die
Hauptstadt
eroberte die Herrschaft. Indem er zugleich das Heer des Kaisers herbeiführte, unterwarf er V. flieht nach
das Land. Sein Bruder [Vlad] seinerseits wandte sich an die Paioner, als die Daker auf die Ungarn und wird
eingekerkert
Seite seines Bruders überliefen, und als er merkte, dass er zuvor viele Tötungen umsonst
veranlasst hatte.
[...]

67 Die Eile des Sultans war bedingt durch seinen Plan, vor Ende der für die Kriegführung geeigneten
Jahreszeit Mytilene einzunehmen. Schiffe konnten nur zwischen Ende Mai und Mitte September im
östlichen Mittelmeer und in der Ägäis optimal verkehren; vgl. John H. PRYOR: Geography, Technology, and
War: Studies in the Maritime History of the Mediterranean, 649-1571. Cambridge 1992, S. 87-89.
68 Radu.
69 Wahrscheinlich ein akıncı-Anführer. Diese schnellen Reiter der osmanischen Grenze (uc) agierten im
späten 15. und im 16. Jh. als Interventionstruppen bei der Absetzung von walachischen und
moldauischen Woiwoden sowie bei der militärischen Unterstützung der von der Pforte unterstützten
bzw. ernannten Prätendenten. Im späteren 16. Jh. erhielten die Woiwoden auch eine persönliche, von
ihnen besoldete Janitscharengarde.
40 Chalkokondylēs
(Postbyzantinische Quellen)

267 D (II, 2) Κατὰ μὲν oὖν τὴν ἐπὶ Δᾶκας βασιλέως ἔλευσιν τοσαῦτα ἐγένετο·Βλάδος
518 Β δὲ, ὡς ἐπιὼν ὁ ἀδελφὸς Δρακούλης ὑπηγάγετο τὴν τῆς Δακίας χώραν, ᾤχετο
μὲν αὐτός ἐπὶ Παίονας. Παίονἐς δέ, ὧν τοὺς προσήκοντας ἀνεῖλεν ἐν τῇ Δακίᾳ,
ἀπῆγον αὐτὸν θανάτοῦ παρὰ βασιλεῖ Παιόνων τῷ Χωνιάτοῦ παιδί, δικασάμενοι 330
δὲ αὐτῷ δίκην χαλεπωτάτην ὡς ἀδικώτατα ἀνελόντι τοὺς ἄνδρας, καθείρξαντες
ἐς Μπελογράδην πόλιν.
[...]
271 D (11, 2) [FHDR 517] Ἐστρατεύετο δὲ Μεχμέτης ὁ Ἀμουράτεω ἐπὶ τὴν Λέσβον [...]
523 Β αὐτὸς τε καὶ οἱ τῶν θυρῶν ὄντες καὶ ἀπὸ τῆς Εὐρώπης ἀμφὶ τοὺς δισχιλίους. τὰ
γάρ τοι στρατεύματα ὡς διῆκεν ἐπανιὼν ἀπὸ τῆς Δακίας, αὐτίκα ἐπῄει τε ἐς τὴν 335
νῆσον καὶ ἀπέβησαν.
[...]
279 D (I, 2) [...] ταῦτα ὁ κῆρυξ εἰπὼν ἀπήλαυνε παρὰ βασιλέα, καὶ ἀπαγγείλας τοῦ
533 Β Ἰλλυριοῦ τὸν λόγον ἐπῆρε βασιλέα στρατεύεσθαι ἐπ’ ἀμφοτέρους. ἦν δ’ αὐτῷ
τηνικαῦτα ἒλασις ἐπὶ τὸν Δακίας ἡγεμόνα, ἐξυβρίσαντα μεγάλως ἐς τὸν τοῦ
280 D βασιλέως οἶκον καὶ ἀνελόντα τοὺς πρέσβεις. ἀλλὰ | τότε μὲν ἐλαύνοντι ἐπὶ 340
Δᾶκας οὐκ ἐξεγένετο τίσασθαι βασιλέα Ἰλλυριῶν.
[...]
295 D (II, 2) [...] νῦν δὲ τούς [τε] 70 Ἕλληνας καθελὼν καὶ Ἑλλήνων βασιλέα, μετὰ δὲ
552 Β τὴν Τριβαλλῶν χώραν ὑφ’ αὐτῷ ποιησάμενος, καὶ Πελοπόννησον
καταστρεψάμενος σύμπασαν, καὶ βασιλέα Τραπεζοῦντος παραστησάμενος καὶ
τήν τε χώραν αὐτοῦ ὑπαγόμενος, μετὰ δὲ ἐπιστήσας ἄρχοντα τῇ Δακίᾳ καὶ τὴν 345
296 D Ἰλλυριῶν χώραν | δῃωσάμενος καὶ ἑλὼν ἅμα καὶ τὸν βασιλέα.

70 Eingefügt von DARKÓ.


Apodeixeis Historiōn 41
(Postbyzantinische Quellen)

310 Der Feldzug des Kaisers gegen die Daker hatte sich nun so begeben. Vlad aber ging, als sein
Bruder Dracul angriff und sich das Land Dakiens unterwarf, zu den Paionern. Die Paioner
aber, deren Verwandte er in Dakien getötet hatte, beschuldigten ihn des Mordes vor dem
König der Paioner, dem Sohn des Choniates 71. Indem sie ihn zu schwerer Strafe
verurteilten, wie einen, der Menschen völlig zu Unrecht getötet hatte, sperrten sie ihn in das
315 Gefängnis der Stadt Belograd 72.
(…) 73
Mehmed, der Sohn Murads, führte Krieg gegen die Insel Lesbos (…) Er selbst und
diejenigen von der Pforte waren [dabei] und vom europäischen [Heer] um die zweitausend.
Denn die Heere hat er damals, als er aus Dakien zurückkehrte, nach Hause entlassen. Sofort
zog er gegen die Insel und landete. 74
(…) 75
320 Nachdem er dieses sagte, ging der Herold zum Kaiser und überbrachte ihm die Worte des
Illyrers 76. Er sorgte dafür, dass der Kaiser mit den beiden in den Krieg zog. Er hatte damals
[nämlich] einen Feldzug unternommen gegen den Herrscher Dakiens, der das Haus des
Kaisers sehr schwer beleidigt hatte und [dessen] Gesandte getötet hatte. Aber als er damals
gegen die Daker zog, war es ihm nicht möglich, sich am König der Illyrer zu rächen.
(…) 77
325 Die Griechen aber und den Kaiser der Griechen hat er nun unterworfen, danach hat er das
Land der Triballer 78 unter seine Herrschaft gebracht und die ganze Peloponnes unterworfen
und den Kaiser von Trapezunt unterworfen und sein Land erobert, danach aber hat er in
Dakien [seinen] Herrscher eingesetzt und das Land Illyriens 79 verheert und zugleich seinen
König getötet (…)

71 Matthias Corvinus, König Ungarns von 1458-1490, Sohn des Johannes Hunyadi. Diese Textstelle
impliziert, dass die Siebenbürger Sachsen an der Verhaftung Vlads mitgewirkt und möglicherweise die
Urheber der Deutschen Geschichten sind oder diese auf einem siebenbürgisch-sächsischen Bericht
basieren. Denkbar ist jedoch auch, dass Ch. über die Gründe für Vlads Verhaftung im Unklaren war
und daher deduktiv aufgrund seiner Taten in Siebenbürgen auf eine Beschwerde der Sachsen an den
obersten Landesherren schloss.
72 Entweder Alba Iulia (dt. Weißenburg, ab 1711 Karlsburg, ung. Gyulafehérvár) in Siebenbürgen oder
wahrscheinlicher Székesfehérvár (dt. Stuhlweißenburg) im heutigen Ungarn.
73 Der Abschnitt zwischen diesen beiden Erwähnungen Vlads thematisiert die Gründe für den
osmanischen Feldzug gegen Lesbos.
74 1462.
75 Dieser Textstelle geht ein Exkurs über Sprache und Herkunft der Illyrer voran.
76 Gemeint ist der König Bosniens, Stepan Tomašević (1461-1463), der die Tributzahlung an Mehmed II.
1462 verweigert hatte.
77 Dieser Textstelle geht die Erzählung über den osmanischen Feldzug gegen Bosnien (1463) voran sowie
eine Beschreibung der diplomatischen Missionen der venezianischen Gesandten auf der Suche nach
Verbündeten für einen Krieg gegen die Osmanen. Die folgende Textstelle ist Teil der Rede dieser
Gesandten am ungarischen Hof (1476), welche die Ungarn für die Beteiligung am Krieg gewinnen
sollte.
78 Serben.
79 Bosnien.
Kritovoulos Imbriotēs
(zwischen 1400-1410? – nach 1468)

Autor
Wie bei allen anderen spät- und postbyzantinischen Historikern ist die Biographie K.s fast
gänzlich unbekannt. Nur der Reisende Ciriacus von Ancona, der ihn persönlich getroffen
hat, und sein historisches Werk teilen uns einige Anhaltspunkte für eine mögliche Bio-
graphie mit. Der selten belegte Name „Kritovoulos“ ist wahrscheinlich eine antikisierende
Form seines Familiennamens Kritopoulos; Mihailos scheint sein Vorname gewesen zu sein.
Er wurde auf der Insel Imbros zu einer nicht näher bestimmbaren Zeit in eine sonst
unbekannte adlige Familie (ἀρχοντῆς) geboren, als diese Insel noch den Byzantinern ge-
hörte. Laut eigenen Behauptungen vermittelte er diplomatische Kontakte zwischen den
Genuesen und den Osmanen kurz vor der Einnahme der Inseln Tenedos, Lemnos und
Imbros. Nach der Eroberung wurde er Anfang 1456 von den neuen Herrschern zum
Gouverneur ernannt und blieb wahrscheinlich auch nach Übergabe der Insel (1459) an den
Despoten Demetrios Palaiologos im Amt – dank seiner unmittelbaren Intervention beim
Sultan persönlich. Die venezianische Eroberung von Imbros (1466) zwang ihn die Insel zu
verlassen und sich vielleicht nach Istanbul zu begeben, wo er möglicherweise Augenzeuge
der detailreich dargestellten Pest von 1467 war. Nach 1468 existiert über ihn keine Infor-
mation mehr. Neben seiner historiographischen Tätigkeit wirkte K. auch als Kopist und
Buchsammler.

Werk
Συγγραφὴ ἱστοριῶν („Geschichtliche Darstellungen“) stellt die Herrschaftszeit Mehmeds
II. bis 1464 dar. K. begann mit der Abfassung kurz nach der Eroberung Konstantinopels.
Eine erste unvollendete Version stellte er dem Sultan 1466 vor und die endgültige ein Jahr
später. Sie ist in fünf Bücher (βίβλον) unterteilt, wobei allein das erste fast ein Drittel des
Gesamtwerkes umfasst. Wie viele andere Zeitgenossen bemühte sich der Autor, sich nach
altgriechischen Vorbildern zu richten. Seine Sprache blieb jedoch fließend und einfach für
die damaligen Verhältnisse. Die moderne Forschung hat nachgewiesen, dass K. kein reiner
Imitator war; es gelang ihm mit antikisierendem Bezug vor allem zu Thukydides – der auch
eine Geschichte seiner Zeit schrieb – und sodann zu Herodot, Arrian u.a. eine originelle
und den zeitgenössischen Realitäten angepasste Narration aufzubauen. Sein Stil wird rheto-
rischer und sorgfältiger in Fällen fiktiver Reden und besonderer Beschreibungen wie etwa
der Ankunft des osmanischen Heeres vor Konstantinopel mit den Kanonen oder der
schweren Pest von 1467. Dabei verwendet er topoi seiner Vorbilder. Als Quellen dienen ihm
sowohl seine eigene Erfahrung als auch osmanische Archivalien. Sein letzter Editor Reinsch
entdeckte über 700 nachträgliche Überarbeitungen des Originaltextes; der Autor versuchte
anscheinend seinen politischen Diskurs besser anzupassen, aber auch inhaltliche Unge-
nauigkeiten wie etwa falsche Daten zu berichtigen.
44 Kritovoulos
(Postbyzantinische Quellen)

Ideologisches Profil
Im Werk K.s werden zwei ideologische Quellen sichtbar. Zum einen der Autor selbst, der
es verstanden hat, seine Privilegien durch Kollaboration mit den jeweiligen Machthabern
zu erhalten und sogar weiter auszubauen. Zum anderen der Eroberer Mehmed II., das
symbolische Zentrum des orientalischen Christentums, der propagandistische Verbin-
dungen zwischen ihm und seinen neuen Untertanen brauchte. Die große, bisweilen sogar
erstaunliche Öffnung Mehmeds für die westeuropäische Kultur und die Aufnahme vieler
europäischer Gelehrter an seinem Hof belegen dies. Ein Gelehrter wie K. konnte ihm
zusätzliche Anerkennung als Fortsetzer eines „Byzance après Byzance“ einbringen. Es ist
auch nachzuweisen, dass das Osmanische Haus mit Mehmed II. nicht nur militärisch,
sondern auch ideologisch expandierte, indem ein Şükrüllāh die politischen Ansprüche nach
außen in der islamischen Welt bekannt machte und durch K. nach innen in den ehema-
ligen byzantinischen Territorien. Diese innere Anerkennung war umso wichtiger, als die
zahlreichen militärischen Erfolge einen enormen Bedarf an Integration in den neuen Pro-
vinzen nach sich zogen. Es ist also nicht verwunderlich, dass Christen wie K. zu Gouver-
neuren wurden und viele weitere timar-Inhaber im gesamten südosteuropäischen Raum zur
Zeit Murads II. und Mehmeds II. gesellschaftlich aufsteigen konnten. Ein Adliger, der sich
selbst in seinem Werk für seine intensiven diplomatischen Bemühungen empfiehlt, wollte
sicherlich die Aufmerksamkeit und Großzügigkeit des Herrschers erwecken oder
aufrechterhalten.
Die Persönlichkeit Mehmeds wird mit allen Eigenschaften des byzantinisch-orthodoxen
Idealfürsten ausgestattet. Neben den Werten mit direkter Wirkung in der islamischen Welt
wie etwa Tapferkeit oder den gemeinsamen Werten wie Gerechtigkeit, hebt K. die Grie-
chenfreundschaft des Sultans hervor. Die politischen Beziehungen mit dem Sultan werden
nach den alten byzantinischen Paradigmen behandelt, so dass beispielsweise der Aufstand
des Drakoulis gegen seinen Herrn als tyrannischer Akt, als Attentat auf die neu etablierte
Harmonie behandelt wird.

Quellen: eine heute velorene osmanische Quelle; Augenzeugen, Autopsie

Handschrift
Istanbul, Topkapı Saray Ktp. Eski Saray, Codex G.I.3. : codex unicus mit
Autograph des Verfassers, 22x14,5cm, (14,5/15x8,5cm), 22-28 Zl., westl. Papier,
verschiedene Tintenfarben, keine zügige Schrift, geschrieben um 1465-1467.

Auszüge: C. TISCHENDORF: Notitia editionis codicis Bibliorum Sinaiticis. Leipzig 1860, S. 123-124
[Widmungsbrief nach einer heute verlorenen Hs.]; A.K. DĒMĒTRAKOPOULOS: Προσθῆκαι καὶ
διορθώσεις εἰς τὴν Νεοελλενικὴν Φιλολογίαν Κωνσταντίνου Σάθα [Ergänzungen und
Berichtigungen zur „Neohellenischen Philologie“ des K. Sathas]. Leipzig 1871 (Nachdr. Athen 1965)
[Abdruck eines Teils des Widmungsbriefes von Tischendorf]; Horia MIHĂESCU et alii: Izvoarele istoriei
României, IV: Scriitori şi acte bizantine. Secolele VI – XV. Bucureşti 1982, S. 532-535 [nach Grecu, mit
einer neuen rumän. Übers.]; Phanēs KALAÏTZAKĒS: Μιχαήλ Κριτόβουλου Βυζαντίου ἅλωσις.
Συγγραφὴ ἱστοριῶν A’ (17,1 – 72,3). Athēna 1999 [nach Reinsch; mit neugr. Übers.].

Editionen: Karl MÜLLER: Critobuli Imbriotae libri quinque de rebus gestis Mechemetis edidit Calus Müller.
Paris 1870 [“Fragmenta Historicorum Graecorum” V 1] [häufig nachgedruckt]; Ph. Ant. DETHIER:
Syngraphē Historiōn 45
(Postbyzantinische Quellen)

Κριτόβουλος. Βίος τοῦ Μωάμεθ Β’ [Kritoboulos. Das Leben Mehmeds II.] [Monumenta
Hungariae Historica. Scriptores XXI, 1] [o. O. u. J.] [nur wenige Exemplare, inoffiziell erschienen];
Vasile GRECU: Critobul din Imbros. Din domnia lui Mahomed al II-lea. Anii 1451-1467. Bucureşti 1963
[Scriptores Bizantini 4] [mit rumän. Übers.]; Diether Roderich REINSCH: Critobuli Imbriotae Historiae.
Berlin 1983 [Corpus Fontius Historiae Byzantinae 22]; Diether Roderich REINSCH u. Foteinē
KΟLOVOU: Κριτόβουλου του Ιμβρίου Ιστρορία. Athēna 2005 [mit neugr. Übers.]; Ari ÇOKONA:
Kritovulos tarihi 1451-1467. Istanbul 2012 [Faksimile der Hs. Topkapı Sarayı mit türk. Übers.].

Übersetzungen: Károly SZABÓ: II. Mehemet élete. Budapest 1875 [ung.]; Paulos KAROLIDĒS: Tarih-i
Sultan Mehmed Han-i Sani. Istanbul: Ahmed İhsan ve Şürekâsi 1328 [H.] = [1912] [osman.; neue
Edition: İstanbul’un Fethi. Istanbul 2011- modernisiertes Türk.]; Charles T. Riggs: History of Mehmed the
Conqueror by Kritobulos. Princeton 1954; Diether Roderich REINSCH: Mehmet II. erobert Konstantinopel. Die
ersten Regierungsjahre des Sultans Mehmet Fatih, des Eroberers von Konstantinopel 1453. Das Geschichtswerk des
Kritobulos von Imbros. Graz, Wien, Köln 1986, S. 243-246 [dt.]; Irina RADEVSKA: Kritovul, Životăt i
upravlenieto na Mechmed II Al-Fatich (Zavoevateljat). Sofija 2004.

Literatur: M. UBICINI: „Chronique du règne de Mahomet II, par Critbule d’Imbros”. In: Annuaire de
L’Association pour l’encouragement des études grecques en France 5 (1871), S. 49-74; F. RÖDEL: Zur Sprache des
Laonikos Chalkondyles und des Kritobulos aus Imbros. München 1905; N.P. ANDRIOTES: „Κριτόβουλος ὁ
Ἴμβριος καὶ τὸ ἱστορικό τοῦ ἔργο“. In: Hellenika 2 (1929), S. 167-200; Vasile GRECU:
„Kritoboulos aus Imbros. Sein wahrer Name. Die Widmungsbriefe. Die Ausgabe. Das
Geschichtswerk“. In: Byzantinoslavica 18 (1957), S. 1-17; V.Z. UDAL’KOVA: „K voprosu o social’no-
politiceskic vzgljadach vizatijskogo istoria XV v. Kritovula“ [= Zur Frage der sozial-politischen
Ansichten des Kritobulos, eines byzantinischen Historikers des 15. Jhs.]. In: Vizantijnskij Vremennik 12
(1957), S. 172-197; P.D. MASTRODEMETRĒS: „Ἐσωτερικαὶ ἐπιδράσεις τοῦ Θουκυδίδου ἐπὶ τὸν
Κριτόβουλον.“ In: Ἀθηνᾶ 65 (1961), S. 158-168; G. EMRICH: „Michael Kritoboulos, der
byzantinische Geschichtsschreiber Mehmeds II.“ In: Materialia Turcica 1 (1975), S. 35-43; Semavi
EYICE: „Kritobulos ve Eseri.“ In: Kubbealtı Akademi Mecmuası VI/3 (1977), S. 12-21; Diether Roderich
REINSCH: „Kritobulos of Imbros: Learned historian, Ottoman raya and Byzantine patriot.“ In: ZRVI
40 (2003), S. 297–311; V. VAČKOVA: „‘Istorija’-ta na Kritovul ot Imbros ili: Zagadkata na romejskija
religiozno-političeski patriotzăm“. In: Istorija 1-2 (2003), S. 39-50.

Nota bene: Text nach REINSCH, S. 166-168. Die Nummerierung der Handschriftseiten entspricht der
Seitenzählung aus ÇOKONA, da in der Hs. keine Zählung vorhanden ist. Die Übersetzung berücksichtigt
REINSCH: Mehmed II., S. 243-246.
46 Kritovoulos
(Postbyzantinische Quellen)

{ὅρα τὴν ἐπανάστασιν Δράκουλη τοῦ Γετῶν ἡγεμόνος} 80 1


1
10 (1) ἐν τούτοις τοίνυν ὄντι τῷ βασιλεῖ καὶ τὰ κατὰ τὴν Πόλιν εὖ τιθεμένω
χειμῶνος ἀγγέλλεται Δράκουλιν, τὸν ἡγεμόνα Γετῶν, νεωτέρων ἐπιθυμήσαντα
νεοχμῶσαι 81 καὶ στρατιὰν ξυλλεξάμενον ἱκανὴν καὶ ἵππους καὶ ὅπλα ἀντᾶραι τῷ
βασιλεῖ, ὅς ἦν αὐτῷ πρώην ταύτην παρασχὼν τὴν ἀρχήν. 5
528 (2) ἀπελαθέντας γὰρ αὐτόν τε | καὶ τὸν ἀδελφὸν ὑπὸ τοῦ τῶν Παιόνων τε 82 καὶ
Δακῶν ἡγεμόνος Ἰωάννου τοῦ Γέτου μετὰ δυνάμεως ἐπελθόντος καὶ τὸν σφῶν
ἀποκτείναντος πατέρα καὶ τὴν ἀρχὴν παραδόντος ἑτέρῳ ἐδέξατο τούτους
φυγάδας ὁ τοῦ βασιλέως πατὴρ ἐς αὐτὸν καταφυγόντας καὶ ἔτρεφεν ἐν τοῖς
βασιλείοις ἄγαν φιλοτίμως παῖδας ὄντας ἔτι 83, καὶ τελευτῶν κατέλιπεν 84 αὐτοὺς 10
τῷ βασιλεῖ καὶ υἱεῖ 85· καὶ ὅς εἶχε καὶ ἔτρεφεν αὐτοὺς ἐν πολλῇ θεραπείᾳ τε καὶ
τιμῇ παῤ ἑαυτῷ καὶ πρόνοια βασιλικῇ.
(3) νεωτέρων δὲ συμβάντων περὶ τὴν ἀρχὴν τὴν Γετῶν καὶ τοῦ ταύτην ἔχοντος
ἀπελαθέντος κακῶς κατήγαγε τοῦτον ὁ βασιλεὺς χειρὶ πολλῇ καὶ δαπάνῃ
παραδοὺς αὐτῷ πᾶσαν τὴν ἀρχὴν τῶν Γετῶν καὶ ξυνθήκαις καὶ ὅρκοις 15
ξυνδήσας αὐτὸν [167] ἦ μὴν φυλάξειν ἄδολόν τε 86 καὶ καθαρὰν τὴν πρὸς τὸν
βασιλέα στοργὴν καὶ εὔνοιαν καὶ τὰς γενομένας πίστεις τε καὶ ξυνθήκας.

80 Am Rand, rot.
81 νεωχμῶσαι im Original.
82 τὲ supra geschrieben.
83 ἔτι supra geschrieben.
84 κατέλειπεν im Original (vgl. 16, 7; 101,28).
85 υἱεῖ supra geschrieben; υἱῶ im Original.
86 τε supra geschrieben.
Syngraphē Historiōn 47
(Postbyzantinische Quellen)

1 Siehe den Aufstand des Getenfürsten Drakoulis

10. (1) Während der Kaiser 87 (basileus) also nun damit beschäftigt war und die Stadt (Polin) 88
für den Winter 89 einrichtete, wurde gemeldet, dass der Fürst der Geten (hegemon Geton) V. beabsichtigt die
osmanischen Gebiete
Drakoulis danach strebte die Verhältnisse zu erneuern und sich auflehne, dass er ein zu überfallen

5 ausreichend starkes Heer als auch Pferde und Waffen gesammelt und sich gegen den Kaiser,
der ihm erst jüngst diese Herrschaft gewährt hatte, 90 erhoben habe.
(2) Denn nachdem er und sein Bruder vom Herrscher der Paioner und Daker 91, Johannes Söhne Draculs vom
Sultan aufgenommen
dem Geten (Ioannes ho Getos) 92, der sie mit Heeresmacht angegriffen, den Vater der beiden und begünstigt
getötet und die Herrschaft einem anderen übergeben hatte 93, vertrieben worden waren,
10 hatte der Vater des Kaisers 94 diese Flüchtigen, als sie bei ihm Zuflucht suchten,
aufgenommen und sie, die noch Kinder waren, allzu ehrliebend in den Kaiserpalästen
(basileioi) aufgezogen 95 und sie zuletzt dem Kaiser und Sohn hinterlassen. Auch dieser behielt
und erzog sie an seiner Seite mit großer Fürsorge und Ehre und kaiserlichen Pronoia. 96
(3) Als aber in den Herrschaftsverhältnissen der Geten ein Umsturz eintrat und derjenige, V. übernimmt die
Führung Dakiens mit
15 der die [Herrschaft] innehatte, 97 schimpflich davongejagt worden war, führte der Kaiser Hilfe des Sultans
diesen 98 mit starker Heeresmacht und großem Aufwand zurück und übertrug ihm die
gesamte Herrschaft der Geten, wobei er ihn durch Abmachungen und Eide verpflichtete,
sowohl gegenüber dem Kaiser ehrliche und reine Liebe und Wohlwollen zu bewahren als
auch im vereinbarten [Bündnis] treu und [wie] geboten [zu verbleiben]. 99

87 Gemeint ist der Sultan. Vgl. Chalkokondyles (←), Fn. 17.


88 Gemeint ist Konstantinopel.
89 Der Winter 1461/1462.
90 Zur Kenntnis der ersten Herrschaft Vlads 1448 unter den postbyzantinischen und osmanischen
Autoren vgl. Chalkokondyles (←), Fn. 21.
91 Gemeint sind Ungarn sowie, im Unterschied zu Chalkokondyles (←), S. 17, Siebenbürger.
92 Johannes Hunyadi.
93 Vlad Dracul (1436-1442, 1443-1447) wurde wahrscheinlich auf Betreiben des Johannes Hunyadi
ermordet und mit Vladislav II. (1447-1448, 1448-1456) ersetzt.
94 Murad II. (1421-1451) hatte Vlad und Radu als Geiseln und nicht als Flüchtlinge aufgenommen, um
die Loyalität ihres Vaters zu garantieren.
95 Als iç-oğlan. Vgl. Chalkokondyles (←), Fn. 20.
96 Im spätbyzantinischen Reich wurden bei einer pronoia vom Kaiser an privilegierte Personen Ertrag
oder Steuer eines Landstücks vergeben. Als Gegenleistung fielen meist militärische Verpflichtungen
an. Vgl. Mark BARTUSIS: The late Byzantine Army, arms and society 1204-1453. Philadelphia 1992, S.
255f.; DERS.: Land and Privilege in Byzantium. The Institution of Pronoia. Cambridge 2012. Die Osmanen
übernahmen mit der Eroberung des byzantinischen Territoriums auch das pronoia-System unter dem
Namen timar. Eine weitere Bedeutung der pronoia ist die Gnade bzw. Gunst Gottes gegenüber den
Menschen. Somit ergeben sich zwei Interpretationsmöglichkeiten: Entweder hatten die beiden Brüder
timare inne – wenig wahrscheinlich, da sie keine Mitglieder der osmanischen Staatshierarchie waren –
oder sie genossen die Gunst des Sultans.
97 Vladislav II. wurde 1448 sowie ein zweites und letztes Mal 1456 von Vlad gestürzt und am 20.
August getötet; vgl. Nicolae IORGA: Inscripţii din bisericile României. Bd. 1. Bucureşti 1905, S. 100.
98 Drakoulis.
99 Es ist unklar, ob es sich hier um einen Bezug zur ersten Herrschaft Vlads handelt oder lediglich um
eine literarische Figur, welche seine Undankbarkeit gegenüber dem Sultan verdeutlichen soll. Liviu
Câmpeanu (Universität Klausenburg) plädiert für einen Bezug zur ersten Herrschaft.
48 Kritovoulos
(Postbyzantinische Quellen)

(4) ὁ δὲ βραχὺν χρόνον ἐμμείνας τούτοις ἔπειτα πάντων ἀμνηστίαν λαβὼν καὶ
κακὸς φανεὶς περὶ τὸν πιστεύσαντα ἐπανέστη κατὰ τοῦ βασιλέως.

{σημείωσαι ὅπως διέβη τὸν Ἴστρον ὁ Δράκουλις 20


καὶ κατέδραμε τὰ περὶ Νικόπολιν καὶ Βιδίνην} 100

καὶ πρῶτα μὲν λάθρᾳ διαβὰς τὸν Ἴστρον ξὺν δυνάμει καὶ στρατιᾷ οὺκ ὀλίγῃ
κατατρέχει πᾶσαν τὴν ὅμορον αὐτῷ χώραν 101 τοῦ βασιλέως, λέγω δὴ τὰ περὶ
Νικόπολιν καὶ Βιδήνην, καὶ λείαν ἐλάσας ὅτι πολλὴν καὶ φόνον ἐργασάμενος
οὐκ ὀλίγον πάλιν διαβὰς | ἐπανῆκεν ἐς τὴν αὐτοῦ. 25
830
(5) μετὰ δὲ τοῦτο πρέσβεις ὡς αὐτὸν ἀποστείλαντος τοῦ βασιλέως σπονδῶν τε
ἀναμνήσοντας καὶ λαλήσοντας εἰρηνικὰ καὶ τὴν αἰτίαν πευσομένους τῆς
ἀποστάσεως ὁ δὲ πρὶν ἤ μαθεῖν, ἐφ̓ ἅ ἧκον, συλλαβὼν τούτους ἀνεσκολόπισε
πολλὰ καὶ βλάσφημα ἀπειλήσας ἐς βασιλέα.

{ὁρμὴ τοῦ βασιλέως κατά Γετῶν καὶ διάβασις 30


τοῦ Ἴστρου καὶ καταδρομὴ πάσης τῆς χώρας αὐτῶν καὶ λεηλασία} 102

(6) βασιλεὺς δὲ τὴν ὕβριν ταύτην {βαρέως ἐνεγκὼν} 103 θυμῷ δικαίῳ ληφθεὶς
στρατιὰν ὅτι πλείστην εὐθὺς ἀγείρει καὶ καλῶς παρασκευασάμενος χειμῶνος
ἅμα ἦρι διαβαίνει τὸν Ἴστρον καὶ διαβὰς κατατρέχει μὲν ἐν οὐ πολλαῖς ἡμέραις
πᾶσαν σχεδὸν τὴν Γετῶν πορθῶν καὶ δῃῶν αὐτὴν καὶ χειμάρρου 104 δίκην 35
ἐπερχόμενός τε καὶ παρασύρων πάντα τὰ ἐν ποσὶ καὶ φρούρια χειρούμενος καὶ
κώμας διαρπάζων καὶ λείαν ὅτι πλείστην ἀπάγων.
(7) ὁ δὲ θρασὺς ἐκεῖνος καὶ ἀλαζὼν τὴν ἀθρόαν ἔφοδον τοῦ βασιλέως μὴ
ἐνεγκὼν φυγὰς εὐθὺς ᾢχετο καὶ καταλαβὼν τὰ ἐρυμνότατα 105 τῆς χώρας καὶ
τῶν βουνῶν διῆγε τὸ τέλος ἀποσκοπῶν τῶν γιγνομένων. βασιλεὺς δὲ ἦγε καὶ 40
ἔφερε 106 τὴν αὐτοῦ {καὶ τέλος ἡγεμόνα Γετῶν τὸν αὐτοῦ ἀδελφὸν ἀποδείκνυσι,

Ῥάδον· εἶχε γὰρ τοῦτον μεθ ἑαυτοῦ} 107.

100 Am Rand, rot (6 περινικόπολιν).


101 χῶραν.
102 Am Rand, rot.
103 Am Rand, schwarz; μὴ ἐνεγκὼν im Original.
104 χειμάρου im Original.
105 ἐρυμνότατα gelesen; ἐρυμνότα im Original.
106 καὶ τέλος.
107 Am Rand, schwarz; ἑαυτοῦ im Original.
Syngraphē Historiōn 49
(Postbyzantinische Quellen)

20 (4) Der aber verblieb nur kurze Zeit bei diesen, dann vergaß er alles, erwies sich dem
gegenüber, der ihm vertraut hatte, als schlechtgesinnt und erhob sich wider den Sultan.

Beachte, wie Drakoulis die Donau (Istros) überschritt und das Gebiet um
Nikopolis und Vidin überrannte 108

Und zunächst überschritt er heimlich mit einer nicht geringen Streitmacht und einem Heer V. überquert die
25 die Donau, überrannte das gesamte ihm benachbarte Gebiet des Kaisers, ich meine die Donau und
verheert
Gegend um Nikopolis und Vidin, und nachdem er so viel Beute wie nur möglich
weggetrieben und nicht wenige Mordtaten begangen hatte, überschritt er wiederum [die
Donau] und kehrte in sein [Land] zurück.
(5) Als aber danach der Sultan Gesandte zu ihm schickte, die ihn an den Vertrag erinnern,
V. ermordet die
30 im Frieden mit ihm sprechen und den Grund für seine Abtrünnigkeit erfragen sollten, da Gesandten des
Sultans
ließ er sie, bevor er noch erfahren hatte, wozu sie gekommen waren, ergreifen und pfählen,
wobei er viele Schmähungen drohend gegen den Kaiser ausstieß.

Aufmarsch des Sultans gegen die Geten und Überschreitung der Donau und
Überrennen ihres gesamten Gebietes und Plünderung
Sultan zieht mit
35 (6) Der Kaiser aber nahm diese Freveltat übel auf und sammelte, von gerechtem Zorn großer Streitmacht
zur Donau
gepackt, sogleich ein möglichst großes Heer, bereitete sich den Winter über gut vor und
überschritt bei Frühlingsbeginn die Donau und nachdem er sie überschritten hatte, Frühling
überrannte er in nicht vielen Tagen fast das ganze [Gebiet] der Geten, zerstörte und Walachei wird
verwüstete es, brach wie ein reißender Wildbach darüber herein und riss alles mit sich fort, gerichtet

40 was ihm in den Weg kam, unterwarf Festungen, plünderte Dörfer und trieb so viel Beute
weg wie möglich.
(7) Jener Draufgänger und Prahler aber hielt dem plötzlichen Angriff des Kaisers nicht stand,
sondern ergriff sogleich die Flucht und machte sich auf und davon. Und nachdem er die V. verbirgt sich
sicherste Gegend seines Landes und der Berge erreicht hatte, blieb er [dort] und
45 beobachtete den Ausgang des Geschehens. Der Kaiser aber plünderte sein [Land] und setzte
am Ende seinen Bruder Rhados zum Herrscher über die Geten ein; denn diesen hatte er bei
sich.

108 K. übergeht die Nachstellungen des Sultans gegen Vlad in den vorherigen Monaten oder sie sind ihm
nicht bekannt; vgl. Chalkokondyles (←), S. 21, und der Auftrag des Thomas Katavolinos und Hamza
Beğ. Es kann vermutet werden, dass K., insbesondere mit Blick auf den wichtigen Beitrag des
Katavolinos zur Übergabe Mistras und Trapezunts und seiner Bekanntheit (vgl. Fn. 29), die gesamte
Episode der misslungenen Aktion gegen Vlad und den Tod des Katavolinos bewusst auslässt. Dies
war aus zwei Gründen für das dargestellte Bild des Sultans vorteilhaft: 1. Vlad wurde nicht durch den
fehlgeschlagenen Entführungsversuch des Sultans provoziert; und 2. die boshafte Natur des Drakoulis
kann sich entfalten, der durch seine Aktionen nur seine Undankbarkeit gegenüber seinem Herren
zeigt, der – wie im vorherigen Kapitel ausführlich geschildert – ihm seine Gnade und Gunst erwiesen
hatte.
50 Kritovoulos
(Postbyzantinische Quellen)

(8) Δράκουλις δὲ ἤδη τῶν αὐτοῦ πραγμάτων ὅλως ἀπογνοὺς καὶ μηδεμίαν ἔχων
ἐλπίδα τοῦ λοιποῦ τῆς ἀρχῆς ἔγνω θανάτων δράσας τι [168] τοὺς ἐχθροὺς
κακῶς καὶ παθεῖν αὐτός. καὶ δὴ τοῦτο δόξαν ἀνοήτως αὐτῷ νυκτὸς ἐπιθέσθαι 45
βούλεται τῷ στρατοπέδῳ· καὶ περὶ μέσας νύκτας {ἀναλαβὼν τοὺς αὐτοῦ} 109
532 ἄκρᾳ τινὶ | προσβάλλει τοῦ στρατοπέδου ἀτάκτως τε καὶ σὺν οὐδενὶ κόσμῳ, καὶ
φόνον ἐργάζεται ζῷων πολύν, καμήλων τε καὶ ἵππων καὶ ἡμιόνων· οὐ γὰρ
ἐνέτυχεν ἀνδράσι 110.

{ἧττα καὶ φυγὴ τοῦ Δράκουλι} 111 50

(9) βασιλεὺς γάρ, {ὡς ἔγνω τὴν προσβολήν} 112, ἐξεπίτηδες κελεύει μικρὸν
ἀναχωρῆσαι τοὺς στρατιώτας, ἵνα ἐπὶ μᾶλλον προέλθῃ, ὡς ἄν εὐχείρωτος
γένηται· μετὰ δὲ τοῦτο τῇ στρατιᾷ σύνθημα δοὺς κελεύει πανταχόθεν αὐτῷ
προσβαλεῖν 113. οἱ δ̓ ὁρμήσαντες σὺν ἀλαλαγῇ 114 καὶ ῥώμῃ 115 καὶ προθυμίᾳ
πολλῇ πάντας αὐτοῦ κατακόπτουσι, πλὴν ὅσους ζῶντας ἐζώγρησαν, 55
εὐαριθμήτους πάνυ. Δράκουλις δὲ διαλαθὼν αὐτοῦ που καὶ διαδρὰς φυγὰς
ῷχετο ἐς Παίονας· οἱ δὲ συλλαβόντες αὐτὸν καθεῖρξαν ἐν φυλακῇ.
(10) βασιλεὺς δέ, ᾖπερ ἔφην, ἄρχοντα καὶ ἡγεμόνα Γετῶν ἀποδείκνυσι Ῥάδον
παραδοὺς αὐτῷ πᾶν τὸ σφῶν κράτος καὶ τὴν ἀρχὴν τὰ πιστὰ λαβὼν παῤ αὐτοῦ,
αὐτὸς δὲ λείαν ἐλάσας ὅτι πολλὴν ἀνδραπόδων τε καὶ βοσκημάτων καὶ τῇ 60
στρατιᾷ διαδοὺς πάλιν διαβαίνει τὸν Ἴστρον καὶ καταλαβὼν τὴν Ἀδριανοῦ
θέρους μικρὸν διαναπαύει τὴν στρατιὰν αὐτοῦ· καὶ μετὰ τοῦτο
μετακαλεσάμενος τοὺς ἡγεμόνας τοῦ στόλου κελεύει διακοσίων νεῶν στόλον
ἐξαρτῦσαι 116 τῇ Λέσβῳ.

109 Am Rand, schwarz.


110 ἀνδρᾶσι im Original.
111 Am Rand, rot.
112 Am Rand, schwarz; εὐθὺς προσβαλόντος im Original.
113 DETHIER: προσβαλεῖν; προσβαλλεῖν im Original; MÜLLER: προσβάλλεῖν.
114 S ἀλλαλαγῆ.
115 S ῥώμη; MÜLLER: ῥύμῃ, vgl. aber 53,18.
116 ἐξαρτῆσαι im Original; ἐξαρτίσαι MÜLLER 23-24 am Rand.
Syngraphē Historiōn 51
(Postbyzantinische Quellen)

(8) Drakoulis aber gab nunmehr seine Sache völlig verloren, und da er keinerlei Hoffnung
mehr auf die Herrschaft hatte, beschloss er voller Todesverlangen, einen Anschlag auf die V.s Nachtangriff
50 Feinde zu verüben und [dabei] selbst zu fallen. Und mit diesem törichten Beschluss wollte
er bei Nacht das Lager angreifen. Und so überfiel er um Mitternacht mit seiner Truppe
eine Ecke des Lagers 117, planlos und ohne jede Schlachtordnung 118, und richtete ein großes Verluste unter den
Blutbad unter den Tieren an, Kamelen, Pferden und Mauleseln; denn auf Männer traf er Lasttieren

nicht. 119

55 Niederlage und Flucht des Drakoulis

(9) Als der Sultan nämlich den Überfall bemerkte, befahl er den Soldaten mit voller Absicht,
ein wenig zurückzuweichen, damit jener weiter vorrücke, so dass man ihn leicht
überwältigen könne. Dann gab er dem Heer ein Zeichen und befahl, ihn von allen Seiten
her anzugreifen. Sie aber stürzten sich mit Kriegsgeschrei, großer Kampfkraft und Eifer auf
60 sie und schlugen alle seine Leute nieder, abgesehen von denen, die sie lebend fingen, eine
sehr überschaubare Anzahl. Drakoulis aber konnte ihnen dort irgendwo unbemerkt
entkommen und floh zu den Paionern. Die aber ergriffen ihn und warfen ihn in den V. flieht nach Ungarn
Kerker.
(10) Der Kaiser aber setzte, wie ich gesagt hatte, als Herrscher und Fürsten der Geten
65 Rhados 120 ein, indem er ihm die gesamte Herrschergewalt über sie und das gesamte Reich
übertrug und dafür von ihm Treueschwüre abnahm, er selbst aber überschritt, nachdem er Herrschaft wird an
Radu verliehen
so viel Beute wie nur möglich an Menschen und Vieh weggetrieben und auch unter das
Heer verteilt hatte, wiederum die Donau und ließ, als er im Sommer in der
Hadriansstadt 121 angelangt war, das Heer dort eine kurze Weile ausruhen. Danach aber rief
70 er die Befehlshaber der Flotte zu sich und befahl ihnen, eine Flotte von 200 Schiffen gegen
Lesbos auszurüsten.

117 Die südwestliche Ecke des anatolischen Flügels. Vgl. Chalkokondyles (←), S. 31; Tursun (→), S. 133.
118 Ganz im Sinne eines Barbaren in der byzantinischen Rhetorik (vgl. A. GHEORGHE: „Infiltration versus
Erborerung im südosteuropäischen Raum...“ In: Şehrâyîn. Die Welt der Osmanen, die Osmanen in der Welt.
Wahrnehmungen, Begegnungen und Abgrenzungen. Festschrift Hans Georg Majer. Wiesbaden 2012, S. 214-215.
119 Zum Angriff durch die Hinterseite des Lagers, wo das walachische Heer auf die Lasttiere traf, vgl.
Chalkokondyles (←), S. 33, Tursun Beğ (→), S. 135, Chronologie, S. 396 sowie Karte (2), S. 399. K.s
Beschreibung des Angriffs ähnelt dem Rasen des wahnsinnigen Aias in der Eingangsszene der
gleichnamigen Tragödie des Sophokles, vgl. Sophokles, Aias, Vv. 136-148, direkt hierzu nur 141-147:
„ὡς καὶ τῆς νῦν φθιμένης νυκτὸς / μεγάλοι θόρυβοι κατέχουσ᾽ ἡμᾶς / ἐπὶ δυσκλείᾳ, σὲ
τὸν ἱππομανῆ / λειμῶν᾽ ἐπιβάντ᾽ ὀλέσαι Δαναῶν / 145 βοτὰ καὶ λείαν, / ἥπερ δορίληπτος
ἔτ᾽ ἦν λοιπή, / κτείνοντ᾽ αἴθωνι σιδήρῳ. Übersetzung: Wie eben auch jetzt in verwichener
Nacht / Ein großes Geschrei über uns sich erhebt / Zur Verunglimpfung, / Daß du giengst in der
Au’ roßüppige Trift, / Und der Danaer Raub und die Heerden verdarbst, / Und die noch vorräthige
Beute des Speers / Hast gemetzelt mit blinkendem Stahle!“ J. A. HARTUNG (Hg.): Sophokles’ Rasender
Ajas. Griechisch mit metrischer Uebersetzung und prüfenden und erklärenden Anmerkungen. Leipzig 1851, S. 36f.
120 Radu III., genannt der Schöne (1462-1473; 1474; 1475). Ebenso wie sein Bruder Vlad wurde auch
Radu III. als Geisel am Osmanischen Hof in Adrianopel aufgezogen. Vgl. die Details bei
Chalkokondyles (←), S. 15).
121 Adrianopel (heute Edirne).
3. Anhang: Die griechisch-italienische Synthese
Michail (?) Doukas
(ca. 1400? – nach 1462)

Autor
Alle Informationen über D. stammen aus seinem Werk. Aufgrund des Vornamens seines
Großvaters wird vermutet, dass er denselben Namen trug. D. entstammte einer der bedeu-
tendsten byzantinischen Familien, aus der drei Kaiser hervorgingen und die bis zum Ende
des Reiches eine entscheidende politische Rolle spielte. Der erwähnte Großvater kämpfte
während des Zweiten Bürgerkrieges (1341-1348) an der Seite des Johannes VI. Kanta-
kuzenos, wurde ins Gefängnis geworfen und entfloh nach Ephesos in Kleinasien. Der junge
D. bewegte sich wahrscheinlich im Kreis des Kaisers Johannes VIII. Palaiologos. 1421 ist er
als Schreiber im Dienste des Genuesen Giovanni Adorno belegbar, des podesta (Gouverneur)
von Nea Phokaia, wo er – nach eigener Aussage – ein Haus besaß. Später diente er der
Gattilusi-Familie, den genuesischen Besitzern der Insel Lesbos. Während Konstantinopels
letzten Stunden befand er sich nicht in der Stadt, unternahm aber in dieser Periode (1452-
1456) viele Missionen an den Hof Mehmeds II., wo er die Interessen der Gattilusi ver-
teidigte.

Werk
Sein ursprünglich unbetiteltes Werk wurde von seinem ersten Herausgeber Historia Turco-
Byzantina genannt. Es erzählt die Geschichte von der Erschaffung der Welt bis zum Feldzug
gegen Lesbos (Mytilene, türk. Midilli) 1462. Die vielen unbearbeitet gebliebenen Stellen sowie
die Wiederholungen weisen darauf hin, dass es im Zeitraum der zuletzt dargestellten Ereig-
nisse, 1462/63, niedergeschrieben und nicht überarbeitet wurde. Die Episode über den Ge-
tenfürsten Drakoulis ist die vorletzte Erzählung. Nach einer sehr knappen Auflistung der für
ihn wichtigen Ereignisse nach der Welterschaffung und der byzantinischen Kaiser bis
Johannes V. Palaiologos und einem Überblick über die Geschichte der Byzantiner bis Sul-
tan Bayezid I. (1389-1402), beginnt D. seine eigentliche Geschichte mit der Schlacht von
Ankara (1402). Sprachlich ist sein Werk einfach geschrieben mit einigen Einflüssen der
archaisierenden Hochsprache, weist aber nicht selten stilistische Umbrüche auf. Das kann –
laut KOTZABASSI – dadurch erklärt werden, dass das Werk für persönliche Zwecke und
nicht für die Öffentlichkeit verfasst wurde.

Ideologisches Profil
D. gehört zu den Verfechtern der byzantinischen Reichsidee und zur Partei der Unionisten.
Sein Werk folgt daher zwei Linien: Hass gegen die Türken und Vertrauen auf die
Unterstützung der katholischen Mächte. Sein Hass gegen die Eroberer richtet sich
insbesondere gegen Mehmed II., den er mit groben und pejorativen Attributen belegt.
Gegenüber früheren Sultanen urteilt er regressiv etwas milder, ebenso gegenüber manchen
osmanischen Staatsmännern, wie etwa Hayreddin Paşa, der bei den Verhandlungen der
Gattilusi geholfen hatte. Während das negative Bild des Vaters und noch mehr des Groß-
vaters Mehmeds durch ihre Verhandlungsbereitschaft und die gepflegten diplomatischen
56 Doukas
(Postbyzantinische Quellen)

Beziehung relativiert wird, verkörpert der Eroberer die Tyrannei und Unterdrückung als
endgültiger Auflöser eines Reiches, das für seine Sünden und seine Dekadenz durch
göttliche Bestrafung büßen musste. Die pro-unionistische Einstellung D.s ist kein politisches
Kalkül, sondern anscheinend ehrliche Überzeugung, wovon u.a. seine langjährigen Dienste
und Beziehungen zu Genua Zeugnis ablegen.

Quellen: eine heute verlorene osmanischen Quelle; Augenzeugen, mündliche


Erzählungen; möglicherweise Autopsie

Handschriften
1. Paris, Bibliothèque Nationale Codex, Nr. 1310 (P): in einem Miszellaneum
von 444 Bl. (Ducas von 228r bis 391r), Leinenformat, Papier, Anfang und Ende fehlen;
folio 288-289 fehlen, 15.-16. Jh. 122 (A. M. BANDINI: Catalogus codicum manuscriptorum
Bibliothecae Mediceae Laurentianae I. Florentiae 1764 [Nachdr. mit Ergänzungen Leipzig
1961], S. 475).
2. Paris, Bibliothèque Nationale Codex, Nr. 1766 (P1): Kopie nach der oberen
Hs. (vor dem Verlust der beiden folia), 18. Jh., Kleinformat, Papier, sorgfältigere Schrift
(vgl. P).
3. Rom, Bibliotheca Vaticana, Nr. 1408: Fragment, nur folio 154r., vielleicht 16. Jh.
4. Venedig, Bibliotheca Marciana: Italienische freie Übersetzung aus dem 15.-16.
Jh. (vgl. BEKKER, S. 349-512).
5. Rumänien, Biblioteca Academiei Române, cod. grec Nr.4: neugr. Resümee,
S. 1-115, datiert: Okt.-Nov. 1765.

Auszüge: Haralambie MIHĂESCU et alii: Izvoarele istoriei României, IV: Scriitori şi acte bizantine. Secolele VI
– XV. Bucureşti 1982, S. 434-437 [mit rumän. Übers.].

Editionen: Ismael BULLIALDUS: Ducae Michaelis Ducae Nepotis historia Byzantina res in imperio Graecorum
gestas complectens a Joanne Palaeologo I. ad Mehemetem II... Paris 1649; 2. Edition: Venedig 1729 [„Corpus
Historiae Byzantinae“ 6] [gr. u. lat.]; Jacques Paul MIGNE: Georgii Codini opera omnia. Accedit Dacae,
Micaelis Ducae nepotis Historia byzantina. 1866, ²1966 [„Patrologia Graeca“ 157] [nach Bullialdus];
Immanuel BEKKER: Ducae Michaelis Ducae Nepotis Historia Byzantina. Bonn 1834 [„Corpus Scriptorum
Historiae Byzantinae“ 11] [gr. u. lat.] [nach Bullialdus; mit einigen Berichtigungen]; Vasile GRECU:
Istoria turco-bizantină: Bucureşti 1958 [gr. u. rumän.].

Übersetzungen: Vladimeros MIRMIROĞLU: Dukas. Bizans Tarihi. İstanbul 1956 [türk.; neue Auflage:
İstanbul’un Fethi. Dukas Kroniǧi. Istanbul 2013]; H. J. MAGOULIAS: Doukas. Decline and Fall of Byzantium to
the Ottoman Turks. Detroit 1975 [engl. Übers. nach GRECU]; Brasidas KARALĒS: [Μιχαήλ] Δούκας,
Βυζαντινοτουρκική ιστορία (μτφρ. ‐ εισαγωγή ‐ σχόλια). Athen 1997 (= Κείμενα Βυζαντινής
Ιστορίας 7) [neugr.]; Jean DAYANTIS: Doukas, histoire turco-byzantine. Introduction, traduction et commentaire.
Diss. Univesité Paul Valéry – Montpellier III 2004 [fr.]; Michele PUGLIA: Historia ovvero Historia turco-
bizantina 1341-1462. Rimini 2008 [ital.].

122 Vgl. GRECU: Istoria turco-bizantină, S. 16. Laut KOTZABASSI gehöre diese Hs. dem Autor selbst und sei
nicht zur Veröffentlichung bestimmt gewesen. Dadurch lassen sich einige Mängel erklären, die darauf
hinweisen, dass diese Fassung nicht überarbeitet wurde und daher auch keinen Titel trägt.
Historia 57
(Postbyzantinische Quellen)

Literatur 123: M. GALDI: La lingua e lo stile del Ducas. Napoli 1910; E. ČERNUSOV: „Duka, odin iz
istorikov konca Vizantij.“ In: VV 21 (Petrograd 1914), S. 171-221; N. IORGA: „Médaillons d'histoire
littéraire byzantine 27. Ducas.“ In: Byz 2 (1925), S. 296-297; William MILLER: „The historians
Doukas and Phrantzes.“ In: The Journal of Hellenic Studies 46 (1926), S. 63-65; V. GRECU: „Istoricul
bizantin Duca. Omul şi opera sa. O ediţie critică a cronicii lui. Importanţa lui Duca pentru istoria
românilor.“ In: Analele Academiei Române. Memoriile Secţiei Istorice. Seria III, t. XXIX, mem. 16, S. 591-
661; DERS.: „Pour une meilleure connaissance de l’historien Doukas.“ In : Memorial Louis Petit.
Mélanges d’histoire et d’archéologie byzantines. Bucarest 1948, S. 128-141; B. TOMADAKES: „Δούκας ὁ
ἱστορικὸς τῆς Ἁλώσεως, Ἐκ τοῦ ἰδίου του ἕργου.“ In: Ἀθηνᾶ 54 (1950), S. 38-58; DERS.:
Δούκας ὁ ἱστορικὸς τῆς Ἁλώσεως ἐκ τοῦ ἰδίου του ἕργου μετὰ τοῦ κειμένου τῆς
περιγραφῆς τῆς Ἁλώσεως τῆς Κωνσταντινουπόλεως. Athēna 1950; A. S. STEPANOV: „Trud
Duki kak istočnik po istorii vosstanija Berklidži Mustaf’ načala XV v.“ In: VV 5 (1952), S. 99-104;
DERS.: „Vizantijskie istočniki Duka i Frandi o padenii Konstantinopolja. (Perevod i predislovie).“ In:
VV 7 (1953), S. 385-430; M. DINIC: „Le traducteur de Doukas sur la bataille de Kosovo.“ In: ZRVI
8/2 (1964), S. 53-67; Ş. BASTAV: „Valeur de l’oeuvre de Doukas au point de vue de l’histoire des
Turcs.“ In: Cultura Turcica 2 (1965), S. 213-235; S. K. KRASAVINA: „Duka i Sfrandzi ob unii
pravoslavnoj i katoličeskoj cerkvej.“ In: VV 27 (1967), S. 142-152; DERS.: „Mirovozzrenie i social’no-
političeskie vzgljady vizantijskogo istorika Duki.“ In: VV 34 (1973), S. 97-111; J. A. PAPADRIANOS:
„L’historien byzantin Doukas et les Serbes.“ In: Cyrillomethodiamim 1 (1971), S. 113-120; Sofia
KOTZABASSI: „Der Kopist des Geschichtswerkes von Dukas.“ In: Symbolae Berolinenses. Festschrift für
Dieter Harlfinger (Hg. Friederike Berger u.a.) Berlin 1993, S. 307–323 (mit Abbildungen); DERS.: „Ist
der Kopist des Geschichtswerkes von Dukas Dukas selbst?“ In: BZ 96, 2 (2003), S. 679-683; Dimitrios
NIKOU: „The Historical Work of Doukas: Sources and Influences.“ In: Byzantina 32 (2012), S. 101-
132.

Nota bene: Text und Übersetzung nach GRECU, S. 431-433.

123 Für die ältere Literatur vgl. MORAVCSIK: Byzantinoturcica II, S. 250-251.
58 Doukas
(Postbyzantinische Quellen)

20. Ἐν δὲ τῷ ἑξακισχιλιοστῷ ἐνακασιοστῷ ἑβδομηκοστῷ ἔτει 124 πέμπει πρὸς τὸν 1


βεηβόδα Βλαχίας ἀποκρησιάριον μηνύων αὐτῷ τοῦ ἐλθεῖν ἐν τάχει εἰς
προσκύνησιν, ἔχων καὶ φέρων σὺν αὐτῷ παῖδας φ’ καὶ τὸ κατ̓ ἔτος διδόμενον
344b τέλος, ἤγουν | χρυσίνους χιλιάδας δέκα. Αὐτὸς δ᾽ἀπεκρίνατο· τοὺς μὲν
χρυσίνους ἑτοίμους ἔχει τοῦ δοῦναι, τοὺς δὲ παῖδας οὐ δύναται· τὸ δ᾽ αὐτὸς 125 εἰς 5
προσκύνησιν, καὶ τοῦτο ἀδυνατώτερον. Ταῦτα ἀκούσας ὁ τύραννος ἠγριώθη
καὶ στείλας ἕνα τῶν ἐπιφανῶν σὺν ἑνὶ τῶν γραμματέων αὐτοῦ, εἶπεν·
„Αγάγετέ μοι 126 τοὺς φόρους· καὶ περὶ τῶν λοιπῶν ἐγὼ σκέψομαι.“ — Οἱ δὲ
ἐλθόντες καὶ τῷ Βλάχῳ τὰ μηνυθέντα δηλώσαντες, πρῶτον αὐτοὺς ἐν πάλοις
καθίησιν, θὰνατον ἀπάνθρωπον, ὀδυνηρὸν καὶ ἀσχήμονα. Εἶτα περάσας σὺν 10
δυνάμει κατέδραμεν ἐν τοῖς μέρεσι Δύστρας καὶ πολὺν 127 λαὸν συρφετώδη
λαβών, ἐν Βλαχίᾳ περάσας πάντας, τὸν αὐτὸν θάνατον τῶν πάλων τὴν ζωὴν
αὐτῶν ἐξεμέτρησεν.

124 Ρ1 ἔτει; Ρ ausgelassen.


125 Bekker: δὲ αὐτὸς.
126 Βullialdus: μοι; Ρ με.
127 Bekker: πολλὸν.
Historia 59
(Postbyzantinische Quellen)

1 20. Im Jahre 6970 [1462] schickt er 128 zum Woiwoden (veivoda) der Walachei einen Boten,
der ihm mitteilte, dass er in Eile zur Huldigung (proskynesis) kommen und 500 Knaben mit V. sollte 500 Knaben
u. 10.000 Goldstücke
sich nehmen und geben solle sowie den jährlichen Tribut, 10.000 Goldmünzen. 129 Dieser mitbringen

aber antwortete: Die Goldstücke hält er bereit sie zu geben, die Knaben aber könne er nicht V. verweigert sich

5 [geben]; was die persönlich zu leistende Huldigung angehe, ist auch dies nicht möglich. Als
der Tyrann dies hörte, wurde er wütend. Indem er einen seiner Hofleute (epiphanes) mit Ein Sekretär auf
Gesandtschaft
einem seiner Sekretäre (grammateos) 130 schickte, sagte er: „Bringt mir den Tribut! Und über
das übrige werde ich nachdenken.“ Als sie aber ankamen und dem Walachen das Gesagte
offenbarten, hat er sie sofort auf Pfähle gesteckt, ein unmenschlicher, schmerzhafter und Gesandte gepfählt

10 hässlicher Tod. Daraufhin setzte er mit Heeresmacht in die Gebiete von Dystra 131 über und, V. überquert die
Donau und verheert
nachdem er viel gemeines Volk gefangen genommen hatte, setzte er alle in die Walachei
über und beendete ihr Leben durch denselben Tod mit den Pfählen.

128 Sultan Mehmed II.


129 Diese Stelle bietet eine der wenigen Informationen über die Höhe des walachischen Tributs an die
Hohe Pforte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Vgl. Mihai BERZA: „Haraciul Moldovei şi
Ţării Româneşti în sec. XV-XIX.“ In: Studii şi Materiale de Istorie Medie. 2. Bd. 1957, S. 7-47, hier S.
27-28. Während dieses Zeitraums hatte der Tribut eine eher symbolische Höhe: 10.000 Goldmünzen,
d.h. entweder venezianische Dukaten (3,52 Gramm) oder vermutlich florentinische Florin (osm. filuri)
(3,56 Gramm), welche maximal 35,6 kg Gold ergeben, oder umgerechnet in akçe (der osmanischen
Etalonwährung: 1 Dukat = 42-43 akçe) maximal 413 kg Silber (1 akçe 1460 = 0,96 gr.). Vgl. PAMUK:
Monetary History, S. 46. Wird diese Summe in den historischen Kontext gestellt und verglichen mit den
vom Sultan ausgegebenen Geldsummen oder mit den im 15. Jahrhundert von den walachischen
Woiwoden an verschiedene Klöster des Athos gestifteten Summen, so wird die Höhe des Tributs stark
relativiert; vgl. Mihajlović (→), S. 369: der Sultan schenkt seinen Janitscharen 30.000 Geldstücke.
Vgl. weiter MURPHEY: Ottoman Warfare, S. 59-63 zu den Kosten der osmanischen Feldzüge und
PAMUK: Monetary History, S. 95: 1599-1600 zahlte der Zentralschatz 2,5 Millionen Dukaten für 11
Monate an die in Ungarn stationierten Truppen. Die Osmanen waren bis gegen Mitte des 16.
Jahrhunderts nicht ausschließlich daran interessiert, die Walachei wirtschaftlich auszunutzen, sondern
insbesondere sie als Pufferzone zu Ungarn, dem bedeutendsten Widersacher im ostmitteleuro-
päischen Raum, zu stabilisieren. Durch einen niedrigen Tribut sicherten sich die Osmanen zum
einen die Zuneigung der walachischen Woiwoden und zum anderen kennzeichneten sie auf
symbolischer Ebene die politische und militärische Unterwerfung der Walachei. Erst nach dem Fall
Ungarns (1529) und dann vor allem durch die immer höheren Gebote der zahlreichen walachischen
Thronprätendenten am Sultanshof, welche sich die Herrschaft erkaufen wollten, wurde der Tribut
immer höher und wirtschaftlich drückender.
130 Vgl. Chalkokondyles (←), Fn. 29. Anscheinend bleibt der Name des Katavolinos unerwähnt, weil D.s
Bericht von allen postbyzantinischen Autoren der osmanischen Fassung am nächsten steht (vgl. Aşık
Paşa-zade (→)).
131 Das antike Durostorum, in mittelalterlichen rumänischen Urkunden Dârstor/Drâstor, heute Silistra
in Bulgarien. Vgl. Oruc, (→), S. 152, und Mihajlović (→), S. 365: Kurista. Zusammen mit Vidin war
Silistra eines der wichtigsten akıncı-Zentren hinter der ungarisch-osmanischen Front in Bosnien (vgl.
Rossitza GRADEVA: „Administrative System and Provincial Gouvernment in the Central Balkan
Territories of the Ottoman Empire, 15th Century.“ In: DIES.: Rumeli under the Ottomans, 15th-18th
Centuries: Institutions and Communities. Istanbul 2003, S. 23-52. Vlad versuchte dabei die Mobilität und
Schlagkraft der osmanischen Reiter an der Grenze zu schwächen und somit Zeit für eine mögliche
Intervention Ungarns zu gewinnen.
60 Doukas
(Postbyzantinische Quellen)

21. Καὶ τῶν ἄκρων ἐκείνων εἷς ἀρχηγὸς τοῦ τυράννου θέλων δεῖξαι ἀριστείαν
τινά, περάσας εἰς Βλαχίαν σὺν χιλιάσι δέκα Τούρκων καὶ συμβαλὼν αὐτοῖς ὁ 15
Βλάχος, οὕς μὲν ἐν πολέμῳ κτείνας ἔκτεινεν, οὕς δὲ ζῶντας ἤγρευσεν, πάντας
τῷ τοῦ πάλου θανάτω καὶ τὸν ἀρχηγὸν αὐτῶν Χαμζᾶν πικρὼς κατεδίκασεν.
[433]
22. Τούτων ἰσθεὶς 132 ὁ τύραννος καὶ πλήρης σκοτοδινίας καὶ ζάλης τυχών,
ἁπανταχοῦ συναθροίσας δύναμιν ὑπὲρ τὰς ρν’ χιλιάδας, τῷ καιρῷ τοῦ ἔαρος
ἐξελθὼν ἐκ τῆς Ἀδριανοῦ ἦλθεν εἰς Δάνουβιν· κἀκεῖ τὰς σκηνὰς πήξας ἔστη, 20
ἕως οὗ πᾶσα ἡ δύναμις εἰς ἕν σῶμα γένηται. Ὁ δὲ Βλάχος καὶ αὐτὸς πάντας
τοὺς ὑπ᾿ αὐτὸν εἰς κλεισούρας καὶ δενδρώδεις τόπους μετοικίσας καὶ τοὺς
345b κάμπους ἐρήμους ἀφεὶς καὶ | ζῴων παντοίων τὰ γένη ἐν τοῖς ἐνδοτέροις
ἐλάσας ὁρίοις τοῖς πρὸς Ἀλανοὺς καὶ Οὔννους, αὐτὸς ἐν ὀχυροῖς ἄλσεσι καὶ
δάσεσι τόποις σὺν τῇ ὑπ᾿ αὐτὸν στρατιᾷ διημέρευεν. Ὁ δὲ τύραννος περάσας 25
τὸν Δάνουβιν καὶ ἐπέκεινα ζ‐α 133 ἡμερῶν τόπον ἀνύσας, οὐχ εὗρε τὸ οἱονοῦν ἤ
ἄνθρωπον ἤ ζῷον τὸ τυχὸν ἤ τῶν τροφίμων τι ἤ τῶν ποτίμων. Φθάσας οὖν ἔν
τινι τόπῳ λιβαδιαίῳ καὶ εὐθέτῳ ὁρᾷ πάλους πεφυτευμένους μυριαρίθμους,
βρίθοντας ἀντὶ καρπῶν νεκρὰ σώματα, καὶ τὸν Χαμζᾶν, ὅν προείπομεν, ἐν
μέσῳ, μετὰ βυσσίνων καὶ κοκκίνων ὧν ἐφόρει, πεπερονημένον ἐν τῷ πάλῳ. 30
Ἰδὼν οὖν τὴν ἀπειλὴν ταύτην ὁ τύραννος ἐξεπλάγη καὶ τῇ νυκτὶ φοβηθείς, ἐν ᾗ
ἔπηξε τὰς σκηνάς, τάφρους ἀνήγειρε καὶ ἐν μέσῳ τῶν τάφρων ἔκειτο.

132 Charitonides: αἰσθεὶς.


133 Bekker: ζ´.
Historia 61
(Postbyzantinische Quellen)

21. Und ein Befehlshaber des Tyrannen aus dieser Gegend, der eine gewisse Tapferkeit Hamza greift V. an

zeigen wollte, setzte über in die Walachei mit zehntausend Türken. Und nachdem der
15 Walache mit ihnen zusammenstieß, tötete er die Kriegsteilnehmer [und] die anderen134
aber, die er lebend gefangen nahm, hat er alle zum Tode durch den Pfahl grausam
verurteilt, auch ihren Befehlshaber Chamza.135
22. Als der Tyrann dies hörte, war er voller Verwirrung und überwältigt vom Unglück, Sultan zieht mit großer
Streitmacht zur Donau
[und] sammelte von überall sein Heer, über 150.000. Zur Zeit des Frühjahrs zog er von
20 Adrianopel aus und kam an die Donau. Und dort schlug er die Zelte auf und blieb, bis sich
das ganze Heer in einer einzigen Truppe sammelte. Aber auch der Walache schickte alle
seine Untertanen an unzugängliche Orte in den Bergen und an Orte, die vom Wald V. verbirgt sich

verdeckt wurden; und die Felder ließ er wüst und das Vieh jedweder Art hat er hingeführt zu
den Grenzen der Alanen und Hunnen136. Er selbst aber mit seinem Heer hielt sich in
25 gesicherten Hainen und dichtbewaldeten Orten auf. Als der Tyrann die Donau überschritt,
durchzog er die Gegend [in] mehr als sieben137 Tagen Marsch. Er fand nichts, weder einen 7 Tage Marsch durch
verwüstete Orte
Menschen noch irgendein Tier, und nichts zu essen oder zu trinken.138 Als er nun an einen
wiesenartigen und wohlangelegten Ort ankam, der wie ein Garten angelegt war, sah er
abertausende, in den Boden eingepflanzte Pfähle, statt mit Früchten voll von toten Osmanen treffen auf ein
Feld mit Gepfählten
30 Menschen, und in der Mitte den Chamza139, den ich früher erwähnt habe, bekleidet mit der
feinen Purpurkleidung, die er trug, und aufgespießt. Bei dem Anblick dieser Drohung
erschrak der Tyrann und, da er sich fürchtete, ließ er nachts, nachdem die Zelte
aufgeschlagen wurden, Gräben ausheben und stellte sich in der Mitte auf140.

134 D. h. die Soldaten und die „Zivilisten“.


135 Vgl. Chalkokondyles (←), S. 21: Hamuza, Statthalter von Vidin und Aşık Paşa-zade (→), S. 109:
Çakırcı-başı Hamza Beğ, Statthalter von Nikopolis. D. verliert hier offenbar die Aufgabe Hamzas
(vgl. Chalkokondyles (←)) aus den Augen und interpretiert dessen Handlungen aus seiner
antiosmanischen Perspektive heraus.
136 Gemeint sind anscheinend die Siebenbürger, die zum Königreich Ungarn gehörten. Chalkokondyles
(←), S. 21, berichtet, dass Vlad die Frauen und Kinder der Walachen am Berg „Prasovon“, d.h. bei
Kronstadt in Sicherheit bringen ließ.
137 Zur Bedeutung von Zahlen für textkritische Analysen vgl. S. XXVIII.
138 Vgl. Tursun Beğ (→), S. 125: keine Distanzangaben; Idris Bitlisi (→), S. 203: 5-6 Meilen lang. Dieses
Detail wurde von Saʿdeddin (→), S. 307, (7 Meilen) und Mustafa ʿAli (→), S. 326, (5 Meilen)
nachlässig übernommen.
139 Vgl. Chalkokondyles (←), S. 35, für die Chronologie dieser Episode und Tursun Beğ (→), S. 135, für
die literarischen Anspielungen (z.B. der Garten und die Früchte).
140 Der Autor beschreibt eine zügig angelegte Befestigung nach dem Prinzip der byzantinischen Strategika,
welche bei jeder Übernachtung oder längeren Halten angelegt werden mussten. Das System ist bis in
die römische Zeit zurückzuverfolgen. Diese Anlagen waren viereckig und bestanden aus einer fossa
(einem Graben), valum und einer Holzpalisade. In der byzantinischen Zeit stand diese provisorische
Militäranlage unter der Führung eines archon (Hauptmann). Die Osmanen praktizierten dasselbe
System. Beide angewandten Begriffe wie palanka und vor allem der selten gebrauchte kaçdal (laut
Dimitris Theodoridis eine türkische Volksetymologie mit der Grundbedeutung Zufluchtsort vom
römischen kastellum) belegen die vorosmanische Wurzel. Vgl. Olga ZIROJEVIĆ: „Palanka.“ In: La ville
balkanique XVe-XIXe s. Sofia 1970, S. 173-180.
62 Doukas
(Postbyzantinische Quellen)

Ὁ δὲ Βλάχος ὀρθρίσας καὶ τοὺς ὑπ᾿ αὐτὸν καλῶς συνταξάμενος, ἔτι σκοτίας
οὔσης, κατῆλθε καὶ τὸ δεξιὸν μέρος τοῦ φωσάτου τυχὼν 141 εἰσῆλθεν ἐξαίφνης
καὶ ἕως πρωΐ ὑπὲρ ἀριθμὸν κατέκοψε· καὶ πολλοὶ τῶν Τούρκων ἀλλήλους 35
ἐφόνευον, ἕως οὗ ἡμέρα διηύγασεν 142. Πρωΐας δὲ γενομένης, οἱ μέν Βλάχοι εἰς
τὰς μάνδρας αὐτῶν εἰσελθόντες, ἐκοιτάσθησαν, ὁ δὲ τύραννος ἐγερθεὶς
κατησχυμένος καὶ περάσας τὸν Δούναβιν, ἧκεν εἰς Ἀδριανούπολιν.

141 Bekker, Bullialdus: φοσσάτου τυχὸν.


142 Bekker: διηύγασε.
Historia 63
(Postbyzantinische Quellen)

Der Walache aber stand früh auf und stellte die Seinen gut zusammen, griff an als es noch Nachtangriff
V. trifft auf den rechten
35 dunkel war und drang plötzlich in die rechte Seite des Lagers143 ein und bis zum Flügel
Tagesanbruch erschlug er viele; und viele von den Türken haben sich gegenseitig getötet Osmanen töten sich
gegenseitig
bevor der Tag anbrach. Als es Morgen wurde, gingen die Walachen in ihre Unterschlüpfe
und ruhten sich aus. Der Tyrann aber stand voller Schande auf und überschritt die Donau Sultan überschreitet die
und kam in Adrianopel an. Donau voller Schande

143 Zwei Interpretationen sind möglich: 1) Wiedergegeben wird die Perspektive eines nicht im
osmanischen Lager befindlichen Berichterstatters: Es handelt sich um die Anatolier und somit um den
Hauptnachtangriff auf das osmanische Lager (vgl. alle Autoren) oder 2) Perspektive eines
osmanischen Feldzugteilnehmers: Es handelt sich um die Rumelier und somit um den Angriff des
Heerführers Vlads (vgl. Tursun Beğ (→), S. 135), der dabei im eigentlichen Hauptnachtangriff
aufgegangen ist.
Anonymus Zoras
(16./17. Jh.)

Werk
Der Text trägt den Namen seines ersten Herausgebers und den Titel, den dieser ihm gab,
da das Titelblatt verloren ist. Das Werk entstand im selben Kontext wie eine längere Reihe
von Geschichten des Osmanischen Hauses, welche die Neugier des Europäers an den
Osmanen bedienen sollte. Es gehört zur zweiten und nicht unbedingt auf eigenen Erfah-
rungen der Autoren basierenden historiographischen Welle (16. bis frühes 17. Jh.):
Theodoros Spagundinos, Paolo Giovio u.a. Diese im Vulgärgriechischen geschriebene und
die osmanische Geschichte von den Anfängen bis zur Zeit des Autors umfassende Chronik
schien jedoch keine Wirkung entfaltet zu haben, da sie nicht in den zeitgenössischen
historiographischen Kanon aufgenommen wurde. Jedes Kapitel ist einem Sultan gewidmet.
Der Codex Barberinianus endet plötzlich bei der Herrschaft Selims I. Sein Herausgeber
Zoras entdeckte jedoch einige Jahre später drei weitere Seiten, die zum Kapitel über Meh-
med III. gehören. Der Text ist weder sprachlich noch inhaltlich von besonderer Bedeutung.
Er weist ungewöhnlich viele Sprachfehler auf, die einen Nichtmuttersprachler verraten und
ist größtenteils seinen Hauptvorlagen treu: Francesco Sansovino und Pseudo-Dorotheos.
Die vorliegende Chronik gehört in ähnlichem Maße auch zur volkstümlichen griechischen
Literatur, die insbesondere für den Mittelmeerraum und die Inseln nach dem Zerfall des
Byzantinischen Reiches belegt ist, so dass uns heute eine kulturhistorisch interessante, in
volkstümlichen Milieus entstandene West-Ost Synthese vorliegt.

Autorschaft
Autorschaft und Datierung sind in der Forschung nach wie vor umstritten. Es hat sich die
Theorie durchgesetzt, der Autor habe im Laufe des 17. Jahrhunderts gelebt und nicht, wie
früher angenommen, im 16. Jh. Er soll demnach sein Werk nicht später als 1671, dem
Sterbejahr des Kardinals Antonio Barberini (1607-1671), des ersten Besitzers des Kodex,
vollendet haben. Die Forschung hat jedoch zu wenig die Hypothese rezipiert, dass vielleicht
auch in diesem Fall ein ähnliches Phänomen der osmanischen Anonymenreihe vorliegt,
also nachträgliche Überarbeitungen und Ergänzungen durch Kopisten. Der Text könnte
entweder an volkstümliche Rezipienten adressiert sein – daher der verwendete Sprachstil –
oder privaten Zwecken gedient haben oder eine unbedeutende Übung sein. Die
Sprachbesonderheiten verraten entweder einen im italienischen Raum, vielleicht Venedig,
lebenden Griechen oder umgekehrt einen Italiener, wie etwa einen Dolmetscher, oder eine
Person, die längere Zeit auf den venezianischen Inseln des griechischen Archipels verbracht
hat. Der Autor verwendet sehr viele Wörter italienischen Ursprungs, zudem scheinen ihm
viele griechische Standardbegriffe fremd zu sein.
Der Anonymus ist ein geradezu ausgezeichnetes Beispiel, wie historische Erinnerung
funktioniert und wie historische Substanz während verschiedener Übertragungen an Stärke
verliert. Manche Passagen werden falsch gelesen oder verstanden, Unstimmigkeiten durch
logische Schlüsse beglichen, Ortsangaben verwechselt, so etwa die Walachei mit der Mol-
66 Anonymus Zoras
(Postbyzantinische Quellen)

dau. Durch einen Zufall wurde dieses mit äußerst reduzierten literarischen Ansprüchen
geschriebene Werk dennoch für die Nachwelt erhalten.

Quellen: überwiegend Chalkokondyles (←) durch Vermittlung der Annales Turchesi des Fr.
Sansovino (2. Bd. des Corpus Draculianum); Leonard von Chios (ebd.); Chronik des Pseudo-
Dorotheos (ebd.)

Handschrift
Bibliotheca Vaticana, Codex Barberinianus Graecus Nr. 111: unicum, Bruchstück (es
fehlen die ersten neun und die letzten Bl.), fol. 86-97 Bl., leicht lesbar mit wenigen
Korrekturen, zahlreiche Rechtschreibfehler.

Auszüge: Stefan SCHREINER: Die Osmanen in Europa. Erinnerungen und Berichte türkischer Geschichtsschreiber.
Leipzig, Weimar 1985, S. 51-94.

Editionen: Georgios Th. ZORAS: Χρονικὸν περὶ τῶν Τούρκων Σουλτάνων. Athēna 1958
[rezensiert von G. G. ARNAKIS in Speculum 36 (1961), S. 709-712].

Übersetzungen: Marios PHILLIPPIDES: Byzantium, Europe, and the Early Ottoman Sultans, 1373-1513: An
Anonymous Greek Chronicle of the Seventeenth Century (The Barberini Codex 111). New Rochelle 1990 [engl.];
Richard F. KREUTEL: Leben und Taten der türkischen Kaiser. Die anonyme vulgärgriechische Chronik Codex
Barberinianus Graecus 111 (Anonymus Zoras). Graz, Wien, Köln 1971; Şerif BAŞTAV: 16. asırda yazılmış
Grekçe anonim Osmanlı tarihi: giriş ve metin (1373-1512). Ankara 1973 [nur Eroberung Konstantinopels].

Literatur: Spyridon Paulou LAMPROS: „Περί τινων Βαρβερινῶν Κωδίκων.“ In: Νέος
Ἑλληνομνήμων 5 (1908), S. 454-455. Gyula MORAVCSIK: „Ἄγνωστον Ἑλληνικὸν Χρονικὸν
περί τῆς Ἱστορίας τῶν Ὀθωμανῶν Σουλτάνων.“ In: Πρακτικὰ τῆς Ἀκαδημίας Ἀθηνῶν 5
(1930), S. 447-449; Şerif BAŞTAV: „Les Sources d’une histoire de l’Empire ottomane rédigée par un
auteur anonyme Grec (1371-1421).“ In: Belleten 21 (1957), S. 161-172; Elisabeth A. ZACHARIADOU:
Τὸ Χρονικὸ τῶν Τούρκων Σουλτάνων καὶ τὸ Ἰταλικό τοῦ Πρότυπο. Thessaloniki 1960;
Georgios Theodorou ZORAS: „Τὸ Χρονικὸ τῶν Τούρκων Σουλτάνων (Προσθέσεις καὶ
Παρατηρήσεις).“ In: Ἐπιστημονικὴ Ἐπετηρὶς τῆς Φιλοσοφικῆς τοῦ Πανεπιστημίου Ἀθηνῶν
16 (1965-66), S. 597-604; Dean SAKEL: „A Probable Solution to the Problem of the Chronicle of the
Turkish Sultans.“ In J. BURKE et al. (Hg.): Byzantine Narrative: Papers in Honour of Roger Scott. Melbourne
2006, S. 204-220.

Nota bene: Text nach ZORAS, S. 102-112. Die Übersetzung folgt großteils KREUTEL: Leben und Taten, S. 145-
149.
68 Anonymus Zoras
(Postbyzantinische Quellen)

71v Τότε ἐστάϑη ὅλον τὸν χειμῶνα εἰς τὸ σαράγι του χαρούμενος. Καὶ ἔκραξε τὸν 1
Μπλάντο, πρίντζιπον τῆς Μολδάβιας, ὁ ὁποῖος πρίντζιπος ἐγίνη μεγάλος διὰ
ὄνομα τοῦ ἀδελφοῦ 144 του, ὁποὺ ἤτονε μικροπαλληκαρόπουλλο ὄμορφο κατὰ
πολλὰ καὶ τὸν εἶχε ὁ σουλτάνος εἰς τὸ ϑέληλμά του καὶ εἰς τὴν ὑπηρεσίαν του
καὶ εἶχε μεγάλην ἀγάπην εἰσὲ δαῦτον. Καὶ μίαν ἡμέραν ἤϑελε νὰ τόνε 5
δυναστέψῃ καὶ αὐτὸς δὲν ἤϑελε· καὶ εἶχε κρυφὰ ἀπὸ κάτω τὸ ἔνα μαχαίρι καὶ
τοῦ ἒδωσε ’ς τὸ στῆϑος μίαν μαχαιρέα. Ἀμμὴ δέν ἤτονε ϑανατίσιμη. Καὶ τὸ
κοπέλλι ἔφυγε. Καὶ μετὰ ταῦτα ἐγιατρεύτη. Ἀμμὴ τόσο τὸ, ἀγάπα, ὄτι ἔκαμε
καὶ, ἦρϑε καὶ, τοῦ ἐσυμπάϑησε. Καὶ ἐπειδὴ εἶχε τόση [110] πολλὴ παρρησίαν εἰς
72r τὸν σουλτάνο, ὄτι ἔκαμε καὶ ἐγίνη πρίντζιπος ὁ ἀδελφός του ὁ Μπλάδος εἰς τὴν 10
Μολδάβια. Καὶ ἐμάζωξε ἀνϑρώπους πολλούς, ὡς ἀφέντης ὁποὺ ἐγίνη. ’Αμμὴ
ἤτονε σκληρὸς ἄνϑρώπος.
Ὁ ὁποῖος ἐδιάβη καὶ ἐκάϑησε εἰς τὴν Μολδάβια | καὶ ἐκάϑησε εἰς τὴν ἀφεντία
του. Καὶ, ἐπειδὴ εἶχε τὰ ϑάρρετα τοῦ ἀδελφοῦ του, ὁποὺ ἤτονε μὲ τὸν σουλτάνο,
ἐκατάβαλε τοὺς ἄρχοντες τῆς Μολδάβιας 145 καὶ ἔπαιρνε τὸ βίον τους καὶ ἐχάλα 15
πολλοὺς καὶ ἔπαιρνε τὴν ζωή τους. Καί ἐκάμανε λογαριασμό, εἰσὲ ὀλίγον καιρὸ
ἐκαταχάλασε 146 20 χιλιάδες ἀνϑρώπους, διατὶ ἤτονε πολλὰ σκληρός. Καὶ
ἐπαιρνε τὸ βίον τους καὶ ἐπλούτηνε τὸ φουσσᾶτο του καὶ τοὺς ἔπαιρνε πολλὰ
χαράτζα καὶ δεκατίες, τόσο ὅτι δὲν ἐδυνόντησαν νὰ τὰ βαστοῦνε. Καί, ὡσὰν
ἐμάζωξε βίον πολύ, τότε ἐμάζωξε καὶ πολὺ φουσσᾶτο καὶ ἐσυβάστη μὲ τοὺς 20
Οὕγγαρους κ’ ἐγίνησαν τὸ ἕνα, νὰ πάγῃ καταπάνω τοῦ σουλτὰν Μεχεμέτη.
Καὶ ἐτοῦτα τὰ ἔμαϑε ὁ σουλτάνος καὶ ἔστειλε εἰσὲ δαῦτον ἕναν Ρωμαῖον ὀνόματι
Καταπολιανό, χριστιανόν, καὶ τὸν πασᾶ Καμούτζα, νά κάμουνε κατασκευη νὰ
τόνε πιάσουνε νὰ τόνε φέρουνε ζωντανό. Καὶ ἐδιάβη ὁ Καμούτζας πασᾶς μαζὶ μὲ
τὸν Καταπολιανὸ καἰ ἐκάμανε μιὰ μποσκάδα, ἤγουν ἐκρύφτησαν εἰσὲ ,τόπον 25
στενὸ καὶ ἀπηδήσανε νὰ τόνε πιάσουνε. Ἀμμὴ ὁ Μπλάδος ἐναντιστάϑη 147
ἀνδρειωμένα καὶ ἐτζάκισε τοὺς Τούρκους καί, φεύγοντας, ἔπιασε τὸν Καμοῦτζο
πασᾶ ζωντανό. Ὁμοίως ἔπιασε καὶ ἀλλους πολλοὺς Τούρκους καὶ ἐκατάκοψε
τοὺς περισσότερους· καὶ ἔκοψε τὰ πόδια τους καὶ τὰ χέρια τους καὶ καμπόσους
ἐσούγλισε. Καὶ τὸν Καμοῦτζο πασᾶ τὸν ἐφούρκισε· τὸν ἐκρέμασε εἰσὲ ψηλότερον 30
τόπον παρὰ τοὺς ἄλλους.

144 ἀλελφού.
145 Μοδάβηας.
146 ἐκαταχάλασε verbessert; ἐκαχαλασαι cod. 1; ἐκαχασαι cod.
147 ἐαντηστάϑη.
Chronikon 69
(Postbyzantinische Quellen)

[Der Sultan kehrt erfolgreich vom Feldzug gegen Trapezunt zurück]

1 Dann blieb er den ganzen Winter hindurch froh in seiner Residenz (saray - σαράγι). Und er Winter; der Sultan
befindet sich in seinem
ließ den Vlad rufen, den Fürsten der Moldau 148, derjenige, der ein großer Fürst wurde Palast

durch den Namen seines Bruders. Der war nämlich ein gar bildhübscher Junge, und der
Sultan hielt sich ihn zu seiner Lust und seiner Bedienung und hegte eine große Liebe für Vergewaltigungsversuch
des Sultans
5 ihn. Eines Tages wollte er ihn nötigen, aber jener wollte nicht und versetzte dem Sultan mit
einem Dolch, den er heimlich bei sich trug, einen Stich in die Brust; die Wunde war nicht
tödlich. Und der Bursche entfloh. Und er genas wieder, und er liebte den Knaben so sehr, Radu wird zum
Günstling des Sultans
dass er ihn zurückholen ließ und ihm verzieh. Und da er solchen Einfluss auf den Sultan
hatte, wurde sein Bruder Vlad Fürst der Moldau. Und er sammelte, als er Herrscher V. übernimmt die
Führung dank seines
10 geworden war, viele Männer um sich. Er war aber ein grausamer Mensch. Bruders

Dieser [Vlad] ging also hin und ließ sich in der Moldau nieder und bestieg den Thron
seines Reiches. Und da er die Dreistigkeit seines Bruders besaß, der beim Sultan weilte, Bild des/r Tyrannen/
Unterdrückung
bedrückte er die Archonten der Moldau und raubte ihnen ihr Vermögen, setzte viele ab
und nahm ihnen das Leben. 149 Man machte die Rechnung, dass er in kurzer Zeit 20.000 Beraubung des
Vermögens der
15 Menschen umbrachte, denn er war sehr grausam. Und er nahm ihr Vermögen und seine Hingerichteten

Truppen machte er reich, und nahm [von] ihnen 150 viel Steuer (charatza) 151 und Zehnt ein,
so viel, dass sie es nicht mehr ertragen konnten. Und sobald er große Reichtümer V. schließt ein Bündnis
mit den Ungarn
beisammen hatte, sammelte er auch ein großes Heer um sich und verbündete sich mit den
Ungarn, um gegen Sultan Mehmed zu ziehen.
20 Das erfuhr der Sultan, und er sandte einen Rhomäer namens Katapolianos 152, einen Sultan sendet
Katapolianos und
Christen 153, und den Hamza (Kamoutza) Paşa zu ihm, damit sie eine List machen, damit sie Hamza

ihn gefangen nehmen, damit sie ihn lebend zu ihm 154 bringen. Hamza Paşa zog also mit Aufgabe: V. in die Falle
zu locken und zu fassen
Katapolianos hin, und sie legten einen Hinterhalt (boscata - μποσκάδα). Sie hielten sich
versteckt an einer Wegenge und überfielen ihn, um ihn gefangen zu nehmen. Vlad jedoch V. ist vorbereitet
Katap. und Hamza
25 setzte sich mannhaft zur Wehr und schlug die Türken, und als diese flohen, nahm er den werden ermordet;
Hamza Paşa lebend gefangen; desgleichen fing er noch viele weitere Türken. Nachdem er Hamza auf einem
höheren Pfahl
schon die meisten erschlagen hatte, hackte er ihnen die Füße und die Hände ab, und
Männer verstümmelt
etliche pfählte er und den Hamza Paşa hängte er auf, und zwar höher als die anderen.

148 Zur Verwechslung der beiden Donaufürstentümer vgl. Adolf ARMBRUSTER: Der Donau-Karpatenraum
in den mittel- und westeuropäischen Quellen des 10.–16. Jahrhunderts. Eine historiographische Imagologie. Köln,
Wien 1990, S. 98, 185; Nicolae STOICESCU: Unitatea românilor în Evul Mediu. Bucureşti 1983, S. 135-
137; Eugen STĂNESCU: „Unitatea teritoriului românesc în lumina menṭiunilor externe. "Valahia" şi
sensurile ei.“ In: Studii. Revistă de istorie 21 (1968), Nr. 6, S. 1105-1123, hier 1110. Vgl. auch Fn. 43.
149 Zum Konflikt Vlads mit den walachischen Bojaren vgl. Chalkokondyles (←), S. 17.
150 Den Untertanen.
151 Osmanisch harac, der Autor versucht den Begriff aus der Originalsprache wiederzugeben. Diese
Kopfsteuer musste von Nicht-Muslimen bezahlt werden. Hier im allgemeinen Sinne von
„Steuer(erhebung)“, ein Begriff mit negativer Wirkung auf die im damaligen Osmanischen Reich
lebenden Christen.
152 Der Autor verwendet offensichtlich eine vulgärgriechische, an das Italienische angenäherte
Schreibweise für den Namen; vgl. Chalkokondyles (←), Fn. 29.
153 Anscheinend eine Interpretation des Autors aufgrund des nichttürkisch klingenden Namens.
154 Zum Sultan.
70 Anonymus Zoras
(Postbyzantinische Quellen)

Καί, ὡσὰν ἔκαμε τὴ νίκη αὐτήν, ἐμάζωξε καὶ ἄλλο περισσότερο φουσσᾶτο καὶ
ἐκατέβη καὶ ἀπέρασε τὸν Ντούναβι ποταμὸν καὶ ἐδιάβη καὶ εὶς τοὺς τόπους
τοῦ 155 Τούρκου καὶ ἐδιαγούμιζε καὶ ἀφάνιζε τοὺς τόπους ἐκείνους.
Καί, ὡς τὰ ἔμαϑε αὐτὰ ὁ σουλτάνος, ἐπικράϑη πολλὰ διὰ τὸν πασᾶ του καὶ, δὶα 35
τοὺς ἐπίλοιπους, ὁποὺ τοὺς ἐχάλασε ὁ Μπλάδος 156 καὶ τους ἔδωσε Κακὸν
ϑάνατο. Τότε ἐμάζωξε τὰ φουσσᾶτα του ὁ σουλτάνος καὶ τὰ ἔστειλε εἰς τὴν
Μαύρε ϑάλλασσα, εἰς τὸν Ντούναβι τὰ κάτεργα του καὶ τὸ φουσσᾶτο στερέας. |
72ν Καί, ὡς τὸ ἐμάϑανε οἱ Μολδάβιοι πὼς ἔρχεται ἀπάνω τους πολὺς πόλεμος,
ἐβάλανε τὶς γυναῖκες τους καὶ τὰ παιδία τους εἰσὲ τόπους δυνατούς εἰσὲ 40
φύλαξι, εἰς τὰ βουνὰ τοῦ Πρασοβοῦ, μαζὶ μὲ τὰ ροῦχα τους. Καὶ ὁ Μπλάδος
ἐχώρισε τὸ φουσσᾶτο του εἰς δύο· καὶ τὸ ἕνα μέρος τὸ ἔστειλε καταπάνω τοῦ
Νέγρου, ὁποὺ ἤτονε ἐχϑρός του ἀφέντης τῆς Ποντολίας, καὶ τὸ ἄλλο τὸ
ἐκράτησε ἀτός του.
Εἰς τόσο ἔσωσε καὶ ὁ σουλτάνος καὶ ἐμπῆκε εἰς τὴν Μολδάβια καὶ ἐδιάβη εἰς τὸ 45
βουνό, ὁπου εἴχανε τὶς γυναῖκες τους καὶ τὰ παιδία τους [111] καὶ τὰ ροῦχα τους,
καὶ τὰ ἐδιαγούμιζε. Καί, ὡς τὸ ἔμαϑε ὁ Μπλάδος, ἔφυγε καὶ ἐδιάβη τὰ βουνὰ
καὶ τοὺς δρυμῶνες, ὅσο νὰ ἰδῇ τί ϑέγει ἀπογένει. Διατὶ εἶδε πὼς δὲν ἔχει
βοήϑειαν ἀπὸ τοὺς Οὕγγαρος, ἐσηκώϑη καὶ εδιάβην μέσα εἰσὲ δυναμώτερους
τόπους. Καὶ εἰσὲ τοῦτο ἤρϑανε 157 καὶ οί Οὕγγαροι καὶ τὸν ηὕρανε 158 νὰ τοῦ 50
βοηϑήσουνε.
Καὶ ὁ Τοῦρκος ἤτονε τεντωμένος εἰσὲ τόπους πλατέους. Καὶ ὁ Μπλάδος, ὡσὰν
ἤρϑανε οἱ Οὕγγαροι, ἐστάϑη ἀνδρεῖος. Καὶ ἐπῆρε ἑφτὰ χιλιάδες φουσσᾶτο καὶ
ἐδιάβη τὴ νύκτα μέσα ᾽ς τὸ φουσσᾶτο τοῦ σουλτάνου καὶ τοὺς ἀπήδησε καὶ
ἐτρόμασε τὸ φουσσᾶτο του, ϑαρρῶντας πὼς εἶναι πολὺ τὸ φουσσᾶτο τοῦ 55
Μπλάδου. Καὶ ἐτζάκισε τὸ φουσσᾶτο τῆς Ἀνατολῆς. Καὶ βουλήϑη νὰ πὰγῃ νὰ
πατήσῃ καὶ τὴν τέντα τοῦ σουλτάνου. Καὶ ὥρμησε καὶ ἐπήγαινε, νομίζοντας ὅτι
ἔναι ἡ τέντα τοῦ σουλτάν Μεχεμέτη, ἀμμὴ ἐλαϑάστη καὶ ἐδιάβη εἰς τὴν τέντα
τὼν ἀλλῶν πασάδων 159. Καὶ τότε ἄναψε ὁ πόλεμος καὶ ἐκατακοβόντησαν μία
μερέα καὶ ἄλλη. Ἀμμὴ ἐκατακόφταν τοὺς Τούρκους κατὰ πολλά. Καί, ὡσὰν 60
ἐξημέρωσε, ἐγυρίσανε ὀπίσω οἱ Μολδάβιοι· καὶ ἐκόπησαν ὀλιγοι· ἀμμὴ τοὺς
Τούρκους, ἐπειδὴ τοὺς ἐξαφνίσανε τὴ νύκτα, ἐκόψανε πολλούς. Τότε ἔστειλε ὁ
σουλτάνος τον Ἀλῆ πασᾶ μὲ πολὺ φουσσᾶτο τὴν ἡμέρα καὶ ἐδιάβη καὶ ἔσωσε
73r τὸν Μπλάδο καὶ ἐκάμανε πόλεμον φρικτόν, τόσο ὅτι ἐσκοτώσανε 160 | χίλιους
Μολδάβους καὶ ἄλλους τόσους ἠφέρανε ζωντανούς. Καὶ τοὺς ἠφέρανε εἰς τὸ 65
Προΐλαβο, τοῦ σουλτάνου. Ἐκεί ἤτονε τὸ σκαμνὶ τοῦ Μπλάδου. Καὶ τοὺς ἔκοψε
ὅλους. Τότε εἶδε ὁ σουλτάνος, εἶδε τὸ κάστρο τὸν Προΐλαβο, ἀνοικτὲς τὶς πόρτες
καὶ ἄνϑρωπον τινὰν δὲν ἐβλέπανε, ἐϑαυμάζανε.

155 Του.
156 Μπλάδοι: aus μπάλαδοι.
157 Είιβρανε.
158 Ebd.
159 Am Rand: Μπλάδος [ἀ]φέτης [B]λαχίας.
160 Nach ἐσκοτώσανε weggelassen ξη cod.
Chronikon 71
(Postbyzantinische Quellen)

Und nachdem er diesen Sieg errungen hatte, bot er ein noch größeres Heer auf und zog V. überquert die
Donau und verheert
30 hinunter und setzte über den Donaustrom und zog weiter und fiel in die Länder des Türken
ein und plünderte und verheerte jene Länder.
Und als das der Sultan erfuhr, war ihm sehr leid um seinen Paşa und um die übrigen, die
Vlad vernichtet und denen er diesen schmählichen Tod bereitet hatte. Da bot er sein Heer
auf und sandte die Flotte auf das Schwarze Meer, in die Donau aus, die Galeeren (katerga) Osmanische Flotte
auf der Donau
35 und das Heer auf dem festen Lande. Wie nun die Moldauer hörten, dass da ein großer
Walachen verbergen
Krieg gegen sie heraufzog, schafften sie ihre Frauen und ihre Kinder an befestigte oder Familien an
bewachte Plätze im Gebirge von Prasovo, zusammen mit ihren Habseligkeiten. Und Vlad unzugänglichen
Orten
teilte sein Heer in zwei Teile. Den einen Teil sandte er gegen Negros161, den ihm feindlichen
Fürsten von Podolien, und den andern behielt er selbst.
40 Inzwischen kam auch der Sultan an und fiel in die Moldau ein und er zog in das Gebirge, V. zieht in die
Wälder und
wo sie ihre Frauen und Kinder und ihre Habseligkeiten hatten und verheerte alles. Und als beobachtet die
Osmanen
Vlad das erfuhr, floh er in die Berge und in die Wälder, um zu sehen, wie es weitergehen
würde. Als er sah, dass er von den Ungarn keine Hilfe erhielt, hob er sich hinweg und zog in Militärische Reaktion
Ungarns
eine sicherere Gegend. Und inzwischen kamen auch die Ungarn herbei und stießen zu ihm,
45 um ihm zu helfen.
Und der Türke hatte an einem ebenen Ort gelagert. Und Vlad hielt sich, als nun die V. unternimmt einen
Ungarn gekommen waren, mannhaft. Und er nahm 7.000 Soldaten und drang nachts Nachtangriff

mitten in das Lager des Sultans ein und überfiel sie und versetzte sein Heer in Schrecken,
weil sie glaubten, Vlads Heer sei groß und er schlug die Truppen Anatoliens in die Flucht V. zieht gegen das
Zelt des Sultans
50 und wollte nun hingehen und das Zelt des Sultans überfallen. Und er stürmte also los und
V. erreicht das Zelt
eilte dorthin, wo er das Zelt des Sultans wähnte, verfehlte es jedoch und stieß auf das Zelt der Paşas
der anderen Paşas. Und dann kam es zum Krieg und es fielen auf der einen Seite wie auf der
andern [viele Männer] und viele Türken wurden niedergemetzelt. Und als dann der Tag
anbrach, zogen sich die Moldauer wieder zurück. Und von ihnen wurden nur wenige
55 niedergemetzelt, aber sie hatten eine große Menge Türken erschlagen, da sie sie in der
Ali Paşa verfolgt
Nacht überrascht hatten. Dann sandte der Sultan den Ali Paşa mit einem starken Heer am Walachen
Tage aus, und er zog hin und holte Vlad ein und sie machten einen furchtbaren Krieg, so
Hinrichtung der
sehr, dass sie tausend Moldauer erschlugen und ebenso viele lebendig hinweg führten. Diese Gefangenen vor dem
brachten sie zum Sultan nach Proilavo. Dort war Vlads Hofsitz. Und er ließ alle umbringen. Sultan
Sultan zieht gegen
60 Dann sah der Sultan die Burg Proilavo162, er sah die Tore waren offen, und sie sahen keinen die Hauptstadt V.s
Menschen, sie wunderten sich.

161 „Der Schwarze“, vom türk. Kara (= Schwarz) Boğdan, also Stefan der Große (vgl. Fn. 43).
162 In der Forschung ist umstritten, ob Brăila in vorosmanischer Zeit befestigt war; vgl. Ionel CÂNDEA:
„Brăila, fut-elle une forteresse avant 1538?“ In: Il Mar Nero 4 (1999-2000), S.181-194. Die Burg
könnte also ein in die Narration ex post eingeführtes Element sein. Chalkokondyles (←), S. 25,
berichtet lediglich von einem Markt in Brăila.
72 Anonymus Zoras
(Postbyzantinische Quellen)

Καὶ παραμπρὸς ἀπὸ τὸ κάστρο εἴδανε ἕως εἴκοσι χιλιάδων 163 ἀνϑρώπων κορμία,
ἄλλα κομμένα, ἄλλα παλουκωμένα, ὁποὺ τοὺς ἐσκότωσε ὁ Μπλάδος του 70
κάστρου ἐκεινοῦ, γυναικῶν, ἀνδρῶν, παιδίων. Καὶ δὲν ἄφησε μηδὲ ἕναν. Τότε
εἶδε το μεγάλο κακὸ ὁποὺ ἔκαμε ὁ Μπλάδος, ἐϑαύμασε ὁ σουλτάνος εἰς τὴν
μανία τοῦ Μπλάδου.
Καὶ ἐπῆρε τὰ φουσσᾶτα του ὁ σουλτάνος καὶ ἐπήγαινε παραμπρός. Ἀμμὴ ὁ
Μπλάδος ἐστεκέτονε εἰσὲ τόπους ὁποὺ τοῦ ἐβόλειε καὶ ἐκτύπα εἰς τοὺς 75
ἀνϑρωπους καὶ εἰς τὰ φορτώματα τοῦ σουλτάνου. Καὶ τοὺς ἐκούρσευε καὶ
ἐσκότωνε καὶ τοὺς Τοὺρκους καὶ τὰ κοπέλλια τους ὁποὺ ἐσύρνανε τὰ
βαρήματα 164. Καὶ ὡς τὸ ἔμαϑε ὁ πρίντζιπος τῆς Ποδολίας, ὀνόματι Νέγρας,
ἔσμιξε μὲ τοὺς Τούρκους καὶ ἐδιάβησαν καὶ ἐπολεμούσανε νὰ πάρουνε τὸ
κάστρο τὸ λέγουνε Κιλίμ, ὁποὺ ἤτονε τοῦ Μπλάδου. 80
Καὶ ὁ Μπλάδος ἐπῆρε ἕξι χιλιάδες καβελλάρους καὶ ἐδιάβη ἀπάνω εἰσὲ
δαύτους 165 καὶ ἐκάμανε πόλεμον δυνατὸν καὶ ἐτζάκισαν τὸν Μπλάδο μὲ πολὺ
αἷμα μία με[112]ρέα καὶ ἄλλη. Καὶ ἐσκοτώσανε ἀπὸ τοὺς Μολδάβους ὥς δύο
χιλιάδες. Καὶ ἐπήρανε τἀ κεφάλια τοὺς καὶ τὰ ἐβάλανε εἰς τά κοντάρια τοὺς καὶ
τὰ διαβάσανε καὶ ἐδείξανε τοῦ σουλτὰν Μεχεμέτη. 85
Καὶ τότε ἔφυγε ὁ Μπλάδος καὶ ἐδιάβη μέσα εἰς την Οὑγγαρία. Καὶ τὸν ἔπιασε ὁ
ρῆγας Μαϑαῖος καὶ τὸν ἔβαλε εἰς τὴν φυλακή, διατὶ ἐσκότωσε ἀπὸ τοὺς
Οὕγγαρους τοὺς ἐδικούς του.
73ν Καὶ | τὸ φουσσᾶτο τοὺ Τούρκου ἐδιάβη μέσα εἰς την Μολδάβιαν καὶ τὴν
ἐδιαγουμίσανε. Καὶ ἠφέρανε εἰς τὸν Ντούναβι ἕως διακόσες χιλιάδες ζῷα, 90
πρόβατα, βούδια· καὶ ἐπήρανε καὶ ολλὴν σκλαβίαν, γυναῖκες, ἄνδρες, παιδιά.
Καὶ ὁ σουλτάνος, ὁποὺ ἤτονε εἰς τὸν Ντούναβι, ἔκαμε ἀφέντη τὸν Δρακούλα
καὶ τὸν ἔστειλε εἰς τὴν Μολδάβια νὰ ὁρίζῃ, ὁποὺ ἤτονε Τοῦρκος, ὁ ἀδελφὸς τοῦ
Μπλάδου. Καὶ ὁ σουλτάνος ἐγύρισε εἰς τὴν Ἀνδριανούπολι. Τότε ὁ Δρακούλας
ἔλεγε τῶν ἀρχόντων τῆς Μολβάδιας πώς· «Ὁ σουλτάνος ἔχει μεγάλη δύναμι 95
καὶ ἐσεῖς ἠκούσετε τοῦ ἀδελφοῦ μου τοῦ Μπλάδου τὴν τρελλάδα καὶ ἐκάμετε
μάχη μὲ τὸν σουλτάνο». Καί, λέγοντας ἐτοῦτα, ἐγύρισε ὅλους τοὺς ἄρχοντες καὶ
τὸν ἐστέρξανε διὰ ἀφέντη τους. Καὶ ὁ Μπλάδος, ὠς εἴπαμε, καὶ ἐτελελίωσε τὴν
ζωήν του εἰς τὴν Οὕγγαρία, εἰς τὴν φυλακή.

163 χιλιάδων korrigiert.


164 Am Rand: Ἀδελφὸς τοῦ Μπλάδου.
165 δάυτὸς.
Chronikon 73
(Postbyzantinische Quellen)

Und weiter weg von der Burg stießen sie auf die Leichen von etwa 20.000 Menschen, die Sultan zieht an der
Stadt vorbei und
einen in Stücke gehackt, die anderen gepfählt, die Vlad in jener Burg umgebracht hatte: stößt auf ein Feld mit
Frauen, Männer, Kinder. Und er hatte nicht einen verschont. Da sah er also das große Gepfählten

65 Übel, das Vlad verübt hatte, und der Sultan staunte über die Raserei. Reaktion des Sultans

Und der Sultan nahm sein Heer und zog weiter. Vlad aber lauerte ihnen in Gegenden auf, V. verfolgt und tötet
die Osmanen
die für ihn günstig waren, und machte Überfälle auf die Männer und den Tross des Sultans.
Und er plünderte und erschlug die Türken und ihre Burschen, die ihnen das Gepäck
nachführten. Als das der Fürst von Podolien, Negros genannt, erfuhr, stieß er zu den
70 Türken, und sie zogen hin und führten Krieg, um die Burg zu nehmen, die Kili heißt und Chilia

dazumal dem Vlad gehörte.


Da nahm Vlad 6.000 Reiter und rückte dorthin gegen sie vor. Und sie machten einen V. von den
verbündeten
schweren Krieg mit viel Blut auf der einen wie auf der anderen Seite und schlugen Vlad. Moldauern und
Und sie töteten von den Moldauern an die 2.000. Und sie schnitten ihnen die Köpfe ab und Osmanen besiegt

75 steckten sie auf ihre Lanzen, trugen sie mit sich und zeigten sie dem Sultan Mehmed.
Und dann entfloh Vlad und ging mitten nach Ungarn. Und der König Matthias nahm ihn V. flieht nach
Ungarn und wird
fest und warf ihn in den Kerker, weil er auch von seinen eigenen Leuten, den Ungarn, eingekerkert

[etliche] umgebracht hatte.


Und das Heer der Türken fiel mitten in die Moldau ein und verheerte sie. Und sie brachten
80 an die 200.000 Tiere, Schafe und Rinder an die Donau. Und sie führten auch alle in die
Sklaverei – Frauen, Männer und Kinder. Und der Sultan, der an der Donau geblieben war,
machte nun den Dracul zum Fürsten und schickte ihn in die Moldau, um dort zu herrschen; Radu war zum Islam
konvertiert
der war ein Türke 166, Bruder des Vlad. Der Sultan selber kehrte zurück nach Adrianopel.
Dann sprach Dracul zu den Archonten der Moldau etwa so: „Der Sultan besitzt große
85 Macht, ihr aber habt auf den Wahnsinn meines Bruders Vlad gehört und Kampf gemacht Bevölkerung/Eliten
der Walachei
mit dem Sultan!“ Und so redend brachte er alle Archonten auf seine Seite, und sie nahmen huldigen Radu

ihn als ihren Fürsten an. Und Vlad, wie wir oben gesagt haben, beschloss sein Leben in V. stirbt in Ungarn

Ungarn im Gefängnis. 167

(Es folgt der Feldzug gegen Mytilene)

166 D.h. ein zum Islam Konvertierter, ein Renegat.


167 Anonymus Zoras besaß keine Kenntnis über das weitere Schicksal Vlads, verwendete also
wahrscheinlich keine Quelle, die älter als 1476 ist, als Vlad durch die Besetzung der Walachei wieder
bekannt wurde.
4. Postbyzantinische Ergänzungsquellen

Sphrantzes
(1401 – ca. 1478/9)

Sph. oder Phrantzes war der Sekretär des Konstantin XI. Dragases, des letzten byzan-
tinischen Kaisers. Den Untergang des Reiches erlebte er in Konstantinopel. Seine Zeit-
geschichte verfasste er in Form von Memoiren, die bis zur Eroberung der letzten by-
zantinischen Reststaaten (in der Peloponnes und Trapezunt) äußerst akkurat sind und
Informationen erster Hand enthalten, sukzessive jedoch immer summarischer werden. Die
Erwähnung des Feldzuges gegen die Walachei gehört zum letzten, weniger fundierten Teil
des Werkes.

Vasile GRECU: Memorii 1401-1477. În anexă Pseudo-Phrantzes: Macarie Melissenos Cronica 1258-1481.
Bucureşti 1966 („Scriptores byzantini“ 5)

(GRECU, S. 128f.; Memorii XLII, 3-4)

3. Τὸ δὲ ἔαρ τοῦ αὐτοῦ ο-οῦ ἔτους διέβη ὁ ἀμηρᾶς εἰς τὴν Μεγάλην Βλαχίαν καὶ
ἐδιόρθωσε τὰ κατ᾿ αὐτοῦ ἐκεῖσε ἐνεργούμενα.
4. Καὶ ἐπιστρέψας ἐποίησεν ἁρμάτωμα καὶ πέμψας κατὰ τῆς Λέσβου ἀπῆρεν
αὐτήν.

3. Im Frühjahr desselben Jahres 70 168 zog [der Sultan] in die Große Walachei und regelte,
was dort gegen ihn betrieben worden war.
4. Und als er zurückkehrte, machte er eine Flotte und sandte sie gegen [die Insel] Lesbos
und nahm [sie] ein.

168 6970 nach byzantinischem Kalender, „nach der Welterschaffung“ (= 1462 n. Chr).
76 Ergänzungsquellen
(Postbyzantinische Quellen)

Pseudo-Sphrantzes (Makarios Melissenos)

Sph. wurde im 16. Jh. von Makarios Melissenos, dem Metropoliten von Menemvasia inter-
poliert. Das Resultat wird in der Fachliteratur als chronicon maius bezeichnet im Unterschied
zum chronicon minus des Sph. Die Differenzierung wurde von GRECU in seiner Edition
eingeführt und seitdem standardisiert.

(GRECU, S. 552f., Cronica IV, 19, 16)

16. Τῷ δὲ ἔαρι τοῦ αὐτοῦ ἔτους διέβη ὁ ἀμηρᾶς εἰς τὴν Μεγάλην Βλαχίαν καὶ
ἐδιόρθωσε τὰ κατ᾿ αὐτὴν ἐκεῖσε ἐνεργούμενα.
Καὶ ἐπιστρέψας ἐποίησε στόλον καὶ ὥρμησεν ὁ στόλος προστάγματι αὐτοῦ
κατὰ τῆς Λέσβου ἥν καὶ παρέλαβεν.

16. Im Frühjahr desselben Jahres 169 zog der Sultan in die Große Walachei und regelte, was
dort gegen ihn betrieben worden war.
Und als er zurückkehrte, machte er eine Flotte und die Flotte fuhr auf seinen Befehl hin
gegen Lesbos, das er auch eingenommen hat.

169 1462.
Kurzchroniken 77
(Postbyzantinische Quellen)

Byzantinische Kleinchroniken
(βραχέα χρονικά)

Unter den B. K. wird eine Reihe knapper historischer Notizen mit einer detaillierten
Datierung nach Jahr, Indiktion, Monat und Tag zusammengefasst, die jedoch keinen
grammatikalisch-syntaktischen Zusammenhang der Einträge, keine Analyse oder Kausalität
und keine erkennbaren Details der dargestellten historischen Ereignisse bieten. Sie sind sehr
verschiedener Art und in unterschiedlichen Kontexten entstanden: entweder in einem rea-
len Zusammenhang oder durch Überlieferung einer Reihe von Kopisten oder zufällig im
momentanen Affekt eines oder verschiedener Autoren oder aus historischen Privatnotizen.

Peter SCHREINER: Die byzantinischen Kleinchroniken. 3 Bde. Wien 1975 (CFHB 12,1; 12,2 und 12,3).

Chronik 63, 19 - SCHREINER I, S. 476:

1462/6970 (Ind. 10) Apr. – Juli

ἐν δὲ τῷ ͵ϛϠoʹ ἐπῆγεν εἰς τὴν Βλαχίαν εἰς τὸν Ῥάδουλα βοεβόδα 170.

Im Jahre 6970 aber führte er 171 in die Walachei den Woiwoden Radoul.

Chronik 69, 49 - SCHREINER I, S. 536:

1462/6970 (Ind. 10) Apr. – Juli

ἔτους ͵ϛϠoʹ ὑπῆγεν εἰς τὴν Βλαχίαν εἰς τὸν Αὐδουλὰ βοεβόντα.

[Im] Jahre 6970 führte er in die Walachei den Woiwoden Audoul (sic!).

Chronik 70, 25 - SCHREINER I, S. 546:

1462/6970 (Ind. 10) Apr. – Juli

τὸν αὐτὸν χρόνον ἐπῆγεν εἰς τὴν Βλαχίαν.

Zur selben Zeit zog er in die Walachei.

170 ἔτους ͵ϛϠξηʹ S ὑπῆγεν D Βλάχεια S (post βοεβόδα) Αὐγαλὶ βοϊβόντα C: Αὐγουλὰ
βοηβόντα D: ΄Ράντουλα βοϊβόδα F: Αὐγουλὶ βοηβόντα DO: Στέφανον βοεβόντα S
βοεβόδαν P: βοηβόδα V in fine add. F: εἰς ἔτος ͵ϛϠoʹ.
171 Gemeint ist, wie auch im Folgenden, der Sultan.
78 Ergänzungsquellen
(Postbyzantinische Quellen)

Chronik 116, 1 - SCHREINER I, S. 685:

1462/6970 (Ind. 10) Juni

κατὰ τὸν ἰούνιον τοῦ ͵ϛϠoʹ ἔτους ἐπέρασεν ὁ ἀμηρᾶς τὴν Βλαχίαν κατὰ τοῦ
Δρακούλια. ἐπέδραμε δὲ νυκτὸς ὁ Δρακουλίας καὶ ἅπαξ καὶ δίς, καὶ ἐποίησε
φόνον πολλὺν εἰς τὸ φοσσάτον τοῦ ὰμηρᾶ. εἶτ᾿ ἀπὸ ἄλλου μέρους ἐκρούσευσε
τὸ φοσσάτον 172 τοῦ ἀμηρᾶ γυναῖκας καὶ παιδία καὶ ζῶα, καὶ ὑπέστρεψαν.

Im Juni des Jahres 1462 zog der Sultan in die Walachei gegen Drakoulia. Nachts aber lief
Drakoulia ein Mal und zwei [Mal], und er machte ein großes Gemetzel im Heere des
Sultans. Daraufhin zerschlug er in einem [Landes]teil das Heer des Sultans; die Frauen,
Kinder und Tiere kehrten zurück.

172 φοσάτον cod.


II. Die osmanischen Autoren
II.1. Einleitung zu den osmanischen Quellen

Die ersten vereinzelten historiographischen Versuche der Osmanen im späten 14. und
frühen 15. Jahrhundert können noch nicht als Beginn einer kontinuierlich wachsenden
Geschichtsschreibung betrachtet werden. Erst mit der Thronbesteigung Murads II. (1421-
1451) wurden am Hof weitergehende historiographische Initiativen unternommen. Dies
geschah wenig spektakulär, aber sehr praktisch in Form von Hofkalendern und Almana-
chen, welche die erwähnenswerten Ereignisse des laufenden Jahres aufzeichneten und dazu
einige der vorherigen Jahre addierten. Es ist möglich, dass diese Aufzeichnungen nicht erst
mit Murad II. begannen. Es erscheint jedoch gemäß heutigem Forschungsstand gesichert,
dass der Grad der Neumodellierung der Stoffe in diesem Zeitraum größer gewesen ist, da
ihre Rezeption in den späteren historiographischen Werken (wie etwa bei den Anonymen
und Oruc b. Adil) entsprechend hoch war. Bei diesem zweiten Versuch bauten die Osma-
nen zunächst die Infrastruktur für eine Historiographie auf, die schließlich gegen Ende des
15. Jahrhunderts blühte, nachdem einige Versuche durch Yazıcıo ğlu Ali, Şükrüllah und
Enveri und später durch Karamani Mehmed Paşa und Maʿali gemacht worden waren.
Die Herrschaftszeiten Murads II. und seines Sohnes Mehmeds II. (1451-1481) stellen dabei
eine Periode des Zuwachses der historiographischen Produktion dar. Mehmed baute seine
Eroberungspolitik auf den politischen und territorialen Zuwachs des Reiches aus der Zeit
seines Vaters auf. Trotz großen Zugewinns an Prestige und Macht und der Befriedung und
Zentralisierung größerer Teile des Reiches blieb die osmanische Gesellschaft jedoch bis vor
seinem Tod zersplittert. Neben anderen Faktoren generierten die verschiedenen Parteiun-
gen die ersten großen Spannungen innerhalb des Reiches seit dem Thronfolgekrieg. Die
reaktionären Gruppen, welche die materiell auszehrende Politik Mehmeds ablehnten sowie
diejenigen, die von dieser Politik schwer belastet wurden, setzten seinen wenig kriegerischen
Sohn Bayezid II. (1481-1512) auf den Thron. Von der Partei der Kriegsbefürworter wur-
den sie allerdings bis zum Tode Cems, des Bruders und Thronprätendenten des Sultans, im
Jahre 1495 unter großem Druck gehalten.
Zwischen der Erinnerung an die glorreichen Zeiten Mehmeds II., der Wiedergutmachung
seiner wirtschaftlichen und sozialen Exzesse und der Bedrängnis durch Cem, der zusätzlich
von westlichen Mächten unterstützt worden war, musste Bayezid II. seinen Platz an der
Spitze des Osmanischen Reiches umfassend begründen und seine Ansprüche legitimieren.
Dies war der ideale Kontext für den starken Aufschwung der osmanischen Geschichts-
schreibung. Sie übernahm die vorher gewachsenen Initiativen und profitierte von den
bereits aufgebauten historiographischen Strukturen. Auf zweierlei Weisen nutzte Bayezid
die Geschichtsschreibung: Einmal direkt durch die Selbstinszenierung als bester Anführer –
so beispielsweise bei Tursun Beğ – und überdies indirekt durch die Selbstdarstellung als
Gönner, Protektor und Schatzmeister der Geschichte des Hauses. In Folge des Druckes der
militärischen Gruppierungen musste Bayezid einen Feldzug gegen die Moldau (1484) unter-
nehmen – der einzige, den er persönlich anführte. Die Tatsache, dass dieser Feldzug mehr
als eine militärische Unternehmung war, wird von der beachtlichen ideologischen Werbung
suggeriert. Wie Inalcık anmerkt, beschäftigt sich eine große Zahl, nämlich etwa die Hälfte
82 Einleitung osmanische Quellen

der hier erfassten Primär- und Sekundärwerke in ihren älteren Fassungen (Tursun Beğ, Aşık
Paşa-zade, el-Konyevi, Anonymus Giese, Kıvami, Neşri, (Pseudo-)Ruhi, Sarıca Kemal) mit
den Ereignissen des Jahres 1484/85.
Geschichtsschreibung ist aber nicht nur durch ideologisch bedingte Absichten, sondern
auch durch die Notwendigkeit der Unterhaltung motiviert. Keines dieser Werke war für die
Schublade des Sultans oder des Autors – wie etwa das Werk des Doukas – oder zum
Vortragen im engen Kreis der Dynastieangehörigen, also als eine Art „Geheime Geschich-
te“ gedacht. Sie wurden nicht zum Informieren niedergeschrieben, sondern vor allem zur
Unterhaltung eines Publikums mit einem bestimmten sozialen und intellektuellen Hinter-
grund und mit entsprechenden Erwartungshorizonten. Diese Horizonte bestimmten nicht
selten die Inhalte, wie aus der Analyse der populären Geschichten hervorgeht. Diese
Unterhaltungslinien verkomplizierten sich bei den späteren Autoren, deren Ansätze sich
den Intentionen der byzantinischen Historiographen annäherten und dabei eine reife Rhe-
torik aufwiesen, die teilweise auch im Sinne von pour l’amour de l’art interpretiert werden
kann. Der literarische Geschmack wird dabei immer raffinierter und elitärer, weswegen
eine Reihe von Autoren sich um die Modelle der anerkannten Klassiker gruppierte, so vor
allem Saʿdeddin, der in besonderer Weise um Nachahmung bemüht war.
Zwischen Unterhaltung und Ideologie abwägend wollten der Autor und seine Gruppe
freilich auch die eigenen unmittelbaren Interessen verteidigen und vor allem seine oder ihre
Weltanschauung bekannt machen. Neben der offiziellen Ideologie wurde auch die Stellung
der verschiedenen Gruppierungen aus der Umgebung des Sultans artikuliert. Drei unter-
schiedliche Ansätze treten in den Werken von Maʿali, Enveri mit Tursun und Aşık Paşa-
zade mitsamt einigen Anonymen beispielhaft hervor:
a) In seinem „Buch des Herrschers“ (Honkar-nama) fügte Maʿāli neben einer Reihe von
autobiographischen Details auch ein separates Kapitel über seine Reisen in die islamische
Welt hinzu und betonte seine guten und nützlichen Kontakte zu muslimischen Monarchen.
Sein Werk stellt dabei einen politisch eher neutralen historiographischen Ansatz dar, der
aber in besonderer Weise auf die außerordentlich positive Eigendarstellung des Autors
fokussiert.
b) Tursun zeigte in einer weiteren offiziellen Schrift, dem Panegyricum für Mehmed II.,
wiederholt seine Loyalität und Dankbarkeit gegenüber seinem ehemaligen Protektor und
Gönner, dem Großwesir Mahmud Paşa, dessen Handeln er immer wieder zu rechtfertigen
versuchte. Demselben Würdenträger widmete Enveri offiziell sein ganzes Werk. Diese An-
sätze stellen in gut sichtbarer Weise die Dankbarkeit des Dieners gegenüber seinen Unter-
stützern dar und bewirkten eine substantielle Beeinflussung des Diskurses seiner jeweiligen
Werke.
c) Schließlich bieten Aşık Paşa-zade und einige Anonymchoniken aufgrund von Gruppen-
interessen erste klare Ansätze zu einer Alternative zur offiziellen Historiographie. Indem sie
die lobenden Linien gegenüber osmanischen Anführern beibehielten, versuchten die
Autoren recht deutlich den Beitrag der alten militärischen Aristokratie zur Entstehung und
zum Aufstieg des osmanischen Staates darzustellen und zu maximieren. Diese Werke
repräsentieren somit die Stellungnahme dieser Gruppen im politischen Kontext der Zeit
Bayezids. Aus diesem Grund fixierte Aşık Paşa-zade erst im Alter von über 90 Jahren seine
so bekannten Geschichten in schriftlicher Form. Seine volkstümliche türkische Sprache
weist nicht nur auf die Absicht hin, ein möglichst breites Publikum anzusprechen, also ein
Die osmanischen Autoren 83

„Massenprodukt“ zu erschaffen, sondern zugleich auf die Herkunft der Begründer dieser
historiographischen Tradition des Osmanischen Hauses. Diese „Traditionalisten“ erhoben
Einspruch gegen die Verfremdung des Staates durch die Bürokratisierung und gegen das
Eindringen von spezialisierten Importbeamten.
Die meisten der osmanischen Geschichtswerke sind nach den heutigen Kriterien kompila-
torischer Art, wobei ihre Autoren die Vorlagen nicht nach Alter oder Länge der
Überlieferungskette selektierten. Viel wichtiger waren diesen Autoren – insofern ihnen die
benötigten Quellen zugänglich waren – der ästhetische Wert und der Ruhm des Autors der
Vorlage. Diese Tendenz ist bei den späteren Autoren leicht wiederzuerkennen (vgl.
Graphik auf S. XLI), als die Kompilatoren oder Kleinautoren sich geradezu buchstäblich
um die Klassiker drehten. Alle osmanischen Autoren – und die späteren in sehr ausge-
prägter Weise – strebten, nachdem die pompöse Reimprosa (inşa) sich schließlich durch-
gesetzt hatte, nach einem „guten“ Stil, wobei sie meist die literarische Struktur ihrer
Quellen umbauten, ohne den Inhalt eingehender zu bearbeiten. Dies soll jedoch den Leser
oder Historiker nicht enttäuschen, denn diese Umstrukturierungen tradieren Mentalitäten
und Erwartungen des Publikums oder sogar zeitgenössische politische Perspektiven, wie in
manchen Anmerkungen dieses Bandes verdeutlicht wird. Die Forschung sollte daher eine
klare Trennung zwischen diesen Autoren je nach ihren Absichten vornehmen und nicht
mehr beispielsweise Saʿdeddin mit den Primärquellen zum historischen Vlad den Pfähler
vermengen. Wie die einleitende Studie in diesem Band aufzeigt, können alle hier
wiedergegebenen Quellen wissenschaftlich genutzt werden, teilweise jedoch nur für
spezifische historische Diskurse.
Die Autoren nennen nicht selten ihre Absichten entweder im Vorwort (mukaddima) oder im
Verlauf des Werkes. Sie bemühten sich meist um materielle Belohnungen des Sultans,
bisweilen ist aber der eigentliche Anreger zur Abfassung des Werkes der Freundes- und
Bekanntenkreis. Als offizielle Motivation geben sie das Lob des (meist lebenden) Sultans, der
Dynastie oder verschiedener Würdenträger an, die Preisung ihrer Heldentaten oder den
Nachweis über den Konformismus mit den islamischen Vorschriften. Bei späteren Autoren
kommen noch intellektuelle und künstlerische Motivationen hinzu. Da die Darstellung der
älteren Ereignisse in ihren ursprünglichen historischen Kontexten für ein späteres Publikum
nicht mehr relevant war, spielt die ästhetische Neumodellierung der Stoffe sukzessive eine
immer wichtigere Rolle.
Der Kern der hier vorliegenden osmanischen Autoren konzentriert sich mit nur zwei
Ausnahmen (Hadidi und Rüstem Paşa) um die Periode Mehmeds II. und Bayezids II. Diese
ist auch die Zeit der bekanntesten Darstellungen (Aşık Paşa-zade, Neşri und Anonyme) und
der bedeutenden und umfangreichen Geschichten (Idris Bitlisi und Kemal Paşa-zade). Die
Epoche ist deutlich vom Genre der allgemeinen dynastischen Geschichten dominiert, wobei
Idris Bitlisi und Kemal Paşa-zade zugleich auch Synthesen der historiographischen
Tätigkeit dieser Periode repräsentierten, und zwar mit solchem Erfolg, dass die
frühosmanische Historiographie später meist nur über ihre Werke rezipiert wurde. Alle
anderen Autoren, welche bis etwa 1650 oder später über Vlad den Pfähler berichteten, inte-
grierten schlichtweg die Schriften dieser Klassiker in ihre ausführlichen Universalgeschich-
ten. Die Statistiken belegen dabei die intensive Zirkulation der historiographischen Materia-
lien zwischen den osmanischen Autoren. Im Unterschied zu den postbyzantinischen Auto-
ren bewirkte dies allerdings eine starke Homogenisierung: Durch den sukzessiven Zuwachs
84 Einleitung osmanische Quellen

an literarischen Einschüben wurde ein kontinuierlicher, normierender Vereinheitlichungs-


prozess der entstehenden historiographischen Werke bewirkt. Insgesamt betrachtet ist die
Rezeption und Modellierung der Kazıklı Voyvoda-Tradition bei diesen späteren Autoren ein
repräsentatives Beispiel für die Zirkulation der Informationen und für die Verwaltung des
historischen Gedächtnisses im Osmanischen Reich.
2. Texte und Übersetzungen

2.1. Osmanische Primärquellen


Enveri
(15. Jh.)

Autor
E. ist vermutlich ein Pseudonym (maḫlaṣ) eines sonst unbekannten Autors, vielleicht eines
ʿulemās, der in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts tätig war. Die einzigen
Informationen über sein Leben liefert sein Werk, wonach er Teilnehmer an vielen Feld-
zügen Mehmeds II. gewesen sei, u.a. gegen die Walachei (1462). Zwischen 1462 und 1465
schrieb er eine heute verlorene Chronik Teferrüc-nāme zur osmanischen Geschichte, die er
Mehmed II. widmete. Dieses Werk soll den Feldzug gegen Vlad den Pfähler ausführlich
behandelt haben.

Werk
Düstūr-nāme („Buch des Wesirs“173), im Jahr 869 H. (1464/5) in Reimen verfasst, ist das
drittälteste erhaltene osmanische Geschichtswerk. Es gehört zum meṡnevi-Genre und besteht
aus 7.640 Versen. Dieses dreiteilige Werk ist eine dem Großwesir Mahmud Paşa174
gewidmete Universalgeschichte: 1. die allgemeine islamische Geschichte (17 Bücher), 2.
Geschichte des Emirates Aydın (1 Buch) und 3. eine gekürzte Fassung des Teferrüc-nāme (4
Bücher), deren erstes Buch die osmanische Geschichte bis Mehmed II. und das zweite seine
Regierungszeit bis 1464 erzählt. Die letzten beiden Bücher befassen sich mit den vom Autor
gelobten Taten seines Protektors Mahmud Paşa.
E.s Behauptung, er habe das gesamte Werk in nur einem Monat verfasst sowie die deutli-
chen stilistischen Umbrüche des Textes lassen vermuten, dass er bestimmte Vorlagen
lediglich versifiziert hat.175 Die Angaben zu den Ereignissen von 1462 sind, trotz der
dichterisch bedingten Deformierungen und Verallgemeinerungen sowie einiger Unklar-
heiten, von hoher Originalität, die von Teferrüc-nāme, seinem eigenen Erleben und seinen
umfassenderen politischen Kenntnissen, darunter zur Walachei, ausgehen. Viele Stellen in
seinem Werk belegen eine Neigung des Autors für historische Akkuratesse. Auch der
Verweis auf Teferrüc-nāme ist ein Beispiel, wie E. seine Leser vom Wahrheitsgehalt des
Berichteten zu überzeugen versuchte.

Quellen: Teferrüc-nāme; Autopsie, mündliche Erzählungen (?)

173 Dieser Titel ist ein Kompositum, das aus zwei persischen Wörtern besteht und eine weitere
Bedeutung besitzt: „Das Buch der Instruktionen“. Beide Übersetzungen erscheinen denkbar: Erstere
wegen der Widmung an den Großwesir, die auch in der Forschung etabliert ist, die zweite wegen der
moralisierenden Züge des Werkes. Vgl. MÉLIKOFF-SAYAR: Le Destān, S. 27.
174 Mahmud Paşa war selbst Dichter und somit ein Protektor für Literaten wie E.
175 Vgl. MELIKOFF-SAYAR: Le Destān, S. 31.
88 Enveri
(Osmanische Primärquellen)

Handschriften
1. Paris, Bibliothèque Nationale, ancien fonds turc nr. 250 (P): 118 Bl.,
19,5x13,5cm, 14 bis 18 Zl. auf 2 Sp., bis Folio 84 genuesisches Papier (Ende 15. Jh.),
nestaʿlīk (folio 5-6 von einer anderen Hand vokalisiert, nesīh), undatiert.
2. Izmir, Milli Kütüphanesi, Nr. 16114-22/401 (I): ursprünglich 140 Bl. (fol. 132
bis 139 verloren), 13 Zl. auf 2 Sp., Ende fehlt, nesīh, Ramazan 894 H. (Aug. 1489).

Auszüge: Irène MÉLIKOFF-SAYAR: Le Destān d’Umūr Pacha (Düstūrnāme-i Enverī). Texte, traduction et notes.
Paris 1954 [nur der Teil zur Geschichte Aydins; mit frz. Übersetzung]; M. GUBOGLU: Cronici turceşti. I,
S. 36-45.

Editionen: M. Halil YINANÇ: Düstûrnâme-i Enverî (2 Bde.), Istanbul 1928/1930; Necdet ÜZTÜRK:
Fatih Devri Kaynaklarından Düstûrnâme-i Enverî. Osmanlı Tarihi Kısmı (1299-1466). Istanbul 2003.

Übersetzungen: C. N. ATSIZ: Osmanlı Tarihleri, I. Istambul 1949 [türk.].

Literatur: Necib ÂSIM [YAZIKSIZ]: „Düstûrnâme-i Enverî.“ In: Türk Tarihi Encümeni Mecmuası [neue
Serie] 1, 5 (1930-1932).
Eine Studie über die Quellen und die Bedeutung des Werkes Enveris befindet sich in Arbeit.

Nota bene: Die vorliegende Transliteration verwendet als Vorlage die Edition ÖZTÜRKs, S. 57-59, welche mit
dem Text in arabischer Schrift der Edition YINANCs, S. 99-100 verglichen wurde.
90 Enveri
(Osmanische Primärquellen)

(15) Fetḥ ėder Ṭārābūzūn’ı çünki şāh 1


Ḳıldı Rūm-ėli’ne andan ʿazm-i rāh
630 (16) Ol ḳurayı eylediler ġarḳ-i māl
Buldı aʿda her bir ėlde gūşmāl
(17) Ol yaña çün şāh İflāḳ bu yaña 5
Ṭovrur 176 azġūn gören ḳalur ṭaña
(18) Oturur İsḥaḳ Pāşa taḫtda
Düşdi ḫānsūz ḳaldı rāyı saḫtda
(19) Şeh gelüb Voyvōdâ’nyı daʿvet eder 177
Pes risālet veçḥile Yūnus gider 10
(20) Ḥamza Beğ’le oldı Yūnus Beğ şehīd
Yaḳdı Tūnā’nuñ kenārın ol pelīd
135a 635 (1) Yıl sekiz yüz altmış altı olur
Pādişāh aña ġaza ʿazmin ḳılur
(2) Nıgêbolı’ya irişdi pādişāh 15
Yir götürmez leşker olmışdur sipāh | [58]
(3) Ḳıldı pāşa Tūnā’yı evvel güzer
Düşmene gêle ṣanūr ālay düzer
(4) Öte yāḳāya geçer sulṭān daḫi [Yınanç 100]
Bile otāğ u sarāy u maṭbaḫı 20
(5) Anda bir ṣaḥrāya üç günde girür
Ḥükm ider sulṭān cebe anda görür
640 (6) Ālāy ālāy gök demür giymiş ġuzāt
Ṣaf ṣaf olmış oynadurlar cümle āt
(7) Hem zırıhlar hem çūḳāllar çigşeşür 25
Hem Süheyl urūban ātlar kişneşür

176 P ṭovrur, I ṭovrudur. Beide für doğrudur.


177 Variable Schreibweise: eder und ėder.
Düstūr-nāme 91
(Osmanische Primärquellen)

1 Weil der Schah Trapezunt erobert hatte, Eroberung Trapezunts


Zog er von hier nach Rumelien.
Jene Dörfer wurden mit Reichtum gefüllt. 178
Jeder der Feinde im Lande fand [seine angemessene] Strafe.
5 Als der Schah auf jener Seite und der Walache auf dieser Seite [sich befand], 179
Hat er [so viele] Aufstände gemacht, dass erstaunt war, wer sie sah.
Ishak Paşa weilte im Herrschersitz (taht). 180
Er achtete das Wort des Schahs [und] gehorchte seinem Rat. Yunus auf
Gesandtschaft
Der Schah kam und rief den Woiwoden.
10 Danach ging Yunus 181 auf Gesandtschaft. Hamza und Yunus
Märtyrer;
Hamza Beğ und Yunus Beğ wurden zu Märtyrern. V. verheert

[Und] jener Schmutzige verheerte [auch] das Ufer der Donau.


Als das Jahr 866 [erreicht] war, 182
Unternahm der Großherr (padişah) einen heiligen Feldzug gegen jenen.
15 Der Großherr erreichte Nikopolis. Übersetzen der Donau

Das Heer hatte [so viel] Kraft, dass die Erde [es] nicht tragen konnte.
Zunächst überquerte der Paşa 183 die Donau.
Da der Feind kam, machte er sein Gefolge kampfbereit.
Dann setzte der Sultan auf das andere Ufer über
20 Samt seinem Zelt und Gefolge (seray) und seiner Küche.
Hier stieß er in drei Tagen auf ein offenes Feld.
Der Sultan befahl [und] sah dort [nur] Panzer.
Die Scharen der Gotteskämpfer bekleideten glänzende Eisen 184.
Sie reizten ihre in Reihen aufgestellten Pferde.
25 Sowohl [ihre] Panzer als auch Kleider glänzten,
Auch Canopus 185 wieherte die gespornten Pferde.

178 Ein bei Aşık Paşa-zade (→) häufig erscheinender Topos: Die osmanische Eroberung und die
Intervention des Sultans seien das Ende der dekadenten Epoche der Herrschaft der Ungläubigen und
der Anfang einer neuen Ära gewesen, die vor allem durch Harmonie und Reichtum gekennzeichnet
werde. Diese beiden Charakteristika sollen das Hauptattribut des Sultans hervorheben: die
Gerechtigkeit.
179 Mehmed II. befand sich in Trapezunt. Die Bezugnahme auf Anatolien und Rumelien, also auf den
asiatischen und den europäischen Teil des Osmanischen Reiches, kann Hinweise auf die Herkunft
und den Wohnort des Autors oder auf den Entstehungsort des Werkes geben.
180 Ishak Paşa war während des Feldzuges des Sultans in Trapezunt mit der Verteidigung der Hauptstadt
beauftragt. Vgl. Aşık Paşa-zade (→), S. 109: Verteidigung Rumeliens.
181 Bei Chalkokondyles (←), S. 19, wird Katavolinos auf Gesandtschaft geschickt.
182 Das islamische Jahr dauerte vom 6. Oktober 1461 bis zum 25. September 1462.
183 Mahmud Paşa, der Anführer der Vorhut, vgl. Tursun Beğ (→), S. 125.
184 Das Wort „gök“ („himmelblau“, „Himmel“) wurde im übertragenen Sinne übersetzt.
185 Der Stern Canopus.
92 Enveri
(Osmanische Primärquellen)

(8) Orcuñ āltısını ḳılmışdur güzer


Cumʿa gicêsi ḳopar bir şūr u şer
(9) Bir ġıri 186 ḳopdı hem ol~dem nāgehān
Ḳopdı Ānāṭolı’da zār u fiġān 30
(10) Düşmen evvel anda gelmişdi meğer
Cenk ider 187 aʿda aña bulmaz ẓafer
645 (11) Rūm-elinlü üstine ḳıldı hücūm
Bu kez itdi leşker-i İslām hūm
(12) Yol bulımaz ārada ḳaldı ʿaduv 35
Dir ḳamu ḫav ḫav öter bī-ḥad boru
(13) Dün içinde āraya aldı ġuzāt
Altmış biñden biñi buldı necāt
(14) Bilmek isterseñ bu cengi ser~te~ser
Būl Teferrüc-nāme’yi eyle naẓar | [59] 40
(15) Ḳurtılur Vōyvōda çün mecrūḥ olub
Leşkeri ḳırıluban bī-rūḥ olub
650 (16) Subḥ-dem ṭūtġūnlar u leşker gelür
Ṭoldı dīvān gövde cümle ḳatl olur
(17) ʿAzm ider ol gördük ānda çok ḳadīd 45
Ḳāzuġ~ile kim atīḳ ü kim cedīd
(18) Bozu’ya andan daḫi ʿazm eyledük
Anda kāfir çıḳdı bir rezm eyledük

186 ÖZTÜRK: gıriv.


187 Vokalisiert als solches.
Düstūr-nāme 93
(Osmanische Primärquellen)

Am sechsten Fastentag setzte man über das Ufer, Plötzliches


Erscheinen des
Und an einer Freitagsnacht kam [Kampf]lärm auf. 188 Feindes

Dann, plötzlich, kam Geschrei auf [und] Gewimmer und Trauer


30 Kam bei [den Truppen aus] Anatolien auf.
Der Feind kam zuerst dort(hin). 189
Die Feinde kämpf(en) (wie immer) [aber] erring(en) keinen Sieg 190. Walachen kommen
von der Seite der
Die Rumelier unternahmen den Angriff auf ihn, Rumelier

Diesmal schlug das islamische Heer zu.


35 Der Feind fand keinen Ausweg [und] war in Bedrängnis.
Alle Trommeln und unzählige Trompeten ertönten.
Die Gotteskämpfer umzingelten sie in der Nacht. Walachische Verluste

Von 60.000 (sic!) fanden nur 1.000 [ihre] Rettung.


Wenn du [mehr] über diese Schlacht von Anfang bis Ende erfahren willst,
40 Finde Teferrüc-name 191 [und] siehe es dir dort an!
Als der Woiwode entkam und verwundet war,
Wurde sein vernichtetes Heer entseelt. Hinrichtung der
Gefangenen vor dem
Bis zum Morgengrauen kamen Gefangene und das Heer (zurück). divan

Alle wurden getötet und der Versammlungsort (divan) war von Leichen gefüllt. 192
45 Als jener abgezogen war, sahen wir 193 dort viele Leichen
Auf den Pfahl [gezogen], manche alt, manche neu. 194 Ego-Erzählung

Von dort zogen wir dann nach Bozu. 195


Dort kam der Ungläubige heraus [und] wir lieferten eine Schlacht.

188 6. Ramadan 866 H. = Freitag, 4. Juni 1462. Es ist wahrscheinlich, dass der Angriff der Walachen bei
der Überquerung der Donau unternommen wurde, vielleicht während der Nacht, wie weiter erzählt
wird. Dies entspräche Mihajlović (→), S. 367, der von Vlads Versuch berichtet, das osmanische Heer
bei der Überquerung der Donau zu behindern.
189 Vgl. Chalkokondyles (←), S. 31, und Tursun Beğ (→), S. 133: Vlad kam vom Nordosten und stieß
zunächt auf den linken Flügel der Osmanen, also auf das anatolische bzw. asiatische Heer. E. scheint
dabei zwei unterschiedliche Episoden – die Überquerung der Donau und den berühmten
Nachtangriff – miteinander zu verschmelzen.
190 Überlegung des Autors darüber, dass die nicht-muslimischen Heere, trotz ihrer Anstrengungen,
generell (daher Aorist) keine Chance gegen die Glaubenskämpfer haben.
191 „Buch des Vergnügens“; gilt bislang als verloren. Vgl. S. XXXIIf.
192 Vgl. Hinrichtung der Gefangenen vor dem Sultan/divan bei Tursun Beğ (→), S. 131, und Kemal
Paşa-zade (→), S. 249.
193 Nach dem Verweis auf Teferrüc-name scheint E. dieses Werk nicht mehr als Quelle zu verwenden und
greift unmittelbar auf seine Erinnerungen zurück. Diese Ich-Erzählung kann jedoch auch ein
Überrest – was jedoch weniger wahrscheinlich ist – aus seiner Vorlage sein, die er zügig und ohne
genaue Rückschau versifizierte.
194 Diese Stelle scheint sich auf das Feld der Gepfählten in der Nähe von Vlads Hauptstadt zu beziehen.
Vgl. Chalkokondyles (←), S. 35, und Doukas (←), S. 61.
195 Möglicherweise das heutige rumänische Buzău; Identifizierung vorgeschlagen von GUBOGLU: Cronici
turceşti. 1, S. 43, Fn. 51.
94 Enveri
(Osmanische Primärquellen)

(19) Kāfiriñ on bişdi ṣancāğı tamām


Otururken taḫtda şāh-i enām 50
(20) Ġāziler mecmūʿısın vardı ḳırar 196
Bāş u ṭūtġūn ḥadsuz 197 ordūya irer
655 (21)İflāġ 198 ėllerin otuz günde yıḳar
Ḳılıcı odıyla ḫaṣm evin yaḳar
135b (1) Şāh ider ol yire ġayrı Vōyvoda 55
Kim ḳıla sulṭāna tā cizye feda
(2) Yoḳ esīre ṭāvarâ ḥadd ü şümār
Ḳılduġ otuz gün bir ol ėli şikār
(3) Bīrêyīl’e 199 geldi ʿīd eyledi şāh
Edrenê’ye ḳıldı andan ʿazm-i rāh 60

196 ÖZTÜRK: trotz deutlicher Vokalisierung ḳurar gelesen.


197 ÖZTÜRK: ḥadsüz.
198 ÖZTÜRK: Manko im Faksimile.
199 Anmerkung YINANÇ: İbrāyil’e.
Düstūr-nāme 95
(Osmanische Primärquellen)

Der Ungläubige hatte genau 15 Einheiten (sancak200) [bei sich]. Schlacht bei Bozu

50 Als der Schah der Menschheit auf dem Thron saß,


Rückten die Glaubenskämpfer vor und vernichteten sie alle,201
Und brachten zum Heer202 zahllose Gefangene und Köpfe.203
Dreißig Tage lang verheerte er die Gebiete der Walachei. Sultan verweilt einen
Monat in der
Mit dem Feuer des Schwertes hat er die Häuser des Feindes verbrannt. Walachei

55 Der Schah ernannte dort einen anderen Woiwoden, Radu?

Der dem Sultan mehr Kopfsteuer (cizye) zahlte.


Unzählig und ohne Maß [waren] die mitgeführt(en) Sklave(n) und das Vieh.
Dieses Land verheerte er dreißig Tage lang.
Der Schah zog nach Brăila (Byreyl) [und] feierte ein Fest.204
60 Von dort unternahm er die Reise [zurück] nach Adrianopel.

200 Ursprünglich bedeutet sancak „Banner“, bezeichnet aber auch eine territoriale Verwaltungseinheit im
Osmanischen Reich, welche sich aus einer militärisch organisierten Region entwickelt hat. Vgl. R.
GRADEVA: „Administrative system and provincial government in the Central Balkan territories of the
Ottoman Empire, 15th century.“ In: DERS.: Rumeli under the Ottomans, 15th-18th Century. Institutions and
Communities. Istanbul 2004, S. 23-51, insbesondere S. 25-35. Die Reiter aus einer Provinz kämpften
unter dem Banner ihres Gouverneurs (sancak-beğ). Der Autor vergleicht die osmanische Armee mit
Maßeinheiten, die dem Publikum vertraut waren. Die Verwendung des Begriffes „sancak“ kann im
militärischen Sinne dem ungarischen banderium-System entsprechen. Er wird hier im allgemeinen
Sinne verwendet und erlaubt daher keine Rückschlüsse über die Anzahl der Truppen. Der Autor
vergleicht dabei möglicherweise das alttürkische tümen (10.000 Soldaten) mit dem osmanischen sancak.
Vgl. Kemal Paşa-zade (→), S. 239 (15 tümen).
201 Eine weitere Konfrontation in der Nähe von Buzău (vgl. Chalkokondyles (←), S. 35, Fn. 62). Bei den
Osmanen vgl. Kıvami (→), S. 181: Die Truppen, die auf der Suche nach Kazıklı entsandt wurden.
202 Gemeint ist der Großteil des osmanischen Heeres, in dem sich der Sultan selbst befand.
203 Die Anzahl der mitgebrachten Köpfe bestimmte die Höhe der Prämie, die ein Soldat erhielt. Vgl.
Oruc (→), S. 153, sowie Mihajlović (→), S. 365, und den mutmaßlichen Brief Vlads an Matthias
Corvinus vom 11. Februar 1462 (Corpus Draculianum, 1. Bd): „Bald zündeten wir [es] an und
Menschen beiderlei Geschlechts, kleine und große, [...] Türken und Bulgaren, sind getötet worden an
Zahl 23.884, ausgenommen diese, die in Häusern verbrannt sind oder deren Köpfe unseren Beamten
nicht gezeigt wurden.“
204 Gemäß GUBOGLU: Cronici turceşti I, S. 43, Fn. 56 handelt es sich um Bayram, das sogenannte
Zuckerfest, das am Ende des Ramadan gefeiert wird. Für das Jahr 866 H. entspricht es spätestens
Montag, dem 28. Juni 1462.
Mīr ʿAli b. Moẓaffar Ṭusi gen. Maʿāli
( ? - nach 1474/5)

Autor
Alle biographischen Informationen zu Maʿāli (Moʿāli, Muʿāli, Meʿāli) gehen aus seinem
Werk hervor. Er stammte aus der persischen Region Ṭus und trat in den ersten Regie-
rungsjahren Mehmeds II. in den Dienst der Osmanen, nachdem er zwischen 1446 und
1453 die islamischen Länder bereist hatte. Wahrscheinlich wurde er, wie viele andere seiner
Zeitgenossen aus dem persischen Raum, von den Privilegien der Ansiedlungspolitik in das
gerade eroberte Konstantinopel angezogen (1453). Weder Geburts- noch Todesdatum und
auch seine Familie sind nicht bekannt. In seinem Werk berichtet er vor allem über seine
Kontakte mit islamischen Monarchen.

Werk
M.s auf Persisch verfasstes Werk Ḫonkār-nāma (osman. Ḫünkār-nāme = „Das Buch des
Herrschers“) umfasst ca. 5.000 Doppelverse, die meisten davon im motaḳāreb-Versmaß. Es
ist inspiriert von Ferdawsis Šāh-nāma und nur schwer einem bestimmten Genre zuzuordnen.
Faktisch stellt es eine Sammlung von Ereignissen dar, welche ohne besondere Beachtung
der Chronologie durch eine überschwängliche literarische Struktur verbunden werden.
Verfasst im Kontext des Konfliktes mit den Akkoyunlu endet das Werk mit dem
endgültigen Sieg Mehmeds II. gegen Uzun Ḥasan 879 H. (1474/5), woraus die intensive
Fokussierung auf die politischen und militärischen Angelegenheiten in Asien resultiert. Sein
Werk ist dementsprechend aufgebaut. Es umfasst vier Abschnitte: 1. Übersicht über die Er-
oberungen Mehmeds II., darunter auch der Feldzug in die Walachei, 2. Einführung in die
Geschichte der Timuriden und Akkoyunlu, 3. Vorgeschichte der osmanischen Beziehungen
mit den Akkoyunlu, 4. ausführlicher autobiographischer Bericht über die Reisen des Autors
und die jüngsten Ereignisse im Osmanischen Reich.

Quellen: möglicherweise Autopsie

Handschrift
Istanbul, Topkapı Sarayı Müzesi Ktp., Hazine, Nr. 1417: unicum, 183 Bl., 15
Zl., 28x18cm, (17,5x10,5cm), taʿlik.

Editionen: Refet Yalçın BALATA: „Hunkâr-nâma (Tevârîh-i Âl-i ʿOsmân), Mîr Seyyid ʿAlî b.
Muzaffer-i Maʿâlî.“ Istanbul: İstanbul Üniversitesi Edebiyat Fakültesi 1992 (unveröff. Diss.).

Literatur: Robert ANHEGGER: „Muʿâlî’nin Hunkâr-nâmesi.“ In: İstanbul Üniversitesi Edebiyat Fakültesi
Tarih Dergisi 1/1 (1949), S. 145-66; MÉNAGE, 1961, I, S. 147-49.

Nota bene: Der Text wurde aus BALATA, S. 12-13 entnommen.


‫‪98‬‬ ‫‪Maʿāli‬‬
‫‪(Osmanische Primärquellen‬‬

‫ﻓﺘﺢ ﻣﻮرﻩ و ارﻧﻪ وود‬


‫ﺳﺨﻦ در ِ‬ ‫‪1‬‬

‫زﻻت و ﻣﻼﺗﺶ ﺑﺮ آورد دود‬ ‫ﺳﺨﻦ ﮔﻮﱘ از ﻣﻮرﻩ و ارﻧﻪ وود‬


‫ﺑﻔﺘﺢ اﻧﺪر آورد ﺑﯽ اﻧﺘﻈﺎر‬ ‫ﺑﺴﺎل دﮔﺮ ﲣﺘﺴﺖ اﺳﻔﻨﺪﻳﺎر‬
‫ﮔﺮﻓﻨﺘﺪ ﮐﺰاﻳﺸﺎن ﺑﺮ آﻣﺪ ﻓﻐﺎن‬ ‫ﺣﺼﺎر ﻃﺮﺑﺰون ﺑﻄﻮب ﮔﺮان‬
‫اﻧﺎن ﳏﺒﻮب ﺑﺴﯽ ﺑﯽ ﻧﻈﲑ‬ ‫ﺟﻮ ِ‬ ‫ﺴﺨﺮ ﻧﻮﺷﻨﺘﺪ و ﻛﺮدﻧﺪ اﺳﲑ‬‫ﻣ ّ‬ ‫‪5‬‬
‫ﺑﺪ ﻓﱰ ﺑﺮ آورد ِ‬
‫ﳏﻤﻮد ﺧﺎس‬ ‫زﮔﻨﺞ و ﺧﺰاﻳﻦ ﺑﺴﯽ ﺑﯽ ﻗﺎس‬
‫‪10a‬‬ ‫ﻛﻪ از آب ﺧﻮاﻫﺪ ﮔﺬﺷﱳ روان‬ ‫ز اﻓﻼق ﻫﯽ ﻫﻲ ﺑﺮ آﻣﺪ ﭼﻨﺎن‬
‫ﺑﻔﺮﻳ ِﺎد ﺧﻠﻘﺎن رﺳﻴﺪ آن زﻣﺎن‬ ‫ِ‬
‫ﺷﻬﻨﺸﺎﻩ ﻋﺎﻟﯽ ﺟﻨﺎب ﺟﻬﺎن‬
‫دم اﻧﺪر دﻣﻴﺪﻧﺪ ﺑﺴﺮﻧﺎی زر‬ ‫ﺗ ٔﺎﻣﻞ ﻧﮑﺮدﻧﺪ ﺑﺴﺎل دﮔﺮ‬
‫ز ﭼﺸﻢ ﺑﺪاﻧﺪﻳﺶ اﻵﻫﺶ ﭘﻨﺎﻩ‬ ‫ﺑﻠﺸﻜﺮ ﺑﺮ آﻣﺪ ﺷﻬﻨﺸﺎﻩ ﺷﺎﻩ‬ ‫‪10‬‬

‫ﺑ ٔﺎﻣﺮ ﻗﻀﺎ و ﲝﻜﻢ ﻗﺪر‬ ‫ﮔﺬﺷﱳ ﺑﺎﻓﻼق ﺑﺮ ﮔﺸﺘﻪ ﺳﺮ‬


‫ﭘﺮ ﻳﺸﺎن ﺷﺪ از ﻗﻮم واز روز ﮔﺎر‬ ‫ﻫﺰﳝﺖ ﻛﻨﺎن ﮔ ِﱪ ﺑﺎﮐﺮدﻩ ﻛﺎر‬
Ḫonkār-nāma 99
(Osmanische Primärquellen)

1 Eine Rede zur Eroberung von Morea und Albanien

Ich spreche über Morea und Albanien, (darüber,)


Dass er sie völlig zugrunde gerichtet hat. 205
In einem Jahr hat Isfendiyar geherrscht
5 [Und der Sultan] eroberte es in sehr kurzer Zeit.
Die Festung von Trapezunt entglitt aus ihren Händen
Durch einen starken Angriff und [seitdem] begannen sie zu trauern.
Sie verzeichneten viele liebliche,
Edle Jünglinge als Gefangene.
10 Auch unzählbare Schätze und Güter wurden verzeichnet
Durch den hochgestellten 206 Mahmud.
V.s Untaten?
Der Laut “Oh, oh…” war so laut aus der Walachei
Wie wenn die Seele durch das Wasser passiert. 207
Seine Majestät, der König der Könige,
15 Kam, um den Menschen in dieser Zeit zu helfen. 208
Sie haben nicht ein weiteres Jahr gewartet 209
[Und] augenblicklich bliesen sie in die goldenen Hörner [um zum Krieg zu rufen].
Er, der König der Könige, kam zum Heer,
Gott möge ihn vor teuflischen Blicken beschützen.
20 Er kam über die unglückliche (bar-gašte-ye ser) Walachei unter der Führung
Der (unabänderlichen) Vorsehung (ḳaża) und auf Befehl des (wandelbaren)
Schicksals (ḳadar) 210.
Der fliehende einfältige Gabr 211 wurde weggejagt
Sowohl von seinem Volksstamm als auch vom Schicksal.

205 Wörtlich: Dass er aus ihnen Rauch gemacht hat.


206 Dieses Adjektiv bezeichnet eine Person, die dem Herrscher nahe steht.
207 Eine Metapher für den Tod.
208 Es ist unklar, ob dabei die von Kazıklı unterdrückten Bewohner der Walachei (vgl. Chalkokondyles
(←), S. 17) oder die von der Walachei aus gefährdeten Territorien südlich der Donau gemeint sind.
Vgl. Chalkokondyles (←), S. 21, Enveri (←), S. 91, Oruc (←), S. 153 und Aşık Paşa-zade (→), S. 111).
Vgl. nächste Fn.
209 Laut anderen osmanischen Autoren überschritt Vlad die Donau im Winter und bereits im Frühling
brach der Sultan in Richtung der Walachei auf.
210 ‫ ﻗﻀﺎ‬und ‫ﻗﺪر‬. Bei diesen beiden Begriffen handelt es sich um zwei komplexe Themen der islamischen
Philosophie.
211 Diese erniedrigende Bezeichnung bezieht sich üblicherweise auf die Anhänger der Lehre des
Propheten Zarathustra, wird aber auch für die Ungläubigen im Allgemeinen und hier anscheinend
für den Anführer der Walachei verwendet.
‫‪100‬‬ ‫‪Maʿāli‬‬
‫‪(Osmanische Primärquellen‬‬

‫ﺳﺘﺎدﻩ ﻧﻪ ﭘﻴﺪا ﺑﻮد اﻧﺪر آب‬ ‫ﻣﻨﻮرﺷﺪ از آﻓﺘﺎب‬‫ﭼﻮ ﻋﻼﱂ ّ‬


‫ﺑﺰﻧﺎ ِر ﮔﱪى ﺑﺼﺪ ﺟﺎ ﮐﺮﻩ‬ ‫ﺷﻜﺴﺘﻨﺪ ﻛﱪان ﻧﺎ ﺑﻮدﻩ ﺑﻪ)‪(7‬‬

‫ز اﻓﻼق ﺑﻮدﺳﺖ و ﮔﱪى ﭼﻨﺎن‬ ‫ﺑﺪ رﮔﺎ ِﻩ ﻋﺎﱃ ﺟﻨﺎب ﺟﻬﺎن‬ ‫‪15‬‬

‫ﻣﻄﻴﻊ ﺳﮑﺎن در ﺑﺎرﮔﺎﻩ‬ ‫ک راﻩ‬‫ﻣﻼزم ﺷﺐ و روز ﺑﺮ ﺧﺎ ِ‬


‫ﺑﻠﻄﻔﺶ ﺷﻬﻨﺸﺎﻩ ﮔﻔﺘﺎد راى‬ ‫ﺑﺒﻮﺳﻴﺪ آﺳﺘﺎ ِن اﻳﻮان ﺳﺮاى‬
‫ﻣﺸﺮف ﺑﺪرﮔ ِﺎﻩ ﺷﺎﻫﻰ ﺳﺮم‬ ‫درم ﺑﮕﻔﺘﺎ ﻣﻦ از ﺑﻨﺪﮐﺎن‬
‫ﮐﻪ ﻣﺎل اﻣﺎﻧﯽ ﺑﺮ روز ﮔﺎر‬ ‫ﻣﺴﺨﺮ ﻧﻮﺷﺘﻨﺪ و ﻛﺮدﻧﺪ ﻗﺮار‬
‫ّ‬
‫دﻣﺎر از �ﺎدت ﺑﺮ آرم ﳘﺎن‬ ‫ﺑﻴﺎﻳﺪ و ﮔﺮﻧﻪ دﮔﺮ ﳘﭽﻨﺎ ن‬ ‫‪20‬‬

‫دﻋﺎ ﮐﺮد و ﮔﻔﺘﺎ اﻵﻫﺴﺖ ﭘﻨﺎﻩ‬ ‫ﺑﺒﻮﺳﻴﺪ دﺳﺖ ﺷﻬﻨﺸﺎﻩ ﺷﺎﻩ‬


Ḫonkār-nāma 101
(Osmanische Primärquellen)

25 Als die Welt wieder erhellt wurde, wegen des Sohnes,


Wurde niemand im Wasser stehend gesehen [da alle von ihnen getötet worden
waren].
Die Ungläubigen (gabr), deren Tod mehr wert ist als ihr Leben,
Wurden besiegt. Sie hatten 100 Bänder um ihren ungläubigen zonnar 212.
30 Einer der walachischen Ungläubigen 213 stand Tage und Nächte
Radu
Vor der Hofpforte seiner Majestät
Und auf der staubigen Straße [die zum Palast führt],
Gehorsam gegenüber den Hunden des Hofes. 214
Er küsste die Schwelle des Königspalastes
35 [Und] der König der Könige sagte zu ihm „Komm herein!“
Er sagte „Ich bin einer deiner Sklaven und mein Kopf ist geehrt,
Zu deiner Torpforte erhoben zu sein.“
Sie schrieben es nieder und es wurde bestimmt,
Dass er zu jeder Zeit eine Bußesteuer (māl-e āmāni) 215 [an den königlichen Hof]
40 senden solle,
Sonst wäre dieselbe Bestrafung
Wiederum [für ihn] zu erwarten. 216
(Dann) küsste er die Hand des Königs der Könige
Und huldigte ihm und sagte, dass Allah sein Beschützer ist.

212 Ein zonnār (‫ )زﻧﺎر‬war ein Band, das Zoroastrier um ihre Hüften banden, um von den Muslimen
unterschieden werden zu können. „100 Bänder auf einem zonnār“ ist eine Metapher, um das
Beharren der Ungläubigen auf ihren Unglauben zu betonen.
213 Radu, der Bruder Vlads.
214 Der Dichter intensiviert hiermit die Ergebenheit und niedrige Stellung Radus.
215 Hier ist in einer euphemistischen Formulierung der Tribut (harac) gemeint. Der Autor gibt dabei die
etymologische und islamische rechtliche Bedeutung des Begriffes harac wieder: Entgelt (mal) für die
Verzeihung (aman). Zur aman-Verleihung vgl. Aşık Paşa-zade (→), Fn. 316.
216 Damit ist der Tribut (harac) gemeint, dessen regelmäßige Einzahlung den Erhalt der Herrschaft
garantierte.
Āşıḳ Pāşā-zāde
(1400217 - nach 1491)

Autor
Der allgemein als ʿĀşıḳ Pāşā-zāde bekannte osmanische Chronist wurde von seinen Zeit-
genossen auch Aḥmed ʿĀşıḳi oder Aḥmed Pāşā-Sohn (je nach der verwendeten Sprache
Aḥmed Pāşā-oğlu oder Veled-i Aḥmed Pāşa) genannt. Die meisten biographischen Infor-
mationen entnehmen wir seinem Werk, einige aber auch verschiedenen offiziellen
Registern. Im anatolischen Amasya geboren, einem Derwischdorf, gehörte er zu einer
weithin bekannten Familie von Derwischen (ʿāşıḳi) und verbrachte seine gesamte Jugend in
ihren Kreisen. Bereits in dieser Zeit pflegte er Beziehungen zum Milieu um den Sultanshof
und diente später allen osmanischen Herrschern bis Bayezid II. (1481-1512). Seine
finanzielle Lage schien – trotz der Klagen in seinem Werk, welche wahrscheinlich zur
Stimulierung einer Belohnung dienen sollten – gesichert gewesen zu sein, da er häufig von
großzügigen und reichen Beschenkungen erzählt. Verschiedene Register belegen, dass er
drei Häuser und ein Geschäft in Istanbul besaß. Sie deuten überdies darauf hin, dass Aşp.
nicht nur reich, sondern in Derwischen- und Hofkreisen auch sehr bekannt war. Lange
nach seinem Tod traten Personen auf, die sich in ihrer Abstammung auf ihn beriefen.
Aşp. scheint ein sehr bekannter Geschichtenerzähler seiner Zeit gewesen zu sein. Diese
Tätigkeit wurde von seinen Kontakten zu wichtigen Bewahrern der Volkstraditionen
unterstützt, zu denen letztlich auch er gehörte. Laut seiner Aussagen entschied er sich in
sehr hohem Alter – etwa neunzigjährig – nach Anregung seines Freundeskreises diese Tra-
ditionen schriftlich zu fixieren.

Werk
Aşp.s Werk Menākib ü Tevārīḫ-i Āl-i ʿOṡmān („Denkwürdigkeiten und Geschichten des
Hauses Osman“) gehört zu dem damals weit verbreiteten Genre der menākib (entsprechend
der abendländischen gestae). Seine volkstümliche türkische Sprache, die schmucklose,
stilistisch anspruchslose Formulierung, der begrenzte und sich wiederholende Wortschatz,
die Fragmentierung der Erzählung in unterschiedliche Episoden oder Kleinerzählungen (=
Anekdoten) sowie die direkte Anrede des Lesers sind deutliche Hinweise, dass es auf
öffentlichen Plätzen und mit entsprechenden theatralischen Gesten rezitiert wurde. Auch
die erheblichen Unterschiede zwischen den von Aşp. erhaltenen Hss. deuten auf diese Ora-
lität der ursprünglichen literarischen Intentionalität. Das Phänomen ist etwa vergleichbar
zur anonymen Reihe der Tevārīḫ-i Āl-i ʿOṡmān (→) und gibt Anlass zur Hypothese, dass die-
ser Reihe sogar Bearbeitungen aus Aşp.s Werk angehören. Die verschiedenen Fassungen
des Werkes – wobei unklar bleibt, ob Aşp. selbst sein Werk überarbeitet hat – sind inhalt-
lich sehr unterschiedlich zu datieren: Aufgrund der negativen Darstellung bestimmter Per-
sonen (z.B. der Çandarlı-Familie oder des Großwesirs Mahmud Paşa), welche in der

217 Inalcık plädiert für 795 H./1393-4, andere Forscher allgemein für ca. 1400.
104 ʿĀşık Pāşā-zāde
(Osmanische Primärquellen)

Regierungszeit Bayezids II. rehabilitiert wurden, 218 ist es wahrscheinlich, dass die älteste
Fassung aus den letzten Jahren Mehmeds II. (1451-1481) stammt. 219
Mit der Regierungszeit Murāds II. (1421-1451) wird die Erzählung frischer und genauer.
Das ist ein Anzeichen dafür, dass diese mündlich übertragenen und im Volk zirkulierenden
Traditionen durch eigene Autopsie, offizielle Dokumente oder die oft erwähnten Hof-
almanache und –kalender ergänzt beziehungsweise korrigiert wurden. Der Autor selbst
behauptet, dass er an allen Feldzügen (ġāzā) Murads teilgenommen habe. Wenn diese Infor-
mation korrekt ist, dann ist es wahrscheinlich, dass er auch unter seinem Nachfolger
Mehmed II. ähnlich aktiv war und die Umstände der Strafaktion gegen Kazıklı Voyvoda sehr
gut kannte. Er liefert bei dieser Gelegenheit Details, die kein anderer Autor bietet. Seine
direkte Teilnahme scheint aber unwahrscheinlich, weil seine Narration eher auf die Kausa-
lität und weniger auf den Verlauf der Intervention in der Walachei fokussiert.
Trotz seiner wenig eleganten Sprache wurde Aşp. sehr stark von späteren Autoren rezipiert
und somit rasch zu einem Klassiker.

Ideologisches Profil
Aşp. ist ein Repräsentant der konservativen Kreise im Osmanenreich: zum einem der
Derwische, deren vaḳf in der Zeit Mehmeds II. konfisziert worden waren und zum anderen
der alten Militäraristokratie, die sich durch die Bürokratisierung und somit die
Überfremdung des Reiches bedroht fühlte. Die Derwische erscheinen immer wieder, insbe-
sondere in den Erzählungen zur älteren Zeit, und sakralisieren mit ihrer Präsenz das Um-
feld der osmanischen Herrscher und bekräftigen somit deren politische Entscheidungen.
Ihre enge Bindung an die osmanische Gründungsgeschichte und die Inszenierung des
Derwischs Ede Bali 220, ein historischer ḫalīfa aus dem Wafa’iyya-Orden des Autors, sollten
ihre Ansprüche während der Restaurationszeit Bayezids II. im Rahmen einer Viktimi-
sierungskampagne bekräftigen. Es wurde des Weiteren behauptet, dies sei der persönliche
Beitrag des Aşp., denn der Autor selbst wurde durch die Verstaatlichungen Mehmeds II.
benachteiligt und musste für seine Güter in Istanbul Miete (muḳata’a) bezahlen 221. Ebenso
können diese Tatsachen entweder über die Bewahrer und Überlieferer dieser Traditionen
oder die Kreise berichten, in denen solche Geschichten erzählt wurden. Die ständigen
Bemühungen Aşp.s, die Osmanen als unentwegte Führer des heiligen Krieges darzustellen,
könnten auf eine religiöse Neigung des vorliegenden Werkes hindeuten. Jedoch zeigt eine

218 Vgl. Neşri (→), INALCIK: „How to read ʿĀshık Pasha -zāde“, S. 144f. und MÉNAGE: Nešri, S. 10-11.
Für einen historischen Überblick der Periode vgl. Imber: Structure of Power, S. 37-40.
219 Neşri (→) scheint eine Revidierung des Werkes des Aşp. vorgenommen zu haben, die der Politik
Bayezids II. entsprochen hat. Aşp. hatte für eine Überarbeitung wahrscheinlich keine Zeit mehr
wegen seines Alters, oder seine Kopisten waren dafür zu ungeschickt.
220 Zu dieser Inszenierung vgl. INALCIK: „How to read ʿĀshık Pasha-zāde“, S. 152-156.
221 Dafür wurde allerdings Rum Mehmed Paşa, der Großwesir und Feind Mahmud Paşas,
verantwortlich gemacht und nicht direkt der Sultan.
Menākib ü Tevārīḫ-i Āl-i ʿOṡmān 105
(Osmanische Primärquellen)

quantitative Evaluation der aufgeführten Episoden eine Überzahl der Heldenerzählun-


gen 222.
Die Kritik am Sultan 223 geschieht indirekt durch die Idealisierung sowohl der Vergangen-
heit als auch der ersten drei osmanischen Anführer sowie durch den Vergleich mit der
zeitgenössischen Dekadenz, die eine Nachwirkung des Eindringens fremder Beamter sei,
wodurch die alte Aristokratie in die politische Peripherie verschoben wurde.
Die Episode über Kazıklı Voyvoda ist jedoch, aus diesen Perspektiven betrachtet, eher neutral
und fokussiert prioritär auf die Kausalität der Konfliktentstehung. Sie stellt sich weder als
Helden-, noch als Heilsgeschichte mit Derwischen dar, sondern bildet eher eine volkstüm-
liche Rezipierung und die rudimentär literarische Artikulierung zeitgenössischer Ereignisse.
Die Glorifizierung des Eigenen und die Verfluchung der Feinde sowie die Verwendung
mancher religiös-politisch korrekter Begriffe wie etwa ġazi/ġāza waren im zeitgenössischen
literarischen Kontext keineswegs ungewöhnlich.

Quellen: eine heute verlorene osmanische Quelle; Autopsie, mündliche Erzählungen,


Hofkalender und –almanache

Handschriften
Vollständig:
1. Codex Upsaliensis, Universitätsbibl. Upsala (U), Nr. 279: 317 Bl., 11 Zl.,
sorgfältiges nesih (TORNBERG: Catal., S.194).
2. Codex Mordtmann (M), Abschrift von A.D. Mordtmann (1859) nach einer heute
verlorenen Hs.: vielleicht Süleymaniye Ktp, Yazma Bagislar Nr. 4954: 178 Seiten, Zl.
variabel, kariertes Papier, 32,5x21cm, (26x12,8cm, rika, undatiert, Kopie aus dem 19.
Jh. [bis heute die beste Hs.].
3. Berlin, Preußische Staatsbibl. (B), Ms. Or. 2448.
4. Codex Dresdensis, Sächs. Landesbibl. (D), cod. turc. Nr. 60: f. 1-101, nesih,
974 H. (1566), teilweise unvollständig (FLEISCHER, S. 8).
5. Codex Dietrichstein (Dt), Dietrichstein Fideikommissbibl. auf Schloss
Nikolsburg (Mähren): bis zum Jahr 897 H. (1492) (FORRER, MOG 1, S. 76).
6. Codex Vaticanus, Biblioteca Vaticana (V), Nr. 30: Prachtexemplar der Königin
Christine, 307 Bl., 14 Zl., Istanbul: rebi' I - rebi' II 997 H. (1589), Kātib Musṭāfa
(HORN, S. 47, Nr. 49).
7. Wien, Nationalbibl., Nr. 986: Hs. des Neşri, 250 Bl., 17x14cm, 15 Zl., nesih
(FLUGEL: II, S. 209-210).
8. Istanbul, Müze-yi Hümayun, Nr. 1405: 530 Seiten, 13 Zl., nesih, bis zum Jahr
908 H. (1502) (FORRER: Handschriften, S. 175).
9. Paris, Bibl. Nationale, Cod. Par. Turc. 118 (WITTEK: MOG II, S. 151).
10. Cairo, Azhar Moschee, Rivaqü'l Etrak, Nr. 3732: Großformat, vollständig
vokalisiert, bis zum Jahre 900 H. (1494/5) (SCHACHT, Nr. 88).
11. Kilisi Rıʿfat (Türk Yurdu 5, Nr. 28 (1927), S. 383) [Standort nicht mehr bekannt]

222 Vgl. Adrian GHEORGHE: „Zerstörung und Umwandlung von Kirchen zu Moscheen in der
frühosmanischen Geschichtsschreibung (XV. Jhd.). Eine selektive Quellenevaluation.“ In: INTER.
Romanian Review for Theological and Religious Studies 3-5 (2009-2011).
223 Es stellt sich die Frage, ob es sich um Überarbeitungen aus der Zeit Bayezids II. handelte: Ist der
Erfolg Neşris (→) dadurch erklärbar, dass er die endgültige und politisch korrekteste Version lieferte?
106 ʿĀşık Pāşā-zāde
(Osmanische Primärquellen)

Bruchstücke:
12. Oxford Bodlerian Library, (O), Nr. 2049: 17 Bl., 18-21 Zl. nastaʿlik, nur
Herrschaft Osmans.
13. Wien, Nationalbibl. (W), Nr. 982: 20 Bl., 17 Zl., dīvāni, bis 726 H. (1325) (FLÜGEL:
II, S. 206).
14. Paris, Bibl. Nationale (P), cod. reg. Nr. 101: 50-60 Seiten (WITTEK: MOG II, S.
147).

Für heute verschollene oder unbekannte Hss. vgl. BABINGER: GOW, S. 37; GIESE: Die altosm. Chronik,
Einleitung.

? 224

M D

U ? ?

Dt V O M P

Auszüge: GUBLOGLU: Cronici turceşti I, S. 83-105 [nur rumän. Übers.]; Kurt W. TREPTOW (Hg.):
Essays on the life and times of Vlad Ţepeş. New York 1191, S. 302-303 [engl. Übersetzung nach Guboglu];
DERS: Vlad III Dracula. Iaşi 2000, S. 196-198 [dieselbe engl. Übers.].

Editionen: ʿALI BEY: Tevārih-i ʿal-i ʿOsmān. Istanbul 1332 H. (=1913) [Nachdr.: ʿĀshiqpashazādeh
taʾrīkhī. A history of the Ottoman Empire to A. H. 883 (AD 1478). Farnborough 1970]; Friedrich GIESE: Die
altosmanische Chronik des ʿĀšıkpašazāde, Leipzig 1927; C. N. ATSIZ: Osmanlı Tarihleri, I. Istambul 1949;
Kemal YAVUZ, u. M. A. Yekta Saraç: Osmanoğulları’nın Tarihi. Istanbul 20031, 20082; Cemil ÇIFTÇI:
Âşık Paşazâde Tarihi. Istanbul 2008.

Übersetzungen: N. ATSIZ: Âşık Paşa-oğlu Tarihi. Istambul 19701, 19922; DERS.: Âşıkpaşaoğlu tarihi.
Ankara 1985; Richard KREUTEL: Vom Hirtenzelt zur Hohen Pforte. Frühzeit und Aufstieg des Osmanenreiches
nach der Chronik ‘Denkwürdigkeiten und Zeitläufe des Hauses Osman’ von Derwisch Ahmed, genannt ʿAşık-Paşa-Sohn.
Graz, Wien, Köln 1959.

Literatur: Ludwig FORRER: „Eine neue ʿĀšiqpašazāde-Handschrift.“ In: MOG 1, S. 76; Friedrich
GIESE: Die Verschiedenen Textrezensionen des ʿĀšiqpašazāde bei seinen Nachfolgern und Ausschreibungen. Ein
Literaturgeschichtlicher Beitrag zur frühosmanischen Geschichtsschreibung. Berlin 1936 [Einzelausgabe]; DERS.:
„Neues zu ‚ʿĀšiqpašazāde‘.“ In: MOG 2, S. 147ff; F. BABINGER: ebenda, 2, S. 315ff.; DERS.: „Wann

224 Die Forschung benötigt weiterhin eine nach aktuellem Stand erarbeitete Edition des Werkes des Aşp.
Aus diesem Grund fehlt bislang eine klare Darstellung des Verhältnisses zwischen den vorhandenen
Handschriften. Das vorliegende Schema wurde aufgrund der Anmerkungen in GIESEs Ausgabe
aufgebaut. Vgl. Einleitung zu KREUTEL und die Beiträge von INALCIK und MÉNAGE.
Menākib ü Tevārīḫ-i Āl-i ʿOṡmān 107
(Osmanische Primärquellen)

starb ʿAšyqpašazade?“ In: OM 3, S. 84; H. J. KISSLING: Die Sprache des Aşıkpaşazade. Breslau 1936; M.
S. ÜLKÜTAŞIR: „Aşık paşazade.“ In: Ülkü 9 (1947), S. 14-15; Halil INALCIK: „How to read ʿĀshik
Pasha-Zāde’s History.” In: Studies in Ottoman History in Honour of Professor V.L. Ménage (ed. Colin
HEYWOOD and Colin IMBER). Istanbul 1994, S. 140-156 [Nachdr. in Halil INALCIK: Essays in Ottoman
History. Istanbul 1996, S. 31-50; türk. Fassung: „Aşıkapaşazade Tarihi Nasıl Okunmalı?“ In: Söğüt’ten
İstanbul’a Osmanl ı Devleti’nin Kuruluşu Üzerine Tartışmalar. Ankara 2000, S. 119-145.]; Gisela
PROCHÂZKA-EISL: „Die lyrischen Einschübe in der altosmanischen Chronik des Âşıkpaşazâde.“ In:
Osmanlı Araştırmaları 15 (1995), S. 94-122; Elif DULGER: „Âşık Paşazâde’nin ‘Tevârih-i Âl-i Osmân’
Adlı Eserine Göre Türklerde Yer Adı Verme Geleneği.“ In: Turkish Studies - International Periodical for the
Languages, Literature and History of Turkish or Turkic 6 (Sommer 2011), S.1653-1662.

Nota bene: Die vorliegende Transliteration folgt GIESE, die Übersetzung basiert auf KREUTEL. Um die
erheblichen Unterschiede zwischen den Hss. zu exemplifizieren, wurde Giese mit der neuesten Edition von
YAVUZ/SERAC abgeglichen. ALIs Edition wurde dabei nicht berücksichtigt.
108 ʿĀşık Pāşā-zāde
(Osmanische Primärquellen)

BĀB 136
Bu bāb ānı beyān ėder~kim Meḥmed Ḫān Ġāzi Eflāḳ’a ne ṣūretle geçdi ve 1
anda nʿeyledi

Añla imdi ėy ʿazīz!


Ol~dem~kim seferden İstanbūl’a geldi, bu ṭarafda İsḥāḳ Pāşā’yı daḫi Rūm-ili’ne ḳomışlardı,
295v İsḥāḳ Pāşa daḫi 225 İstanbūl’a geldi. Eṭrāfuñ elçileri gelmeğe başladı. Eflāḳ Beğ’inden elçi 5
geldi. Ėlçisine | gerü 226 elçi ḳoşdılar. Ėflāḳ Beğ’ini Ḳāpū’ya [Giese 155] uḳdılar 227. Elçi
vardı, risāletini Eflāḳ Beğ’ine vardi 228. Vāran elçiye cevāb virdi~kim: „Bu benüm bu 229
vilāyetüm baña ṭōġrı degüllerdür; eger ben memleketden çıḳub anda varursam Üngürüz’i
getürürler, bu vilāyeti aña vėrürler. Ve illa pādişāhdan ümīẕüm būdur kim uç beğlerinden
birini berü 230 ṣu kenārına göndüre; ol gelen uç beği bu vilāyeti bekleye, ben sulṭānumuñ 231 10
296r devletlü işiğine yüz süriyūvāram.“ dėdi.
Ḫūndkār~da bu 232 kāfirüñ 233 sözine | iʿtimād ėtdi 234; Çaḳırcıbāşı Ḥamza Beğ’i göndürdi;
Tūnā’ya 235 vārdi, kondı 236. Kenārında 237 ol ḥīnde 238 ṭoñmışdı 239. Bu 240 ṭarafda ġāfil
müsülmānlar 241 kendü ḥāllaruna meşġūl otūrurlardı. Ṭūna ḫōd ġāytde 242 ṭoñmışdı. Ol 243
melʿūn ḥarām-zāde Eflāḳ Beğ’i 244 | tamām nıṣf-i leylde Ḥamza Beğ’ūñ üzerine daḫi 245 15
şebihūn ėyledi.

225 YAVUZ/SERAC: danach soñra.


226 Fehlt bei YAVUZ/SERAC.
227 YAVUZ/SERAC: ḳırgırlar.
228 YAVUZ/SERAC: yitişdürdi.
229 Fehlt bei YAVUZ/SERAC.
230 so M; U bāri.
231 YAVUZ/SERAC: devletlü sulṭānumuñ.
232 YAVUZ/SERAC: bunuñ.
233 YAVUZ/SERAC: bunun.
234 YAVUZ/SERAC: ėdüp; danach uç-beglerinden.
235 M D1 Tūna daḫi statt Tūna’ya bis kenārından.
236 YAVUZ/SERAC: ḫayli Müsülmānlarla bile Çakırcıbaşı varub Tūna kenārına kondı.
237 Fehlt bei YAVUZ/SERAC.
238 YAVUZ/SERAC: Tūna hinzugefügt.
239 Danach bei YAVUZ/SERAC: Zīrā kim kışd ı. Öte ṭarafdan Eflāḳ Beğ’i daḫi Tūna kenārına geldi, kondı. Bu
ṭarafda Müsülmānlar gāfil-idi, kendü hāllarındayıdı.
240 M D1 Çaḳırcıbāşı vardı Tuna kenārına ḳonub oturdı; Eflāḳ Beğ’i daḫi ṣu kenārına geldi; ḳondı. Būnlar bu.
241 M idi; D1 C vac.
242 Fehlt bei YAVUZ/SERAC.
243 M vac bis ḥarām-zāde.
244 Danach bei YAVUZ/SERAC: ol melʿūn hīle ėder-imiş, maksūdı ḳapuya | gelmek değülmiş.
245 Fehlt bei YAVUZ/SERAC.
Menākib ü Tevārīḫ-i Āl-i ʿOṡmān 109
(Osmanische Primärquellen)

Kapitel 136 246


1 Dieses Kapitel berichtet (darüber), wie Mehmed Han Gazi in die Walachei zog
und was er dort tat

Höre nun zu, mein Teurer: 247


Zu der Zeit, als [der Großherr] vom Feldzug [gegen Trapezunt] nach Istanbul zurückkehrte, Rückkehr und
Beglückwünschung
5 kam auch Ishak Paşa, der auf dieser Seite in Rumelien eingesetzt war, nach Istanbul. des Sultans; V.s Bote

Es fing an, von [allen] Seiten Gesandte einzutreffen. [Auch] vom Fürsten (beğ) der Walachei
kam ein Gesandter. Seinem Gesandten gab man einen Gesandten zur Seite mit. Er lud den Sultan lädt V. zur
Pforte ein
Fürsten der Walachei an die Pforte. Der Gesandte kam an [und auch] seine Botschaft für
den Fürsten der Walachei kam an. Dem angekommenen Gesandten gab [der Fürst]
10 folgende Antwort und sagte: „Dieses mein Land ist mir nicht treu. Wenn ich aber mein V. entschuldigt sich
und verlangt Schutz
Land verlasse, dann holen sie 248 den Ungarn 249 [und] sie (über)geben jenem dieses Land. Ich
bitte jedoch den Großherrn, dass er einen seiner Grenzkommandanten (uc beğ) 250 an dieses
Ufer des Stromes schicken möge. Jener Grenzkommandant, der ankommt, möge dieses
Land bewachen [und indessen] will ich mein Antlitz auf die erhabene Schwelle meines
15 Sultans legen.“
Der Hundkār 251 seinerseits schenkte den Worten dieses Ungläubigen Vertrauen [und] sandte Sultan sendet Hamza

den Falkenmeister (çakırcı-başı) 252 Hamza Beğ (hin). [Dieser] gelangte zur Donau [und] Winterzeit

schlug [dort sein] Lager auf 253. Damals war [die Donau] an ihr[en] Ufer[n] gefroren. 254 Auf Muslime warten
sorglos am Ufer der
dieser 255 Seite [der Donau] waren die Muslime achtlos [und] waren mit eigenen Donau

20 Angelegenheiten beschäftigt. Die Donau war völlig zugefroren. Jener verfluchte Bastard, der
Fürst der Walachei, unternahm dann genau mitternachts einen Nachtangriff auf den Hamza Nachtangriff

Beğ.

246 Kapitelnummerierung nach Giese, der sich nach einer von ihm verwendeten Hs. orientierte. Es ist
nicht nachweisbar, ob diese Nummerierung auch bei den früheren Handschriften angewendet wurde.
247 Vgl. Einleitung: ein Beispiel der Oralität bei Aşp. Vgl. INALCIK: „How to read ʿĀshık Pasha-zāde.“
248 Die häufig chaotische Verwendung der Pronomina erschwert das Textverständnis des Aşp., da oft
unklar bleibt, auf wen sich diese beziehen. In der vorliegenden Textstelle können jedoch anhand
anderer Autoren die walachischen Eliten identifiziert werden.
249 Der ungarische König. Ethnonyme im Singular bezeichnen in osmanischen Chroniken den
Landesherrscher, der wiederum mit dem Objekt seiner Herrschaft, dem Land, identifiziert wird.
250 Meistens Akıncı-Führer.
251 Eine Ehrenbezeichnung des Sultans, ebenso wie padişah (pers.).
252 Es handelt sich um einen Rang in der osmanischen Verwaltung und Armee.
253 Auch mit „sich niederlassen“ übersetzbar. Dennoch wurde das Verb hier als militärischer terminus
technicus und die Übersetzung „Lager aufschlagen, haltmachen“ bevorzugt. Aus dem Verb „konmak“
stammt das Substantiv „konak“, das die Pause nach eine Marschetappe (menzil) bezeichnet. Vgl.
Tursun Beğ (→), Fn. 359.
254 In der Hs. von YAVUZ/SERAC folgt darauf: „Auch der Fürst der Walachei gelangte von der anderen
Seite [des Stromes] aus zum Uffer der Donau und schlug sein Lager auf.“
255 Hamza scheint die Donau nicht überquert zu haben als die folgenden Ereignisse eintrafen. Dies
erklärt die Verwendung der Nahform des Demonstrativpronomens (bu) anstatt der Fernform (ol) und
warum Ḳāzıḳlı das umliegende Gebiet verheerte. Diese Stelle und der Kapitelanfang, als berichtet
wird, dass Ishak Paşa „auf dieser Seite in Rumelien eingesetzt war“, belegen, dass Aşp. zumindest
während der Abfassung des Textes in Rumelien ansässig war, womöglich seit längerer Zeit.
110 ʿĀşık Pāşā-zāde
(Osmanische Primärquellen)

Ḫayli müsülmānları helāk ėyledi ve256 Ḥamza Beğ’i ṭutdı257 ve bir ḳaç yirden daḫi kāfir258
296v geçürdi. Eṭrāfa seğirdi259 ol vilāyetde, çōḳ260 helāklikler ėtdiler. Ḥamza Beğ’ūñ bāşını kesdi261
| ve bu262 niçe müsülmānlar263 baş-ile264 bile Üngürüz’üñ ḳırālına göndürdiler itdi265 kim
“Ben Türkle266 düşmān267 oldum.” didi. Cemīʿi kāfir268 beğleri bu kāfiri pādişāha ʿadū-yi269 20
bālıẕān bilüb anāndılar270. [Yavuz/Serac 437] [Ali 162]
[C 162]
Ne ḥīle ėtdi Voyvoda Ḳazıḳlu
Necis ü murdār u laʿnet azıḳlu
Dıraḳūla-oğlı ol bed-baḫt murdār271
Ḳırār dimez ṡevāblūdur yāzuḳlu 25

BĀB 137
Bu bāb ānı beyān ėder kim sulṭān el-mucāhiddīn sulṭān Meḥmed Ḫān-i Ġāzi
Eflāḳ’a ne ṣūretle geçdi ve hem ol vilāyeti Ḳāzıḳlu’nuñ ḳarındaşına vėrdi

Pādişāh272 bildi kim ol | melʿūn kāfirüñ bunuñ gibi ḥileleri vardır273. Pādişāh daḫi
297r leşkerün274 cemʿ ėdüb niyyet-i ġaza deyüb yürürdi275; hücūm ėdüb276, Tūna geçdi277; vilāyet-
i Ėflāḳ’a girdi. Cemīʿ Ėflāḳ’uñ vilāyeti ḫalḳı gelüb ṭāpdı278; pādişāha muṭīʿ ve münḳād 30
oldılar ve279 Ḳāzıḳlu Voyvoda belürsüz oldı.

256 Der ganze Satz fehlt bei YAVUZ/SERAC.


257 Danach bei YAVUZ/SERAC: Müsülmānlardan hayli adamlar hasāret ėtdi.
258 YAVUZ/SERAC: küffār.
259 eṭrāfa segirdi nur U; fehlt bei Yavuz/Serac.
260 YAVUZ/SERAC: mübalağa.
261 U vac.
262 ve bu fehlt bei YAVUZ/SERAC.
263 YAVUZ/SERAC: müsülmānlaruñ.
264 Fehlt bei YAVUZ/SERAC.
265 YAVUZ/SERAC: einfach göndürdi statt göndürdiler ėtdi.
266 YAVUZ/SERAC: Türklere.
267 YAVUZ/SERAC: ʿadu statt düşman.
268 YAVUZ/SERAC: küffār.
269 M D1 C yāġı statt ʿadū-yi bālıẕān.
270 YAVUZ/SERAC: ʿadu bildiler.
271 YAVUZ/SERAC: mundār.
272 Davor Çünki bei YAVUZ/SERAC.
273 YAVUZ/SERAC: var ve hīle ėtdi.
274 YAVUZ/SERAC: İslām leşkerin.
275 YAVUZ/SERAC: ġaza ėdüb.
276 YAVUZ/SERAC: hücūm-ılan yürüdi.
277 YAVUZ/SERAC: Tuna suyını geçüb.
278 YAVUZ/SERAC: vilāyet-i Eflāḳ’uñ ḫalḳı geldiler.
279 YAVUZ/SERAC: bu dazu.
Menākib ü Tevārīḫ-i Āl-i ʿOṡmān 111
(Osmanische Primärquellen)

Er erschlug eine Menge Muslime und fasste den Hamza Beğ und setzte dann von einigen V. überquert die
Donau und verheert
Stellen 280 Ungläubige über. Er 281 zerriss die Gebiete und sie 282 taten jener Provinz viele
25 Mordtaten an. Er schlug dem Hamza Beğ den Kopf ab und sandte diese Menge 283 Muslime Kopf Hamzas an
Ungarn gesandt; V.s
mit [seinem] Kopf zum König von Ungarn [und] sagte folgendes: „Ich wurde dem Türken Kriegserklärung

Feind.“ Alle Fürsten der Ungläubigen wussten nun, dass dieser Ungläubige ein Feind des
Großherrn war und vertrauten ihm.

Welch Hinterlist hat der Pfahlfürst (Kazıklı) getrieben!


30 Dieser dreckige und schmutzige und verfluchte Rebell,
Dieser verdammte Schmutzige Drakulaoğlu
Zerstört (immer wieder) [und] sagt nicht, [ob es] gut [oder] verboten ist. 284

Kapitel 137
Dieses Kapitel berichtet (darüber), wie Sultan Mehmed Han Gazi, der Sultan
der Glaubensstreiter (el-mucahiddin) gegen die Walachei zog und wie (er)
35 dieses Land dem Bruder des Kazıklı (über)gab
Sammlung des
Der Großherr wusste, welche Ränke dieser verfluchte Ungläubige schmiedete. Der Heeres
Großherr zog dann sein Heer zusammen und, indem er marschierte und die Absicht des Sultan zieht mit
großer Streitmacht
Glaubenskampfes nannte, 285 stürmte er (voran), überquerte die Donau [und] drang in die zur Donau
Walachei ein. Die gesamte Bevölkerung des walachischen Landes (vilāyet) 286 kam herbei und
40 huldigte [dem Großherrn]; [die Einwohner] machten sich gefügig und unterwürfig und der V. verbirgt sich
Kazıklı Voyvoda war [aber] nicht aufzufinden.

280 Vgl. Oruc (→), S. 153: 6 Stellen: Nikopolis, Ruse, Tutrakan, Silistra, Hârşova und Isaccea.
281 Kazıklı.
282 Kazıklıs Krieger.
283 Mit „Menge“ ist möglicherweise gemeint, dass er zahlreiche abgeschnittene Körperteile an den
ungarischen König sandte, um seinen militärischen Erfolg zu belegen. Vgl. Oruc (→), S. 153: Nasen
und Ohren.
284 Aşp. und andere osmanische Autoren betonen die mangelhafte Werteordnung der Feinde, während
die Osmanen stets als Bewahrer der Ordnung dargestellt werden.
285 Im religiös konformen Sinne: Bevor ein islamischer Führer tätig wird, muss er die Absicht (arab. niya)
zeigen, diese auf dem Pfade Gottes (arab. fi sabili ’llahi), also im Rahmen des Glaubenskampfes
(arab. ǧihad) zu führen. Vgl. Alfred MORABIA: Le Ğihâd dans l’Islâm médiéval. “Le combat sacré” des origines
au XIIe siècle. Paris 1993, S. 255-261.
286 Zur politischen Bedeutung des Begriffes vgl. Fn. 318.
112 ʿĀşık Pāşā-zāde
(Osmanische Primärquellen)

Pādişāh biraz~kim287 vilāyet-i Ėflāḳ’da yürüdi. Nāgāh bir gėce bir ṭarafdan bir ġulu belürdi.
297v Hemān pādişāhuñ ġāzi ḳūlları hāżırlardı; gördiler~kim, gelen288 ġulu ol289 melʿūn
Ḳāzıḳlū’nuñ leşkerdi290; kendü bile yaʿni kim | şebḫūn idi. Ġāziler daḫi ḥareket ėtdiler;
ḳodılar ta291 ordıya yaḳın geldi, ta kim tamām292 arālığa girdi. Ġāziler~de tekribīr getürüb293 35
şöyle ḳırdılar kim [Giese 156] gelen kāfirüñ294 yarūsı ḳurtılamadı. El-ḥāṣılı gulām295 ṣabāḥa
değin küffārı ḳırdılar ve Ḳazıḳlu Voyvoda yāşni296 gücle ḳurtardı. Ṣabāḥ olıcaḳ297, ʿAlī Beğ’i
ardınca göndürdiler. Ve ol leşker~kim Ḳāzıḳlu ile298 gelmişlerdi, anlar kim299 vilāyetüñ sipāhi
kāfirleri idi300, cemʿ olub301 geldiler amān dilyub302 pādişāhuñ ayāğuna dügeldiler ve303 |
298r kendūleri pādişāha ėsīrliğe teslīm ėtdiler. 40
Ve304 Ḳāzıḳlū’nuñ bir kici ḳarındāşı vardı, pādişāh yānında olurdı305 ḫiẕmet ėderdi.
Ėflāğuñ306 beğliğini aña vėrdi ve vilāyetüñ beğlerin āña yoldāş vėrüb307 ve memleketden
iḫtiyār ėtdüği ne-sinleri aldı308. Döndi, devlet-ilen girü taḫtına geldi.
Ve bu ġazānuñ tāriḫi hicretüñ sekiz yüz altmış altısında vākiʿ olundı; Sulṭān Meḥmed Ḫan
Ġāzi ėlinde. [Ali 163] 45
[C 163]
(Zihi sulṭān ki ḥükmīne müsaḫḫar oldı ʿālemler
Cemīʿi meddāḥı ānuñ melekler cinn309 ü ʿādemler | [Yavuz/Serac 437]
298v Naẓar itse ḳuru ṭāşa o gevher ḳıymetin būlūr
Feraḥ olūr ḳamu ʿālem eṡer būlmāz daḫi ġamlar
Ayāğı baṣdūğı yirler miṡāl-i cennet olmışdur 50
Yūzin gören gedāyiler olūrlar ġarḳ-i inʿāmlar
ʿĀşıḳi nesl-i ʿOsmān’uñ ʿaṭāsı ʿāleme ṭoldı
ʿAcebdür~kim ėle gīre ol310 ḫān devrindeki demler.)

287 YAVUZ/SERAC: bir niçe zamān.


288 YAVUZ/SERAC: gördiler, bu gelen.
289 YAVUZ/SERAC: bu.
290 YAVUZ/SERAC: leşkermiş.
291 YAVUZ/SERAC: Dilemiş kim şebihün ide. Ġaziler de ḳodılar kāfiri, statt Kendü bile yaʿni...
292 Fehlt bei YAVUZ/SERAC.
293 tekribīr getürüb fehlt bei YAVUZ/SERAC.
294 gelen kāfirüñ fehlt bei YAVUZ/SERAC.
295 YAVUZ/SERAC: Ta statt El-ḥāṣılı ġulām.
296 YAVUZ/SERAC: ḫatta.
297 YAVUZ/SERAC: kim oldı statt olıcaḳ.
298 YAVUZ/SERAC: bilen.
299 YAVUZ/SERAC: hemān-dem statt anlar kim.
300 Fehlt bei YAVUZ/SERAC.
301 YAVUZ/SERAC: oldılar.
302 amān dilyüb fehlt bei YAVUZ/SERAC.
303 YAVUZ/SERAC: ayāğuña düşdiler. Cemīʿisi... statt ayāğuna dügeldiler ve...
304 Danach bu bei YAVUZ/SERAC.
305 Fehlt bei YAVUZ/SERAC.
306 YAVUZ/SERAC: danach vilāyetinün.
307 M D1 idi yoldaş ḳüşdi.
308 YAVUZ/SERAC: teslīm eyledi, yoldaş koşdı ve memleketden her ne-kim murād ėtdi aldı statt yoldaş virub... aldı.
309 YAVUZ/SERAC: Melek ü cinn.
Menākib ü Tevārīḫ-i Āl-i ʿOṡmān 113
(Osmanische Primärquellen)

Etliche Zeit marschierte der Großherr durch die Walachei. Eines Nachts hörte man V. unternimmt einen
Nachtangriff
plötzlich von einer Seite [Kampf]getümmel. Sogleich waren die ġazi-Knechte311 des
Großherrn (kampf)bereit. Sie sahen, dass dieses kommende Getümmel das Heer des
45 verfluchten Kazıklı war; sie wussten also, dass er einen Nachtangriff unternahm. Auch die
Glaubenskämpfer bewegten sich [und] ließen jene bis in die Nähe des Heeres
(heran)kommen, so dass [die Glaubenskämpfer] genau von hinten kamen.312 Ihrerseits riefen Walachen umzingelt

die Glaubenskämpfer „Allah ist groß!“ und schlugen sie derart, dass nicht einmal die Hälfte
der gekommenen Ungläubigen sich retten konnte. Kurzum, bis zum Morgen dauerte das
50 Gemetzel unter den Ungläubigen und mit Not313 hat Kazıklı Voyvoda sein Leben gerettet. Als Mihaloğlu Ali B.
verfolgt sie
es Morgen wurde, sandten sie314 den Ali Beğ zur Verfolgung [hinterher]. Und jene Truppen,
die mit dem Kazıklı gekommen waren – jene, welche die Adligen (sipahi)315 der Ungläubigen Beğs V.s ergeben sich
dem Sultan
des Landes (vilayet) waren –, sammelten sich und kamen (herbei), und indem sie um
Verzeihung (aman) baten316, fielen sie dem Großherrn zu Füßen und lieferten sich selbst dem
55 Großherrn in die Knechtschaft aus.
Und der Kazıklı hatte einen jüngeren Bruder, der an der Seite des Großherrn war und ihm Herrschaft wird an
Radu verliehen;
diente. Jenem gab er das Fürstentum (beğlik)317 in der Walachei und gab jenem die Oberen Eliten huldigen

(beğ)318 des Landes als (Kampf)gefährten bei und er319 nahm die Dinge, die er sich aus dem

311 Gemeint sind die kapı kulu (wörtl. „die Knechte der Pforte“), also die Eliteeinheiten des osmanischen
Hofes, darunter die Janitscharen, die in unmittelbarer Nähe standen. Vgl. MURPHEY: Ottoman
Warfare, S. 35-48 und IMBER: Structure of Power, S. 252-280. Vgl. allgemein G. GOODWIN: The
Janissaries. 20063. Als Teilnehmer an einer ġaza (Glaubenskampf) gelten sie auch als ġazi.
312 Aşp. scheint an dieser konfusen Stelle zu suggerieren, dass die Walachen das Zentrum des
osmanischen Heeres erreicht hatten und daraufhin umzingelt wurden, was Chalkokondyles (←), S.
31, und Tursun Beğ (→), S. 133, entsprechen würde.
313 Durch Anwendung von Gewalt.
314 Der Sultan und seine Entscheidungsträger.
315 Hier ist ihre militärische Funktion gemeint. Man kann aus dem Kontext schließen, dass Aşp. mit
sipahi die Eliten der Walachei und nicht die Reiterei des Kazıklı meint. Dabei nutzt er die
nächstliegende Assoziation ʿaskeriye (die „Leute des Heeres“, die Krieger), die eine privilegierte und
restriktive Klasse des Reiches bildeten. Aşp. setzt die timar-Inhaber (timar = Einkommenskonzession),
also die sipahis mit den walachischen Landbesitzern, den Bojaren, gleich. Auch das walachische Heer
funktionierte nach dem ähnlichen Prinzip der Belohnung für militärische Dienstleitungen. Vgl. Radu
ROSETTI: Istoria artei militare a românilor până la mijlocul veacului al XVII-lea. Bucureşti 1947, S. 117-138.
Für die osmanische Armee vgl. MURPHEY: Ottoman Warfare; IMBER: Ottoman Empire, S. 257-266.
316 Es liegen zahlreiche theoretische Beiträge zu amān vor. Durch amān-Gewährung wird der Besiegte vor
der Vernichtung, Plünderung, Versklavung und anderem vergleichbaren Schaden bewahrt.
Der amān kann individuell oder, wie in diesem Falle, kollektiv vom gaza-Anführer (hier vom Sultan)
gewährt werden. Vgl. PANAITE: Pace, război şi comerţ în Islam, S. 188-192; MORABIA: Le Ğihâd dans
l’Islâm médiéval, S. 331-336 (wie Fn. 316).
317 Hier im Sinne der Funktion; neutrale Bezeichnung für die Inhaber einer Machtposition. Beğlik hat
zwei Hauptbedeutungen: 1. ein Emirat oder Kleinfürstentum; 2. administrative und territoriale
Einheit unter der Gewalt eines beğs (z. B. beğlerbeğlik oder sancak).
318 Hier ist ihre politische Funktion gemeint. Diese Bezeichnung bestätigt die allgemeine Bedeutung des
Begriffes. Woiwode und Bojaren bedeuteten aus der osmanischen Perspektive schlichtweg Verwalter
eines unterworfenen und zur Provinz (vilāyet) gewordenen Landes. Vgl. PANAITE: Pace, război şi comerţ
în Islam, S. 328-359.
319 Der Sultan.
114 ʿĀşık Pāşā-zāde
(Osmanische Primärquellen)

Lande ausgewählt hatte. Er kehrte um und kam glücklich zum Thron [des Reiches] zurück.
Dieser Glaubenskampf geschah im Jahre 866 der Hidschra und wurde von Sultan Mehmed Datierung

Han dem Glaubenskämpfer geführt.

(Es folgt Preisung des Sultans in Versen.)


Ṭūrsūn Beğ
(1426 – nach 1491)

Autor
T. gehörte einer hochrangigen und historisch gut belegten Beamtenfamilie an. Sein Onkel
Cübbe ʿAli Beğ war Gouverneur Bursas und sein Vater, Hamza Beğ, 1424 Gouverneur
Anatoliens. Es ist daher anzunehmen, dass er sich in einer gesicherten finanziellen Lage
befand und rasch in der Ämterlaufbahn vorrücken konnte. T. selbst berichtet, er sei vierzig
Jahre lang im Dienste der Sultane gestanden: Als ėl yazıcısı (Provinzinspektor), divān kitābı
(Sekretär des Sultansrates), Anadolu defterdārı (Buchhalter Anatoliens), Anadolu defter ketḫüdāsı
(Bewahrer der Register Anatoliens) und schließlich defterdār (Hochbuchhalter) im divān.
Während seines Dienstes erlebte er unmittelbar viele in seiner Geschichte erwähnte Ereig-
nisse: T. war zuständig für die Errichtung der Sperrfeste von Rumeli Hisar ı (1452), Teil -
nehmer an der Belagerung Konstantinopels, 320 gemeinsam mit seinem Onkel Kommis-sar
bei der Zählung der Istanbuler Häuser nach der Eroberung und Teilnehmer an zahlreichen
weiteren Feldzügen und Belagerungen, darunter auch gegen die Walachei 1462. Zwölf
Jahre lang stand er als divān kitābı im Dienste des Großwesirs Mahmud Paşa, laut seiner ei-
genen Aussage die glücklichste Periode seines Lebens. Die Register (sicill) von Bursa erwäh-
nen T. zum letzten Mal 1491, als er sein dortiges Haus verkaufte.

Werk
T. war ein Beamter, zeigte jedoch, obwohl er der Klasse von Finanzleuten (maliyye) ange-
hörte und lebenslang in diesem Bereich tätig war, großes Interesse für Literatur. Er selbst
erzählt von Dichtungen, welche er dem Sultan Bayezid II. vorgestellt habe, wofür er groß-
zügig belohnt worden sein soll. Der Stil seiner Chronik versucht die hoch komplizierten und
reichlich geschmückten Formulierungen der Korrespondenzsprache (inşā’) und der persi-
schen Prosa nachzuahmen. Der in der Timuriden-Zeit entwickelte Herrschaftsdiskurs übte
dabei einen deutlichen Einfluss aus. T.s Stil bleibt aber nicht homogen, sondern gehörte
einer Übergangsperiode der osmanischen Hofsprache an, einer Zeit der Suche nach der
Harmonisierung des persischen Modells für Literatursprache mit den Spezifika der türk-
ischen Sprache. Er wurde daher vergleichsweise wenig rezipiert.
T. verfasste Tārīḫ-i Ebü’l Fetḥ („Geschichte des erobernden Vaters“ [= Mehmed II. der
Eroberer]) nach seiner Pensionierung in Bursa 1488. Diese Zeiten schienen für seine
materielle Lage nicht günstig gewesen zu sein, denn er erwähnt finanzielle Probleme als
einen wichtigen Grund für die Arbeit an diesem Werk; an einigen Stellen äußert er die
Hoffnung, dass seine Arbeit geschätzt und entsprechend belohnt wird. Wie zu erwarten
bietet dieses Werk die detailreichste Geschichte der Regierungszeit Mehmeds II. Anschei-
nend sind die Originalhandschriften erhalten geblieben. Sie geben Anlass für die Theorie,
dass der Autor nach der Vorstellung seines Manuskriptes (A) dieses zweimal bearbeitete
(Tr1 und Tr² und dann W), wobei er stilistische, aber auch Änderungen mit politischer
Wirkung hinzufügte. In diesen späteren Varianten könnte – falls kein Fehler in der Edition

320 Von einigen Forschern bezweifelt. Vgl. VATIN.


116 Ṭūrsūn Beğ
(Osmanische Primärquellen)

ʿARIFs vorliegt – eine wahrscheinliche damnatio memoriae des Kazıklı Voyvoda vorliegen, dessen
Name in der ältesten Handschrift noch erwähnt wurde.
T. stützt seine Chronik auf seine eigenen Erfahrungen, womit falsche Datierungen oder die
nur minimale Darstellung gewisser Ereignisse erklärbar sind, an denen der Autor nicht per-
sönlich teilgenommen hatte.

Ideologisches Profil
T. schrieb mit der Absicht, aus seinem Werk einen Ratgeber für Staatsmänner und Souve-
räne zu machen. Es entstand während der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen
den Nachfolgern Mehmeds II. und unter der Spannung, dass der etablierte Sultan Bayezid
II. (1481-1512) jederzeit von seinem Bruder Cem entthront werden könnte (1481-1494). Im
Zentrum dieser Chronik steht daher nicht der verstorbene Sultan, dem sie gewidmet wird,
sondern sein Sohn Bayezid, dessen Bild sich somit in dem seines Vorgängers widerspiegelt.
Zum einem wird Bayezid II. als rechtmäßiger Bewahrer des Erbes seines Vaters dargestellt,
als Garant der etablierten Ordnung und zum anderen als Restaurator der Gerechtigkeit für
diejenigen, die von den Missbräuchen seines Vorgängers benachteiligt wurden. Der zweite
ideologische Hintergrund dieser Chronik liegt in den Spannungen mit den Mamluken in
Ägypten, die seinen Bruder Cem unterstützten. Zusammen mit den Safawiden im Iran
waren sie die historiographisch lautstärksten Konkurrenten des Osmanischen Hauses in der
islamischen Welt. Es war daher ein zentrales Ziel des Autors, die perfekte Harmonie der
osmanischen Sultane (vor allem Bayezids II.) mit den islamischen Konzepten von Macht-
und Herrschaftsausübung zu verbinden. Für diesen Zweck enthält sein Werk eine ca.
zwanzig Seiten lange theoretische Einleitung. Die Autorität des Sultans wird auf seine
göttliche Dirigierung begründet und habe Frieden und Ordnung gebracht. Diese kommen
nur dann zustande, wenn die Untertanen sich völlig fügen. Jeder Aufstand gegen den
Sultan bedeutet eine Widerlegung des göttlichen Willens. Diese Fügung wird um das zen-
trale Konzept von şükr konstruiert, der Dankbarkeit des Sultans gegenüber Gott und der
Untertanen gegenüber ihrem Sultan. Die göttliche Bestimmung weltlicher Autorität liegt in
ihren vier wichtigsten und stets gegenwärtigen Tugenden: hikmet (Weisheit), şecāʿat (Mut),
ʿiffet (Ehrlichkeit) und ʿadālet (Gerechtigkeit). Hinzu kommt die Großzügigkeit, welche T.
sehr oft Bayezid II. zuschreibt, wobei immer wieder angedeutet wird, dass sich seine vielen
Schenkungen nicht negativ auf die Staatskasse ausgewirkt hätten.
In der Regierungszeit Bayezids II. fand eine Reaktion gegen die Missbräuche Mehmeds II.
statt. Als ein Repräsentant der von Gott auserwählten Dynastie wird er dennoch scheinbar
positiv dargestellt. Seine negativen Eigenschaften werden nicht direkt, sondern durch
Widerspiegelung in anderen Personen oder durch Schilderung der günstigen zeitgenös-
sischen Situation unter Bayezid II. gezeigt. Die Großzügigkeit Bayezids wird hervorge-
hoben im Gegensatz zur Geldverschwendung in den unzähligen Feldzügen seines Vorgän-
gers. Letztendlich ist sein von Mehmed zum Tode verurteilter ehemaliger Patron Mahmud
Paşa ein Beispiel für sich. Seine Taten werden immer wieder von T. idealisiert und gerecht-
fertigt. Mahmud Paşa symbolisiert zugleich die Reaktion gegen die Auswüchse der Herr-
schaft Mehmeds und versinnbildlicht den Rehabilitierungsprozess einiger schwer bestrafter
osmanischer Großfamilien (z.B. Çandarlı).
Tārīḫ-i Ebü’l Fetḥ 117
(Osmanische Primärquellen)

Quellen: eine heute verlorene osmanische Quelle; Autopsie, Augenzeugen

Handschriften
1. Istanbul, Aya Sofya Ktp., Nr. 3032 (A): (heute in Süleymaniye Kütüphanesi),
komplett, 118 Bl., 17,5x11,5cm, (11,5x7cm), 13 Zl., nesih, undatiert.
2. Istanbul, Topkapı Saray Hazine, Nr. 1470 (Th) : komplett, 171 Bl., europ.
Papier, 17,5x12,2cm, (11,5x7cm), tevki, undatiert.
3. Istanbul, Topkapı Saray Revan Ktp., Nr. 1098 (Tr1): komplett, 193 Bl., europ.
Papier, 16,5x12cm, 13 Zl., nesih.
4. Istanbul, Topkapı Saray Revan Ktp., Nr. 1097 (Tr²) : komplett, 194 Bl.,
18x12,2cm, 13 Zl., nesih.
5. Wien, Nationalbibl., Nr. 984 (W): 169 Bl., 13 Zl., sorgfältiges nesih, Kopist: Idrīs
b. Mūsa (FLÜGEL II, S.207-208).
6. Istanbul, Üniversitesi Ktp., Ms. Nr. T.Y. 4369 (I): komplett, 256 Bl.,
wahrscheinlich eine Kopie für die Bibliothek Abdülhamids II.

Tr1 und Tr² ? W

I Th

Auszüge: M. GUBLOGLU: Cronici turceşti I, S. 67-79 [nur rumän. Übers.]; Kurt W. TREPTOW (Hg.):
Essays on the life and times of Vlad Ţepeş. New York 1191, S. 296-301 [engl. Übers. nach Guboglu]; DERS:
Vlad III Dracula. Iaşi 2000, S. 190-196 [dieselbe engl. Übers.].

Editionen: Mehmed ‛ARIF: Târih-i ‛Osmāni Encümeni Mecmu‛ası. Istambul 1330 H. (=1912) [osman.
Schrift]; Halil INALCIK u. Roads MURPHEY: The History of Mehmed the Conqueror by Tursun Beg.
Minneapolis, Chicago 1978 [Faksimile + engl. resümierte Übers.]; Mertol TULUM: Târîh-i Ebü ‛l-Feth.
Istanbul 1977 [Transkription].

Übersetzungen: C. N. ATSIZ: Osmanlı Tarihleri, I. Istambul 1949 [türk.]; Ahmed TEZBAŞAR: Fatih’in
tarihi. Istanbul o. J. [1976] (Tercüman 1001 temel eser. 21) [Teilübers.; türk.]; Luca BERNARDI: Tursun
Bey. La conquista di Constantinopoli. Introduzione e note di Jean-Louis Bacqué-Grammont e Michele Bernardini.
Milano 2007 [ital. Übers.].

Literatur: Halil İNALCIK: „Tursun Beg, Historian of Mehmed the Conqueror’s Time.“ In: WKZM
69 (1977), S. 87-110; Nicolas VATIN: „Tursun Beg assista-t-il au siège de Constantinople en 1453?“
In: WZKM 91 (2001), S. 317-329; Kenan INAN: „A summery and analysis of the Tarih-i Ebü’l- Feth
(History of the Father of Conquest) of Tursun Bey.“ PhD Thesis: Univ. Manchester 1993; DERS.:
„Sade Nesirden Süslü Nesire: Fatih’in tarihçisi Tursun Bey ve Tarih Yazma Tarzı.“ In: Osmanlı/Bilim
8 (Ankara 1999), S. 293-300; DERS.: „The Incorporation of Writings on Periphery in Ottoman
Historiography: Tursun Bey’s Comparison of Mehmed II and Bayezid II.“ In: International Journal of
Turkish Studies 9, 1-2 (2003), S. 105-117; DERS.: „On the Sources of Tursun Bey’s Tarih-i Ebü’l Feth.“
118 Ṭūrsūn Beğ
(Osmanische Primärquellen)

In: Eugenia KERMELI u. Oktay ÖZEL (Hg.): The Ottoman Empire. Myths, Realities and ‘Black Holes’.
Contributions in honour of Colin Imber. Istanbul 2006, S. 75-108; DERS.: „The Effects of Ornamented
Prose Style on Ottoman Historiography: The Tarih-i Ebü’l-feth [History of the father of Conquest]
by Tursun Bey.“ In: James S. AMELANG u. Siegfried BEER (Hg.): Public Power in Europe: Studies in
Historical Transformations. Pisa 2006, S. 125-142.

Nota bene: Die vorliegende Transliteration richtet sich nach der Edition von TULUM, S. 110-118 und wird
verbessert mit dem Faksimile der Edition INALCIKs und MURPHEYs. Modernisierungen der Transkription
TULUMs wurden entfernt und die Längen der Vokale bzw. die unterschiedlichen Konsonanten gekennzeichnet.
Überdies werden an einigen Stellen neue Lesemöglichkeiten vorgeschlagen.
Die Übersetzung berücksichtigt die italienische Edition BERNARDIs, S. 150-160.

93a [110] Güftār der-ġazve-i Ḳazıḳlu voyvoda ser-ḫayli kefere-i Eflāḳ-i ʿāḳ ve 1
istīṣāl-i ü ve vilāyet be-birādereş 321 taḳlīd-fermūden

Ve ol bir ḫūn-ḫār, cābir ü mütecebbir kāfir idi ki Eflāḳ vilāyetine (8) vāli oldı. ʿAtebe-i
keyvān-rütbenüñ ḫarācına mültezim olub, her [111] yıl (9) kendü nefsi ile ve ḫarācıla ve ağır
pīşkeşi ile gelüb, şeref-i ʿatebe(10)-būsle tecdīd-i istisʿād ėderdi. Fāḫır hilʿat ve ḳızıl börkle 5
ḳıymeti altūn (11) üsküf, daḫı envāʿ-i ʿavāṭıf-i pādişāh-ile maḥẓūẓ ḳılınub memleketine (12)
gönderilürdi. Amma keferenüñ Haccācʿı idi. İfrāṭ-i siyāseti bu mertebede (13) idi ki, bir kūyde,
93b mesela bir şaḫṣdan hıyāneti müşʿir cināyet ve ʿaṡret | ṣādır olsa, ol köyuñ cemiʿ-i 322 ḫalḳını,
zükūr u ünāṡnı eṭfālin bile (2) dirile ḳazuğa vururdi. Ve Ağaç-ḥiṣār, ki ol ḳara-baḫtuñ taḫtı idi,
(3) ḳarşūsında altı mīl miḳdārı yėrine ṭūlānī iki ḳol çīt urdurdı (4) ve aña muḥkem çālı ördürdi, 10
bağçe ėdinürem dėyü. Ol iki çit arāsını (5) Üngürūs kāfirlerinden ve kendü vilāyeti
kāfirlerinden ve Boğdān (6) kāfirlerinden ḳāzuğa vurulmış eşḫaṣla ṭoldurdı. Ve añdan ġayrı,
dāyire-i (7) ḳalʿa bīşelü [ve] 323 ağaçlü, çıtılġu yirdür; her ağacuñ her budağında āveng (8) āveng
olmış maṣlūb-i bī-hisāb u bī-ʿaded. Yasāğı bu idi kim, (9) her ki ol maṣlūbdan birini endüre,
ānuñ yėrine çıḳa. 15

321 TULUM: birāzereş.


322 TULUM: cemiʿ.
323 Ergänzung; bei TULUM nicht als solche gekennzeichnet.
Tārīḫ-i Ebü’l Fetḥ 119
(Osmanische Primärquellen)

1 Der Feldzug gegen Kazıklı Voyvoda, den Anführer der walachischen Rebellen,
seine Vernichtung und die Vergabe seines Landes an seinen Bruder

Jener war ein blutdürstiger, despotischer und unverschämter Ungläubiger, Gouverneur (vali) Verpflichtung V.s
und seine
der Provinz (vilayet) 324 Walachei. Ihm war auferlegt, den Tribut (harac) 325 zum Thron von Belohnungen

5 saturninischem Rang zu bringen, [und] so kam er jedes Jahr persönlich mit dem Tribut und
wertvollen Geschenken, um sein Begehren nach Schutz mit der Ehre eines Kusses des
Throns zu erneuern. Auch er wurde vom Großherrn mit verschiedenen Arten des
Wohlwollens belohnt 326: ein Zeremoniengewand (hilʿat), ein roter Kaftan (börk), eine
vergoldete Mütze (üsküf) 327, und er ließ [ihn] in sein Land senden. 328 Er war aber der Bild des/r
Tyrannen/
10 Haccac 329 der Ungläubigen. Die Exzesse seiner Grausamkeiten erreichten ein derartiges Unterdrückung

Ausmaß: Wenn er zum Beispiel erfuhr, dass jemand [aus einem Dorf] ein Verbrechen oder Pfählung der
Dorfbewohner
eine Missetat mit Hinweis auf Verrat begangen hatte, pfählte er die gesamte Bevölkerung
jenes Dorfes [ohne Unterschied], Männer und Frauen samt ihrer [noch] lebendigen Kinder. Holzfestung und Bau
des Gartens
Vor der Holzfestung (ağac hisar) 330, die sein unglücklicher Thronsitz war, hatte jener
15 Irrsinnige zwei Zäune aufgestellt, die einen Raum von sechs Meilen umgaben und er hatte
dort Dornengebüsch angepflanzt, [wobei] er sagte, es wäre sein Throngarten. Den Raum Pfählung seiner
Feinde in diesem
zwischen den beiden Zäunen füllte er mit den gepfählten Körpern ungarischer Ungläubiger, Garten

und selbst mit denen der Ungläubigen seines Landes und mit denen der Ungläubigen aus
der Moldau. Ferner, weil die Umgebung [seiner] Festung bewaldet war und Bäume aufwies,
20 hingen an jedem Ast zahllose erhängte Menschen. Seine Verordnung war so, dass jener, der Verbot der Abnahme
der Leichen von den
einen Erhängten abnahm, an dessen Stelle erhängt werden sollte. Pfählen

324 Aus der verwendeten Terminologie geht hervor, dass T. die Walachei als Bestandteil des
Osmanischen Reiches ansah und ihren Anführer als Befehlshaber des Sultans, auf dessen Gunst seine
Macht basierte. Im Vergleich zu anderen Autoren wird der sonst neutrale Begriff vilāyet durch vali
verstärkt, der sich auf eine Verwaltungstätigkeit bezieht und den ersten Begriff auf seine
Grundbedeutung, nämlich Verwaltungsbezirk eines vali (Gouverneur), begrenzt.
325 Zur Höhe des Tributs vgl. Fn. 129.
326 Kazıklı war also einer von zahllosen Herrschern, welche die Gunst des osmanischen Großherrn, des
Verleihers der irdischen Macht, genossen.
327 Hierarchische Symbole: Bei seiner Amtseinführung erhielt jeder Verwalter bzw. Vasall bestimmte
Geschenke, welche seine Stellung gegenüber seinem Herrn symbolisierten. Zur Zeremonie der
Unterwerfung und ihrer Bedeutung vgl. PANAITE: Pace, război şi comerţ, S. 297-302.
328 Es ist unklar, ob es sich hier um die erste Herrschaft Vlads (1448) handelt oder um die Bestätigung
der Herrschaft nach der Tributzahlung; vgl. hierzu Anonymus Giese (→), Fn. 466.
329 Gouverneur Mesopotamiens zur Zeit der omayyadischen Eroberung des sassanidischen Reiches (7.
Jh.) und Symbol der Tyrannei.
330 Zwei Interpretationswege sind möglich: historisch und literarisch. Im ersten Fall kann man diesen
rätselhaften Begriff entweder als eine Volksetymologie, womöglich nach einem walachischen
Toponym (Argeş – Arkış?) verstehen oder als eine konfuse Bezeichnung der Holzbefestigung der
Hauptstadt Kazıklıs (Târgovişte). Es gibt für diese Stadt – bei der es sich eher um einen Marktflecken
handelt, wie es der slawische Name impliziert – keine Hinweise auf eine Stadtmauer oder auf ein
zeitweise eingerichtetes Militärlager (osman. palanka oder kaçdal). Aus literarischer Perspektive könnte
diese Bezeichnung nur einen Topos wiedergeben, der gut zum Tyrannenbild und seiner
Rückständigkeit passen könnte.
120 Ṭūrsūn Beğ
(Osmanische Primärquellen)

Bu cümle ḥāli~ile (10) südde-i gerdūn-ʿuddeden istiẓhār ėtmekle, Üngürūs’a, ki ṭāyife-i benī-
asferdür 331, (11) ẓafer būlub çoḳ ḳırmışdı ve sāyir aḳrān u emṡāline fāyiz olmışdı. (12) Bu ḥāl-i
teraḳḳīsi kendüye ġurūr vėrüb, şol vaḳt ki Sulṭān (13) Ebü’l-fetḥ baʿīdü’l-mesāfe Tır ābzōn
94a ġazāsına müteveccih oldı, | ol melʿūn ġāyet-i naḫvet ü şaḳāvetinden memālik-i İslāmiyye’ye
ḳaṣd (2) ėtmiş. 20

Mıṣraʿ
Wa qad qīla in ṣıdqan wa in kiḏban naṯara 332

Ve çün (3) dest-nişānde-i dergāh-i ẓafer-penāhdan 333 bu emr töhmet-i maẓnūn düşdi, (4) lā-
cerem istikşāfı içün ol melʿūnı miḥekk-i imtiḥāna çaldılar. Ḫarāc-i (5) muḳarrer muṭālebe
olundı; ve ber-ḳarār gelüb, şeref-i bisāṭ-būsla (6) tecdīd-i istisʿād etmesi işʿār olundı. „Aḫ-ḫāynu 25
ḫāyfun“ sırrınca (7) çenber-i iṭāʿatden bāş çekdi ve ʿöẕr-i ġadr-āmīz gösterdi kim: „Bi’l-fiʿl (8)
ḫaṣm-i ḳavi, kim Üngürūs’dur, baña ḥavāledür, vārımāzın. Ve āsitān-i devletden(9)dür
düşdüğümden bu yıl ḫuṣamām ġale-besinüñ mümānaʿasında tamām (10) nem varsa ḫarc oldı.
Bu yıllıḳ ḫarāca mecālüm yoḳ.“
Ne geldi ve ne ḫarācın (11) virdi. Pes, devlet-i ḳāhire muḳtażı oldı, ki ol müdbire gūşmāl (12) 30
ide, belki istīṣāl ėtmeğe himmet göstere, „wa šağaratin ḫabīsatin“ (13) vücūdı menbitinüñ
zemīnini „alayhā sāfilahā“ ḳıbelinden ḳıla. |

331 asferdür supra geschrieben.


332 TULUM: ohne naṯara.
333 TULUM: penāh idi.
Tārīḫ-i Ebü’l Fetḥ 121
(Osmanische Primärquellen)

Auf diese Weise, indem er auf die himmlische Pforte vertraute, errang er einen Sieg über die
Ungarn 334, die zum Geschlecht der Beni Asfer 335 gehören, und vernichtete viele [von ihnen]. Oberhand über
Gleichgestellte
In dieser Weise überwand er seine Gleichgestellten. Dieser Aufstieg seiner Lage machte ihn
25 anmaßend und in der Zeit als der Eroberer-Großherr seinen Glaubensfeldzug gegen das V. greift an, als der
Sultan in Trapezunt
weit entfernte Trapezunt fuhr, zeigte jener Verfluchte aus Stolz und Schurkerei seine ist

[bösen] Absichten gegen die islamischen Gebiete (memalik-i Islamiye). 336

Vers:
Was ist wahr gewesen und falsch im bereits Erwählten.

30 Da vor dem Thron, dem Schutz des Sieges, diese Angelegenheit zum Gegenstand des
Sultan verlangt den
Verdachtes fiel [und] weil [daher] seine Entlarvung notwendig war, stellten sie den Tribut
Verfluchten auf die Probe. Man verlangte von ihm den festgesetzten Tribut (harac) zu zahlen Sultan ruft V. zur
Pforte
und ihm wurde der Befehl erteilt, zu kommen, um vereinbarungsgemäß das Begehren nach
Schutz mit dem Kuss des königlichen Teppichs zu erneuern. Gemäß dem Geheimnis 337,
35 dass „der Verräter angsterfüllt ist“, zog er seinen Kopf aus der Halskette des Gehorsams, V. entschuldigt sich
indem er folgenden verlogenen Vorwand vorbrachte: „In Wirklichkeit muss ich einem und verlangt Schutz

mächtigen Feind ins Gesicht sehen, wie Ungarn. Und [was] meine Ferne vom himmlischen
Thron [angeht], dieses Jahr habe ich alles, was ich besessen habe, ausgegeben, um mich dem
Sieg des Feindes zu widersetzen. Daher habe ich keine Kraft [mehr], den jährlichen Tribut
40 [zu bezahlen].“ 338
Weder ist er gekommen, noch bezahlte er seinen Tribut. Daraufhin war es für die V. bringt den
jährlichen Tribut
überwältigende Macht [des Sultans] nötig 339, jenen Wicht zu bestrafen, ja er war nicht
verpflichtet, Eifer in der Ausrottung und im Umdrehen des „Obersten“ 340 auszuüben, des
Landes mit einer Weide, wo ein solch „schlechter Baum“ 341 wächst. 342

334 Gemeint sind wahrscheinlich die Einfälle in das Burzenland und in das Hermannstädter Gebiet sowie
in das Hamlescher Gebiet, das zeitweilig den Woiwoden der Walachei als Lehen vom ungarischen
König verliehen worden war.
335 „Das blonde Geschlecht“; allgemeine Bezeichnung für die europäischen Völker.
336 Vielleicht eine Anspielung auf die Unternehmung Kazıklıs südlich der Donau. Eine zweite
Interpretationsmöglichkeit: Die erwähnten Grausamkeiten sind ein Resultat eines Versuchs des
Autors, Vlads Unternehmungen symbolisch so umzubauen, dass dem Rebellen nicht allzu viel Macht
gewährt wird. Er überfällt also die Gebiete des Wohlstandes und der Geborgenheit, weil er ein
Tyrann ist, nicht aber weil der Sultan ihm törichterweise zu viel Macht gegeben habe. Da auch
Doukas (←) ein vergleichbares Bild anbietet und die beiden Autoren es in einem von der Aggression
gegen die Osmanen isolierten Kontext platzieren, kann eine dritte Arbeitshypothese entwickelt
werden: Diese Konstruktion kursierte möglicherweise bereits vor T.
337 Gemeint ist der durch menschliche Kräfte nicht gänzlich zu verstehende Kur’an, das Mysterium
göttlicher Offenbarung.
338 Der Schwerpunkt dieser Antwort liegt auf der Tributzahlung (vgl. Doukas (←), S. 59), der Auslöser
aber ist wiederum der Ungar, vgl. Aşık Paşa-zade (←), S. 109.
339 Also die Bestrafung der Undankbarkeit (şükr) des Fürsten gegenüber seinem Machtverleiher, dem
Sultan.
340 Kur’an 11,82 und 15,74.
341 Kur’an 14,26.
122 Ṭūrsūn Beğ
(Osmanische Primärquellen)

94b [112] Bināber īn maʿna, şol vaḳt ki sene sittin ve sittīne ve ṡemāni miʾe bahārınuñ ʿaskeri (2)

yānınca şaḳāyıḳ-i nuʿmān ve sūsen-i āzād rimāḥ-i zebercedi üzre aʿlām-i yāḳūti
(3)

perçemlerin depretdi, ve serāyā-yi şitāya şebīḫūn (4) idüb, ḫūn-i düşmenden ʿālemi lālezār 35
gösterdi, rāyet-i ẓafer-sirāyet (5) Eflāḳ canibine ittifāḳ ḫafeḳān gösterdi. Taḳriben otuz (6)
tümen ʿasker-i cerrār-i saf-şiken ü nīze-güẕār,

Beyt
Sipāhi ki var mürğ u mūra ḥisāb
(7)

Aña yoḳ ḳamu şīr ü bebr ü ẕiyāb 40

(8) Neṡr 343


nehr-i aʿẓam Tūnā’dan, ki ġazāretle taʿyīr-dihende-i baḥr-i ḫıżżamdur, (9) ittifāḳ ʿubūr ėdüb,
ṭaraf-i Eflāḳ viṡāḳ-i devlet-ittifāḳ-i sulṭani ile (10) müẕeyyen oldı. Ve leşker-i İslām, çeşm-i
dilber-i ʿayyār dil-i ʿuşşāḳı (11) yağmālar gibi, nehb ü yağmāya ve sebi ü sefk-i dimāya ḳadem-i
tecāsürle (12) el uzatdılar; ve her ne yire uğradı ise, „inna’l-mülūka iḏa ḏaḫalū (13) qaryatan afsadūhā“ 45
95a sirrin āşkāre ḳıldılar. „ʿAsā ān takrahū şayʿan | wa huwa ḫayrun lakum“ leṭāyif-i Rabbānī’dendür ki,
çün Ḥażret-i Cebbār-i (2) ẕü’l-minen „ǧallat qudratuhu wa ʿammat niʿmatuhu“ bir bende-i
ʿināyet-nişāndesine 344 (3) şeref-i serefrāzī-i tāze ve sürūr u ḥubūr-i bī-endāze virmek dilese (4)
ve añunle tecʿīd-i ṭurra-i perçem-i ʿalemin tecdīd ḳılmalu olsa, ġālibā evvel (5) tedbīrinüñ
ḫilāfı ṡemeresin gösterüb ḳalbine nevʿ-i inkisar u fütūr (6) ṣalār; āndan kendü kemāl-i ḳudretin 50
iẓhār idüb, āsār-i ʿināyetten (7) bir eṡer gösterür, hümūm u ġumūmma bedel virür. Ve anı
şükr-i bī(8)-nihāyetine sebeb ėder, ve bu edāʾ-i şükr levāzımından, „laʾin šakartum (9) lā
͗azīdannakum“ ḥükmince, ol bendêsinüñ revnaḳ-i rāyet-i ẓafer-ḥareketini (10) müteceddid ü
mütezāyid ḳılur. Ve mancūḳ-i ʿalem-i ẓafer-perçemini ḳımem-i ʿayyūḳ (11) üzre efrāşte ḳılur.

342 Gemeint ist damit das wichtige Attribut des Sultans als oberster Gerichtsherr und Anführer im
Glaubenskampf (cihad) der Gemeinschaft der Rechtgläubigen (arab. ʿumma; tc. ümmet). Er soll zum gaza
aufrufen und den Kampfeifer aufrecht erhalten. Vgl. mukaddema (Einführung) dieses Werkes sowie den
klassischen Theoretiker Abu’l Hasan AL-MAWARDI: Al-Ahkam as-Sultaniyyah. The Laws of Islamic
Governance (Übers. Abdullah Yate). London 1996, S. 59-99.
343 Fehlt bei TULUM.
344 Die Endung -sine supra geschrieben.
Tārīḫ-i Ebü’l Fetḥ 123
(Osmanische Primärquellen)

45 Die Wirklichkeit ist, dass in der Zeit in der die Anemonen und die Iris in der Folge des Frühling

Heeres des Frühlings des Jahres 866 ihre roten Büschel als Standarten auf ihre grünen Datierung

Lanzen steckten und nachts die Patrouillen des Winters angriffen, indem man der Welt die
Tulpengarten aus dem Blut der Feinde zeigte 345, wehte das siegreiche Banner im Einklang in
Richtung der Walachei. Ein mächtiges Heer, das den Feind übertrifft, bestehend aus etwa Sultan zieht mit
großer Streitmacht
50 300.000 Kriegern, überschritt im Gleichschritt die Donau, den größten der Ströme, deren zur Donau

Fließen selbst den Ozean beschämt,

Doppelvers:
Die Reiter, wenn Ameisen und Vögel eine Anzahl haben,
Für sie genügen nicht Löwen, Tiger und wilde Tiere 346

55 Prosa:
wurde das Land der Walachei vom Lager des glückseligen Sultans geschmückt. Und das
Heer des Islams, wie das schöne, betörende Auge die Herzen der Verliebten einnimmt,
raschen Schrittes verlängert es seine Hand, um Streifzüge zu machen und zu plündern, Walachei wird
gerichtet
indem es Gefangene nahm und Blut vergoss. Überall, wo sie hingingen, erklärten sie das
60 [folgende] Geheimnis: „Wenn die Könige in eine (fremde) Stadt einziehen, geben sie sie dem
Verderben preis.“ 347 [Der Vers] „Vielleicht ist euch etwas zuwider, während es gut für euch
ist (...)“ 348 (kam) [wieder] in die Gunst Gottes: Als der allmächtige Freigiebige – „seine Macht
ist die höchste, seine Gnade allgegenwärtig“ 349 – wünschte, einem Knecht, der seinen Schutz
genoss, die Ehre neuer Vortrefflichkeit und die Freude unbegrenzter Glückseligkeit zu
65 geben, wenn dieser zu diesem Zweck von neuem das Büschel seiner Standarte kräuseln lässt,
zeigt er ihm wahrscheinlich zuerst die Frucht der Weide 350 seines Vorhabens und verordnet
[seinem] Herzen Zerknirschung und Mattheit. Dann, indem er in Gänze seine Macht
offenbarte, zeigte er eines der Werke seiner Freigebigkeit und entschädigte für die [erlittene]
Besorgnis und Trübsal. Solcherart wird (wie immer) der Grund der grenzenlosen
70 Dankbarkeit [seines Knechtes] sein und, um solche Dankbarkeit – [gemäß dem Vers]
„Wenn ihr dankbar seid, werde ich euch noch mehr (Gnade) erweisen“ 351 – aufzuwiegen,
wird er den Glanz der zum Sieg führenden Standarte seines Knechtes erneuern und
vergrößern. Und er erhöhte das Banner seiner Standarte, das Büschel des Sieges, bis zum
himmlischen Gipfelpunkt des Sterns Capella.

345 Poetische Allegorie zur Beschreibung des Frühjahres, der Aufbruchszeit des Feldzugs gegen die
Walachei.
346 Der Doppelvers wurde im Originaltext in den davor stehenden Satz integriert und kann als solcher
nicht direkt ins Deutsche übersetzt werden.
347 Kur’an 27,34 (PARET 19802, S. 265).
348 Kur’an 2,216 (ebd., S. 33).
349 Herkunft unbekannt.
350 Dieser Baum ist ein Symbol der Unfruchtbarkeit.
351 Kur’an 14,7 (ebd., S. 179.)
124 Ṭūrsūn Beğ
(Osmanische Primärquellen)

Ve bu kerāmet-i mevhibet vāsıṭası~ile, her (12) tedbīr-i ṣāyib ve reʿy-i ṡaḳıb ki verā-yi ʿaḳlda 55
mütevārīdür, (13) cevāmiʿ-i menāḳıb-i ʿuẓmā, yaʿni vüzerādan [113] ṣudūr bulmadın,
95b müdebbirān-i taḳdīr-i | „innahu ʿalā kulli şayʿin ḳadīr“ vefḳ-i merām üzre ol tedbīrüñ ṡemerêsin
(2) verür. Ve bu ḳażıyyenüñ mıṣdāḳı bu ḳıṣṣadur ki bir gün, ber-üslūb-i (3) maʿhūd,

aʿẓamü’l-vüzerā Mahmūd Pāşa kulāvuzlar iḥżar etdürüb (4) menzil emrinde tafaḥḥuṣ u
istiḳṣā ile taʿyīn-i menzil ėtdüğinden (5) ṣoñra, viṡāḳ-i devlet-ittifāḳ öñince ḳulāvuzlar ve koşan 60
ʿasker (6) buyurdı. ʿAḳabince,

Beyt
Bir ṣabāhī ki żıyā-güster-i naṣr olmışdı
(7) Ẓafer ol ʿasker-i şeh ḥükmine ḥaṣr olmışdı

Neṡr 352 65
8) felek-iştibāh daḫı fer-i nehżat buyurdı. ʿAsker-i kūh-ṡebāt (9) derya gibi ḥareket etdi. Çün
taʿyīn olunān menzile (10) yaḳın varıldı, ṭalāyiʿ-i ʿasker-i ẓafer-rehberden ḫaber geldi ki ol (11)
menzilde ağız ṣuyına vefa ėder su yoḳdur, būnca merākib ü mevāşi (12) ḳanda ḳaldı. Ve
ḥarāret bir mertebêde sevredte idi ki ġāzīler (13) üzerinde olan pūlād geyimler üzerinde
96a kebāb bişmek mümkin. | Bu sebebden dil-i āyīne-naẓīr-i pādişāha ġubār yitişub, bu (2) ḳuṣūrı 70
mülāzimān-i ḥażretüñ müsāmaḥasına ḥami ėtdi. Bu arālıḳta 353 (3) ḳulāvuzlara ʿaẕāb u ʿitāb
olundı. Āḫır olacaḳ bu oldı ki (4) çün arālıḳta su yoḳ, lāzım oldı ki bir ḳonāḳ daḫı ileri (5)
yöriyeler.

352 Fehlt bei TULUM.


353 Bu arālıḳta sehr klein und dicht geschrieben; wahrscheinlich eine spätere Ergänzung.
Tārīḫ-i Ebü’l Fetḥ 125
(Osmanische Primärquellen)

75 Und durch dieses großzügige Geschenk, [noch bevor] jede beliebige zweckmäßige
Vorkehrung oder [jeder] überzeugende Vorschlag, der sich hinter der Vernunft befindet,
den größten Epen der Versammlungen [zuteil wird], das heißt die Verwirklichung findet
durch die Wesire statt, [wobei] die Vollstrecker den Wert [des Verses] „Er hat zu allem die
Macht“ 354 [erfahren], wenn jenes Vorhaben gemäß der Feststellung der Absicht 355 sich
80 verwirklicht. Und der Beweis dieser Aussage ist die folgende Geschichte: An einem Tag hat,
wie bestimmt, der Großwesir Mahmud Paşa die Kundschafter zusammengerufen und Mahmud P.
Kommandant der
nachdem er bestimmte, wo sie eine Erkundung und genaue Aufklärung aus der Gegend Vorhut; überquert
sammeln sollen, unterstellte er die Befehlshaber und die Garden vor dem Lager in Donau

Übereinstimmung mit der Herrschaft 356 seinen Befehlen.

85 Doppelvers:
An einem Morgen, blitzend vom Triumph,
Gehorchte der Sieg dem Heer jener Gewalt des Schahs.

Prosa:
(Unmittelbar) hinter ihm befahl auch der Souverän, unerbittlich wie das Schicksal, dass man
90 den Aufbruch vorbereite. Das Heer, ein unbeweglicher Berg, bewegte sich wie das Meer.
Angekommen in die Nähe des vorherbestimmten Halts, teilten die Kundschafter des Ort ohne Wasser;
Beschreibung der
siegreichen Heeres die folgende Nachricht mit: „An jenem Halt ist nicht genug Wasser zu Hitze

trinken. Wo sind die Esel und die Lasttiere 357 so lange stehen geblieben?“ Die Hitze erreichte
ein solches Maß, dass es möglich war, auf den Stahlrüstungen der Glaubenskämpfer kebap
95 zuzubereiten. Aus diesem Grunde erreichte die Unruhe das einem Spiegel ähnliche Herz
des Großherrn und lastete den Irrtum der Nachlässigkeit seinen geehrten Untergebenen an.
In diesem [schwierigen] Moment wurden die Befehlshaber zurechtgewiesen und bestraft.
Schließlich wurde es nötig, da sich in der Umgebung kein Wasser fand, 358 eine weitere
Etappe (konak) vorzurücken 359.

354 Kur’an 41,39; 46,33 (PARET 19802, S. 337 u. 356.).


355 Die Demonstration der Absicht (arab. niyya; osman. niyet) war unabdingbar für einen islamischen
Anführer um zu belegen, dass er sich auf dem Pfad Gottes (fi sebili’llahi) befand. Vgl. MORABIA: Le
Ğihad dans l’Islam.
356 Eulogie zur Bezeichnung des Sultans.
357 Welche die Versorgung mit Wasser unterstützten. Es gab sogar eine hierauf spezialisierte Abteilung
der osmanischen Armee, die sakacı.
358 Es ist unklar, ob damit tatsächlich die klimatischen Umstände des Feldzuges gemeint sind, oder ob es
sich um eine Allegorie handelt, wodurch der Autor die Anstrengung der islamischen Kämpfer
hervorheben will. Zwei Argumente stützen die letzte Vermutung: Die osmanische Armee marschierte
durch die Walachei während der Fastenzeit (ramadan); in den durchzogenen Territorien befinden sich
zahlreiche Flüsse, zudem waren diese bis in die Neuzeit noch von dichten Wäldern bedeckt (auch von
T. erwähnt – s. unten). Wahrscheinlich waren die Teilnehmer am Feldzug vom Fasten entbunden, T.
aber legt besonderen Wert auf religiös konforme Darstellungen.
359 Ähnlich wie in der römischen und später auch in der byzantinischen Armee marschierten die
osmanischen Soldaten in regelmäßigen, vorbestimmten Etappen (konak) und machten Halte (menzil)
zum Ausruhen und zur Ernährung. Die Marschdistanzen waren vorherbestimmt. Vgl. Doukas (→),
S. 61 („sieben Tage Marsch“). Nach erhalten gebliebenen Belegen war ein konak nicht länger als 20-
22 km/Tag, häufig sogar noch deutlich kürzer. Die Geschwindigkeit und Länge der Marschetappen
126 Ṭūrsūn Beğ
(Osmanische Primärquellen)

El-ḳıṣṣa, çün heẕār taʿab ü zahmetle ikinci ḳonāğa (6) yitişdiler, dergāh-i ẓafer-penāh ve
zümer-i ḫizbuʿllāh ḳuruldı ve ḳonuldı. (7) Henūz ḳılıçlar bilden ve süñüler elden gitmedin, 75
„Düşmen geldi“ ḫaberi (8) oldı.
Meğer būnuñ aṣlı bu imiş ki ser-ḫayl-i Eflāḳ Ḳazıḳlu Voyvoda, (9) adūsı Kāra Boğdān ṭarafından
vilāyetin ṣaḳlamāğ~’çün ol kenārda yidi (10) biñ güzide ʿaskeri ile beğlerbeğisin ḳomışmış.
Cenāb-i ẓafer-yāb (11) canibinden daḫı ʿAli Beğ-oğlı Evrenōz Beğ’e ol ṭarafa aḳın verildi. (12)
96b Kāfir anuñ seğirdim ėtdüğin işidicek, aḳıncı yorġunına tamaʿ ėdüb 360 (13) derbendi ağzına 80
gelüb buṣuya girmiş. Şol kasda ki ġāzīler | uğurın görüb yorġūn arġūn dönicek, yollārın alub
ḳıralar. Nāgāh (2) „wa qāna ḥaqqan ʿalaynā nunǧi’l-muʿminin“ perdesinden 361 bu laṭīfe-i Rabbāni (3)
ṣuret gösterdi ki ẕikr olunduğı gibi ol ḳonāḳta [114] ber-ḫılāf-i (4) tedbīr çün ṡemer gösterdi,
yaʿnī ṣu bulunmadı, ḳāyid-i taḳdir ʿasker-i (5) manṣūrıñ 362 kerhen sürüb ol mecmaʿ-i küffār-i
eşrār üzerine getürdi. (6) Ve ormānlar gürlüğinden sipāh-i ẓafer-penāh ol menzile yitişdüğin 85
(7) kāfir bilmeyüb ordu tıraşçısı yayıldūğından Evrenoz Beğ aḳıncısın (8) ṣanub çerīk-i

maḥẕūlin on ālāy ėdüb Rūm-ili ṭarafından (9) geldi, yöridi.


Çün „Düşmen geldi“ ḫaberi yitişdi, ol ḳadar (10) avāz deryā-yi ʿaskere telāṭum vermeyüb
ḳapu ḫalḳı ve Anāṭolı (11) aṣla ḥareket~ėtmedi, yerlerinde müheyya ṭurdılar. Ḥażret-i
pādişāh, (12) Mahmūd Pāşā’ya düşmene muḳābele ėtmeğe emr etdi. 90

waren von der Länge des Marsch- und Gepäckzuges sowie von der unterschiedlichen
Geschwindigkeit der verschiedenen Abteilungen eingeschränkt. Vgl. MURPHEY: Ottoman Warfare, S.
65-70. Eine mangelhafte Koordination hätte sehr schnell die Kohäsion des gesamten Heeres in
Gefahr gebracht und es dadurch für feindliche Angriffe verletzbar gemacht.
360 Idüb supra geschrieben.
361 Perdesinden supra sehr klein geschrieben; wahrscheinlich eine spätere Ergänzung.
362 TULUM: manṣūrı.
Tārīḫ-i Ebü’l Fetḥ 127
(Osmanische Primärquellen)

100 Kurz, als sie zwischen tausend Mühsalen und Schwierigkeiten am nächsten Halt ankamen,
ließen sich der siegreiche Hof [des Sultans] und die Gefährten der Parteiung Gottes nieder
und lagerten363. Genau als sie die Schwerter aus den Händen ließen und zum Spaten Plötzliches
Erscheinen des
griffen364, wurde gemeldet: „Der Feind ist gekommen!“ Feindes

Nun, der Grund dafür war, dass der Kommandant (ser-hayl) der Walachei, Kazıklı Voyvoda, V.s Feindschaft mit
der Moldau und seine
105 um seine Provinz vor dem moldauischen Feind zu schützen, an jene Grenze (kenar) eine Maßnahmen

ausgesuchte Streitmacht von 7.000 Soldaten beordert hatte, [unter dem Kommando] seines
Obergouverneurs (beğlerbeğ)365. Auch seitens Seiner siegreichen Majestät wurde Ali Beğ, Sohn Evrenos Ali Beğ auf
akın geschickt
des Evrenos Beğ, der Auftrag erteilt, einen Streifzug (akın) in jene Richtung [zu
unternehmen]. Als der Ungläubige davon erfuhr, dass sie zurückweichen [würden], ersehnte Walachisches Heer
erfährt von den akıncıs
110 er die Müdigkeit der Streifzügler, kam zum Eingang des Passes und versteckte sich [dort]. Ali Beğs

Sie (sic!) sahen voraus, dass, wenn die Glaubenskämpfer ihre Aufgabe erfüllen und ermüdet
und entkräftet zurückkehren (würden), würden sie ihren Weg kreuzen und sie vernichten.
Plötzlich zeigte sich aber die Gunst des Herrn366 gemäß dem Vers: „Es war (oder: ist) eine
Verpflichtung für uns, den Gläubigen zu helfen.“367 [In der Tat], wie berichtet wurde, da
115 sich an jenem Halt sein Widerstand gegen das ursprüngliche Vorhaben zeigte, und zwar
weil man kein Wasser fand, brachte der Führer der Vorsehung die triumphierenden
Krieger, ohne dass er es wollte, vor die Haufen der verworfenen Ungläubigen. Wegen der Hauptheer mit akıncıs
verwechselt und
dichten Wälder wusste der Ungläubige nicht, dass die siegreiche Reiterei an jenem angegriffen

Halt(eplatz) (menzil) angekommen war, und [weil] er das nach Plünderung zerstreute Heer
120 [des Sultans] für die Steifzügler des Evrenos Beğ erachtete, ordnete er sein gottverlassenes Walachen kommen
von der Seite der
Heer in zehn Abteilungen und rückte vor, (heran)kommend an der Seite Rumeliens368. Rumelier

Als die Nachricht „Der Feind ist gekommen!“ eintraf, beunruhigte eine solche Stimme das
Meer des Heeres nicht, und die Pfortetruppen (kapu halkı)369 und [die Truppen aus] Mahmud Paşa mit
Aufstellung des
Anatolien wankten nicht, [sondern] standen bereit an ihrer Stelle. Seine Majestät der Sultan Heeres beauftragt

125 befahl Mahmud Paşa sich dem Feind entgegen zu stellen.

363 D. h. die Glaubenskämpfer (gazi), die Verteidiger und Verbreiter der wahren Religion Gottes.
364 Die osmanische Armee besaß auf Pionierarbeiten spezialisierte Hilfseinheiten (serahor). Sie sollten u.a.
Wege vorbereiten, Brücken reparieren und provisorische Lager aufbauen.
365 Wahrscheinlich ist damit der vornic („Hofmeister“ > slaw. dvornikʾʾ), der höchste Rang in der
walachischen Hofhierarchie gemeint. Vgl. STOICESCU: Curteni şi slujitori, S. 186-187; SACHELARIE /
DERS.: Instituţii feudale, S. 511f. Der vornic erfüllte u.a. auch militärische Funktionen. Die Einrichtung
dieses Amtes ist häufig nachweisbar in den Donaufürstentümern. Vgl. Ebenda, S. 231-232. Für den
Fall, dass T. die hochrangigen walachischen Adligen miteinander verwechselt, ergibt sich als
Alternative der spătar („Schwertträger“ > lat. spata; Anführer der Leibgarde des Woiwoden). Vgl.
DERS.: Sfatul domnesc, S. 243-247. Aus den erhaltenen Urkunden der Walachei ist jedoch nicht
belegbar, wer diese Position zur Zeit der Kampagne Mehmeds II. gegen die Walachei innehatte. Der
letzte vornic dieser Herrschaftszeit, Galeş, bzw. spătar, Buriu, sind in der Urkunde vom 10. Februar
1461 belegt (vgl. Corpus Draculianum, 1. Bd.).
366 Gott.
367 Kur’an 10, 103; 30, 47 (PARET 19802, S. 286).
368 Also der rechte Flügel der osmanischen Armee, die aus den europäischen Provinzen des Reiches
zusammengestellt wurde. Vgl. CHRISTENSEN: Heathen Order, S. 97.
369 Die Eliteeinheiten, darunter auch die Janitscharen aus der unmittelbaren Nähe des Sultans, auch als
kapı kulu („Pfortenknechte“) bekannt. Vgl. ausführlich Ismail Hakkı UZUNÇARŞILI: Osmanlı Devleti
Teşkilatından Kapıkulu Ocakları. Ankara 1988.
128 Ṭūrsūn Beğ
(Osmanische Primärquellen)

97a Ber-vefḳ-i emr-i (13) vācibü’l-imtiṡāl tertīb-i ālāy u ṣufūf ėdüb, öñine ʿazebin | ṭutub, teʿkīd-i
cenāḫayn etdi. Ṭaraf-i meymene, Turahān Beğ-oğlı (2) ʿÖmer Beğ ve ʿAlī Beğ-oğlı Aḥmed
Beğ ve Miḫāl-oğlı ʿAlī Beğ (3) ve Malḳoç-oğlı Bālı Beğ, daḫı niçe be-nām beğlerle muvaṭṭad;
ve cānib-i (4) meysere, Arnavud-ėli beği Naṣūh Beğ ve Yānya beği Develü-oğlı ʿUmūr Beğ (5)
ve Miḫāl-oğlı İskender Beğ, daḫı ānlaruñ emṡāli ümera~ile müʾekked, (6) düşmene ḳarşu 95
yöridi. Ve hemān ki kāfir ormān iḥticābından (7) çıḳub bu tertibi ve aʿlām-i zerrīn-ser
perçemleri ḥareketin gördi, (8) yañılduğın bildi. Hevl ü hirās ol ḳalblaruñ ḳulūbına şöyle (9)
müstevli oldı ki

Mıṣraʿ
Bī-anuñ370 der-muḳābele ḫūn-bār şüd ḥüsām371 100

(10) Mıṣraʿ
Tīğ u teber żarbına372 puşt ü ḳafa ṭūtdılar.

Neṡr373
Kāfir ṣındı, (11) gürīzān oldı. Gāziler yitişüb, her ḳanḳı alāyına uğradılarsa (12) tīğ-i ḫūn-bārla
ḫıyār gibi ṭoğradılar ve baʿżı374 esīr-i bend-i bevār (13) etdiler. Meğer bir ālāy ki ser-ḫayl-i 105
97b merede ile maʿreke-i mühlikeden | birez uzāmış, üftān-ḫīzān vādi-yi ḫıẕlān arāsında
ḳaçarken, (2) Evrenōz Beğ bölüğine ṭūş geldi.
Ānlar daḫı ṭoyūm olub, esīr-i (3) keṡīr ve ġanāyim-i bi-ḥaddla yorġūn, ekṡer ātlarından enüb
piyāde (4) gelürken, ḳażıyyeden ġāfiller nāgāh gördiler ki bir küskütük kāfir (5) ālāyı būnlara
ḳarşu yöridi. Ġāzīler yorġūn ve müteferriḳ bulunub (6) ol cemʿe muḳāvemetden mertebe-i 110
ʿacze varub, Ḥaḳ Taʿālā’ya tevekkül [115] (7) ėdüb ḳarşu yöridiler. Kāfir ḫod ṣınġūndı, bir
ṭarafa daḫı ḳaçdı. (8) Bildiler ki kāfir ṣınġūndur, ardına düşüb baḳıyyesin daḫı ānlar (9)
ḳırdılar. Yidi biñ kāfirden yidi yüz kāfir ḳurtuldı.

370 TULUM: bī-ān ki.


371 ḥüsām supra geschrieben.
372 TULUM: darbına.
373 Fehlt bei TULUM.
374 TULUM: baʿżını.
Tārīḫ-i Ebü’l Fetḥ 129
(Osmanische Primärquellen)

[Dieser], der Ausführung des Befehls entsprechend, stellte die Reihen (alay) auf und
(bestimmte) die Ränge, stellte die ʿazap[-Einheiten] 375 an der Vorderseite [der Aufstellung]
auf und verstärkte die Flanken. Er festigte die rechte Flanke mit ʿÖmer Beğ Sohn der Kommandanten des
rechten und linken
Turahan 376, Ahmed Beğ, Sohn des ʿAli Beğ, ʿAli Beğ, Sohn des Mihal, Bali Beğ, Sohn des Flügels

130 Malkoç und anderen namhaften Kommandanten, und verstärkte den linken Flügel mit
Anführern (ümera) wie Nasuh Bey, Beğ von Albanien, Umur Beğ, Sohn des Develü, Beğ von
Yanya, Iskender Beğ, Sohn des Mihal, und noch andere, [und] sie marschieren gegen den
Feind. Kaum hatten die Ungläubigen, die aus den Windungen des Waldes herausgekommen
waren, diese Aufstellung und die Bewegung der Standarten ähnlich des Büschels eines
135 goldenen Kopfes (zerrin-ser) gesehen, wussten sie, dass sie einen Fehler begangen hatten.
Furcht und Schrecken fuhren in ihre Herzen, bis zu dem Maße, dass der Ungläubige
verschwand und floh.

Vers:
„So wie vor dem blutigen Säbel“

140 Vers:
„Sie Rücken und Nacken den Hieben der Hellebarde und dem Schwert anboten.“

Prosa:
Die Glaubenskämpfer kamen an, schnitten jede Abteilung, die sie antrafen, wie Gurken mit
den von Blut triefenden Schwertern. Und einige Ungläubige endeten als Gefangene der
145 ewigen Verdammnis. Dennoch, einer Abteilung gelang es unter ihrem starrsinnigen
Anführer (ser-hayl) sich ein wenig vom verhängnisvollen Schlachtfeld zu entfernen, und sie
stießen auf die Truppen des Evrenos Beğ, als sie flüchtend im Tal der Trostlosigkeit
umherirrten.
Diese Letzteren kehrten [vom Streifzug] zurück und waren erschöpft [und beladen] mit
150 unendlichen Gefangenen und Beutestücken ohne Zahl; viele [von ihnen] waren von ihren
Pferden abgestiegen und als sie unwissend über das Geschehen zu Fuß gingen, sahen sie
plötzlich, dass eine hilflose Abteilung (alay) des Ungläubigen ihnen entgegen marschierte. Die
Glaubenskämpfer waren erschöpft und zerstreut und schienen nicht in der Lage, der ganzen Eine walachische
Abteilung trifft auf
[militärischen Macht der Ungläubigen] zu widerstehen, indem sie [aber] auf den Herrgott – die müden akıncıs

155 möge [Sein Name] gepriesen werden! – vertrauten, marschierten sie [zum Angriff]. Die
Ungläubigen wurden zerstreut und flüchteten in eine andere Richtung. Die
Glaubenkämpfer begriffen, dass der Ungläubige geschlagen war, stürzten sich in seinen Akıncıs massakrieren
Rücken und vernichteten auch die Übriggebliebenen. Von 7.000 Ungläubigen überlebten die Feinde: von 7.000
fliehen 700
[nur] 700.

375 Leicht bewaffnete Fußsoldaten der ersten Reihe. Ihre militärische Aufgabe bestand in der
Destabilisierung der feindlichen Reihen und in der Vorbereitung der Aktionen der schwer
bewaffneten Truppen.
376 Vgl. den originellen Bericht des Chalkokondyles (←), S. 35, in dem Ömer wiederum von Mahmud
Paşa aufgestellt wird.
130 Ṭūrsūn Beğ
(Osmanische Primärquellen)

Çün perde-i (10) ʿināyet māverāsından bu ġazā-yi ġarrā ṣūret gösterdi, kāfir (11) bāşların
ordūnuñ ḳaṭār ḳaṭār devêlerine 377 ve ḳātırlarına yükletdükden ġayrı, (12) her ġāzi süñūsine 115
bir bā ş dikilüb, her süñü bir mār-i merdüm-ser şeklin (13) gösterdi. Hava bir ʿaceb şekl
98a bağladı. Biñ niçe yüz diri kāfir| zencīrlere çekilüb, dergāh-i ẓafer-penāha getürdiler. Çün
namāz-i (2) maġrib edā olundı, meşʿalêler yandı. Pādişāh-i muẓafere kürsi (3) ḳonulub oturdı.
Daḫi ol dīv-şekl ehrimen-heyʾet kāfiri getürdiler. (4) Yeñiçeri ve ḳapu ḫalḳı ḳılıç üşürüb,
ṡüʿbān-i Mūsi siḥr-i seḥerêye etdüği (5) gibi, ṭarfetü’l-ʿayn içinde tīğ-i ḫūn-ḫwāra yidürdiler. 120
Çün bu ʿīd-i saʿīd-i (6) devlet-nüvīd ṣūret gösterdi, pādişāh-i encüm sipāh niʿmet-i fevz (7)
muḳābilinde Melik-i ẕü’l-minen ḥażretine envāʿ-i şükrler etdi (8) ve beğlerine ve ḳūllarına
iḥsānlar ḳıldı.

Beyt
Yaḳīn durur ki bu maʿnīyi bildi ḫāṣla ʿām 125
(9) Ki fetḥ ü fevz ü ẓaferdür netīce-i İslām

Götürdi ẓülmet-i küfri ḥüsām-i ẓıllu’llāh


(10) Münevver etdi 378 cihānı sinān-i şāhenşāh

Būnuñ mūḳabelêsinde çoğ eyledi iḥsān 379


(11) „La’in šakartum“ ümīziyle yaʿnī ol sulṭān. 130

Neṣr 380
Al-ḥamdu li’llāhi’l-Meliki’l-Mannān.

377 -ine supra geschrieben.


378 Das Schluss-ya wird durch Vokalisation wiedergegeben.
379 iḥsan supra geschrieben.
380 Fehlt bei TULUM.
Tārīḫ-i Ebü’l Fetḥ 131
(Osmanische Primärquellen)

160 Als dieser glorreiche Glaubenskampf aus dem Schleier des göttlichen Beistands getreten war,
führten [nicht nur] die islamischen Krieger volle Reihen von mit Köpfen der Ungläubigen
[bepackten] Kamelen und Maultieren des Heeres [mit sich], [sondern] auf jeder Lanze der
Glaubenskämpfer war auch ein Kopf aufgespießt, [so dass] jede Lanze einer Schlange mit
einem Menschenkopf ähnelte. Der Himmel nahm einen erstaunlichen Anblick an.
165 Eintausend überlebende Ungläubige, in Ketten gelegt, wurden vor die den Sieg
davontragende Herrschaft 381 gebracht. Als der namaz 382 zum Sonnenuntergang erfüllt wurde,
wurden die Fackeln angezündet. Der Thron wurde für den siegreichen Großherrn errichtet
und er saß [darauf]. Sie brachten [vor ihn] auch diese riesigen Ungläubigen mit Hinrichtung der
Gefangenen vor dem
Dämonengesichtern. Die Janitscharen und die Pfortetruppen ließen die Schwerter Sultan

170 herabfallen und, wie die Suʾban 383 des Moses die Magier verzauberte, löschten sie in einem
Augenblick den Durst der blutdürstigen Klingen. Als diese glückverheißende Zeremonie ihr
Ende zeigte, wollte der Großherr [dieses] Heeres Myriaden [von Sternen] [gleich] dem
freigiebigen Herrn danken für das Geschenk dieses Erfolgs und erging sich in Freigebigkeit
gegenüber seinen Kommandanten und seinen Sklaven 384.

175 Doppelverse:
Es ist gewiss, und das wissen Adelige und einfache Menschen:
Das Ergebnis des Islams ist die Eroberung, der Sieg und der Erfolg.

Das Schwert des Schattens Gottes hat das Dunkel des Unglaubens vertrieben.
Die Spitze der Lanze des Königs der Könige hat die [ganze] Welt erleuchtet.

180 Um all dies zu erwidern, erging sich jener Sultan in großzügigen Taten,
Hoffend auf die Gunst des Verses: „wenn ihr dankbar seid“ . 385

Prosa:
Gepriesen bist Du Gott, freigebiger Herrscher!

381 Eulogie zur Bezeichnung des Sultans.


382 Gebet nach islamischem Ritus; hier das Abendgebet.
383 Riesige mythische Schlange.
384 Damit sind die bereits erwähnten Pfortetruppen und vor allem die Janitscharen gemeint. Alle wurden
als Kinder nach dem devşirme-System von den christlichen Bevölkerungen des Reiches –
ausgenommen waren die Bewohner der Donaufürstentümer – erhoben und islamisiert, woraufhin sie
in die islamische Staatsgewalt als Sklaven (kul) des Sultans eingingen. (vgl. Aşık Paşa-zade (←), Fn.
311. Vgl. die klassische Monographie von Basilike PAPOULIA: Ursprung und Wesen der "Knabenlese" im
Osmanischen Reich. München 1963. Für die vorosmanische Zeit vgl. Daniel PIPES: Slave Soldiers and
Islam. The Genesis of a Military System. New Haven, London 1981.
385 Kur’an 14,7 (nach PARET 19802, S. 179: „Wenn ihr dankbar seid, werde ich euch noch mehr
(Gnade) erweisen.“).
132 Ṭūrsūn Beğ
(Osmanische Primärquellen)

(12) Ḥāṣıla, taḳriben otūz gün, deryā-yi mevvāc gibi ʿasākir-i gerdūn(13)-meʾāṡir feżā-yi
98b memleket-i Eflāḳ içinde müteṣādim oldı ve emv āl-i | ġanāyim, ḥuṣūṣā sebāyā-yi kerāyim,
oğlāndan ve ḳızdan, ordū-yi (2) hümāyūn meşḥūn oldı. 135
Ve bir dem ki türk-i maşrıḳ-intisāb ser-i (3) istirāḥati ḫwāb-gāh-i mağribe ṣaldı, ve hindū-yi
şeb-i tīre-reʾy-i (4) dehşet-fezāy be-ḳaṣd-i [116] şebāheng kemīn açdı, yaʿni, bir gėce ki (5) ḳaża
ol çerīk-i maḫẕūlüñ cānlarına şebīḫūn ėtmelü oldı. Ser-ḫayl-i (6) merede, yaʿni [ol] 386 müdbir
ü mağrūr ḳaṣd etdi ki kendüyi ve askerini (7) pervāne-vār şemʿ-i devlet-i ḳāhireye ṣāla ve bile
ki „rubba hīlatin (8) ʿalā ṣāḥibihā wa bīlatun“ meṡel-i vākiʿdür. „Iḏā ǧāʿa’l-qażā ʿamiya’l-baṣar“ (9) 140
sırrınca, ol laʿīn-i bi-dīn bilmedi ki bir nehr ummāna ṭoḳışmaḳdan (10) kendü maḥv
olmāsından ġayrı netice vėrmez. Pes, bu niyyeti ʿamele (11) getürmek içün, bir gice, ki ol bed-
fiʿlüñ ḥālinden tīre-ter ve (12) ḥāl-i ġuzāta naẓar, nehār-i viṣāl-i dilberden rūşen-terdi, kār-
99a güẕārān-i (13) kārzār ʿaskerin cemʿ ve müheyya ḳılūb, ḳaṭra ʿummana düşer gibi | ordu-yi
hümāyūna kendüyi urdı. Evvel Anāṭōlı ʿaskerine (2) ṭoḳundı ve ānda ḥāllerine münāsib „uḫiḏū 145
wa quttilū“ (3) oḳundı. Teşābük-i aṭnāb-i ḫıyām-i muʿasker-i ẓafer-fercāmdan (4) ol çerīk-i
maḫẕūl mecāl-i duḫūl bulmâyub nāçār ʿasker-i bi-kerān (5) kenārın ṣıyırdub ḳapu ḫalḳına ve
baʿzı ḫayme-i yeñiçerīye u ğradı, (6) amma ol bilür ki ānda neye uğradı. Bu cihetden ki
mihmān-i ʿazīz (7) değüldi, efvāh-i mesāmlarını nüzl-i nevādir-i sihāmla mümteli ḳıldılar.

Naẓm 150
(8) ʿAdūdan şu deñlü revān oldı ḫūn
Kim oldı ḳarāñu gice lāle-gūn
(9) Ḳılıçlar şuʿāʿından ol tire şeb

Şu zengīye beñzerdi ki açmışdı leb 387

386 Ergänzung bei TULUM.


387 leb supra geschrieben.
Tārīḫ-i Ebü’l Fetḥ 133
(Osmanische Primärquellen)

Zusammengefasst, etwa dreißig Tage durchstieß das dem Himmel gleiche Heer wie das Sultan verweilt einen
Monat in der
185 Meer in den Sand des Landes (memleket) der Walachei und das sultanische Lager füllte sich Walachei

von erbeuteten Reichtümern, vor allem mit preiswerten Gefangenen, Kindern und
Knaben 388.
Und zu der Zeit, in der der Türke sich im Osten erhob, um seinen ermüdeten Kopf nach
dem Westen des Lagers zu neigen, und in der der Inder 389 die Finsternis der Nacht erhört,
190 um dem Morgenstern aufzulauern, in einer [solchen] Nacht [veranlasste] das Schicksal die
Seelen dieses gottverlassenen Heeres, einen Nachtangriff zu unternehmen. Der V. unternimmt einen
Nachtangriff
Kommandant der Starrsinnigen 390, das heißt dieser Unglückliche und Anmaßende, plante
das verbrecherische Vorhaben, dass er selbst samt seinem Heer gegen den Sultan vorrückte
wie ein Nachtfalter [gegen] das Licht, und er wusste, dass das Sprichwort „Eine List mehr
195 Schaden bringt, als man denkt“ 391 wahrhaftig ist. Dem Geheimnis gemäß, „wenn das
Schicksal kommt, ist das Auge blind“ 392, wusste jener Verfluchte ohne Treue 393 nicht, dass
ein Strom, nachdem er auf den Ozean trifft, selbst keine [andere] Wirkung erzeugt [als] zu
verschwinden. Daher, um seine Vorhaben umzusetzen, sammelte und bereitete er eines
Nachts, die dunkler war als der Zustand seiner Taten und im Gegensatz zu den
200 Glaubenskämpfern, [deren Zustand] leuchtender war als der Tag des Treffens mit dem
geliebten Liebchen, sein Schlachtheer und marschierte gegen das Lager des Sultans selbst, V. stößt zunächst auf
die Anatolier
ähnlich eines Tropfens, der (immer wieder) ins Meer stürzt. Zuerst kam er in Berührung mit
dem anatolischen Heere 394. Passend zu seiner Lage trifft der Vers zu: „Wo immer man sie
zu fassen bekommt, wird man sie angreifen und rücksichtslos umbringen.“ 395 Da es nicht
205 gelang, ins Innere der Zelte des siegreichen Lagers zu gelangen, endete jenes gottverlassene
Heer unweigerlich gegen die Pfortetruppen und gegen einige Zelte der Janitscharen, aber er V. trifft auf die
Janitscharen
wusste (wie immer) was ihn dort erwartet. Da sie keine willkommenen Gäste waren, wurden
sie gesättigt mit einer üppigen Mahlzeit köstlicher Pfeile.

Gedicht:
210 Das Blut floss vom Feinde in solchem Ausmaß,
Dass die finstere Nacht die Farbe der Tulpe annahm.
Durch das Funkeln der Schwerter hat jene finstere Nacht
Dem Äthiopiern 396 geähnelt, als er die Lippen öffnete.

388 Zur Vermarktung oder als Alternative zum devşirme für den Staatsapparat.
389 D. h. der Türke ist die Sonne und der Inder der Saturn.
390 D. h. die Rebellen, welche hartnäckig die gerechte Autorität des Sultans ablehnen.
391 Herkunft unbekannt.
392 Herkunft unbekannt.
393 Die größte Sünde eines Vasallen – so auch im Falle des Kazıklı – war die Ablehnung der şükr
(Dankbarkeit dem Gott, hier dem hierarchischen Herrn gegenüber). Vgl. die Einleitung dieses
Kapitels.
394 Vgl. Chalkokondyles (←), S. 31, Doukas (←), S. 63, Enveri (←), S. 93, und Aşık Paşa-zade (←), S.
113.
395 Kur’an 33, 61 (PARET 19802, S. 298).
396 Aus heutiger Sicht als rassistisch zu bezeichnender Vergleich: Gemeint ist die schwarze Farbe zur
Darstellung der Finsternis. Vgl. Kemal Paşa-zade (→), S. 255.
134 Ṭūrsūn Beğ
(Osmanische Primärquellen)

(10) Neṡr 155


Çün ānda daḫı ẓafer bulmayub ekser mecruḥ u şikeste (11) düşḍiler, ḳaçmağa yüz ṭutdılar.
Gice ḳarūñusunda ordū-bāzār (12) yolın ṭarīḳ-i necāt sānub aña yöridiler. Ol ḫōd reh-i
99b helākleri oldı (13) ki, getürdi, Rūm-ili ʿaskeri arāsına düşürdi. |
Çün her çādırda müteʿaddid mūmlar ve şemʿler yāndı, ve yir yir (2) müheyya dūran merdān-i
ebṭāl naʿralar urdı 397. Küffār-i bed-kirdār serāsīme (3) oldı. Şol ḳūş gibi ki çerāğ ışığından 160
şāşub gözleri ḳamaşub (4) fürce-i necāt ṣānub kendüyi āteş-i fetīleye ṣalar; būnlar daḫı (5) şöyle
şaşub şemli müteşettit ve cem'i müteferriḳ oldı. Ekṡeri (6) ātdan āyrılub, birin ikin ḳaçub,
gürūh-i ġuzāt arāsına ya silāḥın (7) döküb çādıra girürdi. Şol hadde zebūn oldı, ki on yāşında
(8) oğlān sayis ve āşçı şāgirdi, birden ikiden zeber- [117] dest kāfirleri (9) zīr-dest idinüb

maḳtele getürdiler. „Wa qaḏalika yufʿalu(10)’llāhu’ẓ-ẓālimīn“. 165


ʿĀḳıbet ol bed-fiʿāl-i pür-vebāl sūḫte ve tīr ü (11) ḫançer-i ġuzātla ciğer-dūḫte bir ṭarafdan
fürce bulub,

Mıṣrāʿ
(12) Be-tenha āmed ü tenha be-der cüst

Neṣr 398 170


mecrūḥ ve nīm-mürde bir ḳaç meredesle (13) çıḳub ḳaçdı. Bākı çerīki, ki çār-yeki ḳalmamışdı,
100a üç ḳısm | oldı. Bir ḳısmınuñ bāşları tenlerinden cüda düşüb ṡimār-i eşcār-i (2) rimāḥ oldılar,
yaʿni süñūlere dikildiler;

Beyt
(3) Çetük gibi ser-i ḫaṣmuñ süñūye çıḳsa ne ṭañ 175
(4) Ki gürbe şīr-i jeyāndan ḳaçub ağāca çıḳar

397 urdı supra geschrieben.


398 Fehlt bei TULUM.
Tārīḫ-i Ebü’l Fetḥ 135
(Osmanische Primärquellen)

Prosa:
215 Weil [die Ungläubigen ihr] kein Glück hatten, vielmehr die meisten verwundet und
zerbrochen fielen, gaben sie ihre [Gesichter] der Flucht hin. Im Dunkel der Nacht glaubten V. versucht durch
den Heeresmarkt zu
sie, dass der Markt des Heeres (ordu-bazar) 399 der Ausweg zu [ihrer] Rettung sei, und entfliehen

marschierten dorthin. Es wurde dagegen der Weg ihres Todes, weil sie [dahin] zogen und Treffen mit den
Rumeliern
inmitten des Heeres aus Rumelien fielen.
220 Inzwischen brannten in allen Zelten zahlreiche Kerzen und Wachslampen, und die
kampfbereiten Helden stießen überall Kampfgeschrei aus. Die verworfenen Ungläubigen
blieben erstaunt. Wie jener Vogel, der, vom Licht der Lampe verwirrt, weil seine Augen
geblendet sind, in dem Glauben auf den Docht springt 400, dass sich die Gelegenheit zur
Rettung [zu bietet], haben diese, gleichermaßen verwirrt, ihre Aufstellung aufgebrochen und
225 sind zerstreut auseinandergelaufen. Der größte Teil ließ [seine] Pferd[e] zurück und, einzeln
flüchtend, gerieten sie in die Mitte einer Gruppe von Glaubenskämpfern, warfen ihre
Waffen (weg) [oder] gingen in die Zelte. Sie waren so wehrlos, dass große Ungläubige von
ein oder zwei kleinen Knaben, Stalljungen oder Kochlehrlingen 401 gefangen wurden, welche
sie zur Bestrafung führten: „Das ist es, was Gott mit den Sündern tut.“ 402
230 Schließlich gelang es diesem starrsinnigen Sünder 403, halbverbrannt und mit einer von
Pfeilen und Dolchen der Glaubenskämpfer zerrissenen Leber, an (irgend)einer Seite zu
entkommen.

Vers:
Von allein ist er gekommen und von allein ist er zur Tür gesprungen.

235 Prosa:
Verwundet und halbtot zog er ab und flüchtete mit einigen [seiner] Rebellen. Der Rest
seiner Truppen, von denen nicht (einmal) ein Viertel übrig geblieben war, wurde in drei Dreiteilung der
Armee V.s; nur ein
Gruppen aufgeteilt. Die Köpfe [derjenigen] der ersten Gruppe wurden vom Körper Teil davon rettet sich

getrennt, um auf den Bäumen zu Früchten für die Vögel zu werden, das heißt sie wurden
240 auf die Lanzenspitzen aufgespießt.

Doppelvers:
Wunderst du dich, dass der Kopf deines Feindes auf einer Lanze endet?
Er ist wie der Kater, der auf den Baum flüchtet, um dem wilden Löwen zu entkommen.

399 Die damaligen Heere wurden von vielen nicht direkt am Krieg beteiligten Personen begleitet, die den
Soldaten ihre Dienstleistungen anboten. Die meisten waren Geschäftsleute, welche den täglichen,
vom Staat nicht gesicherten Bedarf der Soldaten besorgten sowie ihre Kriegsbeute vermarkteten.
400 Vgl. diese auch bei Idris Bitlisi (→), S. 213 zu findende literarische Konstruktion: der vom Licht
verlockte und getötete Schmetterling.
401 Alle im Heeresmarkt befindlich.
402 Herkunft unbekannt.
403 Kazıklı.
136 Ṭūrsūn Beğ
(Osmanische Primärquellen)

Neṡr
ve bir ḳısmı ki (5) esīr-i bend-i bela oldılar, çün ṭarīḳ-i ġadrde dostlıḳ gösterüb (6) düşmenlik
etdiler, iki yüzlü münāfıḳdan olmış oldılar. Lā-büd, “al-ǧinsiyyatu (7) illatu’ḍ-ḍamm” ḥükmince,
tīğ-i ẕü’l-vecḥeyn daḫı ortālarına girüb (8) bereket-i muṣāḥabeti ile tażʿīf-i ʿadedlerini tanṣīf-i 180
cesedleri ile (9) etdi, yaʿni üç biñ yidi yüz merd-i kārzārlarmı diri getürdiler, (10) ortādan iki
biçdürdi. Üçünci ḳısmı ki maʿreke-i mühlikeden (11) mecrūḥ ve nīm-mürde ḳurtuldı, iki bölük
oldı. Baʿżınuñ maḳāṭıʿ-i (12) ektāfı ḳavāṭıʿ-i esyāf olub, fürec-i cerḥden ki ānlaruñ ḳafes-i
100b tenlerine vāḳiʿ (13) olmışdı, nefs-i ḫabīṡlerinüñ ṭuyūrı ormānlar arāsında | vādī-i
cehennemden yaña ṭayerān ėtdi ve ʿiẓām-i cifêleri ṭuʿme-i (2) kevāsir404 ü ʿıḳbān oldı. Ve baʿzı 185
ḳalīli, ki ceng içinden ḫalāṣ eteğine çeng (3) ergürdi, ser-ḫayl-i merede ile çıḳub, meʾyūs
Üngürūs’a ḳaçdılar.

Beyt
(4) Be-Ton u be-Tunca be-Āb-i siyāh
Be-anca ki hergiz ne-rūyed giyāh. 190

(5) Neṡr405
Üngürūs’a ḫōd çoḳ żarar etmişdi, kendü ayāğı~ile mehlikine [118] (6) vardı. Pençe-i şirden
ḳaçub çetük pençêsin iḫtiyār etdi. Ṭutub (7) ḥabs etdiler, ānda cān cehenneme ıṣmarladı.

Beyt
(8) Hāyini ṣanma ki ber-ḫwārdār406 olur. 195
Yā kesilür bāşı, yā ber-dār olur.

Beyt
(9) Kes ber-esb-i sitem süvār ne-şüd
Ki ne-üftād ḫwār u zar ne-şüd.

404 TULUM: nevāsir.


405 Fehlt bei TULUM.
406 Lesefehler bei TULUM.
Tārīḫ-i Ebü’l Fetḥ 137
(Osmanische Primärquellen)

Prosa:
245 Eine andere Gruppe, welche die Gefangenen des Unglücks waren, denn sie hatten Zeichen
der Freundschaft in unehrlicher Weise gegeben und waren [dagegen] von Feindschaft
aufrührerisch, sie waren von den doppelgesichtigen Heuchlern. Unerbittlich, gemäß des
Beschlusses „die Sorte bewirkt das Gedeihen“ 407, durchdrang auch das Schwert mit zwei (Weitere) walachische
Gefangene
Gesichtern ihre Mitte und verdoppelte ihre Zahl, vermehrte ihre Anzahl und zerlegte ihre hingerichtet

250 Körper in zwei, das heißt, dass 3.700 waffenfähige Männer lebendig herbeigeführt und in
zwei geschnitten wurden.
Die dritte Gruppe, welche, verwundet und sterbend auf dem verhängnisvollen Schlachtfeld
gerettet wurde, wurde in zwei Gruppen [geteilt]. Ein Teil von ihnen wurde an der Kreuzung
der Schultern vom zerspaltenden Schwert eingeholt, so dass die verworfenen Seelen durch
255 die Öffnungen der [zugefügten] Wunden aus dem Gefängnis ihres Körpers durch die
Wälder wie die Vögel in das Tal der Hölle flogen, und die Knochen ihres Gerippes wurden
zur Beute von Adlern und Raubtieren.
Und ein kleiner Teil, dem es gelungen ist, sich aus dem Inneren der Schlacht zu retten, zog
mit ihrem Rebellenführer ab und floh nach Ungarn. V. flieht nach
Ungarn und wird
eingekerkert

260 Doppelvers:
Ein Ende am Don, an der Tunca 408 und an den schwarzen Gewässern,
Dort, wo kein Gras mehr wächst.

Prosa:
[Dieser], der Ungarn Schaden bereitet hatte, kam [in dieses Land] mit seinen eigenen
265 Beinen in die Vernichtung. Er floh aus der Kralle des Löwen und wählte die Pfote des
Kätzchens. 409 Die Ungarn nahmen ihn fest und kerkerten ihn ein. Und hier schickte er seine V. stirbt in Ungarn

Seele in die Hölle. 410

Doppelvers:
Glaube nicht, dass der Verräter gesegnet sei.
270 Entweder schneidet man ihm den Kopf ab, oder er endet aufgehängt.

Doppelvers:
Derjenige, der auf den Sattel des Pferdes der Unterdrückung nicht ansteigt
Ist unedel, er verspielt an der Verworfenheit. 411

407 Herkunft unbekannt.


408 Der Nebenfluss von Marica (gr. Evros; türk. Meriç) in Thrakien. Aus dieser Gegend stammte u. a. der
Ahne eines der zentralen Akteure dieser Geschichte, Ali Beğ aus der Evrenos-Familie (Evrenosoğulları).
409 Der Sultan bzw. der ungarische König.
410 T. zeigt keine Kenntnis von der dritten Herrschaft Vlads (1476), von der Anonymus Giese (→), S.
149, berichtet, da sie anscheinend allgemein bekannt war. Es kann daher spekuliert werden, dass T.
seine Geschichte vor 1476 verfasst hat.
411 D. h. diejenigen, welche ähnliche Untaten wie Kazıklı nicht betreiben, verlieren nicht an Bedeutung
und Prestige, denn diese Eigenschaften ergeben sich aus der Treue gegenüber dem Herrn. Sie
bringen ihre Existenz nicht in Gefahr, weil sie das Machtzentrum nicht provozieren.
138 Ṭūrsūn Beğ
(Osmanische Primärquellen)

Neṡr412 200
(10)Çün intiḳām tamām ḥüṣūle mevṣūl oldı, Şāh Ebü’l-fetḥ daḫı (11) ġāyet-i bende-perverī ve
nihāyet-i çāker-firāzī sebeb~ile, ol memleketüñ (12) ḥükūmetini ol müdbir-i maḥẕūlüñ
ḳarındāşı Rādul Voyvōda’ya ki muḳbil-i (13) ḳabūl-i iḳbāl olmışdı ve niçe yıl ʿömrini rikāb-i
101a devlet ḫiẕmetine | ṣarf ėtmişdi. Sancāḳ-i zerrīn-ser ve tīğ u kemer verüb aña erzāni buyurdı.
(2) Leşker-i İslām emvāl-i ġanāyim~ile muğtenim olub, destūr ḳaftānları ile (3) mütezeyyin 205
olub, ʿasker-i muẓaffer ki yerlü yerine gitdiler, pādişāh-i cihān-küşāy (4) “aʿazza’llāhu anṣārahu”
erkān-i devlet ve ḫavāṣṣ-i bendegānla ṣālt (5) ḳalub dārü’s-salṭana Edrine’ye hulūl buyurdı.

Beyt
(6) Şehüñ devleti çünki ola ḳavi
Olur fetḥ ü nuṣrat anuñ peyrevi. 210

412 Fehlt bei TULUM.


Tārīḫ-i Ebü’l Fetḥ 139
(Osmanische Primärquellen)

Prosa:
275 Als die Rache zur Vollendung gebracht wurde, hat der Schah „Vater der Eroberung“, Kraft
seiner erhabenen Großzügigkeit und Großmut, die er gegenüber seinen Dienern gezeigt
hatte, die Herrschaft jenes Landes dem Woiwoden Radul übertragen, dem jüngeren Bruder Herrschaft wird an
Radu verliehen
jenes unglücklichen Verworfenen, der die Gunst des Schicksals kennen gelernt und viele
Jahre im Dienste des Sultans verbracht hatte. [Der Sultan] brachte ihm die Standarte in
280 goldener Spitze, das Schwert und den Gürtel.
Das islamische Heer belud sich mit den erbeuteten Reichtümern. Während die siegreichen
Soldaten in ihre Herkunftsorte zurückkehrten, prächtig in ihren Festtagskaftanen, zog der
die Welt erobernde Großherr – Gott erhebe seine Anhänger! 413 –, von seinen Beamten und
seinen persönlichen Sklaven begleitet in Edirne ein, in die Residenz des Sultanats.

285 Doppelvers:
Denn groß ist die Macht des Schahs,
Deren Anhänger Eroberung und Sieg sind.

413 Segnen auf Arabisch.


Die Anonymchroniken Tevārīḫ-i Āl-i ʿOsmān/Orūc/ (Pseudo-)Rūhi Çelebi
(Ende 15. Jh. – Anfang 17. Jh.)

Autorschaft
Unter dem Titel Tevārīḫ-i Āl-i ʿOṡmān wird eine lange Reihe von Chroniken über das
„Osmanische Haus“ geführt, deren Autoren nicht bekannt sind. Inhaltlich und stilistisch
variieren diese Werke oft stark, auch ihre zeitlichen Eingrenzungen und Entstehungs-
perioden sind sehr unterschiedlich, je nach dem, wann sie konzipiert beziehungsweise
kopiert wurden. Aufgrund thematischer Ähnlichkeiten und meist ähnlicher Titel werden sie
von der Forschung jedoch im Block betrachtet. Einigen wenigen Werken wurden im Laufe
der Zeit Autoren zugeschrieben, von denen der bedeutendste Orūc b. ʿAdīl ist, wahr-
scheinlich ein Beamter, mit dessen Namen zwei der Hss. unterschrieben wurden. In der
Forschung bleibt die Autorschaft des Rūhi Çelebi strittig 414; die Zuschreibung der hier
verwendeten Hs. wird unterschiedlich beantwortet. Inhaltliche Indizien weisen darauf hin,
dass der Autor möglicherweise ein ʿülema, also ein islamischer Gelehrter gewesen sein
könnte.

Werke
Die Werke dieser Anonymenreihe entstanden auf sehr unterschiedlichen Wegen und in
verschiedenen Perioden. Ein einzelnes Entstehungsszenario ist dabei nicht festzumachen.
Das größte Forschungsproblem liegt in der Trennung zwischen Autor und Kopist
beziehungsweise Bearbeiter. Nach der damaligen Gewohnheit sah sich ein Kopist verpflich-
tet, seine Vorlage nicht einfach wortgetreu wiederzugeben, sondern zugleich auch seinen
eigenen Beitrag zu leisten, indem er diese entweder nach seinem Geschmack oder seinem
Talent stilistisch umformulierte oder erweiterte, etwa weil er zusätzliches Material besaß
oder weil inzwischen weitere, wirkungsmächtige Ereignisse eingetreten waren. Es bestanden
auch ideologische oder persönliche Gründe oder Erwägungen der Unterhaltsamkeit.
Andererseits konnte der Beitrag mancher Autoren sehr gering bleiben, da sie ihre Leistung
an einem vorlagentreuen kompilatorischen Umgang mit den Quellen begrenzten. Es ist
daher gut möglich, dass sogar Kopien nach dem ursprünglichen Werk des Aşık Paşa-zade
(←) zu Gliedern dieser Anonymenreihe wurden. Selbst die Hss. der Aşık Paşa-zade-
Chronik weisen erhebliche Unterschiede auf, welche wiederum auf ähnliche Phänomene
hindeuten. Der bekannteste Kopist und Bearbeiter dieser anonymen Chroniken ist der
historisch gut dokumentierte Muḥyiddīn Cemāli (gest. 1550), der sie, laut mancher Hss., bis
956 H. (1549) fortführte.

Ideologische Ausrichtung
Die ältesten Chroniken sollten nur Aufzeichnungen über die bedeutendsten Ereignisse sein,
jedoch selbst diese frühen Versuche stellen das herrschende Haus im islamischen Ideal-
paradigma dar und sehen die gesamte Geschichte aus Perspektive des ġāza (Glaubens-

414 Aus diesem Grund wird die Bezeichnung (Pseudo-)Ruhi verwendet.


142 Anonymchroniken / Oruc / (P.-)Ruhi-Çelebi
(Osmanische Primärquellen)

kampf). Die proklamierte Absicht des Anonymus Giese ist etwa die Darstellung eines
Buches der Geschichte des Heiligen Krieges bei den Osmanen, um somit nachzuweisen,
dass die Taten dieser Herrscher ausnahmslos Anstrengungen auf dem Pfade Gottes waren.
Die ideologische Belastung wird immer geringer bis unspürbar je näher der Autor an die
Gegenwart kommt. Diese Tendenz wird mit Murad II. dominanter. In dieser Frühphase
fokussieren die Autoren eher auf die Anfänge des Reiches und des Weiteren auf die
Rechtfertigung seiner Fundamente. Anonymus Giese ist zugleich auch eine Reaktion der
altosmanischen Militäraristokratie gegenüber der rapiden Bürokratisierung des Reiches und
somit der Machtübernahme der „fremden“ Beamten. 415 Oruc und Rūhi purifizieren den
Text von solchen Belastungen. Ein Wendepunkt ist die Regierung Bayezids II., als sich die
ideologisierenden Ansätze auf die zeitgenössischen Ereignisse konzentrierten. 416 Die früh-
eren Fassungen werden ideologisch umgebaut oder die ideologische Suprastruktur nun
dazu addiert. Die späteren Rezeptionen sind Teil des historischen Gedächtnisses bei den
Osmanen: Stilistisch und ideologisch wenig originell, stellen sie Erinnerungen aus den
,Goldenen Zeiten‘ dar und dokumentieren die Umwandlung vom Konstrukt zur Tradition.
Diese Reihe spiegelt die gesamte Geschichte der osmanischen Historiographie sowie ihre
Anstrengungen für die Etablierung eines politischen Diskurses wider.

Quellen: vgl. Aşık Paşa-zade (←); mündliche Traditionen, Aşık Paşa-zade selbst oder
Enveri (←) (insbesondere (Pseudo-)Ruhi), und anscheinend Hofalmanache und andere
knappe Hofaufzeichnungen (insbesondere Oruc); stilistische Bearbeitung älterer tevārīh

Handschriften
A. Anonymchroniken 417
1. Istanbul, I.Ü. Merkez Ktp. TY. Inülemin, Nr. 3202 418 (IÜ1): 48 Bl., 11 Zl., nesih,
bis 890 H. (1485), undatiert.
2. Istanbul, I.Ü. Merkez Ktp. TY., Nr. 3704 (Iܲ): 112 Bl., 15 Zl., nesih, bis 893 H.
(1490/1), undatiert.
3. Istanbul, I.Ü. Merkez Ktp. TY., Nr. 587 (Iܳ): 73 Bl., 15 Zl., nesih, bis 956 H. (1552),
undatiert.
4. Istanbul, I.Ü. Merkez Ktp. TY., Nr. 3976 419 (IÜ4): 149 Bl., 24,6x16,2cm, (16x9cm),
19 Zl., bis 892 H. (1486/7), undatiert.

415 Vgl. Aşık Paşa-zade (←): Der gemeinsame Diskurs dieser beiden Quellen ist suspekt und weist auf
Kompilationen anhand des Aşık Paşa-zade hin, denn es ist schwer vorstellbar, dass ein Autor von
seinem Format seine Vorlagen unreflektiert wiedergegeben hat.
416 Ausführlich dazu vgl. Tursun Beg (←).
417 Es wurden die vollständigen Hss. oder die Bruchstücke, welche die hier thematisierte Periode
beinhalten, berücksichtigt. Hinzuweisen ist noch auf eine im Süleymaniye Online-Katalog genannte
Tevārīh-i Al-i ʿOsmān, ohne Beschreibung und weitere Hinweise unter Yazma Baǧışlar Nr. 5801-
014 (aufgerufen am 23. März 2011).
418 Bearbeitet von Halime DOĞRU in der Abschlussarbeit Tevârih-i İbtidâ -i Âl-i Osman. T. C. Marmara
Üniversitesi Sosyal Bilimler Enstitüsü. İstanbul 1986.
419 Bearbeitet von Cihan ÇIMEN in seiner Abschlussarbeit Anonim Tevarih-i Ali Osman (Kurulustan
892/1487’ye kadar). T. C. Marmara Üniversitesi Türkiyat Araştırmaları Enstitüsü. Istanbul 2006; der
Text wird nur in populärwissenschaftlicher Transliteration wiedergegeben.
Tevārīḫ-i Āl-i ʿOṡmān 143
(Osmanische Primärquellen)

5. Istanbul, Süleymaniye Ktp. Baǧdatli Vehbi Efendi, Nr. 1233420 (SV): 96 Bl.
(Chronik nur bis Bl. 90v), 17 Zl., 21x14,5cm, 15x8,5cm, nesih, ta’lik (von mehreren Händen)
und rika (die letzten 5 Bl.), undatiert, Titel: Tevārīḫ-i Āl-i ʿOṡmān.
6. Istanbul, Süleymaniye Ktp. Hüsrev Paşa, Nr. 386421 (SH): 117 Bl., 15 Zl.,
21,4x15cm, (15,5x9cm), kursives nesih, bis 966 H. (1559), Kopist: Mehmed b. Hüseyin,
datiert Sevval 966, Titel: Hikayet-i Al-i ʿOsmān.
7. Istanbul, Süleymaniye Ktp. Aya Sofya, Nr. 3018 (SA): 132 Bl., 20,5x14,5cm,
13x8cm, 13 Zl., kursives sorgfältiges nesih bis 9. Bl., dann mögl. von einer anderen Hand
gebrochenes nesih, undatiert, Titel: Tevārīḫ-i Nesl-i Al-i ʿOsmān Ġāzi.
8. Istanbul, Süleymaniye Ktp. Fatih, Nr. 4206422 (SF): 139 Bl., 13 Zl., 23,4x15cm,
16,5x8,5cm, nesih, Kopist: Yūsuf Saʿdi, datiert 19. Muharren 1264 (27.12.1847), Titel:
Hikayet-i Zuhūr-u Al-i ʿOsmān.
9. Istanbul, Millet Ktp. Ali Emîri Tarih, Nr. 144 (M1): 52 Bl., 19 Zl., nesih mit divani
Einflüssen, bis Machtergreifung Selims I., undatiert, Titel: Der Beyān-i Tevārīḫ-i Al-i ʿOsmān.
10. Istanbul, Millet Ktp. Ali Emîri Tarih, Nr. 1159 (M²): 113 Bl., 9 Zl., nesih, vokalisiert,
bis 970 H. (1562/3), undatiert
11. Istanbul, Arkeoloji Müz. Ktp., Nr. 1331 (A1): 356 Bl., 13 Zl., nesih, vokalisiert,
undatiert
12. Istanbul, Arkeoloji Müz. Ktp., Nr. 376 (A²): 142 Bl., 25 Zl., rikʿa, bis 926 H. (1520),
kopiert 1215 H. (1800)
13. Istanbul, Arkeoloji Müz. Ktp., Nr. 383 (A³): 44 Bl., 31 Zl., nesih, bis 973 H. (1565/6),
undatiert
14. Istanbul, Topkapı Saray Müz. Ktp. Revan Köşkü, Nr. 1099: 209 Bl., 27 Zl.,
28x17cm, nesih, bis 956 H. (1549), aus Süleyman Kanuni’s Zeit, Titel: Cild-i evvel-i Tārīḫ-i Al-
i ʿOsmān.
15. Istanbul, Topkapı Saray Müz. Ktp. Revan Köşkü, Nr. 1100423 (T1): 139 Bl., 15 Zl.,
19,7x14cm, bis 975 H. (1567/8), gebrochenes nesih, undatiert, Titel: Tārīḫ-i Al-i ʿOsmān.
16. Istanbul, Topkapı Saray Müz. Ktp. Revan Köşkü, Nr. 1101 (T²): 130 Bl., 17 Zl.,
24,5x14cm, nesih, vokalisiert, bis 955 H. (1548), undatiert, Titel: Tārīḫ-i Al-i ʿOsmān.
17. Istanbul, Topkapı Saray Müz. Ktp. Sultan Mehmed Reşad ve Tiryal Hanım
Ktp., Nr. 700424 (MR): 86 Bl., 19 Zl., nesih, vokalisiert, bis 896 H. (1490/1), kopiert 1032
H. (1622/3), Titel: Zikr-i Mülūk-i Al-i ʿOsmān ve Ġazavāt-i Işān.
18. Istanbul, Atatürk Ktp. Muallim Cevdet, K-225 (AM1): 104 Bl., 17 Bl., nesih, bis 896
H. (1490/1), undatiert.
19. Istanbul, Türk Tarih Kurumu Ktp., Nr. 41 (TTK1): 121 Bl., nesih, undatiert.
20. Istanbul, Türk Tarih Kurumu Ktp., Nr. 85 (TTK²): 244 Bl., nesih, vokalisiert, bis 878
H. (1473/4), kopiert 1243 H. (1827/8).

420 Im elektronischen Katalog der Süleymaniye Ktp. Mehmed Neşri zugeschrieben (aufgerufen am 23.
März 2011). Hier ÖZTÜRK gefolgt.
421 Bearbeitet von Hasan AYHAN in seiner Abschlussarbeit Anonim Tevarih-i Al-i Osman (transkripsiyon,
inceleme, dizin). T. C . Marmara Üniversitesi Türkiyat Araştırmaları Enstitüsü, Yüksek Lisans Tezi.
İstanbul 2003.
422 Bearbeitet von Sebahattin KÖKLÜ in der Abschlussarbeit Anonim Tevârih-i Âl-i Osman, Hikâyet-i Zuhur-ı
Âl-i Osman (transkripsiyon, inceleme, dizin). T. C. Marmara Üniversitesi Türkiyat Araştırmaları Enstitüsü.
İstanbul 2004 (zusammen mit Hs. Millet Ktp., Ali Emiri kısmı, Nr. 1159).
423 Von Ahmet AKGÜN bearbeitet in der Abschlussarbeit Anonim Tevârih-i Âl-i Osman. T. C. Marmara
Üniversitesi Sosyal Bilimler Enstitüsü. İstanbul 1988.
424 Von Meral PEKMEZCİ (AKŞENER) bearbeitet in der Abschlussarbeit Anonim Zikr-i Mülûk-i Âl-i Osman.
T. C. Marmara Üniversitesi Sosyal Bilimler Enstitüsü. İstanbul 1988.
144 Anonymchroniken / Oruc / (P.-)Ruhi-Çelebi
(Osmanische Primärquellen)

21. Istanbul, Türk Tarih Kurumu Ktp., Nr. 117 (TTK³): 228 Seiten, nesih, vokalisiert,
bis Bayezid II., kopiert 930 H. (1523/4).
22. Istanbul, Atatürk Yazmalığı, Muallim Cevdet Yazmaları, Nr. K. 255 (MC): vgl.
ausführliche Beschreibung in BULUÇ, 1941, S. 72-74.
23. Bursa, Arkeoloji Müzesi Ktp., E.50/643 = Süleymaniye Ktp. Mikrofilm Arşivi
Nr. 1427: 97 Bl., 13 Zl., nesih, vokalisiert.
24. Konya, Bay Izzet Koyunoğlu Ktp. ediert von ERTAYLAN als Beşir Çelebi (vgl. unten).
Vgl. A. ERZI in Belleten 13 (1949), S. 181-185425.
25. Istanbul, Millet Ktp., Ali Emiri kısmı, Nr. 1159

Außerhalb der Türkei426:


26. Wien, Nationalbibl., Nr. 983:142 Bl, 13 Zl., 19x14,5cm, sorgfältiges nesih, bis 876 H.
(1471) (FLÜGEL: II, 207)
27. London, British Museum, Add. 7870427: miscell., fol. 76a-138b, 17 Zl. bis 973, datiert
1092 H. (1681) (RIEU, S. 251b)
28. Paris, Bibl. Nationale, cod. reg. Nr. 117: fol.10r-101, 21x13,5cm, bis Bayezid II. (885
H.)428, 2. Hälfte 16. Jh. (?) (BLOCHET: II, S. 48).
29. Paris, Bibl. Nationale, cod. reg. Nr. 118: fol. 1-210, 21x15,5cm, nesih, vokalisiert, bis
906 H. (1500/1), 17. Jh. (?) (BLOCHET: II, S. 48f.).
30. Paris, Bibl. Nationale, cod. reg. Nr. 119: 95 Bl., bis. fol. 9r eine knappe Einführung in
den Islam. Geschichte, 19,5x13cm, bis 932 H. (1536), 2. Hälfte 16. Jh. (?) (BLOCHET: II, S.
49).
31. Paris, Bibl. Nationale, Schefer (T. 25), Nr. 1047429: 148 Bl., 27x16cm, bis Bayezid
II., datiert 992 H. (1584) (BLOCHET: Schefer, S. 164).
32. Gotha, Herzogl. Bibl., Nr. 30: 84 Bl. (in Hs. vom Autor jedoch 92 Bl. angegeben),
mehrhändig, 13 Zl., bis 963 H. (1555/6), datiert 29 z. 1004 H./24. Aug. 1596 (PERTSCH:
Katal. Gotha, S. 122, Nr. 150).
33. München, Staatsbibl., Cod or. 397: 55 Bl., 15-29 Zl., 22x16cm, bis 956 H. (1549),
vokalisiert, datiert 1555 (AUMER, S. 82, Nr. 24).
34. Utrecht, Univ-Bibl. cod. turc. 20: bis 896 H. (1490/1) (GOEJE: V, 267).
35. Bern, Bürgerbibliothek, Cod. 631430: foll. 1 - 67, nesih mit sulüs-Einzügen, verschiedene
Hände, bis 897 H. (1491/2).
36. Oxford, Bodleian Library, e 63: bis 824 H. (1421); erwähnenswert wegen seiner
Einzigartigkeit: der Text wurde im hebräischen Alphabet geschrieben; inhaltlich steht er
dem Anonymus Giese431 nahe.

425 Auch von Fatma YALÇINKAYA in ihrer Abschlussarbeit Konya İzzet Koyunoğlu Kütüphanesi’nde Tarih-i Âl-i
Osman Adlı Yazma Eserin Metin ve Tahlili. Selçuk Üniversitesi Sosyal Bilimler Enstitüsü. Konya 1998
bearbeitet.
426 Da bis heute keine Systematisierung dieser Hss. vorliegt, ist diese Liste leider sehr dürftig. Die oft
mangelhaften Katalogbeschreibungen lassen keine genaue Bestimmung zu. Es ist daher durchaus
möglich, dass einige dieser sonst unsignierten Hss. von bekannten Autoren stammen.
427 RIEU, S. 251 verweist auf eine Hs. Wien, Nr. 879, die mit dieser Ähnlichkeiten aufweise. Die
Wiener Hs. ist jedoch eine Universalchronik.
428 Der von Babinger vermutete Autor Ebü’l Heyr ist eigentlich der Verfasser des vorherigen Bruchstücks
(Fetih-name) im miscell.
429 Möglicherweise eine Hs. des Aşık Paşa-zade (←).
430 Entdeckt von OBRESCHKOV (vgl. Literatur). Der Text weist Ähnlichkeiten mit Anonymus Giese und
Oruc auf.
Tevārīḫ-i Āl-i ʿOṡmān 145
(Osmanische Primärquellen)

Abis. Muḥyiddīn Cemāli


1. Berlin, Preußische Staatsbibl., Diez Fol. 32 432(B): 115 Bl., 28,5x17,5cm, 21 Zl.,
sorgfältiges nesih (PERTSCH, S. 233, Nr. 207).
2. Wien, Nationalbibl., Nr. 1000 (W): 127 Bl., 11 Zl., 20x14,5cm, nesih, vokalisiert, bis 956
H. (1549) (FLÜGEL: II, 223).
3. İstanbul, Millet Ktp., Ali Emîrî, Tarih Kitapları, Nr. 15 (A): Abschrift der B, 109
Bl., 19 Zl., rikʿa, bis 956 H. (1549).
4. Berlin, Staatsbibl., or. 2o Nr. 3365: erste Fassung (?) 433.
5. Paris, Bibliothèque Nationale, Slg. Schefer, Nr. 1046: 66 Bl., 27x17cm, nesih, von
Orhan bis 953 H. (1546), datiert 1029 H. (1620) (BLOCHET: Schefer, S. 164).
6. München, Staatsbibl., cod. or. 397: 55 Bl., 15-29 Zl., 22x16cm, vokalisiert, bis 956 H.
(1549) (AUMER, S. 24, Nr. 82 434).
7. London, British Museum, Add. 5969: 104 Bl., 17 Zl., 21x15cm, nesih, bis 956 H.
(1549), wahrscheinlich aus dem 17. Jh. (RIEU, S. 46b).
8. Pisa, Privatbesitz von Emilio Teza. 435

B. Oruc
1. Oxford, Bodleian Library, Ravel or. 5 (O): von einem Europäer wahrscheinlich in
der ersten Hälfte des 17. Jhs. anhand mind. zweier Vorlagen sorgfältig kopiert, bis 872 H.
(1467/8).
2. Cambridge, University Library, Dd. 11. 15 (C): 60 Bl., 20,2x12,4 cm, 15 Zl., nesih,
bis 899 H. (1493/4), datiert 3. Şaʿban 1022 H. (18. Sept. 1613).
3. Manisa, Genel Ktp. Muradiye, Nr. 5506-2 (M): 97 Bl., 15 Zl., nesih mit ta’lik
Einflüsse, undatiert (aber aus der Zeit Bayezids II.), Autor: „Oruc b. Ādil el-[kazzaz]
kātibu’l Edrenevi“ (auf der 1. Seite). 436
4. Paris, Bibliothèque Nationale, Suppl. Turc 1047 (P): bis 908 H. (1503), 148 Bl.,
27x16cm, 14 Zl., nesih, datiert 12. Şuvval 992 H. (1. Juli 1584).
5. Paris, Bibliothèque Nationale, ancien fonds Turc 99 (Pa): bis 918 H. (1512), 186
Bl., 22x15,5 cm, 13 Zl., nesih, datiert 12. Dj. II 974 H. (25. Dez. 1566).
6. Paris, Bibliothèque Nationale, Suppl. Turc 922 (R): osman. Text mit frz. Übers.
von Étienne Roboly, 64 (osman. Text) + 175 Bl. (frz. Übers.), 21x15,5cm, nesih, datiert 10.
Muharrem 1145 H. (3. Juli 1732).
7. München, Staatsbibl., Nr. 83: 64 Bl., 7 Zl., 14,5x10cm, Bruchstück bis 851 H. (1445)
(AUMER, S. 23).

C. (Pseudo-)Rūhi Celebi
1. Berlin, Staatsbibliothek, Tübingen MS Or. Quart, Nr. 821, vr. 12a. 437: 221 Bl.,
15 Zl., nesih, die ersten 110 Bl. vokalisiert, 900 H. (1494/5).

431 Herausgegeben von Ugo MARAZZI: Tevārīh-i Āl-i ʿOṣmān. Cronica anonima ottomana in trascrizione ebraica
(dal manoscritto Heb. e 63 della Bodleian Library). Napoli 1980.
432 Identisch mit Hs. Wien, Nr. 1000 u. London, Add. 5969 u. Vorlage der Edition LÖWENKLAU,
1590. Der von RIEU, S. 47 zugeschiebene Autor: Mühyi ed-Din Mehmed b. ʿAli, gest. 957 H. (1550).
433 Vgl. BABINGER: GOW, S. 74.
434 Die andere Hs. aus München (AUMER, S. 24, Nr. 83) reicht nur bis 851 H. (1447/8).
435 Vermutlich weitere „anonyme“ Hss., welche MC zugeschrieben werden können. MC selbst wurde
von späteren Kopisten überarbeitet und erweitert.
436 Auch als Fotokopie in der Süleymaniye Kpt. unter Özel Nr. 5506.
437 Ebd. unter Özel Nr. 240 (Mikrofilm Nr. 1919).
146 Anonymchroniken / Oruc / (P.-)Ruhi-Çelebi
(Osmanische Primärquellen)

2. Oxford, Bodleian Library, Ms. Marsh 313438: 311 Seiten, 13 Zl., schönes kursives
nesih, vollständig vokalisiert, undatiert.
3. Edirne, Selimiye Badi Efendi, Nr. 2091439: 9+93 Bl., 13 Zl., 14x11,1cm, 11,1x7cm,
kursives sorgfältiges nesih, vokalisiert, undatiert (?).
4. Istanbul, Köprülüzade Mehmed Fu’ad Bey Ktp. (MOG II, 134; MOG I, 217 f +
Auszüge)

Auszüge: Anonymchroniken: GUBOGLU: Cronici turceşti, I, S. 180-187 [nur rumän. Übers.]; Kurt W.
TREPTOW (Hg.): Essays on the life and times of Vlad Ţepeş. New York 1991, S. 305 (engl. Übersetzung
nach Guboglu]; DERS: Vlad III Dracula. Iaşi 2000, S. 200 [dieselbe engl. Übers.]. Oruc: GUBOGLU:
Cronici turceşti, I, S. 48-64 [nur rumän. Übers.].

Editionen: Anonymchroniken: Friedrich GIESE: Die altosmanischen anonymen Chroniken Tevârîh-i ‛Al-i
‛Osmân. Teil I: Text und Variantenverzeichnis. Breslau 1922; I. H. ERTAYLAN: Beşir Çelebi, Tevarih-i Al-i
Osman, Istanbul, 1946 [eine fälschlicherweise dem Beşir Çelebi zugeschriebene anonyme Tarih; nur
Faksimiles]; N. AZAMAT: Tevārih-i ‛al-i ‛Osmān. Osmanlı Tarihi 1288-1502. Istanbul 1992; Necdet
ÖZTÜRK: Anonim Osmanlı Kroniği (1299 - 1512). Istanbul 2000; unveröff. Dissertationen: Halime
DOĞRU: Tevârih-i Ibtida-i Âl-i Osman. Marmara Üniv. Istanbul 1986 [bearbeitet IÜ1]; Meral PEKMEZCI
(AKSENER): Anonim Zikr-i Mülūk-i Al-i Osmān. Marmara Üniv. Istanbul 1988 [bearbeitet MR]; Ahmet
AKGÜN: Anonim Tevârih-i Âl-i Osman. Marmara Üniv. Istanbul 1988 [bearbeitet T1]; Ali BIRBICER:
Anonim Tevârih-i Âl-i Osman. Marmara Üniv. Istanbul 1989 [bearbeitet MC]. Oruc: Franz BABINGER:
Die frühosmanischen Jahrbücher des Urudsch. Nach den Handschriften zu Oxford und Cambridge. Hannover 1925;
DERS.: Nachtrag zu den frühosmanischen Jahrbüchern des Urudsch. Berichtigungen und Verbesserungen. Hannover
1926; E. SEVINÇLI: Yusuf bin Abdullah. Bizans Söylenceleriyle Osmanlı Tarihi. Târih-i Âl-i Osman. İzmir: Eylül
Yay. 1997 [Faksimiles und populärwiss. Transliteration]; Necdet ÖZTÜRK: Oruç Beğ Tarihi. Istanbul
2008; Ruhi Celebi: Halil Erdogan CENGIZ u. Yasar YÜCEL: “Ruhi Çelebi, Tevarih-i Al-i Osman”. In:
Belgeler XIV/18 (1992), S. 359-472 + 166 Faksimile.

Übersetzungen: Friedrich GIESE: Die altosmanischen anonymen Chroniken Tevârîh-i ‛Al-i ‛Osmân. Teil II:
Übersetzung. Leipzig 1925 [dt.]; Nihal ATSIZ: Oruç Beğ Tarihi. Istanbul 1972 [türk.]; Necdet ÖZTÜRK:
Uç Beyliğinden Dünya Devletine. İstanbul 2009 [türk.]; C. N. ATSIZ: Osmanlı Tarihleri, I. Istambul 1949
[türk.].

Literatur: Friedrich GIESE: „Einleitung zu meiner Textausgabe der altosmanischen anonymen


Chroniken tewārib-i āl-i 'osmān.“ In: MOG 1 (1921) (Nachdr. 1976), S. 49-75; Paul WITTEK: „Zum
Quellenproblem der ältesten osmanischen Chroniken (mit Auszügen aus Nešri).“ In: MOG 1 (1921)
(Nachdr. 1976), S. 77-150; J. H. Mordtmann: „Ruhi Edrinewi.“ In: MOG 2 (1923-1925), S. 129-136;
Sadettin BULUÇ: Untersuchungen über die altosmanische anonyme Chronik der Bibliothèque Nationale zu Paris,
suppl. turc 1047, anc. fonds turc 99. Breslau 1938; DERS.: „Die altosmanische Anonyme Chronik im
Revolutionsmuseum zu Istanbul.“ In: Die Welt des Islam. Sonderband (Festschrift Giese), 1941, S. 72-74;
DERS.: „Iki Yazma Anonim Tevârîh-i Âl-i Osman Hakkında.“ In: III. Türk Tarih Kongresi (Kongreye
Sonulan Trebiğler). Ankara 1948, S. 230-242; F. UNAT: „Anonim Bir Tevârîh-i Âl-i Osman Nüshası
Hakkında.“ In: IV. Türk Tarih Kongresi. Ankara 1961, S. 271-174; V.L. MÉNAGE: „On the Recensions of
Uruj's History of the Ottomans.“ In: BSOAS 30, 2 (1967), S. 314-322; DERS.: „Another text of Oruğ's

438 MÉNAGE: Neshri's History of the Ottomans, S. 11-13: diese Hs. gehört zur Anonymenreihe, von den
Herausgebern CENGIZ und YÜCEL wird sie jedoch als Hs. Ruhis angegeben.
439 Auch als Mikrofilm an der Süleymaniye Ktp. unter Özel Nr. 558 (Mikrofilm Arșivi Nr. 2765): sehr
schlechte, teilweise unlesbare Kopie. Identisch (?) mit Edirne, Fa’ik Bey Ktp. (vgl. Mehmed
Cevdet: Dergah 15 (1337), S. 39, Fn.1.
Tevārīḫ-i Āl-i ʿOṡmān 147
(Osmanische Primärquellen)

Ottoman Chronicle.“ In: Der Islam 47 (1971), S. 273-277; DERS.: „Edirneli Rûhî’ye atfedilen Osmanh
tarihinden iki parça.“ In: I.H. Uzunfarsili’ya armagan, Ankara 1976, S. 311-333; Ekrem ÜÇYIĞIT: „Oruç
Beğ Tarihi Hakkında.“ In: Hayat Tarih Mecmuası 9 (1973), I. E. PETROSYAN: „On three anonymous
Turkish manuscripts from the St. Petersburg Branch of the Institute of Oriental Studies Collection.
The problem of authorship.“ In: MO 1, 1 (1995), S. 17-20; Necdet ÖZTÜRK: „Oruç Bey Tarihi ile
Türkçe Anonim Kronikler Arasındaki İlişkiye Dair.“ In: Bir 5 (1996); DERS.: Anonim Tevârih-i Âl-i
Osman'ların Kaynak Değerleri Hakkında. In: XII. Türk Tarih Kongresi. Bd. 3., Ankara 1999, S. 755-762; H.
ADALIOĞLU: „Osmanlı Tarih Yazıcılığında Anonim Tevârih-i Âl-i Osman Geleneği.“ In: Güler EREN
(Hg.): Osmanlı, VIII. Ankara 1999, S. 286-293; Vesko OBRESCHKOV: „Crónica osmanlí anónima de
897 H/1491-1492.“ In: Faruk BILICI, Ionel CANDEA u. Anca POPESCU (Hg.): Enjeux politique,
économiques et militaires en mer noire (XIVe - XXIe siècles). Études à la mémoire de Mihail Guboglu. Brăila 2006, S.
481-485.

Nota bene: Die Selektion der Hss. wurde nach der heute gängigen Verwendung in der Fachliteratur
durchgeführt. Es werden hier expressivere Muster aus diesen wenig originellen Quellenproduktionen vorgestellt.
Vgl. für die Transliteration ÖZTÜRK, 2000, S. 84 und 126 bzw. GIESE, S. 73 und 112 und für die Übersetzung
GIESE, S. 98 und 149. Ein besonderer Dank geht an Herrn Dr. H. Hüseyin ADALIOĞLU, durch dessen
Hilfsbereitschaft seine unveröffentlichte Magisterarbeit Muhyiddin Cemali’nin Tevârih-i Âl-i Osman. Marmara
Üniversitesi Sosyal Bilimler Enstitüsü. İstanbul 1990 zum Vergleich mit den Anonymchroniken gedient hat.
148 Anonymchroniken / Oruc / (P.-)Ruhi-Çelebi
(Osmanische Primärquellen)

TEVĀRĪḪ-I ĀL-I ‛OṡMĀN (Anonymus Giese)

49a Andan ṣoñra (11) Sulṭān Murād gelüb 440, Edrene’de ḳarār itdi. Bir yıl dan ṣoñra 441 varub (12) 1
Yerköki 442 ḥiṣārını yapdurdı. Andan İflāḳ iline aḳın 443 vėrdi (13) ve hem Ṭuraḳūla 444-oğlı
Ḳazıḳlı’yı İflāḳ’a beğ dikdi. Sancāḳlar 445 ve nice (14) dürlü inʿāmlarla 446 gönderdi ve hem
bile 447 aḳıncı ile gönderdi. (15) Vardılar babası üzerine ve yerine 448 beğ dikdiler. Yine
dönüb 449 Edrene’de (16) ḳarār itdi, hicretüñ sene-i 853 450 yılında. 5

(…)
78b Defʿa İflāḳ vilāyetine sefer idüp 451, Ṭūnā’yı geçdi. Ṭıraḳūla-oğlı Ḳāzıklu (3) laʿīn 452 yüze yüz
gelmeyüb 453, giceyle dün bāṣġūnı idüb 454, ẓafer bulmayub, kaçdı. (4) Gine kendü çerisi helāk
oldı 455. Kendü yalıñūz ḳāldı. İlin vilāyetin ḳoyub, (5) Üngürūs vilāyetine vardı. Üngürūs ḳırālı
āhir Ḳāzıklu 456 Voyvoda’yı 457 helāk itdi 458. (6) Sulṭān Meḥmed İflāḳ 459 vilāyetin tamām
musahḫar ėtdükden ṣoñra deñīz yüzinden (7) gemiler gönderüp, kendü daḫi ḳaradan bile 460 10
varub, Midillü 461 ceziresin ve ḳalʿasın (8) fetḥ itdi ve hem tekvurın daḫi ṭutdı aldı geldi. İflāḳ
ile Midillü (9) vilāyetlerinüñ fetḥi bir 462 tārīḫde 463 ki sene-i 866 464 yılında vākıʿ oldı.

440 Muḥyiddīn Cemāli: Ġāzi anstatt gelüb.


441 MC: Ol yıl sefer eylemedi. Gelideç yıl...
442 MC: W Yüzköki; B A Sirköki.
443 MC: ġāret.
444 ÖZTÜRK und MC: Ṭıraḳūl.
445 MC: Sancak ve hil‘atlar vėrüb.
446 MC: inʿāmlar eyledi.
447 MC: bile nach aḳıncı; ile weggelassen.
448 MC: atası yerine.
449 MC: Andan gelüb döndi.
450 Infra mit Ziffern geschrieben. MC: mit Buchstaben; ohne yılında.
451 MC: iklimine sefer etdi.
452 MC: laʿīn fehlt.
453 MC: gelmedi.
454 MC: eyledi.
455 MC: helâk olup kırıldı.
456 MC: āhir Ḳāzıklu fehlt.
457 MC: danach dutub.
458 MC: ėtdiler.
459 MC: danach iline ḳarındaşı beğ dikdi. Andan ṣoñra sulṭān Eflāḳ’ı... („... er setzte seinen Bruder zum
Herrscher in sein Land ein. Danach... “). GİESE: ebenso.
460 MC: bile fehlt.
461 MC: B A Medenlü.
462 MC: Medenlü ve Eflāḳ vilāyetiñi bu...
463 MC: danach vākıʿ oldı.
464 Infra mit Ziffern geschrieben. MC: mit Buchstaben; ohne yılında.
Tevārīḫ-i Āl-i ʿOṡmān 149
(Osmanische Primärquellen)

1 Danach zog Sultan Murad nach Edirne und blieb dort. Nach einem Jahr 465 zog er aus und Sultan zieht 853 nach
Giurgiu und setzt V.
schloss die Festung Giurgiu (Yerkökü) ein. Dann schickte er einen Streifzug in die Walachei ein

aus und setzte den Kazıklı, Sohn Draculs (Dırakula-oğlu Kazıklı) als Herr (beğ) der Walachei ein.
Er schickte [ihm] eine Fahne samt vielen Geschenken und schickte [ihn] sogleich mit den
5 Streifzüglern (akıncı) 466. Sie kamen an und setzten [ihn] als Beğ an Stelle und Platz seines
Vaters. Dann kehrte er nach Edirne zurück und blieb dort im Jahre der Hidschra 853.

(…)

Der Sultan unternahm wieder einen Feldzug in die Walachei [und] überschritt die Donau. V. verbirgt sich

Der verfluchte Kazıklı, Sohn Draculs stellte sich nicht von Angesicht zu Angesicht. Er machte Nachtangriff

in der Nacht einen Überfall, konnte aber nicht den Sieg finden [und] floh. Sein Heer kam V. flieht nach
Ungarn und wird
10 um. Er selbst blieb allein, verließ das Land (vilāyet) und ging ins ungarische Land. Schließlich eingekerkert

tötete der König von Ungarn den Kazıklı. 467 Nachdem Sultan Mehmed das Land der V. stirbt in Ungarn

Walachei völlig unterworfen hatte, schickte er Schiffe zur See, und er selbst kam vom Lande
und eroberte die Insel und Festung Mytilene (...). Die Eroberung der Walachei und des
Gebietes (vilāyet) von Mytilene waren in der Zeit, die sich im Jahre 866 468 ereignete. Datierung

465 Das islamische Jahr 853 H., d.h. 7. März 1448 bis 23. Februar 1449.
466 Dies ist der einzige erhaltene detaillierte Bericht über die erste Herrschaft Vlads des Pfählers. Liviu
Câmpeanu (Universität Cluj) vertritt die Ansicht, dass alle osmanischen und postbyzantinischen
Quellen, die über die Inthronisierung Vlads berichten, sich eigentlich auf diese erste Herrschaft
beziehen, diese jedoch nicht datieren und keine Kenntnis über die Herrschaft Vladislavs II. sowie
über Vlads erneute Thronbesteigung 1456 bezeugen. Zur möglichen Übernahme dieser
Überlieferungstradition vgl. Tursun Beğ (←), S. 119, Kemal Paşa-zade (→), S. 227, Saʿdeddin (→), S.
299, sowie bei den postbyzantinischen Autoren Chalkokondyles (←), Fn. 21, und Kritovoulos (←),
Fn. 99. Zur ersten Herrschaft 1448 vgl. Matei CAZACU: “La Valachie et la bataille de Kossovo
(1448)”. In: Revue des Études Sud-Est-Européennes 9 (1971) 1, S. 131-139.
467 Diese Stelle belegt, dass der Autor des Textes eine Quelle verwendet, die im Zeitraum 1462 bis
spätestens 1476 geschrieben worden sein muss, als die Osmanen keine Informationen über das
Schicksal bzw. das Verschwinden Kazıklıs besaßen.
468 6. Oktober 1461 – 25. September 1462.
150 Anonymchroniken / Oruc / (P.-)Ruhi-Çelebi
(Osmanische Primärquellen)

ORŪC (Oxforder Handschrift)

Nota bene: Transliteriert nach BABINGER, S. 73-74 (Hs. Oxford) und S. 125 (Hs. Cambridge)

Hicretüñ sekiz yüz altmış beşinde yine Sulṭān Meḥmed Eflāḳ vilāyetine sefer ėdüb, Tūna 1
ṣūyunı geçdi. D(ı)raḳū-oğlı Ḳāzıḳlı Voyvoda melʿūn ile cenk edêmeyüb yüze yüz gelmeyüb
şebiḫūñ ėtdi. Rāst gelmedi, kāçdı, Üngürūs’e gitdi. Üngürūs kıralı ḥabs ėtdi; arādan birḳaç
yıl geçdi, soñra ḥabsdan çıḳārub yine arāda leşker ḫisāret olmasub deyü Eflāḳ vilāyetine
gönderdi, geldi. Eflāḳ vilāyetine girdi; ol vaḳt Eflāḳ voyvodası Çepelüş’ğidi. Ḳāzıḳlu melʿūn 5
Çepelüş’iñ ala meydāne girdiler. Eksi cenk itdiler ʿāḳıbet devlet Çepelüş’ğüñ imiş. Furṣat bulub
başını kesdi. Istiḳlāllı beğ olub andan~soñra Baṣaraba geldi; Üngürūs’dan sebiḫūñ ėtdi,
Çepelüş’üñ başını vilāyetine beğ oldı. Devlet-i eşiğine geldi, padişahuñ elin öpdi, ḫilʿat geydi
vardı. Eflāḳ vilāyetine beğ oldı birḳāç yıl geçdi. Giden~soñra girü devlet eşiğine [74] geldi,
padişahuñ elin öpdi, ḫilʿat geydi; giderken Tūna kenārında ġāzīler belürsüz ėtdiler. Keşiş 10
yerine beğ oldı; cün sulṭān Meḥmed Ġāzi Eflāḳ vilāyetini fetḥ ėdüb, Ḳāzıḳlu memleketinden
çıḳārub Çepelüş’üñe beğ ėtdi. Andan donub girü Kusṭanṭaniye’den gemiler gönderüb
Anāṭolı’ya geçdi. Izmir öñüne varub Midillü ḳāl’asını ve adāsını fetḥ ėtdi. Gelüb Edirne’de
ḳarār ėtdi.
Tevārīḫ-i Āl-i ʿOṡmān 151
(Osmanische Primärquellen)

1 In dem Hidschra[jahr] 865469 unternahm der Sultan Mehmed erneut einen Feldzug in das Datierung

Land der Walachei [und] überquerte die Donau. [Der Sultan] schlug keine Schlacht mit
dem verfluchten Kazıklı Voyvoda, Sohn des Drakul (Draku-oğlı Kazıklı Voyvoda), und [Kazıklı] V. verbirgt sich

erschien nicht von Angesicht zu Angesicht, [sondern] unternahm einen Nachtangriff. Er Nachtangriff

5 fand kein Glück, ist geflohen und nach Ungarn weggegangen. Der ungarische König nahm V. flieht nach
Ungarn und wird
ihn fest, [aber] nach einigen Jahren470 ging er und entkam wiederum aus seiner Haft, [und eingekerkert

da der König] sagte, dass er das Heer nicht untergehen lässt, hat er ihn in das Land der
Walachei geschickt und [Kazıklı] ging [hin]. Er betrat das Land der Walachei. Zu jener Zeit V. zieht gegen
Çepeluş, der ihn
war Çepelüş der Woiwode der Walachei. Kazıklı und Çepelüş, die Verdammten, zogen zum besiegt und köpft

10 [Schlacht]feld. Sie schlugen eine heftige Schlacht [und] schließlich war das Glück bei Çepelüş.
Er fand die Gelegenheit und köpfte [Kazıklı]. Er wurde unabhängig (istiklal),471 [aber] danach Basaraba tötet
Çepeluş und wird
kam Basaraba. [Dieser] unternahm einen Nachtangriff von Ungarn her, köpfte Çepelüş [und] eingesetzt

wurde Herrscher (beğ) des Landes.472 [Basaraba] kam an die Schwelle des Reiches, küsste die
Hand des Großherrn und bekleidete sich mit dem Gewand (hilʿat). Er kehrte zurück und
15 wurde Herrscher des Landes der Walachei. Nach einigen Jahren kam er wieder an die
Osmanen töten
Schwelle des Reiches, küsste die Hand des Großherrn [und] bekleidetet sich mit dem Basaraba
Gewand. Als er [zurück]ging, ließen [ihn] die Glaubenskämpfer am Rande der Donau Keşiş ersetzt
verschwinden. Der Mönch (keşiş) wurde Herrscher an seiner Stelle. Als der Sultan Mehmed Basaraba

der Glaubenskämpfer das Land der Walachei eroberte und den Kazıklı aus dem Lande
20 (memleket)473 holte, macht er Çepelüş zum Herrscher. Dann drehte er um, gelangte nach Izmir
und eroberte die Festung und die Insel Mytilene. Er ging [dorthin] und verweilte in Edirne.

469 Die Oxforder und Cambridger Hss. des Oruc gehören zu den wenigen Ausnahmen, welche die
Strafaktion gegen Kazıklı auf das Jahr 1465 datieren; schuld am Fehler ist vermutlich ein nicht akkurat
aktualisierter Hofalmanach (takvim). Die Pariser Hs. scheint eine neuere korrigierte Version zu sein.
Vgl. Anhang: (Pseudo-)Abdullah bin Yūsuf genannt Şevki.
470 1462 bis 1475/76 war Vlad in Gefangenschaft des ungarischen Königs.
471 Wiederum eine Verwechslung zwischen Basarab III. Laiotă und Basarab dem Jungen, genannt
Ṭepeluş; im Übrigen historisch korrekte Angaben.
472 Historisch nicht korrekt; Ṭepeluş blieb nach 1477 Herrscher der Walachei. Basarab Laiotă zog sich
nach Siebenbürgen zurück, wo er mit einer Reitertruppe das südliche Siebenbürgen schützte. Er
starb 1480. Vgl. REZACHEVICI: Cronologia domnilor, S. 28.
473 Nur an dieser Stelle wird die Walachei mit dem Begriff memleket bezeichnet, ansonsten mit vilayet.
Ersterer Begriff ist abzuleiten von malik (Herrscher, König) und bezeichnet seinen Herrschaftsbereich,
d.h. Königreich, hier anscheinend Fürstentum. Vilayet bezeichnet allgemein ein Land, das aber
zugleich Provinz eines Reiches ist und wird somit als politischer Begriff verwendet. Er kann überdies
tendenziöse Nuancen erhalten, während sich memleket auf die eigene Gewaltausübung des Herrschers
als Herr des Landes bezieht.
152 Anonymchroniken / Oruc / (P.-)Ruhi-Çelebi
(Osmanische Primärquellen)

ORŪC (Cambridger Handschrift)

Sekiz yüz altmış beşinde andan yine Sulṭān Meḥmed Eflāḳ’a geçüb, D(ı)raḳūl melʿūm cenk 1
ėdüb, ol melʿūm yüze yüz gelmeyüb, dun bāṣġūnı ḳılub, żafer bulmayub, ol arādan ḳaçub
Üngürūs vilāyetine girüb, Üngürūs ḥabs ḳoldı. Sulṭān Meḥmed dokuz yüzinde gemiler ile
leşker göndürüb Anaṭolı’ya gecüb, Izmīr öñünden varub Midillü ḳālʿasını ve adasını fetḥ
ėtdi. 5

ORŪC (Pariser Handschrift, Suppl. Turc 1047 [P])

Nota bene: Text nach ÖZTÜRK, 2008, S. 116-118 sowie den darin befindlichen Faksimiles.

82a [116] Defʿa Sulṭān Meḥmed Eflāḳ vilāyetine (4) sefer ėdüb Dıraḳūla-oğlı Ḳazuḳlu Voyvoda
(3) 1
melʿūnla cenk ve muḥārebe ėdüb (5) ol melʿūn-i şūnūñ gibi ẓālim-i bed-nihād ḳopdı kim ol
ėtdüği ẓulmleri hīç474 (6) bir pādişāh ėtmêmişdür; hīç bir tevārīḫde gelmêmişdür. Oğlıyla ve
ḳızıyla (7) ādemi ḳazığa urmaḳ hīç bir kimesne ėtmêmişdür, ol ėtmişdür. Çaḳırcı-bāşı (8)
Ḥamza Beğ dirler bir sancāḳ beği ālile gedürdüb, meṡela, bir vaḳtde leşkerine (9) istimālet 5
vėrüb leşkerini āltı bölük ėdüb āltı ṭarafdan geçüñ (10) dėyüb biri475 Nigbolı’dan [117] biri Rūs
ḥiṣārı ṭarafından ve bir bölüği Tutrakan ḫiṣārı (11) cānibinden, biri Silisre476 ṭarafından, biri
Ḥırṣova’sından, biri İsḥākcı geçidinden477. Bu altı (12) geçidden üçer biñ er ḳışın buz üzerinden
geçüb, bu ḥiṣār ḫalḳını, erlerini (13) ve avratlarını, oğlını, ḳızını ve beşikde yatan
oğlancuḳlarını ḳılıçdan geçürüb (14) yiğirmi biñden ziyāde ādem ḳatl ėdüb helāk eyledi. 10
Burnın ve ḳulāğın kesüb (15) torvalara478 ḳoyub alub gidüb479 Ḳazuḳlu’ya nişān ėtdiler.

474 Wiederholt sich.


475 Pa (118 a/5) biri P bir.
476 P Silisre Pa (118 a/7) Silistre.
477 Pa (118 a/7) Hırs-ova’sından biri İshākcı geçidinden P Hırs-ova, İshâkcı geçidi.
478 P torvalara Pa (118 a/11) Çopralara (vokalisiert).
479 Explizit mit kesre vokalisiert.
Tevārīḫ-i Āl-i ʿOṡmān 153
(Osmanische Primärquellen)

1 Danach zog der Sultan Meḥmed wiederum im Jahre 865 in die Walachei: Indem der Datierung

verdammte Drakul Krieg führte, erschien jener Verdammte nicht [von] Angesicht zu V. verbirgt sich

Angesicht, [sondern] unternahm einen Nachtüberfall, erlangte keinen Erfolg [und] floh Nachtangriff

danach. Indem er in das ungarische Land abzog, nahm der Ungar [ihn] gefangen. Sultan V. flieht nach
Ungarn und wird
5 Mehmed ging und setzte mit 900 Schiffen das Heer nach Anatolien über, [und nachdem] er eingekerkert

einen Halt in Izmir machte, eroberte er die Festung und die Insel Mytilene.

1 Indem Sultan Mehmed wieder einen Feldzug in das Land der Walachei unternahm und
dem verdammten Kazıklı, Sohn Dırakuls, (Dırakul-oğlu Kazıklı Voyvoda) einen Kampf und eine Bild des/r
Tyrannen/Unterdrüc
Schlacht lieferte, trat jener tyrannisch [und] böse wie die verfluchten Abscheulichen auf. kung

[Infolgedessen] tat kein Großherr, was er tat, [zumindest] ist keiner in die Beschreibung der
Gepfählten
5 Geschichts[schreibung] eingegangen. Menschen ließ er samt ihren Söhn[en] und Töchter[n]
pfählen. Niemand tat es, jener [aber] tat [es]. Den Falkenmeister (Çakırcı-başı) Hamza Beğ, Hamza in die Falle
gelockt
einen Provinzverwalter (sancak-beğ) 480, lockte er folgendermaßen [in die Falle]: Eines Tages
zeigte er die Neigung seinem Heere. Indem er sein Heer in sechs Einheiten teilte und sagte V. überquert die
Donau und verheert;
„Lass uns die sechs [Einheiten] von [dieser] Seite [her] übersetzen“, überquerte eine Ortsnamen

10 [Einheit] [die Donau] von der Seite Nikopolis, eine von der Seite der Festung Ruse und eine
Einheit von der Gegend der Festung Tutrakan 481, eine von der Seite Silistras 482, eine von
Hârşova [und] eine von Isaccea. Von diesen sechs [Fluss]übergängen setzten je 3.000 Winterzeit

Männer über das Eis und ließen die Bewohner dieser Festungen 483, ihre Männer und Grausamkeiten

Frauen, ihre Söhn[e] und Töchter und ihre in der Wiege liegenden Kleinkinder über die
15 Klinge springen [und] erschlugen über 20.000 Menschen 484 und vernichteten [sie]. Indem
sie Nasen und Ohren abschnitten, steckten sie [sie] in Beutel, nahmen [sie] (mit), zogen ab
und stellten die Marken dem Kazıklı vor 485.

480 Nach Aşık Paşa-zade (←), S. 109: Grenzkommandant (uc-beğ) und Statthalter von Nikopolis. Nach
Chalkokondyles (←), S. 21: Statthalter von Vidin.
481 Rumänisch Turtucaia, im Süden Dobrudschas, heute in Bulgarien.
482 Vgl. Doukas (←), S. 59: Dystra und Mihajlović (→), S. 365: Kurista.
483 D. h. die gegenüberliegende osmanische Festung.
484 Ebenso bei Chalkokondyles (←), S. 17, vgl. auch Fn. 25 (dort auch Vergleich mit westeuropäischen
Quellen). Umso verblüffender wird diese Übereinstimmung im Abgleich mit der Zahl von 23.884
Menschen aus dem Vlad zugeschriebenen Brief vom 11. Februar 1462 (vgl. Corpus Draculianum, 1. Bd.;
Nicolae IORGA: Scrisori de boieri, scrisori de domni. Vălenii de Munte 1925, S. 166-170). Oruc scheint
Chalkokondyles’ Angabe zu bestätigen. Diese Berichte verwendeten offensichtlich dieselbe Quelle;
zur Vermengung der Opferzahlen auch in der westeuropäischen Tradition vgl. Annales Mellicenses
(ebd., 2. Bd.).
485 Vgl. Enveri (←), S. 95, Fn. 203. D. h. sie brachten die Nasen und Ohren zu Kazıklı, damit sie nach
der osmanischen Gewohnheit der Anzahl der Trophäen entsprechend belohnt werden können.
Während der Feldzüge gegen den moldauischen Woiwoden Stefan den Großen (1475-1476) wurde
ein osmanischer Soldat mit zwei Silbermünzen (akçe) für jeden mitgebrachten Kopf belohnt. Aus
Mobilitätsgründen wurden oft kleinere Körperteile bevorzugt, vgl. Mihajlović (→), S. 365.
154 Anonymchroniken / Oruc / (P.-)Ruhi-Çelebi
(Osmanische Primärquellen)

Bunuñ gibi niçe (16) işler ėtmişdür. Kāfirlerde, müslimānlarda ol ėtdüği ẓulmleri kim ol
ėtmişdür; (17) hīç bir kimesne ėtmiş değildür. Pes Sulṭān Meḥmed Ḫān bunuñ bu işlerine (18)
ġayet ile elem çeküb tedārikin görüb, bir ʿaẓamet-i leşkerile üzerine varub (19) melʿūn ḳārşu
82b gelmeyüb 486 soñra bir gicele gelüb dün bāṣġunın ėdüb yaʿni | çeri birbirine urub ürküdem 15
diyüb ol işi rāst gelmeyüb Ramażān (2) gicêsi idi. Ẓafer bulmayub, ol arādan ḳaçub Ungurūs
vilāyetine varub (3) ḳırālı dutub ḥabs ėtdi.
Sulṭān Meḥmed Ḫān Eflāḳ-ili’ni urub (4) yıkub yakub gelüb gitdi. Arāda birḳaç beğler Eflāḳ-
eli’ne beğ olub, soñradan (5) Çepelüş 487 dirler bir kāfiri Sulṭān Meḥmed Ḫān beğ ėdüb ol vaḳt
ḳıral (6) gerü Dırakūla-oğlı Ḳāzuḳlu Voyvoda’yı ḥabsden çıḳarub Eflāḳ-ili’ne (7) gönderüp kendi 488 20
Çepelüş üzerine gelüb ikisi birbirine yüze yüz meydāna girüb (8) „devlet kimüñ ise ol beğ ola“
dėyüb „arāda leşker ḳırılmasun“ dėyüb (9) ikisi meydānda muḳābil birbiriyle cenk ėdüb

486 P karşu gelmeyüb Pa (118 b/11) karşu gelüb.


487 P Çepelüş (vokalisiert) Pa (118 b/5) Çepleş (vokalisiert).
488 Pa (118 b/7) kendi P -.
Tevārīḫ-i Āl-i ʿOṡmān 155
(Osmanische Primärquellen)

So (heftige) [Un]taten wie diese machte [niemand zuvor]. [Sowohl] bei den Ungläubigen
[als auch] bei den Muslimen unterdrückte keiner, wie er es tat. 489 Daraufhin litt der Sultan
20 Mehmed Han sehr, traf die (notwendigen) Vorbereitungen und kam mit den erhabenen
Heeren an, [aber] der Verfluchte zog nicht dagegen, [sondern] kam später eines Nachts und V. verbirgt sich

unternahm einen Nachtüberfall (dün başgunı), d.h. indem die Heere aufeinander schlugen, Nachtangriff

sagte er „ich habe mich erschreckt“, kam mit seiner Unternehmung nicht zurecht und [als]
es Nacht des Ramadans 490 wurde, fand er keinen Erfolg, zog [sich] zurück, kam in das V. flieht nach
Ungarn und wird
25 ungarische Land (vilayet), [aber] der König nahm ihn fest. eingekerkert
Walachei wird
Der Sultan Mehmed Han zerschlug das Land (el) der Walachei, brannte es nieder und gerichtet
verheerte es, ging [hin] und kam [zurück]. Inzwischen wählten einige Adlige (beğler) den Adelige wählen einen
Herrscher (beğ) 491, danach machte der Sultan Mehmed Han Çepelüş 492, einen vornehmen neuen Herrscher

Ungläubigen zum Herrscher und [in] jener Zeit entließ der [ungarische] König den Kazıklı Sultan setzt Çepeluş
30 Voyvoda, Sohn Drakulas, aus den Kerker und, indem er ihn sandte, ging [Kazıklı] gegen ein

Çepelüş. Die beiden zogen von Angesicht zu Angesicht ins Feld und schlugen auf [dem V. zieht gegen
Çepeluş, der ihn
erwähnten] Feld eine Schlacht gegeneinander, indem sie sagten „Derjenige der die Macht besiegt und köpft
hat, der möge Herrscher [werden]“ und „das Heer [desjenigen] soll [siegen, das] inzwischen
nicht bezwungen wurde“ 493.

489 Die Erinnerung war so lebendig, dass sogar Doukas (←), S. 59, der die Osmanen ungünstig darstellt,
Überreste dieser negativ rezipierten Taten Vlads widerspiegelt.
490 Konfuse Formulierung. Mit der „Nacht des Ramadans“ meint Oruc wahrscheinlich einen
bestimmten Tag (und eine Nacht) dieses Monats, also den Tag des Fastenbrechens (arab.‫ﻋﻴﺪ اﻟﻔﻄﺮ‬
ʿīduʾl-fiṭr), auch das Kleine Fest genannt (arab. ‫ اﻟﻌﻴﺪ اﻟﺼﻐﲑ‬al-ʿīdu’ṣ-ṣaġīr; türk. küçük bayram oder ramazan
bayramı). Vgl. Enveri (←), Fn. 204. Um dieses Datum (Dienstag, 29. Juni), das ungefähr auch das
Ende des osmanischen Feldzugs markiert, soll demnach Vlad nach Ungarn geflohen sein.
491 Wahrscheinlich ist damit Radu cel Frumos (der Schöne) gemeint: vor dem 15. Aug. 1462 – 23. Nov.
1473, Dez. 1473 – vor 10. Aug. 1474, Ende 1473 – vor 10. Aug. 1474 u. Ende 1474 – 1./5. Okt.
1475. Vgl. REZACHEVICI: Cronologia domnilor, S. 106-107, 109, 110 und 112-115. Erstaunlicherweise
werden sein Name oder seine Verwandtschaft mit Kazıklı sowie sein treuer Dienst für den Sultan, der
in allen anderen Chroniken erwähnt wird, völlig übersehen. Umso mehr überrascht die Passivität des
Sultans in dieser Angelegenheit: Die (eigentlich besiegten) Adligen des Landes dürfen den Herrscher
bestimmen, während der Sultan die rhetorische Funktion bei der Darstellung eines Topos
(Verheeren, Beutemachen) erfüllen soll. Dies weist möglicherweise auf einen Almanach bzw.
Hofkalender als Quelle hin.
492 Basarab cel Tânăr (der Junge), genannt Ţepeluş (der kleine Pfähler), herrschte Ende 1477 – Juni 1481
und vor 7. Nov. 1481 – 8. Juli 1482. Vgl. REZACHEVICI: Cronologia domnilor, S. 120-121 und 126-127.
Diese Stelle belegt, dass Vlad der Pfähler seinen rumänischen Spitznamen Ţepeş anscheinend bereits
zu Lebzeiten von den Walachen erhielt: Çepelüş (rumän. Ţepeluş) ist ein Diminutiv, weswegen der
Positiv Ţepeş existiert haben muss. Dem Autor Oruc war die mit Kazıklı geradezu synonyme
Bedeutung anscheinend nicht bewusst. Die erste belegte Erwähnung des Spitznamens Ţepeş ist 1506
in einer Urkunde des walachischen Woiwoden Radu IV. cel Mare („der Große“) zu finden; vgl.
Corpus Draculianum, 1. Bd. sowie DRH, seria B, Nr. 41, S. 92f.
493 Konfuse Stelle: Der Autor meint damit, dass der Gewinner derjenige sein soll, der nicht geschlagen
wurde.
156 Anonymchroniken / Oruc / (P.-)Ruhi-Çelebi
(Osmanische Primärquellen)

ʿāḳıbet Çepeliş furṣat bulub (10) Ḳāzuḳlu’nuñ bāşını kesüb yirine istiḳlāli beğ oldı. Andan ṣoñra
Ungurūs’dan (11) bir beğ daḫi gelüb Baṣarba494 dirler495; gelüb Çepelüş başını kesüb kendü beğ
olub (12) ṣoñra devlet eşiğine gelüb Sulṭān Meḥmed’den ḫilʿat geyüb (13) birḳaç yıl beğ olub, 25
birḳaç yıldan ṣoñra gėrü devlet eşiğine (14) gelüb pādişāhuñ elin öpüb ḫilʿat [118] geyüb
gelüb giderken, Tūna kenārına (15) ḳarīb anı ġāzīler belürsiz ėdüb ṣoñra anuñ yirine Keşīş beğ
oldı.

494 P Basarba (vokalisiert) Pa (118 b/11) İpsaruba.


495 Explizit vokalisiert.
Tevārīḫ-i Āl-i ʿOṡmān 157
(Osmanische Primärquellen)

35 Am Ende hatte Çepelüş die Gelegenheit, den Kopf Kazıklıs 496 abzuschneiden, und wurde
unabhängiger (istiklal) 497 Herrscher an seiner Stelle. Danach kam wieder ein Prätendent (beğ),
Basaraba 498 genannt. Er ging, schnitt den Kopf des Çepelüş ab und wurde selbst zum
Herrscher. 499 Dann ging er zur Schwelle des Reiches, bekleidete sich mit dem Gewand Basaraba tötet
Çepeluş und wird
(hilʿat) 500 des Sultans Mehmed und wurde einige Jahre Herrscher. Einige Jahre danach ging eingesetzt

40 er zur Schwelle des Reiches zurück, küsste die Hand des Großherrn und bekleidete sich mit
dem Gewand. Als er [zurück]ging, ließen ihn die Glaubenskämpfer am Ufer der Donau Osmanen töten
Basaraba
verschwinden 501. Danach wurde der Mönch 502 (keşiş) an seiner Stelle Herrscher.
Keşiş ersetzt
Basaraba

496 Auch die Überlieferung nach Bonfini (Corpus Draculianum, 2. Bd.) berichtet von der Köpfung Vlads in
einem Türkenkrieg, fügt jedoch hinzu, dass dieser als Geschenk an Mehmed II. gesandt wurde: „sed
in Turcico demum bello cesus, caput ad Maumethem dono missum“.“ Antonius BONFINIUS: Rerum
Ungaricarum decades quatuor cum dimidia. Basel 1568, S. 558. Die Russischen Geschichten (ebd., 2.
Bd.), nach Aussage des Autors entstanden nach einem Gespräch mit Vlads Sohn Mihnea (genannt
der Böse), berichten, dass Vlad von seinen eigenen Truppen für einen Türken gehalten und
versehentlich getötet wurde, widersprechen jedoch nicht dem Bericht über seine Köpfung.
497 Der genaue Status des Woiwoden bleibt unklar: War er unabhängig von anderen Herrschern
und/oder Prätendenten? Oder handelt es sich hier um die Übersetzung des Begriffes autokrator (in den
rum.-slaw. Urkunden samodîrjeţ)? Der Begriff war zu diesem Zeitpunkt noch immer anwendbar: vgl.
von diesem Woiwoden DRH. B, I, Nr. 152 (8. Mai 1476). Zur Titulatur der walachischen Woiwoden
vgl. Emil VÎRTOSU: Titulatura domnilor şi asocierea la domnie în Ţara Românească şi Moldova (pînă în secolul al
XV-lea). Bucureşti 1960.
498 Laiotă Basarab III. cel Bătrân (der Alte) herrschte fünf Mal: 24. Nov. – 23. Dez. 1473; vor 10. Aug. –
nach 4. Sept. 1474; Anfang Okt. – 20. Okt. 1474; vor 1. Juni 1475 – vor 8. Okt. 1476 und vor 10.
Jan. – vor 10. Dez. 1477. Vgl. REZACHEVICI: Cronologia domnilor, S. 108; 109; 110-111; 115 und 119-
120.
499 1476 war Basarab III. Laiotă, genannt der Ältere, Herrscher der Walachei. Er wurde im November
dieses Jahres vom ungarischen Heer unter Führung des Stephan Bathory und Vlads des Pfählers
vertrieben. Anfang 1477 kehrte er mit osmanischen Truppen zurück und tötete Vlad, wurde aber
seinerseits von Basarab dem Jungen, genannt Ţepeluş („der kleine Pfähler“), besiegt und vertrieben.
Dieser verlor 1482 seine Herrschaft an Vlad den Mönch (Keşiş), der bis 1495 regierte. Vgl.
REZACHEVICI: Cronologia domnilor, S. 115-129. Zur Verwechslung des Oruc vgl.Ştefan ANDREESCU:
Vlad Ţepeş. Bucureşti 1998², S. 174f.
500 Das ḫilʿat war ein geschmücktes Ehrenkleid, das den Würdenträgern der Pforte, verschiedenen
Herrschern – darunter auch dem walachischen Woiwoden – und ausländischen Gesandten verliehen
wurde. Vgl. Dimitrie CANTEMIR: Istoria Imperiului Otoman. Bd. 1, S. 229, Fn. 28.
501 Diese Information ist historisch annähernd korrekt: Die Bojaren aus der Region Mehedinţi,
Anhänger Vlads des Mönchs, ermordeten Ţepeluş im März 1 4 8 .2 Vgl. REZACHEVICI: Cronologia
domnilor, S. 127; dokumentarische Quellen zum Konflikt zwischen Ţepeluş und Vlad dem Mönch Gr.
C. TOCILESCU: 543 documente istorice slavo-române din Ţara Românească şi Moldova privitoare la legăturile cu
Ardealul, 1346-1603. Bucureşti 1931, S. 145-149; der Brief Vlads des Mönchs an die Kronstädter über
die Ermordung des Ţepeluş ebd., S. 147.
502 Vlad Călugărul (der Mönch) herrschte nach 8. Juli – vor 16. Aug. 1481 und vor 13. Juli 1482 – nach
8. Sept. 1495. Hier wird seine erste Herrschaft von September bis vor 16. November 1481 erwähnt.
Vgl. REZACHEVICI: Cronologia domnilor, S. 125-126 und 128-129.
158 Anonymchroniken / Oruc / (P.-)Ruhi-Çelebi
(Osmanische Primärquellen)

Girü biz (16) Sulṭān Meḥmed Ḫān ḳıṣṣâsına gelâlüm. Çün Sulṭān Meḥmed Ḫān (17) Eflāḳ
vilāyetini fetḥ ėdüb, Ḳazuḳlu’yı memleketden çıḳarub Çepeliş’i beğ ėdüb (18) Şevval ayınuñ 30
evvelinde503 gelüb gidüb bu ṭarafdan gelüb Anaṭolu’ya geçüb gemiler (19) cemʿ ėdüb
83a gönderüb, gemiler varub kendü daḫi İzmīr öñinden geçüb | varub Midillü504 ḳalʿası ve
ādāsını fetḥ ėdüb gelüb Edirne’de ḳarār ėtdi. (2) Rūm-ili beğlerbeğisi Maḥmūd Paşa hem
vezīr, İsḥāk Paşa vezīri idi. Anaṭolu beğler(3)beğisi Gedük Aḥmed idi. Fetḥ-i Eflāḳ ve kalʿa-yi
Midillü hicretüñ sene 866 (4) yılında vāḳıʿ oldı. 35

(PSEUDO-)RŪḤI ÇELEBI

Nota bene: Die folgende Transliteration nutzt als Vorlage die Edition ERDOGAN/YÜCEL. Da die Seiten der
Faksimiles nicht nummeriert wurden und überdies auch kein Abgleich des transkribierten Textes mit den
entsprechenden Seiten der Handschrift vorliegt, folgen die unteren Referenzen einer eigens aufgestellten
Seitennummerierung (durchgängig von 1 bis 311).

1
277 Pādişāh-i İslām Eflāḳ ėline varub fetḥ ėtdüğidür

[456] Pādişāh-i İslām ol ḳış İstanbūl’da ḳıslāyūb bahār olıcaḳ yine etrāf-i memālike ulāklar
gönderüb Anaṭolı ve Rūm-ėli ʿaskerīn cemʿ ėdüb Eflāḳ üzerine müteveccih oldı. Meğer asıl
hikāyet bunun üzerine müteveccih oldı ki Eflāḳ’da Ḳāzuḳlu Voyvoda pādişāha her yıl ḫarāc 5
vėrürken ṣūret-i ʿiṣyān iẓhār ėdūb kış içinde Ṭūnā’yı geçüb ol kenār urub reʿāyāya elem ve
zaḥmet vėrmişdi. Bir gün pādişāhuñ yārār beğlerinden Yūnus Beğ-ile Ḥamza Beğ’i ṭutub
şehid ėtmişdi. Pādişāh dāḫi bu ḥāle be-ġāyet ḳaḳıyub ʿasker cemʿ ėdüb evvel Maḥmūd Paşa
278 muḳaddem | olub yüriyüb Ṭūna kenārına vāncaḳ pādişāh dāḫi Niğebolı’ya varub evvel Paşa
Ṭūnā’yı öte yaḳāya geçüb anūñ ardınca pādişāh daḫi geçüb, mecmūʿı ʿaskerin müretteb ve 10
mükemmel ėdüb Eflāk iline yüriyiş idicek, meğer Ḳāzuḳlu melʿūñ bir gice olan ʿaskerin cemʿ
ėdüb pādişāhuñ ʿaskerine şebiḫūn ėdüb ceng ėtmek isteyicek ʿasker-i ehl-i İslām dāḫi kāfiri
ortāya alub bir vechle ḳırān oldı ki ḳābil-i vaṣf ol[457]maya. Kāfir ʿaskerinūñ ekseri ḳılıçdan
geçüb ancāḳ oşrı halāṣ olup ḳaçub gitdiler. Bu fetḥ ve ẓafer hicretūñ sekiz yüz altmış altıncı
yılında mubārek ramażānuñ yiğirmi dördünci güninde idi. Andan Pādişāh-i İslām otūz 15
günde mecmūʿı Eflāḳ ilin şeyr ėdüb Ḳāzuḳlu Voyvoda dāḫi hemān ol gicedem ḳaçub terk-i
279 diyār ėdüb gitdi. | Pādişāh-i İslām anūñ yirine bir ġayrı voyvoda dāḫi naṣb ėdüb cizye taʿyīn
ėtdi ki her yıl ḫazāne-yi ʿāmireye teslīm olına. Pādişāh andan devlet ve saʿādetle Edrene’ya
geldi.

503 P Şevval ayınun evvelinde Pa -.


504 P Midinlü (systematisch diese Schreibweise) Pa (119 a/5) Midillü.
Tevārīḫ-i Āl-i ʿOṡmān 159
(Osmanische Primärquellen)

Lass uns [aber] zur Geschichte des Sultans Mehmed Han zurückkehren. Als der Sultan
45 Mehmed Han die Walachei eroberte, indem er Kazıklı aus der Herrschaft (heraus)zog,
machte er Çepelüş zum Herrscher (beğ). Indem er am 1. [Tag] des Monats Şevval 505 hinzog Datierung

und von diesem Gebiet aufbrach, ging er nach Anatolien über, sammelte und schickte
Schiffe. Sowohl die Schiffe als auch der Sultan selbst gelangten nach Izmir. Er eroberte die
Festung und die Insel Mytilene, zog [dann] ab und verweilte in Edirne. Und Mahmud Paşa
50 wurde zum Gouverneur (beğlerbeğ) Rumeliens [und] Ishak Paşa zum Wesir, Gedik Ahmed
zum Gouverneur Asiens. Die Eroberung der Walachei und der Festung Mytilene geschah
im Jahre 866 der Hidschra.

1 Der Großherr des Islam zieht in die Walachei und erobert (sie)

Der Großherr des Islams verweilte jenen Winter in Istanbul und als es Frühling wurde, Frühling

schickte er wiederum Botschaften zu den Seiten des Reiches und sammelte das Heer V. bringt den
jährlichen Tribut
Anatoliens und Rumeliens. [Aber] was [den Woiwoden] der Walachen betrifft, er weigerte nicht und kommt
5 sich. Die wahre Erzählung aber über diesen, den Kazıklı Voyvoda in der Walachei, der sich nicht zum Heer

weigerte, war diese: Als er jedes Jahr beim Großherrn den Tribut entrichtete 506, verriet er V. überquert die
Donau und verheert:
die Gestalt der Rebellion und überquerte die Donau während des Winters, wobei er sich an Winterzeit

jenem Ufer niederließ und den Untertanen (reʿaya) Schmerz und Schaden zufügte. Eines Yunus und Hamza
werden ermordet
Tages nahm der gabenreiche Großherr einen seiner Beğs, Yunus Beğ samt Hamza Beğ, und
Sultan erreicht
10 machte sie zu Märtyrern. 507 Der Großherr zürnte außerordentlich und versammelte das Nikopolis
Heer, [wobei] zuerst Mahmud Paşa zum [Kommandant der] Vorhut [ernannt] wurde. Er Mahmud P.
marschierte und, als er an den Rand der Donau gelangte, erreichte auch der Großherr Kommandant der
Vorhut; überquert
Nikopolis 508. [Dann] überquerte zuerst der Paşa alles vorne in Brand steckend, die Donau, Donau
und nach ihm kam auch der Großherr. Das gesamte Heer war vorbereitet und vollständig
15 und als es durch das Land (el) der Walachei marschierte, sammelte der verdammte Kazıklı Nachtangriff
eines Nachts sein Heer und unternahm auf das Heer des Großherrn einen Nachtangriff.

505 1. Şevval 866 H. = Dienstag, 29. Juli 1462. Für die Berechnung des islamischen Kalenders vgl.
http://www.oriold.uzh.ch/static/hegira.html. Dies bestätigt die obige Annahme (Fn. 490) über das
Ende des Feldzugs. Vgl. Enveri (←), Fn. 204.
506 Anspielung auf die bei Doukas (←), S. 59, und Tursun Beğ (←), S. 121, ausführlich erzählte Episode
über die Verweigerung Kazıklıs zur jährlichen Tributzahlung. Zur Höhe des Tributs vgl. Fn. 129.
507 Damit ist gemeint, dass der Sultan diesen beiden Beğs die Gelegenheit und sogar das Privileg bot, sich
als Märtyrer auszuzeichnen und somit die höchste Belohnung im Jenseits zu erhalten (vgl. Enveri ←,
S. 91, und Kemal Paşa-zade →, S. 235).
508 Zur Rolle von Nikopolis in den militärischen Operationen 1461/62 vgl. Karte (1), S. 398.
160 Anonymchroniken / Oruc / (P.-)Ruhi-Çelebi
(Osmanische Primärquellen)

[Aber] als er einen Kampf schlagen wollte, nahm das Heer der Leute des Islams seinerseits Walachen umzingelt

die Ungläubigen in die Mitte 509 mit einer [Kampf]reihe [wie] eine [glückliche] Stellung [der
Planeten], welche man angemessen nicht loben kann. Die Mehrheit des Heeres der
20 Ungläubigen ging durch die Schwerter hindurch und nur ein Zehntel entkam und flüchtete Sultan verweilt einen
Monat in der
und zog ab. Diese Eroberung und dieser Sieg geschahen im Jahre der Hidschra 866 am 24. Walachei; Datierung

Tag des gepriesenen [Monats] Ramadan. 510 Danach verbrachte der Großherr des Islams V. flieht [nach
Ungarn]
dreißig Tage im gesamten Lande der Walachei und zur selben Zeit floh der Kazıklı Voyvoda
plötzlich eines Nachts, verließ das Land (diyar) und zog von dannen. Der Großherr des
Islams setzte dann an seine Stelle einen anderen Woiwoden und richtete die Kopfsteuer ein, Herrschaft wird an
25 [Radu] verliehen
die jedes Jahr dem kaiserlichen Schatz ausgeliefert wurde. Der Großherr ging dann
erfolgreich und glücklich nach Edirne [zurück].

509 Diese poetische Umschreibung meint eine militärische Umzingelung. Vgl. Aşık Paşa-zade (←), Fn.
312.
510 24. Ramadan 866 H. = Dienstag, 22. Juni 1462; anscheinend handelt es sich bei dieser präzisen
Datierung um den unmittelbar zuvor berichteten Nachtangriff. Vgl. L. A. MURATORI (Hg.): Cronica
di Bologna („Rerum Italicarurn Scriptores XVIII“). Milano 1731, col. 744 (vgl. Corpus Draculianum, 2.
Bd.): 23. Juni. Der osmanische Autor bezieht sich auf die islamischen Vorschriften, wonach ein neuer
Fastentag mit dem Sonnenaufgang beginnt. Die Nacht gehörte demnach gänzlich bis zur
Morgendämmerung dem vorherigen Tag, auch aus Perspektive des italienischen Autors. Vgl. zur
Datierung Enveri (←), S. 95: Überquerung der Donau am 6. Ramadan und das „Fest“ in Brăila, und
Oruc (←), S. 155: „Nacht des Ramadan“. Je nach der gewählten Route hätte die osmanische Armee
für die 150-200 km zwischen der Donau und Târgovişte 15 bis 20 Tage gebraucht. STOICESCU: Vlad
Ţepeş; S. 114-115: 13./14. Juni 1462; MILEA: Istoria militară, S. 277: 16./17. Juni.
Anhang der Tevārīḫ-i Āl-i ʿOṡmān 161
(Osmanische Primärquellen)

Anhang

Johannes Löwenklau (Leunclavius) (1541-1594)


Der deutsche Gelehrte L. publizierte eine Geschichte des Osmanischen Reiches auf Grund-
lage zweier übersetzter osmanischer Anonymchroniken, darunter womöglich auch Oruc.
Eine der Chroniken ist als Anonymus Verancicus bekannt und war im Besitz des italienischen
Gelehrten Antonio Verancici (Corpus Draculianum, 2. Bd.). Bei der zweiten Chronik, genannt
Anonymus Hanivaldanus, handelt es sich um eine lateinische Übersetzung, die Phillipp
Haniwald von Enckensdorf 1584 während seines Istanbul-Aufenthaltes bei dem unga-
rischen Renegaten und Hofdolmetscher Murad Beğ anfertigen ließ. Dessen Übersetzungen
wurden von L. stilistisch umgearbeitet und mit weiteren Informationen und Erklärungen
erweitert und schließlich in Frankfurt am Main zuerst in einer deutschen und darauf in
einer verbesserten lateinischen Auflage gedruckt.

Editionen: Neuwe Chronica türckischer Nation. Frankfurt a. M. 15901, 15952; Historia Musulmana Turcorum
et monumentis ipsorum excripta. Frankfurt a. M. 1591.

Literatur: Franz BABINGER: Herkunft u. Jugend Hans Löwenklaw’s. In: Westfälische Zeitschrift 98/99
(1949), S. 112-127; DERS.: Johannes Lewenklaws Lebensende. In: Basler Zeitschrift für Geschichte und
Altertumskunde 50 (1951), S. 5-26; Dieter METZLER: Johannes Löwenklau. In: Robert STUPPERICH (Hg.):
Westfälische Lebensbilder. Bd. 13. 1985, S. 19-44.

[Edition: Frankfurt a. M. 1590]

26 137. (1) Er hat sich wiederumb erhaben/ ist in die Walachey gezogen/ und hat den

Walachi-(2)schen Weiden/ Dracol genannt/ vberzogen. Der Walachisch Weida hat ihne
bey nächt-(3)licher weil vberfallen wollen/ hat aber wenig außrichten mögen. Ist nachmals
ins Un-(4)gerlandt geflohen/ den dann der König von Ungern gefenglich angenommen hat.
Mit-(5)ler zeit hat der Sultan Muchemet die Walachen eingenommen.
162 Anonymchroniken / Oruc / (P.-)Ruhi-Çelebi
(Osmanische Primärquellen)

(Pseudo-)Abdullah bin Yūsuf gen. Şevki: Tārīḫ-i Al-i ʿOsman (Anfang 16. Jhs.)
Aufgrund der großen Ähnlichkeit mit Oruc ist es zweifelhaft, ob es sich um einen unab-
hängigen Autor handelte. Die Formulierung „padişahımız Mehmed Han“ (unser [lebender]
Großherr, M.H.) schließt außerdem jede Möglichkeit aus, den Autor des vorliegenden
Textes mit einem in der Zeit Bayezids II. (1481-1512) platzierten Autor511 zu identifizieren.
Dieser Text, welcher der Oxforder Hs. des Oruc ähnelt (obwohl die Strafaktion gegen
Kazıklı diesmal richtig datiert wird), könnte sogar eine ältere Fassung dieses Autors sein,
welche in einer späteren Phase als Folge des Herrschaftswechsels von „Anachronismen“ be-
reinigt wurde.

Handschriften: Unicum im Besitz des Herausgebers; s. unten.

Edition: Efdal SEVINÇLI: Yusuf bin Abdullah. Bizans Söylenceleriyle Osmanlı Tarihi (Târîh-i âl-i Osmân).
Izmir 1997 [mangelhaft ediert: Faksimiles u. populärwiss. Translit.].

Nota bene: Eine Übersetzung wird aufgrund der minimalen Unterschiede zu Oruc nicht wiedergegeben.

SEVINÇLI, S. 166-171:

Gerü bu ṭarafda pādişāhımız Meḥmed Ḫān çeri cemʿ edüb ḳapu yeñīçerisinden (12) ve
ʿazabdan yetmiş bīñ asker cemʿ edüb Eflāḳ vilāyetine yürüdiler. Ol vaḳtide (13) Eflāḳ beği
Draḳūla idi. Ol melʿūn şöyle pelīdād kim zamānında anūñ [168/9] işini kimse ėtmezdi. Ve
daḫı cūz-i günāh içūn anāsı ḳarnında (2) oğlānı çıḳarub ḳazığa ururdı. Sulṭān Meḥmed daḫı
Ṭūna ṣuyūnı geçüb (3) üzerine vardıḳda muḳābeleye durmayub bir gėce gelüb şebīḫūn edüb
(4) at ürkündüsiyle ṣiyāh-i ḳıyās edüb lakin müyesser olmayub neçe bīñ ademi (5) ḳırılub

kendūsi firār edüb Üngürūs vilāyetine gitdi. Sulṭān Meḥmed ol maḥalde (6) kāfir beğlerinden
Çepelīş dirler bir kāfiri Eflāḳ’a beğ eyledi. Ve daḫı ol vaḳtide (7) Ḳazıḳlu Eflāḳ-ėline gelüb
Çepelīş kāfir beğiyle mülāḳat olmadın birbirine ḫaber (8) gönderüb arāda çeri mühim
değildir. „Hemān ikimiz meydāna girêlim saʿādet kimindir“ (9) deyü bu ḳavl üzere meydāna
girüb birbirine sekü ve daḫı gūrz ḫavāle edüb (10) arāda çok ḥamle geçüb. Fırṣat ḫod
Çepelīş’ūñ olub Ḳazıḳlu’yı kendir ile (11) urub atından yıḳub ėnüb Ḳazıḳlu’nıñ bāşın kesdi
bāḳi ḳalan çeri perişān (12) ve perākende olub Çilīş istiḳlālı Eflāḳ vilāyetine beğ oldı. Ve daḫı
Bāṣraba (13) dirler bir kāfir beği żuhūr etdi. Ol daḫı Üngürūs vilāyetinden gelüb Eflāḳ-ėlinde
[170/1] Çepelīş’i depeleyüb bāşın kesdi Eflāḳ vilāyetine kendüyi beğ etdi. (2) Ṭoğrı
Asitāne’ye gelüb dest-būs-i şāh edüb ve daḫı ḫilʿat-i şāhi geyüb (3) Eflāḳ vilāyetine giderken
Ṭūna yolında ġāzīler belūrsīz ėtdiler. Anūñ (4) yerine Keşiş beğ oldı. Andan daḫı Meḥmed
Han Eflāḳ’dan geçüb deñiz yüzine (5) gelüb gemīler tedārük edüb Geliboli’dan Anāṭoli’ya
geçüb İzmir’e varub (6) gemiye binüb çeri ile Midillü üzerine muḥāṣara edüb cebr ile Midillü
ceziresini (7) alub māl ve erzāḳın yaġma edüb andan Edrene’ye gelüb ḳarār etdi. Ve daḫı (8)
ol vaḳtide vüzerādan Maḥmūd Pāşa ve Gedīk Aḥmed Pāşa idi hicretiñ sekizyüz (9) altmışaltı
senesinde.

511 Vgl. BABINGER: GOW, S. 42.


2. Osmanische Sekundärquellen
Ḳıvāmi
(? – ?)

Autor
Über sein Leben existieren wenige historische Belege. Gesichert ist, dass er in der Zeit
Mehmeds II. (1451-1481) und Bayezids II. (1481-1512) gelebt und Autor des Werkes Fetiḥ-
nāme ist. K. war wohl sein maḫlaṣ (Pseudonym), welches er in seinem Werk im Zusammen-
hang mit den Eigennamen Yūsuf und Kasım erwähnt. BABINGER und UYGUR vertreten in
ihren Editionen die These, dieser Autor sei mit dem historisch besser dokumentierten Ḳıvām
ed-Dīn Yūsuf b. el-Ḥasan Ḥüseyni identisch. Dieser stammte aus Šīrāz und wanderte wegen
seines sunnitischen Glaubens und aufgrund eines Konfliktes mit dem Schah Ismāʿil nach
Bagdad aus, wo er zum Richter – daher auch sein Beiname Kadi-i Bagdad – ernannt wurde.
Von dort zog er weiter nach Istanbul, wo er eine Stelle als „Achter“ (ṣaḥn) erhielt und 1512
oder 1516 verstarb. Es ist überliefert, dass K. die Abfassung einer Geschichte des
Osmanischen Hauses plante, was allerdings von der modernen Forschung noch nicht bestä-
tigt wurde; auch der jüngere Versuch eines Belegs durch UYGUR bleibt in vielen Punkten
diskutierbar.

Werk
Fetiḥ-nāme-yi Sulṭān Meḥmed („Buch des Eroberungen des Sultans Mehmed“) ist eine
größtenteils gedichtete Chronik der Herrschaftszeit Mehmeds II. (Fatiḥ – der Eroberer) und
wurde gegen 1490 auf Anregung Bayezids II. angefertigt. Das Werk beinhaltet 28 Ab-
schnitte (ḳıṣm), von denen sich 25 mit der Regierungszeit Mehmeds II. und die übrigen mit
Bayezid II. befassen. Dem Hauptwerk gehen sechs weitere Teile voran, welche zusam-
mengesetzt sind in Form eines meṣnevi-Gedichts mit mehreren Lobpreisungen (sahabi, naat)
verschiedener heiliger Persönlichkeiten des Islams. Sie enthalten auch ein Lobgedicht
(medhiye) auf Mehmed II.
Als Quellen wurden sehr wahrscheinlich Tursun Beğ (←) und die Anonymenreihe (←)
verwendet. In künftigen Untersuchungen sollte überprüft werden, ob K. vielleicht das Werk
Tursuns mit minimalen Zusätzen aus Hilfsquellen lediglich versifiziert hat; möglicherweise
war der Sultan mit der literarischen Qualität der Arbeit Tursuns unzufrieden und wünschte
eine „kommerziellere“ Version für die Unterhaltung des Hofes.

Quellen: Aşık Paşa-zade (←) und Tursun Beğ (←) oder eine sonst unbekannte Quelle 512

Handschrift
Berlin, Staatsbibliothek, Or. 4 1975: 160 Bl., 26x15,5cm, europ. Papier, 13 Zl., nesīh.

512 Zu beachten ist das Fehlen zahlreicher Details, die bei den anderen bekannten Autoren konstant
auftreten.
166 Ḳıvāmi
(Osmanische Sekundärquellen)

Editionen: Franz BABINGER: Fetihname-i Sultan Mehmed. Giri ş ve Tıpkıbasım . Istanbul 1955; Ceyhun
Vedat UYGUR: Kıvami. Fetihname. Istanbul 2007 [Transliteration von Babingers Ausgabe; mit neutürk.
Übers.].

Übersetzungen: s. UYGUR: Kıvami.

Literatur: Sait GÖKÇE: „Kivami und [sein] Fetihname.“ München 1954 [unveröff. Diss.]; Talat
KIRCAN: „Fetihname-i Sultan Mehmed (mezuniyet tezi. 1970).“ Istanbul Üniversitesi Türkiyat
Enstitüsü Kütüphanesi, Nr. 1036; Ceyhun V. UYGUR: „Kıvami’nin Fetihname-i Sultan Mehmed’i ve
Dil Özellikleri (yüksek lisans tezi).“ SÜ Sosyal Bilimler Enstitüsü. Istanbul 1991.

Nota bene: Die Transliteration resultiert aus dem Vergleich der Edition UYGURs und des Faksimiles aus
BABINGERs Edition.

Güftār-i sīz-dehom der meclis-i ġazā-yi Ėflāḳ bi-ʿavni ʿenāyeti’llāh 1

132 Gel iy cān meclisinuñ naġme-sāzı


Yine ʿarż eylegil sūz u niyāzı
Terennüm birle ḳıl āheng-i şehnāz
Ki ta bezm ehline keşf ide sen 513 rāzı 5
Bu bezmüñ cün bugün gūyendesinin
Ġaza inşāsınuñ ḫonendesinin
Yine bir ḳıṣṣa naḳl it pür-maʿāni
Müşerref eyle bir dem ʿaḳl u cānı
Öküşdür ḳıṣṣalar gerçi cihānda 10
Oḳınur diñlenür her bir mekānda
Gel imdi sen daḫi dürler niṡār it
Oḳı bir ḫoş kelāmı iḫtiyār it
Ki ta senden eṡer ḳāla cihānda
Añıla haşre dek aduñ zamānda 15
Cihānuñ çün bilūrsin yoḳ ṡebātı
Ne iş üzre-durur hem kāyinātı
133 Ne ejderdür bu çerḫ-i nīlgün-reng
Dutupdur ṭalʿatı ayinesin jeng
Ne ḫūnidür bilūrsin bu nehengi 20
Ki ḫaṣm olūp ḳılūr her dem o cengi
Ṣolutmaz bir uġurdan niçe cānı
Yūdar bir laḫẓa vīrmez hiç āmānı
Ḳanı bu mülke ol ḥākim olānlar
Cihānuñ ʿişret ü ẕevḳin ḳılānlar 25

513 Fehlt bei UYGUR.


Fetiḥ-nāme-i Sulṭān Meḥmed 167
(Osmanische Sekundärquellen)

1 Die dreizehnte Rede:


Vom Feldzug in die Walachei mit Gottes Hilfe

Komm, oh Sänger der seligen Runde 514


5 [Und] erweise [uns] deine Gnade 515!
Singe die Harmonie der Şehnaz 517,
516

Welche die [inneren] Geheimnisse zu den Versammlungen entblößt!


Weil du heute der Rhapsode bist
[Und] du bist auch der Vortragende dieser Schrift über den Glaubenskampf (gaza).
10 Berichte wiederum eine sinnträchtige Erzählung
[Und] erweise der Vernunft und der Seele einen Augenblick die Ehre,
Obwohl es auf der Welt sehr viele Geschichten gibt.
Sie werden überall vorgetragen und [zu]gehört.
Komm jetzt und verbreite auch die Perlen [dieser Geschichte],
15 Trage ein fröhliches Wort vor, suche [es] aus!
Auf diese Weise [soll] von dir eine Spur auf der Welt [übrig] bleiben.
Bis zum Jüngsten Tag [soll] dein Name erwähnt werden.
Du weißt, dass die Welt vergänglich ist,
Du weißt, dass auch das Universum für eine solche Arbeit stehen bleibt 518.
20 Was für ein Drache (ejder) dieses waschblau gefärbte Himmels(gewölbe) ist!
Die Fläche ihrer Kranzscheiben bildet Rost.
Du weißt, wie sehr dieses Krokodil 519 Opfer fordert,
Wie es jederzeit zum Feind wird und Krieg führt.
Viele Leben bringt es von einem Augenblick zum anderen zum Ersticken,
25 Selbst in einem Moment, in dem es keine Verzeihung gewährt, schluckt es [sie]
(hinunter).
Wo sind diejenigen, welche dieses Eigentum besitzen
[Und] diejenigen, die auf der Welt essen und trinken und es genießen?

514 Dieser Anfang ist schwer zu deuten und zu übersetzen. Zwei Alternativen sind möglich, die erste
erscheint jedoch wahrscheinlicher: 1. „Der Sänger der seligen Runde (oder Versammlung)“: damit ist
eine der üblichen Veranstaltungen der Künstler gemeint, wo bestimmte Epen oder andere
Kunststücke in Begleitung eines Saiteninstruments rezitiert wurden. 2. Der Autor spricht seine Seele,
also seine inneren Inspirationsquellen an. Vgl. Homer: Ilias. Die Alternativübersetzung wäre daher:
„selige [innere] Versammlung des Sängers“.
515 Alternative (vgl. oben die 2. Alternative): „erflehe wiederum aus dem Feuer“ (= Aus der Seele, aus
dem Herzen?).
516 Gemeint ist damit auch das Rezitieren.
517 Titel eines der ältesten makam, einem Liedgenre. Oder: „Koketterie“.
518 Das Universum ist still während diese Tätigkeit ausgeübt wird. Gemeint ist damit die Führung des
Glaubenskampfes (gaza), die größte Aufgabe des Gläubigen.
519 Die Welt.
168 Ḳıvāmi
(Osmanische Sekundärquellen)

Ḫazāyin cemʿ idenler sim ü zerden


Cevābir birle laʿl-ile güherden
Muraṣṣaʿ tāclar, zerrīn kemerler
Ḳanı ol ḫilʿat-i fāḥir geyenler
Ḳanı ol ḫükm idenler şarḳ u ġarba 30
Çekenler ʿaskeri żarb ile ḥarba
Ḳanı ol memleketler fetḥ idenler
Ġazāya niçe āylıḳ yol gidenler
Ḳanı ol nāzenīnler ḳānı iy cān
Yaturlar cümlesi ḫāk-ile yeksān 35
Bu sözlerden hemān derd artar iy yār
Bu sözi itmeyelüm girü tekrār
Görelūm niçe olduğın ḥikāyet
Neye irdūğin el-ḳıṣṣa rivāyet
Saʿādet āfitābı ẓıll-i Yezdān 40
Muḥammed Ḫān Ġāzi şīr-i ġarrān
Selāṭīn serveri şāh-i cihāngir
Ki ʿālem olmış-ıdı aña naḫcīr
134 Yidi bāşlu bir ejder idi ol şāh
Ki zeyn olmışdı anuñla taḫt u dergāh 45
Mehābetde nazīri gelmemişdi
Zamānında ʿadü hiç gülmemişdi
Ḳuşānmışdı ḳuşağın dīn yolında
Dūtūbdı tīġ-i bürrānı ilinde
Ġaza ėtmeğ-idi her yıl aña iş 50
Bu resme Ḥaḳ aña vīrmīşd[i] ceyş
Yarāşık 520 şāhdı taḫt-ıla tāca
Cihānı kesmiş-idi hep ḫarāca
Olaydı devlet ātına süvāre
Olūrdı ḫalḳ, öninde pāre pāre 55
Şu resme ʿāli himmetdi o sulṭān
Ki yānındaydı zer ḫāk-ile yeksān
Döğerdi dīn yolında ḫarc iderdi
Ne yire kim ġazā-y içün giderdi
Dürişürdi ġaza yolında muḥkem 60
İşi güci ġaza ėtmekdi her dem
İşit İflāḳ’e geçdüği ġazāyı
Ne resme ġāzidür ol pādişāyı

520 UYGUR: Yarāşuk.


Fetiḥ-nāme-i Sulṭān Meḥmed 169
(Osmanische Sekundärquellen)

Diejenigen, die Schätze aus Gold und Silber


30 [Und] Schmuck aus Perlen und Rubinen ansammeln?
Wo sind diejenigen, die schmuckbesetzte Kronen, goldene Gürtel
Und jene gelobten wertvollen Kleider tragen?
Wo sind diejenigen, die in den Osten und in den Westen [zum Aufbruch] befehlen
[Und] zu Krieg und Schlacht ein Heer (hin)zogen?
35 Wo sind diejenigen, die jene Länder erobern
[Und diejenigen, die] wegen des Glaubenskampfes monatelang unterwegs sind?
Wo sind jene teuren Liebespaare, wo sind sie, oh mein Freund?
Sie alle legen sich hin und [werden] eins mit dem Boden (hak-ile yeksan).
Oh, mein Freund! Durch diese Worte werden die Sorgen größer.
40 Lass uns diese Worte nicht erneut sagen!
Lass uns sehen wie die Geschichte ist,
Wohin die Moral der Erzählung [uns] hinführt!
Die Sonne der Glückseligkeit, der auf der Erdoberfläche (befindlichen) Vertreter Gottes
Der brüllende Löwe Mehmed Han der Gotteskämpfer (Gazi),
45 Oberhaupt der Sultane, der Schah, der die Welt füllt [mit seiner Persönlichkeit],
Der auf der Welt selbst ein Jäger war.
Jener Großherr (padişah) war ein siebenköpfiger Drache (ejder),
Mit dem der Thron und der Hauptsitz geschmückt wurden.
Im würdevollen [Aussehen] (mehabet) gab es keinen seinesgleichen.
50 Damals hatten die Feinde nichts zu lachen.
Er hatte sich mit seinem Gürtel auf dem Weg der Religion umgürtet. 521
In seiner Hand hatte er das scharfe Schwert gefasst.
Seine Aufgabe [war es], jedes Jahr den Glaubenskampf zu führen.
Gott hatte ihm ein entsprechend [großes] Heer gegeben.
55 Er war ein Großherr (padişah), der für seinen Thron und seine Krone sich ziemte.
Die Welt hatte [ihm] immer Kopfsteuer entrichtet.
Als er das Pferd des Glücks bestieg,
[Versammelte sich jedes Mal] das Volk vor ihm in Scharen.
Jener Sultan war so sehr hilfsbereit und ehrgeizig,
60 Dass neben ihm sogar das Gold keine Bedeutung mehr hatte.
Wo [auch immer] er mit dem Ziel des Glaubenskampfes hingeht
[Und] indem er auf dem Weg des Glaubens [immer wieder] auftrat, richtete er sie
zugrunde.
Auf dem Weg des Glaubenskampfes bemühte er sich mit Aufrichtigkeit.
65 Er führte jeden Atemzug den Glaubenskampf, [also] die mühsame Arbeit.
Höre [wie] er zum Gotteskampf in die Walachei zog
Und was für ein Gotteskämpfer dieser Großherr ist.

521 Ein Symbol für den Schwur zum Gotteskampf.


170 Ḳıvāmi
(Osmanische Sekundärquellen)

Velī şol ḳavlla ėdüp ṡenālar


Ḳılāsın rühına cāndan duʿālar
Dūʿā idene her kim dīse āmīn 65
Belālardan Ḫudā eylesūn imīn

Güftar-i der neṡir:


Ḥāliyā çün kim Sulṭān Muḥammed Ḫān Ġāzi – ceʿale’l-cennete eṡvāhu! – | Ṭarabūzūn
135 seferīn eyleyüp taḫtına gelicek, gīrü emr eyledi ki Ānātolı ve Rūm-ili beğlerine ḥükümler 70
yāzālar ve ulāḳlar ṣalālar; tā kim ʿasker-i İslām cemʿ ola. Şöyle ki esbāb-i ḥarb ve ālāt-i ẕarb,
şol nesneler kim mühimmāt-i cihātdur, hep ḥāżır ve müheyya ideler. Cebede ve cevşende,
tīġ ü sinānda ve tīr ü kemānda, siper ü peykānda cümle-i yarağ-i ġazāda hīç veçhile
ḳuṣūrları olmaya; gelüp ordū-yi hümāyūnuma fulān yirde irişeler, dėyü. Lā-cirem vüzerā-yi
nīk-rāy ve kār-āzmāy ʿaḳıllar, vācibü’l-emri’l-meʿāli, her ṭarafa ḥükümler yāzdılar ve ulāḳlar 75
ṣaldılar. Cemīʿ-i beğlere ve cümle-i ʿasker-i İslām’a ḫaber ėtdiler. Şol nesneler kim
gereklüdür, hep ḳayd ėtdiler. Eyü atlar ve yarar yoldāşlar, şöyle ki silāḥ u selebleri birle cemʿ
oldılar. Gelüp şāh-i ʿālemüñ ordū-yi hümāyūnına irişdiler, ḫāk-i pāyine yüzler sūrdiler.
Devletle sulṭān-i ʿālem daḫi Ḳusṭanṭaniyye şehrinden ḳālḳūb, niyet-i ġāza fī-sebīli’llāhi, İflāḳ
vilāyeti üzerine revāne oldı. „Bi ʿawni ʿināyati meliki’l-ʿālī“. 80

Güftar-i der naẓım der ṣıfat-i ṣubḥ:


Seher kim şāh-i encüm ḳaldurūb bāş
Cemāl-i nūrın itdi ʿāleme fāş
Cihānı ẓulmet-i şeb almış-ıdı
Ḳarāñulıkla ʿālem ṭolmış~ıdı 85
Aġartdı ṣubḥ nūrı irdi nā-gāh
ʿAyan oldı güneş nūrı seḥer-gāh
136 Girü işlü işine yol būldı ʿālem
Feraḥ oldı cihān ḫalḳı hep ol dem
Fetiḥ-nāme-i Sulṭān Meḥmed 171
(Osmanische Sekundärquellen)

Nur derjenige, der unter der Bedingung lobpreist


[und] Gebete aus dem Herzen an seine Gunst (ruh) 522 vollbringen lässt,
70 Jedem, der betet [und] Amen sagt,
Den soll Gott (Hüda) vor Unglücken (belâ) schützen. 523

Prosa:
Sultan Mehmed Han der Gotteskämpfer (gazi) - Gott möge ihn selig haben! - befahl, als er Sammlung des
Heeres
seinen Feldzug (gegen) Trapezunt unternahm und [danach] zu seinem Thron [zurück]kam,
75 den Gouverneuren von Anatolien und Rumelien zu schreiben und Boten zu entsenden und
auf diese Weise das Heer des Islams zu versammeln. Sie [sollten sich] so [versammeln, dass
sie] die Kriegswaffen und die Kriegsrüstungen und die anderen Militärposten allesamt auf
Abruf bereit hielten. Beim Panzer, beim Schwert und Speer, Pfeil und Bogen, beim Schild,
bei allen Waffen des Glaubenskampfes (gaza silahları) sollte nichts fehlen. Er sagte: Sie [sollen]
80 kommen und mein Heer an jenem Ort erreichen. Daraufhin schrieben die vorgesehenen
Wesire und die mit der Arbeit vertrauten Klugen entsprechend des hohen Befehls zu allen
Seiten Verordnungen (ferman) und er entsandte Boten und benachrichtigte alle beğs und
Heere des Islams. Sie äußerten sich über alles was nötig [für den Feldzug] war. Sie
versammelten sich mit guten Pferden, nützlichen Kameraden, Waffen und Kampfrüstungen
85 und kamen und erreichten das Heer des Großherrn (padişah) [und ihre] Gesichter kehrten
die Erde von seinem Fuß 524. Der Sultan der Welt brach seinerseits von der Stadt
Konstantinopel (Kostantiniyye) auf und marschierte auf dem Weg Gottes [und] mit der
Absicht den Glaubenskampf [zu führen] zum Land der Walachei (Eflak vilayeti) durch die
Huld des erhabenen Herrn.

90 Dichtung zur Beschreibung des Morgens:


In [der Zeit der] Morgendämmerung erhob der Großherr der Sterne (şah-i encüm) 525 seinen
Kopf
[Und] versprühte die Lichter seiner Schönheit auf die Welt.
Die Dunkelheit der Nacht hatte die Welt (cihan) eingenommen.
95 [Und] die Welt (alem) wurde mit Finsternis überfüllt.
Plötzlich blich das Licht des Morgens.
Zur Morgenzeit strahlte das Licht der Sonne.
Jeder Arbeiter fand seinen Weg zu seiner Arbeit. 526
In jenem Augenblick erfreute sich das Volk der Welt.

522 Offenbarung der göttlichen Gunst oder Gnade: Mystik.


523 Dieses lange Vorwort mitten im Werk K.s weist darauf hin, dass die Kapitel ursprünglich getrennt
waren und wahrscheinlich auch unabhängig entstanden sind und rezitiert wurden.
524 Die beğs knieten vor dem padişah nieder.
525 Die Sonne.
526 D.h. er machte sich auf den Weg zur Arbeit.
172 Ḳıvāmi
(Osmanische Sekundärquellen)

Meġer ol ṣubḥ ḫurşīd-i saʿādet 90


Şeh-i ferḫunde-āḫter, māh-i ʿizzet
Selāṭīn serveri Sulṭān Muḥammed
Maḳāmı ʿAdin uçmāğı muḫalled
Çekūp dīn ʿaskerīn oldı revāne
Ḳıyūban rāh-i dīnde bāş u cāna 95
Yūrīdi yiyü içe irte gīce
Ḳamu dīn ʿaskeri-ile ḳona göçe
Tūna ṣūyı kenārına çü geldi
Hemān-dem beğlerine emir ḳıldı
Gemīler ḥāẓır idi ḫöş müretteb527 100
Geçeler cümle ʿasker durmayūp hep
Derīlūp cümle ʿasker geçdi fi’l-ḥāl
Kimesne ḳılmadı hīç ḳīl-ila ḳāl
Dūrup bir ṣubḥ gendü528 devlet-ile
Daḫi iḳbāl ü ʿizz ü ḥürmet-ile 105
Tūnā’yı geçdi ḳondı, ḳıldı ārām
Ḳamu ʿasker yānınca emrine rām

Güftar-i der ṣıfat-i bahār:


Meğer bir yıl bahār çiçekleri ṣaḫra yūzin zeyn eyleyūp cihān ṣuffası cennete dönmşidi.
137 Lāleler, ciğer ḳānıla ḳadehlerin ṭoldurūpve nergesler altūn tāclar | urunūp oturmışdı. Ve 110
süsenler çīni kabāʿların ṭoldurūp durmışdı ve şaḳāyıḳ ve nuʿmān, bāşlarına yākūtī tāclar
geyüp, eğinlerine laʿlīn ḳabālar almışdı.

527 Müretteb (geordnet) anstatt müretebbat (Besatzung) aus Reimgründen.


528 für kendü.
Fetiḥ-nāme-i Sulṭān Meḥmed 173
(Osmanische Sekundärquellen)

100 Jener Morgen aber [war] die Sonne der Glückseligkeit


Der Schah, der Glückbringende [jener] Zeit, der glorreiche Mondglanz,
Das Oberhaupt der Sultane, Sultan Mehmed,
Welcher der makam 529 des ewigen himmlischen 530 Eden ist.
Das Heer der Religion floss und brach auf
105 Und macht sich [mit] Kopf und Seele auf den Weg der Religion.
[Das Heer marschierte] essend und trinkend tags und nachts.
Das ganze Heer der Religion bewegte sich (in regelmäßigen Halten).
Als er ans Ufer der Donaugewässer heranrückte, Sultan zieht mit
großer Streitmacht
Befahl er sofort seinen beğs. zur Donau

110 Die Schiffe waren [mit ihren] Besatzungen bereit. 531 Osmanische Flotte
[auf der Donau]
Er befahl allen Soldaten nicht stehen zu bleiben, sondern [den Fluss] zu
überqueren.
Alle Soldaten versammelten sich und überquerten [den Fluss]
[Und] kein Einziger verweigerte sich.
115 Eines Morgens hielt[en sie] mit Glück und Schicksal,
Mit Wertschätzung und Verehrung an
Und überquerten die Donau 532 und er hielt danach an und ruhte sich aus.
Alle Soldaten waren an seiner Seite und auf seinen Befehl bereit.

Prosa zur Beschreibung des Frühlings 533:


120 Allerdings schmückten die Frühlingsblumen ein Jahr lang das Gesicht des offenen Feldes Frühling

und wandelte sich die Diele der Welt zum Paradies. Die Tulpen füllten ihre Lungen mit dem
Blut ihrer Trinkgläser 534 und die Ringelblumen trugen ihre goldenen Kronen und saßen
[da]. Die Sesamblumen hatten ihre kachelfarbigen Kleider gefüllt und standen [da]. Die
Pfingstrosen und die Windröschen hatten auf ihren Häuptern rubin(farbene) Kronen
125 aufgesetzt und Mäntel mit Edelsteinen angezogen.

529 Ein Liedgenre.


530 Auch als Paradies zu verstehen.
531 Anspielung auf den bei Chalkokondyles (←), S. 25, erwähnten Einsatz der osmanischen Flotte oder
rhetorischer Ballast (?). Als das Heer Mehmeds II. die Donau erreichte, musste die osmanische Flotte,
ausgesandt über das Schwarze Meer und die Donau, bereitstehen, um die Truppen auf das Ufer der
Walachei überzusetzen.Vgl. Ion URSU: Ştefan cel Mare. Bucureşti 1925, S. 34-36. Ursu nimmt auf
Grundlage christlicher Quellen an, dass der osmanische Feldzug im Mai stattfand und Anfang Juli
beendet wurde, da der Sultan am 11. Juli nach Edirne zurückgekehrt war; vgl. Bericht des Dominicus
Balbi vom 28. Juli 1462, Corpus Draculianum, 1. Bd.; Chalkokondyles (←), S. 39, und Kemal Paşa-zade
(→), S. 263.
532 Vgl. Enveri (←), S. 93: Freitagnacht.
533 Weil die folgende Beschreibung poetisch ist, ist der Text vom persischen Wortschatz geprägt.
534 Kadeh = kleines (Trink)glas.
174 Ḳıvāmi
(Osmanische Sekundärquellen)

Ve çemenlerle būsitānlar ser-sebz ü gülsitānlar, güllerle pür-luṭf ve ağaçlar, reng-ā-reng


dībālarla ārāste ve ağṣānlar envaʿ çiçeklerle pīrāste ve serviler, ṣanavbereler birle, nārevenler
ve ʿarʿarlar, ṭūbā-ḳad, gül-gün-ḫad cānlar yaḳıcı dil-rübālar gibi iʿtidāl-ıla ḥarekātlar iderler 115
idi. Ve ṭāğlar, dāmenlerini gevherlerle ṭoldurūp, nīlgūn ḳabalar geyüp dūrmışdı. Ve ṣūlar
delürüp şūrīde dīvāneler biği ṣaḥralara dūşmişdi. Ve seher ḳūşları, her ṭarafda kimi vāʿiẓler
gibi aġṣān menberlerinden “fānuẓr īla ʾāṯari raḥmati’llahi kayfa yuḥi al-arḍ baʿda mawtiha”
āyetini tefsīr iderlerdi. Ve kimi gūyende olūp nağmāt-i rengīn ve kimi ḫönende olūp535
ebyāt-i şīrīn şöylerlerdi. 120
Lā-cirem bu mübārek faṣl içinde dīn serveri Sulṭān Muḥammed Ḫān Ġāzi, ġaza ʿazmine
ḳānlu Tūnā’yı geçüp Ėflāḳ vilāyetine vardı. Her ṭarafa casūslar ṣāldı. Tā ki vāra, düşmenden
ḫaber ala. Ol eyyamda Ėflāḳ’uñ beği, Ḳazıḳlu Voyvoda dimeğle meşhūr bir kāfir beği idi.
Ġāyet cebbār ve cefā-kār, ḫūni ve siyeh-dīn ve siyeh-rü, müntaḳim ve müfsid. Şöyle rāvīler
138 rivāyet iderler kim, velāyetinde bir kimesne | günāh işleyüp katle müstaḫıḳ olsa, cemīʿ-i 125
aḳrıbāsı-ile ve ehl ü ʿayālleri-ile yollar üstinde ḳāzıḳlara urūp yıllarla dūrkūrurmış. Taḫt-i
yedinde olān raʿiyyetine bu resme siyāset gösterürmiş. Lā-cirem, Sulṭān Muḥammed Ḫān
Ġāzi, İslām ʿaskerīn çekūp üzerine vārıcaḳ, şāh-i ʿālemüñ tīġ-i ābı-dārı ve elmās-i laʿl(i)-
bārından cānına od dūşdi, ḫavf itdi.

535 Keine Punkte unter dem letzten Buchstaben; daher sowohl olūp als auch olūb möglich.
Fetiḥ-nāme-i Sulṭān Meḥmed 175
(Osmanische Sekundärquellen)

Die Wiesen und Blumengärten waren mit Grün und die Rosengärten mit Rosen voll von
Liebenswürdigkeit und die Bäume waren mit buntem Brokat geschmückt, die Äste waren
mit mannigfaltigen Blumen bedeckt und die Zypressen, Piniolen, Ulmen und die Wacholder
schwankten wie die Höhe des Tubas 536 mit rosaroten Wangen und [mit] vom Herzen
130 brennenden Schätzen langsam hin und her. Die Berge hatten ihre Schöße mit Perlen 537
gefüllt, hatten grüne Kleider angezogen und standen [da]. Die Gewässer flossen wie
irrsinnig, wie beunruhigte Wahnsinnige zu den offenen Feldern hinab. Manche der
Wandervögel legten überall wie die Prediger aus den Zweigen des menbers 538 das
Gotteswunder 539 aus: „Schau doch auf die Spuren der Barmherzigkeit Gottes! (Schau) wie
135 er die Erde (wieder)belebt, nachdem sie abgestorben war!“ und manche [Wandervögel]
wurden zu Sängern und sangen bunte Melodien, und manche [Wandervögel] wurden gar
zu Dichtern und sagten süße beyt 540 auf.
In dieser glücksbringenden Jahreszeit ergab sich die Folge, [dass] das Oberhaupt der
Religion, Sultan Mehmed Han der Gotteskämpfer mit dem Ziel des Glaubenskampfes die
140 blut(triefende) Donau (kanlı Tuna) 541 überschritt und kam in das Land (vilayet) der Walachei.
Um Nachrichten über den Feind zu erhalten, entsandte er in alle Richtungen Kundschafter.
In jener Zeit war der Anführer (beğ) der Walachei der genannte Kazıklı Voyvoda, ein
berühmter ungläubiger Führer. Er war äußerst tyrannisch und grausam, blutig und Bild des Tyrannen
trostlosen Glaubens und mit Schmach bedeckt, rachsüchtig und unruhestiftend. So
145 berichten die Erzähler, dass er einen auf den Wegen Befindlichen, samt seiner ganzen Beschreibung der
Gepfählten
Verwandtschaft und seinen Kindern auf Spieße zog und [diese] jahrelang dort blieb[en],
wenn irgendwer in seinem Land (vilayet) eine Schuld begangen und es verdient hatte, getötet
zu werden. Dem unter seiner Hand [befindlichen] Volk fügte er ein solches (Todes)urteil zu.
Als der Sultan Mehmed Han der Gotteskämpfer sein islamisches Heer einzog und [Kazıklı
150 Voyvoda] erreichte, fiel vom Wasser[flut] tragenden und von Diamanten und Edelsteinen
besetzten Schwert des Großherren der Welt Feuer auf die Seele [des Kazıklı Voyvoda] 542 und
(er) hatte Angst.

536 Der Paradiesbaum.


537 Gemeint sind wie Perlen aussehende Blumen.
538 Kanzel in einer Moschee.
539 Koran(vers). Folgt Kurʾan 30,50 (PARET 19802, S. 286).
540 Doppelvers; siehe die hier wiedergegebenen Gedichte.
541 Das Überqueren der Donau war damals eine gefährliche Unternehmung. Das Risiko für den
Teilnehmer war hoch genug, um eine spezielle Motivation notwendig zu machen. Demetrius
CANTEMIR: Sistemul şi întocmirea religiei muhammedane (Hg. Virgil CÂNDEA). Bucureşti 1977, S. 224f.,
314-317, zählt das Ertrinken, beispielsweise neben Epidemien, zu den Wegen des Märtyrertums (vgl.
Mouradja D'OHSSON: Tableau général de l'Empire Ottoman. I. Paris 1790, S. 324). Während des 16. Jhs.
wurden sogar fethvas (Rechtsgutachten der islamischen Gelehrten) vor dem Aufbruch zu gazavat
(Gotteskämpfe) erlassen, welche beim Überqueren der Donau ertrinkenden Teilnehmern das
Märtyrertum versicherten. K. achtet besonders darauf, wobei die Bezeichnung kanlı Tuna oft
vorkommt, und er erzählt u.a. vom Dialog Murads II. mit dem Dichter Yusuf Sinan am Ufer der
Donau, wobei letzterer argumentiert, dass die Gewässer der Donau süßer seien als der Fluss des
Paradieses (Kevser).
542 Er bekam Angst.
176 Ḳıvāmi
(Osmanische Sekundärquellen)

Bir niçe biñ ʿaskerle gendüyi penhān itdi, hīç ṣūrete elmedi. Nā-gāh bir gice şāh-i ʿālem ser 130
vaḳtinde ġāfil otūrurken. ʿAsker ḳollu ḳolında fāriġ dūrurken gelüp giceyle bir ṭarafdan şāh-i
ʿālemūñ üstine hücūm ėtdi. Görüñ ol siyeh-rü, o siyeh-dil ne āhen yüreklü pelīd imiş. Bu
iḳdāmı ėtdi, atınūñ ayağı yire geçüp gendünüñ boynı üzülūp helāk olam dīmedi. Ve yāḫūd
İslām ʿaskerinüñ içinde, ġāzīlerüñ ḳānlı ḳılıçlarınuñ ṭuʿmesi düşüp rīze rīze olām diyü fikr
ėtmedi. 135

Güftar-i der naẓım der ṣıfat-i Şeb:


Meğer bir gīce rüy-i āsumāne
Ṣaçılmışdı güherler dāne dāne
Şu gevherler ki yoḳ bīrīne ḳıymet
Ki her bīrīsi bir tāc üzre devlet 140
Ne kānda būlınur ne ḫöẕ baḥirde
Kimesne görmemiş miṡlīn dehirde
Kimīsi beñzer-idi şeb-çırāġa
139 Vīrürdi şuʿleler yāḳın ırağa
Kimīsi şemʿalar ṣān bezm içinde 145
Görünürdi Ḫıṭā vü Rūm u Çīn’de
Ṣāğışsūz ʿasker idi ṣānki dipdüz
Ne ḳādar vārsa göglerde ılduẕ
Olāruñ şāhı-yıdı māh-i eflāḳ
Dönerdi çerh öñinde cüst ü çālāk 150
Bu resm-ile idi göglerde zīnet
Ki bağlāmışdı her vech-ile şevket
Veli yirden daḥi olġıl ḫaber-dār
Diyelūm nice idi ḥāl iy yār
Fetiḥ-nāme-i Sulṭān Meḥmed 177
(Osmanische Sekundärquellen)

Mit einigen tausend Soldaten versteckte er sich und zeigte sich nirgendwo. Als der Großherr V. verbirgt sich

der Welt in einer dunklen Nacht alleine und achtlos 543 [da]saß und die Soldaten (stark) V. unternimmt einen
Nachtangriff
155 bewaffnet 544 ruhig [da]standen, kam und griff er [Kazıklı Voyvoda] mitten in der Nacht von
einer Seite den Großherrn der Welt an. Seht, wie innerlich eisern (ahen yüreklü) 545 und
schmutzig dieser Dunkelgesichtige und Dunkelherzige 546 war, dass er diesen Mut besaß. Er
sagte nicht: „Der Fuß des Pferdes wird an dem Orte zu Ende kommen und selbst [sein]
Stand ganz erschöpft und ich werde verderben“ oder er dachte sich nicht: „Ich werde zur
160 Speise der blutigen Schwerter der Gotteskämpfer (gazi) unter dem Heer des Islam und
(werde) zerstückelt.“

Dichtung zur Beschreibung der Nacht:


Eines Tages sollen sich am Firmament
Viele Perlen und Edelsteine ausgebreitet haben.
165 Der Wert nur einer dieser Edelsteine war unschätzbar,
Sie waren so wertvoll, dass jede von ihnen ein Staat auf einer Krone war.
Jene Edelsteine und Perlen waren weder im Heim noch im Meer zu finden,
Ihresgleichen hatte niemand auf der Welt [wohl] gesehen.
Einige ähnelten einer Öllampe [in der] Nacht:
170 Sie sandten in der Nähe und in der Ferne Lichter aus 547.
Einige waren wie eine Kerze in einer Versammlung (meclis)
[So sehr, dass man sie] von Kitai 548, China und Anatolien erblicken [konnte].
So viele Sterne es am Himmel gibt,
So viele Soldaten waren es, als ob sie unzählbar waren.
175 Der Mond am Firmament war ihr Großherr
Und er drehte sich [und] wanderte am Himmel.
Der Schmuck und die Zier aus dem Himmel waren auf diese Weise [gestaltet],
Sie zeigten in jeder Hinsicht das würdevolle Aussehen.
Sei [mein Leser] auch allein über den Weltlauf unterrichtet!
180 Ei [mein] Freund lass uns (...) 549 sagen, auf welche Art und Weise die Lage
entstand! 550

543 D.h. ohne etwas zu ahnen.


544 Im Stand der Bequemlichkeit aufgrund der starken Ausrüstung und großen Anzahl der Soldaten.
545 Eine unglückliche Formulierung des Autors, welche eher als „in seinem Inneren mutig/tapfer“ zu
verstehen ist. Aus dem Kontext lässt sich jedoch schließen, dass der Autor eigentlich das Gegenteil,
also „unsensibel/gefühllos/kalt [wie] das Eisen“ meint.
546 siyeh-ru [ve] siyeh-dil; zu beachten: Die Anwendung des Wortes kara (türk.) bzw. siyeh (arab.) (= schwarz),
in Verbindung mit Nomen schafft eine äußerst negative Bedeutung.
547 D.h. sie strahlten aus.
548 Nordchina.
549 Schwer übersetzbar.
550 Dieser Doppelvers markiert die Zäsur, also das Ende der Harmonie und den Auftritt des Bösen und
der List.
178 Ḳıvāmi
(Osmanische Sekundärquellen)

Ki ẓulmet ḳaplamış-ıdı cihānı 155


Göremezdi kimesne asumānı
Cihān ḳaṭrāna baṭmışdı ser-ā-ser
Seçilmezdi hīç aṣla at~ıla er
Meğer ol gīce sulṭān-i kamer-ruḫ
Saʿādet āfitābı şāh-i ferrüḫ 160
Dilīr ü ṣaf-şiken Sulṭān Muḥammed
Muʿīn-i dīn ü dünya, şerʿ-i Aḥmed
Otūrmış-ıdı fariġ ḫalvetinde
Melekler pāsbānlardı ḳatında
Hużūrında ʿadūdan fariġ idi 165
Muḫālif nesne fikrinde yoğ-ıdı
Dün içinde hemān bir velvele oldı
Didiler geldi düşmen, uş ḳoyuldı
140 Ḫaber eylediler şāh-i cihāna
Zamānuñ şāhı sulṭān-i zamāna 170
Ki dün baṣḳının itdi geldi aʿda
Didi depreşmeñüz, olmāya ġavġa
Buyūrdı, beğleri oldı süvāre
Ki olālar şāh öñinde pāre pāre
Uyardılar niçe yirlerde meşʿal 175
Ki ʿasker birbirine ṣūnmaya el
Ki zīra müşkil olūr dün belūñi
Ḳopar ʿasker içinde eñü yāñı
Biri bīrīn ḳırar bilmez beliñden
Be-ġāyet ḫavf iderler sāsu diñden 180
Yavuzdur işbu iş ʿasker içinde
Ḫuṣūṣa yağı iḳlīminde, dūnde
Fetiḥ-nāme-i Sulṭān Meḥmed 179
(Osmanische Sekundärquellen)

Dann war die Welt von Dunkelheit bedeckt,


Niemand konnte das Firmament sehen.
Die Welt war von einer Seite bis zur anderen im Teer eingesunken,
185 [So sehr, dass man] ein Pferd und seinen Reiter nicht voneinander unterscheiden
[konnte].
In jener Nacht aber [war] der Sultan mit Mondantlitz,
Der glückverheißende Sultan, die Sonne der Glückseligkeit,
Der Sultan Mehmed, der Held und der die [feindlichen] Reihen durchbricht,
190 Mehmed, der Helfer der Religion und der Welt [und] des (göttlichen) Gesetzes
Ahmeds 551.
In seinem Inneren stand er frei (von Sorgen) da.
Die Engel wachten in seiner Nähe.
In seiner Achtlosigkeit war [der Sultan] frei (von Sorgen) vor Feinden.
195 Im Gegenteil war nichts [solcher Art] in seinem Gedanken 552.
In [jener] Nacht gab es plötzlich ein [großes] Geschrei.
[Die Gotteskämpfer] sagten: „Der Feind ist gekommen und greift an“.
Sie gaben Nachricht dem Schah der Welt,
Dem Sultan der Zeit, dem Schah der Zeit.
200 Sie sagten: „Der Feind ist gekommen und hat einen Nachtangriff verübt.“
Er [sagte] auch: „Bewegt euch nicht, es soll keinen Zwist und (keine) Wirrnis
geben!“
Er befiel den berittenen Kommandanten (beğ),
Welche vor dem Schah in [viele] Einheiten (aufgeteilt) waren.
205 Sie wachten nachts auf [und zündeten] an den Orten die Fackel [an],
Welche [die] Heer[e] aufeinander losgehen ließ 553. Schwierigkeiten der
Osmanen im
Weil die Angst in der Nacht sehr groß ist, Nachtkampf

Kommt bei den Soldaten Schrecken auf.


Sie wissen nicht[s] und aus Angst verletzen sie sich gegenseitig,
210 Vor den Ungläubigen (pis dinli) haben sie sehr viel Angst.
Diese Sache (iş) 554 ist innerhalb des Heeres sehr schlecht,
Vor allem im Feindesland und in der Nacht.

551 „Der Hochgelobte“; im Islam: einer der 99 Namen Gottes.


552 Der Autor bereitete mit diesen Versen das Publikum auf die Intervention des Kazıklı vor. Gemeint ist,
dass der gerecht handelnde Sultan und Günstling der himmlischen Gnade mit dem äußerst
„barbarischen“ und perfiden Angriff des Kazıklı nicht rechnete. Dies prägt wiederum die Gestalt
Kazıklıs zum Tyrannen. Des Weiteren ist er durch seinen unprivilegierten Status gegenüber der
himmlischen Gnade gezwungen, sich auf Nebenwegen zu halten: Da er das Heer des Sultans nicht
direkt herausfordern kann, greift er in der Stunde an, in der alle „normalen“ Menschen ganz andere
Beschäftigungen haben.
553 Das Licht der Fackel ermöglichte die Schlacht der beiden Heere. Lichtmangel und die Haupt-
probleme nächtlicher Angriffe werden darauf folgend beschrieben.
554 Arbeit, Aufgabe, Anstrengung.
180 Ḳıvāmi
(Osmanische Sekundärquellen)

Güftār-i der neṡir:


Ḫāliya çün kim Ėflāḳ beği Ḳazıḳlu Voyvoda didükleri kelb-i cehennem555, dīn pādişāhı Sulṭān
Muḥammed Ġāzī’nüñ ʿaskeri üzerine gelüp dün baṣkının idicek, ʿasker içinde ḫayli ıẓtırāb 185
vāḳiʿ oldı. Allah ṣaḳlasūn, çoḳlıḳ ʿasker üzerine añsūzda dün baṣḳın olmaḳ ḫayli müşkil olūr.
ʿAsker, beliñle birbirine ḳılıç ḳoyar, bilmez. Ḫuṣūṣā cemīʿ ʿasker, kimi silāhların çıḳarūp ve
kimi yāyların yāṣūp ve kimi billerinden ḳılıçların çözūp ve kimi atların degüşūb, kimi uyḳūda
141 ve kimi uyanūḳ; | her biri, ḥużūrlu ḥużūrında idi. Ol pelīd ve ḥabīs, bir niçe bīñ er-ile gelüp
ṣaġ ḳoldan ʿaskere girüp oda düşmiş gibi girü ters yüzine dönüp revāne oldı. İslām ʿaskerinüñ 190
– naṣṣarahumuʿllāhi – ġāzīlerinde niçe ġāzīler irişüp bāşlar kesdiler ne ḳānlar dökdiler.
ʿAskerüñ baʿzı ṭarafı henūz döymedin, gīrü bāşın alūp bir ṭarafa ḳaçdı. Bir niçe ferseng,
ardınca ġāzīler ḳodılar. Aḫirü’l-emir, ṣabāḥ olınca nā-bedīd oldı, ḳanḳı ṭarafa gitdüği
belūrmedi. Lā-cirem, ser-ver-i şāhān-i ʿālem, derḥāl uç beğlerine aḳın būyurdı. Ol dilāverler
daḫi yir yir aḳıncı çeküp her ṭarafa revāne oldılar, İflāḳ vilāyetini tārāca vīrdiler. Gīrü ol 195
kelb-i cehennemi, bir kerre daḫi aḳıncı üzerine bāṣḳīn itdi, amma anda daḫi nesne
başārmadı. İslām ʿaskerinüñ ġāzīleri, ilīn ve vilāyetin yāḳūp yıḳūp tārāca vīrdiler. Ḫayli esīr
ve esbāb, māl, ġanīmet ele getürdiler. ʿAsker-i İslām’dan ḫaylīsi muġtenem oldılar. Būndan
soñra sulṭān-i ʿālem, ḫaylī cüst ü cü itdürdi, her ṭarafa casūslar ṣāldurdı556, būlışūp küffār u
142 müşrikīn [288] cünd-i şeyāṭīni’l-laʿīn ile ceng ideydi. Ḫıyār | doğrar bigi ḳılıçdan geçūre idi, 200
amma ne ḳadar ki saʿy eyledi, hīç ḥaberīn almadı, ve ele getürmedi, nā-bedīd oldı, ḳandalığı
bilinmedi. Lā-cirem sulṭān-i ‘ālem bu ġazādan daḫi şād u ḫurrem, ʿasker-i küşver-güşā ve
memālik-ārāsı-yıla ġānimūn ve sālimūn recʿat idüp taḫtına geldi. Şāẕ u bī-ġam saʿādet
burcına ḳondı.

555 Danach köpeği bei UYGUR.


556 Danach ein kontextloses (?) schwer lesbares Wort: baña, ne ki (?).
Fetiḥ-nāme-i Sulṭān Meḥmed 181
(Osmanische Sekundärquellen)

Prosa:
Als der [als] Höllenhund bezeichnete Fürst der Walachei (Eflak beği) Kazıklı Voyvoda auf das
215 Heer des Großherrn der [rechten] Religion des Sultans Mehmed des Gotteskämpfers (gazi)
zukam und es in der Nacht angriff, gab es innerhalb des Heeres recht viel Sorgen. Gott
möge es bewahren, aber im Allgemeinen ist ein unerwarteter Angriff auf das Heer in der
Nacht sehr schwierig. Die Soldaten greifen sich in Angst gegenseitig an, ohne [es] zu wissen.
Vor allem hatten einige der Soldaten ihre Waffen abgelegt und einige hatten die Bögen flach
220 gemacht und einige hatten die Schwerter von ihren Haken weggeworfen und einige hatten
[unbewusst] ihre Pferde gewechselt und einige schliefen und einige waren wach und alle
waren im Stand der Gleichgültigkeit (huzur). Jener Schmutzige (pelid) und Abscheuliche (habis)
kam mit einigen Tausenden von Soldaten, griff das Heer von der rechten Seite 557 an und als V. stößt zunächst auf
die [Anatolier]
ob er Feuer gefangen hätte, drehte er sich nichtsnützend zurück und zog ab. Von den
225 Gotteskämpfern des Heeres des Islam – Gott möge ihnen helfen! – kamen sehr viele
Gotteskämpfer und schlugen Köpfe ab und ließen Blut vergießen. Ein Teil des [feindlichen]
Heeres nahm seine Köpfe wieder mit 558, ohne auszuharren, und alle zogen an einer Seite
hinweg. Einige (persische) Meilen 559 verfolgten die Gotteskämpfer [diese]. Als es schließlich
Morgen wurde, sah man [sie] nicht [mehr] und wusste nicht, in welche Richtung sie
230 [weg]gegangen waren. Der größte der Großherren der Welt gab sofort den Befehl zum Sultan erlaubt den
akıncıs des Mihaloğlu
Beutezug (akın) an seine Grenzkommandanten (uç beğler). Jene Helden (dilaver) sandten auch zu plündern

hierhin und dorthin Streifzügler (akıncı) aus und gingen in alle Richtungen [und] lieferten das
Land der Walachei der Plünderung aus. Jener Höllenhund griff erneut die akıncıs an, aber Eine letzte Schlacht

selbst dieses Mal hatte er keinen Erfolg. Die Gotteskämpfer des islamischen Heeres
235 brandschatzten sein Land (el) und seine Provinz (vilayet), stürzten um und lieferten [alles] der
Plünderung aus und rissen sehr viele Kunstwerke, Waffen, Rüstungen und Beute an sich.
Sehr viele der Soldaten des Islam sättigten sich durch Beutebesitz. Danach ließ der Sultan
der Welt ihn 560 sehr lange suchen und entsandte Kundschafter in alle Richtungen, so dass sie Sultan lässt V.
suchen, aber er ist
mit den Ungläubigen, Götzenanbetern und Soldaten des verfluchten Teufels aufeinander verschwunden

240 treffen und mit ihnen kämpfen [können] und als ob man eine Gurke zerschneidet, ließen sie
sie über die Klinge springen. Aber wie sehr er sich auch anstrengte, bekam er von
nirgendwo ihre Nachricht und konnte ihn nicht fangen; er war wie verschwunden; man
wusste nicht, wo er war. 561 Der Sultan der Welt kehrte zuletzt auch von diesem
Glaubensfeldzug (gaza) mit Freude und mit seinem Heer, das Länder eroberte und Staaten
245 schmückte, und mit Beute heil zurück und ging zu seinem Thron. Heiter und sorglos ließ er
sich im Burgturm der Glückseligkeit nieder.

557 Über die beiden Interpretationsmöglichkeiten je nach Perspektive des Berichterstatters vgl. Doukas
(←), Fn. 143.
558 Das Heer floh.
559 1 fersenk = 5,5 Kilometer.
560 Kazıklı Voyvoda.
561 Die osmanischen Truppen (wahrscheinlich die akıncıs), die zur Verfolgung Vlads entsandt wurden,
stießen auf das Restheer des walachischen Woiwoden und lieferten eine weitere Schlacht. Vlad war
dabei jedoch nicht anwesend (vgl. Chalkokondyles (←), S. 35, und Enveri (←), S. 93).
182 Ḳıvāmi
(Osmanische Sekundärquellen)

Güftār-i der naẓım: 205


Hemīşe dīn çırağını yaḳānlar
Ġaza ḳaṣdına ṣıdḳ-ıla çıḳānlar
Daḫi dīn ʿaskerinuñ pādişāhı
Kim oldur ʿālemüñ puşt u penāhı
Ġazā-yıçūn ne yolda ḳoşalar pāy 210
Ḫuẕā furṣat vėrūp eyleye ḳolay
İdeler düşmene ḫöş intiḳāmı
Būlālar furṣat u nuṣret müdāmi
Açūḳ yolları vü göñülleri ṭoḳ
Ġanīmet māllarını būlalar çoḳ 215
Murāda ireler her yirde dāyim
Saʿādetle dūrālar cümle ḳāyim
Daḫi şāh-i cihānuñ her murādı
Ola ḥāṣıl, cihānda çıḳa adı
Muʿīni Ḥaḳ ola vü yārı devlet 220
Ḥarīfi ola hem iḳbāl ü ʿizzet
Ola hem ʿaskerinüñ dilleri şād
Bulālar her bir işde ġamdan āzād
İdeler şāh-ıçūn medḥ ü senalar
143 Duʿadan haşre dek dāyim añalar 225
İlāhi ʿömr-i devlet pāyi-dār it
Anı ta haşre dek ʿālemde vār it.
Fetiḥ-nāme-i Sulṭān Meḥmed 183
(Osmanische Sekundärquellen)

Dichtung:
[Sie] 562 zünden stets die Fackel der Religion an
[Und] brechen ernsthaft zum Gotteskampf auf,
250 Auch der Großherr des Religionsheeres,
Welcher die Stütze und die Zuflucht der Welt ist.
Welchen Weg auch immer sie für den Gotteskampf einschlagen,
Gott möge ihnen die Möglichkeit geben und ihre Aufgaben leicht fallen lassen!
Sie sollen Rache an den Feinden nehmen,
255 Sie sollen stets die Möglichkeit zum Sieg finden.
Ihre Wege mögen offen stehen, ihre Herzen mögen satt sein,
Und mögen sie sehr viel Beutebesitz finden!
Überall sollen sie ewig ihre Ziele erreichen,
In Glückseligkeit sollen sie alle leben.
260 Außerdem soll jedes Ziel des Großherrn der Welt zustande kommen
Und auf der [ganzen] Welt möge sein Name sich verbreiten!
Seine Helfer mögen der Herrgott (Hak) und seine Gefährten mögen das Glück (devlet) sein!
Und seine Freunde mögen die Gunst und Erhabenheit sein!
Und die Herzen der Soldaten mögen heiter sein!
265 Bei all ihren Aufgaben sollen sie von ihren Sorgen entlassen werden.
Für den Großherrn sollen sie Lobpreisungen und Danksagungen erbringen,
In ihren Gebeten sollen sie bis zum Jüngsten Tag stets an ihn erinnern.
Oh mein Gott, möge die Existenz des Staates der Literatur wert sein.
Lass ihn bis zum Jüngsten Tag auf der Welt existieren.

562 Das Subjekt des Satzes steht im darauf folgenden Doppelvers (beyt), es handelt sich also um den Sultan
und sein Glaubensheer. Um dieses Fragment in einer indoeuropäischen Sprache zu verstehen,
müssten die Doppelverse fünf und sechs umgedreht werden.
Idrīs Bitlīsi
(? – 1520)

Autor
Mevlāna Ḥakīm ad-Dīn Idrīs bin Mevlāna Ḥusām ad-Din ʿAli al-Bitlīsi genannt Idrīs Bitlīsi,
Sohn eines sonst unbekannten Mystikers, war kurdischer Abstammung und diente zu
Beginn seiner Karriere als nişāncı (Kanzler) am Hof von Yaʿkūb Beğ, des Sohnes Uzun
Hasans und Fürsten der Akkoyunlu. Während des Aufstiegs der Safawiden im Iran ging er
zu den Osmanen, mit denen er bereits einige Beziehungen gepflegt hatte. Mit seinem neuen
Leben war er jedoch nicht sonderlich glücklich. Anscheinend wurde er vom Großwesir Ba-
yezids II. nicht begünstigt, der ihm einige Schwierigkeiten bereitete. Dies und seine
unbefriedigende Belohnung wirkten negativ auf den Entstehungsprozess seines historischen
Hauptwerks. Er schrieb 1512 einen Klagebrief aus Mekka, in dem er diese schlechte Lage
schilderte und warnte, dass er sie in seinen künftigen Schriften darstellen werde. Der
nächste Sultan Selim I. (1512-1520) brachte ihn nach Istanbul zurück und integrierte ihn in
seinen Verwaltungsapparat. I. nahm mit ihm an seinen großen Feldzügen gegen die Turko-
manen aus Anatolien und die Mamluken in Ägypten teil. Später wurde er beauftragt, die
Kurden für die osmanische Idee zu gewinnen. Manche Quellen behaupten sogar, dass I. im
Auftrag des Sultans die kurdischen Territorien organisieren sollte. Die Herrschaft Selims I.
scheint seine glücklichste Periode gewesen zu sein. Er widmete dem Sultan ein Selimname,
das aufgrund seines Todes unvollendet blieb und später von seinem Sohn Ebü’l Faḍl zu
Ende gebracht wurde. I. starb in Istanbul gegen Ende des Jahres 1520 und wurde in Eyyub
in einer von seiner Frau Zeynep Hatun gestifteten Kleinmoschee begraben.

Werk
I. wurde 1502/3 mit der Abfassung einer persisch geschriebenen Geschichte des Osma-
nischen Hauses beauftragt. Hašt behešt („Die acht Paradiese“, also ein „Paradies“ für jede
der acht osmanischen Herrschaften von Osman bis Bayezid II.) wurde in der persischen
Tradition der großen Historiker Djuwayni, Waṣṣāf und Šaraf ad-Dīn Yazdi verfasst. Die
erste Fassung wurde jedoch wegen der allzu positiven Darstellung des Irans nicht günstig
rezipiert und anscheinend aus diesem Grund nicht mehr aktualisiert. Sie endet mit dem
islamischen Jahr 907 H. (1113/2). Wahrscheinlich aus diesem Grund verschlechterte sich
seine finanzielle Lage und die Spannungen wegen seiner Belohnung nahmen zu. Eine
Fortsetzung mit der Herrschaft Selims I. wurde nach seinem Tod von seinem Sohn Ebü’l
Faḍl vorgenommen. 1146 H. (1733/4) wurde sein Werk von ʿAbd al-Bāḳi Saʿdi im Auftrag
des Sultans Mahmud I. ins Osmanische übersetzt 563. Hašt behešt ist in einer höchst
raffinierten und komplizierten persischen inşā-Sprache verfasst, weswegen dieses für die
Entwicklungsgeschichte der osmanischen Historiographie bedeutende Werk bis heute
unediert geblieben ist.

563 Die Existenz einer früheren, bereits im 16. Jh. von Kemal Paşa-zade (→) angefertigten Übersetzung
wird von der modernen Forschung bestritten, vgl. MÉNAGE: Idrīs Bitlīsī in EI², S. 1028.
186 Idrīs Bitlīsi
(Osmanische Sekundärquellen)

Ideologisches Profil
Hašt behešt erscheint im Kontext des Konflikteintritts der Osmanen mit den iranischen
Safawiden. Es ist daher wenig verwunderlich, dass das osmanische Herrscherhaus ein
persisch geschriebenes Werk zu seiner Glorifizierung und zur Rechtfertigung seiner politi-
schen Ansprüche im Kampf gegen die Safawiden bestellt hat. Das Werk sowie auch die
Aufträge des Sultans an den Autor betreffend den Kurden bezeugen, dass sein Hauptzweck
es war, die Bevölkerung aus dem persischen Kulturraum für die osmanische Idee zu
gewinnen. Wie bereits angedeutet wurde aber die „Schärfe“ dieser Waffe von den Auf-
traggebern nicht besonders geschätzt. Dies konnte die starke Rezeption bei späteren Auto-
ren jedoch nicht mindern, die ihn intensiv zitierten oder, was die Geschichte Kazıklı Voyvodas
angeht, ihn sogar remodellierten.

Quellen: Tursun Beğ (←)

Handschriften
A. Vollständig:
1. Bankipore, Oriental Public Library, Nr. 532 bis 534: möglicherweise Urschrift.
2. Uppsala, Universitätsbibliothek, Nr. 274: 602 Bl., Prachtexemplar, nesih.
3. London, British Museum, Nr. 7646/7.
4. Petersburg, Öff. Bibliothek, Nr. 85.
5. Istanbul, Süleymaniye Ktp., Nuruosmaniye, Nr. 3209-001: Autograph (?),
621 Bl., mangelhaftes Exemplar (manche Seiten und Lücken für die Zeitangaben
wurden frei gelassen), ta’lik, 930 H. (1523/4) (?) 564.
6. Istanbul, Süleymaniye Ktp., Atif Efendi, Nr. 1946: mangelhaftes Exemplar
(Lücken im Text, einem ganzen Blatt entsprechender Leerplatz für ein Kapitel gelassen
– 172. Bl.), 496 Bl., 27 Zl., 36,5x23,3cm, (27,5x14,5cm), neshta’lik, 1098 H. (1686/7).
7. Istanbul, Süleymaniye Ktp., Ali Emiri Farsi, Nr. 800 bis 807: 79, 99, 120, 100,
121, 153, 231 bzw. 351 Seiten , 23 Zl. (Nr. 800 jedoch 22 Zl.), 35x20cm, (25x15cm),
ta’lik, Kopist: Gustab b. Taceddin Șamahi, 1114 H. (1702/3).
8. Berlin, Staatsbibliothek MS. orient. Fol., Nr. 3179.
9. Kairo, Daru'l Kutub Nr. 509.
10. Teheran, Nr. 257.
11. Hs. in Mešad (weitere Angaben unbekannt).

B. Unvollständig/Bruchstücke 565:
1. Berlin, Staatsbibliothek, Nr. 440: nur 3 Paradiese.
2. London, Royal Asiatic Society, Nr. CLVII: nur 6. und 7. Paradies.
3. London, India Office, Nr. 571: nur 7. Paradies.
4. Manchester, University Library, Slg. Lindsay, Nr. 395/6: 2 Bde.
5. Paris, Bibliothèque Nationale, anciens fonds 76: die letzten beiden Paradiese.
6. Kalkutta, Asiatic Society, Nr. 211: nur die letzten beiden Paradiese.

564 Nur-i Osmaniye Kütüphanesinde Maḫfūż Kütüb-i Mevcudenin Defteridir, S. 183. Auf der letzten
Handschriftseite stammt von einer späteren Hand 919 [H.] (1513/4). Beide Datierungen stimmen
mit der sonderbaren arabischen Datierung (in Buchstaben) nicht überein.
565 Nur diejenigen Hss., die das 7. Paradies bzw. die Passagen über Kazıklı Voyvoda enthalten.
Hašt behešt 187
(Osmanische Sekundärquellen)

7. Istanbul, Süleymaniye Ktp., Halet Efendi Ek, Nr. 191-001: Erste Seiten fehlen
(Text fängt ex abrupto an), 368 Bl., 27 Zl., nesih, Kopist: Mehmed b. Bilal, 976 H. 566
(1568/9).
8. Istanbul, Süleymaniye Ktp., Aya Sofya, Nr. 3538: 199 Bl., 19 Zl., 35,3x25,8cm,
(21,6x14,7cm), ta’lik, undatiert.
9. Istanbul, Süleymaniye Ktp., Aya Sofya, Nr. 3539: 94 Bl., 19 Zl., 34,5x25,8cm,
(22,3x14,5cm), ta’lik, undatiert.
10. Istanbul, Süleymaniye Ktp., Aya Sofya, Nr. 3540: 234 Bl., 19 Zl., 35,6x26,2cm,
(21,3x14,8cm), ta’lik, undatiert.
11. Istanbul, Süleymaniye Ktp., Aya Sofya, Nr. 3541: 410 Bl., 25 Zl., 26,2x20,8cm,
(22,5x14,5cm), ta’lik, undatiert.
12. Istanbul, Süleymaniye Ktp., Aya Sofya, Nr. 3542: 374 Bl., 19 Zl., 35,2x26cm,
(21,4x15cm), ta’lik, undatiert.
13. Istanbul, Süleymaniye Ktp., Aya Sofya, Nr. 3543: 270 Bl., 21 Zl., 35,8x26,2cm,
(23,5x14,4cm), ta’lik.
14. Istanbul, Süleymaniye Ktp., Aya Sofya, Nr. 4320-002: Bl. 81-370, 21 Zl.,
35,5x25cm, (24,2x18,6cm), ta’lik.
15. Istanbul, Süleymaniye Ktp., Nuruosmaniye, Nr. 3082: 328 Bl, 19 Zl., ta’lik,
undatiert.
16. Istanbul, Süleymaniye Ktp., Nuruosmaniye, Nr. 3210: unvollständiges
Exemplar, 271 Bl., 19 Zl., ta’lik, undatiert.
17. Istanbul, Süleymaniye Ktp., Nuruosmaniye, Nr. 3211: 316 Bl., 25 Zl., nesih,
undatiert.
18. Istanbul, Süleymaniye Ktp., Nuruosmaniye, Nr. 3212: 396 Bl., 25 Zl., ta’lik,
undatiert.
19. Istanbul, Süleymaniye Ktp., Beyazid, Nr. 5161: 249 Bl., 13 Zl., 27x16cm,
(16,5x8cm), talik.
20. Istanbul, Riza Paşa Ktp., Nr. 208.
21. Istanbul, Riza Paşa Ktp., Nr. 637.
22. Istanbul, Riza Paşa Ktp., Nr. 888. 567
23. Istanbul, Süleymaniye Ktp., Esad Efendi, Nr. 2197: 557 Bl., 25 Zl.,
29,2x20cm, (21,5x14,3cm), ta’lik. 919 H. (1513/4).
24. Istanbul, Süleymaniye Ktp., Esad Efendi, Nr. 2198: 385 Bl., 20 Zl.,
36,3x27cm, (22,5x16,5cm), ta’lik.
25. Istanbul, Süleymaniye Ktp., Esad Efendi, Nr. 2199: 362 Bl., 20 Zl.,
36,4x26,7cm, (22,5x16,3cm), ta’lik.
26. Istanbul, Süleymaniye Ktp., Atif Efendi, Nr. 1947: 262 Bl., 30 Zl.,
35,5x22,5cm, (25,5x13,5cm), ta’lik, undatiert.
27. Istanbul, Süleymaniye Ktp., Atif Efendi, Nr. 1948: nur das 7. Paradies (?),
vergoldet, 238 Bl., 15 Zl., 25x14cm, (17x8,6cm), ta’lik, undatiert.
28. Wien, Staatsbibliothek, H. O. 16c: 7. und 8. Paradies, 350 Bl., 28,5x17cm, 23 Zl.,
ta'lik, datiert Ramadan 1096 (Aug. 1645) (7. Paradies) und Zi’lhicce 1096 (8. Parad.)
(FLÜGEL II, Nr. 994, S. 218-219).
29. Berlin, Petermann Staatsbibliothek, Nr. 391.

566 Istanbul, Süleymaniye Ktp., Halet Efendi Ek, 191-002: nur bis Bayezid I. inkl., 143 Bl., variabel.
567 Alle drei Hss. wurden von Babinger aufgelistet, während der Recherche zur vorliegenden Edition im
Süleymaniye Ktp. jedoch nicht aufgefunden.
188 Idrīs Bitlīsi
(Osmanische Sekundärquellen)

30. Istanbul, Süleymaniye Ktp., Lala Ismail Nr. 379: 7. Paradies, 194 Bl., 17 Zl.,
24,2x16,5cm, (18,5x10cm), ta’lik, Isfahan, 1079 H. (1668/9).
31. Istanbul, Süleymaniye Ktp., Hamidiye, Nr. 928: 436 Bl., 25-27 Zl.,
31,2x20,5cm, (22x12,5cm), nesih, osman. Übers. von Abdü’l Baki Sa’di, 1145 H.568
(1732/3).

Auszüge: Mehmet KARATAŞ: Idrīs Bitlīsī. Haşt Bihişt. Ankara 2008 [nur bis 1451; die osman.
Übersetzung aus dem 18. Jh.]; Orhan BAŞARAN: İdrîs-i Bitlîsî’nin Heşt Bihişti’nin Hâtimesi (Metin –
İnceleme – Çeviri) Erzurum 2000 (unveröff. Diss.) [nur das Schlusswort].

Literatur: M. ŞÜKRÜ: „Das Hešt Bihišt des Idrīs Bitlīsi.“ In: Der Islam 19 (1931), S. 131-157; DERS.:
Osmanlı Devletinin Kuruluşu: Bitlisli İdris ve „Heşt Bihişt“ Adlı Eserine Göre. Ankara 1934; Semiha ÖZDEMIR:
Idris-i Bitlisi’nin Hayatı ve Eserleri (Diplomarbeit: 1966) [Tarih Seminer Kitaplığı, Nr. 1009]; Faiz
DEMIROĞLU: „İdris-i Bitlisı.“ In: Tarih Hazinesi, LI, 12 (İstanbul 1952), S. 578-579, 589; Ahmet
UĞUR: İdris-i Bitlisi ve Şükri-i Bitlisi. Kayseri 1991; Mehmet BAYRAKDAR: Bitlisli İdris. Ankara 1991;
Orhan BAŞARAN: „Idris-i Bitlisi Hakkında Bazı Yeni Bilgiler.“ In: Akademik Araştırmalar Dergisi 14 (Aug.-
Sept. 2002), S. 201-208; DERS.: „Osmanlı Tarihçisi İdris-i Bitlisi’nin Ünlü Türk Şairi Nizamî’ye Bir
Naziresi.“ In: A. Ü. Türkiyat Araştırmaları Enstitüsü Dergisi 20 (Erzurum 2002), S. 107–125; Törehan M.
SERDAR: Mevlana Hakimüddin İdiris-i Bitlisi. Istanbul 2008; Rahmi TEKIN: „Idris-i Bitlisî ve Idrisiyye
Medresesi Mevkufâti.“ In: A.Ü. Türkiyat Araştırmaları Enstitüsü Dergisi 40 (2009), S. 233-246; Ebru
SÖNMEZ: İdris-i Bidlisi. Ottoman Kurdistan and Islamic legitimacy. Istanbul 2012.

Nota bene: Es wird der Text der Hs. aus Süleymaniyye, Nr. 3209-001, fol. 430b-434b (Autograph?)
wiedergegeben. Um die Übersetzung haben sich insbesondere Iradj Esmailpour Ghouchani und Kianoosh Sadigh
verdient gemacht. Für nützliche Korrekturen und Anregungen ist Herrn Dr. Mehr Newid und für die Bearbeitung
der arabischen Gedichte Herrn Dr. David Arn zu danken. Herr Newid plant in den nächsten Jahren eine kritische
Edition der letzten katibas dieses Werkes zu publizieren. Das vorliegende Kapitel ist hierzu eine Vorarbeit,
verantwortlich für diese Vorabfassung sind freilich allein die Bearbeiter des vorliegenden Bandes.

Anmerkungen zur Transkription des Textes: Da der Autor ‫ پ‬oft durch ‫ ب‬wiedergibt , wird systematisch
‫ پ‬wiedergegeben. Des Weiteren macht der Autor keinen graphischen Unterschied zwischen ‫ گ‬und ‫ ;ک‬es wird
allerdings ‫ گ‬transkribiert. Die Transkription folgt ansonsten den Besonderheiten des Textes sowie seinen
Unstimmigkeiten, die jeweils durch Ergänzungen oder Fußnoten berichtigt wurden. Die Vokalisation – wenn
vorhanden – gehört dem Autor.

568 Vorlage des bis dato einzigen modernen Druckes von Hašt behešt, weswegen die Hs. in dieses
Verzeichnis aufgenommen wurde.
‫‪190‬‬ ‫‪Idrīs Bitlīsi‬‬
‫)‪(Osmanische Sekundärquellen‬‬

‫‪430b‬‬ ‫ﺗﻮﺟﻪ ﺳﻠﻄﺎﻧﯽ آﻓﺎق ﺑﺴﺒﺐ ﻇﻬﻮر ﻣﺨﺎﻟﻔﺖ‬ ‫)‪(7‬‬ ‫ﺴﺮﻩ ﻣﺒﺸﺮﻩ ﺳﻠﻄﺎﻧﯽ در ذﮐﺮﺑﻮاﻋﺚ‬
‫َداﺳﺘَﺎن دوازد ﻫﻢ از ﻓﺘﻮﺣﺎًت َﻣﻴ ُ‬
‫)‪6‬‬ ‫‪1‬‬

‫و ﻧﻔﺎق و ﻧﺼﺐ ﺑﺮادر آن ﮐﺎﻓﺮ ﻋﺎق ﺑﺤﮑﻮﻣﺖ اﻓﻼق و ﺗﻌﻬﺪ ﺧﺮاج ﮔﺰاری )‪ (8‬و ﻓﺮﻣﺎﻧﺒﺮداری او ﺑﻌﻬﺪ ﻋﻘﺪ ذﻣﺖ و‬
‫ﻣﻴﺜﺎق‬

‫ﭘﻮﺷﻴﺪﻩ ﻧﻴﺴﺖ ﮐﻪ راﺑﻄﻪٴ آوﻟﯽ و ﺳﺎﺑﻘﻪٴ ازﻟﯽ ﻣﻴﺎن ﻣﻈﺎﻫﺮ )‪ (9‬وﺟﻮب و اﻣﮑﺎن ﺑﻤﲔ اﺿﺎﻓﻪٴ ﳏﺒﺖ و ﻣﻨﺎﺳﺒﺖ اﺗﺼﺎل‬
‫ﭘﺬﻳﺮﻓﺘﻪ و ﺳﻠﺴﻠﻪٴ ﻣﺮاﺑﻄﻪٴ اﻋﻴﺎن اﮐﻮان از زﻣﲔ ﺗﺎ ‪ (10) 569‬آﲰﺎن ﺑﻘﺪر ﻣﻼﳝﺖ و ﻣﻨﺎﻓﺮت اﺳﺘﮑﻤﺎل ﮔﺮﻓﺘﻪ اﺳﺖ و در ﳎﺎﻣﻊ‬
‫‪F 865‬‬

‫‪5‬‬
‫ﻣﻈﺎﻫﺮ ﻧﻮراﻧﯽ و ﻇﻠﻤﺎﻧﯽ و در ﺟﻮاﻣﻊ ﺗﺎﻟﻴﻒ ﻣﻴﺎن )‪ (11‬اﻓﺮاد اﻧﺴﺎﻧﯽ ﻫﺮ ﮐﺪام ﮐﻪ از ﭼﻬﺮﻩٴ ﺟﻬﺎن ارای ﻧﻮر ﳏﻤﺪی ﮐﻪ آﻳﻴﻨﻪ‬
‫ﺻﻔﺖ ﲨﺎل رﺑﻮﺑﻴﺖ اﺳﺖ ﺗﺮﺑﻴﺖ و ﻓﻴﺾ ﺑﺎﻳﺪ و ﭘﺮﺗﻮ )‪ (12‬ﻣﻬﺮ و ﳏﺒﺖ ﻣﻌﻨﻮی ﺑﺮ ﺻﻔﺤﻪٴ ﺻﻮرت ﺗﻌﲔ دﻧﻴﻮی او ﺗﺎﺑﺪ‪.‬‬
‫ﻳﻘﲔ ﮐﻪ ﺣﺎﻟﺖ ﻣﻨﺎﺳﺒﺖ ﻣﻴﺎن اﳔﻴﺎن ‪ 570‬اﻋﻴﺎن ﻣﺘﻨﺎﺳﺒﻪ )‪ (13‬ﺑﺘﺸﺎﺑﻪ ﻗﻠﻮب و ﻟﮑﻦ اﷲ ﻳﻮﻟﻒ ﺑﻴﻨﻬﻢ ﺧﻮاﻫﺪ ﮐﺸﻴﺪ‪ ،‬ﺑﺮﺷﺘﻬﺎی‬
‫‪F965‬‬

‫ﳌﻌﺎت دوﺳﺘﯽ ان ﻋﻼﻗﻪٴ ازﻟﯽ ﲟﺮﺗﺒﻪٴ ﭘﻴﻮﺳﺘﮕﯽ و اﻟﺘﻴﺎم )‪ (14‬ﻣﺮﻏﻮب ﺧﻮاﻫﺪ رﺳﻴﺪ‬
‫ﻧﻈﻢ‬ ‫‪10‬‬
‫ﺧﺎک ﳏﺒﺂن ﳘﻪ ﮔﻠﺸﻦ ازان‬ ‫ﭼﺸﻢ ﻋﺰﻳﺰان ﳘﻪ روﺷﻦ ازان‬

‫‪569 Wiederholt sich.‬‬


‫‪570 Unsichere Lesung.‬‬
Hašt behešt 191
(Osmanische Sekundärquellen)

1 Die Zwölfte Geschichte: Von den Siegen des [hoch] gelobten, mächtigen
Sultans (einige Worte), um den Grund der Taten seiner Majestät, des Königs
der Horizonte 571 hinsichtlich der Rebellion dieses aufrührerischen (ʿāk)
Ungläubigen zu erklären und die Ersetzung durch seinen Bruder als Aufseher
5 über die Walachei und sein Eid, die Steuer zu bezahlen – seine Ehrlichkeit und
sein Treueid, der seine Worte achtete, sind freilich jedem bekannt 572

Es ist nicht zu verbergen, dass das Bündnis und die urewige Verbindung zwischen den
Offenbarungen des Notwendigen (voǧūb) und Möglichen (emkān) 573 eben durch diesen
Liebeszusatz und diesen Anlass geschlossen sind und die Beziehungskette der Auserwählten
10 (ʿayan) unter den Seienden von der Erde bis zum Himmel entsprechend ihrer
Übereinstimmung und Entfernung [zur göttlichen Quelle] abgeschlossen ist. Und in der
Versammlung der Licht- und Finsterniswesen, auch in der Gemeinschaft der Versöhnung
zwischen einzelnen Menschen, wird jeder, der durch das weltschmückende Antlitz des Lichts
von [dem Propheten] Muhammad, welches der Spiegel der Schönheitszüge der Göttlichkeit
15 ist, erzogen und begnadet und das Licht der spirituellen Liebe und Zuneigung strahlt auf
dem Blatt seiner äußerlichen weltlichen Bestimmung. Gewiss wird der Zustand der
Gleichartigkeit zwischen solchen gleichmäßigen Auserwählten zur Ähnlichkeit der Herzen
und [zum Koranvers] „Aber Gott hat zwischen ihnen Freundschaft gestiftet“ 574 geführt, und
durch die Strahlen der Lichtschimmer der Freundschaft (dusti) jener urewigen Verbindung
20 [zwischen Gott und Seinen Geschöpfen] den Rang der Verbundenheit und die erwünschte
Versöhnung erreichen. 575

Gedicht:
Die Augen aller Lieben strahlend durch ihn,
Die Erde aller Liebenden blühend durch ihn.

571 Diese panegyrische Überhöhung soll den Sultan so darstellen, als wäre er von der Rebellion
überrascht und durch das bösartige Verhalten des Rebellenanführers gezwungen worden, militärisch
zu intervenieren. Vgl. Tursun Beğ (←), S. 121.
572 Der folgende Abschnitt dient als stilistischer Schmuck, der in der zeitgenössischen inşa-Literatur
keineswegs ungewöhnlich und als Stil namens hindustani (= „aus Indien“) etabliert war.
573 Zwei theologische Begriffe zur Bezeichnung des Schöpfers, d.h. Gottes, beziehungsweise der
Erschaffenen, d.h. der Menschen.
574 Kurʾan 8,63 (PARET 19802, S. 131).
575 Theologische Betrachtungen über die weltliche Harmonie, welche durch die konsequente
Berücksichtigung der ewigen Verbindungen zwischen Gott und den Menschen und der daraus
entstehenden Pflichten der Menschen erreicht wird.
‫‪192‬‬ ‫‪Idrīs Bitlīsi‬‬
‫)‪(Osmanische Sekundärquellen‬‬

‫و ﺑﺮﻳﻦ ﻗﻴﺎس از ﺗﻘﺎﺿﺎٴ ﺣﮑﻢ اﺿﺪاد )‪ (15‬ﻧﺎﺳﺎزﮔﺎری ﻣﻈﺎﻫﺮ ﮐﻔﺮ و اﳊﺎد ﺑﺎﻧﮕﻴﺰ اﺳﺒﺎب ﻓﺘﻨﻪ و ﻓﺴﺎدﺳﺖ و اﻓﺴﺎد ﲨﻌﻴﺖ‬
‫ﺑﻼد و ﻋﺒّﺎد ﺑﻄﺮﻳﻖ ﻣﻌﺘﺎد ﳛﺎرﺑﻮن )‪ (16‬اﷲ َو َر ُﺳﻮﻟﻪ در اﺑﺪار ﳐﺎﻟﻔﺖ و ﻋﻨﺎد‪.‬‬
‫ﺑﻴﺖ‬

‫از ﳘﻪ]ٴ[ اﻃﺮاف ﮐﻤﲔ ﻣﻴﮑﻨﻨﺪ‬ ‫از ﻃﺮﻓﯽ رﺧﻨﻪٴ دﻳﻦ ﻣﻴﮑﻨﻨﺪ‬ ‫‪15‬‬

‫و ﻇﻬﻮر آﺛﺎر اﻳﻦ )‪ (17‬ﻧﻮع ﻣﻨﺎﺳﺒﺖ و ﻣﻨﺎﻓﺮت در ﻣﻠﻮک و ﺳﻼﻃﲔ ﺟﻬﺎن اﻇﻬﺮﺳﺖ و ﻟﻮازم ﻣﻮاﻓﻘﺖ و ﳐﺎﻟﻔﺖ در ﻃﺮﻳﻘﻪٴ‬
‫ﺗﺎﺑﻌﯽ )‪ (18‬و ﻣﺘﺒﻮﻋﯽ ﺳﺮ ﺧﻴﻼن ﮐﻔﺮ و اﳝﺎن اﺷﻬﺮ و اﮐﺜﺮ اﺳﺖ‪،‬‬
‫ﻧﻈﻢ‬

‫ازان ﺷﻬﺎن ﺟﻬﺎﻧﺮا ﮔﺸﺘﻪ ﺧﻮاﻫﺎن‬ ‫ﺟﻬﺎن ﮐﻴﻨﻪ و ﻣﻬﺮﻧﺪ ﺷﺎﻫﺎن‬


‫)‪(20‬‬‫)‪ (19‬ﭼﻨﺎﻧﭽﻪ ﻣﺼﺪوق اﻳﻦ ﻋﻨﻮان و ﳏﻘﻖ اﻳﻦ ﺑﻴﺎن ﮐﻴﻔﻴﺖ ﺳﻠﻮک ﺳﻠﻄﺎن دﻳﻦ ﳏﻤﺪی اﺳﺖ ﺑﺎ ﻣﻠﻮک زﻣﺎن و ﻣﺮاﺑﻄﻪٴ‬ ‫‪20‬‬

‫ﳐﺎﻟﺼﺖ و ﳐﺎﻟﻔﺖ او ﺑﺎ ﻣﻌﺎﺻﺮان ﺧﻮد از ﻓﺮﻗﻪٴ ﻋﻈﻤﺎٴ اﻫﻞ ﮐﻔﺮ و اﳝﺎن ﮐﻪ اﻟﻘﺼﻪ‪:‬‬
‫ﺗﻔﻮق دوﻟﺖ )‪ (21‬ﻗﺎﺋﺪ ﺳﻠﻄﺎﻧﯽ ﳘﮕﯽ ﻣﻠﻮک ‪ 576...‬زﻣﺎم ﺟﻬﺎﻧﺒﺎﻧﯽ از ﭘﺎدﺷﺎﻫﺎن اﻃﺮاف ﻗﺎﺻﯽ و داﻧﯽ ﻳﺎ‬
‫‪57F‬‬

‫در اوان ﺗﺴﻠﻂ و ّ‬


‫ﺑﻌﻀﯽ ﺑﻄﻮع و رﻏﺒﺖ و ﺑﻌﻀﯽ از ﺳﺮ )‪ (22‬رﻋﺐ و رﺗﺒﺖ در ﻣﻘﺎم ﻣﺘﺎﺑﻌﺖ و ﻣﻄﺎوﻋﺖ در آﻣﺪﻩ ﺑﻮدﻧﺪ و اﮐﺜﺮ ﻣﻠﻮک ﻋﻈﺎم‬
‫ﮐ ّﻔﺎر در ﻣﻘﺎم ﺗﺬﻟﻞ وﺻﻐﺎر ‪ 577‬ﺑﻌﻬﻮد )‪ (23‬ﻋﻘﻮد ذﻣﺖ ﺟﺰﻳﻪ دﻣﻴﯽ ‪ 578‬و ﺧﺮاج ﮔﺰاری ﻣﻴﻨﻤﻮدﻧﺪ‬
‫‪F 57‬‬ ‫‪F576‬‬

‫‪.‬ﻣﺎﻟﮏ ‪ oder‬اﳌﻠﮏ ‪576 Supralinear (spätere Ergänzung?) Lesung unsicher:‬‬


‫‪577 Unbekannt.‬‬
‫‪578 Unbekannt.‬‬
Hašt behešt 193
(Osmanische Sekundärquellen)

25 Diesem Gleichnis folgend nach der Forderung der Gegensätze, [kann man erwähnen, dass]
die umstrittene Unbeständigkeit in den Handlungen des Ungläubigen und des Gottlosen
mittels der Werkzeuge der List und Verworfenheit und der Aufruhr des Aufstandes der
Provinzbewohner (belād wa ebād ) und der Getreuen, wie es bereits in einer wohlbekannten
Bezeichnung [Koranvers] dargelegt wurde „sie kämpfen mit Allah und seinem
30 Gesandten“ 579 in der Gestalt des Widerstands und der Arglist ist.

Doppelvers:
Von einer Seite verursachen sie einen Riss in der Religion
Von allen Seiten legen sie einen Hinterhalt

und die Offenbarung solcher Art von Verhalten und Gegenseitigkeit ist am deutlichsten bei
35 den Königen und Sultanen der Welt zu sehen. Und die Mittel der Übereinstimmung auf
dem Wege der Gehorsamkeit und des Herrscherseins der Oberhäupter des Unglaubens und
des Glaubens sind am berühmtesten und häufigsten. 580

Verse:
Könige sind eine Welt voller Liebe oder Hass,
40 Darum trachten Könige nach der Weltherrschaft.

Beweis für das [bereits] Gesagte, das auch auf den [erwähnten] Ausruf hinweist, ist die
Beschaffenheit des Betragens des Sultans der muslimischen Religion mit den Herrschern
seiner Zeit und seine [sowohl] bejahenden und ablehnenden offenherzigen Beziehungen mit
45 seinen Zeitgenossen, die zur größten Gruppe der Ungläubigen und (zu den) Gläubigen
gehören. So verlief (zusammenfassend) [die Geschichte]:
Zu Beginn der Machtergreifung und der Herrschaft des sultanischen Führers wurden alle
Herrscher, welche die Weltmacht innehatten, darunter die Könige der entfernten,
unbedeutendsten Gegenden, einige so bereitwillig mit Zustimmung und einige vor allem
50 wegen der Furcht und des Ranges, seiner Würde (makān) unterworfen. Und die meisten
großen Herrscher der Ungläubigen, damit sie ihre Geringheit und Kleinheit [dem Sultan
zeigen], waren sie durch Verträge verpflichtet, Blutsteuer 581 und Tribut zu bezahlen.

579 Kurʾan 5,33.


580 Thematisiert werden an dieser Stelle die Liebe Gottes und die Untaten der Gottlosen. Dieser
Abschnitt steht in einem deutlichen Gegensatz zum vorherigen und bietet den Übergang zu einem
konkreten Beispiel – dem Aufstand Kazıklıs –, das diese theologischen Überlegungen bekräftigen soll.
Vgl. Tursun Beğ (←), Einleitung. Zuvor nimmt der Autor eine scharfe Trennung der Rollen der
Gläubigen und Ungläubigen in der Weltordnung vor: Ihrer Liebe entsprechend – und daher Distanz
oder Nähe zu ihm –, werden sie von Gott entweder zu Herrschern oder Untertanen bestimmt.
581 Gemeint ist damit die Knabenlese (devşirme); sie wurde nach einigen Interpretationsrichtungen von
den nichtmuslimischen Völkern als Entgelt für ihre Nicht-Teilnahme am Glaubenskrieg (gaza)
erhoben, obwohl laut der hanefitischen Rechtsschule, die sich in der osmanischen Rechtspraxis
etabliert hatte, den Nichtmuslimen durch Zahlung der Kopfsteuer (ciziye) vollkommener Schutz
zugesichert wurde. Zur Besteuerung der Nichtmuslime vgl. ausführlich Nicolas FATTAL: Le statut légal
des Non-musulmans en pays d’Islam. Beyrouth 1958, S. 264-312. In der Realität musste diese Stellung
jedoch nuanciert werden; vgl. dazu die Studie über die nichtmuslimischen Untertanen des
‫‪194‬‬ ‫‪Idrīs Bitlīsi‬‬
‫)‪(Osmanische Sekundärquellen‬‬

‫و از ان ﲨﻠﻪ ﺣﺎﮐﻢ ﳑﻠﮑﺖ اﻓﻼق ﮐﻪ ﻣﺸﻬﻮر و ﻣﻌﺮوف ﺑﻘﺎزﻗﻠﻮ وﻳﻮدﻩ ﺑﻮد )‪ (24‬ﮐﺎﻓﺮی ﺑﻮد ﺑﻐﺎﻳﺖ ﺟﺒﺎر و ﻗﻬﺎر و در ﻣﻠﮏ‬ ‫‪25‬‬

‫ﺧﻮد ﺟﺎﺑﺮی ﻣﮑﺎر و ﻫﻢ ﺳﺘﻤﮑﺎر در ﻣﺰﻳﺪ ﺷﺠﺎﻋﺖ و ﺗﻮر از ﳘﮕﯽ ﺟﺒﺎﻳﺮﻩٴ ﮐﻔﺮﻩ و )‪ (25‬ﻗﻴﺎﺻﺮﻩٴ ﻓﺠﺮﻩ ﳑﺘﺎز ﺑﻮد و ﲟُﺠﺮد‬
‫‪431a‬‬ ‫اﻳﺎﻟﺖ ﳑﻠﮑﺖ اﻓﻼق از ﮐﻤﺎل دﻟﲑی ﺑﺮ ﻣﻠﮏ وﺳﻴﻊ اﻧﮑﺮوس و ﺑﻐﺪان ﺳﺮ اﻓﺮاز و دﺳﺖ اﻧﺪاز | )‪ (1‬وﳕﻮداری از اﺛﺎر‬
‫ﺻﻮﻟﺖ و ﺳﻴﺎﺳﺘﺶ و ﻧﺸﺎﻧﻪٴ از ﺷﺪت ﭘﺎس و رﻳﺎﺳﺘﺶ آن ﺑﻮد ﮐﻪ در ﺑﺮاﺑﺮ ﻧﺸﻴﻤﻦ ﺣﮑﻮﻣﺖ و ﻣﻨﺰل ﲤﮑﻦ )‪ (2‬و ﺣﺸﻤﺘﺶ‬
‫ﻣﻘﺪار ﺷﺶ ﻣﻴﻞ ﻓﻀﺎﻳﯽ ﻣﺴﻄﺢ اﺧﺘﻴﺎر ﮐﺮدﻩ و اﻧﺮا ﳏﻮط و ﳏﺼﻮر ﺑﻄﺮﻳﻘﻪٴ ﺑﺴﺘﺎﻧﯽ از ﳘﻪ ﻃﺮف دﻳﻮار ﺑﺮآوردﻩ )‪ (3‬و در ان‬
‫ﻋﺮﺻﻪ ﲜﺎی �ﺎل ﻓﻮاﮐﻪ و ﲦﺎر‪ ،‬درﺧﺘﺎن ﺳﺮ ﺗﺮاﺷﻴﺪﻩ در زﻣﲔ ﻏﺮس ﳕﻮدﻩ و از ﻫﺮ ﺟﺎﻧﺐ ﺳﺮداران اﻋﺪاء ﺧﻮد را )‪ (4‬ﮐﻪ‬ ‫‪30‬‬

‫ﺻﻠﻴﺐ ﻣﻴﻔﺮﻣﻮدﻩ‬‫ﺑﻀﺮب ﴰﺸﲑ دﺳﺘﮕﲑ و اﺳﲑ ﻣﻴﮑﺮدﻩ ﺑﺮ ﺳﺮ آن ﭼﻮﺑﺎی ﺳﺮ ﺗﻴﺰ و ﻣﻴﺨﻬﺎی ﺑﻠﻨﺪ ﺑﺮ ﻣﻘﻌﺪ ﻣﯽ ﻧﺸﺎﻧﻴﺪﻩ ﻳﺎ َ‬
‫ﺗﺎ ﳘﺎن )‪ (5‬ﺑﺮ ﺳﺮ ﭼﻮب ﺑﺘﻤﺎدی اﻳﺎم آن ﻣﺼﻠﻮب را ﻣﺮﻏﺎن و ﻫﻮام ﻣﻴﺨﻮردﻩ و ﻣﻄﻠﻘﺎ ﺟﻬﺖ دﻓﻦ در ﺧﺎک و ﻧﻘﻞ از ان‬
‫ﺳﺮﻫﺎی درﺧﺖ‪ (6) ،‬رﺧﺼﺖ ﳕﻴﮑﺮدﻩ و ﲨﻌﯽ دﻳﮕﺮ از ﻣﻘﻬﻮران را در اﻃﺮاف آن ﻓﻀﺎﻳﯽ ﮔﺸﺎدﻩ ﺑﺸﮑﻠﻬﺎ ﺧﺼﻮﺻﺎً ﺑﺮ ﻫﻴﺎت‬
‫ﭼﻠﻴﭙﺎ و ﺻﻠﻴﺐ )‪ (7‬ﳘﻴﺸﻪ ﻣﺼﻠﻮب ﻣﻴﺪاﺷﺘﻪ و ﻫﻴﭻ ﮐﺪام را ﺑﲑون ﺑﺮدن ﳕﯽ ﮔﺬاﺷﺘﻪ و ﻫﺮ ﮐﺲ ﮐﻪ ﻳﮑﯽ از ﻣﺼﻠﻮﺑﺎﻧﺮا ﺑﲑون‬
‫ﻣﯽ ﺑﺮدﻩ اﻧﮑﺲ را )‪ (8‬ﲜﺎی آن ﻣﻘﺘﻮل ﺻﻠﻴﺐ ﻣﻴﮑﺮدﻩ و ﻧﺸﻴﻤﻦ ﻋﺸﺮﺗﮕﺎﻩ ﺧﻮد را ﻧﺎﻇﺮ ﺑﺎﻳﻦ ﻓﻀﺎ ﺳﺎﺧﺘﻪ و ﻣﻴﮕﻔﺘﻪ ﮐﻪ‬ ‫‪35‬‬

‫ﺗﻔﺮﺟﮕﺎﻩ ﻣﺮدان ﻣﻴﺪان )‪ (9‬ﻣﺒﺎرزت اﺳﺖ ﮐﻪ اﻧﻮاع ﲦﺎر و ﻓﻮاﮐﻪ از ﺳﺮ ﺳﺮوران ﺑﺮ درﺧﺘﺎن ان اﻓﺮاﺧﺘﻪ اﺳﺖ و ﺑﺎﻳﻦ اﺳﻠﻮب‬
‫ﻣﮑﺮوﻩ ﻣﺮﻫﻮب )‪ (10‬ﲤﺎم ﻣﻠﻮک وﺻﻨﺎدﻳﺪ ﮐﻔﺎر را ﻣﻐﻠﻮب ﮐﺮدﻩ و ﲟﻘﺘﻀﺎی ﻓﺎﺳﺘﺨﻒ ﻗﻮﻣﻪ ﻓ ٔﺎﻃﻮﻋﻮﻩ إ�ﻢ ﮐﺎﻧﻮا ﻗﻮﻣﺎ ﻓﺎﺳﻘﲔ‬
‫ﺳﻨّﺖ )‪ (11‬ﻓﺮﻋﻮﻧﯽ را ﲟﻴﺎن آورد‪.‬‬

‫‪Osmanischen Reiches: BINSWANGER: Status der Nichtmuslime im Osmanischen Reich, insbesondere S. 354-‬‬
‫‪365 (Nachtrag zum Devširme). Für den aktuellen Forschungsstand vgl. PANAITE: Pace război şi comerţ în‬‬
‫‪Islam. Diese Völker mussten regelmäßig und nach präzisen Vorgaben Knaben für den‬‬
‫‪Beamtenapparat sowie für die militärischen Elitepforteneinheiten (kapı kulu) des Sultans abgeben. Vgl.‬‬
‫‪PAPOULIA: Ursprung und Wesen der Knabenlese im Osmanischen Reich. Zur Rekrutierung: IMBER: Ottoman‬‬
‫‪Empire, S. 135-136. Das galt jedoch nur für die Völker südlich der Donau, wobei die Wlachen, Juden‬‬
‫‪und Roma ausgenommen waren. Es ist nicht belegt, dass die Walachen nördlich der Donau sowie‬‬
‫‪auch die Ungarn, Kinder durch devşirme abgeben mussten. Wahscheinlich wurden die über das ius‬‬
‫‪valachicum (osman. eflak ʿadeti = „das walachische Gesetz“) den Südwlachen gewährten‬‬
‫‪Sonderverpfichtungen auf die nördlichen Walachen übertragen. Vgl. den Bericht des Doukas (←), S.‬‬
‫‪59, der die einzige Quelle über die Rekrutierung von Knabenlese bei den Walachen im gesamten 15.‬‬
‫‪Jahrhundert ist.‬‬
Hašt behešt 195
(Osmanische Sekundärquellen)

Und unter ihnen war [auch] der Herrscher der Walachei, der bekannt war unter dem
Namen des Kazıklı Voyvoda, der ein gewalttätiger (ğabār) und zorniger (gahār) 582 Ungläubiger
55 war und in seinem eigenen Land (molk) 583 ein listiger Tyrann und Despot, der mutiger (šocāʿt) Bild des Tyrannen

und tapferer (tahavvor) war als alle anderen gewalttätigen Ungläubigen und schamlosen
Kaiser (gayāsare). Sobald er die Herrschaft über das Land (mamlakat) der Walachei ergriff
[und] als Folge seiner zügellosen Kühnheit 584 [war er fähig], die Hand auszustrecken und
sich das große Besitztum über Ungarn und die Moldau anzueignen. Unter den Zeichen
60 seines Ruhms und seiner Staatsführung und unter den Zeichen seiner Meisterschaft und Holzfestung und Bau
des Gartens
Führung war es, dass er ein sechs Meilen flaches Grundstück vor seinem Regierungssitz und
(seiner) Residenz abgrenzte und von allen Seiten wie einen Garten (bostan) einzäunte, von
Mauern eingegrenzt und auf diesem Grundstück anstatt Obst- und Fruchtbäumen ließ er
kahle Bäume (diraḫtān-e sar-tarāsīde) [aufstellen]. Und aus jeder Gegend ließ er die
65 Oberhäupter (sar-dāran) seiner Feinde durch den Schlag seines Schwertes verhaften und Beschreibung der
Gepfählten
fangen, [indem] er sie auf eine scharfe Holzspitze steckte, und er spitze Nägel in ihr Gesäß
hämmerte oder er ließ sie kreuzigen, um sie im Laufe der Tage auf dem Kreuz von Vögeln
und Tieren fressen zu lassen. Und er ließ sie niemals von der Spitze dieser Hölzer beerdigen
oder entfernen. Und er streckte den Körper einiger anderer Mengen von [seinen] besiegten
70 [Feinden] um diesen offenen Platz in vielen anderen verschiedenen Arten, besonders in der Verbot der Abnahme
der Leichen von den
Form eines Kreuzes, und er ließ niemals zu, dass sie entfernt wurden. Und wenn jemand es Pfählen

wagte, einen dieser gekreuzigten Körper abzunehmen, [so] kreuzigte er ihn an der Stelle
dieses [zuerst] Hingerichteten. Und er veranstaltete ein ausgelassenes Gelage (nešiman-e
ešratgāh) 585 auf diesen offenen Platz blickend und sagte, dass der Vergnügungsort (tafarruğgāh) Beschreibung der
„Gewächse“ des
75 der Männer das Schlachtfeld ist, wo all die verschiedenen Arten von Früchten und Obst, Gartens

bestehend aus den Köpfen der Oberherren (sar-sarvarān), auf diesen Bäumen hängen. Und
durch diese abstoßende, widerwärtige Sittlichkeit schlug er alle Herrscher und Helden der
Heiden nieder 586 und gemäß [dem Koranvers] „Und er überspielte (?) seine Leute, und sie
gehorchten ihm. Sie waren (eben) frevlerische Leute“ 587 [wurde er selbstgerecht und] belebte
80 er die Tradition der Pharaonen 588 wieder.

582 Beide Wörter haben vor allem eine positive Bedeutung und werden als Attribute für die Bezeichnung
Gottes verwendet. Die zweite, negative Bedeutung wird hier wegen der Assoziation mit dem Begriff
„Ungläubiger“ (kofr), die keineswegs positive Attribute haben kann, bevorzugt.
583 Im Sinne von Besitztum.
584 Vgl. vorherige Fn.; hier umgekehrt. Es ist wahrscheinlich, dass I., der wiederholt Wörter mit
verkehrter Bedeutung verwendet, ironisiert und somit eine Art Unverschämtheit meinte. Da diese
Bedeutung nur in der modernen persischen Sprache belegt ist, wurde hier die Grundbedeutung
bevorzugt.
585 Auch als „einen bewohnten Vergnügungsplatz“ zu übersetzen. Diese poetisch-rhetorische, lange und
hoch komplizierte Konstruktion erinnert inhaltlich an die Deutschen Geschichten über Dracula Wayda
und hat eine Art rhetorischer Tradition im Osmanischen Reich etabliert. Vgl. Koca Hüseyn (→), S.
337, den vielleicht wichtigsten Nachahmer.
586 Hierbei handelt es sich um eine konfuse Anspielung. I. meinte entweder den Konflikt Vlads mit den
walachischen Bojaren oder Vlads Überlegenheit gegenüber „seinesgleichen“ (vgl. Kemal Paşa-zade
(→), S. 229), d.h. Nachbarherrscher oder Prätendenten.
587 Kurʾan 43,54 (PARET 19802, S. 346; oder: er verleitete seine Leute mit Leichtfertigkeit).
‫‪196‬‬ ‫‪Idrīs Bitlīsi‬‬
‫)‪(Osmanische Sekundärquellen‬‬

‫ﺷﻌﺮ‬
‫وﻳﺄوى اﳋﺎﺋﻔﻮن اﻟﯽ ِذ َراﻩ‬ ‫ﻳﻔﯽ اﻟﺮاﻏﺒﻮن اﻟﯽ ذراﻩ‬ ‫‪40‬‬

‫ّاﻣﺎ ﻣﻮﻳﺪ ﲤﺎم در اﺳﺘﺤﮑﺎم ارﮐﺎن ‪ (12) 589‬ﺷﻮﮐﺖ و دوﻟﺘﺶ و ﻣﻘﻮی ﺑﺮ دوام ﺟﻬﺖ اﺟﺰای اﺣﮑﺎم ﺻﻮﻟﺘﺶ آن ﺑﻮد ﮐﻪ ﺧﻮد‬
‫‪F58‬‬

‫را اوﻻ در ﺳﻠﮏ ﺑﻨﺪﮔﺎن )‪ (13‬ﺧﺪﻣﺘﮑﺎر و در ﻋﺪاد ﻣﻄﻴﻌﺎن ﺧﺮاج ﮔﺰار ﺳﻠﻄﺎن در آوردﻩ ﺑﻮد و ﺳﺎل ﺑﺴﺎل ﻣﻘﺮری ﻣﻠﮏ‬
‫ﺧﻮد را ﺑﺎ اﻧﻮاع ﺗﱪﮐﺎت )‪ (14‬و ﺑﺰاﻋﺎت ﺑﺪرﮔﺎﻩ ﺳﻼﻃﲔ ﭘﻨﺎﻩ ﻣﯽ آورد و ﲞﻠﻌﺘﻬﺎی ﻓﺎﺧﺮ ﺧﺴﺮواﻧﻪ و ﺗﺎج زرﻳﻦ و اﺳﮑﻮب‬
‫ﻣﻠﻮﮐﺎﻧﻪ )‪ (15‬از آﺳﺘﺎن ﺳﻠﻄﺎﻧﯽ‪ ،‬ﺧﻮد ‪ 590‬را ﺳﺮﺑﻠﻨﺪ ﺑﺮ اﻗﺮان و اﮐﻨﺎ ﻣﯽ ﮐﺮد و ﺳﻠﻄﺎن دﻳﻦ ﺟﻬﺖ ﻣﻼﺣﻈﻪٴ ﺟﺮاَت و دﻻوری‬
‫‪F589‬‬

‫او )‪ (16‬ﲟﻘﺘﻀﺎٴ و ﮐ َﺬﻟﮏ ﺗﻮﻟﯽ ﺑﻌﺾ اﻟﻈﺎﳌﲔ ﺑﻌﻈﺎً‪ ،‬آن ﮐﺎﻓﺮ دﻟﲑ را ﺑﺮ ﺳﺎﻳﺮ اﻗﺮان ﺧﻮد ﺗﺴﻠﻴﻂ و ﺗﺮﺟﻴﺢ ﻣﻴﻔﺮﻣﻮد و ﭼﻨﺪﻳﻦ‬ ‫‪45‬‬

‫)‪ (17‬وﻗﺖ ﺑﺮﻳﻦ ﻧﺴﺒﺖ ﻓﺎﻳﻖ و ﻏﺎﻟﺐ ﺑﺮ ﺳﺎﻳﺮ ﻣﻠﻮک ﮐﻔﺎر ﻣﯽ ﺑﻮد ﺗﺎ اﻧﮑﻪ در اﻃﺮاف و ﺟﻮاﻧﺐ ﺑﺮ اﻋﺪا]ء[ و ﺧﺼﻤﺎء‬
‫ٴ‬
‫ﺗﻔﻮق و اﺳﺘﻌﻼ در دﻣﺎغ ﳕﺮودی ﲞﺎرش ﳔﻮت و اﺳﺘﮑﺒﺎر ﺷﻴﻄﺎﻧﯽ ﻇﺎﻫﺮ‬ ‫ﺧﻮد ﻗﺎدر و ﻗﺎﻫﺮ ﺷﺪ و از ﻣﻼﺣﻈﻪ دوام َ‬
‫)‪(18‬‬

‫ﮔﺸﺖ )‪ (19‬و در زﻣﺎﻧﯽ ﮐﻪ ﺳﻠﻄﺎﻧﺮا از ﻋﺰﳝﺖ ﻏﺰای ﻃﺮاﺑﺰون ﺳﻔﺮی ﻣﺪﻳﺪ ﭘﺪﻳﺪ آﻣﺪ و ﻣﻴﺎن ﻣﻮاﮐﺐ ﺳﻠﻄﺎﻧﯽ و ﺳﺮ ﺣﺪ‬
‫اﻓﻼق ﺑﻮی )‪ (20‬ﺑﻌﻴﺪ ﺷﺪ‪ ،‬آن ﮐﺎﻓﺮ ﻧﻌﻤﺖ از راﻩ ﮔﺴﺘﺎﺧﯽ ﻗﺪم َﺟﺮات از ﺣ ّﺪ ﺧﻮد ﺑﲑون �ﺎدﻩ و آذاب ﺗﻮﻧﻪ ﮐﻪ ﺣﺪ‬
‫ﻓﺎﺻﻞ ﻣﻴﺎن ﳑﺎﻟﮏ )‪ (21‬ﮐﻔﺮ و اﺳﻼم اﺳﺖ ﻋﺒﻮر ﳕﻮدﻩ ﺑﺎ زار ‪ 591‬ﻣﺴﻠﻤﺎﻧﺎن اﻓﺘﺎد و در ﳑﺎﻟﮏ ﺳﻠﻄﺎﻧﯽ از ﻣﻘﻴﻤﺎن ﺧﻄﻪٴ‬
‫‪F590‬‬
‫‪50‬‬

‫ﻣﺴﻠﻤﺎﻧﯽ ﺑﺪﺳﺖ ﺗﻄﺎول )‪ (22‬ﻇﻠﻢ و ﻋﺪوان‪ ،‬ﺗﻌﺮﺿﺎت و ﺗﺼﺮﻓﺎت ﳕﻮدﻩ و ﺑﺴﻴﺎری از ﻣﻮاﺿﻊ اﻫﻞ اﳝﺎن �ﺐ و ﻏﺎرت‬
‫ﻓﺮﻣﻮد‪.‬‬
‫ﺑﻴﺖ‬
‫ﲜﺰ ﻏﺎرت و ﮐﺸﱳ و ﺳﻮﺧﱳ‬ ‫)‪ (23‬ﻧﺪاﻧﺴﺖ ﺟﺰ ﻗﻠﺒﯽ آﻣﻮﺧﱳ‬

‫‪588 Anspielung auf die biblisch-koranische Tradition des ägyptischen Pharaos, der Moses misshandelte‬‬
‫‪(Kurʾan 27,7-14).‬‬
‫‪589 Wiederholt sich.‬‬
‫‪.‬ﺧﻮذ ‪590 Diakritikum falsch gesetzt: in Hs.‬‬
‫‪591 Lesung unsicher.‬‬
Hašt behešt 197
(Osmanische Sekundärquellen)

Gedicht:
Die Fürchtenden nahmen Zuflucht zu seinem Schutz.
Die nach seinem Schutz Bittenden wurden befriedigt.

Aber ein starker Beweggrund seiner Glut des Ruhms und Unterstützer seines
85 wohlgestalteten Strahlenkranzes war es zunächst, dass er sich eigenständige auf den Weg Verpflichtung V.s
und seine
machte, um als untertäniger Diener und gehorsamer Tributzahler des Sultans, der jedes Belohnungen
Jahr seinen regelmäßigen Anteil an seinem Land mit Tributen und Geschenken (tabarrokat
wa bezāʿāt) an den Hof zahlt, wobei er außerordentlich geehrt wurde durch die ruhmvolle,
königliche Kleidung und die goldene Krone und die edlen Beziehungen (eskub-e molukāne) am
90 Hof. Er zeigte sich dabei sowohl vor Verwandten als auch vor Fremden (eḳrān wa ekna)
überheblich und der Sultan der Religion erkannte seinen Mut und seine Tapferkeit 592 und 591F
Sultan toleriert V.s
gemäß [des Koranverses] „So setzen wir (dereinst) die einen Frevler über die anderen“ 593 592F
Taten

zog er diesen mutigen Ungläubigen vor, ließ ihn herrschen über seine anderen Oberhand über
Widersacher 594 und auf diese Weise war er für eine Weile den anderen ungläubigen
593F
Gleichgestellte

95 Bündnissen übergeordnet und vorherrschend (fāyeḳ wa ġāleb). Seitdem er ein eifriger


Herrscher und Fürst über seine Feinde und Widersacher (aʿdaʾ wa ḫoṣamāʾ) wurde, und wegen
der Fortdauer seiner beherrschenden Gier, begann ein nimrodisches Jucken von teuflischer V. greift an, als der
Sultan in Trapezunt
Verlockung und Anmaßung in seiner Nase 595 zu erscheinen. Und als es geschah, dass der
594F ist
Sultan einen langen Feldzug gegen Trapezunt [unternahm] und [daher] die Strecke
100 zwischen dem Gefolge (mavākeb) des Sultans und der Grenze der Walachei zu ihm 596 weit 59F

entfernt wurde, verfiel dieser Undankbare (kafer-nemat) 597 auf einen unverschämten Weg,
596F

indem er mit seinem Fuß der Dreistigkeit über die vorgeschriebenen Grenzen trat und den
Donaustrom überrannte, der die Grenze zwischen den Ländern des Unglaubens und (jenen)
des Islams ist, wobei er begann die Muslime zu quälen. Und in den kaiserlichen Ländern
105 übte er Tyrannei (żolm), Unterdrückung (ʿudvān), Überfälle (taʿrruzāt) und Besitzergreifungen
(taṣarrufāt) der muslimischen Grenze durch die Hand [seiner] Gewalt aus und viele
Siedlungen der Gläubigen (ahl-e imān) 598 hat er geplündert und beraubt.
F
9 75

Gedicht:
Er weiß nichts anderes als zu stechen,
110 Zu sagen: „Beute, Mord und Brand“.

592 Diese Passage ähnelt in verblüffender Weise Tursun Beğ (←).


593 Kurʾan 6,129 (PARET 19802, S. 104. Oder: So lassen wir [dereinst] die einen Frevler bei den anderen
Anschluss finden.
594 Theologischer Begriff für die „Widerleger des (wahren) Glaubens“, also für die Nichtmuslime.
595 Diese Stelle bezieht sich auf die Geschichte des tyrannischen Königs Nimrod, der durch seine
unvergleichliche Grausamkeit bekannt war und eine Personifizierung des Bösen geworden ist. Er
wurde schließlich von einem kleinen Insekt in seiner Nase getötet. Vgl. Kurʾan 21,68-9. Vgl. John
KOCH: Die Siebenschläferlegende, ihr Ursprung und ihre Verbreitung. Leipzig 1883, S. 151.
596 Dem Sultan.
597 Hier ist die Dankbarkeit (šokr, osm. şükr) des Vasallen gegenüber seinem Herren gemeint. Zu şükr vgl.
Tursun Beğ (←), S. 116. Grundsätzlich bezeichnet nemat die Gnade, welche Gott den Mernschen
erteilt.
598 Wörtlich: „Leute der [rechten] Religion“(ahl-e imān). Vgl. Kemal Paşa-zade (→), S. 231: ehl-i Islam.
‫‪198‬‬ ‫‪Idrīs Bitlīsi‬‬
‫)‪(Osmanische Sekundärquellen‬‬

‫و ﺑﻌﻀﯽ اﻣﺮا و ﮔﻤﺎﺷﺘﮕﺎن ﺳﻠﻄﺎن ﮐﻪ ﺑﺼﺒﻂ ﺳﺮ ﺣ ّﺪ )‪ (24‬ﺑﻼد اﺳﻼﻣﯽ ﻣﺎﻣﻮر ﺑﻮدﻧﺪ ﺑﺎﻋﺘﻤﺎد ﻋﻘﻮد ﻋﻬﻮد ﻓﺮﻣﺎن ﺑﺮداری‪،‬‬ ‫‪55‬‬

‫ﻓﯽ اﳉﻤﻠﻪ ﺗﺸﺪﻳﺪی در ﻣﻨﻊ ﺷﺮ وﺧﲑ او از رﻋﺎﻳﺎ و ‪ (25) 599‬ﻋﺠﺰﻩ ﳕﻮدﻧﺪ‪ .‬اﺗﻔﺎﻗﺎ در ﺑﻌﻀﯽ ﻗﻀﺎﻳﺎ ان ﻣﺸﺮک ﻃﺎﻏﯽ ﺑﺎ اﻣﲑان‬
‫‪F 895‬‬

‫‪431b‬‬ ‫و ﺳﭙﻬﺪاران ﺳﺮ ﺣ ّﺪ‪ ،‬ﻳﻮﻧﺲ ﺑﻴﮓ ‪ 600‬و ﲪﺰﻩ ﺑﻴﮓ ﮐﻪ ﻏﻼﻣﺎن | )‪ (1‬ﻣﻌﺘﱪ ﺳﻠﻄﺎن ﺑﻮدﻧﺪ ﺑﻨﻴﺎد ﳐﺎﻟﻔﺖ و ﻋﻨﺎد ﮐﺮد و‬
‫‪F59‬‬

‫ﺑﺎﻧﮕﻴﺰ ﺣﺮب و ﻣﻘﺎﺑﻠﻪ ﻫﺮ دو اﻣﲑ ﺳﺮ ﺣﺪ را ﺑﻘﺘﻞ آوردﻩ و ﺑﻌﺪ ‪ (2) 601‬از ان ﮔﺴﺘﺎﺧﯽ و ﻋﺼﻴﺎﻧﺮا‪ ،‬رﻋﻴﺖ و ﳑﻠﮑﺖ‬
‫‪F60‬‬

‫ﺳﻠﻄﺎﻧﯽ اﻓﺸﺎ و اﻋﻼن ﳕﻮدﻩ و ﺗﻮﺳﻦ ﻇﻠﻢ و ﺑﻴﺪاد را در ﻣﻴﺪان )‪ (3‬ﺧﺎﻟﯽ ﺟﻠﻮﻩ ﮔﺮی ﲤﺎم ﻓﺮﻣﻮد و از زﺑﺎن زﻣﲔ و زﻣﺎن‪،‬‬
‫ﮔﻮش ﻫﻮش اﻳﻦ ﻧﻮا ﻣﯽ ﺷﻨﻮد‪.‬‬ ‫‪60‬‬

‫ﻧﻈﻢ‬
‫)‪(4‬ﮔﻮﻳﯽ ﲟﺮاد ﺧﻮﻳﺶ ﻣﻴﺰن ﺣﺎﻟﯽ‬ ‫ﻣﻴﺪان ﭼﻮ ﺷﺪ از ﻣﺮﮐﺐ ﻣﺮدان ﺧﺎﻟﯽ‬

‫ﭼﻮن اﻳﻦ ﺷﻨﺎﻳﻊ ﻓﻌﺎل و ﻗﺒﺎﻳﺢ اﻋﻤﺎل آن ﮐﺎﻓﺮ ﻳﺎﻏﯽ ﲟﺴﺎﻣﻊ ﻋﻠﻴﻪ]ٴ[ ﺳﻠﻄﺎﻧﯽ رﺳﻴﺪ آﺗﺶ ﻏﻀﺐ )‪ (5‬و ﲪﻴﺖ اﺳﻼﻣﯽ زﺑﺎﻧﻪ‬
‫ﻣﻨﺘﻘﻤﺎﻧﻪ ﺑﻪ ﻫﻔﺘﻢ آﲰﺎن ﮐﺸﻴﺪ‪ .‬ﺑﻌﺪ از ﻋﻮدت از ﺳﻔﺮ ﻃﺮاﺑﺰون ﺗﺼﻤﻴﻢ ﻋﺰﳝﺖ ﺑﺎﻧﺘﻘﺎم آن ﮐﺎﻓﺮ ﻣﺮدود )‪ (6‬ﻓﺮﻣﻮد و اوﻻ ﻗﺒﻞ‬
‫از اﻧﺸﺎء ﺳﻔﺮ ﻏﺰا ﺑﻘﺎﻧﻮن ﻣﻌﻬﻮد آن ﻇﺎﻏﯽ را ﺑﺒﺎرﮔﺎﻩ ﺟﻬﺎن ﭘﻨﺎﻩ اﺣﻀﺎر ﳕﻮد و ﻣﻘﺮری دو ﺳﺎﻟﻪ )‪ (7‬ﮐﻪ در اﻳﺎم ﻏﻴﺒﺖ ﺳﻠﻄﺎن‬ ‫‪65‬‬

‫ﲟﺴﺎﻫﻠﻪ ﮔﺬراﻧﻴﺪﻩ ﺑﻮد ﺑﺎﻟﺘﻤﺎم ﺑﺪرﮔﺎﻩ ﻋﺎﻟﯽ آوردن ﻣﺎﻣﻮر داﺷﺖ و ﺟﻬﺖ ﺗﻘﺪﱘ اﻳﻦ )‪ (8‬اواﻣﺮ و اﺣﮑﺎم وﻋﺪﻩ ﻣﻌﲔ ﻣﻘﺮر‬
‫اﻧﮕﺎﺷﺖ‪ .‬آن ﮐﺎﻓﺮ ﻏﺪار در ﺟﻮاب ﺳﻠﻄﺎن ﺑﻌﻀﯽ اﻏﺪار‪ -‬ﮐﻪ ﻣﺸﻌﺮ ﺑﻮد از ﮐﺬب )‪ (9‬و ﻧﻔﺎق و ﺣﺎﮐﯽ از ﻃﻐﻴﺎن ﺻﺮﻳﺢ‬
‫و ﺷﻘﺎق ‪ ،-‬ﺑﺎز ﻓﺮﺳﺘﺎد و رﺳﻮل ﺳﻠﻄﺎﻧﺮا از وﺟﻮﻩ ﻣﺎﻟﯽ ﺧﺮاج و ﻣﻘﺮری ﮔﺬﺷﺘﻪ )‪ (10‬و ﺣﺎﻟﯽ‪ ،‬ﺧﺎﻟﯽ اﺟﺎزت ﻣﺮاﺟﻌﺖ داد‪.‬‬
‫ﺑﻌﺪ از ﻋﻮدت رﺳﻮل از ﺟﺎﻧﺐ ان ﮐﺎﻓﺮ ﻧﻌﻤﺖ ﻓﻀﻮل و ﻋﺮض ﮐﻠﻤﺎت )‪ (11‬ﻧﺎﻣﻌﻘﻮل و ﻣﻌﺬرﺗﺎی ﻧﺎ ﻣﻘﺒﻮل ﺳﻠﻄﺎﻧﺮا ﳏﻘﻖ‬
‫ﮔﺸﺖ ﮐﻪ ﺷﺠﺮﻩٴ ﺧﺒﻴﺜﻪٴ آن ﻣﺸﺮک ﻣﺮدار از زﻫﺮاب ﮐﱪ و )‪ (12‬اﺳﺘﮑﺒﺎر‪ ،‬اﮐﻨﻮن ﲦﺮﻩٴ ﺧﻼف ﺑﺒﺎر آوردﻩ‬ ‫‪70‬‬

‫‪599 Wiederholt sich.‬‬


‫‪600 Supralinear (spätere Ergänzung).‬‬
‫‪601 Wiederholt sich.‬‬
Hašt behešt 199
(Osmanische Sekundärquellen)

Und einige der Feldherren und Befehlshaber des Sultans, die dort abgeordnet wurden, um
die Angelegenheiten der Muslime an den Grenzen der islamischen Länder zu bessern,
erhoben Einspruch gegen die Gewalt [des Kazıklı] gegen die Untertanen und armen
Leute. 602 Zufällig ergab sich in einigen Angelegenheiten eine Art Spannung zwischen dem
115 ungläubigen und götzendienenden Rebellen 603 und den [beiden] Befehlshabern und
Kommandanten der Grenze, [nämlich]: Yunus Beğ und Hamza Beğ, Sklaven 604, denen am Yunus und Hamza
werden ermordet
Hof sehr vertraut wurde. Und er, nach Krieg und Arglist strebend, tötete beide
Kommandanten. Und es war nach diesem anmaßenden Aufstand das erste Mal, dass sein
(teuflischer Geist) des Landes des Sultans und seiner Untertanen gewahr wurde (und) er
120 begann siegreich auf den Berg der Tyrannei und der Gewalt zu galoppieren auf dem leeren
(Spiel-)Hof 605 der Pracht. Man hört durch sein verständnisvolles Ohr (guš-e huš) dieses
Geräusch der Zunge der Erde und der Zeit:

Gedicht:
Wenn das Feld frei wird von den Pferden der (tapferen) Männer,
125 Schlage eine Weile einen Ball nach deinem Willen.

Als die schändlichen Taten und abscheulichen Handlungen dieses meuterischen


Ungläubigen die Ohren seiner königlichen Eminenz erreicht hatte(n), flammte das Feuer des Sultan verärgert

Zornes und des islamischen Eifers rächend bis zum siebten Himmel auf. Nachdem [der
Sultan] vom Feldzug (gegen) Trapezunt zurückkehrte, beschloss er, abzurücken, um sich an
130 diesem verstoßenen Ungläubigen zu rächen, und bevor er, dem gebilligten Gesetz Sultan ruft V. zur
Pforte und verlangt
ensprechend, den Befehl für diesen Feldzug gab, rief er zuerst diesen Rebellen zu seinem die den Tribut

Welt behütenden Hof, damit er den zweijärigen Tribut (maharari) 606, den er in der
Abwesenheit des Sultans nicht bezahlt hatte, zur Hohen Pforte einreicht. [Der Sultan] setzte
V. lügt und bringt
eine Frist für die Erfüllung dieser Befehle und Aufforderungen. Jener listige (gadār) den Tribut nicht
135 Ungläubige brachte als Antwort zum Sultan manche Arglistigkeiten vor, die Lüge und
Heuchlerei beinhalteten und überreichte die offenkundige Rebellion und Abtrennung [vom
guten Weg]. Und er entließ den Gesandten des Sultans, ohne auch nur eine Münze seiner
[geschuldeten] Steuer und (seines) Tributs der Vergangenheit und Gegenwart zu bezahlen.
Nachdem der Gesandte von diesem falschen [und] anmaßenden Ungläubigen
140 zurückgekehrte und seine unsinnigen Worte und unannehmbaren Entschuldigungen
vortrug, wurde dem Sultan offenbar, dass der teuflische Baum jenes schmutzigen
Götzendieners (mošrik-e mordār) – gewässert vom Gift des Hochmuts und der Anmaßung –
nun die verfaulte Frucht trägt.

602 Der Text bleibt hier sehr unklar; diese Stelle könnte auch gegenteilig zur hier gebotenen Übersetzung
interpretiert werden, nämlich dass die Untertanen des Sultans sich auf Vlad den Pfähler verließen
und niemals erwartet hätten, dass er einen Aufstand gegen ihn unternehmen würde.
603 Also Kazıklı.
604 Das verwendete Wort ġolām bedeutet zugleich auch „Soldat“. Da beide zum Staatsapparat gehörten,
der vorwiegend aus Sklaven bestand, wurde die ursprüngliche Bedeutung, also eine etymologische
Übersetzung bevorzugt.
605 Hier und im übrigen Text dieses Abschnitts baut I. sprachliche Anspielungen auf Reitspiele ein.
606 Zur Höhe des Tributs vgl. Fn. 129.
‫‪200‬‬ ‫‪Idrīs Bitlīsi‬‬
‫)‪(Osmanische Sekundärquellen‬‬

‫و از ﻣﻼﺣﻈﻪ ﻧﻀﺎرت اوراق ﺧﻀﺮاء اَﻟﺪﻣﻦ‪ ،‬وﺟﻮد ﳓﺲ ﳒﺲ ﺧﻮد )‪ (13‬راﳛﻪٴ ﺧﺒﺚ ﺑﺎﻃﻦ ﺑﻈﻬﻮر آوردﻩ ﻫﺮ آﻳﻨﻪ ﺑﻌﺰم ﲡﻠﻴﻪٴ‬
‫ﺻﺤﻴﻔﻪٴ ﺧﺎﻃﺮ از ﻏﺒﺎر ﻓﺘﻨﻪ و ﻓﺴﺎد ان ﮐﺎﻓﺮ و ﺟﻬﺖ ﲣﻠﻴﻪ آن )‪ (14‬ﺣﺪود و اﻗﻄﺎر از ﺟﻨﺎﻳﺖ ﺧﻴﺎﻧﺖ و ﺧﺒﺎﺛﺖ آن‬
‫ﻣﻀﺮ ﻣﺼﺮ‪ 607‬ﺗﻴﻎ ﺟﻼ دادﻩ اﻧﺘﻘﺎم را از ﻧﻴﺎم ﺳﮑﻴﻨﻪ و )‪ (15‬آرام ﺑﲑون ﮐﺸﻴﺪن آﻏﺎز �ﺎد و ﺳﭙﺎﻩ ﻓﮑﺮت را ﺑﱰﺗﻴﺐ‬
‫ﻣﺸﺮک ّ‬
‫‪60F‬‬

‫اﺳﺒﺎب �ﻀﺖ ﺑﻌﺰم ﻏﺰا و ﺟﻬﺎد آن ﻣﺼﺪر ﻓﺴﺎد )‪ (16‬و ﻣﻈﻬﺮ ﻃﻐﻴﺎن و اﳊﺎد ﻓﺮﻣﺎن داد‪.‬‬
‫ﺑﻴﺖ‬ ‫‪75‬‬

‫ﮐﻪ ﺑﻴﺪاد دﴰﻦ ﺟﻬﺎﻧﺴﻮز ﺷﺪ‪.‬‬ ‫ﻳﻼﻧﺮا از اﻳﻦ ﻣﮋدﻩ ﻧﻮروز ﺷﺪ‬

‫‪608‬‬
‫رﻩ ﺑﻮﺟﻪ ﺳﭙﺎﻩ ﻇﻔﺮﺳﻮار{‬
‫‪F607‬‬ ‫} ﺻﻔﺖ ﺑﻬﺎﺎرﻩ‬

‫)‪ (17‬از و ﺑﻮم و ﮐﺸﻮر ﺑﻴﮑﺒﺎرﮔﯽ ﺳﺘﻮﻩ آﻣﺪﻧﺪ از ﺳﺘﻤﮑﺎرﮔﯽ ﺑﻨﺎﺑﺮاﻳﻦ ﻣﻘﺪﻣﺎت در اواﻳﻞ ﻣﻮﺳﻢ ﺑﺎر ﺳﻨﻪ ‪....‬و ﺛﻤﺎن‬
‫ﻣﺎﺋﻪ ‪ (18) 609‬ﮐﻪ ﻳﻮﻣﺎ ﻓﻴﻮﻣﺎ آﺛﺎر ﻣﮑﻨﻮﻧﺎت ﺧﺎﻃﺮ ﺑﺸﺘﯽ ﻣﻨﺎﻃﺮ ﺳﻠﻄﺎن ﻧﺎﻣﻴﻪ ﺑﺮ ﺻﻔﺤﻪٴ ﮔﻠﺰار ﲟﻨﺼﻪٴ اﻇﻬﺎر ﻣﲑﺳﻴﺪ و زﻣﲔ‬ ‫‪F608‬‬

‫ﺳﻴﻪ دل از )‪ (19‬ﺳﻴﺎﻩ روﻳﯽ ﻧﻔﺎق و ﺗﲑﻩ دروﻧﯽ ﻧﻴﺖ ﺷﻘﺎق روی ﺧﺠﺎﻟﺖ و اﻧﻔﻌﺎل را در ﭘﺮدﻩٴ ﺗﻮاری ﺳﺒﺰﻫﺎی ﭼﻦ ﻣﻴﮑﺸﺪ‬ ‫‪80‬‬
‫و از )‪ (20‬آﺗﺶ ﻗﻬﺮﻣﺎن ﺧﻮرﺷﻴﺪ روﺷﻦ ﺿﻤﲑ ﺟﻬﺖ ﺻﻔﺎٴ ﳌﻌﺎت اﻋﺘﻘﺎد‪ ،‬ﺗﺎب اﺿﻄﺮاب در دل ﻣﻈﻠﻢ ﻻَﻟﻪ ﺳﲑاب ﻣﯽ‬
‫اﻓﺘﺎد )‪ (21‬و ﺷﮑﻮﻓﻪٴ ﭘﺎﮐﻴﺰﻩ ﳒﺎد اﺳﺮار ﺳﻴﻨﻪٴ ﭘﺮ ﺳﮑﻴﻨﻪٴ ﻏﻨﭽﻪ را ﺑﺮ ﻃﺒﻖ اﺧﻼص ﮔﻞ ﺳﺮخ ﻣﯽ �ﺎد‪.‬‬
‫ﻧﻈﻢ‬
‫)‪ (22‬ﳎﺎﻫﺪان ﻃﺒﻴﻌﺖ ﺑﺪﺳﺖ ﻧﺸﻮ و ﳕﺎ‬ ‫ﺑﺴﻮی دﻳﺪﻩ ز دل ﲢﻔﻬﺎ ﻓﺮﺳﺘﺎدﻧﺪ‬
‫اﻧﺪﻳﺸﻪٴ رﻓﻊ اﻓﺴﺎد ﻇﻠﻢ و ﺑﻴﺪاد و رﻓﻊ‬ ‫)‪(23‬‬ ‫ﺳﻠﻄﺎن دﻳﻦ ﳏﻤﺪی ﻧﻴﺰ ﺑﺮ ﻃﺒﻖ اﻗﺘﻀﺎء اوﺿﺎع ﻋﺎﱂ ﮐﻮن و ﻓﺴﺎد در ﻓﮑﺮ و‬ ‫‪85‬‬

‫اﳋﻼﻓﻪ ﺑﻪ ﻧﻴﺖ ﺟﻬﺎد ﺑﲑون �ﺎد و اﺣﮑﺎم‬ ‫ﻋﻨﺎدان ﻣﻨﺸﺎء ﮐﻔﺮ و ﺳﺘﻢ ﺑﺮ ﻋﺒّﺎد ﻋﺒﺎد ﻗﺪم ﳘﺖ ﳘﺎﻳﻮن �ﻤﺖ از دار‬
‫)‪(24‬‬

‫ﺟﻬﺎﳕﻄﺎع ﺑﻄﺮﻳﻘﻪٴ اﺳﺘﻌﺠﺎل ﺑﺮ ﺑﺎل ﮐﺒﻮﺗﺮان ﺗﻴﺰ ﭘﺮ ﺻﺒﺎ و ﴰﺎل ﺑﺎﻃﺮاف )‪ (25‬ﳑﺎﻟﮏ اﺳﻼﻣﯽ ﻓﺮﺳﺘﺎدﻩ و ﻋﺴﺎﮐﺮ ﳎﺎﻫﺪان‬
‫دﻳﻦ را ﺑﺮ وﻓﻖ ﲨﻌﻴﺖ ﺧﺎﻃﺮ اﻫﻞ ﺣﻖ‬

‫‪607 Verdoppelungszeichen fehlt.‬‬


‫‪608 An den Rand geschrieben, möglicherweise als spätere Ergänzung, um eine bessere Übersicht über‬‬
‫‪den Inhalt des Kapitels zu gewährleisten.‬‬
‫‪609 Wegen einer späteren Ergänzung vom Autor leer gelassen, nachdem er das Datum anhand seiner‬‬
‫‪Vorlage ausgerechnet hatte.‬‬
Hašt behešt 201
(Osmanische Sekundärquellen)

Und durch das Betrachten der Blüte der grünspurigen Blätter seines unheilen [und]
145 unreinen Wesens hatte der Geruch das teuflische Innere [Kazıklıs] hervorgebracht. 610 Damit
nur er das Blatt seiner Gedanken vom Staub der Liste der Verdorbenheit kehrt und (damit
er) jene Gegenden und (jene) Gebiete von den Verbrechen der Betrügerei und Bosheit jenes
schändlichen und hartnäckigen Ungläubigen entleert, begann [der Sultan] das polierte Sultan beschließt V.s
Bestrafung
Schwert der Rache aus der Scheide der Ruhe hinauszuziehen. Und er ordnete sein Heer der
150 Gedanken, um den Krieg und den Glaubenskampf vorzubereiten gegen die Quelle des
Verfalls und (gegen) die Verkörperung der Rebellion und des Unglaubens.

Doppelvers:
Die Helden vernahmen die Botschaft als ein Frühlingsfest,
Denn die Grausamkeit des Feindes erreichte ihren aufstrebenden Höhepunkt.

155 {Beschreibung des Frühlings [zum Lob] des zum Sieg reitenden [osmanischen]
Heeres}

Nach diesen Vorkehrungen zu Beginn des Frühlings 8[66], in welchem man Tag für Tag Frühling

entdecken kann, wie der himmlische Schatz, der Verstand seiner bekannten Majestät aus
der Wiese und den Weiden blüht und wie die schwarzherzige Erde verschämt ist und
160 schwarzgesichtig von der Meuterei und schwarz in der Seele wegen seiner Absicht zum
Aufstand wird, wobei er sein Gesicht aus Schande und Untätigkeit emporzieht in das Netz
grünen Grases, und aus dem Feuer der grollenden hellseherischen Sonne fallen Balken der
Furcht in das schwarze Herz der feuchten Tulpe, um die Strahlen des Glaubens
auszulöschen. Die saubere Blüte der Geheimnisse des gelassenen Herzens wird über die
165 Niederung des Zeichens der Treue der roten Rose gelegt.

Gedicht:
Vom [tiefen] Herzen sandten sie den Augen Geschenke,
Die Schützer der Natur aus der Hand der Wiese.

Der König der mohammedanischen Religion hat nun – der Umstände der verdorbenen
170 Welt gedenkend –, [um] auf einer Weise die Leere und das Unrecht zu mindern und diese
grausame Quelle des Unglaubens und des Despotismus gegen fromme, religiöse Menschen
zu vernichten, seine königlichen Füße aus dem Palast gesetzt mit der Absicht des
Gotteskampfes. Dann sandte er seine Befehle auf den Flügeln der schnellen Tauben von Sammlung des
Heeres
Saba und Shomal 611 so rasch in alle Winkel der islamischen Staaten, wobei er die Truppen
175 der Muslime in Gestalt einer vereinten Gemeinschaft der Gläubigen versammelte.

610 Ein tašbih (Vergleich): Dabei vergleicht der Autor den rebellierenden Kazıklı mit dem Wachsen der
Blätter eines Blütenbaumes. Die Formulierung des I. ist sehr bildhaft, wobei er immerzu ästhetische
Bilder mit schrecklichen Manifestationen menschlichen Handelns vergleicht.
611 Namen mythischer Winde von großer Stärke.
‫‪202‬‬ ‫‪Idrīs Bitlīsi‬‬
‫)‪(Osmanische Sekundärquellen‬‬

‫‪432 a‬‬ ‫و ﻳﻘﲔ ﳎﻤﻮع ﮔﺮداﻧﻴﺪﻩ و ﺳﭙﺎﻫﯽ | )‪ (1‬ﺑﻴﺤﺼﺮ و ﻋﺪد و ﻟﺸﮑﺮی ﻣﻼﻳﮏ ﻋﺪد ﺟﻬﺖ اﻟﺘﺤﺎم ﻣﻼﺣﻢ اﻧﺘﻘﺎم ﺑﻢ رﺳﺎﻧﻴﺪ‬
‫ﭼﻨﺎﻧﭽﻪ در ﺣﲔ ﻋﺒﻮر از �ﺮ ﺗﻮﻧﻪ و ﺷﺮوع )‪ (2‬در ﺣﺪود ﳑﻠﮑﺖ آن ﮐﺎﻓﺮ ﻋﻨﻮد اﻋﺪاد اﺷﺨﺎص ﻟﺸﮑﺮی از دوﻳﺴﺖ ﻫﺰار‬ ‫‪90‬‬
‫ﻣﺘﺠﺎوز ﮔﺸﺘﻪ ﺑﻮد و ﺑﺎﻳﻦ ﺷﻮﮐﺖ و ﺳﺘﻘﻼل]؟[ )‪ (3‬و اﺳﺘﻌﺠﺎل ﻣﻮاﮐﺐ ﺟﻼل در ﺳﺮﻋﺖ ﮔﺬار ‪ 612‬از ان ﳏﺎل ﭼﻮن‬
‫‪F61‬‬

‫ﺳﻮب ﺻﺒﺎ و ﴰﺎل و در اﻧﺒﻮﻫﯽ ﺣﺸﺮ ﳏﺸﺮاﺛﺮ ﭼﻮن ﺗﺮاﮐﻢ )‪ (4‬ﺳﺤﺎب ﻣﻄﺎل از روی درﻳﺎی ﺗﻮﻧﻪ ﺑﻴﮑﺒﺎر ﮔﺬار ‪ 613‬ﻓﺮﻣﻮد‪.‬‬
‫‪F612‬‬

‫ﻧﻈﻢ‬
‫ﺳﭙﺎﻫﯽ ﮐﻪ درﻳﺎ و ﺻﺤﺮا و ﮐﻮﻩ‬ ‫ﺷﺪ از ﻧﻌﻞ اﺳﺒﺎن ﻣﺮدان ﺳﺘﻮﻩ‬
‫)‪(6‬‬‫)‪ (5‬ﭼﻮن ﻟﺸﮑﺮ ﻣﻨﺼﻮر اﺳﻼم ﻋﺮﺻﻪٴ ﻣﻠﮏ اﻓﻼق را ﲞﻴﺎم اﺣﺘﺸﺎم ﳘﭽﻮن ﻋﺮﺻﻪٴ ﭼﻦ و ﮔﻠﺰار ﺳﺎﺧﺘﻨﺪ و ﺑﺮ ﻣﺜﺎل ﮔﻞ و‬ ‫‪95‬‬

‫ﻣﺘﻤﻮل )‪ (7‬و‬
‫ﺷﮑﻮﻓﻪ اﻋﻼم رﻧﮕﲔ از ﻫﺮ ﻃﺮف ﺑﺮ]ا[ﻓﺮاﺧﺘﻨﺪ ﮐﺎﻓﺮاﺳﺘﺎﻧﯽ در ﲢﺖ ﺗﺼﺮف دﻳﺪﻧﺪ ﳘﮕﯽ ﺳﺎﮐﻨﺎﻧﺶ ﻣﺮدم ﻣﻨﻌﻢ ّ‬
‫ﺗﻌﻬﺪ از ﻳﺮاق و اﻧﺘﻔﺎع ﳘﮕﯽ آن ﺳﭙﺎﻩ اﻧﺒﻮﻩ را ﻣﺘﺤﻤﻞ و ﻣﺘﮑﻔﻞ و ﻏﺎزﻳﺎن ﭘﺮ دل ﭼﻮن ﺷﲑان ﺟﻮﻋﺎن ﻣﻴﺎن آﻫﻮ )‪ (8‬ﭼﺸﻤﺎن‬
‫ﻋﻤﺎن ﺑﺎﺑﺘﻼع و اﻧﺘﻘﺎم ﻣﺎﻫﯽ ﺑﭽﮕﺎن از در ارﺑﯽ ‪ (9) 614‬ﻣﺸﺮﮐﺎن روی‬
‫‪F613‬‬

‫ﺣﻮاری و ﻏﻠﻤﺎن ﺑﺼﻴﺎدی اﻓﺘﺎدﻧﺪ و ﺑﺮ ﻣﺜﺎل �ﻨﮕﺎن ّ‬


‫�ﺎدﻧﺪ و دﻳﺪﻩٴ اﻧﺘﻈﺎر ﻫﺮ ﳎﺎﻫﺪ ﭘﻴﺸﻪ ﳘﭽﻮن ﭼﺸﻢ ﺗﺮﮐﺎن ﻳﻐﻤﺎﻳﯽ ﺑﺮ �ﺐ و ﻏﺎرت ﻣﻠﮏ دﴰﻦ ﻣﻘﺼﻮر ﺷﺪ )‪ (10‬و ﻟﺐ و‬
‫دﻫﺎن ﻫﺮ ﻏﺎزی ﭘﻴﺸﻪ ﭼﻮن دم ﴰﺸﲑ ﺟﻬﺎد ﺑﺴﻨﮓ دﻣﺎر اﻋﺪاء ﭘﺮ ﻋﻨﺎد ﳎﻬﻮرﮔﺸﺖ‬ ‫‪100‬‬

‫ﺷﻌﺮ‬
‫ﻫﺎﻟﻚ َﮐﻞ ﻣﻦ َﳛَﻔﻰ و ﻳﻨﺘَـ ُﻌﻞ‬
‫)‪ (11‬ان ً‬ ‫ﻠﻤﻮا‬ ‫ِِ‬ ‫ٍ‬
‫ﻓﯽ ﻓﺘﻴﺔ َﮐﺴﻴﻮف اﳍﻨﺪ ﻗﺪ َﻋ ُ‬
‫و از ﲨﻠﻪٴ اﻣﺮا ﳎﺎﻫﺪ و ﻟﺸﮑﺮﻳﺎن دﻻور ﳎﺪ اورﻧﻮس ﺑﻴﮏ وﻟﺪ ﻋﻠﯽ ﺑﻴﮏ را ﺑﺎ ﲨﺎﻋﺖ )‪ (12‬اﻗﻨﺠﻴﺎن ‪ 615‬ﺟﻬﺖ �ﺐ و‬
‫‪F 614‬‬

‫ﻏﺎرت و ﺳﺒﯽ و ﺧﺴﺎ ِرت اﻃﺮاف اﻓﻼق ﻓﺮﺳﺘﺎدﻩ ﺑﻮدﻧﺪ و درﻳﻦ اﺛﻨﺎ ﺻﻮرﺗﯽ ﻫﺎﻳﻞ ﮐﻪ آوﻻ )‪ (13‬ﺑﺘﻔﺮﻗﻪ و ﺗﻌﺐ ﻧﻔﻮس ﻣﺎﻳﻞ‬
‫ﻓﺎﻣﺎ در ﻣﺂل ﺑﻌﺎﻗﺒﺖ ﳏﻤﻮد آﻳﻞ ﮔﺸﺖ و ﻗﻀﻴﻪٴ ﺣﺎدﺛﻪ اﻧﮑﻪ ﭼﻮن ﳏﻤﻮد ﭘﺎﺷﺎ ﺑﺪﺳﺘﻮر )‪ (14‬ﻣﻌﻬﻮد در‬ ‫ﻣﻴﻨﻤﻮد ﻇﻬﻮر ﳕﻮدﻩ ّ‬ ‫‪115‬‬

‫ﻃﻠﻴﻌﻪٴ ﻋﺴﺎﮐﺮ ﻣﻨﺼﻮرﻩ ﻣﻘﺮر ﺷﺪﻩ ﺑﻮد و ﺑﻪ ﭘﻴﺶ روی و ﻗﻼوزی آن ﻟﺸﮑﺮ ﻫﺪاﻳﺖ رﻫﱪ در ﻫﺮ ﻣﺮﺣﻠﻪ ﮔﺬر )‪ (15‬ﻣﻴﻨﻤﻮد‬
‫ﻧﺎﮔﺎﻩ ﻣﺮﺣﻠﻪٴ ﭘﻴﺶ آﻣﺪ ﮐﻪ در ﻣﺴﺎﻓﺖ ﭘﻨﺞ ﺷﺶ ﻓﺮﺳ آب ﺧﻮردﻧﯽ ﺑﻴﭻ وﺟﻪ ﭘﻴﺪا ﻧﺒﻮد‪.‬‬

‫‪612‬‬ ‫‪.‬ذ ‪Ohne Diakritikum auf‬‬


‫‪613‬‬ ‫‪Ebenso.‬‬
‫‪614‬‬ ‫‪Unsichere Lesart.‬‬
‫‪615‬‬ ‫‪Sonderbar und ohne Punkte geschrieben (vgl. oben).‬‬
Hašt behešt 203
(Osmanische Sekundärquellen)

Und die Tugenden schufen ein zahlloses Heer und eine gehäufte Verteidigungsmacht als
eine Menge, als eine Schar von Engeln616, um die Wunden der Rache zu heilen, so dass, als Sultan zieht mit
großer Streitmacht
er den Fluss Donau erreichte, welcher der Beginn des Landes dieses grausamen zur Donau

Ungläubigen war, sein Heer mehr als 200.000 Soldaten zählte. Und mit dieser Pracht und
180 Selbstsicherheit (istiḳlāl)617 überschritt er das Donaugewässer mit der Geschwindigkeit der Überquerung der
Donau
Pferde so rasch wie der Südwind (Saba) und der Nordwind (Šomal) und in der dem Tag des
Jüngsten Gerichts (ähnlichen) Menge (so zahlreich) wie die ausgedehnten Wolken.

Gedicht:
Ein so großes Heer, dass Meer, Wüste und die Berge
185 Vom Galoppieren dieser Soldaten zu klagen begannen.

Als das siegreiche Heer des Islam das Gebiet der Walachei besetzte mit ihren Zelten des
Ruhms wie eine Wiese oder eine Weide, wurden farbige Fahnen von jeder Seite
emporgehoben wie Blumen oder Blüten, sie sahen ein Ungläubigenland unter ihrem Befehl,
wo all seine Menschen sowohl gesund als auch reich waren, welche die Kosten trugen, um
190 dieses große Heer zufrieden zu machen, da diese tapferen Krieger wie hungrige Löwen diese
Nymphen mit Rehaugen und schönen Knaben jagten…618

Gedicht:
Die Jungen, (die) wie die Schwerter Indiens sind, wussten
Dass alle sterblich sind, sowohl die wohlhabenden als auch die armen.619
Evrenos Ali Beğ auf
195 Und unter den Kriegern und tapferen Soldaten war [einer namens] Evrenos Beğ, der Sohn akın geschickt
des Ali Beğ. [Der Sultan] sandte mit ihm eine Abteilung von Streifzüglern (aḳencīyān)620, um
die äußeren Gebiete der Walachei zu plündern und zu brandschatzen und zu überschütten
und zu zerstören. Unterwegs aber kam es zu einer hinderlichen Angelegenheit, die zunächst
die Menge zu Verstreuung und Kummer (tafreḳe wa taʿab) veranlasste, zuletzt aber ein
200 glückliches Ende brachte. Und hier ist die Geschichte:
Als Mahmud Paşa ernannt wurde zum Führer des siegreichen Heeres durch den Mahmud P. wird
Kommandant des
sogenannten Befehl. Und er fuhr fort zu marschieren und zu erkunden mit diesem rechtens Heeres
geführten Heer, wobei er jede Etappe durchlief. Plötzlich machten sie Halt auf einer Etappe,
[an einem Orte, wo] es kein Wasser gab auf 5 oder 6 farsah621; Ort ohne Wasser

616 Ein häufiges Leitmotiv bei I. (vgl. S. 209, 211, 217), hier werden jedoch die osmanischen Soldaten als
Engel personifiziert.
617 Im Originaltext ohne alif geschrieben.
618 Der Vergleich von Tierjagden mit der Erbeutung von Menschen durch muslimische Soldaten ist
nicht unüblich. Andere Vergleiche verwenden das Bild des Wals für die Muslime und dasjenige der
kleinen Fische für die Ungläubigen oder ihre Frauen und Kinder.
619 Verse von al-Aʿšāʾ, dem bekanntesten Dichter der islamischen Zeit.
620 Lesung unsicher, wiedergegebene Lesung sicherer als beispielsweise ağnabiyān (Fremde).
621 Persische Meilen.
‫‪204‬‬ ‫‪Idrīs Bitlīsi‬‬
‫)‪(Osmanische Sekundärquellen‬‬

‫‪622‬‬
‫ﻏ ﺰا {‬
‫‪621F‬‬ ‫ﮔﺮﻣﻰ راﻩ‬
‫} ﺻﻔﺖ ﮔ ﺮﻣ‬

‫و ﲢﻤﻞ اﻻﻏﺎن آﺑﺸﺨﻮار )‪ (16‬اﻳﻦ ﭼﻨﲔ ﺳﭙﺎﻩ و ﺳﺘﻮران ﺑﯽ �ﺎﻳﺖ‪ ،‬وﻓﺎ ﳕﯽ ﳕﻮد و ﻣﻊ ذﻟﮏ ﺣﺮارت ﻫﻮا ﲟﻘﺘﻀﺎی زﻣﺎن ﮐﻪ‬
‫وﺳﻂ ﺗﺎﺑﺴﺘﺎن )‪ (17‬ﺑﻮد و ﲝﺴﺐ ﻣﮑﺎن ﮐﻪ ارض ﻗﻴﻌﺎن ﺑﻮد‪ .‬ﲝﺪی اﺷﺘﺪاد داﺷﺖ ﮐﻪ زﺑﺎن آﺗﺶ ﺑﺎر ﺗﺸﻨﮕﺎن ﭘﺮ اﺿﻄﺮار‬ ‫‪120‬‬
‫ﭼﻮن زﺑﺎﻧﻪٴ )‪ (18‬آﺗﺶ ﺳﻮزان در ﺳﺮ ﭼﺸﻤﻪ دﻫﻦ اﻳﺸﺎن ﺑﺎﻟﺘﻬﺎب اﻓﺘﺎدﻩ ﺑﻮد و ﻫﺮ ﺟﺎﻧﻮری ﺧﺼﻮﺻﺎً ﺳﺘﻮران ﺑﯽ زﺑﺎن‬
‫ﺑﻠﺴﺎن )‪ (19‬اﳊﺎل دﻋﺎی اﺳﺘﺴﻘﺎء اﻓﻴﻀﻮا ﻋﻠﻴﻨﺎ ﻣﻦ اﳌﺎء ﻣﻴﻨﻤﻮد‪.‬‬
‫ﳌﻮﻟﻔﻪ‬
‫دﻳﺪﻩ ﲬﺶ ﺷﺪ زان اﺷﮑﺒﺎر‬ ‫آب ﻃﻠﺐ ﮐﺮدﻩ در آن ﭼﺸﻤﻪ ﺳﺎر‬
‫ﺳﻮز درون ﮔﺸﺘﻪ ﻋﻴﺎن زاﻫﻞ راز‬ ‫)‪ (20‬ﺗﺸﻨﻪ ﻟﺒﺎن ﮐﺮدﻩ زﺑﺎ�ﺎ دراز‬ ‫‪125‬‬
‫اوﻻ ﻟﺸﮑﺮ اﺳﻼم و ﻣﺒﺎرزان ﻣﻘﺪام ﻫﻢ از ﺗﻌﺐ ان ﮔﺮﻣﺎی ﭘﺮ ﳍﺐ و ﺗﺸﻨﮕﯽ ﭘﺮ ﺗﻌﺐ وﻋﻄﺐ ﺗﺸﻨﮕﯽ ﺳﺎﻋﺖ ﻗﻴﺎﻣﺖ و‬
‫)‪(21‬‬
‫َ‬
‫ﮔﺮﻣﺎی ﻗﻴﺎم ﺳﺎﻋﺖ را در ان ﻣﻨﺰل آﺗﺸﺒﺎر ﻫﻮﻳﺪا )‪ (22‬و آﺷﮑﺎر ﻣﯽ ﭘﻨﺪاﺷﺘﻨﺪ و ﻫﺮ ﮐﺲ از اﻫﻞ ﺑﺼﲑت و اﻋﺘﺒﺎر ﺑﺘﺬﮐﺮ و‬
‫َﺷ ﱡﺪ َﺣّﺮاً ﻟﱠﻮ َﮐﺎﻧُﻮاْ ﻳَﻔ َﻘ ُﻬﻮ َن‪.‬‬ ‫ِ ِ‬
‫ﱠﻢ ٔا َ‬
‫ﺗﺬﮐﺎر ﮐﻠﻤﻪٴ ﻣﻮﻋﻈﻪ آﺛﺎر َو ﻗَﺎﻟُﻮاْ َﻻ ﻧَﺘﻔُﺮواْ ﻓﯽ اﳊَّﺮ ﻗُﻞ ﻧَ ُﺎر َﺟ َﻬﻨ َ‬
‫)‪(23‬‬

‫ﺧﻮد را در ﻣﻘﺎم‪ ،‬ﻣﺼﺎﺑﺮت ﺷﺪاﻳﺪ ﻣﻴﺪاﺷﺘﻨﺪ و ﳘﭽﻨﲔ ﮐﺎﻓﺮان ﺗﺸﻨﻪ ﻟﺐ دران )‪ (24‬ﳕﻮﻧﻪ ﻣﻨﺰل ﺑﻮﳍﺐ ﺳﻴﻒ ﻣﺼﻘﻮل ﳎﺎﻫﺪاﻧﺮا‬
‫از ﺣﺴﺮت ﺟﺎم ﺑﻠﻮرﻳﻦ ﺷﺮاب ﭼﻮن ﳌﻌﺎت ﺳﺮآب ﺟﻮﻳﺒﺎری ﭘﺮ از آب )‪ (25‬زﻧﺪﮔﺎﻧﯽ ﻣﯽ اﻧﮕﺎﺷﺘﻨﺪ و ﻫﺮ ﶈﻪ ﺑﺪﻳﺪﻩٴ وﻫﻢ و‬ ‫‪130‬‬

‫‪432b‬‬ ‫ﮔﻤﺎن ﺣﺎﻟﺖ ﳕﻮد ﺑﯽ ﺑﻮد ﳌﻌﺎن ﺳﻴﻒ و ﺳﻨﺎن را ﲝﻘﻴﻘﺖ �ﺮ ﻣﺴﺘﻄﻴﻠﯽ| )‪ (1‬ﭘﺮ آب‪ ،‬ﻣﻘﺘﻀﺎی آﻳﺖ ﻋﺬاب واَﻟﺬﻳﻦ ﮐﻔﺮوا‬
‫اﻋﻤﺎﳍﻢ ﮐﺴﺮاب ﺑﻘﻴﻌﺔ ﲝﺴﺒﺔ اﻟﻈﻤﺎۤن ﻣﺎء ﺣﺘّﯽ اذا ﺟﺎء ﱂ ﲞﺪ ﺷﻴﺌﺎً ﳏﻘﻖ ﻣﻴﺪاﺷﺘﻨﺪ‪.‬‬

‫‪622 An den Rand geschrieben, vgl. oben Fn. 608. Da diese Randanmerkung in die Mitte des Satzes zu‬‬
‫‪integrieren ist, hatte der Autor sie anscheinend nicht als Titel, sondern als Anhaltspunkt für eine‬‬
‫‪bessere Übersicht vorgesehen.‬‬
Hašt behešt 205
(Osmanische Sekundärquellen)

205 {Beschreibung der Hitze auf dem Weg zum Gotteskampf}

und die Berge konnten eine so lange Reise nicht ertragen mit solch einer Trockenheit und Beschreibung der
Hitze
überdies die Wärme des Wetters passend zur Jahreszeit, welche um die Mitte des Sommers
war und der Ort – es war Ḳiʿān 623 – war so stark, dass die feurige Zunge (zabān-e āteš-bār) der Wassermangel

Ruhelosigkeit durstiger war als eine Flamme eines brennenden Feuers, [die] in jeder Quelle
210 ihres Mundes in Entflammung fiel und jedes Tier, vor allem diejenigen ohne Sprache (bi-
zabān). Die Berge sangen durch ihre außerirdische Zunge ein Gebet um Wasser: „Gießt
(doch etwas) Wasser auf uns (herab)“.624

[Gedicht] des Autors:


Die durstigen Menschen streckten ihre Zunge aus für Wasser.
215 Die innere Flamme kann die Zunge nicht für immer halten.
In diesem trockenen Land der Quellen begannen sie zu weinen,
Sie weinten bis ihre Quelle der Augen trocken wurde.

Zunächst, wegen des Erleidens dieser äußersten Hitze und des Durstes, dachten das Heer
des Islams und die hoch geschätzten Krieger [- in solch eine Sinnestäuschung waren sie
220 geraten -], dass sie in der Hitze des Jüngsten Tages (sāʿat-e ḳiyāmat) waren oder im Durst der
Zeit der Wiederauferstehung (ḳiyām-e sāʿat), und jeder von ihnen, der geschickter war in
Hellseherei und Rezitieren der Erinnerung625, kann das predigende Wort der (gewaltigen)
Merkmale [dieser höllengleichen Lage] lesen: „(...) und sie sagten: 'Rückt (doch) nicht in die
Hitze aus!' Sag: Das Feuer der Hölle ist heißer.“626
225 Auf der anderen Seite waren die Ungläubigen in dieser bulahabischen Lage627 so durstig,
dass sie, im Verlangen nach einem Glas Wasser, (umherirrend) die polierten, glänzenden
Schwerter der Glaubenskämpfer für ein Trugbild von Wasser [und] für eine Quelle des
Lebens hielten und jeder zerstreute Strahl im Auge des Trugbildes und des Wahns zu einer
eingebildeten Sache wurde, welche diese Schwerter und Schilde widerspiegelte in der
230 Gestalt eines länglichen Flusses (nahr-e mostaṭili) voller Wasser und das war der Fall und auch
ein Beweis dafür [ist] dieser Koranvers: „Die Handlungen der Ungläubigen sind dagegen
wie eine Luftspiegelung in einer Ebene. Wenn einer (unterwegs ist und) unter Durst leidet,
hält er es für Wasser.“628.

623 Unbekannt; vielleicht der Monat Juni.


624 Kurʾan 7,50 (PARET 19802, S. 112); Die Insassen der Höllen flehen die Bewohner des Paradieses an.
625 Gemeint ist, dass die Feldzugsteilnehmer Koranverse rezitierten, um für die Überwindung der
widrigen Situation zu beten.
626 Kurʾan 9,81 (ebd., S. 140).
627 Bulahab war der Onkel Mohammeds. Er verleugnete seinen Neffen und ist seither zu den
furchtbarsten Höllenqualen verdammt. Der Autor verwendet hier seinen Platz in der Hölle als eine
Metapher für einen äußerst heißen Ort.
628 Kurʾan 24,39 (ebd., S. 247).
‫‪206‬‬ ‫‪Idrīs Bitlīsi‬‬
‫)‪(Osmanische Sekundärquellen‬‬

‫)‪ (2‬ﳌﻮﻟﻔﻪ‬
‫ﺳﲑ ﮐﻨﺪ ﺣﻠﻖ ﻋﺪو را ز آب‬ ‫ﺗﻴﻎ ﺗﻮ دارد ﺻﻔﺖ آﻓﺘﺎب‬
‫از ﺳﻮرت ﮔﺮﻣﺎ و ﺷ ّﺪت ﺿﻤﺎء ﻣﺎء ﻫﻴﭻ ﭼﺸﻢ ﺟﻮﻳﻨﺪﻩٴ ﺳﺮﭼﺸﻤﻪٴ )‪ (3‬آب روان ﺑﻐﲑ از ﻣﻨﺎﺑﺖ ﺷﻌﻮر و ﻣﺴﺎﻣﺎت ﻋﺮوق‬ ‫‪135‬‬

‫ﻋﺮق رﻳﺰان ﳕﯽ ﻳﺎﻓﺖ و ﻫﻴﭻ ﳌﻌﻪٴ ﻣﻮﺟﯽ ﺑﺮ ﺳﻄﺢ آب روان ﺑﻐﲑ از )‪ (4‬ﺣﻠﻘﻬﺎی زرﻩ ﺑﺮ ﺗﻦ ﻋﺮﻗﻨﺎک ﺟﻮﺷﻦ ﭘﻮﺷﺎن ﻋﻄﺸﺎن‬
‫ﭘﻴﺶ دﻳﺪﻩ ﳘﮕﻨﺎن ﳕﯽ ﺗﺎﻓﺖ‪ .‬اﻟﺴﻨﻪ آﺳﻨﻪ و ﴰﺸﲑ اﺑﺪار در دﻫﺎن )‪ (5‬ﻧﻴﺎم و ﮐﺎم ﻗﺮاب از ﮔﺮﻣﯽ ﺣﺮب و اﻟﺘﺤﺎم ﺧﺸﮏ‬
‫ﻟﺐ و ﺑﯽ آب ﻣﺎﻧﺪﻩ و ﻃﺎﻳﻔﻪٴ اﻧﺴﺎن اﻟﻌﲔ دران ﺻﺤﺎری و ﻓﻠﻮات )‪ (6‬اﺷﮏ ﺷﻮرﲞﺘﺎن وادی ﻋﺸﻖ را آب ﻋﺬب ﻓﺮات‬
‫ﺧﻮاﻧﺪﻩ‪.‬‬
‫ﺑﻴﺖ‬ ‫‪140‬‬
‫ﲜﺰ آب ﺷﻮر دﻳﺪﻩ ﺑﮑﻨﺎرﺷﺎن ﻧﻴﺎﻣﺪ‬ ‫ﺷﺐ و روز ﺗﺸﻨﻪ ﻣﺎﻧﺪﻩ ﺑﺎﻣﻴﺪات ﺻﻮان‬
‫)‪ (7‬و زﺑﺎن ﺗﺸﻨﻪ ﻟﺒﺎن ﻓﻴﺎ ﻓﯽ ﺳﻴﻤﺎن ﺑﺎ ﻣﺮدﻣﮏ دﻳﺪﻩٴ ﮔﺮﻳﺎن ﻋﺎﺷﻘﺎن ﺑﺎﻳﻦ ﻧﻮای ﭘﺮ ﺣﺴﺮت و ﻧﺪای ﺑﺎ ﺿﺠﺮت رﻃﺐ‬
‫اﻟﻠﺴﺎن )‪ (8‬ﻣﯽ راﻧﺪ‪.‬‬
‫ﺷﻌﺮ‬
‫ﺗﻮ ﻗﺪر آب ﭼﺪاﻧﯽ ﮐﻪ ﺑﺮ ﮐﻨﺎر ﻓﺮاﺗﯽ‬ ‫اﳌﺼﺎﻧﻊ رﮐﺒَﺎﺗَﻴﻢ ﻓﯽ اﻟ َﻔﻠَﻮاَت‬
‫َﺳﻞ َ‬
‫‪145‬‬

‫ﺑﻨﺎﺑﺮاﻳﻦ ﻣﻘﺪﻣﺎت از ﺑﯽ ﺗﺎﺑﯽ )‪ (9‬ﻟﺸﮑﺮ در ﺗﺎب ﮔﺮﻣﺎی آن ﻣﻨﺰل })‪ (1‬ﰉ آن و از ﻃﻨﯩﺎن آن وﻓﻐﺎن ﺗﺸﻨﮕﺎن )‪ (2‬ان ﻣﺮﺣﻠﻪٴ ﭘﺮ‬
‫ﺳﺮ آب ﺳﻠﻄﺎن در آن ﻣﺮﺣﻠﻪ )‪ (3‬ﺑﺸﺘﺎب ﻋﺒﻮر ﻓﺮﻣﻮد و از ﻣﻨﺰل{‪ 629‬اﺑﺪار‪ ،‬ﺳﻘﺎﻳﺎن را ﺑﺎ راوﻳﻬﺎی ﺑﯽ ﴰﺎر ﺑﺎﺳﺘﻘﺒﺎل‬
‫‪F‬‬
‫‪826‬‬

‫ﺑﺎزﻣﺎﻧﺪﻩ ﻫﺎی ﻋﺴﺎﮐﺮ ﻓﺮﺳﺘﺎد ﻫﻨﻮز اﮐﺜﺮ )‪ (10‬ﻟﺸﮑﺮ ﺑﺮ ﺳﺮ آب ﺑﻘﺪر ﮐﻔﺎﻳﺖ ﺳﲑاب ﻧﺸﺪﻩ ﺑﻨﺎﮔﺎﻩ از ﻣﻘﺎﺑﻞ ﻧﺂ�ﺎ دﻳﺪﻩ ﺑﺎﻧﺎن‬
‫ﭼﻨﲔ ﺧﱪ رﺳﻴﺪ ﮐﻪ ﺣﺎﮐﻢ اﻓﻼق ﺑﺎ ﲤﺎم ﻟﺸﮑﺮ ﺧﻮد )‪ (11‬درﻳﻦ ﳏﻞ ﻣﺘﻮﺟﻪ ﻣﻌﺮﮐﻪٴ ﺟﺪال ﺷﺪﻩ و راﻳﺎت ﺧﻼف و ﻗﺘﺎل را‬
‫ﻣﻴﺎن ﺳﭙﺎﻩ ﺧﻮد ﺑﺮ اﻧﮕﻴﺨﺘﻪ ‪ ،630‬در ﻣﻘﺎم ﻗﺘﺎل اﺳﺖ‪ .‬ﺳﻠﻄﺎن )‪ (12‬ﻧﻴﺰ ﺟﻬﺖ رﻋﺎﻳﺖ ﺣﺰم و ﺗﺎ اﻗﱰان آن ﺧﱪ ارﺟﺎف ﲟﺮﺗﺒﻪٴ‬
‫‪F629‬‬
‫‪150‬‬
‫و ﺑﺮ ﻣﻴﻤﻨﻪ و ﻣﻴﺴﺮﻩ و ﻗﻠﺐ و ﺟﻨﺎح ﺑﻌﻀﯽ اﻣﺮای ﮐﺎردان‬ ‫)‪(13‬‬ ‫ﻳﻘﲔ و ﺟﺰم ﻟﺸﮑﺮﻳﺎن ﳎﺎﻫﺪ را ﲝﻤﻞ ﺳﻼح ﻣﺎﻣﻮر داﺷﺖ‬
‫ٴ‬
‫ﺑﻴﮏ اورﻧﻮﺳﯽ و ﻣﻴﺨﺎل اﻏﻠﯽ ﻋﻠﯽ ﺑﻴﮏ و ﺑﺎﻟﯽ ﺑﻴﮏ‬ ‫)‪(14‬‬ ‫ﮔﻤﺎﺷﺖ و ﺑﺮ ﻣﻴﻤﻨﻪ] [ ﻣﻴﻤﻮن اﻟﻔﺎل ﻋﻤﺮ ﺑﻴﮏ دورﺧﺎن و اﲪﺪ‬
‫ٴ‬
‫ﻣﺒﺸﺮﻩ ﻧﺼﻮح ﺑﻴﮏ ﺣﺎﮐﻢ ارﻧﺎوت و اﻣﻮر ﺑﻴﮏ‬ ‫] [ )‪(15‬‬ ‫ﻣﻠﻘﻮج ‪ 631‬اﻏﻠﯽ ﺑﺎ دﻳﮕﺮ ﺳﭙﻬﺪاران ﻧﺎﻣﺪار را ﺑﺎزداﺷﺖ و در ﻣﻴﺴﺮﻩ‬
‫‪F630‬‬

‫دوﻟﻮ اﻏﻠﯽ و اﺳﮑﻨﺪر ﺑﻴﮏ ﻣﻨﺤﺎل و ﺳﺎﻳﺮ اﮐﻔﺎ و اﻣﺜﺎل را ﺑﺮ ﮔﻤﺎﺷﺖ‪.‬‬

‫‪629 Am Rand auf drei Zeilen. Die Ergänzung kann nur vom Autor stammen, da sie mit der Abkürzung‬‬
‫‪ (= „richtig“) belegt ist.‬ﺻﺢ‬
‫‪630 Schwer leserlich.‬‬
‫‪.‬ق ‪. Ohne Diakritikum auf‬ﻣﻠﻘﻮج ‪631 Für‬‬
Hašt behešt 207
(Osmanische Sekundärquellen)

[Gedicht] des Autors:


235 Dein Schwert eignete sich die höchste Beschaffenheit der Sonne an,
[Wie auch immer] sättigt es mit Wasser die Kehle des Feindes.

Wegen der großen Hitze und des Wassermangels konnte kein Auge eines Kundschafters
eine Wasserquelle oder fließendes Wasser erspähen außer das Austreten von Schweiß oder
schwitzende Menschen oder die Abflüsse der Vernunft (manābat-e šoʿur) und auch nicht „die
240 Spiegelung einer Welle“ (lemʿe-ye muǧi), die von der Oberfläche des fließenden Wassers in die
Augen der Gefährten umherirrte. Die Zunge der glänzenden Schwerter und die Klingen
blieben trocken und ausgetrocknete Lippen im Mantel und der Mund im Umhang wegen
der Hitze des Krieges und des Fiebers, und der Stamm des Menschen (tāʿefe-ye ensān) in
diesen Wüsten und (dieser) Einöde war in einem solchen Ausmaß des Durstes, dass er die
245 Tränen der unglücklichen Menschen aufnahm wie das Wasser des Euphrates.632

Doppelvers:
Tag und Nacht in Sehnsucht wartend auf ein Wiedersehen mit dir,
Außer Tränen wurde ihnen nichts anderes zuteil.

Und die Zunge der durstigen Menschen in Einklang mit den tränenden Augen sang eine
250 sehnsüchtige Melodie und ein wehmütiges Lied.

Gedicht:
Wie wirst du jemals den Wert des Wassers erfahren,
Wenn du in den Gestaden des Euphrates lebst?

Nach diesem Vorspiel (mokaddemāt) [und] {nachdem das Heer in der Hitze jenes wasserlosen
255 Ortes ungeduldig geworden war, und das Jammern und das Klagen jener an Wahnbildern
vollen Marschetappe emporstiegen, durchzog der Sultan [in größter Eile] diese Etappe}633
und entsandte die Wasserträger (saqāyān) mit Wasserkrügen (?) (rāvi) aus dem bewässerten
Ort zum Empfang der Überlebenden (bazmandehay) des Heeres. Sie waren noch nicht Plötzliches
Erscheinen des
gesättigt, als plötzlich ein Bericht von den Wachen eintraf, dass der Herrscher der Walachei Feindes

260 zu dieser Stellung vorgedrungen ist, bereit ist zu kämpfen, die Flaggen des Widerstands und
des Gemetzels unter seinem Heer erhoben hat, in der Absicht zu töten.
Der Sultan, festhaltend an der Umsicht, wartete, bis er der Richtigkeit der Botschaft gewiss
war, und befahl den Soldaten sodann, ihre Waffen zu ziehen, wobei er fähige Feldherren Kommandanten des
rechten und linken
(omerā-e gārdān) an die rechte und linke Seite und zum Herz des Heeres sandte. Er stellte Flügels

265 Umur Beğ [den Sohn des] Durhan und Ahmed Beğ Evrenosi und Ali Beğ, den Sohn (oğul)
Mihals und Bali Beğ den Sohn (oğul) des Malkoç und einige andere bekannte Feldherren auf
die rechte Seite und auf die glückvolle linke Nasuh Beğ, den Herrscher Albaniens, und
Umur Beğ, den Sohn Develüs und Iskender Beğ, den Sohn des Mihal und ebenso andere.

632 Bekannt für sein klares, angenehmes Wasser.


633 Ergänzung des Autors. Vgl. Originaltext.
‫‪208‬‬ ‫‪Idrīs Bitlīsi‬‬
‫)‪(Osmanische Sekundärquellen‬‬

‫ﺷﻌﺮ‬ ‫‪155‬‬

‫ﻣﻦ اﻟﻨَـ ْﻘ ِﻊ واﻟﻄَ ِﲑ اﳊَﻮاﺋﻢ ﺑُﺮﻗُﻌﺎ‬ ‫ﻟﺒﺴﺖ ﺑﻪ‬ ‫و ﺟﻴﺶ َﻛﺎ ﱠن َ‬


‫اﻟﺸﻤﺲ ﻗَﺪ َ‬
‫)‪(16‬‬

‫ﻒ ِﻣﺜﻠَ َﻤﺎ‬ ‫ِ‬


‫َﺷ َﻘ َﻘﺖ ﺑِﻨﺼﻔﲔ اﻟ ِﺮَداء اﳌﻮﺷ َ‬
‫ﱠﻌﺎ‬ ‫اﻟﺼ ّ‬
‫َﺷ َﻘ َﻘﺖ اَﱃ اَﺑﻈَﺎﻟﻪ َ‬
‫)‪ (17‬ﺑﻌﺪ از اﺳﺘﮑﺸﺎف اﻳﻦ ﺧﱪ‪ ،‬اﻗﺪام ﮐﻔﺎر ﭼﻨﺎن ﲟﻨﺼﻪٴ اﻇﻬﺎر رﺳﻴﺪە ﮐﻪ ﺣﺎﮐﻢ ﺑﻐﺪان ﮐﻪ ﺑﺎ ﺣﺎﮐﻢ اﻓﻼق ﻋﺪاوت ﲤﺎم‬
‫داﺷﺘﻪ )‪ (18‬در ﺑﻦ ﺗﻮﺟﻪ ﺳﻠﻄﺎن ﺣﺎﮐﻢ اﻓﻼق ﻟﺸﮑﺮ ﺑﻐﺪان را ﻣﻨﺘﻬﺰ ﻓﺮﺻﺖ اﻧﺘﻘﺎم از ﳑﻠﮑﺖ اﻓﻼق ﻣﯽ ﭘﻨﺪاﺷﺘﻪ و ﺑﻨﺎﺑﺮاﻳﻦ‬
‫اﺣﺘﻴﺎط )‪ (19‬ﻧﻪ ﻣﺴﺘﺤﻖ ﻟﺸﮑﺮ ﺧﻮد را ﺑﺮ ﻣﻘﺎﺑﻠﻪ ﻋﺴﺎﮐﺮ ﺑﻐﺪان ﮔﺬاﺷﺘﻪ و آن ﮐﺎﻓﺮان ﻧﺎدان از ﲨﺎﻋﺖ اﻗﻨﺠﻴﺎن ‪ 634‬و‬
‫‪F 63‬‬
‫‪160‬‬

‫ﺳﭙﻬﺴﺎﻻر اﻳﺸﺎن )‪ (20‬اورﻧﻮس ﺑﻴﮏ وﻟﺪ ﻋﻠﯽ ﺑﻴﮏ ﺑﻮد ﺧﱪدار ﺷﺪﻩ اﻧﺪ ﮐﻪ ﻏﺎرت و اﺳﲑ ﺑﯽ ﻗﻴﺎس ﮔﺮﻓﺘﻪ ﻋﻤﺎﻗﺮﻳﺐ از‬
‫ﻧﺰدﻳﮑﯽ اﻳﺸﺎن ﻋﻮد )‪ (21‬ﻣﻴﻨﻤﺎﻳﻨﺪ و ﲨﻊ ﮐﻠﯽ ﮐﺮدﻩ ﮐﻪ در ﺗﻨﮕﻨﺎی ﺑﻌﻀﯽ ﻃﺮق ﺑﺴﺮ راﻩ اﻳﺸﺎن آﻳﻨﺪ و دﺳﺖ ﺑﺮدی ﲤﺎم‬
‫ﮐﺮدﻩ اﺳﲑاﻧﺮا ﺑﺎزﮔﺮداﻧﻨﺪ ‪ (22) -‬و ﭼﻮن ﻣﺮدم ﻏﺎرﺗﯽ ﻣﺘﻔﺮق و ﻣﻘﻴﺪ ﺑﺎﻣﻮال اﻧﺪ‪ -‬در ﻗﺘﻞ و ﻗﻄﻊ اﻳﺸﺎن ﮐﻮﺷﻨﺪ ﺑﺎﻧﭽﻪ ﺗﻮاﻧﻨﺪ‪.‬‬
‫اﺗﻔﺎﻗﺎ اﻳﻦ ﺳﻴﺎﻫﯽ )‪ (23‬ﺳﭙﺎﻩ ﺳﻠﻄﺎن ﻣﻼﻳﮏ ﭘﻨﺎﻩ را از دور دﻳﺪﻩ آن]را[ ﲨﺎﻋﺖ ﻏﺎرﺗﮕﺮان ﭘﻨﺪاﺷﺘﻪ اﻧﺪ و ﺟﻠﻮ زﻳﺮ ﻋﻨﺎن‬
‫ﻋﺰﳝﺖ را )‪ (24‬ﲞﻮﻧﺮﻳﺰی و ﻗﻬﺮ اﻳﺸﺎن ﺑﺎزﮔﺬاﺷﺘﻪ اﻧﺪ ﭼﻮن ﻏﻄﺎء ﺧﻄﺎ و ﻏﺒﺎر اﺷﺘﺒﺎﻩ از ﭘﻴﺶ دﻳﺪﻩٴ ﻇﺎﻫﺮ ﺑﲔ آن ﮐﻔﺎر‬ ‫‪165‬‬

‫‪433 a‬‬ ‫ﺑﺮﮔﺸﺘﻪ )‪ (25‬روزﮔﺎر ﺑﺮﺧﺎﺳﺖ و ﻣﺸﺎﻃﻪٴ ﺑﺼﲑت و اﻗﺒﺎل راﻳﺎت اﺳﻼﻣﻴﺎن را در ﻃﻼﻳﻊ اﻃﻼل ﺑﺮﻳﻦ ﺣﺎل ﺑﻴﺎراﺳﺖ | )‪ (1‬آن‬
‫ﻛﺎﻓﺮان ﮔﻤﺮاﻩ را ﻣﻌﺎﻳﻦ و ﻣﻌﲔ ﺷﺪ ﮐﻪ اﻳﻦ ﭼﻨﺪ ﺻﻒ ﻟﺸﮑﺮ ﮐﻪ ﺑﭽﺸﻢ ﺧﻄﺎﺑﲔ اﻳﺸﺎن ﳕﻮدﻩ ﮔﻮﺷﻪ ای از درﻳﺎی ﻣﻮاج )‪(2‬‬

‫ﻟﺸﮑﺮ ﺳﻠﻄﺎن اﺳﺖ و اﻳﻦ ﺻﻔﻮف ﺳﭙﺎﻩ ﮐﻪ ﺑﺮ ﻣﻘﺪﻣﻪ ی آن ﭘﺎدﺷﺎﻩ اﺳﻼم ﭘﻨﺎﻩ ﲜﻨﺒﺶ آﻣﺪﻩ ﻣﻮﺟﯽ ﭼﻨﺪ ﺑﺮ ﺳﺎﺣﻞ‬
‫ﮔﺎر وی ﺑﻔﺮار و ادﺑﺎر‪ -‬ﺑﺮ )‪(4‬‬
‫ﻋﻤﺎل )‪ (3‬ﺟﻨﻮد ﺑﯽ ﮐﻨﺎر و ﮐﺮان اﺳﺖ و ﺑﻴﮑﺒﺎر ﺑﻌﺪ از اﻃﻼع ﺑﺮ ﺣﻘﻴﻘﺖ ﮐﺎر آن ﮐﻨﺎر ﺗﺒﻪ روز‬
‫وﻓﻖ و او ﻗﺎﺗﻠﮑﻢ اﻟﺬﻳﻦ ﮐﻔﺮ و اﻟﻮﻟﻮ اﻻدﺑﺎر ‪ -‬ﺑﺮ ﺗﺎﻓﺘﻨﺪ و ﻋﺴﺎﮐﺮ اﺳﻼﻣﯽ ﻓﺮﺻﺘﯽ ﺑﯽ اﻧﺘﻈﺎر و اﺧﺘﻴﺎر ﺑﺮ ﻟﺸﮑﺮ ﻣﻬﺰوم )‪(5‬‬ ‫‪170‬‬
‫ﮐﺎن ﻳﺎﻓﺘﻨﺪ و ﺑﻌﻀﯽ ﻣﺒﺎرزان و اﺑﻄﺎل از ﻋﻘﺐ اﻳﺸﺎن ﺑﺎﺳﺘﻌﺠﺎل ﭼﻮن اﻣﻼک آﺣﺎل رواﻧﻪ ﮔﺸﺘﻨﺪ و در ﻫﺮ ﮐﺮﻳﻮﻩ و )‪(6‬‬ ‫ﻣﺸﺮ‬
‫ﮐﻮﻩ‪ ،‬ﮔﺮوﻩ ﮔﺮوﻩ را ﻣﻴﮕﺮﻓﺘﻨﺪ و ﻣﻴﮑﺸﺘﻨﺪ ﺗﺎ اﻧﮑﻪ از ان ﻧﻪ ﺻﻒ ﻋﺴﺎﮐﺮ ﮐﻔﺎر ﻳﮏ ﺻﻒ از ان ﮔﺮﻳﺰ ﮔﺎﻩ ﻧﻴﻢ ﺟﺎﻧﯽ‬
‫ﺑﲑون )‪ (7‬ﺑﺮدﻩ ﺑﻮدﻧﺪ و ان ﮔﺮوﻩ ﻫﻢ اﺗﻔﺎﻗﺎ ﺑﺴﭙﺎﻩ اﻗﻨﺠﻴﺎن ‪ 635‬ﻏﺰاﻩ و اورﻧﻮس ﺑﻴﮏ ﺑﯽ اﺧﺘﻴﺎر ﻣﺼﺎدﻓﻪ ﳕﻮد و اﮔﺮ ﭼﻪ‬
‫‪F634‬‬

‫ﻓﺎﻣﺎ ﺑﻌﺪ از اﻃﻼع ﺑﺮ ﻣﺎﺟﺮی ‪ 636‬ﺑﺮﻋﻘﺐ آن‬


‫‪F635‬‬

‫ﻟﺸﮑﺮ اﺳﻼم در ﻫﺪاﻳﺖ ﺣﺎل از ان ﻣﻘﺎﺑﻠﻪ ﺧﺎﻳﻒ و ﻫﺮاﺳﺎن ﺷﺪﻧﺪ ّ‬


‫)‪(8‬‬

‫ﻫﺰﳝﺖ )‪ (9‬دﻳﺪﮔﺎن ﺷﺘﺎﺑﺎن ﮔﺸﺘﻨﺪ و اﮐﺜﺮ اﻳﺸﺎﻧﺮا ﲜﺰای اﻋﻤﺎل و ﻧﻴﺎت ﺧﻮد رﺳﺎﻧﻴﺪﻩ ﻣﯽ ﮐﺸﺘﻨﺪ ﭼﻨﺎﻧﭽﻪ در ان ا�ﺰام‬ ‫‪175‬‬
‫ﻣﻮازی )‪ (10‬ﻫﻔﺖ ﻫﺰار ﻣﺮد ﻣﮑﻤﻞ از ان ﺳﭙﺎﻩ اﻋﺪاء دﻳﻦ‪ ،‬ﻃﻌﻤﻪ ﺗﻴﻎ اﻧﺘﻘﺎم و ﴰﺸﲑ ﮐﲔ ﻏﺰاء ﳎﺎﻫﺪﻳﻦ ﺷﺪﻧﺪ‬

‫‪. Vgl. oben.‬ج ‪ und‬ق ‪634 Ohne Diakritika bei‬‬


‫‪ geschrieben.‬ﺝ ‪ ist wie ein‬ﻕ ‪635 Das‬‬
‫‪.‬ﻣﺎﺟﺮا ‪636 Eigentlich‬‬
Hašt behešt 209
(Osmanische Sekundärquellen)

Verse:
Ein Heer, also ob sich die Sonne mit ihm bekleidet hat
270 [Versehen mit] einem Schleier von Staub und kreisenden Vögeln
Zerriss die Aufstellung [der Feinde] bis zur Vernichtung,
Wie sie den (auf)gewickelten Gürtel [Mantel?] [des Staubes?] in zwei Hälften riss.637

Als diese Nachricht herauskam, trat die (Kampf)bereitschaft der Ungläubigen zutage, [und
zwar dadurch], dass der Herr (hakim) der Moldau, welcher mit dem Herr der Walachei
275 vollkommen verfeindet war, die [beste] Gelegengenheit fand, seine Rache mit der V.s Feindschaft mit
der Moldau und seine
Zustimmung des Sultans zu nehmen. Als Vorsichtsmaßnahe stellte [der walachische Maßnahmen
Woiwode] ausgewählte (Männer) aus seinem Heer bereit, um gegen das Heer der Moldau
zu kämpfen.638 Und jene unwissenden Ungläubigen [aus den ausgewählten walachischen
Männern] erfuhren von den Streifzüglern und (von) deren Anführer Ali Beğ, dem Sohn des
280 Evrenos Beğ und dass [die Streifzügler] gewaltig geplündert und [viele] Menschen gefangen Walachisches Heer
erfährt von den akıncıs
genommen und viele von den Gefangenen zurückgelassen hatten. Da [diese Streifzügler auf Ali Beğs
der Suche nach] Beute zerstreut waren und hinter den [erbeuteten] Sachen liefen, haben Eine walachische
Abteilung trifft auf
[die Walachen] so viele sie konnten getötet und [ihr Leben] abgebrochen. Und jenem die müden akıncıs
verdorbenen Ungläubigen wurde klar und gewiss, dass diese Reihen der Heere, welche sie Hauptheer mit akıncıs
verwechselt und
285 mit ihren verwirrten Augen gesehen hatten, ein Teil des wellenden Meeres des Sultans sind. angegriffen
Und diese Reihen des Heeres, welche bei der Vorhut jenes Großherrn, der die Zuflucht des
Islams (ist), in Bewegung gekommen sind, sind [wie] Wellen unzähliger Soldaten. Und auf
einmal, als die unzähligen Kämpfer des [walachischen] Heeres über die Wahrheit der
Angelegenheit jener verdorbenen Außenseiter erfahren hatten, begaben sie sich, wie
290 erwartet, auf die Flucht und gemäß [dem Koranvers] „Und wenn diejenigen, die ungläubig
sind, gegen euch gekämpft hätten, hätten sie (alsbald) den Rücken gekehrt (und wären
geflohen)“639 wendeten sie sich ab. Und das islamische Heer nutzte diese plötzliche
Gelegenheit und erreichte eine vollständige Führung über das zerstreute Heer dieser
Götzendiener. Einige von ihnen jagten hinter ihnen her in einer so ungeheuerlichen Eile, als
295 wären sie die Engel des Todes. Sie töteten sie in Gruppen, wo immer sie sie fanden in den
Bergen und Engpässen, bis nur noch eine Reihe halbtoter, geretteter Soldaten übrig blieb
von diesem neun Mal unterteilten640 Heer, aber auch dann stießen sie plötzlich mit der
Streifzüglerabteilung des Evrenos Beğ zusammen. Obwohl die Muslime zu Beginn
beunruhigt wurden und sich fürchteten vor diesem Zusammenstoß, fanden sie aber,
300 nachdem sie die Geschichte der schrecklichen Furcht dieser Flüchtlinge (hezimat-e didgān)
erfuhren, [ihr Selbstvertrauen wieder, und] sie stürmten und fügten ihnen wegen ihrer Akıncıs massakrieren
sündigen Taten und Absichten (durch ihre bezwingende Kraft) die (Todes-)Strafe zu, so dass 7.000 Feinde

bei dieser Niederlage etwa 7.000 Krieger dieses Heeres von Feinden der Religion zu Opfern
des Schwertes und der Rache und der Klinge der Gegnerschaft der Glaubenskämpfer
305 wurden.

637 Verse des arabischen Dichters Abu’l Ḥasan ʿAlī b. Muḥammad at-Tihāmī (gest. 1025).
638 Für Details zum Konflikt zwischen Vlad und Stefan dem Großen vgl. Chalkokondyles (←), S. 27.
639 Kur’an 48,22 (PARET 19802, S. 112).
640 D.h. das walachische Heer war in neun Abteilungen unterteilt.
‫‪210‬‬ ‫‪Idrīs Bitlīsi‬‬
‫)‪(Osmanische Sekundärquellen‬‬

‫و ﭼﻨﺪﻳﻦ دﻳﮕﺮ )‪ (11‬در ﻗﻴﺪ زﳒﲑ و ﮔﺮﻓﺘﺎر‪ ,‬اﺳﺎر و ﺧﺎر ﮔﺸﺘﻨﺪ‪.‬‬


‫ﺑﻴﺖ‬
‫ﺧﺎک ادرﻳﺎ رود ﭘﺲ اﻧﮕﻴﺰد‬ ‫ﺧﺼﻢ ﺗﻮ ﭼﻮﻧﮑﻪ از ﺗﻮ ﺑﮕﺮﻳﺰد‬
‫ﻗﻬﺮ ﮐﺮدی و ﺧﻮد ﺳﺰا اﻳﻦ ﺑﻮد‬ ‫)‪ (12‬ﭼﻮﻧﮑﻪ او ﺧﺼﻢ دوﻟﺖ و دﻳﻦ ﺑﻮد‬
‫‪180‬‬
‫و ﺑﻌﺪ از~]ا[ﻳﻦ ﺣﺎدﺛﻪ ﻣﻮازی ﻳﮏ~ﻣﺎﻩ‪ ،‬روزﮔﺎران ﺧﻮرﺷﻴﺪ )‪ (13‬ﺟﻬﺎﻧﮕﺮد ﻓﻠﮏ ﮐﺮدار زان ﻣﻬﺮ ﻋﺎﱂ دار ﺳﭙﻬﺮ ﻣﻘﺪار ﺑﺎ‬
‫ﭼﻨﺎن ﺳﭙﺎﻫﯽ ﺳﺘﺎرﻩ ﻋﺪد و ﺟﻨﻮد ﻣﻼﻳﮏ ﻣﺪد در ﮐﻮﻩ و ﺻﺤﺮا )‪ (14‬و وﻫﺎد و اﲢﺎد ﳑﻠﮑﺖ اﻓﻼق ﺳﺎﻳﺮ و داﻳﺮ ﻣﯽ ﺑﻮدﻧﺪ و‬
‫ﳏﻞ آن ﮐﺎﻓﺮ ﻃﺎﻏﯽ ﮐﻪ ﺣﺎﮐﻢ اﳒﺎ ﺑﻮد اﺳﺘﻘﺮاٴ اﺳﺘﻘﺼﺎ ﻣﯽ )‪ (15‬ﳕﻮدﻧﺪ و در~]ا[ﻳﻦ اوﻗﺎت ﻫﺮ ﮐﺲ از ﺷﺮﻳﻒ و دﻧﯽ و‬
‫ﻗﺎﺻﯽ و داﻧﯽ ﺳﭙﺎﻩ ﳎﺎﻫﺪان ﺑﺎﺳﺘﻴﻔﺎ]ٴ[ ﺣﻈﻮظ ﮐﺎﻣﺮان ﺷﺪﻧﺪ و ﻫﺮ )‪ (16‬ﮐﺪام از ان ﻏﺎﳕﺎن را ﭼﻨﺪﻳﻦ ﺣﻮروﺷﺎن ﭘﺮی ﳒﺎد‬
‫ﺑﺪﺳﺖ ﺗﺼﺮف اﻓﺘﺎد و ﻫﺮ ﺟﻮاﳕﺮدی آزادﻩ را ﭼﻨﺪﻳﻦ ﻏﻼم )‪ (17‬ﻳﻮﺳﻒ ﻣﺜﺎل ﺑﺪﻳﻊ اﳉﻤﺎل در ﺳﻠﮏ ﻋﺒﻮدﻳﺖ و اﺳﱰﻓﺎق‬ ‫‪185‬‬
‫ﲟﻼزﻣﺖ ﺑﺮ ﭘﺎی اﻳﺴﺘﺎدﻩ‬
‫ﻧﻈﻢ‬
‫ﺑﺮ ﺑﺰﻣﯽ ﺑﺸﺘﯽ از ﻧﮑﻮﻳﯽ‬ ‫ﮔﻠﺴﺘﺎﻧﯽ ﳘﻪ در ﺧﻮﺑﺮوﻳﯽ‬
‫ﺳﺘﺎرﻩ از ﻏﻼﻣﯽ ﺳﺮو آزاد‬ ‫)‪ (18‬ﺑﻪ ﭘﻴﺶ ﻋﺎرض و آن ﻗﺪ ﴰﺸﺎد‬
‫ﻧﺎﮔﺎﻩ در~]ا[ﻳﻦ اﺛﻨﺎی دوران )‪ (19‬ﻣﻮاﮐﺐ ﮐﻮاﮐﺐ ﺳﲑان و در ﻋﲔ ﲢﻘﻴﻖ و ﺗﻔﺤﺺ ﻣﻘﺮ و ﻣﻘﺮ آن ﺳﺮ ﺧﻴﻞ اﻫﻞ ﮐﻔﺮ و‬ ‫‪190‬‬

‫ﻃﻐﻴﺎن در ﺷﺐ ﻣﻈﻠﻤﯽ ﮐﻪ ﻣﻠﮏ ﮔﻴﺘﯽ از ‪ (20) 641‬ﺗﺮﮐﺘﺎز ﺧﻮرﺷﻴﺪ ﺟﻬﺎﻧﮕﲑ آرﻣﻴﺪﻩ ﺑﻮد و از ﻣﺴﺎﮐﻦ راﺣﺖ و اﳒﻤﻦ‬
‫‪F640‬‬

‫اﺳﱰاﺣﺖ ﳎﺎﻫﺪان وﺣﻮش وﺣﺸﺖ و ﻃﻴﻮر )‪ (21‬دﺷﺖ رﻣﻴﺪﻩ‬


‫ﺑﻴﺖ‬
‫ﻧﻪ ﺧﻮرﺷﻴﺪ ﭘﻴﺪا ﻧﻪ ﭘﺮوﻳﻦ ﻧﻪ ﻣﺎﻩ‬ ‫ﺷﺒﯽ ﺑﻮد ﻣﺎﻧﻨﺪ ﻗﻄﺮان ﺳﻴﺎﻩ‬

‫‪641 Wiederholt sich.‬‬


Hašt behešt 211
(Osmanische Sekundärquellen)

Und viele von ihnen wurden so gefangen von Kette und Seil, sie wurden gefasst und
erniedrigt.

Doppelvers[e]:
Wenn dein Feind zu entkommen beginnt,
310 Wird die Wüste wie ein Ozean.
Du wurdest unterdrückt und das war reine Gerechtigkeit,
Denn er war der Feind der Herrschaft und der Religion.

Nach diesem Ereignis und etwa einen Monat lang danach genossen die ganze Zeit über der Sultan verweilt einen
Monat in der
König und sein großes Heer, zahllos wie die Sterne im Himmel, und die Soldaten, denen Walachei

315 die Engel halfen, ihren Sieg im Land und die Wüste wurde in der Walachei am Platz dieses
aufrührerischen Ungläubigen (kāfer-e ṭāġi) angelegt, der einst der Herrscher dieses Gebiets
gewesen ist. Und während dieser Zeit wurde jeder – ob Adeliger oder Untertan,
Hochrangiger oder Unbedeutender – aus dem Heer der Glaubenskämpfer gesättigt in
jedem Maße und jeder dieser Eroberer hatte einige schöne Frauen wie Nymphen gefasst
320 und jedem freien Helden wurden einige gutaussehende, josephsgleiche 642 Sklaven unter ihre
Führung gebracht, in der Art vollkommener Unterwerfung und Aufwartung, wobei sie
gehorsam (be-molāzamat) vor ihnen standen.

Gedicht:
Ein Garten höchster Schönheit,
325 Und ein Paradies in jeder Festlichkeit,
Vor dem Antlitz dieser hohen Hyazinthe.
Ein Stern wie ein Diener vor der schlanken Zypresse!

Aber plötzlich erschienen währenddessen die Reiter, die in kosmischen Maßen und
Geschwindigkeit kundschafteten und den Aufenthaltsort dieses Oberhauptes der
330 ungläubigen Menschen (ahl-e kofr) 643 und Rebellen (ṭāġiyān) in der finsteren Nacht suchten, in
der die Welt (in Frieden) in den Schlaf fiel vor der imperialen Sonne 644. Schließlich fanden
die Tiere und die Vögel der Wüste eine Gelegenheit, zu ruhen, als alle Gotteskämpfer leicht
und bequem schliefen. Dabei ging von den Lagerstätten der Glaubenskrieger und von den
Wüstentieren Unruhe aus.

335 Doppelvers[e]:
Es war eine Nacht, schwarz wie Teer.
Keine Sonne, kein Mond, keine Plejaden.

642 In der islamischen Literatur gilt der Prophet Joseph als das Symbol der Schönheit.
643 ‫ اﻫﻞ ﮐﻔﺮ‬Das Gegenteil der ahl-e imān (vgl. Fn. 598).
644 ‫ ﺗﺮﮐﺘﺎز‬bezieht sich auf das Galoppieren der Osmanen und wird gewöhnlich als Metapher für Plünderung
verwendet.
‫‪212‬‬ ‫‪Idrīs Bitlīsi‬‬
‫)‪(Osmanische Sekundärquellen‬‬

‫)‪ (22‬زﻣﺎﻧﻪ زﺑﺎن ﺑﺴﺘﻪ از ﻧﻴﮏ و ﺑﺪ‬ ‫ﻧﻪ آواز ﻣﺮغ و ﻧﻪ ﻫﺮای دد‬ ‫‪195‬‬

‫ﺑﻴﮑﺒﺎر در ﺗﺎرﻳﮑﯽ آن ﺷﺒﺴﺘﺎن ﭘﺮ ﻇﻼم‪ ،‬از زﺑﺎن ﳌﻌﺎت ﺷﻔﻖ ﻓﺎم‪ ،‬اﻋﻼم ﭘﻴﻐﺎم )‪ (23‬ﺷﺒﻴﺨﻮﻧﯽ ﺑﻄﺮﻳﻘﻪ]ٴ[ اﳍﺎم ﺑﮕﻮش ﭘﺮ‬
‫ﺳﺮوش ﻏﺎزﻳﺎن رﺳﻴﺪﻩ و داﻳﻪ]ٴ[ ﻣﻬﺮﺑﺎن دﻫﺮ از روی ﺗﲑﮔﯽ و ﻗﻬﺮ ﺑﺼﺪای اﻟﻠﻴﻞ )‪ (24‬ﺧﻴﻠﯽ آوازﻩ ﺷﻮر و ﻏﻮﻏﺎی و ﻏﺎﻳﯽ‬
‫ﺑﺴﻤﻊ ﳘﮕﻨﺎن رﺳﺎﻧﻴﺪﻩ‬
‫ﻣﺼﺮع‬
‫ﺷﺐ ﺣﺎﻣﻠﻪ اﺳﺖ ﺗﺎ ﭼﻪ آﻳﺪ ﺑﺒﻴﻨﻴﻢ‬ ‫‪200‬‬
‫ﭼﻮن ﺿﻤﲑ ﻣﻬﺮ )‪ (25‬ﺗﻨﻮﻳﺮ ﺳﻠﻄﺎن ﻓﯽ اﳊﻘﻴﻘﻪ ﻣﺮات ﳎﻼی ]ا[ﺳﮑﻨﺪری ﺑﻮد و ﺟﺎم ﺟﻬﺎﳕﺎی ﲨﺸﻴﺪی در ﻣﺸﺎﻫﺪﻩ]ٴ[ اﻣﻮر‬
‫‪433b‬‬ ‫ﻧﻈﺮی از ﺷﻮاﻫﺪ و ‪ (1) | 645‬اﻣﺎرات ﳏﻘﻖ ﳕﻮد ﮐﻪ آن ﺳﺮ ﺧﻴﻞ اﻫﻞ ﮐﻔﺮ و ﻧﻔﺎق اﻋﻨﯽ ﺣﺎﮐﻢ ﳑﻠﮑﺖ اﻓﻼق ﻣﻴﺨﻮاﻫﺪ ﮐﻪ‬
‫‪F64‬‬

‫ﭘﺮواﻧﻪ وار ﺧﻮد را )‪ (2‬درﻳﻦ ﺷﺐ ﺗﺎر ﺑﺮ ﴰﻊ ﻓﺮوزان دوﻟﺖ ﻗﺎﻫﺮﻩ‪ ،‬ﺑﯽ ﳏﺎﺑﺎ و ﻣﺒﺎﻻت ﻣﺘﻌﺮض ﺳﺎزد و ﻣﮕﺲ آﺳﺎ ﺑﺎل و ﭘﺮ‬
‫ﮔﺮﻓﺘﺎری )‪ (3‬ﺧﻮد را در ﮐﺎس و ﻃﺎس ﺷﻬﺪ اﻧﮕﺒﲔ اﻧﺪازد ﺗﺎ ﺷﺎﻳﺪ ازﻳﻦ ﺷﻴﻮﻩٴ