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Filip Pinczewski

"Improvisation im Anfängerunterricht”

Die Kreativität der Kinder ist vom Anfang an ein der wichtigsten Faktoren im
Klavierunterricht.

Außer Spass am Kreieren ist das Improvisieren eine wunderbare Methode der Kontrolle,
ob es welche Themenbereiche geben, die den SchülerInnen besondere Schwierigkeiten
schaffen.

Zum Beispiel: Wenn ein Kind ein gutes rhythmisches Gefühl hat, sind die Aufgaben auf
der rhythmischen Ebene abwechslungsreicher, strukturierter und umgekehrt wenn die
Rhythmik problematisch ist, werden die Improvisationen entweder chaotisch oder
monoton.

Meines Erachtens kann man Musik und Sprache sehr oft zueinander vergleichen, und
auch in diesem Fall bin ich der Meinung. Ob man eine Sprache beherrscht hat, ist zu
beweisen erst wenn man selbst die Gedanken formulieren kann. Wie man es macht, ist
eine andere Frage. Beide, Sprache und Musik bestehen aus mehreren Elementen, deren
Qualität vom unterschiedlichen Niveaus sein kann. Sehr oft nach einer kleinen kreativen
Aufgabe werden sowohl Schwach-, als auch Starkseiten der SchülerInnen leicht zu
erkennen und die lehrende Person kann dankkessen nach entsprechenden Lösungen
suchen.

Auch psychologisch scheint mir die Improvisation als Teil des Klavierunterrichts für
Anfänger eine sehr gute Idee zu sein. Um Stress der Unterrichtssituation abzubauen, sich
gleichberechtigt zu fühlen (ohne Noten zu kennen) und natürlich die Kreativität zu
entwickeln.

Es gibt Unterschiede zwischen Improvisieren, Komponieren und… Chaos.

Als komponierende Person gebe ich meinen SchülerInnen sehr gerne kompositorische
Aufgaben. Das kann riskant sein, da das Komponieren mit der musikalischen Notation
streng verbunden ist und besonders auf den frühen Etappen der Bildung können die
Kinder mit dem Thema Notieren sehr überfordert sein.

Das Improvisieren liegt nicht weit vom Komponieren. Mit ein paar Unterschieden und
zwar: obwohl es auch ein kreativer Prozess ist, geschieht er in realer Zeit, ist einmalig und
wird nicht transkribiert (eine Improvisation kann natürlich aufgenommen werden, oder
überhaupt als improvisatorischer Teil einer Komposition funktionieren). Für eine
Improvisation im Unterricht braucht man einige Grundvoraussetzungen:

- was ich damit erreichen will?

- an welchen Elementen genau will ich arbeiten?

- welche Muster stelle ich den Kindern zu Verfügung?

Ohne die Fragen zu beantworten, entsteht es die Gefahr, dass man „irgendwas, irgendwie
an der Klaviatur machen” wird. Die Grenzen zwischen den Improvisieren und
Herumklimpern (auch wenn es manchmal nett ist) können unglaublich dünn sein,
besonders fur die ZuhörerInnen. Für die Lehrenden und SchülerInnen sollten die
Unterschiede ganz klar sein. Die Improvisationen haben sehr unterschiedliche
Bedeutungen. Manche klingen sehr frei, andere sind sonoristisch, noch andere erinnern
an einfache Kompositionen.

Unten habe ich einige Zugänge und Wege aufgelistet und kurz besprochen. Die
Reihenfolge ist nicht zufällig, sondern entspricht meiner Meinung nach der
Entwicklungsphasen der Anfänger.

1. Klavier entdecken- das Klavier wird dem Kind als ein größeres Klangobjekt gezeigt.
Besonders das Spiel im Innenraum des Instrumentes auf „ungewöhnliche” Art und Weise
kann sehr spannend sein und einen Anstoß fur das Hinterfragen geben, wie das
Instrument mechanisch funktioniert. (Tasten- Hämmerchen- Saiten)

2. Orientierung an der Tastatur- kann durch kleine Improvisationen an den schwarzen


Tasten und Bewusstheit ihrer Wiederholbarheit trainiert werden. Darüber hinaus entstehen
eingängige Melodien auf den schwarzen Tasten sehr leicht, was einem Kind Spass
machen kann.

3. Technik- durch eine suggestive Assoziation können dem Kind eine/ mehrere
Bewegungsformen beigebracht werden. Es können solche Spielarten sein, wie : staccato,
legato, portato oder auch die technischen Probleme wie Repetition, Pedalisierung.

4. Rhythmus- beispielsweise : wir suchen 4 Töne aus und jedem von ihnen wird ein
Notenwert zugeschrieben, dann werden sie in beliebigen Reihenfolge gespielt (aber
rhythmisch konsequent) und so entsteht eine Improvisation.

5. Kleine Melodien improvisieren- mit einem bestimmten Material zB.


Dreiklangszerlegung oder gewählte Töne einer Skala, können die Improvisationen
entstehen, die uns sehr viel über das spielende Kind sagen. Es können die
Phrasengestaltung, sowie Begriffe wie Periodik (Frage, Antwort) thematisiert werden.

Die Improvisation ist mir im Klavierunterricht sehr viel wert. Das wichtigste ist immer zu
hinterfragen zu welchem Zweck die Lehrmethode gebraucht wird und wie mit allen
anderen pädagogischen Mitteln nicht in Übertreibung zu geraten.