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Animation / Sound / Video HS Niederrhein, 2010/2011

Malte Jehmlich, Nils Voges www.sputnic.tv

Videotechnik Einführung

Bei der Arbeit mit Film und Video gibt es einige technischer Fallen in die man treten und mit denen man sich schnell sein Ender- gebis versauen kann. Das fängt bei der Aufnahme an, geht über den Schnitt und die Postproduktion bis hin zum finalen Film, zur DVD oder zur Webpräsentation.

Desshalb sollte man sich vor jedem Projekt folgende Fragen stellen:

- Wo und wie möchte meinen fertigen Film präsentieren?

Auf DVD / im TV / im Web / im Kino / auf dem Handy / auf Blu-Ray / beim VJing / im Theater

- Was habe ich für technische Möglichkeiten, um das beste Ergebnis für meinen fertigen Film zu gewährleisten? Habe ich eine HDCam oder eine Spiegelreflex Kamera für meinen Film der auf BluRay erscheinen soll?

- Wie verarbeite ich die Daten, um möglichst wenig Qualitätsverlust während des Produktionsprozesses zu haben?

Darum hilft eine kurze Einführung in die Video- und Kompressionstechnik. Um wirklich zu verstehen, wie das meißte davon funktioniert, muss man vermutlich Elektrotechniker oder Videotechnik studiert

haben. Das ganze ist relativ unüberschaubar. Es gibt tausende von Videocodecs, die alle auf ihre art speziell sind ist eine Einführung, die erstmal ein Grundgerüst zum damit Arbeiten sein soll.

Dies

1. Video

Gängige Videoauflösung:

PAL: 720 x 576 Pixel:

„Phase Alternating Line“ ist europäischer TV und DVD Standart - wenn Ihr Filme fürs Fernsehen oder DVD Produzieren wollt.

NTSC: 720 x 486 Pixel:

National Television Systems Commitee“ amerikanischer TV Standart - brauchen wir hier so gut wie nie.

HDTV: High Definition Video: z.B. 1280 x 720 = HDTV 720p oder 1920 x 1080 = HDTV 1080i kommende internationale TV Standarts - auch schon im TV und auf Blu-Ray

WEB: 640 x 360 Ist standart. HD Standart ist: 720p (siehe HDV), alle weiteren auch experimentellen Auflösungen sind hier möglich.

Größenvergleich:

NTSC

PAL

HDTV 720p

HDTV 1080i

Filmauflösung 4K 4096×2160

Filmauflösung 2K 2048×1080

Filmauflösung:

Die überwiegende Mehrheit der aktuellen A-Budget-Filme wird mittlerweile digital ausbelichtet. Die Auflösung ist dabei für über 95 % aller ausbelichteten Kinopro- duktionen 2K. Eingefleischte Cineasten fordern mittler- weile eine Auflösung von 9K - das ent- spricht in etwa der Auflösung die echtes Filmmaterial hat.

Gängige Seitenverhältnisse:

Gängige Seitenverhältnisse: 4:3 16:9 Für: klassisches TV Gerät, normales Botebook Für: HDTV Gerät,

4:3

16:9

Für: klassisches TV Gerät, normales Botebook

Für: HDTV Gerät, Widescreen Notebook

Videoauflösungen:

Videoauflösungen:

PAL NTSC Wobei hier auch Widescreen Fufnahmen als „Letterbox“ gezeigt werden können, also mit Balken oben und unten. Kinofilme werden entweder so oder in Ausschnitten gezeigt.

Alle HDV Formate PAL Widescreen NTSC Widescreen

Pixelseitenverhältnis (Aspect Ratio)

Auch eine Ästhetische Entscheidung:

Welchen Standart wähle ich für welchen Zweck? Seitenverhältnis: 4:3 z.B. für einen Ansager eine

TV Soap etc., Breitband,16:9 z.B. für Landschaften,

Kinofilme etc

Ein Breites Bild entspricht eher den Sehgewohnhei- ten. 4:3 wurde nur zur Norm weil es technisch nicht anders möglich war zu der Zeit.

?

Im Kino wird bei Cinemascope Filmen auf normalem Film aufgenommen, jedoch mit einer verzerrenden Linse vor der Kamera. Im Kino sorgt dann eine entzerrende Linse (Anamorphot) vor dem Projektor für ein breites klares Bild:

(Anamorphot) vor dem Projektor für ein breites klares Bild: Einzelbild eines Films Das projizierte Bild, anamrphototisch

Einzelbild eines Films

Das projizierte Bild, anamrphototisch entzerrt

Man könnte sagen dass die Pixel auf dem Film nicht mehr quadratisch sind. Auch das Fernsehen und digitale Video haben oftmals aus technischen Gründen keine quadratischen Pixel.

Übersicht:

PC: Quadratische Pixel / Squarepixel

(Aspect Ratio: 1.0)

TV: DV / D1 Pixel

(Aspect Ratio: 1.9 in Europa PAL) (Aspect Ratio: 0.9 in Amerika NTSC)

HDTV:

(Aspect Ratio: 1,33 oder 1,5)

Cinemascope (Anamorphotisch / Kino)

(Aspect Ratio: 2)

Cinemascope (Anamorphotisch / Kino) (Aspect Ratio: 2) Schaut man sich DVDs am PC an, so haben

Schaut man sich DVDs am PC an, so haben diese, da sie ja mit D1 Pixeln aufgenommen wurden, der Rechner aber Squarepixel hat, statt der 720x576er Auflösung eine Auflösung von 788x576 Pixel! Viele Programme können das digital und optisch korrigieren. Z.B. die Pixel-Seitenverhältnis Korrektur in Pho- toshop, stellt das Filmmaterial mit unterschiedlichen Aspect-Ratios am Screen wieder richtig dar.

Halbbilder

HDV: High Definition Video hat 720p oder 1080i - was bedeutet p und i?

Halbbilder = Interlaced (i) Vollbilder = Progressiv (p)

Ein Fernseher läuft mit 25 Bildern pro Sekunde. Wenn das Vollbilder wären, hätten das TV Gerät eine Herzzahl von 25Hz. Das würde unerträglich flackern. So bediente man sich eines Tricks: Man Teilte das Bild in gerade und ungerade Zeilen, soge- nannte Halbbilder, die ineinander üebergeblendet werden. Daraus ergibt sich eine gut anschaubare Frequenz von 50Halbbildern bzw 50Hz. Schaut man Fernsehmaterial z.B. auf dem Rechner an, der keine Halbbilder darstellen kann sieht man besonders bei schnellen Bewegungen die typischen horizontalen Linien im Bild.

Bewegungen die typischen horizontalen Linien im Bild. Halbbild1 Halbbild2 Vollbild Standart ist: bei DV PAL:

Halbbild1

die typischen horizontalen Linien im Bild. Halbbild1 Halbbild2 Vollbild Standart ist: bei DV PAL: unteres

Halbbild2

typischen horizontalen Linien im Bild. Halbbild1 Halbbild2 Vollbild Standart ist: bei DV PAL: unteres halbbild zuerst

Vollbild

Standart ist: bei DV PAL: unteres halbbild zuerst bei HDV: oberes Halbbild zuerst. Bei Fernsehübertragungen auch in PAL ist auch das oberse Halbbild zuerst.

- Welche Bildgröße hat das aufgezeichnete Medium und welches Pixelseitenverhältnis?

(DV Kamera: 1.9 / HD Kamera: 1,3 oder 1,5 / Spiegelreflexkamera 1 oder quadratisch)

Welche Bildgröße soll der finale Film haben? Für welches Medium ist er gedacht? DVD (D1 Pixel, PAL) BlueRay (HDTV) Kino (Vollbilder, Kinoauflösung 2K oder 4K) Web (Vollbilder, Squarepixel, Standart: 640x480

-

)

Am besten ist es bei der digitalen Filmproduktion so lange wie möglich in der höchstmöglichen Qualität zu arbeiten.

Beispiel:

Ein StopMotion Film soll später auf DVD erscheinen. Vorher soll er aber im Kino präsentiert werden und vielleicht auf Festivals geschickt werden.

Dreh:

Ich schieße Photos mit einer digitalen Spiegelreflexkamera mit 12 bzw 24 Bildern/ Sekunde. Da die Einstellungen genau geplant sind, nehme ich die passende Auflösung zum Endformat:

also unter 2000Pixel (Grund: schnellere Datenverarbeitung im Rechner)

Schnitt:

Ich erstelle in Premiere ein HD-Dokument:

AVCHD 720p 24Bilder/Sekunde mit1280x720 quadratischen Pixeln, 16:9 Progressive-Scan 720p, mit 23,976 Frames pro Sekunde und 48 kHz Audio

Export:

Nach dem Schnitt und der Vertonung exportiere ich das Video

1. Als DVDfile: MPEG2 DVD mit:

PAL Auflösung: 720x576, Pixelseitenverhältnis: 16:9, unteres Halbbild zuerst. Framerate: 25Bilder/Sekunde

2. Als Datei für die Präsentation im Kino:

H264 mit 1280x720, Vollbilder, Pixelseitenverhältnis: 16:9, mit 23,976 Frames pro Sekunde

Mehr zum H264 Codec im nächsten Kapitel

Datenmenge

Für Monitore und Fernseher werden Bilder also auch Videos im RGB Modus gespeichert. d.H. Jede Farbe wird aus den Farben Rot Gruen Blau und deren Helligkeitswerten abgespeichert. Pro Pixel werden also 3Bytes auf dem Datentraeger belegt. Das bedeutet bei

PAL Bei 25 Bildern

1.2Mio Bytes /Bild 30 MB /Sekunde 1.7GB /Minute

kaum ein Rechner schafft heute diese Datenrate. Darum müssen Bilder und vor Allem Videos komprimiert werden. Das machen sogenannte CoDecs (Codieren und Decodieren).

Was ist ein Codec?

Zunächst einmal muss zwischen Containerformate,Videoformate und Codecs unterschieden werden.

Videoformat

Audioformat

H264

MOTION JPG

MPEG-4 Part 10

DIVX MPEG-4 Part 2
DIVX
MPEG-4 Part 2
DIVX MPEG-4 Part 2 MPEG2/DVD Multiplexen

MPEG2/DVD

Multiplexen

MP3

DOLBY DIGITAL MPG PCM Unkomprimiert

DOLBY DIGITAL

MPG

PCM

Unkomprimiert

MPG PCM Unkomprimiert
DOLBY DIGITAL MPG PCM Unkomprimiert

Containerformat

AVI

MOV

WMV

MPEG

VOB

Unkomprimiert Containerformat AVI MOV WMV MPEG VOB engl. Audiospur Untertitel Menues Ein Container kann Daten

engl. Audiospur

Untertitel

Menues

MOV WMV MPEG VOB engl. Audiospur Untertitel Menues Ein Container kann Daten in verschiedenen Formaten

Ein Container kann Daten in verschiedenen Formaten beeinhalten. Ein Videoformat ist z.B. DivX, dieser wird mit dem MPEG-4 Part2 Codec Kodiert und Dekodiert. Ein Codec ist ein Verfahren zur Kodierung und Dekodierung von Daten.

MOV von Quicktime ist ein Containerformat von Apple, AVI und WMV sind Containerformate von Microsoft MPEG Container können diverse MPEGFormate beinhalten VOB Container kommen auf DVDs zum Einsatz und beinhalten ein MPG2 sowie Interaktive Daten, Menüs und Untertitel

Ein Video liegt eigentlich immer in irgendeinem Container vor, zusätzlich zur Videospur können in diesem Container auch noch Audiospuren, Untertitel und sogar Interaktionsmöglichkeiten enthalten sein.

Zur Komprimierung der Videospur kommt ein Videocodec zum Einsatz. Das kann z.B. H.264, MPEG-2, oder Sorenson sein. Eine Quicktimedatei mit der Endung „mov“ kann also exakt den gleichen Inhalt wie eine WMV-Datei haben. Speichert man ein Video also als MPG, MOV oder WMA ab, sagt das noch gar nichts über den Inhalt aus!

Die Wahl des Codecs ist entscheidend.

Der Quicktimeplayer hat den Vorteil, dass nehezu alle möglichen Quicktime Codec bereits integriert sind und dass desshalb fast jeder Quciktime Film überall abgespielt werden kann. Ähnliches gilt für den kostenlosen VLC (VideoLanClient) Player.

Welchen Codec benutzen?

Das kommt darauf an was mit dem Film gemacht werden soll. Weiterverarbeitung oder Präsentation auf DVD / im TV / Streaming im Web / Download / soll er ins Kino / auf dem Handy / auf Blu-Ray / beim VJing benutzt werden

Zum Weiterverarbeiten:

DV, HuffYUV (Verlustfrei), Quicktime Animation, oder bei HD: MPEG4

Als Endformat:

TV: DV oder MPEG2

VJing: Motion JPG

Web: H264, FLV

Kompression

1. Intraframekompression, auch Einzelbildkompression

Digitale Bilder werden durch ein Raster in Quadratische Pixel eingeteilt. die gesammte Anzahl der Pixel ergibt die Auflösung.

Einfachste Verlustfreie Komprimierung: K Y Y Y M M 1K 3Y 2M K M M
Einfachste Verlustfreie Komprimierung:
K
Y Y Y M M
1K 3Y 2M
K
M M M M M
1K 5M
K
C C C C C
1K 5C

Außerdem ergibt sich 1/2 Bildgröße = 1/4 Datenmenge! D.H. Wenn man vorher weiß dass man nur für die DVD produziert braucht man nicht die ganze Zeit in HD zu arbeiten.

1/2 Bildfrequenz (12,5 Bilder/Sekunde) = 1/2 Datenmenge

Die JPG Komprimierung hat diverse Mathematische Verfahren die Datengrösse eines Bildes zu komprimieren. Erkennbar ist dass das Bild mit zunehmender Kompression unschärfer wird und die typischen Block-Artefakte auftauchen.

Um Videos weiterverarbeiten zu können, im Schnitt oder der Postproduktion, sollte die Intraframe Kompressionsart verwendet werden, da alle Voll- oder Halbbilder gespeichert werden.

Für jede weitere Art der Komprimierung gilt:

Je stärker ein Bild komprimiert desto schlechter die Qualität desto weniger kann man das Material weiterverarbeiten.

typische CODECS für Intraframe Komprimierung sind JPG MotionJPG DV Sorensen HuffYUV

2. Interframekomprimierung

Als Endformat, also zum reinen Anschauen gedacht (z.B. DVD oder Internet) sind Videos komprimiert mit Intraframe.

Typisch ist der MPEGCodec der z.B. auch bei DVDs zum Einsatz kommt. aber auch DivX, XVid und dem neueren H264 Codec etc

Funktionsweise:

Ein Bild wir vollständig erfasst wie bei der Intraframe Komprimierung.

= I-Frame (Intra-Bild oder Schlüsselbild)

Im nächsten Bild wird nur die Bildänderung bzw die Differenz zum Vorhergehenden gespeichert. = P-Frame (predictive-coded picture / Differenzkodierte Einzelbilder)

Zwischen diesen Beiden Bildern werden zwischenstufen errechnet

= B-Frames (bidirektional Differenz-codierter Einzelbilder)
=
B-Frames (bidirektional Differenz-codierter Einzelbilder)

I-Frame P-Frame B-Frame I-Frame

Eine Abfolge von I-Frames B-Frames und P-Frames wird GOP (Group of pictures) genannt.

Eine typische GOP mit einem I-Frame alle 15Bilder sähe so aus:

I - B - B - P - B - B - P - B - B - P - B - B - P - B - B

Das kann durch das 2Pass Verfahren vermieden werden. Im 2 Pass Verfahren wird das Video ersteinmal komplett analysiert auf Szenenwechsel und Bildkomplexität. Dementsprechend werden im 2. Durchlauf I, B und P Frames gesetzt. Dies ist IMMER zu empfehlen auch wenn die Codierung sehr viel länger braucht.

Im Adobe Media Encoder tauchen dann auch noch M und N-Frames auf:

M-Frames: Die Anzahl der B-Frames zwischen aufeinander folgenden I- und P-Frames. N-Frames Die Anzahl der Frames zwischen I-Frames. Dieser Wert muss ein Vielfaches des M-Frame-Werts sein.

Typische Interframe Codecs:

MPEG2 (DVD) DivX, XVid,

Der H264 /MPEG-4 Codec ist zur Zeit einer der besten Codecs. Er hat ein noch ausgefeilteres Codierungsverfahren als übliche Interframecodecs und kann zudem bei HDV trotzdem weiterverarbeitet werden. Dies benötigt allerdings mehr Rechnerleistung. Zudem kommt er bei Blu-Ray und digitalem Fernsehen zum Einsatz.

Weiterführende Links:

http://de.wikipedia.org/wiki/2K_Film

http://de.wikipedia.org/wiki/PAL_Bildformat http://de.wikipedia.org/wiki/High_Definition_Television http://de.wikipedia.org/wiki/Standard_Definition_Television http://de.wikipedia.org/wiki/Codec

http://de.wikipedia.org/wiki/H264