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Vorwort

Manche Dinge verlernt man nie. Können Sie sich noch erinnern, wann Sie
Radfahren gelernt haben oder Schwimmen? Auch wenn Sie vielleicht seit Ur-
zeiten auf keinem Fahrrad mehr gesessen sind oder Wasser seit Jahren nur
zum Waschen benutzen, würden Sie doch kaum beim ersten Fahrversuch vom
Sattel fallen oder schmählich im Badesee untergehen. So etwas lernt man eben
einmal und vergisst es nie mehr wieder.
Aber andere Dinge verlernt man leider viel zu schnell. Sicher wissen Sie
noch, wie Sie sich während Ihrer Schulzeit auf Prüfungen vorbereitet haben:
kurz vor der Prüfung versucht man, sich den Stoff möglichst schnell einzuver-
leiben, und ein paar Tage nach der Prüfung muß man feststellen, dass man
fast alles schon wieder vergessen hat. Das ist für einen Schüler ganz praktisch,
weil er schnell wieder den Kopf frei hat für die nächste Klausur oder für die
wahrscheinlich wichtigere Frage, wen er am nächsten Wochenende in die Disco
einladen soll. Unangenehm wird es nur, wenn man eine Weile später vor dem
Problem steht, mit genau dem Schulstoff arbeiten zu müssen, den man doch
vor langer Zeit schon freudig vergessen hatte. Mit diesem Problem stehen Sie
aber nicht alleine da, das geht uns allen so. Wenn ich beispielsweise jetzt mein
gesamtes Wissen über organische Chemie oder über den lateinischen Kon-
junktiv ausbreiten sollte, dann wäre das schnell getan, weil man das Wort
Nichts“ fast genauso schnell schreiben kann wie man es ausspricht.

Sie sehen natürlich schon lange, worauf ich hinaus will. Es könnte immerhin
passieren, dass Sie das, was in der Mittelstufe in der Mathematik vorgekom-
men ist, damals abgehakt und nicht erwartet haben, sich noch einmal damit
plagen zu müssen. Und jetzt begegnen Ihnen in Ihrem neu aufgenommenen
Studium Mathematik-Vorlesungen und auch Mathematik-Bücher, die nicht
immer auf den ersten Blick zu verstehen sind und einiges an mathematischen
Kenntnissen aus der lange vergessenen Mittelstufe voraussetzen. Das ist eine
unangenehme Situation, und auch in diesem Lehrbuch zur Ingenieurmathe-
matik kann ich Ihnen Rückgriffe auf die guten alten Mittelstufenzeiten nicht
ganz ersparen: man muss nun mal wissen, wie man etwas ausmultipliziert oder
VI Vorwort

vorklammert, wie man quadratische Gleichungen löst oder mit Logarithmen


rechnet, denn so etwas werden wir in der Ingenieurmathematik brauchen.
Ich will Sie aber mit diesem Problem nicht allein lassen, und deshalb gibt
es diesen vorbereitenden Kurs über Mathematik, den Sie gerade vor sich haben
und der entstanden ist aus einem Vorkurs der Privaten FernFachhochschule
Darmstadt. Die Methoden und Techniken, die Sie in der Mittelstufe gelernt
und dann wieder vergessen haben, werden hier noch einmal besprochen und
an Hand von Beispielen erklärt.
Einerseits geht es dabei also darum, Ihre früheren Kenntnisse wieder aufzu-
frischen und Sie ein wenig an den Umgang mit Mathematik zu gewöhnen. Das
ist aber nicht alles. Ich stelle oft fest, dass Studenten sehr vorsichtig und mit
großer Befangenheit an mathematische Fragestellungen herangehen, weil sie
mit Mathematik vor allem undurchsichtigen Formelkram verbinden. So etwas
finde ich schade, denn nötig ist es eigentlich nicht. Ich habe deshalb versucht,
die Atmosphäre“ dieses Vorkurses ein wenig entspannter zu gestalten, die

Dinge ausführlich zu erklären und lieber ein Beispiel zu viel als eins zu wenig zu
rechnen. Und da man immer erst dann merkt, was man verstanden hat, wenn
man es selbst ausprobiert, finden Sie auch in jedem Kapitel Übungsaufgaben,
deren Lösungen ich im Lösungskapitel vorrechne.
Und damit bleibt mir nichts mehr zu sagen als: viel Erfolg und hoffentlich
auch ein wenig Vergnügen.
Inhaltsverzeichnis

1 Erste Rechenmethoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
1.1 Rechnen mit Zahlen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
1.2 Klammerausdrücke und Brüche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6

2 Potenzen, Wurzeln und Logarithmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33


2.1 Potenzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
2.2 Wurzeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
2.3 Logarithmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55

3 Gleichungen und Ungleichungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63


3.1 Lineare Gleichungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63
3.2 Quadratische Gleichungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
3.3 Biquadratische Gleichungen und Wurzelgleichungen . . . . . . . . . . 77
3.4 Lineare und quadratische Ungleichungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85

4 Funktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95
4.1 Lineare Funktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96
4.2 Quadratische Funktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104
4.3 Sonstige Funktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114

5 Trigonometrie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125
5.1 Dreiecke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 126
5.2 Die Winkelfunktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132
5.3 Dreiecksberechnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 140
5.4 Additionstheoreme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146

6 Lösungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 151

Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185

Sachverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187
1
Erste Rechenmethoden

Sie werden im Lauf Ihres Studiums sicher noch genug Gelegenheit bekommen,
sich mit komplizierten Problemen herumzuschlagen, und deshalb fangen wir
hier erst einmal ganz vorsichtig und langsam an. Natürlich hat jeder von Ihnen
während der letzten Jahre hin und wieder etwas ausrechnen müssen, und ich
vermute stark, dass Sie mit den üblichen Rechenmethoden des täglichen Le-
bens vollauf vertraut sind. Es kann trotzdem nichts schaden, zunächst einmal
einen Blick auf das ganz normale Rechnen mit Zahlen zu werfen, damit später,
wenn es um den Umgang mit Formeln geht, alle auf der gleichen Grundlage
stehen. Ich werde also jetzt eine Weile über die gewöhnlichen Grundrechen-
arten für Zahlen reden und in den nächsten Abschnitten dazu übergehen, die
erlernten Rechenmethoden auf die Arbeit mit Formeln zu übertragen.

1.1 Rechnen mit Zahlen

Die einfachsten Zahlen, mit denen wohl jeder seine rechnerische Karriere
beginnt, sind mit Sicherheit die allseits bekannten natürlichen Zahlen. Der
Ordnung halber werde ich kurz aufschreiben, was man unter der Menge der
natürlichen Zahlen versteht, und danach ein paar Worte zu dieser Definition
sagen.
1.1.1 Definition Unter der Menge der natürlichen Zahlen versteht man
die Menge
IN = {1, 2, 3, ...}.

Besonders aufregend ist das nicht, aber deshalb heissen die Zahlen ja auch
natürlich“. Was dabei genau mit dem Wort Menge“ gemeint ist und was
” ”
man mit Mengen anstellen kann, werden Sie im ersten Kapitel des Lehrbuchs
lernen. Für unsere Zwecke genügt es, dass man in einer Menge einige Din-
ge zusammenfasst, die man gerne als eine grosse Einheit betrachten würde.
In der Regel schreibt man so etwas dann genauso auf wie in der Definition
2 1 Erste Rechenmethoden

1.1.1: man schreibt die Elemente der Menge einfach zwischen zwei sogenannte
Mengenklammern { und }, und schon ist klar, wer zur Menge gehören soll.
Dass man mit den natürlichen Zahlen nicht alle Vorgänge in der richtigen
Welt darstellen kann, merken Sie spätestens dann, wenn Sie ein Haus kaufen
und dafür einen Kredit brauchen. Üblicherweise geraten Sie damit tief in die
roten Zahlen, und die mathematische Beschreibung dieser roten Zahlen sind
die negativen Zahlen. Für gewöhnlich bringt man sie in der grösseren Menge
der ganzen Zahlen unter, die aus den natürlichen Zahlen, den negativen Zahlen
und der Null besteht.
1.1.2 Definition Unter der Menge der ganzen Zahlen versteht man die
Menge
ZZ = {... − 3, −2, −1, 0, 1, 2, 3, ...}.

In der Menge der ganzen Zahlen sind auch die Rechenmöglichkeiten nicht
so eingeschränkt wie bei den natürlichen Zahlen. In IN kann ich nämlich so
richtig sorglos nur addieren und multiplizieren, denn damit verlasse ich nicht
den Bereich der natürlichen Zahlen. Beim Subtrahieren wird es schon kritisch,
weil zum Beispiel die Rechnung 2 − 5 innerhalb der natürlichen Zahlen keinen
Sinn macht. Sie ist selbstverständlich absolut problemlos, wenn man sich mit
den ganzen Zahlen anfreunden kann, denn es gilt 2 − 5 = −3. Hin und wieder
treten aber gerade beim Subtrahieren negativer Zahlen kleine Probleme auf,
und deshalb werfen wir einen kurzen Blick auf ein paar Beispiele.
1.1.3 Beispiele Solange man nur addiert, gibt es kaum Schwierigkeiten.
So ist zum Beispiel:

3 + (−2) = 3 − 2 = 1, 17 + (−25) = 17 − 25 = −8.

Beim Subtrahieren muss man etwas aufpassen, da sich zwei Minuszeichen


gegenseitig aufheben und zu einem schlichten Plus werden. Deshalb gilt zum
Beispiel:

8 − (−17) = 8 + 17 = 25, −9 − (−12) = −9 + 12 = 3.

Bei der Muliplikation gibt es einen ganz ähnlichen Effekt, der auftritt, wenn
man zwei negative Zahlen miteinander multipliziert. Wegen der Regeln Minus

mal Minus = Plus“ und Minus mal Plus = Minus“ hat man zum Beispiel:

5 · (−6) = −30, (−5) · (−6) = 30.

Das Dividieren ganzer Zahlen schliesslich gehorcht in Bezug auf die Vorzeichen
im Wesentlichen den gleichen Gesetzen wie die Multiplikation, sofern man die
Zahlen überhaupt durcheinander teilen kann, ohne den Bereich der ganzen
Zahlen zu verlassen. Das heisst beispielsweise:

(−8) : 4 = −2, (−8) : (−4) = 2,

da sich im letzten Beispiel die beiden Minuszeichen gegeneinander aufheben.


1.1 Rechnen mit Zahlen 3

Mit den ganzen Zahlen kommt man so lange zurecht, bis man auf Divisions-
aufgaben stösst. Sicher kann man 4 : 2 oder auch 51 : 3 rechnen, aber schon bei
4 : 3 gerät man etwas in Verlegenheit, weil die Division nicht mehr aufgeht. Um
also beim Dividieren allen Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, brauchen
wir noch eine weitere Zahlenart, nämlich die Menge der rationalen Zahlen, in
der sich einfach nur alle Brüche versammeln.
1.1.4 Definition Unter der Menge der rationalen Zahlen Q I versteht man
die Menge aller Brüche der Form ab , wobei a und b ganze Zahlen sind und
ausserdem b nicht Null sein darf. Dabei heisst a der Zähler und b der Nenner
des Bruchs ab .
Hier habe ich nun zum ersten Mal Platzhalter benutzt, sogenannte Varia-
blen, die die Stelle von Zahlen einnehmen. Das ist manchmal nicht zu vermei-
den. Im Fall der rationalen Zahlen ist es nicht so ganz einfach, alle rationalen
Zahlen so aufzulisten, wie ich das bei den natürlichen Zahlen und den gan-
zen Zahlen gemacht habe. Besser ist es, man beschreibt die Menge dadurch,
dass man erklärt, welche Zahlen zu ihr gehören, und genau das habe ich mit
Hilfe der Variablen a und b getan. Typische Vertreter der Menge Q I sind also
beispielsweise 34 oder auch −25 . Beachten Sie, dass damit im Grunde nur das
Ergebnis einer Division anders aufgeschrieben wird, denn 34 ist nichts anderes
als 3 : 4, und bei −2 5 handelt es sich nur um −2 : 5. Und deshalb darf der
Nenner eines Bruchs auch auf keinen Fall Null sein, weil man durch Null nicht
vernünftig dividieren kann.
Während die meisten Leute mit dem ganzzahligen Rechnen einigermassen
zurechtkommen, bereitet die Bruchrechnung oft schon etwas mehr Probleme.
Es gibt ein paar Regeln für das Rechnen mit Brüchen, die man auch als For-
meln aufschreiben kann und die Sie sicher in der einen oder anderen Form
während Ihrer Schulzeit gelernt haben. Ich möchte hier allerdings darauf ver-
zichten, die Regeln formelmässig aufzuschreiben, sondern Ihnen an einigen
Beispielen zeigen, wie man mit Brüchen rechnet und dabei die passenden Re-
geln in verbaler Form erklären.
1.1.5 Beispiele
(i) Am einfachsten ist das Multiplizieren von Brüchen. Man multipliziert zwei
Brüche, indem man Zähler mit Zähler und Nenner mit Nenner multipli-
ziert. Das heisst zum Beispiel:
2 5 2·5 10
· = = .
3 7 3·7 21
(ii) Hat man einmal die Multiplikation von Brüchen zur Verfügung, dann ist
es ganz leicht einzusehen, dass man einen Bruch auf beliebig viele verschie-
dene Arten schreiben kann. Hat man zum Beispiel den Bruch 32 , so gilt
natürlich
3 3 3 5 15
= ·1= · = .
2 2 2 5 10
4 1 Erste Rechenmethoden

Also sehen die Brüche 32 und 15


10 zwar unterschiedlich aus, bedeuten aber
genau dasselbe, weil ich 15
10 erhalten habe, indem ich 32 auf eine ganz be-
stimmte Weise mit 1 multipizierte. Diese Methode, das Aussehen eines
Bruchs zu ändern, ohne etwas mit seinem Wert anzustellen, nennt man
erweitern. Sie funktioniert so, dass man Zähler und Nenner des Bruchs
mit derselben Zahl multipliziert. So ist zum Beispiel:
4 4·2 8
= = ,
7 7·2 14
aber auch
4 4 · 17 68
= = .
7 7 · 17 119
Der umgekehrte Vorgang heisst kürzen. Dabei pflegt man Zähler und Nen-
ner durch die gleiche Zahl zu teilen, ohne etwas am Wert des Bruchs zu
ändern. Im letzten Beispiel heisst das:
68 4 · 17 4
= = ,
119 7 · 17 7
denn ich konnte Zähler und Nenner durch 17 teilen.
(iii)Das Dividieren von Brüchen ist ähnlich einfach wie das Multiplizieren.
Während man beim schlichten Multiplizieren genau Zähler mit Zähler und
Nenner mit Nenner malnimmt, muss man zum Dividieren den sogenann-
ten Divisor umdrehen und dann anschliessend beide Brüche miteinander
multiplizieren. Kürzer gesagt: man dividiert einen Bruch durch einen zwei-
ten Bruch, indem man den ersten Bruch mit dem Kehrwert des zweiten
Bruchs multipliziert. Somit ist:
3 7 3 4 3·4 3·2 6
: = · = = = ,
2 4 2 7 2·7 7 7
wobei ich unterwegs ausgenutzt habe, dass man den entstehenden Bruch
durch 2 kürzen konnte.
(iv)Am schwierigsten von allen Operationen ist die Addition bzw. Subtraktion
von Brüchen. Man kann leider nicht einfach Zähler auf Zähler und Nenner
auf Nenner addieren. Wenn Sie sich beispielsweise einen halben Kuchen
und einen viertel Kuchen vorstellen, dann haben Sie nach dem Verzehr
beider Teile vermutlich Magenschmerzen, aber ganz sicher haben Sie drei
Viertel dieses Kuchens gegessen. In Zahlen heisst das:
1 1 3
+ = .
2 4 4
Offenbar kämen Sie zu einem völlig anderen Ergebnis, wenn Sie jeweils
Zähler und Nenner addieren würden. Man muss also etwas raffinierter
vorgehen, und der Schlüssel zur Bruchaddition ist der Begriff des Haupt-
nenners. Sie können die eben aufgestellte Kuchengleichung nämlich ganz
leicht einsehen, wenn Sie sich daran erinnern, dass 12 = 24 gilt, und rechnen:
1.1 Rechnen mit Zahlen 5

1 1 2 1 3
+ = + = .
2 4 4 4 4
Man muss also durch Erweitern oder Kürzen dafür sorgen, dass beide
Brüche den gleichen Nenner haben, und dann kann man ganz simpel die
Zähler addieren. Das ist natürlich leicht in so einem Fall wie eben oder im
folgenden Beispiel:
7 2 21 2 19
− = − = .
3 9 9 9 9
Etwas genauer muss man hinsehen, wenn man zwei Nenner hat, die nicht
sehr viel miteinander zu tun haben, wie zum Beispiel:
5 7
+ .
6 8
Hier muss man erst einmal den passenden Hauptnenner finden, der offen-
bar weder 6 noch 8 heisst. Man behilft sich damit, dass man das sogenannte
kleinste gemeinsame Vielfache sucht. Zum Beispiel ist 48 ein gemeinsames
Vielfaches von 6 und 8, da es Vielfaches von 6 und von 8 ist. Es ist aber
nicht das kleinste gemeinsame Vielfache, denn auch 24 ist ein gemeinsames
Vielfaches von 6 und 8, aber natürlich ist 24 kleiner als 48. In diesem Fall
nehme ich als Hauptnenner also die 24. Damit muss ich den ersten Bruch
mit 4 erweitern, den zweiten Bruch mit 3 erweitern und erhalte:
5 7 20 21 41
+ = + = .
6 8 24 24 24
So funktioniert das immer, egal ob Sie Brüche addieren oder subtrahieren
wollen. Zum Beispiel ist
7 3 14 15 1
− = − =− .
10 4 20 20 20
Das kleinste gemeinsame Vielfache von 4 und 10 ist 20, und deshalb musste
ich den ersten Bruch mit 2 und den zweiten Bruch mit 5 erweitern.

So viel zur Bruchrechnung. Obwohl sie nicht besonders schwierig ist, ha-
ben viele Leute eine recht große Scheu davor und versuchen, sie zu vermei-
den. In gewissen Grenzen kann man das auch, wenn man bedenkt, dass eine
Bruch eigentlich nur eine Division ganzer Zahlen beschreibt, die man natürlich
auch einfach durchführen könnte. Man muss dann nur damit leben, dass man
meistens Kommazahlen erhält, die unter Umständen nicht einmal nach einer
endlichen Anzahl von Stellen aufhören. Sicher ist 12 = 0, 5 und man hat ei-
ne Zahl mit nur einer Stelle nach dem Komma. Aber wie Sie wahscheinlich
wissen oder einfach durch Dividieren ausrechnen können, ist 13 = 0, 33333...
und man hat eine Zahl mit unendlich vielen Stellen nach dem Komma. Da-
bei ist es nur ein schwacher Trost, dass immer nur die 3 vorkommt, denn
auch unendlich viele Dreien kann kein Mensch hinschreiben. Wollen Sie also
6 1 Erste Rechenmethoden

mit solchen Dezimalzahlen rechnen, so müssen Sie unter Umständen in Kauf


nehmen, dass Sie Rundungsfehler machen, weil Sie beim praktischen Rech-
nen natürlich nach einer gewissen Anzahl von Nachkommastellen aufhören
müssen. Das ändert aber natürlich nichts daran, dass man jeden Bruch auch
als Dezimalzahl schreiben kann, wobei die Dezimalzahl unter Umständen un-
endlich viele Stellen nach dem Komma hat.
Ich bin ziemlich sicher, dass ich Ihnen in diesem Abschnitt nichts nennens-
wert Neues erzählen konnte, aber es schadet nichts, sich auch die einfachen
Dinge noch einmal vor Augen zu führen. Im nächsten Abschnitt werde ich
Ihnen die Anfänge des Rechnens mit Formeln zeigen.

Übungen

1.1 Berechnen Sie:


6
(a) 35 · 73 ;
(b) 4 : 65 ;
9
4
(c) − 83 · 5
3 .
10

1.2 Berechnen Sie:


(a) 76 − 58 ;
(b) 13 54
20 + 15 ; 
3 1
(c) 4 − − 10 .

1.2 Klammerausdrücke und Brüche


Man könnte auf den ersten Blick glauben, dass jetzt achon alles klar ist, da
wir die Grundrechenarten durchgesprochen haben. Das ist aber ein Irrtum.
Gerade Sie als angehende Studenten haben allen Grund, sich mit dem reinen
Zahlenrechnen nicht zufrieden zu geben, da Sie mit Sicherheit mehr brauchen.
Nehmen wir, weil so etwas viele von Ihnen betreffen wird, ein Beispiel aus
der Welt der Programmierung. Stellen Sie sich einmal vor, Sie müssen ein
Programm schreiben, bei dem irgendwann zwei Zahlen zu addieren sind, die
der Benutzer eingibt. Beim Programmieren haben Sie natürlich keine Ahnung,
welche Zahlen der jeweiligen Benutzer gerade interessieren werden, und Sie
können deshalb im Programm nicht die Zahlenwerte festlegen. Daher bleibt
Ihnen gar nichts anderes übrig, als sogenannte Platzhalter oder auch Variablen
zu verwenden. In der Programmiersprache C würde man beipielsweise die
Anweisung
x = a + b;
verwenden, um dem Computer mitzuteilen, dass die beiden Variablen a und b
addiert werden und das Ergebnis der Addition der Variablen x gutgeschrieben
1.2 Klammerausdrücke und Brüche 7

werden soll. Sie sehen schon an diesem einfachen Beispiel, dass Sie mit For-
meln wie a+ b umgehen müssen, wenn Sie einigermassen sinnvolle Programme
schreiben wollen.
Aber das schlichte Akzeptieren der Existenz von Formeln genügt nicht.
Beim Programmieren ist es immer am besten, wenn die verwendeten For-
meln so einfach wie möglich sind, weil Sie dann die Möglichkeit von Tipp-
und Programmierfehlern etwas in Grenzen halten. Natürlich können Sie in
jeder gängigen Programmiersprache dem Computer mitteilen, dass Sie jetzt
a2 +2ab+b2
a+b ausrechnen wollen, aber wenn Sie nun zufällig wissen, dass das
genau dasselbe ist wie a + b, macht das die Programmierung schon etwas
leichter. Und umgekehrt helfen ein paar Kenntnisse über den Umgang mit
2 2
Formeln auch: beim einem Ausdruck wie a +2ab+ba−b brauchen Sie gar nicht
erst damit anzufangen, nach einer wesentlich einfacheren Formel zu suchen,
die den gleichen Wert hat, da es so eine Formel nicht gibt. Wenn man das
nicht weiss, kann man eine Menge Zeit damit verplempern, vergeblich nach
einer einfacheren Lösung zu suchen.
Es gibt also gute Gründe, sich Methoden anzueignen, die den Umgang
und das Rechnen mit Formeln ein wenig erleichtern, und mit einigen solcher
Methoden werde ich mich in diesem Abschnitt beschäftigen. Sehen wir uns
zunächst ein kleines Beispiel an.
1.2.1 Beispiel Gegeben ist der Ausdruck

3a − 4b + (−4a + 2b) − (−a + b).

Natürlich kann man für jeden konkreten Wert von a und b die entsprechen-
den Zahlen in diesen Ausdruck einsetzen und damit den Wert berechnen. Das
ist aber reichlich fehleranfällig, da doch einiges an Rechenoperationen durch-
zuführen ist. Sinnvoller ist es, diesen Ausdruck so weit wie möglich zusam-
menfassen, bevor man irgendwelche Zahlen einsetzt. Nach dem alten Prinzip,
dass man nicht Äpfel und Birnen zusammenzählen soll, kann ich nicht feststel-
len, was zum Beispiel 3a − 4b sein soll, solange ich nicht die konkreten Werte
für a und b kenne. Aber ich kann alle Summanden zusammenfassen, die die
Variable a enthalten und mich anschliessend aller Summanden annehmen, in
denen die Variable b vorkommt. Rechnen wir zunächst einmal nur bis zum
Ende des ersten geklammerten Ausdrucks. Dann haben wir

3a − 4b + (−4a + 2b) = 3a − 4b − 4a + 2b = −a − 2b.

Was ist hier passiert? Ich hatte den Ausdruck −4a + 2b zum Ausdruck 3a − 4b
zu addieren. Wenn Sie nun Zahlen einfach nur addieren, dann pflegt sich
an den Vorzeichen der betroffenen Zahlen nichts zu ändern. Wie Sie zum
Beispiel in 1.1.3 gesehen haben, ist 3 + (−2) = 3 − 2 = 1. Entsprechend ist
3a − 4b + (−4a + 2b) = 3a − 4b − 4a + 2b. Nun muss ich nur noch jeweils die
Ausdrücke mit a und die Ausdrücke mit b zusammenfassen, das heisst, ich
habe 3a − 4a = −a und −4b + 2b = −2b. Insgesamt ergibt sich für diese erste
Teilrechnung 3a − 4b + (−4a + 2b) = 3a − 4b − 4a + 2b = −a − 2b. Davon
8 1 Erste Rechenmethoden

muss ich laut Aufgabenstellung aber noch −a + b abziehen. Bedenken Sie,


dass ein Minuszeichen immer die Vorzeichen der betroffenen Zahlen umdreht,
denn beispielsweise ist −(+4) = −4 und −(−4) = 4. Bei den Klammern ist
das nicht anders, und das heisst, wenn ein Minuszeichen vor der Klammer
steht, dann drehen sich innerhalb der Klammer alle Vorzeichen um. Ich habe
also:

3a − 4b + (−4a + 2b) − (−a + b) = −a − 2b − (−a + b) = −a − 2b + a − b = −3b.

Dabei habe ich im ersten Schritt nur unser Teilergebnis eingesetzt, im zweiten
Schritt die Regel über das Umkehren der Vorzeichen benutzt und im dritten
Schritt wieder die auftretenden Ausdrücke zusammengefasst. Wegen −a+ a =
0 und −2b − b = −3b ergibt sich damit das Ergebnis −3b.
Das war nun eine sehr ausführliche Erklärung eines recht einfachen Sach-
verhalts. Ich habe hier alles so genau aufgeschrieben, damit Sie mit den
Grundzügen des Formelrechnens etwas vertrauter werden und genau wissen,
was dabei passiert. Die folgenden Beispiele funktionieren nach den gleichen
Muster, sind aber nicht mehr so ausführlich erklärt.
1.2.2 Beispiele
(i)
−(9x + 3y) − (−15x − 7y) = −9x − 3y + 15x + 7y = 6x + 4y.
Dabei habe ich in ersten Schritt die Klammern aufgelöst, indem ich die
Regel über das Umdrehen der Vorzeichen bei einem Minus vor der Klam-
mer verwendet habe. Im zweiten Schritt habe ich dann nur noch die x-
Ausdrücke und die y-Ausdrücke zusammengefasst.
(ii) Etwas übler wird die Geschichte, wenn man mehrere Klammern ineinander
schachtelt. Ist zum Beispiel der Ausdruck

12a − (3a + b − (2a − 4b))

zu vereinfachen, so geht man am besten von innen nach aussen vor. Ich
muss hier von 12a etwas abziehen, und dieses Etwas ist 3a + b − (2a − 4b).
Das kann ich mit den Überlegungen von eben ausrechnen und erhalte:

3a + b − (2a − 4b) = 3a + b − 2a + 4b = a + 5b.

Da ich diesen Ausdruck von 12a abziehen muss, erhalte ich insgesamt:

12a − (3a + b − (2a − 4b)) = 12a − (a + 5b) = 12a − a − 5b = 11a − 5b.

(iii)Das folgende Beispiel ist etwas länger, lässt sich aber genauso behandeln,
wie die Beispiele (i) und (ii). Ich werde deshalb die Rechnungen ohne
weiteren Kommentar aufschreiben. Zum Verständnis der Vorgehensweise
brauchen Sie sich nur daran zu erinnern, dass man verschachtelte Klam-
mern von innen nach aussen auflöst. Dann gilt:
1.2 Klammerausdrücke und Brüche 9

27a + (22b − (7c + 2b − a) + 25c) − (8a − (7a − 2c))


= 27a + (22b − 7c − 2b + a + 25c) − (8a − 7a + 2c)
= 27a + (a + 20b + 18c) − (a + 2c)
= 27a + a + 20b + 18c − a − 2c
= 27a + 20b + 16c.

Auf diese Weise kann man beliebig geschachtelte Klammerausdrücke zuam-


menfassen, in denen Variablen mit konstanten Zahlen multipliziert und ad-
diert werden.

Übungen

1.3 Fassen Sie zusammen:


(a) 6y + 3c − 5a + 4c − 3y + a;
(b) 10xy + 2 xy − 5xy − xy .

1.4 Fassen Sie zusammen:


(a) (a − b) + (c − [2a − 3b + (2c − 3a)] − b);
(b) x − ([(x − 2xy) − (x + 2xy)] − (5x − 4y)).

Natürlich ist das nicht alles. Sie müssen nicht nur mit Ausdrücken der
Form 17a oder −3x rechnen, die man zusammenzählen muss, sondern es kann
auch passieren, dass Variablen oder ganze Klammerausdrücke miteinander
multipliziert werden. Wir sehen uns auch dieses Problem zunächst an einem
einfachen Beispiel genau an.
1.2.3 Beispiel Ich will den Ausdruck (a + 2) · (b + 1) ausrechnen. Dazu
muss ich mir nur überlegen, dass (a + 2) · irgendetwas nichts anderes ist als
a·irgendetwas+ 2 ·irgendetwas. Zum Beispiel ist ja auch (5 + 2)·4 = 5 ·4 + 2 ·4.
In unserem Beispiel haben wir also:

(a + 2) · (b + 1) = a · (b + 1) + 2 · (b + 1).

Nun kann ich mich aber den einzelnen Klammern widmen. Genau wie eben
rechne ich a · (b + 1) aus, indem ich den Faktor a mit jedem einzelnen Sum-
manden in der Klammer multipliziere. Das heisst:

a · (b + 1) = a · b + a · 1 = a · b + a

und natürlich auch:

2 · (b + 1) = 2 · b + 2 · 1 = 2 · b + 2.

Insgesamt ergibt sich damit:

(a + 2) · (b + 1) = a · (b + 1) + 2 · (b + 1) = a · b + a + 2 · b + 2.
10 1 Erste Rechenmethoden

Weiter lässt sich hier nichts mehr ausrechnen, denn solange ich die Zahlenwer-
te von a und b nicht kenne, kann ich zum Beispiel über a · b nichts sagen. Man
pflegt solche Produkte nur etwas kürzer zu schreiben, indem man den Multi-
plikationspunkt weglässt. In dieser Schreibweise lautet das Ergebnis dann:

ab + a + 2b + 2.

Sie können an diesem einfachen Beispiel schon sehen, wie man nun Klammer-
ausdrücke miteinander multipliziert. Sie erhalten nämlich die Beziehung

(a + 2) · (b + 1) = ab + a + 2b + 2

auf denkbare einfache Weise: multiplizieren Sie jeden Summanden in der lin-
ken Klammer (also a und 2) mit jedem Summanden der rechten Klammer
(also mit b und 1), und schon steht das Endergebnis da.
Damit haben wir eine sehr wichtige Rechenmethode im Umgang mit Klam-
merausdrücken gewonnen. Sobald Sie zwei Klammerausdrücke miteinander
multiplizieren sollen, müssen Sie nur jeden Summanden in der linken Klam-
mer mit jedem Summanden in der rechten Klammer multiplizieren. Das ist
so wichtig, dass ich es gleich noch einmal als allgemeine Regel formuliere.
1.2.4 Regel Gegeben seien zwei Klammerausdrücke, wobei in jedem Klam-
merausdruck Zahlen und Variablen addiert und subtrahiert werden. Dann
multipliziert man die beiden Klammerausdrücke, indem man jeden Summan-
den der ersten Klammer mit jedem Summanden der zweiten Klammer multi-
pliziert. Man nennt dieses Verfahren das Ausmultiplizieren der Klammern.
Bedenken Sie, dass in den Klammern natürlich auch Subtraktionen vor-
kommen können, wie das auch im nächsten Beispiel der Fall sein wird. Das
ist aber nicht weiter schlimm, denn die Regel sagt ja nur aus, dass Sie alles
aus der ersten Klammer mit allem aus der zweiten Klammer multiplizieren
müssen. Wir haben uns ja vorher in Abschnitt 1.1 schon überlegt, wie man
negative Werte multipliziert: aus (−a) · b wird dann eben −ab, weil Minus
mal Plus immer Minus gibt, und aus (−a) · (−b) wird ganz schlicht ab, weil
bekanntlich Minus mal Minus zu einem Plus wird.
Diese Methode des Ausmultiplizierens werde ich jetzt noch an zwei Bei-
spielen durchrechnen.
1.2.5 Beispiele
(i) Ich will den Ausdruck

(2a − 4b)(5x − 6y + 8z) − (4x − 7y + 7z)(3a − 4b)

ausmultiplizieren und so weit wie möglich zusammenfassen. Wir hatten


uns bereits darüber geeinigt, dass man Multiplikationspunkte zwischen
Ausdrücken auch oft weglässt, und deshalb bedeutet die Aufgabe, dass
jeweils zwei Klammern miteinander multipliziert und dann die Ergebnisse
voneinander abgezogen werden sollen. Ich verwende dabei übrigens die alte
1.2 Klammerausdrücke und Brüche 11

Regel Punkt- vor Strichrechnung “, also in diesem Fall: erst Multiplika-



tion, dann Subtraktion.
Gehen wir also an die ersten beiden Klammern. Ich muss nach Regel 1.2.4
einfach nur jeden Summanden der ersten Klammer mit jedem Summanden
der zweiten Klammer multipizieren. Das heisst:

(2a − 4b)(5x − 6y + 8z)


= 2a · 5x + 2a · (−6y) + 2a · 8z − 4b · 5x − 4b · (−6y) − 4b · 8z.

Dabei habe ich zuerst den ersten Ausdruck der ersten Klammer (2a) mit
jedem Ausdruck der zweiten Klammer multipliziert und dann das gleiche
Spiel mit dem zweiten Ausdruck der ersten Klammer (−4b) durchgeführt.
Das ist schon ein guter Anfang, aber dieses Ergebnis ist doch noch reichlich
unübersichtlich. So kann man zum Beispiel in dem Ausdruck 2a · 5x sicher
die beiden Zahlen zusammenfassen und erhält 2a · 5x = 10ax. Und ebenso
kann ich dort, wo zwei Minuszeichen aufeinandertreffen, die alten Vorzei-
chenregeln verwenden und ein Pluszeichen daraus machen. Das führt dann
zu:

(2a − 4b)(5x − 6y + 8z)


= 2a · 5x + 2a · (−6y) + 2a · 8z − 4b · 5x − 4b · (−6y) − 4b · 8z
= 10ax − 12ay + 16az − 20bx + 24by − 32bz.

Mehr lässt sich hier im Augenblick nicht machen, denn ich kann nicht
wissen, was beispielsweise 10ax − 12ay sein soll, wenn ich keine weiteren
Informationen über die Werte von a, x oder y habe. Das erste Produkt ist
damit berechnet. Das zweite Produkt gehe ich auf die gleiche Weise an,
werde aber diesmal nur noch die Rechnung aufschreiben. Es gilt hier:

(4x − 7y + 7z)(3a − 4b)


= 4x · 3a + 4x · (−4b) − 7y · 3a − 7y · (−4b) + 7z · 3a + 7z · (−4b)
= 12xa − 16xb − 21ya + 28yb + 21za − 28zb.

Die beiden Teilergebnisse muss ich jetzt voneinander subtrahieren. Dabei


sollten Sie bedenken, dass zwar im ersten Teilergebnis zum Beispiel 10ax
auftaucht und im zweiten Teilergebnis 12xa, dass aber dieser Unterschied
in der Reihenfolge überhaupt keine Bedeutung hat. Ganz sicher ist 5 ·
4 = 4 · 5, und genauso ist auch ax = xa. Sobald wir uns darüber einig
geworden sind, muss ich nur noch darauf achten, dass beim Subtrahieren
alle Vorzeichen des zweiten Teilergebnisses umgedreht werden, und kann
meine Rechnung zu Ende führen. Es gilt:

10ax − 12ay + 16az − 20bx + 24by − 32bz


−(12xa − 16xb − 21ya + 28yb + 21za − 28zb)
= 10ax − 12ay + 16az − 20bx + 24by − 32bz
12 1 Erste Rechenmethoden

−12ax + 16bx + 21ay − 28by − 21az + 28bz


= 10ax − 12ax − 12ay + 21ay + 16az − 21az
−20bx + 16bx + 24by − 28by − 32bz + 28bz
= −2ax + 9ay − 5az − 4bx − 4by − 4bz.
In der ersten Zeile habe ich dabei nur ausgenutzt, dass man eine Klammer
subtrahiert, indem man alle Vorzeichen umdreht, die in der Klammer vor-
kommen. In der zweiten Zeile habe ich dann sortiert: zu den 10ax habe ich
die −12ax geschrieben, zu den −12ay die 21ay und so weiter. Zum Schluss
habe ich dann nur noch zusammengefasst: 10ax − 12ax ist natürlich −2ax,
und −12ay + 21ay ergibt 9ay, und immer so weiter.
Insgesamt haben wir also das Ergebnis:
(2a − 4b)(5x − 6y + 8z) − (4x − 7y + 7z)(3a − 4b)
= −2ax + 9ay − 5az − 4bx − 4by − 4bz.
(ii) Natürlich kann man auch mehr als zwei Klammern ausmultiplizieren. Sie
müssen dabei nur aufpassen, dass Sie nicht zu viel auf einmal machen wol-
len. Wenn Sie beispielsweise das Produkt 5 · 4 · 3 ausrechnen, dann machen
Sie das auch nicht in einem Schritt, sondern schön der Reihe nach: erst
5 · 4 und dann das Ergebnis mit 3 multiplizieren. Bei Klammerausdrücken
ist das nicht anders. Ich will jetzt zum Beispiel die drei Klammern
(2a − b) · (c − 3d) · (4x − y)
ausmultiplizieren. Ich gehe also schrittweise vor und berechne zunächst:
(2a − b) · (c − 3d) = 2a · c + 2a · (−3d) − b · c − b · (−3d) = 2ac − 6ad − bc + 3bd
nach den Methoden, die wir bisher besprochen haben. Dieses Ergebnis
muss ich anschliessend mit der dritten Klammer multiplizieren. Der einzige
Unterschied zu den bisherigen Beispielen ist der, dass hier in der ersten
Klammer schon Produkte wie 2ac oder 3bd stehen, aber für den Rechenweg
ist das völlig egal. Es gilt nämlich:
(2ac − 6ad − bc + 3bd) · (4x − y)
= 2ac · 4x + 2ac · (−y) − 6ad · 4x − 6ad · (−y)
−bc · 4x − bc · (−y) + 3bd · 4x + 3bd · (−y)
= 8acx − 2acy − 24adx + 6ady − 4bcx + bcy + 12bdx − 3bdy.
Mehr ist hier nicht zu machen, da sich keine Ausdrücke auftreiben las-
sen, die man noch ernsthaft zusammenfassen könnte: die Kombination
acx kommt eben nur einmal vor, und allen anderen Kombinationen geht
es genauso.
Damit lautet das Endergebnis:
(2a − b) · (c − 3d) · (4x − y)
= 8acx − 2acy − 24adx + 6ady − 4bcx + bcy + 12bdx − 3bdy.
1.2 Klammerausdrücke und Brüche 13

Es werden Ihnen noch ziemlich häufig Klammern begegnen, die ausmulti-


pliziert werden müssen, aber vermutlich wird das umgekehrte Problem noch
ein wenig häufiger vorkommen: das Problem des Ausklammerns, dem ich mich
nach den nächsten Übungsaufgaben zuwenden will.

Übungen

1.5 Berechnen Sie:


(a) (5a + 3b) · (8 − 2x);
(b) (2x + 3y − z) · (5 − a);

1.6 Berechnen Sie:


(a) (3x − 2y) · (2z − 4u) · (a + b);
(b) (2x + 3y) · (a − 2b) − (x − 2y) · (2a + b).

Wie Sie sehen werden, steht man manchmal vor dem Problem, eine gege-
bene Summe wie z.B. 8acx − 2acy − 24adx + 6ady − 4bcx + bcy + 12bdx − 3bdy
in ein Produkt zu verwandeln, weil man vielleicht die Hoffnung hat, einen
Faktor wegkürzen zu können, so dass hinterher alles einfacher wird. In diesem
Beispiel ist das ganz leicht, denn ich habe gerade in 1.2.5 (ii) nachgerechnet,
dass

(2a − b) · (c − 3d) · (4x − y)


= 8acx − 2acy − 24adx + 6ady − 4bcx + bcy + 12bdx − 3bdy

gilt, und damit wird mir die Produktdarstellung geschenkt. Normalerweise hat
man aber vorher gar nichts ausgerechnet, sondern muss sich mit der bloßen
Summe plagen, die man gerne als Produkt darstellen würde. Wie üblich sehen
wir uns den Sachverhalt zunächst an einem einfachen Beispiel an.
1.2.6 Beispiel Der Ausdruck

2ax − 2ay + bx − by − cx + cy

ist als Produkt darzustellen. Grundlegendes Prinzip ist dabei die Methode des
Ausklammerns. Zunächst einmal fällt auf, dass die beiden ersten Summanden
etwas gemeinsam haben, nämlich den Faktor 2a. Ich kann also schreiben:

2ax − 2ay = 2a(x − y),

denn die rechte Seite dieser Gleichung geht durch schlichtes Ausmultiplizieren
in die linke über. Damit alleine wäre noch nicht viel gewonnen, aber auch die
nächsten beiden Summanden weisen eine Gemeinsamkeit auf, weil beide den
Faktor b enthalten. Es gilt:

bx − by = b(x − y).
14 1 Erste Rechenmethoden

Zum Schluss habe ich noch −cx + cy zu behandeln, und natürlich kann ich
hier den Faktor c ausklammern. Damit ist:

−cx + cy = c(−x + y).

Insgesamt haben wir bisher den Stand

2ax − 2ay + bx − by − cx + cy = 2a(x − y) + b(x − y) + c(−x + y)

erreicht. Sie sollten aber nicht aus den Augen verlieren, dass mein Ziel darin
besteht, den ganzen Ausdruck in ein Produkt zu verwandeln. Das habe ich
auch beinahe schon geschafft, denn meine drei Summanden auf der rechten
Seite haben alle einen Faktor gemeinsam - zumindest beinahe. Es sticht ins
Auge, dass sowohl 2a(x − y) als auch b(x − y) den Faktor x − y besitzen,
während bei c(−x + y) offenbar der Faktor −x + y auftritt. Dieses kleine
Problem ist leicht zu beheben. Sie müssen nur daran denken, dass man die
Vorzeichen in einer Klammer umdrehen kann, indem man ein Minuszeichen
herauszieht. Daher ist
c(−x + y) = −c(x − y),
und schon hat auch mein dritter Summand den passenden Faktor x−y. Damit
ergibt sich:

2ax − 2ay + bx − by − cx + cy = 2a(x − y) + b(x − y) + c(−x + y)


= 2a(x − y) + b(x − y) − c(x − y)
= (x − y) · (2a + b − c).

Im letzten Schritt musste ich dabei den Faktor x − y, den alle Summan-
den gemeinsam hatten, aus jedem dieser Summanden herausziehen. Im ersten
Summanden bleibt dann noch 2a übrig, im zweiten b und im dritten −c. Somit
ist die Summe in ein Produkt zerlegt, und wir haben das Ergebnis:

2ax − 2ay + bx − by − cx + cy = (x − y) · (2a + b − c).

Auf diese Weise kann man Summen als Produkte schreiben, also in Fak-
toren zerlegen. Man sucht sich Summanden heraus, die gemeinsame Fakto-
ren haben, und klammert diese Faktoren vor. Dabei müssen Sie sehr darauf
achten, dass Sie den gemeinsamen Faktor auch wirklich aus all den Summan-
den herausnehmen, bei denen er vorkommt, weil Sie ansonsten das Ergebnis
verfälschen. Haben Sie nun diesen Vorgang des Ausklammerns erledigt, dann
kann es wie in 1.2.6 vorkommen, dass sich wieder neue Summanden mit neu-
en gemeinsamen Faktoren gebildet haben, so dass Sie das Ausklammerspiel
einfach von Neuem beginnen. Mit etwas Glück haben Sie dann zum Schluss
Ihre Summe in Faktoren zerlegt. Da dieses Verfahren wichtig ist und Ihnen
immer wieder begegnen wird, schreibe ich es noch einmal kurz in Form einer
Regel auf.
1.2 Klammerausdrücke und Brüche 15

1.2.7 Regel Man zerlegt eine Summe in Faktoren, indem man Summanden
mit gemeinsamen Faktoren sucht und diese Faktoren aus den Summanden aus-
klammert. Unter Umständen muss dieser Prozess so lange wiederholt werden,
bis eine vollständige Zerlegung der Summe in ihre Faktoren erreicht ist.
Ich will hier keine falschen Hoffnungen wecken: nicht immer kann man
eine Summe in Faktoren zerlegen, und selbst wenn es geht, dann geht es nicht
immer auf so einfache Weise. Oft genug aber ist die Regel 1.2.7 sehr hilfreich,
und wir rechnen am besten gleich noch das eine oder andere Beispiel.
1.2.8 Beispiele
(i) Ich zerlege den Ausdruck

8axnm − 4axnk + 2abnm − abnk

in seine Faktoren. Dazu gibt es mehrere Möglickeiten. Zunächst fällt auf,


dass in den ersten beiden Summanden jeweils axn vorkommt, und das ist
ein guter Grund, dieses axn vorzuklammern. Damit habe ich

8axnm − 4axnk = axn(8m − 4k),

denn beim Ausklammern von axn aus beispielsweise 8axnm bleibt genau
der Ausdruck 8m übrig. Genauso springt ins Auge, dass die letzten beiden
Summanden den gemeinsamen Faktor abn aufweisen. Das führt zu:

2abnm − abnk = abn(2m − k).

Insgesamt erhalte ich also:

8axnm − 4axnk + 2abnm − abnk = axn(8m − 4k) + abn(2m − k),

indem ich die beiden Teilergebnisse zusammenfasse. Auf den ersten Blick
sieht es so aus, als wäre es das gewesen, denn gemeinsame Faktoren schei-
nen in der neuen Darstellung nicht mehr aufzutreten. Das scheint aber nur
so. Der Faktor 8m − 4k ist nämlich von dem Faktor 2m − k nicht sehr weit
entfernt. Klammern Sie aus dem ersten Faktor die Zahl 4 heraus, dann
werden Sie feststellen, dass

8m − 4k = 4(2m − k)

gilt. Das ist aber praktisch, denn jetzt gilt:

axn(8m − 4k) + abn(2m − k) = 4axn(2m − k) + abn(2m − k)


= (2m − k)(4axn + abn)

denn ich konnte aus beiden verbliebenen Summanden den gemeinsamen


Faktor 2m − k herausklammern. Damit ist die Summe bereits als Produkt
dargestellt, aber man kann die Faktoren noch ein wenig übersichtlicher
16 1 Erste Rechenmethoden

machen. Wir sind uns wahrscheinlich darüber einig, dass man aus 2m −
k nicht mehr viel machen kann; hier gibt es offensichtlich nichts mehr
auszuklammern. Beim zweiten Faktor sieht das schon anders aus, denn
hier haben die beiden Summanden 4axn und abn noch den gemeinsamen
Faktor an, den ich deshalb ausklammern kann. Folglich gilt:

4axn + abn = an(4x + b),

und das führt zu:

axn(8m − 4k) + abn(2m − k) = 4axn(2m − k) + abn(2m − k)


= (2m − k)(4axn + abn)
= (2m − k) · an · (4x + b)
= an(2m − k)(4x + b),

wobei ich die Faktoren zum Schluss eigentlich nur aus ästhetischen Gründen
umgestellt habe. Sie hätten es genauso gut schon beim Ergebnis der dritten
Zeile belassen können. In jedem Fall haben wir die Zerlegung

8axnm − 4axnk + 2abnm − abnk = an(2m − k)(4x + b)

gefunden.
Es geht aber auch noch ganz anders. Wenn Sie sich für den gemeinsamen
Faktor axn in den ersten beiden Summanden nicht erwärmen können,
gefällt es Ihnen vielleicht besser, dass der erste und der dritte Summand
den Faktor anm gemeinsam haben, den ich deshalb aus beiden Summan-
den herausziehen. Dann ist

8axnm + 2abnm = anm(8x + 2b) = 2anm(4x + b),

denn aus der Klammer kann ich noch den gemeinsamen Faktor 2 heraus-
ziehen. Nicht viel anders sieht es beim zweiten und vierten Summanden
aus, die den Faktor ank gemeinsam haben, woraus sich ergibt:

−4axnk − abnk = ank(−4x − b) = −ank(4x + b),

denn aus der Klammer kann ich das Minuszeichen herausziehen.Den Rest
der Rechnung ziehe ich jetzt wie im ersten Fall ohne weitere Kommentare
durch. Es gilt:

8axnm − 4axnk + 2abnm − abnk = 2anm(4x + b) − ank(4x + b)


= (4x + b)(2anm − ank)
= (4x + b) · an · (2m − k),

und damit haben wir wieder das gleiche Ergebnis gewonnen, nur auf einem
anderen Weg.
1.2 Klammerausdrücke und Brüche 17

(ii) Dieses Beispiel wird wesentlich schneller gehen. Ich würde gerne den Aus-
druck
x2 + y 2
in Faktoren zerlegen, ihn also als Produkt schreiben. Das Dumme ist nur:
es geht nicht. Die Summanden x2 und y 2 haben so absolut gar nichts
gemeinsam, und das heisst, dieser Ausdruck ist nicht weiter zerlegbar.
(iii)Ähnlich trostlos sieht es bei a2 + 2ab + b2 aus. Ich kann zwar aus den
ersten beiden Summanden den gemeinsamen Faktor a ausklammern, aber
das führt nur zu
a2 + 2ab + b2 = a(a + 2b) + b2 .
Von hier aus scheint kein Weg weiterzuführen, denn die gemeinsamen Fak-
toren sind mir ausgegangen. Hier hilft nur ein ziemlich gemeiner Trick.
Wegen 2ab = ab + ab kann ich nämlich schreiben:
a2 + 2ab + b2 = a2 + ab + ab + b2
= a(a + b) + b(a + b)
= (a + b)(a + b)
= (a + b)2 .
Das Aufteilen von 2ab in ab + ab hat es mir also ermöglicht, einmal den
gemeinsamen Faktor a und einmal den gemeinsamen Faktor b vorzuklam-
mern. Dann ergab sich der gemeinsame Faktor a + b, und dessen Ausklam-
mern führte zum Endergebnis
a2 + 2ab + b2 = (a + b)2 .

Das Beispiel 1.2.8 (iii) zeigt, dass das Leben nicht immer so einfach ist
wie es die Regel 1.2.7 gerne hätte. Es zeigt aber auch, dass eine scheinbar
aussichtslose Situation mit ein wenig Glück und Einfallsreichtum noch gerettet
werden kann - ein Prinzip, das Ihnen übrigens in Ihrem Berufsleben noch
oft genug begegnen wird, vor allem kurz vor irgendwelchen Lieferterminen.
Trotzdem sollte es möglich sein, einen Fall wie in 1.2.8 (iii) auch ohne große
Einfälle durch die Anwendung von Standardverfahren zu lösen, und dafür gibt
es auch tatsächlich ein gutes Mittel: die bekannten binomischen Formeln. Ich
werde diese Regeln jetzt zunächst als Satz formulieren, dann nachrechnen,
dass sie auch wirklich stimmen, und schließlich ein wenig über sie reden.
1.2.9 Satz (Binomische Formeln) Für zwei beliebige Zahlen x und y
gilt stets:
(i) (x + y)2 = x2 + 2xy + y 2 .
(ii) (x − y)2 = x2 − 2xy + y 2 .
(iii)(x + y)(x − y) = x2 − y 2 .
Es kann nichts schaden, diese wichtigen Formeln im Rahmen eines Beispiels
nachzurechnen, zumal sie eine angenehme und einfache Übung im Ausmulti-
plizieren von Klammern sind.
18 1 Erste Rechenmethoden

1.2.10 Beispiel Es gilt:

(x + y)2 = (x + y) · (x + y)
= x2 + xy + yx + y 2
= x2 + 2xy + y 2 .

In der ersten Zeile habe ich dabei das Quadrat als Produkt der Klammer mit
sich selbst geschrieben, in der zweiten Zeile habe ich jeden Summanden der
ersten Klammer mit jedem Summanden der zweiten Klammer multipliziert,
und in der dritten Zeile habe ich schliesslich die Ausdrücke xy + yx zu 2xy zu-
sammengefasst. Insgesamt erhalte ich als Ergebnis genau die erste binomische
Formel. Die zweite binomische Formel können Sie nach exakt dem gleichen
Schema nachrechnen, und ich gebe hier nur noch die Rechenschritte an. Es
gilt:

(x − y)2 = (x − y) · (x − y)
= x2 − xy − yx + y 2
= x2 − 2xy + y 2 .

Auch die dritte binomische Formel erhalten Sie durch schlichtes Ausmultipli-
zieren. Hier haben wir:

(x + y)(x − y) = x2 − xy + yx − y 2
= x2 − y 2 .

Die Bedeutung der drei binomischen Formeln liegt nicht so sehr darin, dass
Sie jetzt beispielsweise wissen, was das Produkt von x − y und x + y ergibt.
Wichtiger ist es, sie auch von rechts nach links zu lesen. Was würden Sie
beispielsweise ohne die dritte binomische Formel mit der Aufgabe anfangen,
den Ausdruck a2 − b2 in Faktoren zu zerlegen? Wahrscheinlich gar nichts.
Mit Hilfe der dritten binomischen Formel ist es aber ganz einfach. Es gilt
natürlich a2 − b2 = (a + b)(a − b), und schon ist dieser unangenehme Ausdruck
als Produkt geschrieben.
Die Wirkungsweise dieser praktischen Formeln sehen wir uns an Hand von
einigen Beispielen an.
1.2.11 Beispiele
(i) Zunächst möchte ich den Ausdruck

(4a − 3b)2 − (3b + 4a)2

vereinfachen. Natürlich könnte ich ohne weitere Kenntnisse die Quadrate


als Produkte der Klammern mit sich selbst schreiben und dann wie ge-
wohnt ausmultiplizieren, aber die binomischen Formeln machen uns das
Leben etwas einfacher. Ich weiss nämlich beispielsweise, dass (x − y)2 =
1.2 Klammerausdrücke und Brüche 19

x2 − 2xy + y 2 gilt. Im Falle unseres speziellen Ausdrucks ist x = 4a und


y = 3b. Damit gilt:

(4a − 3b)2 = (4a)2 − 2 · 4a · 3b + (3b)2 = 16a2 − 24ab + 9b2 .

Weiterhin sagt mir die erste binomische Formel, dass (x+ y)2 = x2 + 2xy +
y 2 gilt. Mit x = 3b und y = 4a folgt daraus:

(3b + 4a)2 = (3b)2 + 2 · 3b · 4a + (4a)2 = 9b2 + 24ab + 16a2 .

Nun muss ich noch die beiden Ausdrücke voneinander abziehen und erhal-
te:

(4a − 3b)2 − (3b + 4a)2 = 16a2 − 24ab + 9b2 − (9b2 + 24ab + 16a2 )
= 16a2 − 24ab + 9b2 − 9b2 − 24ab − 16a2
= −48ab,

denn die Ausdrücke mit a2 und mit b2 heben sich jeweils gegeneinander
auf.
(ii) Wie sieht es mit dem Quadrat

(a − 2b − 3c)2

aus? Das kann ich schreiben als

((a − 2b) − 3c)2 ,

und schon passt es in die zweite binomische Formel, wenn ich x = a − 2b


und y = 3c wähle. Damit ist:

(a−2b−3c)2 = (a−2b)2 −2·(a−2b)·3c+(3c)2 = (a−2b)2 −6ac+12bc+9c2,

wobei ich im letzten Schritt einfach a − 2b mit 2 und mit 3c multipliziert


und 3c quadriert habe.
Nun habe ich aber schon wieder ein Quadrat dastehen, und zwar (a − 2b)2 .
Natürlich passt das ganz ausgezeichnet in die zweite binomische Formel
mit x = a und y = 2b. Damit ist

(a − 2b)2 = a2 − 2 · a · 2b + (2b)2 = a2 − 4ab + 4b2 .

Dieses Ergebnis muss ich nur noch oben einsetzen, um schließlich das End-
ergebnis

(a − 2b − 3c)2 = (a − 2b)2 − 6ac + 12bc + 9c2


= a2 − 4ab + 4b2 − 6ac + 12bc + 9c2
= a2 + 4b2 + 9c2 − 4ab − 6ac + 12bc
20 1 Erste Rechenmethoden

zu erhalten. Die letzte Zeile entspringt dabei übrigens nur meinen persön-
lichen ästhetischen Vorlieben, denn ich habe offenbar zwischen der zweiten
und der dritten Zeile nichts Inhaltliches verändert, sondern nur die Reihen-
folge des Aufschreibens vertauscht. Es ist allerdings ziemlich üblich, zuerst
die quadratischen Ausdrücke und dann erst die gemischten Ausdrücke wie
−4ab aufzuschreiben.
(iii)Vor einem ganz anderen Problem stehen Sie, wenn Sie den Ausdruck

16p2 + 25q 2 − 9r2 + 40pq

in Faktoren zerlegen, also als Produkt schreiben sollen. Ohne binomische


Formeln wären Sie hier völlig verloren. Mit Hilfe der binomischen Formeln
ist das aber gar nicht so schwer. Sie wissen, dass in den ersten beiden
binomischen Formeln jeweils zwei Quadrate auftauchen, und es könnte
nichts schaden, in unserem Ausdruck hier erst einmal die quadratischen
Ausdrücke zu identifizieren. Das ist aber einfach, denn sie lauten offenbar

16p2 = (4p)2 , 25q 2 = (5q)2 und 9r2 = (3r)2 .

Nun kommen aber in der ersten und der zweiten binomischen Formel die
Quadrate nur mit positivem Vorzeichen vor, und das heisst, dass −9r2 als
Mitwirkender an diesen Formeln erst einmal ausfällt. Sehen wir uns also
erst einmal den Restausdruck 16p2 + 25q 2 + 40pq an. Falls es sich hier
um eine binomische Formel handelt, müssen auf jeden Fall x = 4p und
y = 5q quadriert werden, was ja auch tatsächlich der Fall ist. Es muss
aber auch das doppelte Produkt 2xy vorkommen, und das lautet hier:
2xy = 2 · 4p · 5q = 40pq. Zum Glück enthält unser Ausdruck auch wirklich
den Summanden 40pq, und daraus folgt:

16p2 + 25q 2 + 40pq = (4p + 5q)2 .

Das hilft mir schon ein ganzes Stück weiter, denn ich habe jetzt herausge-
funden, dass

16p2 + 25q 2 − 9r2 + 40pq = (4p + 5q)2 − 9r2

gilt, indem ich den Ausdruck 9r2 zuerst ignorierte und dann das Zwischen-
ergebnis einsetzte. Nun habe ich aber offenbar auf der rechten Seite die
Differenz zweier Quadrate stehen, und das ist ganz sicher ein Fall für die
dritte binomische Formel. Sie lautet nämlich (x − y)(x + y) = x2 − y 2 , und
mit x = 4p + 5q und y = 3r heisst das:

(4p + 5q)2 − 9r2 = (4p + 5q − 3r)(4p + 5q + 3r).

Damit habe ich also insgesamt die Faktorenzerlegung:

16p2 + 25q 2 − 9r2 + 40pq = (4p + 5q)2 − 9r2 = (4p + 5q − 3r)(4p + 5q + 3r).
1.2 Klammerausdrücke und Brüche 21

(iv)Am Anfang von Abschnitt 1.2 habe ich erwähnt, dass man den Ausdruck

a2 + 2ab + b2
a+b
deutlich vereinfachen kann, wenn man ein paar Kenntnisse über das Rech-
nen mit Formeln hat. Tatsächlich ist diese Vereinfachung jetzt ganz leicht,
denn Sie wissen aus der ersten binomischen Formel, dass (a + b)2 =
a2 + 2ab + b2 gilt. Folglich kann ich den Bruch ein wenig anders schreiben.
Es gilt nämlich:

a2 + 2ab + b2 (a + b)2
= = a + b,
a+b a+b
denn das Dividieren einer quadrierten Zahl durch die Zahl selbst hat
natürlich nur noch die Zahl selbst zum Ergebnis.

Übungen

1.7 Zerlegen Sie in Faktoren:


(a) 6yz + 2yu + 3xz + ux;
(b) ab · (x + y) − x − y;
(c) 6xyzv − 2yxza − 3xbzv + axbz.

1.8 Berechnen Sie:


(a) (2a − 3x)2 ;
(b) (u − 2x + 4)2 ;
(c) (2x − 3d) · (3d + 2x).

1.9 Zerlegen Sie in Faktoren:


(a) 16c2 − 9b2 ;
(b) 9 − 24x + 16x2 − 64y 2 ;
(c) 36a2 − 60ab + 25b2 .

Beispiel 1.2.11 (iv) führt uns zu einem weiteren wichtigen Problem. Wie
kann man mit Brüchen rechnen, die nicht nur Zahlen, sondern auch noch For-
meln enthalten? In 1.2.11 (iv) haben Sie gesehen, dass man so einen Bruch
eindrucksvoll vereinfachen kann, wenn man weiss wie. Das nötige Rüstzeug ha-
ben wir uns schon verschafft: Sie wissen, was man unter Kürzen und Erweitern
versteht, Sie haben Beispiele zum Ausmultiplizieren und zum Ausklammern
gesehen, und Sie sind ein wenig mit den binomischen Formeln vertraut. Mit
all diesen Hilfsmitteln können wir uns jetzt daran machen, die Bruchrech-
nung auf das Arbeiten mit Formelausdrücken zu erweitern. Wie üblich ist es
am besten, sich das Ganze an Hand von Beispielen klar zu machen.
22 1 Erste Rechenmethoden

1.2.12 Beispiele
(i) Ich will den Bruch
15abc − 3abd + 9abe
6ab
so weit wie möglich vereinfachen. Bedenken Sie, dass ein Bruch nur eine
andere Schreibweise für eine Divisionsaufgabe ist, und dass man Brüche
jederzeit kürzen kann, sofern man in Zähler und Nenner einen gemein-
samen Faktor findet. Sie haben aber gelernt, wie man die Faktoren be-
stimmen kann, aus denen ein komplizierter Ausdruck besteht: durch unter
Umständen wiederholtes Ausklammern. Im Nenner lässt sich nicht viel
ausklammern; er besteht nur aus einem einzigen Produkt, an dem wir
nichts Grossartiges mehr ändern können. Im Zähler sieht das allerdings
schon anders aus. Er lautet 15abc − 3abd + 9abe, und offenbar hat jeder
seiner Summanden den Faktor 3ab, den ich deshalb vorklammern kann. Es
gilt also:
15abc − 3abd + 9abe = 3ab(5c − d + 3e).
Das ist aber ausgesprochen praktisch, denn der Faktor 3ab kommt auch
im Nenner vor, den ich als
6ab = 2 · 3ab
schreiben kann. Setze ich diese Ergebnisse in meinen Bruch ein, dann habe
ich
15abc − 3abd + 9abe 3ab(5c − d + 3e) 5c − d + 3e
= = .
6ab 2 · 3ab 2
Wie Sie bei der Besprechung der Bruchrechnung gelernt haben, darf ich
nämlich durch einen Faktor, der in Zähler und Nenner gemeinsam auftritt,
kürzen, und diesen Faktor habe ich mit 3ab gefunden. Streiche ich also 3ab
aus Zähler und Nenner heraus, dann bleibt im Zähler noch der kürzere
Ausdruck 5c − d + 3e und im Nenner eine simple 2. Wir erhalten daher
das Endergebnis
15abc − 3abd + 9abe 5c − d + 3e
= .
6ab 2
(ii) Ganz ähnlich müssen Sie vorgehen, wenn Sie den Bruch
ax + ay − bx − by
ax − ay − bx + by
vereinfachen sollen. Da solche Vereinfachungen fast immer etwas mit
Kürzen zu tun haben, kann es nicht schaden, Zähler und Nenner so weit
wie möglich in Faktoren zu zerlegen. Das ist nicht weiter schwer, denn im
Zähler gilt:
ax + ay − bx − by = a(x + y) − b(x + y)
= (a − b)(x + y),
1.2 Klammerausdrücke und Brüche 23

wie Sie leicht mit den besprochenen Methoden feststellen können. Dagegen
gilt im Nenner:
ax − ay − bx + by = a(x − y) − b(x − y)
= (a − b)(x − y).
Jetzt sind wir ganz schnell am Ende. Ich schreibe den ursprünglichen Bruch
mit Hilfe der berechneten Faktorenzerlegung als
ax + ay − bx − by (a − b)(x + y)
= .
ax − ay − bx + by (a − b)(x − y)
Sie sehen, dass in Zähler und Nenner jeweils der Faktor a − b auftaucht,
den ich deshalb herauskürzen darf. Damit erhalte ich:
ax + ay − bx − by (a − b)(x + y) x+y
= = .
ax − ay − bx + by (a − b)(x − y) x−y
Mehr geht nicht. Die Versuchung ist oft groß, hier noch irgendwie x oder
y herauszukürzen, aber das ist völlig unmöglich. Herauskürzen dürfen Sie
x+y
nur gemeinsame Faktoren aus Zähler und Nenner, und in dem Bruch x−y
kann man beim besten Willen keine gemeinsamen Faktoren mehr finden.
(iii)Auch die binomischen Formeln stellen in dieser Art von Bruchrechnung
noch einmal ihre Existenzberechtigung unter Beweis. So sieht zum Beispiel
der Bruch
63x − 49y
81x2 − 49y 2
auf den ersten Blick ziemlich unzugänglich aus, da gemeinsame Faktoren
in Zähler und Nenner nicht gerade ins Auge springen. Das scheint aber
nur so. Im Zähler lässt sich tatsächlich nicht viel machen, denn sobald sie
den Faktor 7 vorgeklammert haben, erhalten Sie die Darstellung
63x − 49y = 7 · (9x − 7y),
und das lässt sich nicht mehr weiter zerlegen. Anders sieht es aber im
Nenner aus. Beim genaueren Hinsehen stellen Sie fest, dass im Nenner
zwei Quadrate voneinander abgezogen werden, was immer ein Fall für die
dritte binomische Formel ist. In dieser Situation liefert sie nämlich:
81x2 − 49y 2 = (9x − 7y)(9x + 7y).
Der Bruch lässt sich also schreiben als
63x − 49y 7 · (9x − 7y)
= .
81x2 − 49y 2 (9x − 7y)(9x + 7y)
Und jetzt sehen Sie auch den gemeinsamen Faktor in Zähler und Nenner:
er heisst 9x − 7y und wartet nur darauf, herausgekürzt zu werden. Damit
ergibt sich:
63x − 49y 7
= .
81x2 − 49y 2 9x + 7y
24 1 Erste Rechenmethoden

(iv)Es gibt aber nicht nur die dritte binomische Formel, und auch die ersten
beiden kommen in solchen Bruchvereinfachungen vor. Nehmen Sie zum
Beispiel den Bruch
4a2 + 4ab + b2
.
2a2 − ab − b2
Mit der Zeit gewöhnt man sich daran, Kandidaten für die binomische For-
mel zu erkennen, und hier haben wir im Zähler sicher so einen Kandidaten.
Wann immer Sie drei Summanden haben, von denen zwei Quadrate mit
positivem Vorzeichen sind, dann besteht immerhin die Chance auf eine
erste oder zweite binomische Formel. Hier haben wir 4a2 = (2a)2 und b2 .
Ich teste also, was bei (2a + b)2 herauskommt, und tatsächlich finde ich
mit der ersten binomischen Formel:

(2a + b)2 = (2a)2 + 2 · 2a · b + b2 = 4a2 + 4ab + b2 .

Der Zähler lässt sich also mit der ersten binomischen Formel in seine Fak-
toren zerlegen. Wie sieht es nun mit dem Nenner aus? Das ist nun wieder
so ein Fall, bei dem man mit der einfachen Suche nach den gemeinsa-
men Faktoren im Nenner nicht sehr viel weiterkommt. Ich könnte zwar
beispielsweise
2a2 − ab − b2 = a(2a − b) − b2
schreiben, aber damit wäre auch schon Schluss und wir hätten nichts ge-
wonnen. Man kann sich aber hier mit einem kleinen Trick behelfen, der dir
dritte binomische Formel verwendet. Wir haben hier nänlich fast die Dif-
ferenz zweier Quadrate vorliegen, auf die man dann erfolgreich die dritte
binomische Formel anwenden kann. Ich kann nämlich schreiben:

2a2 − ab − b2 = 2a2 − b2 − ab = a2 − b2 + a2 − ab.

Hier habe ich eigentlich gar nichts getan ausser die Reihenfolge beim Zu-
sammenzählen zu ändern und zu benutzen, dass 2a2 = a2 + a2 gilt. Die
ersten beiden Summanden sind nun eindeutig ein Fall für die dritte bi-
nomische Formel, und aus den letzten beiden Summanden kann ich den
gemeinsamen Faktor a vorklammern. Damit gilt:

a2 − b2 + a2 − ab = (a − b)(a + b) + a(a − b).

Das ist recht günstig, denn jetzt habe ich zwei Summanden, die aus jeweils
zwei Faktoren bestehen und sogar einen Faktor gemeinsam haben, nämlich
a − b. Daher kann ich a − b ausklammern und erhalte:

a2 − b2 + a2 − ab = (a − b)(a + b) + a(a − b)
= (a − b)(a + b + a)
= (a − b)(2a + b).
1.2 Klammerausdrücke und Brüche 25

Jetzt sind wir so weit, dass das eigentliche Kürzen nur noch eine Kleinigkeit
ist. Der Bruch lässt sich in Zähler und Nenner in seine Faktoren zerlegen,
und es gilt:

4a2 + 4ab + b2 (2a + b)2 2a + b


2 2
= = .
2a − ab − b (a − b)(2a + b) a−b
Offenbar kann man weder im Zähler noch im Nenner irgendeine weite-
re Faktorenzerlegung durchführen, und damit ist der Bruch so weit wie
möglich vereinfacht.

Im Grunde habe ich in allen Beispielen aus 1.2.12 immer die gleiche Metho-
de angewendet. Sie ist wichtig genug, um in einer eigenen Regel festgehalten
zu werden.
1.2.13 Regel Gegeben sei ein Bruch Nenner Zähler , der so weit wie möglich ver-
einfacht werden soll. Dann ist die folgende Vorgehensweise empfehlenswert.
Zunächst zerlege man Zähler und Nenner in Faktoren, so dass sie beide je-
weils als Produkt geschrieben werden können. Anschließend überprüfe man,
ob Zähler und Nenner gemeinsame Faktoren haben. Falls ja, kürze man diese
Faktoren heraus.
Beim Vereinfachen von Brüchen spielt offenbar das Kürzen eine grosse Rol-
le. Sein Gegenstück, das Erweitern ist dagegen bisher noch kaum aufgetaucht.
Es wird uns allerdings gleich in verstärktem Mass beschäftigen, wenn es dar-
um geht, Brüche nicht nur zu vereinfachen, sondern auch mehrere Brüche zu
addieren, subtrahieren, multiplizieren und dividieren. Ich werde Ihnen jetzt
also zum Abschluss dieses Kapitels einiges über Bruchrechnung erzählen, wo-
bei allerdings im Gegensatz zu Abschnitt 1.1 in den Brüchen nicht nur Zahlen
auftauchen, sondern auch Formeln. An der prinzipiellen Vorgehensweise wird
das allerdings nichts ändern.
Aus Abschnitt 1.1 erinnern Sie sich vielleicht noch daran, dass das Rech-
nen mit Brüchen nicht weiter aufregend ist, sofern man sich auf Multiplikation
und Division beschränkt. Schließlich multipliziert man zwei Brüche ganz ein-
fach, indem man Zähler mit Zähler und Nenner mit Nenner multipliziert, und
bei der Division muss man nur den zweiten Bruch umkehren und anschlie-
ßend multiplizieren. Sehen wir uns an einigen Beispielen an, wie so etwas bei
Brüchen aussieht, die nicht mehr nur aus Zahlen bestehen.
1.2.14 Beispiele
(i) Ich will
a + b 2a − 2b
·
a−b x−y
berechnen. Da ich zum Multiplizieren der Brüche nur die jeweiligen Zähler
und Nenner multiplizieren muss, erhalte ich:
a + b 2a − 2b (a + b) · (2a − 2b)
· = .
a−b x−y (a − b) · (x − y)
26 1 Erste Rechenmethoden

Nun wäre es ganz schön, wenn man dieses Ergebnis auch noch so einfach
wie möglich darstellen könnte. Viel lässt sich hier nicht vereinfachen, aber
doch immerhin ein wenig. Den im Zähler vorkommenden Faktor 2a − 2b
kann ich als 2(a − b) schreiben, und damit habe ich im Zähler und im
Nenner den gemeinsamen Faktor a − b, den ich herauskürzen kann. Es
folgt:
a + b 2a − 2b (a + b) · 2(a − b) 2(a + b)
· = = .
a−b x−y (a − b) · (x − y) x−y
(ii) Nicht immer werden Ihnen die kürzbaren Faktoren so durchschaubar
präsentiert wie im Beispiel (i). Für die Divisionsaufgabe

x2 − 2x x2 − 4
:
x2 + 2x x2 − 1
muss man schon ein wenig genauer hinsehen. Zunächst einmal dividiert
man durch einen Bruch, indem man mit seinem Kehrbruch multipliziert.
In diesem Fall heisst das:
x2 − 2x x2 − 4 x2 − 2x x2 − 1 (x2 − 2x)(x2 − 1)
: = · = .
x2 + 2x x2 − 1 x2 + 2x x2 − 4 (x2 + 2x)(x2 − 4)

Jetzt haben wir alles auf einem Bruch stehen und können uns an das
Geschäft der Vereinfachung machen. Dazu zerlege ich wie üblich alles so
weit wie möglich in Faktoren. Aus dem ersten Faktor des Zählers kann
ich sicher x ausklammern, und der zweite Faktor ruft geradezu nach der
dritten binomischen Formel. Es gilt also:

(x2 − 2x)(x2 − 1) = x(x − 2)(x − 1)(x + 1),

und auf die gleiche Weise erhalte ich für den Nenner:

(x2 + 2x)(x2 − 4) = x(x + 2)(x − 2)(x + 2).

Ich kann meinen Bruch also schreiben als


(x2 − 2x)(x2 − 1) x(x − 2)(x − 1)(x + 1)
= .
(x2 + 2x)(x2 − 4) x(x + 2)(x − 2)(x + 2)

Der Rest ist Routine. Zähler und Nenner haben die Faktoren x und x − 2
gemeinsam, die ich deshalb herauskürzen kann. Es gilt also:

x2 − 2x x2 − 4 (x − 1)(x + 1) x2 − 1
2
: 2 = = 2 ,
x + 2x x − 1 (x + 2)(x + 2) x + 4x + 4

wie Sie den binomischen Formeln entnehmen können.


(iii)Auch reichlich kompliziert aussehende Aufgaben können zu einem über-
sichtlichen Ergebnis führen. Die Multiplikation
1.2 Klammerausdrücke und Brüche 27

4a2 − 9b2 5b2 a + 7a


·
15a2 b + 10a3 3b − 2a
sieht ganz sicher nicht nach einem reinen Vergnügen aus. Das Beste ist es
in solchen Fällen, streng nach Schema vorzugehen. Ich multipliziere also
für den Anfang erst einmal Zähler mit Zähler und Nenner mit Nenner.
Damit ist:
4a2 − 9b2 5b2 a + 7a (4a2 − 9b2 )(5b2 a + 7a)
2 3
· = .
15a b + 10a 3b − 2a (15a2 b + 10a3 )(3b − 2a)
Da nun wieder alles auf einem Bruch steht, kann ich an die Vereinfachung
gehen, indem ich nach gemeinsamen Faktoren suche. Wie Sie schon öfter
gesehen haben, zerlegt man dazu Zähler und Nenner so weit wie möglich
in ihre Faktoren. Für den Zähler gilt:

(4a2 − 9b2 )(5b2 a + 7a) = (2a − 3b)(2a + 3b)a(5b2 + 7),

wobei ich den ersten Faktor mit der dritten binomischen Formel zerlegt und
aus dem zweiten Faktor nur ein a ausgeklammert habe. Für den Nenner
gilt:
(15a2 b + 10a3 )(3b − 2a) = 5a2 (3b + 2a)(3b − 2a).
Damit ist schon fast alles klar. Da ich (2a − 3b) = −(3b − 2a) schreiben
kann, haben Zähler und Nenner den Faktor 3b − 2a gemeinsam. Sie teilen
sich ausserdem den Faktor 3b + 2a und den Faktor a, der im Nenner etwas
versteckt innerhalb von 5a2 steht. All diese gemeinsamen Faktoren kann
ich nun herauskürzen und erhalte:
(4a2 − 9b2 )(5b2 a + 7a) −(5b2 + 7)
= .
(15a2 b + 10a3 )(3b − 2a) 5a
Wir haben also das Endergebnis:

4a2 − 9b2 5b2 a + 7a 5b2 + 7


2 3
· =− .
15a b + 10a 3b − 2a 5a

Auch diese Beispiele funktionieren mit Hilfe des Kürzens, und das Erwei-
tern habe ich noch nicht gebraucht. Das wird sich gleich ändern. Was noch
aussteht, ist die Addition von Brüchen, in denen Formelausdrücke vorkom-
men, und damit werde ich mich jetzt befassen.
1.2.15 Beispiel Zu berechnen ist die Summe
1 1
+ .
a+1 a−1
Sie wissen aus Abschnitt 1.1, dass man zur Addition zweier Brüche den Haupt-
nenner bilden muss, den man mit Vorliebe als kleinstes gemeinsames Vielfa-
ches der vorkommenden Nenner berechnet. Nun haben wir hier die Nenner
28 1 Erste Rechenmethoden

a+1 und a−1, aus denen ein gemeinsames Vielfaches gebildet werden muss. In
so einem Fall, bei dem man die Nenner nicht mehr weiter in Faktoren zerlegen
kann, hat man kaum eine andere Chance als die beiden Nenner ganz schlicht
miteinander zu mulitplizieren. Ich werde also (a + 1)(a − 1) als Hauptnenner
verwenden. Um jetzt den ersten Bruch mit dem Nenner (a + 1)(a − 1) zu
versehen, werde ich ihn mit dem Faktor a − 1 erweitern. Einen Bruch mit
a − 1 erweitern heisst nämlich, Zähler und Nenner dieses Bruchs mit a − 1 zu
multiplizieren, was genau zu dem gewünschten Nenner führt. Somit ist
1 a−1
= ,
a+1 (a + 1)(a − 1)

und auf die gleiche Weise können Sie den zweiten Bruch nach Erweiterung
mit a + 1 schreiben als:
1 a+1
= .
a−1 (a + 1)(a − 1)

Jetzt haben beide Brüche den gleichen Nenner, und das macht die Addition
einfach, denn zwei Brüche mit gleichem Nenner addiert man schlicht dadurch,
dass man die Zähler addiert und den gemeinsamen Nenner beibehält. Folglich
ist:
1 1 a−1 a+1
+ = +
a+1 a−1 (a + 1)(a − 1) (a + 1)(a − 1)
a−1+a+1
=
(a + 1)(a − 1)
2a
=
(a − 1)(a + 1)
2a
= 2 .
a −1
Dabei habe ich in der dritten Zeile nur die Zähler addiert und in der vierten
Zeile die dritte binomische Formel für den Nenner benutzt. Das Ergebnis
lautet also:
1 1 2a
+ = 2 .
a+1 a−1 a −1
Schon an diesem einfachen Beispiel wird deutlich, auf welche Weise man bei
der Addition solcher Brüche vorgehen sollte. In der folgenden Regel schreibe
ich die Verfahrensweise kurz auf.
1.2.16 Regel Man addiert zwei oder mehr Brüche, indem man den Haupt-
nenner der Brüche sucht, die Brüche durch geeignete Erweiterungen mit die-
sem Hauptnenner versieht und anschließend die Zähler dieser Brüche addiert,
wobei man den gemeinsamen Nenner beibehält.
Das Problem bei der Bruchaddition liegt oft im Auffinden des Hauptnen-
ners. Natürlich kann man immer mit Gewalt vorgehen und als Hauptnenner
1.2 Klammerausdrücke und Brüche 29

einfach das Produkt aller vorkommenden Nenner verwenden. Das macht aber
oft nur wenig Sinn, weil dadurch die Rechnungen unnötig aufgebläht werden.
Hat man zum Beispiel die Nenner x − 1 und x2 − 1, dann wäre ein Haupt-
nenner (x − 1)(x2 − 1) zwar machbar, aber doch ziemlicher Unsinn. Sie wissen
nämlich, dass x2 − 1 = (x − 1)(x + 1) gilt, so dass Sie den ersten Bruch nur mit
x + 1 zu erweitern brauchen, um den wesentlich handlicheren Hauptnenner
x2 − 1 zu erhalten.
Dieses kleine Beispiel zeigt bereits, worauf es bei der Suche nach dem
Hauptnenner ankommt. Man zerlegt alle vorkommenden Nenner so weit wie
möglich in ihre Faktoren und versucht dann, an Hand dieser Faktoren den
Hauptnenner so klein und übersichtlich wie möglich zu halten. Wir sehen uns
diese Methode an einigen Beispielen an.
1.2.17 Beispiele
(i) Zu berechnen ist
4 2
+ .
a2 − ab ab − b2
Ich zerlege zunächst einmal alle vorkommenden Nenner in ihre Faktoren.
Das ist hier leicht, denn aus dem ersten Nenner kann ich nur a ausklam-
mern und aus dem zweiten Nenner nur b. Damit gilt:
4 2 4 2
+ = + .
a2 − ab ab − b 2 a(a − b) b(a − b)
In beiden Nennern habe ich also den Faktor a − b, und nur die jeweiligen
Faktoren a und b sind nicht gemeinsam. Wenn ich also den ersten Bruch
mit b erweitere und den zweiten Bruch mit a, dann haben sie beide den
gleichen Nenner ab(a − b). Ein gemeinsamer Nenner ist aber genau das,
was ich für die Addition der beiden Brüche brauche. Ich führe deshalb die
Erweiterungen durch und erhalte:
4 2 4 2
+ = +
a2 − ab ab − b2 a(a − b) b(a − b)
4b 2a
= +
ab(a − b) ab(a − b)
4b + 2a
= .
ab(a − b)
Um es noch einmal zu sagen: der Trick bei der Suche nach einem sinnvollen
Hauptnenner besteht darin, die vorkommenden Nenner in ihre Faktoren
zu zerlegen und an Hand dieser Faktoren den Hauptnenner zusammenzu-
stellen. Sie müssen dabei nur darauf achten, dass Sie keine überflüssigen
Faktoren in den Hauptnenner mit aufnehmen.
(ii) Machen wir uns das Leben etwas komplizierter und berechnen die Summe
m+n m−n mn
+ − .
m(m − n) n(m + n) m2 − n2
30 1 Erste Rechenmethoden

Die Nenner lauten hier m(m−n), n(m+n) und m2 −n2 . Während die ersten
beiden bereits in zerlegter Form vorliegen, ist die Faktorenzerlegung des
dritten Nenners dank der dritten binomischen Formel sehr einfach, denn
es gilt:
m2 − n2 = (m − n)(m + n).
Was brauche ich also für meinen Hauptnenner? Aus den ersten beiden
Nennern brauche ich auf jeden Fall die Faktoren m, n, m − n und m + n,
denn all diese Faktoren kommen in den beiden Nennern vor und lassen
sich auch nicht mehr weiter zerlegen. Mehr brauche ich aber nicht, weil
der dritte Nenner nur die Faktoren m − n und m + n aufweist, und die
habe ich ja bereits aufgeführt. Der Hauptnenner lautet also

mn(m − n)(m + n),

und ich muss mir jetzt nur noch überlegen, womit ich die einzelnen Brüche
erweitern muss, damit sie diesen Hauptnenner erhalten. Dazu genügt es
natürlich, die vorhandenen Nenner zu inspizieren und das hinzuzufügen,
was sie vom Hauptnenner unterscheidet. Den ersten Bruch werde ich also
mit n(m + n) erweitern, den zweiten Bruch mit m(m − n), und den letzten
mit mn. Daraus ergibt sich:
m+n m−n mn
+ − 2
m(m − n) n(m + n) m − n2
(m + n)n(n + m) (m − n)m(m − n) mnmn
= + −
mn(m − n)(m − n) mn(m − n)(m + n) mn(m − n)(m + n)
n(m + n)2 + m(m − n)2 − m2 n2
=
mn(m − n)(m + n)
m2 n + 2mn2 + n3 + m3 − 2m2 n + mn2 − m2 n2
=
mn(m − n)(m + n)
m3 + n3 − m2 n + 3mn2 − m2 n2
= .
mn(m − n)(m + n)

Das waren nun einige Schritte auf einmal, und wir sollten noch einen Blick
auf die Rechnung werfen. Im ersten Schritt habe ich die Brüche wie an-
gekündigt mit den passenden Faktoren erweitert. Dadurch hatten dann
alle drei Brüche den gleichen Nenner. Im zweiten Schritt habe ich streng
nach Anweisung die Zähler addiert und den gemeinsamen Nenner beibe-
halten. Das führte zu einem etwas länglichen Zähler, den ich anschliessend
durch gewöhnliches Ausmultiplizieren bzw. durch die Anwendung der er-
sten beiden binomischen Formeln ausgerechnet habe.
Insgesamt haben wir also das Ergebnis

m+n m−n mn m3 + n3 − m2 n + 3mn2 − m2 n2


+ − 2 = .
m(m − n) n(m + n) m − n2 mn(m − n)(m + n)
1.2 Klammerausdrücke und Brüche 31

(iii)In einem letzten Beispiel werfen wir einen Blick auf das Zusammenspiel
verschiedener vorgeführter Verfahren. Ich will den Ausdruck
1 1
1+a + a−1
1 1
a+1 + 1−a

vereinfachen. Es kann dabei nichts schaden, als erstes die in Zähler und
Nenner vorkommenden Additionen durchzuführen. Die Suche nach dem
Hauptnenner gestaltet sich in beiden Fällen ähnlich einfach wie in Beispiel
1.2.15, da die auftretenden Nenner nicht mehr weiter zerlegbar sind. Für
den Nenner gilt:
1 1 a−1 1+a
+ = +
1+a a−1 (1 + a)(a − 1) (1 + a)(a − 1)
a−1+1+a
=
(1 + a)(a − 1)
2a
= .
(1 + a)(a − 1)
Dagegen gilt für den Nenner:
1 1 1−a a+1
+ = +
a+1 1−a (1 − a)(a + 1) (1 − a)(a + 1)
1−a+a+1
=
(1 − a)(a + 1)
2
= .
(1 − a)(a + 1)
Das sieht schon gar nicht so schlecht aus, denn jetzt sind Zähler und Nenner
doch deutlich vereinfacht. Ich schreibe sie wieder auf einen Bruch und
erhalte jetzt den Ausdruck:
2a
(1+a)(a−1)
2 .
(1−a)(a+1)

Das sieht nun wieder etwas lästig aus, ist aber gar nicht so schlimm. Durch
einen Bruch dividiert man bekanntlich, indem man mit seinem Kehrbruch
multipliziert, und deshalb gilt:
2a
(1+a)(a−1) 2a (1 − a)(a + 1)
2 = ·
(1−a)(a+1)
(1 + a)(a − 1) 2
2a(1 − a)(a + 1)
= ,
(1 + a)(a − 1) · 2
denn ich muss die Brüche multiplizieren, indem ich Zähler mit Zähler und
Nenner mit Nenner multipliziere. Jetzt ist das Leben aber sehr übersicht-
lich geworden. a + 1 im Zähler und 1 + a in Nenner sind das Gleiche. 1 − a
32 1 Erste Rechenmethoden

im Zähler und a − 1 im Nenner sind bis auf ein Minuszeichen das Gleiche,
und sogar der Faktor 2 kommt in Zähler und Nenner vor. Ich kann also
fast alles herauskürzen und erhalte schliesslich:
2a(1 − a)(a + 1)
= −a.
(1 + a)(a − 1) · 2

Wir haben also das Endergebnis:


1 1
1+a + a−1
1 1 = −a.
a+1 + 1−a

Mit den auf Formeln angewendeten Grundrechenarten dürften Sie jetzt


hinreichend vertraut sein. Im nächsten Kapitel werden wir uns mit weiteren
mathematischen Objekten befassen: den Potenzen, den Wurzeln und den Lo-
garithmen.

Übungen

1.10 Vereinfachen Sie:


a2 −b2
(a) 9a2 +9ab ;
(a+b)2
(b) a2 −b2 ;
6ab−9b4
(c) 18a2 −27ab3 .

1.11 Berechnen Sie:


z 2 −9 z 2 +3z
(a) z 2 −1 : z 2 −z ;
x2 −4 x2 −x x2 −4x+4
(b) x2 +2x · x2 −1 : x2 +2x+1 .

1.12 Berechnen Sie:


a b
(a) a+b + a−b ;
z+2 2z+1
(b) z2 −1 − z2 −z ;
a−b a−b a+b
(c) a+1 + 3a+3 − 9a+9 .
2
Potenzen, Wurzeln und Logarithmen

In den Rechnungen des ersten Kapitels sind schon ab und zu Potenzen aufge-
treten, ohne dass uns das besonderes Kopfzerbrechen bereitet hätte. Wir wa-
ren uns wohl immer darüber einig, dass zum Beispiel x2 = x·x und n3 = n·n·n
gilt. Es gibt aber trotzdem ein paar Regeln, die einem den Umgang mit sol-
chen Potenzen etwas erleichtern können, und deshalb werde ich im nächsten
Abschnitt ein wenig über Potenzrechnung reden. Wenn man aber schon po-
tenziert, dann sind sowohl die Wurzel als auch der Logarithmus nicht weit
entfernt. Jeweils auf ihre eigene Weise pflegen Wurzeln und Logarithmen das
wieder gutzumachen, was die Potenzierung angerichtet hat - aber was das
im Einzelnen bedeutet, werde ich Ihnen im zweiten und im dritten Abschnitt
dieses Kapitels berichten. Zunächst sollten wir uns einen Überblick über die
Methoden der Potenzrechnung verschaffen.

2.1 Potenzen
Obwohl wir vermutlich alle wissen, was man unter der n-ten Potenz einer Zahl
versteht, kann eine kurze Definition nichts schaden.
2.1.1 Definition Besteht ein Produkt aus lauter gleichen Faktoren, so
schreibt man es verkürzt als Potenz. Ist also a eine Zahl und n eine natürliche
Zahl, so versteht man unter an das Produkt aus n Faktoren, wobei jeder
Faktor gleich a ist. Die Zahl a nennt man Basis der Potenz, während n als
Exponent bezeichnet wird.
Potenzen erhält man also immer dann, wenn man eine Zahl mehrfach mit
sich selbst multipliziert. Wieder einmal sehen wir uns Beispiele an.
2.1.2 Beispiele
(i) Es gilt:
24 = 2 · 2 · 2 · 2 = 16.
Genauso ist aber
34 2 Potenzen, Wurzeln und Logarithmen

(−2)4 = (−2) · (−2) · (−2) · (−2) = 16,

denn hier werden vier negative Zahlen miteinander multipliziert, was ins-
gesamt zu einer positiven Zahl führen muss.
(ii) Anders sieht es bei ungeraden Exponenten aus. So gilt zum Beispiel:

(−3)3 = (−3) · (−3) · (−3) = −27,

denn Minus mal Minus mal Minus ergibt wieder Minus.


(iii)Natürlich kann man nicht nur reine Zahlen potenzieren. Nimmt man bei-
spielsweise 2ax als Basis, so hat man:

(2ax)5 = (2ax) · (2ax) · (2ax) · (2ax) · (2ax) = 32a5 x5 .

Daran können Sie schon ein wichtiges Prinzip ablesen. Beim Potenzieren
wird ständig die gleiche Zahl mit sich selbst multipliziert. Wenn nun diese
Basiszahl wiederum aus mehreren Faktoren besteht, dann muss man eben
jeden der Faktoren ständig mit sich selbst multiplizieren, und das heisst:
jeder Faktor muss einzeln genommen und mit dem Exponenten potenziert
werden. Diese Methode werde ich später noch als Regel formulieren.
(iv)Auch Potenzen können addiert werden. Was ergibt zum Beispiel die Ad-
dition
12a3 b2 − 4a2 b3 + 5a3 b2 − 13a2 b3 ?
Das geht auch nicht anders als bei den Additionsbeispielen aus Abschnitt
1.2. Natürlich kann ich nur solche Ausdrücke zusammenfassen, bei denen
auch wirklich exakt die gleiche Potenz oder wenigstens das gleiche Produkt
von Potenzen vorkommt. In diesem Beispiel wäre das also a3 b2 einerseits
und a2 b3 andererseits. Damit gilt:

12a3 b2 − 4a2 b3 + 5a3 b2 − 13a2 b3 = 17a3 b2 − 17a2 b3 = 17a2 b2 (a − b).

Im ersten Schritt musste ich nur die gleichartigen Summanden zusammen-


fassen, und im zweiten Schritt habe ich den gemeinsamen Faktor, den bei-
de Summanden besitzen, ausgeklammert. Dabei habe ich allerdings schon
eine kleine Regel der Potenzrechnung benutzt, auf die ich später noch ge-
nauer zu sprechen komme. Wenn man nämlich aus a3 b2 den Faktor a2
vorklammert, dann bleibt genau a übrig, weil a · a2 = a · a · a = a3 gilt.
Das kann man, wie gesagt, in ein allgemeines Gesetz fassen, das wir gleich
noch besprechen werden.

Schon diese kleinen Beispiele geben einigen Anlass zum Nachdenken und
zu Regeln über das Rechnen mit Potenzen. Ich werde ganz vorsichtig mit der
einfachsten Regel anfangen, die sich auf das Addieren von Potenzen bezieht.
2.1.3 Regel Man addiert Potenzen, indem man die Summe nach gleichar-
tigen Gliedern ordnet und dann nur die gleichartigen Glieder zusammenfasst.
Dazu noch ein kurzes Beispiel.
2.1 Potenzen 35

2.1.4 Beispiel Ich will den Ausdruck

10x2 y 3 + 4x3 y 2 − 5x3 y 2 + 7x3 z 2 − 13x2 y 3

zusammenfassen. Dazu muss ich die gleichartigen Summanden zusammenfas-


sen. Offenbar gibt es Summanden mit x2 y 3 , mit x3 y 2 und mit x3 z 2 . Wenn Sie
die jeweils zusammanfassen, dann ergibt sich:

10x2 y 3 + 4x3 y 2 − 5x3 y 2 + 7x3 z 2 − 13x2 y 3 = −3x2 y 3 − x3 y 2 + 7x3 z 2 .

Wenn man möchte, kann man hier noch nach dem gleichen Prinzip wie in
2.1.2 (iv) den gemeinsamen Faktor x2 vorklammern und erhält:

10x2 y 3 + 4x3 y 2 − 5x3 y 2 + 7x3 z 2 − 13x2 y 3 = x2 (−3y 3 − xy 2 + 7xz 2 ).

Wichtiger ist die Frage, wie man wohl Potenzen multipliziert. An Hand von
zwei Beispielen zeige ich Ihnen, wie die beiden grundlegenden Multiplikations-
regeln zustandekommen.
2.1.5 Beispiele
(i) Wie finde ich 23 · 24 ? Zum Beispiel, indem ich beide Potenzen jeweils als
Produkt schreibe und mir dann ansehe, was dabei passiert ist. Es gilt:

23 · 24 = (2 · 2 · 2) · (2 · 2 · 2 · 2) = 2 · 2 · 2 · 2 · 2 · 2 · 2,

denn wenn nur Multiplikationen vorkommen, brauche ich mich nicht mit
Klammern aufzuhalten. Insgesamt steht jetzt der Faktor 2 siebenmal da,
und das heisst:
23 · 24 = 27 = 128.
Man muss also beim Multiplizieren von Potenzen mit gleicher Basis nur
die Exponenten addieren.
(ii) Wie finde ich 42 · 52 ? Auch hier kann ich die Potenzen als Produkte schrei-
ben und erhalte:

42 · 52 = 4 · 4 · 5 · 5 = 4 · 5 · 4 · 5 = 20 · 20.

Duch schlichtes Umstellen der Multiplikationsreihenfolge habe ich zweimal


den Faktor 4 · 5 = 20 erhalten, und das heisst:

42 · 52 = 202 = 400.

Man muss also beim Multiplizieren von Potenzen mit gleichem Exponenten
nur die Exponenten beibehalten und die Basen multiplizieren.

Diese beiden Ergebnisse formuliere ich jetzt in einer Regel.


36 2 Potenzen, Wurzeln und Logarithmen

2.1.6 Regel
(i) Man multipliziert zwei Potenzen mit gleicher Basis, indem man die Expo-
nenten addiert und die Basis beibehält. In Formeln:

an · am = an+m .

(ii) Man multipliziert zwei Potenzen mit gleichem Exponenten, indem man die
Basen multipliziert und den Exponenten beibehält. In Formeln:

an · bn = (ab)n .

Diese beiden Regeln sind ziemlich grundlegend für die gesamte Potenz-
rechnung, und deshalb sollten wir noch zwei kurze Beispiele dafür ansehen.
2.1.7 Beispiele
(i) Nach 2.1.7 (i) ist

5a4 x6 · 7a3 x2 = 35a4+3 x6+2 = 35a7 x8 .

(ii) Nach 2.1.7 (ii) ist


(4xy)3 = 43 x3 y 3 = 64x3 y 3 .

Das war alles nicht so schlimm, und auch das Dividieren von Potenzen
braucht niemandem schlaflose Nächte zu bereiten. Wir bereiten die allgemeine
Regel wieder mit einem kleinen Beispiel vor.
6
2.1.8 Beispiel Gesucht ist 224 . Wieder schreibe ich die vorkommenden Po-
tenzen als Produkte und finde:
26 2·2·2·2·2·2
= .
24 2·2·2·2
In diesem Bruch kann ich aber den Faktor 2 vierfach herauskürzen, da er im
Zähler sechsmal und im Nenner viermal vorkommt. Die 2 bleibt daher im
Zähler zweimal stehen und im Nenner gar nicht. Damit ergibt sich:

26
= 22 = 26−4 .
24
Man muss also beim Dividieren von Potenzen mit gleicher Basis nur die Ex-
ponenten subtrahieren.
Daraus ergibt sich eine Regel für das Dividieren von Potenzen.
2.1 Potenzen 37

2.1.9 Regel Man dividiert zwei Potenzen mit gleicher Basis, indem man
die Exponenten subtrahiert und die Basis beibehält. In Formeln:
an
= an−m .
am

Bevor ich auch diese Regel an einem weiteren Beispiel vertiefe, möche ich
sie ein wenig erweitern. Bisher bin ich davon ausgegangen, dass die Exponen-
ten grundsätzlich natürliche Zahlen sind. Das muss aber nicht so sein. Gerade
beim Dividieren von Potenzen kann es leicht passieren, dass man mit dem Ex-
ponenten in den negativen Zahlenbereich abrutscht, und da sollten Sie schon
wissen, was ein negativer Exponent zu bedeuten hat. Sehen wir uns wieder
ein Beispiel an.
4
2.1.10 Beispiel Gesucht ist jetzt 226 . Wieder schreibe ich die Potenzen als
Produkte und finde:
24 2·2·2·2
6
= .
2 2·2·2·2·2·2
Offenbar kann ich hier wieder viermal den Faktor 2 herauskürzen, was mich
zu dem Ergebnis
24 1 1
= 2 =
26 2 4
führt. Nach Regel 2.1.9 hätte ich einfach die Exponenten subtrahieren müssen
und den Ausdruck
24
= 24−6 = 2−2
26
erhalten.
Jetzt haben wir also auf einmal einen negativen Exponenten, aber zum
Glück haben wir vorher festgestellt, was er bedeuten soll: natürlich muss
1
2−2 =
22
sein, weil ansonsten meine ganze Rechnung nicht mehr stimmt. Und so ist
das immer. Wenn Sie eine Zahl mit einem negativen Exponenten potenzieren,
dann ist das genau der Kehrwert der Potenz mit dem entsprechenden positiven
Exponenten.
Auch diesen Sachverhalt werde ich jetzt wieder als Regel formulieren.
2.1.11 Regel Eine Potenz mit negativem Exponenten ist gleich dem Kehr-
wert der Potenz mit gleicher Basis und positivem Exponenten.
Jetzt können wir uns noch ein wenig mit Beispielen plagen.
38 2 Potenzen, Wurzeln und Logarithmen

2.1.12 Beispiele
(i) Zu berechnen ist

2
5xd
.
4qk
Ich kann den Bruch zuerst einmal ausquadrieren“ und erhalte:

 2
5xd 25x2 d2
= .
4qk 16q 2 k 2
Und mehr kann ich hier auch gar nicht tun, denn es gibt hier keine ge-
meinsame Basis, auf die ich die Divisionsregel anwenden könnte. Manch-
mal muss man auch in der Potenzrechnung unschöne Ausdrücke so stehen
lassen, wie sie sind. Man kann eben nicht immer gewinnen.
(ii) Zu berechnen ist
8a2 b5 c
.
4a3 b2 c2
Nach der Divisionsregel ist das:
8a2 b5 c
= 2a2−3 b5−2 c1−2 = 2a−1 b3 c−1 .
4a3 b2 c2
Bedenken Sie dabei, dass ich für c die Potenz c1 ansetzen musste, um die
Divisionsregel auch für diesen Teil anwenden zu können. Es wäre nun mein
gutes Recht, dieses Ergebnis so stehen zu lassen und als Endergebnis zu
deklarieren. Ich habe aber eine gewisse Abneigung gegen negative Expo-
nenten und versuche, ihnen aus dem Weg zu gehen. Das ist auch meistens
kein Problem, denn wie Sie gelernt haben, ist eine Potenz mit negativem
Exponenten nur der Kehrwert der entsprechenden Potenz mit positivem
Exponenten. Daher ist a−1 = a1 und c−1 = 1c . Insgesamt ergibt sich also:
8a2 b5 c −1 3 −1 2b3
= 2a b c = .
4a3 b2 c2 ac
(iii)Was soll man unter
a0
verstehen? Nach der Divisionsregel ist zum Beispiel:
a1 a
a0 = a1−1 = = = 1.
a1 a
Es gilt also stets:
a0 = 1.
Man sollte glauben, dass wir jetzt alle Grundrechenarten für Potenzen
erledigt haben, aber das stimmt nicht ganz. Wenn wir uns hier schon mit
Potenzrechnung befassen, dann sollten wir auch der Frage nachgehen, wie
man eine Potenz potenziert. Das folgende Beispiel wird Ihnen zeigen, dass
auch das nicht weiter schwer ist.
2.1 Potenzen 39

2.1.13 Beispiel Gesucht ist (32 )3 . Inzwischen kennen Sie die Methode, alle
auftretenden Potenzen als Produkte zu schreiben und dann nachzusehen, was
passiert ist. Hier mache ich es genauso. Es gilt:

(32 )3 = (3 · 3)3 = (3 · 3) · (3 · 3) · (3 · 3) = 3 · 3 · 3 · 3 · 3 · 3.

Insgesamt habe ich den Faktor 3 sechsmal in meinem Ergebnis, und das heisst:

(32 )3 = 36 = 32·3 .

Und da können Sie auch schon die allgemeine Regel ablesen. Beim Potenzieren
einer Potenz muss man einfach die auftretenden Exponenten multiplizieren.
Wieder einmal ist eine Regel fällig.
2.1.14 Regel Man potenziert eine Potenz, indem man die Basis mit dem
Produkt der auftretenden Exponenten multipliziert. In Formeln:

(an )m = a(nm) .

Auch diese Regel sehen wir uns noch an weiteren Beispielen an.
2.1.15 Beispiele
 2
(i) Zu berechnen ist (3x2 y 3 )4 . Es gilt:
 2 3 4 2  4 2 4 3 4 2
(3x y ) = 3 (x ) (y )
 2
= 81x2·4 y 3·4
 2
= 81x8 y 12
= 812 x8·2 y 12·2
= 6561x16 y 24 .

Im ersten Schritt habe ich die innere Klammer mit 4 potenziert, indem ich
jeden einzelnen Faktor innerhalb dieser Klammer mit dem Exponenten 4
versehen habe. Im zweiten und dritten Schritt habe ich diese Potenzen
nach der Potenzierungsregel ausgerechnet. Im vierten und fünften Schritt
habe ich dann nach den gleichen Methoden das bisher erreichte Ergebnis
mit 2 potenziert, um schließlich zum Endergebnis 6561x16 y 24 zu gelangen.
(ii) Was ist (x3 )3 ? Nach der Potenzierungsregel natürlich x3·3 = x9 . Und was
3
ist x(3 ) ? Hier ist die Klammer anders gesetzt, so dass ich erst den Expo-
nenten in der Klammer berechnen muss und dann potenzieren kann. Da
aber 33 = 27 gilt, ergibt sich:
3
x(3 ) = x27 .

Sie sehen also, dass man bei verschachtelten Potenzierungen sehr genau
aufpassen muss, was eigentlich gemeint ist: verschiedene Klammerungen
40 2 Potenzen, Wurzeln und Logarithmen

führen auch zu verschiedenen Ergebnissen. Ich empfehle daher, zur Vor-


sicht lieber die eine oder andere überflüssige Klammer zu setzen, als auch
nur eine einzige wichtige zu vergessen. Das erhöht die Sicherheit und re-
duziert die Wahrscheinlichkeit von Fehlern.
Damit haben wir die allgemeinen Regeln zur Potenzrechnung besprochen.
Damit diese Regeln etwas mehr Gelegenheit bekommen, sich bei Ihnen festzu-
setzen, werde ich jetzt noch eine Reihe von Beispielen durchrechnen, in denen
sich zum Teil die Regeln der Potenzrechnung mit den Methoden aus dem
ersten Kapitel vermischen.
2.1.16 Beispiele
(i) Man berechne x2n−3 · 2xm−3n+4 · 6xn+m . Beachten Sie dabei, dass die
Faktoren 2 und 6 nicht potenziert werden, da nicht etwa (2x)m−3n+4 in
der Aufgabe steht, sondern schlicht 2xm−3n+4 . Daher ist:

x2n−3 · 2xm−3n+4 · 6xn+m = 12x2n−3+m−3n+4+n+m


= 12x1+2m .

(ii) Zu berechnen ist:


 9  2 3 9   4 7 9
u3 v 5 u v x y
· : .
x4 y 6 x3 y 5 u6 y 10

Zunächst mache ich mich an den Ausdruck in der eckigen Klammer. Dabei
berechne ich erst die beiden auftretenden Potenzen und multipliziere die
Ergebnisbrüche nach den Regel über das Multiplizieren von Brüchen. Es
gilt also:
 3 5 9  2 3 9
u v u v u27 v 45 u18 v 27 u45 v 72
4 6
· 3 5
= 36 54 · 27 45 = 63 99 .
x y x y x y x y x y
Um es noch einmal zu sagen: im ersten Schritt habe ich nur die beiden
Brüche mit 9 potenziert, und im zweiten Schritt habe ich die Ergebnis-
brüche miteinander multipliziert. Dabei musste ich natürlich die auftre-
tenden Exponenten der jeweiligen Basen addieren.
Bevor ich die eigentliche Division durchführe, potenziere ich ganz nach
Vorschrift auch den letzten Bruch noch mit 9. Es ergibt sich:
 4 7 9
x y x36 y 63
= .
u6 y 10 u54 y 90
Jetzt bin ich endlich so weit, dass ich tatsächlich dividieren kann, und zwei
Brüche dividiert man, indem man den ersten Bruch mit dem Kehrbruch
des zweiten multipliziert. Das führt zu:
u45 v 72 x36 y 63 u45 v 72 u54 y 90 u99 v 72 y 90
: = · = = u99 v 72 y −72 x−99 .
x63 y 99 u54 y 90 x63 y 99 x36 y 63 x99 y 162
2.1 Potenzen 41

Die Einzelheiten dieser Rechnung möchte ich jetzt nicht weiter besprechen,
da sie nur in der Anwendung unserer Regeln bestehen. Auf Grund meiner
schon einmal erwähnten Abneigung gegen negative Exponenten schreibe
ich dieses Ergebnis noch ein wenig um. Eine Potenz mit negativem Ex-
ponenten ist ja nichts anderes als der Kehrwert der Potenz mit positivem
Exponenten, und deshalb haben wir:
u99 v 72
u99 v 72 y −72 x−99 = .
x99 y 72
Das Ergebnis lautet also:
 9  2 3 9   4 7 9
u3 v 5 u v x y u99 v 72
4 6
· 3 5
: 6 10
= 99 72 .
x y x y u y x y

(iii)Jetzt will ich den Ausdruck


 2 5  5  5
x −1 a−b a+b
· ·
a2 − b 2 1+x 1−x
so gut wie möglich vereinfachen. Potenzen mit gleichem Exponenten kann
man multiplizieren, indem man die Basen multipliziert und den Exponen-
ten beibehält. In unserem Beispiel bedeutet das:
 2 5  5  5  2 5
x −1 a−b a+b x −1 a−b a+b
· · = · · .
a2 − b 2 1+x 1−x a2 − b 2 1 + x 1 − x
Die Brüche innerhalb der Klammer werden nach der üblichen Multiplika-
tionsregel für Brüche miteinander multipliziert. Das ergibt:
 2 5  2 5
x −1 a−b a+b (x − 1)(a − b)(a + b)
· · = .
a2 − b 2 1 + x 1 − x (a2 − b2 )(1 + x)(1 − x)
Das ist aber praktisch, denn es bleibt so gut wie gar nichts übrig. Ich kann
nach der dritten binomischen Formel schreiben:
x2 − 1 = (x − 1)(x + 1) und a2 − b2 = (a − b)(a + b).
Im Nenner habe ich zwar (1 + x)(1 − x) stehen, aber das ist genau 1 − x2
und entspricht daher bis auf einen Faktor −1 genau dem Faktor x2 − 1
im Zähler. Daher kürzt sich bis auf diesen einen Faktor −1 alles aus dem
Bruch heraus, und als Ergebnis bleibt:
 2 5
(x − 1)(a − b)(a + b)
= (−1)5 = −1.
(a2 − b2 )(1 + x)(1 − x)
Ich habe also das Endergebnis:
 2 5  5  5
x −1 a−b a+b
· · = −1.
a2 − b 2 1+x 1−x
42 2 Potenzen, Wurzeln und Logarithmen

(iv)Noch ein letztes Beispiel, und ich erlöse Sie von diesem Abschnitt. Es geht
um die Vereinfachung des Ausdrucks
(6x + 2y)2 (3x − y)3
.
(18x2 − 2y 2 )2
Man muss hier schon etwas genauer hinsehen, um einen Weg zur Vereinfa-
chung zu finden. Am besten ist es, Sie verlassen sich auf die alte Methode,
Zähler und Nenner so weit wie möglich in ihre Faktoren zu zerlegen und
auf Kürzungsmöglichkeiten zu hoffen. Im Zähler ist da zunächst nicht viel
zu machen. Aus dem ersten Faktor kann ich den Faktor 2 herausklammern,
aber bedenken Sie, dass dieser Faktor 6x + 2y mit 2 potenziert wird, wes-
halb ich auch die ausgeklammerte 2 mit 2 potenzieren muss. Damit kann
ich den Zähler schreiben als:
4(3x + y)2 (3x − y)3 .
Auch der Nenner gibt auf den ersten Blick nur wenig Anlass zur Hoffnung.
Immerhin kann man wieder den Faktor 2 aus 18x2 − 2y 2 vorklammern,
und da auch im Nenner quadriert wird, heisst das:
(18x2 − 2y 2 )2 = 4(9x2 − y 2 )2 .
Nun habe ich aber auf einmal die Differenz zweier Quadrate in der Klam-
mer stehen, und da macht sich die dritte binomische Formel immer gut.
Natürlich gilt:
9x2 − y 2 = (3x − y)(3x + y),
und damit kann ich den Nenner vollständig zerlegen in die Faktoren:
(18x2 − 2y 2 )2 = 4(3x − y)2 (3x + y)2 .
Jetzt schreibe ich wieder alles auf einen Bruch um zu sehen, was sich
kürzen lässt. Es gilt:
(6x + 2y)2 (3x − y)3 4(3x + y)2 (3x − y)3
2 2 2
= .
(18x − 2y ) 4(3x − y)2 (3x + y)2
Offenbar kann ich die Faktoren 4, (3x + y)2 und (3x − y)2 aus dem Bruch
herauskürzen. Im Nenner bleibt dann eine schlichte 1 stehen, die beim
Dividieren nichts anrichtet, und im Zähler erhalte ich (3x − y). Folglich
ist:
4(3x + y)2 (3x − y)3
= 3x − y,
4(3x − y)2 (3x + y)2
und wir haben das Endergebnis:
(6x + 2y)2 (3x − y)3
= 3x − y.
(18x2 − 2y 2 )2
So viel zur Potenzrechnung. Im nächsten Abschnitt werden wir uns für
eine Weile mit Wurzeln befassen.
2.2 Wurzeln 43

Übungen

2.1 Fassen Sie zusammen:


(a) 2a2 x3 − 5a3 x2 + 3x3 a2 − x2 a3 ;
(b) 7m2 n2 + 4x2 y 2 − (3m2 n2 − 2x2 y 2 ).

2.2 Berechnen Sie:


(a) 3a2 bx · 2a4 · b4 x3 ;
(b) a4n−5 · a2m−3n+9 · a−n−2m ;
(c) 2(a + b)3x−2y · (a + b)2−x+y · 3(a + b)y−2x ;
(d) (2abc)3 ;
(e) 3xy 2 · (2xy)2 .

2.3 Vereinfachen Sie:


2x2 18x
(a) 3y 2 · 16y 4 ;
7 3
4n m
(b) 8n8 m4 ;
7(u+v)9a−3b 5(u−v)7a−4b
(c) ·
5(u−v)3a−4b 7(u+v)5a−3b
;
(15a−3b)2 ·(5a+b)2
(d) (25a2 −b2 )3 .

2.4 Berechnen Sie:


 2 3 2
(a) ac4b ;
 2 3 3  2 2 3
(b) 10u v
6x2 y 3 : 5u v
3xy 2 .

2.2 Wurzeln
In Abschnitt 2.1 bin ich der Frage nachgegangen, wie man eine Zahl mehrfach
mit sich selbst multipliziert. Das Ergebnis war die Potenzrechnung. Hat man
nun aber eine Zahl mit irgendeinem Exponenten potenziert, so kann man sich
auch dafür interessieren, wie man das Ganze wieder rückgängig macht. Mit
anderen Worten: wenn ich irgendwie an erhalten habe, wie kann ich dann
wieder meine pure Zahl a zurückbekommen? Die Antwort lautet: mit Hilfe
einer n-ten Wurzel.
2.2.1 Beispiele
(i) Sie wissen natürlich, dass 42 = 16 ist, und genauso ist 172 = 289. Das heisst
umgekehrt, dass man, um aus 16 wieder die 4 zu erhalten, irgendwie aus
der 16 die Zahl ermitteln muss, die quadriert gerade 16 ergibt. Man sagt:
4 ist die Quadratwurzel
√ oder auch schlicht die Wurzel
√ aus 16 und schreibt
dafür: 4 = 16. Natürlich ist dann auch 17 = 289.
44 2 Potenzen, Wurzeln und Logarithmen

(ii) Nun gibt es aber nicht nur Potenzen mit dem Exponenten 2. Zum Beispiel
ist 23 = 8 und 34 = 81. Wie komme ich jetzt von der 8 zurück zur 2 und
von der 81 zurück zur 3? Da es hier um dritte bzw. vierte Potenzen geht,
reicht die gewöhnliche Quadratwurzel nicht mehr aus. Um auszudrücken,
dass 2 die Zahl ist, deren dritte Potenz
√ 8 ergibt, nenne ich 2 die dritte
3
Wurzel aus 8 und schreibe dafür: 2 = √ 8. Genauso ist dann 3 die vierte
Wurzel aus 81, und man schreibt: 3 = 4 81.

Um was für eine Art von Wurzel es sich handelt, hängt also stark vom
sogenannten Wurzelexponenten ab, der angibt, die wievielte Wurzel gezogen
werden soll.
√ Eigentlich müsste man also für die Quadratwurzel von 16 den
Ausdruck 2 16 schreiben. Es hat sich aber durchgesetzt, hier auf die Angabe
der 2 zu verzichten in der Annahme, dass sich jeder das Richtige denkt.
Jetzt kann ich den Begriff der n-ten Wurzel ordentlich definieren.
2.2.2 Definition Die n-te Wurzel einer positiven Zahl a ist die positive
Zahl x, deren n-te Potenz gerade a ergibt. In Formeln:

x = n a, falls a = xn .

Die Zahl a heisst Basis oder auch Radikand, manchmal auch Wurzelinhalt. n
ist der Wurzelexponent.
Über die Wurzeln aus negativen Zahlen werde ich mich gleich äussern.
Zunächst aber noch das eine oder andere Beispiel.
2.2.3 Beispiele
(i) Was ist die dritte Wurzel aus 125? Sie können leicht nachprüfen, dass
53 = 125 ist, und deshalb gilt:

3
125 = 5.

(ii) Für positive Zahlen a und b ist

(a + b)3 = (a + b)2 (a + b)
= (a2 + 2ab + b2 )(a + b)
= a3 + a2 b + 2a2 b + 2ab2 + b2 a + b3
= a3 + 3a2 b + 3ab2 + b3 .

Daraus folgt sofort, dass umgekehrt



3
a3 + 3a2 b + 3ab2 + b3 = a + b

gilt. √
(iii)Wegen 35 = 243 ist 5 243 = 3.

Bisher habe ich mich auf positive Wurzelinhalte beschränkt. Das hat einen
einfachen Grund, denn für negative Zahlen a gibt es nicht immer eine n-te
2.2 Wurzeln 45

Wurzel. Sie wissen schon lange, dass man keine Quadratwurzel aus −4 ziehen
kann, ohne in ernsthafte Schwierigkeiten zu geraten. Auf dieses Problem stösst
man immer dann, wenn der Wurzelinhalt negativ und der Wurzelexponent
gerade ist. Hätte √
ich nämlich für eine negative Zahl a und eine gerade Zahl
n eine Zahl x = n a, dann müsste natürlich a = xn gelten. Das kann aber
nicht sein, weil xn ein Produkt ist, in dem n-mal der Faktor x vorkommt und
n eine gerade Zahl ist. Daher müssen sich nach der alten Regel Minus mal

Minus ist Plus“ alle Minuszeichen aufheben und das Ergebnis a positiv sein.
Ganz anders ist die Situation bei ungeraden
√ Wurzelexponenten. So ist zum
Beispiel (−2)3 = −8 und deshalb −2 = 3 −8. Ich kann also n-te Wurzeln aus
negativen Zahlen nur dann ziehen, wenn der Wurzelexponent n ungerade ist.
Wir definieren daher:
2.2.4 Definition Ist n ungerade, so ist die n-te Wurzel einer negativen
Zahl a die negative Zahl x, deren n-te Potenz gerade a ergibt. In Formeln:

x = n a, falls a = xn .

Die Zahl a heisst Basis oder auch Radikand, manchmal auch Wurzelinhalt. n
ist der Wurzelexponent.
Um es noch einmal zu sagen: die n-te Wurzel aus einer positiven Zahl
ist immer positiv. Dagegen ist die n-te Wurzel aus einer negativen Zahl im-
mer negativ und überhaupt nur dann möglich, wenn n ungerade ist. Dass
natürlich die n-te Wurzel aus Null immer nur Null ergibt, brauche ich kaum
zu erwähnen.
Nun gibt es selbstverständlich auch für Wurzeln eine Reihe von Regeln, die
man beherzigen sollte. Wie bei der Potenzrechnung auch, werde ich jetzt die
Regeln für das Rechnen mit Wurzeln der Reihe nach besprechen und danach
noch einige Beispiele durchgehen, die Sie noch etwas mehr an die Wurzeln
gewöhnen sollen. Zunächst einmal ist klar, dass Sie nur solche Wurzelterme
addieren dürfen, bei denen gleichartige Wurzeln vorkommen. Wir erhalten
damit die folgende Regel.
2.2.5 Regel Man addiert Wurzeln, indem man die Summe nach gleichar-
tigen Gliedern ordnet und dann nur die gleichartigen Glieder zusammenfasst.
Das ist nicht anders als bei Potenzen, aber wir sehen uns trotzdem ein
kleines Beispiel an.
2.2.6 Beispiel Der Ausdruck
√ √
4 √ √
4
5 3 x − 2 ab + 17 3 x + 5 ab

ist zusammenzufassen. Dann kann ich nur√die Summanden, in denen 3 x vor-
kommt, und die Summanden, in denen 4 ab vorkommt, getrennt behandeln
und erhalte:
√ √4 √ √
4 √ √
4
5 3 x − 2 ab + 17 3 x + 5 ab = 22 3 x + 3 ab.
46 2 Potenzen, Wurzeln und Logarithmen

Auch bei Wurzeln ist die Frage wesentlich interessanter, wie es mit der
Multiplikation aussieht. Lassen Sie uns diese Frage wieder einmal an einem
einfachen Beispiel untersuchen.

2.2.7 Beispiel Wie berechnet man 16 · 25? Natürlich kann ich das Pro-
dukt in der Wurzel ausrechnen und anschliessend per Taschenrechner die Wur-
zel ziehen, aber ich tue einfach so, als wären Ihr und mein Taschenrechner de-
fekt. Nun ist sicher 16 = 42 und 25 = 52 . Ich kann daher die Wurzel schreiben
als √ √ √ √
16 · 25 = 4 · 4 · 5 · 5 = 4 · 5 · 4 · 5 = 20 · 20.
Das macht das Leben leicht, denn jetzt suche ich nur noch nach der Quadrat-
wurzel aus 202 , die natürlich 20 betragen muss, da es sich hier um Quadrat-
wurzeln handelt. Ich habe also:
√ √ √
16 · 25 = 20 = 4 · 5 = 16 · 25.

Und schon sehen Sie das Prinzip vor sich. Ich ziehe die n-te Wurzel aus einem
Produkt, indem ich die n-ten Wurzeln aus den einzelnen Faktoren miteinander
multipliziere.
Dieses Prinzip ist eine eigene Regel wert.
2.2.8 Regel Man multipliziert Wurzeln mit gleichem Wurzelexponenten n,
indem man die n-te Wurzel aus dem Produkt der Wurzelinhalte berechnet. In
Formeln: √ √ √
n n
ab = n a · b.

Die Regel wird verdeutlicht durch zwei Beispiele.


2.2.9 Beispiele
(i) Gesucht ist √ √
3 3
16 · 4.
Das können Sie mit Ihrem Taschenrechner natürlich ausrechnen, aber wir
tun ja so, als ob das Gerät defekt wäre. Es geht allerdings auch leicht ohne.
Nach der Regel für Produkte gilt nämlich:

3

3
√3
√3
16 · 4 = 16 · 4 = 64 = 4,

denn 43 = 64.
(ii) Für zwei positive Zahlen a und b gilt:
√ √ √
225(a + b) = 225 · a + b = 15 a + b,

da 152 = 225 gilt.

Beachten Sie übrigens, dass ich die Wurzel aus a + b in Beispiel 2.2.9 (ii)
nicht weiter vereinfachen kann, auch wenn sich das viele Leute gerne wünschen
würden. Ziehen Sie niemals Wurzeln über das Pluszeichen! Ich sehe immer
2.2 Wurzeln 47

wieder Rechnungen der Art 9 + 16 = 3 + 4 = 7, wobei einfach die Wurzeln
aus den einzelnen Summanden gezogen√werden. Das √ ist aber purer Unsinn.
Schon in diesem einfachen Beispiel gilt 9 + 16 = 25 = 5 = 7.
Aus 2.2.9 (ii) kann man aber noch etwas lernen. Ich habe dort die 225 vor
die Wurzel gezogen, indem ich ihre Wurzel separat vor die Wurzel aus a + b
geschrieben habe. Umgekehrt geht das natürlich auch. Wenn Sie eine Zahl vor
einer Wurzel in diese Wurzel hineinziehen wollen, dann müssen Sie nur darauf
achten, dass Sie diese Zahl innerhalb der n-ten Wurzel mit n potenzieren.
Verwirrt? Das schadet nichts; wir sehen uns auch dazu ein Beispiel an.

2.2.10 Beispiel Ich will 3 5 in eine Wurzel schreiben, vor der nichts an- √
deres mehr steht. Das ist nicht weiter schwierig, denn ich weiss, dass 3 = 9
gilt. Zusammen mit der Multiplikationsregel führt das zu
√ √ √ √ √
3 5 = 9 · 5 = 9 · 5 = 45.

Ich bekomme also einen Vorfaktor einer n-ten Wurzel in die Wurzel hinein,
indem ich den Faktor mit n potenziere und einfach in den Wurzelinhalt hin-
einmultipliziere.
Auch dieses Prinzip formuliere ich als Regel.
2.2.11 Regel Man bringt einen vor dem Wurzelzeichen stehenden Faktor
unter die Wurzel, indem man den Faktor mit dem Wurzelexponenten poten-
ziert und dann mit dem alten Wurzelinhalt multipliziert. In Formeln:

n

n
a b = an b.

Dazu nur noch ein kurzes Beispiel.


2.2.12 Beispiel Es gilt:

4 1 4 1 √
4
x· = x4 · = x3 ,
x x
x4
denn x ist nach den Regeln der Potenzrechnung genau x3 .
Über die Multiplikation von Wurzeln ist damit alles gesagt. Der Ordnung
halber werde ich auch noch die Regel über die Division von Wurzeln formulie-
ren, obwohl sie alles andere als überraschend ist. Multipliziert haben wir zwei
n-te Wurzeln, indem wir die n-te Wurzel aus dem Produkt der Wurzelinhal-
te berechnet haben. Dividieren werden wir sie natürlich, indem wir die n-te
Wurzel aus dem Quotienten berechnen. Das formuliere ich zunächst als Regel.
2.2.13 Regel Man dividiert Wurzeln mit gleichem Wurzelexponenten n,
indem man die n-te Wurzel aus dem Quotienten der Wurzelinhalte berechnet.
In Formeln:

n
a a
n
= √n
.
b b
Auch dazu natürlich wieder Beispiele.
48 2 Potenzen, Wurzeln und Logarithmen

2.2.14 Beispiele
(i) Zu berechnen ist √
3
16
√3
.
2
Nach der Divisionsregel gilt:

3
16 3 16

3
√3
= = 8 = 2.
2 2
(ii) Für eine positive Zahl x will ich den Ausdruck
x
x2
18
vereinfachen. Nach der Divisionsregel gilt:
x

2
x
2 x 18 x · 18 √
x = x = · = = 9 = 3.
18 18 2 x 2·x
(iii)Man kann die Formel aber auch in der umgekehrten Reihenfolge lesen
und eine grosse Wurzel, in der Brüche vorkommen, als Quotient mehrerer
kleiner Wurzeln schreiben. So ist zum Beispiel:


3 6
3 8x y
3
8x3 y 6 2xy 2
= √ = ,
125a9 3
125a9 5a3
denn im ersten Schritt konnte ich die Divisionsregel für Wurzeln anwenden,
und im zweiten Schritt habe ich mit Hilfe der Multiplikationsregel die
entsprechenden dritten Wurzeln gezogen: die dritte Wurzel aus x3 ist x,
die dritte Wurzel aus y 6 ist y 2 und so weiter.
Damit sind wir schon ein ganzes Stück weiter, da die Grundrechenarten für
Wurzeln jetzt erledigt sind. Sie sollten sich aber daran erinnern, dass Wurzeln
und Potenzen eng miteinander zusammenhängen: was die Potenzierung an-
richtet, macht die passende Wurzel wieder rückgängig. Wir sollten uns daher
auch ein paar Gedanken darüber machen, wie man die Wurzeln aus Potenzen
bestimmt. Nach alter Gewohnheit zeige ich Ihnen das erst einmal an einem
Beispiel.

2.2.15 Beispiel Zu berechnen ist die Wurzel aus 163 , also 163 . Das kann
ich schreiben als
√ √ √ √ √
163 = 16 · 16 · 16 = 16 · 16 · 16 = 4 · 4 · 4 = 43 .
Anders gesagt gilt:
√ √ 3
163 = 16 .
Die Regel, die hinter diesem Beispiel steckt, lässt sich leicht formulieren:
man zieht die Wurzel aus einer Potenz, indem man die Wurzel aus der Basis
zieht und danach potenziert. Damit alles seine Ordnung hat, schreibe ich auch
das als gesonderte Regel auf.
2.2 Wurzeln 49

2.2.16 Regel Man zieht die n-te Wurzel aus einer Potenz ax , indem man
die n-te Wurzel aus der Basis a zieht und das Ergebnis mit x potenziert. In
Formeln: √  √ x
n
ax = n a .
Das sieht nicht sehr aufregend aus, erspart einem aber manchmal das Rechnen
mit zu grossen Zahlen, wie Sie gleich sehen werden.
2.2.17 Beispiele

4
(i) Gesucht ist 165 . Ich könnte natürlich erst per Taschenrechner die Zahl
5
16 ausrechnen und dann daraus die vierte Wurzel ziehen. Besser und
übersichtlicher ist es aber, die Regel 2.2.16 zu verwenden und erst die
vierte Wurzel aus der Basis 16 zu ziehen. Dann gilt:
√  √ 5
16 = 25 = 32,
4 4
165 =

denn die vierte Wurzel aus 16 ist sicher 2, und 25 ist 32.
(ii) Der Ausdruck
√ 3  √ 2
5
n · 5n
ist zu vereinfachen. Auch das lässt sich leicht mit der Regel aus 2.2.16
erledigen. Es gilt nämlich:
√ 3  √ 2 √ 5

5

5

5
5
n · 5 n = n3 · n2 = n3 · n2 = n5 = n.

Dabei habe ich von der Multiplikationsregel für Wurzeln Gebrauch ge-
macht und dann die auftretenden Exponenten multipliziert.

Leider ist damit noch nicht alles über den Zusammenhang zwischen Wur-
zeln und Potenzen gesagt. Tatsächlich kommt es vor, dass zwei Ausdrücke, in
denen Wurzeln aus Potenzen vorkommen, reichlich verschieden aussehen und
doch genau das Gleiche meinen. Werfen wir einen Blick auf ein Beispiel.

6
2.2.18 Beispiel Der Ausdruck a3 sieht auf den ersten Blick einigermassen
hoffnungslos aus. Gesucht ist dabei die Zahl, deren sechste Potenz a3 ergibt.
Auch wenn es nicht so√aussieht, kann man das aber etwas einfacher schreiben.
Wie Sie wissen, gilt ( a)2 = a, und deshalb:
 √ 3 √
a3 = ( a)2 = ( a)6 ,

denn man potenziert Potenzen, indem man die Hochzahlen multipliziert. Ich
habe also herausgefunden, dass
√ √6
a = a3

ist, und das ist sicher eine wesentlich einfachere Art, diese Zahl aufzuschreiben.
Und hinter dieser Rechnung steckt auch ein allgemeines Prinzip: Sie können
nämlich im Wurzelinhalt stehende Exponenten gegen die Wurzelexponenten
50 2 Potenzen, Wurzeln und Logarithmen

6
kürzen. Die 3 in a3 kürzt sich weg gegen die 6 im Wurzelexponenten, so
dass ich im Wurzelexponenten nur noch eine 2 und im Exponenten
√ √ des Wur-
2
zelinhaltes eine 1 habe. Damit ergibt sich das Ergebnis a1 = a.
Da dieses Kürzungsprinzip immer gilt, machen wir eine Regel daraus.
2.2.19 Regel Man kann den Wurzelexponenten und den Exponenten des
Wurzelinhaltes gegeneinander kürzen. In Formeln:

mn

amx = n ax .

Das ist für Vereinfachungszwecke manchmal ausgesprochen praktisch, wie


Sie gleich an den folgenden Beispielen sehen werden.
2.2.20 Beispiele
(i) Was ist
(ab)51 ?
17

Da 51 = 3 · 17 ist und Sie die Exponenten gegeneinander kürzen dürfen,


ergibt sich:
17
(ab)51 = (ab)3 .
Die Wurzel ist ganz einfach verschwunden, denn wenn Sie die 17 aus dem
Wurzelexponenten herauskürzen, bleibt nur noch eine 1 stehen, und die
erste Wurzel“ aus einer Zahl ist natürlich die Zahl selbst. Da Sie die

17 aber auch aus dem Exponenten 51 herauskürzen müssen, ergibt sich
insgesamt das Ergebnis (ab)3 = a3 b3 .
(ii) Gönnen wir uns einen komplizierteren Ausdruck und vereinfachen
m−n
√ 2 √ 2
m+n
xm −2mn+n2 : xm +2mn+n2 .

Das sieht übel genug aus, aber es gibt mir die Gelegenheit, wieder einmal
auf die Wichtigkeit der binomischen Formeln hinzuweisen. Der Exponent
des ersten Wurzelinhaltes ist nämlich nichts anderes als (m−n)2 und beim
zweiten Wurzelinhalt haben wir den Exponenten (m+n)2 . Da ich nun aber
die Exponenten gegeneinander kürzen kann, heisst das, dass der Wurzel-
exponent m − n gegen den Exponenten (m − n)2 gekürzt werden darf,
so dass für den Wurzelexponenten nichts Nennenswertes mehr übrigbleibt
und der Exponent im Wurzelinhalt sich zu m − n reduziert. Damit ist
m−n
√ 2
xm −2mn+n2 = xm−n .

Auf die gleiche Weise wird die nächste Wurzel auf den Ausdruck

xm+n

reduziert, und damit verbleibt für meine Divisionsaufgabe nur noch


√ 2
m−n
√ 2
m+n
xm −2mn+n2 : xm +2mn+n2
m−n m+n m−n−m−n
=x :x =x = x−2n .
2.2 Wurzeln 51

Ohne die Kürzungsregel für Exponenten wäre das nur schwer möglich ge-
wesen

Diese Kürzungsregel hat Konsequenzen für den Zusammenhang zwischen


Potenzen und Wurzeln, auf die ich später noch kurz zu sprechen komme.
Zunächst wende ich mich aber dem letzten Problem zu, das in diesem Ab-
schnitt eine eigene Regel verdient: der Frage, wie man Wurzeln aus Wurzeln
zieht. Glücklicherweise ist das kein großes Problem, wie das folgende Beispiel
zeigt.
2.2.21 Beispiel
Ich suche die dritte Wurzel aus der Quadratwurzel aus 64,
3

das heisst: 64. Da ich alle vorkommenden Wurzeln kenne, ist das ganz
einfach, denn es gilt:
3 √ √
3
64 = 8 = 2.

Andererseits ist aber auch 26 = 64, also 6 64 = 2. insgesamt habe ich daher

3 √ √
6
64 = 64.

Anders geschrieben heisst das:



3 √
2

3·2
64 = 64,

und das legt bereits eine Regel nahe. Offenbar kann ich Wurzeln aus Wurzeln
ziehen, indem ich die Wurzelexponenten miteinander multipliziere.
Damit kann ich eine Regel über das Wurzelziehen aus Wurzeln formulieren.
2.2.22 Regel Man zieht die n-te Wurzel aus einer m-ten Wurzel, indem
man die Wurzelexponenten miteinander multipliziert, also die n · m-te Wurzel
zieht. In Formeln:
n m√ √
a = nm a.

Ich muss diese Regel gleich noch ein wenig erweitern, aber das werden Sie
sofort an dem folgenden Beispiel sehen.
3

2.2.23 Beispiel Ich suche nach 216n3. Die Wurzel aus 216 kann ich
genausowenig direkt ziehen wie die Wurzel aus n3 . Allerdings kann ich die Re-
gel 2.2.22 verwenden und diese doppelte Wurzel zunächst einmal als einfache
Wurzel schreiben, indem ich die Wurzelexponenten multipliziere. Das führt
zu:
3 √ √
6
216n3 = 216n3,
denn die Quadratwurzel ist das Gleiche wie die zweite Wurzel; also muss ich
die Exponenten 2 und 3 multiplizieren. Nun ist aber nicht nur 6 = 3 · 2,
sondern auch 6 = 2 · 3, und das hilft mir dabei, den Ausdruck endgültig zu
vereinfachen. Es gilt nämlich wieder mit der Regel 2.2.22:
52 2 Potenzen, Wurzeln und Logarithmen


6

3
216n3 = 216n3,
und hier kann ich jetzt die innere Wurzel ganz leicht berechnen. Es ist nämlich
√3

3
√3
216n3 = 216 · n3 = 6n,
da 63 = 216 ist. Damit erhalte ich:
√6

216n3 = 6n,
also
3 √ √
216n3 = 6n.
Haben Sie gesehen, worauf es hier ankommt? Da ich weiss, dass ich die
Wurzelexponenten multiplizieren kann, darf ich genauso sicher die Reihenfolge
beim Wurzelziehen vertauschen: ob ich die n-te Wurzel aus der m-ten Wurzel
berechne oder umgekehrt, das spielt keine Rolle, denn laut 2.2.22 ergibt das
in beiden Fällen die mn-te Wurzel. Die Regel lautet also:
2.2.24 Regel Es gilt stets:

n m√ m √n
a= a.

Dazu nur noch ein kurzes Beispiel.



4 3
2.2.25 Beispiel Ich suche 16. Da ich die dritte Wurzel aus 16 nicht
ohne die Hilfe eines Taschenrechners bestimmen kann, versuche ich mein Glück
mit dem Vertauschen der Wurzelexponenten und finde:

4 √3 3 √4
√3
16 = 16 = 2,
und weiter kann man den Ausdruck nicht mehr vereinfachen.
Die Regeln für den Umgang mit Wurzeln haben wir jetzt besprochen. Wie
beim Abschnitt über Potenzrechnung will ich jetzt noch an einer Reihe von
Beispielen diesen Umgang mit Wurzeln ein wenig einüben.
2.2.26 Beispiele
(i) Der Ausdruck
9−x

3+ x
ist zu vereinfachen. Wie so viele Ausdrücke sieht auch dieser hier auf den
ersten Blick absolut hoffnungslos aus, und wie so oft täuscht der erste
Eindruck. Es gilt nämlich:
√ √ √
9 − x = 32 − ( x)2 = (3 − x)(3 + x)
nach der dritten binomischen Formel. Damit ist
√ √
9−x (3 − x)(3 + x) √
√ = √ = 3 − x,
3+ x 3+ x

da sich der gemeinsame Faktor 3 + x herauskürzt.
2.2 Wurzeln 53

(ii) Bei dem Ausdruck

a+b 3 a4 − a3 b
·
a a + 2ab + b2
2

ist der Ausdruck vor der Wurzel in die Wurzel zu bringen und anschließend
der Ausdruck zu vereinfachen. Laut Regel 2.2.11 kann ich einen Faktor
innerhalb der Wurzel unterbringen, indem ich ihn mit 3 potenziere und
das Ergebnis zum Wurzelinhalt dazu multipliziere. Es gilt also:

a+b 3 a4 − a3 b 3 (a + b)
3 a4 − a3 b
· = ·
a a2 + 2ab + b2 a3 a2 + 2ab + b2

(a + b)3 a4 − a3 b
= 3 · ,
a3 (a + b)2

wobei ich im zweiten Schritt für den zweiten Nenner die erste binomische
Formel verwendet habe. Berücksichtige ich noch, dass ich aus dem zweiten
Zähler den Faktor a3 vorklammern kann, so ergibt sich:

(a + b)3 a4 − a3 b 3 a3 (a − b)
3 (a + b)
3
· = · ,
a3 (a + b)2 a3 (a + b)2

und es kürzen sich sowohl (a + b)2 als auch a3 heraus. Das heisst:

(a + b)3 a3 (a − b)
3
3
· = 3
(a + b)(a − b) = a2 − b 2 .
a3 (a + b)2

Ich habe also das Endergebnis:


a+b 3 a4 − a3 b 3
· = a2 − b 2 .
a a2 + 2ab + b2

n+3
(iii)Was ist a4n+12 ? Hier zieht das Prinzip des Kürzens der Exponenten,
denn es gilt 4n + 12 = 4(n + 3). Daher ist

a4n+12 = a4 ,
n+3

weil sich der gesamte Wurzelexponent wegkürzen lässt und nur noch der
nackte Wert a4 übrigbleibt.
(iv)Der Ausdruck

a b
a

b a b
ist mit Hilfe eines einzigen Wurzelzeichens darzustellen. In solchen Fällen,
bei denen Verschachtelungen von Wurzeln auftreten, ist es normalerweise
am besten, sich von innen nach aussen vorzuarbeiten. Ganz innen haben
wir
54 2 Potenzen, Wurzeln und Logarithmen


b a b2 a b
= · = .
a b a2 b a
Dabei habe ich in der ersten Gleichung den Vorfaktor in die Wurzel hin-
eingezogen und in der zweiten Gleichung nur noch innerhalb der Wurzel
gekürzt. Das macht die Sache immerhin schon ein wenig übersichtlicher,
denn jetzt gilt:




a b a  a
 b a4 b
= = ,
b a b b a b a

wie Sie der Regel 2.2.22 entnehmen können. Nun muss ich den Vorfaktor
a
b in die vierte Wurzel hineinziehen. Das mache ich, indem ich ihn mit vier
potenziere und diese vierte Potenz zum Inhalt der vierten Wurzel dazu
multipliziere. Dann ist:


a4 b 4 3
4 a b 4 a
= 4
· = 3
.
b a b a b
Jetzt sind wir fast schon fertig, denn die Quadratwurzel aus der vierten
Wurzel ist laut 2.2.22 genau die achte Wurzel, und ich kann schreiben:

3 3
4 a 8 a
3
= 3
.
b b
Insgesamt erhalte ich daher das Endergebnis:



a b
a 3
 8 a
= 3
.
b a b b

Mit Wurzeln haben wir uns nun lange genug beschäftigt, und ich werde
auch gleich das Thema wechseln und Ihnen einiges über Logarithmen erzählen.
Nur noch eine kurze Bemerkung. In 2.2.19 hatten wir festgehalten, dass man
den Wurzelexponenten gegen den Exponenten im Wurzelinhalt kürzen kann,
und das erinnert doch sehr an Bruchrechnung. Es hängt auch eng mit der
Bruchrechnung zusammen, denn auf Grund dieser Kürzungsmöglichkeit kann
man jede Wurzel tatsächlich als Potenz darstellen
√ - allerdings mit einem
√ Bruch
3 2 14 17
als Exponenten. So setzt man zum Beispiel a2 = a 3 oder auch x17 = x 14 .
Allgemein heisst das:
2.2.27 Bemerkung Man kann Wurzeln auch als Potenzen schreiben, indem
man setzt: √
n m
am = a n .
Man kann sich überlegen, dass dann auch für diese rationalen Exponenten alle
Regeln der Potenzrechnung erfüllt sind, so dass man mit Hilfe der Potenzrech-
nung auch Wurzelrechnung betreiben kann. Dennoch war es wichtig, dass wir
2.3 Logarithmen 55

uns mit den Regeln zur Wurzelrechnung befasst haben, und ich werde das
Thema der rationalen Exponenten deshalb nicht weiter vertiefen.

Übungen

2.5 Berechnen Sie so weit wie möglich:



(a) √125x 3
√; √
5
(b) √ 3 · 5 9 · 5 9;
(c) 32.

2.6 Vereinfachen Sie:


a−b
√ ;
(a) √
a− b

3
(b) x + y · 3 x2 + 2xy + y 2 ;
(a+b)6 (a+b)3
(c) 9
c5 · 9
c4 .

2.7 Schreiben Sie die folgenden Ausdrücke als jeweils eine Wurzel:

(a) 3 · 12;
a
(b) (a + b) · 3 (a+b) 3;

3 y2
(c) 3x
2y · x2 .

2.8 Vereinfachen Sie:



4
(a) a√2 ;
a−b a+3b
(b) a−b√c 4b ;

3
√c
(c) 729x9 ;

(d) a x2a y 6a .

Nun aber zu den Logarithmen.

2.3 Logarithmen
Die n-ten Wurzeln, mit denen ich Sie im letzten Abschnitt geplagt habe, sind
in gewisser Weise die Umkehrung der n-ten Potenz: hat √ man zwei positive
Zahlen a und x gegeben, so folgt aus x = an , dass a = n x gilt. Wie sieht es
nun aber aus, wenn man a und x kennt und den Exponenten n herausfinden
will? Dazu braucht man den Logarithmus, und was das bedeutet, sehen wir
uns an zwei einfachen Beispielen an.
56 2 Potenzen, Wurzeln und Logarithmen

2.3.1 Beispiele

(i) Sie wissen, dass 23 = 8 gilt. Dass man daraus die Beziehung 2 = 3 8 folgern
kann, ist Ihnen nichts Neues. Nun will ich aber die Gleichung nach dem
Exponenten 3 auflösen, und dazu führt man den Begriff des Logarithmus
ein und sagt, dass 3 der Logarithmus von 8 zur Basis 2 ist. Die Schreibweise
dafür ist:
3 = log2 8.
Das ist nur eine abkürzende Schreibweise für den Sachverhalt, dass die 3
die Zahl ist, mit der Sie 2 potenzieren müssen, um 8 zu erhalten.
(ii) Nehmen wir ein Beispiel mit negativen Exponenten. Das Potenzieren mit
einer negativen Zahl führt man bekanntlich durch, indem man den Kehr-
wert der Potenz mit positivem Exponenten nimmt. So ist beispielsweise
3−2 = 312 = 19 . Daher ist −2 die Zahl, mit der ich 3 potenzieren muss, um
das Ergebnis 19 zu erhalten. Und das heisst wieder: −2 ist der Logarithmus
von 19 zur Basis 3. In Formelschreibweise sagt man:
1
−2 = log3 .
9
Der Logarithmus ist also, obwohl er einen so abschreckenden Namen hat,
absolut nichts Aufregendes. Er beschreibt nur die schlichte Tatsache, dass man
eine Zahl mit einem bestimmten Wert potenzieren muss, um eine andere Zahl
zu erhalten. Genau diesen Sachverhalt werde ich jetzt definieren.
2.3.2 Definition Sind a und x positive Zahlen, so versteht man unter dem
Logarithmus von x zur Basis a die Zahl, mit der man a potenzieren muss, um
x zu erhalten. Man schreibt dafür:
b = loga x.
Dabei heisst a die Basis des Logarithmus.
Um es noch einmal zu sagen: wenn b = loga x gilt, dann heisst das nur,
dass b die Zahl ist, mit der man a potenzieren muss, um x zu bekommen.
Kürzer gesagt: ab = x. Den Logarithmus brauche ich also, um eine Gleichung
wie ab = x nach dem Exponenten b auflösen zu können.
Werfen wir einen kurzen Blick auf vier Beispiele.
2.3.3 Beispiele
(i) Wegen 1000 = 103 ist log10 1000 = 3, denn 3 ist die Zahl, mit der ich 10
potenzieren muss, um 1000 zu erhalten.
(ii) Aus 25 = 32 folgt log2 32 = 5, denn 5 ist die Zahl, mit der ich 2 potenzieren
muss, um 32 zu erhalten.
(iii)Wegen 0, 01 = 10−2 ist log10 0, 01 = −2 denn −2 ist die Zahl, mit der ich
10 potenzieren muss, um 0, 01 zu erhalten.
(iv)Nach der ersten binomischen Formel ist (a + b)2 = a2 + 2ab + b2 . Daher ist
loga+b (a2 + 2ab + b2) = 2, denn 2 ist die Zahl, mit der ich a + b potenzieren
muss, um a2 + 2ab + b2 zu bekommen.
2.3 Logarithmen 57

Nun gibt es natürlich auch für den Logarithmus einige Rechenregeln, die
man beherzigen sollte. Wir haben uns inzwischen aber so lange und ausführlich
mit den Regeln für das Potenzieren und die Wurzeln befasst, dass ich Ihnen
und mir den Luxus gönne, die Regeln für den Logarithmus in etwas kürzerer
Form zu besprechen, ohne dabei an Vollständigkeit zu verlieren. Im folgenden
Beispiel werde ich erst einmal die grundlegende Regel entwickeln, die sich mit
der Addition von Logarithmen befasst.
2.3.4 Beispiel Aus 23 = 8 und 24 = 16 folgt

log2 8 = 3 und log2 16 = 4.

Was passiert nun, wenn ich die beiden Logarithmen addiere? Natürlich ist

log2 8 + log2 16 = 3 + 4 = 7.

Aber auch die 7 ist ein Logarithmus zur Basis 2, nämlich der Logarithmus
von 27 zur Basis 2, da ich 2 mit 7 potenzieren muss, um 27 zu erhalten. Damit
erhalte ich die Gleichung:

log2 8 + log2 16 = log2 27 .

Nun war aber 8 = 23 und 16 = 24 , und das heisst:

log2 23 + log2 24 = log2 27 = log2 (23 · 24 ).

Damit habe ich erreicht, was ich wollte. Das Beispiel zeigt, dass ich die Summe
zweier Logarithmen zur gleichen Basis bilden kann, indem ich den Logarith-
mus des Produkts berechne.
Das ist eine der drei Regeln, die ich gleich aufschreibe. Ich werde diesmal
darauf verzichten, die Regeln sowohl verbal als auch in Formelschreibweise
aufzuführen, sondern mich auf die Formeln beschränken, da hier die verbale
Formulierung ein wenig schwerfällig wäre. Ausserdem vertraue ich darauf, dass
Sie mittlerweile im Formelrechnen so geübt sind, dass Ihnen ein paar textlose
Formeln nicht mehr so viel ausmachen.
2.3.5 Regeln Für x, y > 0 gelten die folgenden Regeln.
(i) loga (xy)
  = loga x + loga y ;
(ii) loga xy = loga x − loga y;
y
√ ) = y · loga x;
(iii)loga (x
(iv)loga n x = n1 · loga x.

Die erste Regel haben Sie schon in 2.3.4 gesehen. Dort war a = 2, x = 23
und y = 24 . Die zweite Regel sieht ganz ähnlich aus: während sich das Multipli-
zieren im Logarithmus auf das Addieren der einzelnen Logarithmen überträgt,
kann man im Logarithmus dividieren, indem man die einzelnen Logarithmen
subtrahiert. Die dritte Regel und vierte Regel sind vielleicht etwas überra-
schend, aber sehr praktisch: den Logarithmus aus einer Potenz xy kann man
58 2 Potenzen, Wurzeln und Logarithmen

berechnen, indem man den Exponenten y einfach vor den Logarithmus von x
schreibt, und beim Logarithmieren einer n-ten Wurzel geht man ganz ähnlich
mit dem Vorfaktor n1 vor.
Sehen wir uns die Wirkung dieser Regeln an Beispielen an.
2.3.6 Beispiele
(i) Fangen wir ganz vorsichtig an und berechnen loga 1. Laut Definition ist
das die Zahl, mit der ich a potenzieren muss, um 1 zu erhalten. Aber dieses
Problem hat für jede Basis a die gleiche Lösung: es gilt immer a0 = 1, also
auch
loga 1 = 0.
(ii)
log10 5 + log10 2 = log10 (5 · 2) = log10 10 = 1,
denn ich muss die 10 nur mit 1 potenzieren, also gar nichts tun, um wieder
die 10 zu erhalten.
(iii)
log3 8117 = 17 · log3 81 = 17 · log3 34 = 17 · 4 = 68.
Stellen Sie sich vor, Sie hätten diese Rechnung ohne die Regel 2.3.5 (iii)
durchführen müssen: es wäre kein reines Vergnügen gewesen, erst 8117
auszurechnen.
(iv)
1
loga = loga 1 − loga x = − loga x,
x
denn loga 1 = 0. Hat man also einmal den Logarithmus einer Zahl ge-
funden, macht es überhaupt keine Schwierigkeiten mehr, auch den Loga-
rithmus ihres Kehrwertes aufzutreiben: man setzt ein Minuszeichen davor,
und alles ist erledigt.
(v)

x5 · y 2
loga = loga (x5 · y 2 ) − loga (z 4 · u3 )
z 4 · u3
= loga x5 + loga y 2 − loga z 4 − loga u3
= 5 loga x + 2 loga y − 4 loga z − 3 loga u.

Im ersten Schritt habe ich dabei Regel 2.3.5 (ii) benutzt: der Logarithmus
eines Quotienten ist die Differenz der einzelnen Logarithmen. Im zweiten
Schritt konnte ich mich auf Regel 2.3.5 (i) stützen: der Logarithmus eines
Produkts ist die Summe der einzelnen Logarithmen. Und im dritten Schritt
hat mir Regel 2.3.5 (iii) geholfen: eine Potenz kann ich logarithmieren,
indem ich die Exponenten vor den Logarithmus schreibe.
Sind also die Logarithmen der einzelnen Variablen bekannt, so kann man
daraus leicht den Logarithmus eines komplizierteren zusammengesetzten
Ausdrucks bestimmen, ohne erst den Zahlenwert dieses Ausdrucks aus-
rechnen zu müssen. In früheren Zeiten, als es noch keine nennenswerten
2.3 Logarithmen 59

Taschenrechner gab, war das eine wichtige Methode, um den Wert ei-
nes aufwendigen Ausdrucks wie hier auszurechnen, sofern die Variablen
mit grossen Werten belegt waren: man schaute in einer Logarithmentafel
die Logarithmen der einzelnen Variablen nach, setzte sie in die errech-
nete Formel ein und verwendete dann wieder die Logarithmentafel, nur
in umgekehrter Richtung. Damit konnte man den Wert bestimmen, ohne
zeitintensive Potenzierungen und Divisionen durchzuführen.
Über die Regeln für das Rechnen mit Logarithmen ist damit schon alles
Nötige gesagt. Wie üblich am Schluss eines Abschnitts rechne ich jetzt noch
einige Beispiele vor, die Ihnen noch einmal verdeutlichen sollen, wie man mit
Logarithmen umgeht.
2.3.7 Beispiele
(i) Was ist loga an ? Nach der Definition des Logarithmus ist das die Zahl, mit
der ich a potenzieren muss, um an zu erhalten. Aber natürlich muss ich a
mit n potenzieren, um an zu erhalten, denn das ist ja genau die Definition
von an . Deshalb ist
loga an = n.
Speziell ist beispielsweise loga a = 1.
(ii) Sie können leicht nachrechnen, dass 93 = 729 ist. Was bedeutet das für die
3? Sie ist die Zahl, mit der ich 9 potenzieren muss, um 729 zu erhalten.
Das ist aber genau die Definition eines Logarithmus, und das heisst:

3 = log9 729.
√ 
5
(iii)Der Ausdruck loga a4 soll vereinfacht werden. Zunächst sagt mir 2.3.5
(iv), was ich mit der fünften Wurzel anstellen soll. Es gilt nämlich:
√  1
a4 = · loga a4 .
5
loga
5
Und Regel 2.3.5 (iii) zeigt auch den Weg, wie es weitergeht, denn es gilt:
1 1 1 4
· loga a4 = · 4 · loga a = · 4 = ,
5 5 5 5
da laut Nummer (i) loga a = 1 gilt.
Wir haben also das Endergebnis:
√  4
5
loga a4 = .
5
(iii)Wie kann man

x2 y
3
loga
z 4 u5
als Summe von Logarithmen schreiben? Zunächst beseitige ich nach Regel
2.3.5 (iv) die dritte Wurzel und schreibe:
60 2 Potenzen, Wurzeln und Logarithmen

3 x2 y 1 x2 y
loga 4 5
= loga 4 5 .
z u 3 z u
dann löse ich den Logarithmus des Bruchs in eine Differenz von zwei Lo-
garithmen auf. Es gilt:
1 x2 y 1
loga 4 5 = · (loga (x2 y) − loga (z 4 u5 )).
3 z u 3
Jetzt habe ich zwei Logarithmen von Produkten, die ich mit Regel 2.3.5
(i) behandeln kann. Dann ist:
1 1
· (loga (x2 y) − loga (z 4 u5 )) = · (loga x2 + loga y − loga z 4 − loga u5 ).
3 3
Damit bin ich fast schon am Ende, denn ich muss jetzt nur noch die Regel
über den Logarithmus einer Potenz anwenden, um den Ausdruck
1
· (2 loga x + loga y − 4 loga z − 5 loga u)
3
zu erhalten.
Ich habe also das Endergebnis:

3 x2 y 1
loga 4 5
= · (2 loga x + loga y − 4 loga z − 5 loga u),
z u 3
wobei ich darauf verzichte, den Faktor 13 in die Klammer hinein zu multi-
plizieren.
(iv)Umgekehrt will ich jetzt den Ausdruck
2 loga x − 5 loga y + 3 loga z + 4 loga u
zu einem einzigen Logarithmus zusammenfassen. Ich sortiere das erst ein-
mal um, so dass ich zuerst alle positiven Summanden schreibe und dann
alle negativen. Das heisst:
2 loga x−5 loga y+3 loga z +4 loga u = 2 loga x+3 loga z +4 loga u−5 loga y.
Jetzt verwende ich Regel 2.3.5 (iii), um die Vorfaktoren in den Logarithmus
hinein zu bekommen. Dann gilt:
2 loga x + 3 loga z + 4 loga u − 5 loga y = loga x2 + loga z 3 + loga u4 − loga y 5 .
Mit den Regeln 2.3.5 (i) und 2.3.5 (ii) erledige ich den Rest auf einen
Schlag. Damit habe ich das Ergebnis:
x2 z 3 u4
2 loga x − 5 loga y + 3 loga z + 4 loga u = loga .
y5
Wir sind jetzt am Ende des zweiten Kapitels angelangt. Im nächsten Ka-
pitel werde ich Ihnen berichten, wie man bestimmte Typen von Gleichungen
und Ungleichungen löst.
2.3 Logarithmen 61

Übungen

2.9 Berechnen Sie:


(a) log3 729;
(b) log2 0, 0625;
(c) loga−b (a2 − 2ab + b2 ).

2.10 Schreiben Sie die folgenden Ausdrücke mit Hilfe der Logarithmen der
vorkommenden Variablen:
2 −3
(a) loga xu4·y·v−4·z ;

17
(b) loga x12 ;
x9 y 3
(c) loga u6 z 2 .

2.11 Schreiben Sie die folgenden Ausdrücke jeweils als einen Logarithmus:
(a) loga y − 2 loga x + 3 loga z − 17 loga u;
(b) 13 loga x2 − 23 loga y.
3
Gleichungen und Ungleichungen

Mit Gleichungen hatten Sie sicher schon während Ihrer Schulzeit zu tun, und
auch ich kann Sie damit nicht verschonen. Sie sind sowohl in der Mathematik
als auch in den Anwendungen ein unverzichtbares Hilfsmittel, weil das Lösen
einer Gleichung im wesentlichen darauf hinausläuft, Informationen ans Licht
zu bringen, die irgendwo im Dunkeln verborgen sind. Oft weiss man etwas
über das Verhalten einer bestimmten Grösse, aber niemand sagt einem den
Wert der Grösse selbst. Wenn man Glück hat, kann man dieses Verhalten in
einer Gleichung formulieren, und wenn das Glück noch weiter geht, dann ist
diese Gleichung sogar mit vertretbarem Aufwand lösbar.
Bei der Behandlung der Gleichungen fangen wir wieder ganz vorsichtig
an. Zunächst erinnere ich Sie in einem kurzen Abschnitt daran, wie man li-
neare Gleichungen löst. Dann machen wir die Sache etwas komplizierter und
untersuchen quadratische Gleichungen. Im dritten Abschnitt stelle ich Ihnen
zwei Typen von Gleichungen vor, die gar nicht wie quadratische Gleichungen
aussehen, sich aber leicht auf quadratische Gleichungen zurückführen lassen.
Und im letzten Abschnitt sehen wir uns ein paar Beispiele von Ungleichungen
an.
Zunächst aber zu den linearen Gleichungen.

3.1 Lineare Gleichungen


In allen Gleichungen dieses Kapitels ist nur eine einzige Variable gesucht,
das heisst, in den Gleichungen taucht nur eine Unbekannte x auf. Die ein-
fachste und übersichtlichste Form, in der das geschehen kann, ist die lineare
Gleichung. Sie heisst linear, weil die Unbekannte x nur in linearer Form auf-
tauchen kann, und das heisst, dass Sie mit x ziemlich wenig anstellen dürfen.
Sie dürfen es mit Konstanten multiplizieren und nach Belieben addieren und
Subtrahieren, aber mehr geht nicht. Was das konkret bedeutet, sehen wir uns
sofort an Beispielen an.
64 3 Gleichungen und Ungleichungen

3.1.1 Beispiele
(i) Gegeben ist die Gleichung
x + 5 = 22,
gesucht ist die Unbekannte x. Das haben Sie natürlich während Ihrer Schul-
zeit gelernt: Sie subtrahieren auf beiden Seiten der Gleichung die 5 und
erhalten
x = 22 − 5 = 17.
(ii) Auch wenn die Unbekannte mit einem Faktor multipliziert wird, bereitet
das keine Probleme. Hat man zum Beispiel die Gleichung

3x + 7 = 2,

so subtrahiert man zuerst auf beiden Seiten die 7, was zu der neuen Glei-
chung
3x = −5
führt. Um nun x selbst zu bestimmen, dividiert man noch auf beiden Seiten
durch 3 und erhält das Ergebnis:
5
x=− .
3
(iii)Die Unbekannte muss sich aber keineswegs immer nur auf eine Seite der
Gleichung beschränken. Hat man beispielsweise die Gleichung

8 + 2x = 17 − x

gegeben, so ist x auf beiden Seiten vertreten. Das ist aber auch nicht weiter
schlimm, denn ich kann auf beiden Seiten der Gleichung x addieren und
finde:
8 + 3x = 17.
Subtrahieren der 8 und anschließendes Teilen duch 3 liefert das Ergebnis:

x = 3.

So weit sind wir uns wohl einig. Wie Sie an den Beispielen sehen, gibt
es ein paar Grundoperationen, die man eigentlich immer beim Lösen linearer
Gleichungen einsetzt und die ich jetzt wie gewohnt in einer Regel aufschreibe.
3.1 Lineare Gleichungen 65

3.1.2 Regel Zum Lösen einer linearen Gleichung löst man die Gleichung
nach der Unbekannten auf, indem man die folgenden Operationen verwendet:
- Addieren einer Zahl oder Unbekannten auf beiden Seiten der Gleichung;
- Subtrahieren einer Zahl oder Unbekannten auf beiden Seiten der Glei-
chung;
- Multiplizieren mit einer von Null verschiedenen Zahl auf beiden Seiten der
Gleichung;
- Dividieren durch eine von Null verschiedene Zahl auf beiden Seiten der
Gleichung.

Mit dieser Methode kann man jede lineare Gleichung lösen. Voraussetzung
dafür ist allerdings, dass man sie erst einmal als lineare Gleichung identifizie-
ren kann, und das erfordert manchmal ein wenig Arbeit. Ich werde Ihnen das
jetzt an Hand einiger Beispiele zeigen.
3.1.3 Beispiele
(i) Zunächst kann es passieren, dass die Unbekannte innerhalb von verschach-
telten Klammerausdrücken auftritt. Ist zum Beispiel die Gleichung

8x − [3x + 2 + (4 − x)] = 12 − 3x − [2x − (x + 1)]

gegeben, dann sollten Sie sie zuerst in eine etwas übersichtlichere Form
bringen, indem Sie die Klammern beseitigen. Wie Sie im ersten Kapitel
gesehen haben, macht man so etwas am besten von innen nach aussen, un-
tersucht also zuerst die inneren Klammern und arbeitet sich dann geduldig
nach aussen vor. Auf der linken Seite der Gleichung heisst das:

8x − [3x + 2 + (4 − x)] = 8x − [3x + 2 + 4 − x]


= 8x − [2x + 6] = 8x − 2x − 6 = 6x − 6.

Auf der rechten Seite haben wir:

12 − 3x − [2x − (x + 1)] = 12 − 3x − [2x − x − 1]


= 12 − 3x − [x − 1] = 12 − 3x − x + 1 = 13 − 4x.

Damit kann ich die Gleichung in der wesentlich angenehmeren Form

6x − 6 = 13 − 4x

schreiben und nach x auflösen. Ich addiere 4x und gleichzeitig 6 auf beiden
Seiten. Dann habe ich:
10x = 19
und damit
19
x= = 1, 9.
10
66 3 Gleichungen und Ungleichungen

(ii) Schwieriger sieht es aus, wenn allem Anschein nach überhaupt keine lineare
Gleichung vorliegt wie zum Beispiel in:

(x − a)2 + (x − b)2 − (x − a)(x − b) = x2 + a2 + b2 ,

wobei a und b keine gesuchten Unbekannten sind, sondern einfach nur


Platzhalter für irgendwelche Zahlen bezeichnen. Offenbar kommt hier x
nicht nur in seiner freundlichen linearen Form vor, sondern auch als x2 ,
und wir haben auf den ersten Blick keine lineare Gleichung. Das scheint
aber nur so. Da ich links einige Klammern stehen habe, werde ich diese
Klammern erst einmal mit Hilfe der binomischen Formeln auflösen und
dann weitersehen. Es gilt:

(x − a)2 + (x − b)2 − (x − a)(x − b)


= x2 − 2ax + a2 + x2 − 2bx + b2 − (x2 − ax − bx + ab)
= 2x2 − 2ax − 2bx + a2 + b2 − x2 + ax + bx − ab
= x2 − ax − bx + a2 + b2 − ab.

Mit dieser vereinfachten linken Seite gehe ich zurück in die Gleichung. Das
ergibt:
x2 − ax − bx + a2 + b2 − ab = x2 + a2 + b2 .
Und schon sieht die Sache ganz anders aus. Auch bei dieser Gleichung darf
ich auf beiden Seiten der Gleichung beliebig addieren und subtrahieren,
und das ist besonders dann sinnvoll, wenn auf beiden Seiten der Gleichung
auch gleiche Ausdrücke stehen. In diesem Fall wird die Situation deutlich
einfacher, wenn ich auf beiden Seiten x2 + a2 + b2 abziehe. Dann bleibt
nämlich nur noch die lineare Gleichung

−ax − bx − ab = 0

übrig. Das muss ich nun nach x auflösen. Dazu klammere ich erst einmal
x aus den beiden Summanden vor, in denen es vorkommt, und erhalte:

x(−a − b) − ab = 0.

Addieren von ab auf beiden Seiten führt zu

x(−a − b) = ab,

und daraus folgt:


ab ab
x= =− .
−a − b a+b
Dabei müssen Sie natürlich voraussetzen, dass a + b = 0, weil Sie sonst
verbotenerweise durch Null teilen würden. Falls also tatsächlich a + b = 0
gilt, kann man die Gleichung nicht nach x auflösen, das heisst, sie ist
unlösbar.
3.1 Lineare Gleichungen 67

Von diesem etwas pathologischen Sonderfall aber einmal abgesehen, können


Sie dem Beispiel entnehmen, dass Gleichungen, die absolut nicht wie eine
lineare Gleichung aussehen, sich schließlich doch noch als lineare Gleichung
entpuppen können, wenn man sie nur ein wenig vereinfacht.
(iii)Sobald Brüche in einer Gleichung auftreten, empfehle ich, sie zuerst mit
Hilfe des Hauptnenners zu beseitigen, um sich für alles Weitere die Bruch-
rechnung zu ersparen. Wir nehmen als Beispiel die Gleichung:
3x − 5 8 + 5x 3x − 2 3 − 2x
− = − .
10 14 5 7
Der Hauptnenner aller vorkommenden Brüche ist 70, denn 70 ist das klein-
ste gemeinsame Vielfache von 10, 14, 5 und 7, über das wir bereits im ersten
Kapitel gesprochen haben. Ich multipliziere daher die gesamte Gleichung
mit dem Hauptnenner 70, was dazu führt, dass alle Nenner verschwinden.
Das ergibt:

7(3x − 5) − 5(8 + 5x) = 14(3x − 2) − 10(3 − 2x).

Ausmultiplizieren ergibt:

21x − 35 − 40 − 25x = 42x − 28 − 30 + 20x.

Zusammenfassen auf beiden Seiten führt zu:

−4x − 75 = 62x − 58.

Daraus folgt:
17
−17 = 66x, also x = − .
66
(iv)Das gleiche Verfahren empfehle ich, wenn x nicht nur im Zähler, sondern
auch im Nenner eines Bruchs auftaucht. Unbekannte im Nenner sind immer
schlecht und sollten mit Hilfe des Hauptnenners beseitigt werden. Ist also
die Gleichung
8 12 32
+ = 2
2x − 4 x + 2 x −4
gegeben, so mache ich mich erst einmal auf die Suche nach dem Haupt-
nenner. Nun ist aber 2x − 4 = 2(x − 2) und nach der dritten binomischen
Formel x2 − 4 = (x − 2)(x + 2). Deshalb habe ich insgesamt drei Fakto-
ren, die ich für den Hauptnenner berücksichtigen muss, und zwar 2, x − 2
und x + 2. Der Hauptnenner lautet daher 2(x − 2)(x + 2), und mit diesem
Nenner werde ich jetzt die Gleichung multiplizieren. Dann erhalte ich:

8(x + 2) + 12 · 2(x − 2) = 32 · 2,

also
8x + 16 + 24x − 48 = 64.
68 3 Gleichungen und Ungleichungen

Daraus folgt:
32x − 32 = 64, und damit x = 3.
8
Ich hätte übrigens auch gleich in dem Bruch 2x−4 den gemeinsamen Faktor
2 aus Zähler und Nenner kürzen können und damit den etwas einfacheren
4
Bruch x−2 erhalten Der Hauptnenner wäre dann nur noch (x − 2)(x + 2)
gewesen, aber am Ergebnis hätte sich natürlich nichts geändert.

Mit diesen Beispielen haben Sie jetzt einen hinreichend grossen Überblick
über die linearen Gleichungen, und ich wende mich im nächsten Abschnitt
den etwas komplizierteren quadratischen Gleichungen zu.

Übungen

3.1 Lösen Sie die folgenden Gleichungen:


(a) 3x − 6 = 12;
(b) 2x − 9 = 5x + 23;
(c) 25x − (19x − 48) = 18x − 23 − (66 − 5x).

3.2 Lösen Sie die folgenden Gleichungen:


(a) (x + 1)2 + (x − 2)2 = 2(x − 1) · (x − 2);
6 4 3
(b) x+1 − x+2 = 1+x ;
x 1
(c) x−1 = x−1 .

3.2 Quadratische Gleichungen


Mittlerweile habe ich Sie mit ziemlich vielen Rechenmethoden und Regeln
traktiert, und ich möchte den Eindruck vermeiden, dass all diese Rechnereien
reiner Selbstzweck sind, bestenfalls gut genug, um Studenten zu quälen. Die
meisten Methoden sind aus praktischen Gründen entstanden, weil vor lan-
ger Zeit irgendjemand ein praktisches Problem lösen musste und dafür eben
bestimmte Rechnungen durchzuführen waren. Ein recht einfaches praktisches
Problem, das zum Aufstellen einer quadratischen Gleichung führt, zeige ich
Ihnen im nächsten Beispiel.
3.2.1 Beispiel Ein Wasserbehälter ist mit zwei Zuflussrohren A und B ver-
sehen, die ihn zusammen in 12 Minuten füllen. Falls das Rohr A den Behälter
alleine füllen muss, dauert das 10 Minuten länger, als wenn die Füllung allein
von B vorgenommen wird. Wie lange brauchen also Rohr A bzw. Rohr B, um
den Wasserbehälter alleine zu füllen?
Die Zeit, die B braucht, um den Behälter zu füllen, bezeichne ich mit
x. Dann braucht A, auf sich allein gestellt, x + 10, und beide zusammen
benötigen genau 12. In einer Minute füllt B also x1 Behälter, A füllt x+101
3.2 Quadratische Gleichungen 69

1
Behälter, und A und B zusammen füllen 12 Behälter. Wenn nun A und B
gleichzeitig arbeiten, heisst das, dass man ihre jeweiligen Leistungen addieren
muss, um die Gesamtleistung zu erhalten. Das führt zu der Gleichung
1 1 1
+ = .
x x + 10 12
Der Hauptnenner beträgt hier 12x(x + 10) und die Multiplikation der Glei-
chung mit diesem Nenner ergibt die neue Gleichung

12(x + 10) + 12x = x(x + 10),

also
12x + 120 + 12x = x2 + 10x.
Bringt man alle Terme auf eine Seite, so erhält man die Gleichung

x2 − 14x − 120 = 0.

Damit haben wir den klassischen Fall einer quadratischen Gleichung vor
uns. In ihr steht die Unbekannte x nicht nur als linearer Ausdruck, sondern
auch als quadratischer, und das macht das Lösungsverfahren etwas aufwendi-
ger. Ich kann natürlich die Gleichung aus 3.2.1 nach x2 auflösen. Dann habe
ich
x2 = 14x + 120,
aber das hift mir herzlich wenig. Jetzt könnte ich zwar die Wurzel ziehen, um
die Gleichung √
x = 14x + 120
zu erhalten, aber Sie sehen ja selbst, dass auch auf der rechten Seite noch x
vorkommt und ich die Gleichung noch keineswegs nach der Unbekannten x
aufgelöst habe. Ich muss also etwas raffiniertere Methoden entwickeln, um der
Gleichung auf den Grund zu kommen, und diese Methoden überlegen wir uns
mit Hilfe einiger Beispiele. Zuerst sollte ich aber den Begriff der quadratischen
Gleichung definieren.
3.2.2 Definition Eine Gleichung der Form

ax2 + bx + c = 0

heisst quadratische Gleichung. Liegt die Gleichung in der Form

x2 + px + q = 0

vor, so sagt man, die Gleichung ist in der Normalform gegeben.


Da man natürlich jede Gleichung ax2 + bx + c = 0 auf beiden Seiten durch
a dividieren kann, werde ich im folgenden fast immer nur von Gleichungen in
der sogenannten Normalform sprechen. Für diese Normalform entwickeln wir
jetzt ein Lösungsverfahren.
70 3 Gleichungen und Ungleichungen

3.2.3 Beispiele
(i) Der einfachste Typ einer quadratischen Gleichung ist sicherlich so etwas
wie
x2 = 9.
Hier suche ich nur nach einer Zahl x, deren Quadrat 9 ergibt, und davon
gibt es offenbar genau 2, nämlich x1 = −3 und x2 = 3. Man muss also
damit rechnen, dass eine quadratische Gleichung zwei Lösungen hat und
dass man zur Berechnung dieser Lösungen Quadratwurzeln zieht.
(ii) Nicht viel schlimmer ist die Gleichung

(x + 5)2 = 16.

Ich suche hier nach


√ einer Zahl x, bei der das Quadrat von x + 5 den Wert
16 ergibt. Da 16 = 4 gilt, kann x + 5 = −4 oder x + 5 = 4 sein, je
nachdem, ob ich nun die positive oder die negative Wurzel aus 16 zur
Hand nehme. Das heisst aber, dass ich auch hier wieder zwei Lösungen
finde: aus x1 + 5 = −4 folgt x1 = −9, und aus x2 + 5 = 4 folgt x2 = −1.
(iii)Wie sieht es mit
x2 + 10x + 25 = 16
aus? Ziemlich gut, denn das ist dieselbe Gleichung wie in (ii), nur mit
ausmultiplizierter linker Seite. Sie hat also die Lösungen x1 = −9 und
x2 = −1. Wichtig ist hier aber, dass Sie diese Gleichung leicht in die
Normalform bringen können, indem Sie auf beiden Seiten 16 subtrahieren.
Sie erhalten dann die Gleichung

x2 + 10x + 9 = 0,

deren Lösungen −1 und −9 wir bereits kennen. Was würde man nun um-
gekehrt machen, wenn unvermittelt die Gleichung

x2 + 10x + 9 = 0

auftaucht? Man würde doch wohl auf beiden Seiten 16 addieren und sie
dann in die Form (x + 5)2 = 16 bringen, so dass das Verfahren aus (ii)
anwendbar ist.
(iv)Was wir uns gerade überlegt haben, testen wir an einem weiteren Beispiel
aus. Gegeben ist die quadratische Gleichung

x2 + 4x + 3 = 0.

Wenn auf der linken Seite eine erste oder zweite binomische Formel steht,
habe ich überhaupt kein Problem, denn in diesem Fall kann ich vorgehen
wie in (ii). Nur passt leider x2 +4x+3 nicht in das Schema der binomischen
Formeln, denn die hier zuständige erste binomische Formel lautet (x +
a)2 = x2 + 2ax + a2 . Der Ausdruck x2 kommt sowohl in der binomischen
3.2 Quadratische Gleichungen 71

Formel als auch auf der linken Seite der Gleichung vor. Der Ausdruck
2ax muss in unserer Gleichung dem Summanden 4x entsprechen, und das
heisst, dass a = 2 sein muss. Das ist aber schade, denn für die binomische
Formel brauche ich auch noch a2 , und wir haben a2 = 4. In der Gleichung
steht aber x2 + 4x + 3 = 0, so dass mir diese 4 eindeutig fehlt. Dieses
Problem ist aber leicht lösbar. Wenn ich auf beiden Seiten der Gleichung
einfach 1 addiere, dann habe ich die Gleichung

x2 + 4x + 4 = 1.

Auf der linken Seite der Gleichung steht jetzt ein Ausdruck, der in die
erste binomische Formel passt. Daher kann ich schreiben:

(x + 2)2 = 1,

und suche jetzt nur noch


√ nach einer Zahl, bei der das Quadrat von x + 2
gerade 1 ergibt. Wegen 1 = 1 gibt es dafür zwei Möglichkeiten, nämlich
x1 + 2 = −1 bzw. x2 + 2 = 1. Das führt zu den beiden Lösungen

x1 = −3 und x2 = −1.

Die Methode aus 3.2.3 (iv) geht im Prinzip bei jeder quadratischen Glei-
chung in Normalform durch. Sie stellen fest, welche der beiden ersten binomi-
schen Formeln in Frage kommt, ergänzen den Ausdruck auf der linken Seite
zu einem Ausdruck, der zu dieser Formel passt, indem Sie auf beiden Seiten
einen geeigneten Wert addieren, und ziehen dann die positive und negative
Wurzel aus der rechten Seite. Hat man also beispielsweise durch diese Pro-
2
zedur gefunden, dass (x − √1) = 5 ist, so folgt
√ daraus, dass für die beiden
Lösungen gilt: x1 − √
1 = − 5 bzw. x2 √ − 1 = 5. Damit erhalten Sie sofort die
Lösungen x1 = 1 − 5 und x2 = 1 + 5.
Das ist aber ein etwas mühseliger Prozess, der einen nur aufhält. Deshalb
haben vor langer Zeit schon einige Leute das getan, was man in der Mathe-
matik sehr häufig macht: sie haben dieses Verfahren einmal für die allgemei-
ne quadratische Gleichung x2 + px + q = 0 durchgezogen und dadurch eine
allgemeine Lösungsformel gewonnen, die man immer anwenden kann. Diese
Lösungsformel beruht darauf, dass man das Verfahren aus 3.2.3 (iv) für die all-
gemeine Gleichung x2 + px + q = 0 durchzieht und für die beiden Lösungen x1
und x2 eine Formel erhält. Ich werde diese Herleitung jetzt nicht vorführen,
sondern nur die allgemeine Lösungsformel für quadratische Gleichungen im
folgenden Satz präsentieren. Vergessen Sie aber bei ihrer Anwendung nicht,
wo sie herkommt: sie beruht darauf, den Ausdruck auf der linken Seite durch
eine passende Addition in eine binomische Formel zu verwandeln und anschlie-
ßend die positive und die negative Wurzel aus der rechten Seite zu ziehen. Das
führt dann zu der bekannten p, q-Formel.
72 3 Gleichungen und Ungleichungen

3.2.4 Satz Ist eine quadratische Gleichung in der Normalform

x2 + px + q = 0

gegeben, so hat sie die beiden Lösungen:


p p2
x1 = − + −q
2 4
und

p p2
x2 = − − − q.
2 4
Man schreibt dafür kürzer:

p p2
x1,2 =− ± − q.
2 4

Die Arbeit mit dieser Lösungsformel über wir an Hand einiger Beispiele
ein.
3.2.5 Beispiele
(i) Zuerst führe ich das Beispiel 3.2.1 zu Ende. Die Gleichung lautete

x2 − 14x − 120 = 0.

In der Terminologie der p, q-Formel heisst das:

p = −14 und q = −120.

Dann ist

p p2
x1,2 =− ± −q
2 4

−14 (−14)2
=− ± − (−120)
2 4

= 7 ± 49 + 120

= 7 ± 169
= 7 ± 13.

Die beiden Lösungen lauten also x1 = 7 + 13 = 20 und x2 = 7 − 13 = −6.


Für unser praktisches Problem kommt allerdings nur die erste Lösung
in Frage, denn es ist kaum zu erwarten, dass Rohr B genau −6 Minuten
braucht, um den Behälter zu füllen. In Wahrheit braucht Rohr B natürlich
20 Minuten, und Rohr A braucht 30 Minuten.
3.2 Quadratische Gleichungen 73

(ii) Man löse


x2 − 3x + 2 = 0.
Dann ist p = −3 und q = 2. Einsetzen in die Formel ergibt

p p2
x1,2 = − ± −q
2 4

−3 (−3)2
=− ± −2
2 4

3 9
= ± −2
2 4

3 1
= ±
2 4
3 1
= ± .
2 2
Folglich ist x1 = 1 und x2 = 2. Sie können hier sehen, dass es keine Rolle
spielt, ob Sie zuerst die positive oder die negative Wurzel verwenden. Das
ändert nur die Reihenfolge beim Aufschreiben der beiden Lösungen.
(iii)Man löse
x2 + 6x + 9 = 0.
Dann ist p = 6 und q = 9. Einsetzen in die Formel ergibt

p p2
x1,2 = − ± −q
2 4

6 62
=− ± −9
2 4

= −3 ± 9 − 9
= −3.
Folglich ist x1 = −3 und x2 = −3. Es kann also durchaus passieren, dass
die vermeintlich zwei Lösungen auf einmal doch nur eine sind, weil die
Wurzel zu Null wird. Man nennt in diesem Fall x = −3 eine zweifache
oder auch doppelte Lösung.
(iv)Man löse
x2 + 2x + 2 = 0.
Dann ist p = 2 und q = 2. Einsetzen in die Formel ergibt

p p2
x1,2 = − ± −q
2 4

2 22
=− ± −2
2 4

= −1 ± 1 − 2

= −1 ± −1
= ?
74 3 Gleichungen und Ungleichungen

Wie Sie wissen, gibt es keine Zahl, deren Quadrat negativ ist. Daher kann
diese Gleichung keine Lösung haben. Man sagt, die Gleichung ist unlösbar.
Ich will Sie aber gleich vorwarnen. Spätestens im Kapitel über komplexe
Zahlen im Lehrbuch werden Sie lernen, dass es noch eine andere Art von
Zahlen gibt, mit deren Hilfe man auch die Wurzeln aus negativen Zah-
len berechnen kann. Das ist aber hier nicht unser Thema. Im Augenblick
genügt die Feststellung, dass man eine quadratische Gleichung nicht lösen
kann, wenn ihre Lösungsformel einen negativen Wurzelinhalt hat.

Über quadratische Gleichungen in Normalform wissen Sie jetzt Bescheid.


Wie schon bei den linearen Gleichungen kann es natürlich auch hier passieren,
dass Sie eine quadratische Gleichung haben, ohne es gleich zu bemerken, weil
sie nicht direkt in der Normalform dasteht. Zwei ganz besondere Fälle dieser
Art, die Wurzelgleichungen und die biquadratischen Gleichungen, werde ich
Ihnen im nächsten Abschnitt vorstellen. Hier sehen wir uns wieder einmal an
ein paar Beispielen an, wie man einige Typen von Gleichungen durch einfa-
che Umformungen auf die Normalform für quadratische Gleichungen bringen
kann.
3.2.6 Beispiele
(i) Am einfachsten ist die Lage, wenn das einzige Problem in einem Vorfaktor
von x2 besteht. Bei der Gleichung

2x2 − 4x − 8 = 0

brauchen Sie nur auf beiden Seiten durch 2 zu teilen und finden die Nor-
malform:
x2 − 2x − 4 = 0.
Die Lösungen lauten dann:
√ √
x1,2 = 1 ± 1 + 4 = 1 ± 5.
√ √
Daher ist x1 = 1 − 5 und x2 = 1 + 5.
(ii) Natürlich kann auch bei einer quadratischen Gleichung die Unbekannte
auf beiden Seiten der Gleichung stehen. Dann muss man einfach nur wie
üblich alles auf eine Seite bringen. So wird zum Beispiel aus

(x + 1)2 + (x − 1)2 = 3x + 4

zunächst mit Hilfe der binomischen Formeln

x2 + 2x + 1 + x2 − 2x + 1 = 3x + 4.

Zusammenfassen auf der linken Seite ergibt:

2x2 + 2 = 3x + 4.

Jetzt bringe ich alles auf eine Seite und erhalte:


3.2 Quadratische Gleichungen 75

2x2 − 3x − 2 = 0

und muss noch durch 2 teilen, um die Normalform zu erhalten. Sie lautet:
3
x2 − x − 1 = 0.
2
Nun läuft alles routinemässig mit der p, q-Formel. Sie liefert die Lösungen

3 9 3 25 3 5
x1,2 = ± +1= ± = ± .
4 16 4 16 4 4
Daher ist
2 1 8
x1 = − = − und x2 = = 2.
4 2 4
(iii)Auch eine quadratische Gleichung kann in einer Gleichung versteckt sein,
die Brüche enthält. Nehmen wir die Gleichung
10x 4
+ = 2,
3x + 7 x + 3
so lautet der Hauptnenner (3x + 7)(x + 3), denn die beiden Nenner haben
keine gemeinsamen Faktoren, und deshalb muss ich sie zur Berechnung des
Hauptnenners schlicht miteinander multiplizieren. Wie üblich multipliziere
ich jetzt die gesamte Gleichung mit dem Hauptnenner (3x + 7)(x + 3).
Damit ergibt sich:

10x(x + 3) + 4(3x + 7) = 2(3x + 7)(x + 3).

Um diese Gleichung auf Normalform zu bringen, multipliziere ich die vor-


kommenden Klammern aus und erhalte:

10x2 + 30x + 12x + 28 = 6x2 + 18x + 14x + 42,

also
10x2 + 42x + 28 = 6x2 + 32x + 42.
Nun bringe ich die gesamte rechte Seite nach links, um rechts nur noch
eine Null zu haben. Die Gleichung lautet dann:

4x2 + 10x − 14 = 0.

Die Normalform verlangt aber bei x2 einen Vorfaktor 1, und deshalb teile
ich die Gleichung noch durch 4. Somit lautet die Normalform der Glei-
chung:
5 7
x2 + x − = 0.
2 2
Erst jetzt kommt die p, q-Formel zum Tragen. Sie berechnet die Lösungen:
76 3 Gleichungen und Ungleichungen


5 25 7 5 25 56 5 81 5 9
x1,2 =− ± + =− ± + =− ± =− ± .
4 16 2 4 16 16 4 16 4 4
Daher ist
5 9 7 5 9
x1 = − − = − und x2 = − + = 1.
4 4 2 4 4
Sie wissen jetzt genug über Gleichungen, die man zu quadratischen Glei-
chungen in Normalform umwandeln kann. Bevor ich mich im nächsten Ab-
schnitt etwas seltsameren Gleichungen zuwende, muss ich aber noch ein paar
Worte über die Normalform selbst sagen.
3.2.7 Beispiel Wenn Sie die Gleichung

x2 − 3x + 2 = 0

mit Hilfe der p, q-Formel lösen, dann erhalten Sie die Ergebnisse x1 = 1 und
x2 = 2. Nun gibt es aber noch eine andere quadratische Gleichung mit diesen
Lösungen, nämlich
(x − 1)(x − 2) = 0.
Setzt man hier 1 bzw. 2 ein, so muss man gar nichts rechnen und sieht sofort,
dass in beiden Fällen tatsächlich Null herauskommt. Da nun beide quadrati-
sche Gleichungen dieselben Lösungen haben, liegt die Vermutung nahe, dass
auch ihre linken Seiten etwas miteinander zu tun haben. Und tatsächlich: Sie
brauchen nur (x − 1)(x − 2) auszumultiplizieren und erhalten:

(x − 1)(x − 2) = x2 − 3x + 2.

Die beiden Ausdrücke sind also schlicht und einfach gleich.


Auch dahinter steckt ein allgemeines Prinzip. Sobald Sie die Lösungen x1
und x2 einer quadratischen Gleichung x2 +px+q = 0 bestimmt haben, können
Sie den quadratischen Ausdruck als Produkt schreiben. Es gilt also immer:

x2 + px + q = (x − x1 )(x − x2 ).

Diese Beobachtung kann beim Kürzen von Brüchen besonders wichtig sein.
3.2.8 Beispiel Der Bruch

x2 + 3x − 4
x2 + x − 2
ist zu vereinfachen. Auf den ersten Blick sieht man ihm absolut nicht an, wo
man etwas vereinfachen könnte, aber die Überlegung aus 3.2.7 erweist sich
jetzt als hilfreich. Ich löse zuerst die Gleichungen

x2 + 3x − 4 = 0 und x2 + x − 2 = 0

mit der p, q-Formel, wobei ich die einzelnen Rechenschritte hier jetzt nicht
mehr aufführe. Man erhält für die erste Gleichung x2 +3x−4 = 0 die Lösungen
3.3 Biquadratische Gleichungen und Wurzelgleichungen 77

x1 = 1 und x2 = −4, während sich für die zweite Gleichung x2 + x − 2 = 0


die Lösungen x3 = 1 und x4 = −2 ergeben. Nach 3.2.7 kann ich nun Zähler
und Nenner als Produkt schreiben, nämlich:

x2 + 3x − 4 = (x − 1)(x + 4) und x2 + x − 2 = (x − 1)(x + 2).

Nun ist das Kürzen ein reines Vergnügen. Ich setze die Produktdarstellungen
einfach in den Bruch ein und erhalte:
x2 + 3x − 4 (x − 1)(x + 4) x+4
= = ,
x2 + x − 2 (x − 1)(x + 2) x+2
denn den gemeinsamen Faktor x − 1 konnte ich herauskürzen.
Jetzt ist es aber endgültig Zeit, sich mit zwei Typen von Gleichungen zu
beschäftigen, die eng mit den quadratischen Gleichungen verwandt sind: den
biquadratischen Gleichungen und den Wurzelgleichungen.

Übungen

3.3 Lösen Sie die folgenden Gleichungen:


(a) x2 − 16x − 17 = 0;
(b) x2 + 8x + 16 = 0;
(c) x2 − x + 2 = 0.
3.4 Lösen Sie die folgenden Gleichungen:
(a) 2x2 − 14x = x2 − 33;
(b) (3x − 5)2 − (x + 3)2 = x2 − x + 2;
(c) x + x2 = 3.
3.5 Vereinfachen Sie die folgenden Brüche:
x2 −3x+2
(a) x−1 ;
x2 +x−12
(b) x2 +5x+4 .

3.3 Biquadratische Gleichungen und Wurzelgleichungen


Die Lösungsformel für quadratische Gleichungen ist recht übersichtlich und
mit ein wenig Übung leicht zu handhaben. Schwieriger wird es, wenn wie
mit dem Exponenten der Unbekannten x höher gehen und in der Gleichung
auch x3 oder gar x4 zulassen. Auch für solche Gleichungen gibt es allgemei-
ne Lösungsformeln, die aber sehr unhandlich und unangenehm sind und nur
sehr ungern benutzt werden. Deshalb pflegt man Gleichungen mit Exponenten
größer als zwei kaum von Hand zu lösen - mit einer Ausnahme, und das sind
die biquadratischen Gleichungen. Was man darunter zu verstehen hat, sehen
Sie im nächsten Beispiel.
78 3 Gleichungen und Ungleichungen

3.3.1 Beispiel Gegeben ist die Gleichung

x4 − 5x2 + 6 = 0.

Da hier nicht nur x2 , sondern auch x4 vorkommt, ist das keine quadrati-
sche Gleichung und deshalb auch kein Fall für die p, q-Formel. Wenn Sie aber
genauer hinschauen, dann ist diese Gleichung gar nicht so weit von einer qua-
dratischen Gleichung entfernt. Hier wird zwar nicht nur x quadriert, aber wie
sieht es denn mit x2 aus? Sie haben gelernt, dass (x2 )2 = x4 gilt. Daher kann
ich die Gleichung auch schreiben als:

(x2 )2 − 5x2 + 6 = 0.

Auch wenn das nicht sehr hilfreich aussieht, ist damit schon fast alles erledigt.
Sie brauchen nur noch die quadrierte Unbekannte x2 mit dem Buchstaben z
abzukürzen, also z = x2 zu setzen, und schon heisst die Gleichung:

z 2 − 5z + 6 = 0.

Das ist nun ganz sicher eine quadratische Gleichung mit der Unbekannten z.
Ich kann Sie mit der p, q-Formel lösen und erhalte:

5 25 5 1 5 1
z1,2 = ± −6= ± = ± ,
2 4 2 4 2 2
also z1 = 2 und z2 = 3.
Damit habe ich immerhin die Gleichung für z gelöst. Ich hatte aber z = x2
gesetzt, und das heisst, ich muss zur Bestimmung der x-Lösungen nur noch
die Zahlen suchen, deren Quadrat den z-Lösungen entspricht. Das ist aber √
leicht. Für z1√= 2 gibt es natürlich zwei passende x-Werte, nämlich x1 = 2
und x2 = − 2. √ Für z2 = 3 findet
√ man entsprechend zwei weitere x-Werte,
nämlich x3 = 3 und x4 = − 3. Insgesamt hat die Gleichung also die vier
Lösungen √ √ √ √
x1 = 2, x2 = − 2, x3 = 3 und x4 = − 3.

Auf diese Weise kann man jede biquadratische Gleichung angehen. Obwohl
in solchen Gleichungen also der Ausdruck x4 vorkommt, sind es eigentlich
doch nur verkappte quadratische Gleichungen, bei denen man mit z = x2
noch einen weiteren Arbeitsschritt mehr durchführen muss als sonst. Bevor
ich diese Methode als Regel formuliere, sollte ich aber noch aufschreiben, was
genau man nun unter einer biquadratischen Gleichung versteht.
3.3.2 Definition Eine Gleichung der Form

ax4 + bx2 + c = 0

heisst biquadratische Gleichung. Liegt die Gleichung in der Form

x4 + px2 + q = 0
3.3 Biquadratische Gleichungen und Wurzelgleichungen 79

vor, so sagt man, die Gleichung ist in der Normalform gegeben.


Jede biquadratische Gleichung enthält zwar den Ausdruck x4 , aber danach
folgt sofort der Ausdruck x2 , und das macht es möglich, sie mit Hilfe der
folgenden Methode zu lösen.
3.3.3 Regel Zur Lösung einer biquadratischen Gleichung in Normalform
setzt man z = x2 und erhält die quadratische Gleichung

z 2 + pz + q = 0.

Diese Gleichung löst man mit Hilfe der p, q-Formel und erhält die Lösungen z1
und z2 . anschließend berechnet man die Lösungen der biquadratischen Glei-
chung aus den Formeln
√ √ √ √
x1 = z1 , x2 = − z1 , x3 = z2 , x4 = − z2 .

Wie man irgendwelche Gleichungen umformt, so dass sie einer Normalform


entsprechen, haben wir bei den quadratischen Gleichungen hinreichend geübt,
und ich werde für die biquadratischen Gleichungen deshalb darauf verzichten.
Wichtiger ist es, sich einmal anzusehen, was bei der Berechnung der Lösungen
nach Regel 3.3.3 alles passieren kann.
3.3.4 Beispiele
(i) Gegeben ist die Gleichung

x4 − 13x2 + 36 = 0.

Setzt man z = x2 , so ergibt sich die quadratische Gleichung:

z 2 − 13z + 36 = 0

mit den Lösungen:



13 169 13 25 13 5
z1,2 = ± − 36 = ± = ± .
2 4 2 4 2 2
Also ist z1 = 4 und z2 = 9. Das macht das berechnen der vier x-Lösungen
sehr leicht, denn ich muss nur noch jeweils die positive und die negative
Wurzel aus den z-Lösungen ziehen. Damit erhalte ich:

x1 = 2, x2 = −2, x3 = 3, x4 = −3.

Die Gleichung hat also vier Lösungen.


(ii) Gegeben ist die Gleichung

x4 − 15x2 − 16 = 0.

Setzt man z = x2 , so ergibt sich die quadratische Gleichung:


80 3 Gleichungen und Ungleichungen

z 2 − 15z − 16 = 0

mit den Lösungen:



15 225 15 289 15 17
z1,2 = ± + 16 = ± = ± .
2 4 2 4 2 2
Also ist z1 = −1 und z2 = 16. Hier sieht die Sache schon etwas anders aus.
Um nun zu den eigentlichen x-Lösungen zu kommen, muss ich nämlich aus
den beiden errechneten z-Werten die Quadratwurzel ziehen. Für z2 = 16
ist das auch kein Problem, aber für z1 = −1 ist es einfach nicht möglich.
Ich kann also aus z1 = −1 keine Lösung der biquadratischen Gleichung
bestimmen und muss mich auf die Wurzeln aus z2 = 16 beschränken.
Deshalb hat diese Gleichung nur die beiden Lösungen x1 = 4 und x2 = −4.
(iii)Ganz schlimm wird es bei der Gleichung

x4 + 3x2 + 2 = 0.

Die entsprechende quadratische Gleichung für z = x2 heisst

z 2 + 3z + 2 = 0

und hat die Lösungen



3 9 3 1 3 1
z1,2 =− ± −2=− ± =− ± ,
2 4 2 4 2 2
also z1 = −2 und z2 = −1. Und das heisst, dass ich beim Wurzelziehen
bei allen beiden z-Werten in Schwierigkeiten gerate, da beide negativ sind.
Da man leider aus einer negativen Zahl keine Quadratwurzel ziehen kann,
hat diese biquadratische Gleichung keine Lösung.

Eine biquadratische Gleichung hat also keine, zwei oder vier Lösungen;
dass es eine oder drei Lösungen gibt, kann nicht vorkommen.
Damit ist das Thema der biquadratischen Gleichungen auch schon erle-
digt, und ich kann mich den sogenannten Wurzelgleichungen zuwenden. Sie
verlangen manchmal eine ganz besondere Behandlung. Wie üblich, werfen wir
zuerst einen Blick auf ein einführendes Beispiel.
3.3.5 Beispiel Gegeben ist die Gleichung
√ √
x + 1 = 2x − 2.

Wie jede andere Gleichung auch, muss ich sie nach der Unbekannten x
auflösen. Das grösste Hindernis bei dieser Auflösung ist offenbar die Wur-
zel auf beiden Seiten der Gleichung, die ich aber beseitigen kann, indem ich
beide Seiten der Gleichung quadriere. Das ergibt die neue Gleichung

x + 1 = 2x − 2,
3.3 Biquadratische Gleichungen und Wurzelgleichungen 81

die eine ganz einfache Form einer linearen Gleichung mit der Lösung x =
3 darstellt. Zur Sicherheit setze ich den Wert x = 3 in die ursprüngliche
Gleichung ein und erhalte:
√ √
3 + 1 = 2 · 3 − 2,
also 2 = 2. Sie sehen, dass x = 3 tatsächlich eine Lösung der gegebenen
Gleichung ist, und fragen sich vielleicht, was daran so kompliziert sein soll.
Das werden Sie gleich merken, wenn Sie die leicht veränderte Gleichung
√ √
− x + 1 = 2x − 2
untersuchen. Auch hier muss ich natürlich wieder auf beiden Seiten der Glei-
chung quadrieren, und beim Quadrieren fällt auf der linken Seite das Minus-
zeichen vor der Wurzel weg. Damit ergibt sich wieder die lineare Gleichung
x + 1 = 2x − 2 und die Lösung x = 3. Beim Einsetzen tritt aber ein Problem
auf. Nimmt √ man nun √die vermeintliche Lösung x = 3 und setzt sie in die
Gleichung − x + 1 = 2x − 2 ein, so ergibt sich:
√ √
− 3 + 1 = 2 · 3 − 2,
also −2 = 2. Das ist nun ganz offensichtlich nicht der Fall, und das heisst,
dass bei dieser Gleichung x = 3 keine Lösung ist. Die Gleichung
√ √
− x + 1 = 2x − 2
hat also keine Lösung.
Das ist ein neues Phänomen, dem wir bisher noch nicht begegnet sind. Bei
einer Wurzelgleichung, in der also neben den üblichen Ausdrücken wie x und
x2 auch noch Wurzeln vorkommen, kann es passieren, dass Sie eine Lösung
berechnen, sie hinterher probeweise in die Gleichung einsetzen und feststellen
müssen, dass es gar keine Lösung ist. Der Grund ist einfach. In Beispiel 3.3.5
bin ich mit zwei verschiedenen Gleichungen gestartet, aber das Quadrieren
hat in beiden Fällen dieselbe lineare Gleichung erzeugt. Auf Grund der alten
Regel, dass Minus mal Minus Plus √ ergibt, wurde im zweiten Fall duch das
Quadrieren das Minuszeichen vor x + 1 beiseite geschafft und es blieb mir
gar nichts anderes übrig, als es bei den folgenden Rechnungen zu ignorieren,
da es einfach nicht mehr da war. Ich habe also durch das Quadrieren Informa-
tionen veloren, was zum Schluss dazu führte, dass ich eine angebliche Lösung
berechnen konnte, die in Wahrheit gar keine war. So etwas kann immer dann
vorkommen, wenn man beide Seiten einer Gleichung quadriert, weil Sie nach
dem Quadrieren nicht mehr sehen können, ob Sie nun ursprünglich eine po-
sitive oder eine negative Wurzel in Ihrer Gleichung hatten. Es bleibt Ihnen
daher bei einer Wurzelgleichung leider nichts anderes übrig, als jede errech-
nete Lösung am Ende in die Gleichung einzusetzen und zu testen, ob es sich
auch wirklich um eine Lösung handelt. Wenn Sie das nicht tun, dann lau-
fen Sie Gefahr, vermeintliche Lösungen zu akzeptieren, die in Wahrheit keine
Lösungen sind.
82 3 Gleichungen und Ungleichungen

Ich schreibe nun zunächst in Form einer Regel auf, wie man Wurzelglei-
chungen löst. Danach sehen wir uns weitere Beispiele an.
3.3.6 Regel Eine Wurzelgleichung löst man, indem man duch geschicktes
Quadrieren der Gleichung alle Wurzeln beseitigt und dann die neu entstan-
dene Gleichung mit den bekannten Methoden löst. Alledings muss man jede
berechnete Lösung in die ursprüngliche Wurzelgleichung einsetzen und testen,
ob es sich tatsächlich um eine Lösung handelt.
Damit das Leben nicht zu leicht wird, sind die folgenden Beispiele so
gewählt, dass nach der Behandlung der Wurzelgleichungen nicht so etwas
Einfaches wie eine lineare Gleichung entsteht.
3.3.7 Beispiele
(i) Gegeben ist die Gleichung

2x2 − 1 + x = 0.

Sie bietet eine gute Gelegenheit, in eine Falle zu tappen. Wenn Sie nämlich
wie in Beispiel 3.3.5 einfach auf beiden Seiten der Gleichung quadrieren,
dann erhalten Sie nach der ersten binomischen Formel:

2x2 − 1 + 2 · x · 2x2 − 1 + x2 = 0,

was zusammengefasst heisst:



3x2 − 1 + 2x 2x2 − 1 = 0.

Diese Gleichung ist ganz sicher nicht einfacher oder gar leichter zu lösen
als die Ausgangsgleichung. Wenn Sie noch einen Blick auf die Regel 3.3.6
werfen, dann werden Sie feststellen, dass ich von geschicktem Quadrie-
ren gesprochen habe, nicht einfach nur vom irgendwie Quadrieren. Das
Drauflos-Quadrieren einer Wurzelgleichung bringt Ihnen mit etwas Pech
überhaupt nichts; Sie müssen es schon so durchführen, dass die Wurzeln
beseitigt werden. In diesem Fall heisst das, dass ich bei der Gleichung

2x2 − 1 + x = 0

zuerst x auf beiden Seiten subtrahiere, was zu der neuen Gleichung



2x2 − 1 = −x

führt. Jetzt kann ich erfolgreich quadrieren mit dem Ergebnis:

2x2 − 1 = x2 .

Die Umformung ergibt:

x2 = 1, also x1 = −1 und x2 = 1.
3.3 Biquadratische Gleichungen und Wurzelgleichungen 83

Vergessen Sie nicht, dass wir noch nicht fertig sind. Ich muss noch jede
berechnete Lösung in die ursprüngliche Gleichung einsetzen, um zu testen,
ob sie auch wirklich Lösung ist. Für x1 = −1 heisst das:

2(−1)2 − 1 + (−1) = 0 also 1 − 1 = 0,
und das ist offenbar tatsächlich der Fall. Der Wert x1 = −1 ist also eine
Lösung der Wurzelgleichung. Dagegen ergibt sich für x2 = 1:

2 · 12 − 1 + 1 = 0 also 1 + 1 = 0,
was sicher nicht stimmt. Daher ist x2 = 1 keine Lösung der Wurzelglei-
chung. Die Gleichung hat somit nur die eine Lösung x = −1.
(ii) Ähnlich sieht es aus bei der Gleichung

−x = 7x + 4 − 8.

Schlichtes Quadrieren würde auf Grund der zweiten binomischen Formel


auf der rechten Seite wieder eine Wurzel entstehen lassen, und genau das
wollen wir ja eigentlich vermeiden. Ich bringe also die 8 auf die andere
Seite und erhalte: √
8 − x = 7x + 4.
Jetzt ist Quadrieren bedenkenlos möglich und führt zu der Gleichung:
64 − 16x + x2 = 7x + 4,
wobei ich auf der linken Seite gleich die zweite binomische Formel (8−x)2 =
64 − 16x + x2 verwendet habe. Das ist nun eine ganz normale quadratische
Gleichung, die ich auf die Normalform

x2 − 23x + 60 = 0
bringen und mit der p, q-Formel lösen kann. Es gilt:

23 529 23 289 23 17
x1,2 = ± − 60 = ± = ± .
2 4 2 4 2 2
Also ist x1 = 3 und x2 = 20. Wie immer bei Wurzelgleichungen muss ich
aber die gewonnenen Lösungen in die ursprüngliche Gleichung einsetzen,
um Ärger zu vermeiden. Für x1 = 3 habe ich:

−3 = 7 · 3 + 4 − 8 also − 3 = 5 − 8,
und das ist sicher richtig. Deshalb ist x1 = 3 tatsächlich eine Lösung der
Wurzelgleichung. Für x2 = 20 habe ich:

−20 = 7 · 20 + 4 − 8 also − 20 = 12 − 8,
was ganz sicher falsch ist. Somit hat auch diese Wurzelgleichung nur eine
Lösung, nämlich x = 3.
84 3 Gleichungen und Ungleichungen

(iii)Wurzelgleichungen können aber auch noch ein wenig gemeiner sein, wie
die Gleichung √ √
2x + 5 − 4x − 4 = −1
zeigt. Wenn Sie hier direkt auf beiden Seiten der Gleichung quadrieren,
dann wird Ihnen die zweite binomische Formel auf der linken Seite wieder
eine neue Wurzel bescheren. Wenn Sie aber beispielweise die zweite Wurzel
auf die rechte Seite bringen und schreiben:
√ √
2x + 5 = 4x − 4 − 1,

dann haben Sie wieder wegen der zweiten binomischen Formel beim Qua-
drieren die neue Wurzel auf der rechten Seite. Wie auch immer Sie diese
Gleichung ordnen: beim Quadrieren werden Sie wieder eine Wurzel in der
Gleichung haben. Das ist aber gar nicht so schlimm. Immerhin hat die
Ausgangsgleichung zwei Wurzeln, und in der quadrierten würde nur noch
eine vorkommen. Man kann deshalb hoffen, dass auch in diesem Fall die
quadrierte Gleichung einfacher zu behandeln ist als die Ausgangsgleichung.
Ich quadriere also beispielsweise die Gleichung
√ √
2x + 5 = 4x − 4 − 1

auf beiden Seiten und erhalte:



2x + 5 = 4x − 4 − 2 · 4x − 4 + 1.

Um hier nun die Wurzel endgültig aus dem Weg zu räumen, schiebe ich
alles ausser der Wurzel von der rechten auf die linke Seite. Das heisst:

−2x + 8 = −2 4x − 4.

Erneutes Quadrieren ergibt:

64 − 32x + 4x2 = 4 · (4x − 4),

also
64 − 32x + 4x2 = 16x − 16.
Damit habe ich wieder eine quadratische Gleichung gefunden, die ich auf
Normalform bringen kann. Zunächst bringe ich alles auf eine Seite, also:

4x2 − 48x + 80 = 0,

und teile anschließend auf beiden Seiten durch 4. Dann erhalte ich die
Gleichung
x2 − 12x + 20 = 0
mit den Lösungen:

x1,2 = 6 ± 36 − 20 = 6 ± 4,
3.4 Lineare und quadratische Ungleichungen 85

also x1 = 2 und x2 = 10. Um Scheinlösungen herauszufinden, setze ich die


beiden ermittelten
√ Lösungen
√ wieder in die Wurzelgleichung ein. Für x1 = 2
ergibt das 2 · 2 + 5 − 4 · 2 − 4 = −1, also 3 − 2 = −1, was offensichtlich
√ ist x1 = 2√keine Lösung der Wurzelgleichung. Für x2 = 10
falsch ist. Daher
haben wir 2 · 10 + 5 − 4 · 10 − 4 = −1, also 5 − 6 = −1, was den
Tatsachen entspricht. Daher ist x2 = 10 eine Lösung der Wurzelgleichung,
und die Gleichung hat nur die eine Lösung x = 10.

Es kann also vorkommen, dass das geschickte Quadrieren“, das die Regel

3.3.6 verlangt, nicht nur einmal, sondern mehrere Male vorgenommen werden
muss. In jedem Fall ist es aber nötig, am Ende, sobald alle Lösungen berechnet
sind, diese Lösungen in die Wurzelgleichung einzusetzen, um zu testen, ob es
sich auch wirklich um echte oder nur um vermeintliche Lösungen handelt.
Mit Gleichungen haben wir uns jetzt lange genug befasst. Es wird Zeit,
einen kurzen Blick auf das Thema Ungleichungen zu werfen.

Übungen

3.6 Lösen Sie die folgenden Gleichungen:


(a) x4 − 34x2 + 225 = 0;
(b) x4 + 16x2 − 225 = 0;
(c) x4 + 34x2 + 225 = 0;
(d) x4 + x2 + 4 = 0.

3.7 Lösen Sie die folgenden Gleichungen:


√ √
(a) √ x+2= √ 2x − 3;
(b) − x√+ 2 = 2x − 3;
√= 5x −√6;
(c) x √
(d) √1 − x + √1 + x = 2;
(e) x − 5 = 2x − 7.

3.4 Lineare und quadratische Ungleichungen

Bisher habe ich mich darauf beschränkt, die Unbekannte x in einer Gleichung
unterzubringen und dann den Wert von x auszurechnen. Es kann aber auch
vorkommen, dass man über x nicht genug weiss, um eine Gleichung zu for-
mulieren, und es nur für eine Ungleichung reicht. So eine Ungleichung sieht
fast genauso aus wie eine Gleichung, nur dass man das Gleichheitszeichen =
durch das Größerzeichen > oder das Kleinerzeichen < ersetzt. Wir sehen uns
zuerst ein einfaches Beispiel einer linearen Ungleichung an.
86 3 Gleichungen und Ungleichungen

3.4.1 Beispiel Gegeben ist die Ungleichung

2x + 4 > 8.

Beim Lösen dieser Ungleichung suche ich also alle die x-Werte, für die 2x+4 >
8 gilt. Davon gibt es eine ganze Menge. Zum Beispiel ist 2 · 4 + 4 > 8, aber
auch 2 · 5 + 4 > 8 und auch 2 · 17 + 4 > 8. Eine lineare Ungleichung hat also
deutlich mehr Lösungen als eine lineare Gleichung. Nun wüsste ich aber gerne
die Menge aller x-Werte, die diese Ungleichung erfüllen. Ich kann sicher auf
beiden Seiten der Ungleichung die 4 abziehen, ohne Unheil anzurichten. Dann
habe ich die neue Ungleichung:

2x > 4.

Ausserdem schadet es auch nichts, auf beiden Seiten dieser Ungleichung durch
2 zu teilen, und das ergibt:
x > 2.
Noch weiter kann ich die Ungleichung offenbar nicht vereinfachen, und tatsächlich
habe ich hier auch schon die komplette Lösung stehen: die Ungleichung
2x + 4 > 8 wird genau von allen x-Werten erfüllt, die größer als 2 sind. Man
nennt die Menge aller x-Werte, die unsere Ungleichung erfüllen, die Lösungs-
menge der Ungleichung und schreibt dafür:

IL= {x|x > 2}.

Das ist nur eine abkürzende Schreibweise für die Menge aller x-Werte, die
größer als 2 sind. Genau spricht man die Menge folgendermassen aus: die
Lösungsmenge ist die Menge aller x, für die gilt, dass x > 2 ist.
An diesem übersichtlichen Beispiel kann man schon einiges ablesen. Was
am meisten auffällt, ist die Tatsache, dass diese Ungleichung unendlich vie-
le Lösungen hat: es gibt nun einmal unendlich viele Zahlen, die größer als 2
sind, und jede dieser Zahlen löst die Ungleichung. Aber einen weiteren Um-
stand sollten Sie nicht übersehen. Beim Lösen dieser Ungleichung habe ich die
gleichen Umformungen durchgeführt wie beim Lösen einer Gleichung: ich habe
auf beiden Seiten Zahlen subtrahiert, und ich habe auf beiden Seiten durch
eine Zahl geteilt. Das ist auch immer zulässig, aber im Gegensatz zu Glei-
chungen haben Ungleichungen eine kleine Unart, die ich Ihnen am folgenden
Beispiel zeige.
3.4.2 Beispiel Gegeben ist die Ungleichung:

−x > 1.

Wir suchen also alle Zahlen, für die −x größer als 1 ist. Auch davon gibt es
eine ganze Menge, wie zum Beispiel −2, −5 oder −17, denn für x = −2 gilt
beispielsweise: −x = −(−2) = 2 > 1. Tatsächlich ist jede Zahl x, die kleiner
als −1 ist, eine Lösung der Ungleichung. Würde man nun aber wie beim Lösen
3.4 Lineare und quadratische Ungleichungen 87

einer Gleichung vorgehen und einfach durch den Vorfaktor −1 von x teilen,
1
dann könnte man zunächst erwarten, dass die neue Ungleichung x > −1 , also
x > −1 entsteht. Die echte Lösungsmenge besagt aber genau das Gegenteil,
nämlich x < −1. Sie sehen daran, dass man beim Dividieren einer Ungleichung
durch eine Zahl, aber auch beim Multiplizieren einer Ungleichung mit einer
Zahl vorsichtig sein muss. Falls die Zahl positiv ist, tritt kein Problem auf. Ist
sie aber negativ, dann müssen Sie das Relationszeichen umdrehen. Deshalb
wird aus der Ungleichung −x > 1 beim Dividieren durch die negative Zahl
−1 die neue Ungleichung x < −1.
Da wir uns nun über die Probleme beim Umformen einer linearen Unglei-
chung einig sind, kann ich die Vorgehensweise wieder in einer Regel formulie-
ren.
3.4.3 Regel Man löst eine lineare Ungleichung, indem man sie mit den
gleichen Methoden wie bei einer Ungleichung nach der Unbekannten auflöst.
Dabei ist zu beachten, dass beim Dividieren durch eine negative Zahl und beim
Multiplizieren mit einer negativen Zahl sich das Relationszeichen umkehrt, das
heisst: aus < wird >, und aus > wird <.
Bevor ich dazu Beispiele rechne, sollte ich noch erwähnen, dass es zwei
weitere Relationszeichen gibt, nämlich ≤ und ≥. Sie bedeuten kleiner oder

gleich“ und größer oder gleich“. In der Regel 3.4.3 müsste ich also korrek-

terweise noch hinzufügen, dass bei Division durch eine negative Zahl oder
Multiplikation mit einer negativen Zahl aus ≤ ein ≥ wird und aus ≥ ein ≤.
Nun aber zu den Beispielen.
3.4.4 Beispiele
(i) Wir fangen vorsichtig an und lösen die recht einfache Ungleichung
2 1 1 1
− x< x− .
3 2 3 2
Nach Regel 3.4.3 muss ich die Ungleichung nach x auflösen, als wäre sie
eine Gleichung. Ich addiere also 12 x und 12 auf beiden Seiten. Dann habe
ich:
2 1 1 1
+ < x + x.
3 2 3 2
Nach den Regeln der Bruchrechnung bedeutet das:
7 5
< x.
6 6
Um nach x aufzulösen, muss ich jetzt nur noch durch 56 teilen. Das ist
unproblematisch, da 56 positiv ist und ich nur beim Teilen durch negative
Zahlen aufpassen muss. Es gilt also:
7
6
5 < x,
6
88 3 Gleichungen und Ungleichungen

und daher:
7
< x.
5
7
Die Ungleichung wird somit von allen x-Werten gelöst, die größer als 5 =
1, 4 sind. Die Lösungsmenge lautet daher:
 
7
IL= x|x > .
5

(ii) Deutlich hinterhältiger ist die Ungleichung


2x − 1
> 1.
x+1
Auch hier gilt die Regel, dass man die Ungleichung wie im Falle einer
Gleichung nach der Unbekannten x auflöst, wobei man auf die negativen
Faktoren achten muss. Genau die machen aber hier ein wenig Arbeit. Hätte
ich eine Gleichung anstatt einer Ungleichung, dann würde ich klaglos den
Nenner beseitigen, indem ich mit x+ 1 auf beiden Seiten multipliziere. Das
werde ich auch jetzt tun, aber dummerweise muss ich beim Multiplizieren
einer Ungleichung mit einer Zahl darauf achten, ob diese Zahl positiv oder
negativ ist, weil davon das Relationszeichen > oder < abhängt. Auch das
wäre kein grosses Problem, wenn ich den Wert von x + 1 kennen würde,
aber x ist nun einmal die Unbekannte, deren Wert ich noch nicht kenne.
In so einer Situation bleibt mir nichts anderes übrig als eine Fallunter-
scheidung zu machen. Offenbar gibt es für den Nenner x + 1 nur zwei
Möglichkeiten: er kann positiv oder negativ sein; die Null scheidet aus,
weil ich sonst durch Null dividieren würde. Ich werde mich also jetzt um
die beiden möglichen Fälle für den Nenner kümmern.
Fall 1:
x + 1 > 0, das heisst x > −1.
Dann kann ich problemlos mit dem Nenner x + 1 durchmultiplizieren und
finde die Ungleichung:
2x − 1 > x + 1,
da das Relationszeichen > sich nicht ändert. Ab hier ist es leicht. Ich
subtrahiere x und addiere 1 auf beiden Seiten, was zu der Ungleichung

x>2

führt. Damit habe ich aber noch keineswegs die Lösung der Ungleichung
gefunden. Ich muss noch das Ergebnis mit meinen Voraussetzungen ver-
gleichen. Wenn ich von vornherein nur x-Werte zulasse, die größer als −1
sind, dann erhalte ich als erste Teillösung alle die x-Werte, die auch noch
größer als 2 sind. Da es sich hier nur um den ersten Fall von zweien handelt,
schreibe ich dafür
IL1 = {x|x > 2}.
3.4 Lineare und quadratische Ungleichungen 89

Fall 2:
x + 1 < 0, das heisst x < −1.
Natürlich kann ich auch jetzt mit dem Nenner x + 1 durchmultiplizieren,
ich muss nur darauf achten, dass aus dem > ein < wird, weil der Nenner
jetzt negativ ist. Das liefert:

2x − 1 < x + 1,

Ab hier ist es dann wieder leicht. Ich subtrahiere wieder x und addiere 1
auf beiden Seiten, was zu der Ungleichung

x<2

führt. Aber auch hier ist es dringend nötig, das Ergebnis mit meinen Vor-
aussetzungen zu vergleichen. Wenn ich von vornherein nur x-Werte zu-
lasse, die kleiner als −1 sind, dann erhalte ich als zweite Teillösung alle
die x-Werte, die auch noch kleiner als 2 sind. Die Situation ist nun völlig
anders als im ersten Fall. Jetzt habe ich nur solche Zahlen zur Untersu-
chung zugelassen, die kleiner als −1 sind, und habe als Ergebnis die Zahlen
gefunden, die kleiner als 2 sind. Weil ich aber von vornherein meinen Zah-
lenbereich eingeschränkt habe, kommen gar nicht alle Zahlen, die kleiner
als 2 sind, als Lösungen für den zweiten Fall in Frage. Ich darf hier nur
die Zahlen in das Ergebnis übernehmen, die erstens kleiner als −1 und
zweitens kleiner als 2 sind, und das sind genau die Zahlen unterhalb von
−1. Folglich habe ich für den zweiten Fall die Lösungsmenge

IL2 = {x|x < −1}.

Die gesamte Lösungsmenge setzt sich nun zusammen aus den beiden klei-
neren Lösungsmengen IL1 und IL2 , da ich eine Unterscheidung in zwei Fälle
vorgenommen hatte. Deshalb hat die Ungleichung die Lösungsmenge:

IL= {x|x < −1 oder x > 2}.

Die Ungleichung wird also von allen Zahlen erfüllt, die entweder kleiner
als −1 oder größer als 2 sind.

Falls Sie das Beispiel 3.4.4 (ii) nicht beim ersten Anlauf verstanden ha-
ben, ist das nicht weiter schlimm. Solche Fallunterscheidungen bereiten oft
Schwierigkeiten, die sich mit der Zeit geben. Was Sie aber in jedem Fall ohne
größere Probleme beherrschen sollten, sind lineare Ungleichungen wie in 3.4.4
(i), die man auf gewohnte Weise durch Auflösen nach x einer Lösungsmenge
zuführen kann.
Bei den quadratischen Ungleichungen werde ich mich auf den Fall be-
schränken, dass die Ungleichung bereits mehr oder weniger in der Normalform
vorliegt und nicht mehr aufwendig umgeformt werden muss. Wir sehen uns
an einem Beispiel an, wie man mit so einer Ungleichung umgeht.
90 3 Gleichungen und Ungleichungen

3.4.5 Beispiel Gegeben ist die Ungleichung:

x2 − 3x + 2 < 0.

Ich ignoriere zunächst den Umstand, dass es sich hier um eine Ungleichung
handelt, und tue erst einmal so, als hätte ich eine schlichte quadratische Glei-
chung
x2 − 3x + 2 = 0.
Die Lösung dieser Gleichung mit der p, q-Formel brauche ich jetzt wohl nicht
mehr vorzurechnen, sondern kann Ihnen schlicht mitteilen, dass sie die beiden
Lösungen x1 = 1 und x2 = 2 hat. Das ist schon ganz gut, aber ausgegangen
bin ich von der Ungleichung und nicht von der Gleichung, die ich gerade
gelöst habe. Es gibt aber einen engen Zusammenhang zwischen Gleichung
und Ungleichung, den Sie leicht ausprobieren können. Wann immer Sie in den
Ausdruck x2 − 3x + 2 einen x-Wert einsetzen, der zwischen den Nullstellen
x1 und x2 liegt, dann werden Sie als Resultat eine negative Zahl erhalten.
Und sobald Sie einen x-Wert einsetzen, der ausserhalb dieses Bereichs liegt,
also rechts von 2 oder links von 1, dann wird Ihr Resultat positiv sein. Die
Lösungen der Gleichung geben also die Grenzen an zwischen Positivität und
Negativität. Da ich hier nach den x-Werten suche, die zu einem negativen
Resultat führen, muss ich mich auf die Werte zwischen den beiden Lösungen
der Gleichung beschränken. Es gilt daher:

IL= {x|x > 1 und x < 2}.

Man schreibt dafür auch kürzer:

IL= {x|1 < x < 2}.

Die Lösungsmenge dieser quadratischen Ungleichung besteht also aus allen


Zahlen zwischen 1 und 2.
Dieses Beispiel zeigt, wie man mit quadratischen Ungleichungen umgeht,
und ich werde jetzt die vorgestellte Methode als Regel formulieren.
3.4.6 Regel Man löst eine quadratische Ungleichung, indem man sie
zunächst durch geeignete Umformungen auf die Normalform

x2 + px + q > 0

oder
x2 + px + q < 0
bringt. anschließend löst man die Gleichung x2 + px + q = 0 und findet die
Lösungen x1 und x2 wobei x1 < x2 gilt. Heisst die Ungleichung x2 +px+q > 0,
so besteht die Lösungsmenge aus allen x-Werten, die kleiner als x1 oder größer
als x2 sind, das heisst:

IL= {x|x < x1 oder x > x2 }.


3.4 Lineare und quadratische Ungleichungen 91

Heisst die Ungleichung x2 + px + q < 0, so besteht die Lösungsmenge aus allen


x-Werten, die größer als x1 und kleiner als x2 sind, das heisst:

IL= {x|x > x1 und x < x2 } = {x|x1 < x < x2 }.

An dieser Regel fehlt noch eine Kleinigkeit, aber das werden Sie gleich
sehen, wenn wir Beispiele rechnen.
3.4.7 Beispiele
(i) Gegeben ist die Ungleichung

x2 − 8x + 9 > 2.

Ich bringe sie zunächst auf die Normalform, indem ich auf beiden Seiten
2 subtrahiere. Dann ergibt sich:

x2 − 8x + 7 > 0.

Die zugehörige quadratische Gleichung lautet:

x2 − 8x + 7 = 0

und hat die Lösungen



x1,2 = 4 ± 16 − 7 = 4 ± 3,

also x1 = 1 und x2 = 7. Da in der Ungleichung das Relationszeichen >


steht, folgt nach Regel 3.4.6:

IL= {x|x < 1 oder x > 7}.

Die Lösungsmenge besteht also aus allen Zahlen, die unterhalb von 1 oder
oberhalb von 7 liegen.
(ii) Gegeben ist die Ungleichung

−2x2 − 4x − 2 < 0.

Indem ich die Ungleichung durch −2 teile, erhalte ich die Normalform:

x2 + 2x + 1 > 0.

Bedenken Sie dabei, dass ich beim Teilen durch die negative Zahl −2 das
Relationszeichen umkehren muss und daher aus dem < ein > wird. Die
zugehörige quadratische Gleichung lautet:

x2 + 2x + 1 = 0

und hat die Lösungen


92 3 Gleichungen und Ungleichungen

x1,2 = −1 ± 1 − 1 = −1.

Hier ist also x1 = x2 = −1. Das ist eine der Stellen, an denen man die
Regel ein wenig erweitern muss, aber nicht sehr. In der Ungleichung steht
nämlich ein >-Zeichen, und laut Regel 3.4.6 besteht die Lösungsmenge aus
allen Zahlen, die unterhalb von x1 oder oberhalb von x2 liegen. In unserem
Fall sind die beiden Nullstellen gleich, aber das ändert nichts an der Regel.
Es gilt daher:
IL= {x|x < −1 oder x > −1}.
Das sind aber genau alle Zahlen, die nicht gleich −1 sind. Die Ungleichung
wird somit von allen Zahlen ausser −1 gelöst, also:

IL= {x|x = −1}.

(iii)Drehen wir einmal das Relationszeichen um und lösen die Ungleichung

x2 + 2x + 1 < 0.

Die Lösungen der entsprechenden Gleichung heissen immer noch x1 =


x2 = −1. Da hier ein <-Zeichen in der Ungleichung steht, besteht die
Lösungsmenge nach 3.4.6 aus all den x-Werten, die größer als x1 und
kleiner als x2 sind. Die Werte x1 und x2 sind aber gleich, also kann sich
dazwischen keine andere Zahl mehr aufhalten. Da zwischen x1 und x2
keine Werte liegen, gibt es kein x, das die gegebene Ungleichung erfüllt,
und deshalb ist die Ungleichung x2 + 2x + 1 < 0 unlösbar. Man sagt dafür
auch: die Lösungsmenge der Ungleichung ist die leere Menge, und schreibt:

IL= ∅.

(iv)Bisher konnten wir noch alles mit der Regel 3.4.6 oder leichten Erweite-
rungen erledigen. Wie sieht es nun mit der Ungleichung

x2 + 2x + 2 > 0

aus? Die zugehörige Gleichung lautet:

x2 + 2x + 2 = 0

und für sie liefert die p, q-Formel:


√ √
x1,2 = −1 ± 1 − 2 = −1 ± −1.

Ähnliche Probleme hatten wir schon bei den quadratischen Gleichungen


im zweiten Abschnitt. Diese quadratische Gleichung hat offenbar keine
Lösung, und man fragt sich, was das für die entsprechende Ungleichung
heisst. Wenn der Ausdruck x2 + 2x + 2 niemals Null wird, dann muss er
entweder immer positiv oder immer negativ sein. Es kann nämlich nicht
3.4 Lineare und quadratische Ungleichungen 93

passieren, dass er für irgendeinen x-Wert negativ und für irgendeinen an-
deren positiv ist, ohne irgendwo zwischendurch für einen anderen x-Wert
die Null zu erwischen. Ich weiss also, dass x2 + 2x + 2 immer positiv ist
oder immer negativ ist. Was von beiden nun zutrifft, kann ich aber leicht
feststellen, indem ich irgendeinen Wert einsetze, zum Beispiel x = 0. Das
das Ergebnis 2 positiv ist und wir wissen, dass dieser Ausdruck entwe-
der durchgängig positiv oder durchgängig negativ ist, folgt daraus, dass
x2 + 2x + 2 immer positiv ist. Das heisst:

x2 + 2x + 2 > 0

für alle möglichen x-Werte. Die Lösung dieser Ungleichung besteht also
aus allen denkbaren x-Werten. Man sagt dafür auch: die Gleichung ist
allgemeingültig.
(v) Und noch ein letztes Beispiel zu diesem Problem. Gegeben ist die Unglei-
chung
x2 − 4x + 8 < 0.
Die entsprechende quadratische Gleichung lautet

x2 − 4x + 8 = 0

und hat die Lösungen


√ √
x1,2 = 2 ± 4 − 8 = 2 ± −4.

Auch diese Gleichung hat keine Lösung. Ich weiss also wieder, dass der
Ausdruck x2 − 4x + 8 niemals Null wird und deshalb entweder immer
positiv oder immer negativ sein muss. Indem ich den Wert x = 0 einsetze,
finde ich das Ergebnis 8, das offenbar positiv ist. Folglich ist x2 − 4x + 8
immer positiv und nie negativ. Die Ungleichung

x2 − 4x + 8 < 0

kann daher von keinem x-Wert erfüllt werden, ist also unlösbar. Die
Lösungsmenge lautet deshalb:

IL= ∅.

Damit sind wir am Ende des Kapitels über Gleichungen und Ungleichungen
angekommen. Im nächsten Kapitel werden wir uns ein wenig mit Funktionen
befassen.

Übungen

3.8 Lösen Sie die folgenden Ungleichungen:


(a) 3x + 6 > 9;
94 3 Gleichungen und Ungleichungen

(b) −2x + 5 < 4x + 1;


(c) 2x+3
x−1 > 1.

3.9 Lösen Sie die folgenden Ungleichungen:


(a) x2 − 5x + 6 < 0;
(b) x2 + x − 2 > 0;
(c) x2 + x + 2 < 0;
(d) −2x2 − 2x − 4 > 0.
4
Funktionen

Funktionen gehören zu den wichtigsten Objekten, die es in der Mathematik


gibt, und sie werden Ihnen im Lauf Ihres Studiums immer wieder begegnen.
So sind beispielsweise Computerprogramme ständig damit beschäftigt, Inputs
zu verarbeiten und daraus Outputs zu erzeugen. Im Grunde genommen ist
das aber genau die Beschreibung einer Funktion. Nehmen Sie zum Beispiel
ein Gehaltsabrechnungsprogramm, das aus dem Bruttogehalt das Nettogehalt
berechnen soll. Wie Sie aus eigener Erfahrung wissen, wird das Bruttogehalt
durch eine Unmenge von Abzügen geschmälert, und jeder dieser Abzüge hat
als Grundlage das Bruttogehalt. Um nun das große Programm etwas über-
sichtlicher zu machen, pflegt man es in einzelne Funktionen aufzuteilen. Eine
Funktion berechnet beispielsweise aus dem Bruttogehalt den Rentenversiche-
rungsbeitrag, eine andere Funktion bestimmt aus dem Bruttogehalt die Ein-
kommenssteuer und so weiter. Wichtig daran ist, dass all diese Funktionen
irgendeinen Input erhalten und dann in Abhängigkeit von diesem Input einen
Output liefern. Wir haben also bei einer Funktion eine Inputvariable - in die-
sem Fall das Bruttogehalt - und eine Outputvariable - in diesem Fall beispiels-
weise der Rentenversicherungsbeitrag. Sobald Sie den Input ändern, wird sich
auch der Output ändern, das heisst, der Output ist vom Input abhängig. Man
bezeichnet deshalb die Input-Variable auch als unabhängige Variable und die
Output-Variable als abhängige Variable.
Mit einigen Typen von Funktionen werde ich mich in diesem Kapitel
beschäftigen. Viel mehr über Funktionen werden Sie dann später im Lehrbuch
lernen; hier will ich mich darauf beschränken, Sie mit den einfachsten Funkti-
onstypen vertraut zu machen, den linearen Funktionen und den quadratischen
Funktionen. Ausserdem werde ich ein paar Worte über einige spezielle Funk-
tionen wie zum Beispiel Exponentialfunktionen und Logarithmusfunktionen
verlieren.
Wir beginnen mit den linearen Funktionen.
96 4 Funktionen

4.1 Lineare Funktionen

Der Begriff linear“ ist Ihnen inzwischen schon häufig begegnet, und immer

wurde damit beschrieben, dass in den zur Diskussion stehenden Problemen
nur so einfache Dinge wie 4x + 3 oder −17x + 9 vorkommen dürfen. Das ist
bei linearen Funktionen nicht anders. Das folgende Beispiel zeigt, wo solche
Funktionen in der Praxis vorkommen können.
4.1.1 Beispiel Bei der Herstellung eines Produkts fallen sowohl fixe Ko-
sten an, die von der Produktionsmenge unabhängig sind, als auch variable
Kosten, die man auch als Stückkosten bezeichnen kann. Nehmen wir nun an,
bei der Herstellung des Produkts ABC entstehen fixe Kosten in Höhe von
10, während zur Herstellung jedes einzelnen Stücks von ABC weitere Kosten
in Höhe von 2 anfallen. Wie hoch sind nun die Produktionskosten bei einer
Produktionsmenge von 17 Stück?
Ich bezeichne die Stückzahl mit x und die anfallenden Kosten mit y. Da
die anfallenden Kosten von der produzierten Stückzahl abhängen, ist x die
unabhängige Variable und y die abhängige. Nun will ich einen Zusammenhang
zwischen x und y finden. Ganz unabhängig von x sind die fixen Kosten in
Höhe von 10. Dazu kommen aber die variablen Kosten von 2 pro Stück. Wenn
ich also x Stück produziere, führt das zu variablen Kosten in Höhe von 2x.
Zur Bestimmung der gesamten Kosten muss ich nur variable und fixe Kosten
addieren, und das heisst:
y = 2x + 10.
Die Bestimmung der Herstellungskosten aus den variablen und den fixen Ko-
sten führt also zu der linearen Funktion y = 2x + 10. Werden nun wie geplant
17 Stück produziert, so finden Sie jetzt sofort, dass Kosten in Höhe von

y = 2 · 17 + 10 = 44

anfallen, denn ich muss nur den entsprechenden Wert für x in die Funktion
einsetzen und dann nach der gegebenen Formel y ausrechnen.
Damit haben wir schon ein erstes Beispiel für eine lineare Funktion. All-
gemein sieht sie folgendermaßen aus.
4.1.2 Definition Unter einer linearen Funktion versteht man eine Funktion
der Form
y = ax + b,
wobei x die unabhängige und y die abhängige Variable ist.
Sie können jetzt eine Unmenge von linearen Funktionen aufschreiben wie
zum Beispiel y = 3x + 5 oder auch y = −2x − 18. Und Sie können auch die
Funktionswerte y ausrechnen, sobald Sie sich für einen x-Wert entscheiden,
indem Sie einfach den x-Wert in die Funktion einsetzen und sehen, was für
y herauskommt. Aber wie kann man nun eine lineare Funktion so darstel-
len, dass man auf einen Blick erfassen kann, worum es geht? Bedenken Sie
4.1 Lineare Funktionen 97

bei solchen Fragen immer, dass Sie in Zukunft nicht hauptsächlich für Ma-
thematiker arbeiten, sondern dass Sie vermutlich im Kontakt mit Benutzern
stehen werden, mit Endanwendern, die normalerweise mit Formeln nichts im
Sinn haben. Sie müssen daher imstande sein, einen Zusammenhang wie die
Kostenformel aus 4.1.1 so darzustellen, dass es auch der Anwender versteht.
Bei Funktionen versucht man das häufig mit einer Wertetabelle.
4.1.3 Beispiel Gegeben ist die Funktion

y = 2x + 3.

Sie soll in einer Wertetabelle dargestellt werden. Dabei ist eine Wertetabelle
nichts anderes als eine Tabelle, in der man einige Werte der Funktion zusam-
men mit ihren unabhängigen Variablen aufschreibt. Sie sieht beispielsweise so
aus:
x −3 −2 −1 0 1 2 3
.
y −3 −1 1 3 5 7 9
Damit haben Sie einen gewissen Überblick, welche y-Werte aus welchen x-
Werten entstehen. Zum Beispiel führt ein Input-Wert von −2 zu einem Output
von −1, denn in diesem Fall ist y = 2 · (−2) + 3 = −1.
Man erstellt also eine Wertetabelle, indem man in die erste Zeile der Ta-
belle die x-Werte schreibt und darunter die aus diesen x-Werten berechneten
y-Werte. Das ist schon besser als nichts, hat aber gewissen Nachteile. In der
Wertetabelle aus 4.1.3 habe ich mich zum Beispiel auf die ganzzahligen x-
Werte zwischen −3 und 3 beschränkt, aber das war reine Willkür. Auf irgend-
welche Mengen von x-Werten muss ich mich immer beschränken, und welche
ich aussuche, bleibt nur mir überlassen. Wenn ich später allerdings merke,
dass ich die Funktionswerte zu ganz anderen x-Werten brauche, kann ich die
Wertetabelle wieder wegwerfen.
Meistens ist es besser, zur Veranschaulichung einer linearen Funktion nicht
auf Wertetabellen zurückzugreifen, sondern die Funktion graphisch darzustel-
len. In aller Regel kann man sich dann wesentlich mehr unter der dargestellten
Funktion vorstellen als mit Hilfe einer Wertetabelle. Wir werden uns jetzt also
überlegen, wie man eine lineare Funktion graphisch darstellt.
4.1.4 Beispiel Die Funktion y = 2x soll in einem Schaubild dargestellt
werden. Für den Anfang kann es dabei nicht schaden, eine Wertetabelle zu
erstellen. Sie lautet:
x −2 −1 0 1 2
.
y −4 −2 0 2 4
Nun zeichnen wir ein Koordinatenkreuz auf, wobei die waagrechte Achse die
x-Achse darstellt und die senkrechte Achse die y-Achse. Da ich einige Punkte
in meiner Wertetabelle zur Verfügung habe, ist es eine gute Idee, diese Punkte
in das Koordinatenkreuz einzuzeichnen, um einen ersten Überblick über den
Funktionsverlauf zu erhalten. Der Punkt mit der x-Koordinate 0 und der y-
Koordinate 0 ist beispielsweise genau der Kreuzungspunkt beider Achsen, weil
98 4 Funktionen

dort sowohl der x-Wert als auch der y-Wert auf Null stehen. Dagegen finden
Sie den Punkt mit der x-Koordinate 2 und der y-Koordinate 4, indem Sie vom
Nullpunkt aus um zwei nach rechts und um vier nach oben gehen. Der Punkt,
den Sie dann erreichen, hat natürlich genau die passenden Koordinaten.
Um nun die gesamte Funktion darzusstellen, brauchen Sie nur noch die
eingezeichneten Punkte zu verbinden, und Sie erhalten die Abbildung 4.1 ge-
zeigte Gerade. Und das ist auch kein Zufall. Wann immer Sie eine lineare
Funktion in einem Koordinatenkreuz graphisch darstellen, ergibt sich als so-
genannter Funktionsgraph eine Gerade.

y
4

x
-4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 5

-1

-2

-3

Abb. 4.1. Funktionsgraph für y = 2x

Werfen Sie nun einen Blick auf die erzeugte Gerade. Wenn Sie den Maßstab
auf der y-Achse in Rechnung stellen, werden Sie feststellen, dass die y-Werte
doppelt so schnell steigen wie die x-Werte: aus einem x-Wert wird schließlich
der y-Wert y = 2x. Folglich wird eine Steigerung des x-Wertes um 1 zu einer
Steigerung des y-Wertes um 2 führen, eine Steigerung des x-Wertes um 2 zu
einer Steigerung des y-Wertes um 4 und so weiter. Das führt uns aber zu einer
einfachen Möglichkeit, die Gerade zu zeichnen, ohne erst viele Punkte in das
Koordinatenkreuz einzeichnen zu müssen. Ich kenne nämlich einen Punkt, der
mit Sicherheit auf der Geraden liegt, nämlich der Nullpunkt, der Schnittpunkt
von x- und y-Achse. Da die Funktion y = 2x heisst, weiss ich, dass ich nur
1 nach rechts und 2 nach oben gehen muss, um einen neuen Punkt auf der
Geraden zu erhalten, denn eine Steigerung des x-Wertes um 1 führt zu einer
Steigerung des y-Wertes um 2. Damit habe ich den Punkt mit den Koordi-
naten (1; 2) gefunden und brauche nur noch die Verbindungsgerade zwischen
4.1 Lineare Funktionen 99

dem Nullpunkt und dem neuen Punkt (1; 2) zu ziehen. Sie stellt dann meine
Funktion y = 2x dar.
Der Vorfaktor von x in einer linearen Funktion beschreibt also, wie schnell
die entsprechende Gerade steigt. Daher die folgende Definition.
4.1.5 Definition Ist y = ax + b eine lineare Funktion, so heisst a die
Steigung und b der y-Achsenabschnitt der zugehörigen Geraden.
Warum a Steigung heisst, habe ich gerade erklärt. Auch der Grund für
die Bezeichnung y-Achsenabschnitt“ ist leicht einzusehen. Wenn Sie in der

Funktionsgleichung x = 0 setzen, ergibt sich natürlich y = b. Der x-Wert ist
aber genau dann Null, wenn Sie sich auf der y-Achse befinden, und das heisst,
die Gerade geht genau bei dem Wert b durch die y-Achse. Im allgemeinen
werde ich also meinen Startpunkt zum Zeichnen der Geraden nicht im Null-
punkt wählen, sondern genau in dem Punkt, bei dem die Gerade durch die
y-Achse geht, also beim Punkt b auf der y-Achse. Das formuliere ich jetzt als
eine weitere Regel.
4.1.6 Regel Man stellt eine lineare Funktion y = ax+b in einem Koordina-
tenkreuz als Gerade dar, indem man den Wert b auf der y-Achse aufträgt, und
dann mit Hilfe der Steigung a bestimmt, wie man sich in x- und y-Richtung
bewegen muss, um einen zweiten Punkt zu finden. Anschließend verbindet
man beide Punkte und erhält die gesuchte Gerade.
Das ist nun bewusst ein wenig vage formuliert, weil ich die Rolle der Stei-
gung lieber an den folgenden Beispielen demonstrieren möchte.
4.1.7 Beispiele
(i) Gegeben ist die Gerade y = 3x − 1. Sie sehen, dass ich mir nicht mehr
die Mühe mache, von einer linearen Funktion und einer zugehörigen Ge-
raden zu reden, sondern beides sofort miteinander identifiziere. Der y-
Achsenabschnitt der Geraden beträgt b = −1 und ihre Steigung lautet
a = 3. Mein Startpunkt ist die −1 auf der y-Achse. Da die Steigung 3
beträgt, führt eine Erhöhung des x-Wertes um 1 zu einer Erhöhung des y-
Wertes um 3. Ich muss also 1 nach rechts und 3 nach oben gehen, um einen
weiteren Punkt zu erhalten. Er hat dann die Koordinaten (1; 2), da ich auf
y-Niveau beim Wert −1 gestartet bin und −1 + 3 = 2 gilt. Nun verfüge ich
über die beiden nötigen Punkte und kann durch schlichtes Durchziehen
der Gerade die Funktionsgerade aufzeichnen. Das Ergebnis finden Sie in
Abbildung 4.2.
(ii) Nun wende ich mich der Geraden y = −2x + 1 zu. Sie hat den y-
Achsenabschnitt 1, geht also bei 1 durch die y-Achse. Ihre Steigung −2
ist aber negativ, so dass sie also nicht wie die bisherigen Beispielgeraden
von links unten nach rechts oben durch das Koordinatenkreuz zieht, son-
dern von rechts unten nach links oben. Ich starte also bei der 1 auf der
y-Achse und muss mein bisheriges Verhalten umkehren: wenn ich mich um
1 nach rechts wende, dann darf ich nicht um 2 nach oben, sondern muss
um 2 nach unten, da die Steigung negativ ist. Das führt zu dem zweiten
100 4 Funktionen

y
4

x
-4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 5

-1

-2

-3

Abb. 4.2. Funktionsgraph für y = 3x − 1

Punkt (1; −1). Verbindet man beide Punkte, so erhält man die Gerade aus
Abbildung 4.3.

y
4

x
-4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 5

-1

-2

-3

Abb. 4.3. Funktionsgraph für y = −2x + 1

(iii)Die Gerade y = 34 x + 2 hat die Besonderheit, dass ihre Steigung ein Bruch
ist. Natürlich können Sie, ausgehend vom y-Achsenabschnitt 2, um 1 nach
4.1 Lineare Funktionen 101

rechts und um 34 in die Höhe wandern, aber das ist beim Zeichnen ein
etwas mühevolles Geschäft.

7 y
6

5
4
3
2

1
x
-4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 5
-1

-2
-3

-4

Abb. 4.4. Funktionsgraph für y = 34 x + 2

Man kann sich das Leben allerdings etwas leichter machen, indem man
gleich um 4 nach rechts geht und dementsprechend um 34 ·4 = 3 nach oben.
Auf diese Weise müssen Sie sich nicht mit dem Auffinden von Brüchen auf
den einzelnen Achsen abmühen und erhalten direkt den zweiten Punkt
(4; 5). Die Gerade hat also die Gestalt aus Abbildung 4.4.

Sobald Sie also eine Geradengleichung haben, können Sie die zugehöri-
ge Gerade leicht zeichnen, indem Sie sich am y-Achsenabschnitt und an der
Steigung orientieren. Ich will Ihnen nicht verschweigen, dass es auch ein klein
wenig anders geht.
4.1.8 Beispiel Gegeben ist die Geradengleichung y = 7x + 14. Der y-
Achsenabschnitt lautet 14, also wird die Gerade bei 14 durch die y-Achse
gehen. Und wo erreicht sie die x-Achse? Natürlich genau da, wo y = 0 gilt, also
für 7x+14 = 0, das heisst bei x = −2. Sie brauchen daher nur auf der x-Achse
die −2 zu markieren und auf der y-Achse die 14, und die beiden Markierungen
anschließend zu verbinden. Das Resultat ist die gesuchte Gerade.
Bevor ich diesen Abschnitt beende, möchte ich die linearen Funktionen
bzw. Geraden noch von einer anderen Seite beleuchten. Bisher hatten wir
eine Gleichung zur Verfügung, aus der wir mit Hilfe von Steigung und y-
Achsenabschnitt zwei Punkte erzeugen konnten, deren Verbindungsgerade
dann die gesuchte Gerade war. Anders sieht es aus, wenn ich Ihnen zwei
102 4 Funktionen

Punkte im Koordinatenkreuz vorgebe und Sie die zugehörige Gerade suchen


müssen. Das Zeichnen ist dabei überhaupt kein Problem: zeichnen Sie die
Verbindungsgerade der beiden Punkte, und schon ist alles erledigt. Aber wie
findet man die zugehörige Geradengleichung? In der folgenden Bemerkung
zeige ich Ihnen, wie man dieses Problem ganz allgemein lösen kann.
4.1.9 Bemerkung Gegeben sind zwei Punkte P1 = (x1 ; y1 ) und P2 =
(x2 ; y2 ), die natürlich auf einer gemeinsamen Geraden liegen. Gesucht ist die
Gleichung dieser Geraden. Da zu jeder Geraden eine lineare Funktion gehört,
hat die Geradengleichung die Form y = ax + b. Ich muss mich also daran ma-
chen, a und b zu finden. Nun sind aber sowohl (x1 ; y1 ) als auch (x2 ; y2 ) Punkte
auf meiner Geraden, das heisst sie erfüllen die Geradengleichung. Folglich gilt:

y1 = ax1 + b und y2 = ax2 + b.

Um die beiden miteinander in Verbindung zubringen, ziehe ich beide Glei-


chungen voneinander ab. Sie werden gleich sehen, dass mir das weiterhilft,
denn es folgt:

y1 − y2 = ax1 + b − (ax2 + b) = ax1 + b − ax2 − b = ax1 − ax2 .

Beim Subtrahieren ist der y-Achsenabschnitt b weggefallen, und in der ver-


bleibenden rechten Seite kann ich a vorklammern. Dann habe ich:

y1 − y2 = a(x1 − x2 ).

Dividieren durch die Klammer ergibt:


y1 − y2
a= ,
x1 − x2
oder auch
y2 − y1
a= ,
x2 − x1
wenn Sie den Bruch mit −1 erweitern. Damit habe ich immerhin schon
die Steigung a aus den Koordinaten der beiden Punkte berechnet. Den y-
Achsenabschnitt erhalte ich jetzt ohne jedes Problem zum Beispiel aus der
Gleichung
y1 = ax1 + b, also b = y1 − ax1 ,
denn x1 und y1 kannte ich von Anfang an, und a habe ich gerade berechnet.
Somit können Sie sowohl a als auch b bestimmen und haben damit die gesamte
Geradengleichung ermittelt.
Was wir uns in 4.1.9 überlegt haben, formuliere ich jetzt in einer Regel.
4.1 Lineare Funktionen 103

4.1.10 Regel Sind zwei Punkte P1 = (x1 ; y1 ) und P2 = (x2 ; y2 ) gegeben


und ist die Gerade y = ax+b gesucht, auf der beide Punkte liegen, so berechnet
man zuerst
y1 − y2
a=
x1 − x2
oder auch
y2 − y1
a= ,
x2 − x1
und anschließend
b = y1 − ax1 .

Mit zwei Beispielen zu diesem Verfahren schliesse ich den Abschnitt über
lineare Funktionen ab.
4.1.11 Beispiele
(i) Gegeben sind die Punkte (3; 5) und (4; 7). Gesucht ist die Gerade y = ax+b
durch diese beiden Punkte. Nach Regel 4.1.10 gilt:
7−5 2
a= = = 2.
4−3 1
Daraus folgt:
b = 5 − 2 · 3 = −1.
Die Geradengleichung lautet also:

y = 2x − 1.

(ii) Gegeben sind die Punkte (3; 0) und (9; 4). Gesucht ist die Gerade y = ax+b
durch diese beiden Punkte. Nach Regel 4.1.10 gilt:
4−0 4 2
a= = = .
9−3 6 3
Daraus folgt:
2
b=0− · 3 = −2.
3
Die Geradengleichung lautet also:
2
y= x − 2.
3

Damit sind Sie über lineare Funktionen hinreichend informiert, und wir
können uns den quadratischen Funktionen zuwenden.
104 4 Funktionen

Übungen

4.1 Erstellen Sie die Funktionsgraphen der folgenden linearen Funktionen:


(a) y = 4x − 1;
(b) y = 2, 5x + 1, 5;
(c) y = −x + 2;
(d) y = − 32 x + 3.

4.2 Berechnen Sie jeweils die Gleichung der Geraden, auf der die Punkte P1
und P2 liegen.
(a) P1 = (1; 2), P2 = (2; 6);
(b) P1 = (3; 1), P2 = (−1; 2);
(c) P1 = (0; 1), P2 = (1; 1).

4.2 Quadratische Funktionen


Während bei linearen Funktionen die Variable x nur in der harmlosesten Form
2x oder −17x vorkommt, werden bei quadratischen Funktionen auch qua-
dratische Ausdrücke wie x2 oder −3x2 auftauchen. Allgemein sieht so eine
quadratische Funktion folgendermassen aus.
4.2.1 Definition Unter einer quadratischen Funktion versteht man eine
Funktion der Form
y = ax2 + bx + c,
wobei x die unabhängige und y die abhängige Variable ist.
Wie im Falle der linearen Funktionen werden wir uns jetzt überlegen, wie
man quadratische Funktionen graphisch darstellen kann. Die einfachste qua-
dratische Funktion ist natürlich y = x2 , und ihr wende ich mich im folgenden
Beispiel zu.
4.2.2 Beispiel Gegeben ist die Funktion y = x2 . Für den Anfang erstelle
ich eine Wertetabelle der Funktion und erhalte:
x −2 −1 0 1 2
.
y 4 1 014

Trägt man nun diese Werte wieder in ein Koordinatenkreuz ein, so stellt man
fest, dass sie sich offenbar erst von links oben nach rechts unten bewegen, bei
Null ihren Tiefpunkt erreichen und anschließend wieder von unten nach oben
wandern.
Die Situation ist also völlig anders als bei den Geraden, die wir aus linearen
Funktionen erhalten haben. Man kann auch die eingetragenen Punkte nicht
mehr mit einem Lineal in einer durchgezogenen Linie verbinden. Im Gegenteil:
wenn Sie noch ein paar mehr Funktionswerte ausrechnen und einzeichnen -
zum Beispiel für die Zwischenstellen x = −1, 5, x = −0, 5 und so weiter - dann
4.2 Quadratische Funktionen 105

y
4

x
-4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 5

-1

-2

Abb. 4.5. Funktionsgraph für y = x2

werden Sie feststellen, dass Sie mehr und mehr eine echte runde Kurve erhal-
ten, die von einer Geraden weit entfernt ist. Man nennt die entstandene Kurve
eine Parabel. Sie treffen sie immer an, wenn es um quadratische Funktionen
geht. Abbildung 4.5 zeigt wie die Parabel für y = x2 aussieht.
Man nennt diese Kurve auch Normalparabel, um sie von anderen Parabel-
sorten zu unterscheiden.
Im folgenden will ich erst einmal der Frage nachgehen, wie man eine qua-
dratische Funktion der Form y = x2 + px + q graphisch darstellt. Wie schon
häufiger, tasten wir uns mit einer Reihe von Beispielen an die Lösung heran.
Es wird sich dabei herausstellen, dass man im wesentlichen nur die Normal-
parabel an die richtige Stelle schieben muss.
4.2.3 Beispiele
(i) Gegeben ist die quadratische Funktion y = (x−1)2 . Auch hier wird einfach
nur ein Input quadriert, nur dass im Gegensatz zu 4.2.2 nicht ein schlichtes
x2 quadriert wird, sondern (x − 1)2 . An die Stelle von x ist also x − 1
getreten. Geht es nur um x2 , dann erhalte ich für x = 0 den y-Wert 0 und
für x = 2 den y-Wert 4. Nun habe ich aber y = (x − 1)2 , und das heisst,
ich erhalte für x = 1 den y-Wert 0, und für x = 3 den y-Wert 4. Indem ich
von x2 zu (x − 1)2 übergegangen bin, habe ich also auf der x-Achse alles
nur um 1 nach rechts verschoben: wo ich früher x = 0 einsetzen musste,
brauche ich jetzt x = 1; wo ich mich früher mit x = 2 begnügt habe,
brauche ich jetzt x = 3. Deshalb werde ich auch die Zeichnung auf der
x-Achse um 1 nach rechts verschieben und erhalte das Bild aus Abbildung
4.6.
Ich habe also an der Parabel an sich gar nichts geändert; nur ihre Lage im
Koordinatenkreuz habe ich etwas verschoben. Das kann ich am einfachsten
106 4 Funktionen

y
4

x
-4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 5

-1

-2

Abb. 4.6. Funktionsgraph für y = (x − 1)2

dadurch beschreiben, dass ich ihren markantesten Punkt angebe, und das
ist sicher der Punkt, an dem sie ihren tiefsten Wert erreicht hat. Man nennt
diesen Punkt den Scheitelpunkt der Parabel. Während also die Parabel
y = x2 ihren Scheitelpunkt bei (0; 0) hat, finden Sie den Scheitelpunkt der
Parabel y = (x − 1)2 bei (1; 0).
(ii) Jetzt will ich die quadratische Funktion y = (x + 2)2 graphisch darstellen.
Die Überlegung verläuft genauso wie in Beispiel (i).

y
4

x
-4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 5

-1

-2

Abb. 4.7. Funktionsgraph für y = (x + 2)2


4.2 Quadratische Funktionen 107

Wenn ich in y = x2 einen bestimmten x-Wert einsetze, so muss ich in y =


(x + 2)2 den um 2 reduzierten x-Wert einsetzen, um das gleiche Ergebnis
zu erhalten, da die x-Werte hier erst um 2 erhöht werden, bevor ich sie
quadriere. Alle x-Werte müssen deshalb um 2 vermindert werden, und
das heisst, alles verschiebt sich auf der x-Achse um 2 nach links. Der
Funktionsgraph von y = (x+2)2 ist daher auch wieder eine Normalparabel;
sie ist allerdings aus dem Nullpunkt um 2 nach links verschoben. Anders
gesagt: ihr Scheitelpunkt lautet (−2; 0). Im Bild sieht das dann so aus wie
in Abbildung 4.7.
Die Methode aus 4.2.3 schreibe ich erst einmal in einer Regel auf. Diese
Regel werde ich zwar nachher noch erweitern, aber für den Anfang ist sie
schon besser als gar nichts.
4.2.4 Regel Man erhält die graphische Darstellung der quadratischen
Funktion
y = (x + a)2 ,
indem man die Normalparabel y = x2 entlang der x-Achse um −a verschiebt.
Der Funktionsgraph von y = (x + a)2 ist also eine Normalparabel mit dem
Scheitelpunkt (−a; 0).
Nichts anderes habe ich in 4.2.3 gemacht. Im ersten Beispiel war a = 1,
und im zweiten Beispiel war a = −2; das Vorzeichen von a spielt also für
die Regel keine Rolle. Vom Vorzeichen hängt nur ab, ob man nach links oder
nach rechts verschiebt: ist a positiv, so ist −a negativ und man verschiebt
nach links. Ist dagegen a negativ, so ist −a positiv und man verschiebt nach
rechts.
Leider sind nicht alle quadratischen Funktionen als Quadrat von x + a
darstellbar. Ich werde Ihnen deshalb im nächsten Beispiel zeigen, wie man
etwas allgemeinere quadratische Funktionen behandelt.
4.2.5 Beispiele
(i) Gegeben ist die quadratische Funktion y = (x − 1)2 + 2.
Ohne den Zusatz +2 habe ich sie schon in 4.2.3 untersucht und festgestellt,
dass es sich um eine um 1 nach rechts verschobene Normalparabel handelt.
Ihr Scheitelpunkt lautete daher (1; 0). Nun muss ich aber jedesmal noch 2
dazu addieren. Im Vergleich zu (x − 1)2 erhöht sich also hier der y-Wert
für jeden x-Wert um 2, und deshalb muss ich die Parabel in y-Richtung
um 2 nach oben verschieben - damit werden alle y-Werte automatisch um
2 erhöht. Ich erhalte also die graphische Darstellung von y = (x − 1)2 + 2,
indem ich die Normalparabel y = x2 erst um 1 nach rechts und dann um
2 nach oben verschiebe. Das Resultat sehen Sie in Abbildung 4.8. Mit an-
deren Worten: ich erhalte wieder eine Normalparabel, deren Scheitelpunkt
bei (1; 2) liegt. Auch hier geht es also nur darum, die Normalparabel an
die richtige Stelle zu verschieben.
(ii) Gegeben ist jetzt die Funktion y = (x − 2)2 − 1. Zunächst erhalte ich die
Darstellung von (x − 2)2 , indem ich die Normalparabel nehme und um 2
108 4 Funktionen

y
7

x
-2 -1 0 1 2 3 4 5 6
2
Abb. 4.8. Funktionsgraph für y = (x − 1) + 2

nach rechts verschiebe. Dann muss ich aber noch vom Ergebnis den Wert 1
abziehen, um auf y = (x − 2)2 − 1 zu kommen. In der graphischen Darstel-
lung bedeutet das nur, dass ich die Parabel noch einmal verschieben muss,
und zwar um 1 nach unten. Insgesamt ergibt sich also eine Normalparabel,
die zuerst um 2 nach rechts und anschließend um 1 nach unten verschoben
wird. Sie hat daher den Scheitelpunkt (2; −1) und ist in Abbildung 4.9 zu
bewundern.

y
4

x
-2 -1 0 1 2 3 4 5

-1

-2

Abb. 4.9. Funktionsgraph für y = (x − 2)2 − 1


4.2 Quadratische Funktionen 109

Auch aus den Beispielen in 4.2.5 lässt sich eine Regel entnehmen: wann
immer eine quadratische Funktion die Form y = (x + a)2 + b hat, braucht man
nur die Normalparabel an die richtige Stelle zu verschieben, und schon hat
man die graphische Darstellung dieser Funktion. Aus Regel 4.2.4 wissen Sie,
dass Sie die Parabel um −a auf der x-Achse verschieben müssen, und an den
Beispielen in 4.2.5 können Sie sehen, dass noch eine weitere Verschiebung um
b in y-Richtung erfolgt. Das alles schreibe ich jetzt in die nächste Regel.
4.2.6 Regel Man erhält die graphische Darstellung der quadratischen
Funktion
y = (x + a)2 + b,
indem man zuerst die Normalparabel y = x2 entlang der x-Achse um −a
verschiebt und dann entlang der y-Achse um b. Der Funktionsgraph von y =
(x + a)2 + b ist also eine Normalparabel mit dem Scheitelpunkt (−a; b).
Auch das sieht noch sehr speziell aus, aber das scheint nur so. Tatsächlich
haben wir schon beim Lösen quadratischer Gleichungen davon Gebrauch ge-
macht, dass man jeden Ausdruck der Form x2 + px + q darstellen kann als
(x + a)2 + b, denn darauf beruht die ganze p, q-Formel. Ich habe deshalb mit
Regel 4.2.6 die Möglichkeit, jede beliebige quadratische Funktion der Form
y = x2 + px + q graphisch darzustellen, indem ich sie als y = (x + a)2 + b
schreibe und dann das eben entwickelte Verfahren anwende. Allerdings muss
ich dafür a und b kennen. Die folgenden Beispiele zeigen, wie man sie findet.
4.2.7 Beispiele
(i) Gegeben ist die quadratische Funktion y = x2 − 4x + 8. Ich will sie so
umformen, dass eine graphische Darstellung nach Regel 4.2.6 möglich ist.
Dazu muss ich einen Ausdruck identifizieren, der in eine binomische Formel
passt. Nun ist x2 − 4x sicher der Anfang einer binomischen Formel, die
aber nicht mit 8 endet, sondern mit 4, denn (x − 2)2 = x2 − 4x + 4. Folglich
ist
x2 − 4x + 8 = x2 − 4x + 4 + 4 = (x − 2)2 + 4.
Damit habe ich die Darstellung:
y = (x − 2)2 + 4.
Im Sinne von Regel 4.2.6 ist jetzt a = −2 und b = 4. Der Funktionsgraph
von y = x2 − 4x + 8 ist somit eine Normalparabel mit dem Scheitelpunkt
(2; 4).
(ii) Jetzt untersuche ich die Funktion y = x2 + 3x + 9. Wie immer passt der
Anfang des quadratischen Ausdrucks x2 +3x+9 in eine binomische Formel.
Sehen wir uns das noch einmal genau an. Ich will einen Ausdruck (x + a)2
ins Spiel bringen, und wir wissen, dass
(x + a)2 = x2 + 2ax + a2
gilt. Folglich muss x2 + 3x genau dem Teilausdruck x2 + 2ax entsprechen,
und das heisst, dass 2a = 3 gilt. Daher ist a = 32 , und ich habe:
110 4 Funktionen
 2
3 9
x+ = x2 + 3x + .
2 4
Jetzt muss ich zurück zu meiner quadratischen Funktion und sie in die
passende Gestalt umformen. Es gilt:
y = x2 + 3x + 9
9 27
= x2 + 3x + +
4 4
 2
3 27
= x+ + .
2 4
Damit habe ich die gewünschte Darstellung gefunden. Ich weiss jetzt
nämlich, dass
 2
3 27
y = x+ +
2 4
gilt, und das passt genau in das Schema von Regel 4.2.6. Hier ist also
3 27
a= und b = .
2 4
Deshalb ist nach 4.2.6 der gesuchte
 Funktionsgraph eine Normalparabel
mit dem Scheitelpunkt − 23 ; 27
4 = (−1, 5; 6, 75).
Und so geht das immer. Sobald Sie eine quadratische Funktion y = x2 +
px + q graphisch darstellen wollen, bringen Sie sie auf die Form Binomische

Formel + Zahl“ und wenden darauf die Regel 4.2.6 an. Damit alles seine
Ordnung hat, machen wir daraus eine neue Regel.
4.2.8 Regel Man findet die graphische Darstellung einer quadratischen
Funktion
y = x2 + px + q,
indem man die Funktion auf die Form
y = (x + a)2 + b
bringt und dann Regel 4.2.6 anwendet.
Natürlich kann man die Rechnungen, die mit dem Umschreiben des Aus-
drucks x2 + px + q auf eine andere Form zu erledigen sind, auch ein einziges
Mal für die abstrakte Funktion y = x2 + px + q hinter sich bringen. Das hat
den Vorteil, dass man hinterher nur noch in eine Formel einsetzen muss, um
a und b zu erhalten. Es ist aber mit dem Nachteil verbunden, dass Sie sich
eine Formel merken müssen oder zumindest wissen sollten, wo Sie sie finden
können. Wie Sie vorgehen wollen, bleibt Ihnen überlassen. Damit Sie aber
wenigstens über die nötigen Formeln verfügen, schreibe ich im folgenden Satz
einfach das Ergebnis der Rechnung auf, das man erhält, wenn man die glei-
chen Schritte wie in 4.2.7 (ii) für die abstrakte Funktion y = x2 + px + q
durchführt.
4.2 Quadratische Funktionen 111

4.2.9 Satz Für die quadratische Funktion

y = x2 + px + q

gilt:
y = (x + a)2 + b,
wobei
p p2
a= und b = q −
2 4
gilt.
Dazu nur noch ein kurzes Beispiel.
4.2.10 Beispiel Ich forme y = x2 + 3x + 9 nach 4.2.9 um. Dann ist p = 3
und q = 9. Daher ist
3 9 27
a= und b = 9 − = .
2 4 4
Ich erhalte also mit  2
3 27
y= x+ +
2 4
natürlich die gleiche Darstellung wie in Beispiel 4.2.7 (ii).
Über quadratische Funktionen in der Normalform ist nun alles Nötige ge-
sagt. Jetzt muss ich nur noch kurz darauf eingehen, was man macht, wenn x2
nicht nur für sich dasteht, sondern noch einen Vorfaktor hat wie zum Beispiel
2x2 oder −x2 . Das ist nicht weiter schwer, da man auch diese Funktionen auf
die Normalparabel zurückführen kann. Sehen wir uns zunächst an, was ein
Minuszeichen vor dem Ausdruck x2 für Auswirkungen hat.
4.2.11 Beispiel Gesucht ist der Funktionsgraph von

y = −x2 + 2x − 2.

Natürlich ist dann y = −(x2 − 2x + 2), und am einfachsten ist es, zuerst den
Funktionsgraphen des Klammerausdrucks x2 − 2x+ 2 zu zeichnen. Wie bereits
gewohnt, schreibe ich den Ausdruck zunächst als Summe aus einem Binom
und einer Zahl. Es gilt:

x2 − 2x + 2 = x2 − 2x + 1 + 1 = (x − 1)2 + 1,

und deshalb handelt es sich hier um eine Normalparabel, deren Scheitelpunkt


bei (1; 1) liegt. Nun ist aber die ursprngliche Funktion genau dasselbe, nur
mit einem Minuszeichen versehen. Ich muss also nur die Normalparabel mit
dem Scheitelpunkt (1; 1) nehmen und alle Werte in ihr negatives Gegenteil
umkehren, und das heisst: ich muss die Parabel genau an der x-Achse kippen.
Aus der nach oben geöffneten Parabel mit dem Scheitelpunkt (1; 1) wird dann
eine nach unten geöffnete Parabel mit dem Scheitelpunkt (1; −1), denn ich
112 4 Funktionen

y
4

x
-2 -1 0 1 2 3 4 5

-1

-2

-3

Abb. 4.10. Funktionsgraph für y = x2 − 2x + 2 und y = −x2 + 2x − 2

muss ja nur die y-Werte negativ rechnen und die x-Werte so lassen, wie sie
sind. Beide Funktionskurven sehen Sie in Abbildung 4.10.
Jetzt bleibt für diesen Abschnitt nur noch die Frage zu klären, was man
mit Funktionen wie zum Beispiel y = 2x2 + 4x + 8 anstellt, bei denen vor x2
ein echter Vorfaktor steht. Bleiben wir bei diesem Beispiel und sehen wir uns
die Lösung an.
4.2.12 Beispiel Gegeben ist die Funktion

y = 2x2 + 4x + 8.

Ich klammere den lästigen Faktor 2 vor und erhalte:

y = 2(x2 + 2x + 4).

Den Ausdruck x2 + 2x + 4 in der Klammer kann ich wie üblich behandeln,


indem ich ihn als Summe aus einem Binom und einer Zahl schreibe. Es gilt:

x2 + 2x + 4 = x2 + 2x + 1 + 3 = (x + 1)2 + 3.

Dieser Ausdruck für sich genommen hätte also als Funktionsgraph eine Nor-
malparabel mit dem Scheitelpunkt (−1; 3). Nun entsteht aber y, indem man
den Ausdruck x2 + 2x + 4 mit der Zahl 2 multipliziert. Jeder Funktionswert
lässt sich daher aus dem Wert von x2 + 2x + 4 durch Multiplikation mit 2 ge-
winnen. Anders gesagt: Der Scheitelpunkt muss jetzt bei (−1; 6) liegen, und
alle anderen Funktionswerte sind im Vergleich zur Normalparabel um den
Faktor 2 gestreckt“.

Das nützt Ihnen aber nichts, wenn Sie mit einer Parabelschablone bewaffnet
4.2 Quadratische Funktionen 113

diese Funktion zeichnen wollen. Es gibt allerdings einen einfachen Trick. Was
ich bisher beschrieben habe, läuft darauf hinaus, eine bestimmte Normalpa-
rabel um den Faktor 2 zu strecken, weil alle Funktionswerte von x2 + 2x + 4
eben verdoppelt werden müssen. Sie können aber auch die ganz schlichte Nor-
malparabel x2 + 2x + 4 in ein Koordinatensystem zeichnen und anschließend
die Bewertung der y-Achse verändern. Schließlich kann man Ihnen nicht vor-
schreiben, welcher Maßstab auf Ihrer y-Achse gelten soll. Wenn ich nun die
y-Achse mit dem Faktor 2 stauche“, dann habe ich den gleichen Effekt er-

reicht wie beim Strecken der Funktionskurve. Und Stauchen heisst hier nur
folgendes: wo vorher auf der y-Achse eine 1 stand, schreibe ich jetzt eine 2 hin;
wo vorher auf der y-Achse eine 2 stand, schreibe ich jetzt eine 4 hin, und so
weiter. Damit hat man auf der y-Achse bei gleichem Platzverbrauch doppelt
so hohe Werte untergebracht. Und gleichzeitig wird jeder Wert doppelt so
hoch gerechnet wie vorher, mit anderen Worten: die Funktionswerte werden
verdoppelt, genauso wie wir das für unsere Funktion brauchen.
Den Funktionsgraphen von y = 2x2 + 4x + 8 finden Sie in Abbildung 4.11.

y
8

x
-3 -2 -1 0 1 2 3 4
-2

Abb. 4.11. Funktionsgraph für y = 2x2 + 4x + 8

Jetzt haben Sie alles gesehen, was man über quadratische Funktionen wis-
sen sollte. Im nächsten Abschnitt werfen wir einen Blick auf einige andere
Funktionen, die Ihnen bereits in gewisser Weise im zweiten Kapitel begegnet
sind.

Übungen

4.3 Erstellen Sie die Funktionsgraphen der folgenden quadratischen Funktio-


nen. Geben Sie dabei immer auch den Scheitelpunkt an.
(a) y = (x − 3)2 − 2;
(b) y = x2 + 4x + 1;
(c) y = x2 − 5x + 7;
114 4 Funktionen

(d) y = x2 − 1.
4.4 Erstellen Sie die Funktionsgraphen der folgenden quadratischen Funktio-
nen. Geben Sie dabei immer auch den Scheitelpunkt an.
(a) y = −x2 + 5x − 6;
(b) y = 3x2 + 6x + 9;
(c) y = −2x2 − 4x + 6.

4.3 Sonstige Funktionen


Bisher haben wir uns mit recht übersichtlichen Funktionen wie linearen und
quadratischen Funktionen befasst. Leider sind nicht alle Funktionen so einfach
zu handhaben und auch so einfach zu zeichnen. In diesem Abschnitt werde ich
Ihnen nur ein paar Beispiele von Funktionen zeigen, die in der Mathematik
und auch in den Anwendungen häufig vorkommen, aber etwas komplizierter
sind als die bis jetzt betrachteten Funktionen.
Zunächst ist es klar, dass man nicht nur Ausdrücke wie x oder x2 in eine
Funktionsgleichung schreiben, sondern sich auch mit beliebig höheren Expo-
nenten plagen kann. Einfachstes Beispiel dafür ist die Funktion y = x3 .
4.3.1 Beispiel Gegeben ist die Funktion
y = x3 .
Da die dritte Potenz einer negativen Zahl wieder negativ ist, wird der Funkti-
onsgraph für x-Werte auf der linken Hälfte der x-Achse unterhalb der x-Achse
liegen. Dagegen ist die dritte Potenz einer positiven Zahl positiv, und deshalb
werden die x-Werte auf der rechten Hälfte der x-Achse positive Funktionswer-
te haben. Zeichnet man diese Situation wieder in ein Koordinatenkreuz ein,
so ergibt sich der Funktionsgraph aus Abbildung 4.12.
Auch so etwas nennt man eine Parabel; nur ist es eben keine Normalpara-
bel mehr - diese Bezeichnung bleibt dem Funktionsgraphen von y = x2 und
anderen quadratischen Funktionen vorbehalten. Aber sobald Sie als Funktion
ein sogenanntes Polynom wie y = 5x4 − 2x3 + 2x2 − 17x + 9 haben, wird
der Funktionsgraph als Parabel bezeichnet. Man kann diese Parabeln nur lei-
der nicht mehr auf so etwas Einfaches wie eine Normalparabel zurückführen,
indem man ein paar einfache Regeln beherzigt. Sie werden sich dann schon
mit der sogenannten Kurvendiskussion beschäftigen müssen, die erst im sieb-
ten Kapitel des Lehrbuchs behandelt wird und bei der man die Differential-
rechnung anwenden muss. Für uns ist das im Augenblick Zukunftsmusik. Ich
möchte Ihnen jetzt nur an einem weiteren Beispiel zeigen, dass es tatsächlich
einen wichtigen Unterschied zwischen den quadratischen Funktionen und den
Polynomen dritten Grades y = ax3 + bx2 + cx + d gibt. Wie bereits erwähnt:
während der Funktionsgraph einer quadratischen Funktion immer eine ordent-
liche Normalparabel ist, nur ein wenig im Koordinatenkreuz verschoben, kann
sich bei einem Polynom dritten Grades auch die Gestalt ziemlich ändern.
4.3 Sonstige Funktionen 115

y
4

x
-4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 5

-1

-2

-3

Abb. 4.12. Funktionsgraph für y = x3

4.3.2 Beispiel Gegeben ist die Funktion

y = x3 − 6x2 + 9x.

Mit den Methoden der Kurvendiskussion, die Sie wesentlich später lernen
werden, kann man sich überlegen, dass der Graph dieser Funktion die Gestalt
aus Abbildung 4.13 hat.
Wie Sie sehen, gibt es im Kurvenverlauf erhebliche Unterschiede zwischen
dieser Funktion und der wesentlich schlichteren Funktion y = x3 . Man kann
also den Verlauf von y = x3 nicht auf die Funktionskurven anderer Polynome
dritten Grades übertragen.
Bei höheren Exponenten sieht es nicht besser aus. Ich werde jetzt auch
nicht der Reihe nach y = x4 , y = x5 , y = x6 und so weiter behandeln,
sondern in der folgenden Bemerkung etwas Prinzipielles zu diesen Funktionen
sagen.
4.3.3 Bemerkung Bei der Funktion y = x4 werden alle x-Werte mit 4
potenziert, also mit einer geraden Zahl. Sie wissen aber, dass das Potenzieren
mit einer geraden Zahl sämtliche Minuszeichen im Input bedeutungslos macht,
so dass man bei y = x4 nur positive Ergebnisse erhält.
Und das ist nicht anders bei y = x6 , y = x8 und ganz allgemein bei y =
x2n , weil für jede beliebige Zahl n der Exponent 2n eine gerade Zahl ist. Alle
Funktionen der Form y = x2n haben also eine sehr ähnliche Funktionskurve
wie y = x2 , sie wird nur immer steiler, je höher der Exponent wird.
Nicht anders sieht es bei den Funktionen mit ungeradem Exponenten y =
x2n+1 aus. Sie haben alle eine gewisse Ähnlichkeit mit der Funktion y = x3
und werden immer steiler, je höher Sie den Exponenten wählen.
116 4 Funktionen

y
4

x
-2 -1 0 1 2 3 4 5

-1

-2

-3

Abb. 4.13. Funktionsgraph für y = x3 − 6x2 + 9x

y
4

x
-4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 5

-1

-2

Abb. 4.14. Funktionsgraphen für y = x2 und y = x4

So viel zu den Polynomen mit höherem Exponenten. Sie alle haben Funk-
tionsgraphen, die als Parabeln bezeichnet werden, aber mit der schönen Nor-
malparabel der quadratischen Funktionen nur wenig zu tun haben. Anders
sieht es aus, wenn Sie auf einmal Brüche zulassen, bei denen x auch im Nen-
ner vorkommt. Das folgende Beispiel zeigt, dass sich dadurch die Situation
grundlegend ändert.
4.3.4 Beispiel Gegeben ist die Funktion
1
y= .
x
4.3 Sonstige Funktionen 117

y
4

x
-4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 5

-1

-2

-3

Abb. 4.15. Funktionsgraphen für y = x3 und y = x5

Im Gegensatz zu den bisher betrachteten Funktionen kann ich hier nicht ein-
fach jeden x-Wert in die Funktionsgleichung einsetzen: offenbar ist x = 0 nicht
erlaubt, weil ich dann durch Null dividieren würde. Wir müssen also erst ein-
mal einen Bereich von erlaubten x-Werten festlegen, die bedenkenlos in die
Funktion eingesetzt werden dürfen. Diesen Bereich nennt man den Definiti-
onsbereich der Funktion, und er besteht hier offenbar aus allen Zahlen ausser
der Null. Die Funktion hat also eine sogenannte Definitionslücke bei x = 0.
Nähern Sie sich nun mit Ihren x-Werten der Null, so wird der Nenner immer
kleiner, und weil Sie durch immer kleinere Werte teilen, wird die Funktion
y = x1 immer grösser.
Es kommt aber stark darauf an, aus welcher Richtung Sie sich an die Null
heranpirschen. Kommen Sie von rechts, also mit positiven x-Werten, dann
teilen Sie durch immer kleinere positive Zahlen und erhalten deshalb immer
grössere positive Zahlen als Ergebnis. Man sagt dazu, dass die Funktionswerte
gegen Unendlich gehen (in Formeln: ∞), wenn x von rechts gegen Null geht.
Bewegt sich unser x aber von links gegen die Null, also mit negativen Werten,
dann teilen Sie durch immer kleiner werdende negative Zahlen, und die Funk-
tionswerte werden sich in die gegenteilige Richtung bewegen. Man sagt dazu,
dass die Funktionswerte gegen minus Unendlich gehen (in Formeln: −∞),
wenn x von links gegen Null geht.
Es macht also einen großen Unterschied, ob Sie sich mit den x-Werten von
links oder von rechts der kritischen Stelle x = 0 nähern, und im Funktions-
graphen sieht das dann aus wie in Abbildung 4.16.
Eine solche Kurve nennt man eine Hyperbel. Ähnliche Kurven erhalten
Sie, wenn Sie y = x12 oder auch y = x13 zeichnen wollen. Man muss nur
118 4 Funktionen

y
4

x
-2 -1 0 1 2 3 4 5
-4 -3
-1

-2

-3

1
Abb. 4.16. Funktionsgraph für y = x

wieder ein wenig aufpassen. Bei Funktionen der Form y = x12n tritt wieder
ein gerader Exponent auf, so dass alle Funktionswerte positiv sind. Dagegen
1
werden Funktionen der Form y = x2n+1 genauso behandelt wie ich es eben in
1
4.3.4 für y = x gezeigt habe, da Sie bei ungeraden Exponenten nun einmal
auch mit negativen Funktionswerten leben müssen.
4.3.5 Beispiel Zur Illustration sehen wir uns noch die Funktionsgraphen
von
1 1
y= und y = 3
x2 x
an. Bei y = x12 können keine negativen Funktionswerte auftreten, und es spielt
keine Rolle, ob Sie ein positives oder ein negatives x einsetzen, da beim Qua-
drieren Vorzeichenunterschiede beseitigt werden. Deshalb hat die Funktion
den Funktionsgraphen aus Abbildung 4.17.
Dagegen macht es schon einen Unterschied, ob Sie eine negative Zahl oder
eine positive Zahl mit 3 potenzieren: für negative x-Werte wird y = x13 ne-
gativ und für positive x-Werte wird es positiv sein. Das führt dann zu dem
Funktionsgraphen aus Abbildung 4.18..
So viel zu Hyperbeln. Zum Abschluss des Kapitels werde ich Ihnen jetzt
noch drei Arten von Funktionsgraphen zeigen: die Kurven der Wurzelfunktion,
der Exponentialfunktion und der Logarithmusfunktion.
4.3.6 Beispiel Beginnen wir mit der Wurzel.
Sie wissen, dass die Wurzel in gewisser Weise die Umkehrung des Potenzie-
rens ist: wenn ich x > 0 mit 2 potenziere und dann die Quadratwurzel nehme,
erhalte ich wieder x zurück. Natürlich gibt es keine Quadratwurzeln aus ne-
gativen Zahlen, so dass der Definitionsbereich der Wurzelfunktion genau aus
4.3 Sonstige Funktionen 119

y
4

-2 -1 0 1 2

-1
1
Abb. 4.17. Funktionsgraph für y = x2

y
4

-2 -1 0 1 2

-1

-2

-3
1
Abb. 4.18. Funktionsgraph für y = x3

y
4

x
-1 0 1 2 3 4 5

-1

Abb. 4.19. Funktionsgraph für y = x2 und y = x
120 4 Funktionen

den Zahlen besteht, die größer oder gleich Null sind. Und weil die Wurzel die
Umkehrung des Potenzierens ist, ist auch ihr Funktionsgraph sozusagen der
umgekehrte Funktionsgraph der Funktion y = x2 , wie Sie an Abbildung 4.19
sehen können. Sie können feststellen, dass der Funktionsgraph der Wurzel-
funktion entsteht, indem man die Normalparabel einfach an der Diagonalen
kippt, die sich von links unten nach rechts oben durch das Koordinatensystem
zieht. Etwas professioneller ausgedrückt: man spiegelt den Funktionsgraphen
von y = x2 an der sogenannten√ersten Winkelhalbierenden und erhält damit
den Funktionsgraphen von y = x.
Und genauso geht das mit der dritten Wurzel, die man durch Spiegelung
von x3 an der ersten Winkelhalbierenden
√ erhält. Allgemein finden Sie also
den Funktionsgraphen von y = n x, indem Sie den Funktionsgraphen von
y = xn nehmen und an der ersten Winkelhalbierenden spiegeln. Dazu könnte
ich Ihnen jetzt natürlich noch beliebig viele weitere Beispiele aufzeichnen; sie
sehen aber eigentlich alle so aus wie Abbildung 4.19, und deshalb gehen wir
besser zur Exponentialfunktion über. Was ihre Formel betrifft, sieht sie ganz
ähnlich aus wie die Potenzfunktion y = xn , nur dass jetzt x nicht mehr in der
Basis steht, sondern im Exponenten.
4.3.7 Beispiel Gegeben ist die Funktion
y = 2x .
Sie haben in Kapitel 2 gelernt, wie man solche Potenzen ausrechnet. Ins-
besondere wissen Sie, dass man sowohl positive wie auch negative x-Werte
einsetzen kann, weil zum Beispiel 2−3 = 213 = 18 gilt und somit überhaupt
keine Probleme auftreten. Der bereits mehrfach erwähnte Definitionsbereich
dieser Exponentialfunktion besteht also einfach aus allen Zahlen. Sehen wir
uns kurz an einer Wertetabelle an, wie sich die Funktion entwickelt.
x −2 −1 0 1 2 3 4 5
.
y 14 12 1 2 4 8 16 32
Die Exponentialfunktion y = 2x fängt also recht verhalten an, so lange die
x-Werte negativ sind oder im positiven Bereich klein bleiben, aber sie steigt
dann doch ziemlich schnell. Während Sie für x = 5 noch den Wert y =
25 = 32 haben, ergibt sich zum Beispiel schon für x = 10 das Ergebnis y =
210 = 1024. Je größer die x-Werte sind, desto größer werden auch die y-Werte,
und das Wachstum der y-Werte ist sehr rasch. Trägt man diese Ergebnisse
in das übliche Koordinatenkreuz ein, so ergibt sich der Funktionsgraph aus
Abbildung 4.20. So verhält sich jede Exponentialfunktion y = ax mit einer
Basis a > 1. Für x-Werte, die sehr weit links auf der negativen Achse liegen,
liefert sie Funktionswerte in der Nähe von Null, bei x = 0 kommt immer y = 1
heraus, und wenn x auf der positiven Achse ansteigt, dann werden die y-Werte
mit hoher Geschwindigkeit immer größer.
Einen Spezialfall stellt die Funktion y = 1x dar: da für jedes x immer
1x = 1 gilt, liegt hier nämlich ganz schlicht die konstante Funktion y = 1 vor,
4.3 Sonstige Funktionen 121

die offenbar nicht weiter von Interesse ist. Aber ganz anders sieht es aus bei
Exponentialfunktionen y = ax , bei denen die Basis a zwischen 0 und 1 liegt.

y
4

x
-3 -2 -1 0 1 2 3 4 5

-1

Abb. 4.20. Funktionsgraph für y = 2x

4.3.8 Beispiel Gegeben ist die Funktion


 x
1
y= .
2

Da man diese Funktion nach den Regeln der Potenzrechnung auch schreiben
kann als  x
1 1x 1
y= = x = x,
2 2 2
handelt es sich genau um den Kehrwert von 2x .

y
4

x
-2 -1 0 1 2 3 4 5

-1

 1 x
Abb. 4.21. Funktionsgraph für y = 2
122 4 Funktionen

Das macht es aber leicht, das Verhalten dieser Funktion zu beschreiben: wo


2x sehr groß geworden ist, wird das neue y sich der Null zuwenden, und dort,
wo 2x in der Nähe der Null lag, wird bei 21x durch sehr kleine Werte geteilt,
so dass sehr große Ergebnisse zu erwarten sind. Während also y = 2x für sehr
negative x-Werte Ergebnisse im Nullbereich liefert und  xfür sehr positive x-
Werte ausgesprochen groß wird, ist die Lage bei y = 12 genau umgekehrt.
Das schlägt sich dann natürlich auch im Funktionsgraphen nieder, den Sie in
Abbildung 4.21 sehen. Auch dieses Verhalten ist verallgemeinerbar. Sobald Sie
eine Exponentialfunktion y = ax mit einer Basis 0 < a < 1 haben, wird ihr
Funktionsgraph aussehen wie in Abbildung 4.21. Für x-Werte, die sehr weit
auf der negativen Achse liegen, werden die Funktionswerte sehr groß, während
für positive x-Werte die Funktion sehr schnell in Richtung Null abklingt.
Und damit fehlt in diesem Kapitel nur noch eines: ein Blick auf die Loga-
rithmusfunktion. Aus Kapitel 2 wissen Sie noch, dass der Logarithmus genau
die Umkehrung des Potenzierens ist: hat man ab = x, so ist loga x = b, da
man a mit b potenzieren muss, um x zu erhalten. Um dabei jedem Problem
aus dem Weg zu gehen, ist der Logarithmus auch nur für positive Basen a und
für positive x-Werte definiert. Wir hatten aber vorhin schon eine ähnliche Si-
tuation: die Quadratwurzel war beispielsweise die Umkehrung √ der Funktion
y = x2 , und deshalb entstand der Funktionsgraph von y = x, indem man
den Graphen von y = x2 an der ersten Winkelhalbierenden spiegelte. Beim
Logarithmus ist das genauso.
4.3.9 Beispiel Erinnern Sie sich: wenn ich x > 0 mit 2 potenziere und dann
die Quadratwurzel nehme, erhalte ich wieder x zurück. Deshalb erhielt ich den
Funktionsgraphen der Wurzelfunktion, indem ich den Graphen von y = x2 an
der ersten Winkelhalbierenden spiegelte. Die Situation ist ganz ähnlich, wenn
wir das Verhältnis zwischen Logarithmus und Exponentialfunktion betrach-
ten. Berechnet man zum Beispiel für eine Zahl x erst die Exponentialfunktion
2x und nimmt davon anschließend den Logarithmus zur Basis 2, dann haben
Sie in Kapitel 2 gelernt, dass log2 2x genau wieder x ergibt. Die Beziehung
zwischen Logarithmus und Exponentialfunktion ist also genau dieselbe wie
die zwischen Quadratwurzel und Quadrieren: was der eine anrichtet, macht
der andere wieder rückgängig. Und somit erhalte ich den Funktionsgraphen
der Logarithmusfunktion auch so aus √ dem Funktionsgraphen der Exponenti-
alfunktion wie ich die Kurve von y = x aus der Kurve von y = x2 erhalten
habe, nämlich durch schlichtes Spiegeln an der schon oft erwähnten ersten
Winkelhalbierenden. Sobald ich also die Kurve von y = 2x habe, bekomme
ich auch automatisch die Kurve von y = log2 x, indem ich den Funktionsgra-
phen an der ersten Winkelhalbierenden kippe.
Das war nun ein recht knapper und eiliger Durchlauf durch einige Typen
von Funktionen, die Ihnen im Lauf Ihres Studiums begegnen werden. Im Au-
genblick kommt es mir nur darauf an, dass Sie ein Gefühl für die Erstellung
der Funktionsgraphen entwickeln und ungefähr wissen, wie die Kurven der
einzelnen Funktionen aussehen. Wie man die wichtigsten Eigenschaften einer
4.3 Sonstige Funktionen 123

Funktion untersucht, werden Sie dann im fünften, siebten und achten Kapitel
des Lehrbuchs lernen.
Allerdings habe ich bisher einen Funktionentyp völlig ausser Acht gelassen:
die sogenannten trigonometrischen Funktionen oder auch Winkelfunktionen.
Das hat auch einen ganz einfachen Grund, denn ihnen ist das ganze nächste
(und auch letzte) Kapitel gewidmet.

Übungen

4.5 Erstellen Sie die Funktionsgraphen der folgenden Funktionen:


(a) y = 2x3 ;
(b) y = − 21 x4 ;
(c) y = x3 − 2x2 .
Hinweis: erstellen Sie für Aufgabe (c) zuerst eine Wertetabelle, wobei die x-
Werte in Schritten der Länge 0, 5 anwachsen.

4.6 Erstellen Sie die Funktionsgraphen der folgenden Funktionen:


(a) y = − x1 ;
(b) y = − x22 .

4.7 Erstellen Sie in einem


√ Koordinatenkreuz die Funktionsgraphen der Funk-
tionen y = x3 und y = 3 x. Verwenden Sie dazu geeignete Wertetabellen.

4.8 Erstellen Sie die Funktionsgraphen der folgenden Fumktionen:


 x
(a) y = 13 ;
(b) y = −1, 5x.
Verwenden Sie dazu geeignete Wertetabellen.

4.9 Erstellen Sie in einem Koordinatenkreuz die Funktionsgraphen der Funk-


tionen y = 3x und y = log3 x. Verwenden Sie dazu geeignete Wertetabellen.
5
Trigonometrie

In den bisherigen Kapiteln haben wir uns vorwiegend mit Rechenmethoden


und dem Umgang mit bestimmten Formeln beschäftigt. Hier wird das zum
Teil ein wenig anders aussehen, da es nicht mehr nur um Zahlen, sondern
auch um etwa Geometrie geht. Den eigentlich geometrischen Anteil werde ich
allerdings so klein wie möglich halten, da Sie im Verlauf Ihres Studiums ver-
mutlich nur wenig Geometrie brauchen werden. Die Trigonometrie und die
trigonometrischen Funktionen sind aber gerade für das Studium der komple-
xen Zahlen absolut unverzichtbar - und die komplexen Zahlen werden Ihnen
noch mehr als einmal begegnen. Ich werde Ihnen deshalb in diesem Kapitel das
nötige Grundwissen über diese trigonometrischen Funktionen Sinus, Cosinus,
Tangens und Cotangens berichten.

b
a

α
A
β
c
B

Abb. 5.1. Dreieck

Da sie aus sehr praktischen geometrischen Erwägungen heraus entstanden


sind, muss ich dabei auch ein wenig auf die Geometrie eingehen, und dabei
wird insbesondere die Geometrie des Dreiecks eine Rolle spielen. Wir sehen
uns daher zunächst einmal an, was man über Dreiecke unbedingt wissen sollte.
Danach führe ich die bereits erwähnten trigonometrischen Funktionen ein und
126 5 Trigonometrie

zeige Ihnen, wie man sie für praktische geometrische Zwecke verwenden kann.
schließlich werden wir uns noch einige Rechenregeln für die trigonometrischen
Funktionen überlegen, die sogenannten Additionstheoreme, die Sie für das
Rechnen mit komplexen Zahlen brauchen werden.

5.1 Dreiecke
Sie wissen natürlich, was ein Dreieck ist: es besteht aus drei Eckpunkten
A, B, C und drei Seiten a, b, c, die diese Eckpunkte miteinander verbinden.
Und zwischen jeweils zwei Seiten ist ein Winkel eingeschlossen, wobei man
diese Winkel normalerweise mit α, β und γ bezeichnet. In Abbildung 5.1 se-
hen Sie so ein ganz gewöhnliches Dreieck vor sich. Aber was kann an einem
simplen Dreieck so bedeutsam sein? Das zeigt ein einfaches Beispiel aus dem
Bereich der Landvermessung.
5.1.1 Beispiel Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor der Aufgabe, die Ent-
fernung zwischen zwei Punkten A und B zu bestimmen, die unglücklicher-
weise durch einen See getrennt sind. Sie werden wohl kaum mit einem langen
Massband zwischen den Zähnen durch den See schwimmen wollen, sondern
Ihre Arbeit lieber trockenen Fusses erledigen, und genau dabei können ein
paar Kenntnisse über Dreiecke von Bedeutung sein. In Abbildung 5.2 können
Sie sehen, warum.

b
a

See
α
A
β

c
B

Abb. 5.2. Entfernungsmessung mit Hilfe eines Dreiecks

Sie können jetzt nämlich das Vermessungsproblem lösen, ohne nass zu wer-
den. Dazu wählen Sie sich irgendeinen Punkt C ausserhalb des Sees, so dass
Sie über Land sowohl von A nach C als auch von B nach C gelangen können.
Die Entfernungen zwischen A und C und zwischen B und C sind also ohne
größeren Aufwand messbar. Ausserdem kann man auch den Winkel γ, der
zwischen den beiden Seiten a und b eingeschlossen ist, messen und hat damit
schon alle nötigen Informationen zusammen. Wenn Sie jetzt nämlich, ausge-
hend vom Punkt C, maßstabsgetreu die Strecke b, den Winkel γ und dann
5.1 Dreiecke 127

die Strecke a eintragen, dann werden Sie - natürlich im passenden Maßstab


- zwischen A und B genau die Länge der gesuchten Strecke c finden, die Sie
direkt aus Ihrer Zeichnung ablesen können.
Man kann also Vermessungsprobleme in unwegsamem Gelände lösen, in-
dem man sich passende Hilfsdreiecke definiert, dann die Werte der entspre-
chenden Hilfsgrößen - in unserem Fall a, b und γ - bestimmt und daraus
schließlich die gesuchte Größe ermittelt.
Für den Anfang ist das schon recht gut, und es zeigt, dass die Geometrie
von Dreiecken für praktische Probleme hilfreich sein kann. Dennoch hat die-
se Methode eine offensichtliche Schwachstelle: in Beispiel 5.1.1 muss ich die
Größen a, b und γ maßstabsgetreu in ein Diagramm einzeichnen und dann aus
diesem Diagramm die Länge der gesuchten Strecke c ablesen. Das bedeutet
natürlich, dass ich mit hohen Ungenauigkeiten zu rechnen habe. Wenn es um
große Entfernungen geht, dann kann ein halber Millimeter auf dem Papier
schon etlichen Dutzend Metern in der Realität entsprechen, und je ungenau-
er die Ergebnisse sind, desto weniger sind sie wert. Es wäre also sinnvoll,
die Länge c nicht nur zeichnerisch, sondern auch rechnerisch bestimmen zu
können und auf diese Weise die Ungenauigkeiten zu vermeiden, die bei einer
Zeichnung immer auftreten.
Zur Lösung dieses Problems gibt es die Winkelfunktionen Sinus und Cosi-
nus, die ich Ihnen im nächsten Abschnitt vorstellen werde. Für den Moment
will ich mich darauf beschränken, einige nützliche Eigenschaften von Dreiecken
aufzuführen, die man auch ohne Winkelfunktionen formulieren kann.
Wenden wir uns zunächst den drei Seiten a, b und c eines Dreiecks zu.
Leider hat man über diese drei Seiten kaum mehr Informationen, als dass es
eben drei sind. Die angenehme Idee, man könnte vielleicht c berechnen, wenn
man a und b kennt, scheitert schon dann, wenn Sie einen Blick auf Abbildung
5.1 werfen: je größer der Winkel γ ist, desto breiter“ wird das Dreieck sein,

und das wirkt sich natürlich sofort auf die Länge von c aus. Man kann also
aus zwei Seiten nicht die dritte berechnen. Aber immerhin gibt es doch eine
Kleinigkeit, die man über die drei Seiten weiss. Viel ist es nicht, aber doch
besser als gar nichts.
5.1.2 Satz Für die drei Seiten a, b und c eines Dreiecks gelten:

a + b > c,

a+c>b
und
b + c > a.

Verbal formuliert bedeutet das nur, dass die Summe aus zwei Seitenlängen
größer ist als die dritte Seitenlänge. Das kann man auch sofort durch einen er-
neuten Blick auf Abbildung 5.1 einsehen. Wenn Sie beispielsweise beim Punkt
A loslaufen, entlang der Strecke b in Richtung C laufen und anschliessend ent-
lang der Strecke a in Richtung B gehen, dann haben Sie für den Weg von A
128 5 Trigonometrie

nach B offenbar einen Umweg gemacht, da Sie nicht den direkten Weg entlang
der Strecke c genommen haben. Nichts anderes sagt die Ungleichung a + b > c
aus. Und so unscheinbar diese Ungleichungen auch sind, so kann man sie doch
für kleinere Probleme heranziehen.
5.1.3 Beispiele
(i) Gibt es ein Dreieck mit den Seitenlängen a = 3, b = 6 und c = 2? Nach
Satz 5.1.2 kann es kein solches Dreieck geben, da hier gilt:

a+c=5<6=b

und damit die zweite Ungleichung aus Satz 5.1.2 verletzt ist. Mit Hilfe
dieses Satzes ist es also möglich, von vornherein hoffnungslose Kandidaten
für ein Dreieck auszuschliessen.
(ii) Aber auch zur geometrischen Konstruktion eines Dreiecks kann Satz 5.1.2
zumindest einen Hinweis geben. Sind zum Beispiel die drei Seiten a = 5,
b = 4 und c = 6 gegeben, so kann man sofort nachrechnen. dass die drei
Ungleichungen aus Satz 5.1.2 erfüllt sind. Nun will ich aber aus diesen
drei Seitenangaben mit Hilfe eines Zirkels und eines Lineals dieses Dreieck
konstruieren.

C
b a

c
A B

Abb. 5.3. Konstruktion eines Dreiecks aus den drei Seitenlängen

Abbildung 5.3 zeigt Ihnen, wie es geht. Sie zeichnen zunächst beispielsweise
die Grundlinie c mit den Randpunkten A und B. Um A schlagen Sie einen
Kreis mit dem Radius b = 4, und um B schlagen Sie einen Kreis mit
dem Radius a = 5. Da der dritte Punkt C von A genau 4cm und von B
genau 5cm entfernt sein muss, bleibt ihm gar nichts übrig, als einer der
Schnittpunkte der beiden eingezeichneten Kreise zu sein. Ob ich nun den
oberen oder den unteren Schnittpunkt wähle, ist dabei egal, denn offenbar
entsteht in beiden Fällen das gleiche Dreieck; nur seine Lage in der Ebene
ist eine andere.
5.1 Dreiecke 129

So kann man also aus drei Seiten ein Dreieck konstruieren und dann zum
Beispiel die Winkel herausfinden, indem man sie einfach mit einem Geo-
Dreieck misst. Dass wir eigentlich die drei Winkel nicht messen, sondern be-
rechnen wollen, ist Gegenstand der nächsten Abschnitte. Aber schon jetzt
können wir uns das Leben etwas leichter machen, da die drei Winkel eines
Dreiecks einem sehr einfachen Gesetz gehorchen.
5.1.4 Satz Für die drei Winkel α, β und γ eines Dreiecks gilt:

α + β + γ = 180◦ .

Die Summe der drei Dreieckswinkel beträgt also immer 180◦ , ganz egal,
wie das Dreieck aussieht. Dabei wissen Sie sicher, dass 180◦ (in Worten: 180
Grad) der Winkel ist, den man erhält, wenn man einen Halbkreis abschreitet,
weil ein voller Kreis als Winkel von 360◦ definiert ist. Wenn Sie also ordentlich
alle Winkel eines Dreiecks messen und zusammenzählen, werden Sie immer
180◦ erhalten. Das ist auch gar nicht so schwer zu beweisen, aber für unsere
Zwecke ist der Nachweis nicht sehr wichtig, und deshalb verzichte ich darauf.
Durch Satz 5.1.4 wird das Bestimmen von Winkeln ein wenig leichter.
5.1.5 Beispiel In einem Dreieck wurden die Winkel α = 70◦ und β = 60◦
gemessen. Wie groß ist der Winkel γ? Nach Satz 5.1.4 gilt:

α + β + γ = 180◦ ,

also
γ = 180◦ − α − β = 180◦ − 70◦ − 60◦ = 50◦ .
Es ist daher nicht nötig, alle drei Winkel eines Dreiecks zu messen; sobald
man zwei hat, kann man den dritten berechnen.
Sehr viel mehr kann man über formelmäßige Beziehungen in einem allge-
meinen Dreieck nicht sagen, ohne die Winkelfunktionen verwenden zu müssen.
Es gibt aber einen sehr speziellen und gleichzeitig sehr wichtigen Dreiecks-
typ, bei dem man tatsächlich eine Formel über die drei Dreiecksseiten zur
Verfügung hat: die rechtwinkligen Dreiecke.
5.1.6 Definition
(i) Unter einem rechten Winkel versteht man einen Winkel von 90◦ .
(ii) Unter einem rechtwinkligen Dreieck versteht man ein Dreieck, bei dem
einer der Dreieckswinkel ein rechter Winkel ist.
Obwohl Sie natürlich wissen, wie so ein rechtwinkliges Dreieck aussieht,
kann ein kurzer Blick auf Abbildung 5.4 nicht schaden.
Oft kennzeichnet man in einem rechtwinkligen Dreieck den rechten Winkel
dadurch, dass man in einen kleinen Bogen einen Punkt hineinsetzt, genau wie
ich es in Abbildung 5.4 gemacht habe. Der rechte Winkel wird also hier von
den Seiten a und b eingeschlossen. Bedenken Sie dabei übrigens, dass ein
Dreieck nur einen rechten Winkel haben kann: wenn schon ein Winkel 90◦
130 5 Trigonometrie

beträgt und die Summe aller drei Winkel auf jeden Fall 180◦ ergibt, dann
bleiben für die restlichen beiden Winkel zusammen nur noch 90◦ übrig. Also
muss jeder der beiden restlichen Winkel kleiner als 90◦ sein.

.
b a

Abb. 5.4. Rechtwinkliges Dreieck

Für die Seiten eines rechtwinkligen Dreiecks gibt es zwei sehr vornehm
klingende griechische Bezeichnungen, die sich allgemein durchgesetzt haben
und deshalb erwähnt werden sollten.
5.1.7 Definition Die Seite eines rechtwinkligen Dreiecks, die dem rechten
Winkel gegenüber liegt, nennt man die Hypotenuse des Dreiecks. Die anderen
beiden Seiten, zwischen denen der rechte Winkel liegt, heissen die beiden
Katheten des rechtwinkligen Dreiecks.
In dem Dreieck aus Abbildung 5.4 ist also c die Hypotenuse und a und b
sind die Katheten. Aber der wesentliche Punkt an rechtwinkligen Dreiecken
ist nicht der, dass die Dreiecksseiten nett klingende Namen haben, sondern
die Tatsache, dass es für solche Dreiecke eine einfache Beziehung zwischen
den Seitenlängen gibt, die man für gewöhnlich als den Satz des Pythagoras
bezeichnet. Hat man nämlich zwei Seiten eines rechtwinkligen Dreiecks zur
Verfügung, so ist es überhaupt kein Problem mehr, die dritte Seite auszurech-
nen.
5.1.8 Satz des Pythagoras Ist c die Hypotenuse eines rechtwinkligen
Dreiecks und sind a und b die Katheten dieses Dreiecks, so gilt:

c2 = a2 + b 2 .

Das ist ungemein praktisch und macht das Leben beim Umgang mit recht-
winkligen Dreiecken etwas leichter als es bei irgendwelchen beliebigen Drei-
ecken ist. Ich hatte bereits berichtet, dass man im allgemeinen Fall keine
einfache Beziehung zwischen den Seitenlängen herstellen kann, ohne die Win-
kelfunktionen zu Hilfe zu nehmen. Nur bei rechtwinkligen Dreiecken ist die
Situation völlig anders: sobald Sie zwei Seiten eines solchen Dreiecks kennen,
können Sie über den Satz des Pythagoras zwanglos die dritte Seite ausrechnen.
Dazu sehen wir uns noch zwei Beispiele an.
5.1.9 Beispiele
(i) Gegeben sei ein rechtwinkliges Dreieck mit den beiden Katheten a = 3
und b = 4. Wie lang ist die Hypotenuse? Nach dem Satz des Pythagoras
5.1 Dreiecke 131

gilt für die Hypotenuse c:

c2 = a2 + b2 = 32 + 42 = 9 + 16 = 25,

also
c = 5.
(ii) Gegeben sei ein rechtwinkliges Dreieck mit der Hypotenuse c = 7 und
einer Kathete a = 2. Wie lang ist die zweite Kathete b? Nach dem Satz
des Pythagoras gilt für die Kathete b:

b2 = c2 − a2 = 72 − 22 = 49 − 4 = 45,

also √
b= 45 ≈ 6, 708.

Damit verfügen Sie über die nötigen Kenntnisse, um sich den trigonometri-
schen Funktionen oder auch Winkelfunktionen zu widmen, die wir im nächsten
Abschnitt behandeln werden.

Übungen

5.1 Stellen Sie fest, ob es möglich ist, aus den folgenden Seitenangaben jeweils
ein Dreieck zu konstruieren.
(a) a = 5, b = 7, c = 4;
(b) a = 5, b = 2, c = 3;
(c) a = 1, b = 4, c = 2;
(d) a = 4, b = 2, c = 4.

5.2 In einem Dreieck sind jeweils die folgenden zwei Winkel gegeben. Berech-
nen Sie den fehlenden Winkel.
(a) α = 55◦ , β = 72◦ ;
(b) β = 13◦ , γ = 112◦ ;
(c) α = 34◦ , γ = 48◦ .

5.3 Ein rechtwinkliges Dreieck hat die Katheten a und b sowie die Hypotenuse
c. Berechnen Sie aus den folgenden Angaben über zwei Seitenlängen jeweils
die dritte Seite.
(a) a = 5, b = 7;
(b) c = 13, a = 5;
(c) b = 8, c = 17;
(d) c = 4, b = 7.
132 5 Trigonometrie

5.2 Die Winkelfunktionen


Die Winkelfunktionen heissen deshalb Winkelfunktionen, weil sie Funktionen
sind, die als Inputs Winkel erwarten. Tatsächlich besteht die Grundidee bei
der Einführung dieser Winkelfunktionen oder auch trigonometrischen Funk-
tionen darin, eine Beziehung zwischen den Winkeln eines Dreiecks und den
Seitenlängen herzustellen. Wahrscheinlich ist das der Grund dafür, dass man
Trigonometrie mit dem Wort Dreiecksmessung oder auch Dreiecksberechnung
übersetzen kann. Üblicherweise definiert man Sinus und Cosinus mit Hilfe ei-
nes rechtwinkligen Dreiecks.
5.2.1 Definition Gegeben sei ein rechtwinkliges Dreieck mit den Katheten-
längen a und b und der Hypotenusenlänge c. Der Winkel α liege der Seite a
gegenüber.

c
a

α
b

Abb. 5.5. Winkel im rechtwinkligen Dreieck

Man definiert die trigonometrischen Funktionen oder auch Winkelfunktio-


nen Sinus, Cosinus, Tangens und Cotangens durch die folgenden Beziehungen.
Gegenkathete
(i) sin α = Hypotenuse = ac ;
Ankathete = b ;
(ii) cos α = Hypotenuse c
Gegenkathete
(iii)tan α = Ankathete = ab = cos
sin α
α;
(iv)cot α = Ankathete b cos α
= a = sin α = 1
Gegenkathete tan α .

Das ist für den Anfang schon ganz gut, aber es reicht nicht aus, um alle
Fälle zu erfassen. Da der Winkel α ein Winkel in einem rechtwinkligen Dreieck
ist, kann er nur zwischen 0◦ und 90◦ liegen, und das ist eine reichlich star-
ke Einschränkung für den Bereich der zulässigen Winkel. Wenn man schon
Winkelfunktionen hat, dann möchte man sie auch auf alle möglichen Win-
kel anwenden können und nicht nur auf Winkel zwischen null und neunzig
Grad. Bevor ich mich diesem Problem widme, will ich Ihnen aber erst einmal
zeigen, wie man die Sinus- und Cosinuswerte von sehr speziellen Winkeln an
Hand geometrischer Überlegungen bestimmen kann. Wie Sie in Abbildung
5.6 sehen, habe ich auch gleich die sogenannte Höhe auf die Grundseite mit
eingezeichnet, die man erhält, indem man vom Punkt C aus eine Linie auf
5.2 Die Winkelfunktionen 133

die Grundseite zieht, die senkrecht auf dieser Grundseite steht. Das wird sich
gleich als ziemlich nützlich erweisen.
5.2.2 Beispiel Gesucht sind der Sinus und der Cosinus von 60◦ . Zu diesem
Zweck zeichne ich ein sogenanntes gleichseitiges Dreieck mit der Seitenlänge
1.

1 1
h

α
A B
0,5

Abb. 5.6. Gleichseitiges Dreieck mit Höhe

Nun hat ein gleichseitiges Dreieck die angenehme Eigenschaft, dass nicht
nur seine Seiten, sondern auch seine Winkel alle gleich sind. Da aber die
Summe aller Winkel genau 180◦ ergeben muss, folgt daraus, dass jeder einzelne
Winkel eines gleichseitigen Dreiecks genau 60◦ beträgt. Damit gilt also:

α = 60◦ .

Um nun Sinus und Cosinus von 60◦ bestimmen zu können, brauche ich ein
rechtwinkliges Dreieck. Das ist aber nicht schwer zu finden. Ich gehe von A
nach C, dann die Höhe entlang hinunter zur Grundseite und zum Schluss wie-
der zurück zu A. Und innerhalb dieses rechtwinkligen Dreiecks liegt α genau
an der richtigen Stelle. Ich muss nur noch die beiden Katheten und die Hypo-
tenuse mit Zahlen versehen und die entsprechenden Brüche ausrechnen. Das
ist für den Cosinus ganz einfach. Die Hypotenuse ist offenbar die Dreieckssei-
te mit der Länge 1, und die Ankathete ist die halbe Seite des gleichseitigen
Dreiecks, die ich bereits mit der Länge 0, 5 beschriftet habe. Damit ergibt sich:
Ankathete 0, 5
cos 60◦ = = = 0, 5.
Hypotenuse 1
Ein klein wenig komplizierter ist die Lage beim Sinus, da die Gegenkathete
gerade die eingezeichnete Höhe h ist, deren Länge wir noch nicht kennen. Hier
hilft aber der Satz des Pythagoras aus 5.1.8 weiter. Er sagt nämlich:

h2 + 0, 52 = 12 ,
134 5 Trigonometrie

also
3
h2 = 1 − 0, 25 = 0, 75 = ,
4
und damit

3 1√
h= = 3.
4 2
Das ist alles, was ich brauche, denn jetzt gilt:

◦ Gegenkathete 1
2 3 1√
sin 60 = = = 3.
Hypotenuse 1 2
Wir haben also herausgefunden, dass
1 1√
cos 60◦ = und sin 60◦ = 3
2 2
gilt.
So etwas geht nur bei sehr wenigen Winkeln, aber ab und zu schadet es
nichts, sich die geometrische Herkunft der trigonometrischen Funktionen an
einem solchen Beispiel zu verdeutlichen.
Wir sind damit allerdings dem Ziel noch nicht nähergekommen, Sinus und
Cosinus auch für Winkel definieren zu können, die nicht zwischen null und
neunzig Grad liegen. Dieses Problem werde ich in der folgenden Bemerkung
angehen.
5.2.3 Bemerkung Wir fangen zunächst wieder mit einem Winkel α an,
für den gilt:
0◦ < α < 90◦ .
Diesmal werde ich ihn allerdings in kein rechtwinkliges Dreieck eintragen, son-
dern in einen Kreis vom Radius 1, wie Sie es in Abbildung 5.7 sehen können.
Die Koordinaten des Punktes P habe ich mit c und s bezeichnet, und das
bedeutet, dass Sie vom Nullpunkt aus um den Wert c nach rechts und um
den Wert s nach oben gehen müssen, um P zu erreichen. Die Bezeichnungen
haben aber auch einen ganz bestimmten Sinn. Der Winkel α liegt nämlich
in einem rechtwinkligen Dreieck, dessen Katheten die Längen c und s haben,
während die Hypotenuse genau die Länge 1 hat, weil wir uns auf einen Kreis
vom Radius 1 geeinigt hatten. Folglich ist hier:
Gegenkathete s
sin α = = =s
Hypotenuse 1
und
Ankathete c
cos α = = = c.
Hypotenuse 1
Da ich nun die Gleichungen
sin α = s und cos α = c
herausgefunden habe, kann ich die folgende Regel aufstellen:
5.2 Die Winkelfunktionen 135

Man findet den Sinus und den Cosinus eines Winkels α, indem man α in
einem Einheitskreis einzeichnet. Dann entspricht die waagrechte Koordinate
des Punktes P dem Cosinus von α und die senkrechte Koordinate dem Sinus
von α.

1
P = (c,s)

s
1

α
-1 1
c

-1

Abb. 5.7. Winkel α im Einheitskreis

Und niemand kann mich daran hindern, diese Regel auch für Winkel anzu-
wenden, bei denen α nicht zwischen null und neunzig Grad liegt. Das Prinzip
ist immer das gleiche: man trage den Winkel in einem Einheitskreis ein und
verwende die Koordinaten des resultierenden Punktes P . In Abbildung 5.8
sehen Sie diese Methode am Beispiel eines Winkels α, der zwischen 90 und
180 Grad liegt. Sie sehen, dass sich hier nichts Prinzipielles geändert hat.
Noch immer bekomme ich aus dem Winkel α einen Punkt P = (c, s), der auf
dem Einheitskreis liegt und sowohl eine waagrechte als auch eine senkrechte
Koordinate hat. Der einzige Unterschied ist der, dass jetzt c negativ ist, aber
mit negativen Erfahrungen im Leben muss man eben rechnen. Und natürlich
werde ich jetzt genau wie vorhin definieren:

sin α = s und cos α = c.

Und damit kann ich jedem beliebigen Winkel α sowohl einen Sinus als auch
einen Cosinus zuweisen.
Das gezeigte Verfahren fasse ich in der folgenden Definition zusammen.
5.2.4 Definition Es sei α ein beliebiger Winkel, der auf dem Einheits-
kreis wie in Abbildung 5.7 oder 5.8 abgetragen wird. Hat der Punkt P die
Koordinaten P = (c, s), dann setzen wir

sin α = s und cos α = c.


136 5 Trigonometrie

P = (c,s) 1

s
α
-1 c 1

-1

Abb. 5.8. Winkel α im Einheitskreis

Weiterhin ist
s c
tan α = , falls c = 0, und cot α = , falls s = 0.
c s
Daran sind nur noch die Definitionen für den Tangens und den Cotangens
erklärungsbedürftig. In 5.2.1 habe ich aber aufgeschrieben, dass Tangens und
Cotangens als Quotient von Sinus und Cosinus bzw. umgekehrt geschrieben
werden können. Wenn Sie jetzt noch bedenken dass sin α = s und cos α = c
gelten, dann stimmt wieder alles zusammen.
Die Winkelfunktionen sind damit für alle möglichen Winkel definiert. Um
Sie daran zu gewöhnen, werfen wir noch einen Blick auf ein kleines Beispiel.
5.2.5 Beispiel Gesucht sind Sinus und Cosinus von α = 240◦ . Inzwischen
wissen Sie, wie das geht, und in Abbildung 5.9 können Sie noch einmal einen
Blick darauf werfen: man malt einen Winkel von 240◦ in einen Einheitskreis,
sieht nach, wo der Punkt P liegt und stellt dann s und c fest. Aber wie findet
man nun s und c? Das ist leichter als es aussieht. Ich zeichne in Abbildung
5.10 das rechtwinklige Dreieck, das aus s, c und der Hypotenuse mit der Länge
1 besteht, heraus. Der Winkel rechts oben ist natürlich genau der Winkel, um
den man 180◦ ergänzen muss, damit 240◦ herauskommt, also genau 60◦ .
Und da die Winkelsumme in jedem Dreieck 180◦ beträgt und es sich hier
um ein rechtwinkliges Dreieck handelt, bleiben für den Winkel links unten nur
noch 30◦ übrig.
Nun kennen
√ wir aber schon den Sinus und den Cosinus von 60◦ : sie be-
tragen 2 3 und 12 . Gemäss unserer ersten Definition der Winkelfunktionen
1

sollte also
1√ 1
s= 3 und c =
2 2
sein. Das stimmt aber nur fast, denn in Wahrheit sind s und c die zwei Ko-
ordinaten des Punktes P , der sowohl eine negative waagrechte als auch eine
negative senkrechte Koordinate hat. Daher ist:
1√ 1
s=− 3 und c = − ,
2 2
5.2 Die Winkelfunktionen 137

c α
-1 1

P = (c,s)
-1

Abb. 5.9. Winkel α = 240◦ im Einheitskreis

60˚

s 1

30˚

Abb. 5.10. Das relevante Dreieck

also:
1√ 1
sin 240◦ = − 3 und cos 240◦ = − .
2 2
Dieses Beispiel berechnet nicht nur Sinus und Cosinus eines speziellen Win-
kels, sondern es zeigt auch ein wichtiges Prinzip: ich habe die Winkelfunktio-
nen eines großen Winkels berechnet, indem ich sie zurückgeführt habe auf die
Winkelfunktionen eines bekannten Winkels. In diesem speziellen Fall galt:

sin 240◦ = − sin 60◦

und
cos 240◦ = − cos 60◦ .
Das liegt einfach daran, dass man den Winkel 60◦ nur um 180◦ weiterdrehen
muss, um schließlich bei 240◦ anzukommen, und dass sich damit auch das
rechtwinklige Dreieck aus s, c und 1 um eben diese 180◦ dreht. Der einzige
Effekt, auf den man Rücksicht nehmen muss, besteht darin, dass eine Drehung
um 180◦ eine Änderung der Vorzeichen von s und c herbeiführt, und auf diese
Weise entsteht das Minuszeichen in der obigen Formel.
138 5 Trigonometrie

Und das gilt nicht nur für α = 240◦. Auf dem gleichen Weg kann man
sehen, dass immer

cos(α + 180◦) = − cos α und sin(α + 180◦ ) = − sin α

gilt. Formeln dieser Art gibt es ziemlich viele, und man weist sie alle auf die
gleiche Weise nach: durch Einzeichnen der entsprechenden Winkel in einen
Einheitskreis und Vergleich der jeweils wichtigen Größen s und c. Für den
Fall, dass man auf einen Winkel 180◦ addiert, habe ich diese Prozedur eben
durchgeführt. Die weiteren Formeln werde ich bis auf drei Ausnahmen im
folgenden Satz kommentarlos zur Kenntnis geben.
5.2.6 Satz Für jeden Winkel α gelten:
(i) sin(90◦ − α) = sin(90◦ + α) = cos α;
(ii) cos(90◦ − α) = − cos(90◦ + α) = sin α;
(iii)sin(180◦ − α) = sin α;
(iv)sin(180◦ + α) = − sin α;
(v) cos(180◦ − α) = cos(180◦ + α) = − cos α;
(vi)sin(360◦ − α) = sin(−α) = − sin α;
(vii)cos(360◦ − α) = cos(−α) = cos α;
sin(360◦ + α) = sin(α);
(viii)
(ix)cos(360◦ + α) = cos(α);
(x) cos2 α + sin2 α = 1.

Regel (iv) und (v) haben wir uns im wesentlichen gerade überlegt. Die an-
deren Regeln kann man sich mit Hilfe des Einheitskreises ganz ähnlich verdeut-
lichen, und ich möchte hier auf die Einzelheiten verzichten. Nur auf die Regeln
(viii), (ix) und (x) will ich noch kurz eingehen. Regel (viii) und (ix) sagen nur
aus, dass der um 360◦ erhöhte Winkel den gleichen Sinus- und Cosinus-Wert
hat wie der ursprüngliche Winkel selbst. Das ist aber nicht überraschend.
Wenn Sie zu einem Winkel 360◦ addieren, dann sind Sie einmal ganz um den
Kreis gelaufen und kommen wieder genau bei dem ursprünglichen Winkel α
an. Dass dann auch die Winkelfunktionen nichts Neues liefern, sollte klar sein.
In Regel (x) finden Sie den sogenannten trigonometrischen Pythagoras-
Satz. Für jeden Winkel α gilt, dass die Summe der Quadrate von Sinus und
Cosinus genau 1 ergibt, völlig unabhängig vom Winkel. Das kann man auch
sehr schnell einsehen, wenn man beispielsweise Abbildung 5.7 betrachtet. Hier
bilden s = sin α, c = cos α die Katheten und der Radius der Länge 1 die
Hypotenuse eines rechtwinkligen Dreiecks. Nach dem Satz des Pythagoras ist
dann
s2 + c2 = 1 2 ,
also
sin2 α + cos2 α = 1.
Über die Winkelfunktionen an sich wissen Sie jetzt genug, um die nächsten Ab-
schnitte heil zu überstehen. Ich muss nur noch eine Kleinigkeit über die Winkel
5.2 Die Winkelfunktionen 139

selbst loswerden. Für die Zwecke der Differentialrechnung ist es nämlich sinn-
voll, die Winkel nicht mehr in Grad zu messen, sondern im Bogenmaß. Die
Idee ist einfach genug.
5.2.7 Bemerkung Ich zeichne wieder den Winkel α in den Einheitskreis.
Dann liegt diesem Winkel natürlich eine eindeutig bestimmte Teilstrecke x
auf dem Kreisbogen gegenüber. Unter der Strecke x verstehe ich also den Teil
des Kreisbogens, der rechts an der waagrechten Achse beginnt und am Punkt
P endet, und ich bezeichne sie als Bogenmaß.
Da nun der gesamte Umfang eines Kreises vom Radius 1 genau 2π beträgt,
entspricht ein Winkel von 360◦ dem Bogenmaß 2π. Entsprechend findet man
für α = 180◦ das Bogenmaß x = π und für α = 90◦ das Bogenmaß x = π2 .
Im allgemeinen erhält man das Bogenmaß x eines Winkels α, indem man
ausrechnet, wie sich der Winkel zu 180◦ verhält: das Verhältnis des Winkels
zu 180◦ muss dem Verhältnis von x zu π entsprechen. In Formeln ausgedrückt:
x α
= ,
π 180◦
oder auch
α
x=π· .
180◦
Ist also zum Beispiel der Winkel α = 17◦ gegeben, so erhält man das Bogen-
maß
17◦
x=π· = π · 0, 0944444 ≈ 0, 2967058.
180◦

1 P = (c,s)

s x
1
α
-1 1
c

-1

Abb. 5.11. Winkel α mit Bogenmaß x

Das Bogenmaß wird Ihnen natürlich im Lehrbuch wieder begegnen. Ich


werde es im hier im Vorkurs nicht brauchen, sondern weiter die gewohnte
Grad-Schreibweise verwenden.
140 5 Trigonometrie

Übungen

5.4 Bestimmen Sie mit Hilfe geeigneter Dreiecke Sinus, Cosinus, Tangens und
Cotangens der folgenden Winkel:
(a) α = 30◦ ;
(b) β = 45◦ .

5.5 Berechnen Sie mit Hilfe von bereits bekannten Sinus- und Cosinuswerten
für die folgenden Winkel Sinus und Cosinus:
(a) α = 135◦;
(b) β = 150◦;
(c) γ = 315◦ ;
(d) δ = 120◦ .

5.6 Rechnen Sie Winkel in Bogenmaß bzw. Bogenmaß in Winkel um.


(a) α = 37◦ ;
(b) β = 174◦;
(c) x = π4 ;
(d) x = 2, 35.

5.3 Dreiecksberechnung
Am Anfang dieses Kapitels hatte ich angekündigt, dass man mit Hilfe der
Winkelfunktionen solche Probleme wie die Landvermessungsaufgabe aus 5.1.1
rechnerisch lösen kann. Inzwischen sind wir so weit, dass wir diese Aufgaben
angehen können. Dazu gibt es zwei wichtige Hilfsmittel: den Sinussatz und den
Cosinussatz. Ich werde als erstes den Sinussatz behandeln und Ihnen an Hand
von zwei Beispielen zeigen, wie man ihn für die Berechnung von Dreiecken
einsetzt.
5.3.1 Sinussatz Gegeben sei ein Dreieck mit den Seiten a, b und c und
den Winkeln α, β und γ.
Dann gelten:
sin α a
= ,
sin β b
sin β b
=
sin γ c
und
sin α a
= .
sin γ c
5.3 Dreiecksberechnung 141

b
a

α
A
β
c

Abb. 5.12. Dreieck

b a
h

α β
A B

Abb. 5.13. Dreieck mit Höhe

Beweis Ich werde nur die erste Formel nachweisen; die anderen zeigt man
ganz genauso. Dazu zeichne ich wieder mein Dreieck auf, wobei ich diesmal
noch zusätzlich die Höhe vom Punkt C auf die Grundseite mit einzeichne.
Auf die Benennung der Seite c und des Winkels γ habe ich dabei verzichtet,
weil ich sie für die erste Formel gar nicht brauche. Nun habe ich aber innerhalb
meines großen Dreiecks zwei kleine rechtwinklige Dreiecke, die ich verwenden
kann, um den Sinus von α und von β auszurechnen. Es gilt nämlich:
h h
sin α = und sin β = .
b a
Beide Gleichungen kann ich nach h auflösen und erhalte:

h = b · sin α und h = a · sin β.

Jetzt habe ich aber zwei Gleichungen für die eine Höhe h, und deshalb müssen
die beiden Ausdrücke auf den rechten Seiten gleich sein. Das bedeutet:

b · sin α = a · sin β.
142 5 Trigonometrie

Teilt man nun auf beiden Seiten durch b und durch sin β, so findet man die
gesuchte Formel:
sin α a
= .
sin β b
Mit dem Sinussatz werden zwei Seiten und zwei Winkel zueinander in
Beziehung gestellt. Das ist bei zwei Typen von Dreiecksberechnungen äusserst
hilfreich.
5.3.2 Beispiele
(i) In einem Dreieck sind die beiden Winkel α = 41◦ und β = 51◦ sowie die
Seite c = 8, 7 bekannt. Da die Winkelsumme im Dreieck stets 180◦ beträgt,
kann man den Winkel γ berechnen aus:

γ = 180◦ − α − β = 180◦ − 41◦ − 51◦ = 88◦ .

Nun kann ich aber die dritte Formel des Sinussatzes nach a auflösen. Das
führt zu der Gleichung:
sin α sin 41◦
a=c· = 8, 7 · .
sin γ sin 88◦
Die Sinuswerte können Sie dem Taschenrechner entnehmen. Es gilt:

sin 41◦ = 0, 65606 und sin 88◦ = 0, 99940.

Damit wird:
0, 65606
a = 8, 7 · ≈ 5, 71.
0, 99940
Auf die gleiche Weise bestimme ich b, indem ich die zweite Formel des
Sinussatzes nach b auflöse. Dann gilt:
sin β sin 51◦
b=c· = 8, 7 · .
sin γ sin 88◦
Die Sinuswerte können Sie wieder dem Taschenrechner entnehmen. Es gilt:

sin 51◦ = 0, 77715 und sin 88◦ = 0, 99940.

Damit wird:
0, 77715
b = 8, 7 · ≈ 6, 77.
0, 99940
Und schon habe ich alle Seiten des Dreiecks berechnet.
(ii) In einem Dreieck sind die Seiten a = 8, 1, b = 6, 7 und der Winkel α = 75◦
gegeben. Nun kann ich aber die erste Formel des Sinussatzes auch schreiben
als
sin β b
= .
sin α a
5.3 Dreiecksberechnung 143

Auflösen nach sin β ergibt:


b 6, 7
sin β = sin α · = sin 75◦ · .
a 8, 1
Der Taschenrechner zeigt, dass sin 75◦ = 0, 96593 gilt, und daraus folgt:
6, 7
sin β = 0, 96593 · = 0, 79898.
8, 1
Jetzt haben wir also den Sinuswert von β ermittelt und müssen daraus
auf β selbst schließen. Dazu müssen Sie auf Ihrem Taschenrechner die
Umkehrung des Sinus suchen, die man meistens dadurch erreicht, dass
man die Tastenkombination inv und sin oder auch arc und sin, machmal
auch nur die eine Taste sin−1 drückt. Das kommt ganz auf den jeweiligen
Rechner an. Sobald Sie das richtig gemacht haben, sollten Sie jedenfalls
den Wert
β = 53◦
gefunden haben, wobei ich jetzt aus Bequemlichkeit auf die Stellen nach
dem Komma verzichte.
Nun haben wir α und β und können daraus sofort γ berechnen. Es gilt:

γ = 180◦ − 75◦ − 53◦ = 52◦ .

Es fehlt nur noch die Seite c, und die lässt sich problemlos mit der dritten
Formel des Sinussatzes berechnen. Man kann sie schreiben als:
sin γ c
=
sin α a
und dann nach c auflösen. Das ergibt:
sin γ sin 52◦
c=a· = 8, 1 · = 6, 608.
sin α sin 75◦
Und wieder ist die Dreiecksberechnung komplett.

Leider lassen sich nicht alle Dreiecksberechnungen mit Hilfe des Sinussat-
zes erledigen. Schon mit dem alten Landvermessungsproblem aus 5.1.1 ist er
überfordert, da die dort gegebenen Größen a, b und γ nicht so recht in die
Formeln des Sinussatzes hineinpassen. Das schadet aber nichts, da noch ein
weiterer Satz zur Verfügung steht: der Cosinussatz.
5.3.3 Cosinussatz Gegeben sei ein Dreieck mit den Seiten a, b und c und
den Winkeln α, β und γ wie in Abbildung 5.12. Dann gelten:

c2 = a2 + b2 − 2ab cos γ,

b2 = a2 + c2 − 2ac cos β
144 5 Trigonometrie

und
a2 = b2 + c2 − 2bc cos α.

Die Herleitung dieses Satzes ist ein wenig aufwendiger als der Nachweis
des Sinussatzes, und deshalb verzichte ich auf einen Beweis. Sie sehen an
den drei Formeln des Cosinussatzes, dass er im Gegensatz zum Sinussatz eine
Beziehung herstellt zwischen den drei Seiten eines Dreiecks und einem Winkel.
Und der Winkel, um den es geht, ist leicht zu identifizieren: er liegt genau
gegenüber der Seite, mit der die jeweilige Formel anfängt. Steht links vom
Gleichheitszeichen ein c, so geht es um den Winkel γ, hat man auf der linken
Seite ein b, so dreht sich alles um den Winkel β, und beginnt die Formel mit
einem a, so lautet der relevante Winkel α.
Da am Cosinussatz andere Größen beteiligt sind als am Sinussatz, ist er
auch für andere Aufgaben nützlich. Wir sehen uns das wieder an zwei Bei-
spielen an.
5.3.4 Beispiele
(i) Wie in der Situation von 5.1.1 sollen zwei Seiten und der von diesen Seiten
eingeschlossene Winkel gegeben sein. Es sei also a = 6, 5, b = 5, 8 und
γ = 60◦ . Dann ist nach den Cosinussatz:

c2 = a2 + b2 − 2ab cos γ
= 6, 52 + 5, 82 − 2 · 6, 5 · 5, 8 · cos 60◦
= 42, 25 + 33, 64 − 2 · 6, 5 · 5, 8 · 0, 5
= 38, 19.

Daher ist
c= 38, 19 = 6, 18.
Aus dem Sinussatz
sin β b
=
sin γ c
folgt dann:
b 5, 8 5, 8
sin β = sin γ · = sin 60◦ · = 0, 866 · = 0, 813.
c 6, 18 6, 18
Damit wird
β = 54, 39◦.
schließlich folgt aus dem Satz über die Winkelsumme im Dreieck, dass

α = 180◦ − 60◦ − 54, 39◦ = 65, 61◦

gilt.
5.3 Dreiecksberechnung 145

(ii) Gegeben ist ein Dreieck mit den drei Seiten a = 5, 6, b = 5, 2 und c =
4, 8. Wie lauten die drei Winkel? Hier ist es ziemlich egal, welche der
drei Formeln des Cosinussatzes man nimmt, da in allen dreien alle Seiten
vertreten sind. Ich nehme hier die dritte Formel

a2 = b2 + c2 − 2bc cos α,

die ich nach cos α auflöse. Dann gilt:

b 2 + c2 − a 2
cos α =
2bc
5, 22 + 4, 82 − 5, 62
=
2 · 5, 2 · 4, 8
27, 04 + 23, 04 − 31, 36
=
49, 92
18, 72
=
49, 92
= 0, 375.

Folglich ist cos α = 0, 375 und damit α = 68◦ . Mit dem Sinussatz folgt:
b 5, 2 5, 2
sin β = sin α · = sin 68◦ · = 0, 927 · = 0, 8608.
a 5, 6 5, 6
Daher ist
β = 59, 41◦,
und aus dem Satz über die Winkelsumme im Dreieck folgt schließlich:

γ = 180◦ − 68◦ − 59, 41◦ = 52, 59◦ .

Damit haben Sie genug über Dreiecksberechnung gesehen. Es gibt tatsäch-


lich noch den einen oder anderen Sonderfall, der sich nicht ganz so einfach
lösen lässt wie die vorgerechneten Beispiele, aber Sie wollen ja wahrscheinlich
nicht in die Landvermessung oder Schiffsnavigation einsteigen. Für unsere
Zwecke reicht es völlig aus, wenn Sie gesehen haben, wie man die Winkelfunk-
tionen für praktische geometrische Zwecke nutzbar machen kann.
Um Ihre Kenntnisse über trigonometrische Funktionen abzurunden, wer-
den wir uns im nächsten Abschnitt den Additionstheoremen widmen.

Übungen

5.7 Berechnen Sie aus den folgenden Angaben jeweils die fehlenden Seiten
und Winkel der Dreiecke:
(a) a = 6, β = 64◦ , γ = 67◦ ;
(b) c = 7, a = 6, γ = 77◦ .
146 5 Trigonometrie

5.8 Berechnen Sie aus den folgenden Angaben jeweils die fehlenden Seiten
und Winkel der Dreiecke:
(a) a = 7, b = 5, γ = 52◦ ;
(b) a = 4, b = 3, c = 6.

5.4 Additionstheoreme
Gelegentlich wird Ihnen das Problem begegnen, dass man den Sinus oder
Cosinus der Summe aus zwei Winkeln berechnen muss. Sind also Sinus und
Cosinus der Winkel α und β bekannt, so geht es um die Frage, wie man aus
diesen bekannten Werten die neuen Werte sin(α+β) und cos(α+β) berechnen
kann. Die Antwort auf diese Frage findet man in den Additionstheoremen, die
zunächst etwas abschreckend aussehen, aber in Wahrheit recht harmlos sind.
Bevor ich darauf eingehe, will ich aber noch auf einen naheliegenden und doch
üblen Fehler hinweisen. Oft genug begegnet mir nämlich die Meinung, wenn
man die Winkel addiert, dann müsste man doch auch nur die entsprechenden
Sinuswerte addieren, um den Sinus des Summenwinkels zu erhalten. Das ist
leider absolut falsch.
5.4.1 Beispiel Zeichnet man einen Winkel von 90◦ in den Einheitskreis
ein, so kann man schnell feststellen, dass die Hochkoordinate bei 1 liegt und
deshalb sin 90◦ = 1 gilt. größer kann ein Sinus auch gar nicht werden, da
wir uns nun einmal in einem Kreis mit dem Radius 1 befinden. Wie sieht es
nun mit dem Sinus von 180◦ aus? Wenn man einfach die Sinuswerte addieren
könnte, dann dürfte ich jetzt aus

180◦ = 90◦ + 90◦

den Schluss ziehen, dass

sin 180◦ = sin(90◦ + 90◦ ) = sin 90◦ + sin 90◦ = 2

gilt. Das ist aber offenkundiger Unsinn, denn erstens kann ein Sinus niemals
den Wert 2 erreichen, und zweitens zeigt schon ein Blick auf den Einheitskreis,
dass in Wahrheit
sin 180◦ = 0
gilt. Sie dürfen also niemals dem Glauben verfallen, man dürfe bei der Additi-
on von Winkeln einfach so die Sinus- oder Cosinuswerte addieren. Das Beispiel
zeigt, dass dabei nur unsinnige Ergebnisse herauskommen.
Nun wissen Sie, wie man es nicht machen darf. Im folgenden werde ich
aufschreiben, wie man die Winkelfunktionen der Summe und der Differenz
von zwei Winkeln berechnet. Für Ihre weitere Karriere genügt es, wenn Sie
diese Formeln zur Kennntnis nehmen und sich an Hand des Beispiels in 5.4.3
5.4 Additionstheoreme 147

verdeutlichen. Falls Sie aber wissen wollen, wie man so eine einigermassen
komplizierte Formel herleitet, füge ich auch noch einen Beweis hinzu, der zwar
nur für einen Spezialfall gilt, aber die prinzipielle Vorgehensweise deutlich
macht.
5.4.2 Satz Für zwei Winkel α und β gelten die folgenden Regeln:
(i) sin(α + β) = sin α cos β + cos α sin β;
(ii) sin(α − β) = sin α cos β − cos α sin β;
(iii)cos(α + β) = cos α cos β − sin α sin β;
(iv)cos(α − β) = cos α cos β + sin α sin β.

Beweis Man braucht hier eigentlich nur die Nummer (i) zu beweisen, denn
die anderen Aussagen folgen dann ganz schnell, wenn man die erste einmal
hat. Der Beweis von Nummer (i) ist allerdings mit etwas Geometrie verbunden
und würde, wenn man ihn in voller Allgemeinheit durchführen will, einiges an
Aufwand kosten. Deshalb werde ich mich auf einen Spezialfall beschränken
und annehmen, dass α und β nicht irgendwelche beliebigen Winkel sind, son-
dern zwischen 0◦ und 90◦ liegen. In diesem Fall kann man nämlich α und β
als Winkel in einem Dreieck interpretieren, in dem natürlich noch ein dritter
Winkel γ vorkommt.
Wie schon häufig erwähnt, beträgt die Winkelsumme im Dreieck genau
180◦ , und das heisst:

α + β + γ = 180◦, also γ = 180◦ − (α + β).

Nun sind wir aber am Sinus von α + β interessiert. Da γ offenbar mit α + β in


einem engen Zusammenhang steht, kann man hoffen, dass auch die entspre-
chenden Sinuswerte sich ähnlich sind, und tatsächlich folgt aus 5.2.6 (iii):

sin γ = sin(180◦ − (α + β)) = sin(α + β).

Zum Nachweis von Regel (i) sollten wir also zeigen, dass

sin γ = sin α cos β + cos α sin β

gilt. Deshalb mache ich mich jetzt daran, anhand der Skizze in Abbildung
5.14 die einzelnen Sinus- und Cosinuswerte auszurechnen.
Wie Sie sehen, sind in dem Dreieck die Höhe h auf der Seite c und die Höhe
h auf der Seite b eingetragen, und damit sind einige rechtwinklige Dreiecke
entstanden. Es steht uns aber immer noch die ursprüngliche Definition von
Sinus und Cosinus aus 5.2.1 zur Verfügung. Damit gilt
h q
sin α = , cos α =
b b
sowie
h p
sin β = , cos β = .
a a
148 5 Trigonometrie

b a
h
h'

α β
A q p B
c

Abb. 5.14. Dreieck mit Höhen

Dabei wurde die Strecke c aufgeteilt in die beiden Teilstrecken p und q, deren
Summe gerade c ergibt.
Die Ergebnisse setze ich jetzt ein. Dann folgt
h p q h
sin α cos β + cos α sin β = · + ·
b a b a
h
= · (p + q)
ab
hc
= .
ab
Andererseits ist
h
,
sin γ =
a
und es wäre hilfreich, diese beiden Größen miteinander in Verbindung bringen
zu können. Nun liegt der Winkel α noch in einem weiteren rechtwinkligen
Dreieck, nämlich dem mit der Hypotenuse c und der einen Kathete h . Die
zweite Kathete hat keinen eigenen Namen, weil ich sie gar nicht brauche, denn
den Sinus von α kann ich bereits aus
h
sin α =
c
berechnen. Das ist praktisch, denn vorhin hatte ich die Formel sin α = hb
herausgefunden, und da α nur einen Sinus haben kann, müssen beide Werte
gleich sein. Es folgt also
h h
=
b c
und damit
h
h = c · .
b
Jetzt müssen wir nur noch die Einzelteile verbinden, indem wir die Formel für
h in die Gleichung für sin γ einsetzen. Das liefert uns
5.4 Additionstheoreme 149

h
sin γ =
a
hc
=
ab
= sin α cos β + cos α sin β,

wie ich oben bereits nachgerechnet habe. Da wir uns schon vorher darauf
geeinigt hatten, dass sin γ = sin(α + β) ist, haben ich also die gesuchte Formel

sin(α + β) = sin α cos β + cos α sin β

tatsächlich gefunden.
Die Nummern (ii), (iii) und (iv) gehen nun fast von alleine. So ist zum
Beispiel

sin(α − β) = sin(α + (−β))


= sin α cos(−β) + cos α sin(−β)
= sin α cos β − cos α sin β.

Dabei habe ich in der zweiten Gleichung von Regel (i) Gebrauch gemacht und
in der dritten Gleichung die Formeln sin(−β) = − sin β sowie cos(−β) = cos β
benutzt, die Sie in Satz 5.2.6 finden können. Auch Nummer (iii) lässt sich mit
5.2.6 und der neugewonnenen Regel (ii) erledigen. Es gilt nämlich

cos(α + β) = sin(90◦ − (α + β))


= sin((90◦ − α) − β)
= sin(90◦ − α) cos β − cos(90◦ − α) sin β
= cos α cos β − sin α sin β,

wobei ich neben Regel (ii) nur verwendet habe, dass für jeden beliebigen Win-
kel α gilt: sin(90◦ − α) = cos α und cos(90◦ − α) = sin α.
Da der Beweis von Regel (iv) nichts nennenswert Neues bringt, verzichte
ich darauf, ihn auch noch vorzuführen.
Das war nun ein etwas mühseliger Prozess, aber falls Sie sich ihm unter-
zogen haben, dann hoffe ich, Sie haben ein Gefühl dafür bekommen, wie der
Nachweis etwas komplizierterer Formeln funktioniert. Um mehr ist es mir da-
bei gar nicht gegangen. Aber auch ohne den Beweis gelesen zu haben, können
Sie auf jeden Fall im folgenden Beispiel sehen, wie man mit Hilfe der Additi-
onstheoreme die Sinus- und Cosinuswerte weiterer Winkel bestimmen kann.
5.4.3 Beispiel In 5.2.2 haben wir herausgefunden, dass cos 60◦ = 12 und

sin 60◦ = 12 3 gilt. Das will ich nun verwenden, um Sinus und Cosinus von
120◦ zu berechnen. Natürlich ist 120◦ = 60◦ + 60◦ , und mit Hilfe von 5.4.2 (i)
folgt daraus:
150 5 Trigonometrie

sin 120◦ = sin(60◦ + 60◦ )


= sin 60◦ · cos 60◦ + cos 60◦ · sin 60◦
1√ 1 1 1√
= 3· + · 3
2 2 2 2
1√ 1√
= 3+ 3
4 4
1√
= 3.
2
Dabei habe ich in der zweiten Zeile nur das erste Additionstheorem mit
α = β = 60◦ verwendet und ansonsten die bereits bekannten Sinus- und
Cosinuswerte des Winkels 60◦ eingesetzt.
Zur Berechnung des Cosinuswertes brauche ich die Formel aus 5.4.2 (iii).
Dann gilt:
cos 120◦ = cos(60◦ + 60◦ )
= cos 60◦ · cos 60◦ − sin 60◦ · sin 60◦
1 1 1√ 1√
= · − 3· 3
2 2 2 2
1 1
= − ·3
4 4
1
=− .
2
Insgesamt habe ich also herausgefunden, dass
1√ 1
sin 120◦ = 3 und cos 120◦ = −
2 2
gilt.

Übungen
5.9 Berechnen Sie Sinus und Cosinus der folgenden Winkel:
(a) α = 120◦;
(b) β = 75◦ ;
(c) γ = 195◦ ;
(d) δ = 15◦ .
5.10 Zeigen Sie, dass für jeden Winkel α die folgenden Formeln gelten:
(a) sin(2α) = 2 sin α cos α;
(b) cos(2α) = cos2 α − sin2 α.

Und damit sind wir am Ende dieses Vorkurses angekommen, und mir bleibt
nur noch, Ihnen für Ihr weiteres Studium viel Erfolg zu wünschen.
6
Lösungen

1 Erste Rechenmethoden

1.1
(a)
6 7 6·7 2·1 2
· = = = .
35 3 35 · 3 5·1 5
(b)
9 6 9 5 9·5 3·5 15
: = · = = =
4 5 4 6 4·6 4·2 8
(c)
4
3 5 3 4 10 3 · 4 · 10
− · 3 =− · · =− = −1
8 10
8 5 3 8·5·3

1.2
(a)
7 5 7·4 5·3 28 15 13
− = − = − =
6 8 6·4 8·3 24 24 24
(b)
13 54 13 · 3 54 · 4 39 216 255 17 · 3 · 5 17
+ = + = + = = =
20 15 20 · 3 15 · 4 60 60 60 4·3·5 4
(c)  
3 1 3 1 15 2 17
− − = + = + =
4 10 4 10 20 20 20

1.3
(a)

6y + 3c − 5a + 4c − 3y + a = 6y − 3y + 3c + 4c − 5a + a = 3y + 7c − 4a
152 6 Lösungen

(b)
x x x x x
10xy + 2 − 5xy − = 10xy − 5xy + 2 − = 5xy +
y y y y y

1.4
(a)

(a − b) + (c − [2a − 3b + (2c − 3a)] − b)


= (a − b) + (c − [2a − 3b + 2c − 3a] − b)
= (a − b) + (c − [−a − 3b + 2c] − b)
= (a − b) + (c + a + 3b − 2c − b)
= a − b + (−c + a + 2b)
= a − b − c + a + 2b
= 2a + b − c

(b)

x − ([(x − 2xy) − (x + 2xy)] − (5x − 4y))


= x − ([x − 2xy − x − 2xy] − (5x − 4y))
= x − (−4xy − 5x + 4y)
= x + 4xy + 5x − 4y
= 6x + 4xy − 4y

1.5
(a)

(5a+3b)·(8−2x) = 5a·8+5a·(−2x)+3b·8+3b·(−2x) = 40a−10ax+24b−6bx

(b)

(2x + 3y − z) · (5 − a)
= 2x · 5 + 2x · (−a) + 3y · 5 + 3y · (−a) − z · 5 − z · (−a)
= 10x − 2ax + 15y − 3ay − 5z + az

1.6
(a)

(3x − 2y) · (2z − 4u) · (a + b)


= [(3x − 2y) · (2z − 4u)] · (a + b)
= [6xz − 12xu − 4yz + 8yu] · (a + b)
= 6xza + 6xzb − 12xua − 12xub − 4yza − 4yzb + 8yua + 8yub
6 Lösungen 153

(b)

(2x + 3y) · (a − 2b) − (x − 2y) · (2a + b)


= 2xa − 4xb + 3ya − 6yb − (2xa + xb − 4ya − 2yb)
= 2xa − 4xb + 3ya − 6yb − 2xa − xb + 4ya + 2yb
= −5xb + 7ya − 4yb

1.7
(a)

6yz + 2yu + 3xz + ux


= 2y · (3z + u) + x · (3z + u)
= (3z + u) · (2y + x)

(b)
ab(x + y) − x − y = ab(x + y) − (x + y) = (x + y)(ab − 1)
(c)

6xyzv − 2yxza − 3xbzv + axbz


= 6xyzv − 2xyza − 3xbzv + xbza
= xyz(6v − 2a) + xbz(−3v + a)
= 2xyz(3v − a) − xbz(3v − a)
= (3v − a)(2xyz − xbz)
= (3v − a) · xz · (2y − b)
= xz(3v − a)(2y − b)

1.8
(a)
(2a − 3x)2 = (2a)2 − 2 · 2a · 3x + (3x)2 = 4a2 − 12ax + 9x2
(b)

(u − 2x + 4)2
= ((u − 2x) + 4)2
= (u − 2x)2 + 2 · (u − 2x) · 4 + 42
= u2 − 4ux + 4x2 + 8u − 16x + 16

(c)

(2x − 3d)(3d + 2x) = (2x − 3d)(2x + 3d) = (2x)2 − (3d)2 = 4x2 − 9d2
154 6 Lösungen

1.9
(a)
16c2 − 9b2 = (4c)2 − (3b)2 = (4c − 3b)(4c + 3b)
(b)

9 − 24x + 16x2 − 64y 2


= (9 − 24x + 16x2 ) − 64y 2
= (3 − 4x)2 − 64y 2
= (3 − 4x)2 − (8y)2
= (3 − 4x − 8y)(3 − 4x + 8y)

(c)
36a2 − 60ab + 25b2 = (6a − 5b)2

1.10
(a)
a2 − b 2 (a − b)(a + b) a−b
2
= =
9a + 9ab 9a(a + b) 9a
(b)
(a + b)2 (a + b)(a + b) a+b
= =
a2 − b 2 (a − b)(a + b) a−b
(c)
6ab − 9b4 3b(2a − 3b3 ) 3b b
2 3
= 3
= =
18a − 27ab 9a(2a − 3b ) 9a 3a

1.11
(a)

z 2 − 9 z 2 + 3z z2 − 9 z2 − z
: = ·
z2 − 1 z2 − z z 2 − 1 z 2 + 3z
(z 2 − 9)(z 2 − z)
= 2
(z − 1)(z 2 + 3z)
(z − 3)(z + 3)z(z − 1)
=
(z − 1)(z + 1)z(z + 3)
z−3
=
z+1
6 Lösungen 155

(b)

x2 − 4 x2 − x x2 − 4x + 4
· :
x2 + 2x x2 − 1 x2 + 2x + 1
x2 − 4 x2 − x x2 + 2x + 1
= 2 · ·
x + 2x x2 − 1 x2 − 4x + 4
(x2 − 4)(x2 − x)(x2 + 2x + 1)
= 2
(x + 2x)(x2 − 1)(x2 − 4x + 4)
(x − 2)(x + 2)x(x − 1)(x + 1)2
=
x(x + 2)(x − 1)(x + 1)(x − 2)2
x+1
=
x−2

1.12
(a)

a b a(a − b) b(a + b) a2 − ab + ba + b2 a2 + b 2
+ = 2 + = =
a+b a−b a − b2 a2 − b 2 a2 − b 2 a2 − b 2
(b)
z+2 2z + 1 z+2 2z + 1
2
− 2 = −
z −1 z −z (z − 1)(z + 1) z(z − 1)
z(z + 2) (z + 1)(2z + 1)
= −
z(z − 1)(z + 1) z(z − 1)(z + 1)
z 2 + 2z 2z 2 + 3z + 1
= 3 −
z −z z3 − z
2 2
z + 2z − 2z − 3z − 1
=
z3 − z
−z 2 − z − 1
=
z3 − z
(c)
a−b a−b a+b a−b a−b a+b
+ − = + −
a + 1 3a + 3 9a + 9 a + 1 3(a + 1) 9(a + 1)
9(a − b) 3(a − b) a+b
= + −
9(a + 1) 9(a + 1) 9(a + 1)
9a − 9b + 3a − 3b − a − b
=
9(a + 1)
11a − 13b
=
9a + 9
156 6 Lösungen

2 Potenzen, Wurzeln und Logarithmen

2.1
(a)
2a2 x3 − 5a3 x2 + 3x3 a2 − x2 a3 = 5a2 x3 − 6a3 x2
(b)

7m2 n2 +4x2 y 2 −(3m2 n2 −2x2 y 2 ) = 7m2 n2 +4x2 y 2 −3m2 n2 +2x2 y 2 = 4m2 n2 +6x2 y 2

2.2
(a)
3a2 bx · 2a4 · b4 x3 = 3 · 2 · a2+4 · b1+4 · x1+3 = 6a6 b5 x4
(b)
a4n−5 · a2m−3n+9 · a−n−2m = a4n−5+2m−3n+9−n−2m = a4
(c)

2(a+b)3x−2y ·(a+b)2−x+y ·3(a+b)y−2x = 6(a+b)3x−2y+2−x+y+y−2x = 6(a+b)2

(d)
(2abc)3 = 23 a3 b3 c3 = 8a3 b3 c3
(e)
3xy 2 · (2xy)2 = 3xy 2 · 4x2 y 2 = 12x3 y 4

2.3
(a)
2x2 18x 2x2 · 18x 36x3 3x3
2
· 4
= 2 4
= 6
= 6
3y 16y 3y · 16y 48y 4y
(b)
4n7 m3 1 1
= = n−1 m−1
8n8 m4 2nm 2
(c)

7(u + v)9a−3b 5(u − v)7a−4b


·
5(u − v)3a−4b 7(u + v)5a−3b
= (u + v)9a−3b−(5a−3b) · (u − v)7a−4b−(3a−4b)
= (u + v)9a−3b−5a+3b · (u − v)7a−4b−3a+4b
= (u + v)4a · (u − v)4a
6 Lösungen 157

(d)

(15a − 3b)2 · (5a + b)2 9(5a − b)2 · (5a + b)2


2 2 3
=
(25a − b ) ((5a − b)(5a + b))3
9(5a − b)2 · (5a + b)2
=
(5a − b)3 (5a + b)3
9
=
(5a − b)(5a + b)
9
=
25a2 − b2

2.4
(a)
 2
a2 b 3 (a2 b3 )2 a4 b 6
= = 8
c4 4
(c ) 2 c
(b)
 3  2 2 3
10u2v 3 5u v 103 u6 v 9 33 x3 y 6
: = 3 6 9 · 3 6 6
6x2 y 3 3xy 2 6 x y 5 u v
10 · 3 · u6 v 9 x3 y 6
3 3
= 3 3 6 9 6 6
6 ·5 ·x y u v
303 · u6 v 9 x3 y 6
= 3 6 9 6 6
30 · x y u v
= v 3 x−3 y −3
v3
= 3 3
x y

2.5
(a) √ √ √ √
125x3 = 5 · 25 · x2 · x = 25x2 · 5x = 5x · 5x
(b) √ √ √ √ √
5 5 5 5 5
3 · 9 · 9 = 3 · 9 · 9 = 35 = 3
(c) √ √ √
32 = 16 · 2 = 4 · 2

2.6
(a) √ √ √
√ √
a−b ( a − b)( a + b) √
√ √ = √ √ = a+ b
a− b a− b
158 6 Lösungen

(b)

3
x + y· 3 x2 + 2xy + y 2 = 3 (x + y) · (x2 + 2xy + y 2 ) = 3 (x + y)3 = x+y

(c)



9 (a + b)6 9 (a + b)3 9 (a + b)6 (a + b)3 9 (a + b)9 a+b


· = · = =
c5 c4 c5 c4 c9 c

2.7
(a) √ √ √ √
3· 12 = 9 · 12 = 108
(b)

a a √
(a + b) · 3 = 3 (a + b)3 · = 3a
(a + b)3 (a + b)3

(c)

3x 3 y2 27x3 y 2 27x
· = 3
· = 3

2y x2 8y 3 x2 8y

2.8
(a)

4
√ √
a2 = a2 = a
(b)


a−b
ca+3b a−b ca+3b √
a−b
√ = = ca−b = c
a−b
c4b c4b
(c)
3 √ √
3

3
√ √
729x9 = 729x9 = 93 x9 = 9x3 = 3x · x
(d)
(xa )2 (y 3a )2 = a xa y 3a = xy 3
a a
2a 6a
x y =

2.9
(a)
log3 729 = log3 36 = 6
(b)
log2 0, 0625 = log2 2−4 = −4
(c)
loga−b a2 − 2ab + b2 = loga−b (a − b)2 = 2
6 Lösungen 159

2.10
(a)

x2 · y −3 · z
loga = loga x2 · y −3 · z − loga u4 · v −4
u4 · v −4
= loga x2 + loga y −3 + loga z − (loga u4 + loga v −4 )
= 2 loga x − 3 loga y + loga z − 4 loga u + 4 loga v

(b)
√ 1 12
loga x12 =
17
loga x12 = loga x
17 17
(c)

x9 y 3 1 x9 y 3
loga 6 2
= loga 6 2
u z 2 u z
1
= (9 loga x + 3 loga y − 6 loga u − 2 loga z)
2
9 3
= loga x + loga y − 3 loga u − loga z
2 2

2.11
(a)

loga y − 2 loga x + 3 loga z − 17 loga u


= loga y + 3 loga z − 2 loga x − 17 loga u
= loga y + loga z 3 − (loga x2 + loga u17 )
yz 3
= loga 2 17
x u
(b)
1 2 √ √
loga x2 − loga y = loga x2 − 2 loga 3 y
3

3 3 √
3
= loga x2 − loga 3 y 2

x2
= loga 3 2
y
160 6 Lösungen

3 Gleichungen und Ungleichungen


3.1
(a)

3x − 6 = 12
3x = 18
x=6

(b)

2x − 9 = 5x + 23
−32 = 3x
32
x=−
3
(c)

25x − (19x − 48) = 18x − 23 − (66 − 5x)


25x − 19x + 48 = 18x − 23 − 66 + 5x
6x + 48 = 23x − 89
137 = 17x
137
x=
17

3.2
(a)

(x + 1)2 + (x − 2)2 = 2(x − 1) · (x − 2)


x2 + 2x + 1 + x2 − 4x + 4 = 2x2 − 6x + 4
2x2 − 2x + 5 = 2x2 − 6x + 4
−2x + 5 = −6x + 4
4x = −1
1
x=−
4
(b)
6 4 3
− =
x+1 x+2 1+x
6(x + 2) − 4(x + 1) = 3(x + 2)
6x + 12 − 4x − 4 = 3x + 6
2x + 8 = 3x + 6
x=2
6 Lösungen 161

(c)
x 1
=
x−1 x−1
x=1

Aber x = 1 kann in den Nenner x − 1 nicht eingesetzt werden. Deshalb


hat die Gleichung keine Lösung.

3.3
(a)
x2 − 16x − 17 = 0

x1,2 = 8 ± 64 + 17

= 8 ± 81
= 8±9

x1 = −1, x2 = 17
(b)
x2 + 8x + 16 = 0

x1,2 = −4 ± 16 − 16

= −4 ± 0
= −4

x1 = x2 = −4
(c)
x2 − x + 2 = 0

1 1
x1,2 = ± −2
2 4

1 7
= ± −
2 4
Da in der Wurzel eine negative Zahl steht, hat die Gleichung im Bereich
der reellen Zahlen keine Lösung.
162 6 Lösungen

3.4
(a)
2x2 − 14x = x2 − 33
x2 − 14x + 33 = 0

x1,2 = 7 ±49 − 33

= 7 ± 16
= 7±4
x1 = 3, x2 = 11
(b)
(3x − 5)2 − (x + 3)2 = x2 − x + 2
9x2 − 30x + 25 − x2 − 6x − 9 = x2 − x + 2
8x2 − 36x + 16 = x2 − x + 2
7x2 − 35x + 14 = 0
x2 − 5x + 2 = 0

5 25
x1,2 = ± −2
2 4

5 17
= ±
2 4
5 1√
= ± 17
2 2

5 1√ 5 1√
x1 = − 17, x2 = + 17
2 2 2 2
(c)
2
x+ =3
x
x2 + 2 = 3x
x2 − 3x + 2 = 0

3 9
x1,2 = ± −2
2 4

3 1
= ±
2 4
3 1
= ±
2 2

x1 = 1, x2 = 2
6 Lösungen 163

3.5
(a) Die Gleichung x2 − 3x + 2 = 0 hat die Lösungen x1 = 1, x2 = 2. Deshalb
ist x2 − 3x + 2 = (x − 1)(x − 2). Damit folgt:
x2 − 3x + 2 (x − 1)(x − 2)
= = x − 2.
x−1 x−1
(b) Die Gleichung x2 + x − 12 = 0 hat die Lösungen x1 = 3, x2 = −4. Deshalb
ist x2 + x − 12 = (x − 3)(x + 4). Die Gleichung x2 + 5x + 4 = 0 hat die
Lösungen x1 = −1, x2 = −4. Deshalb ist x2 + 5x + 4 = (x + 1)(x + 4).
Damit folgt:
x2 + x − 12 (x − 3)(x + 4) x−3
2
= = .
x + 5x + 4 (x + 1)(x + 4) x+1

3.6
(a)
x4 − 34x2 + 225 = 0
Setze z = x2 . Dann folgt:

z 2 − 34z + 225 = 0

z1,2 = 17 ± 289 − 225

= 17 ± 64
= 17 ± 8
z1 = 9, z2 = 25
Damit ist
x1 = −3, x2 = 3, x3 = −5, x4 = 5
(b)
x4 + 16x2 − 225 = 0
Setze z = x2 . Dann folgt:
z 2 + 16z − 225 = 0

z1,2 = −8 ±
64 + 225

= −8 ± 289
= −8 ± 17
z1 = −25, z2 = 9
Damit ist
x1 = −3, x2 = 3,
da aus z1 keine Wurzeln gezogen werden können.
164 6 Lösungen

(c)
x4 + 34x2 + 225 = 0
Setze z = x2 . Dann folgt:

z 2 + 34z + 225 = 0


z1,2 = −17 ± 289 − 225

= −17 ± 64
= −17 ± 8

z1 = −25, z2 = −9
Die biquadratische Gleichung hat keine Lösung.
(d)
x4 + x2 + 4 = 0
Setze z = x2 . Dann folgt:

z2 + z + 4 = 0

1 1
z1,2 =− ± −4
2 4

1 15
=− ± −
2 4
Da die quadratische Gleichung keine Lösung hat, hat auch die biquadra-
tische Gleichung keine Lösung.

3.7
(a)
√ √
x + 2 = 2x − 3
x + 2 = 2x − 3
x=5
√ √
Einsetzen in die Gleichung ergibt: 2 + 5 = 10 − 3. Also ist x = 5 eine
Lösung.
(b)
√ √
− x + 2 = 2x − 3
x + 2 = 2x − 3
x=5
√ √
Einsetzen in die Gleichung ergibt: − 2 + 5 = 10 − 3. Also ist x = 5
keine Lösung.
6 Lösungen 165

(c)

x = 5x − 6
x2 = 5x − 6
x2 − 5x + 6 = 0

5 25
x1,2 = ± −6
2 4

5 1
= ±
2 4
5 1
= ±
2 2
x1 = 2, x2 = 3

Einsetzen von x1 = 2 in die Gleichung ergibt: 2 = 10 − 6. Also ist
√ x1 = 2
eine Lösung. Einsetzen von x2 = 3 in die Gleichung ergibt: 3 = 15 − 6.
Also ist x2 = 3 eine Lösung.
(d)
√ √ √
1−x+ 1+x = 2
√ √ √
1−x = 2− 1+x

1 − x = 2 − 2 2 + 2x + 1 + x

1 − x = 3 + x − 2 2 + 2x

−2 − 2x = −2 2 + 2x

1+x = 2 + 2x
2
1 + 2x + x = 2 + 2x
x2 = 1

x1 = −1, x2 = 1
√ √
Einsetzen von x1 = −1 in die Gleichung ergibt: 2 + 0 = 2. Also ist
x1 =√ −1 √eine Lösung. Einsetzen von x2 = 1 in die Gleichung ergibt: .
0 + 2 = 2. Also ist x2 = 1 eine Lösung.
(e)
√ √
x − 5 = 2x − 7
x − 5 = 2x − 7
x=2
√ √
Einsetzen von x = 2 in die Gleichung ergibt: −3 = −3. Da hier negative
Wurzelinhalte entstehen, ist x = 2 keine Lösung.
166 6 Lösungen

3.8
(a)

3x + 6 > 9
3x > 3
x>1

IL= {x|x > 1}


(b)

−2x + 5 < 4x + 1
4 < 6x
4
<x
6
 
2
IL= x|x >
3
(c)
2x + 3
>1
x−1
Fall 1: x > 1

2x + 3 > x − 1
x > −4

IL1 = {x|x > 1}


Fall 1: x < 1

2x + 3 < x − 1
x < −4

IL2 = {x|x < −4}


IL= {x|x < −4 oder x > 1}

3.9
(a)
x2 − 5x + 6 < 0
Die Gleichung
x2 − 5x + 6 = 0
hat die Lösungen x1 = 2 und x2 = 3. Da in der Ungleichung das Relati-
onszeichen < steht, folgt:

IL= {x|2 < x < 3}


6 Lösungen 167

(b)
x2 + x − 2 > 0
Die Gleichung
x2 + x − 2 = 0
hat die Lösungen x1 = −2 und x2 = 1. Da in der Ungleichung das Relati-
onszeichen > steht, folgt:

IL= {x|x < −2 oder x > 1}

(c)
x2 + x + 2 < 0
Die Gleichung
x2 + x + 2 = 0
hat keine Lösungen. Folglich ist x2 + x + 2 entweder immer positiv oder
immer negativ. Für x = 0 ergibt sich der positive Wert 2. Also ist x2 +x+2
immer positiv und nie negativ. Deshalb hat die Ungleichung keine Lösung,
und es gilt:
IL= ∅
(d)
−2x2 − 2x − 4 > 0
Dividieren durch −2 ergibt:

x2 + x + 2 < 0

Das ist die Ungleichung aus 3.9 (c) mit der Lösungsmenge

IL= ∅

4 Funktionen
4.1
(a) Den Funktionsgraphen von y = 4x − 1 sehen Sie in Abbildung 6.1.
(b) Den Funktionsgraphen von y = 2, 5x + 1, 5 sehen Sie in Abbildung 6.2.
(c) Den Funktionsgraphen von y = −x + 2 sehen Sie in Abbildung 6.3.
(d) Den Funktionsgraphen von y = − 23 x + 3 sehen Sie in Abbildung 6.4.
168 6 Lösungen

y
4

-1 0 1

-1

-2

Abb. 6.1. Funktionsgraph für y = 4x − 1

y
4

-2 -1 0 1 2

-1

-2

-3

Abb. 6.2. Funktionsgraph für y = 2, 5x + 1, 5

4.2
(a)
P1 = (1; 2), P2 = (2; 6)
Geradengleichung: y = ax + b.
6−2 4
a= = =4
2−1 1
Geradengleichung: y = 4x+b. Einsetzen des Punktes P1 ergibt: 2 = 4·1+b.
Also ist b = −2. Die Gleichung lautet:
6 Lösungen 169

y
4

-3 -2 -1 0 1 2 3

-1

-2

-3

Abb. 6.3. Funktionsgraph für y = −x + 2

y
4

1
x
-2 -1 0 1 2 3 4 5

-1

-2

Abb. 6.4. Funktionsgraph für y = − 23 x + 3

y = 4x − 2
(b)
P1 = (3; 1), P2 = (−1; 2)
Geradengleichung: y = ax + b.
2−1 1
a= =−
−1 − 3 4
Geradengleichung: y = − 41 x + b. Einsetzen des Punktes P1 ergibt: 1 =
− 41 · 3 + b. Also ist b = 74 . Die Gleichung lautet:
170 6 Lösungen

1 7
y =− x+
4 4
(c)
P1 = (0; 1), P2 = (1; 1)
Geradengleichung: y = ax + b.
1−1
a= =0
1−0
Geradengleichung: y = b. Einsetzen des Punktes P1 ergibt: 1 = b. Die
Gleichung lautet:
y=1

4.3
(a)
y = (x − 3)2 − 2
Normalparabel mit dem Scheitelpunkt (3; −2), zu sehen in Abbildung 6.5.

y
8

1
x
-1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9
-1

-2

Abb. 6.5. Funktionsgraph für y = (x − 3)2 − 2


6 Lösungen 171

(b)
y = x2 + 4x + 1 = x2 + 4x + 4 − 3 = (x + 2)2 − 3
Normalparabel mit dem Scheitelpunkt (−2; −3), zu sehen in Abbildung
6.6.

y
4

-4 -3 -2 -1 0 1
-1

-2

-3

Abb. 6.6. Funktionsgraph für y = x2 + 4x + 1

(c) Es erfolgt nur die Bestimmung des Scheitelpunktes.

y = x2 − 5x + 7
 2
5 25
x− = x2 − 5x +
2 4
Damit ist
 2
25 3 5 3
y = x2 − 5x + 7 = x2 − 5x ++ = x− +
4 4 2 4
 
Normalparabel mit dem Scheitelpunkt 52 ; 34 .
(d) Es erfolgt nur die Bestimmung des Scheitelpunktes.

y = x2 − 1 = (x − 0)2 − 1

Normalparabel mit dem Scheitelpunkt (0; −1).

4.4
(a)
y = −x2 + 5x − 6 = −(x2 − 5x + 6)
172 6 Lösungen

Aus  2
2 5 1
x − 5x + 6 = x − −
2 4
folgt:
 2 
2 2 5 1
y = −x + 5x − 6 = −(x − 5x + 6) = − x− −
2 4
5 1

Nach unten geöffnete Normalparabel mit dem Scheitelpunkt 2; 4 , zu
sehen in Abbildung 6.7.

1
x
0 1 2 3 4 5

-1

-2

-3

-3

Abb. 6.7. Funktionsgraph für y = −x2 + 5x − 6

(b)
y = 3x2 + 6x + 9 = 3(x2 + 2x + 3)

Aus
x2 + 2x + 3 = x2 + 2x + 1 + 2 = (x + 1)2 + 2
folgt:
y = 3x2 + 6x + 9 = 3(x2 + 2x + 3) = 3((x + 1)2 + 2)
Nach oben geöffnete und mit dem Faktor 3 gestreckte Parabel mit dem
Scheitelpunkt (−1; 6), zu sehen in Abbildung 6.8.
(c) Es erfolgt nur die Angabe des Scheitelpunktes und des Streckungsfaktors.

y = −2x2 − 4x + 6 = −2(x2 + 2x − 3)

Aus
x2 + 2x − 3 = x2 + 2x + 1 − 4 = (x + 1)2 − 4
folgt:
6 Lösungen 173

y
30

27

24

21

18

15

12

-4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4

Abb. 6.8. Funktionsgraph für y = 3x2 + 6x + 9

y = −2x2 − 4x + 6 = −2(x2 + 2x − 3) = −2((x + 1)2 − 4)

Nach unten geöffnete und mit dem Faktor 2 gestreckte Parabel mit dem
Scheitelpunkt (−1; 8).

4.5
(a)
y = 2x3
Ähnlich wie y = x3 , nur um den Faktor 2 gestreckt, zu sehen in Abbildung
6.9.
(b)
1
y = − x4
2
1
Wie y = x4 , nur um den Faktor 2 gestaucht und nach unten geöffnet, zu
sehen in Abbildung 6.10.
(c)
y = x3 − 2x2
Eintragen der Punkte aus einer Wertetabelle führt zu der Kurve aus Ab-
bildung 6.11.
174 6 Lösungen

y
10

-2 -1 0 1 2

-2

-4

-6

-8

-10

Abb. 6.9. Funktionsgraph für y = 2x3

y
3

-2 -1 0 1 2

-1

-2

-3

Abb. 6.10. Funktionsgraph für y = − 12 x4


6 Lösungen 175

y
4

-3 -2 -1 0 1 2 3

-1

-2

-3

Abb. 6.11. Funktionsgraph für y = x3 − 2x2

4.6
(a)
1
y=−
x
Ähnlich wie y = x1 ; nur müssen die Kurvenäste an der x-Achse gespiegelt
werden.
(b)
2
y=−
x2
Ähnlich wie y = x12 ; nur müssen die Kurvenäste an der x-Achse gespiegelt
und um den Faktor 2 gestreckt werden.
4.7 Eintragen der Punkte aus einer Wertetabelle führt zu den Kurven aus
Abbildung 6.12.

4.8
 x
(a) Den Funktionsgraphen von y = 13 sehen Sie in Abbildung 6.13.
(b) Den Funktionsgraphen von y = −1, 5x sehen Sie in Abbildung 6.14.

4.9 Eintragen der Punkte aus einer Wertetabelle führt zu den Kurven aus
Abbildung 6.15.
176 6 Lösungen

y
4
y = x3
3

3
2 y = √x

1
x
0 1 2 3 4 5


Abb. 6.12. Funktionsgraphen für y = x3 und y = 3
x

y
4

-1 0 1 2

-1
 1 x
Abb. 6.13. Funktionsgraph für y = 3

5 Trigonometrie
5.1
(a)
a + b = 12 > 4 = c, a + c = 9 > 7 = b, b + c = 11 > 5 = a
Also ist ein Dreieck möglich.
(b)
b+c=5=a
Also ist kein Dreieck möglich.
(c)
a+c=3<4=b
Also ist kein Dreieck möglich.
6 Lösungen 177

y
4

x
-2 -1 0 1 2 3 4 5 6 7 8
-2

-4

-6

-8

-10

-12

-14

-16

Abb. 6.14. Funktionsgraph für y = −1, 5x

y
4
y = 3x
3

2
y = log3 x
1

x
-1 0 1 2 3 4 5

-1

Abb. 6.15. Funktionsgraphen für y = 3x und y = log3 x


178 6 Lösungen

(d)
a + b = 6 > 4 = c, a + c = 8 > 2 = b, b + c = 6 > 4 = a
Also ist ein Dreieck möglich.

5.2
(a)
γ = 180◦ − 55◦ − 72◦ = 53◦
(b)
α = 180◦ − 13◦ − 112◦ = 55◦
(c)
β = 180◦ − 34◦ − 48◦ = 98◦

5.3
(a) √ √
c= a2 + b2 = 25 + 49 = 74 ≈ 8, 602
(b) √ √
b= c2 − a2 = 169 − 25 = 144 = 12
(c) √ √
a= c2 − b2 = 289 − 64 = 225 = 15
(d) √ √
a= c2 − b2 = 16 − 49 = −33
Da ein negativer Wurzelinhalt auftritt, kann es kein rechtwinkliges Dreieck
mit diesen Seitenlängen geben.

5.4
(a) Den Winkel α = 30◦ behandelt man mit Hilfe des gleichseitigen Dreiecks
aus Abbildung 5.6. Am Punkt C befindet sich ein Winkel von 60◦ , der
durch die eingezeichnete Höhe auf genau 30◦ halbiert wird. Mit Hilfe des
gleichen rechtwinkligen Dreiecks wie in 5.2.2 folgt:
Gegenkathete 0, 5 1
sin 30◦ = = = .
Hypothenuse 1 2
Für die Höhe des Dreiecks gilt nach 5.2.2:
1√
h= 3.
2
Damit ist √
◦ Ankathete 1
2 3 1√
cos 30 = = = 3.
Hypothenuse 1 2
6 Lösungen 179

Somit ist
sin 30◦ 1
1 1√
tan 30◦ = = 2
√ = √ = 3
cos 30◦ 1
2 3 3 3
und
1 √
cot 30◦ = ◦
= 3.
tan 30
(b) Den Winkel β = 45◦ behandelt man mit Hilfe des gleichschenkligen recht-
winkligen Dreiecks aus Abbildung 6.16.

√2
1

45˚
1

Abb. 6.16. Gleichschenkliges rechtwinkliges Dreieck

Da die beiden Schenkel die Länge 1 haben, folgt für die Länge der Hypo-
thenuse c: √
c2 = 12 + 12 = 2, also c = 2.
Da ein gleichschenkliges Dreieck vorliegt, müssen auch die beiden nicht-
rechten Winkel gleich sein und somit beide genau 45◦ betragen. Deshalb
ist
1
tan 45◦ = = 1,
1
◦ 1
cot 45 = = 1,
1
◦ 1 1√
sin 45 = √ = 2
2 2
und
1 1√
cos 45◦ = √ = 2.
2 2

5.5 Die Berechnung der Werte erfolgt mit Satz 5.2.6.


(a)
1√
sin 135◦ = sin(180◦ − 45◦ ) = sin 45◦ = 2
2
und
1√
cos 135◦ = cos(180◦ − 45◦ ) = − cos 45◦ = − 2
2
180 6 Lösungen

(b)
1
sin 150◦ = sin(180◦ − 30◦ ) = sin 30◦ =
2
und
1√
cos 150◦ = cos(180◦ − 30◦ ) = − cos 30◦ = − 3
2
(c)
1√
sin 315◦ = sin(360◦ − 45◦ ) = − sin 45◦ = − 2
2
und
1√
cos 315◦ = cos(360◦ − 45◦ ) = cos 45◦ = 2
2
(d)
1√
sin 120◦ = sin(90◦ + 30◦ ) = cos 30◦ = 3
2
und
1
cos 120◦ = cos(90◦ + 30◦ ) = − sin 30◦ = −
2

5.6
(a)
37
α = 37◦ ⇒ x = π · = 0, 6458
180
(b)
174
β = 174◦ ⇒ x = π · = 3, 0369
180
(c)
π
π 1
x= ⇒ α = 4 · 180◦ = · 180◦ = 45◦
4 π 4
(c)
2, 35
x = 2, 35 ⇒ β = · 180◦ = 0, 7480 · 180◦ = 134, 65◦
π

5.7
(a)
a = 6, β = 64◦ , γ = 67◦
α = 180◦ − 64◦ − 67◦ = 49◦
sin β sin 64◦ 0, 8988
b=a· =6· ◦
=6· = 7, 15
sin α sin 49 0, 7547
sin γ sin 67◦ 0, 9205
c=a· =6· =6· = 7, 32
sin α sin 49◦ 0, 7547
6 Lösungen 181

(b)
c = 7, a = 6, γ = 77◦
a 6 6
sin α = · sin γ = sin 77◦ = · 0, 9744 = 0, 8352,
c 7 7
also
α = 56, 64◦
β = 180◦ − 56, 64◦ − 77◦ = 46, 36◦
sin β sin 46, 36◦ 0, 7237
b=c· =7· =7· = 5, 20
sin γ sin 77◦ 0, 9744

5.8
(a)
a = 7, b = 5, γ = 52◦
c2 = a2 + b2 − 2ab cos γ = 49 + 25 − 70 cos 52◦ = 74 − 70 · 0, 6157 = 30, 9
Daher ist
c= 30, 9 = 5, 56
a 7 7
sin α = · sin γ = · sin 52◦ = · 0, 7880 = 0, 99,
c 5, 56 5, 56
also
α = 81, 9◦
β = 180◦ − 52◦ − 81, 9◦ = 46, 1◦
(b)
a = 4, b = 3, c = 6

b 2 + c2 − a 2
cos α =
2bc
9 + 36 − 16
=
36
29
=
36
= 0, 8056

Also ist
α = 36, 33◦
b 3
sin β = · sin α = · 0, 5925 = 0, 444,
a 4
also
β = 26, 36◦
γ = 180◦ − 36, 33◦ − 26, 36◦ = 117, 31◦
182 6 Lösungen

5.9 Die Berechnung erfolgt mit Hilfe von Satz 5.4.2


(a)

sin 120◦ = sin(60◦ + 60◦ )


= sin 60◦ cos 60◦ + cos 60◦ sin 60◦
1√ 1 1 1√
= 3· + · 3
2 2 2 2
1 √ 1 √
= 3+ 3
4 4
1 √
= 3
2

cos 120◦ = cos(60◦ + 60◦ )


= cos 60◦ cos 60◦ − sin 60◦ sin 60◦
1 1 1√ 1√
= · − 3· 3
2 2 2 2
1 3
= −
4 4
1
=−
2
(b)

sin 75◦ = sin(45◦ + 30◦ )


= sin 45◦ cos 30◦ + cos 45◦ sin 30◦
1√ 1√ 1√ 1
= 2· 3+ 2·
2 2 2 2
1√ 1√
= 6+ 2
4 4
1 √ √
= ( 6 + 2)
4
= 0, 9659

cos 75◦ = cos(45◦ + 30◦ )


= cos 45◦ cos 30◦ − sin 45◦ sin 30◦
1√ 1√ 1√ 1
= 2· 3− 2·
2 2 2 2
1√ 1√
= 6− 2
4 4
1 √ √
= ( 6 − 2)
4
= 0, 2588
6 Lösungen 183

(c)
sin 195◦ = sin(120◦ + 75◦ )
= sin 120◦ cos 75◦ + cos 120◦ sin 75◦
1√ 1
= 3 · 0, 2588 − · 0, 9659
2 2
= 0, 8660 · 0, 2588 − 0, 5 · 0, 9659
= −0, 2588

cos 195◦ = cos(120◦ + 75◦ )


= cos 120◦ cos 75◦ − sin 120◦ sin 75◦
1 1√
= − · 0, 2588 − 3 · 0, 9659
2 2
= −0, 5 · 0, 2588 − 0, 8660 · 0, 9659
= −0, 9659
(d)
sin 15◦ = sin(45◦ − 30◦ )
= sin 45◦ cos 30◦ − cos 45◦ sin 30◦
1√ 1√ 1√ 1
= 2· 3− 2·
2 2 2 2
1√ 1√
= 6− 2
4 4
1 √ √
= ( 6 − 2)
4
= 0, 2588

cos 15◦ = cos(45◦ − 30◦ )


= cos 45◦ cos 30◦ + sin 45◦ sin 30◦
1√ 1√ 1√ 1
= 2· 3+ 2·
2 2 2 2
1√ 1√
= 6+ 2
4 4
1 √ √
= ( 6 + 2)
4
= 0, 9659

5.10 Die Berechnung erfolgt mit Hilfe von Satz 5.4.2


(a)
sin(2α) = sin(α + α)
= sin α cos α + cos α sin α
= 2 sin α cos α
184 6 Lösungen

(b)

cos(2α) = cos(α + α)
= cos α cos α − sin α sin α
= cos2 α − sin2 α
Literaturverzeichnis

L. Kusch:. Arithmetik und Algebra, Cornelsen Verlag, Berlin 1999


L. Kusch:. Geometrie und Trigonometrie, Cornelsen Verlag, Berlin 2001
Th. Rießinger:. Mathematik für Ingenieure, Springer Verlag, Berlin, Hei-
delberg 2003
Th. Rießinger:. Übungsaufgaben zur Mathematik für Ingenieure, Springer
Verlag, Berlin, Heidelberg 2004
Sachverzeichnis

Additionstheoreme 146 quadratische 69


Ausklammern 13, 15 Wurzelgleichungen 80
Ausmultiplizieren 10
Hyperbel 117
Binomische Formeln 17 Hypotenuse 130
Bogenmaß 139
Bruchrechnung 3, 21 Kathete 130
Klammerausdrücke 6
Cosinus 132 Addition 7
Cosinussatz 143 Multiplikation 9
Cotangens 132 Kürzen 25

Dezimalzahlen 6 Logarithmus 56
Dreieck 126 Addition 57
rechtwinkliges 129 Division 57
Seiten 126, 127 Multiplikation 57
Winkel 126, 129 Potenzierung 57
Logarithmusfunktion 122
Dreiecksberechnung 140
Cosinussatz 143 Menge 1
Sinussatz 140
Normalparabel 105
Erweitern 25
Exponentialfunktion 120 p,q-Formel 72
Parabel 105, 114
Faktorenzerlegung 15 Potenzen 33
mit p, q-Formel 76 Addition 34
Funktionen 95 Division 37
lineare 96 mit negativen Exponenten 37
quadratische 104 Multiplikation 36
Potenzierung 39
Gerade 98 Potenzfunktion 120
Gleichungen 63 Pythagoras 130
biquadratische 77
lineare 64 Satz des Pythagoras 130
188 Sachverzeichnis

Scheitelpunkt einer Parabel 106 Tangens 132


Sinus 132 Wurzelexponent 44, 45
Sinussatz 140 Wurzelfunktion 118
Steigung einer Geraden 99 Wurzeln 44
Addition 45
Tangens 132 Division 47
mehrfache 51
Ungleichungen 85
Multiplikation 46
lineare 85
Potenzierung 49
quadratische 89

Winkelfunktionen 132 y-Achsenabschnitt 99


Beziehungen zwischen den Winkel-
funktionen 138 Zahlen 1
Cosinus 132 ganze 2
Cotangens 132 natürliche 1
Sinus 132 rationale 3