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Gestern (25.02.2019) habe ich die FSP in München abgelegt, und Gott sei Dank bestanden.

Mein Fall war Fahrradunfall.

Aktuelle Anamnese:
Herr Siegfrid Seitz ist ein 69-jähriger Patient der sich heute bei uns notfallmäßig mit vor zweieinhalb
Stunden aufgetretenen Schmerzen und Ödem im linken Handgelenk, sowie mit Schmerzen im linken
Hüftgelenk beim Z.n. einem Fahrradunfall vorgestellt hat.

Er sei Fahrrad gefahren (er war auf den Weg zu einem Bäcker), und dann habe ein Motorradfahrer
aus einer Tiefgarage seinen Weg von rechts gekreuzt. Dabei habe er sich erschrocken und dann sei er
auf seine linke Seite gefallen.

Er klagte auch über eine schmerzbedingte Beweglichkeitseinschränkung im linken Handgelenk, sowie


über Exkoriationen an der linken Handinnenfläche (er sei gegen Tetanus geimpft).

Die Schmerzen im linken Handgelenk wurden mit 8/10 auf einer Schmerzskala bewertet (dann habe
ich ihm ein Schmerzmittel angeboten und er war zufrieden). Eine Austrahlung der Schmerzen im
linken Handgelenk wurde verneint.

Er berichtete, dass die Schmerzen im linken Hüftgelenk nicht so stark sind (er kann laufen), und dass
diese Schmerzen in den linken Oberschenkel, sowie in die linke Leiste ausstrahlen würden.

Darüber hinaus gab er an, dass er keinen Schutzhelm getragen habe, aber dass er sich den Kopf nicht
gestoßen habe. Er klagte auch über Nausea (am Anfang wegen der Schmerzen).

Die Fragen nach Bewusstseinsverlust, Amnesie, Cephalgie, Diplopie, Vertigo, Vomitus,


Blutverdünner-Einnahme, sowie Hämaturie wurden verneint.

Die Vegetative Anamnese sei unauffällig bis auf: Obstipation seit 3 Jahren (mit Lactulose Sirup 1-0-0
behandelt) und Insomnie (seit dem Tod seiner Frau vor einem Jahr).

Die folgenden Vorerkrankungen seien bei ihm bekannt:

Diabetes Mellitus Typ 2 seit 10 Jahren (mit Metformin 1-1-1 und Diät behandelt (er hat erwähnt, dass
er mit dieser Behandlung zufrieden ist)

Chronische Sinusitis seit 20 Jahren (deswegen war er in HNO-Behandlung und muss er einmal pro
Jahr Antibiotika nehmen)

Pediculosis capitis seit 6 Tagen (nach einem Kontakt mit seinem Enkel, mit Dimeticon Öl behandelt –
das habe er 6 Tage lang verwendet und das muss er noch für 3 Tage verwenden, danach hat er eine
Kontrolle)

Z.n. Cholezystektomie vor 18 Jahren (nach Angaben des Patienten ohne Komplikationen, offene OP)

Die Medikamentenanamnese ergab die Einnahme von:


siehe oben

Verdachtsdiagnose: V.a. Handgelenkfraktur links


V.a. Hüftgelenk-Kontusion links
Differentialdiagnose: Bandverletzung im Handgelenk links, Muskelfaserriss im Handgelenk links

Diagnostik: körperliche Untersuchung, Labor (BB, INR/Quick, PTT), Rö des linken Handgelenks und
des linken Hüftgelenks in 2 Ebenen, eventuell CT des linken Handgelenks (um eine Skaphoidfraktur
auszuschließen) oder MRT des linken Handgelenks (um eine Weichteilverletzung auszuschließen).

Therapie: Analgetika, Ruhigstellung, wenn V.a. eine Fraktur orthopädisches Konsil und
Osteosynthese+Thromboseprophylaxe

Allergien: Penicillinallergie seit 10 Jahren (vor 10 Jahren habe er Penicillin bekommen und damals
habe er Dyspnoe, Exanthem und „Pfeifen“=Giemen, gehabt) (mit einer Spritze vom Hausarzt
behandelt und deswegen trage er immer seinen Allergiepass dabei)

Noxen: Nichtraucher seit 5 Jahren, früher ½ Schachtel pro Tag für 15 Jahre (7,5 PY).
Ein Glas Wein am Abend.
Drogenkonsum wurde verneint.

Familienanamnese: Mutter sei 92, leide an einer chronischen Lebererkrankung – chronische


Hepatitis (äußert sich als gelegentlicher Ikterus) (seine Eltern haben in Asien gearbeitet und gelebt).
Vater sei an einem Hirntumor im Alter von 90 verstorben.
Er sei Einzelkind.

Sozialanamnese: Er sei Rentner seit 5 Jahren, früher arbeitete er als Reiseverkehrskaufmann in


einem Reisebüro. Er sei seit einem Jahr verwitwet (seine Frau sei an... verstorben).
Er lebe mit seiner jüngeren Tochter
Er habe zwei Töchter, die 34 und 38 Jahre alt sind. Die jüngere (34) leide seit 6 Monaten an Tinnitus
aurium (nach Angaben des Patienten mit Infusionen behandelt).

Im ersten Teil habe ich die Anamnese in 19 Min. und 45 Sek. gemacht, deshalb gab es keine Zeit für
die Fragen des Patienten.

Der zweite Teil war wirklich knapp. Ich habe an einem Laptop getippt und ich könnte das
normalerweise unter 17 Minuten schaffen. Bei der Prüfung war es wirklich knapp, und ich konnte nur
bis zur Verdachtsdiagnose schreiben. Deshalb rate ich euch, so viel wie möglich Arztbriefschreiben zu
üben.
Der dritte Teil war ziemlich entspannt. Ich habe den Patienten vorgestellt, der OA hat mich nicht so
viel unterbrochen (nur ein paar mal, um ein paar Fragen über die Anamnese zu stellen, besonders
über den Unfallhergang). Das dauerte ungefähr 10 Minuten. Dann kamen die Fragen: Was würde ich
weiter machen? Körperliche Untersuchung (Vitalzeichen, den Patienten entkleiden damit wir
vermeiden, Verletzungen zu übersehen usw., DMS Kontrolle usw.), Labor (besonders präoperativ
wenn wir eine Osteosynthese durchführen möchten), Rö in 2 Ebenen, CT/MRT (Warum?
Weichteilverletzungen), ein orthopädisches Konsil veranlassen, und wenn V.a. eine Fraktur eine
Osteosynthese durchführen. Aufklärung für eine Osteosynthese (mit Komplikationen und Risiken
usw.). Müssen wir Metformin vor der OP absetzen? Ja. Warum? Laktatzidose. Thromboseprophylaxe.
Wann sollten wir Metformin wieder nach der OP einsetzen (ein paar Tage, auf jeden Fall mit einem
Endokrinologen darüber sprechen). Und wenn wir nach der OP eine Hyperglykämie haben? Insulin.

Unfgefähr 30-45 Sekunden bevor die Zeit vorbei war, hatten sie keine weiteren Fragen, und dann
war ich ziemlich sicher, dass ich die Prüfung bestanden hatte.
Nach ein paar Minuten Wartezeit, hat mich die Linguistin aus dem Wartezimmer abgeholt und sie
haben mir mitgeteilt, dass ich bestanden habe.

Vielen Dank an alle, die in dieser Gruppe geschrieben haben.


Ich möchte mich auch bei Frau Beate Pabst bedanken - eine große Empfehlung für sie, sie ist eine
großartige Lehrerin.

Ich habe auch folgende Materialien zur Vorbereitung verwendet:


Doccheck Flexikon
Anki Flashcards App (sehr nützlich für Fachbegriffe)
Deutsch für Ärztinnen und Ärzte Buch
FSP Schritt für Schritt
50 wichtigsten Fälle Innere und Chirurgie
Amboss Miamed
Eine kurze Hospitation

Die Prüfung ist anstrengend und nicht einfach, aber mit den richtigen Vorbereitungen definitiv
schaffbar. Die Prüfer waren wirklich sehr nett und haben wirklich versucht, nicht zu viel zu verwirren.

Ich wünsche allen viel Glück.