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Ba s i c s Mac OS X

© Franck Boston, 123RF

Linux-Software auf dem Mac

Der Mac-Pack
Mac OS X ist ein richtiges Unix-System mit einem BSD-Stammbaum, das auch bei Linux-Usern immer mehr An-
hänger findet. Mit den passenden Paketmanagement-Tools und Repositories müssen Sie nicht auf die gewohnten
Kommandozeilen-Programme verzichten. Juliet Kemp

Wer einmal auf einer Linux-Konferenz sich vorher also die Paketlisten genau Macports funktioniert ähnlich wie das
war, wird bestätigen können, dass eine ansehen. Es ist allerdings auch möglich Ports-System der BSD-Betriebssysteme,
nicht gerade kleine Zahl von Linux-Fans beide Paketsysteme zu verwenden. Auf kompiliert also Programme aus dem
als Laptop ein Apple-Gerät verwendet. meinem Rechner fristen Macports- und Quellcode. Deshalb brauchen Sie Xcode
Selbst diejenigen unter ihnen, die das Fink-Pakete in friedlicher Koexistenz ihr beziehungsweise den damit installierten
mitgelieferte Mac OS X nicht durch Linux Dasein. Es könnten allerdings Probleme Gnu-Compiler, die Sie entweder auf der
ersetzt haben, müssen auf die gewohnten auftreten, wenn man versucht, das glei- Installations-DVD von OS X finden oder
Unix-Tools nicht verzichten. Projekte wie che Paket mit beiden Systemen zu ins- von der Apple-Developer-Website herun-
Fink und Macports bringen die Komman- tallieren. terladen können [3]. Fink braucht kein
dozeilenprogramme auch unter OS X zum Ein großer Teil der per Fink und Mac- Xcode, um Binärpakete zu installieren,
Laufen und haben dafür eigene Paketma- ports installierbaren Software mit einer für Installation aus den Sourcen aller-
nagement- und Verwaltungs-Tools. grafischen Benutzeroberfläche setzt das dings schon.
X11-Window-System voraus – wer nur
Wettlauf Commandline Tools verwenden will, Fink
kann darauf verzichten. Das X11-Paket
Macports [1] ist mit knapp 6000 Paketen befindet sich bei älteren OS-X-Versionen Fink ist kinderleicht zu installieren. Laden
das umfangreichere der beiden Projekte, auf der Installations-DVD, ab Leopard Sie einfach das Paket von der Homepage
während Fink [2] nur gut 3000 Stück wird es mit dem Betriebssystem mitins- und durchlaufen Sie das Installationspro-
führt. Trotzdem gibt es bei Fink einige talliert. Bei 10.4 (Tiger) legen Sie die DVD gramm. Das Skript, um die Kommando-
Pakete, die bei Macports fehlen. Wer ein, klicken auf »Optionale Pakete« und zeilenumgebung einzurichten, sollte am
eine bestimmte Software braucht, sollte dann »X11«. Ende der Installation automatisch aus-

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Mac OS X Ba s i c s

Probleme auftreten Das Entfernen eines Pakets übernimmt


wie eine inkonsis- »sudo port uninstall Paketname«. Eine
tente Paketdaten- GUI gibt es für Macports nicht, aber im-
bank, einfach das merhin existiert für das Port-Kommando
ganze Verzeichnis eine Manpage.
mit »sudo rm ‑rf
/sw« zu löschen Fazit
und Fink neu zu
installieren. Fink und Macports machen beide ihre
Sache gut. Wer unbedingt eine grafische
Macports Oberfläche haben will, sollte Fink ver-
wenden. Abgesehen davon ist die Bedie-
Um Macports zu nung beider Programme auf der Kom-
installieren, laden mandozeile sehr ähnlich. Wer von Debian
Sie zuerst das Disk­ oder Ubuntu kommt und Apt kennt, wird
Abbildung 1: Der Fink-Commander bietet eine grafische Umgebung zur -Image von der sich bei Fink zu Hause fühlen. Macports
Verwaltung der Fink-Pakete. Website herunter. ähnelt eher dem Paketmanagement der
Das Installations- BSD-Familie.
geführt werden. Von Hand können Sie programm sollte Ihre Shell-Umgebung Die Suchfunktion von Macports hat in
es im Terminal mit »/sw/bin/pathsetup. automatisch anpassen, aber Sie müssen Fink keine ebenbürtige Entsprechung,
sh« ausführen. Jeder Anwender auf dem eventuell nach der Installation das Ter- dafür expandiert Fink Wildcards in Pa-
System muss das Skript selber ausfüh- minal-Programm neu starten, damit die ketnamen. Macports führt fast doppelt
ren, da es keine globalen Einstellungen Änderungen wirksam werden. soviele Pakete wie Fink, dafür dauert
verändert. Zum Start geben Sie in einem Die Paketlisten der Repositories aktuali- die Installation eines Pakets länger, weil
Terminalfenster ein: siert der Befehl »sudo port selfupdate«. es aus dem Quellcode kompiliert wird.
Das sollten Sie am besten jedes Mal Weil die beiden Systeme unterschiedliche
fink scanpackages
fink index
ausführen, bevor Sie mit Macports ein Verzeichnisse verwenden, kann man sie
Programm installieren. Ein neues Paket auch gleichzeitig verwenden – nur eben
Ein Update des Fink-Tools übernehmen installieren Sie mit »sudo port install Pa- nicht das gleiche Paket mit beiden instal-
die folgenden beiden Zeilen: ketname« (Abbildung 2). Abhängige Pa- lieren. So kann man von der schnellen
kete lädt Macports selbständig nach. Die Fink-Installation profitieren und auf das
sudo apt‑get update
sudo apt‑get install fink
Installation kann durchaus einige Zeit größere Angebot von Macports zurück-
dauern, weil Macports ja alles aus dem greifen, falls einmal ein Paket in Fink
Jetzt können Sie jedes gewünschte Paket Quellcode kompiliert. fehlt. (ofr) n
mit »sudo apt‑get install Paketname« ins- Wenn Sie ein bestimmtest Paket suchen,
tallieren. Wer lieber mit einer GUI arbei- können Sie »sudo port search Suchbe-
tet, sollte sich Fink Commander ansehen griff« verwenden. Sie können auch ganze Infos
(Abbildung 1). Damit genügt es, mit der Paketgruppen installieren, zum Beispiel [1] Macports: [http://​­www.​­macports.​­org]
rechten Maustaste auf das gewünschten installiert »sudo port install category:net« [2] Fink: [http://​­www.​­finkproject.​­org]
Paket zu klicken und »Binary | Install« gleich alle Netzwerkprogramme. Um vor- [3] Apple Developer Site:
zu wählen. her eine Liste zu erhalten, geben Sie »sudo [http://​­developer.​­apple.​­com]
Ist Xcode installiert, kann Fink Pakete port echo category:net«
auch aus dem Quellcode übersetzen. Das ein. Genauso wie Fink
geht im Fink Commander über »Source lässt Macports die
| Install«. Auf der Command Line über- Apple-Verzeichnisse
nimmt das der Befehl »fink install Paket«. in Ruhe und installiert
Die Binärpakete sind nicht immer auf seine Software in »/opt/
dem neuesten Stand, deshalb ist gele- local«. Auch bei Mac-
gentlich der Weg über den Quellcode ports kann das gesamte
nötig. Ein Aufruf von »apt‑get remove Verzeichnis einfach ge-
Paketname« entfernt ein installiertes Pa- löscht werden.
ket wieder. Eine Liste der instal-
Fink installiert seine Paket unterhalb des lierten Software liefert
Verzeichnisses »/sw«, gerät also mit den »sudo port installed«,
Standard-Paketen von Apple nicht in Kon- ein Upgrade veralteter
flikt. Deshalb ist es auch kein Problem, Pakete läuft über »sudo Abbildung 2: Installation des Postscript-Tools »a2ps« über Macports auf
wenn irgendwelche schwerwiegenden port upgrade outdated«. der Kommandozeile.

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