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NUMMER 2

Zeitschrift tür
Schadenverhütung
und
Schadentorschung
der öffentlichen
Versicherer

MAI 1976 5. JAHRGANG

DIN 4102 - Brandverhalten


von Baustoffen und Bauteilen
Der Entwurf 1976
Klaus Ke m p e

Vorbemerkung: Unter den elementaren Gefahren wie Blatt 1: Beg riffe ,


Hochwasser, Erdbeben und Unwetter Blatt 2: Einreihung in die Begriffe ,
Bauordnungen , Rechtsverordnungen
gehört die Brandgefah r zu jener, die
und bauaufsichtliche Richtlinien neh- Blatt 3: Brandversuche.
zwar nie ganz vermeidbar ist, aber
men in immer stärkerem Maße Bezug
schon immer durch technische Sicher- Die 2. Ausg abe im Jahre 1940 brachte
auf Normen, weil erstere einem
heitsbestimmungen in starkem Maße ei ne überarbeitung und zum T ei l we-
schwerfälligeren Änderungskodex un-
in ihrer Bedrohlichkeit beeinflußt wor- sentliche Änderungen aufgrund der in-
terworfen und infolgedessen als Mit-
den ist. Das Wissen um das Brand- zwischen gewachsenen Erkenntnisse.
tel für die schnelle Anpassung an
verhalten von Baustoffen und Bau-
Veränderungen wenig geeignet sind. Mit der Ausgabe 1965 erhielt die
teilen dient diesem Ziel besonders
Die Normung von technischen Grund- DIN 4102 ihren heutigen T ite l. Di e
deswegen, weil Fortschritt von Tech-
sätzen (z. B. Lastenannahmen), tech- sonstige überarbeitung , die ursprüng -
nologie und Wissenschaft zu tagtäg-
nischen Regeln (z. B. VOB - Teil C) lich als Ausgabe mit 5 Blättern er-
lich neuen Materialien und daraus er-
und Güte- und Festigkeitsanforderun- scheinen sollte, blieb jedoch unb e-
stellten Baute ilen führt.
gen an Materialien , Baustoffen und friedigend.
Bauteilen bietet die Möglichkeit, Er- Die DIN 4102 als Grundnorm über
Blatt 1: Begriffe , Anforderungen und
kenntnisse aus der Praxis und aus de r das Brandverhalten von Baustoffen
Prüfungen von Baustoffen
wissenschaftlichen Forschung schnell und Bauteilen mit einheitlichen Prüf-
bl ieb unvollendet ; als Ersatz wurde
in die Anwendung zu bringen, neue grundsätzen und Einordnungskriterien
1966 die " Ergänzende Bestimmun g "
Sicherheitsregeln einzuführen und den in Klassifizie rungen stellt den Maß-
herausgegeben.
technischen Fortschritt zu fördern. stab dar, dem sich seit Bestehen der
Norm Produzenten unterwerfen müs- Blatt 2: Begriffe , Anforderung en und
Genormte Begriffe und genormte Re- sen, wenn sie mit neuen Stoffen oder Prüfungen von Bauteilen
geln sind darüber hinaus Verständi- neuen Bauteilen auf den Markt wollen . wurde aktualisiert, ebenso:
gungsmittel, die selten oder nie zu
Mißverständn issen führen und die Ein- Man hat die DIN 4102 einmal " den Blatt 4: Einreihung in die B egri ffe .
heitlichkeit des Beurteilungsmaßsta- Mittelpunkt der Brandschutznormen "
genannt, man könnte auch sage n, sie Das geplante Bl att 3 - Begriffe, An-
bes gewährleisten . Dies gilt für dieses
ist das Grundgesetz des baulichen forderungen und Prüfungen von Son -
und jenes, aber im besonders star-
Brandschutzes, weil sich f ast alle bau- derbauteilen - wurde nur als Entwurf
ken Maße für alle Situationen und
aufsichtlichen Vorschriften , die Proble- aufgestellt, aber nicht verabschiedet.
technischen Werke, von denen die
Sicherheit der Menschen abhängig ist, me des Brandschutzes regeln, auf Die Ausgab e 1970 der DIN 4102 als
damit aus den Situationen und Wer- ihre Festlegungen und Definitionen zur Zeit noch gültige Fassung mit der
ke n keine Gefahren für die Men- beziehen . sicher allseits bekannten Gli ederu ng
schen und ihre Güter entstehen . Kurz geschichtlich : Die Erstfassung brachte neb en ei nigen neuen Detai l-
der DIN 4102 mit dem Titel : "W ider- reg elungen , zum Bei sp iel Einführun g
standsfähigkeit von Baustoffen und der AT Baustoffe als " nur ein wenig
Bauteilen gegen Feuer und W ärme " brennend " eine gewisse Komplettie-
Dipl.-Ing. Klaus Kempe, Technischer erschien nach 2jähriger Vorarbeit im rung aber auch die Erke nntni s, daß
Direktor in Versicherungsgruppe Han - Jahre 1934. Sie bestand aus 3 Blät- eine totale überarbeitung und Ent-
nover, Brandkasse -Provinzial tern, und zwar: zerrung dringend notwendig war. We -

schadenprisma 2ns 21
sentIich war auch die inzwischen an- Teil 1, 2, 3, 5 und 7 sind als Ausgabe • daß Baustoffe der Klasse Al mit
gelaufene internationale Zusammen- Januar 1976 inzwischen als Normen- brennbaren Bestandteilen auch die
arbeit mit neuen und harmonisierten entwürfe (Gelbdrucke)*) erschienen . Anforderungen an Baustoffe der
Festlegungen. Die Bearbeitung der Teile 4, 6 und 8 Klasse A 2 erfüllen müssen ,
ist noch nicht ganz abgeschlossen . Mit
ihrer Herausgabe ebenfalls als Gelb- • daß für prüfzeichenpflichtige Bau-
Die DIN 4102-E (Fassung 1976)
druck ist noch im Laufe d. J. zu rech- stoffe eine Überwachung erforder-
Der Überarbeitung ging eine Um- nen. Nach Ablauf der jeweiligen Ein- lich ist,
organisation des inzwischen viel zu spruchsfristen und Beratung der Ein-
groß und daher sehr schwerfällig ge- sprüche ist vorgesehen, die Verab- • daß alle Baustoffe im Anlieferungs-
wordenen Arbeitsausschuß im Fach- schiedung zu Weißdrucken bis Ende zustand entsprechend ihrem Brand-
normenausschuß Bauwesen voran. Der 1976 I Anfang 1977 zu erreichen, so verhalten gekennzeichnet werden
bisherige Hauptausschuß wurde zum daß die dann neue DIN 4102 mit den müssen mit Ausnahme unter Ziff.
Koordinierungsausschuß und die bis- 8 Teilen ab 1977 zusammenhängend 6.3 aufgezählte bekanntermaßen
herigen Arbeitskreise zu Unteraus- bauaufsichtlich eingeführt werden nichtbrennbare Baustoffe, z. B.
schüssen . Aufgabe des Koordinie- kann . Sand , Steine, Beton usw.
rungsausschusses ist nicht mehr die
direkte Beratung von Einzelfragen , Aus der Maßnahme, daß alle Teile Und neu sind eine ganze Reihe von
sondern die Steuerung und Koordinie- zunächst als Gelbdrucke erscheinen , Einzelfestlegungen über Prüfung, Ver-
rung der Arbeit in den Unterausschüs- entgegen der ursprünglichen Absicht suchsdurchführung und Prüfbericht, auf
sen , die selbst jedoch in ihrer Tätig- und dem bisherigen Verfahren, ist zu die hier nicht näher eingegangen wer-
keit autonom sind. Der beschlossenen erkennen , daß die Neufassung nicht den kann.
Neugliederung der DIN 4102 und Ent- nur redaktionelle Änderungen bringt,
zerrung in 8 Teile entsprechend wur- sondern auch wesentliche sachbezo-
gene Korrekturen und Ergänzungen . Teil 2:
den jeweils zuständige Unteraus-
schüsse gebildet, und zwar: Die Gliederung in künftig 8 Teile
Bauteile
bringt eine sachlich wichtige Klärung,
Teill Baustoffe; insofern als aus dem bisherigen Blatt Eine wesentliche und für Praxis und
Begriffe, Anforderungen und 3 - Sonderbauteile - die Feuer- Bauaufsicht bedeutsame Neuerung
Prüfungen schutzabschlüsse, Verglasungen , Dach- besteht darin , daß die bekannten
(Unterausschuß 1) eindeckungen und Lüftungsleitungen Feuerwiderstandsklassen mit Baustoff-
herausgenommen wurden und hierfür klassifizierungen gekoppelt werden
Teil2 Bauteile; nunmehr die Teile 5, 6 und 7 gelten.
Begriffe, Anforderungen und sollen (siehe nebenstehende Tabelle).
Bekanntermaßen sind für diese "Son-
Prüfungen derbauteile" sehr unterschiedliche In den Prüfzeugnissen sollen künftig
(Unterausschuß 2) Prüfverfahren notwendig, die berech- neben der Einstufung in die erreichte
Teil3 Brandwände und nichttragende tigterweise nunmehr einzeln festge- Feuerwiderstandsklasse auch die ver-
Außenwände ; legt sind. Parallel dazu bestehen auch wendeten Baustoffe angegeben wer-
Begriffe , Anforderungen und für Zulassung und Erteilung von Prüf- den . Damit wird den Bauaufsichtsbe-
Prüfungen zeichen unterschiedliche Sachverstän- hörden eine außerordentliche Hilfe zu-
(Unterausschuß 3) digenausschüsse (SVA) beim Institut teil , weil Festlegungen nach Bauord-
für Bautechnik. In diesem SVA sam- nung für Bauteile mit Baustoffanfor-
Teil4 Zusammenstellung und Anwen- meln sich aus der Prüfpraxis Erfah- derungen in bestimmten Arten von
dung klassifizierter Baustoffe, rungen , die nun viel einfacher in die Gebäuden nunmehr leicht definierbar
Bauteile und Sonderbauteile Norm einfließen können . Außerdem u.nd die Bauteile leicht einzuordnen
(Unterausschuß 4) bestehen in der ISO (International sind.
Standard Organisation) hierfür ge-
Teil5 Feuerschutzabschlüsse, Ab-
trennte Arbeitsgruppen. Neu ist weiterhin, daß nunmehr ge-
schlüsse in Fahrschachtwän-
prüft wird, ob raumabschließende Bau-
den und feuerwiderstandsfähi- Im einzelnen bringt die neue DIN 4102
teile wirklich während des Beurtei-
ge Verglasungen ; folgende Änderungen :
lungszeitraumes den Durchgang des
Begriffe , Anforderungen und
Feuers verhindern , indem auf der dem
Prüfungen Teil 1:
Feuer abgekehrten Seite des Bauteils
(Unterausschuß 5) Baustoffe (bisher Ergän- mit einem definierten Wattebausch
Teil6 Lüftungsleitungen; zende Bestimmungen) eine Entzündungsmöglichkeit festge-
Begriffe, Anforderungen und Die Baustoffklassifizierung ist ge- stellt wird.
Prüfungen blieben.
(Unterausschuß 6) Bislang mußten raumabschließende
A nichtbrennbare Baustoffe Bauteile nach dem Brandversuch eine
Teil7 Bedachungen; Al Restdicke von ~ 10 mm aufweisen .
Begriffe, Anforderungen und A2 Nunmehr gilt allein der dreimalige
Prüfungen B brennbare Baustoffe Kugelschlagversuch.
(Unterausschuß 7) B 1 schwerentflammbare Baustoffe
Tragende Innenwände müssen in Zu-
Teil8 Prüfungen im Kleinbrandver- B 2 normalentflammbare Baustoffe
kunft bei gleichzeitig zweiseitiger
suchsstand B 3 leichtentflammbare Baustoffe
Feuerbeanspruchung ihre Tragfähig-
(Unterausschuß 8) keit bewahren.
Neu ist :
In allen Unterausschüssen haben Ver-
• daß die hier aufgeführten Benen- Eine Reihe von technischen Details
treter des Verbandes der Sachver-
nungen nur verwendet werden dür- für Vorbereitung der Proben, Einbau
sicherer (VdS) mitgearbeitet.
fen, wenn das Brandverhalten nach im Brandraum , Prüfvorgang usw. sind
Die Arbeit in den Unterausschüssen dieser Norm ermittelt worden ist, verbessert oder den internationalen
begann z. T . Ende 1973, wurde 1974 Standards angepaßt worden. Auch
und 1975 fortgesetzt und hat inzwi- *) Zu beziehen vom Beuth Verlag hierauf kann im einzelnen nicht ein-
schen folgendes Ergebnis: GmbH , Berlin 30. gegangen werden.

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Feuerwiderstandsklassen

Es werden folgende Feuerwiderstandsklassen unterschieden:

Feuer- Feuerwiderstands- Unterteilung und Bezeich-


wider- dauer in Minuten nung nach derzeitigen Kurz-
Beschreibung
stands- nach DIN 4102 bauaufsichtlichen bezeichnung
klasse Teil 2 Anforderungen 1)

feuerhemmend aus nicht-


Bauteile, die vollständig aus nichtbrenn-
brennbaren Baustoffen F 30-1
baren Baustoffen (Klasse A) bestehen.
(Klasse A)
feuerhemmend und in Bauteile, deren statisch bedeutsame
den tragenden Teilen Bestandteile aus nichtbrennbaren Bau-
aus nichtbrennbaren stoffen (Klasse A) bestehen. Soweit diese F 30-II
F 30 ~30 Baustoffen (Klasse A) Bauteile raumabschließend sein sollen,
müssen sie im Ausgangszustand eine in Bau-
t~lebene durchgehende Schicht aus nicht-
brennbaren Baustoffen (Klasse A) in mind .
50 mm Dicke haben; Hohlräume im Inneren
dieser Schicht sind zulässig 3 ).
Bauteile, die aus mindestens ,l1ormalent-
feuerhemmend flammbaren Baustoffen (Klasse B 2) F 30-III
bestehen.
hochfeuerhemmend aus Bauteile, die vollständig aus nichtbrenn-
nichtbrennbaren Bau- baren Baustoffen (Klasse A) bestehen. F 60-1
stoffen (Klasse A)
hochfeuerhemmend und Bauteile, deren statisch bedeutsame
in den tragenden Teilen Bestandteile aus nichtbrennbaren Bau-
F 60 ~60 aus nichtbrennbaren stoffen (Klasse A) bestehen. Soweit diese
Baustoffen (Klasse A) Bauteile raumabschließend sein sollen, F 60-II
müssen sie im Ausgangszustand eine in
Bauteilebene durchgehende Schicht aus
nichtbrennbaren Baustoffen (Klasse A)
in mind. 50 mm Dicke haben; Hohlräume
im Inneren dieser Schicht sind zulässig 3).
hochfeuerhemmend Bauteile, die aus mindestens normal-
entflammbaren Baustoffen (Klasse B 2) F 60-III
bestehen.
feuerbeständig Bauteile, die vollständig aus nichtbrenn-
F 90-1
baren Baustoffen (Klasse A) bestehen.
feuerbeständig (nur Bauteile, deren statisch bedeutsame
in den tragenden Teilen Bestandteile aus nichtbrennbaren Bau-
aus nichtbrennbaren stoffen (Klasse A) bestehen. Soweit diese
F 90 ~90 Baustoffen (Klasse A) 2) Bauteile raumabschließend sein sollen, F 90-II
müssen sie im Ausgangszustand eine in
Bauteilebene durchgehende Schicht aus
nichtbrennbaren Baustoffen (Klasse A)
in mind. 50 mm Dicke haben ; Hohlräume
im Inneren dieser Schicht sind zulässig 3).
Bauteile, die aus mindestens normalent-
- 2) flammbaren Baustoffen (Klasse B 2) F 90-III
bestehen.
F 120 ~ 120 hochfeuerbeständig Bauteile, die vollständig aus nichtbrenn- F 120-1
baren Baustoffen (Klasse A) bestehen.
F 180 ~180 höchstfeuerbeständig Bauteile, die vollständig aus nichtbrenn-
F 180-1
baren Baustoffen (Klasse A) bestehen.

1) Mögliche zukünftige bauaufsichtliehe Benennung.


2) Je nach Landesrecht durch Ausnahme oder Befreiung möglich.
3) Raumabschließende Bauteile, bei denen diese Schicht< 50 mm ist, können nicht allein nach dieser Norm beurteilt
werden; es sind weitere Eignungsnachweise zu erbringen (z. B. im Rahmen einer allgemeinen bauaufsichtlichen
Zulassung).

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Teil 3: halten , während der Einspruchsfrist künftig weitgehend dem Gebrauchszu-
Brandwände und nichttra- diese Bitte zu wiederholen bzw. die stand entsprechen.
gende Außenwände nächste überarbeitung (Fassung 1980) Sie sollen also auch mit allen brenn-
abzuwarten . baren Stoffen , die bei der Ausrüstung
Während bisher im Blatt 3 sämtliche mit Steuer-, Schalt- und Signalein-
Sonderbauteile zusammengefaßt be- Teil 4:
richtungen übl icherweise verwendet
handelt wurden , betrifft der neue Teil Zusammenstellung und An- werden , ausgestattet sein.
3 nur die Brandwände und nichttra- wendung klassifizierter
genden Außenwände. Baustoffe , Bauteile und Feuerwiderstandsfähige
Sonderbauteile ist noch Verglasungen
Bei den Begriffsdefinitionen der
in Bearbeitung und liegt sind künftig nicht mehr nur solche, die
Brandwände gibt es keine Änderun-
auch noch nicht als Ent- generell für 60 Minuten den Flammen-
gen. Sie müssen nach wie vor:
wurf vor und Rauchdurchtritt verhindern, son-
1. ganz aus Baustoffen der Klasse A Am Rande sei erwähnt, daß diskutiert dern sie werden unterschieden in Wi-
bestehen, wurde, Aluminium wegen seines rela- derstandsklassen G 30, G 60, G 90,
2. mindestens der Feuerwiderstands- tiv niedrigen Schmelzpunktes (657 ° C) G 120 und G 180.
klasse F 90 ohne Anordnung von nicht mehr als nichtbrennbaren Bau- Es dürfen auch bei den Verglasungen
Bekleidungen sowohl bei mittiger stoff zu klassifizieren . Bislang heißt es im Brandversuch auf der dem Feuer
als auch bei ausmittiger Belastung ja, ohne Nachweis als Baustoffe der abgekehrten Seite keine Flammen,
angehören und Klasse A 1 gelten : ... und in nicht kein Rauch und keine entzündbaren
feinzerteilter Form Gußeisen, Stahl Gase auftreten , der Wattebausch darf
3. tragfähig und raumabschließend und andere Metalle, außer Alkali- und sich nicht entzünden und bei der Prü-
bei dreimaliger Stoßbeanspruchung Erdalkalimetalle. fung wird ebenfalls ein Baldachin an-
mit je 3 kNm (300 kpm) Stoßener-
Hier wurde vorgeschlagen, künftig zu geordnet, jedoch mit einem geringeren
gie bleiben.
formulieren: ... und in nicht feinzer- Abstand vom Probekörper, weil Ver-
Die nichttragenden Außenwände wer- teilter Form alle Metalle mit einem glasungen auch bis dicht unter eine
den künftig unterschieden in Schmelzpunkt ~ 1000 °c. Damit würde Decke oder Unterdecke geführt wer-
man die zu Irrtümern neigenden Be- den können .
1. raumhohe, raumabschließende , griffe : andere Metalle - außer Alkali-
nichttragende Außenwände, Aus- und Erdalkalimetalle - ausschalten Teil 6:
fachungen und Außenwandele- und Aluminium, das m. E. mit seinem Lüftungsleitungen
mente niedrigen Schmelzpunkt nicht zu den
Während Lüftungsleitungen, Installa-
sowie nichtbrennbaren Baustoffen gehören
tionsschächte und Kanäle, bei denen
sollte.
2. brüstungshohe , nichtraumabschlie- die übertragung von Feuer und Rauch
ßende, nichttragende Ausfachun- Teil 5: nicht möglich ist, bislang in Abschnitt
gen, Außenwandelemente, Brüstun- 9 von Blatt 3 erfaßt wurden , werden
Behandelt nunmehr selb- nunmehr im eigenen Teil 6 Lüftungs-
gen usw.
ständig die Feuerschutz- leitungen selbständig behandelt und
Dabei spielt künftig die Art der An- abschlüsse, Abschlüsse in unterschieden in:
ordnung an der tragenden Konstruk- Fahrschachtwänden und feu-
erwiderstandsfähige Ver- • Schächte, Kanäle , Rohre und Form-
tion eine wesentliche Rolle, nämlich: stücke für Lüftungsleitungen und
glasungen
1. Außenwände bzw. Brüstungen, die • Absperrvorrichtungen gegen Brand-
Zunächst zu Feuerschutzabschlüssen
ganz oder te·ilweise auf der tra- übertragung in Lüftungsleitungen
(FAS) :
genden Konstruktion angeordnet mit einer Klassifizierung in : L 30, L 60,
werden , sowie Bislang durften FAS keine Verglasun-
gen haben, nun heißt es: Enthalten L 90 und L 120 und
2. Außenwände bzw. Brüstungen , die sie lichtdurchlässige Elemente, müs- K 30, K 60 und K 90.
vor der tragenden Konstruktion an- sen auch diese und ihre Halterungen Maßgebend ist das ungünstigste Prüf-
geordnet werden; dabei wird un- den Anforderungen entsprechen. ergebnis von mindestens zwei Ver-
terschieden , ob Wand- oder Brü- suchsstücken.
Die raumabschließende Wirkung der
stungsteile scheibenartig nach un-
FAS muß gewahrt bleiben; das gilt Bezüglich der Schächte, Kanäle , Roh-
ten überstehen oder nicht.
nur dann als erfüllt, wenn sich auf der re und Formstücke sind die Anforde-
Zusätzlich eingeführt wird zu den be- dem Feuer abgekehrten Seite der rungen im wesentlichen gleich geblie-
kannten Widerstandsklassen W 30 bis Wattebausch nicht entzündet und kei- ben mit Ausnahme der Forderung ,
W 90 : W 120 und W 180. ne Flammen entstehen . daß Leitungen, die durch Wände ge-
führt werden sollen , der beim Brand-
Auf der dem Feuer abgekehrten Seite
Die Brandbeanspruchung bei der Prü- versuch auftretenden Längenänderung
wird bei der Brandprüfung künftig ein
fung erfolgt von innen und außen keinen größeren Widerstand als 5 kn
Baldachin mit 6 Meßstellen angeord-
und z. T. dreiseitig, nämlich dort, wo entgegensetzen dürfen.
net. An keiner Meßstelle darf eine
der unten überstehende Wand- oder
Temperaturerhöhung von mehr als Der Versuchsstand für die Brandver-
Brüstungsteil zur Erzielung eines ge- suche und seine Durchführung wird
180 K über der Anfangstemperatur
forderten Maßes für den Feuerüber-
entstehen. Mit dem Baldachin wird nunmehr ei ndeutig im Aufbau festge-
schlagsweg beitragen soll.
eine wirkliche Einbausituation simu- legt.
Von seiten des VdS wurde versucht, liert (Decke). Als Absperrvorrichtungen gegen
in Teil 3 als Sonderbauteil die Kom- Brandübertragung in Lüftungsleitun-
plextrennwand als Brandwand mit hö- Fahrschachttüren gen gelten solche, die allein oder in
heren Anforderungen aufzunehmen; Für Abschlüsse in Fahrschachtwänden Verbindung mit anderen Bauteilen die
und zwar F 180 und dreimalige Stoß- sind keine wesentlich neuen Forde- übertragung von Feuer und Rauch
beanspruchung mit 4 kNm (400 kpm). rungen aufgestellt worden. Bei der verhindern . Sie waren schon nach der
Leider ist dieser Vorschlag nicht an- Prüfung wird auch hier der Baldachin alten Norm prüfzeichenpflichtig und
genommen worden . Es ble·ibt vorbe- eingeführt. Die Probekörper sollen bleiben es auch, dabei erfaßt der

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Teil 6 jedoch nur Anforderungen an übertragung vom Dach in das Innere 4102 ist zweifellos ein guter Schritt
Absperrvorrichtungen, die im wesent- des Gebäudes verhindert werden soll. voran zur Verb esserung des bauli-
lichen aus den Prüfgrundsätzen ent- Anforderungen und Versuchsdurchfüh- chen Brandschutzes. Natürlich bleibt
wickelt worden sind . rung sind eindeutiger festgelegt wor- das H andikap bezüglich der Baustoffe ,
den . Ein kurzzeitiges Aufflammen frei- daß nämlich die Prüfergebnisse Labor-
Nicht behandelt werden Anforderun-
werdender Zersetzungsgase bei Ab- tests sind und die Stoffe sich im rea-
gen und Prüfungen für die Auslöse-
laufen flüssiger Teile wird künftig nicht len Brandfall ganz anders und even-
einrichtung en von Absperrvorrichtun-
gewertet. tuell negativ verhalten können. Un-
gen, die aber notwendig sind für die
gelöst bleibt a uch das Probl em des
Erteilung des Prüfzeichens. Hier Ein Bericht über die neue DIN 4102
Brandverhaltens von Gesamtkonstruk-
wird z. Z . nach den Richtlinien des muß hiermit zunäcnst enden , weil der
tionen und die Bewertung der Brand-
VdS gearbeitet und als anerkannte geplante Teil 8: " Prüfungen im Klein -
nebenerscheinungen bei Baustoffen .
Prüfstelle hierfür die Prüfstelle des brandversuchsstand " z. Z. noch in Vor-
Bislang wird zwar die Rauchdichte und
VdS benannt. bereitung ist und auch Entwurfsm ate-
Toxizität bei Baustoffprüfungen be-
rial hierüber noch nicht zur Verfügung
Teil 7 : urteilt, aber nicht die evtl. Aggressi-
steht. Für die praktische Anwendung
der Norm ist dieser Teil jedoch nicht vität der Brandgase mit ihren zum
Bed ach un gen ersetzen den Abschnitt 8
von so großer Bedeutung , weil im Teil verheerende n Folgen (HCI). Inso-
des Blattes 3 :
Teil 8 für die Durchführung von Klein- fern muß erwähnt werden , daß im
Gegen Flugfeuer und strahlende Wär- brandversuchen Angaben über Appa- Arbeitsausschuß (Koordinierungsaus-
me widerstandsfähige Dacheindeckun- ratur und Versuchsregeln zusamme n- schuß) Einigkeit darüber besteht, daß
gen und Dachabdichtungen. Di e Ein- gefaßt werden, die garantieren sol- die Fass ung 1976 der DIN 4102 nur
führung des Begriffes " Bedachung" len , daß in den Materialprüfanstalten eine erste Stufe der überarbeitung
erlaubt eine Ausweitung der Norm unter gleichen Bedingungen und mit ist, und daß in einer zweiten Stufe
auch auf Lichtkuppeln und andere g leicher Apparatur geprüft und be- eine umfassende Neubearbeitung der
Abschlüsse für Offnungen im Dach . urteilt wird . Dies ist dort von Bedeu- Norm notwendig wird , mit der man für
Der Geltungsbereich bleibt insofern tung , wo die Norm nicht genügend das Jahr 1980 rechnet. Hierzu sind
bestehen , als durch gegen Flugfeuer genau definiert oder einen bestimm- jedoch noch zahlreiche Forschungs-
und strah lende Wärme widerstandsfä- ten Spielraum läßt. vorhaben durchzuführen und überprü-
hige Bedachungen die Ausbreitung des Die nunmehr zum großen Teil abge- fungen in den internationalen Gre -
Feuers auf dem Dach und eine Brand- schlossene überarbeitung der DIN mien notwendig .

Gemischtbelegung von Kabelkanälen


vermeiden!
Am 6. Mai 1975 wurde gegen 8.40 Uhr De r Schaden an dem kernphysikali- rungen tragen wesentlich zur
in einer 75 m langen, 40 m breiten und schen Meßinstrumentarium wurde auf Brandbelastung bei . Undichtigkei-
20 m hohen Experimentierhalle in Ham- etwa 7,5 Mio DM geschätzt und konn - ten in Gasleitungen können eben-
burg ein hartes , maschinengewehrähn- te nur teilweise durch Sanierungsmaß- falls eine erhebliche Brandauswei-
liches Geräusch vernommen . Kurz da- nahmen behoben werden. tung bedeuten bzw. durch Wasser-
nach trat dunkler, undurchsichtiger, die oder Dampfausbruch folgenschwere
Atmungsorgane stark angreifender Die Gemischtbelegung von Kabelkanä- elektrische Schäden auslösen .
Rauch aus den Kabelkanälen in den len hat sich außerordentlich verhäng-
Durch die Mehrzweckbelegung des
Raum ein, so daß die Halle von dem nisvoll ausgewirkt. Es muß eine stren- Kanals mit elektrischen Hochspan-
Personal fluchtartig verlassen wurde . ge Trennung mit brandsicherer Ab- nungs- und Steuerkabeln, Heizungs-
In dem insgesamt 100 m langen , 2,5 m schottung erfolgen . Einige Hinweise : und W asserrohren , wurde der Brand-
breiten und 2,0 m hohen Kabelkanal schaden erheblich vergrößert.
1. Steuerkabel und Hochspannungs-
für die elektrische Versorgung waren Weiterh in wurden die Ausführungs-
kabel gehören nicht in einen Ka-
auf Kabelpritschen in drei Ebenen ins- schlitze der Kabel vom Kabelkanal in
bel kanal. Sie müssen getrennt ver-
gesamt etwa 30000 bis 35000 m die große Experimentierhalle in kei-
legt werden, weil ein Ausfall von
PVC-isolierte Hochspannungskabel für ner We ise gegen Rauch- und Gas-
Steuerkabeln schwerwiegende Be-
Spannungen bis zu 1500 Volt und gum- ausbrüche gesichert. Eine einfache
hinderungen und Folgeschäden im
miisolierte Steuerkabel verlegt, die Blechfolien abdecku ng mit 10 cm Sand
jeweiligen Betriebsablauf auslösen
we itgehend durch den starken Hitze- hätte den folgenschweren Rauch-, Ruß -
können.
stau in dem Kanal verbrannten bzw. und Hitzeeintritt in die Experimentier-
so stark erhitzt wurden , daß eine 2. Versorgungsleitungen für techni- halle verhindern können .
außerordentlich starke HCI-Abspal- sche Gase , unter Umständen brenn-
tung erfolgte. Im Kabelkanal entstan- barer Art, gehören nicht in einen
den schwerste Chlorid- und Hitze- Kabelkanal.
schäden , die schwierige Wiederherstel- Obernahme aus den " Informations-
lungsarbeiten notwendig machte. In 3. Heißwasserdampf- und Wasserver- blätter zur Schadenverhütung " Nr. 1/75
der Halle kam es zu erheblichen Schä- sorgungsrohre gehören nicht in ei- der Schleswig -Holsteinischen Landes-
den an dem Aluminiumprofilblechdach. nen Kabelkanal. Brennbare Isolie- brandkasse, Kiel.

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