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0ermainfcf)e -öeiltatümev
^Jlbb. 1. ^tn bciligcu ipaiii (^i^ciftrupcv 2öalb)
Jöciträge Stil? ^ufbecfung ^er
ati^gclienb Don ben (Sjttetnilemen, t)en Sippeqticllen
un^ bet? Xeutoöurg -

Stt'ßtf«/tt«^M unb öcrmcl^rfe ^(«ffagc


93tcrtcö biö fteBenfcß ^öufcnb / SHtl 81 ^^bbtlbungcn «nb 1 ^artc

(S u g c n ® t e b c r i d) b SS e r 1 a g t n 3 « « « 19 3 1
Printed in Gerrnany
m\t Siechte, m^tjefcnbrre ta« ber Übafe^ung^
Copyright 1951 by ßugen ‘$)tfb«icl^ö Verlag in 3ena
®er Q5erl{ncr @cfeEf(^aft
für @cfd){d)te ber £(^afurtt)ijTenfd)affcn SJ^ebijtn unb'?«d)nir
banfbar gcwtbmef ^
^n, einer Öer Sefprecfiungen ber erften,2luflage:ötefe§ S3u(fie§ toirö bon mir ge-
v^fogt: „Sa er mit bem Slid aufs ©anse ßegann, bermptf)te er bann febeS einzelne,
baS er fanb, finnboE als ©lieb beS ©anjen gu beuten." netime baS barinliegenbc
Sob an. SBenn mein Sutf) Sbtereffe.unb Sreube an unfeter berbunfelten unb Iläglid)
berriac^Iäffigten germanifc^en SSergangenbeit.toac^gerufen bat; fo mirb baS freilicE)
bem gu berbanfen fein, bafe itf) alleS mit be'm gleiäigeitigen t81 i c£ a u f b a;§ ® ei n 3 e
gefebrieben habe. ®r beruhte barauf, bafe i^ beranIa6t burcb ben ÜberbIicE über
bie ©rgebniffe ünb SIrbeitSmetboben ber berfebiebenen an. ber ©ermanenfunbe be*
teiligten ßinseltoiffenfcbttften einfcbliefelicb ber .SSererbungSlebre bie unhaltbar ge-
toorbene alte Stuffaffung bom ©ermanentutn er£annte;unb bon ber mir berfönlicb
am liöcbften liegenbeu gentralen religiöfen grage auS burtb eigene 3iocbforfdbung
überprüfen tooHte. batte baS ©lütf, feit einigen Sabren ein eingigartigeS Unter«
fudbungSobfeft — ben ©jternftein — in ber iEäbe au haben, in tbel(^em in getogltig-
beutlidber fteinerner Urfunbe eine Slnttoort auf mistige unb toidbtigfte ©runbfragen
ber germdnifebert ©efcbi(bte beftbloffen liegt, unb burdb beu ber Slicf aufS ©ange
gerabegu berauSgeforbert ibirb. ^ v^,;, '; . v
S3eibeS tut not, ©pegialifteritum unb ber S3Iid£ aufS ©ange. Ohne baS ©pegia-
liftentum hätte bie SBiffenfcbaft unferer Seit nie unb mimmer ihre erftaunlidben Sort-
febritte machen fönnen. ©ine Softorarbeit über bie SttmungSorgane ber ßarben ber
firiebelmücfen toirb nur bem überflüffig 'erfcbeinen> ber fi(b boh ben mühfamen, aber
. notloenbigen. 3Segen ber Biologie gur SrfenntniS ber ßebenSborgönge feine Sßor-
fteHung madben fann. SabHoS finb im SBilbc ber ©efamttoiffenfdbaften bie ©onber-
gebiete, auf benen fluge unb fleißige SKenfdben ihre abgegrengte Slufgabe haben,
über bie fi(b ihre ©adböerftönbigfeit nidbt binauSgutoagen braucht. Ser ©teingeit-
ardböologe mirb eine beftimmte Stnttoort ablebnen, n)enn ihm römifdbe' ^eramif bor¬
gelegt mirb; ber ©ermanift für ^nbogermanifch halt mit feinem Urteil gurüdE, toenn
eS .fidb um eine grage beS Stngelfödbfifdben banbeit. SaS ift loeit entfernt babon,
einJBortourf gu fein. '
3Iber auch, menn mir bom ©pegigliftentum innerhalb einer SSiffenfehaft abfeben,
fo muh -i- im Surchfehnitt gefeben — ber SSertreter eines ber großen SBiffenSgtoeige
im’SSerbältniS'gum ©angen als ein ©onberling gerechnet toerben, loaS mieberum
natürlich nichts meniger als einen SSortourf bebeutet. ^a, eS ift ©chtdEfal, bafe febe
ftarf übertoiegenbe langföbrige .SSefdböftigung mit abgegrengten Stufgaben neben
einem oft unberfennbaren aEgemeinen ©epröge bem SJtenfchen auch eine beftimmte
SerufSperfpeftibe aufbröngt. SBer bann fein Stuge nicht mit: gäber Slbfi^tlichfeit
über bie SerufSperfpeftibe binauSgureichen getoöbnt,'bem bleibt ber S3IidE aufS ©ange
getrübt. ©0 mag benn mein SebenStoeg, ber mtdb burdbfdinittlicb aEe fiebenSabre meine
SebenSaufgabe;mechfeIn lieh, — unb gmar in tbefentlich gufammenbängenber innerer
©ntmicEIung—-neben iliadbteileu auch benSSorteil gebracht haben, bah mir ein58Iicf aufS
©ange ohne berufSbeftimmte SSeeinfluffung gugetraut unb gugefchrieben toerben.fann.
SebenSfübrung unb Steigung liehen bie Hauptfrage no^ bem biSbongep ®efdbidE
unb- noch ber Sufunft unfereS beutfehen; SSoIfS * nicht ruhen. SaS: kommen beS
©briftentumS, fein ©influh auf bie ©ntmicEIung unb baS Ergebnis nach 1150 Rohren,
1 S:CUtit, ®ermanifdöc ipeUigtÜmer
2 , 1. SSarum unb SSie
bie ©eftdtung ber foaialen unb futturlt(5en SSer^iältntfie, ber einflufe be§ natur* ,
lüiffenfcöaftlt^ien Senfen§ auf ba§ : (SefamtgeifteSleben, bie Sirieggfataftrotifje mit
nai^folgenber tjolitifäier Sage nac^ innen,unb nadE) aufeen, ba§ aSeItbürgertum unb
ber gegentoärtige feelifc^e ^uflanb ■nnfereS JBoIfä, — maren bie Sliemen meiner
@tubien:geh)efen.:,,:-'7,'
®abei fbnnt? bie gfrage nitf)t Qu§5Iei6en, ob tood bie ateeifelloS a u 4) in ber miffen-
fdjaftlitfien gortentoidlung enthaltenen, bem f e e I i f tfi -e n ©ebeihen förberlicben
ajiomente in gebührenber f e e l i f ch güfbauenber aßeife, b. f). in ber gfüchtung auf
mertbolle $otf)aieIe, bertoertet toorben finb. ■ SDenn toa§ mahr. ift, mufe ja botf) auch
gut fein; toenn e§ anber§ mirlEen fonte, :!onn bg§ nur auf menftf)Iid)e,n Unberftanb
aürüdawfiibren fein. Sa§ mar bie Srageftenung in meiner ^eblerbunbaeit. -
2ßo ernfte iKönner fich mit biefen ernften fragen beftf)äftigen unb ben Stiebergang
auf ben bisherigen ©ntmidlungsmegen fehen, ba gibt e§ feine Hoffnung auf eine
lichtere Sufunft, ja auch nur auf bie erhaltung unfereS aSoIfStumS ohne innere
® r'n edxr u n g;'" 'z
atber ift e§ nicht f^on fo meit, bafe ber Stuf nach innerer ©rneuerung eine leere
gorberung bleiben muh, bon meIcher (Seite auch immer angefafet mirb? Sft e§ nicht
fo, als ob mir unS in einem fehlerhaften greife bemegen? 5Denn fchon autn ^Betreten
eines SSegeS burch ben einaelnen mie burch bie SJtaffe, auf bie eS feht ja 'leiber
fchliefelich anfommt, bebarf es nidht nur ber freubigen ainerfennung eines erftrebenS-
, merten SieleS, fonbern eS: gehören baau auch innere Strafte beS ©ntfchluffeS unb beS
aSeharrenS, bie nicht mehr ba au fein fcheinen. aSon mo foHen bie inneren Kräfte
fomnten, an bie anaufnübfen märe? Steligion, (Sittengefeh, SlechtSfinn, aSaterlanb,
a3erufSäucht, @efoIgStreue, aSermatf)fung mit bem Heimatort, gamilienhalt — mer
fann heute (immer auf ben für unfer @efchi(f nodh maßgeblichen SKaffenburchfchnitt
gefehen) auf feelifche Kräfte bauen, bie auS biefen ^raftguenen fließen fönnten unb
foEten unb einft floffen? Sticht eilig genug haben ja bie im aSoIfe bisher fieghaft
gebliebenen SOtächte ihr aSerf bonenben fönnen, unb bie ©efeßgebung ift, überaH
gefolgt. aSaS bie Snhre 1789, 1848 unb 1918 an ©utem hätten bringen fönnen, ift
in menfchlicher aSerirrung erfticEt. ^^^^^^^^^ ^ ^ ^ y
Sennoch ift unS ein noch unberbrauchteS hohes ©ut geblieben, unberbrauchh meil
es in ber uns befannten toufenbjährigen ©efchichte noch niemals bemußt, folge¬
richtig unb ftetig eingefeßt morben ift, meber in frieblichen Seiten noch in ben ©afeinS-
fämbfen, meber in ber bolitifchen noch in ber fulturlichen ©ntmicilung.
®aS ift bie beutfche ©igenar t, b. h- bie mefenhaften ©onberfräfte, bie (Domi¬
nanten ber feelifch-geiftigen©truftur in ihrer boIfSmäßigenSfuSbrägung. Sliefer
Sug beS aSIuteS, mie mir bie ©igenart: auch nennen fönnen, naturhoft unb gott¬
gegeben, beeinflußt, menn er nicht unterbrüdt mirb, S)enfen, fühlen unb aSoIten.
©r aieht über Tgemmniffe inbibibueffer unb aEgemeiner SIrt hinineg bormärts au
ben in feiner Stichtüng liegenben guten unb fchlechten Sielen, ©r iß bie naturge¬
gebene ©nergiegueEe für ^ochäiele, ohne ben nur ßranfhafteS erreicht merben fann.
(Der Sug beS aSIuteS ift im (Deutfchen berfchieben ftarf, je nach bem IDtaße ber ©in-
mifchung fremben (SluteS, an ber naheau feber Seutfdhe beteiligt ift, aber im ganaen
nod) fo übermiegenb germanifch, baß mit ihmdlS mit einem greifbaren gaftor ge-
7 rechnet merben fann. (
Seutfcfie ©igenort ' 3

Strofe berljöngiiiSboner 9Jttf)tatf)titng unb UnterbriicEung ift ber a3Iul§trieB nie


gan3 tot getoefen. SBie fcBnelt er loteber erioecft toerben fann, Bat fi(^ 1914 gejetgt.
©r ringt fort unb fort nodB Befreiung, inenn autf) oft in Bebenfli^en ■ formen, in
ouSföHigen 23fofeen, au unbebotBtfamen Sielen, tDeil toeber öerantto
.fuBrung nodf) , SSiffenfcBoft' nodB tonangeBenbe Sitte, iBh gu erfennen, au tDerten>
in mögli(f)en unb erfBriefelitfien BaBnen au Bolten unb an nuBen Bereit getoefen ift.
Sm Stitertum toirb feine Bertoertung im: allgemeinen unBetoufet ‘ unb felBftber-
ftönblid) Bor fid) gegangen:fein,.toie e§. au§ etlidBen un§ üBerIieferten':Steben germa-
nifd)er SO^önner BerauSIIingt. Seit elfBunbert ^ ^aBren oBer; mor bie Stimme be§
S3Iute§ aunödBft Betoufet, ■ bann unBetoufet fJblitifdE), fird^IicB, funftlidB,’; fulturlidB au§=
gef(BaItet, in ber IReinung ber SKinbertoertigfeit be§ ©ermdnif^en
fofern nid)t bem 9£ufBäumen ber: germanifdBen Seele auf ©inaelgeBieten Sugeftänb-
niffe gemacBt toerben mufeten. Ungerufen unb ungetonnt Bat fie ficB üBeraa einge-
fdBIidjen, felBft toenn iBr ber Su0atig nacB SKögIitf)feit berBaut mar, ober toenn iBr
©influfe nur in berfdBroBenen SeitungSröBren Beranfotnmen fonnte. ©§ gibt fein
ibeoIeB S;un be§ 9KitteIaIter§, unb ber Beuaeit; on beffen StreBen' unb Saftanbe-
fommen ber Sug be§ @ermanenBIute0 feinen Slnteil geBaBt Bätte. Sarum finb mir
nodB nicBt gana unbeutfcB gemorben.. : T - ^ ^
3110 OBfeft, ber SBiffenfd)aft Bat ber naturBafte Sug ‘be0 JSIute0 in 'feiner Ber-
fd)iebenartigfeit Bei ben berf^iebenen BöIfern nbdB feine ober nur eine geringe
9ioIIe geft)ieIt. ®ie ©rörterungen finb meift uBer bie groBe UnterfcBeibung amifcBen
ben berfdjiebenen Baffen unb üBer gelegentlidie äufeerungen au bem Sßeiteren fomie ■
banfen0merte SlnföBe nidBt'.meit Binau0gefommen. Sie ultrabioletten StraBIeni ba0
Babium, ba0 ©erüft ber Sltome finb Bon ber SBiffenfcBaft ber BerBorgen
riffen; bie Struftur .ber Seele eine0 BIut0BerBunbenen BoIf0 in iBrer BefonberBeit
Barrt ber miffenfcBaftlidjen 'Darlegung. . ' ^
3Ber moHte bie ScBmierigfeit einer foIcBen SIufgaBe Berfennen, ;aumal e0 gerabe
auf biefem ©eBiete gar feine einBeitlidBe internationale SSiffenfdBaft geBen fann,
aBgefeBen Bon äußerer BietBobif, bie ein Bolf Bon bem anberen lernen fönnte?
3IudB ber Beftgemeinte BerfucB einer internationalen BöIferBfBcBoIggie mürbe bie
Bid}tigfeit ber SBenglerfcBen ©ebanfen üBer bie UnmöglicBfeit be0 gegenfeitigen
BerfteBen0 ber Bölferfulturen offenBaren. SIBer mir BraucBen fa audi feine Unter»
fudBungen mongoIifd)er, orientaIifcBer ober romgnifcBer ©eIeBrter ÜBer bie tiefften
beutfdBen aBefen0trieBe., Unb menn ein ®eutfd)er ben framBfBafteh BerfucB unter"
näBme, an bie tiefften '©igenfdBaften ber beutfcBen Seele einen aagemeinen ober
anberen BöIfern entnommenen BtafeftaB au legen, um aae0 auf einen gleidien ©ene-
ralnenner au' Bringen, fo mürbe er babürd) fein eigene0 beutf(Be0 SlngeficBt' aur
SraBe Beraerren. SBir Braud)en ■ Beaditung, STcBtung unb Beurteilung ’ber beutf(Ben
Seele nicBt mit Berftänbni0lofen, fonbern berftänbni0BoIten Sinnen.
Btit bem Blid ouf biefe BoIf0BfB^oIogifcBen fragen BaBe icB in ben leBten'^aBren
in bie alte ©efdiicBte unfere0 Bolf0 Bon etma 850 ;rüdmärt0 einaubringen gefud)t.
Sd) mollte bie ©efcBidüe mit b e n Slugen feBen, mie' fie burcB bie neueften miffen-
fdBoftlicBen ©rfenntniffe (einfdiliefelid): ber Senfmäler-, Bt^tBen^ SBmBoI^^^^^
fdBaft0forfeBung unb BererBung0leBre), ba0 SeBen gelernt BaBen. ■
SoBei mar e0 eine intereffante SelBftBeoBadBtung, mie fid) ftörenb immer einmal
4 1. SBarum unb 3Bie

iDteber bie bon früt)fter ^UGenb bi§ in§ Stiter in meinem §irn aftib mirffamen
.SUorauSiefeungen unb Urteile über Xun unb ©enfen, .SluSfeben unb Sebengtbeije
unterer SSorfobren in mein SSorbaben bereinbrängten. ®§ banbeite ficb um eine
toeltanjcbaulicbe UmfleCung. ®a§ SSorbaben n)ar:,,SSorau§tebung§Iofigteit, ftrenge
Obiettibitöt, Jritifibe SSorficbt, boHe greibeit bon foltfien bisherigen SInfcbauungen,
bie ni(bt burcb eintoonbfreie Seugniffe erhärtet, burtf) ftrenge f^Iüffige SBetneife^ ge-
monnen ober burtb ßbibeng gefiltert finb, baS oKeS aber unbefcbäbet beS StecbteS ber
§^potbefe unb ber unentbehrlichen logifcben SSorftellungSfraft. S)ie§, Ißorbaben ift
toeit fchtbieriger, alS ber jibilofobbifäie Soic onäunebmen geneigt ift. Üticht feiten
tut . ein faft gelnaltfameSvSIufraffen au .bem erforberlicben .SCuSficbberauSfeben. not.
,®§ ift auch nicht auSäutommen ohne bie Unterftenung ber DtichtigEeit einer fehlest-
binnigen Umfebr benfgemobnter UrteilSreiben; ■^
3toei Seifbiele biersu, bie nur aI§ -tbeoretifche 2Irbeit|bbbotbefen anaufeben jinb.
3ünächft ein einfaheS nu§ ber Höhenlage ber realen Kultur unb beS praEtifchen
ßebenS. •'■' ' ^ ^ .
. 3lIte:S8orftenung'eines ObfermabB unferer SSorfabren: Ißrtmittbe unb unberftanb-
liche ©ebräuche. Urmüchfige, trofeige unb Ibilbe ©eftalten, SBalbmenfchen. UnboII«
ftänbige, meift örmliche SeEIeibung; fchlecht berarbeitete gelle; hbantaftifebe Fracht.
©robeS S3enebmen. Unmelobifcher ©efang, raube fehlen. ®aS ganae IBilb toenig
fljmbatbifch unb frembartig, öbniieb toie baS Silb eines 3igeunerIagerS.
®iefe SSorftertung toanbelt ficb nah Streichung fämtlicher unerlbiefener IßorauS-
febungen, nach Eritifher SBertung aller einfcblägigen UEachrichten, nach JSerücEfich'
tigung ber ßebren ber SSererbungStoiffenfehaft, nach SSergleichung mit gleichaeitigen,
toabrfcheinlich geiftig nicht überlegenen SSöIEern unb nach Einfügung ber bfbihalo*
gifchen, fotoie ber auS ber jißrajis fich ergebenben fftottoenbigEeiten febr toefentlich
unb Eann au einer anberen SSorftellung eines ObfermabB unterer tBorfabren führen:
SSertraut anmutenbe geftgebräuche. ©ute, auch mäfeig gute, fchlichtß/ auch bornebme
©eftalten ber Männer unb grauen. SBoblgebflegteS feftlicheS SInfeben. .Meibfame,
toollftänbige Fracht, aum Seil gute ©ebneiberarbeit, ©toffe auS Seinen, SBoHe, .ganf.
5J5eIatDerE, entrt)eber als Verbrämung ober als Mäntel fe nach ber ^^abreSaeit (SIbb. 78).
Ifteicher ©olb-, ©über-unb ErafchmucI befonberS ber grauen, auch Eifenfehmuef.
SBoblbabenber Einbrud. ©emeffeneS Venebmen unb freunbliche lebensfrohe^^al-
tung.' grifcher, auSbrucESboIIer, meIobifcber ©efang, auS bem unfere heften, bertrauten
VoIESliebermelobien uns entgegenEIingen; Begleitung burd) fein erfunbene, toobl“
tönenbe ^nftrumente. ®aS ganae Bilb heimatlich anmutenb, toie toenn ber boutige
©täbter einem SSoIESfeft in bem abgelegenen ^eimatftäbtehen feines VaterS beimobnt.
Ein atoeiteS, bie ©eifteSEuItur betreffenbeS Beifbiel. ©etoobnte ttrteiisfolge: Bud)-
ftabenfehrift im ©ebrauch einer SInaabl gelehrter ober gefhulter Berfonen aur @e=
febgebung, aur Sichtung, aur ©efchihte unb in fribaten BebarfSfällen — folglich
Mugbeit, SüchtigEeit, fittliher SBert unb hohe Kultur biefeS SSoIEeS.
■ Bene Urteilsfolge: 3eichenbilber für ^been im ©ebrauch ber religiös SenEfomen;
ungefchriebeneS IRecht, berubenb auf bem fJiechtSembfinben ber ganaen füechtSgemeinbe
unb ber Entfebeibung beS ertoäblten StichterS; bidbterifch geformte unb überleuchtete
BoIES. unb ^elbengefchichte im geiftigen Befib unb im Munbe aller — folglich burch=
geiftete böbere BoIESEuItur. v ■ —^ ' ,
SDo§ 9^ecöt 5er übert)'rüfung ^ 5

®a§ toiffenf^aflltcEie Sftetfit, irgenbetner Xfiefe ober Se£)re gioedS Überprüfung


einmal eine foli^e Stntitbefe ober Oegenlebre gegenüberauftellen, mie e§ in ben beiben
Seifpielen gefcbiebt, fann niü)t beftritten toerben, ®a§ erfte 58eifpiel unterliegt
gefdbidbtlicber, bg§ atoeite gefcE)itf)tBp£)üofopbifcE)er unb fittiict|*ibealer Beurteilung.
kur menn iemanb awnöcbft g r unb f ä ^li tf) bereit ift, ohne 3flüc£fidE)t auf ba§.
^öhberingen ber ^ $üter bermeintlitf) abgefdjioffener loiffenfcbaftIi(b)er S2BaI)rbeiten
Don bem ibm auftebenben 9ied)t ber StuffteHung üon foltfien ©egenlebren unerbitt*
Ii(I)en Oebrautf) au luatfien, toirb er angefitf)t§ ber bor un§ liegenben SCufgabc bie
nötige innere greibeit, SSorau§febung§IofigIeit unb Blidftfiärfe aufbringen. Bei
einer $robe mirb er erftaunen, in toeldbem SKafee autb unbeatoeifelte ©runbauffaf*
furigen, auf bie fitb in beiben Beifpielen ba§ erfte Urteil aufbaut, einer aureii^enben
Begrünbung entbehren unb bem Sufammenbrudb auSgefebt finb. Su toelcber p r a t •
tif (b en Strt be§ BorgebenS er ficb bann entfcbliefeen toiH, ift eine toeitere grage.
9?a(bbem icb mitf) grunbfäblitf) frei gemacht habe, tbill i^ praftiftf) im allgemeinen
auf■ ba§ erioäbnte Beeilt beraiebten unb in biefem Buche,: ber geltenben 2tnfchauung
Bechnung tragenb, in ben .(SinaelföIIen ba§ Blinimum germanifcher Kultur emnebmen,
tua§ fich au§ ben iefet febon borbanbenen ©rtoeifen ergibt. S)a§ n)iII fagen: ich
unterftelle n i ih t ben fiulturauftanb, ben ich annebmen fönnte, ohne bafe ber Be>
meiS ber ^rrigfeit gefchiihüich ober fonfttnie au führen ift. ^ch lönnte a. B. bie Be¬
hauptung aufftellen, bah bie norbifhen ©ermanen in ber Bronaeaeit — ich meine
bie ri^tig gebenben Böter ber eifettaeitlichen ©ermanen, Bäter, beren leibhaftige
©jiftena nicht äü leugnen ift, unb bie „©ermanen" au nennen ich mir bie greibeit
nehme — an aftronomifchen ßenntniffen bie ^nber, Babplonier unb 4tgppter meit-
au§ ü b e r troffen hätten. Sliefer Sah mürbe nicht um ein ^aar toeniger betoeiSbar
fein, al§ ber üblidbe ©ah, bah bie ©ermanen fene BöIfer barin meitau§ u n t e r •
troffen hätten; benn beibe Sähe finb unbemei§bat, meil ba§ BiIb ber einen Ber-
gleid)§feite überhaupt nicht geaeidbuet merben fann. ^ch tue e§ nicht, obgleich blih=
artige Sichter au§ bem ©eifteSleben ältefter germanifcher Bergangenbeit unfer Stuge
berühren, bie einen folgen ©ah nicht mehr al§ ein aHau groheS SBagniS erfcheinen
laffen. Sßenn fich auch ermeifen follte, bah nur e t n B r u ch t e i I ber aftralmptbo-
logifchen gorfchungen D. ©. BeuterS, Strtbur S)rem§ unb anberer unb ber ©pmbol-
forfebung German SBirtbS befteben bleibt, bann ift bie Bechtfertigung noch meiter-
gebe'nber ©ähe ba. • ^ ^ ^ ; : ' \ \' ^:
Stber ich mieberbole: ich merbe auSgebenb bon ber üblichen SInfehauungSmeife mit;
aüer Borficht, freilich ohne Berleugnung tiarer Bernunftfchlüffe, ©chritt für ©chritt
in ba§ ©unfel ber germanifchen Bergangenbeit einaubringen fuchen unb nidbt§ bor-
megnebmen, mofür feine Begrünbung beigebracht m'erben fann.

Sie ftnberun'gen bie i^ bei bVr Bearbeitung ber ameiten Sfuflage oorgenommen habe,
finb meift ergänaenber SIrt. Öffentliche ober pribate ^ritif bat nur in üntergeorb-
neten Bünften Berdniaffung aü BichtigfteHüngen gegeben. ©§ ift berftäriblich unb
ochten§mert, bah bie grohe Biebraobl ber archäologifchen gachbertreter, ^ochfcbullebrer
unb SBufeumgleiter, bie noch feine ©elegenbeit batten, fich an ört pnb ©teile bon mir
auf ba§ SBefentliche ber Beobachtungen aufmerffam machen au laffen, mit bem Ur-
teil äurücfbält. Um fo unberftönblicher mar eine burch feine £)rt§fenntni§ befchmerte
6- 1. SBarum unb SSie
SBaufd? unb Sogen-erflörung einer Slnsa^)! oftbeutftfier SCrtf)äoIogen gegen .german
SBirtb unb mitfi, bte ficf) bon SBirti) in 9?r. 2: ber 3eitfd)rift „©ermanien"’ eine
t^arfe Surüdtoeifung gefanen lafien mufeten. Stngefic^tS ber im großen unb gangen
obmortenben ©teEung ber Vertreter ber 3Ircf)äoIogie bin aucf) i^ auf baS SfblDarten
unb SBeiterarbeiten angetoiefen, oI)ne äunöd^ft auf eine aüfeitige ®ilfe red)nen gu
fönnen. ®ie ©jternfteintatfadEie um nur bon biefer gu reben — mit ben au§ ibr
gu fcbliefeenben ©cfiluMoIgerungen ift bpcb al§ eine untuiberleglidie, S3eacE)tung for»
bernbe SBafirbeit in ba§ SSIidfelb ber ar^äologifcben 2SiffenfcE)aft eingetreten. ©§
erfcE)eint au§gef(bIoffen, baB fie auf bie Sauer ibre§ einfluffe§ auf ben ©ang ber
toiffenftfiaftlicben SIrbeit beraubt toerben fann. :
Sabireicb unb erfreulich inaren bie auS allen Seilen ®eutftf)Ianb§ mir überfanbten
fachlitfien Seftätigungen. ■ @ie geugen u. a. amb bon ber güHe be§ nod) ungetoertet
in ber beutfdien Sanbfchaft borbgnbenen ard)äoIogifdien fPfaterialS. ©eorbnet in
einem bereits mehrere ^unbert ©cbriften unb SSilber göblenben 3trd)ib harrt ba§
SWaterial feiner StuStoertung burch ba§ junge ©ef(f)Ied)t, toeltheS fid) gu ben greunben
germanifder SSorgefchichte rechnet, ©ine 3?föglichfeit ber SBürbigung beSfelben in
ber borliegenben Bearbeitung tbar mir läber nicht gegeben, fo fehr biefe Sfufgabe gut
©tühe meiner Sähe Iodte.; '_^ ; ^
. Sagegen Bin ich in ber Sage, eine gange Stngahl tbertboller neuer Beobachtungen
unb Unterfuchnngen, bie eine Beftätigung ber aufgefteEten ©öhe für bie hieftge
©egenb bebeuten, eingufügen. ^dh nenne ben bebeutfamen 3^unenfunb in ber unteren
©jternfteingrotte mit feiner burdhfdhiagenben BetoeiSfraft für Sllter unb SBefen
ber ßultftätte (@. 31), bie ^ethi-SIngelegenheit (@. 98), ben gortfchritt ber ^rminful»
frage (@. 48), bie Oefterholger Oftarageftirne (©. 75), baS ©ubenSIau al§ giel ber
geftftrafee (©. 62), ben ©tuhl ber SnfaS (©. 38), einen Bil0erb3efl C®-156), 2Iu§*
grabungen unb: Smibe gut BefieblungSfrage ber ©egenb (@. 82), eine ©rgängung
gur ©efchichte BaberbornS (@. 151), alte Bachrichten gum ^ultdharalter De§ Seiftrufter
SBalbeS (@. 163). Sogu famen bie mistigen neuen Bucherfd)einungen bon 28iffig
(SBpnfrieb), BedeI (©ermanen unb igelten),ilummer (EßibgarbS Untergang)/©dhoof-
häufen (©ingang beS ehriftentum§)%- Böhrig (^eilige Sinien burd); DftfrieSlanb),
Briefe (Ortsnamen), b. Buttel^Beepen (gunbe bon Bunen) — lehtere in begug auf
bie gunbe unb bie SluSführungen beS BerfafferS felbft gur Bunenfrage.
Buch in biefer Bearbeitung folgt bie Bnorbnung beS ©toffeS im mefentlichen bem
©ange meiner fachlichen Beobachtung, mit benen fich bie gugehörigen ©rtoägungen
unb bie barauS gu giehenben Sehren bertnüpfen. Sn neuen gufammenhängen treten
toieberum neue ©eiten ber ©rfenntniffe hingu. Ser Sefer toirb gut tun, baS ange-'
fügte ©ad)regifter gu Bäte gu giehen, toenn et baS gu einem Bunfte ©efagte beiein-
anber haben miE. Sarin liegt ein Bad|teil> aber auch ein Borteil. ; Sch toiE bem Buche
feinen urfbrünglidien Sharofter nicht nehmen, toeil bie Sefer ber erften SIuflage
übertoiegenb barin einen Borgug bor biShonierter theoretifcher ©rörterung gefehen
haben, Sie BuSeinanberfehungen mit ©egnern, bie in ben ifabiteln 15 unb 16 ber
erften Auflage gu finben finb,:faEen fort, unb baS barin enthaltene ©ad)Iiche bon
Bebeutung ift in bie einfdilägigen Slbfchnitte ber neuen SCuflage eingefügt. S»er
1 „®etjnamen", Blätter für gfreunbe gcrmantfcher Borgefc^tchte, Bielefelb, Buchbructerei abornoS
2 ^eria 1929, ©ugen ^tcbenc^§ SSexlag.
^atfatfiengrunbloge . / 7
fid^ über bie ©intoonbe gegen bg§ oftronomifefie ©}utaÄ)ten aur Oefterbolaer Srage
nöber unterriifiten toiC, wolle boI}er bereit SurüdWeifung in ber erften Sluflage
nodblefen.--, ■ ■ v'i-V: ^
aWein Sud) berbonlt fein ©ntfteben unb feine ©igenart perfönUtf)en a3eoE)atf)tungen
an alten ^ultftötten im füblidien Steile be§ SiftfjerlanbeS, Wo bie beiben S'iamen be§
©ebirgeS, £)§ning unb 5t:eutoburger*SSaIb bie ©ebanfen auf bie germanifdie SSer-
gongenbeit ricbten; S3eoba(f)tung reibte fiel) an Seobacbtung, al§ ob mir ein Seitfeil
in bie ^anb gegeben Wäre. Ser aufammengebörige ©toff berlongte nadi aufammen*
■ faffenber SarfteHung.'■
SWebrere ^ultftötten batten offenbar eine mehr al§ örtlicbe JSebeutung, tioran bie
©jternfteine felbft. ©o fam ber ©ebonfe, bafe e§ fidb hier um eine ©egenb banbele,
bie fteb bie einft an biefer ©teile mit ihren ©renaen aufammenftofeenberi germanifeben
©tömme für ihre gemeinfanten Heiligtümer aüSerWöblt batten; fonnte mit ber
Seidbnung eineg einbeitlicben großen ISilbei begonnen Werben.
©ef(bicbtlitf)e fragen, Wie bie natf) ber Seutoburger ©dblaibt unb natf) bem Ser«
ftörer ber Heiligtümer foWie oueb grunbföblicbe gragen; fdioben fid) öon felbft in bie
Unterfuebungen unb ©rWägungen ein.
$8efonber§ ift e§ bie umftrittene föebeutung be§ SBeftfranfenfönigg l?arl für ba§
beutf^e SSoIf geWefen, bie mich bor bie grage ftellte, ob idi ba§ Satfödblicbe, Wa§ id)
bringe, mit gefd)icbtli^en Erwägungen begleiten foüe. Sdl habe bie§ S3ebenfen au§
folgenbem ©runbe aurüdgeftellt.
©acblicb finb bie bereits feit burdb bie ardbäologifcbe gorfebung gegebenen unb
bie nod) au erwartenben .neuen ©rfenntniffe über bie germanifebe SSergangenbeit
im aügemeinen unb über bie germanifeben ÄuItftätten im befonberen in bieler Se«
aiebung fo unlösbar bon ben Säten ßorlS be§;©ro6en unb bon unferer Stnfdbouung
über feine JBebeutung für bie ©ntwidlung ©ermanienS obbängig, bofe eS mir alS
ein unnatürlidbeS SluSeinanberaerren aufammengeböriger Singe erftbeinen würbe,
Wenn icb niibt beibe ©egenftänbe gleicbaeitig bebanbeln Wollte. SaS §Iufbred)en
Wobigeorbneter, geftemfielter unb berfiegelter gefcbiditlidier ©ibranffäcber ift nun
einmal ongefidits unferer Slufgabe nid)t au bermeiben.
Sie SCufWeifung einer ganaen ffteibe neuer Seobaebtungen, beren tatfäd)Iid|e ©runb«
lägen auch bon ben ©egnern nicht geleugnet werben fönnen, ift eS, bie mir ben
©runb, baS Dtecbt unb bie Suberfiebt gibt, hier audb bie grob en grogen auf bem
SBege aur ©rtenntniS ber germanifeben SSergangenbeit au fteüen unb. Wo eS not tut,
in einem bon ber berfömmlicben SBeife abWeicbenben ©inne au beantworten. Stn ben
Sefer tritt bie fliotWenbigfeit heran, feine ©efamtaüffaffung ber Singe in bemfelben
SJtabe nadbaubrüfen, als fie bOn ben neu oufgewiefenen Sotfacben unb ©rfenntniffen
in Slbböngigleit ftebt.
©ern möibte id) burdb biefe ©ebrift mitbelfen,,bab mehr als bisher bie germanifebe
SSergangenbeit bis biu au ben lebten SSuraeln, auf bie unfer böItifdbeS Sofein aurüd«
gebt, unb bis au ben Kräften, bie unfere berbedte ©efdbidbte geftaltet haben, ouf bie
SageSorbnung breitefter Wiffenfibaftliiber Erörterungen gefegt Werbe, unb bafe biefeS
•Sbema bon ber SageSorbnung nidbt Wieber berfebwinbet, als bis in einer bdS Beug«
niS ber SBabrbaftigfeit in fidb tragenben SBeife ein Sllbbrud bön ber beutfdben SSoIfS«
feele genommen Wirb, — ber SCIbbrud, bafe boS beutfdbe SSotf binficbtlicb feiner ger«
8 1. SSarum unb 3Bie
manifcfieit SSergangenlieit ba§ JD t» f e rein e § g r o e n ® e f tf) ici) t § i r r t n mB
ift, gegen beffen Sefeitigung nod^' immer ftarfe ^ Kräfte miram finb.;,
3?Iein Streben gliebert jict) in eine t)orI;anbene ©eifteBbetoegung ein. SSBer 3äf)It
bie i)^amen berer, bie in gleicher 9ti(^tung getoirft biaben .unb noc^ toirfen, fotoobl
innerbalb olB aufeerbolb ber Satf)toiffenf(|aften?. ,9^ ift, ab gef eben üqn ben ©insei«
beobacbtungen, bieKeitfit bie betonte @egenuberfteIIung. J?arlB mit ben bon jf)m 3et'
ftörten Seugen ber einftigen germanifdben fiultur, bitte ben Sefer, bie Slufmerf«
famteit babon ,nidE)t abäulbenben...!SDenn b i e © r f e n n u n g ^ a r IB, i ft b e r
@dblü f f eI gu r ©r £e nnu n g b eB Scb i c£faIB b er , g er m an.i f cben
^ u 11u r in: ber SSergangenbeit mit feiner S2Bir£ung auf ©egenmart, unb,Sulunft.
: ^cb glaube, mit ber ^rt, tbie icb bie tatfäcblicben 93eoba(f|tungeg an:.äablreid)en
Stellen .meiner SIuBfübrungen ie. lönger je niebr unter baB Sidbt grunbföblitfier
©ribögungen. gebracht bgßer einem SebürfniB entgegengufommen, melcbeB bon meinen
üefern Idngft mehr -ober , meniger gefüb^ ift. ©ie germanifdbe. .©efamtfrgge liegt,
in ber Suft unb tuartet ihrer Söfung. Selbft bei' benen, bie fiib alB ©egner ber .bon
mir bertretenen Sluffaffung beJennen, habe, icb ein toacbfenbeB. Jiacbgeben, ein Qu-,
geben unb eine Unficberbeit gefunben, bie mit einer. Stellung auf feftem ©runb unb
jöoben nicbtB mehr gu tun bat. JDenn ber. fefte 93augrunb .für eine gang anberBartigc
©efcbicbtSonffaffung, als mir fie gelernt bbben, ift ja löiigft 'duB S^ageBlicbt getreten.'
Schon bi'e ar^öqlogifdben gunbe, bie bie Eunftgemerblicben Seiftungen bon: ©er*
manen in ©ermanien ungmeifelbaft machten, forberten bagu, betnuB, über bie Sßpr«’
auBfebungen ber Seiftungen — meit gurüdgreifenbe tecbnifcbe ©rfabrungen unb
ßenntniffe, hoher ^unftfinn, ^ocbftanb ber fonftigen mit bobeni ^unftfinn unlöB*
bar berbunbehen .©eifteB£uItür, §o(bftanb ber SebenBbaltung, ScbuIungSmefen, ißer«,
febr ufm, — nacbgubenEen unb bie gmingenben Scblufefolgerungen gu gieben. Unfere
SIbb. 2 gibt bagu, treffliche Stnregung.
2)dgu £am bie ^unbe bon ben hoben Kulturen olter norbifcber SSöIfer aufeerbalb
©ermanienB bis in unbenlliche Seiten 'gurücE unb bon bem engen geiftig-religiöfen
Sufammenbange ber gefomten alten ^ulturmelt, auB ber bie Sebeutung beS ©er«
manentumB immer beutlitf)er berborleuchtet; ferner ein grunbftürgenbeB Slufröumeh.
mit irrigen SInnabmen auf fpracblichem ©ebiete in begug: auf' bie bcilllichen 3nr
fammenbönge. ^n lebterer 33egiebung bat unB S'iecEelS Schrift „©ermanen unb
Mten" mieber ein gutes Stüd bormärtB geführt. \
SSor altem aber mürbe biefem gangen in 9teubilbung begriffenen ^beenfreife in«:
folge ber. JraftboHen SCnregüngen ‘ §ariB ©üntberB burch unantaftbdre Sähe' ber
SSererbungBlebre bon ber Stetigfeit be§ förberlichen unb geiftigen ©rbgütS eine
ftarfe Unterlage , gegeben. Schon bon hier auB muh ohne bie foeben ermähnten ©in«’
fichten ber Sah aufgefteHt merben:
®ie 3tnnabme; bah b a B @ er m'a n e n t ü m i n ©e r m an i e n
b u rch bie 58e r ü b r un g mi t b en 3tö m er n u nb SB eft f r anf en:
'■ i n b i e 3t e i b e b e r ßu 11 u r b ö I f e r e i n s e t r e te n f e t, i ft a IB-
' ein grober © ef cbi ch t § i r r t u m gu e r f e nn e n. '
®em Sah mirb foum noch miberfbrochen.' Stbef, eB ift ein baffiber SBiberftanb-
borbanben, ber e§ berföumt, mit golgeriäitigfeit, ©ntfchiebenbeit unb greube überaK,
mo ber Irrtum feinen bermirrenben, fchäbigenben unb bählicben ©influh auBgeübt
®er ©efdiid^tgirrtum 9
()at, ba^ Sliiöreinigimg^lDerf gu öollbnugcu. • @o J)at fid) aud) in imierem SSoIfe
nod) längft nid)t überall bie innere SSerfaffung eingeftedt, gegenüber ©inäelfäHen,
bie ein Slufgeben Iiergebrad^ter Sluffaffnng erforbern, objeftit) fein 5u fönnen.
tnirb nüblic^ fein, barüber nod) einige ©rtnägungen anguftellen, in unferem
Sa-pitel 18 gefd^eben foH.
®ie 5£atfadbe, bafe tnir ber güHe greifbarer ^ultnraengniffe ber 3JiitteImeerIänber
(einfd)Iie6L Orient) in ©ernmnien fel)r tnenig ©reifbareg gegenübersuftellen haben,
bflegt auch foldbe, bie guten äBiHeng finb, immer mieber in bem ©lauben an 9??inber«
mertigfeit unb Barbarei ihrer germa*
nifdhcn SSorfabren surüdguhaltem Sie
©rünbe, bie ben ©ernmnen ihr ge»
fd)idhtlid)eg 2)?ärtt)rertum auferlegt
haben, finb meber im eingelnen nodh in
ihrer UerhängnigboHen Safammentnir»
fung gebührenb in bag ®enfen nnfereg
SSoIfeg übernommen. Ohne Slnfbrud)
auf SoIIftänbigfeit, meife idh auf fol»
genbeg hin:
1. ®ie germanifd)e 3lealfultur hin»
fichtlidh ber Sauten, ber Silbmerfe unb
beg ©dhriftmaterialg mar eine augge»
fbrodfene ^olafultur (^olareid)»
tum, ^lima, 9?eigung), bereu ®enf»
mäler reftlog auf natürlidhem SBege ger^
fallen finb. äßenn bie ^atur bie ®enf»
mäler ber auggefprochenen Stein»
fultur ber 3JJitteImeerIänber ge»
rabefo re ft log Oernichtet hätte, fo
mürben bie 3Kufeen leer fein, mürben
2(bb. 2. @ermanif(hcg Silberfchmucfftücf öon $äöer
fidh unferem äuge and) feine einsige (Sltecflenbiirn)
2^embelruine,fein3itfugbau unb feine
Shi^nntibe bieten, mürben mir nicht ein SBort miffen Oon aller SBeigheit unb Kultur, bie
mir nur burch bie @d)rifttäfelchen ber Orientalen fennen. 6g ift nicht su bermunbern,
bafe bie miffenfdhaftlichen Sfnfd^auungen über ben Slnteil beg ©ermanentumg an ber
Schriftfunbe meit augeinanberflaffen; aber febeg Urteil, melcheg nur auf einer 3?ega»
tion beruht, mufe surüdgemiefen merben. 5Roch einmal: man ftreidie bie Steinbenf»
mäler aug unferem SBiffen bon ber Kultur ber 3KitteImeerIänber heraug! 6rft
bann ift bie e r ft e Stufe eineg geredeten Sergleid)g mit germanifcher Kultur er»
flommen.
2. Sofern bäg SWaterial ber Slealfultur meber $oIä nod) Stein, fonbern 5f!öbferei»
ton unb SKetaH mar, ift ein Vergleich angängig. Oiefer Sergleid) ergibt fofort ein
böHig beränberteg Silb unb läfet bie germanif(^en ©rseugniffe im Ourchfdhnitt eben»
bürtig an bie Seite ber füblichen .Kulturen treten, fa, eg mirb bon namhafter archäo»
logifcher Seite^ behauptet, bafe aHe reale .Kultur bom 9?orben auggegangen ift unb
^ ©c^ud^l^orbt, TOeuropQ, Serlin, Xrübner 1919, <S. 345.
10 1. SBarum.unb SSie
ficö nac^ bem ©üboften unb ©üben üerbreitet Ijat. Safe e§ babei ein Sluf* unb 3iieber*
icbtoonfen in toeiten Seiträumen gegeben bat, braucht nicE)t geleugnet gu ltierben.
' 3. iDJenftblicber SSernidbtungStoiHe bat' ie. unb je einen Slnteil bäran gebabt, S?ul*
turergeugnijfe ber ß'enntniS fbäterer dSefcblecbter 3U entsieben. Sie aHmäblicbe ®t*
oberung ber antiten 2BeIt burtf) ba§ Sbriftentum in Sabrbunberten bat eine faft
bönige' © 4) 0 n u n g ber ^ulturbenfmöler mit Jid) gebradit, Sen germanifcben
Sölfern ber SSöIfertoanberungSäeit lag eine abficbtlidie ^ulturbernicbtung fern. 3Ba§
üerlorenging, ift ben unbermeibli(ben triegSmöfeigen SerftörungSoorgängen äU3«'
fcbreiben. Sa§ gilt befonber§ tion ben @oten unb biel öerleumbeten SBanbalen.
Seinem Seutfd)en foate ba§'1^
„SBo (Soten mobnen; ift: nur ber; g^ömer; unjittlid), unb too fßanbalen mobnen, ba
merben felbft bie iftömer fittlid)."©ans im ©egenfob äu bem milben ©d)idfal ber
SWittelmeerfultur ift über bie germaniftbe: Suttur bon 772 an eine abfid)tlicbe, äum
Seil amtlid), angeorbnete S u 11 u r b e r n i d) t u n g bereingebrodien, bie nid)t§
fcbonte, tua§: irgenbmie mit bem alten Olauben sufammenbing, unb barüber biuau§
grunbföblid) bie ©rfebung germdnifdien aßefenS bürd) römifib-toeftfränfifd)e§ aSefen
auf fömtlicben ßebenSgebieten erftrebte. (S§ tft noch eine ungelöfte: Slufgabe, bie
aßirfung biefe§ gefd)id)tlid>eu 21brgange§:3ur bollen IbabrbeitSgemäBen S)arfteßung
a'u bringen. ■'
: 37ur ber ift 3Ü irgenbeinem Urteil übet Oermanenlultur befäbigt unb berechtigt,
ber auf ©ruhb auSrei^enber Senntniffe ben bargelegten ©rünben für ba§ germa-
nif^e SunM gerecht inirb. !
gibt bor ber $anb feine bebeutfamere unb bringenbere Stufgabe für bie ©e-
fd)id)t§toiffenf(haften, al§ ben Urfadien be§ Irrtums nad)3uget)en, feine Überminbung
in aSiffenfchaft, Sirche, ©d)ule unb aSoIf burd)3ufehen unb an bem Stufbau bei neuen
©efchicbtlbilbel 3U arbeiten, toelhel feahrbeitlgemäh an bie ©teße bei ^rrtuml 3U
fehen ift. Stuf mand)en ©ebieten unferel Senfenl‘ unb ©mbfinbenl, bie hier in
a3etrad)t fommen, ift el nicht ein blofeel a3erid)tigen, mal uni beborfteht, fonbern ein
rebolutionärer Sieuaufbau.
Stn bai miffenfchaftlidie ©tubium ber germanifchen gragen bin ich erft 1924—25
herangetreten. Stb,er el haben fechl Sahre aulfdlliefelicher Eingabe an ben ©egen=
ftanb einen befonberen aSert, menn bie boraufgegangenen Sebenlerfahrungen 3U=
gleid) oll aSbrbereitung bafür bienen tonnten — mehr Sßert, all menn ber jugenb»
liehe ©tubent unb ©eiehrte fich einem foldien ©egenftanb in lobenimerter a3efchrän=
fung mibmet. ei fommen gragen in aSetracht, bie einen mancherlei asiffenigebiete
umfaffenben Überblid erforbern, mie ihn ein gachgelehrter a 11 f o I dl e r nid)t hoben
f anh. gür eine fo tiefgreifenbe unb meitaulgreifenbe Urnfteßung ber Urteile, mie
mir fie jeht hinfichtlich bei ©ermanentüml erleben, ftehen aber bie gragen bon ber
lehtermöhnten Strt obenan.
Surchmeghabeichmid)inbenSingen,bieberfo(hmännifchenj0eur'teiIungunterf
liegen, bon gadimännern beraten loffen, benen idyhier meinen Sanf für bie görbe»
rung aülfbreche. ^ch habe mich ihrem Urteil untermorfen, menn ich nicht ©rünb
hatte, ansunehmen, bofe an bem Urteil ©runbföhe unb Stuffaffungen ber gachmiffen*
fchoft beteiligt maren, bie unter ©influfe bei aSorurteill gegen ©ermanentultur 3U"
ftanbe gefommen finb. gür bie brennenbe Siotmenbigfeit, biefe aSorficht su üben,
bringt iloffinna (®{e l)eutf(f)e 25or0efcf)i(f)te, @. 46) einen Seleg, ber berbient, ge»
Jbetrt gebrndEt 5U tnerben. Ser $iftori!er 2)?atbia§ ßotf) bat ben benftDÜrbigen 2Iu§»
fprudb geton: „S ü r b eu tf tbe Sä n b e t: f an n a I§ eg eI g e 11 e b afe
b i e i n ® r ö b e r n g e f u n b en e n 21 n t i£ a g I i e n b o n J8 r o n 3 e u nb
@01 b , to en n f i e ni(f)t :r ö m i f cb f in b , 'n e t to e nb i g e r ln ei f e f e 11 i f tf)
f ein müf f en, toeil eS b er uitu r g ef cbidite tnib er ftr eb t, f ie ben
©ermanen ansueignen.“ ; '
Sie au§ foicben SBorten in feltener'Sffenbeit erfennbare Senbens ift um fo ernft»
lieber 3u befämbfen, al§ fie unbetoufet in unferen ©efebiebtStoiffenftbaften berrf(bt.
Unter ihrem ©influfe finb '©runbföbe unb JBgrauSfebungen entftanben, auf benen
' nun bie SSeurteilung ber ©inselfragen beruht. Sie §errf(berfteEung be§ alten Irr¬
tums bringt bie bequeme,IfSofition, .-ba§ onus probandi bon ficb auf anbere abtoälsen
au fönnen, obgleich bie eigene 2tuffaffung leineSteegS auf Setoeifen, fonbern auf bem
biSberißen SKangel an ©egenbemeifen ruht. ®ier auch nur.ba§ ©Iei(bgetoiibt toieber»
berauftellen, ift eine ber @db'toiengfeiten ber 2Iufgabe. Sa§ beutf(be JBoIf .bat ficb
im römif^en Steife beutfeber Station frember ©eifteßbertfebuft untertoerfen laffen,
au bereu fftüftaeug bie ©efcbicbtSlüge bom germanifcben Barbarentum gehörte, ©ie
frafe ficb ein al§ Sehre ber Äircbe unb ber SlBiffenfcbaft. ©ie touebs ficb au§ au einem
fafrofanften Beftanbteile ber SBeltanfcbauung. ©ie tourbe mit febübenben glügeln
bebedt unb gepflegt bon allen unbeutfdben SWä^ten unb ©trömungen, bie au irgenb»
toeicben Seiten am Sßerf toaren, ficb über baS beutfcbe JßoIf au erheben, fei e§ bafe
biefe aWäcbtc bon aufeen herüberfluteten über al§ 2teibing§mäcbte au§ 2tieberungen
be§ eigenen SSoIfeS embortauebten. Öhr tourbe auch fleifeig gebient bon niemals
fehlenben äuSgebrägten Vertretern beS beutfcben SKicheltumS, meines mit offenem
SJtunbe auf bie SSirfungen ftarrt, aber nicht bie ©inficht aufbringt, bafe eS fein SKanget
an ©dharfblid für nationale ©elbftbehaubtung ift, melier — oft unter bem Sed»
mantel* ber Objeftibität — aur. toürbelofen VreiSgabe ber Belange beS beutfeben
BoIlStumS beiträgt.
Bei ben anbern Bölfern, benen biefe beutfd)e ©ebtnödhe ettoaS UnfafelicheS ift, gilt baS
ehrlich gemeinte Viicbeltum aunädift febeSmal al§ mibertoärtige Heuchelei, bis baS
©treben, in bereu 2Iugen ehrlich 3u erfebeinen, Betoeife ber ©elbfientäufeerung ge»
liefert hat, bie bom beutfeben ©tanbbunfte auS als Verrat am eigenen Volfe angefehen
ioerben müffen, unb auch bann noch mit bem ©in£en ber 2rchtung in ben 2Iugen beS
geinbeS baS ©egenteil beS ©rftrebten erreichen. *

Sßenn in ■ meinen 2IuSführungen häufiger bon ben Örrungen unferer ©efebiebts»


auffaffung bom ©ermanentum bie Vebe ift, fo liegt eS mir fern, babei an eine ©cbulb
berer au benfen, bie nach meiner 2tuffaffung einen Örrtum bertreten. ©ine ettoaige
©cbulb mürbe fehr toeit 3urüdliegen. 21ber auch in ienen bunflen Ödhrhnnberten
ift mohl bie JWeinung, mit ber Vernichtung ber germanifeben Kultur ©ott . einen
Sienft au tun, bei bielen eine ehrliche gemefen. Ön bie bamalS begrünbeten Öi^ttümer
finb mir alle hineingeboren, ©ie finb für unS bie geiftige SeberiSluft gemefen, bie
felbftberftönbliche unb feiner ißrüfung bebürfenbe SebenSluft. Öeber igauch auS
einer anberen SBinbriebtung, feber §aucb mit anberem SSärmegrab, feber $aucb mit
anberer Suföütmenfehung ber ©runbftoffe mutet unS frembärtig ober unbequem
12 1. SBarum unb JEBie
— ,ober ouc^ lietmiftf) on, me^)r ober.toeniger, ie nad^unferer SSeranlagung, unferer
©räte^iung unb unferer fonft erworbenen ©inftellung äu ben Singen. ‘
©oUte bon @(^ulb bte 9iebe fein, jo müfete id) fie am ebeften mir jelbft beimejfen.
Weil id) ntid) — man geftatte mir ba§ iJerjönlide S3efenntni§ — 3U lange ber SCuto»
ritöt ber berrfdenben SKeinung gebeugt habe, trobbem in nid)t Wenigen ©tüden
fd)on bon ^ugenb auf lebhafte gtoeifel in mir aufgeleimt finb. ^a, auf einem bier
aud) gans Wefentlid in SSetradt fommenben ©ebiete — auf bem ber Sfleligion — bin
id gerabe' um ber Sweifelunb ibrer überWinbung Willen mit SSeWufetfein unter bie
Slutorität getreten. Sm UniberfitätSftubium ber fßbilofobbie unb Sbeologie unb
nod eine Stnsabl bon fahren nadber ba^e id bie ganse SJtadt ber Stutorität unb
ba§ gange @dtbergeWidt be§ j8ebarrung§gefebe§ im ©eifteSleben erfahren, habe
mid biefen SJJödten binaeaeben unb gunödft mit ■.innerer Snftimmung in ihnen ge»
Iebt> bis id nad Slnfammlung ber Erfahrungen beS SebenS — nun ■ aud auf.
anberen Wiffenfdaftliden unb braftifden ©ebieten bis bin 5um militärifden Sienft
im SBeltfriege — mir bie bolle Unabbängigfeit unb greibeit beS Urteils gewon¬
nen gu haben glaube.- Sie bererbungSmäfeig'pfbdoIogifden SSorauSfebungen fad»
liden • SenfenS finb inSbefonbere ©egenftanb meiner ©tubien unb SSeobadtungen
geWefen^ ^ ^
3Benn id hier b i e r eli g i ö f e © ei t e unferer grage geftreift habe, fo mag
baS ben SInlafe geben, fdon an biefer ©teile einem 3Ki6berftänbniS gu begegnen,
Welde§ beim Sefen meiner ©drift an einigen ©teilen entfteben fönnte. ^d toerbe
baS Sun ber fBringer ber dnftliden ^irde in ben SSefebrungSiabrbunberten, aifo
bas Sun ber Weftfränfifd-römifden unb ber ihnen gleidgefinnten angelfödfifden
©enbboten im SSunbe mit ber boIitifdeu;3Kadt ber merowingifden grahfen Wahr»
beitSgemäfe als ein für baS ©ermanentum unbeilüoHeS binfteHen müffen. Sabon
bleibt meine übergeugung unberührt, bafe bennod baS Ebriftentum, unb gwar in
feinem ibealen 3Befen, Wie wir eS auS bem Seben unb ber fSotfdaft feines ©tifterS
nod berouSerfennen fönnen, nad SIbftreifung beS eigentümlid Orientalifden, oud
für baS ©ermanentum als bie gegebene religiöfe ©tufe angufeben ift, auf ber bie
ihm felbft eigentümlide fltaturreligion gu reinigen, gu ergöngen unb aufwärts gu
^.©arüBer f(^rieb tc§ 1917,eine Heine ©^rift: „®ie beutfc§e ©oc^lidfieit", 9Joturn)iffenf(5QfHici)et
SSerlag S:£|otna§=iBieIefelb. — Sluf 3Bunfi| meines SSerlegerS füge ic§ eine meitere perfönlic^e 33c»
merlung binäu,' ^ie bielleic§t im S81W auf meinen je^igen SBoIinort im DSninglanbe auc^ um be§=
mitten erwünf^t ift, meil fie ben SSormurf bcS SoIalpatriotiSmuS gegenftanbSloS mac^t. geh bin
meber in 2if)f)e geboren, no^ aufgema^fen, fonberri erft in ber 3ta(^lriegSäeit na(b ®etmolb beräogen.
entging bamit ber in contumaciam gefächenen fransöfif^en StuSmeifung auS ©obeSberg, mohtn;
ich als ailitbegrünber unb ®ireltor beS SeplerbunbeS gur görberung ber SllaturerlenntniS (neben
®cnnert) bon granlfurt a.'5K. auS übergefiebelt mar, na^bem ich auf geiftli(be Xitel unb fReihte ber».
giftet hatte- Sn granlfurt mar griebri^ SRaumannS SRaihfolger unb babor einige Sah’^e ii«
Sirchenbienft beS Südeburger Sänb^enS. greilich ein gemiffeS Sntereffe für baS Sanb nörbli(h ber
Sippeguetten lönnte mir 4m Slute liegen. ®enn mein ©rogbater mär in Xetmolb geboren, mürbe'
gu SRaholeonSgeiten Dffigier beS Sippif(h=©tt)aumburglihhifch=3!Solbedfchen SlontingeutS; aber fein SJater,-
SanbeSbaurat Xeut, ,ff)äter Xeubt, in Xetmolb, mar bon Sübed gugegogen, unb nur urlunbli(h nittjt
mehr naihmeiSbare, gäben führen über SRienburg g. b. aSefer gu beni Xeuthofe unter ber ©rotenburg
bis ins 14. Sahihuaiiett. ®ieS Sntereffe troh ni(htlippif^en §erlommenS mag mir bie' Slugen ein
menig heller gema(^t haben für manches, maS fi^ h^i^ lu media Germania finbet, unb maS ber ©in»
heimifche gemohnheitSmäbig überfieht. >
®ie reltgiöfe ©eite \
fül^ren'toar. ^n einer notf) nitfit jo fef)r mit bem Sallaft öer SenJtoeife öer fremben
SSöIfer fielofteten SSeife ift bie t^riftlitfie Se^re fcJion.Öa^ir^mnberte frülier, al§ au
ben anberen ©tömmen, gu ben Ooten gefommen. ©o ober ötmlic^ mürbe fie aucö
o[;ne bie roI)e ©etooIt toeftfrönfifdEier SefetirungSmetboben au tien' übrigen germa«
'nif(f)en ©tömmen ihren SSeg gefunben t)o6en unb bie beutfche'iSeichichte mürbe bann
nicht mit jo bielen Slötterh be§ @rouen§ angefüEt fein. • / ,: •
S)er religiöfe Seiben§meg ber ©ermanen löfet fich nicht ungefchehen machen. @§
ift ein au§ficht§Iofe§ unb unermünftf)te§ Slun, ba§ ißab ber ©ejchichte äurücibrehen
unb ba§ .gefchi^)tlich ©emorbene alS nicht tiorhanben anfehen au moEen. Sthef ma§
mir .für bie religiöfe Su^unft unfere§, SSoIfe§ erftreben fönnen unb ma§ erreicht
merben mufe, menn bie fortfchreitenbe religiöfe SSerborrung'nicht aur hoffnungSlofen
geiftigen Entartung führen joll, bag ift bie §erau§Iöfung be§ chriftlichen 3Bahrheit§»
gehalteS au§ ben mit bem beutfchen ©eifte nicht bereinbarten ©chalen frember 3u'
taten unb feine SSerbinbung mit ben auch in ben Uribeen ber germanifchen 9?:gtur*
religion enthaltenen SBahrheitSmomenten. ■ ; - .
.3Wir' fcheint, bafe niemanb, mag er religiös ftehen mie er min, mag er fatholifch.
ober ebangelifch fein, leugnen fann, bah ber gefchichtliche Sauf ber Singe bet. ber
©iriführung be§ ©hriftentumS in ©ermanien ein bermerflicher gemefen ift, unb bah
bie jo gefchaffene Unftimmigfeit ber geiftigen Sage be§ beutfchen jßolfs im Saufe ber
nachfolgenben Seiten nodh nicht in ber 3Beife befeitigt ift, mie el unferen ©infichten.
fomohr born religiöfen als auch bom nationalen ©tanbbunfte aüS entfbricht.' :
Samit ift bie niotmenbigfeit unb' bie gorberung einer ^irchenberbefferung für
beibe chriftlichen ^onfeffionen gegeben. '32ir fehen hier, ab bon bem materialen ©inn
biefer aunöchft nur formal geftellteri unb alS formal erfcheinenben, aber, um beSmilCen
nicht minber, binbenben gorberungen unb erblicfen fchon einen Sortfchritt bari'n,
menn,bie ©rfenntniS ber Slotmenbigteit einer Sieform an fich auch bahin borbringt,
mo man bisher baS §eil in ©rhaltung, jpflege unb SCuSbau beS ÜberEommenen ge*
fehen hat. ;. , ' v/. v ■ ■
©S finb jo ungeheuerlich bebeutfame ©rfenntniffe auf naturmiffenfchoftlichem unb
fulturgefchichtltchent ©ebiete über unS gefommem — man moüe fie fich etma on ber
^anb ber ©inführung ^erman SBirth§ in feinem bebeutfamen SBerfe, „Ser Sluf»
gang ber SWenfchheit", bor Stugen führen — bah eine Nichtbeachtung berfelben
feitenS berer, bie überhaupt eine menfchheitSgefchichtlicho ©eite ber Neligion aner*
fennen, mehr unb mehr aur UnmöglichEeit unb aur ©chülb mirb. ^ ^ ^ ^ ^
Neligiöfe SlufmörtSbemegungen. unb 'Kirchenberbefferungen jcheinen niemals auf
ben SSefchluh anfammentrefenber SKenfchen auftanbe au Eommen. S[ber fie laffen fich
borbereiten, bis boS Sicht beS neuen religiöfen Soges an unermarteter ©tunbe an-
bricht. Sn ber feht notmenbigen Vorbereitung gehört bie SI uf h eHu ng b e r
gcr man ijch en V er gongenh e i t, inSbefonbere beS geiftigen SebenS unferer
Vorfahren, fomeit bieS noch möglich ift- ,
Ser SBunfch, bon biefem geiftigen Sehen meinerfeitS mehr au begreifen ober
menigftenS mehr au embfinben, olS ich eS gelernt habe, unb als eS in ben Vüchern
au finben mar, mürbe mir aum Stntrieb, meine Stufmerffamfeit einer: ©tötte auau-
menben, an beren einftiger Vebeütung für ben germahifchen Kultus mir fchon bei
manchem'früheren Vefuche niemals ein Stoeifel aufgeftiegen mar: eS finb,bie ©stern*
14 . : : -^ ^ 1. SSarum unb SBk
fteine in ber 92äf)e meines je^igen 2BoI)norte§ gelegen. Sie h)urben ber StuSgangS?
.t)unft ber Süeifie neuer Seoba(f)tungen, bie id^ in biefer ®cE)rift borlege.

iRocE) ein bortoeg erilärenbeS SBorti,, bie 9trc^äbIogic


im engeren Sinne (SSi[fenf(§aft beB i@baten§) eingearBeitet I)aBe — nic^t toaS bie
©inaelfunbe anlangt, fonbern h)oS bie (Srunbfö|e iBrer aSeftimmung unb Setnertung
ünlatigtum fo itörter ift einerfeitS meine aSetounberung ber forgfältigen SlrbeitS*
ioeife unb be§ in toenigen ^saBrse^nten gefcBafften ©efamtergebniffeS getoorben, h)o=
burtf) aus einem BaItIofen 39ieinen früherer Seiten eine ^Bi mit feftem
@runb unb a3oben unter ben güfeen geinorben ift.StnbererfeitS jeboc^ finb ftarfe
StneifelSfragen aufgetaucE)t, ob nitf)t für eine abfolute (Sf)ronoIogie unb bie ajeftim-
mung ber boIfIi(f)en §erfunft ber gunbe eine; tneitauS ftärfere Segrünbung erforber*
litf) ift, als fie, toie -üblitf), auS ben ©rabungSergebniffen felbft getoonnen merben
fann. ©rabungSergebniffe finb geft^rn, beute unb morgen bon ©lücl abböngig unb
bürfen ,ni(bt bertoertet toerben;, alS ob = fie- eine blnnmäbige Statiftif mären. S)oäu .
tommen getoiäitige anbere @efi(btSbunfte, über'bie bie gunbe felbft nichts auSfagen
tonnen. V'-,:,;■■■•
9iun haben ficb biefe @eficbtSt)unfte unb bie ©infitbten in ben lebten ^abraebnten
gemanbelt, toäbrenb augleidh ba§ artaterial, mit bem bie Strchäologie au fäiaffen bat,
biel rei(ber gemorben ift. 2)ie ©runbfäbe, 9ti(btlinien unb erften mabgebticb ge*
toorbenen aSeftimmungen ftämmen aber au einem erbebliiben Steile auS ber früheren
Seit. aSenn baber nicht glaubhaft mirb, bafe bie ©runbfäbe, atidhtlinien unb a3e*
ftimmungen b u r (b fl ä n g i g — aifo audh binfiibtlich ber am gefichertften geltenben
Sübe —■ ber überprüfunfl unb ber notoenbigen Sinberung untertoorfen finb, bann
berftärtt fi(b baS; grageaeidhen, toeIcheS hinter bie Seitbeftimmungen unb aSoItS»-
beftimmungen gefebt : merben muhte. ■'
a3efonberS habe i(b mich feineSmegS babon überaeugen tonnen, bah baS gngeerbte
gefüblSmöhig gemorbene fßorurteir gegen ©ermanentultur fo böHig auSgefchaltet
ift, mie eS au objettiber aSeurteilung nötig märe. ®S bemirtt noch immer, boh Sroge*
fteüungen, bie burcbauS in ber Sinie eigener archäologifcher ©rgebniffe liegen, gerobe*
au als abfurb angefeben merben.: ;
®aS bängt au(b mit folgenbem ©runbe aufammen: ^m allgemeinen mirb in unferer
Strd^äologie bie JSerüdfi^tigung ber gemaltigen Entfache bermiht, bah mir eS im
32iäbrigen Sachfenfriege unb nachfolgenber Seit mit einer rabifalen aSernichtung
ber in ©ermanien borhanbenen Jtultur au tun haben. Son ber ^ulturbernichtung
mürbe: bie gefamte Siteratur (ob groh ober tiein) unb ber gefomte fich fo auf boS
tultifche ©ebiet befchränfenbe ©teinbau nebft'augeböriger aSIaftit betroffen, mährenb
fdjon ^abrbunberte borher baS ©rlöfchen ber ©itte ber Eotenbeilagen auch ben guS
ben ©röbern au geminnenben ^ulturaeugniffen ein ©nbe bereitet batte. ®aS finb
©inficbten,. bie bei ber aSeiterentmictlung ber füngen arcbäologifchen aSiffenfchäft un*
möglich bie aSoräuSfebungen unb ben ©ang ihrer Slrbeiten unbeeinfluht laffen bürfen.
Sängft finb in meiten^ Greifen bie ftärtften StDßtfel aufgetaucht/ ob eS einer über*
miegenb auj'©batenmiffenf(haft unb aWüfeumSfunbe eingefteHten unb in bie ©efahr
Slrc^äologte . 15
einer @(f)moIfl)urn3tffenfcfiaft gerotenben Strd&öologie über^auiJt möglttf) ift, ilire Sluf*
gäbe 3u erfüllen. ®iefe S3efbrgni§ müfete oI§ Berecfitigt anerfannt tnerben, toenn
bie SIBneigung .befteben Bleibt, au§ ben ßrgeBniffen ber eigenen SCrbeit unb anberer
SBiffenfcbaften mutig bie logifd^en ©(BIuBfoIgerüngen äu aieben.; foHte^ u ber
SB Q B t B e i t m i 11 e n gefcBeBeri, audB menn im neuen ®eutfdBIanb aneB, toa§ auf
eine ©rBebung beB beutfcBen SSoIfBbetnufetfeinB BinauBläuft, ben benfbor niebrigften
^lurB Bot.-V: ' - : ;
SWeine SCuffaffung, bofe Oermgnien minbeftenB feit bem Übergange äum Slderbau
oBne febe m ef e n tl id) e JSeeintrödBtigung BiB aum Sfnbririgen ber flabifcBen glut
bon (Sermanen betooBnt gelnefen ift, tnomit id) ben ißertreternlber^:^
miberfbrecBenben SieblungB* unb SBartberungBtBeorien: fo emfifinbiicB 3U n ge»,
treten bin. Bat fid) mir buriB eingeBenbereB ©tubium immer meBrVbeftörft.^^ ^d)
Babe feine SSeranlaffüng, meine im Oermarienfdbitel geöufeerten SInficBten aÜ änbern.
^cB Boffe, bafe mein S3üd) äur '@rgrünbung ber SBaBrBeit einen ^ilfBbienft leiftet,
unb albar auf ©runb bon Satfadiem bie nicBt meBr beifeite gefdBoBen merben förin'en.
^^münfcBe mir öefer, bie ben SBiCen ünb' bie OfäBigfeit 3ur Obfeftibitöt in germa*
nifcBen Singen Baben, bie um meiner iboBI unbermeiblidBen SeBIer int ein3elnen
tbiHen, nicBt ben SSIid für baB [flid)tige unb auf baB (Sanse berlieren, unb bie fotboBI
an ber S3efeitigüng ber SeBIer, alB aud} an bem bofitiben Slufbnu initBelfenmoHen.
216b. 4. ®ie ©jternfteine bei iporn in Sippe

2. (Beftirnlpeiiigtum auf bem ^^ternftein


®etmoIberSQnbe§bibIiot()ef enthält eine qu§ etoa 40 9^ummern beftebenbe
><yßiteratur über biefö^ternfteine bei ®orn im 5Eeutobnrger SBalbe, t)on benen 11
aB eingebenbere SKonograpbi^n (bi§ gu einem Umfang bon 200 (Seiten) angefeben
n:)erben fönnen. ®iefe ftammen fämtlidb au§ bem hörigen ^abrbunbert, bie lefete hon
i f a 1895. Un§, bie mir eine mefentlidb ermeiterte Slnfdbauung über bie altgerma-
nifdbe Kultur haben, mutet bie ganae aSebanblunggmeife beg @egenftanbe§ aB her-
altet an, abgefeben bon ßifa. ®iefer aber toenbet feine ganae Stufmerffamfeit ber
©rotte im Reifen 1 unb ber baran befinblidben Sfulptnr ber ßreuaabnabme ©btifti
au unb ermähnt ben, mie mir fdbeint, meitau§ intereffanteften Seifen 2 nur über-
gang^meife. Sludb bie übrigen alten Bearbeiter finben fidb mit einer erftaunlidb^a
SdbneHigfeit mit ihm ab. SBobl fbtedhen einige bie Vermutung au§, bafe ber tm ^obf
be§ gelfeng befinblidbe 9taum bodb mobl urfbrünglidh bem germanifcben ^ultu§
gebient haben müffe, aber im allgemeinen beruhigt man fid) babei, bafe er eine dhrift-
lidhe ^ap)elle fei. SBir merben fehen, bafe mir e§ hier in SBirflidhfeit mit einem nodh
berhältni^mäfeig gut erhaltenen, bebeutfamen Sengen be§ altgermani*
fd)en ^ultu§au tun haben, ber eine beutlidhe Sbtache bon ber $öhe ber Kultur
unferer Borfahren in grauer Boraeit führt.
J^n meld)er SSeife bie alten Bearbeiter bie Singen bor ben Xatfadhcn berfdhioffen
haben, aeigt un§ ®emib (®ie eidernfteine, Breslau 1886 S. 11): „Bon ben hetb-
nifdhen Bölfern müffen bie älteren ©ermanen unb bie Sadhfen auf ©runb ber bei
2 Xcubt, dJermonifrfjf .^etligtümer
18 2. $a§ @efttruI)etUgtum auf bem ©sternfteiu

ber ©rottenauSfübrung angetuanbten Jtec^nif oI)ne JueitereS auägefditeben toerben;


• benn fo röf) oucfi bie Arbeiten finb, eB 'ergtbt fitf) bocE) atoeifelloB, bafe bie berfcE)ieben.
ften SBerEseuge ber ©teinmefefunft SCntoenbung gefunben baßen. Sßtr erfennenileme,.
burcß ben 5Dorn berborgeßracßte Söcßer, ferner grobe .giebe ber ©bifeßade/ feine'
breite ©trt(ße be§ fDieifeelB u. a. 2)te S:e(bmf beteeift/bafe bie Arbeit boh
einer E»fation au§gefübrt finb, tnelcße auf einer ßöfiereh flulturftufe al§ jene asöller-'
fcßaften ftanb. Sarum bliebe äb^iftßen ben ßeibnifißen f^^ unb ben cßriftlicßen
Stationen 3U entfcßeiben." '
®ie tecbnifcßen ISemertungeh finb oberfW^ ©rftaunlid) ift bte
' StßnungBlofigfeit mit ber, ficß ba§ aSorurteil äeigt; ba botf) :oucE) fcßon ein ©etoiß be«
benten fonnte, bafe fein.äSorurteil auf ©runb eineB ?ti(f)tfennen§ in bie Suft ßineinV
gebaut'"'v■
’SIuffäHig ift ba§ geringe ^^'ntereffe : bietet; e£ternftein-S3ear^ für bie ger-
manifcßen ©inge. Stocß 1898 fcßreiben; felbft Sebin; ;©(büding unb gerbinanb
ligratß in ißrer fonft eingeßenben' SSefcßreibung ber ©sternfteine (®a§ malerifcße
; unb romantif(ße SSeftfalen) alB e i n s i^^^ bereit germaniftfiet Sebeutung:
'; „SPtan ßat bielfacß ben Esternfteinen :eine fSebeutung al§ 5lembel unb: Opferbloß
fd)on in borcßriftIid)er- 3eit äügefd)rieben. SSir entßalten unB iebptß,^
fidßt, bei ber man oßneßin über lßermutungen nitf|t ßinauBfomnit, einäugeßen.'' ?)iefer
©aß fennseicßnet aufB befte baB ErgebuiB ber biBßerigen Semüßungen um baB Stötfer
ber ©jternfteine* •^
Ein toacßfenbeB fDtifetrauen gegen bie SSonftönbigfeit ber biBßerigen Unterfudßungen
- unb gegen bie Stidßtigfeit ber Urteile trieb micß än eigenen Seobacßtungen, teren
aSeröffentlicßung id) begann, nacßbem icß fie einem größeren Greife bon SbUtgliebern
beB ^iftorifdßen fßereinB unb bem Setmolber; SanbeBfonferbator oufgemiefen ßatie.
Sie Sortfeßung beäog ficß barauf, bafe ber ^ültuB auf ben Ejternfteinen nur ein
fleineB ©tüd eineB für baB ©efamtbol! sentralifierten, baB ganje Seben beBfelßen
beeinfluffenben ©eftirnbienfteB auf breiter miffenfd)aftlicßer ©runblage getoefen ift.

Ser Su r m f eIf e n (E g g e ft er e nft ei n) mi t b e m © as ellu m


Ser turnt» ober fäulenförmige 3-eIfen (Str. 2 auf 2lbb. 4), beffen §öße etma 30 m
ift, trögt in feinem ttobfe einen bon SKenfcßenßanb ßergefteHten grottenartigen 3taum,
■ bem eine auB bem Seifen 3 ßerauBgeßauene, 0. S. alte Srepbe unb bie 93rüde
(Silb 4) füßrt. Sßir moHen für ben Staum; ben meßrfad) gebrauditen neutralen
Stamen @a3eIIum beibeßäIten, bor allem aucß aut: Unterfcßeibung bon ber unten

EB mar bie erfte, grunblegenbe, metneB SBiffenB unbegreiflid)ermeife nod) bon nie-
manb auBgefbrod)ene S3eobad|tung, bafe baB ©asedum gar nicßt in feiner urfbrüng«
ließen ©eftaltung bor unB liegt, fonbern bie ganj unberfennbaren ©puren eineB
gemaltigen 3 e r ft ö r u n g B m e r f B'seigt; melcßeB amß notß meßrere anbere ©teilen
biefeB SurmfelfenB betroffen ßat. Saft ber bierte Seil beB SelfeutobfeB (Silber 1
unb 4), ber bie Sebedung unb bie füböftlicße 2Sanb beB auB biefem Selfenfopfe auB»
gehauenen, urfbrünglicß ringBum gefdßloffenen .goßlraumeB bilbete, ift gemaltmöfeig,
abgefprengt unb in bie Stefe geftürät. Er äerfcßeHte fd)on in ber ßalben $öße feineB
SadeB im Sluffcßlng auf eine Ede beB SelfenB Sr. 3, inbem er fie in nodß fid}tbarer
2)a§ 3ei^ftörunG§lDerf 19

SBeife Befdjöbigte. ©r ergofe feine SCrümmer über ben jftaüm neben ben betben
Seifen S?r. 2 unb 3. 2)ort liegen fie,. tote e§ fcbetnt, 3u einem Steile noe^ jefet, toäl)*
tenb ber onbere Sieil unb toabrfdbeinlidb gerabe bie beorbeiteten (Stüde, bei ben
5öefeftigung§bouten be§ ©roferi ^ermann Slbolf um 1660 ihre SSertoenbung gefunben
bflben toerben. . ; - ■
®ie Slbfprengung eines foicben ungeheuren SelBteilg im ©etoitfit bon mehreren
1000 Rentnern tonr baburdh möglich, bafe feine gQnae :9?orbtoeftfeite (auf^ 3^
mit bem ©efamtfelfen infoIgeieiner bürdhgehenben SelSfbnIte überhaupt nicht im
Sufammenhang toor, boh bie ©rünbflödhe be§ Slods, abgefehen:^^b^ bünnen
(Sübofttoanb ber Höhlung; bereits .burdh beren. 3fu§Qrbeitung bi)ti bem ©
gelöft toor, unb bah bie einBige; ihn mit bem ©efQmtjfelfen in SufbiTtmenhang hot“
tenbe «Sübtoeftflöche gerabe an biefer (SteHe^ eine: burtfigeh^^^^
toeift, bie ber SoSIöfung fchon borgearbeitet hotte, uitb ber ©hrengung nur einen
berhältniSmöfeig geringen aSiberftanb entgegenfehte;;: Snfolgebeffeh' fonnte man mit
ben 3ahlrei^en 2)?itteln, bie mon in alter Seit sur SelSfhrengungfhatte, ben gansen
©brengblod löfen unb aunöchft sum^ ^btoeidhen bringen: Somit to
feit gegeben, burch baS SInfeben einer .Slnsahl bon aßinben bie bünne ©übofttoanb
äu brechen unb ben SSIocf na^ (Süboften herüberaubrücfen, bis ihn baS Übergetoicht
■aum;(Sturäe:;3toang. v .:l;:
SBährenb biefe (Sf)rengung: an ber Oftede beS gelfens börgenommen tourbe, ift
auf ber 3?orbtoeftfeite eben biefeS gelfenS 2,. ettoa in: gleidher ^öhe unb tiefer eben»
falls ein SelSteil, toelcher eine unter bent fog. Senfter (2Ibb. 5 unb 6) au bem (Saael-
lum hinaufführenbe Srebhe trug, obgefhrengt toorben. Sie Srebbe führte noch
ettoaS über baS Senfter hinaus bis ait brei noch borhanbenen rätfelhaften fleinen
Sleftftufen. SSon ber öorhanben getoefenen Srebbe legen nodh'brei iir entfbrechenber
Stnorbnung in ben Seifen eingehouene ßöcher, bie au (Stühbunften für einen tieferen
Xeil ber:Srebbe gebient hoben fönnen, 3eugni§ ab. (fWit ber aibfbrehgung beS SelS
teils ift bie ganae Srebbe befeitigt toorben. ©S finb Slnaeidhen borhonben, bah auch
ouf ber SRorboftfeite beS SelfenS ein Umgang borhonben' toar, ber ebenfaG^ ber-
michtet ift.: ‘
©olnohr bie Slbfbrengung beS ifobfteilS beS Seifen§, als oudh ber Srebbe ift aufS
beutlichfte on einer auffälligen aSerfchiebenheit bes aSertoitterungSäuftanbeS au er*
fennen. Sarbenton unb aSefchaffenheit aller übrigen atuhenflächen beS SelfenS taffen
ouf eine ungeheuer löngere aSertoitterungSaeit fchliehen, als Sarbenton unb a3e-
fchaffenheit ber @b>^engflöchen^ : : '
ftber biefe Sotfachen ift fei^^ Stoeifel. möglich. ©S toore bie Srage au erörtern,
ob fte nicht : ouch auf burch ©rbbeben ober allmählichen aSerluft
beS SufommenhaltS burch aSertoitterung unb: aBaffertoirfung,^ aurüdgeführt toerben
fönnen. Ser ■©ebanfe, bah ein 9?aturereigniS gleichaeitig an 2—3 entgegengefehten
©eiten beS SelfenS, ober gar, bah mehrere oüfeinanberfolgenbe atoturereigniffe in
ber borliegenben aßeife fo atoedboE fich ereignet hoben foEten, boh baburch ein
aWenfdientoerf äertrümmert tourbe, beffen aSefeitigung ben au einer getoiffen' Seit
obtooltenben heihen nienfchlichen aiemühungen entft)roch, hat bon bornherein einen
hohen ©rab bon Unglaubhoftigfeit. ■
aiber es beborf noch nicht einmal einer foIdhen oEgemeinen ©rtoägung. Senn toäh-
20 2. ®a§ @eitirnl)eiligtum auf bem ejternftein

2166.5. 3erftörter Sopf beS autmfelfenä (Slorbmcftfeite)

renb ein iRaturereigniä al§ Urfatfie ber 3tb)preugung ber kreppe imnierbiu benfbar
iit, mufe bie ^etabftüräung ber gelSblodS über bem ^oblraum burcf) einen 9iatur»
Porgong au§ pbpiifaUfcbem ©runbe al§ au§geid)Ioiien angefeben toerben. iftncb feiner
3tblöfung Pom ©efamtfelfen burd) irgenbeine ßraft fonnte ber gelSblod aaenfollä ben
.gobiraum einbrüden unb bi§ auf beffen gufeboben berunterfaden; aber folange biefe
auSreicbenbe Unterlage ba loar — fie ftebt ja beute nod) — mufete er oben liegen
bleiben, unb ba§ nm fo mehr, al§ ber gobiraum ibn ätoanfl- nidbt nad) ber ©üboftfeite,
fonbern nadb ber fftorbtoeftfeite binüberauneigen.
®§ erübrigt bemnad) nur bie SInnabme eines planmöfjigen SerftörungStoerfS, 3»
Sn )c[}n)inbelnber Qöl)e 21

^bb. 6. 3crftörtcr ^opf beg S^urmfelfen^ (0üboftfeite)

bem ein erbeblid^er Slnfloanb bon @acE)fenntut§ nnb $ilf§fräften, bon (Energie, 3Wut
unb Qeit erforberlid^ getoefen ift, ®ine anbere ©rflärung, aB bafe bte ^at gur
ber ©infübrung be§ ©f)ttftentum§ tu biefer ©egenb, aifo bon 772 nadb nb, boFI*
bradbt b:)urbe, läfet unfere @eicbidbt§fenntui§ nicbt äu. ®ie nacbträglidbe 3nredf)t*
madiung be§ Drteg au einer (^briftlid)en Kapelle, bie übrigen^ fdjledit geglüdt ift, liegt
gana in ber Sinie be§ in jener üblid)en SSerfapreng. Sie ^errid^tnng be§ ©aael*
Ium§ anr ßapeHe ift erft bnrd) ba§ SBerbener ^lofter um§ ^at)x 1350 gefdbeben
(©eite 44).

Safe tnir eine abfid)tlid) a^rftörte, aber nod) immer ihre b)efentlid)ften SKertmale
tragenbe altgermanifcbe ßultu^ftätte, unb abtar ein bebeutfame^ @eftirnf)eiligtum bor
un§ hoben, tnirb burd) fdbb:5ertr)iegenbe ©riinbe geftüpt.
22 2. S)a§ (Seftirnl^etligtum auf bem ©steruftein

®a§ Jöilb 5 gibt eine gute 2Ini(^auung bon bem ©aaeEum, tote e§ nacb feiner
Serftörung bon ben 23?öncE)en mieber f)eb0ertc^iet b3urbe. ©eine: ©runbfläcbe ift
8‘/4X5y2 m (ohne 3lpfi§ unb i)^if(^e),: Safe e§ bert ®inbru(I einer cbr
madbe/rnirb faum iemarib beraubten tooEerii :@§ toibetft)ridit fo äiemIitfi aEen bei ber
2InIage bon (briftIicben SüItu§ftötten befolgten ©ebflogenbeiten.
Sie „2Ibfi§" ift fo befdbaffen, bafe ber ißriefter enttoeber recfetS ober linfS be§ „3IItar§"
fteben miifetel Siefer „2lItar"ift)ottet ben Srnforberungen, bie an ibn 3U fteCen mären,
^n einer löreite bon 33 cm unb einer Siefe bon 79,;cm löfet er ben beiligen ©eräten,
bem iEfefebucfe, bem ^rugifij; ber bl. Sambe’ober bergleic^en feinen iRaum. 3)tit ber
gieren SKiibe unb ©orgfaIt, mit ber biejer eigehärtige©tönber äu§ bem gematbfenen
geI§ berQu§gebauen ift/ formte mon einen rii^tigen fleinen SIItdr b
ißriefter ein ipiäfecben gönneir, um bor ifert ober hinter ibn gu treten. ; Sragaltäre unb
Satafombenäuftänbe bürfen bi?r nicbt aurn;Sßergleicb bernttgeaogen merben, ba e§ fid)
um einen Slltar bon gana befbnberer -Sauerbaftigfeit unb um' fftaumberbältnifje
banbeit, bie feine normale ©teEung unb einen orbnungSmäfeigen ipiafe für ben ißrie*
fter buribauS'geftatteten.: , V;
@in im borberen Seil be§ ©tänber§ in bie fpiatte eingebauenes quabratifd]e§ Socfe
(6 X 6 cm grofe unb 6 cm tief) 'bötte für: einen Slltar feinen Stoed, mar aber mobl ge*
eignet, ein betri ©eftirnbienft; bieneübeg Önftrument,’ a- S. einen ©cbattenmerfer auf-
äunebmen, ber bor bie:über bem ©tönber befinblicbe ffeiSrünbe Öffnung gefteEt mürbe-
Sur Slufbemabrung bon fßeliguien,.:bbn benen: übrigens; bie forgfältigen flöfterlidben
SSeraeicfeniffe gar nicfetS miffen, mar ba§ fleine Sod) böEig ungeeignet.' . Sie freiSrunbe
Öffnung über bem ©tänber in ber ©röfee bon 37 cm Surdmieffer bat red)t menig.
.Sbnlicbfeit mit einem d)riftlid)en ©borfenfter.'
^n- ber gegenüberliegenben SBanb befinbet fid) in eirter ^^reite bon 180 cm eine
40 cm tiefe, mehr als mahnSbobe Siifdie/ bie bon amei auS bem gelS gehauenen ©äulen
ohne .ßabitäl feierlidi flanfiert ift. Sei SInndbme einer; diriftliden ^ßabeEe ,fehlt für
biefe ©inricbtung jegliche ©rflörung. Sie ©öule'n fdieinen; alt. au' fein, finb aber
fbäter glatt gemeifeelt. Stuf .SKalta baßen h)ir eine alte; ^ultnifde bor einer Segräb»
nisftötte, bie ber unfrigen böEig äbniid) ift. : . ■ . :
2ßer baS in ber Storbmeftmanb befinblidie, auf unferen gelfenfopfbilbern 5 unb 6
au febenbe fog. Senfter betraditet, bem mufe bie ^armlofigfeit ^obffdiütteln erregen,
mit ber einige Sefchreiber ber ©jternfteine biefen Surihbruch burd) einen 215 cm
mächtigen gelfen au begrünben ober beffer au entfchulbigen berfuchen. SaS ift fchmer
angefichtS einer bermeintliden SreilichtfobeEe, bie fchon an einem Übermafe bon Sicht
litt. Einer berfelben ermähnt, bafe eS bie SluSficht auf ben ©ibfel beS erften fJelfenS
geftatte! Er hätte beffer auf ben ©onnenuntergang am ©ornrnerfonnmenbtage bin-
gemiefen, aber baS bafete ja nidd au ber d)riftiichen ^aheEe, 3Kit biefer Semerfung foE
noch feine Erflärung biefer rätfelbaften Öffnung berfucht merben; i(h fann nur feft»
fteEen, bafe fie oorn am ©aaeEum eine ftarfc Senufeung aufmeift (auf ber SIbb. 6
bemerfbar), bafe in ber SStitte ihrer Siefe bie Einrichtung au einem ftarfen Salfenber“
fchlufe borhanben ift, unb bafe fie bon ber abgefbrengten Srebbe auS augänglich mar.'

Son Sebeutung ift nun folgenbe geftfteEung: ber gaitae Staum mit bem über bem
©tänber befinblichen freiSrunben Soch ift nicht nach öften, fonbern nad) Storboften auf
Das tgeiÜGtum 23

bie am 0ommerfoiuimenbtage aufgel^cnbc 0oune uub auf bcu 5Dtoubaufgaug 5ur Qeit
feinet uörblidöfteu ©^trciu^ orientiert. 2)ie Orientierung ber d)riftlid)en @otte§l)änfer
ift bon ^tnfang an eine öftlic^e geloefen; bie norböftlidie snm ©ommerfolftitinm mar
al§ beibnifd) berpönt. ®nanbn^, ®ifd^of bon äWenbe fd)reibt im 13. ^abrbnnbert:
„2)?an mnfe fo ben @rnnb legen, bafe ba§ ^anpt rid)tig uad) Often blidt, nümlid) nad)
©onnenanfgang an ber 5£ag* nnb ^ad)tgleid)en, nnb nidd gegen ba§ ©olftitinm
(22. Snni) toie einige tun." ^nmiberbanblnngen gegen fircblidie 9Sorfd)riften nnb b^ib-

5tbb. 7. ©eftirnbeiligtum (©aaellum)

uifd)e 9ieignngen fd)einen im freien ®angemerbe mand)mal borgefommen 5n fein, be=


fonberg bnrd) 6iufd)mnggelnng alter ®ilbbanerei (bgl. ©. ^nng, @erm. ©ötter nnb
.gelben, nnb 6. SBeife, ©teinmetsart); mo aber flöfterlid)e Strbeit geleiftet mürbe, mie
hier, finb Si^^iberbanblnngen nid)t ansnnebmen. Ungenaue Seftimmnng ber Oft*
rii^tnng fam bei ben alten .<ilirdben big gn 14^ bor; aber banbeit eg ficb um 47^'
^Ibmeicbnng bon ber Oftrid)tnng (5Ibb. 3, ©eite 15).
3n einer borfdbriftgmäBigen Ortung bot ber gelfen bequemen 9tanm; bie Siorboft*
Ortung ift mit erfid)tlid)er 5tbfidd gefd)eben, entgegen ber natürlidben Stiditnng ber
geigmaub, 511 ber bie gemäblte 2änggad)fe beg Stanmg einen fbiben SBinfel bilbet.
3)ag Sod) ift in einer göbe angebrad)t, bafe bie erften ©trablen ber an biefen Stagen
hinter bem gegeniiberliegenben gügelranbe emborfommenben großen ©eftirne bie
gänbter ber in bem Fannie ftebenben ®7änner trafen. 3)7it einem einfadjen ^ombafe
24 2. ®Q§ @eftirnl)eiligtum auf bem (Si'ternfteiii

lüfet fid) bereite feftfteHen, bafe bte aWittellinie be§ 3^aumeg burdb bie SWitte be§ Sodbc§
btnburd^ bte erforberlidb^ Stid^tung geigt. Sluc^ bei Stnnabme eine§ febr bob^n Sllter§
ber Slnlage finb bie SSerfcbiebungen ber Sonnen« unb StRonboufgange gegen bie blutige
Sage nid)t fo grofe, bafe ba§ Sod) ben Strahlen feinen ©inlafe ntebr getoäbrt hätte,
.ßeute aber beträgt bi^tort^ ba§ Sonnenagimut gur Sommertoenbe 131® unb ba§
SKonbagimut beim äufeerften nörblid)en ©jtrem 141®, mäbrenb bie 3KitteIlinie be§
JRaumeg, bie Siegfr. aj^üller (Süffelborf, SBinfelfelberftr. 34) in neuer SSermeffung
auf bie 2tbfi^rt>anb begogen bat (Slbb. 3), auf 136—138® angenommen merben fann.
Sür ben ©ebraud) be§ SRaumeg al§ ^ultu^ftätte loäre eine foicbe Orientierung au§«

5(bb. 8. S^lifcbc im Sagellum

reidbenb geloefen. Ob barüber hinauf auf aftronomifd^ genaue 3JJeffungen an ben


g^ternfteinen gefcbloffen merben barf, fo bafe an eine Seantoortung ber Srage nach
ber ©ntftebungggeit be§ SageHumg b^i^öngetreten tnerben fönnte, bängt nur nod^ baOon
ab, ob ber S^acbtoei^ ber Stanborte beiber 3KaIe (für bie Sonnenlinie unb für bie
SWonblinie) a\§> befriebigenb angefeben tnirb; benn bie allgemeine grage, nad) ber
aftronomifdben Betätigung unb SWeftfiinft ber Sllten fönnen mir burd) unfere .Kapitel 5
unb 15 al§ beantmortet anfeben.
®ie gange gläcbe ber norbmeftIid)en, auf ber 3tbb. 8 gum größeren Steile fid)tbaren
Seitenmanb ift forgfältig, oben ftärfer al§ unten, abgearbeitet, unb gmar burd) eine
Steinmebarbeit, bie fitb beutlidf) aU au§ fpätercr Qext ftammenb fenngeidbnet, aB bie
übrige Steinmebarbeit. $ie ffianb bürfte Bilber unb getragen b^ben, bie mit
ber Bermenbung be§ Bäumet im Si^fötnrnenbang ftanben, t)ielleid)t 2^ierfrei§bilber
ober Bunenfbmbole, bie bei ber Bermenbung be§ Banmeg für d)riftlid)e
Srgerni§ embfunben fein mürben.
SSerräterifc^e (Stufen 25

S3em oBen Beffjrocöenen „genfter" unb ber fog. SIpfiS ift nadE)trägU(^ bte gorm eine§
fouber gearbeiteten IRunbbogen§ gegeben hiorben; unb audb bie graben Sinten finb
fbötere SIrbeit, möbrenb bie urtprünglicEie SIrbett überall an roberer STugfübrung unb
, ftörferer Sßertoitterung erfennbar ift. / —^
S)ie brei fleinen auf ber Itnfen Seite ber SIbfig aufeen am Seifen angebracbten
SCrepbenftufen finb bei ber febigen ©eftaltung ber öermeintliiben ßapeHe ööHig uner*
Ilörlicb unb fönnen toeber gum (Sebraucb be§ 5Priefter§,: nodb gu irgenbeinem fonftigen
mit ber Sßerteenbung alg cbriftlicbe Äapelle güfammenbängenben StoedEe gebient baßen.
®ie SCufpflongung eines ßreugeS, auf bie au§ einer oberbalb beg Sonnenlocbeg befinb*
lidben SSertiefung toobl mit Dfedbt gef^Ioffen toirb, fonnte toeit einfatber unb ung^fäbr-
lidber tion innen au§ gefdbeben. Siefe Kreppenftuferi-feben in S3irfli(bfeit ba§ SSor-
bonbenfein beS abgefprengten^ bie- Seele be§- fftaumeS bilbenben grofeen SelSteilS
boraug. ^ Sie bienten gu S3efteigung beg gelfenfopfeg, fei eg, bafe fieb bort nodb ein
anbereg Heiligtum befanb, fei eg, bafe bie Söefteigung gu bem StoecEe berJBeobaebtung
beg Sternenbimmelg gefebab. Sin bem ftebengebliebenen oberen Selsteile finbet fieb
an entfpretbenber Stelle noeb eine bon SKenftbenbanb auggearbeitete gurebe (auf
unferen S3ilbern nicht fiebtbar), bie gur SIufnabme eineg ©elönberg gebient gu babe'n
febeini. Sie unterften Stufen ber Sreppe finb auf SIbb. 7 gu feben. ;
3Ser fiä) übergeugt bot, bab bag Sagellum ein- gerftörter ^oblraum ift, trobbem
aber bie golgerungen nitbt gieben, fonbern an ber ©ntftebung in ibriftlicber Seit feft-
bolten miH, ift in ber übelen Sage, gu unglaublichen fSebauptungen .feine guflu^t
nehmen gu muffen, nömlich enttoeber, >
bafe bag auffebenerregenbe SBunbertoerf einer ßapeEe in ber fchminbelnben ^öbe
: einer 30 m hoben Steinfäule in geftbidjtliiber Seit mitbt nur fang- unb flonglog
gebaut toerben fonnte, fonbern audh unter bem Schmeigen aller Quellen burch ein
gemaltigeg ©reignig gerftört toerben lonnte;
ober, ' ■ f '/f,.'.r;
bafe bie SSauIeute bie'Kapelle in einen bereitg gertrümmerten gelfenfopf hinein-
gebaut hoben, babet ober burch SInlage beg genfterg fo borgegaugen finb, alg
ob fie eg mit einer lichtbebürftigen Höhlung gu tun hätten. ’

Sic Slnnabme, bafe bog SageEum ein germanif(beg, bem ©eftirnbienft getoeibteg
^©eiIigtum•mar, bot eine Stühe noch burch bie geftfteEung erfahren, bofe eine uralte
SBebrenOerbinbung alter>göfe in meitefter Umgegenb noch big in bie SKitte beg borigen
Sahrbunbertg bie ©etoobnbeit hotte, on ben ®jternfteinen;bie So mm e r f o n n e n-
to e n b fei er gu begeben\ @g mirb ber oEerlehte bteft ber SB o I If a b r t e n fein,
bie einft nach olter Überlieferung nach ben ßEternfteinen unternommen mürben. So
bei ber Qrientierung beg SageHumg bie ©jtremörter bon Sonne unD SWonb gleich¬
mäßig berüdfichtigt finb, fobalb mir ein um ^abrtaufenbe gurüdreichenbeg Sllter
aunebmen: ba ferner bie ^onlurreng beg Sonne- unb ERonbbienfteg im Slltertum
immer beutlicher erfannt mirb^ fo bürfte bie Sluffaffung, baß mir ein SKonb- unb
Sonnenbeiligtum bor ung hoben, ben SSorgug berbienen. Sog fRebeneinonber beiber
Sienfte mirb auch oufg trefflichfte burch unfere Slbbilbung 97r. 42 iEuftriert. gür biefe
‘ Settf^rtfi Slteberfad^fett, 1904, 9lqt). 19. ' ©tebe ouc^ S- 0. 5|3tabntann, SSerle ber §abett)i^.
26 2. ®a§ @efttrnl)eiligtum auf bem (äjternftein
grage tm f)of)eii ©rabe bebeutfam ift eine ber neueften ©ntbecfungen ißrof. UngerS in
SaBblon. ®r grub siuei nebeneinanberftebenbe Sembel au§, bon benen ber eine ber
©onne unb ber anbere bem SKonbe getoeibt toar; bie bom ©onnentembel auSgebenbe
©trafee ift genau auf bie ©ommerfonnenlbenbe, bie bom SKonbtembel auSgebenbe
©trafee auf bgS nörblicbe SKonbejfrem geortet.
Sine örtlicbeh SSerbältniffe on;ben ©jternfteineh berecbtigen f(f)lberlitf) au ber 2In*
nabme/bafe biei^ bie 2)^önner ,ibren ©ib batten, benen eineJöeobacbtung ber ©eftirne
in toiffenfcbaftlicbem ©inne oblag. Sie Stnaeicben, ba§ bie ©jtremörter für ©onne unb
SWonb bom ©aaeHurn guB aftronomifcb feftgelegt toaren, baß oifo ber religiöfe Sienft
einer h)iffenftf)aftlicberi @rünblage nicht entbehrt bat, toerben toir in bemitabitel über
„©ermanifcbe Slftronomie" bebanbeIn, U)eIcbe§ un§ äum ©ib ber Slftronomeu billleitet.
$ier intereffiert noch bie Srage,; loie ettoa ber ©eftirnfult im ©aaellum bor ficb
gegangen fein fann. SSon Cbfern, bie bielieicbt nit^t gefehlt haben, toiffen ibir nidbtB.
Sagegen ift e§ mögli^, un§ über eine anbere ©eite be§ ßuItB ©ebanten au machen.

Sag, rötfelbafte fleine fubif^e Socb, tbeli}e§ fitb born in bem ©tänber beg ©aaellumg
befinbet, ift bereitg ermähnt Ibörben. SIm einleudbtenbften ift bie ©rflörung, bafe eg
für einen ©cbattenfeerfer beftimmt mär, hinter bem fith ein beiligeg Sun ber briefter-
Heben .2)tänner boüaog. : - ,
Sa mir miffen, bab bie inbogermanifeben (urgermanif^en) Sßölfer aug bem S^orben
ftammen, unb ber Sufammenbang ber religiüfen ©runbibeen aber alten ßulturbölfer
unberfennbar autage getreten ift,mufe eg für ung nicht nur alg erlaubt, fonbern auch
alg geboten gelten, aur ©rgrünbung germanifeber Steligiongfrogen bergleiebsmeife bag
iJteligionglbefen orientolifdher fßölfer, ciueb ber ©umerer unb 93abbIonier, beränau»
aieben. gür bie bermoberten Seugniffe ber germanifeben ^olafultur xtnb bie grunb*
föhlieb berniibteten, an fieb ftbon fbärli^en Seugniffe germanifeber ©teinfultur fönixen
mir, borfidhtig taftenb, in engen ©renaen einen ©rfab au gelbinnen fudhen in ber unter
einem glücEIicberem ©tern erhaltenen unb aug mebrtaufenbiäbrigem ©cblummer
mieber aufgebedten Überlieferung ber Orientalen.
Sa ift eg nun bag 58iIb bon ©ibt)ar (ätbb. 9), toeicbeg luit innerem Stnange unferen
S9Iid auf ficb gebannt hält, unb au§ ber boEenbeten fftatlofigfeit über ettoaige SSor>
gonge in einem germanifd)en ©eftirnbeiligtum beraugäufübren bermag. Sag SBerü
boEe unb SSefonbere biefeg S3ilbeg liegt für ung barin, bofe eg ficb ui^t in ber Sarftel»
lung bon Sufeerlicbfeiten erfcböbft, fonbern an bie Höhenlage religiöfer ©runbgebanfen
beranreiebt. Sag gefebiebt in formen, beten ©leichartigfeit mit ber Sage im ©aaeEum
fcblber überfeben toerben fann. SBir betrachten bag Sifb bon ©ibbar!
^n bem fltaume linfg bon ber trennenben ©öule befinben ficb bie briefterliben 2ften=
fben, bie im SSergleib au ber übermenfblib mäbtigen ©ottbeit flein bargefteEt
finb. Sie finb auf eine SSerbinbung mit ber ©ottbeit, auf Erlangung einer ouf geheim*
nigboEem SBege in ihre SSelt einftrömenben göttliben straft bebabt. Sie ©ottbeit
thront in ünnabbarfeit unb llnfibtborfeit in einem anberen SBeltenraume, ber burb
bie 3eiben bon ©onne, 3)tonb unb SSenug alg ber ©ternenbimmel gefennaeibnet ift.
Sie ihr untertoorfene Untertoelt mit ben tierleibigen ©eftalten befinbet fib unter
ihrem ©ib, bag ©anae über bem burb bie SBeEen angebeuteten SBeltengemöffer.
Offenbarung bnrcb Sicbtftrablen 27

2lber bie ©ottbeit Wiü fid) bod) an§ ihrer Unerforfd)Iid)feit beraub bem SWenfd)en*
gefdbled)t offenbaren. Sie tut e§ burd) bie Sonne unb bereu Kräfte, bargeftedt burd)
ben t)on ber ©ottbeit $anb bodbgebaltenen 9ting (Sdblangenring) nebft ^errfdberftab,
ber bem Völlig bie ®oIImadbt gibt. mag fein, bafe e§ ficb auf bem Sibparbilbe in§*
befonbere um bie 93elebnung eine^ Sönigg bonbeit.
^ebodb nidbt bie glübenben unb grellen ©onnenftrablen felbft finb e§, bie bie böberen
göttlidben Kräfte bringen — fonft bötten ja aHe SJJenfdben ohne toeitere^ baran teil. —
5ür ba§, toag bie ©ottbeit befonberen aWenfdben befonberg 5u fagen unb au geben bot
finb bie Sonnenftrablen atoar and) bie SEräger, aber man erlangt biefe böberen ©aben
nur bann, toenn ba§ ©robfinnIid)e t)on ben Strahlen abgeftreift ift im Sd)atten; iebodi
aud) iebt nur unter
ber SorauSfebung, bab
ber Oon 2)?enfd)en*
banb aufgebaute Sd}at=
tenmerfer Oon beauf*
tragten göttüd)en$än*
ben gehalten ioirb.
Stuf biefem moblOer»
loabrten Sßege loerben
bie Kräfte an einem
glnibum, toelcbeg ®nt»
fernung, ßuft unb
äJJaterie iiberminbcnb
auch ben heiligen
(ben Stäuber) burd)=
ftrömt auf ben ihn
berübrenben oberften
"^sriefter übergebt unb
audb ben an ber t<panb
^erangefübrten erfüllt gür ben britten, bem geftattet ift fid) betenb an naben,
gebt e§ ebenfalls nid)t ohne Segen ab. Ober foH er ber Senge fein, bafe fidb
aHeg in Orbnung OoHaiebt ber 5InU)ärter auf bie nädifte ^nfarnation? ®ie reid^e
Sbmbolif beg ®ilbe§ läßt Oermuten, bafe hier jebe ßleinigfeit feine 93ebeu=
hing bot
äBir toerben faurn febigeben, menn ioir un§ OorfteHen, bafe einft and) im SoaeHum
ber bödbfte t^riefterlidbe SJ^ann feine $anb an ben Stäuber mit bem Sdbattentoerfer
gelegt bot nm bie empfangene straft burd) ^Berührung be§ golgenben meiteraugeben,
unb bafe ade Oon bem Söert unb ber Sebeutung biefer feierlidben ^anblung in biefer
Stunbe für ba§ eigene S)enfen, Sieben unb 2^un überaeugt getoefen finb.
SBenn mir nun be§ meiteren an ben Umgang um bie Slenbe (91pfi§) be§ Saaedum^
benfen, auf beffen einftigeg Sorbanbenfein au§ ben Umrifelinien unb ben SSermitte*
rungSOerbältniffen an biefer Stede (SIbb. 6, rechte) gefcbloffen merben mufe, unb
ihn al§ ben S?Iob anfeben, Oon mo aug ber unten borrcnben SWenge bie für fie beftimm=
ten Offenbarungen mitgeteilt mürben, fo bot ber ganae SSorgang für un§ an 3Sorfted»
barfeit gemonnen. ®a§ Staften aber nad) SSorftedbarfeit ber un§ fo fern tiegenben
28 2. S)a§ ©eftirn^ieiligtum auf bem (Sjternftein

Singe mufe al§ ein unentBef)rIitf)e§ ajfitter beim ^eranfommen an bie SSabrbeit einge»
f(f)öfet merben.
Surd) ben einiger Souriften, bie ba§ ^ermannSbenlmal auf bem ^öben*
juge, ber berf norböftlicben ^oriaont be§ ©asellumS bilbet, au erfennen glaubten,
mürbe icb auföHiö auf einen merEmürbigen, bie ®infamfeit be§ 3BaIbe§ unterbrecben»
ben 33au aufmerEfam, ber ficb bem burd) ba§ ©onnenlod) fcbauenben SEuge bietet. ©0
ift ber giffenEnicEer S?EübIenftumt)f, ber bom SSabe SWeinberg au einem 2tu§fi(f)t§turm
umgebaut ift. er ftellt ben aftronomifd) ri(f)tigen SD^erEjpunEt ber nörblidben aWonb»
ejtremlinie bar. 9Zad) ©übmeften, über ben Sarnaden binmeg, trifft bie Sinie in ber
gleichen ©ntfernung toon eya km mit: berfeiben ©enauigEeit bie ßobiftäbter Iftuine
(früher „^ünnenEirdhe" unb „^eibenEirdhe"). Sa beibe§ archäologifcf) bemerEen§merte
ißunEte finb, mar mir bie ©rfdieinung einbrüdlitf)/ unb ift mir tatfödhlicE) pm SSeg*
meifer in bie Oefterholaer SWur^. unb au meiteren JöeobacE)tungen aftronomifiher 3Irt
gemorben, —' momit natürlich noch Eeine Entftfieibung Über 2Ibfid)t ober Sufall ber
©rftheinung gegeben mar. Senn auf einem berartigen, ber ^rrung auSgefehten ©e»
biete muB erft Erfahrung aur Erfahrung Eommen unb in bie gleitfie Schale fallen,
ehe bie SBaage nach biefer Seite burchfchlögt. '
SBenn brei iPunEte bon einer getoiffen Sefchaffenheit fich in eine Sinie einorbnen, fo
Eann man noch mit einem anfälligen SuftanbeEommen biefer Srbnung rechnen. Sritt
ein bierter ^PunEt berfelben Qualität in bie gleiche Sinie, fo führt bie mathematifche
SBahrfcheinlichEeitgrechnung bereits im hohen ©rabe au ber itnmahrfcheinlichEeit beS
gufaHS.; §ier aber ift nun ber bierte fßunEt am fernften ^oriaont ber SIufgangSgunEt
beS SKonbeS am "Sage feines nörblichften EjtremSl SWit anberen SBorten; bie burch
bie hier ,5pÜnEte gehenbe Sinie ift nicht eine beliebige in ber Sahl ber möglichen Sinien,
fonbern eS ift bie für baS Seitalter beS ©eftirnbienfteS mhthologifch hochbebeutfame
fWonblinie, unb amar mit ber ©enauigEeit ber SWeBtifchblätter.^ ^^
■Sin ber erheblichen m^thologifchen 33ebeutung btefer Sinie mar nicht aü ameifeln. Sie
grenat ben Seil ber Untermelt ab, in bem meber Sonne noch SKonb noch ein ißlanet
jemals eingeht, unb ftellt einen Sotenmeg bar, auf bem bie abgefchiebenen ©eelen aur
§el mgnbern, einen SBeg, ber in ber §immelSbrüde ber aKilchftraBe fein ©egenbilb hot-
SaS ErforberniS einer bermittelnben Station amifchen Ejternfteinen unb S?ohIftäbt
ouf bem 33arnacEen burfte nicht obfchreclen, ba eS einleuchtet, baB bie Sllten in bergiger
©egenb fich nicht burch 3toif<henftationen hinbern laffen burften, menn fie überhoupt
barauf bebncht gemefen finb, fich folche baS Snnb burchaiehenben Eultifchen Sinien au
fdhaffen. immerhin mar eS nicht ermunternb, baB auf bem jBarnacEen nur noch Söcher
au finben finb, beren mögliche Sebeutung (bgI.S.202) mir bomalS noch unbeEonnt mor.
Um fo mehr lohnte fi^ bie groge noch ber Sebeutung beS SpiaheS ber g if f e n ■=
E n i cf e r ü h I e, ber ja fchon als beherrfchenber IßunEt bei unb über ben heilißen
,gainen beS Seiftruper SSalbeS (Pgl. 161) mit feinen ©teinfehungen, Qpferfteinen
unb ©räberfelbern befonbere SlufmerEfamEeit beonfpruchen Eonnte; er mar bie ge=
gebene Stelle einer SBorte für bie SSoIESPerfammlungen unb gefte im Jgain. Saau ge»
feilte fich bie urEunbliche EntbedEung, baB hiei^ auf bem angrenaenben ©runbftücf beS
„,günEemeierS" eine ber Perfchmunbenen einfamen Kapellen beS SonbeS geftanben hot.
SarauS ergibt fich, boB fich in ber SeEehrungSaeit bie SEotmenbigEeit aeigte, ben ißloh
bon ben auf ihm haufenben böfen ©eiftern beS alten ©loubenS au befreien. Qben«
Ortuugömale beg ©aseHum^ 29

brein ergab fi(b ber bei ber Ermittlung be§ Drientierung^ft)ftem§ ber großen
5£eutoburg al§ 3^Utf)enftation auf ber SBeftoftliuie 5£eutoburg*giffenfnidter*3KübIe“
Stu^fidöt^turm über ©döieberburg, eine Erfdöeinung, bereu ©inn fid^ au§ ben Slu^füb-
rungen im Ortunggfabitel biefe^ S3udie§ ergeben mirb.
9?0(f) einbrud^boller, ma^ ben gegenmärtig nodö Uorbanbeuen, fid)tbaren Sefunb an¬
langt, ift bie 0 b I ft ä b t e r 31 u i n e , meil bie Entftebung ihrer 2)?auern felbft in
bie t)ord)riftIidf)e Seit fädt. 3Bir merben ihre eingebenbe Seacbtung in einem befonberen
Kapitel mibmen müffen.
3Zeuerbing§ ift aud} ber ^lab beftimmbar gemorben, mo fid) einft ba§ 3ll^al ber ©om-
mer fo n nmenblinie ber Ejternfteine befunben bnt. Er ift in tneniger al§ ein ^ilo-

5tbb. 10. S3rüdenlager unb SBarfelftein

meter Entfernung bon ber 3KübIe über 33ab dJieinberg su fudben — unb äu finben! 3lu
ber entfpred^enben ©teile fanb idb bor einigen fahren äunädbft nur äablreid}e müft
umberliegenbe ©teine, bie — fomeit fie bon fadbtunbiger $anb unterfudbt mürben —
fämtlidb eine „lagerbafte'" glädbe aufmeifen, mie fie für 3t)fIopifd)e§ aTOauermerf er-
forberlidb ift. Unterhalb befinbet fid) ein nod) gebraudbter ©teinbrudb. 2)ie aWübe, fie
auf bie .^öbe 3U fdbaffen, mirb einft fid)erlidb nicht gmedlog aufgemenbet fein, menn
audb bie ©trede nur furg ift. Ign einem ueuaufgefunbenen aWanuffripte be§ £)berft
©dyeppe liegt nun aber ber aSefunb ber ©teile bor 60 fahren bor. SBöHe, ©räben unb
©teintrümmer haben ©dieppe bamal§ 311 ber Überseugung geführt, bafe e§ fidb um eine
Äultftätte bcmbelte. Uufere geftfteHung, bafe e§ ber 5piab für ba^ ©onnmenbmal
ber Erternfteine ift (133®), bringt bie $&eftätigung ber gorfdbcrarbeit ©dbeppe§.
Über ©tone!)enge macht Sodper’ — nach 3Uem — bie aWitteilung, bafe ba§ Sl3imut
ber ©ommerfonnenrnenbe bon ©tonebenge (49® 35' 51" bon a^orb, aifo 130® 24' 09"
^ ©tr a^orman Socftier, „Stonehenge and other british stone Monuments astronomical. II. edition
London 1909, <3. 66.
öou @üb) J6eftätigt tüerbe burtf) bie 2:atfac^e, bafe ba§ Slaimut bom 3entrum be§ Xem-
bel§ ou§ natf) NO in 16 kin Entfernung einen ^ügel marfiert, ber al§ alte SBoHburg
nameng ©ilburtj ober ©ibburb befonnt fei, unb boB biefelbe Sinie über ©tonebenge
nadf) SW fortgefe|t, einen anberen alten befeftigten ipiab nameng Erotoelt) Eaftle,
ettoa 12 km entfernt, mit gleichem Slgimut erreiche. ,,®g banbeit ficb aifo einfach um
ein e g e r a b e S i nie 8 ln i f d) e n 3 h) e i .SB a 11 bürg e n, b i e in b e r SW i 11 e
b u r cb © 10 n e b e n g e I ö u f t." ®amit haben tnir eine boHfommene Entfbrecbung
3u ünferen Ejternfteinlinien unb auch ber „Eintoanb" ber Einaigartigfeit foldber aftro*
nomifcben Crtunggmale in ber. SBelt ift binföHig. . '

SD i e g r 0 B e S3 r ü d e b 0 m S e I f e n 4 • 3 u m S e I f e n 3 ;
Stuf bemi Seifen; Wr. 3, ba, loo bie aug bent (äeftein gebauene febige Ärebbe 3u ber
fleinen in bag ©asellum fübrenben überganggbrüdfe gelangt, fiebt man rüdtoörtg unb
abtoörtg fcbauenb nabe bor ficb auf bem SSefteiri eine bori3ontale, fdbnurgerabe, redbt-
toinflig auggearbeitete Stugfeblung (Stute) in einer Sänge bon 4 m unb in einer ^Breite
bon ettod 35 cm (Slbb. 10). ©ie bat für bie baneben beraüffübrenbe ©teintrebbe unb
audb fonft leineJöebeutung. Sie' SSertoitterung ift eine; erbeblidb ftörfere alg bie beg
Srebbentoerfg,' unb, aüdb an ber ©teinmebarbeit erlennt man bag noch toeit böbere
Sllter. Sie Stugfeblung macbt ben EinbrucI eineg Sagerg für einen groBen lBalfen.
Sin bem bem Seifen Str. 2 3ugeIebrten Enbe befirtbet ficb eine nach auBen duggreifenbe,
im SBinfel bon 45“ angefügte, in ficb fcbarf redbttoinflig auggebauene SJertiefüng, loelcbe
offenbar alg SSiberlager gebient bat, um ein Stutfcben beg S3alfeng in ber Sönggricb*
tung nach Seifen Sir. 4 bin 3U berbinbern.i Sn entfbredbenber Entfernung; too ber
natürlicbe Sel§ in gleicher §öbe mit bem foeben befbrocbenen Salfenlager unb in noch
gröBerer Sänge 3iemlicb abgeblattet baftebt/ getDabrt man bie unberfennbare SBirfung
ber Sagerung eineg 3toeiten48aIIeng, ünb 3rt)ar: genau baraIIei bem erften l8aIIen-
lager.in einer ©bürbreite bon 210 cm. SBer biefe beiben SSalfenlager beobachtet, bem
brängt ficb bie SSermutung auf, baB fie bag biegfeitige SIuflager einer SBrücfe getoefen
fein müffen, bie bon bem Seifen Sir. 4 her über bie iebige SanbftraBe bintoeg 3um
Seifen Sir. 3 berübergefübrt bat. Sie SSeftätigung, baB eg ficb in ber Sat um eine
S3rüde gröBeren SIugmaBeg, bon etma 21 m ©bannmeite, gebanbelt bat, gibt bie
llnterfucbung ber SSerbältniffe auf ber norbtoeftlicben Slugbucbtung beg Seifeng 4
felbft. Siefer ift fcbtoer sugönglicb unb hjirb in ben S3efcbreibungen bei Ejternfteine
überbaubt nicht befbrocben. ®ier finben fich nun burcb SWenfchenbanb bergeridhtete
©teilen am Seifen, bie burcb ben Btoecl, alg Sluflager einer SSrücie au bienen, erflärt
toerben tonnen unb auBerbem bie beutlicben ©buren: einer aug bem Seifen augge»
bauenen S3obn, bie 3ur Srufnabmc eineg ber S3rüde entfbredhenben groBen, oug $ol3
bergefteilten Slufgongg alg gefcbaffen erfcbeint. ^cb übergebe bie an biefem unmirt-
lieben Seifen ficb fonft noch finbenben SIn3eicben menfcbIicber S3etätigung, barunter auch
bie Zeichnung eineg Sotenfcbäbelg burcb;?lSunftierung beg ©efteing, bie EinmeiBelung
bon Sinnen u. bgl. — toiH iebocb nicht unertoäbnt laffen, baB ber ©eologe Dr.; SBiIb=
fchreb> Suigburg, ouf ®runb feiner SSeobaebtung burcb bag Sernglag bie ©ebiebtung beg
berühmten SBadelfteing auf biefem Seifen (SIbb.lO) alg bobisontal erflärt, mäbrenb bie
©ebiebtung beg Seifeng felbft bertifal läuft, tooraug gefcbloffen toerben müBte, boB ber
Sßacfelftein bon SPienfebenbanb bortbin gefebafft fei, eine foft unmögliche SSorfteüung!
®te untere ©rotte itnb ip ytunengetajen '
©inige fleinere fSeobadhtungen foHen bortoeg ertoöhnt toerben. Sluf ber Süblrieft*
feite be§ SelfenS ,1 (SIbb. 4), unterhalb beS barauf eingerichteten SIu§fi(f)t§bIobe§, 3U-
gönglich bur^ eine Seiter ober Slnfeilung,; fanb ich auf einem gut geebneten gelSbor-
fbrunge bie unbe'rfennboren ©büren einer giemlich geröumigen menfchlichen SBoh*
nung. Jliefer . unten. liegen in einem ©balt mehrere behauene ©teine, bie gu ber
SSohnung gehört haben mögen. Seiner follen ouf ber öüfeerften ©bibe be§ SelfenS.l

Stbb.ll. ©tirnfeite ber unteren ©rotte

nadö öem SSalfer I)tn, tno jebe ^Beengung burd) bie übrigen geifert aufbört, grablimg
gearbeitete unb recbttoinllig nneinanberftofeenbe SSerttefungen beS lünftlitf) geebneten
gelfenS auf. @ie umfcEiIieBen in einer SluSbebnung bon 4X6 m bie gange natf) brei
©eiten bin auf§ f(^rofffte abfallenbe gelfenfbibe unb mögen gur SIufnobme eine§
fdbtt)eren ®oIägeIänber§ gebient haben. Siefer fßunft läfet eine berborrogenbe fultifcbe
ißertoertung bermuten.
2In ber bem gelfen 2 gugelebrten ©eite biefe§ gelfen§ 1 befinben ficb ftarfe SIngeicben
einer borbanben gelnefenen SSerbinbung mit bem Seifen 2. ®emnacb tnürben alle
Seifen 1—4 ein gufammenböngenbeS ©bftem für menf(bli(be iSenubung gebilbet haben,
beren oberfter StoecE in bem ©onnen* unb SKonbbeiligtum be§ gelfenS 2 gu fucben
fein toirb. hieran hoben fich meine toeiteren Unterfuchungen angefnübft.

SBir Inenben unfere Slufmcrlfamfeit nunmehr ber grofeen unteren ©rotte in Sei¬
fen 1 gu. Öhre aeittoeife SJertoenbung alSthriftlithe Tabelle ift.burth eine alte ^nfchrift
32 2. ®a§ @eftirnl)eiUgtum auf bem ©jternftein

5lbb. 12. S^orbccfe ber unteren ©rotte

neben ber ©ingang^tür bezeugt, tnonad^ 3lbt ^einrict) Don ^ßaberborn fie im ^abre 1115
getneibt bc^t (dedicavit) (Slbb. 11).
®iefe ©rotte ift feit ^abre^frift burd) eine überrafdienbe ©ntbedung mit in ben
SSorbergrunb unfere§ ^ntereffe§ gerüdt. Si§ babin beriibte ba^ Sebenfen, ob fie Oon
ben ^aberbornern audb toirflidb au§ bem gelfen b^^öu^gebauen, unb nicht Oielmebr
auch f^fton germanifdben Urfprung^ fei, auf bem 3-ebIen eine§ 2tltarraume§, auf bem
SSorbanbenfein einer feffelartigen y^ertiefung im gufeboben öon 1 m Surchmeffer, für
bie bie SSertoenbung aB Saufbeden gar nicht in grage fommen fann, unb auf einer
im hinteren Seitenteile angebraditen grofeen ®r)rrune, beren Slu^feben auf ein febr
bobeg Sllter fd]Iiefeen liefe. Sefetere fam alg Steinmefeaeidien fd)on um ihrer
©röfee (35 cm) miden nicht in »etradbt, aber bei ber aKöglidifeit ihrer fbäteren ®er-
fteHung fonnte ihre 93emeigfraft beftritten toerben.
?lun aber bnt im Januar 1929 ein gütigeg ©efd)id ung ein fleineg äBunber erleben
laffen burch folgenben Vorgang: ©elegentlidb eineg fonft in ber SBinteraeit faum Oor-
fommenben 93efu(hg ber ©rotte mit mehreren greunben germanifcher ®orgefchichte
erfd)ienen bie gefamten nadten gelgteile ber inneren ©rottentoänbe gleicbmäfeig
t)on einem fchönen, meifeen SRaub^eif überjogen. ^m übrigen nichtg Sluffädigeg,
aber aug ber meifeen SEßanb rechtg neben ber alten 9tune hob fid) in beutlid^en bunflen
Strichen eine g m e i t e gleidbgeftaltete Sftune b^t^bor, oben mit ber alten SRune burd)
einen borigontalen Strid) oerbunben, fo bafe nun ein mäd)tigeg ©obpelrunenseichen
(40X43 cm) Oor unferen Singen ftanbü
Sllg ©runb ber ©rfd)einung ftellte fid) b^raug, bafe ber alte gäbe SSerpufe, ber einft
bie SBänbe gang bebedt bat unb meift abgefallen ift, in ben SSertiefungen beg neuent*
bedten Slunenteilg bciften geblieben mar unb bie SRaubreifbilbung oerbinbert büt.
®er 9^aubreif Oerfchmanb fdbon in ber auf bie ©ntbedung folgenben Stacht; bag ßid)t-
bilb melcheg mir in ber SIbb. 13 Oor ung haben, mürbe einige SBod)en fpäter nach
9?unenfunb 33

forgfanier 3lufU)eid)ung unb (Entfernung ber Serpu^refte au§ ben ^Vertiefungen


gemacfit
atunenaeidöen I)at unö nuniuel)r ben uiuuiberleglid[)en Setueig Uon bem Sllter
ber ©rotte gebracht unb einen U)id)tigen 5tnt)Qlt für bie ©rfennung ihrer 93ebeutung
gegeben. $a§ fafe unter bem äVerpub, ift baber alter, qB biefer. ®er Serpuh
aber mufe b o r ber Sßeibe beg 9taunie§ 511 einer d)riftlid)en Sultftütte auf bie SBänbe
aufgetragen fein. Senn e§ erfdieint bei ber geiftigen (EinfteHung ber erften ^abrbun»
berte be§ ©briftentunB aB boHig anggefdüoffen, bafe in bem fRaume nur eine einzige
SD^effe gelefen tuerben fonnte, fo lange nodi ba§ grofee beibnifdhe fftunenseidhen, an*
fbrud)§boE fid)tbar für jebermann, an ber SSanb ftanb. ift bie ©unft be§ ©efd)id§,
bafe man e§ bamaB nid)t mit 33eilen iueggebauen, fonbern fidb nüt feiner Überbedung
burcb ben SSerpub begnügt böt.
Sie Seftimmung be§ 3cid)eiB aB uralte^ S^^eogramm gablreidber alter SSöIfer mit
Segiebung auf bie SBinterfonnenioenbe ift ®nbe SRai 1929 burd} ^rofeffor $erman
ffi]irtb*®^arburg erfolgt unb in §eft J 1929 bon „©ermanien" (a3Iätter für greunbe
germanifcber $Borgefd)id)te. ©ine ber Safeln: 5lbb. 14) in aiBfübrIidier Sarlegung
beröffentlicbt. ©inige 3Ronate fpäter b:)urbe nodb in ber ©rotte bon einem ©tubenten
ber Olbenburger bübagogifcben Stfabemie bie ©puren eine§ toeggebauenen großen
®afenfreu5e§ entbedt.

Unter Serüdfid)tigung aller Serbültnijfe ber ©rotte, in^befonbere and) ihrer ©e-'
fd)idbte unb ber unterfd)ieblid]en ©teinmebarbeit, brängen fidb nunmehr folgenbe 3Ser=
mutungen auf. ^d) folge barin im luefentlidien ben Seobadbtungen be§ $errn Dberft*
leutnant ^lab, bem auch ber ©runbrife (21bb. 16) gu banfen ift.
3tB irbifdbe Sarftellung unb ?iad)bilbung be§ äRutterfdbofeeg ber ©rbe, in ben bie
äBinterfonne eingegangen ift, mar bie ©rotte oon .gaiB au§ eine licbtlofe ®öble, unb

51bb. 13. D^tunenbilb ö 0 r ber 51ufbecfung Sftunenbilb n ad^ ber 51ufbecfung


3 Xeubt, ©ermontfd^c .^»eiligtümcr
84 2. S)Q§ @efttrnl)eiltgtum auf bem ©jteruftetn '

ift unter Senu^ung einiger bereits borbanbener Slafen int ©anbftein, bie nodö iefet
bemerlbor finb, mit gouftfeil unb @(i)lägel au§ bem gelieh berauSgebauen. S)a§
grofee ütunenseid^en befonb ficö on ihrem äufeeriten nörbIicE)en (Snbe. Sie ie^igen
3;ur- unb genfteröffnungen finb fbäter burdögebrochen, toobon aud) Stn^eidien borhan*
ben finb. iPZeine anföngliihe SSermutung, bafe bie ©rotte bie ©diahfammer beS Heilig¬
tums getoefen fein fönne, gebe idb nach (Siitbedung beS gansen SlunenaeitfienS unb ber
©rtennung feiner löebeutung um fo mehr auf, als bie Unterfuchung einer fehr fleinen,
noih.rechts baneben befinblidieh ©rotte ein für biefe grage bead)tenSlDerteS Ergebnis
gehabt hot. ßehtere'toar'ftets fehr fchtoer sugonglidi nnb leicht 3U beloachen, ba ihr
einsig mögli(her ©inläfe in ettba 7 m Höhe über : bem ®rbboben liegt (fiehe auf
2lbb; 11 bie fleine Öffnung am Sftanbe rechts), ^hre ©röfeenberhöltniffe bon 1,50 m
Höhe, ©reite unb S-iefe machen fie unbrauchbar für ben’ Slufenthalt bon 2/tenfdhen;
ein ©rtoachfener dann fich tbeber'boE aüfriihtenmbth liegenb auSftreden. ©in unS
bernüriftig erf(heinenbef Stoed ift'bemnadh mir-inder Slufbemahrung bon ©egen-

Jfod; oben ober unten gen(I}tete8 2trm)3aor erfcheint nach SBirth in ben neolithifchen getejeidh-
nungen ber })räbt)na(tif(hen 3cit ÖigbtttenS unb Stitelamg foroie im 3JlegaIith=Siutturtreife be§
ottantifchcn siorbenS; in sSghpten auch in ber fpöteren tlultf^mbolit. Hier wirb ©inri unb S}e=
beutung für ben ©onnenMt burch hinjugefügte SBeftimmungSaeichen uns weif eihaft: Stuf ftieg Bjw.
SIBftieg ber ©onne, be§ ©innbilbeS be§ ©otteSfohneS, „ber bo§ Sicht ber Eanbe trägt".
Heiligtum ber SBinterfonnenlrenbe 35

^tauben au erblirfen, unb a^^r bon tuertUoHen, nidöt aur bequemen 33enufeung bon
iebermonn beftimmten unb feltener gebraudbten ©egenftänben; fonft märe ber awr
^erfteHung ber ©rotte nötige Slufmanb unb bie ©rfd^tnerung ibre§ S3etreten§ gor ni(f)t
erflärltdö. ®urdE) bie S^acbricbt 6inl)arb§ über ben SRoub be§ @oIbe§ unb be§ Silber^
burd) ßarl miffen mir e§
ja aud} mit münfd)en§mer»
ter gefd}id]tli(^er ©emife*
beit, bafe bei ber ^rminiul
ein Slufbemabninggort für
foId)e ©dbä^e gemefen fein
mufe.
@inb bie übrigen Öff*
nuiigen fbäteren Urfbrun-
ges, |o batte iinfere
grofee ©rotte ihren ©in*
gong burd) ben ie^t nod)
borbanbenen, aber unbe*
nultenfdblaudiartigen füb-
meftlidben 5EunncI. Sie»
fer ift burd) bie noch
beutlid) erfennbare 93efei»
tigung einc§ erbeblid)en
SeBteilg bi§ auf ben jebi*
gen 9?eft berfürat unb
bürfte feinen Slnfang ami»
fcben ben beiben gelfen 1
unb 2 gehabt höben, fo
bafe ber ©intritt in ben
Sunnel burdb ben gel§»
fpalt bon ber Söafierfeitc
(Sübmeftfeite) her gerne»
fen ift OMb, 77).
93ei biefer Sluffaffung
fommt bie fog. ^etru§»
figur, bie fidb fo im Sun»
nel befinben mürbe, für 2tbb. 15. 0übecfe ber unteren ©rotte
bie germanifdbegeit faum
in 93etrad)t. @ie mirb au ben „Slboftelbilbern" gehören, mit benen ßarl b. ©r. ge»
mäfe ber 97adhrid)t ^amelmann§ au§ bem 16. Sqhrh. bie ©jternfteine fdhmüdte, al§ er
fie nad) ber 3orftörung§tat au einem Slltar ©otteg madhte (Slbb. 21).
Über bie feffelartige gufebobeivSSertiefung in ber ©rotte läfet fidh fcium eine SSer»
mutung äufeern, menn nidht 2t. ©dhiorenberg^ SKeinung al^ beachten^mert angefehen
mirb. ©r glaubt, bafe bieg fidherlidh mid)tige ^nbentarftüd aug ber furaen ^eit ber
SSarianifchen ^errfchaft ftamme, alg man an Oielen Orten beg Stömifdhen Steidheg,
einer Sieblinggibee beg 5?aiferg 2tuguftug folgenb, ben 3J?ithrafuItug einauführen be»
3*
36 2. ®a§ @efttrnl)eiltgtum auf bem ejternftein

ftrebt geluefeit fei. 9tl§ 3Saru§ bte§ tum aud) in ©ermnnicn 311 tun begonnen habe,
ba fei e§ einer ber .gaubtgrünbe getoefen, tooburd) ber 3tufftanb 3um 3lu§brud) ge»
fommen fei. ©cbierenberg fagt, bafe er äbnlid)e Reffet in fämtlid)en Don ibm befud)ten
SWitbratempelit ©übtoeftgermanienS, ^talicnS unb be§ Orients gefunben habe, ^ebod)
fd)eint mir biefe 3lnfid)t nodi meiterer ©tüfeen 311 bebiirfen (3tbb. lo).

5 elfenfa r g
llnterbalb ber unteren ©rotte, 100 bn§ ©eUinbe ftcit 3ur SBiembefe (©elueibter Sad),
aBel)nie=3Beibe) nbgefaden ift, liegt ber gelSblod mit bem gelfcnfarg (9tbb. 17). ^n
bie @runbfläd)e einer balbfreiSförmigen fTcifd^e ift in ^örperlönge bon 1,80 m unb
SWumienform ein ©arg auSgebauen, ber für ben befannten SliituS ber ©arglegung ge=
fcbaffen erfcbeint. gür ben au§ bem ©arge fid) mieber 3tufrid)tenben ift in ber ©eiten»

manb eine Vertiefung, bie bem ©riffe ber $anb entfbredieub geformt unb ange»
brod)t ift.
©omeit id) e§ biSber erfunben fonnte, haben bie berein3elt in dbriftlicben ^firdben fi^
finbenben Vad)bilbungen beS ©rabeS ©brifti fömtlid) anbere Verbältniffe, burd) bie
fie als ungeeignet für bie 3eremonie ber ©arglegung erfdbeineu. ©ine foldbe bot oucb
in ber dbriftlicben ^irdbe aller Seiten feinen fftaum, möbrenb an ben ©rternfteinen
gerabe bie ©arglegung ber in bie Singen fbringenbe SmedE ber ©inridbtung ift.
Oer ©ebanfe, bafe ber gelfenfarg im VJittelalter entftanben fei, unb alS Stn3iebungS»
fraft für SBallfabrer bienen follte, ift ohne febe Vegrünbung. ©r bat nid)t nur in bem
biofeen ^intneiS auf baS SSorbanbenfein beS SladjbilbeS feine ©tüfee, fonbern mirb aud)
bon bem, ber bie ©efd)icbte ber ©jternfteiue im SKittelalter (fiebe ©eite 40) aufmerf«
fam berfolgt, als unftimmig für aUe Veriobeu augefeben merben. Stiebt diriftlidfee, fou-
bern Oordbriftlidbe SBadfabrten fommen für bie ©jternfteine in grage.
Oie ©arglegung gehört nod) beute 3um fftitual ber greimaurer bei Slufnobme in
einen höheren ©rab. OaS fftitual führt unS über bie ©ntftebung beS gegenmörtigen
OrbenS (in ©nglanb um 1700) meit hinaus in bie Seiten ber Vaubütten unb bon ba
3urüd in bie germanifdbe Seit. Oie ge3inungene Slnpaffung beS bon $auS auS nicht
(SarQlegung 37

d)riftlid)en SHtuaB au d)riftlid)e, befonberg biblifdi^altteftainentlidie Serbältniffe,


^erfonen iinb ^bcen tritt gcrabe bei ber $irarngefd)td)te^ Quf§ beutlid)fte äutage.
@inn ber ©arglegung ift nid)t nur beim greimaurerorbeu, fonbern auch fouft
Qm ^abrfd^einlid}ften bie ?teiigebiirt mit ©eliibbe unb bie SSerbfliditimg äum ©ebetim
halten ber 3Kt)fterien ansufeben. 2)^t)fterien fbielteu in ben alten ^Religionen eine
grofee $RoIIe, finb für bie J^elten an^brüdlid) besengt unb haben and) bei ben @erma»
nen nidd gefehlt. Senn mo höhere .Kräfte unb SBeiStiimer 511 Oergeben finb, tuo e§

»b.lT. Selfenfarg

Orafelfprndhe unb 3Beigfagung gibt, ba finb au^ äRhfterien unb 5ur SSerfdhtoiegenheit
Oerbflidhtenbe S^titen.
Sei Sacitu^, ©ermania 39, finben mir einen Seridht über eine feierlid)e ^anblung
ber ©emnonen in einem ihrer heiligen $aine, ber gana ben ©inbrud macht, al§ ob
er fid) auf bie ©arglegung mit augehörigen geremonien beaöge. (Sin SRann mirb
umgelegt. (S§ bürfen nur Slborbnungen, aifo äßiffenbe, teilnehmen, menn fie M
burch ein umgefd)Iungene§ Sanb (vinculo ligatus) au^meifen ufm. Sacitu§, ber natür*
lid) nidd Oon einem ®iffenben, fonbern burd) ^örenfagen feine S^'enntni§ hcit, unb bie
unoerftänblichen Singe obenbrein burdh römifche Srille fieht, benft an einen ^Ritual»
morb unb bringt eine müfte (Sraählung auftanbe. Sebauerlidi ift, bafe bentfdhe Über-
^ @in Saugefelle beim folomonifd^en ^:empel foU ben 2Reifler ^irorn auä ben Serfertiger ber
ehernen ©änlen ^othin unb Soo§ erf(hlagen haben, metl er ihm ba^ ÖJeheimni^ feiner ^unft nid§t
öerraten mollte.
38 2. 2>a§ (Seftirnlietitgtum Quf bem ©jternfteiu

je^er ben bon ÄocituS beodfitenSlbert borftifitig gebroutfiten SCuSbrud „caedere“, ber
erft in ber Übertragung „töten" bebeuten fann, in gelböbniicber JSebeutung aber mit
„fäCen", „nieberfdblagen",. „umlegen" überfefet merben mufe, bebac^tIo§ fteigern unb
mit „fcfilodöten" miebergeben. Sbnen liegt ber ©ebante, mie fd)Ied}t beaeugt ba§ ger«
manifcbe 3Wenftf)enot)fer überbautit ift^ offenbar notf) fern. S)ie @t)rfutd)t ciudb bor
©reuelberiifiten, menn fie nur auS' JIaffifc^er geber ftammen, ift nod^ immer erftaun-
■litf) grofe. ■ • ■ ^
(Sine neue Seobacfitung, in fic^ felbft toertboll unb unfere SCuffaffung ergdnaenb,
fommtmun binp.;'';
Stuf bem i£)interen, t)ö(bften S:eiIe be§ ben geIfenfärg entbaItenben 5eI§bIodE§ führen
atoei bisher unbea(htete Heine S;rebben, iebe beftebenb au§ mehreren au§ bem gelS ge*
houetien (Stufen, au einem fleinen ißlahe, auf bem eben nur ein 3J?enfch ftehen tann.
ltnfere SIbb. 18 aeigt ben fenfrecht b o n o b en bhotograbhierten fJelSblocE; toer
■ auf biefem burdi bie beiben Srebheti beboraügten höchften-ißunfte be§ SSIodtS fteht,
blicEt — ben Stüdfen gegp bie SSöfdhung — nach S^orben (SIbb. 19).
2)er merfmürbige Heine Sßlah, für ben iftan hoch nidht umfonft bie SWühe ber ^er-
fteEung 8 tb e i e r SCrebben cmfgeloenbet hat; erinnert an einen Sraudh; bafe ber ißrie*
fter äum SHtar auf ber einen Seite hinauffteigt, unb auf ber anberen Seite bom SlItar
toieber herabfteigt. ^ft biefe noch feht in ber (hriftUchen ^?irche hier unb ba befolgte
SSorfchrift (hriftlichen UrfbrungS, ober auS Borchriftlichem Brauchtum in ben dhrift*
liehen S3rau;h übergegangen? ®arauf ift mir gana unbermutet bic flärenbe Stnttoort
gefommen burch einen mir überfanbten 2trtifel einer bebilberten Seitfdhrift über beru»
anifche ^ultftätten ber SWafaS unb ^nfa§, beren religiöfe SSorfteHungen fa in auf»
föKigfter SBeife ©emeinfamleiten mit ben Sieligionen ber Sitten SBelt aeigen, fo bafe
an ber gemeinfamen Söurael nidht geatoeifelt merben fann. Stuf einem SSilbe beS
SIrtitelS (Stbb. 20) fehen toir au unferem ©rftaunen, bafe e§ auch bei ben ?snfa§ in SSer»
binbung mit anberen Jultifihen Stätten ein eben foIcheSißlöhchen mie an ben (Sutern»
fteinen gab, au bem atoei S^rebben, aum ^inauffteigen unb aum^^inabfteigen, führten;
benn ohne Stnnahme biefeS SioedES mürbe bie ©inriditung noch unberftänblicher fein.
Stuf feben galt mar ber Stuhl ber ^nfa§ bort im fernen ©abacabana mie ber fßlah
über bem Seifenfarg an ben ©jternfteinen ein feierlicher fpiah, ein ©ebetSblah, ein
JßertünbigungSblah, ein ©elöbniSblah für ben an einer S?ulthanblung in erfter Sinie
beteiligten SKann; unb amar an ben ©jternfteinen moht für ben SieUling bor ober nach
ber Sargtegung.

Sie bargelegten S::atfachen bürften g.eeignet fein, ein neues Sidht auf bie ©efamtbe*
beutung ber ©sternfteine in ber borchriftlidhen Seit unb barüber hinaus auf bie Kultur
unferer germanifchen Ißorfqhren fomie auf bie gefchichtlichen SSorgänge aur Seit ber
©inführung beS ©hriftentumS au merfen. SBie eS ftetS baS föeftreben ber ©robercr
mar, baS au untermerfenbe fßolf an feiner embfinblichften Stelle, am HttitteltJunH
feines nationalen Sehens au treffen, fo bürfen mir auch annehmen, bafe SrufuS,
SSaruS, ©ermanifuS unb ^larlber ©rofee nidht ohne ©runb ihre Süge nach bem Seuto*
burger SBalbe unternahmen. SiefeS Sanb — amifchen biefem ©ebirge im Sübmeften
unb bem SBeferminfel im Storben unb JDften — ift beShalb üon bem SerftörungSeifer
ber erften chriftlichen Seit am fchmerften betroffen. Sür grünblicheS Stufräumen forgte
5Ibb. 18. 33locf be^ gelfenfarge^ mit ben S^repben (}enfredf)t öon oben aufgenommen)

5tbb. 19. S3iocf beg gelfenjarge^ (^iafe auf bem l^intern Seile beg S3Iocf^)
40 2. ®a§ @eftirnl)eiltgtum auf beut ©jteruftcin

ja S?arl ber ©rofee felbft, al§ er mehrere SBiiitermouate bei ber ^erliiigSburg iu yügbe
berlueilt uub ®etbuadE)ten gefeiert bat. 9tti§ ber @efcl)icbte jener 5Enge ift ein auberer
StrecE biefe§ aufföHigeu SlufeutbaltS uicbt 3» erfeben. ,fTarI§ tftegiiueuter batten rei(f)=
lidbe a3efd)äfttgung.
Uiifere Überficbt§farte umfafet bie Umgebung be§ £)§uing, mobiu fiel) Jfarl iu erfter
Öiuie gelnenbet bat.

(^e|rf)id)tc bev (Sj-ternfteine


^eilige ^erfoneu uub Crte belegte mau im uorbifd)eu Slltertumie gern mit mebrereu
9Zameu. 2)a§ ift für uu§, bie mir am liebfteu aüeS iu iparagrnbben faffen möcbteu, uu»

2lbb. 20. ©tubl bet ^nlaä


„©ggefterenftein" ^ V: 41

>ro?ttfd^; aber banicil§'toar’B beliebt unb bot jebenfaHS mitgebolfen, bafe e§ feine
Sogmen gob unb bafe einer bem anbern feine 2Beife liefe.
®arum mag e§ neben bem beftbeäeugten „@ggefternftein" au(f) mit bem Dramen
„Sfgiflerftein", ber in ber Äaufurfunbe bon 1093 gebrambt ift, feine 3licE)tigfeit haben,
— nidfet trofe, fonbern audh tcegen beS ähnlichen SIange§. 3u :bem geheimni§boIIen
aSort Slgifter gibt e§ mehrere beaehtenStoerte ©rflärungSberfuche.vaSir ftehen un§ am
beften, un§ auf ben eigentlichen $aubtnamen: @ggeftercnftein (mit geringer SBerfchie»
benheit ber (Schreibibeife) au befdhränfen, ben ein3igen,:ber im ißolfgmunbe haften ge¬
blieben ift; er hat fich äü ßjternftein abgefchliffen. Jßir halteniunS an bie eingehenbe
Unterfuchung bon i)3rofeffor ; @iefer§^;;|Sh”i 3“ ^niberfbrecheri liegt um fo to
Seranlaffüng bor, aI§ biefer SPaberborner Slr(häoIoge im übrigen bie SIuffaffung bon
bem Ißaberborner Urfbrung ber „JlabeHen"; bertritt.^ @r erfennt bemnäch in bemer-
fenSmerter Objeftibität einen ^tarnen ah, ber einer bon ber feinigen fehr abtoeidhenben
atuffaffung ftarfen SSorf(hub leiftet.
Sticht in aSetracht fommen bie auf einen 3ufQbtmenhang mit ;,@Ifter" hinauälaufeh*
ben Stomen, bie fidh im (befolge ber mittelolterlidhen Ümbeutung „rupes picarum“
befinben, auittal e§ audh ber Statur ber ©Ifter aumiberläuft, an gelfen ah niften. 5Die
meiften ^Deutungen franfen an ßunftelei im.SBergleidh au ber ©dhlidhtheit be§ altbe-
aeugten StamenB „©ggefterenftein". © g g e ft e r e n ft e i n i ft b e r <31 e r n ft e i n
0 n b er © g g e. Senn „®rofee ©gge" unb „Meine ©gge" heifeen auch heute noch atoei
^öhen, an beren Sufee bie ©jternfteine liegen. S)er im Stamen liegenbe ^inmeiB auf
ben ©eftirnbienft bürfte unbetoufet bei bem einen ober onberen ber einaige ©runb
fein, ber baB Sträuben gegen ihn betoirft hat.

Stadh SInfidht beB erfolgreichen ©ntbedEerB bon Stätten, Überreften unb Seugniffen
beB Urmenfdhen,:Dr. Otto Raufer, müffeh bie ©jternfteine fdhon ben Urmenfdhen, toenn
er in biefer Oegenb toar, aur SSenuhung eingeloben haben, unb atuar ein einer
gana beftimmten Steüe: tief unten om Seifen 1; om a3ach, too ieht ber fleine See
onftöfet (SIbb. 4). Sann mirb in irgenbeiner ißeritJbe ber älteren Steinaeit bie SSer=
mertung biefer in toeiter ©egenb einaigartigen Selfengrubbe au toefentlidh fultifdhem
Slbedfe begonnen haben. V .
Sn fteter ©rtoeiterung unb in mannigfachem SIuBbäu ift bann toohl aCmählich-baB
entftanben, loaB fidh ouB ben Siefen ber germanifdhen Sahttoufenbe biB an bie S8e>
fehrungSaeit biefer ©egenb herangefdhoben hat., Ser biB jefet Oorliegenbe Sefunb ge-
ftattet feine beftimmteren Slngoben über bie ©ntftehungBaeit ber einaelnen fultifdhen
©inrichtungen; tDir müffen unB mit ber Unterf^eibung „dhriftlidh" ober „bordhriftlidh"
begnügen, biB ettoo burch SIuBgrabungen für biefeB ober jeneB Stüd SInhaltBhunfte
für ben ©ntftehungBtermin ermittelt toerben. SCuch bie öinien beB ©runbriffeB beB
SaaeHumB finb nicht fidher unb beftimmt genug, um einer aSerechnung feiner ©nt*
ftehungSaeit auB ber SPräaeffion beB Sonnen* ober’SJtonborteB eine auBreidhenbe ©runb'*
löge au geben (SIbb. 3). ^ ^ e-
Seft unb fdharf beftimmbar bagegen ift bie ©renae atoifdhen ber germonifdhen unb
nicht mehr germanifdhen.Seit, nämlich bie Stegierung ^arlB, unb atoar boB Sohr:772
‘ ©iefcrä, SDte ©jternfteine, eine otc§öologtfc§=§tftorifc^e aKonographte, 2. Stuft., SKünfter 1867.
42 2. @eftirnl)eiligtum auf bem ©jteruftein

alg bag S^i^ftörung^ial^r ber bereu Drt sugleid^ mit ber ©rfennung ber
(gjternfteine aB gefunben anaufetien tft.
(Selbft menu bie ^rminful ntd)t in 33etra(f)t fäme, ift e§ uumöglicb anauuebmen, baß
Sari bie Sultftätte an ben ©jternfteiuen befteben gelaffeu hätte, al§ er 772 mit bem
©ntfdblufe ber gemaltfarnen Unterbrüdung be§ alten OIanben§ norbtnärtg in ber SRidb-
tnng auf bie ©jternfteine bi§ Sllteubefen borbrang.
®ie ©adbfen, anfangs nnnorbereitet au einem Sriege mit ber meftfränfifcben 3)?ad)t,
bann gelahmt bnrch ben ©inbrncf
ber unerhörten 5£at, bie ii(^ nun
fchan an anbere, bon ben fremben
©enbboten begangene grebeltaten
in ©ermanien anreihte, nnb inner*
lieh iu religiöfc Parteien geteilt,
unterlagen in 32iährigem Stingen
um ihre Freiheit.
$a§ oberste Heiligtum be§ ger*
nmnifchen Sultberbanbeg am
ning mar au einer Striimmerftätte
gemorben unb mit ber öffentlid)en
SBaltung be§ heiligen ®ienfte§ int
SaaeHum mar e§ für alle
au 6nbe, menn e§ and) nidht an
heimlidien SSerfuchen aur 5Iufrecht=
crhaltung gefehlt hat. gür Sari
aber unterlag c§ nad) ben ©ebflo*
genheiten feiner 3eit feinem 3tuei*
fei, baß an eben btefer ©teile eine
Sultftätte be§ neuen @Iauben§ ent*
ftehen müffe. 3Benn mir an§ bem
16. ^ahrhunbert bie 97achridbt ^a*
melmannS iiberfommen haben,
baß nach alten Quellen Sari b. @r.
felbft bie ©jternfteine au einer dmiftlidhen Sultftätte urngemanbelt habe, fo fann man
fidh in ber Xat faum eine glaubmürbigere 97a(hridit au§ jener 3eii benfen. Sange
fonnte Sari auf feinen gall fidi mit ber 3ßt^ftörung biefer Stätte begnügen, menn er
e§ mit ber Vertilgung be§ bermeintlid)en 2:eufeBbienfte§ ernft meinte; unb er hat e§
ficher ernft gemeint.
©0 müffen mir benn bie al^balbige Verrichtung einer ber beiben ©rotten aur
SapeHe fchon in bie 3^tt be§ ©achfenfriegeg öerlegen. SBir merben babei an ben
SSinter 784—85 benfen al§ Sari in bem nahegelegenen Schieber (Sügbc) 3^it genug
hatte, fidh um bie Urnmanblung unb bie bon Vamelmann berichtete Slu^fdhmüdung mit
Slboftelbilbern felbft au fümmern. ®er ©ebanfe an bie 6inrid)tung einer bloßen
Slau^nerei mirb burch bie 97achridht Vamelmann§ au^gefdhloffen.
®a§ ©aaeHum mar aur unaugänglidhen Vuine gemorben. feiner für SKeffebe*
: mtefte ^
jucket fo toiefo faft unmöglichen, fdhtoinöelerregenben Sage ift e§ iebenfolls qI§ Kapelle
aunachft nicht in erfter Sinie in öetradjt gefommem (8166. ^
Wogegen bie untere ©rotte im gelfen 1, bisher ben SWutterfchofe ber Erbe barftellenb,
mürbe mit bequemer Sür unb Senfteröffnungen berfehen unb fo gut eS eben ging au
einem gotteSbienftlichen iftoum hergerichtet, ©oau gehörte ber 9Ser})uh auf ben gelS*
mönben, ber augleidh baS grofee ütunenaeithen berbetfen mufete.
©0 löft fiel) bie gefchidhtliche Unmahrfdheinlichfeit, bafe bie chriftliche Kirche 300 ^ahre
lang (bis 1115) biefe©tötte ben SInhängern beS alten ©laubenS unb bem Äeufel ohne
©egenmaferegeln überlaffen haben foHte.
■ SBenn fiarl hier einen „Stitar errichten" :mu6te, fo haben mir auch bie 3^achri(ht bon
ber SluSfchmücEung ber ©sternfteine mit Slboftelbilbern burdh ihn burchauS ernft äu
nehmen. SDie ©rmögungen, mie meit fdhon ^arl nicht* nur cm ber aSefeitigüng ber
mahrfdheinlich borhanbenen germanifchen Silbmerfe, fonbern auch an ihrer ©rfehung
burdh bie ißetruSfigur unb baS grofee glathbilb neben ber neuen ©ingangStür be’
teiligt mar, haben ihr gutes iltecht. Sin eine ruhige ^erfteHung beS gldchbilbeS bis au
feiner%oIIenbung in bamaligen Seitläuften ift allerbingS nicht au benfenr'SaS fSÜb
felbft rebet baau eine beutliche ©brache. * T v (
S)ie Untermerfung beS ©achfenlanbeS geftaltete fich anberS, alS eS ßart gebadht
hatte, ffioä) 20 ^ahre lang no^ feinem ©chieberer Aufenthalte medhfelten bie 2>tadht«
berhöltniffe an ben ©sternfteinen, unb auf Seiten beS SKeffelefenS folgten je unb je
^ahre beS Sriumbhe^ beS alten ©laubenS. * ii .
$sa, auch noch bis um 1100 müffen bie ©jternfteine ber ümftrittene ©chaublai er«
bitterter ßömbfe beS berfinfenben alten ©laubenS gegen feine aSerbränger gemefen
fein. SJafe baS ^errengefchlecht in ^blahaufen, bern baS ©igentumSredht unb bie Öb*
hut über bie gelfen übertragen mar, nicht in ber Sage gemefen ift, bie örbnung unb
bie ©otteSbienfle aufredhtäuerhalten, ergibt fidh alS ©chluhfolgerung auS ben beiben
Satfachen, bafe fich 1093 baS ipoberborner Mofter 31 b b i n g h o f aum föuflichen ©r«
merb entfchlofi unb bie ^tagelle -- mahrfcheiulich nach aSoüenbung beS glachbilbeS —
1115 burch feinen iöifchof Heinrich neu einmeihen liefe. .
816er auch bie bifchöfliche aSeihe hat feinen befriebigenben guftanb eramingen fön«
nen. Oben in ben Srümmern beS ©aaellumS häufte na^ mie bor ber Süeufel; unb unten
in ber unheimlichen, bon 6öfen ©eiftern belagerten Tabelle merben bie feiten unb un«
regelmäfeig bon bem Corner fßriefter gelefenen SKeffen überhaubt feine Slnbächtigen
gehobt haben, aöoher auch? ®ie Umgebung ber ©jternfteine mar- menfchenleer, bie
aSemohner bon ®orn unb ^olahaufen hatten ihre ©otteShäufer unb merben fi^ gehütet
haben, bie berrufene ©tätte, mo eS noch nicht einmal ^eiligengebeine unb SBunber«
fräfte gab, ohne Sfot aufaufudhen.
Unter folchen Ümftänben fteHte fßaberborn baS ütteffelefen ein unb machte nunmehr
ben aSerfuch, beh chriftlichen ©harafter ber ©teine bürch Urnmanblung in eine ©remi«
tenflaufe aufrechtauerhalten. Surch mehrere eingeaogene aSönbe, beren ©buren noch
iefet ba finb, mürbe auS ber flabeHe eine menfchliche ^Bohnung gemacht.
S)amit mar nun freilich bie fchlimmfte a^eriobe in ber @eftf)ichte ber ©sternfteine ein¬
geleitet. ®ie ©remiten, au benen man mohl bon ®auS auS fehr hanbfefte, ftreitbare
areönner auSmählen mufete, bie ben ©efahren beS unholben fßlafees audh mit ungeift-
lichen fDiitteln au begegnen mufeten, mürben au ©trafeenröubern; ©chlechte aSerforgung
44 2. ®a§ ©eftirnijeiltgtum auf bem ©jternftetn
burtf) 5f5ober5orn, too äu ieiier Seit ein ©eift ber aSöIIerei einerfeitS unb ber Unter-
brudtung ber Unteren anbererfeit§ eingeriffen toar, unb babei bie berfübreriftfie. @5e»
Iegenf)eit, fi(f) burcf) bie ©cbä^e ber öon 5ßaberborn nach Jameln ober umgefebrt burd)*
3ief)enben Äaufleute fdobloS au halten; bürfte bie 2>iöncE|e beranlafet haben, biefe
@tf)onbe über fich ünb bie altehrtüürbige, ^ultftötte 3U bringen.
2II§ fidh uoiS Saht 4350 bie SSerhältriiffe su einem offenfunbigen Sfanbal auSge-
loadfen hatten, unb bie geöngftete JBeböIferung Slbhilfe berlangte, fah fidh ber regie-
renbe Sibbifdie (Sraf Sernharb geätoüngen, ba§ 31 ä ü b e r n e ft au§3uheben unb neue.
Orbnung su fchaffen. ®a§ aber fonnte nur im Streit mit bem S?Iofter burdgeführt
toerben. S>er Jfbt Seondrb tourbe feined SPatronotSre^d unb ber SBertoaltung für
berluftig ertlört, unb beibeS ber föenebiftinerabtei p e r b e n a. b. Stuhr, melde fdon
ein Sefihredt im nädftgelegenen Sorfe Oberholahaufen hatte, übertragen.
Ein SBerbener SJtönd mürbe nun al§ fiabeHdn an ben Sjternfteinen angefteüt. ^n
biefe Sahre haben mir bie ^errid)tung be§ ®aäellum§ oben im Jlobf be§4£urmfelfen§
3u einer ßobeEe onäufehen. Senn nur ouS biefer Seit fann bie ©ntftehung einer alten,
mit fehr beftimmten SIngoben au§geftatteten Sage erflört merben; fie fdliefet eine
onbere SJtöglidfeit au§. S)ie Sage mirb bön 93effen' au§führlid heridtet unb tion
iötente^ miebergegeben. 2)er ißriefter mohnte in .golahaufen.
• 2)ie ©raöhlung beginnt: „9tl§ bie luftig e ^ ab eile auf bem einen bet ©ster*
fteine ooHenbet mar, foHte fie eingemeihet unb öon bem SBerbener lOtönde bie erfte
SDteffe borin gelefen merben." 21ber ber Sleufel, „ber hier nod bor furaem fein SBefen
getrieben hatte", moHte ihn bother umbringenv „Sang hatte Satana§ bie glühenbe
Sunge au§geftrecEt; au§ ben Singen fdofe er furae S3Iihe unb au§ ben Sbihen feiner
Körner fbrühete er Seuerflammen." ®a§ mürbe in ber nod bunflen iPtorgenfrühe bon
bem SPtönde bemerft, fo bafe er einen ,ÖaIbbogen nad Iinf§ maden unb hinter ©e-
ftröud ben Stufgang äur Kapelle erreiden fonnte.> S)a ergriff ber fdmorae Unholb
ein ungeheures Sel§ftücf, unb fdleuberte e§, ben SPtönd öerfehlenb, bi§ auf ben ©ipfel
be§ Seitens 4, mo er als SBadelftein heute nod liegt. Ser Sjtönd, oben ongelongt unb
nunmehr bon einem ungemöhnliden SPtute befeelt/ beftieg bie burd ein Säunber plöh-
lid für ihn entftehenben 3 2::rebbenftufen unb fdidite nun im ©lanae ber aufgehenben
Sonne bon. ber Sinne feines ätherifden SembelS bem gürften ber ginfterniS einen
ftarfen SSorrat bon SSeihmaffer entgegen". ®er SLeufel, ohnmödtig boI)intoumeInb,
berlor fid in einer hohlen ®ide unb eS fehlte nidt ber plöhlide 4SIihftrohI, ber bie
Eide bis auf bie lepte Spur auSrottete.
; SemerfenSrnert für unS ift, bafe nod in ber STOitte beS 14. ^ahrhunbertS biefer SSor-
gang ber erften SKeffe im SaaeHum als eine befonbereJtat ongefehen unb in tppifder
SBeife mit SBunbern nuSgefdmüdtt mürbe, abeifelSohne beSmegen, meil eS bis bohin
nod Stnhönger beS alten ©laubenS gab, bie burd ihre heimliden Sufammenfünfte
im SaaeHum ben Staum in bem Stufe eines unheimIiden ®eufeISorteS gehalten haben;
®ie Senuhung beS SaaeHumS olS driftlide ^opelle hat bon etma 1350 bis fpäte*
ftenS 1538 gebauert, als bie Steformation in Sippe eingeführt mürbe. Stod ben forg«
föltigen geftfteHungen ©emmecEeS über bie fatholifden ipfarreien in Sippe finb iähr-
lid nur gana menige SDteffen gelefen morben, im SBinter etma brei, im Sommer etoo
^ @efc§t(hte bcS SBtStujnS ipaberborn I, ®. 148 ex Sanctuario Paderbornensi mspto. “ SKettle, ®e--
fc^i^te ber EjtcrnÜcine ©eite 106 ff., SKünfler 1829.
S)e§ sOrteS 2In3ief)ung§fraft ^ , 45
fünf. Stuf leinen Soll re(f)tfertigen Me im SJfittelalter meift fcfilimmen Suftänöe an ben
©jternfteinen unb if)re fultifc^e Stu§nu|ung bie meMfa^ auftaud^enbe SJteinung, fie
möreri frutjer ein berühmter cbriftlicber SBaHfabrtSort getoefen. Saau fehlen nicht nur
bie unerläßlichen SSorauSfehungen,. fonbern bie tatfödhlichen SSerhöItniffe taffen ba§'
Oegenteit üermuten, nömlich, baß ber Ort um ber bort ffmfenben Böfen 4seifter mitten
g-e m'ieb e n ■ mar;' ■
S)ie säß audß im SSotfSmunbe erßattene Siebe bon bem berühmten SS a 11 f ä-h r t § .
0 r t rechtfertigt bie Slnnaßme, baß bie Erinnerung bi§ in bie germanifche Seit aurücE*
aufüßren ift, ba atte SSorauSfeßungen für ein Sufanimenftrömen ber SSZenge an ben
Ejternfteinen borßanben mären; S3a merben bor aHem aur @ommerfonnenmenbe bie
Slnbö^tigen bie CffenBarungen entgegengeribmmen haben, bie bie ißriefter im ©aaet-
lum etma im ©tfiattenfeget ber gufgeßenben Sommerfonne empfangen hatten; unb
menn bie ^rminfut bort ftanb, menn bie ©teinireife auf bem tSärenftein au ben ßei«
tigen (Sebet§übungen ficß barboten, menn bie feierticßen ^anbtungen-uhb Opfer im
^ain an ber großen Egge eintuben ünb bie ©piete auf bem fich anfdhtießenbeh „San-
genberge" todtten, bonn ift’§ erftörtitß, baß bie Ejternfteine eine meitßin reidßenbe Stn*
aießunghfraft boten.
2)ie teßten ©puren ber Stnaießunghfroft be§ germanifcßen §eitigtum§ haben fidh
fogar biB in bie SSZitte be§ 19. ^ahrßunbertg erßatten. SSir erfennen fie in ber oben
berichteten ©emohnßeit ber Stngeßörigen einer „SBehrenberbinbung" uratter nieber'
föchfifcßer $öfe in feßr meiter Umgebung, bie iößrtich bie SZeife nad) ben Ejternfteinen
aur geier ber ©ornmerfonnenmenbe unternahmen.
S)iefe ganae Stuffaffung mirb beteudhtet burih bie einzige auB ber nadhreformatori*
fdßen Seit unB überfommene gefdhidhttidße SZadßridht, bie fidß ouf ben futtifcßen Eßaraf-
ter ber Ejternfteine beaießt.
EB mar 1654, atB ber Oroßheraog bon gtorena burcß SSermitttung beB ,$aberborner
Sombecßanten mit bem (Srafen ^ermann Stbolf bon Sippe in SSerhanbtung trat amedEB
StnfaufB „beB" EjternfteinB für 50 000 ftbrentinifdhe Erorien unb 4000 Sttßtr. ®er
funfttiebenbe §err motite jebenfaltB baB gerühmte gtacßbitb feiner ©ammtung ein«
berleiben, oßne bon ben nößeren Urnftönben ünb ber ©röße beB „©teinB" eine Stßnung
au haben, ©arob fchüttette man mpßr in Oetmotb ben Jlopf unb meinte, boß ber
„S^ranBport fügtidh ben halben SSert beS tSroßheraogtumB foften mürbe"; aber ber
Sanbbroft b. Oonop richtete bodß in ^nfeßung beB guten ©tüdfB @5etb ein befürmorten«
beB ©dhreiben on ben banaler ^ilhen. ^n biefem SSriefe fteßt bie unB intereffierenbe
SSemerfung, m aB man a u b er S ß it ü b e r b ie 18 eb e u t u n g b e r E j t e r n -
ft ei n e b a dh t e : . angefeßen biefer ©tein ^ß. @rft. ©naben nidßtB in eff eitu
profitiret, audh bie bermeinte ^eitigfeit man biefeB DrtB nidßtB oißtet, fonbern biel«
mehr für eine SI b g ö 11 e r e i hättet, audß ..ufm. ®er SanbbrOft miK fagen, boß
auB dßriftlidhen lßietätBgrünben nicht bon bem guten ©efdßäft abgefeßen au merben
broucße, meil eB fidß bei ben Ejternfteinen nidßt um einen heiligen Ort, fonbern biet«
mehr um einen Ort ber SIbgötterei ßanble, on bem man boS lSitb ber ^reuaeBobnaßme
nidßt au betaffen braudhe. Er mar alfo bereit, ben gelfen 1 fo meit aerftören au toffen,
alB eB nötig mar, baB glacßbitb transportabel au machen.
®oau fonnte fidß nun freilich ^ermonn SIbotf nidßt entfchließen; er gemänn im
©egenteit jeßt ^ntcreffe on ben Ejternfteinen, um bie eB bi§ baßin hödßftmahrfdßein«
46 . 2, 2)a§ ®eftirnf)eiltgtum auf öem ©iternftein
lidö toüft ouSgefefien f)at, unb taute fitf) baneten ein ^qgbf)au§, um bann fogar auf bie
tounberlicfye $sbee äuiommen, auS.ben ©Eternfteinen eine fleine geftung 3U ma^en.
2Son ben SefeftigungSbauten, bie aKerbingS Balb in SSerfaE gerieten unb 1810 bon
ber gürftin ipauline ganä befeitigt tDurben, taten mir eine au§ bem 17. ^atrtunbert
ftammenbe:3eitf)nung, in ber 3toar auf bie Sftidttigfeit ber SeI§formen fein SSert ge¬
legt toorbenift, bie un§ ater manche ftörenbe®rfdE)einungerfIärt.
gür bie ©rtaltung be§ Stiten ift ber geftungStau unb bie 5eftung§3eit jebenfaES
bon großem ©ctoben getoefen.. SSor aEem ift bie ^öfienlage beB_®rbreiä)§ bor gelfen 1
unb gelfen 2.berönbert unb baburct bie 2Iu§fitf)t auf ©rfolg ber teatficttigten 2tu§«
grotung§arteiteri ftarf terabgeminbert; . Stuf bem ©itfel be§ gelfenS 1 ift eine Um-
mäl3ung bor fiE) gegangen unb ber fpiaß eingerichtet, ber anfangs berlSefaßung alS
StuSlug: gebient taten mag unb ti§ tente bon bem 3atlreicten Sßutlifum teftiegen
toirb,: n)eIcteSi bie ©jternfteine al§ Stu§flug§3ier unb SSergnügungSort tefu(tt.
.. SDie^StuSfiitt ift fctön, mie an ungesätiten ©teEen beS.an fEaturfdtönteit uBerreicten
S3ibt)erIanbe§'.JSa3u fommt auch ber'Stntlid ber fict au§ ber Iietlid)en Strt beS ©e»
tirgS« unb ^iigellanbeS bottelt einbrucESboE terauStetenben fctroffen gelSgetitbe,
unb ber tpte ßunfttoert beS matrfcteinlict ölteften großen beutfcten glacttilbeS pflegt
nu(t;Oüf:ben einfaÄ)ften:S3ef(t^auer nicht otne SBirfung 3u fein.
: ;.Siter.ben'boEen reichen ©etoinn merben nur biefenigen bon bem Söefüdh ber ©Etern-
fteine taten,.Inelche, aud) ben 3toeiten Stufftieg auf ben Surmfelfen nicht fcheuen unb
im.'@a3eEum etrfurchtSboE unb anböchtig ber Seiten gebenfen, als bie priefterlichen
©roßen unferer germanifchen fßorseit an b i ef er ©teEe, in bi ef em Staume ber
„unerforfchIichen ©ottteit" in ihrer Jlöeife bienten, unb als an ben feftlichen Etagen bei
unten eine laufchenbe fEienge fich berfamrnelte, ober in ber unteren ©rotte ober am
gelfenfarge eine feierliche ^anblung bor fich ging.
: JIß.enn auch .burdh boS h)echfeIboEe ©efchicf ber ©Eternfteine biete ©puren ihrer ein-
ftigen SSebeutung berfchüttet unb bermifcht finb, fo ift eS feineSlnegS auSgefchloffen,
baß ouf ©runb; neuer gunbe unb Beobachtungen noch toichtige Beftonbteile in baS
©efchichtS- unb S^atfachentilb ber ©Eternfteine unb bamit in unfer Bilb bon ber ger-
monifchen SSergangenteit eingefügt merben fann, nachbem einmal ber ©chleier ge¬
lüftet..iß.,:
3, unb
adö fämtlidien tcenig l:)oneinQuber t)erfd)iebenen S3erid)ten ber Slmmleu au^ ber
faroltngifdien S^it rüdte Sari b. @r. mit bem feften Sefd^Iufe ber böHigen Unter»
merfuug ber ©ad^fen unb bem nod) t)erI)ängni§t)oIIeren ©ntfdölufe ihrer gelnaltfamen
Sefehrung mit feinem ^eerc t)on SKaing qu§, nahm überrafdhenb bie 6re§burg (Ober-
margberg) ein unb 30g bann an einen Ort, bon mo au§ er bie ^rminful, „ba§ oberfte
Heiligtum ber ©achten" serftört
hat. ®iefer Ort ift burch einen t)er=
meintlidhen SBunberborgang fo
beutlid) befd^rieben, bafe barau§ mit
aller Seftimmtheit auf 5t 11 e n »
b e f e n gefdhioffen Inerben m u fe.
Senn ba§ Inegen ber herrfd^enben
Siirre burftenbe ®eer Inurbe burd)
eine unn er mutet (subito, Omni¬
bus insciis) hetUorbredhenbe Ouelle
getränft. %üv biefen Vorgang fann
nur bie einaige namhafte intermit»
tierenbe Ouelle, bie e§ im alten
©ad)fenlanbe gab, in 93etrad)t fom»
men. Sa§ mar ber „93uIIerborn"
bei SlltenbefeiU, beffen intermittie»
renbe ®igenfd)aft um§ ^ahr 1640
aufgehört hat. 2Bir befihen bon ihm
nodh au§ jener 3^it einen hübfdhen
©tidh bon ber „fons resonus“. ®on
bem Sal bei Stltenbefen, ineldhe§
jeht nodh ,,Sran!entaI" heifet, er»
reicht man auf bequemer alter
©trafee über Selbrom bie ©ytern»
fteine in einem ameiftünbigeu
Slcarfd) (11 km). 5Son ba geht’^ 5Ibb. 22. Shronfeffel am Sreug be§ gelfenbilbeg
auf uralter ©trafee über S’Ufcn»
fnidfer 2J?ühIe nadh ©chieber, (Slltfdhieber, ©iefholaer Säger, $erling§burg) ober
über Semgo nadh SRehme aur Sßefer, mo ba§ 3iel biefe^ gugeg Sarl§ mar. ^eben»
fall§ fonnte bem in Stitenbefen meilenben Sari ba§ Heiligtum an ben (Sutern»
fteinen nidht entgehen. 5tud) StbeF fagt au bem OueHenmunber: „Sein anbe»
rer $unft fann hi^r gemeint fein. Sort mo ba§ fränfifdhe $eer ge»
lagert, unb bort etma 6 ©tunben nörblidh t)on 6re§burg mufe audh bie ©rmenful ge»
ftanben haben."
Sie^rminfuI, beren e§ im (äiermanenlanbe biele gegeben haben mirb, unb bie fbäter
audh 8ur 5Sermed)iIung mit germanifdhen ^elbenftanbbilbern Stniafe gab, mar ein
„©öfeenbilb" ober mie bie beffere Überlieferung fagt, ein tnmcus, eine $oIaföuIe, bie
^ gürftenberg, aJlonum. ^aberb. 216 ff. - 5lbel, öahrbücfier beö fränlifchen I, (&. 105 ff.
48 3. ^rmiuful uni Selfenbilb ,
jt)m6oIif(f) aI0 S^rägerin ie§ SBeltoHS geiacEit inar uni atnetfelloS eine iementft)rec^enie
StuSgeftoItung gef)Q6t £)ot. @§ toar aIfo ein ©innitli bon tiefer, aurüdfialtenber
religiöfer ©mpfinbüng unb tnelttoeitem, religiöfen Senfen. SBir glauben, bafe un§
an ben ©jternfteinen innerhalb be§ ßreuäabnabmebilbeg ein getreues Stbbilb biefeS
(3t)mboI§ aufbetoabrt ift; tDot)on unten bieJJtebe fein toirb. äBaS im übrigen bie S3e-
beutung ber germanifcben ^rminfäulen unb tuaS ibren Spanten anlangt, bermeife icb
auf bie äabireicben, autf) ausgiebigen Erörterungen, bie biefe Sroseb flefunben baben.
Eine foicbe ^oläföule, unb menn fie nodb fo mächtig getoefen ift, fonnte in menigen
@tunben 3erftört n)erben. SSenn mir Iefen, bafe ßarr fitf) 2—3; S::age Seit nehmen
mufete, um baf SerftörungSmerf bon Stitenbefen aus gu boHbringen— „ut funditus
destrueret“—^ fo ergibt fidb barauS, bafe biefeS oberfte Heiligtum ber ©adbfen auS noch
mehr beftanben baßen müfe, als auS einer ®oIäföuIe. SBenn bie Serftörung bon ^arlS ;
Ingenieuren nicht in ben 2—3 Jtogen boHenbet tuerben fonnte (toaS febocb bon fach*,
berftänbiger ©eite burcbauS beftritten h)irb), fo bat ^arl toahrfcbeinlicb ben SBinter
885—86 äu §ilfe genommen,' als ■ er fitf) in 'einer Entfernung bon mentgen ©tunben
über SBeibnacbten in '©cbieber oufbieltr: ' ^
S53ir gebenfen ber Sebeutung ber Ejternfteine als eines germanif(^en ;@eiIigtumS
befonberer Sfrt, bem getoife nicht biele Heiligtümer im alten ©aihfenlanbe ah bie ©eite
gu ftetten toaren; mir finb ber Übergeugung, bafe meber Jtarl noch bie itirche bei ihrer
bamaligen grunbföhiicheir Einftellung ein foIcheS Heiligtum ungerftört laffen fonnten; •
mir erinnern uns ah baS hoffnungslos bergebliche bisherige ©uchenmodh bemißläh '
ber ^rminful; unb menn mir banh bie beiben Silber unS lebenbig bor Slugen halten —
erftenS ben burdh boS ©otteSmunber fanatifierten ^önig, mie er in Stitenbefen feinem
Heere fein „@ott miQ eS" guruft, unb gmeitenS bie fRuine beS ©agelfumS in bem
offenfichtlich gertrümmertenitobf beS SurmfelfenS — bann miH unS bie fich auS ben
tatfächlidhen SerhöItniffen ergebenbe gefchichtliche SBahtfcheinlichfeit für bie hier bor»:
liegenbe ßöfung ber ^rminfulfrage ols eine übermöltigenbe erfcheinen.
Sluch bie neueren Unterfuchungen bon Dr. HahS ©^mibt (Soterl. Slätter ^an. 1930,
®etmoIb) fommen gu bemfelben Ergebnis mie mir: „® aS ©ef amth eiligtum
^r mi n f u I i ft i b e n 11 f ch m it b en Ej t er n ft ei n e n". Er gelongt gu bem
Ergebnis nach forgfältiger Slftenhrüfung unb Herangiehung alten bergeffeneh SRate-
rialS, melcheS g. S;. bis inS bierte unb achte ^ahrhunbert unferer Seitrechnung gurüd*
meift. Son befonberer Sebentnng ift auch fein SRachtoeiS: „®aS ©öhenbilb mürbe
umgeftürgt unb berbrannt; eS mirb aifo auS Holg gemefen fein. ®ie sacra, b. h. bie
heiligen Einrichtungen mürben gerftört, natürlich auch bie ©lulptnren bön SRarS,
SRerfur ufto: SIber baS, morin fie gehauen maren, bie ©teinföulen „bon größter Höhe"»
bie Shramiben (b. h- alfo nicht nur eine), biefe merben nicht befeitigh Einmal ftonben
fie als rohe ©teinmaffe bem chriftionifierenben Smed nicht im ®ege, fobann ge-
fchoh bie bönige Serftörung beS Heiligtums an fich" (perdestruction) in Eile unb nur
mit flRühe, „faum" in brei ^agen, mie auSbrüdlich begeugt ift. Son einer ft)äteren,
nachtröglichen Sernichtung ber ©äulen, bon beren ©tärfe ia noch fhäter (14. Sohr-
hunbert) „aBunber ergöhIt mürben", unb überhaubt bon ber ^rminfuh ift in feiner
©efchichtSqueHe mehr bie SRebe., 9Rur einmal, für baS ^aßr 936, mirb in ®ittmannS
Ehronif bon einer ßirche ©t. jßeterS,„mo früher bon ben Sitten bie ^rminful berehrt
mürbe", gefbrochen.’®er. Safammenhong ift aber nicht gang flar. SBibufinb (9ier. ©ef.
,Idolum gentilitium‘' 49
©Qj.) fpric[)t an berfelbeii ©teile 3. S. uic^t Don ber „St^ininjul". Dr. ©(^inibt erflärt
alfü bte altbentfd^en ö5Io||en unb $enricu^ be ^erforbia fotoie be])en Quellen bal)tn,
bafe bie S^ntinfuI au§ nielbi^eren Steilen beftanben bat, ^olsftanbbilb, gelgfäulen mit
©fulptnr unb beiHö^n Slrieg§3eidben, unb bafe al§> JRefte biejeg „gemaltig f)of^en"
Solf^beiliötumg innerhalb ber tatfäd)Iicben ©nbbnnfte ber 3^9^ S?arB nur bie
gjternfteine in Setradbt fonunen fönnem
Slber nidbt genug bamit, totr b^ben audb ein fcbtuer in§ ©etoidbt fallenbe^ gefdbidbt-
Iidbe§ 3^Dgni§, bafe ßarl b. @r. ]icb mit ben ©yternfteinen felbft befafet, ein bort be-

Slbb. 23. 33unerborn bei 5tltcnbefen (^ntermittiercnbe Quelle)

finblidbeg germani]d)e§ t^eiligtum für ben d)riftlidien Sultu^ umgetoanbelt unb feine
befonbere gürforge ber neuen JJuItftätte burd) 3Iugfd)mü(fung mit Silbern sugemen-
bet böt; bie ©jternfteine finb mit ihrem in ben lateinifcben ©d)riften gebraucblidien
9Zamen „Rupes picarum“ au^brüdlidb genannt. ®a§ Qenqni^ ftammt Don bem nod)
beute angefebenen @efd}id)t§fd)reibe-r ber fileformation^aeit ^ermann $amelmann,
ber um 1564 in feiner Delineatio Oppidorum Westfaliae fd)reibt: Home... ex vicina
rupe picaruin, antiquo monumento, cuius veteres scriptores mentionem fecerunt, claret.
Legi aliquando, qiiod ex rupe illa picarum, idolo gentilitio, fecerit Carolus magnus altare
sacratuiii et ornatum effigiebus apostolornm. (^orn ift berühmt burd) ein alte§ 3Wonu-
ment, ben (Syternftein, ben bie alten ©djriftfteüer ermähnen, ^d) höbe e^ DormaB ge-
lefen, bafe ßarl b. @r. au§ ienern ©jternftein, ber ein bßibnifd)e§ SoIBbeiligtum mar,
einen geheiligten Elitär gemad)t nnb ihn mit 9lDofteIbiIbern gefd)miidt bcit.)
4 Xcubt, ©ermanifcfic .Heiligtümer
50 3. ^rniiniul uiib gelfenbilb

3Benn bic fränüfcbeu 2t n n a I e n beu 3?amen be§ örte§ nicljt bringen, too ^larl fein
3erftörung§>x)erE ait§gefübrt bnt, fo ift bie StenntniS beSfelben bodb burcbgefcf)Iiibft
unb in ©d^riften be§ 3KitteIaIter§ bineingeraten, bie ^amelinann nodb bor fitf) gehabt
bat, bie aber bann, toie biete onbere, berloren gegangen finb. 2Ber bat ba§ 9lecbt, ben
glaubtoiirbigen .gamelmann aum Siigner au macben, um fid) ber 2tnerfennung ber
3erftörnng be§ .^eilighirnS an ben ©sternfteinen burd) ^art b. @r. au entminben? ^d)
fanb nur bei ©rupen unb ©cbierenberg bie ©dilufefolgerung auf bie ;SrminfuI, bie
au§ §amelmanu au sieben ift.
$er Sefer mirb baritber erfcbroden fein, mie id) e§ mar, bafe bie für bie ©rternftein»
frage fo micbtige .'pninelmannfdfe 9?ad]rid}t, bie in ben ©rörterungen ber oberfte
ig'auptfnb batte fein follen, Pon ben niciften
Bearbeitern gar nidd gefannt, ober menig=
fteng nid}t ermöbnt mirb, meil man fie unter
ftfidftacbtung be§ fonft böllig einmnnbfreien
@efd)idit§fd)reiber§ beifeite gefcboben bat.
SBa§ fotten mir au biefer un§ in ber ©erma=
uengefdücbte immer mieber entgegentreten»
ben ©rfabrung fagen? ©§ ift in ber 5£at,
aB ob eine gebeimniSPoIIe, bon ontigermani=
fdiem Gfeift getragene Itnterftrömnng burd)
bie gnnae @ermanengefd}icbte binburd)fd}Iicbe.
Siefem ©eift gelingt e§, ba§ anm ©d}meigen
ober aiir linmirffnmfeit s» bringen, ma§ a»
einer 36id)nnng eine§ tebenSPoIIen germani^
id}en ©efd)id)t§bilbe§ beitragen fönnte. ®ie
amansig Büd)er be§ BIiaiu§, mabrfcbeinlid)
ba§ $auptmerf be§ 2lltertnm§ über ©erma-
nien, finb Oerloren; beggleicben ©dbriften unb
8t6b. 24. Srminfut ©dfriftteite be§ Siüiu§ nnb 5tacitu§ unb anbe=
rer, mebrfad) niBgeredbnet an fünften, mo
intereffante 2?ad)rid)ten über ba§ ©krmanentum fomnien mußten, itfibelungenlieb
unb ©bba l)aben eine anffüllige Berluftgefdbid)te, bie anm minbeften auf eine gerabeau
ungebeuerlidie Si'tereffelofigfeit ihrer Befitjer fd)lief5en löfet. 2tud) be§ XacituS ©er=
manio u. a. ift erft nad) tanger Berborgenbeit mieber nnfgetaudit. 2lt§ fpnrtoS oer=
fcbmnnben aöbtt ©rimm nod) auf: ftJifotauS oon ®ama§fn§, SabiannS, ©rmntiu§ Sfor=
bu§, 2tgri00a, 2tngnftu§, 2lnfibin0 BaffiB. SBa§ aber an etma Oorbanbenen obfeftioen
Sdjriften über bie f p ü t e r e n ^abrbunberte unb bo§ Befebrnng§aEitaiter Oerfd}mun=
ben ift, baüon finb nod) nicht einmat bie 9?nmen ber @d)reiber befannt.
aWan Eann fd)fed)terbing§ nicht umhin, in biefem aUen ein gemiffe§ ©pftem unb
ba§ aSirfen be§ ermähnten gernionenfeinbiid)en ©eifte§ a» erbtiden. Bon ben
5rüd)ten beSfetben, üor ntlem oon ber Boreingenommenbeit gegen ger)uanifche
ßnttur, fönnen and) Präger berühmter fttamen nid)t freigefprod)en merbcn. ©uftaü
ajedet fchreibt in „©ermanen unb .ffetten", ©eite 21, in einem febr einbrüdtidhen gatte
üom großen Stfommfen; „Unter atten llmftönben tiegt aber bie Boreingenonuuenbeit
be§ ©efd)id)t§fd)reiber§ auf ber $anb". ©§ tiegt reichlid)e Berantaffung oor, bah
S^eiH-pelldjü^c 5J
unfere ücrautroortlid^e @eid[)icI)t5|d}rGiDinuj bicfer STngelegenljeit einmal i[)re ganae
2Iufmerf]ainfeit 5iitx)euf)et unb habet aiidi nor her überbrüfnng üon Stufic^ten unb
Urteilen, bie aiig ber gebet nnferer oberften nnb mafegebenben @efdiid)t§fd)reiber
ftammen, nid)t Buriidfdbreden, — natnriid) nid)t, um ihnen bemnfete @e]d}id3t§t)er=
berbnng fonbern ihre
Unfreiheit bom SSornr*
teil, ihren 9}?angel an
tnirflidjer Cbieftinitüt
in germanifdien ®in*
gen nad)3nUieifen.

S?arl§ (3efd]icht§fd)rei-
ber haben im borliegen*
ben galle aii§nahm§^
tneife tton bem Jtaube
ber bei ber Sf^ninful
fid) finbenben @d)ähe
bitrdh ^arl berid)tet:
aurum et argentuin,
quofi ibi reperit, abstu-
lit, ba§ @oIb nnb @il*
ber, mag er bort fanb,
fd}affte er fort. ®er
gang mnfe feine befon*
bere 93ebentnng gehabt
haben, fonft märe er
nid)t aiigbrüdlid) er*
mahnt. SBoher follte
and) ber nngehener
grofee Inhalt ber
©diabfammer .©arig,
über ben er in feinem
5£eftamente Verfügte
(©eite 2G3), gefommen
fein, menn er ihn nicht
ang ben nntermorfenen
Sänbern Biifammenge* 5(bt). 25. gdfenbirb ber Hremabnabmc
bradit hätte? SlbeU be*
merft baan: „$a aber folche ©chä^e ba maren, müffen and) ©ebäiibe für ihre 3luf*
bemahrnng ba gemefen fein'". SBo maren bie ©ebänbe? 2Ber einmal bie ©jternfteine
befnd)t, molle fich bie oben ermähnte fleine, mir gu Sliifbemahrnnggämecfen braudhbare
©rotte im erften gelfen baraufhin anfehen, ob mir nid}t in ihr bie gefuchte ©dhah=
fammer hciben.
^ 5tbe(, ^ie beg fräntifd^en 0^et(hg. 106.
4*
52 3, ^rmtnful unb gelfenbilb
®o§ SSor^)onbenfein toertöoHer JEemtielftfiä^e aber in ben germantfdien Heiligtümern
ift eine biSber nnbeocEitete 5tatfacbe, bie mir un§ mit befonberer JSetonung unb mit
natf)benflicbem Sinne einprögen ^

®ie neue Stuffoffung bon ber SSebeutung ber ©jternfteine in ber öortf)riftIi(fien 3eit
übt ihren ©influfe autf) auf bie 33eurteilüng be§ groBen SelfenreliefS au§. 3h>ei Stagen
tauchen auf: finb2tnäeicben borbanben, baB ba§ (f)riftIitf)e S3ilb ber ßreuaeSabnabme ein
bereits bort borbanbene§ germanif(f)e§ S9iIb t)erbrängt bat, äbniitf) tote au§ bem obe¬
ren unb unteren Heiligtum Kapellen gemacbt tourben? @inb in bem cbriftlicben Silbe
Seäiebungen äu ber Sebeütung feines Ortes 5U finberi? , :
OaS Socfelbilb, auf. toeicbem ficb baS Hauptbilb aufbaut, bat allen ©rflärern bie
gröfee Sihtoierigfeit bereitet. ®S fteHt ätnei fcblangen- ober bra^enumtoünbene fnienbe
aWenfcben bar mit einem groBen Sogei, ettoa einem Scbtoan, ®ie Sertoitterung ift
erbeblicb ftärfer, als bie beS übrigen SilbeS. SUit einer Oarftellung üon SIbam unb
6oa im SarabteS, morauf man in ber Serlegenbeit berfallen ift, ober mit irgenb-
einem anberen biblifcben Ereignis bat baS Silb nichts äu tun.; ®ie SInnabme, baB
eS; noch auS ber germanifchen Seit ftammt, ift toeitauS bie nächftliegenbe, bet
lebiglich baS Sorurteil gegen fünftlerijche Setötigung ber borchriftlichen Seit ent«
gegenftebt. SBenn boS ©odelbilb Porber bagemefen ift, fo ift auch ein Hauptbilb
barüber getoefen, ■ ^ ^
Seftörft lotrb unfere 2l'nnabme burch bie bbchft auffälltge JEatfache, baB bie ilteigung
beS SilbeS bem Sefchauer entgegen, bie für ben aus reichem SWaterial betauSfchaffen«
ben Zünftler felbftPerftänblidb getoefen toöre, nicht nur fehlt, fonbern baB bie @runb-
fläche ie toeiter nadb oben, um fo toeiter nach hinten betauSgearbeitet ift. ^a, eS finb
bie aHerftörfften Slnaeichen üorbanben, baß bie Herftellung b i e f e r ©runbflöche nebft
toefentli^en, flach barauf liegenben Seilen beS SilbeS fpätere Slrbeit ift. ES banbelt fich
bor allem um boS ßreuä felbft, bann um bie baraufliegenbe rechte Hanb beS oberen
SWanneS, um bie rechte Hanb beS barunterftebenben SWonneS, um bie Siegesfahne im
3Irnt@ottbaterS (übrigens eine gang ungetoöbnliche OarfteHungl) unb bie flachen Seile
ber beiben SKebaiKonS in ben oberen Eden. S)rei für biefe SInnobme fprechenbe
DKomente treffen fiel} gegenfeitig beftätigenb äufammen: banblnerfSmüBig-unlünft*
lerifche SIrbeit, mäbrenb bie bochliegenben Siguren bon erheblichem fünftlerifchen
können geugen; auffällig jüngere Satina ber tiefliegenben Seile; ^?nicEung ber
Sinien beiber ^reuaeSbalfen, bie um fo unftimmiger ift, je fchärfer bie Stilifierung beS
^reuäeS fich aus ben im übrigen nicht ftilifierten Signren berauSbebt — bei näherer
Unterfuchung macht eS faft ben Einbruch, als ob bie bier Seile beS ^reuaeS nachträg¬
lich gtoifeben bie Sigwren bineingefteeft toären, um bann ein leibliches 5?reuä an hüben.
Siefe auffälligen Unftimmigfeiten empfehle ich ber Seaebtung. SIuS ihnen ift bie Ent-
ftebung beS fehigen SilbeS in brei Stufen au folgern; baS Sochelbilb auS borebrift-,
liehet Seit; bie „2tpofteIbiIber" ^arlS beS ®roBen, bie er an bie Stelle beS befeitigten
germanifchen oberen SiIbeS feben IieB; baS bureb Saberborn im 12. ^ahrbunbert aur
Seit ober nach ber ^apellentoeibe bergeftoGte Silb ber: ßreuaeSabnabme in feiner
jebigen ©eftalt. £)aS SXpoftelbilb flarlS mag auch eine ^IreuaeSobnabme getoefen fein,
aber toie eS ftfieint fo, baB eS ber fpäteren Seit nicht mehr genehm toar. Hatte ber auch
@er)eiinnt§ b^§> 2:E)ronfeffeB 53
notf) germouifd) empfiubeube 93ilbl)auer nod) mel)v bineingebeimnifet, aB iDoöon tvh
iefet l)ören tüerben? Ober bitten bie ©ermanen eB 5erfd)Iagen?
SBeiin trgenbeiu 5£etl al§ S3eftanbtetl be^ „Slpoftelbilbe^" anauerfennen ift, \o fommt
ber reidjberaterte Stljronfeffel in grage, ber in gana ungelnöbnlidöer SBetfe bie fonft
üblidie Seiter bertritt unb ftet§ bie Sead)tung ber ^unftbiftorifer, and) bie Sead)tung
@oetbe§ gefunben OberregierungSrat Dr. ßörner unb ©ugen SSeife madben in
einleudbtenber SBeife barauf aufmerffam, bafe ber 5tbtonfeifeI bie umgefnidte ^rmin»
ful iei; OberftL b^t fie un§ in Slbb. 24 aufgericbtet. @ie i^at feine bcadjten^tnerte
äbniidbfeit mit bem Strmlencbter im ®om au ^ilbe^b^im, ber nadb ber Überlieferung
eine in ©orbeb gefunbene bermeintlicbe ^rminful fein foll.
Körner nimmt an, bafe ba^ ©ijinbol in @olb au^gefübrt oben auf bem ©jternftein
geftanben bube. $ann mürbe aifo ba§ Slpoftelbilb bie gorberung berfinnbilblidbt

5tbb. 2G 5lbb.26a,
®ie grminfui in d)riftlid)en ^ird)en

haben, bafe ba§ ©briftentum aB fiegreid) über ba§ a^t^broi^ene ^eibentum anauer-
fennen fei, unb e§ ift berftünblid), bafe empörte ©ermanen bie güfee be§ auf ba§ heilig»
tum tretenben 3Wanne§ a^i^f^btugen buben. Unberfennbar ba^felbe ©pinbol meift
®. äßeife in ben ^irdben bon Sllpir^bad), ®amer§Ieben unb,$abia nadb. 3öa§ an feinem
^auptplabe alg burdb ben Sieg be§ neuen ©laubeng übermunben unb gefnidt er*
l'cbeint, bag ift aIfo ein in ber ©ernianenmelt aUbefaunteg @t)mboI gemefen (Slbb. 26)!
3u bemerfen ift nodb ber berrenfte llnterförper beg ben Seidbnam tragenben 3Kan*
neg, ber eher au einem fidb büdenben $FJanne paffen mürbe, ferner bie übermäßige, au
bem ^reua nidbt paffenbe ©röße beg Seidbnamg. Stn biefeg Jireua aufgeridbtet fönnte
nur ein Silb entfteben, mie bag beg „^errgottg bon Sentbeim'', melcßeg ^erman
SBirtb irn „Slufgang ber SJJenfdibeit'' alg bordbriftlidbe SarfteHung beg „(Sig=5Ct3r''
(Sdbmurgott beg Jtubanterlanbeg) biufteüt unb alg 5£itelbilb feineg SJBerfeg bermertet.
93ei biefen Überlegungen berbient bie nabeau 1 m bube unbenußte gläcbe
über bem Silbe ber J^reuaabnabme in ihrer ftarfen Vertiefung in ben gelfen hinein
böcbfte Seacßtung. ®ie Vertiefung mar aluedlog für bag Vilb, atuedlog unb fdbäblicb
unter bem ©efidbtgpunfte beg ©dbußeg gegen Vermitterung, un)dbön unter äftbetifdbem
©efidbtgpunfte. ©ine ©rfcßeinung, bie eben nur eine bernünftige ©rflärung finbet,
menn ein bie g a n a e glädbe augfüHenbeg größereg urfprünglidbeg ©ermanenbilb an*
:54 3. ^rminfuruub gelfenßilb '
genommen totrb. ®ie§ föilb tonr orbnungSmöfetg in gleicher gläf^e, tote baS ©odelbilb
;au§ ber natürlichen gelfentoanb lierauSgearbeitet. Unter Schonung alleS toieber
braudhbaren SRaterialS iit e§ bann bis auf bie iehige Slädje heruntergehauen. SDurd)
bie Jöefeitigung beS ©ermanenbilbeS bon feinem oberften fftanbe herab bi§ auf bie
obere Sinie beS SodelbilbeS 'entftanb für ben erften (hriftlichen ßünftler bie unbequeme
Sage, :ba6 ber unterfte.JEeir feineS neuen'fStlbeS mach ben unteren IReften beS Oerma-
nenbilbeS, bie nicht öoUftänbig befettigt feerben fonnten (um baS fbZoterial nicht gana
8u berlieren), eingerichtet: toerben mufete.-, ®arauS, toürben, bann bie Unftimmigfeiten
unb bie unäulängliche Sehanblung mandier gorrnen im unteren Seite ber Jtreuaab»
nähme berftänbIidh toerben.v ' :;, ;' ^

^at eS bor Marl in ©ermanien JSilbhnuer gegeben, bie ein fünftlerifdhes SßoHen
unb technifdie Übung befafeen? —ober haben toir un§;bie StuSführung ber SBitber beS
„tDterfur (SBobäh), ®erfuIeS ('Donar) unb Sol (Sret), greqa)'', mit benen bie ^rmin»
ful gefchmüdt mar, gana roh, 3u benfen? ; :;^;,
Suböihft müffen mir bie allgemeine ©rmögung anftellen, ba6 bie noch heute Se-
munberung ermedenbeJtunft ber gotifthen Dome bom 12.^^ahrhunbert an meber bon
aufeen eingeführt noch bom Fimmel gefallen ift, .fonbern ihre lange boIfSeigene SSor-
gefchichte hat. ferner aicingt ber. SrnblicE ber metallenen germanifchen :^unftgeräte
. unferer fbfufeen au ber Sd]Iu6foIgerung, bah bie mit berartigen Steigungen unb ber-
ortigem können . auSgerüfteten fWenfchen nicht 'bor ber tünftlerifdjen Bearbeitung
bon ®oIa unb Stein ftehengeblieben finb, unb bafe eS ein berhängniSboIter Srugfchlufe
ift, menn au§ bem Stichtmehrborhanbenfein bilbhauerifcher ©raeugniffe bergönglicher
unb aerftörbarer, SCrt, ouf ein StiernalSgemefenfein gefolgert mirb. Stber e§ geminnt
ben Slnfchein, bafe auch bie SPteinung bom Stid)tmehrbprhanbenfein eingefchränft mer»
■' ben^mufe.■ :'v ' , ■ f:-'
SteuerbingS ift eine recht onfehnliche Saht meift on ober in alten Kirchen angebrochter
Sfulpturen aus bem Dunfeh ber miffenfchaftlichen Stichtbeachtung an baS SageSlicht
geäogen^ beren ibeelle Schöpfung auf ben alten germanifchen ©tauben aurüdgeht,
unb beren StuSführung unter chriftticher ^errfchaft nicht baS Sob, fbnbern eher biC'
Berfotgung ber J?ünftter feitenS ber firchlidjen Bauherrn herbeigeführt haben mürbe;
SBenn trohbem Darftettungen. auS ber,germanifchen ©taubenSmett in chrifttiche Bau»
ten geraten finb — oft an unrühmtiche Blähe — fo fann baS auf ameiertei SBeife ge»
fchehen fein, ©ntmeber hat ber im aften Sinne benlenbe .unb arbeitenbe Stünftter,
gebedt burch bie UnfenntniS feines StuftraggeberS, fein SBert eingefchmuggett, ober
man hat unerfannte Stüde ouS ben Srümmern atter ^eitigtümer nicht megmerfen
:mÖgen.'^-.; : \ V ;V '
Db ein Steinbitb aus bem 11. ober auS bem T. -^ohrhunbert ftammt, töBt fich auS
Bermitterung unb Bearbeitung Überhaupt nicht beftimmen, unb menn eS feine'ganä
charafteriftifchen SBerfmate ber fpöteren Seiten aeigt, auch nid)t aus ber fünftterifchen
3Irt, 3umal, mir ia bie SIrt ber ätteren Seit nidd fennen.Ssu fotchen ©inaetfölten mer»
ben mir aumeift auf bie Benrteitung beS ©eifteS angemiefen bteiben, ber: auS bem
■ llunftmerf fpricht. 3Ibpr bie bargetegten inneren ©rünbe finb ftarf genug, um m
‘ Sung, @erm. ®ötter unb gelben in djriftltcler Seit. S. .g. Seemann, Sötün^en 1922..
. ^ @ermamfcf)e§ Sifötoerf 55
einer unumtounbenen Sejal^ung unferer aUgemeinen grage nacf) germamfcEien 33ilb*
I)auern 3U gelongen. , ' ^
©ermanifcEie Kultur toar überall ba, Ino e§ angtng, eine ^olafultur. Stutf) feine S3ilb«
bauer ftfiufen ^goläbilber, bie in fKober unb 2tfä)e berfallen finb. S)a§ ©teinbilb bat
boneben eine geringe SioHe gefbielt. Stber bie ermähnte ®enfmäIerforfcbung mit ihrem
gefdbörften 18Iitf für ©räeugniffe, bie nur au§ ber germanifcben ®eifte§JneIt heraus
geboren fein fönnen, tnirb ineiterhin bo3u führen, bofe mir audh' bie 3ahlrei(f)en nodj
borhanbenen ©teinbilber herau§erfennen, bie fcfion in borfarolingiftfier Seit bon ger-
manifcher ,§onb gemeißelt morben finb.
4 Itm bie ßi^^^equeHen
Beit on ber fleinen ©gge, on beren gufee ber „eggefterenftein" liegt, entfitringt
^✓bie ©trete, ber löngfte unb oberfte berQueHBä^e ber SipBe. SBenn ba§ unter ber
S3urg in SiWftiringe möd)tig BeröorfBrubelnbe, fofort mit bem au§ ber Sebingerfietbe
Jommenben ^orbonBad) fitf) Bereinigenbe SSSafier, meift in erfter Sinie al§ SiBBeBueHe
ongefeBen toirb, fo ift ba§ geograB^ifcJ) hid^t gana riditig. Sur ©trete fomint u,.a. ber
SutterBaeö ou§ bem öutterfelt ’unb .ber SletenBad^ auS bem QueHteicf) am Sangelau,
um unterBalB i»teuBau§.eifen, toe ißaber unb Stirne fidö mit ben SiBBffringer (Se-
möffern bereinigen, aI§ „S;Bune" in ber SiBbe aufaugeBen.
©er ben bem Sufammenflufe ber Stirne unb iPober fid) erfieBenbe, ben SSaffer natieäu
gona umfleflene fturmfreie i|3IaB atoifdien 9teuBau§: unb @Ifen f)Qt früBer miber»
fBrucB§Ie§ al§ ba§ Stiife ber Stömer gegelten, Bi§ man anfing, Balb bie§ Balb jenes auS
ber grefeen SqBI Öer sRömerfafteae, toe man römifd)e aSBaffen, SBöae unb.©d)erBen
fanb, als Stiife au erftäten unb bamit aucB biefe gute ©rabitien unferem SSelfe au er*
fdiuttern. StacB bem ipaberBerner Sifdief S. b, SürftenBerg, ber megen feines 9iäBrigen
©tubiums ber batifanifdien SSiBIietBef unb auS anberen ©rünben baS toeitauS größte
aSertrouen unter ben alten ©diriftfteaern berbient,>ar bie StoingBurg ^arls b. @t.
auf eben biefem ipiaBe erbaut, toe bann nadiBer bie ißaberberner a3ifd)öfe iBre ©d)Iöf»
fer unb aSauten aufgefüBrt Baben. SJHt aSeftimmtBeit ertennt er in SieuBauS«@Ifen ben
Ort Stiife.: ©er Bis aum testen ©uabratmeter burdBtoüBIte unb üBerBoute SSeben
Bietet allerbingS bem ©baten feinerlei StuSfidBt auf ©rfelg. SBeber Bißt ned^ anberStoe
toirb jemals eine ©afel gefunben teerben, auf ber gefdBrieBen fteBt „Bier toar Stiife".
©e fönnen benn bie §BbotBefen luftig toeiter toucBern. ^n ber grage ber ÖrtlidBfeit
ber ©euteburger ©if)tad)t ift eS übrigens aiemlid) gleicBgüItig, eB Stiife in SieuBouS
eher meBr mefttoärtS gelegen But. 2)er Siame „eifen" e. ä. femmt feBr eft ber.
©ie eft toafferreidie ©trete BeiR toie ermoBnt, im unteren Sauf „©Bune";
©oS ift BemerfenStoert um beStoiflen, meit ©Bune unb ©enou baS gleicBe SBert mit
gleicBer aiebeutung ift. ^nfetgebeffen Bat man fcBen berfudBt, bie atoeifelleS in ber
beutfcBen ^elbenfage berBonbene aSertoed)fIung unb aSermirtung, bie fid) an bie ©enau
tnübft, bnburcB au BeBeBen, bnfe bie ©Bune an meBreren ©teHen ber ©age als ©enou
anaufeBen fei. aSen aSiditigteit ift Bierbei; bie ©Bibreffago, in ber eraöBIt toirb, bofe
, ©ietrid) ben aiern ben Sonn aus efttoärts inS^unolonb geritten unb nod) ©uf at
(©oefti) gefommen fei, too ber .gunenfönig feinen ^of Batte; ben bort reitet er toeiter
unb trifft ben Siiefen ©de, ber ben feinem aSoBnfiB — einem ungeBeuren ©tein — ouS-
geaogen ift. Mit ©oeft ift bie SibBegegenb jebenfallS eintoanbfrei BeaeicBnet. ©ie
toeiteren Vermutungen Betreffenb ben ©d)aubIaB ber ©bba, benen BefonberS @. St.
©cBierenBerg nadigegangen ift, taffen toir baBingefteGt.
©ie Siede, bie ber ©egenb ber SibbequeCen in ber alten ©efiBidite ©ermanienS au»
gefaHen ift, dann nicBt BocB genug angefeBt toerben. ©ie ©egenb Bilbet baS ^era beS
(ben ber römifdien ^errfcBaft frei geBIieBenen) ©ermanienS atoifden SiBein unb ©IBe
nicBt nur au Siömeraeiten, fonbern nod) in ber gronfenaeit. ©er näcBfte ©runb iBrer
Sebeutung ift bie aus ber bBBfifalifcBen Storte ©eutfcBIanbS unmittelBor Berborleudi-
tenbe geograbBifcfie Sage unb SefdiaffenBeit beS Sibbetals, toeldieS jebem ben SBeften
tommenben ©inbringen in ©ermanien, fei eS frieblidier ober friegerifcBer Strt, bie*
. SDqS $era be§ Sanbe§ 57

getüiefene (JinfaHSftmfee borbot. ®er ©rünb tft ober oucb bie in E)obem ©robe beo^*
tengtoerte ©eftoltung ber germonifdjen ©tammeSgebtete, benen bie ©egenb ber Sibbe-
queßen ein gemeinfomer SDiittelbunft ttJor. finb bie ©tömme, bie unter Strminiuä
bem Vorbringen ber römifcben §errfct)aft ein @nbe bereiteten; unb oud) no(f| 700 ^abre
fböter unter bem aufommenfofienben Atomen „©ddbfen" aI§ Vunbe§genoffen unter
SBittefinb fitf) gegen bo§ toeftfräntifcbe ^ocb toebrten; ©igombrer, SWarfen, Vrufterer,
Slngriöorier/SberuSfer; ferner bie Sulgubnier unb Sbatteii. Sie ©renaen ber fünf
erftgenonnten ©tömme geftolteten ficb foft loie bie ©troblen eines ©terneS, beffen Sern
bie grofee OSningmorf mit ber Umgegenb ber Sibbequeßen ols füblitbftem Seil ift.
Sie ©batten fomen atoor nabe, aber nicht unmittelbar beran. Sen Sßeg, ben fie fidb
toabrfdbeinlicb aut SIbfüraüng ibreS SugeS burcb frembeS ©tammeSgebiet getoöblt
haben, ioenn fie in ba§ gemeinfame fDtarfengebiet tooßten, glauben trir in einem SBege
toicbergefunben au boten, beffen urfunblidb beridbteten eigenartigen Verböltniffe fo
beadbtenStoert finb, b’afe icb eingebenb barauf aurüdEfommen toerbe (©. 157).
Snr SlicE ouf bie an ben öibbequeßen aufammenftofeenben ©renaen tau(bt bie grage
na^ bem VerböItniS ber germanifcben ©tömme untereinanber auf. Safe bie germa-
nifcben ©tömme ihre ©treitigfeiten oft — Diel au oft — mit ber SBaffe blutig auS«
getragen boben, braucht ni(bt beatoeifelt au loerben. SIber bie im toefentlidhen einbeit-
liche ©nttoidflung in ©brache unb Sultur bis in bie frönfifche 3eit hinein fagt unS,
ba& im groben unb ganaen ein fßormalauftanb frieblidber Veaiebungen aueinanber
mit aoblteichen gemeinfamen ©inrichtungen unb Veftrebungen über ben ©tömmen
beS germaniftben SSoIfeS getoaltet bot. Sür biefe Sluffaffung fbri(bt auch bos ©inbeitS*
bilb, toeIcbeS unS bie flaffif(ben ©dhriftfteßer bom ©ermanentum aei^nen. ^m be-
fonberen fößt unS ber religiös beftimmte ©eelenauftanb auf, in bem fidh bie ©treitig¬
feiten ber ©inaelnen unb ber ©tömme abfbielten. Sümpfe unb Stiege lourben aus¬
nahmslos als ©otteSgerichte angefeben, burdh bie baS gottgetooßte fßedht offenbart urtb
bergefteßt merben foßte. Sie Slufrufe beS ßibiliS an bie germanifchen ©tömme fönnen
hierfür gerabeau alS mufterbilblitbe Velege angefeben tnerben^. Saber bie Sorberung
ber ©ieger unb aßer Unbeteiligten, bafe fich ber Unterlegene bem Urteil füge unb ben
©treit als erlebigt anfelje. Saber bie gorberung geregter Sampfbebingungen, beten
SluSprögung fich noch bis in unfere B^it hinein in ben 3n>eifampffitten unb ber glei¬
chen Verteilung bon Sicht unb ©chatten beim SBettfpiel erholten bot. ^n michelbafter
^armlofigfeit feite man folche ritterliche Stuffaffung-auch bei ben anberen Völfern
PorauS. SSie oft tourbe mon bann in ber erbörmlicbften SSeife betrogen. ©S ift fo ge¬
blieben, loie toir eS gleich anfangs in ben Sümpfen beS STOariuS gegen bie ©imbern
unb Seutonen lefen.
S n © er m a n i e n a b e r to i r f t e b i e f i 111 i ch = r e I i gi ö f e Sl u f f a f»
f un g beS S r i e geS b ab i n, b ab te © n t to i c£tun g b eS © ef o m t-
P 0 If S n icht b u r d) b er bö n g ni S b o II anb a 11 enb e g ein b f d) aft
unb Slbf 0 nb er un g aunich t e gemadht to0rb en ift, — audh no^ nidit
einmal in bem ©bao§ ber . mittelalterlichen unb fpäteren ©efchicbte.
Siefe ©rtoägungen haben ihre grofee Vebeutung für baS VerftönbniS ber gemein-
famen .Heiligtümer, bie unS in ber OSningmarf über ben Sippequeßen entgegentreten.
Von einer gemeinfamen ber religiöfen Velange innerhalb beS germanifchen
‘ SacituS, §tport£n III unb VI. ~ ^ ; ~~ ~~~~~~ '
58 4; Um bie.SiWequellen ■
2}oHe§ £)aben tcir ou§reicf)en5 »etoeife in brn boraegenben ^iad^ric^ten unb S^atfo^en,
;fo bafe felbft tief in bem Jöar&arentrrtuin jtecE'enbe SfleagtonStoiffenfcöaftler fidö bet
Slnerfennung einer jo unbQrbarifdjen .erfäjeinung nicEit entsieiien fönnen^ - :
Sm befolge bet reHgiöfen Gelange befinben jicö stoangSIöufig boatiftbe unb toiffen-
fcfiaftacfie jonjtige SCufgoBen be§ SoIfSIebenS, autf) toirtfdiaftadEie, bie äu geineinjamen
©inricBtungen füBrten. : (S§^ rnufe «ine aCrt J8unbe§lf)autitftobt gegeben Baßen, too bie
gaben aujammenaefen, unb ■ too jicß ba§ befanb, toaS bie Slhfammlung großer 2)?en-'
Itbenfdbaren äu ben SSerfammlungen unb geften: erforberte, toie fie iebenfaHS su ben
Seiten bet grofeen gruBang§-unb §erbftfeiern anaunebmen jinb., ; - ,
gür bie genannten Stämme toar ba§ ©ebiet um bie Sißbeguellen, roelcbe§ mit ben
Rainen beS €§ning BiB Binau§ über ejternfteine, Teutoburger unb Seiftruber SBalb
ein^grofeeS 2)?nrjengebiet bilbete, ber gegebene'Ort. : ^
iSeaeitfinenb für bie aCuSnobmefteHung ber ©egenb um bie SibbequeHen ift eine
löngere föetracbtung, bie ber finge, äuberläffige unb auch fritifcbe TemoIber afrdiibrat
eioftermeier bor 110 Sabren angefteHt bqt in einer Slntioort an bie gürftlidbe 9tent.
fammer, bie: ibn nach ber jöebeutung ber .^oblftäbter jftuine gefrogt: batte, ©r geftebt,
über bie jftuine nifbt ba§ geringfte berauSgebratfit au baßeu, benubt aber bie ©elegen-
beit, jeine für ung loertbollen j?enntniffe über biefe ©egenb aufammenauftelten; SKon
bemerft jein Staunen unb jlobfaerbrecben übet bie merftbürbigen aSerbältniffe biefer
einfamen ©egenb, auf bie er bei feinen arcbibalifcben gorfdbungen nacb ber jSebeutung
ber jüuine geftofeenaft.
.: aiacbbem er barauf bingemiefen bat, bafe aufeer Tetmolb unb Sdbieber f e i n e £) r t e
i m Si'b bijcb en j0 f r ü b i n.b a§ Sidb t b er ® ejdb i cb t e t r e t e n, olS Cefter-
bola,- ^oblftäbt unb Scblangen, aifo gerabe bie ßrte ataifdbeu TetmoIb unb Sibb*
fbringe, auf bie e§ un§ anfommt, beftätigt er bie im boben ©robe auffäCige Tatfa^e,
bafe in biefern mirtfcbaftlicb armen: SBinfel „bon ben frübeften Seiten beutjtfje ©blc
Begütert toaren". „©iefer; Stridb Sanbe§ muß aIfo bon ben Uraeiten ber. mehr ange¬
baut unb bebölfert getoefen fein, alB anbere Teile beB gürftentumB Sißbe." Sie Urfacbe
babon fei nicßt fdbtoer au finben. Sie Stömer tbören bie .gerren ber Sißbe gemefen;
römifdbe l^ultur habe bie Seutfdben lbobl anaieben fönnen, ficf): in ber jltadbbarfcbaft
nieberäulnffen! „SBie biele ißoraüge bot aljo bie ©egenb um ilieubouB unb Sibü-
fbringe ben SSetbobnern berfeIben bar"! ©Ioftermeier fommt bann,‘ einbarb äitie-
renb, auf i?orlB JöefebrungBmetbobe. „Saxones perterriti . . . spoponderunt se esse
Ghristianos ... super Lippiäm venientes unacum uxoribus et infantibus innumerabilis
multitudo baptizata est.“ (S)ie üerängfteten ©ad^fen gelobten, ©btiften 3U fein unb
ipurben mit SBei^ in unaäbltger 3?Jenge in ber Sipbe getaufi) „Sie ©egenb
um ©dblangen, ^oblftabt unb Oefterbolg bcit fid^ bemnad^ bor allen anberen S:eilen
be§ libbifcben ßanbeg suerft be§ mobltätigen ©influffeB beB ©briitentumg 3u erfreuen
gehabt.'' ©loftermeierB S?enntnine finb inertboH, aber ber gange Jammer ber übertom*
menen @efdöid^tBauffaffung i(^reit unB auB bem SWunbe biefeB ad&tungBtoerten beut-
fdben aWanneB entgegen; STudf) bei iE)m toar büB @efüf)I für bie religiöfe unb bölfifd^e
©d^matf) ber geinaltfamen, mit Ünterfodbung berbunbenen SSefebrung erftorbem
■UnB ' finb bie 35 o I f B m a f f e n beB .^aberborner unb Sibpft^ringer SBeidbbilbeB
iuidbtig, fotoie bie b i eie n 6 b l e n , bie in ber ©egenb ein SSefi^tum batten.
^ §elm, TOgermantf(be IReltgton. : ^ —_ — — ; ■. ,
Wiiffäüigc 2:atiac]^eu 59

fölofterineierg ScrUninbeniug hierüber i[t begreifüch. SBir aber erfeunen bie Ur=
fachen ber aiiffülligen 2:!atfart]en in beiii ihm nubefannten (5(3arafter ^aberborng al§
a n b t ft a b t'' iinb ber ©egenb al§ h e 11 i g e SD? a r f, au ber einft bie uiiiliegen*
beu ©täinine ihre geineiufanieu 3ted)te batten, — ^Inrecfjte nnb SBeaiebnngen, bie ficb
bann auf bie großen Herren nnb fircblic[)en ©inridjtnngen al§ 3iedit§nad)foIger be§
entrechteten Sßolfeg übertragen h^ben.
©§ mögen noch mehr @ble SSeaiehnngen gehabt haben, aber 311 nennen finb eine ebte
grau nüt ihren brei ©öhnen, t)on benen einer ^mifo hiefe, bie gtimilie be§

Stbb. 27. ®ie gürftenattce in Oefterbola (geftftrafee)

$er3ogg @cbert, inSbefonbere beffen @ohn SSetno, unb eine 9?onne Oba bon ©efede, bie
tbahrfdieinlich an§ biefem ©efd)Ied)te flammte, bie ©rafen unb $^rren bon SSeftfalen,
Sibbe, 33rannfd)meig, ffialberf, ©alenberg, 9?heba, ^a^thanfen, galfenburg, ©chtüalen-
berg, Srannenbrudi; bann bie ftlöfter Spaberborn, SBerben, Sorbet) unb ^arbehanfen.
Unter ben Sblen ragt ber ermähnte grennb unb Statthalter ^arl§ be§ ©rofeen in
©ad}fen. Schert, herbor. ^n feine snberläffigen $änbe toaren offenbar bie heiligen
$aine nnb mid)tigften c^peiligtümer ber SDJarf gelegt. SßicI greube tuirb freilid] bie
gamilie an biefen Stätten be§ alten ©laubeng nid)t gehabt hüben, mie mir aug einer
gefd}eiterten Sloftergrünbung erfeunen merben. Ob auch bie Sohlftäbter SRuine, bou
ber mir unten 311 reben höben, 311 biefen Sefihnngen gehört höt, miffen mir nidht,
3umal bie Senennnng .^ohlftäbt unb Oefterhol3 big in bie 9?en3eit hinein fidh burdh*
einanberfdiiebt. 5lber mir biirfen eg bermnten.
60 4. Um bie SippequeHeit

®te geftftrafee
®te in einer Sänge Don 3 km öon @cf)Iangen fdjnnrgerabe in nörblidjer 9lid)tung
fii£)renbe 2f ü r ft e n a 11 e e ift eine ^racfjtftrnffe üon 35 m ®reite mit öier 6i§ fünf
3teit)en alter ©id^en, untermifcät öon einigen 58nct)en, an bie fid) im oberen SCeile nod)
eine erbeblidie SSerbreiterung anlegt; 700 m führen an ber „©ennetrift" entlang. 3)ie
©trafee läfet bie beiben grofeen ©efterbolaer Sefi^ungen, bie „fWeierei" (Sagbfdblofe,
O^crförfterei, 3riter§beim) nnb ben @ut§bof ($ou§ ©ierfen) 300 m abfeitS liegen.
aSon ben libbifchen ©rafen lann biefe fßrad)tftrafee nid)t angelegt fein, meil fie erft
öon 1593 an ©igentümer in ber ©efterboläer fWarf tourben, toabrenb ein erheblicher
Xeil ber nod) ftehenben ©id)en nnb »neben bi§ in eine frühere Seit anrüdreichen'.

8166.28. „®ic atoötf Slpoftel" 6ei 9tcinharb§6runn

aSorher ober fafe auf bem @ut§hofe ber ©chlöarameier nnb auf bem onberen $ofe ber
aWeier ^enfe. ©in Stoed ber fprad)tftrafee in biefer einfamen ©egenb ift für bie gonae
Seit be§ dhriftlidhen 3JHtteIoIter§ nid)t erfidhtlid).
Sie breite ©trofee beginnt im ©üben erft an bem Übergänge über bie ©trote bei ber
©^mebenfehonae. Ser fRome „©dHöeben".fd)nnae mirb hier mie in aohlreidjen gleid)en
Sölten nidht bie mirflidhe aSebeutung onaeigen, fonbern geraume Seit noch bem Sreifeig»
fahrigen Kriege einen alten 9bomen öerbröngt hoben. Sie ©d)löebenfd)anae ift fo,
mie fie feht öor un§ liegt, nicht ober nid)t gona oI§ natürliche Süne bnreh ©onbroehe
ou§ ber ©enne entftanben. Sa§ hot eine nenerbing§ onfgefnnbene, in ihrer holben
$öhe gelegene, ftorfe ©(^icht öon ^olafohle ermiefen. Sind) mirb öon früherer Sluf»
bednng eine§ Hünengrabes berid)tet.
‘ Sei ber ©c§ä^ung be§ SoumaltetS nttb oft fehlgegriffen, befonberS wenn bie Sobenbef(hQffenheit
nidht fachberftänbig in «Rechnung gefteEt ift. ®a bie alten ©ichen oEntählich betfehwunben finb nnb
weiter berfchwinben, halte id) hier boä mir burdh ben OrtSpoftor ©chelpf übermittelte Seugniä be§ f
5orftmeifter§ grebert feft, wonach biefelben minbeftenS 500 Qohre alt waren, währenb heute erft 336
berfloffen finb, feitbem bie Sippif(hen ©rafen in bie ©egenb lamen. ©in gleiches Seugnis nuS falber»
flanbigem 9Runbe würbe bon ©eh. Saurat .teEner mitgeteilt. 3tuch ift Sepflonjung nicht = Slnlage.
atiinbplä^e 61

$te Strafte fommt au^ bem ®orf Sd^langen, an ba§ fid) bte 3>ebinöer£)etbe an-
fcf)Iieftt ®iefer ?J-ame ber ^etbe fagt un§, baft fid) ftter einft ba§ SSoIf berfammelt ftat
(®tng = SSoIBberyammlung).
Orte Schlangen befanben ober befinben fidb auffäHtge alte SBöEe unb in ber
Sebingerftetbe neben einem SiingtnaK unb fonftigen SBäEen ein merftoürbigeg alte§
@rabenft)ftem, über beffen 3E)ed fidb fadböerjtänbige Sanbloirte ben serbrocften
haben. 3[Ge§ ba§ i]t gum erheblichen Zeih ba^ Obfer ber ^ultinierung geüjorben, im
übrigen nur noch in fümmerlidhen Sleften Oorhanbem ®a§ SWefttifcftblatt hölt tnenig-
ften§ ben Oerfchtuunbenen JftingmaE feft, unb stnar al§ umlnaEten Speich, toeil fein
inneres fumpfig geworben mar.

^6b. 29. ®er §agcborn bei Sd)lQngen

SIber ein mertOoEer 3ßnge ber einftigen ®ebeutung ber ®ebingerheibe ift unter
®enfmalf(huh gefteEt unb mirb nidht Eerfdiminben. ift ber „fo öiele hnnbert ^ahre
fo berühmte $ügel ® a g e b o r n'" auf ber preuftifdi-Iibbifchen ©ren^e Oilbb. 29)\ ®on
ihm mirb gefagt, baft hi^^ bie SoIBoertreter gu SSerhanblungen gufammengetreten
feien. 3)a§ i^iev and) ard)it)alif(h gutbeseugte @ebächtni§ ber S3et)ölferung, ba§ ben
fleinen $Iaft au^gefonbcrt erhalten unb immer mieber mit Säumen bebflangt hnt,
bürfte fich übrigen^ t)ieIerort§ beEmhrt hnben, mo man 3. S. auffäEige ©inselbäume
ober SaumgrubtJen an SteEen finbet, bie ben Serbadht gemeihter ober fonft öffent¬
licher Stätten ermeden. 3n)ifd}en bem früheren iSlIofter 9teinharb§brunn bei grieb-
ridhSroba unb einer „Sangcunefe'' fanb id) einen mit 12 Sinben umftanbenen, frei§-
runb aufgefchütteten ©ericftt^hügel, genannt „bie smölf Slboftel", ein Dtame, ber öfter
borfommt. ®ie SCorflinbe ift ha§> ancrfannte unb befanntcfte Seifpiel.
®ie uralte 9^amen§form Sebingerheibe — barauf bin ich bon anberer Seite auf-
^ ^nod§, Stp)?. 5lr(hit), ^etmolb 1817.
62 4. Um i)te Stp4)equeIIen
merffom gemodöt iroriien — ftimmt in ifirer erften Hälfte genau mit bem gotifd&en
SBort tbiubangarb sufammen, ba§ bei UlfilaS (SUtottb. 6, V. 13) ,SSoIf§garten»$eibe be*
beutet, oifo auf bie SSqlfSberfammlung bintueift.
■. .Sie Sebingerbeibe, ber ,©.■ fIBeife neben ©dblangen mit fftedbt befonbere Srufmerffam.
feit toibmet, batte;einen fünftlicb geregelten aBafferreicbtum.: Ser größere Seil be§
@trotetoaffer§ fließt oberbülb ©iblangen’ in ber: fltidbtung auf bie Sütgemüble ab.
Siefe ®abelung :(f9ifurfation) tbeift eine fo aigenarti^ Qinie auf, baß ber ©e-
banfe einftiger Sfbleitung burdf SWenfcbenbanb ertoeift' toirb. ;§ier lüirb bie Slbficbt
einer SBafferberbinbung ber; .flbblftäbter/fRuine burcb: bgS Sbunebettvt^^^
augrunbe, gelegeit baben (@r 114)1Sann; erft'fonnte'bie'.lWuble:gebaut iberben.
Ser SBafferreicbtum'ber.Sebingerbeibe mit bem merftbürbigen ©räbenfbffem ent'
fbracb bem S8ebürfni§ einer'großen S/tenfdjenmeng^ toir un§ ba berfammelt benfen,
' um bon bier aus su ben :feftlid}en, Seiten :bie äu ben beiligeu '©tötten führ geft-
ftraße.su betreten. Samit'befommt bie gürftenallee ibrert Sinnl.'
; Seftftraßen,, im; cbriftlicben ■iluItüS.ffproaeffionStoeg^^ ergeben ficb bon
' felbft aus ber regelmäßigen ■ ©ediobnbeit' bon: SßoIfSmengeri/ fi(b • au einem feftlicßen
Siele au. begeben. fBroaeffionen: als :(briftlid)e ,^ultbanblunge:n taud}en erft im bierten
unb fünften gabrbunbert auf, als ;fo bieIeS;.aüS bem J8raud3tum ber ©ermanen inS
©briftentum überging. SaS bat au ber Stnnabme gefübrU, baß dücbbie 'fProaeffionen —
unb bamit bie^^reuagänge unb Seftftraßen — aus bem ^eibentüm ftammten.
. Unter, ben aabireicben auffälligen/'fonft unerflärlidien feierricben^Straßen, bie in
germanifden öanben bbne Stoeifel noch borbanben.finb/ tbirb (neben ben SteinaEeen)
bie boht @tonebenge"§eiIigtum norbofttbärtS fübrenbe (Straße (the avenue) als f u I-
t i f (b e S e ft ft r a ß e anerfannt; .^br norböftIi(ber:; ©nbbunft ift ni(bt, mehr feftftell'
bar; er befinbet fid) in ber fEäbe ber ettbaS feitliib liegenben biennbabn. .
äbnlicb liegen bie SSerbältniffe bei'ber Öefter Seftftraße, bie atoar in bie 9täbe
ber feith3ärts; liegenben Heiligtümer führt, bon beren'nörblidben Sie biSlang aber
.nid3tS mebr au entbeden h)ar. (Sie enbet ün Btorben bieSfei^^^ einfomen gorft-
baufes amJffialbranbe, beffen Etame r e u a f r u g'(|^toer^ bon bt^r fdirägtoinflig,
abgebenben aBoIbtbegen abftammen lbirb. Sollte er uns nicht an feine erfte Sebeutung
alS.am ©nbe beS „^!reu3gangeS'' gelegen erinnern? ^ ^n normale'Breite'übergebenb
biegt bie Straße bor biefem Sorftbaufe au ibm; bin feitlicb .ab, .toäbrenb in' geraber
glucbt im SBoIbe felbft baS einftige tnirflid)e ©nbe an bem fiteft einer alten ©i^naHee
bor einem nod) einfameren„SBaIbbaufe", bem aIten'„A'reuafrug", toieber au erfennen
,ift., Saß hier febon in grouer »oraeit SWenfdben'ibr SBefen gehabt haben, toirb burd)
aufgefunbene: Slrtefaften betoiefen. ©nttoeber bie, (SteEe biefeS HäufeS, bei bem fidb
ein 1—2 m bober, mit ©idjen beftanbener Hügel befinbet, ober auch ein in, geraber
Sflidbtung babinter gelegener, biel höherer Hügel neben einer 3BiIbfd)0une,, muß ber
fBIaß beS altenJKalS getoefen fein! Saau fommt eine toeitere, bie ganae ©acße flärenbe
neue ©ntbetfung: / (
: SBir bürfen ießt mit SSeftimmtheit behaubten, baß baS Siel ber geftftraße an einer
; ber beiben ©teilen bem SB 0 b a n gemeiht toar. Siefe SenntniS Oerbanfen toir ber
SeftfteEung bon Dr. H- Sd)mibt aus alten gorftaften, baß ber jeßt „fBauIinenboIa" ge'
‘ Holäntann unb Böijfel, t^eol. SeEtlon. , - ^ ,V
@tn SBobonS^ain 63
nonnte Sßalb l^inter bem fireusfruge öorfier „@uben§Iau", & beiltger $ain be§
SÜBoban, gebetfeen bat. ^öcbft toiHfo'mnien ift baau bte: SDittteilung be§ SiebierförfterS
$oIfte, bofe ber S33alb itm ben „alten Jlreuäft:üg" bon alten Seuteri 61 § 3 u nt
b e u 11 g e n S a g e „(SubenSlau" genannt lütrb. -; '^
ein foldbeg un§ er[t nacbtröglid) aufleuibtenbeS Sid)t„ feeltbeS ftcb,
einer borber dufgeftellten ^bbotbefe erlreift, bat feinen befonberen SBert. (SB barf bon
un§ al§ ein tbeitereS neues ©lieb in ber SSetoeiSfette für bie Defterboläer ^geiligtümer
freubig begrüfei Serben,
5* (Sine ^Pegftätte ber ^ftronomte in Oefterl^olj
@ e r m a n t f (§ e Sl ft r 0 n 0 m t e '
©sternfteine unb bie bafeI6ft borgefunbenen aftronomifc^en S;atfa(fien Saßen
X'gerebet. 2Bie fügen fie ficf) in unfer (äefcSicf)t§ßtIb ein? SSBie fommen tuir bamit
in unferen allgemeinen SlnfcSauungen äure^t, in benen germaniftf>e Siftronomie
feinen fßlaS .Satte? ^ ; "
©cSon auS SSobenfunben, unter benen ber SirunbSoImer ©onnentoagen obenan
fteßt, fönnen SJetoeife für germanifdSen ©eftirnbienft unb feinen ©influfe auf ba§
fßolfsleßen getDonnen toerben. SBertboH ift oudS bie ätoar fßörlicSe, aber feSr Beftimmte
literarifdSe Seaeugung fotooSI beS ©eftirnbienfteS al§ aucS ber fternfunblicSen S3e*
tätigung. ' ■ .
^uliu§ ©äfar^ ftSreißt: „©öttlicSe SSereSrung geniefeen Bei iSnen nur bie ©onne,
ba§ geuer unb ber SWonb". — S;acitu§^ gißt eine feßr berftönbige Siebe be§ Slmßfi*
barierfürften 93oiocaIu§ (58 n. ©Sr.) tbieber unb BericStet bann toeiter: „fDann BlidEte
er 3ur ©onne emßor, rief fie unb bie übrigen ©eftirne an unb fragte, al§ ob fie fjer-
fönlicS äugegen Ibä'ren, oB fie auf menf(SenIeere§ Sanb nieberf(I}auen moHten."
^orbaneS® nannte bie ©oten bie SBeifeften unter ben SSarbaren, ben ©riecSen Beinaße
öSnlicS megen iSrer briefterIi(Sen ©eleSrfamfeit.' 3u ben ^enntniffen, bie Bei ißnen
äur SSeoIogie gegöSIt mürben, recßnet er bie Seßre bon ben amölf ^immelSaeidien
(ftierfreiSbilbern) unb bem Saufe ber fplaneteu. ©erfelBe ©cßriftfteller BeridStet, bafe
ben ©oten fißon au ©ultaB Beü unter ißrem flönig, bem meifen ®icenäu§, 346 ©terne
mit Diamen Befannt gemefen feien. : ^ ;
2)ie ?j§Iönber,- ein S;eil ber ©ocßfen, bie im fBefeßrungSaeitalter aunöcßft nodS Sior»
megen auSgemanbert moren, ßaben audß bon ^§Ionb au§ nodß lange ißre Söeaießungen.
äur alten Heimat feftgeßalten unb ißre älteften cßriftlidßen ©eiftlidßen ßolten ficß ißre
föilbung au§ i^erforb*. Stuf ^Slanb aäßlte man' ba§ ^aßr au 360 Stagen unb 4 über-
fdßüffigen (©bagomen), nömlidß 12 fDionaten au je 30 Siäcßten unb 4 Stagen. Site
man febocß merfte, bafe Bei biefer Bäßlung ber ©ommer ficß immer meßr gegen ben
grüßling berfdßoB, meil man einen S^ag au menig gerecßnet ßattc; fcßoB man einen
foitßen ein, rechnete aifo bon feßt on ba§ ^aßr au 365Xagen unb einen S^ag meßr im
©cßaltfaßre. Siefe Sieuerung mürbe aber erft 980 angenommen"'.
Um§ ^aßr 1000 feßte auf ^§Ianb bie ©infüßrung be§ ©ßriftentum§ ein. ©ine au§
ben ©aga§ Befannte iPerfonlicßfeit ift ber ©ternen-Dtto, ber ficß burcß eigene SeoB-
acßtung folcßeüenntniffe ermorben ßatte, bafe man ißm Bei.ber ©infüßrung ber cßrift=
ließen Bettrecßnung ni^t entbeßren fonnte. ^ V V
Safe bie im ganaen germanifeßen Storben üBIicßen funftreießen, aur Betißereeßnung
Benußten JlalenberftäBe üBeraH in ben germanifeßen Säubern gebraueßt mürben, mirb
allgemein angenommen. Slßer im eigentlichen ©ermanien ßot TOOfößriger fanatifeßer
BerftörungSeifer fauin ein runentragenbeS ©tücf berfeßont., ‘
©ine unerfcßöbflicße Baßl BemeiSfräftiger Beugniffe für bie auf bie ^immeteerfeßei"
nungen gerichtete ©ebanfenmelt ber ©ermanen mürbe aufaufüßren fein, menn mir un§
^ De Bello Gallico VI. = Stnnalen XIII, 55. j SorbaneS, ©ef^ic^te ber ®oten. |ienrtlu§. ' 3§.
Ianber6uc§ be§ Sire grobe, Sap.'4. V* Slrttiur SDreioS, ®er ©ternlimtnel, ®teberi(ߧ, 1923.
auf ba§ ©ebiet ber ©t)mböle unb !Öbeogramme, ber Seidien unb Silber, ber ERijtben
uitb ©ageu, ber 3?iärcf)ert unb Sieber, ber $eilfunft unb be§ SlberglaubenS, ber ©biele,
©Uten unb ©ebröucbe begeben tooQten.
©aau fommt ancf) ba§ überreidje Selb ber gleicblöufigen aftrQlen Slnfcöauungen
ber übrigen ölten Sölfer. 5Die tbnlidifeit bi§ bin aur ©leicbartigfeit ber oftronomifcb*
mt)tboIogif(ben ©ebanfengönge, toie fie ou§ eineni gemeinfomen Urborri ber Sbienfdb*
beit berborgegangen au fein ftfieinen, ift bon ber bergleicbenben SöIfermbtboIogie über-
aeugenb no(bgebpiefen,'befonber@ feit ^ügo JBinfler feine grunblegenben Sorfdbungen
beröffentlicbt batte, ©ine lurae überfidbtlicbe Süfnntm'enfteEung nur: ber toidbtigften
bierbin gehörigen 2:atfadben unter ' Serüclfi^tigung ber: einfcblägigen neuerlidben
iDiffenfcbaftlicben ©rgebniffe mürbe einen ftottIi(ben Sanb füllen ünb einem lebhaften
Sebürfniffe entfbre(ben. 2ßie reich: ber bielfo(b no(b ßona unbefanhte'@ ift,:babon
gibt ein Strtifel bon Srof. Sittricib in ,,2)a§ SSeItail'',; überf(hrieben ,,S)ie Orien«
: tierungSfrage"^ ein anfthauli(he§ Silb. .
SBenn un§ nur menig birefte Siteraturaeugniffe über germanifche SIftronomie
binterlaffen finb, fo ift hoch bie ©chlufefolgerung falfch, bah fie bei ben ©ermanen eine
geringere 9ioIIe oI§ bei onberen Sölfern gefbielt habe; ®en Ilaffifchen ©efchichtä*
fchreibern toar bie ©eftirnbeachtung auch ihrer eigenen Sölfer unb ber orientalifchen
Sölfer eine auffällig gleichsültige, oft bielleicht ünbefannte Saihe. @0 lernen mir
a. S. aü§ ®erobot, trob feiner Sereifung ägt)pten§, nicht ba§ geringfte über bie Stftro»,
nomie ber äigbhter. EB mar, mie e§ fcheint, bamalS, nicht qnber§,.al§ beutautage, mo
ouch bem gebilbeten SurchfchnittSeurobäer trob ©chulunterricht; bieler miffenfchäft*
lieber Seranftnltungen, 3eitung§beriä|te unb neuerbing§ ber Planetarien ba§ Snter*
effe für bie SIrbeit ber Stftronomen fern liegt. SBenn ein Sorfchunggreifenber feine @r»
fabrungen bet fremben Pölfern befebreibt, fo gehört auch beute nodf bie ©eftirnfunbe
'ber befchriebenen Sölfer au bem Sebten, mobon mir etma§ erfabren.^^^^ ® ©eifteg*
arbeit gebt im allgemeinen unbeachtet in ber ©tiHe bor ficb. @ie berbarg fi^ auch in
ber Religion ber alten Sölfer hinter ben boIfgtümIi(hen 3Pbtben, beren urfbrünglich
aftraler i©intergrunb bann bielfach in Sergeffenbeit geriet.
SBiebiet mehr nun ift biefe allgemeine ©rfabrung auf bag Serbältnig ber fremben
©chriftfteller, au benen nicht nur bie IIoffifchen, fonbern ouch bie romiftifchen :©dbrei*
6er ber Sefebrunggaeit gerechnet merben müffen, au ©ermanien anaumenben; fie
ftonben fämtlich bem urmüchfigen germanifchen ©eiftegleben unenblich fern.
SBenn bei ^arl b. ©r. einigeg aftronomifcheg ^sntereffe au bemerfen ift, menn au
Submigg beg Sr. Seit einaelne aeitgenöffifche SWitteilungen aftronomifcher SIrt unber«
mutet aug ber gönalicf) onberg eingefteIIten SItmofbböre beraugIeuchten, fo merben mir
nicht febigeben, menn mir fie olg fJleftmirtung ber borangegängenen germanifchen
oftronomifchen SJeigungen anfeben. S)enn aug ber bamaligen romanifchen SBelt fonnte
auch nicht ein ^auch aftronomif^en Senfeng berübermeben. ©eit üleon unb feiner
2;ochter ^bbatia (Um 400 in SUejanbrien) mar bie SIftronomie erftorben unb nur ben
Äalifen ift eg au berbanfen, bafe alteg fternJunblicheg SBiffen über bie SrüUe beg
Sglamg big in beffere Seiten beg SOtittelalterg berübergerettet merben fonnte. Sluch
i?arl ift bon ^arun-abSiafchib unb bon bem Slngelfachfen Sdfuin angeregt morben,
'.nicht'bon,aiom.^- : ■' .
‘ 3Utf(brift „®a§ SBeltaE", ^Berlin, SteptottJ’Sternwarte, aJlai 1930. ; ,
5 Scubt, ©ermantfebe.^eUigtümer
66 5. (Sine ?ßflegftätte ber SIftronomte in Oefter^iola

®amit oHein fc^ori bürfte bie (St>ärIicE)feit bon 9iacf)ric£)ten. über germahtfdbe ■ @e-
ftirnbeotfitung gur bollen ©enüge erllört fein. SBenn aber bie ©elebrten, bie bon einer
aftronomif(I)en Setötigung in ©ermanien nitfitS tciffen tnoHen, glauben, einen Unter"
ftfiicb atuifcben ben SSeftgermanen einerfeits unb ben fitorbgermanen unb @oten
anbererfeitS aufricbten au bürfen, fo mufe bieB: al§ feber Söeretfitigung entbebrenb
aurucEgetoiefen toerben. £)berfläd)licl)e Jßergleic^e müffen ja au Ungunften ber SBeft-

^anb gebenbe Jlulturbernicbtung unb S^rabitionBbernicbtung and) nur annöbernb fo


grünblicb gebaufl unb eine fo foIgerid)tige gortfebung gefunben bat, alB im eigent-
: lidien ®eutf(blanb. ; ■ ^ \
Stuf ieben gaH haben tnir ni^t nur baB toiffenfdiaflidie Stecht, fonbern aud) bie
iPflidbt, mit ber bolten, burch feine borgefofete SSteinung beirrten Obfeftibitöt an
bie nunmehr in unferen @eficbtBfrei§ tretenben ©büren einer toeitgebenben aftro-
nomifcben Steigung unferer SSorfabren betanautreten. ©ab’B in ©ermanien eine
aftronomifcbe SBiffenfcbaft, fo eröffnen ficb bie hjertboUften SIuBblide auf ein germa*
nifcbeB ©cifteBleben, beffen Sfrt atoat febr anberS getoefen ift, alB baB ©eifteBleben ber
heutiger 67

3WitteImeert)öIfer, beffen ^öbe ieboc^ nid}i geringer 3u fein brandet, ja fogar —


mit anberen 3Kafeftäben gemeffen — iüertnoller getnefen fein f a n n.

O e ft e r l) 013
$ie ©rfabrungen mit bem ©jternftein unb feinen aftronomifdben Ortung^Iinien
batten midf ^nm fragen unb @ud)en nad) irgenb tnelcben (Spuren aftronomifdber
Betätigung ber STIten in biefer ©egenb getrieben. Sie ä)?onbIinie, mag ibr objef»
t i t) e r SBert fein, tneldber er tnolle, mürbe mir tatfäd)Iidb 5um SBeglneifer in§ ©enne-
gebiet. Sie rid)tige ©rfennung be§ nörblid)ften ä^onbejtrems fe^t unbebingt eine bon
langer ^anb ber arbeitenbe Beranftaltung borau§. 3In3eicben bon foicber Beranftaltung
fonnten in ber öanbfcbaft
gefunben tnerbenl Sa§ tuar
bie Sebre ber ©jternfteine.
2)?ein erfter @eban!e, bafe
bie S?obIftäbter 3tuine etoa
berScntralpunft eine§ aftro*
nomifd)en Sinienfbftemg fein
fönne, ermieg fid) al§ falfd).
3rber bie ©enne hielt mid)
feft, bie ©enne mit ihrer ein»
famen, eigenartigen D^atur,
bie in meiten Seilen nur
menig burd) bie biinne Be»
fiebhing geftört ift, bie ©en»
ne mit ihrer lln3abl bon
Hünengräbern, bie bie @e»
banfen in bie UnUnelt ber
grauen Bor3eit leiten.
2tm 9^anbe ber ©enne, mo
3tbb. 31. Sic aftronomifebe 2(nlage beg ©ternbofg
am SuBe bc^ Scutoburger
SBalbeg febon bie Sanbfebaft in frudbtbare^ ©elänbe übergebt tuar eg ber ©utgbbf
Oefterbol3 (Hang ©ierfen) 2 km lueftlicb ber Sioblftäbter SRuine, ber fd)on auf ber ßarte
burdb feine ©röfee unb eigenartige ©eftalt unb beim Befudb burd) fein flöfterlidbeg ©e»
präge unb feine rnerfmürbige Umbegung bie Slufmerffamfeit auf fidb 30g. Qum Seil
fräftige, nabe3u feftunggartige SSälle mit äufeerer SKauerftüpung, 3um Seil aWauern,
bereu SSäHe 3erfIoffen finb, 3um Seil nur a[)iauern, umfdiliefeen in ©efamtlänge bon
etroa 1140 m ein 32 aWorgen grofeeg ©runbftüd, gröfetenteilg BJalb, einen anfebniieben
Seidb, ©artenlanb, fumpfige SBiefen, ein SBohnbaug, ein Bermaltungggebäube unb
Heinere Baulid)feiten; für bie 3ugebürige Sanbmirtfd)aft ift aufeerbalb ber SWauern
ein Hof angelegt.
Sie erfte Befiebtigung rief ben ßinbrud eineg üagerg ober einer glucbtburg bot^bor,
bag man fpäter 311 einer Sieblung benubt unb bann auch mobl erneut befeftigt bat.
Slber allerlei ©rmägungen über bag Bebürfnig, ben 3died unb bie 3tugfübrung einer
feftunggartigen Slnlage an biefer ©teile liefeen ihre fRätfelbaftigfeit audb febon bamalg
erfennen, alg mir bag Urteil militärifd)er ©aebberftänbigen unb bie gefd)id)tlicben Be»
5*
68 5. (Sine ^Pflegftätte öer Stftronomie in £)eftert)oIa
benfen no^i nic^t beJonnt toaren. 2110 bloßer §off(f)u^ fom aber eine SSefeftigung, beren
SSerteibigung eine erbeblicße 5ErubbenmQ(f)t erforberte, überbauet ni^t in aSetrac^t.
®ann ober mußte bie eigenartige gorm ber 'Umgreh3ung0linien bon borneberein.
auffallen, meil fie in bem ebenen ©elönbe an feiner ©teile einen 21nlaß erfennen ließ.
(S0 ift ein unregelmäßiges @edb§ecE, in bem gleiche SBinfel unb baroMe Sinien ber*
mieben ßnb.^
’ @0 erfcßien mir untbobrfdbeinlicb, baß nur ein' fbieleriftf)e§ ißribatbergnügen beS
erften 21nfiebler0 ober eines fbäteren iSefiberS ber ©runb für biefe gorm beS ©runb*
ftüdS geinefen fein fönnte. 3)abei ließ fid) aurn JCeil fdbon auf berJ^arte erfennen, aunt
Jteil tnurbd eS burcb OrtSbeficbtigung feftgefteüt, baß bie gornT burdb gerablinige
aitouern ohne Unterbrecbungen fcbarf auSgebrägt ift^ Sum größeren 5£eil 'finb eS alte
Xrodenmauern; bie bie Ümtoallung bor benr Serfall bemabrt baten, aum fleineren
S:eir finb .bie SRauern; oßne aSerfcbiebung: ber Sinien, aus ben aufammengefunfenen
©teinen in fbäteren Seiten mit iiaiffbeife tnieber aufgebaut. •.
aiur an atbei ©teüeh ift bie 21nlage:embfinbli(f)er geftört, an ber einen burdb baS
Übergreifen eines SBirtfcbaftSgeböubeS, on ber anberen burdb bie eine (Scfe einbrüdenbe
Sanbftraße. (Sine ettnaS f(blbanfenbe Sinienfübrung am 2Infang einer ©eite an einer
brüten ©teüe unb fonftige fleine Unebenbeiten finb ebenfalls ohne JBelang. ^n aCn-
betrocbt beffen, baß ibir eS nidbt mit einer .ilteuanlage, fonbern mit einem arcbaolo-
gifcben Dbjeft au tun baten, fann boS Urteil babin. lauten, baß baS-unregelmäßige
, ©ei^SecE in feiner Sinienfübrurig flar ausgeprägt baliegt.^ ^
SSenn aud) bie 21nlage biefeS ©utSbofeS aunäd3ft gana oHgemein intereffierte, fo
maren bod) meine oftronomifden fragen in mir toadi geblieben. ®er auf bie Sbfaüer I
gelegte Slompaß mieS bie Jforbricbtung ohne bemerfbare 2Iblbeid)uug ouf. Sie 9facb*
barmauer Il aeigte mit auffälliger ©enauigfeit baSfelbe, mir bon ©jternftein ber be»
fonnte 2Iaimut beS nörblicben SWonbestremS nacb ber UntergangSfeite.
©oßte hier ein aftronomifdbeS ©ecbSecf borliegen, in bem ficb bie 2Iftronomen frühe¬
rer Seiten, mie idb eS einft irgenblbo gelefen batte, mehrere Sinien aufammenftenten,
vm fie bequem beieinonber SU haben? -
Siefe beiben erlböhnten ©eiten beS ©ecbSedS aeigten nod) eine toeitere mir auffällige
©igenfcbaft. Sie aSerlängerung ber erften nad) Sforben burd^fdjnitt in einer ©ntfer-
nung bon 9 km bie Srümmerftätte ber großen Seutoburg, toenige EWeter neben bem
ießigen ©tonborte beS SermannSbenfmalS ouf ber ©rotenburg. Sie aSerlängerung
ber atoeiteribähnten Sinie aielte in einer ©ntfernung bon MVa km auf bie fogenannte
^ünenfircbe auf bem SönSberge bei ÖrIing§baufen. ©otbobI bie große Seutoburg, alS
au(b bie ^ünenfirtbe ift in ©(bucbbarbtS 2ItIoS borgefcbicbtlidier a3efeftigungen in ?tie=
berfodjfen (831. LV unb LVI) unb Sanb 3 ber atoeiten SReibe ber nieberfäcbfifcben
®eimatbüd)er eingebenb befprocben unb bargefteCt. . -
Über ben ©utSbof Oefterbola begannen nunmehr bie SSerbanblungen mit ben Sbfer»
batorendm aftronomifcben 9ted)eninftitut ber Uniberfität Berlin, ben ißrofefforen 3liem
unb SReugebauer, bie midb in ber aftroriomifdjen grage ber ©sternfteine beraten batten,
^bnen gebührt ber lebbaftefte Sanf für bie nidjt geringe SRübeloaltung unb baS be»
reitmiüige ©ingeben auf bie gefteEten gragen. Sbre 2Irbeit bat au bem überrafcben»
ben ©rgebniS geführt, toeIcbeS befogt, baß ber ©utSbof unter 2IuSf(bIuß be§ sufäEigen
SuftonbefommenS als eine a fir o n o m i f d) e 21 n l a g e anerfannt toerben muffe.
Untorcusuug 69

lag I)Ter, Wk mir festen, ber fclteue gall bor, bafe eine grage bon arcf)äoIogtfcf}er
®ebeiitimg 3inuid)ft iiuabl)ängig bou beu 33emci§momenteu beantwortet Werben fonnte
unb beantwortet Werben mnfete, bte ans bem Sefnnb bon 2)MnerWerf, au§ gefnnbenen
unb fonft babbaften ©egenftänben nnb au§ irgenbeinem anberen Ergebnis bon 5In§=
grabungen 311 entnebmen finb, baft bielmebr aße einfcblägigen pofitiben ß^^oniente
]oId)er 3Irt mir aB ein SWebr 311 ber SeWei§fübrnng btnäw^ommen, Wäbrenb bie ®anbt»
frage felbft aiBfcbliefelid) auf ©ninb einer nnlengbar borbanbenen matbeniatiid)en
gtgnr 311 beantworten War.
5lber anbere badeten anberS. batte bie gan3e @ad)e bamaB faßen laßen mäßen,
Wenn idi ben Wobigemeinten 9tatfd}Iägen hätte folgen Woßen. $ie einen fragten, Wie

S(bb. 32. ©rensmauer VI

benn bie Slutoritäten ber ard)äoIogi]d}en Sad}Wißenfd)aft über bte @ad}e urteilten, bie
anberen forberten erft ben nrfnnblid)*ge]dbid)tlid)en 9^ad)Wei^, baß ba§ Sllter be§ @nt§-
boB bi§ in bie t)ord)riftIid)e Qcii 3nriidreicbe; aße aber meinten, baß Sobenfnnbe nn*
nmgänglid) noünenbig feien, ©raben, ©rabenl Ohne ©ßatenerfolge fei e^ eine Oer*
lorene (Sad}e. '
SDte „nötigen" Sobenfnnbe finb erfrenlid)erweife nicht aiBgeblieben, nnb e§ ift eine
Süße Don Wid)tigen nrfnnblid)en 9?adirid)ten an ba§> 5Eage§Iid]t gefommen. Sfber
bamaB bcibe id] nid)t gegraben unb mir and) feine ©ntfd)eibnng Dom $nrd)fnd)en ber
2Ird)it)e t)erfprod)en. Weil auf beiben ©ebieten Weber ein ©rfolg ben aftronomifeben
©bt'irafter be§ ©nBbofe§ beWeifen nod) ein ä)?ißerfoIg bie S!atfad)e be§ aftronomifeben
Sefunbeg an§ ber SBelt fd)affen fonnte. ßl^ein ®ntfd)Iuß 3ur ®eröffentlid)ung erfolgte
auf ©runb be§ fid) aiB bem aftronomifd)en 53efunbe ergebenben 10 g i f db e n
3 W a n g e §.
70 ' : 5. ©ine 5{5flegftätte ber Slftronomie in Oefterljols
®ie un§ in ber 97atur unb im ßatafter entgegentretenben'ßinien fihb burcCjSJJenic^en-
toerf irgenbtoann unb irgenbtoie gesogen tnorben. @ie i^aben eine matfiematifcbe
•gigur gebilbet, bie nunmehr ifir ©afein in ficb felbft bat. ®a5ei ift e§ gleicfigültig, ob
bie Sinien burd) 3t)fIobiftfie STZauern, burd) ©rbtoäHe, burcb ©räben, burcb §eden ober
burdb einselftebenbe SRerffteine gefennaeidinet toorben ift, gleichgültig and), toie oft in
ben ^obrtaufenben mit bem bie Sinien borftellenbenjjtaterial aSanblungen bor fich
gegongen finb — toenn nur b ie Sin ien als fo Idief ü r un§ noch ba f inb.
SBie fie gegentoortig fich bemerfbar machen, seigen bie Slbb. 32 unb 33; mie fie ur»
fbrunglich toaren/ roiffen mir nicht. Sie Seit be'r ©ntftehung ift nach bem aftronomi»
fchen Sefunb feftgelegt.
SIu§ biefem ©runbe maren sohlreiche an fich michtige gragen in ber ©rörterung su*
nöchft hintonsuftellen, barUnter ber gragentreiS, inmiemeit bie UrnmaHungSteile, bie
eine gemiffe äthnlichfeit mit ber SSefeftigung einiger iftömerfpftelte hoben, auch 3«r
Sßerteibigung gebient hohen,
Sur SBürbigung ber ©igenart be§, hiet borliegenben galleS mufe größter Söert
barouf gelegt merben, bah baS SSorhonbenfein ber nadten mathematifchen gigur in
ihrer fchlechthinnigen ÜnabhäiigigEeit bon ber 2Irt unb bem ©chidfcil be§ fie barfteHen»
ben SWateriaI§ erfannt unb anerfannt mirb. Sum S3erftänbni§ .aber beffen, ma§ im
®ut§hof ©efterhols bon un§ bie StnerEennung berlangte, mufete berfucht merben, in
bie unB noch fo frembe aftronomifdl-mtithologifche ©ebanfenmelt ber alten fßölfer ein-
subringen.\ ' ■.. .
Sa§ ©uta(hten laffe ich nunmehr im JäBortlout folgen;
SSetrifft bie aftronomifche Orientierung ^ ^ ^^^ iöerlin-Sahlem, 1926
be§ ^aufeB ©ierfen in Oefierhols, sKobember u. Sebruar
■ Seutoburger äßolb ;
SSir, bie unterseichneten Sfftronomen am oftronomifchen Slecheninftitut ber Uni»
berfitöt Berlin, finb bon .§errn Sireftor SB. Seub t-Setmolb gebeten morben,-.
,bie SKeffungen ber SIsimute ber UmfaffungBmouern be§ ©ut§hof§ ©ierfen in
Oefterhols am Seutoburger SBalbe baraufhin Su prüfen, ob bie SSermutung su»
treffenb fei, bafe ihre urfprüngliche SCnlage in pröhiftorifcher Seit unter aftrono»
mifchen ©efichtBbunlten erfolgt ift. ©in amtlicher ^atafter'auBsug, auf bem bie
• UmfaffungBmauern als folche fenntlid) finb, mar beigefügt.
2IIB SSreitegrab mürbe Bl“ 50' in bie ^Rechnung eingeführt. SSon ber UmfaffungB»
mauer I foH ber nörbliche Seil unberücifiditigt bleiben, meil feine urfprüngliche
fftichtung burch ben neuerliden ^eranbau eines SBirtfchaftBgeböubeB geftört fei;
beSgleichen ba§ fübmeftliche ©nbe ber UmfaffungSmauer VI, meil feine Sliditung
in fid) fchmonfenb fei. Sanad) hoben bie Sinien noch folgenbe Söngen: I = 14 m,
, 11 = 172 in, III = 193 m, lY = 270 m, V = 112 m, VI = 116 m. Siefe Sängen
reichen für bie gemünfchte Unterfuchung boEfommert auB, auch menn innerhalb
ber Sinien erheblichere ©chmonEungen enthalten fein foEten, alB eB nah bem ^ata»
'fterauBsug ber i^aE ift. , . ' - ^
Sie Slsimute, bn§ finb bie SIbmeihungen ber-fRihtungen bon ber fRorb-Süb»
rihtung, finb nahgemeffen unb alB auBreihenb genau befunben, sumal bei ber
©rrehnun’g prähiftorifher SIsimute ftetB eine ©enouigEeitBgrense bon mehreren
. . 71-
Bel&ntel @5raben angenommen toerben mufe, bie auf Sfbfüraungen in ben lebten
Seatmalen ber Sftecfinung beruf)t unb aucfi in ber Unfic^err;eit ber benu^ten Stern*
Örter liegt. ®at)er fann eine ganä genaue Seitbeftimmung nid)t ertoartet toerben,
oBgleid^ l&ier ber toeitau§ gunftigfte gaH borliegt, bafe bic SSeredönung auf @runb
mel^rerer Sijfternasimute erfolgen fann, mötirenb bei einer Söerec^nung bon
Sonnen* unb SWonbaäimuten ein Spielraum bon Saf)bf)unberten geforbert toerben
■btüfete. : , ■ i
SIl§ Ergebnis berUnterfuc^ung fann mitgeteilt toerben, bafebie SIsimute* aller
f edb§ in jjragef ommenben Sinien mit au§reicbenber, 3um ^eil mit über*
raf^enb großer Oenauigfeit fic^ mit ben bon ung für bie Seit um 1850 Sabre bor
©brifto erre(bneten Slaimute bon al§ mbtbologifcb bebeutfam angegebenen ©eftir*
nen becfen.
Se befcbränfter bie Slnaabl ber au berücffiibtigenben ©eftirne toar, um fo mehr
erfcbeint e§ al§ auggefcbloffen, bafe bei ber SCnlage be§ ©ütSbofeg biefc fetfiS SIsi*.
mute ficb äuföllig, bafe beifet obne aftronomifcbe fftücEficbten ergeben buben foHten.
Um 3U biefem Urteil 3U gelangen, bebarf e§ feiner formellen matbematifcben SSabr*
fcbeinlicbfeitgredbnung, für bie eine umftänblidbe SSerftänbigung über bie einau*
febenben gaftoren erforberlicb fein toürbe. Sur ^^ontrolle finb bon un§ für fämtlicbe
bellen Sterne bie Slaimute für bie ©Soeben + 1000 nadb ©br. 0, —1000, — 2000,
— 3000, — 4000 bor ©br. geretf)net toorben, mit bem ©rgebnig, bafe nur für bie
angegebene ©poebe bon 1850 bor ©br. fitb gleicbmäbig für mehrere Sterne SIsimute
ergaben, bie ben amtlichen SJZeffungen ber @renaen be§ ©ut§bof§ entfbracben, unb
atoar nur für bie hierunter aufgefübrten Sterne. S)ie Slaimute finb bereebnet unter
S3erücEfi(btigung ber fi^ borfinbenben Überhöhungen bureb ben SleutöBurger SBalb
imOften bi§ 3torbtoeften in ©ntfernungen bon 5 big MVa km, fotoie einer mitt*
leren Strahlenbrechung.
Seite Staimut ber ISeaeicbnung ber ßinie ©rreebn. Seü
SOtauern ^ ^
I 180 SKeribian .......... 180
II 39 Sübl. SKonbestrem, Slufgang . . 119,0
141 S7örbI.10tonbejtrem, Untergang . 141,0
Iir 59 Siriug Untergang....... . 59,1 — 1850
IV 151,5 ^iabella Untergang ....:. 151,3 — 1850
V 72,5 ®elta IDrion Untergang ... . 72,6 — 1850
VI 138 Äaftor Slufgang 138,0 — 1850
Slufgänge unb Untergänge buben für bie $8eftimmung ber Sternörter bie gleiche
löebeutung. V / ■
Sei ber fcbnellenlßeränberung ber Sternöcter infolge ber Sröaeffion ift bie
©enauigfeit ber Seitbeftimmung auf ettoa fünfaig Subre anaufeben.
S)ie SKonborte önbern ficb febr langfam, unb fobann ift ber Sluf* ober Untergang
eineg fo auggebebnten ©ebilbeg, toie eg bie SJJonbfcbeibe ift, febr febtoer bunft*
förmig ohne genügenbe ,Snftrumente au beobachten. ®ie Seitberechhung foar
baber auf bie Oier gijfternaäimute au befebränfen, ba auch bie ficb gleicbbleibenbe
SWeribianlinie für bie Seitbereebnung nicht in Setroebt fommt.
72 ;. 5. ©tue 5PfIegftätte ber Stftronomie in Sefterl&ols
©in befonberer SBert ber iRonbaäimute liegt in bern 9^acE)toei§, bafe man f)ier 3U
jener 3ett überboubt ben 3lufgSngen be§ aWonbe§ feine Slufmertfomfeit in foicber
■ SSeife gefc^enft bat unb bie 5?enntni§ ber in ,ber ©tjronologie al§ (SaroSberiobe
betannten ISjobrigen ibZonbberiobe befafe; :: ^ -.
Sie Sebeutung für bie ©efdbicbte ber SIftronomie, bie ben im ©utSbof ©ierfe
aufgebedften Stotfatfien beiaumeffen ift, liegt unfere§ ©racbten§ aunöcbft in ber eben
ermöbnten geftftellung ber Kenntnis ber ©arog, bie auf eine lange Seü aftrono«
mifdber JSeobatbttngen jtfiliefeen löfet. ' ©obann in ber fjeftftellung/ bafe aucf) bie
Stuf« unb Untergänge:t)on ©ternen beoba(^tet mürben, bafe babei biefelben
©terne beborgugt mürben,: bie ,in ber Sfftronomie-ber Orientalen unb ber Äntife
ihre fftoHe fpielten unb fi^IiefelicE), bafe bie Oermanen um' jene Seit bereits eine
alte unb bodbentmicfelte SeobadbtungSfunft befaßen.
äSaS’ben SmecE ber gangen Slniage anlangt,'fo mirb burcb ihre IBefi^affenfieii,
, ©röfee unb Ortslage bie S3ermutung madbgerufen, ba& hier eine für baS gange SSoIf
bebeütfame SPflegftätte unb Sebrftötte ber aftronomiftfien SBiffenfdfiaft mit ihren
bielfeitigen Slufgaben für ben religiöfen ^ultuS, bie Slftrologie, bie Slcferbebauung
unb baS,übrige Dom ^alenber abhängige SßoIfSfeben gemefen fei. :
®aS rein aftronomifche ©rgebniS tritt an SSebeutung hinter bem änberen ©r*
gebnis gurütf, bafe mit hoher JBahrfcheinlichfeit angunehmen ift, eS höbe bereits
in bröhiftorifdher Seit in ben germanifchen Sänbern eine hohe Jiultur beftanben.
geg.: fßrof. Dr.iß. SS. 9ieugebauer geg.: iProf. Dr. Johannes 9iiem

gür bie aftronomifchen Unterfuchungen bilbet ber amtliche Ä a t a ft e r a u S g u g beS


©utShofeS 1:2000 mit eingetragenem OrientierungSneh bie ©runblage (SIbb. 30). 2)ie-
peinliche ©enauigfeit foldher amtlichen, für bie ©igentumSrechte maßgeblichen Ur»
funben fömie ber unparteiliche SluSgleich ber etma in ber Statur fich finbenben Unebeu“
heiten boten ©ernähr für bieiSrauchbarfeit beS liatafterauSgugeS für bie Oorliegenbe
Slufgabe.^ • • vV' : '
©emiffe SSerfchiebenheiten bei ber Sßeffung ber SBinfel, ben bie ©renglinien gur SSoI«
linie bilben, beruhen barauf, mie angefichtS ber borhanbenen Unebenheiten baS Sineal
angelegt mirb. Sie SSerfchiebenheiten ber Sßeffung, bie ber ^ritif SInlaß guriöeanftan*
bung beS aftronomifchen SefutibS gaben, halten fich in folchen ©rengen, baß bie aftro-
nomifchen ©utachter fie als belangloS für boS ©efamturteil erflärt habend
^ ®ie Sritt! |at fich mn nteißen mit ber Stme L (SJlenbianlinte) befdjäftigt, bereit SKangel auc§ auf ber
plotogra^jbifclsn SBtebergabe beS JtatafterauSäugc^ (216B. 30) BetnerlBar finb. SCBer gerabe ^ier lann
e§ nic^t äraeifel^aft fein, baß un§ bie urfprüngUcle 9ii§tung ber Sinie nDc| buri^ ben Heineren, 14 m
langen ungeftörten Seil ber Sinie angegeben irirb, ba ber längere Seil baS Weitaus gefol^rbetfte ©tucE.
ber gefantten Umlegung barfteHt, unb feine ©törung burch gwei §ofeinfohrten unb tlBerBannng offen«
fic§tlic§, ift.; — Sluch über ben einfpringenben. SBinlel an ber n6rbiic§ften ©de beS CSntS^ofeS hat. e§
eine StuSeinanberfehnng gegeben. ®er SSinlel, in bem fich eine Ouetle befinbet, unb ber Wahrfcheinliih
ans, biefent ®runbe gum San eines StötterhaufeS abgetrennt worben ift, gibt fich beutlich ols na^trog«
li^e Heine SSerlehung beS geplanten ©echSedS gu.erlennen.
SBie Bei jebeni arihänlogifthen Dbjelt lann anch beim Defterholger ©ntS^of nicht erwartet werben,
baß ^ahrhunberte feine urfprüngliche Sefchaffenheit böHig unangetaftet gelaffen hätten.
Qn ber ©rllärnng heißt eS: Sluih bei Serüdfichtigüng ber bon Slltfelb angegebenen Schien lommen
wir baher gn einem ©rgebniS, welches in boHem Umfange unfer in bem ^Bericht bargelegteS Urteil .
beftätigt nnb fich in beutli^em Slbftanb bon anberen SufaHSbeutungen hält. SSon ben angelünbigten
©ternörtcr 73
StiK^ für beu, ber fid) mit ber SIftronomie nod) nicht befd)äftigt höt, ift e§ nicht aHa^*
fchmer, fid) bie ^anbtgefidd^bmifte be§ @ntad)teu§ ananeignen.
SWan oerläugert bie Oom fiatafteran^ano gegebenen ©eiten be§ ©ed)§ed§ unb benft
fid) bie Serlüngernng big ainn ®oriaont bnrehgeführt. Sie SBinfel, bie bieje Sinien
mit bem äF^eribian (Jforbfüblinie) bilben, heifeen Sfannnte. ®g fragte fich, ob bie
ä)?aneraaimnte beg @ntg=
hofg ©ierfe fidh mit aftro»
nomifd) ober mt)thoIogifcb
bebentfamen ©eftirimai’
muten in einem ]oId)en
aWafee beefen, bah babnrd)
bie aiulage alg eine unter
aftronomifd)en 9Uidfid)ten
ge]d)affene ermiefen mer«
beu fann.
93ei ftareiii Sßetter faim
öon iiu§ arinäd)tlicft beob»
adE)tet tDerben, tDie fid) ber
©terueubinimel fd)eiubar
t)on Often nad) SBefteu um
bie Erbe brebt Sie
fterne geilen für un§ ftet§
an berfelben ©teile auf
unb unter, meil bie ©tel»
lung^äuberung ber ©rbe,
bie biircb ihren Sauf um
bie ©oiine betuirft toirb,
im Vergleich 511 beu uuge*
beureu ©ntfernungeu ber
girfterue gaua unb gar
t)erfcblDiubet unb feine
OfoIIe fi^ieli mar auau»
nebmeu, bafe bie @erma*
neu beu feftftebenbeu Sfuf-
unb UntergaugSbuufteu
5Ibb. 33. ©rcnamauer IF''
ber gi^fterue ihre 5Iuf=
merffamfeit gemibmet haben, mie bag and) t)ou beu alten ©h^ilbberu ufm. gefdjebeu
ift. gu bem gmcde mar Uou ihnen in erfter Öinie bie ©ntfernnng ber 3fnf« unb Unter^
gang^bmifte ber üe intereffierenben ©eftirne t)om ?^ürb= ober ©iibbnnfte an beob*
aditen unb feftanlegeii.
28 Seiitungginögltc^Fetten entipric^t nur eine eingige beu '^ebinguugen, ha% alle Orientierungen
1. gu ungefähr gleidjer geit erfolgt finb,
2. an ^eftirne gebnnben finb, bie nad)mei^lic§ bei ber Orientierung ägpptifd)er unb griethifther
33aun)erte eine auggegeic^nete SftoIIe fpielten.
Siefe eingige ift bie Oon un^ angegebene 9J?öglid)feit.
geg. a^engebauer, geg. Dtiem.
^m Unlerfcfitebe übn ben giji-ternen Uerfdiieben fid^ bte Stuf* unb Untergang§)3unfte
ber 0onne, be§ a^ionb'eS unb ber Planeten am ^immelSranbe baS ganae ^al^r über
forttoäfirenb innerhalb getoiffer ©reiiäen, SDer iäbrltc^ ftd) gleidjmäfeig mteberbolenbe
Sonnenlauf fannburd) geftlegung be§ STufgangSbunlteB an getotffen totd)tigen JEagen,
üor allem an ben Stagen ber Sonnentoenbe, berfjältntSmäfetg leitflt erfaßt toetben. Sur
SWonbbeobacötnng gebörte baau iebeSmal, tote bereits ertoöbnt, eine 18—IGjöfirige
ißeriobe. ®ie fdieinbäre fftegellofigfeit'beS ißlanetenlaufS aber bot öor ^obernifuS aucft
bem erfabrenften SSeoboc^ter fester unübertoinblid^e Sdltoierigfeitem So finben toir
benn im ©utSbof ^OefterboIa feine fßignetenlinie, aber bier Sijfternlinien, eine 3Jfonb’
linie unb eine Sonnenlinie. ' : > ; ^
Einerlei, ob e§ ben Stlten betoufet toar ober nicht, bafe bie gi^fterne bod) ihren Stanb«
ort am ®immel aHmöblidi, in ^abrliunberten merfbar, beränbern, iebenfaKS, ift bieS
nun eine Satfafbe, bie unfere SIftronomie, in ben @tanb febt,'au§ ben gu ihrer
Kenntnis gelangenben Sijfternagimuten früherer Seiten mit einer bis auf Snhrgehnte
gehenben ©enauigfeit bie Seit gu bered)neh, in ber man ben Sternort feftgefteHt hat-
®iefe 3Jfethobe ber aftronomifd)en Chronologie ift auf bie UmfaffungSlinien beS
©utShbfeS OefterhoIg angetoonbt mit bem Ergebnis, bafe alle fediS Sinien eine aftro-
nomifche S3ebeutung haben, unb bafe bier bon ihnen als Sternagimute bie benffiar
günftigfte ©runblage bafür abgeben, um einen Sftüdfdllufe auf bie EntffehungSgeit
ber SInloge gu giehen. ; .
Sie bier Swfternagimute toeifen einbeutig auf bie Seit um 1850 bor Chr. ©eburt
hin. Sie aufeerbem noch borhanbene Sinie, in ber bie beiben SWonbejtreme gufammen»
gefofet finb, fotoie bie tüfittagSIinie, finb für bie 33erechnung ber EntftehungSgeit nicht
gu berfoerten, lehtere, toeil fie fidh ftetS glei^ bleibt, unb erftere, toeil bie SSerönberung
eine fehr geringe ift. Sagu fommt unfere UnfenntniS ber bon ben Sllten ongetoanbten
^rt beS SWeffens ber dUonbfeheibe bei ihrem Emborfommen über ben ^origont.
Sn beobaditen ift, bafe aus ber großen 3Wenge ber Sijfterne nur eine fleine SIngahl
eine, folche Sebeutu'ng hat, bafe fie hier in SSetradht farnen. SlCe übrigen haben ent« ,
toeber feinen Stuf« unb Untergang ober fie hatten bei ben Sitten feine mhthologifche ober
fonftige Sebeutung. Es tourben bon mir für bie Unterfudhung nur Sbica, SfabeCa,
SiriuS, iPoItuE ober J?aftor, $teiaben ober Stibebaran, StreturuS, Selta SrioniS onge«
. geben. gaHS mit biefen 7 Sternen — aufeer Sonne unb SKonb — fein Ergebnis gu
ergielen toar, ftellte id) ben Sadhberftänbigen bie Einfteltung ber Söemühungen anheim.
Es toar eine überaus banfenStoerte, bie S3etoeiSfraft ber Unterfudiung berbiel«
fachenbe Strbeit ber aftronomifchen Sadlberftänbigen, bafe fie aufeer ben ihnen ange«
gebenen Sternen, noch aüe anberen heilen Sterne für alle Epochen gtoifcheit 1000 nach
Ehr. ©eburt unb 4000 bor Ehr. ©eburt nachgerechnet haben, ob bielleicht fonfttoie ein
Sufommenflang bon mehreren Sternagimuten mit ben SWaueragimuten beS ©utS«
hofS Sefterholg in öhnlicher SBeife herauSgubringen fei, toie er fid) bei ben aufgetoie«
feilen Sisfternen für ben Seitraum minus 1850 ergeben hat. SaS böHig negatibe Er«
gebnis biefer Strbeit bürfte bei ben Sad)berftänbigen burdhfchlagenb gemefen fein für
bie in ihrem ©utachten gum StuSbrud fommenbe Stblehnung ber Stnnahme, als ob ber
SSefunb beim ©utShof Oefterholg oudh ouf einen Sufall gurücEgeführt toerben fönne.
Sie Stnnahme, bafe bei ben ©ermanen toahrfdheinlich eben biefelben ©eftirne eine
religiöfe, toiffenfchaftlidhe ober aftrologifche SBichtigfeit gehabt haben, toeldhe in ber
OftQm«0terne =: ; ^ ^ ^ 75
orientolifdfien unb ontifen 2Ti^tI)oIogie, in ber ©bba unb in ber JSibel üorJommen, hJar
burd) bie ©eftirnlinien be§ @ut§bofe§ flefterl)ül3 in einer bie ßrtoartungen nocö über»
treffenben SSeife bereits beftötigt. Sasu fommt aber eine neuerlicCje geftftellung, näm*
lief), bafe bie ©ternfunbigen auS ber ber mt)tf)oIogiicf)en ©eftirne biejenigen aus»
getoöblt hoben, toelcfie eine ffieäiebung auf benJßegriff ber toeiblicfien gruebibarfeits«
unb ©egenSgottheit, ber ©otteSmutter, haben. ®amit berhölt eS ficb toie folgt.
SBaS in ber orientalifchen Stftralmhthentoelt ^ftar unb Sfftnrte finb, baS haben toir
int ©ermanifdben als 0fret)a (auch Stau ©oHe) ober Dftara. Öftara ift ein 97ome, ber
aCem Slnfchein nach befonberS iniitorbttjeftgermanien bolfstiimlich geloorben lonr, unb
■ im lebten Seitaltef — geinöfe ber StbfchtoörüngSformel — noch eine (Sntfbrechung in
,,©ah§not" erhalten hot. 2)ah ^ftar unb fOftora baSfelbe SSoriift, leuchtet ein. ©tör*
fere Stbtunnblung als gtoifchen bem Orientatiftfjen unb ©ermanijehen, hot ber ©otteS«
mutterbegriff in ber griechifch*rpntifchen ©öttertDeIt erlitten; aber auch ba finb bie
gleichen ©ebanfen anautreffen. : ' ;
_ ©ine ber ftörfften gefchichtlicheh SSeftötigungen ber bon unS auf gauä anberem SBege
erfdnnten Siebeutung bon Oefterhola mar bie Sluffinbung einer noch im 17:Sahrh. hier
in ber ©egenb lebeivbigen Überlieferung^ beS Inhalts, bofe fich bei Oefterholä ein ^
Heiligtum ber © ö 11 i n O ft o r o (fanum Ostarae Deae) befunben höbe.
SgherifteS im hohen ©rabe beachtensmert, unb eS flöten fich unfere ©ebanfen über
bie 33ebeutung ber aftronomifchen Slnloge beS ©utShofeS gana aufeerorbentlich/ menn
mir eS nun miffen,boh bie Öinien in Diücificht aüf ben Oftar ob ien ftfo auSgemöhlt
■ morben finb;, •
1. D r i 0 n. Sie Sßerbinbung ber ©ürtelfterite beS O r i o n mit ber Öftara mirb im
germonifchen SBoIfSglnuben baburch offenbar, bafe fie als füoefen (auch ©hinbel) her
grego gelten, ^m Drientalifihen ift Crion aber audh ber ©ötterbote, ber in bie Unter*
rnett fteigt, um Sftar au erlöfen^
2. ©ag eIIa, in ber ©bba bie Siege ^eibrun, in ber griechifdien 2Itt)thoIogie bie
©öugerin beS SeuS, hot ihre unOerfennbare Seaiehung aur meiblidjen ©ottheit.
3. Sie Sebeutung ber S to i 11 i n g e fchillert om bunteften in ben SJigthen ber fSöI»
fer. „^n ben ©ötterliften ber ^ ft a r", fo lefen mit bei SeremiaS^ „mirb niS einer ihrer
Siener Subal genannt, beffen StoiltiogSbruber Sotaraf heifet; beibe hoben ihre Offen«
borung im ©ternbilbe ber Stoidioge, gegenüber bem Orion. Orion unb Stoidinge als
OggofitionSgeftirne finb in ber Stftralmgthologie bis in bie fgötefte Seit bon größter
33ebeutung."^ 'V - ■
4. ©iriuS ift ber auSgegrögtefte Sftor«Ofteraftern unter ben Oefterholaer ©e-
ftirnen, unter benen bie ebenfads hierher gehörige SßenuS feinen 9taum hoben fonnte.
Sm fumerifchen JESinterfonnmenbfalenber mirb er gerabeau ber SWobo nnenft er n
genannt unb gilt oIS eine anbere SJtanifeftotion ber virgo coelestis (himmIifd)en Jung¬
frau), ober auch olS „^unbSftern", als S3egleiter ber babglonifchen SKabonna. Jn
äigggten ift eS ber ©iriuS-©othi§- nach ber großen ©öttin ©othiS, bie mit bem
heliafifchen Slufgang (SBiebererfcheinung noch ber ünfid)tbarfeit) beS ©iriuS ben I>til
• fteigen lögt^ ;■ ‘ ^
‘ SBafferbach, De statua illustri Pag. 6, Lemgo 1698. ’’ Jeremias, §aitbt)uc§ ber altorientaUfchen
®eiffe§lultur, SBetlin, ©runter, 1929, f. 232. ® Qerenttaä, a. a. D. @. 339. * SetemiaS a. a. 0. ©. 274,
3tnm. 4; 172 unb .339; 275 Stnm. 305.
76 5. ©ine iPflegitattc ber 2(ftronomie in Oeftcrliols

ÜBenn bie ©ntftebnng nnb Sinfnobinc be§ 3)JarienhiIt§ erft burd) bie gerrnanifdien
SSöIfer in ber d}riftlidöen Slird)c belnirft hiorben ift, nnb bann fo inbriinftig betrieben
njiirbe, fo ift feine ©rnnblage int Ofterabienft ber ©ermonen 311 fnd)en. 97eben ben
ermähnten SSebentnngen fennen mir nod) bie Stodlinflc cil§ bie nodt immer febenben,
an ben $immel gemorfenen Singen be§ Jtbiaffi, ben @irin§ al§ llntermeltgftern, bon
beffen erftern ©rfd)einen im Sid)t ber nntergebenben ^erbftfonne bielfad) ber 93eginn
be§ neuen ^abre§ gered)net mnrbe, ba§ ®elta be§ Orian al§ ba§ @t)mboI ber SKanneS-
fraft (iPbnIlnS), bie @bica al§ bie ©egnenbe nnb bie ©benberin ber menfd)lid)en
fRabrnng.

Slbb. 34. ©tärfe ber SBälle HI, IV, V

®iefe 3lntfad)e, bafe alle hier (bc3iebnng§meife fünf) Defterbol3er ©ternlinien fid)
anf bie hier bi§ fünf ©eftirne bejicben, bie gemäfe ber SSälfermbtboIagie al§ Dftera»
Slttribnte bejeicbnet merben fönnen, ift fo bebentfom, bafe fie ancb innerbalb ber bunt-
fd)illernben Slftralnibtbenmelt ihre SSend)tnng beanfbrndfen fann.
Sll§ 5. ©tern habe icb and) bie ©bica ®irgini§ genannt, meil ihre SlnfgangSIinie um§
ISaltr 1850 mit ber llntcrgangSlinie bcs d Orioni§ snfammenficl. nuferer S^afel
ift ©bien nid)t erluäbnt, meil bie nftronomifdten ©ad)nerftänbigen fid) entfd)Ioffen
haben, eine für ben lofalen, bnrd) bie ^öben im ©ften nnb 9?orben bceinflnfjten ^ori-
3ont bercd)netc Jtnbclie in ba§ ©ntnd)ten einäiifügen. ^d) berfönlid) bin ber SReiimng,
bafe bie Ocfterbolaer ©ternfnnbigen bnrd)an§ in ber f)age )naren, bie ©ternörter nnf
ben freien ^oriaont snrüdsnmeffen, moan fdiliefelid) nur bie Slmnenbnng eine§ bi§
anni Staube mit SBaffer gefüllten ©efäf5e§ erforberlid) mar, nnb bafe fie bie§ tun be§
nnterrid)t(id)en ^iBcdä Inillen nud) mirflitb getan haben. ©§ ergibt fid) bann eine nur
menig öeränberte, für bie S3cnrteilnng ber Ccftcrbolaer f^rage glcidjtnertige JtnbcIIe, bie
id) hier mitteilcn tuill, um bem Sefer ben Überbtid über beibe 9tcd)nung§nrten au
geben, ©ie eingefinmmerten Spülen finb bie Ccfterbolaer ©rcnaaaimute. fPteribian 180
^ Sie SufalfBfrage . . 77 :
m, ^övbl asjonbe^trem 142,5 (141), ©iriuB 59,1 (59),
iiatielta 151,3 (151,5), Selta Ortom§ 72,6 (72,5) unb Sbica 107,4 (107,5),
: i38,5-:(138)-^.^,:

Sn allen freiniblic^en tote ö^önertidjen bte baB Sluftaud^en einer


5)3flegftätte ber Slftronomie im alten (Sermanien l^erborrufen mnBte, fielet bie grage im
SSorbergrunbe, ob bie auffällige, faft berblüffenbe aftrp-mbtbologifcfie grfdbeinung auf
ba§ ©piel be§ 3ufä^i^iirföefübrt toerben ©adbe
burcö ma tb ematifd) e SBabrfd^einlic^Eeit^rei^nung beiäufommen, fd^^^
Umftanbe, bafe über bie Slrt ber atecbnung, b Saljl ber mptbologifd)
),brauchbaren" ©terne, bie anaunebmenben geblgrenaen uftov; ftetg Unflarbeit: unb
3JJeinung§berfcbiebenbeit bleiben, gür bie Sefer, bie ficb fritifch mit ber 3wfaIIgfrage
befaffen tooHen, bringe' ich einigeunb Urteile; unter bem ©trid^V Sie
©utachter batten recht, auf eine matbematifche SBabrfcheinlidbfeitgrechnung an ber-
aidt)ten unb bie Beurteilung ber SnfaH^frage ber einfachen logifdCjen SSernunftbebanb“
Jung be§ ©inaelnen an überlaffen; ‘:
.SIm anfdbanlidbften toirb ^ m ©rachtenS bem Berftänbni§ ber SnfaGSfrage —
^ ben (Jrgebuiffen ber mel^rfach berfuchten ntat^ematifc^en Berechnungen treift ba^ Berpltni^ ber
„^afjrfchetnlic^Mt ber gur „SSal^rfiheinlichfett be^ 3tifeܧ" eine.Spannung gn)if^en 4000:1
unb 5 :1 auf. SSer alfo feine uneingefdC;ränlte 3wfünintung gu ber fcharfflen i'?riti! gibt, bie t.^re 3eJ|len
einflettt o§ne Sftücfficht auf foldje ©rnjögungen, tnie fie g. B. bei Sinie I nötig erfdjeinen, ber mug bann
immer noc§ gugeBcn, baß unter 6 beliebig fech^ecfig, angelegten ©runbftücfen burchf^nittlich nur einä gu
ermarten ifl,'beffen Slgimute ä^nli^e ^igenftfjaften mie bie 5tgimute be§ Sternbofe^ '^aben.
Slber t§ faßt hier no^ eine gang anbere ^rmägung fchtrer in§ (IJemic^t, ber i^r bolle^ 9te^t gemährt
merben muß. Sie gange rein malfiematl^ifche Oiec^nung^meife braucht nod} nicht einmal für ba^ bon mir
gefö^ilberle attererfte Stabium ber Sntbedung^gefchichle al^ ber Sage angepaßt anerlannt merben. Senn
auch bamalö mar biefer ©utSljof meber für midj ^^^dj für anbere ein beliebige^ fec^ledigeg (5^runbftüd:
mar meber ein gabrilgrunbftüd no^ ein fonflige^ gef chidjt^lofe^' Befifetum; ,e^ mar Jein Heiner >
Bauernhof gmifchen anberen noch eine umfriebete SBeibe ober ©arten; e^ mar meber in; einem ©reng= .
lanbe noch in einer Salfoble gelegen ufm!, fonbern e^ cmpfalj fid) bon borneberein al^ ein für biefe
§ppotbefe moblgeeigneteg Dbjelt. Sie fonfligen ©igenfdjaften unb ber aftronomifche Befunb ber ©teng- .
linien' lamen gufammen, um bie ^ppotbefe aufgufleHen unb bann gur miffenfchaftlichen Einnahme gu
Jrbeben. ^ ' ' ^ ,yv'-':'V ---
Qn ber rein matbemalifdjen C^echnung bagegen bejubelt e^ fi^ um gang beliebige ©runbftüde, bie .
grunbfäljich fämtlidjer geograpbifchen, ■ gefcbidjlid^en, arcbäologifchen unb fonftigen Qualitäten bar
finb, bie mir beim Slernbof g. S. bereite lennengelernt Jaben unb bon beneng. S. noch berichtet merben
mirb. Sn bemfelben 5lugenblid,‘menn in ber JRechnung nicht feh^edig' umgogene ^apierflähen, leere
: gelber ober:bgl./ fonbern nur feh^ecfig umgrengle örtlihleiteiigroße ober Heine — in BetradJ
lämen, bie irgenbmie Slnlaß unb SOIoglihleit böten, auf einflige Mtifhe'Beflimmung unterfuht gu ■
merben, fo mürbe bie Berbältni^giffer in§ ungeahnte bohfhtieHeu. ^
. 5lu§ bem Slnfanggftabium ift ie^t eine Sage gemorben, in ber mir'aud} o b n e b en aftr o n o ^
m if h en B e f u n b gu ber Slnnabme eine^ uralten Pa^e^ mit lültifher Bebeutüng geführt merben.
SBenn im Hnfang^ftabium fid; bei^ciu^geftellt hätte, baß ber aflronomifhe Befunb ein BemeiSgrunb
mit mefentlih geringerer Surdjfchlog^lraft fei, al§ gunähft angenommen mürbe, bann hätte mih
ba^ bamalö gur ©rmägung führen lönnen, ob niht bie Shefe mit einem „non liquet" faden gelaffen
merben müßte. gegenmärtigen Stanbe lann baran niht mehr entfernt gebäht mkben, fonbern.mir
fheint, baß nah ©rfülluhg aller in Vernünftigen ©rengen gefteHten Slnforberungen arhäologifher unb
gefhihtlih^^ ^^t ber SSiberfpruh gegen bie Shefe bon aHen benen al^ gegenftanb^lo^ gemorben ange=
fehen merben muß, bie fih nidjt grunbfählih gegen germanifhe Slftronomie, feftgclegt haben. . ;
78 . :5. ©ine ^Pflegftätte 5er Slftronomte in Oefter^iols
toenn aud& nur natf) tl)rer unsulänglidjen mQt£)emattftf)en ©eite ^)in — 5urcf) ein
Sotteriegleic^niS gebient.' 5Die eingelegten finb |o tiorfic^tig tnie möglich
berecfineiv'\V -v;^
■ 3Won lege in eine Urne 90 So|e. (Sie foHen bie öer möglidien Utic^tungen für
oEe 6 Stauern bebeuten, aifo für jebe Sinie nur 151 lEtan Beftimme bann, BocB geretB*
net, 24 Etummern al§ Treffer (für (Sonne, Sltonb unb 10 (Sterne, Slufgang unb Unter¬
gang), toeldBe bie aftronomild^-mljtBoIogifcfi brautfiBaren STäimute etner Seitferiobe
barfteEen foEen. ^eber Öojenbe bat fecb§ Sofe au§ ber Urne au nehmen. ®en IßreiS
geminnt, toer mit feinen fe^ä Sofeii aud) .fed)§ Treffer bot- ®o fiele au biefer fcblim«
men Sotterie augetaffen toerben müffen, bi§ einer ben IßreiS getoonnen bat, fo niete
fed)§edEige @ut§böfe müffen in ber SSett ohne aftronomiftbe Stbfid)ten angetegt toerben,
ebe einer berfetben bie gteicbe aftronomifcbe Qualität aufautoeifen bie Stuäficbt hätte,
.toie Qefterbota. , '^ ( ' ' '
©cbtagenb toirb bieSlnnabme eine§SufaE0 audb toibertegt burd) bie Bon IReugebauer^
mitgeteitten tfte^nungSergebniffe. Öteugebauer bat bie Seitbuntte beftimmt, au benen
irgenbeiner ber in Srage fommenben gisfterne ein StufgangS- ober UnterganSaaimut
batte, ba§ auf eine ber Qefterbotaer ßinien bafet. ■ Sei Eintragung biefer Settgunfte
in eine grabbif^e SüabeEe finbet ficb eine au§gefbrod]ene Häufung um ba§ ^abr 1800
b. Ehr-/ eine atoeite um ebenfobiet nad) Ehr-

Eßenn gefragt toirb, toarum bie Sitten fid) biefen unb feinen anbern f)3tab au§*
getoöbtt haben; fo finb bie ©rünbe bafür überou§ einleudbtenb, fobalb toir dnnebmen,
bafe ber (Sternbof eine @elebrtenfcbute toar, too ebenfo, toie eB un§ bon ben ©oten be*
aeugt ift, bie Stftronomie in ber oEeSumfaffenben Xbeotogie einen beföorragenben
ftttab einnabm.\ ■ ' ^ •'
; SIngefeben at§ menf(btid)er SSobn- unb SBirfbtab für eine ©etebrtenfdiuIe,
bie in ber gemeinfamen beilißen SEtarf am Q§ning unb an ben SibbegueEen, umgeben
bon ben ein fräftigeS 3eugni§ ablegenben ^ünengröberfelbern, nid)t toeit bon ben
Ejternfteinen liegen foEte, ift bie 53age be§ ©ternbofe§ eine berortige, bofe, toie uns
fdeint, bie einft mit ber SBabt beauftragten SJtänner feinen befferen Ißtab in§ Stuge
faffen fonnten, al§ gerabe biefen. , v ' '
3>er ißlab liegt nod) in bem bor Storb- unb Dfttoinben toobtgefcbübten (Sennetoinfet,
auf ber ©renae be§ ©ennefanbeS unb be§ fdbtoeren ©ebirgSbobenS. 3b tbm batte bie
Statur einen beguemen 6 km langen SBeg burib ein gerablinig berlaufenbeS ©ebirgS-
tal bon ben: Ejternfteinen her gefd)affen; atoei bortrefftid)e QueEen mit frucbtborer
Umgebung beaeidineten bann bie genauere ©teEe, too ber .$of anaulegen fei. /
$er — nid)t aEäU nabe— EebirgSaug ließ %:be§ ^oriaonteS, bon Storbtoeften bis
©üboften, frei, unb baS toeite gladlcmb ber ©enne bot bie Untergänge ber ©eftirne
ähnlich, toie man fie über bem EEecre fiebt. Qbbe ir'genbeinen Stad}teil bflegen bie
SSorteile im Seben nicht beieinanberäuliegen. SBenn jene ©ternfunbigen in ber Stäbe
ber übrigen heiligen ©tätten bleiben unb fid) nicht in untoirtliche hohe ©ebirgSlage
fehen tooEten, bann mußten fie in Stauf nehmen, baß fie nidd ben ganaen ^oriaont
frei batten, Eitag e§ bem forfchenben (Sternfunbigen in Qefterbola toobl auch nicht
recht getoefen fein, baß bie Slufgänge ber ©eftirne burch bie Überböbung im Qften (bie
* ajtannus, 1928, §eft 1, ©. 221f. . v ~~~~~~~
- (äeIelÖrtenfcf)uIe 79
l^ödifte ÜBerp^iung bürcö ben Sßölmerftot beträgt 270 m in 8 km ©ntfernung) um ein
minstgeS bersögert tuurben, fo■ Ieud)tet e§ ein, bafe e§ für ben Se^rBetrieB eBenfo ein»
focB unb borteilfjoft toar, bie ötnien be§ ©eBegeS 3ur SöeoBacBtung ber U n t e r •
g ä n g e 3u BenuBen, oI§ ber Slufgänge; SCucB Bei Sinie VI ift, glauBe iift, ber Unter¬
ganggort ber ©Bica Beftimmenb gebefen, tnoau'auföQig ber um — 1850 auf gleidBer
Sinie liegenbe Slufganggort be§ 5|3oIIue fam, alfo nicE)t ber Stufgangsort be§ Saftor.
SWan bergleitfie Biei'au Bie oBen angeftellte ©rtbägüng gum freien unb örtlitfien
^brisontl:', ; ;; -v'.'.:
9?ocB eine S3eoBad)tung 3ur'aftronomifcBen Srage luiE icB Bier nidBt üBergeBen. ®ie
^oubtlinien, meift aSege/ bie ba§ ©runbftüd in ausgeprägter SBeife burbaieBen, er-
toedten ben ©inbruct, bafe- fie mit 3U bem aftronomifcfien ©Bftem geBören fönnten;
aber eine ifirüfung itprer Staimute füBrte 3U IeinerIei (£rgeBni§ für ben Seitraum um
— 1850. Sagegen aeigte bie UnterfucBung, bafe bie Slaimute für bie Seit um — 1300,
alfo 550 ^aBrenacB ber erften Stniage, auf meBrere ber OefterBoIaerSterne pafeten, unb
amar auf ©iriuS mit 61'’, (Sapeno mit 160“, ipoHus mit 141“; baau ©pica mit 105,5“, •
. 5|5Ieiaben (S[IcBone)’mit 105“. 33ieine SSermutung ift, bafe bie OefterBoIaer ©terntun-,
bigen auf StBBilfe gefonnen Buben, als bie fortftfireitenbe ißräaeffion ber Oeftirne nacB
meBreren ^oBrBunberten, foIcBe StBtoeicBungen bon ben urfprünglidB geaogenen Sinien
mit fi(^ gebracBt Batte.' Sie 5ßleiaben (©ludBenne, ebenfaES meiblidBeS sprinaip) tour-
ben BeaiBtet.'. ,
SBer eS, toie toir, berfucBt, in bie eigenartige Söelt ber alten aftronomifdien OrtungS-
neigung einaubringen, ber barf bon bornBerein beS mitleibigen SäcBelnS berer getoife
fein, bie für fi(B baS SWonopoI toiffenfdBaftlidien SenfenS in Stnjprud) neBmen au
bürfen glauben, obgleicB fie längftau ber merftoürbigen (SinfdiränEung iBreS bermeint-
licBen StBIeBnungSrecBteS auf ©ermanien gealtiungen toorben finb, bu eine Stbleug-
nung ber orientalifcBen Ortung fcBIecBterbingS nidBt möglicB ift. Stber iBr ©tanbpunft
ift oudB für ©ermanien im SIBBrucB Begriffen.
SurdB bie in ©ermanien weit berBreitete Ortung öffentIicBer ©tätten, bie toir in
unferem 15.StapiteI BeBanbeln toerben, toar Bereits eine ftarfe Unterbauung ber Oefter-
Bolaer ©rfdBeinung gegeben. iEunmeBr aber eröffnet ©tubienrat §edBt in ^olaminben
ein neues Selb für bie toiffenfcBaftlicBe UnterfucBung ber Ortungsfrage, too toir eS
nidBt bermutet Bütten. 6S ift bie bon unS BiSBer als aiemlid) Belanglos, febenfaES als
unfrucBtbar angefeBene Oftung ber alten cBriftlicBen ßirdien. Sie erfte Eurae SSer-
öffentlidBung ift im ii'oSmoS erfolgt. Ser mir bon ^edBt freunblidBft geftottete ©inblid
in fein BodBintereffanteS Eltaterial Bat mi(B babon überaeugt, bafe bie 5?orreEturen,
toeldBe’ bie aüBeftoftadBfen ber ölten dBriftliiBen ^irdBen burdB bie fpäteren ©Boranbauten
erfaBren t;aBen, unS in berblüffenber SBeifeaür ^larBeit über bie auS ber germanifcBen
SEftronomie in bie dBriftlidBe Seit übernommene OrtungStedBniE einfüBren toerben.
Sic UmBegung beS ©ternBofeS gebt, toie toir foBen, toeit BinauS über bie SSebürfniffe
eines getoöBnliiBen ^ofeS für SIbgrenaung,JöieBbertoaBrung, ©dBuB gegen SBilb ober
©anbbertoeBung. ©ie toedt in bem Seile, too bie fffiüEe nodB erBalten finb, bielmeBr
äunädBft ben ©ebanEen an ein geftungStoerE. Soau fdieint früBer nodB meBr Stnlofe ge-
toefen au fein, als feBt. ba eine alte ^orte auS bem 17. ^oBrBunbert ben ®of toie eine
geftung EennaeidBnet. ®S ift anauneBmen, bafe bie gonae SInlage in aEen unruBigen
Seiten aur militärifdBen SSertoenbung gelodt Bat, unb bofe mon bann auf SSerftärEüng
80 5. ©tue ÜPflegftätte ber Stftronomie in Oefterl^ola
bebacfit getoefen ift. ©ober fonn bte SOJeinung @i^u(f|i)arbt§ autreffenb fein, bafe bie
SBälle (III, IV unb V) ou§ bem 17. §'af)rl}unbert ftammen, fo h)ie fie je^t erfc^einen,
fügen toir :I)inäu. :®o6 ein Seftung§h>erf in biefer Störfe jemals boHenbet getoefen.
fei> löfet ber Söefunb nic^t als glaublich erfdEieinen. ©in Heiner ©rabem ber aufeen an
Sini'e III aufgebedft tourbe, mad)te auf ©(^ulrat SdjmanoIb unb Dr. (Stieren ben ©in*
brucE eines römiftfien (SpifegrabenS; aber f(^on Sinie IV seigte nur bie Slnbeutung
eines (SrabenS. ^m übrigen fcbeint man eS überbauet nit^t bis 3ur Umsiebung beS
ganaen SBalleS mit einem (Sraben gebradbt 3U haben, eine merfmürbige ©rfcbeinung,
ba ein SBnH in erfter Sinie auS bem SKaterial eines ©rabenS gu entfteben pflegt,
gür ünS bat nur S3ebeutung, bafe an ber S i nie nführ u n g nidbt toefentlicb ge*
önbert morben ift,: ferner, bah : bie militörifcben (Sa(f)berftänbigen,'OberftI. ©cbroeber
uni) ßberfti; SBittenftein, ibr ®utacbten fdbliefeen:'
-„ltnter militärif(bem.,@efidbtspunfte bilbet bie SSer=
anlaffung ber gangen SInlage ein fRätfel, mögen mir
babei eine Seitperiobe ins Sluge faffen, meicbe, mir
moHen," : (somobl ■ bie SInnabme, bafe baS 3BerE Pon •
$auS aus ein-(Sperrfort hätte fein foHen, al§ auch,bie
SInnabme, bafe eS gu irgenbeiner Seit als glucbtburg
für bie ummobnenbe ISePöIferung geplant gemefen fei,
finbet in ben tatfädblicben SSerbältniffen feine nuSrei*
cbenbe Stühe. ^ : ( ; ■ '' '
^ ® gu ber gang anberSartigen
lirfacbe ber Einlage bingefübrt, bie uns fo einbrüälicb
bitrcb ben aftronomifcben Sefunb nabegelegt mürbe. ,
^n bem ©utqcbten fommt bie SSermutung gum S(u§*
brucE, bafe eS ficb im ©utsbof Oefterbolg, ben mir nun*
mehr„Sternbof" nennen mollen,: um eine ©elebrten*
2166.35. @tetn=gauftteil fcbule gebanbelt bat. ©S ift noch ftetS bdS gute Stecht
ber ©utacbter gemefen, ber geftftellung ber S:atfacihen
ibre SWeinung über ben Sinn ber Satfachen biagugufügen. ©S ift mertboll, bafe bie
berliner SIftronomen in biefem galle troh beS gu ermartenben Sßiberfprucb§ ©ebrnudb
öon ibrem Siechte gemadbt haben. : X , j.
So gemih bie Sruiben granfreicbS — nach ©öfar — ©elebrtenfchulen batten, unb bie
®otenJDftgermanienS — na(h ^orbaneS — ©elebrtenfchulen gehabt haben müffen, fo
gemife maren ©elebrtenfchnlen auch in SSeftgermanien Oorbanben. ©o gemife bort unb
überoH bie SIftronomie 3ur „2;beoIogie(' gehörte, fo gemife mar baS ouch am DSning ber
gaH. S)aS finb binbenbe ©chlüffe, eS fei benn, bafe auf bem 33oben ber ©efchi^te neben
@d)riftguellen unb SSobenfunben bie SSernunftfchlüffe — bie Sogif; unb ©bibeng ber
®inge auf ®runb unfereS fonftigen SSiffenS — feine Geltung mehr haben foGen. ^^
33lir fcheint, bah ber aftronomifcbe Sefunb in ißerbinbung mit biefem miffenfchaft*
liehen sßoftulat ben benfrichtigen Sefer in bie Sage berfeht, an ber iflflegftätte ber
Slftronomie in Defterbolg nicht mehr borübergeben gu fönnen. @o gemtnnt bie groge
böchfteS Sntereffe, loie fich bie übrigen SSerbältniffe beS ®utSbofS, bor aGem feine @e-
fchichte unb etmaige fonft borhanbene ©rfcheinungen gu ber ihm gugefprocheneniSebeu*
turtg berhalten. SDabei ift eS bon erheblichem SBert, bah eine alte aftronomifche ©tötte
®obenfimbe 81

mit @id)crbeit and) aB eine religioje ©tätte getuertet d)erbeu rmife, ü^n(id) mie ein
Jtloftcr nubebingt al§ eine religioje einricbtiing anaufeben ift. Snfolgebefj'eu föuneu
mir bie für eine gerinanifdje Sultftätte mid)tigen @efid)t§mmfte nnb ermägungen
ohne meitere§ and) au Klärung nnb meiteren 93egriinbnng ber Cefterljolaer ^befe ber-
menben.
S)ie g e f cb i d) 11 i d) e 0eite, bie iin§ eine güHe Oon 9?ad)ridbten unb Stnregungen
mertooEfter 3lrt bietet, mirb am beften im 3Infd)Iufe an bie notmenbige eingebenbere
Unterfuebung über bie germanifdben SWarfen bebanbeli 9In biefer @teEe finb nod)

3[bb. 36. QucHenbÜQel im ©ternbof

einige ard)äoIogi]d)e erjdjeinungen im @ut§bofe Don bobent ardiäologijdben SÜBerte


aufaufübren. SSormeg nod) ein SBort über bie näcbfte Umgebung.
2)ie U m g e b u n g be^ @ut§bofeg nod) ©üben, Jforben unb 9Beften big mcit bem
©enneranbe unb Sube beg Dgningg entlang, ift mit Hünengräbern unb ©rüberfelbern
aufg reicblid)fte auggeftattet. S)urd)meg in ben lebten ^abraebnten beg Oorigen ^öbr-
bunbertg auggeraubt, a. 2^. aitöintften beg Sonboner 9Kufeumg, liefern fie feine 93elegc
für ihre ©ntftebunggaeit. 3Iber bie t)on ©d)manoIb^ unterfud)ten, auf ben Höben ge*
legenen ©räber, reid)en big in bie ältefte Sronaeaeit (2000 big 1600 t). ©br.) aurüd.
33eim Sl'reuafrugc, aifo 1 km Oom ©ternbofe entfernt, finb nod) Oor menigen S^^bten
burd) ben Sampfpflug t)räd)tige Hünengräber aerftört, auf benen febt bie Urneu*
fd)erbeu a^^bltcid) gefunben merbeu. ®a angeuommeu mirb, bafe nur ben Sornebmen
ford)e Segräbniffe auteii mürben, jo bciben mir in ber SKenge ber Hünengräber ein
^ SJiitteilungen aug ber Stppifc^en (55ejd)id§te unb Sanbegfiinbe.
6 Icubt, ©ermantidjc .'geiliötümcr
82 ' 5. ®ine 5}5flegftätte ber Slftronomie in Cefterljola
3eu0ni§ bafür, boB man aucEi in toeiter gerne SSert barauf legte, am CSning begraben
■ 3U toerben. ; ^
©tma 200 m'füböftlicb be§ (Sternbofe§ tourbe etne Seg rö b n t§ ftätte mtt au§ge'
mauerten ©röbern auS ber Sifenaeit gefunben. Ein @erücf)t, baB bor nicfit aHsuIanger
Seit eine Überfübrung beS Önbalt§ natf) bem ^ircbbofe in ©(^langen ftattgefunben
habe, beftätigt fitf) nad) SluSfage be§ £)rt§bfarrer§ ipaftor ©cbelbf, nid)t. ©ine Se>
ftattung ber Seidien in ungetoeibtem Sgoben mar bon ber cbriftlitben ^ircbe bon Sbnfang
an berboten. Sa nun für bie Sffieibe biefes ipiabeS meber eine EFtacbridit unb ein Stn*
3eid)en nodi eine SBabrfcbeinlicbfeit borliegt im S3Iid auf bie SSefiber im 3JZitteIaIter
unb 3'teu3eit, ümgefebrt aber biefeJSegräbni§itätte gang in ben tflabnien ber borcbrift*
lieben SSerböItniffe bnfet, fo ift angunebmen, baB fie beii SSeifen bonjCeiterboIg gur
lebten Slubeitätte gebient bn6en, unb, ämar tDäbrenb ber lebten germanifebeu Sabr=
bunberte, auf. bie mir megen ber ©ifenfunbe unb ^alfmörtelfburen ba§ SCIter gu be-
fdiränfen haben.'
Sie 33 0 b e n f u nb e im unb beim @üt§bofe, bie ja meber jebt nod) fünftig etmaB
über"bie aftronomifd)e ®ebeutüns au§fagen, aber fd)Ied)tbin fiebere Semeife für ba§
SMinbeftalter ber ©ieblung bringen, befebränfen fieb bis febt auf baS ©rgebniS fleiner
©rabungSberfüdbe bureb ©dmanolb unb mi(b am unb im QueHenbügel unb neuer«
liiber Übermufterung ber Sberflödie burd) ®errn 3B. Süfterfief, bem bie meiften ber
naebgenannten gunbe gu berbanfen finb, ■ ;@ie mürben fämtliif) audb. SJiüller«33rauel,
S?iufeum§bireftor in 33remen> borgelegt unb bon ibm beftimnit. ; '
©ine SIngabl gut:bearbeiteter geuerftein-^Ieinmerfgeuge, gefunben auf bem ©arten«
teil innerbalb, ber limbegung. : : .
,; ©in grober ©teinfouftfeiI, fog. ,,3KufeumSftüd" (Stbb. 35), Oberflödjenfunb beim
©utSbofinberiftidtungaufbaSSangelau.^^^^^^^^)-
, :,^eramifd)e @tüdd)en, bie mabrfcbeinlieb ber Srongegeit angeboren, beSgl. ein
Srongeteiicben, gefunben im unb um.ben ©utSbof.^ ^ ’
©in anfebnIt(be§;@efäBbru(bftücE au§ römifder terra sigillata, gefunben im Quellen«
bügel beS ©ut§bofe§- ' ■ , : ,■
gabireide ©eföB« unb fonftige Sonfderben, beren ^erfunft bem frübeften 3KitteI«
alter (fog. gronfen«, aud SWeromingergeit) gugefdrieben mirb, aber g. S. „aud ölter
fein fönnen''. StIIerIei ©ifenteiIden, bon benen baSfelbe gilt. Slud bie febr gabireiden
gunbe bei ber uralten ©ide an ber ©dmebenfdange finb biei boH mitguredinen.
StiS SSemeife für bie 93efieblung be§ ^piabeS bon ber jüngeren ©teingeit (minbeftenS
aber Srongegeit) bis gu bem ©rengjabr 772, auf meldeS eS unS bei faft allen Unter«
fudungen unb ©rmägungen biefeS 33udeS in erfter, ßinie anlommt, bürften biefe
SSobenfunbe allf eitig als genügenb anerfannt merben.
Sie' © r u n b mau e r n beS SBobnbaufeS merben für bie ©rfdIieBnng ber ©e*
fdebniffe im ©utSbofe nod einmal eine fftoHe fbielen müffen, fobalb bie Slrdäologie
einmal in ber Sage fein mirb, auS ber 33efdaffenbeit beS SWörtelS auf bie Seit, in ber '
er gemifdt mürbe, Jiüdfdiüffe gu gieben. Sie ©runbmauern bürften bis in bie bor«
driftIid)e,Seit gurüdragen. \ v ;
3tod StuSfage beS bisherigen SefiberS, ©ebeimrat JleHner, befinben fid unter ber
Qberflöde beS ©artenS nod gabireide 3Jfauerrefle, i>ie an einer ©teile aud nod nnS
SageSlidt treten, ©ie harren ber Unterfud^ung, gumal fie nad ber bisherigen ^ennt«
^eilige Duelle 83

ui§ ber @efdE)tcf)te be§ ®ofeg fdiruerlid^ burd) bie Serl^ältniffe ber fpätereu nüttelalter»
li^en 3eit erflären finb, es fei benn, bafe ba§ Slofter $etf)t in ber allererften d)rift»
lid^en (^15—822) im @nt§f)ofe getnefen ift.
2öir fommen fd)liefelid) anm D n e11 e n () ü g e I, einem Ijodjintereffanten a:n§ftat»
tnngSftnd. 2Som 3öoI)nl)an]e etUia 30 m entfernt (ngl. ?Jr. 2 auf bem ^ärtd)en
2(66. 31) er()e6t fid) etma 5 m ()od) ein Don 2Renfd)en6anb anfgebänfter .^ngel mit
einem ^nbalt öon 2—3000 ^u6ifmeter meift 6umn§artigen ©anbe^, ben mir mit
auffälliger a??äd)tigfeit, big au SO cm ftarf, in feiner Umgebung finben (3(66. 36).
Die nrfüriinglidieSefdiaffenbeit beg^iigelg ift ftarf Uerle^t, befonberg nad) ber3corb»
feite, offenfid)tIid) balb burd) 6nt»
nabrne t)on ©rbreid), balb burd)
SßieberanffiiHnng mit ©cbntt,
and) 93anfd)ntt. Dag bemieg nng
and) bie ermähnte ©rabnng mit
ihrem Dnrdheinanber an^ ben
üerfdhiebenften Seiten, big in bie
nenefte hinein. Suimerhin fam
babei and) bag ri3mifd)e ©efäfe»
ftüd nnb allerlei fonftige alte
^eramif h^rang.
^n bie bem SBohnhanfe äuge»
fehrtc ©eite hiueingebant ift ein
Heiner freigrnnber Kuppel»
b a n mit 4 m Dnrchmeffer ber
©rnnbftädhe nnb 3—4 m ®öhe, in
ben man auf 4 ©tnfen hinab»
fteigt. ^m B^nith ift ein 2od) bon
etma 60 cm Dnrdfmeffer nnb nad)
ber SWitte beg ^iigelg hiu ein
3(ngban bon geringer $öhc. Der
Dürbogen ang fleinen S3rnd)ftei» 3(bb. 37. Eingang in ben Duellenhüget
neu (3(bb. 37) nnb bag (^emölbe
ang Siegeln ift ed)t; bei ber 3Htergfd)ä(3nng mirb man nid)t über bie fbäten germani»
fdhen ^ahrhnnberte hiuanggehen biirfen.
Der befannte Sanbrat b. Uglar hat mit feiner älnte bag Sorhanbenfein einer Duelle
einige ^^'(eter genau unter ber S^nbbel feftgeftedt. Dag SBaffer hat feinen 3(bflnfe
anm Deich, nnb biefer mieber aiuei 3(bflüffe, bie alg ©iufbäd}e berfd)minben, ebenfo
mie bag übrige Dnedmaffer beg ©rnnbftüdg (bgl. ©. 100). Dafe fie reichlid) SBaffer
gibt, befagt bag unmittelbar nebenanftehenbe fjinmbmerf.
Dag S3efragen aller ©achberftänbigeu megen beg 3tuedeg biefeg merfmürbigeu Saneg
ergab, bafe meber bie 3(nfbemahrnng bon ^rüdjten nod) bie SSermenbnng alg S3ad»
Ofen (moau man in fbäterer Qeit gefdhritten ift), noch alg ©efängnig ber ©riinb für
^erftednng eineg berartigen 93aneg gemefen fein fann. Über bie ©ntftehnnggaeit ber
2(n(age, abgefehen bom iebigen Suftanbe, mirb ebenfadg feine 2(ngfage au madhen fein,
folange mir über bie 93anmeife beg frühen SWittelalterg im alten ©achfenlanbe nod)
6*
84 5. Eine 5)3flegftätte 5er Stftronomie in Oefter^iols
fo int ©unfein fin5, bofe 5ie SInfiditen ficö fcfiroff unb unentfdieibbar gegenüberfteljen,
®ie ©inge liegen f)ier äfinlicfi inie bei ber Äobiftäbter §ünnenfirä)e. SSöIIigeS Sßerfagen
oHer ®rflörungSberfude, fo lange man an fböterer ©ntftebungSaeit feftbält; — liebte
©urcbblicEe unb einleudtenber Sinn ber Söauten, tcenn fie al§ bordriftlitf) angefeben
rnerbem', '^ ;
©iefer iJubbelbou finbet al§ germanifcbe§ Quellenb eiligtum feine befrie-
bigenbe, moblbegrünbete ©rflärung. ©aau ftimmt bie rätfelfiafte grofee 3enitböff=
nung, bie im ©unfel be§ S3aue§ bem burcE) bie Quelle mit bem (Srbinneren öerbun«
benen Setenben augleicb bie SSerbinbung mit ber §immel§böbe '0ab. äibniidb toie bor
30 fahren in ißbrmont, fo. mürbe ficb toat)rfcbeinli(§ audb hier bie StufbecEung ber ber»
fdlütteten alten Quelle Iobnen. ©a6 unfere Sllten betlige Quellen; gehabt haben,
ift ouch ohne bie ^hrmpnter Quelle ein§ ber böllig unanfechtbaren ©tücEe unferer
Kenntnis bom germanifchen J?uItIeben. fIio(h heute pflegt ,ba§ SSoIE beim lBorüber»
gehen in eine Quelle namens ©lühthing amiftfien SIZarSberg unb ©anftein als Beichen
ber Verachtung au fpucEen — ein SZeft ber ©atanifierung einer einft heiligen QueHe.
^n erfter Sinie aber mären bie heiligen Quellen bo(h mohl an folgen ©teilen, mie in
Qefterholai
©0 finbetfid ein ©lieb ber ßette nath bem anbern ein, um unS baS Vilb beS @utS»
hofS als germanifcheS Heiligtum gemife unb lebenbig au madhen.

©eben mir unS nun noch einmal fftedfenfehaft über bie Vernünftigfeit beS bor unfern,
Singen aufgetauchten VilbeS einer Vflegftätte ber SIftronomie in Qefterholal
gür bie reichbeaeugte SBahrheit, bafe eS in ©ermanien ©eftirnbienft gab, unb für bie
DZidhtigfeit unferer Überaeugung, bafe eS baher auch ©ternfunbe — SIftronomie — ge¬
geben haben mufe, ift uns im ©jternftein ein Beuge bon gemaltiger ©inbrücEIichfeit er¬
halten. SBenn bie ©jternfteine, mie einleuchtet, fein paffenber ißlufe für ben @ih ber
©ternfunbigen mar, fo mirb er boef) in ber Umgegenb gemefen fein, ^n bequemer, gerab-
liniger ©urchquerung beS ©ebirgeS mar in IVz ©tunben Qefterhola au erreichen,
gelegen on ben SippequeCen, am ©übmeftfufee beS ©ebirgeS ber SIfen (QSning,
QSnegge, ®gge ber SIfen). ©a mar ein naturgegebener Vlap aur ©rfüEung ihrer Sluf-
gabe unb aur Slufnahme berer, melche baS. SSiffen ben folgenben ©efchlechtern über¬
liefern follten. ©em .§of, ben fie begrünbeten, gaben fie baher eine anfehnliche ©röße.
VJan hielt eS für gut, bem $of auch ein ©epröge au geben, melcheS ihrer SBiffenfehaft
entnommen mar unb ben ©ienft ber Qftara aum SluSbrucf brachte. ©oS mor bieQrien-
tierung ber ITmgrenaungSlinien, ähnlich mie ihre JZoHegen im Qrient ihre ©eböubc
orientiert hoben. Unfer VJangel an VerftänbniS für biefe ©inge fchafft nicht auS ber
VJelt, maS fich im Qrient geaeigt hat unb moS fiih un§ aeigen mill. Qb für bie ölten
©ternfunbigen barin nur ein religiöfer ©rnpfinbungSmert lag, ober ob auch ein prof-
tifcher BmecE bomit erfüllt merben follte, a. V.’abenbS beim beliebten Unterricht im
©poaierengehen — auf folche an fich berechtigten gragen fann faum mit Vermutungen
geontmortet merben.
Sin einem folchen Qrte fafeen nun bie ©ternfunbigen bon ©efchlecht au ©efchlecht, bem
baS Überfommene ftetS mieber mertbolt unb heilig fein muhte. SBenn bie Beiten unb
bie füZenfehen unb auch bie .gerrfchaften fich manbelten, ihr ©ienft beraltete niemals.
liT’eine Sinberung ber SInfehauungen unb Vrauche mochte entbehrlich, moS fie fchafften.
So§ ©nie germamfcE)er Slftronomie 85
brauefit nid^t gerabeau ein erblicher ©tgnb ber ©ternfunbigen geluefen au fein, aber
toaS un§ ^orbaneg über bte Slftronomie ber ©oten beridf)tet, ba§ führt bod) in bte D^öfic
biefeg @ebanfen§, ben toir bei ben goEifdben SDrüiben auggefüfirt finben. 2)em ©tern-
funbigen toirb bag SInfeben beg „©oben" ni(f)t gefehlt hoben.
Sen ©ternfunbigen hatte eS alfo gefallen, bie Umgrenaungglinien ihreg .©ofeg nach
©eftirnen au orten. SBir toiffen nicht, tooburdh fie bie Sinien urfbrünglid) fenntlich
gemacht hoben. SIber bei ber germonifdhen SSorliebe für Umhegung aller au irgenb"
einem Siuedfe ouggefonberter fßlöhe toirb eg auch hier irgenbeine ©inhegung geioefen
unb .bauernb geblieben fein. S0Benn bag ©ehege 3erfaIIen toollte, bonn erneuerten fie
eg ünb hüteten fich, boran ettoag au änbern. ' Sag taten fie/ big eben ba§ ©nbe fam, unb
bieg ©nbe fom ficherlich in ben fahren 772—804 n. ©hr., alg ber auf getoaltmäfeige
©hriftianifierung bebachte SfSeftfranfentönig ^err im Sanbe tourbe, unb nichtg fdionte,
mag alg Sienft, Sfugflufe ober JSegünftigung beg alten ©laubeng angefehen merben
fonnte. ^e bölliger bie Unterjochung beg germonifchen SSoIfeg mürbe, je größere gort«
fchritte bie föefehrung mochte, je mehr bag SBoIf felbft in ben ©ifer beg neuen ©laubeng
hineingeaogen mürbe, um fo meniger fan-b ber SBille ber neuen SKodhthober SBiber*
ftanb, bag SSoIf bon feiner SSergangenheit au löfen unb bie mannigfachen gäben ber
©rinnerung au burchfehneiben.
©0 ift eg auch bag ©chiäfal ber germonifchen ©ternfunbe mit ihrer innigen S3e«
äiehung ’aum alten ©tauben gemefen, im ^SReet ber fßergeffenheit berfenft au fein. Surdh
enblofe Seiten finb bie fleißigen StZänner in eigfalten ©ternnächten auf bem iJSoften ge»,
mefen, hoben gefonnen, gerechnet, gerotfchlogt unb gelehrt; gürften unb fßolf hoben
auf fie gehört, unb bag Sehen banoch eingerichtet. Sann ift ihr ©ebächtnig auggelöfcht.
97un aber ift ber ©utghof gefunben. ©eine ©renalinien mürben alg noch augreichenb
erhalten angefehen, um in ihnen bie eigenortige aueinonberftimmenbe aftronomifche
Orientierung au erfennen unb um au ber Sehoubtung au führen, baß fie nidht auf
einem SufoH beruhen fönnen.
SBie menn jemanb, ber burch bie Sfßilbnig reifte, einen Saum aufgefunben hätte,
beffen tftinbe bie bermachfene, aber unberlennbare gigur beg bhthogoröifchen Sehr»
faßeg aufmieg unb baburch beffen gemiß mürbe, baß hier nidht nur ein SJenfeh, biel»
leicht ein SBilber, fonbern ein SJenfeh mit ©eiftegbilbung geftanben höbe, fo öhnlidh '
ift eg mit unferer STuffinbung ber aftronomiftfien Sinien beg ©utgßofg Oefterhola.
Studh mir freuen ung, baß mir eg nicht mit milben, fonbern mit ©eiftegmenjehen au
tun hoben, menn mir an unfere Sthnen gebeuten. _ f :/•
Sag folgenbe ^abitel fbH ung aeigen, mie bag ©efdhichtSbilb befdhoffen ift, in meldheg
fidh eine oftronomifch-e ©elehrtenfdhule au Oefterhola einaufügen hat.
6* 0ie
ber
^^ie altgermoniftfien SW a r f e n finb neutrales, un6eftebelte§, älntfcCien ben @täm»
>^men (aud) @auen uftn.) ItegenbeS Sonb, tDeId)e§ äumeift au8 äöalb, $eibe, 58ruc^
unb SSüftung Beftanb. ®ie SS e r f e n nun g biefer Bebeutfamen SSebtngung bet
SeBenSberBöItniffe im alten ©ermamen Bat au bem berh)orrenen, tDtberft)rud|§boIIen
Silbe gefüBrt/lnelcBeS unS als ©rgeBritS ber großen toiffenftBaftlicBen SemüBungen ber
SearBeiter ber ölteften Sanbberfaffung entgegentritt^. 3« ben SWarfen in biefem ölte-
ften Sinne geBören in Beäug auf iBre r e d) 11 i d) e Qualität aud} bie „S u n b e r n"
als auSgefonberte ©elänbeteile; bon iBrer fonftigen Sebeütung miffen toir niditS.
Orunblegenb für unfere ©rfenntniS beSSBefenS ber alten SWarfen finb bie aufammeii'
ftimmenben SericBte beS SacituS ünb ^uliuS ßöfar. Sei le^terem Bei&t eS“: „Sud bie
einaelnen Stömme BefteBt ber gröfete fRuBm barin, in mögli^ft tneitem Itmfreife burcB
Sertoüftung ber ongrenaenben Sönbereien ®inöben gefdiaffen au BaBen. 3ugleid) er-
Blidt ber einaelne Stamm barin für ficB einen nocB ficBeren SdBuB."- Sluf bie töridBte
SWeinung EäfarS bon ber oBfitBtlicBen „Sertoüftung" bafet ^eüSlerS trefflid)e§ SSort:
„SBo bie füblänbifiBen Siteraten erläutern, greifen fie faft immer baneBen^". ■
Sie atoeite urientBeBrIidie Quelle unferer ©rtenntnis ift baS SBerf fftüBelS*. @S ift bie
Sammlung unb berftänbig-flare SerarBeitung eines umfangreidien SWaterialS. SWüBef
toenbet atoar leiber ber borangegangenen bielfeitigen unb großen Sebeutung ber SWar*
feri gar fein ^ntereffe au, ober er aeidinet bodB baS getoalttätige SBerf ber SWarfenber*
teilung burtB ^arl b. @r. burtB meift trodene SIufaäBIung ber einaelnen QJefdBeBniffe
mit berartig anf^aulidien StridBen, bafe 9tüdfd)Iüffe auf bie borangeBenben SerBält»
niffe möglidB finb.'
Sie Sreite ber alten SWarfen tDar nicBt nur megen bet atoifdien ben Slnliegern Berr-
fcBenben SerBältniffe, fonbern bor allem aucB auS natürlidBen ©rünbcn (StuSbeBnung
ber ©eBirge ufto.) eine feBr berfd}iebene. SWan Batte aucB SWarfen atoifdBen ©auen unb
fleinen SoIfSteilen Bis au ben fcBmalen ^ubeftreifen, bie bie Sibben atoifcBen ben
iBnen augeteilten Sänbereien liegen ^
Sie g r o e n SStorfen maren in erfter Sinie freies ^agbgeBiet. Siur loo fie fid) fo
berengerten, bafe WeiBungen toegen l^agb, ^olaung unb $ube borfommen fonnten, er»
forberten'fie SereinBarungen aluifcBen ben SWarfgenoffen, b. ,B. ben Beiberfeitig Bered)-
tigten Slnliegern an ben SWarfen. Sorin liegt oBne Btoeifel ber ältefte Sinn beS Se>’
griffS ber SWarfgenoffen.
WadB böHiger Sefeitigung ber alten SWarfen nn^ ©runbfäBen, bie feinen neutralen
©rünb unb Soben meBr bulbeten, ift ber u r f b r ü n g I i cB e S e g r i f f ber SWarf
berfcBtounben, aber baS SB o r t BlieB im beutfdien SbracBfdBaB. Ser Sfame Blieb
nicBt nur an mancBen toirfIid)en früBeren SWarfen Baften, fonbern er mürbe nun in
bermäfferter Sebeutung aucB moBI neu auf SBälber ober Sänbereien angemanbt, bie in
^ ®ie berfc§tefaenen Sluffaffungen finb bon ®of)fc^ üBcrfic^tlti^ äufmnntengcfteEt. ®of5fc§, SSirtfc§aft=
li^e ©runblagen bei ©uropätfc^en Sulturentwitflung I, Sien ©eibet & ©ol^n, 1918. Cäsar, De
bello Gallico VI, 23. ^ ißrof. 5eusler=Safel tu StoEauS beittfcBe SBiebererfieBung. * ffiüBel, ®ic
fronten, iBr ®roBerung§-unb ©ieblung§ft|fleni im beutfc^en SSolfälanbc.
SSegriff unb Sebeutung ■ 87
olter Sebeutung nie „SPZarfen" getoefen iDoren, 3. 33. bie gelbmarfen beliebiger Ort*
fcbaften; ober mort gebroucbte ba§ SSört aud£) einfach für ©rense, 3. 33. in SKorfftein.
2tu§ bem Stomen Tlarl bürfen baber nur mit großer SSorfid)t borgef(I)itf)tIicE)e @cE)Iüffe
;'ge3ogen toerben.
SIber bo, too befonbere gefcbidf)tlicbe Seuflniffe bom 3IIter be§ Spaniens borliegen, toie
bei ber Oefterbolser 2Jtorf,ober too berStome in auffälliger SBeifeficb fo toieberbolt, ba&
barau§ noch ein ibtarfengebiet ober ein SKarfengürtel iniebererfenntlidb h>irb,:ba fann
ber 3Jame fbtarf un§ auch 3U einem toertboHen 3eu0ni§ tuerben. . \
■ 3Warf geno f f en bielett bie in einer 2itarf JSerecbtigten aucb fbäter, olS bie
aWarfen 3mar nicE)t mefir neutral tngren, aber 3u einem großen S;eil nidbt in ben ißribat*
befib übergegnngen; ^ fonbern ©igentum eines 3SpIfSteiI§ getoorben. toaren. ®S liegt
jebocb fein ©runb bor, ben a3egriff — in entfbrecbenber 33efcbrönfung — unb aucb ba§
aSort SWarfgenoffen nitfit als bereits in ber borfaroIingiftf>en Seit borbanben an3U*
nebmen. ©S ift ber getoiefene SBeg, mit foltben bernünftigen SInnabmen aus ber erften
gefdbicbtlicben Seit in bie unmittelbar borangebenbe borgefcbM)tIicbe Seit ein3ubringen.
aWir fdbeint, bafe eine :^arte boh ©ermanien, auf ber mit Sorgfalt farbig, burcb
fdbematif^e Sei(f>en aCeaBälber unb SanbftücEe berseidbnetfeären, bie nodb mit al t e m
9?amen „SKarf" beifeen, ober früher fo biefeen (aifo ohne neuerlicbe gelbmarf 3U fein),
bafe eine folcbe ^arte ein toefentIiib>eS 3ur ©ntfdbleierung ber ©eograpbie beS alten ©er*
manienS beitragen fönnte. ©S förne auf einen SJerfucb an. ^
aSenn babei 3ufammenbängenbe aWarfengürter ficb als toabrfcbeinlicb, seigten, fo
hätten mir bamit 3ugleicb bie Strafeen, auf benen einft bie grofeen bon ben Stämmen
ouSgefanbten 3B a n b e r t r u b p S 3ogen, ohne bie J0elnobner beS öanbeS 3u beIäfti*
gen (bgl. atuSfübrungen über bie Sßölfermanberungen ^ap. 16). .gieran mürbe fidb mit
SIuSfiä)t ouf guten ©rfolg eine Unterfudbung beS germaniftben SOSegenebeS fdbliefeen,
audb ber SRennfteige unb ^ammtnege, unb mancher iebt unerflörlicbe, burcb tiefe aSalb*
einfamfeit fübrenbe SBeg, ber burch feine a3efchaffenbeit unb burcb bie ißaraHeltoege
bon uralter a3enubung seugt, mürbe inS Sicht feiner früheren 33ebeutung gerücEt. S)afe
biefe burch bie aWarfen in ihrer SängSrichtung fübrenben SBege auch für ben g e r n *
ber f e b r beS bamaligen ^anbelSunb für ben fonftigen ifteifeberfebr benubt morben
finb, müfete audh auS ber Jtatfadhe gefchloffen merben, bafe in ben ajtorfen bie § a n •
b c IS b I ä b e, bie „aWarft"bIäbe lagen, bie 3ugleich unb in erfter Sinie bem S:auf(bban'
bei smifcben ben anliegenben Stämmen unb ©auen bienten. SCuS ber Seit, in ber mir
uns mit ber Surüdfübrung beS SBorteS „ÜRarft" auf „mercator“ begnügten, unb gan3
befriebigt au(b biefeS 3Bort als Sebnmort auS bem Sateinifchen binnabmen, finb mir
heraus. 3Bir ftellen Oielmebr umgefebrt bie grage, iob ber Stamm marc auS ber
Spradhe ber aRprbifchen ins Sateinifibe berübergenommen ift, mo3u baS meit über*
ragenbe ailter ber norbifchen ^ulturentmicEIung baS JRetbt gibt, ober ob ber Stomm
gemeinfamer a3cfih gemefen unb geblieben ift. 3?ur in 3Betterauif(her aWunbart ift ber
, k*Saut foHen gelaffen^ . ■ ' : ,
aSSabrfcheinlich, oft in praftifdher enger a3e3iebung 3ur a3ebeutung ber aRarfen für
ben aKarftPerfebr^ fcbloffen bie aWarfen bie Orte für aHe gemeinfomen 33 e r f a m m •
I u n g'e n, gefte unb bie fonftigen gemeinfamen ©inrichtungen in fich. ;^ ;
aWit ben gemeinfamen aSerfammlungen unb geften bei: aWarfgenoffen in ben aWarfen
^ ©(hmittl^ennerä beutfiheS SBörterBuc§. ^ ©Bert, fffcallcjilon ber Slorgef^tc^tc S3b. VIII, ©. 34.
88 6. 5Die 2??arfeu unb i)te (Sefc^icf)te ber 2)?arf Oeftert^ola '
fommen toir auf bte unIö§6or bamit öerbunbene grage nat^i ben Orten ber gemein*
famen'religiöfen ® e i 11 g t ü m e r, mögen mir iabet an mefirere Stämme ober an
mel^rere @aue unb fleinere SSoIfSteile beuten: fie lagen in ben iDtarfen.
Safe gemeinfame Heiligtümer borl&anben toaren, unb bafe fie in ben SPIarfen lagen —
beibe§ toirb nidfit Beftritten. Helm" Bemerft, aum 2:runbf)oImer ©onnenmagen:; ,M
ift faum benfBar, boB ein foI(^e§ liultrequifit ejiftierte, oBne eine qeriobifcf) geregelte
ßultorbnung" unb ScE)aumann“ fagt: „®er ©otteSbienft fanb unter freiem
Himmel ftatt; bie töglidBe SIulüBung lag bem gamilienbater oB, unb nur feltener öer»
einte man ficf) au o 11 g eme i ne n geften; Sie 2)^ arf natürlidf) Bierau toie au
aßen gemeinfcBaftlitfien Houblungen ben fdE)ic£Ii(Bften.5piaB bar, unb ba biefe meiftenS
ber SBalb toar;./'-^' ^ ,
SBenn SacituB un§ Bon bem benIBZarfern unb anberen Bebeutenben Stämmen g e •
m e i n f a men Sanfana-Heiligtum BeridBtet, menn mir Bon ber üBerftammlidBen Se*
beutung ber Seberin SSeleba au SiBiliS Seiten Bören, unb toenn bie SadBfen mäBrenb
ber Kriege gegen flarl am getooBnten SSeratungSorte. in ßßarflo aufammenfamen, fo
finb baB beutli^e gefcBitf)tIi(Be Seugniffe, au§ benen enblidB bie toeittragenben fultur*
li^en ScBIuBfoIgerungen geaogen toerben follten. SBaren bie. Stömme, toie ©inBarb
BericBtet, g e to o B n t, in SKartIo über ,^rieg unb Srieben, aifo über iBre Böd)ften
SafeinBfragen au Beraten unb au entfcBeiben, fo ift eine foIcBe ©etooBnBeit, bie e§
notürliif) in ber [Regel mit inneren Streitigfeiten au tun Batte, gana unbenfbar oBne
eine ftänbige gemeinfame OBergericBtBBarfeit. ; .
OefterBoIa Batte in ber. früBen mittelalterlicBen Seit ein , ©ericBt, unb atoar einen
greiftuBI mit feiner Jöebeutung al§ Ort BöBerer ©ericBtBBarfeit; boB ift ein un-
triiglitfies SeugniB für ben gleidBartigen ©Barafter ber Stätte in ber BorangeBenben
germanifdBen Seit. Senn berartige @ericBtBorte mufete man'in cBriftlidBer Seit tooBI
buIben. Bat fie aber niemalB neu eingeriiBtet, am aßertoenigften febenfallB an folcfien
Orten, toie ©fternfteine unb OefterBoIa.
. ■ SBie toir toiffen,’ Bat nocf) im ^aBre 1525 ein ©raf Bon SOBalbecf ben g r e i ft u BI 3 u
O ft e r B ölte nebft ber augeBörigen Hufe SanbeB (eine ber OefterBoIaer l?otfteben?)
on ben Herrn Bon ©alenberg Bei SBarBurg berleBnt: boBei fonnte eB fidB nicBt um ©e*
ricBtBBoBeit, fonbern nur notf) um bie Hufe unb um ben [fSIoB Banbein „BeneBen StoBI*
ftäbt unb ScBInngen, BeinaBe auf ber Strofeen, bie naci) ScBIangen geBt, naBe bem
SBalfen". SemnacB ift ber greiftuBI näBer Bei OefterBoIa au fucBen, alB ber „Hage*
born" ber SebingerBeibe. ,
SIucB in ©riedienlanb toaren bie Heiligtümer (OltmiBia, Sobona) mit ©ericBtB*
BoBeit Berbunben, toie toir eS im OefterBoIa unb an ben ©Eternfteinen BQBen. „StmBBif''
tt)onen" Bie6en bort bie am Heiligtum SBoBnenben, bie nicBt nur für.boBfelBe au for*
gen Batten, fonbern aud) SBäcBter über baB atoifcBen ben Beteiligten Stämmen geltenbe
Jßölf errecBt toaren. gür OefterBoIa toerben toir äBnIicBe SSerBältniffe anneBmen
müffen. ©B ftBeint, bafe bem fleinen Stamm ber SuIguBiner bie SBacBt über bie ge*
meinfamen Heiligtümer anbertraut getoefen ift; er toirb Bon SebeBour^’ oIg ein Seil
ber ©BeruBfer erflärt, tooBnte nocB SacituB a tergo Angrivorum -— Bon SBeften auB
„im [Rüden ber Slngribarier" — unb Batte na(f) gürftenBergB .<^arte feine SBoBnfibe
‘ $elm, Stltgerntantfff;e SReligtoriSgefdüdqe. = ©efc^iiBte beä mcberföc^fifcpen SSoHeB <S. 121. » Sebe*
bour, Sanb unb 58ol! ber SÖruÜerer.
SKorfengürtel^^^ 89
atoifc^en (SI;eru§fern unb (£f)atten, fo bafe toir tf)m ba§ Oebiet üom 9JetI)egau I;er Bis
etoa ^orn auäutreifen hätten.' ’ - v
aSer auf unferer ÜberftcE)t§farte ficf) bie geograpfiifäie Sage ber £) e ft e r f) o l a e r
3JJarf mit ben barüBerltegenben O^ningBergen berge'gerttüärtigt, bie aufammen mit
ber ßoBIftäbter unb ©c^Iangener SlJarf ein SffarfengeBiet Bon anfel^nlic^er ©röfee
ou§modf)te, ber tnirb bie au6ergetoöBnIicf)e @ut^ft biefer Sage inmitten ber germani»
fdBen ©tämme, bie in ben fftömer« unb Ofranfenfriegen eine fftoHe ffjielten, erlennen.
®ie§ ©eBiet Batte feinen SufammenBong mit ber ^ornfcBen'fFiarl unb ber ^olaBaufe-
ner SWarf, atoifcBen benen ber ^ni&nBagen mit ben ©jternfteinen gelegen ift. SBenn
audB bie uralte aSefeftigungSart ber J?nidE§ — BefteBenb au§ leBenbem ©eBüfcB, toeIcBeS
au engfter aSertoacBfung geBracBt mar — an feBr aaBIreidBen anberen ©teilen aur aSer-
menbung fam, fo ift bodB bie UmBegung ber Beiligen :®aine maBrfdBeinliä) bie öltefte,
iebenfaüS bie Bern aUoIf einbrüdlicBfte aSermenbung gemefen. ®enn bie ^ainBucBe, ber
für ben ßnid geeignetfte a3aum, B'Qt feinen Dramen bgöon Befommen. aBo bie §ain«
BucBe frei mäcBft, b. B- oBne erficBtlicBen ©runb iBrer aBficBtlicBen SCnbflanäung in ajiit'
telolter ober füeuaeit, bd mufe man bie Slugen offen Balten, menn man nadf) ben £)rten
aiuBfcBau Bält, mo bie Stiten iBr aSefen getrieben Baben. ■ '
SWitber ^olaBaufener SWarf fcBeint über ben Srautberg unb Sannenberg bei ©cBme»
biffen bie ©cBönemarf SufammenBang geBoBt au Baben, an bie fidB ber Seiftruper
aSalb (ßab. 12) mit bem giffenfnicE anfcBIiefet. ®ann Baben mir norbmärt§: ben
Sörenmalb, ben aSergmoIb ,,S)er SlnicE" genannt, bon bem ein JCeil nocB ftaatlidBer
aSefiB ift, unb bann über ben ©taatsmalb am ÄIudEBof Biumeg bie • Semgoer 2l^arf,
Süerbiffer SWarf, „SuBer" ^eibe, Seefer, fRee^er, ^Storfer, Jörüntorfer SDfarf mit
SKönfeberg unb fReBberg, SRatorf (1345 ÜRarftorb) unb bann bie .goBenBaufener (einft
^obenBaufener) SRarf, momit ber SlnfcBIufe an ein grofeeS SRarfengebiet emiä)t mirb,
meld)e§ ben ^eibelbeder ^InicE, ©töderberg unb bie SRarfen ÄebenBaufen, SangenBoIa'
Baufen, 5!anborf,4öeIiiugBaufen, ©temmen, aSarenBoIa, ©rber unb nörblid) ber- aBefer
bie SRorfen bon aSeltBeim unb ^olaBaufen bi§ aur $orta umfafet. ©in erBebIi(Ber S^eil
ber genannten aSälber ift ©taatSbefiB, ma§ um beSmillen unfere befonbere 3Iufmerffam=
feit ermeden muß, meil barau§ bie Überloffung au§ bem b er f üg B ar e n as o I f §»
Io nb aur Seit ^arl§ on bie ©rofeen jener Seit au fcBIiefeen ift.
aiuBer ben genannten 23 ben iRamen SKarf tragenben ©ebieten be§ ouf unferer fiarte
angebeutelen SWarfengürtelg gibt e§ im Sipberlanb nur nocf) eine ©ruBBe bon feiBS
SRarfen amifdien bem giffenfnid unb ber ^ibbenfer SKarf in ber 3IäBe ber ^erlingS»
Burg, bie ebenfal[§ ben ©inbrud eine§ ©ürtelo maiBt, ber amei ©aue boneinonber ge«
fdjieben Bat; in biefem ©ürtel mürbe bann aSilbafen liegen, beffen grofeeS jüBrlicBeS
aSoIfäfeft mit apferbemarft ouf bie germanifdje Seit aurüdgefüBrt mirb.
©ine bereinaelte SRarf gibt e§ nur nod) bei „aBüften" mit feinem an eine SRarf erin=
nernben alten IRamen (fie mag einem bon Semgo auf @(Bmeid)eIn geBenben SRorfeh-
äuge angeBört Baben), unb eine ©refter 2Rarf (erft 1789 ermdBnt), über bie id) feine
aSermutung Babe. ^mmerBin berbient biefe Sage ber liBBiftBen SRarfen, beren arcBibd'
lifdBe.Seftftellung ber SIrbeit be@ Dr. §. ©djmibt au berbanfen ift, ernfte aSeacBtu'ng.
S)amit mürben mir nid)t nur im allgemeinen einen meiteren aSIid in bie aSerBöItniffc
ber ölten Seit tun, fonbern aucB bie gefucf)te ©renae amifcBen ©BeruSfern unb SIngri«
mariern in biefer ©egenb Baben.
90 6. ®ie SKorfen itnb bte @efcötd)te ber SJiarf £)eftert;ol5
2luf bie OefterboIäer JFJarf, bie um ber in tt;r ftc[) finbenben .Heiligtümer totllen ba§
^ernftüd einer großen Sentralmorf ber berbunbenen Stämme gemefen au fein fd)eint,
rügtet fid) unter befonbere§ Sntereffe. , ' ^ ^^' ^

2tl§ mir bie SSebeutung be§ @ut§t)öf§ itt £ieftert)oIä jur ©etoifebeit gelnorben mar,
babe. icö nid}t gegloubt, ermarten au bürfen, bofe über ben meltbergeffeneu’ Sßinfel,
in bem Oefterrmla liegt, fobieI gefd)idötIid)e unb Qrd)ibaIifc^ D^odmiditen aufammen.
fornmen fönnten, bafe borgu§ eine Stü^e für bie OefterboIaer Sbefe entfteben mürbe.
®a aud) bei ber ©röfee unb 58efdiaffenl)eit be§ ObjeltS unb bei ber eigenart ber auf
geiftigem ©ebiete liegenben Kernfrage leiber feine ober nur eine minimale 3Iu§fid)t
beftebt, burd) SluSgrabungen Qutb umfaffenbfter Slrt etma§ f)pfitiü ober negatio
5D u r d) f d) I a g e n-b e § autage au förbern, fo babe icb anfangs angenommen, bafe fid)
bie S;befe auf ihre aftronomifdbe iSegrünbung befcbränfen müffe, ba§ aifo ihre 21n-
nabme nur ba au ermarten fei, mo nmn ftd) mit ber aftronomifcben iöemertung ber oor-
banbenen als unberönbert angefebenen unb als auSreicbenb broaifiert au eradbtenben
©renaUnien begnügen,moQte. ' ^7^^:^^ ^
: Slber in ber nadlfolgenben Seit bat fid) baS 23ilb oeränbert. ©dbon bie ©rofter-
meierfdie;®enffdmift über bie ^oblftäbterJtuine unb bie SSogtei Scblangen, bie mir
aus bem biefigen Slrdlib freunblidlft a'ur SSerfügung gefteHt mürbe, aeigte baS bobe
Sllter beS DtamenS ünb ber fWarf Oefterbola bis binäb in bie ältere farolingifdbe Seit,
bie eS ibrerfeiti toieberuni mefentlicb mit ben ibr auS ber üorgefd)id)tIid)en Seit
überfommenen SSerbältniffen au tun bat. Senn für eigenes itulturfibaffen boten fa
iene bunflen ^abrbunberte feinen ifiaum, eS fei benn, bafe eS fid) um Sefeftigung ber
Srembberrfcbaft, um Dtomanifierung ober um bie Gelange ber .^tircbe banbeite. :2Iuf
lange binauS, mären bie Suftänbe nidd banad), bafe bie bebrüdte unb an Sabl berabge-
minberte Seöölferung an bie Steubegrünbung bon Höfen benfen fonnte. 9ta^ SBiganb’
ift in ben Urfunben beS 9.-12. SabrbunbertS redjt biel bon „mansis et agris desertis“,
aifo bon untergegangenem früher bagemefenen Drten bie fßebe.
S)iefe olteften 9tacbrid)ten über Defterbola aeigen SSerfnüpfungen biefeS gleddienS
©rbe mit ben SKacbtbabern jener Seit im ateidl unb in ber Itirdbe, auS benen bie böbere
JSebeutung beSfelben geahnt merben fonnte. 2Weine Surcbmufterung u. a. beS im
biefigen SIrcbib befinbliden grofeen SlftenmaterialS ber gamilie Sd^mara gab menig-
ftenS bie ©emifebeit, bafe an ber ^bentität beS jebigen HaufeS ©ierfen mit bem bom
ißaberborneritlofter berlebnten ©djmarameierSbof unb meiterbin ber Sefibung SeboS
in ber 3Warf Sefterbola nicht au ameifeln fei. Sabireicbe anbere Stacbricbten berboll-
ftänbigten baS Silb feiner ©efcbichte burdl baS SWittelalter binburcf). S)aS Sebeutfamfte
aber ift bie ©ntbedung einer berfudlten itloftergrünbung in Defterbola.
SarauS ift aHmäblich ein gefcbidjtlidieS ©efüge über bie Sebeutung bon Sefterbofa
als SWarf,. Drtfchaft unb ©utsbof entftanben, in beffen Dtabmen bie 2;befe bon ber
aftrahmbthologifcfien Stätte eine fo ftarfe Stübe finbet, mie fie unter ben gegebenen
SSerbältniffen nur irgenb ermartet merben fann. Stacbbem bie Slufmerffamfeif nun
einmal in biefe 3tid)tung gelenft morben ift, fann noch meitereS flärenbeS unb puf»
> Eorbe^fcber ©ütcrbcfib 1831 ©. 64,
Sic^t au§ bem üDunfel 91

bauenbe§ 2>ZateriaI sutage fommeii. ®er Ertrag lt)irb entoeber in bofitiüem 0inne für
unfcrc Stbefe auSfaüen ober belangloB für fie Jemi Senn, mag bon bem E5ut§bof
n ad) 772 Berichtet toerbcn, loa§ ba toiH, bann bleibt ft e t § bie »3Ba§ loar bor-
ber auf bem 5ßlafee, an bem fid) bocö fein Sodö im Erbboben befanb?"
®ie „@efd)id)t§Iofigfeit" ber beutfd)en a}orgefd)id)te bringt e§, nun einmal mit fid),
bafe unferer ®efd)id)t§tniffenfd)aft, bie obne.Urfunben bilfloS ift, hier bie befdieibene
fRoIIe eines ^anblangerS unb bann eines 97ubnie6erS ber 2Ird)äoIogie äuföHt. ES ift
amedloS, menn man fid) bom.Stanbbunft ber @efcbid)tSrt)iffenf(f)aft aus gegen biefen
aderbingS bebauerlicben, aber borbanbenen Saftanb duflebnt unb eS ift furafidbtig,
toenn nran S3eredltigung, 97bttDenbigfeit unb Erfolge ber Slrcbpologie unb anberer Er«
fenntnismege berfennt ober gar mit bebrobenb erbobenem 2trm baS Suftanbefommen
gefcbid)iltö)er ©etoifebeiten auf nid)t urfünbengefdbidltlicbeut SSege au berbinbern be«
ftrebt ift. SSieber erbebt ficb ber SBerbacbt, bafe bie ^artbörigfeit bieler ©efdbidjtler
gegenüber ben fjanfaren ber 2Ird)äoIogie in germanifdien Gingen bocf) — neben einer
berechtigten SSorficbt unb Surüdbaltung auch .im „SBiberftreben" ihren ©runb
bat. Senn’bon ber grünblichen U m g e ft a I tun g ber gefomten @5efd)icht§auffaffung
ber germanifchen SSoraeit, ibie fie längft in Erfdicinung treten m ü fe t e, ift gar au
toenig'au bemerfen. - r- ^^ ^
^ier haben mir eS mit einem Ofad au tun, bei bem toeber bon „gefchichtlicheu S3e*
toeifen" noch bon gefd)ichtli(hea ©efleabetoeifen bie Diebe fein fonn, too bielmebr
gefchichtliche Urfunben beftenfoHS ein bobe§ SWafe bon Söabrfcheinlichfeit fchaffen unb
bieSt^tsienbetoeife auS: SIftronomie unb DWbtboIogie in SSetbinbung mit bem Sofal«
befunb bie ©etbihbeit bringen.
. SaS gefcbichtliche SSilb unfereS auf fo eigenartige SBeife auS bem Sunfel ber SSer«
geffenbeit berauSgeriffenen unb inS Sicht gefebten ObjeftS aeithnet fid) burch flare
Sinien unb burd) garbe aus. •
Sie ©egenb beS nörblichen ©enueranbeS ift burcb aabllofe Hünengräber unb auch
burd) ©ieblungen als ein uraltes benubte§ @ebiet bis aurüd in bie ©teim
aeit erlniefen. Eine grünbliche ©fatenburchforfchung inSbefonbere beS Oefterbolaer
©ebieteS ftebt noch auS, aber fchon ber oben berichtete Ertrag Heiner neuerlicher S3e«
mübungen reicht für unfere Stande bödig auS, um ben ©utSbof unb feine näd)fte Um«
gebung als alte ©ieblung minbeftenS bon ber älteren Sronaeaeit an au beloeifen. Über
bie ©teinaeitfieblungen haben mir baS neue Such bon H- Siefmann«ÖrIingbaufen.
Sömeraeit — mie ja oud) nod) aur granfenaeit — bat bie Umgebung ber Sibbe*
queden, au ber -Defterbola gehört, bie Sebeutung gehabt, bie einem Siel feinblicher
HeereSaüge auaufommen bflegt. SBir finben fchon ben älteren SrufuS unb SiberiuS
an ben Sibbequeden. Safe bie Dtömer hier ihren meiteft borgefd>obenen militärifchen
Soften hotten, fei eS SUifo, fei eS baS unbefannte^afted (SlnnoL 2,7; 2,9), bah ©erma«
nicuS fotoobl 15 toie 16 hierhin ftiefe, Ibo er ben Haubtloiberftanb ber ©ermanen er«
loartete, bah hier bie „media Germania“ beS SedejuS Saterculus (2, 117) ift, in bie
SaruS einaog, unb in ber er fein Haubtguartier auffd)Iug, ift noch immer bie meitauS
gefichertfte gefchichtlid)e Kenntnis, bie mir bon ber Sömeraeit haben.
@0 mag benn bie germanifche ©elebrtenfd)ule, beren ©ib mir im ©utSbofe Defter«
bolä annebmen, aur Dlömeraeit fchlneren ©törungen auSgefebt getuefen fein, aumal,
loenn eS fich berauSfteden fodte, baß bie Dtömer toirflid) ben nid)t burchgefübrten
92 6. ®te aWarfen unb bie ©efc^tcEite bec 2^^
SSerfuc^ gemocht l^aBen, ben @ut§E)of mit feiner Umfiegung äu einem Sßerteibigungg*
mer! für ficE) umsugeftolten. S)a§ finb bann toafjrfdfieinlidE) bie au§ bem ©ebirge ent-
fommenen Srümmer ber aSaruStrubüe auf ifirer Sludfit nad) Stiifo getoefen.
Sieben ben SSeriditen über bie germanifc^en SreifieitSfömbfe, bon benen bie Sefter-
bolser SKarf iebenfaüS irgenbtoie mit betroffen morben ift, liefert un§ bie römifc^e
Siteratur au§ bem 1. ^afirbunbert unferer SeitredEinung nod) bie JBeleba-Oefcfiicite,
beren ©diaublafe mir in gufammenfc^au aller Umftönbe 5 i e r fud^en unb finben.
Sie folgenben Siabrbunberte haben feine alläugrofeen ©rfdiütterungen in ber Media
Germania mit fich gebrodit. £)t)ne bamit mand)erlei atnifctieneingefommene bolitifdie
aiBanblungen gu leugnen, gelangen mir gu biefer ©emifeheit, meil mir in ber granfen-
geit noch biefelben germanifchen SSoIf§ftämme,; bie bie Iflömerherrfdjaft abgemenbet
hoben, an Ort unb ©teüe unb in einer t)oIitifd)en ®emeinfdhaft finben, bie in. „SWarf»
loh" ein Über Ärieg unb 5rieben entfcheibenbe§ «Parlament hotten. „Sie ©achfen
SBittefinbS maren bie unüerfölfdhten S^a^fommen ber (Srbauer ber 3?JegaIithgräber"
(©d)ud)horbt). SBiebiel mehr merben bie religiöfen ©emeinfamfeiten, einfchliefelidh-
lid) ber ©elehrtenfd)ule in Oefterholg, ihren Fortgang genommen hoben! aSon „©tür=
men ber aSöIfermanberung" finb in biefer ©egenb nicht bie geringften Slngeichen bor-
honben.
Sag nach oufeerholb beg Sanbeg berlegte ©chmergemicht ber politifchen ©ntmidlung
mufe bamalg überhaupt für bag germanifche ©efamtbolf ein im gangen frieblidheg
Innenleben gur golge gehabt hoben. Srugmanberung, Setätigunggbrang unb SSIid
mar im aBeften ©ermanieng guerft auf ©allien, bann auf Britannien, im Often ©er*
manieng ouf ?5talien, ©panien unb D^orbafrifa gerichtet. Su biefem ©louberi on ben
ftetigen unb ftarfen ßulturfortfchritt ©ermanieng gmifdhen 250 unb 772, ber im fchroff-
ften ©egenfah gu ber ung geläufigen miffenfchaftlichen STuffaffung fteht, merben mir
gegmungen, fobalb mir unerbittlid^ jebeg argumentum e silentio augfd}alten unb forg*
faltig alle pofitiben ^ulturangeichen augmerten, bie — aug ben berfchiebenften Quellen
mühfom gufammengeholt — berechtigter SBeife auf jene Seiten ©ermanieng ange*
menbet merben müffen. : ^^^^^^^^^ . ^ V ^
Sn Qefterholg hotte bie 2Biffenfd)aft unb ber religiöfe S?ultug bag 2öort. S« ben
lebten Sohrhnnberten, alg bie Brebigt ber angelfächfifdhen unb anberer chriftlidier
SWiffionare feine ©eltenljeit mehr maren, biIbeten bort bie fragen beg ©hnftentumg
ohne 3meifel ben ©egenftanb lebhaften Sntereffeg. Sm allgemeinen fanben fie gmar
inQefterhoIg mie im gangen fonferbatiben ©achfenlanbe STblehnung; aber eg gab löngft
berftreute Slnhönger beg neuen ©laubeng. Über fie fam bag unenblich tragifche ®e*
fchid, olg Berröter ihreg Bolfgtumg ongefehen gu merben, fobalb ©hriftfein unb Srän*
fifchfein gleichbebeutenb mürbe. Sluch bie fpäteren Seiten haben gegeigt, bafe bie ger*
manifdje Beranlagung ben oug einer folchen Sage fich ergebenben ©emiffengnöten nicht
gemachfen ift. So Oefterholg mirb man erft bem Stoonge gemidien fein; bie gemohnten
Sefte unterblieben, menn fie burd) bie fränfifche Befohung bon «Reuhaug berhinbert
mürben. ©inigeSohre länger mag fich bie fülle©elehrtentätigfeit imSternhbf gehalten
haben — bielleicht big gum Sage bon Serben.. Sann mar’g auch bamit 3« ©nbe.
So Oefterholg ift ber religiöfe Sienft bor oHem ber O ft a r a g o 11 h e i t gemibmet
gemefen. Ser «Rnme ift allgu gebräudüich, alg bafe baraug allein ein ©chlufe gegogen
merben bürf’te. Slber mir haben ein augbriidlicheg gefchichtlicheg Seugnig bon ©afimir
®in 0efc^t(5tlicf)e§ 3eu9ni§ : ^ ^ 93
SSafferßac^, einem angefe^ienen im Semgo leßenben ©c^riftfieHer beS 18. ^aI)rE)unbert§,
beii'en ^enntniffe tnafirjcEieinlid) auf ber bamal§ noi^ borfianbenen, säf) burtf) bie ^afir»
Imnberte erhaltenen münblichen Überlieferung beruhten. Sßielleitfit hatte er noch
fdhriftliche Quellen jur Verfügung, bie toir nicht mehr haßen.
SBafferbach beröffentlichte feine Sorfchungen über ein ©tanbbilb ^ermannS, be§
(Sheru§fer§, toelcheS er für ibentifch mU ber ^rminful hielt, unb aöhlte in ber ©inlei-
tung bie anberen „Stntiquitöten" be§ SanbeB auf, barunter ba§ Qefterholäer Oftarq*
heiligtum: „lucos ac riemora consecrata ciiis apud Colstecie et fanum Osterae deae prope
Osterholz“ (äu beutfch: ®en ©öttern getoeihte heilige ^aine unb SÖBälber bei Jlohlftäbt
unb ein Heiligtum ber Qfteragöttin nahe bei Qefterhols).
S)a b u r ch i ft un f e r e r ber ei t § a üf g ah ä an b e r e n 2ß eg e n g etnon-
n en e Ü b er ä e u g u n g b 0 n b e m f ul t i f che n ©h a r af t e r b e rQ e ft er¬
hol 3 e r 2)? a r t b i e U n t e r I a g e e ine § g e f ch t ch 11 i ch e n 3 e u g n i f f e §
gegeben. leuchtet ein, bafe biefe üleihenfolge noch betoeiBfröftiger ift, alB toenn
jemanb auf ®runb einer gefchichtlichen Dtotis fich an’B Suchen gegeben unb bann ge¬
jagt hätte: hier ift baB ©efuchte. Sie Sebeutung beB SBafferbachfchen SeugnifjeB ift für
unfere Shefe fo groh, bafe toir unB nöher mit feiner ißerfon befaffen müfjen.
3Bafferbach toar mit feinen meift berfehlten 9iamenBerfIärungen unb mit feinem fri-
tifchen können ein echteB Sinb feiner Seit, ©ine gute ^anbhabe au feiner ^Beurteilung
alB ehrlicher SchriftfteHer gibt feine ©inleitung, bie ich hier in ber Überfehung bon
©Up. a. S. 5. 9Ket)er 3um größeren Seil bringe; SaB ganse ©chriftchen liegt in ber
Überfehung bon P. 2tafe-§ibbefen (3J?afchinenfdhrift) bor.

S e B 9i e ch t B g e lehrte n © r n ft © a f i m i r 2ß a f f e r b a ch S i j f e r t ci t i 0 n
ü b e r b i e b e r ü h m t e © ä u I e b e B $ a r m i n i u B^ ^

®en SSerehrern bon Stttertümern §eil!... Serü^mt ift gewih jenes SBoit Bei ©aluft int Qugurti-
nifd^en Stiege: Cft haBe icC} geijört, fagt er, bah B. SOlajiinuS, ©cipio, auhetbein noch Berühntte 3Kän=
net unfcreS ©taateS ju fagen tjflegten: „SBenn fie bie Silber ber Sorfahren Betrachteten, werbe ihnen ber
®eift jur Sugehb entjünbet." 2)a bieS nun fi^ fo .berhölt, fo wunbere bich, wohlwoEenber Sefer, nicht,
bah *<l bie Silbfäule ber alten §elben unb bie Sierben unb ®en!inäler unfcreS SaterlanbeS, unb waS
in ©teinen bei frontmen SlltertumS unS üBerliefert ift, auS ber ®unlelheit ber ®efchidhten herborhole
unb ber Ütachwelt junt SorBilb ootlege. ®enn oBglei^ ganj SBeftfalen burch Oiele Sriege mit ben
granlen Berühmt ift, fo jeigt bennoch lein Seil SSeftfalenS hcr^^üchsrc ©huren unb Senlmöler beS SClter-
tumS als bie ®raffcE|aft Sippe; hier finb bie BueEcn ber Sippe unb 6m§, glüffe, welche fo oft Beibe, unb
äVoar bur^ ®ermani!uS gerötet unb burc^ römifche Soger, Serfammlungen SarlS beS ®rohen unb ber
Saufe SSittelinbS Berühmt gemacht finb; hi« ftanb am Ufer ber Sutm, bon welchem bie ©ehe¬
rin Seüejba bie wunberBaren DralclfprüchegoB, hi« ift ber ScutoBurger SSalb unb baS SRömerfelb,
. hi« baS grohe ©iegeSfelb, beutfch SBinfelb, Orte, welche burch bie Sarianifche Stieberlage, burch: bie
Stiebermehelung breier Segionen unb ben Serluft bon Ubiern — ben heutigen gelbjeichen Seutfch-
lanbä — für immer Berühmt finb, hier finb bie ©raBhügel unb §aufen ber Segionen nahe Bei §erfe
unb bie (SräBer ber .Sefreier bon ber römifchen ®ewaltherrfchaft; hier ber SeutoBurger SBalb, ben
®öttern geweihte ®Qine unb aSölber Bei Sohlftebt unb ein Heiligtum, bet ®öttin Dftera nahe Bei Öfter-
holh; baS ölte Seimolb (Thietmallum) unb bie ©chhbetBurg, einft bie Verberge SarlS beS ®tohen,
an ber Srnmer, wie auch bie Berühmten ©ije ber UmBronen, ©hetuSler unb Srulterer, ber für bie
Freiheit beS SaterlanbeS ftreitBarften Söller; hier beS ^orminiuS, beS SefreierS SeutfchlanbS, eigenes
altes Säger, als er nachher tönigSherrfchaft ftreBte, heute §atmienSButg genannt, unb ich Weih uicht,

* SBafferBach, Dissertatio de statua illustri Hcrminii, Lcmgoviac Wilhelmi Meyeri 1698, ©. A5.
94 G. Sie JKarfen unb bte @efd)i(I)te ber aKarf Oefterijols
. rtelc^e; wetteren be§ SlltertumS biefe Betü|inte ©roffc^oft nic|t in fid^ ic^Ueßt, aHe würbig ber
, SJac^Welt. S' ^ ■
' ®o unter oHen biefen :®en!ntalern bie bornel§mfte bte § i e r m e n f u i, getoelen itt, tt)elc§c bein
§arminu§, bent Stnfü^rer ber ©l^eruäler unb jutn ©djredfen ber SRötner bon ber banibaren S?ac§roelt
errichtet, bon Sari bem Ötroßen nac^^er in breißigjä^rigetn Satntjf beäwungen, enblic§ äerftört worben
ift, wotttc id; jene bem SJaterlanbe unb ber SHadjwelt äutn SJorbilbe wieber^erfteEen. ®arum l^obe id§
bie Beußniße ber alten ©d§riftfteEer, weId§e noc§ borl^anben waren, gefamntelt unb für il^re Drte baS
in Stnfpru^ genontnien,- wa§ idy auä nlpnen auf bie wg^r^aftigfte SBeife l^erauSloden lonnte. S23a0 auc^
immer burc§ bie iKeinungen unbelannterer ©c^riftfteEer fel^r berbunlelt unb fe^r oft bon jenen auf
©runb eines bloßen ©erüc^tS o^ne Urteil aufgeseic^net ift, ßabe id) reblid^ erwogen; enblic^ §abe id§ bei
gebotener ©elegenfieit, was äum ■ befferen SSerftänbniS: ber frünlifd^en ^ ©efc^iclte bienen möchte, auS
fieserer Überlieferung beS SlltertumS unb ©eft^ic^tSgueEe J^insugefügt, fo jeboc^, baß ic§ wünfdite, baß
man in aEen biefem nic^t mir ©lauben fd^enlte, fonbern benen, welche'i(| als Beugen, beffen, was 5u
fagen ift, äu jitieren im begriff bin. Slber bu wirft einwenbent SSenn bu eS bon anberen ßaft, was
bringft bu KeueS? Dl|, wenn ic§' boc^ bom Svenen nichts, foribern bie ®enlmäler oEer Sllten bir un=
berührt überliefern unb felbfi liätte fdjweigen lönnenl Sn,ber Sat, wenn biefer lange Sag unb bie felir
gefrüßige Beit bergangen ift, ^abedd^ .iTOül^e ttufgewanbt, baß ic§ bie Beugniffe ber alten ©d^riftfleEer
über unfere §erminfäule wieber fammelte, jene mit il^ren ©teEen unb ©liebem wieber^erfteEte, unb bic=
felben äür größeren ©infic^t: mit ^ier wirlenben (?) giguren unb mit auS ©rj gefc§nittenen SKünsen
iEuftrierte. SSoS ic^ fonft in biefer neuen StuSgabe geleiftet ^abe, wirft bu auS einer i8ergleic§ung biefer
mit ber früheren StuSgabe unb auS ben Urteilen ber ©ele|rten erfeßen. ^ !

Siefe ©inleitung gibt ein getreuIicßeä'BUtegelßtlb ber Sluffaffung, ber 9tebetoeife unb
b,e§ fritif^en SßoHenS ber beften 'Stbriftfteller jener S^it , tnieber. (Segen SSafferba^
liegt nicf)t ber ’minbefte @runb eines befonberen a?tifetrauen§ bor.
Ser .giftorifer ift. barauf 'angetoiefen, .felbft bie bebenfliclften Duellen beS SWittel-
alterS ju, prüfen unb m ficflten, um auS ibnen baS Unberfönglicße, ,baS (Slaubbaftc
berau§3u5oIen. atitf)t minber gro| füllte aü^ bie SSorfießt gelten gegenüber ben flaf’*
fiftfien ©(firiftftellern/ bie öoH finb bon Stnftffauungen unb aJatfiricßten,-bie bon unferem
0tanbpunEt au§ als Sorbeiten, Sllbernbeiten ober Slunfereien beseidinet toerben
, müffen. Stuci) ber feinfinnige SacituS tifebt unS als ^inb feiner Sott, ofine mit ben
aSimpern äit äuden, bie olbernften S9erid)to über fßorgei^en auf, bon benen ©etbinn
unb aSerluft ber ©dßlatfiten abböngig gebaebt tnirb; unb ipiiniuS (IV) madbt 3)?it=
teilungen bon aWenfeben mit iPferbefüfeen unb bon anberen bie mit ihren übermäßig
langen Dbt^on ihren naeften Störper beibetfen (bie gonefier auf ber ^nfel gnnö unb bie ,
$ippopoben, bie er in ^ollanb gu fueben febeint). SBer ©eredbtigfeit malten unb mit
gleichem SWab meffen mill, müfete über SacituS unb iBIiniuS unb alle bie anberen, bie
nicht beffer finb, m.i t b em f eI be n ©if er ben ©tab brechen unb ihnen jebe @Iaub=
mürbigfeit auch in ben unberfönglichften Singen abfprechen, mie man eS febon mehr¬
fach bei aBafferbach getan hat, um fein BeugniS abgufchütteln, menn eS in bie @e- -
fchichtSauffaffungber ©erren Itritifer nicht hineinpafete, 3. 23. gegenüber feinem Singen-
geugenberiebte über ,23obenfunbe auf bem 2BinfeIbe, bie für ben'Drt ber SSaruSfchlacbt
,PonI8ebeutung finb. ; ’ ^
SaS SeugniS SBafferbachS Pon bem Dftaraheiligtum ift um fo unbetböchtiger, meil
eS ihm noch nicht einmal 3ur 23efröftigung feiner Sfnficbten bienen fonnte. ®r moüte
auch ben Sefern nichts SteueS fagen, fonbern ihnen bie guten ©rünbe ihrer ^eimatliebc
bor Slugen führen. SaS ,3eugniS fagt: ®S lag noch int fBemufetfein beS 17.)^ahr-
hunbertS, bah in Defterholg ein Dftaraheiligtum gemefen fei. ©chabe bah mir (noch
nicht einmal erfohren, ob fich bie (Erinnerung jener Beit auf eine beftimmte ©töttc
* aSoIfSertnnerung nnb D^ame 95
fteaogen J&at, üielleicfit auf bte brei ^ügel, üon benen tüir reben toerben, ober auf einen
anberen ißunft, SBtr muffen un§ banfbar begnügen mit bem 3eugnt§: Oefterbolä al§
ber Ort eine§ OftarabeiligturiiS! gibt mehr al§ 3toblf Orte im Iibt)ifö6eit Sänbe,
bie mit „Öfter" aufammengefe^t finb; aber SBafferbad) tüei& nur bon biefem einen
Heiligtum, an ba§ber Sefer ebrfür^tigbenten foilK ^^^ ^^ ; f^
Oie Erinnerung ber umtoobnenben SeböIferung an einftige Heiligtümer bat ficb
unter bem Einfluß lOÖOiöbriger mißgünftiger Söebanblung umgetognbelt in ©buf'
unb ©(bauergefcbidbteb* Stber baß biefe überbaubt ba finb, barf nicht überfeben toerben.
^m ©ternbofe gebt eS um. 33i§ in unfere Oage toar bie gurtfit bor ber toeißen grau
(grebal) unb fbnftigen ® e f b e n ft e r n (©eifter ber bon bort bertriebenen toeifen
SWönner!) nidtf gana erloftfen, fo bgß eS notf für bie gamilie beS lebten SefiberS,
@eb. S3aurat Kellner anfangs faum: UTÖglitf) toar, au§ ber Umgegenb ba§ iPerfonal
au befommen.; ’; ^
felbft tourbefofortalS, einer angefeben, ber natf) ben großen @ o Ibf tfäben,
futfen tobüe, bie ini @ut§bofe unb an einer anberen ggna beftimmt beaeidjueten ©teile
'berborgen feien.
, Oaau fommt eine ©agebon einem hoben ä u r m, ber fitf) ba befunben baße, in bem
eine grau toobnte, bie fitf bon Oauben (bie Oaube ein Stttribut ber greba-Oftara) er-
nöbren ließ, unb in bem fitf ©beere unb anbere SSaffen befunben hätten.
Eine Erinnerung on ein toirflitf e§ ober bermeintlitfeg © e b e i m to i f f e n ber Se»
toobner be§ ©ut§bofe§ bat fitf in einem ©erütft erhalten, toeltfe§ fitf bann — ber
üblitfen Enttoidlung entfbretfenb — immer auf ein bem 33oIfe borfteIIbare§ Objelt
übertragen bat, suleßt auf bie greimaurer, infolge ber ©egnerftfiaft ber fatboliftfen
fiirtfe; „iliatf ber SInfitft be§ S3oIfe§ treiben bie greimaurer übernatürlitfe Oinge, bie
mit bem Seufel unb bem, Hödenatoange in febr naher SSertoanbtftfaft fteben"^ SBenn
einmal ein greimaurer im ©ut§bof getoobnt haben foIIte, toa§ itf notf nitft feftfteHen
Ionnte, fo finb botf bie Urfatfen biefeS eigenartigen SSerrüfS biel älter. E§ ift ein ©tüd
ber ©atanifierung beS alten ©Iauben§ im S3efebrung§äeitalter. '
" Oer 9tame Oefterbola beaiebt fitf urfprünglitfi auf bie SK a r I Oefterbola, b. b- aifo
auf bo§ ©renagebiet, in bem Oorf unb ©ut§bof gelegen toar. Oaß Oorf unb ©ut»-
bof natf ihrer Umgebung ben Jdamen befamen, ift ein gana allgemeiner namen§ge=
ftfitftlitfer SSorgang; e§ ift atoedloS, hier ettoa§ au§einanberbalten au tooGen. Su ben
älteften Urlunben finben toir bie gormen SIftanboIte unb SGartfa in Ofterbolte.
©bätere Ofternamen mögen autf rein geograbbiftfo Sebeutung haben; hier aber ift ber
©ebanfe an eine SSeafebung be§ ^amen§ au bem Oftarabienft nabeliegenb. ©eine 2Ib-
toanblung au „SIftanboIte" in ben J^Iofteralten ift bielleitft ein Seifbiel für bie in ber
Sefebrungbaeit berfolgte SIbfitf t, autf bie Giamen, bie an ben alten ©Iauben erinner=
ten,' auSaumeraen^. SIber ber Serfutf ift in biefem gäbe an ber Sebarrlitffeit ber
SoIBbenennung geftf eitert. Oa§ ©elönbe ber großen üönig§gräber ber Süneburger»
heibe beißt autf „Oftenbola" unb e§ bürfte fitf lohnen, bie Ofterorte baraufbin au
brüfetf ob ihr btäme nur bie HitumelSritftung beaeitfnet bat.
Oa§ heutige Oorf Oefterbola, bem erft ber neuerlitf e SefieblungSeifer eine SInaabl
neuer Häufer gebratft bat, beftanb im ganaen iPiittelalter au§ fo toenigen ©tötten, baß
§etne, SKijflenen 1878, §antiotier. ^ 5. SJtofe 12, 2: 3ctftört alle Orte ..... unb bertilgt ihre
Jlatncu aug bemfelBen Ort.' ■ ' - :
96 6. Sie 33^arfen unb bie ©efc^icEite ber 2)^arf Defterljolä
iDir trofe mancfier unbeftim'mt gehaltener gefcf)t(f)tUcöeri)'facE)rtcöten ohne SSertnetfiflung
surecfitfommen. ®§ toaren nur ätoet eigentliche $t)fe:
a) 3>er I e E) n § f r e i e SWeierhof $ente, beffen 2?teierred£)t 1594 bom SanbeBherrn bein
SWeier no(§ BefonberB oBgefauft toerben muBte;
b) ber ©chtoarsmeierBBof (ffäter §ou§ Oierfen), toeldher 5ßaberBornicE)e3 Sehen toar;
■■baB ift unfer @ternhof. ®05u : : . : ' ^
c) . brei BiB fünf äugehörige fleine ^öiterftötten (atoei au ©chtoarameierB $of gehörig),
bon benen eine einft bie Ofreiftuhl’^ufe gelnefen fein mag.
SaB Sörfchen toar lange Seit alB „S?ohIftÖbter ^eibe" ein Seil ßohlftöbtB, BiB eB in
neuefter Seit feinen ölten Spornen toiebererhielt.
SBenn eB fidh in ben alten Sitten um flöfterliche ober firdhlidh'e Sefih" unb SehnBredhte
an einem OefterhoIaerSefihtum mit SJtannfenünbSeutenhanbelt,bann fann gar nidht§
onbereB gemeint fein alB ber ©chtoarameierB ^of. •
^n ber ölteften S^achricht^ erfahren mir bon bem Seftehen biefeB_§ofeB fchon in ber
Seit beB S3if(f)ofB SSarin bon (Sorbet) 826—853.:!S)ie $8efihung gehörtelSebo, bem @ohn
beB ®eraogB (ScBert, unb iDurbe für ben SobeSfaQ ohne @rBen bem Mofter (Sorbet)
bermacht. Eorbel) hotte einen gana eigenartigen gefchidhtlii^en Sufammenhang mit
£)efterhoIa.
SSemerfenBtoert ift, baB Äarl eB für richtig gehalten hot, feinen auberlöffigften SJtann
gerabe mit biefem toirtfchaftlich armen (SeBiete au befchenten. 2)oB follte fein ®anf
für treue Sienfte fein; bafür hotte er genüg guteB Sanb aur SSerfügung. SSielmehr
moHte er biefe gefährlichen Stötten in ber §anb feineBauberläffigften unb ftärfftenSWon*
neB feiffen. S)ieB aHeB gehört mit au ben Satfachen, bie in ihrer Stimmigfeit au ben
Seitberhöltniffen auBerorbentlich baau helfen, baB toir unB ein leBenbigeB S3ilb bon ben
SSorgöngen Bei ber Untertoerfung uub (Shriftianifierung SachfenB machen fönnen.
S)aB SBichtigfte oBer, toaB idh mit SSorBehalt über bie Oefchichte bon Sefterhola Be«
richten fanrt, ift ber gana in bie Sage unb bie ©ebanfengänge jener Seit hineinbaffenbe
SSerfuch, ouB ber alten ©elehrtenfchule ein SKönchBflofter au machen. SWit biefer hoch*
intereffanten Sache toerben mir unB noch eingehenb au Befchäftigen hoben. ®er SSer¬
fuch fönt in baB ^ahr 815. SllB ber Drt im ^ohre 822 alB Mofter toieber aufgegeben
tDurbe unb bie SWönche Cefterhola berlaffen hotten, fiel ber SSefih on SSebo aurüch, ber
ihn auB nunmehr berftönblichen ©rünben nicht on baB nahegelegene, auftönbige 5ßaber*
Born, fonbern on (Sorbet) fallen laffen toollte.
Ser im Seftament borgefehene ©rbfall ift nicht eingetreten. Senn toir finben ettoa
150 ^ahre fböter, umB ^ahr 1000, eine Stonne Sba au ©efeefe alB (SrBin bon Defter-
holä, bie eB ber SSoberBorner Kirche fchenfte^. Stoifchen 822 unb 1020 gehörte Defterhola
aifo ber fjamilie (ScBertB, in ber ber Stame ^ba = Sba höufiger borfommt.
: hSaberborn berlehnte baB ©ut ber gamilie Schtoara, bie au ben 4 „Stabein" (Stühen)
be§ 5ßaber6orner SIofterB SuBborf gerechnet toirb. ©emäB bem erften noch borhanbe-
nen SehnBBrief bom ^ahre 1482 gefchah bie SSerlehnung „fo toie biefe ©üter f ch o n
i m m e r bon früher bon .unferem Stifte au Sehen getoefen finb". SBir hohen bemiiach
eine fehr einfache Sefihfolge: Seit ber SKarfenberteilung burch ^arl aunächft bie
Somilie (ScBertB BiB 1020, bann baB ^PoberBorner ^lofter SuBborf mit ber Familie
SchtoaraalB SSafaH BiB auin %ahre 1591. ©egebenenfallB ^ethi oIB Stoifchenfbiel.
^ fJoUe, (^^orbej. ^ Vita Meinwerci I S. 530. *
©d^idEfale in ft)äterer Seit 97
ift nodö eine 3?Qcöri(f)t bon 1320 bor^anben, inonad) ein an einer ^o^ilftäbter
©tötte geprigeS ©tiidE SBoIb in ber Oeftertiolaer aJtarJ ebenfallä an ben. ©tobet
©dltoarä bnrc^ ben ©rafen bon ©c^toalenberg, einen toeltlicöen SSertreter 5t5 a b e r *
b 0 r n §, berlebnt tourbe; ißaberborn; befaß aifo außer bern @ut§f)bf nocb einen ’
ftöbter §of mit SBorbbefiß. ®a ber $of ohne Stoeifel ou§ bem Saufgefcböft ftammte, >
in bem iJSoberborn im Soßre 1093 bon ber eblen Srau ^ba unb ihren ©öhnen bie
©jternfteine ertoorb, tbirb burcß bie.3iachrid)t ibieberum ber bebeutfame enge Sbfam«
menbong atoifdben ben beiliflen ©tötten ber ejternfteine unb ber ßoblftäbter bsto.
Defterbolaer 33barbbeftötigt. ,
2)ie fbötere ©efcbicbte be§ @ut§bofe§ Oefterbola bom Eintritt ber neuen Settd)i§ au
un§/ fo mei^felboH unb betuegt fie audb ift, bietet nidbt biel; toa§ für un§ bon 3Bert fein,
fönnte. SBir.Iernen baß e§ bor altem ber 30iäbrigeJ?rieg loar, burcb ben .SSertDÜftung
unb tSranb, beren ©puren loir noch finben; über baS SSefißtum getommen firib. Ser
nidbt burdigefübrte SSerfucb, bie borgefunbene UmbegUng — inie fie audb getoefen fein
”100 ~ äb einem SSerteibigungStoerf umaugeftalten> tbirb toabrfdbeinlidb in ber furaen
Seit be§ gröftitben tSefibeS aum teßten totale unternommen fein, ©o entftonb auB
älteren unb neueren 93eftanbteilen im toefentlidben ber STnbtidE ber Itmbegung, loie er
fi(b un§ ießt bietet. ^ •
lin einem Snufibgefi^Qft üBerlteb SIbolf ©cbmarje 1591 ben Deffer^oläer §of feinem SanbeS^ertn
©imon II., ber fi^ ber Sebnäpflicbt entlebigte, unb ben SOieierbof 5enle nebft SKeierrec^t 1594 baju
taufte. ©0 entftanb bie fffürftlii^e SJZeierei, bie jur SBafferburg mit Sagbfc^loß auSgebdut würbe, .
fpäterDBerförfterei würbe unb jegt als SUteräl^eim bient. ;
, 3)ie ©c§WQräen, bie in Sraunenbruc^ Bei ©etmolb wol^nten, . Ratten ben wenig einträglichen §of
: wabrfdheinli^ gegen fehr geringe SlBgaBe einem SOieier üBerlaffen..
®er Ie|te SKeier fühlte fi(b als iSefiger unb woEte fi(h Beim ißerlauf, wie man fich heute no(| erzählt,
nidht herauSfehen laffen: „Ut mine f^eunen ($ten galj el nich erut". SSdhrenb beS 30jährigen Stiegel
War ber §of . oft bon fremben SCruppen Belegt unb Beläftigt. ;
®er §of hieb Soheh«tiberte hinbur(h ber ©chwarämeierS ^of, .auch: noch 1656 @raf §ermonn,
Stbolf bie WertboEften Sänbereien ju feiner SJIeierei fchlug unb ben fo berlleinerten, berwüfteten §of
an feinen Sägermeifter Sreie berlaufte. StuI bem Sahre 1696 gibt el eine Urlunbe bei §orner
Slmtel, wono(h StedEe SBohn= unb SBirtfchaftlhäufer, Srauftätte, 2 gifi^teiche, einen lßflanä= üub
SJaumgarten neu angelegt unb lehteren mit einem „Soun" umgeben hnt, ber bon ben SEojotoren auf
150 SEoler abgef^äht wirb. Srede hot mit ©eufaen auf Sefehl bei ®rafen ben Soun hergefteEt, wegen
ber wilben SPferbe, bie ben ©arten berwüfteten; ®al unboEenbete ©jperiment, bie für bie Sebürfniffe
einel ^ofel biel ju weitläufige Umhegurig ju einem gfeftunglwerle auläubauen, tann jebenfaEl ni(ht
bon Srecfe unternommen fein; eher ift el bem ®rafen $ermonn Slbolf (ber ja auch an Ben ©jternfteinen
einen berfehlten geftunglBau aulgeführt hot) auautrauen, bag er mit ber SlrBeit Begonnen hot unb bann
ftedEenblieb. ©efchichtlich erfahren wir bon biefen Singen nicht! weiter. ;SlBer auf einer Satte bom
18. Sahrhunbert wirb ber ©utlhof wie eine geftung angeaeigt. '
^©inftdbtlidb ber UmtoaHung unb Ummauerung, bie mit einer bloßen Umbegung eines
^ofe§ in getoöbniidbem ©inne nidbt in SSergleidb gefeßt toerben fann, unb bie bodb audb
natb faebberftönbigem militörifdben Urteile au feiner Seit loeber alB ©perrfort notß al§
Sludbtburg bon ®au§ ouB fo im fßlone gelegen hoben fann, finb loir. bor ein Stätfel
gefteEt. SBir toerben onnebmen müffen, boß eine alte, unter irgenbtoeldben onb e-
r e n ©efidbtBpunften angelegte, irgenbtoie befdbaffene Umbegung, toeil fie nun ein*
mol in biefer SfuBbebnung unb gorm ba toar, bon ©efdbledbt au ©efdbledbt übernom¬
men, nidbt befeitigt, fonbern benußtj berftärft, erneuert loorben ift, fo febr e§ bie f8e-
fißer mandbmol oI§ eine Saft empfunben haben mögen. '
7 Xcubt, ©crmani|d^c ^citlgtümer
98 6. üDte 3WarJeu unb bie ®e[c^t(f)te'ber SJJarf Oefter^ola
®rft fo erHören ficö bie pfilretcfien fonftigen rätfelEiaften ©inselerfc^etnungen, bie
ficö tm @ut§f)of finben: ©tnbeäie^iung bön ©umtifgelänbe, SBaI)I ber nic^t burd) boB
; ©elönbe beranlafeten itnrcgelmöfeigen motlieniatiftfien gigur. be§ 5|3Iane§; ?Hc^tboII*,
enbung ber UmibaIIung; SSorI)anbenfem eines ©rabenS noch römifdier SIrt, toäbrenb
anbete ©eiten onberBartige, unboHenbete ober gar feine ®räben haben; Stufbäufung
eines fünftlitfien großen §ügelS innerhalb ber Umhegung, in ben ein rätfelhafter Äub*
beibau über einer Quelle eingebaut ift; .itarfe ©runbmauern im Heller unb anbereS
©runbrnauertnerf, für baS fidh in ben SSerhältniffen beS aitittelalterS unb fbäter feine
sureichenbe ©rflärung finbet. ; : ^ '^ ^
©chon burch bie gefchidhtlichen Sfachrichten unb bie örtlidhen Sefunbe müßten toir au
ber grogeftellung hingeführt merben, toelchem befonberen 2^'ozdz biefeS uralte ©runb*
ftücE in ber SKarf QefterhoIa gebient haben mag. gür mich berfönlid) mar biefe gtage
ber SluSgangSpunft. ©ie fanb eine SIntmort burch ben aftronomifdhen Sefunb, eine
SIntmort/ bie fich naihträglt^ bielfach aüSgebaut unb beftätigt hat, befonberS auch burch
ben Bafammenhang, ben biefe ©tötte mit ber in germanifchen Sanben üblichen Qrien»
totion oufmeift, unb bürch bie berfüchte Moftergrünbung §ethi.
3BaS mir über Qefterhola miffen, finb nur SIl?ofaiffteine bon größerer ober geringerer
Seutlichfeit. SIber biefe ülfofaiffteine finb nahe aneinanbergerücfte, aufammenbaffenbe
unb a. S:. fo auSgebrögteJSeftanbteile eines grofeen SSilbeS, bah Qefterhola barauS mit
beutlichen garben alS eine bebeutfame ©tötte germanifcher .Heiligtümer herborleuchtet.

^n gefchichtlichen gragen, beten Queflenbeftanb bon ber SBiffenfchaft löngft berarbei-


tet mürbe unb bon unS nicht bermehrt. merben fann,. hanbelt eS fich für unS in erfter
Sinie borum, mit neugefchörften Slugen au lefen unb bie Singe aufaminenaufdhauen.
® e t h i ift ber betfchmunbene illame eines bisher unermiefen gebliebenen QrteS im
alten ©achfenlanbe, mo im ^ahre 815 ber bergebliche SSerfutf) einer ßloftergrünbung
gemacht morben ift, bie bann 822 in Sorbet) enbgültig auftanbe fam. ^ch meife nach,
bah Hethi nicht in ißeuhauS/©oning gelegen hat, mie feit bem 16. ^ahrhunbert gana
miberfbruch§IoS angenommen mürbe, fonbern mit hoher SBahrfcheinlichfeit im ©uts*
hof Qefterhola. Sine eingehenbere fSegrünbung-gemöh ben Quellen^ finbet ber Sefer
in ben Slöttern ber greunbe germanifd)er fBorgefchichte „©ermanien" §eft 3, 1930.
^ier fann ich nur fura inS 33ilb fe^en unb baS Srgebnis mitteilen.
Sie Slloftergrünbung, bie als §ilfe für bie ißoberborner ,ißriefterfchaft bei ber fchmie-
rigen Shfiftianifierung ber Siöaefe gebucht mar, mürbe auf bem erften SfeichStage
SubmigS beS grommen au ißaberborn nach langmierigen SSorberhanblungen, befonberS
über ben ißlah, befdiloffen. SIbalharb, ber 216t beS ßlofterS Sorbl) in granfreidf, mürbe
augleich ouih 2Ibt beS jungen JlloflerS, melcheS man ®ethi, b. h-'Saibe, nannte. 3Kon
fonnte alsbalb mit ber boHen llloftertätigfeit einfchliehliih ^lofterfchule, beginnen unb,
hatte ftarfen SuIauf. 2Iber noch furaer Seit mürbe ber 2Ibt 2IbaIharb in bie SSerban«
nung gefdhidt, bie 3Könche fbolteten fi^ in brei ^Parteien unb berlangten bie 2rufgabe
biefeS ipiaheS unb bie ©rmählung eines neuen geeigneteren.
SS mar eine in jeber Seaiehung ouffödige unb auch unrühmliche ©oche, bie fchon in
‘ Sufammenftellung ber Duetten in ber fjubttote. ber folgenben ©eite.
■ ßloftergrünöung imiPaberBornfc^en^^^^^^ 99
■• ber etnsigen olten^grunMegenben 'Darfteaung ber ettoa aus bem ^a^re 850 ftammeu“
ben „2:rQnSlatto Xöt. Sßitt"S au fc^toeren faiilicfi'en SSebenfen SCnlafe giBt. ' Sa finbet
ftcB bor allem ber SBiberft)ru4 bafe ber unter aHerlet ©tfitoterigteiten ouSgetoöBIte
5|SIa| ^etBi auerft al§ aufeerorbentItcB geeignet (multum aptus), toafferreic^ ufto., ge*
rüBmt, im Sßerlauf ber ©raöBIung aber oI§ böflig ungeeignet, unfrui^tbar unb bürr
bertoorfen toirb. SeBenfaHS fteHt fid) ber für baS SSerlaffen ^etljiS angegebene (ärunb
ber Unfru(f)tbarfeit alB ein SSortoanb b6bouS> ber bon anberen als foicbeb embfunben
unb burcb bie ©raätilung bon einem fcb^ereb Untoetter unb SSerfinten einer Quelle
ergönat toirb. SieS tann eine S^ebenerfcljeinung gemefen fein.
Über ben Crt, too ®etbi lag, lernen toir auS ‘ber SranSlatio Si^ S^^^^
fPaberbornfcben gelegen unb bem •aJaberborner S3if(f)bf untergeorbnet getoefen fei. ©ine
nöbere Stngabe über bie Sage bat ber fonft recht eingebenbe Seriiht bermieben; auch
ungemoHte SlnbaltSbunfte finb nicht berauS au lefen. 2IIS neuer fßlab für baS ^lofter
ipurbe unter ou6ergeh)öbnIichen 2Sorfi(htSma6regeIn ©orbeb Bei: Röster getoöblt.
3Webrere bunbert =5abre bis inS 16. ^abrbunbert berlautet über ben ®etbi*3h)ifchen.
faC nichts. 9fur fcbeinen in ©orbeb münbli^e (S'erüdbte über ben Sßorgang im Umlauf
getoefen au fein,bie bann ber für baS ^ntereffeSorbebS gegen bie SlnfprücheffSaberbornS
auf Sberbobeit über ©orbeb eingeftellte ^obanneS Serener“ (1604) au feinen lang¬
atmigen SSericbten unb au feiner 5Sebaubtung, bafe $etbi in fTt eul) auS/So 11 i n g
gelegen habe, bertoenbet au haben fcheini fTceubauS/SoIIing aber liegt öftlich ber
SBefer, aifo aufeerbalb ber erften ©renaen ber Siöaefe ifJaberborn, bie bon ^arl b. @r.
Beftimmt toaren. Sie in. biefem SoHe ficherlich auberlöffige^^arte beS 93ifchofS Ser-
binonb b. Sürftenberg bon fPaberborn, bie auSbrücEIich für bie Seit ber fränfifchen
unb föcbfifchen ilaifer gilt, aeigt bem aufmerffomen Sfuge bie SBefer als öftliche ©renae.
58iS, äur SBefer unb Siemel reichte ber SWiffionSbeairf ©turmS bon gulba, aus bem
baS SöiStum spaberborn gebilbet toor; unb biefe ©renaen follten nach ft'arlS JSefehl
innegeholten toerben. ^enfeitS begann bie fProbftei ©inbed unb baS im gleichen Sahre
mit ^ethi (815) gegrünbete S3iStum ^ilbeSheim.
Sie ipaberborner, bie bon §ethi niditS toeiter toufeten, als toaS in ber SranSlatio
fteht, tonnten Sehener nicht toiberfbrechen, meinten nun aber, bah bie fDtacht be§ ißaber*
borner 93ifchofS bennotl) über bie SSefer hinaus gereicht habe, toie biefer gali.betoeife.
‘ Monumcnta Germaniae Historica (SPetjj) §annoiJer 1829, II: Historia Translationis S. Viti,
©• Ö77—580, — S e ^ e n e r: ©hrontla, (SeBen, §ettbel, Saaten Subowtct fpU §antfc§, §tlbe§=
Beim 1604, ©. 3, 7, 12, 41—46, 48,' 77—79, 95 (au lefcn ftatt 65), 100 (ftatt 70), 106
(fiatt 75) ff. Monumenta Padcrbornensla Editio altera priori auctior. Amsterdami 1672
(Starte). — fj er b. b. fjürft en B er g: ®cnlmale be§ £anbe§ApaberBorn (Monumenta Pader-
bornensia, üBerfeBt burc§ aj?tcu§), Sungfermann’fcBe SucBBanbIung, lßaberBorn 1844, @. 325 ff,'332.
— SR. Sp. SRic. © cB a te n : Sturze SSerfoffung Biflorifiher unb StircBengefiBicBtsn bon bem erften
Urfprung be§ ©BriftentnmS, Sungfermann, SPaberBorn 1768, ©. 17 ff., 34, 44—61. — ©cBatcn;
^ Annales Pad. in ben SBericBten üBer bie unfere ©acBe Betreffenben Sauren. — Sp. SS i g a n b : ®er
' ®orbeBf(Be ©üterBefijj, SEcetjerfcBe 5of=33uc§BanbIung 1831, £emgo, ©. 150. — Sp. 38 i g d n b : ®e=
fdjidBte ber gefürfteten SReicB^aBtei EorbeB, SoBn, |)öjter 1819. ©. 34—48, 68 ff. fjuhnoten 55—66.
— SBiganb: ®ie. GorbeBfdjen ®efihi(l;t§quelten, S3rodBaul,. Seipaig 1841, ©. 2, 21, 22. —
3ReiBom: SB’^buic. SorB., ©. 755. — 3BattenBa^; ®eutfcBIanb§ ©efcBicBtögueKen, I. SBb.,
.$erB, Setlin 1885 (33efferfcBe. 3tu(BBanbIung) ©. 235 f. = Seltner, Chronica Ludowici, Slnbr.
§eri, 33erlin 1885 (SSefferfcBe S3ucBBanbIung) ©.. 235 f. — SIRaBillon, Acta Sanctorum Tom IV
pag. 306 in SRigne a3anb 105, ©. 534.— Vita Adalhardi (Walae) Mon. Germ. 11:525 ff.
100 6, Sie aWarfeu uub bie ©eft^ic^te ber 2??arf Seftert^ols ;
Slbgefe^ien öon btefer Unftimmigfeit aeigt fic^ nun bei näl}erer Unterfuc^ung, bafe bie
bon Serener für aieubouS/SoIIing aufammengebolten ©rünbe in feiner SSeife autref-
fen tooQen. SDurä) münbltiie SSefragung ber £)rt§betoof)ner unb ftfiriftlicfie SluSfunft
beS betaatfunbigen SebrerS gridfe ergab ftä)/ bafe e§ in afeubauS f e i n e f I ö ft er •
I i (b e n S l u r n a m e n, auf bie ffcb Serener ftübt, gibt, unb bafe auch feine SKauer*
refte öorbanben finb.
® ur cb f ä) l a g e nb fcbliefelid) für:bie ©etDi6beit, bafe §etbi gar nicht in ateubau§/
Solling getoefen fein fa n n, ift bie febr beftimmt gegebene atacbridbt bet S;ran§Iatio,
bafe bie 2?töndbe, gl§ fie bon §etbi nach ©orbeb überfiebelten, eine afadbt untertoegS ber*
bringen niufeten. 3^eubau§/@oning liegt aber nur 10—11 km bon ©orbeb entfernt.
SDas aSerbringen einer Steifenacbt im aSalbe; bei biefem Ilmauge, ber in 2—3 Stunben
geleiftet toerben fonnte, mufe al§ ettnqS gana U n m ö g I i cb e § erf(^einen. gölte/ ber
auch ein, ©orbeber -ift, d;)at ben fdblitnmen SBiberfbrutf)' bemerft unb tnilT um be§-
tbißen bie ganae SErgqSlatio bertberfen. aSiganb mö(bte ba§ Unmögliche al§ möglich
erflären unb bie anbern fditoeigen. , ‘v
Slucb bie aSehaubtung Sebener§, bafe ber bei bem Untoetter entftanbene @ i n f b a ch
in ßteuhauS/Soßing borhanben fei, unb al§ rote§ SSaffer ober fftotenbach tnieber autoge
träte, trifft nicht au. Slufeerbem ift auth bie'©ntftehung eine§ @'infboc3he§ in bem au§
Sanbftein beftebenben Soßinggebirge au§ geoIogif(f|em ©runbe in hobest ©robe'un*
Ibabrfcheinlicf), toäbrenb e§ in S?alffteingebirgen eine befannte ©rfcbeinung ift. 5Die
ölteren Seute in ateubauB Ibiffen nichts bon einem roten S55affer, tbäbrenb bie über
bie ^etbi'^bbotbefe unterrichteten ?5Üngeren meinen, bofe ber ®orfteidh baS, rote
SBaffer fein müffe. ^ .
aSenn ^etbi nicht im ©oßing gelegen bat, fo,hoben mir unS im a b e r b o r n »
f (b e n umaufcbouen, mo bon 815—822 ein fliofter getoefen fein fann. ®a aße Orte mit
befannter ©efdhichte bon bornberein auSfcbeiben, unb bon einer foldhen ßloftereriftena
noch bauliche ©büren au finben fein müffen, fo befcfirönfen fich bie SKöglicJifeiten auf
eine febr geringe 3obI* — ‘ ■ •
:^n borberfter Sinieftebt ber © u t§ b o f 0 e ft e r b o l a, für ben fömtlicbe aßgemei«
nen SSorbebingungen in bößig ungeatoungen fich embfeblenber aSeife autreffen, unb
toofür auBerbem ein febr beftimmter aSetoeiSgrunb fbricht. Oiefer aSetoeiSgrunb ift
folgenber: aSöbrenb eS in 9feubau§/©oßing feinen ©infbadh toeber febt gibt noch
femalS fchtoerlicb gegeben hoben fonn, hoben mir in Oefterbola brei Sinfböche; einen,
ber im ©utSbof felbft entfbringt, berfchtoinbet unb im S^eicf) be§ nebenan liegenben
Ianbh)irtf(baftli(f)en §ofe§ toieber autoge tritt, einen atoeiten atbifchen ©utSbof unb
§ügelbeiligtum, ber ficb äbnlicb berbält, bann aber nod) einen britten, ber om c^ügel-
beiligtum entfbringt, im Sangelau berfinft unb mit bem alten 3tomen „3to tt -
ober 3101 e n«83 och" einige bunbert Sßteter füblicber toieber berauSfommt unb
aur Sibbe flieht. S)amit ift ein überaus einbrüdlicher Sufammenbong mit ber
bon Sebener, ©(baten unb anberen gebrachten Überlieferung bergefteßt toonacb bie •
Sltönche aus §etbi burch Untoetter — ©infbach unb roteS aSaffer — bertrieben feien.
Hieran fommt, bah eine Überfieblung bon Oefterbola nach ©orbet) (49 km Suftlinie)
in ber S;ot minbeftenS e i n e 3t e i f e n a ch t erforberte. gerner bie faft ber«
blüffenbe ©timmigfeit aßer oßgemeinen Umftönbe, in erfter Sinie bie S::atfa(he, bah
nur ein für bie Siufnobme bon ßltönchen unb ©dhülern fomie für ihr ßlofterleben fo
SBo^rfdEietnlitfie Sßorgefc^icEite ■ ' 101
böllig geeignetes un5 eingeridtiteteS ©runbftüdE, tote toir e§ in bem @ternt)of SefterEioIa
annel^men, bie tütoglid^feit sit ber un§ berichteten: geiftlichen JtätigiEeit in ben 6 ^lo-
fterjobren geben fonnte. Sßeitere rötfelhafte 3?Jauerrefte, bie fidh noch im OutSgarten
innerhalb ber UmtoaHitng befinben, bebürfen nodh: ber Unterfudhung. —

©obolb toir uns bon biefer einleudhtenben Söfung beS ^ethi'SRötfelS überaeugt haben,
getoinnen toir ein überaus lebenbigeS Silb nicht nur bon bem intereffanten ©inaeler-
eignis ber gefdheiterten; ^loftergrünbung, fonbern auch bon ben guftönben unb
ßämbfen, toie fie in jener göhrenben Seit unmittelbor . nadh ^arlS Jtobe geherrfdht
haben m üj j e n. Sie nachfolgenben SluSführungen bürften ber SSirflidhfeit nahe
fommen. ■
ißaberborn brauchte ßlofterhilfe' au ber in :feiner ©egenb befonberS fchtoierigen
(Shriftianifierung, too fi(^ heibnifdhe Steigungen noch ftarf regten, unb too fich baslßolf
bor oEem bie getoohnten gefte ni^t fo fdhnell unb einfach nehmen taffen toollte. Sie
aSeböIferung beS oft bertoufteten ©othfenlonbeS toar burch 32iährige Slufftönbe, burdh
SWoffenhinrichtung unb SOtaffenberbannung unb ftarfe ^uStoanberung nach Stör»
toegen unb S3ritannien flein getoorben. Sie Sbrücfgebliebenen hatten fich unter, bie
größere SJtacht beS neuen ©otteS gebeugt; aber nur bie SKinberaahl toar innerlich gana
getoonnen. S3ei ben anberen toar eS ein ©idhabfinben, ein aögernbeS SJZitgehen; ein
möglichfteS gefthalten an bem getoohnten ©tauben unb Seben, ober auch tooht ein
äöher, trohiger, heimticher Ungehorfam, Sie heitigen ;(Stötten, fanben noch ihre
JBefudher..' ■ ■ '
Ser bon .ftort ots Statthatter in.Sachfen eingefehte, aus (ängtanb herberufene ^er*
aog ©cbert, föchfifchen SBtuteS, refibierte in ber (nach gürftenberg) auf bem atten
Stiifo bei ipaberborn errichteten toeftfrönfifchen: gtoingburg, auf bie nachmatS bie
Sifchöfe ihre Schtöffer festen (feht SteuhauS bei ißaberborn). Sei bem großen ©efchöft
ber SWarlenberteitung burch Jlart toar ©cbert bie Sefterhotaer SKarf als berfönli^eS
©igentum äugefatten; bie heitigen ^oine unb Stätten fonntenja ouch nicht in auber»
löffigere .gönbe getegt toerben.: StuSgenommen unb bem auSgebehnten, ber fönig=
tichen SKacht borbehattenen Sefih augefchtagen toaren bie Saue unb bie Sennetrift ber
heitigen ißferbe, beren StuSfonberung auS bem bribaten Sefih fich bis aum heutigen
Sage erhatten hat.:
©cbertS Söhne unb Sertoanbten auS bem Sachfentanbe, benen Start — fchon bon
StriegSbeginn an — eine toirtfome flöftertiche Sraiehung hatte angebeihen taffen, fafeen
in ©orbg in granfreich bereits als eifrige SrbenSbrüber. Sfhntich toie in äaht=
reichen anberen götten toaren biefe Söhne beS „barborifchen", auch aü ben eim
fachften futturtichen unb geiftigen Seiftungen unfähigen, „toitben" SachfenboIfS merf=
toürbig fchneH aur führenben ©öhe emborgeftiegen. StuS biefer ganaen Sibbe — Stbat»
harb, SSala, SSarin, Sheobrat u. a. —, bie fich ein ^era unb ©mbfinben für ihre Heimat
betoahrt hatte, ragte ber ©orbger Stbt SIbetharb atS ein ebter unb berftänbiger SSfann
herbor. ©r betrieb bie Sttoftergrünbung unb man machte ihn auch 8i5 aum erften Stbt
^ethiS in Serfonatunion mit ©orbt), bbgteich ba§ ©inbernehmen mit bem anberS ge=
arteten Sifchof ^athumar bon Saberborn nicht fo gana ftimmte unb Stbathorb euch äu
benen gehörte, bie bie SBaht beS SßtoheS für ^ethi atS bebenflidh onfahen. Stber bie
anbere Slidhtung ;— mit Stönig Subtoig, ©cbert unb ^athumar — hatte fich g e r a b e
102 6. Sie SWarfen unb bie @efc^t(f)te ber Srtarf Oefterl)ol3
a u f b i e f e n Sp I a | berfteift, fiielt bie SSortetle für fcEitoertoiegenber, al§ bie Seben-
fen („potius desiderare quam resistere veile“) unb brarig bur(5.
SIbaIE)arb ging noc^ ©etl^i, übet beffen nitfit gerdbe unfruchtbaren, aber hoch armen
58oben — ber $etl)i bebeutet §aibe, got. $aitl)i, bie im (SoHing übrigens fgum
3U finben ift -- unb über beffen fonftige ©igenfchaften man nach ben bielföhrigen S3er*
hanblungen natürlidh genau unterri(f)tet toar. Sie tpohl teitoeife berfallenen ober 3er*
ftörten ©eböube be§ ©ternhofS tourben hergerii^tet. begann eine gemöfe ^belharbS
SSoIfSfenntniS borfichtige unb milbe ßloftertätigfeit, bie bann aucf) in bem ftarfen Zu¬
lauf bon SPöm^en unb @tf)ülern ihren Sofortigen ©rfolg auftoieS.
Slber fidherlich mufete SIbelharb auf ber einen ©eite bieleS nachlaffen, toaS an geift«
lithen Übungen unb'Mofter3Ucht in ©aUien möglich ibor, unb auf bet anberen ©eite
bieleS überfehen ober gar in SebenS*: unb Senftoeife beS ßlofterS heretnnehmen,
toaS aus bem alten @Iauben ftammte. SaS aber erfüllte feine toeftfrönfifchen unb
römifcheren SBeobachter mit ©ntfehen. 3)2an mufe einmal baS, loaS ©cheffei in feinen
©ffeharb mit feinem bfh^ologifchenSßerftänbniS hineingetoebt hat, auS bem Slleman«
nifchen in baS fröftigere unb Stetigere fliieberfächfifche übertragen, unb bann baS @an3e
um 100 ^ahre bis hart an bie @ren3e ber germanifchen Seit herantütfen, um eineSBor-
Stellung babon 3U belommen, toelche feelifchen SPächte in bem übertoiegenb auS fädhfi-
fchen SWönnern unb Jünglingen beftehenbem ^lofter §ethi fich geltenb machten.
2In baS Ohr beS ftönigS SubmigS btangen bie fchlimmften ©erüchte über bie heib«
nifchen Suftänbe, bie unter SIbalharbS fträflicher S^achgiebigfeif in $ethi überhanb
nahmen. SIbalharb tourbe als SIbtrünniger, febenfallS noch bon Seufeln löefeffener an«
gefchtoärst, obgleich man, ibie eS Scheint,' feiner SRechtglöubigfeit unb feinem untabe.
ligen SBanbel nichts anhaben fonnte. Sie SranSlatio, in ber toir natürlidh öiefe Singe
3toif(hen ben Seilen lefen müffen, brüdit fidh oorfidhtig fo auS; „Nihil oroflcere potuerunt,
nisi quod religio sancta in loco deserto tradebatur. ©ie fonnten nicht§ toeiter toitfen,
als an bem einfamen Orte bie heilige ^Religion 3U überliefern." Jnnerhalb ipeniger
Seilen lefen mir erft bon einem mächtigen Slufblühen unb bann bon einem Solchen SSer»
fogen beS'MofterS.: ^ :^ ■
SubmigS enghersige grömmigfeit mufe bis aufS öuBerfte über SlbalharbS SImtS«
führung in .gethi embört gelnefen fein. Senn er hat eS getoagt, ben einflußreichen
3Rann fur3er §anb absufeßen unb ins ®Ienb 3U fdhidEen.
Saß berlRadhfoIger, bon beffen Sätigfeit nichts gejagt toirb, unb beffen IRame felbft
im unllaren bleibt (ein iüngerer Slbelharb?), im ©inne SubtoigS mit ben entgegen«
gefeßten SRitteln borgegangen ift, müffen mir nach Sage ber Singe als felbftberftänb«
lidh annehmen. Ser Erfolg toar bie Schnelle EnttoidEIung unerhörter Snftänbe. Sin«
Statt 3um Moftergehorfam fam es 3ur Silbung breier Parteien, toohrfcheinlich ber Sin«
hänger SlbüIharbS, ber SInhänger beS neuen SIbteS unb einer mittleren ^Partei.
@teidh3eitig nahm bie anfangs fo ftarf getoachfene Sahl ber SRönche berartig ab, boß
beim Umsuge 822, aifo nach toenigen Jahren, bie ber SIbt nur in §ethi getoaltet haben
fann, außer ben ©reifen unb Knaben nur noch toenige orbeitsfähige SRönche im 3Ran»
neSalter ba toaren; unb auch biefe toollten um feinen 5PreiS an Ort unb ©teile bleiben.
Stur fo ift bie fluchtartige jpreiSgobe beS ©chaußlaßeS Ojähriger SKüßen 3U berftehen.
ES ift ein gan3 anberer SSerlauf, alS bie SSerlegung beS ßlofterS ^erSfelb nach gulba.
SWgn ließ noch nicht einmal ben mit ber Errichtung borläufiger SBohnungen auf bem
Jlampf ber ©laubenSmäc^te 103
neuen,5pia^e Seouftrogten auSrettfienbe Seit 3ur Strbeit, fam mit' ®qcE unbjpacE an
unb Brockte bte ^eiligen Seiäien unb S^eliguien in einem Seite unter.
breite jtdB Bei btefem ganjen @efdE)eI)ni§ offenbar in erfter Sinie um ben iß I
be§ l?Iofter§ in engerem ©inne be§ 2Borte§. ®a§ ergibt ficB Qud) au§ bem furclitfamen
SSerbalten ber ibiönc^e bei ber SßaI)I be§ neuen ißlat^eS Korbel) bei $öjter, möglicbft
toeitab öom alten ißla^e. S3or allem nahm man fein ftf)on bebaute! ©runbftüd toieber
unb ftedte bie SWafee auf einem freien ©elönbe ab. SSorber butte man fid) mit auffälliger
Umftönblidifeit berficbert, bafe nid)t§ SSerbäditige! ba toar. Slber toie äum §obn fam
fpäter ba§ ©erücbt auf, bafe bann bodb im ©rbbobeh eine ^rminful gefunben feil Sluf
jeben galt toirb bie grage. getoedt, toelcbe, ©rfabrungen in $etbi gemacht fein
mögen, bie man nicht äum slueiten SWale machen tnollte. Sie Slntoort liegt nabe.
Sie rüdfichtüofe SImtSfübrung be! neuen Slbte! butte ade (Seifter be§ SBiberfUruch§
in ben fädififcbenft'Iofterleuten unb berSSeböIferung umber,unb bumit augleid) bie ölten
©eifter beS Orte! tbüchgerufen. SBir fönnen un§ borftellen, bufe mun Slbiunb üßönde
erfdhredtunb geängftet but burd) feinblide! unb teuflifdhe! ©etön bon ben beiligen $ai> ‘
nen ber, iu benen e§ tbieber lebenbig getoorben tbur. Sfucht! iburbe e§ erft recht unbeim"
lieh unb gefübrlich. 2Kan fublte fich innerhalb ber ^loftertoäHe feine! Seben! nid)t
mehr ficher; tburen hoch erft 15 ^ubre feit ben lebten Blutigen Slufftänben ber Slnbünger
be! alten ©lauben! berftrichenl Slbteilungen ber beifßaberborn liegenben fränfifdien
33efobung!trubt>en mufeten äur Serubigung ba! Sanb burchftreifen, aber fie fonnten ,
hoch nid)t al! Sefabung in! ßlofter aufgenommen toerben!
Stud) hier im ^lofter felbft toar e! nicht mehr geheuer; in allen ©den begann e! äu
flüftern unb 3U raunen, bie ©eiftererfcheinungen mehrten fich, Sefchtoörung unb S3ann
tooHten nicht mehr helfe». S)a tour fein galten mehr, bu öerlangten auch bie Sagferften
nach einem anberen Orte, ’too man bie fRube unb ben Ofrieben buben fonnte, ben man
bodh im Älofter berlangen fonhte unb gefucht butte.^^^^^^^^^
Sifchof unb Jfönig muhten nachgeben. SIber bu! STuffälligfte ift, bah ber fo fchmach-
boH öertriebene Slbalburb in ©bren surüdberufen mürbe, um bie berfahrenen ißerbält-
niffe mieber in! ©leife 0U bringen. ®r mürbe ber erfte 2Ibt be! neuen ©orbet). SRitber
allgemeinen Semütigung Submig! bor feinen ©öbneu fann biefRüdberufung SIbuI-
burb! au! chronologifchen ©rüiiben nicht sufammenbängen.
So! Unternehmen, burch fird)Iid|e SSermertung eine ^augtftötte be! ölten ©lauben!
unfd^öblich 3U machen ift in bem borliegenben S’alle nidlt gelungen.
Un! bient bie ©efchichte ^etbi! — fo gefaht — gur afnfbellung ber mirflidien 3Sor>
gänge in ber 58efebrung!3eit unb mirb ouf ber ©runblage ber Bugebörigen Satfachen
burch ihre innere SBubrb'eit unb Überaeugung!fraft gu einem 33emeife für unfere
OefterbolBer Sbefe, mie mir ihn unter ben obmaltenben Umftänben auf gefdüchtlichem
©ebiete faum fräftiger ermarten fönnen.
7* 0teittbaun)erf in
0 e r man if d) e S8 a W h) e t f e —SS e I e b a t u r m
^^ie auf ber ejternfteiner SZonbltnte ltegenbe ßoljlftäbter 3iuine (2tBb. 38) liegt am
/<7$übenbe be§S)orfe§> ino bie ©trafee naä) OefterBoIa abätoeigt. Sufe ift hon ber
©trote Befpült. ®§ ift eine mäi^tige JCurmruine mit alnei SKeter biden SWauern, 3. %.
nocf) 10 m f)ocÖ über bem SSaffer, bie einen Swrm hon gana erfieblicEjer ^öbe getrogen
hoben fönnen. lSer innere jefet mit ©dbutt angefüHtc iftaum. hat nur ettoo 5 m im
■Duabrot. Stür« unb genfteröffnungen filtb bi§ .3u biefer;^öhe nicht, borhanben ge*
toefen, ähnlidh toie beim 5turm im ©rimmfdhen 3)Järchen bon ber Jungfrau IKaleen.
Ser Slufftieg ift bom Söaffer au§ getnefen, rechts too fich ein mit fchtböcheren Stauern
umhegter $of in, ber Oröfee bon 12X22 £luabratmetern 'anfchlie6t. Sie fftötfelhaftig*
feit biefeS ©emöuerS, bor ber bie Unterfuchungeh ßloftermeierS bor 100 fahren unb
bie Stachforfchungen ber neueren Seit böHig berfogt: haben, toedt unfer ^ntereffe im
■ hohen ©robe.; ,,
^hrem alten Dramen §ünnenfirche, §eibenfirche ober alte ^irdhe, ben man in ber
Jteuseit fallen 3U loffen unb burd) ben farblofen Sporneni?ohIftäbter 9tuine erfehen 3U
muffen geglaubt hat/ entfgricht bie ©otonifierung burch bie, ©age. fbian foH hier
S^inber gefd)Iachtet haben, unb bie fDSütter haben fte auf bem nahen JüBeinberge be*
h>eint. ,©d)ähe finb barin berfchüttet,.unb noch 1702 haben fidi Seute aufammengeton,
um bergeblich nach' ihnen 3U graben; ©egraben hot man audh auS ardhäologifdiem
^ntereffe; benn ben Strdiäologen ift bie SSuine ftetS ein ungelöfteS iftötfel getoefen unb
troh SSemühung biS sum heutigen Sage geblieben.; ; X
Sie ©adhberftönbigen ber berfchiebenen Stoeioe fügen, bafe ber Sau 3U feinem .tnirt-
ftfiaftlichen Btoede (Äalf*, SKetall» ober ©loSofen) bienen fbnnte, ba6 er alS militäri-
fdher ©tühbunft ober, ©traßenfdhuh in biefer SluSführung finnloS tnar.. Sie 97och*
forfchungen in ben Saberborner Slrchiben ergaben, bofe er niemals 3u fird)Iichen Stuf*
gaben benuht toorben ift, — maS ia auch fhon nuS baulichen ©rünben auSgefchloffen
erfdheint. Ser ©ebanfe an eine SBohnburg ober fonftige menfchlidye SBohnftätte muh
ebenfoHS foHen gelaffen toerben, loeil ber Sefunb feglidier ©rfohrung auf biefem ©e»
biete h)iberfbrid)t unb feine Sernunft in biefen ©ebanfen 3U bringen ift.hluch bie Ser*
höltniffe beS fich onfchliehenben ummauerten §ofeS bieten feine ^anbhabe für eine
'©rflärung.. .
Sie nur fehr unsulönglichen bisherigen ©rabungen hoben meines SBiffenS nur ein
unter ben Srümmern fihenbeS ©felett 3utagc geförbert, toelcheS ein gingerseig auf
bie getoaltfome 3erflörung beS SurmS fein bürfte. SiefeS fefte, mit söhem, gon3
eigenartigen 3WörteI aufgeführte SKauertoerf tnürbe ohne abfidhtliche Serftörung bem
natürlichen Serfall bis heute getroht,hoben.
Sa fein ©rflörungSberfud) für bie hriftlich^niittelolterliihc Seit ftiiümen miß,
aiehen mir ben benfrühtigen ©dhluh, bah bie’^eibenfirche — ähnlich ttie bie „^ünen=
firche" auf bem SönSberge — ber t)orchriftIich*germanifchen Seit suerfannt toerben
muh unb fragen nach ihrer möglichen Sertoenbung. ,
. Siefem ©chluh fteht, obgefehen bon unferer UnfenntniS, toeber ein fachlicher nod)
ein gefchichtlicher ©runb entgegen. Ober toaren bie Säter unb ©rohbäter jener SS?ön»
ner, bie fchon im 9. unb 10. ^ahrhunbert bie geiftige gührung ber ©hriftenheit in bie
^alf uub Se^m 105
$anb befomeit, ini 8. ^abrbunbert iinb t)orl)er fo mafelog bumni, träge unb iiugefd)i(ft,
bafe ]ie nod) nid)t einmal ben ibneu t)or Stugeu liegenben ßalf if)rer eigenen Serge
brennen, löfcben nnb mit bem ©ennefanb mifdien fonnten, ja bafe ]ie (im galle aUsu
großer eigener Serblöbung) and) obenbrein jid) ieber Selebrung bnrd) ihre Settern im
9In§Ianbe unb ihre au§ ber grembe suriidfebrenben Söbne entgegenftemrnten?
SBir höben e§ bi^t* mit einem ber UerbängnigDoUften ^rrtiimer in ber Senrteilung
be§ @ermanentum§ 511 tun.

5tbb. 38. ipünncnfird)c in Slobiftäbt

®er Sefeitigung ber Unfkrbeiten liber bie germanifd)e Sanfunft fteben gehäufte
^inberniffe entgegen. ^Tud) ber fonft ]o kertnolle einsig baftebenbe @Iüd§faII ber
neueften S^rierer Stu^grabungen (Srof. ööfcbfe) fann nur einen fleinen Schritt t)or=
märtg bringen, tueil e§ fid) um römijd}e§ ©reuälanb bcmbelt. Selbft kenn bie blofe-
gelegten Sauten ber Serenerer a\§> Sinbematerial fämtlid) .f!alfmc)rtel hätten, fo
kürbe ba§ eben aB bie r ö m i f e unb nid)t ak germanifcbe Saukeife angefeben
kerben, unb kenn e§ älter ift, al§ feltifd)e.
Eine mir sugebenbe Stu^funft 2i3]d)fe§ befagt, bafe 3??örtelbauten au§ ber 0 0 r
®br. @eb. ihm auf beutfi^em Soben bisher nid)t begegnet feien, „^n ber anfd)Iiefeen-
ben fränfi]d)en Seit (ab 5. ^abrbunbert n. ©bi*-) höbe man bie b e ] d) e i b e n e n Sau»
ten im !£embelgelänbe ohne 3KörteI errid)tet, hingegen ft a 111 i cb e r e im Innern
ber Stabt mit gutem ^Wortel.''
immerhin höben kir nunmehr ben fdblögenben Sekei§, bafe bie ihr tedbnifdbeB
106 ^ S)a§ Jultifd^e ©teiuboutoerf in ßo[;Ijtöbt
@eftf)iiJ fo beutlicf) offenborenben unb bie römifdöe SBetfe im'übrigen JeineSioegS ab*
lebnenben Xreüerer (ba§ geigen ja bie ©fuiJturen unb jTeramifenj nidbt aug Un-
fenntnis unb UngefdiicEIicbfeit ben ßalfmörtel tierftf)mäf)t baben, fonbern bafe fie e§
taten, toeil jie ben Sebmöerbanb gu beh borliegenben. Sieden für geeigneter, ober bocb
für au§rei(f|enb hielten.
^n meiner ^ugenb, aifo bunberte bon ^abren> nacbbem man ba§ SatbioerE mit 3ie*
geln unb ßalEmörtel auSäufüHen getoobnt toar, habe icb e§ noch erlebt, bafe ©töHe mit
Sebmflecbtmer! gebaut mürben, toeilman ba§ für mörrner unb beffer anfab; aber mo
man e§ für braEtifcber hielt, bauten eben biefelben börflicben SKaurermeifter mit Sie*
geln unb ^talE. @§ märe alfo IÜcherlidb, au§ ben jiebmmänben auf UnEenntniB unb
Stü(iftönbigEeit gu fcbliefeen. •
Sm gangen alten ©ermanien baute man lieber mit Sebm. 2ßo aber ber nur feiten
eintretenbe gall borlag, bafe man einen fcbmeren ©teinbau auffübren mollte, mie ben
iSobIftäbter jturm, ober menn man einem ©emöuer gang befonbere geftigEeit geben
mpHte, mie bei ber SBallbefeftigung in ©ungenbaufen, bon ber jprofeffor ©ibam^ be*
rietet, ba baute man aud) mit ^aIEmörteI. S)a§ mirb an ben Orten, mo ber eigene
S8erg ben ^alE lieferte, mie in ^oblftäbt, häufiger gefi^eben fein al§ ba, mo man ihn erft
bon meitber beforgen mufete.
SIm ebeften ift jebenfallS ber ^alEbau für bie ©r unbmouer n ber Käufer oE*
gemein gemorben in ben lebten germanifcben ^abrbunberten (500—800).
®er ©ungenbaufener gaE, mo ber germanifdie Urfprung beg. SSaEgemäuerg alg
ungmeifelbaft nocbgemiefen ift, geigt mieber, mie taub fidb unfere Seit gegen foldbe auf*
EIärenbe i)tad)rid)ten über germanifcbe Singe berbält. 3Bir bürfen gefpannt fein, ob
bie burcb ben SIjtfunb beftätigte germanifdbe ^erEunft ber ^oblftäbter ^eibenEircbe be*
aditet merben mirb (fiebe unten). ; : ^ ^
Sie Sunb*3trcbäoIogie ift Ieiber nid)t in ber Sage, ihre Strbeit ouf bie ei g e n t-
Ii dl en ©tä 11 e n be§ Sebeng unferer SSorfabren, b. b. Quf bie alten JSouernböfe
auggubebnen. Unfere SSorfabren fafeen einft genau auf ben augermäblten beften 5piäben,
auf benen noch febt unfere älteften Sauernböfe liegen, ©g ift imSaufe ber ^abrbunberte
Eaum jemalg meber in frieblicben noch natb Eriegerifcben Seiten einem IRetbtgnacbfoI*
ger eingefaEen, ben bergeridlteten ^ßlab freiggugeben. ©elbft bon ben fogenannten
müften .göfen, bie nach ber ©ntböIEerung beg SOjäbrigen ^riegeg liegen blieben, finb
natürlid) gerobe bie älteften, aifo beften ©ieblungen, auf bie eg ung aEein anEommt,
mieber gu $öfen gemorben unb Eönnen nidit mehr SIugEunft geben.
Stuf ben mi r EIi cb en SBobnbläben beg freien germänifdjen Säuern bat bober
unfere Slrcbäologie nicbtg g^ fudien unb nitbtg gu finben, ebenfomenig mie auf einem '
alten ftäbtifden ©runbftüde, mo ein germanifder Sorfabre mirEIid) gefeffen btit, ge*
groben merben fann. ■ • '
Ser Slrdäologie bleiben gum ©raben unb ginben tatfädlid nur entmeber bie aufeer*
gemöbniiden, einen fpärliden ©rtrog gebenben, ober bie minbermertigen, ein falfdeg
Silb gebenben ©ebraudg“ unb fEBobnpIäbe unferer SSorfabren übrig. Sa finb in erfter
Sinie bie ©räberfunbe, bie natürlid nur eine über aEe SKafeen unboEftänbige, un*
gleidmäfeige unb mandmol Eläglide ^enntnig bon ber Kultur eineg ©efdledtg ber»
mittein Eönnen, gumal fie nod) obenbrein gänglid 'ber ©Ute ber Sotenbeilagen unter*
SonefponbenäBIatt ber Etl^nologie u. SSorgef(btc§te,
. 18ouern^)öfe;
ftel&en. ®a§ ift eine Sitte, bie 3. S. in ben bord^riftlic^en ^atir^iunberten in Oerma«
nien al§ Sultbroud^ erlofc^en tnar, ebcnfo toie mir fie ja and) je^t nitf)t tiaben. (Sin auf
©räberfunbe gegrünbeteS ^ultururteil über uni toäre ein nicf)t größerer Unfinn, ali er
fid^ jefet, ermöglicht unb beförbert burch ben SKangel an (Sräberfunben, in bie SSeurtei*
lung ber bordiriftlichen germanifchen ^ahrhunberte eingefdhlitfieu^ hat.
STufeer ©röbern burchfucht ber toiffenfchaftliihe ©baten nodh iJiebenfieblungen ber
Änedhte unb fleinen Seute, SZot* unb gluchtfoohnungen für unruhige Setten u. bgl.,
beten Sunbe ein gans falfdöei^ßulturbilb geben müffen. ^asu fommen Säger, ffling-
möße unb Si^hiagblähe, too bai giaben fdhon um ber Stuibehnung miHen einen feltencn
©lüdfifaß hübet, fo bafe ein grünblicheS, fhftematifchei ®urchfu(hen bei gansen ißlahei
meift gar nicht erft unternommen toerben Jann. Sdhliefelich finb noif) bie bielleidht am
eheften brauchbaren, auf tieinen 5ßlah befchrSnften Sonberfultftätten su ermähnen,
für bie fich aber STuge unb ^ntereffe noch nicht eröffnet hat. ®ai hier ©efogte gilt bon
oßen SBobenfunben; unter ihnen mufe ben Steinbenfmölern unb ben SJtauerreften no^
ein befonberer ?l5Iah eingeröumt merben. :
@i ift eine bittere SEahrheit, baB heute auf ©runb bei ermähnten S^rtumi über
germanifchen 2)?örtelbau in unferem SSoterlanbe ungeaähltei SWauermerf, melchei in
SBirfli^feit feine (Sntftehung ber ©efchidlichfeit, bem gleife unb ber eigenen tSau«
meife unterer SSorfahren berbanIt, fobaIb fie neben unb 3u ihrem ^olabau auch jbtauer-
merf gebrauchten, bon unferer SBiffenfchaft bem beftimmenben (SinfluB ober auch ber
Strbeit grember augefchrieben mirb, entmeber ber granfen ober, menn frühere ©nt-
ftehung nicht geleugnet merben fann, ber
S)er fonferoatibe beütfche JSauer hat in bielen ^ahrhunberten bii ini borige ^ohr*
hunbert feine Sebenimeife menig, feine $8aumeife nachmeiilich gar nicht geänbert. SIuch
bie ^ouigröfee ift bü ini borige ^ahrhunbert nur menig beränbert, fo bafe beim 9teu«
oufbau ber ©ebäube bai borhanbene @runbmauermerf mit benuht merben Eonnte.
5Die ©röfee mar meift bur^ bie natürlichen SSerhältniffe bei ^ofei borgefchrieben.
Safe unfere germanifchen SSorfahren fchon 3ur Seit iWorE SEureli (2. ^ahrh- n. ©h^O
genou biefelbe SachmerE-SSaumeife gehabt haben, mie mir fie jeht noch in nieberfächfi”
' fchen Dörfern finben, bafür haben mir erfreulichermeife ein gans unmiberleglichei
Seugnii burch ein $8ilb auf ber fogenannten iWarEuifäuIe. ®i seigt römifche Solbaten,
bie germanifche Scheunen (biemenartige illunbbauten) ansünben. §m ^intergrunb
fieht man einen S^eil einei SBohnhaufei, melchei idh im SEuifchnitt bringe; unb 3um
SSergleich baneben ein feht noch ftehenbei Eleinei gochmerEhoui oui ber 5Zähe Setmolbi.
(3Ibb. 39, auch 2lbb. 78). bringe au^ bai mir üon §errn iProf. German SBirth
freunblichft 3ur Verfügung gefteKte S3ilb einei friefifchen 33auernhaufei (Slbb. 40). $ie
gleiche, üielleicht noch größere 3BeibefIäche bei an biefer Steße fefehaften alten griefen
ernährte Oor 1200 fahren ben gleichen SSiehbeftanb, b e r i m SB i n t e r unter
S)ach 3U b t in ge n mar, mie heute. S)ie SSeftimmung unb Einrichtung be§ ^oufei,
für SlJenfchen unb SSieh 3ugleich, Eann gar nicht einfacher unb Eaum anberi gebacht
merben. SEuifehen unb ©röBe mußte alfo ungefähr fo fein, mie ei fich bann burch aße
^ahrhunberte erhalten hat. 3)er UhEebort auf bem Sache 3eugt ebenfaßi bon bem bü
in bie Urseit surücEgehenben SEIter biefei Shbi. SWit einiger EinfchränEung ift ba§-
felbe bon ben SEcEerbaugegenben su jagen. Sementfbrechenb mufe fich unfere SSorftel-
Eung bon bem SEuifehen germanifcher Sörfer unb ®öfe geftalten.
108 7. ®o§ fultiicifte ©teinbauloerf tit ^of)Iftübt
Sn bcn teeitereii erlnägunflcn äu btejer @adbe befd)ränfen hnr iin§ am rtd)tigften
auf ba§ 0adbfenIoub, toeil Ijter bas Snbr 772 mit ®aare§fd)ärfe al§ SettQrense ange>
geben merben fann, bor ber e§ hier feine unfreitoillige Sinbening ber germanifdben
©igenfultur gegeben bat. Xie älteften ©teinfircben finb im @ad)ienlanbe um 800 ge=
baut, fttiemanb bot infolgebeffen etma§ bagegen, fonbcrn feber bölt e§ für felbft-
nerftänblid), baft bie au§ bem 9. Sobrbnnbert ftammenben ^auSgrunbmauern al§ ge=
mörtelt gebadbt merben müffen. Stber, menn eine foId)e fPJauer bem 8. Sabrbunbert
3ugefd)riebeu merben foC, bann beifet e§ „unmöglid)"! ^armlos befinben fid) fluge
3Ird)äoIogen, auch Sfutoritüten, im ©efolge einer ber größten fulturgefd)i(^ttidien
Srrungen, bie mir in biefem 2)ogma erblidfen müffen. @ie hoben es mobl oueb logifd)
nod) gar nid)t burdigebadft, bafe fie bamit einen Jlulturfd)ritt eine§ gangen 2anbe§ bon
ber btofeen 3tnmefenbeit einiger 2>Jiffionare abböngig mad)en, uiib audb ba§ niebt einmal
unbefdmänft, fonbern bon ber Stnmefenbeit römifd)=fränfifd)er ätfiffionare, unter 3tu§'
febnitung ber iro=fd)ottifd}en. $enn
bie frünfifd)en .Ü'riegSfnedite hoben
etma§ anbercä getan, nl§ bie ©acbfeii
gnr fd)IeunigenSlnmenbnng be§ 2)?ör=
telbnue§ 311 beranlaffen.
2!er gange ©ebanfe an eine ©in-
fiibrnng be§ ibtörtelbnug unter foI=
d)en ®ebingungen iinb Umftanben ift
ein $obn auf bie $enf* unb 3Befen§=
art be§ nieberfädffiftben ®auern. S)er
©ebanfe fann nur in ftöbtifdben fir¬
nen entftanben fein, unb aud} in
St66.39. gacbmerfmänbeimSO. unb2.Sabrbunbcrt «»§ einer Senfmeife ber=
au§, bie burd) iabrbunberteIangeS3er=
unglimbfung be§ bordiriftlid^en ©ermanentiimS feiteng Birdie unb $umnnigmu§ ge*
febaffen mar. 2I[§ ob ber nieberfüd)fifd)e Söauer be§ 9. Sohrhunbertg nid)t§ ©iligereg
unternommen hätte, nl§ ba§ bäterlid)e $au§ niebergureifeen unb auf gemörtelten
©runbmauern mieber aufgubauen!
©rfiillt bom ftärfften aWifetrauen gegen feben ©ab, ber au§ ber alten 3fnfd}auung
beraug germanifebe Äulturleiftungen in Stoeifel giebt, mar eg unfer SSornebmen, an bie
mid)tige 50aufrage gunödjft einmal unbeirrt bureb irgenbeinc Sebrmetnung mit ©r*
mägungen berangutreten, bie fidb ouf unfere gef(bid)tli(be unb bfi)d)oIogifd)e ^enntnig
beg ©ermanenbolfeg griinben. ®ag ©rgebnig ift; ©djon in ben bordjriftlidben Sobt*
bunberten hoben unfere SSorfabren ©teinbauten unb aud) ©teinbauten mit fPJörtet
aufgefiibrt, m 0 a u ^ immer fie e g a I g © r g ä n g u n g i b r e g ^ 0 I g = unb
Sebmbnueg für nötig ober ermünfdbt hielten. $aber müffen je^t in
®eutf(bIonb, in erfter Sinie unter ben älteften Sauernbäufern, aber aud) fonft, nod)
Staufenbe öon gemörtelten unb nnbereu aifauerreften gu finben fein, bie ber germani-
fd)en 3eit angebören.

Seht erft mollen mir nad) ber Segrünbung fragen, bie bie Sßertreter beg ©abeg öon
ber nicbtgermanifd)en ^erfunft aller SKörtelbauten für ihre SWeinung in bag gelb
Sunbbetüeife 109

5u führen bt^ben. ®iefer oft Oerfäumte 3[i5eg, erft ^larfieit über bie ©efamtloge gu
fd^affen iinb bann an bie Siritif Oon Säben beranautreten, bie ben 5fufürud) machen, in
ba§ ©efamtbilb fef)r beftimmte ©inaelftridbe einaufügen, emüfieblt fid) befonberg benen,
bie baau neigen, fidb mit Sebrglänbigfeit anfrieben an geben.
®ie Segrünbung lautet: 5lIIe au 3WörteIbauten gehörigen ®obenfunbe finb nicht
älter al§ fränfifch; barnm finb andi bie Sauten felbft nid)t älter.
^dh höbe mir Oorgenommen, mid) in ben ©peaialfragen ber ©patenmiffenfdiaft benen
nnterauorbnen, lüeld}e fid) feit langer ntit ihnen befdiäftigt haben, meil meine

3tbb. 40. griefifche^ Sauernhau^

Stnfgabe ber Seherrfdhung ber ©efamtfragen gerabe grofe genug ift unb idh midh in
meinem Stlter nidht nodh mit ben ©inaelheiten ber 2)^ufeum§fdhähe befaffen fann. Db-
tüohl e§ fidh in Oorliegenbem Dberfahe bei meitem nidht mehr um eine ©peaialfrage,
fonbern bereite um ein fehr allgemeine^ Oom meltanfdhaulichen ©tanbbunft ftarf be¬
einflußtet Sßertnrteil honbelt, unb obmohl auch bon fad)männifdher ©eite bie aller*
größten Qtveifel gegen ihn erhoben toerben, fo min idh ihu bodh einmal alt richtig
unterfteden.
©elbft menn et rid)tig fein foHte, bafe ade Sobenfunbe in SKörtelbauten nidht älter
aB fränfifd) feien, hab^n mir nur eine 3BahrfdheinIid)feit, feinen Semei§ für bie ge*
aogene ©dhlufefolgerung. S)urdh Sobenfunbe fann nur bat 3Winbe ft alter eine§
@ebraudh§orte§ feftgeftedt, niernaB aber ermiefen merben, bafe ein ©ebäube nicht
früher erbaut ober ein Ort nidht füher in ©ebraudh genommen ift.
&t mirb augegeben, bafe ein bauernbeg ?Jid)tfinben älterer ©egenftänbe in 3u*
fammenhängen, mie fie hier Oorliegen, immerhin ben ©ebanfen an ihr 9?id)tt)orhan*
HO 7. S)a§ fultiftfie ©teinbautoer! in ßol^Iftäbt
benfein im SSoben na^elegt, unb bafe ein aUgemeiheS foIc^eS D7idE)tbort;anbenfein inie-
berum ben ©tfilufe autf) auf ein füiebogetoefenfein ber ©egenftänbe imJSoben toie über
bem Soben auläfet. SDarum mürben mir eine Seftimmung ber öltefien 2JJörteIl&auten in
©ermanien al§ „frönfiftfi" oI§ eine smar gemagte, aber bocf) mögIicE)e Datierung ahi
feben, menn bie Seftimmung „fränfifcb" 1. nur aeitlidb, nicf)t bolflitf) gemeint märe unb
menn biefem gacbauSbrucEe 2. eine gemiffe bertrouenSmürbige ©idierbeit innemobnte.
SIber beibeS ift mitnidbten ber gaH. ' : ■ ■
„gränfifdb" al§ orcbäologiftfier SerminuS ift ein boaftänbig unfitfierer, aufgebläbter
©cfimammbegriff, melcber ametfs ©efunbung unferer Slrcbäologie (nebft bem SSegriff
„merorningifcE)") bon einem ftarfen Strme fobalb alB möglicb im SKeere erfäuft merben
müßte, ba mo eB am tiefften ift, um burcf) mebrere ri^tigere gacbouBbrüde er»
feßt aumerben.;•
Stucb bieienigen Sbrdbäologen, meicbe baB fbtörtelbogma unb fonftige fbtißbräucblicb'
feiten ablebnen, feben ficb geamungen, mit bem nun einmal eingefübrten gadbauBbrucC
„frönfifd)" in gemobnter SBeife au arbeiten, meil ia nicht Jeber ein fJteformator fein
fahn; fie bflegen au betonen, baß' „fränfifcb" für fie nur ein Seiißeötiff fei- SIber baB
nüßt unB nicbtB. ©§ bleibt babei, baß unter „fränfifcb" fomobl bon gacbleuten alB auch
bon ber gefamten Saienmelt nicht nur eine Seitfieriobe, fonbern bie bölfifche ^er»
funft berftanben mirb, unb atonr nicht etma bie. $erfunft bon ben germanifchen
fWain? unb JJtheinfranfen mit beutfcher ©brache, fonbern bie ^erfunft ■ bon ben
in romanifcher. Kultur» unb ©brachentmidtung begriffenen 3Ö e ft f r a n f e n ÄarlB,
feiner SSorgäiiger unb feiner nächften 97achfoIger, bie aüm 2:eif ober, gana ouf beut-
fchem'SSoben hbuften.; .: : V • V
2)er archäologifche begriff „fränfifch" ift ein nachläffigeB JöeguemlichfeitSbrobuft ber
miffenfcßaftlich noch höchft ätoeifelhaften Söemühungen ber archäologifdßen SInfangBaeit,
alB man fanb, baß aahlreiche Ofunbgegenftänbe ber germanifdien Sänber gleichartig
moren mit Sunbgegenftänben fenfeitB beB ffiheinB auf meftfränfifchem S3oben. fBe»
fangen in ber .göherfcbäßung beB fremben, romanifchen JfönnenB gegenüber ber felbft»
berftänblich minbermertigen germanifd]enifultur, mären jene SJtänner auch nicht einen
SCugenblid barüber im Stoeifel, baß fie folcher fid) aeigenben gemeinfamen 5iultur bei»
leibe nicht ben ©tembel eineB germanifchen ©tommeB, fonbern ben m e ft f r ä n »
f i f ch e n ©tembel aufbrüden müßten. , ^ f .
©B mag fein, boß bie größere unb mertboHere Suhl ber gIeid)ortigen ifulturgegen-
ftänbe ihren SBeg bon ©aUien nach ©ermanien genommen hut, ober eB mag umgefehrt
gemefen fein, — eB fommt mir hier aunädhft nicht auf ben abfchäßenben SSergleich beB ^
JiuIturfleißeB ber beiben SBöIfer, fonbern auf bie ©rmeifung ber grunbfäßlichen ^rrig»
feit beB miffenfchaftlichen SerfahrenB an; — eB mag fich auch fchon bomalB berfelbe
SSorgang mie heute ooHaogen haben, baß bie ©ermanen bie ©runbibeen ber üultur»
fortfehritte fchufen, baß aber bie ßraftifch bemeglicheren SWifchböIfer bie brauchbare
SIuBmertung erfanben unb bie ©raeugniffe unter ihrer ©tifette ben ©ermanen aurüd»
lieferten, — mir miffen eB nicht; eB mag fchließlich auch fein, baß biele, unberfennbeir
ben römifch=italifchen ©influß aeigenbe ©egenftänbe nicht auf bem Ummege über
fyranfreich, fonbern burch bie bireften germanifch'italifchen Seaiehungen noch ©er»
monien,gefommen finb, — auf f eben gaC bebeutet bie oHgemeine girmierung
„fränfifch" in ihrem bölfifd) berftanbenen ©inne ein oberflächlicheB S;un unb in ihrer
„gränfifc^'.'unb „merotoingifd)" , ;
aSirfung eine gerabesu ungel^euerlidie ibeeHe ^^ulturBeraubung auungunften
be§ @ermarientum§ unb .sugunften/beS SSeftfranfentumg.' v ,
unglüdltcfier unb unfinntger, toenn aucB toeniger Bebeutfam, ift ber Sfugbrud
. „nterotoingiftf)", Inomit ber EfJome eineS löngft ungermaniftf) getoorbenen §errfifier<
gef(BM)te§, toeld)eg auf allerunterfter Julturlid}er (Stufe genannt au toerben berbient,
mit bem fliuBnt Be£)ängt tbirb, ein fulturlic^er SeBrmeifter be§ Oermanentumg ge-
toefen-au fein.'
®ie Hoffnung, bafe bie 2IrcE)öoIogie fiif) in ^ürae ber berberBIicBen Selaftung mit
falfcBett- gfn^QuSbrüden, löngft ernannten jai^Iicfien S;rugfcE)Iüffen unb üBerBoIten
fßrobiforien enttbinben fönnte, ift gering. gehört betau ein üBerragenber aJiann mit
eifernem Sefen. SIBer eB feljlt boc^ nicf)t gana bie SSorarBeit für ben ffteformator. SDaau
redine idi au(§ ^afoB-OfriefenB „©runbfragen ber SIItertumBtoiffenfcfiaft". S)oäu ge>
Bören SJiaBnungen toie bie ©diuBntacBerB^; „SSenn ibir eine fidlere ©runblage ge=:
ibinnen hJoIIen, fo Bebürfen toir meines ®rad)ten§ einer tbeit fcBärferen SidBtung ber
borBanbenen^arcBäblogifcBen Sunbe, olB fie BiBfier gefdieBen ift." ®ie fPiafinungen
Blieben im allgemeinen unBeaiBtet. ^offentIid)'f)Cit ^aloB-griefen Befferen ©rfolg.
Sfbgefeben üon ber SSöIfermifeBanblung burcB ba§ (SdierBengericBt Belaftet fid) unfere
fonft fo berbienftboHe SlrcBäoIogie biel au fe^r mit einer aBfoIuten ©Bronologie. ®enn
biefe ftebt in ber fortlböBrenben ©efaBr gönalidieb SufammenBrucBS, äf)nli^ nie ba§
nodB in unferen ßalenbern auftretenbe iübifdie ^aBr 5689 „feit ©rfdaffung ber SSelt"
läcBerlicB gelborben ift. SBenn fotooBI bie (Sd)uBfäd)er ber „Kulturen*' alB aud) ber
„fßerioben" in bem BefcBeibenen SInfeBen alB borläufige SfrBeitSBBPotBefen aur
Orbnung bon SSobenfunben geBalten toürben, fo mürbe niernanb etmaB bagegen ein-
menben; aber' nenn fid) auf iBnen bie ^Beurteilung bon SSöIferfiBen, SSöIfergefdiiden
unb SSöIfcrtönnen aufBaut, bann ift eB nid)t au bermunbern, nenn fid) erftaunlid)e
Singe ereignen. ©ermanif(de Stämme merben bon einer ©de beB SSaterlanbeS in bie
onbere gejagt, S9urgen merben amifcBen „römifdB" unb „fränJifd)" Bi« unb Ber gc-
morfen. SIItfcBieber mar erft römiftB, bann pIöBIiitB fränfifd)’, beBgleicBen ber ©(Bülten-
Bof Bei SBerfenBrüd, gtuHe u. a. m. SaB foIiBe ar(BäoIogifd)en ©brünge, bie fid) üBer
ein BnIBeS ^aBrtaufenb beB unB näcBftliegenben borgefd)iddIi(Beu 3eitaIterS glatt
BinmegfeBen, mufe unB bo(B bie Slugen barüBer öffnen, bafe Bier in ber SlrcBäoIogie
etmoB nid)t in Drbnung ift.
ein maBrereurtiBroufcB fieBt üBerall bon ^arl erbaute ^iönigBBöfe, mo fid) SBnliiB-
feiten in ber tBaumeife ober in ben gefunbenen ©egenftänben aeigen, — als oB fi(B
ni(Bt SKoben unb SBeifen fomoBI im SBauen alS aud) in anberen Singen amifiBen ben
JßöHern BerüBer unb BinüBerfd)öbenl
Wit boHem dlecBt lönnte jemanb BeBaubten, bafe ja bie bermeintlicBen fränfif(Ben
eigentümlicBfeiten gerabe fo gut in ©ermanien iBren Urfbrung BaBen fönnten, unb
bon ben SBeftfranfen übernommen, ober aud) fd)on einige ^aBrBunberte früBer auB
©ermanien mitgeBrad)t feien. Sann mürbe biefe SSeBaubtung atoar ni(Bt au miber-
legen fein, aber ber Säfterer ber Beiligen fränfifd)en Kultur mürbe bon ben f^ronJO’
manen übel augerid)tet merben..
©in BübfcBeB Seifbiel ber granfomanie bietet bie Sfola © a I a im SBüringfd)en.
Sie ift eine SöafferBurg mit Bebeutenbem dRauermerE, beren Urfbrung auB anerfann-
> SPtäBifior. geitWuft 1914, VI. ■
112 7. 2)q§ fiiltiirf)e ©tciubainuerf in fi’obiftäbt

ten ©rünben alg t) o r farolingifd) angeieben iüerben mufe. 316er in ber grunbfäb*
lieben SIbneigung, foicbe in ©ermanien norgefnnbenen Seiftnngen nun and) big suin
tuirflicben ©egenbeineife, tiüe eg anftänbigertueife anbern Sölfern gegenüber üblidb ift,
5unäd)ft einmal alg germanifd) gelten 511 laffen, mirb bie S3nrg alg „ineromingifd)'' er»
flart, obgleid) bei ben 3Kerort)ingern feine berartige 3Set;n)enbnng Don Söafferbnrgen
befannt iftl Ilm einen Sliigtueg ift jebod) ein rid)tiger granfomane nid)t berlegen: bie
meromingifd)en granfen ftamrnten ja ang bem ©aalelanbe unb batten bie SBafferburg»
funft gtuar ni(bt tueiter geübt, aber bod} im ©ebäd)tnig bebalten!
3ßir finben biefe 3[rt Serirrung and) bei fo felbftänbigen Senfern tuie StübeF.

3(bb. 41. ^er 31jtfunb öon ^oblftäbt

6r jagt: „Überbauet l)at man bem 2^t)bng ber föniglid)en Gurteg bort näher 5U
treten, mo römifibe 3tnlagen auggefd)Ioilen finb."' Sie b a 5 lu i f d) e n I i e g e n b e n
700 ^ a b r e g e r m a n i) d) e n S e b e n g unb g e r m a n i f d) e n @ ch a f f e n g
merben bemnacb überbciupt feiner 97acbfrage unb Prüfung
gemürbigt!
2ßag bie Dielen ßöniggböfe anlangt, bereit ^arl aüerbingg alg glDingburgen be»
burfte, unb bie bann einfach afg „fränfifib'' beseiebnet merben, fo ftanben ^arl genug
unb übergenug $öfe ber Dertriebenen fäd)fifd)eu ©bleu unb greien für biefen gmed
äur Verfügung, ©elbft bie bereitg DoIIaogene S^aufe fd)übte ja nid)t, menn ber J?önig
einen ^of haben tuoHte (Dgl. 9iübel). ®ie S^^hl ber 97 e u b a u t e n in ber farolingi»
fd)en mufe aug ©rünben ber 3ßitgefd)id)te alg eine überaug geringe ange»
nommen D^erben. ^m allgemeinen merben bie <S'önigghöfe germanifebe ^öfe getoefen
fein, an benen bag Sebürfnig unb ber ©efd}mad ber gremben geänbert h^t. Über
Diele föniglidte 3lnorbnungen unb 2!Bünfd)e merben mir in ben Gabitularien ffarig
^ 91übel, ^ie granlen.
UrteilSbebingungen ^ > 113
be dini§ unterridE)tet, — fii§ l^in 3u ben ©emüfen unb SItifelforten, bie ber bon ©in-
barb al§ fd^toerer ©ffer gefdjilberte J^önig anftatt ber Ianbe§ü6IidE)en ©orten auf feinet
. unb feiner ^ofleute S^ofel felgen tooltte.:;
©ine tritifdöe 9^acf)tJriifung ber ^ulturleiftungen be§ farolingiftfien SeitalterS ge¬
langt au bem ©rgebnis, bafe bon ber lebten großen SSertbüftung be§ ganaen ©adtifen-
Ianbe§ im ^aljre 795 an (bgl. ©infiarb SInnal. 795) big au öen unter Subtoig einfe^en-
ben unaufbörlic^en ÜBirren nur friabb 20 ^afire leiblich ruhiger ßulturenttoidlung
liegen, ©ie reichten aud) fcbon aeitlicf) nicfit entfernt au§, um bon einem ßulturauf-
fcblbung reben au bürfen.: JÖIiden mir, toie eg erforberlicb ift/ baau auf bie inneren
, Suftönbe beg SSoIfeg, fo fann umgefebrt nur bon einem aKgemeihen ^ u 11 u r r ü cf •
gang unb ©lenb in ber farolingifcben ißeriobe bie iftebe fein, bon bem aHerbingg bag
©ebeifien ber fid) fernen üntertoerfenben großen ©runbberren unb ber römifc^en
.mrebe eine Stugnabme bilbet. 3Wit benfbar größtem 3ftedE)te unb na^ feber üticibtung
bin berbienen bie barauffolgenben 3% Öabrbunberte ben ■97amen!ber ■ „b unf Icn
§ a b r b u n b e r t e". Sie langfame ©rbolung aug ber SBoIfg- unb ^ulturbernicbtung
burdb bie S23eftfranfen ift erft um llSO unter ßotbar fo lDeit gebieben, ba6 ein aSoIfg-
überfebufe aur SBieberfoIonifierung beg Ofteng borbanben tnar, unb bafe ein überfdöuß
ber Kräfte ficb au Sluggang beg 12. ^abrbunbertg an ber unglücEIicben ßreuaaugg-
bolitif beteiligen fonnte.
SIngefiebtg ber ©teHung, bie ein Seil ber Stltertumgibiffenftfiaft aur germanifdben
Kultur ber borfarolingifcben ^abrbunberte einnimmt, toaren bie obigen Slugfübrun-
gen unbebingt erforberlicb, um ung ben ©tanbbunft au bermitteln, bon bem oug ein
SSautoerf ibie bie ßoblftöbter iftuine au beurteilen ift. ©o erft ift bie Sabn frei für
unfere Unterfucbungeri, in toeIcben SIbfdfinitt ber borc£)riftIicE)en Seif ihre ©ntftebung
fönt, unb au meinem befonberen Stoede fie gebient haben mog.V V
Sur aSeanttoortung ber erften grage toirb bie ©batentoiffenfebaft ein getoiebtigeg
SBort hoben, fobalb ficb unfer bringenber SBunfdb nach grünblicber Surebfuebung beg
mächtigen ©ebutteg erfüllt. ; : ' ■ • ^ "
^ Ser gunb etneg ©feletteg in fibeiiber ©teHung rebet bon ber getooltfamen Ser-
ftörung, fann ieboeb über bag Sllter niebtg augfagen. SIber icb bin in ber Sage, bon
einem bor toenigen SBodben oug ber oberen'©tfjicbt beg ©tein- unb’SWortelgeröIIg
innerhalb beg ©emöuerg berouggebolten gunbe berichten au fönnen, ber möglicber-
meife bereitg für ficb oHein bie Stuffaffung bon bem ©ntftebunggalter ber Sluine in ben
borchriftlicben ^abrbunberten ©ermanieng auf eine fiebere funbarcböologifcbe ©runb-
lage ftellt. ©g ift ein toabreg fpracbtftücf für SKufeen, eine 2*72 ißfunb febtoere STi'l oug
blafig geroftetem ©ifen, bie mitibrem gormebarofter ohne Querlocb, SüHe unb Söngg-
lod) bag unberfennbare SWerfmal ibreg borgefcbiditlicben Sllterg on ficb trägt. Surdi
bag ftarfe geuer bei ber Slugbrennung begSaueg ift bag ©ifen mit ,@IafurfcbIocfe um>
bünt toorben, bie aur ßrboltung beigetrogen bot. ^m übrigen bat bie Sljt bie heutige
gornt, bie nach ©berf auch febon gegen ©nbe ber Sateneaeit, oifo in ber römifeben
ftaiferaeit, auftritt. Sie ©cbaftlocblofigfeit fönnte fogor noch ein höhere^ Sllter ber-
muten laffen. STuffälligertoeife ift nach SWeifener^ in SJfittel- unb SBefteuroba bie
bereitg.borbonbene burcblocbte gorm toäbrenb ber Bronae- unb ©ifenaeit toieber in ben
-©intergrunb getreten. Stach ben mir äuteir getoorbenen Slugfünften fd}Iiebt bie
‘ §oo^)§ SKeallcEiton b. g. St/ I 147 ff. 7 (£beit§ tReallejilon I 292. . ^ :
8 Xeubt, (Sermanffd^c ^etligtümec
114 - 7. 2)a§ Mtifcfie ©teinbautoerf in Äobiftäbt
@(f)mtebete(f)mf hier ein ^albfabriM böHig au§, unb ift beute eine genauere Seit'
beftimmung be§ (gifen§ auf (Srunb ber 3MateriaIbef(f)affenbeit noch nicht möglicbr
bringe bie Slst in Slbb. 41. ©ie tuurbe am 13. 7, 1930 üon ®ertn SBerner Süfterfiel
gefunben. Su ernftlidben Grabungen fehlen noch bie SKittel. ©dhon feht aber haben
toir ba§ 9fe(ht unb ben SInlafe, ernftlidh nach ber g e r m a n i f tf) e n SSeftimmung be§
rätfelhaften S3outDerf§ 3u fragen.

ßbenfo mie für bie (hriftlitfie, fo fommt auch für bie borihriftliäie Seit eia friege»
rifcher ober techniftfier Stoeci be§ 33au§, ober eine Seftimmung al§ getoöhnlidhe SJien-
fchentoohnung nicht in betracht. Sagegen toirb ber ©ebanfe an einen f u 111 f d) e n
Srtieii toa^erufen, folnohr burch ben 37amen ber iRuine al§ „^ünnenfirche, Reiben*
firche unb alte Kirche", — (bie hoch feine chriftliche Kirche getoefen ift) — al§ aud)
bur^ bie ertoöhnte Sage be§ S8aue§ auf ber fultifchen ©jternfteinlinie. Ser ©ebanfe
hjurbe lebenbiger, al§ in ber 97ähe toeitere Heiligtümer au§ bem Sunfel auftauchten
unb fid) bie§ gange ©ebiet an SibbectueHen unb 0§ning mehr unb mehr al§ bie heilige
Tlatt ber gemeinfamen ^ultftätten ber öerbünbeten germanifchen ©tämme offenbarte.
Sie berühmteften religiöfen Stötten bei ben ©riechen toaren Stötten ber 3Bei§*
fagung. Sluch in ©ermanien gab e§ SBeiSfagung. Sar Seit be§ ^aifer§ SSiteHiuS,
69 n. ©htv toohntebie Seherin Sßeleba in einem S ü r m an b er S ib b e, auf ber ihr
al§ ©efchenf ein Sreituberer augeführt lourbe. Sollte bie ßohlftöbter (Ruine biefer
Surm fein? Sie atDeifelnbe grage, ob man fich einen Sreiruberer auf ber Strote an
ber Äohlftöbter Sluine benfen bürfe, hielt mich bon ber 3Innahme gurüd. IRunmehr
: aber hat @ u g e*n 3B e i burch feine Stubien über ben ^ u 11 d) ar a f t e r b e§
S chif fe§ bei ben germanifchen SSöIfern bie toohlbegrünbete Söfung be§ (RötfelS ber
^ohlftöbter (Ruine al§ SurmberSSeleba gefunben, unb bie Überlieferung (ffiaffer*
bachS'beftötigtfi^.;,
^ch bringe nach SacituS gunüchft bie gefchichtlichen (Radirichten über bie merftoürbige
SIngelegenheit ber Seherin unb ihre§ ©chiffe§. Sa§ mittlere ©ermanien mar feit ber
großen (Rieberlage ber (Römer unter @ermanicu§ am SIngribariermaG im ^ahre 16
frei, aber (Rhein unb Sonau lag nach mie bor unter bem Soch- S)a gab im ^ahre 70 ber
(Sataber © i b i I i § bie Sofung gum (SefreiungSfamhfe aus:
,,©§ foG fortan erlaubt fein, bah mir beibe Stromufer bemohnen, mie einft unfere
Sßorfahren; mie bie (Ratur aGen (tRenfdien ba§ Sonnenlicht unb ben Sag, fo hat fie aGe§
Sanb ben Sapferen gum (ßrei§ gegeben. 97ehmt Sitten unb SebenSmeife ber SSöter
mieber an, entfagt ben ©enüffen, burch bie bie (Römer auf ihre Untertanen eine ftörfere
(IRacht auSüben, al§ burd) bie SBaffenl (!ll§ ein reine§ unb unberborbeneS SSoIf, ba§
bie ßnechtfchaft bergeffen hat, merbet ihr gleid)berechtigt unter anberen (ßölfern leben
unb über fie herrfchen."
Sie ^fölner nahmen, bie SCufforberung an unb antmorteten: „2II§ SchiebSrichter
moGen mir ©ibili§ unb Sßeleba haben, bor benen bie (ßertröge gefdlloffen merben
foGen." , • '
Siefe (Beleb a fuchten bie bom Stanbe ber Singe unterrichteten (Römer burch ©e=
‘ ©ermanien, 2. golge, §eft,4 mit Slnlünbtgung be§ 33uc§eä „EmtroHte ©ermanenbilber", “ Sigl. bie
SJorrebe äSaiferBacC^S auf Seite 93 biejea Suc^eb!
aSelebaturm ’ 115
fc^enfe 3uiiefteÄ)en, ober ber bomit beouftrogte ©efairbte SubercuS mufete e§ mit bem
■ Seben, büßen. ' '
SBeiter erfahren mir ouS SlacttuS: „®te aKa(f)t biefer Jungfrau au§ bem Stamm
ber Sörufterer reichte m e i 11; i n , bonf'einem alten SBraucß bet ben ©ermanen, nacß
bem fie biele grauen für ScßicIfalSberfünbigerinnen galten. 2)amal§ mu(f)§ au(f) ba§
Slnfeßen ber SSeleba; benn ,fte batte ba§ ßrtegSglütf ber ©ermatten unb bte SSernicb*
tung ber Segionen üorauSgefagt ... ISie ©ermanen fuhren mit ben erbeuteten Scfiif*
fen gurücE unb bradf)ten ba§ römifcbe SlbmiralSfdbiff a u f b e m S t b t> e f I u ß ber
Sßeleba 3um ©efcßenf... Sie felbft häufte a ii f e t n e m £) p I) e n Ä u r m".
SDte Sthiffbarfeit ber Sipbe für bie bluberboote ber Sitten bi§ 9?euhau§ ift unsmeifel*
haft, bis Sihbfbringe toahrftfieinlidf). Sie 3ohIreicfien Srodenbetten, bie feßt über ben
Senneböchen liegen, .bürfen alS SInsetchen einftigen größeren aBafferretdhtumS beS
SSntng ongefehen merben; ®aher liegt e§ nahe, ein bef(f)ränfte§ Scf]Iehhen ouf ber
Strote (Ähune) bis 3ur Jiohlftöbter bluine, too ber Sallauf beginnt, öorauS3ufeßen.
^eboch auch, luenn auf biefe Stnnahme ber3ichtet toirb, toerben bie Sefer beS ange«
fünbigten SSucheS bon SSeiß fidh überaeugen, baß felbft eine Sa n b Überführung beS 3U'
'bebeutfamem tultifchen Smecfe beftimmten SPrunffchiffeS über bie ■fur3e Strede
bon Sibbfbringe 3um Surm burchouS in Siechnung gesogen merben muß.
Sie lRod)richt, boß ber: ©influi ber lörufterifchen ^jungfrau • fiff) meithin auf bie
'übrigen Stömme auSbehnte, ift für unfere ganse SCuffaffung bon ben g e m e i n •
f a m e n ® e i I i g t ü m e r n bon höchfter' iBebeutung. aSaS liegt näher, als ihren
SSohnfiß nicht im Innern ihres StammeSgebieteS, fonbern in ber iPtard ansunehmen,
ouf bie bie Stömme gemeinfomen Stnforuch hotten, unb toohin bie meiften gelongen
donnten, ohne frembeS ©ebiet betreten 3U müffen? ^ ' V
2Ber mit unS ouS ben oben bargelegten ©rünben bie ^ohlftäbter fftuine als ger»
manifdhen lirfhrungS anfieht, toirb auf ©runb ber flaren Ptachriditen beS SacituS
unterer Stnnahme 3uftimmen, baß mir hier ben 2}eteba»Surnt ober feinen unmittet*
baren Pto^fotger bor unS hoben.
Sei oEen Sötfern beS StttertumS fpieten ©efdhenle unb Obfergaben, bie ber ©ott«
heit für SSeiSfagungen unb bei ©etübben bargebradht mürben, eine gans erhebtidhe
SloEe. 2Btr hoben ©runb ansunehmen, baß eS in germanifdien Sanben ebenfo gemefen
, ift. ^ ber Shrmonter Ijeitigen Duette mürbe bor 30 fahren eine große'Saht bon
SBeihgefchenfen gefunben.
Senden mir unS bie Seherin oben im Surm mohnenb, fo mar ber tür- unb fenfter*
tofe untere Seit ber gegebene StufbemahrungSort für ben mertboEen Sempetfchaß, ben
mon nicht 3U oEen Seiten offen in bem .gofe ouSfteEen donnte. SaS Iduttfdüff mirb
feinen bauernben Sßtaß in biefem ^ofe gehabt haben. Stad) ^erobot mor in Sethhi
ftatt beS SurmS ein Sempet, morauS bann aber auch mehrfach mertboEe Stüde ber=
fchmunben finb.
Unfere Stnnahme, baß ber SSetebo-Surm am oberften Sibpesuftuß geftanben hat unb
feine ttluine unS in ber ^ohtftöbter ^eibendirdje noch erhotten fei, ift nicht meniger be¬
grünbet, otS 3ohtrei(he Stüde ber atten- ©efchichte, bie anftanbStoS in Schuten unb
^o(hfd)uten borgetrogen merben. Sie beruht auf bernünftiger Sufammenftfiau oEer
in Setraiht'dommenben gefdjid|ttichen 9dachrichten, unterer fonft gemonnenen ©rdennt*
niffe unb ber bor Stugen tiegenben Satfadhen.
8*
116 ‘ 7. 5Da§ fMltifcfie @tetii6auft)erf tu S?olöIftQbt

00 ift/ toie mir [c^etiit, ein überaus auftf)auItd)e§ (Stn3eIbiIb entitanbea, meI(f>eS baS ,
®efamtbilb ber ^ultitötten ber OSningmarf in einleucbtenber SBeife faft toie ein un-
entbebrIicfieS 0tü(i obrnnbet. '
©intoenbungen Don Gelang finb/ fomeit ic^ febe, überbauet nicht au erbeben. S03er .
fritifieren toill, irirb in foliben SäEen ftetS SInlofe baau finben. toäre ermünfdbt, bafe
ficb Sehern nur bonn aur S^ritif. fbibten, toenn augleitf) bie langgefudbte ©teile be§
3SeIcba'S;urme§ mit einleucbtenberen ®rünben natfigetoiefen toerben fönnte, als hier-
2)enn, ioo ein Sortfdbritt eraielt toerben foE, ba ift mit biofeer iitcgation nitfitS ge*
monnen.
8. ^eilige 9loffe Don
3 u ben Quellen unferer fo geringen i?enntniffe über bie Sieiigion unferer germa>
niftfien Sßorfabren geboren bte unS überlieferten SIbfcbtoörungSformeln fotoie bie
Verbote nnb SPtafenobmen aur Unterbrüdung be§ alten ®Iauben§. ■ Sie geben un§
glaubtoürbige 9tQdbri(bten über manche au§ bem alten ©tauben ftammenbe ©ebräutbe,
bie fi^ im SSpIfe söb erbielten. ©agegen erfahren mir über: bie eigentlicben ©laubenS»
borftellungen unb ba§ bi§ babin bon ber fßriefterfcbaft unb ben Oberen be§ SSolf§ ge¬
pflegte religiöfe Sun menig,ober nichts. JDie fBorftellungen mären amtliib abgefcbafft,
fobalb baS ©briftentum. bie Qberbanb in einer ©egenb befommen; batte/ unb ihre
aSeibebaltung unb ätufeerung mar mit ber größten ©efabr für Seib unb Seben, §ab
unb @ut berfnüpft. ©in beni alten ©tauben ehtfprechenbeS SCun aber burfte fich erft
recht nicht bemertbar machen unb mar iniRacht unb Stebet/in ben ffiinfet’unb in§ ©e*,
beimniS Perbannt. Sie StuSübung, unb attmöbtidh auch bie j?enntni§ be§ ©dhrift-
mefenS ging bon ben befeitigten germanifchen iPrieftern auSfdhliehtich auf bie ©eift«
tichfeit beS neuen ©taubenS über.. Sitte ©puren unb ©rinnerungen be§ Sitten mürben,
forgfanr aus bem ganaen Sanbe bertilgt. /
Siefer 3bftQnb, in melchen baS germanifthe S3oIf berfebt mar, unb baau ber offenbar.
bon Sftom aufgefteIIe ©runbfab mögIichften ©cI)meigenS über’biefe Singe, ift als auS-
reichenbe Urfadye bafür anaufeben, bafe baS religiöfe Seben ber ©ermanen bor ber SSe-
febningSaeit für unS in ein tiefeS; faft unburchbringlicheS Sunfel gebüllt ift. ©S mag
bietleicht binanfommen, bafe in jenen Seiten ber alte ©taube felbft hier nnb ba bereits
in SSerfall geraten mar, mobur(h bie ©infübrung beS Steuen unb bie Unterbrücfung
beS Sitten erleichtert murbe,:mie eS ja einige ^abrbubberte früher auch in ben tWittel*
meerlänbern ber galt gemefen: mar. ;
Stachbem fchon jabraebntelang bie So^ftörung alter fonftigen greifbaren .Heiligtümer
ihren Sauf genommen batte, gebührt natürlidh auch bem lSefeble Submig beS from¬
men, burch ben bie gefamte borbanbene Siteratur bem geuer überliefert,mürbe, bolte
'SBürbigung — einem SSefeble, beffen reftlofe SluSfübrung mit unüberbietbarem gana-
tiSmuS, entfprechenb ber fßfbche jener Seit als unfroglich angenommen merben mufe.
©S ift ber gleiche SSorgang mie 700 Sabre fpäter in SKejifo.
©0 ift ber bolte UnterbrücEungSerfoIg erflärlich, bah bie Stachfommen eines fbmbol-
freubigen SßoIfeS fogar über bie ©pm bot e ihrer SSöter, gana an fchmeigen bon ben
babinterftebenben eigentlichen ©aubenSborfteItungen, fich in einer: über bie SOtahen
bilflofen unb bermorrenen Unficherbeit unb Unmiffenbeit befinben.. :
, Sobtt:eiche ©hmboIe ber ©ermanen finb fchon in ben Seiten bor ber ©ntftebung beS
©briftentumS in ben Orient gelangt, barunter a. 23. auch bie Saufe, bie S3enebung beS
Sleugeborenen mit SBaffer. Stber maS miffen mir bon ber Soufe unferer germanifchen
SSorfabren? Ungeaäblte meitere ©bmbole mürben, mittig ober burch bie SSerbältniffe
, geamungen, bei ©infübrung beS ©briftentumS in ©ermonien mit in ben neuen ©tau¬
ben berübergenommen unb bermoben. Stber mir fteben bem einer Dftergottbeit ge«
meibten germanifchen grübIingSfefte, meIdheS einem ber brei chriftlichen Houptfefte
gerabeau ben Stamen gegeben bot unb beffen ©puren auf 1000 Sabre hinaus unauS«
löfchtich bem beutfchen SSoIfSleben eingebronnt blieben, mit befchämenber Unfe'nntniS
gegenüber. So, eS bot folche gegeben —ober gibt eS fie noch beute? —, bie baraufbin
118 8. ^eilige Stoffe üon aol>§f)orii

furserl^anb ben ganaea Ofterbieuft geleugnet t)Qben, urteilenb geaiafe beni @ninb-
fci^e quod non in actis, non in mundo, toorüber feine fd)riftnd}e Stitteiinng Oorliegt,
ba§ böt iiberbanbt nidbt ejiftiert.
Stber ancb fo ettoaS ift noch nidd alle§. Stod) fd)Iiinmer ift, ini gälte nun bodb nodb
ein foId}e§ @d)riftftnd fid) binbnrcb gerettet bat, gut be5eugt, mit unfälfdibarem ®e*

ohrMtii cUmodurdpr XVI* —


'%th/rfHuidtit u vrtkn

5(bb. 42. Ofta (giiiibftüd bom ipot)cuftciu)

präge unb mit innerer Über5eugung§fraft, menn bann ein foId)e§ ©diriftftüd nid)t
etma mit befonbercr greube aufgenommen mirb, loeil e§ ein Steuer, bielleidd 511=
näd)ft Unt)erftänblid)e§ bringt, fonbern menn e§ umgefebrt eben locgen be§ Steuen,
Unüerftänblicben abgelebnt unb al§ gefülfd)t erflärt mirb. ftept nidit in ben Sehr*
büd)ern, e§ bedt fid) nid)t mit beni SIßiffenSfcbab ber Slutoritäten, e§ führt and) nidbt bie
bx^ljev beliebten ©ebanfentoege, barum fort mit ihm! ‘äöir fud)en etma§ SSerloreneö,
unb loenn loir ein @tiid babon finben, liienben tuir un§ ab!
2)tag ba§ S3itb, ti)eld)e§ id) bi^xbii im Singe habe, an fid) feine grofee 33ebeutung
haben — ba§ ift mir nidbt ba§ SBefentlicbe; ba§ S^efentticbe ift ba§ Verfahren, mit
Symbole :: /' 119
bem nocö fieute bie @ingang§türen in bie germantfcfie SSergangeni^ett üerriegelt teer-
ben. Um beStotHen Bringe ic^ ba§ S3ilb.
Bringe e§ oBer and), toeil e§ ouf bet einen ©eite bie iegenfpenbenbe Sonne unb
barunter ba§$ufeiien,ba§ glüdBringenbe 5Pf erbeftimBoIgeigt, unb auf ber anbe-
ren ©eite bie 3?tonbfitf)eI auf bem Raupte be§ [ftetf)t§tiertreter§ (frofta) ber SJZonbgott-
Beit unb bamit ba§ gletdBBerecEitigte ÜteBeneinanber ber Beiben ßulte un§ geigt, toel-
(Be§ un§ Bei ben ©jternfteinen inicBtig getoorben ift. Stf) toiH ba§ S3ilb unterfdreiBen
mit einem ber inenigen leSBaren SBorte ber UmfcBrift „Ofta", ®a§ SSort ruft immer*
Bin bie SSermutung toacB, bofe e§ fidB Biet ww eine ©arfteHung ber Ostara Dea, ber
DftergottBeit, Banbelt, bie un§ auf OefterBoIger fSoben Befonber§: angeBt. SSirflicBe
©otteSBilber, SSerfucBe, bie ©ottBeit felBft bargufteHen, fonnte e§ nacE) germanifder
©oite§auffaffung nicBt geBeu; StBer bafe man bie Vertreter unb Offenbarer ber ©ott*
Beit, toenigfteng in ben leBten SaBtBnnberten, au(B BilblicB fid) gu bergegentoärtigen
fuoBte, ift un§ fdion au§ ben alten DbacBricBten über bie ÖrminfuB entgegengetreten,
®a§ einft gefunbene „©tüd ©tein" ift berloren, aber bie Bei ©trad^ auSfüBrIidl
toiebergegebene ©efdlid)te, toie er gefunben unb berloren' inurbe, ift eintoanbfrei. SBer
ba§ asilb ableBneh toiß, fann nicfit bon ißBantafterei reben, fonbern mufe ben SSortourf
be§ S3etruge§ erBeBen^;
@0 feBr e§ eine unbeftreitbare ©rfaBrung ift, bafe man gu geloiffen Seiten, oI§ e§
no(B feine fßBotograpBie gab. Bei ber SBiebergabe bon Silbern feiner SBantafie einen
uBermöfeigen ©Bielraum geftattete, fo bafe bann bie Silber al§ gefölfdlt erffärt tnur-
ben, fo feBr ertoeift fid) unfer Oftü-SiIb, bor adern in feiner UmfcB.rift, auö
. inneren ©rünben al§ unföIfdBar unb BeadtenStoert. S)a§ Bat fd)on ©daumann® in
einer au§füBrIiden SefBredung bes SilbeS bargelegt. Einem gölfdet 'barf nidt
fdledtBin UnbernünftigeS gugetraut toerben. Ein gölfder oerfolgt einen 3h)ed, ber
Bier nur in einer SBütbigung unb Seutung ber Sölfdung in ber bon iBm getoünfdten
9Ud)tung BefteBen fonnte. ©ie Unifdrift entBöIt ettoa gur Hälfte ©driftgeiden, bie
bem Slunenfenner unbefannt finb. Ein Sälfder Botte alfo ba§, too§ er fagen tooHte,
mieberum felBft abfidtlid unberftönblid gemadt. E§ ift unmöglid}, bo§ onguneBmen.
E§ bleibt nidt§ übrig, al§ ba§ Silb onguerfennen unb in ben Bier gegebenen unbe*
fonnten Sunen bie bi§Ber gefudten födfifdenIRunen gu erbliden. ®ie ®auBt=
‘ ©trad, SBegtretfer um ©tlfen. Semgo, TOe^er 1817. ^ ®a§felbe ©trodfBe SuB bringt einen ©tiB,
ber ein an bem JtirBturm gu ißee^en bei SBüdeburg befinbliBeä grobel ©teinrelief al§ ®arftellung eineä
©Bweinä auf bem Dpferaltar mit gwei anbetenben SDlenfBen baneben geigt. ®a bie SBiebergabe beg
in grober §öBe figenben Silbeä ©Bwierigleiten maBte, ift erft in neuefter 3rit burB ben Sanbellon*
ferbator in ^annober ein SiBtbilb BergefteEt morben. @o berwittert ber ©tein auB ift, fo geigt fiB boB
itun mit aEer ®eutliBteit, bag ba§ S8ilb einen SifBof auf feinem ©arge barfteEt. ®a ©trad bie gange
©aBe bem geaBteten fBaumburgifBett ©efBiBt^f^rs'ber ®oEe entnommen Bat, ber felbft miebemm
gutgläubig war, ba er gur SSefiBügung bei gang in berlEaBe Südeburgl befinbliBen Silbe! aufforbert,
fo ^jaht t§ onftanbllol Bmgenommen. SJieine Semüfiung um ©rlongung eine! SlBtbilbcl
war miBglüdt. ®ie fBon bon ®oEe ftammenbe ®cütung ber beiben am Silbe befinbliBenitugeln auf
©onne unb Etlonb unb auB bie fonftigen an bag Silb unb feine Se^anblung gelnüpften Semerlungen,
neBme iB all gegenftanbllog gurtid. bleibt eine rätfelBaBe ©aBe, ba auB Mt noB fBwer gu glau=
ben, baB ®oEe unb ©trad täufBen woEten; efier ift noB anguneBmen, baß ber beauftragte geiBuer
aul ber beträBEiBen Entfernung wirEiB bie ®arfteEuug eineS ©Btoeineopferä gu feBen glaubte. lEuB
bie alten Ejtemfteinbilber geigen, baB man niBt naB ber Satur, fonbern baBeim naB bem ESebäBtnil
gegeiBnet Bat- SielleiBt Batte an ober in ber StirBe wirlliB eine äBnliBe OpferbarfteEung ejiftiert.
“ ©Baumann, ©efBiBte beS nieberfäBfifBen SoHe§, (Ubttingen 1839.
.120 ' : . ■ 8. ,§etnge

fc^toierigfeit liegt -bartn, bofe bie offenBor runenuntunbige §anb be§ SSerfertigerg
ber $ol3BlQtte einen toaBritBeinlicf) bertoitterten ©tein öor ficf) Batte, tooburcB Un-
ricBtigfeiten in bo§ Silb Bineingetragen |inb.
SIucB ber in ben lebten SBorten ber beiben Seilen unberfennBar entBaltene @ n b •
reim — ofta, frofta — tuürbe aurJSericBtigung ber SKeinung bienen muffen, alB ob
bie SIIten nur ben ©taBreim, ni^t audf) ben ©nbreim geBaBt Bätten.
©ine foIcBe neue ©rlenntnig müfete toieberum iBren ©influfe auf bie SlnficBten über
bie ©ntfteBunggaeit bieler aSoIfSIieber auguBen, bie Bi§Ber bem dBriftlicBen fWittetalter
SugefcBrieBen fnurben, bie aber burdBaug ben (Seift beg germanifdBen Stitertumg otmen,
aucB toenn fie bielfatB cBtiftlid) umfrifiert toorben finb. SSenn Bei einer fodBen gor»
f(f)ung — toie burcBanS anäuneBmen ift etto^^^ (SreifBareg Beraugfommt, fo toürbe
bamit eine feBr toertboEe Duelle aur ertennthig ber embfinbuiaggtoelt ber 3IIten er»
fcBIoffen fein. SUor aEem tnurbe baraug aucB bag mit ber ©mBfinbunggmelt beg fEtittel»
olterg nicBt bereinbore 3t o t u r e m B f i n b e n biefer Sieber erflörlicB unb 3um §anb»
leiter in berfuntene ©efilbe; beg ©eiftegleBeng ünferer aSorfaBren toerben. 5Die burdB
Umönberung in bie Sieber Bineingeratenen grembförber finb'bielfadB mit ^önben m
greifen, äBnIitf) toie im 3tiBeIungenIiebe unb in mancBen fbtörcBen.
Xacitug Beratet, bafe bie (Sermanen B e i I i g e St o f f e geBÖBt Baben. ®ag ift glauB»-
Baft, Itieil eg ber Sfrt ber germanifcBen Dtaturreligion entfBridjt, bfe ©ottBeit in 3Ber»
fen ber ©cfiöbfung au bereBren. SIucB in ©ermanien Bat man baim ben praftifcB ber»
ftönblicBen, religiög gefäBrlicBen ©dBritt getan, bie aSereBrung auf felBfigetDÖBItc
©cBöBfunggtnerfe unb bann Ineiter auf ein3eIne |snbibibuen babon au BefcBränfen —
neben ber ©rBebung bon SOtenfcBengeftalten in bag SCnfeBen ber ©ottBeit. ®ie grunb»
föBIitfie StBIeBnung biefer 3ur ,,3IBgötterei'' utib i SIBerglauBeng füB»
renben ©ntoidlung bürfte eing bon ben großen SiJaBrBeitgmomenten getnefen fein,
burcB toeIcBe bag ©Briftentum bag unbebingte innere ÜBergelnicBt über bie Sleligionen
ber alten asölfer gemann. JßraftifcB freilicB Bat man ficB toeber in ber römifcB» nocB in
ber griecBifcB'fatBoIifcBen Jf’ircBe ber geföBrlicBen boIfgtümlicBen aSergröBerung ent»
:'aieBen fönnen.-': "v'V-;-'
®ie © B n 0 b e 3 u S i f t i n a e im ^aBre 743 Bat einen Indiculus superstitionum et
paganiarum (ein aSeraeicBnig ber aberglouBifcBen unb B^bnifcBen ©ebröucBe) aufgc»
fteEt, aug bem fiiB mittelbar auf aEerlei ©lauBengborfteEungen fcBIieBen löfet. Seiber
— aber foIgericBtig ing ©Bftem Baffenb ift ber Sejt berlorengegangen, unb eg finb
ung nur bie_30 ^aBitelüBerfcBriften erBalten geblieben, ^n einem ©cBrift-
(Bcn „©ebräucBe ber alten SeutfcBen"" Baben mir aug ber geber eineg in biefenr gaEe
unberfönglicBen Sengen, eineg bifcBöflicBen JIonfiftorialratg aSiblaf in Suaim eine
beacBtengtoerte Überlieferung. ^;
$er aSerfaffer befbricBt bie ÜberfcBriften unb fügt Biu3u, toag er fonft über ben
©egenftanb in ©rfaBrung gebracBt Batte. S)ie ÜberfcBrift beg XIII. ^anong lautet:
aSon ben aSogel» unb SS f e r b e b o r 3 e i iB e n ufto. SOSiblaf füBrt erft bie befonnte
©teEe aug Äacitug ©ermania 10 an: „©igentümlicB ift ben ©ermanen bie aS e i g»
fagung'unb SWaBnung burcB bag atferb. ^n getoiffen beutfcBen Beili»
gen ®oinen unb ©eBöIaen toerben auf ©emein bef 0 ften toeifee, bur^ feine
irbifcBe SIrbeit enttoeiBte Stoffe geBalten; biefe, bor ben Beiligen SBagen gefcBirrt, be=
‘ grana aSiblal, 6ifc|öflid§er Scnfiftoriolrat, Sitatin, bei SOI. fy, Senle, oBne SoBrcSjol^l.
®a§ 5}3ferb ; ^ 121
gleitet ier ißriefter mit 5em ^önig ober bem fonftigen Ofiertiaupt ber ©emeinbe unb
6eobo#etbQ§ SSiebern unb 8ifinauBeii ber Xiere^ Unb fein SSorjeidjen gilt für fo
guüerlöffig, nicfit ollein beim SSoIfe, fonbern and) bei ben Häuptlingen unb 5|3rieftern.
5Denn biefe betrachten fi(Jb felbft nur aI§ 5Diener/ iene Stiere al§ Sßertraute ber ®ötter."
SBiblof führt fort: tourbe fein ^?rieg angefangen, ohne bie geheiligten Sßferbe
äubor befragt 3U hoben. ®ie§ gefd)ah auf foIgenbe 2trt: Jß^ bem ©öhenheiligturn
mürben bie ßriegSlansen in brei Sinien gelegt unb in jeber berfelben amei Sansen mit
ihren ©pihen gegeneinanber in bie ®rbe geheftet; hierauf berricfitete ber ißriefter.
einige feierliche (Sebet§formeIn, führte bann bä§ Sßferb, , meld)e§ im SSorhofe bereit
ftanb, äu biefer breifacheh Sinie ber Sanäen; trat boS iPferb auerft mit bem rechten
Sufe in eine biefer Qinien, fo toeiöfagte man hieraus ben Sieg; trat eS aber äuerft mit
bem linfen Sufe barein, fo mar bie§ baS ficherfte Reichen ber Dtieberlage, unb man
fuchte ben ßrieg au bermeiben." Sei ben ipommern mar bie Seierlichfeit ber SIuS-
froge anberS: „SWan legte neun Stangen in einer gemiffen ®ntferunung, gemöhnlich
eine ©He boneindnber, auf bie ©rbe; ber heibnifche Sßriefter führte bciS fchmarae ^ferb,
herrlich befleibet, burch biefe ©tangenreihe hin unb her; blieb bieOrbnung ungeftört,
ohne bafe boS iPferb mit feinen güfeen eine Stange berührt ober berrücft hatte, fo mar
bieS ein gutesJBoraeichen, im entgegengefehten gaHe aber ein böfeS." Sn biefer Über¬
lieferung mag immerhin no^ fftichtigeSfteden.
SMS ipferb, üor aHem ein Stttribut JBobanS, mar bei ben großen geften bie bor-
nehmfte Opfergabe, bie ben ©öttern gemeiht merben fonnte. HHenfchenopfer mürben
jebenfaHS nur in ben aHerfeltenften gäHen bargebradit. SS ift fogar fraglich, ob nicht
oHeS, ober foft oHeS, maS barüber bei römifchen SchriftfteHern unb in fpäteren 9tach'
richten gefagt ift, in baS Steich beS SKiBberftänbniffeS, ber ©ntfieHung unb ber obficht-
-lichen Herabmürbigung beS germanifchen ÄuItuS au bermeifenift. SDie Opferung bon
^iriegSgefangenen olS Vergeltung für Schanbtaten beS SeinbeS unb bie ftarfen Ver-
faHerfcheinungen beS germonifchen (SloubenS bon ber SBifingeraeit on, bebürfen natür¬
lich gona gefonberte Seurteilung. (Vgl. S. 37 unb 191.)
Sie ©diäbei ber geopferten Vferbe mürben an bie geheiligten Vöume genagelt unb
galten auch fonft als geheiligte ©egenftönbe. SaS gleifch mar bei ben Opfermahl-
aeiten, befonberS auch, menn eS fich um bie Sotenopfer angefehener SOiönner hanbelte,
bie meiftgefchöhte Speife. Sa eS fid) beim ©ffen bonipferbefleifch mohl aumeift um
Opfermahlaeiten gehonbelt hat, fo erflärt fich, bafe eS augteich mit-ben Opfern bei ber
©inführung beS ©hriftentumS in Verruf gebracht mürbe. Somit ift bem beutfchen
Volfe ein SBibermiHen gegen Vferbefleifch eingepflanät morben, ber bis aum heutigen
Sage ohne erfichtlid^en fonftigen ®runb anhölt. S§Iönbifche Vefehrer orbneten an:
„SoS ift bie größte ©hriftentumStierlehung, Vferbefleifd) an effen.'^
Sie StoiHinge om Himmel galten ouch als ißferbegottheiten; unb merfmürbiger-
meife iü ©oftor nochgeht ein Sßferbename im SBeftfälifchen. Sie fagenhaften erften
SMiffionore im HHünfterlanbe mürben ber fchmarae unb ber meiBe ©maIb genannt,
©hmalb — ©humalb = HiPPotrateS. SIuch H^ngift unb Horfa hotten fich Vomen bom
heiligen Vferbe gegeben.
Sie Vferbetöpfe ouf ben nieberfä^fifchen Vauernhöufern legen noch in unferen
Sagen geugniS babon ab, melcheS SInfehen baS Vferb bei unferen Vorbätern genoffen
^ bic ^önigSnjap be§ Bei §erobüt.
122 . 8. ^eilige IRoffe öoit Sot>§t)orn
lE)at. S)enn auc^ unter lDtrtfc£)oftIt(^em unib milttärifcöem ©efic^tSpunfte ftanb natür»
lidö unter ben «Haustieren ba§ 5i?ferb oben an: als ißeittier, 3w9tiet» 2RiI(f|tier unb
gleifdötier. ®S ift erEIorltd), bafe für feine forgfältige StufaucEit unb iPflege befonbere
®inri(f|tungen getroffen toaren. Sabei fbielten bie großen ipferbemärfte, bie gugleic^
SBobanSfefte getoefen fein toerben, offenbar eine erbeblid^e fftolle. Safür haben toir
eine trefflich ftimmenbe Urtunbe QuS bem Sabre 1146, in ber SfSabft ©ugeniuS bem
f}5aberborner «Qlofter SIbbingboff ben fSefib bon'bem bereits ertoöbnten f(5ferbemarft*
blab aSilbafen b. fölomberg (SBilbobeffun) erneut gufbricbt. 5Die itabeHe, bie man an
ben einfamen Sßlab gefegt batte, ift erft 1708 abgebrodben. SSaS batte baS ^lofter in
Sßilbafen anberS auSauritfiten, als bafe ber ben heiligen fftoffen beS SBobanS gebörenbe
fßlab burcb bie iSabeHe entfübnt toerben foEte? ,
SSenn StacituS gana allgemein eraäbIt, baB bie heiligen f}3ferbe auf Oemeinbefoften
gehalten tourben, fo müffen toir barauS fcbliefeen, bafe’ für bie grofeen gemeinfdbaft*
lieben Obferfefte ber ©tömrne in ben SRarfen auch bementfbreebenbe grofee IBeranftat*
tungen au ihrer Haltung unb Slufaucbt öorbanben toaren, Sdb f)offe, baß meine folgen-
ben SluSfübrungen aur Slnerlennung beS norbtoeftlicb bon Oefterbola gelegenen SobS»
borner OeftütS als gräbliniger Sortfebüng einer germanifdben großen ©inridbtung
aur Sfufauebt, «'paltung unb auch fultifcben SSertoenbung ber fßferbe binfübren toitb.

Unmittelbar anftoßenb an bie £) eft er b o la er 3War f unb bie heiligen Haine


©cfelau, Sinbelau; Sangelau unb ßönigSlau liegt bie fogenannte ^ammerfenne unb
mit ihr aufammengebörig ein großes 0enne- unb SBalbgebiet mit bem bis bor fur*
aem fürftlidben @enn er geftüt Sob§ b 0r n. 2)ie alte ©efebiebte beS ©eftutS ber-
liert ficb in bem Sunfel beS frühen SRittelalterS, bon too auS toir in aEen
gäEen, toenn eS ficb nicht um erfennbare iReuerungen ber granfenberrfdbaft unb ber
S?ircbe banbeit, fragenb unb fuebenb ben SlicE i n b i ege r m o n i f cb e lß o r a e i t au
richten haben. O. bon ERebfenbug^ ermähnt eine Sage, bie baS fßferbegefchlecht ber
Senne auf bie in ber SSaruSfchladiit erbeuteten unb reiterloS getoorbenen römifeben
iPferbe aurüdfübrt! ©barafteriftifch ift hier toieber bie IReigung auch beS SSoIfS-
munbeS, ein ©ermanengut auf frembe Herfunft aurücEaufübren. Einige Seifen toeiter
fommt ERebfenbug felbft bei einem SSergleich ber Senner mit bem englifcben SSoE-
blut gar nicht auf ben ©ebanfen, baß baS engtifche SSoEblut eben baS.bon unferen
Sachfen bortbin gebrachte unb bort boE)0eaüchtete Sennebferb ift. ©ana ftola gibt er
bie EReinung eines öfterreichifcben .QennerS über „bie ^arafteriftifchen ßennaeichen
beS morgenlönbifchen SluteS" beim Senner toieber. Sutmerbin mag unS bie er-
toöbnte Sage baS in bie IRömeraeit, aifo tief in bie borgefchid)tIi^e Seit biueinragenbe
Sllter ber SobSborner E^ferbeauebt beftötigen.
Urfunblich toirb 1160 auerft bon ben ungeaäbmten Stuten unb ben leges equitum
(©eftüt) gefbroeben; toomit toir unS beim „gelb Siruc" eingebenber au befebäftigen
haben toerben. SIuS ben aEgemeinen Suftänben beS SRittelalterS ift anaunebmen,
baß bie SobSborner E5ferbeaucht mehrere Sabrbunberte lang in SßerfaE getoefen fein
toirb; ber EBegfaE eines fo toichtigen ERomenteS, toie eS bie Sucht b eil ig er fßferbe
toar, mußte ebenfaES fchöbigenb toirfen.
S)er nörbliche Senneranb, norbtoeftlidb bis Stufenbrof unb füböftlich bis au ben ge-
* O, bon SJte^fenbug, Sn etnent Strtilel über boS ©ennergeftüt in „SRieberfo^fen", 1911, SRr. 1.
©eunergeftüt .V^; . v^23
nannten l^etltgen Rainen Bei OefterBöIä, Bat ben lßferbeBerben ge£)ört: aufeerbem and]
ba§ SBoIbgeBirge bis Binauf natf) §artrören unb bem SBinfelbe, beffen nod) jeBt bor-
Banbene eigenortige ©inteiinng unb beifen fonftige SSerBöItniife jdion bon fid) au§ bie
SSermutung toacBrufen, bafe e§ fid) Bier um einen ^aubtblaB für bie Haltung ber frei
aufmadBfenben fßferbe geBanbelt Boben mufe. 3^0(B 1538 mirb ein QJebäube für ben
©eftütsmörter auf bem SBinfelbe ermöBni SCucB ba§ ©onobertal toar in ben SSegirf
einbeaogen... . ■: '■ / '
„@eBr merftoürbig bleibt fo fdjreibt fßeea^ bieS atur g eftüte (ber ©enne), au§
toelcBem unfere SßorfaBren auf cinfad^e SIrt gana bortrefflidie, für ben Srieben unb be»
fonberS für ben ßtieg geeignete ijjferbe gewannen. iOBne Stbeifel tat bie Statur baS
befte babei. ^n ihrer rauben 3ud)t ftarben bie fcBtoadien fßferbe unb bie ftarfen bflana-
ten fid) fort, ©ine gettiffe ßunft beftanb in gebulbiger ©raieBüng, grofeer greiBeit unb
fnötem fSienfte ... Seiner tflodf unb feine ©lieber, faft freiliegcnbe ©ebnen, gelodte
SWöBne unb ein oft bis awr ©rbe reicBenber ©dftoeif aeidineten fie auS. Sreinbe ipferbe
bulbeten fie nicht im Selbe, bogegen ftanben fie mit ben ®irfd)en auf gutem Sufee.
^ein Srember tonnte fie einfangen . . .f fie erfletterten bie fteilften ©ebirge, ftricBen
burdb ben bidften SBalb unb aeigten bie größte StuSbauer. Sn beäug auf ben ©Barof-
ter ertoiefen ficB bie ©enner als baS echte beutfche fßferb guter 2Irt, fie toaren treu unb
lenffam, unb mit ©üte fonnte man biel bon ihnen erreichen; einmal berborben unb
gereiat ober maren fie unlenffam unb gingen bann autoeilen mit offenem SWauI, fun»
Mnben Slugen unb ouf ben .Hinterbeinen gegen ben Stngreifer loS. ©in eigener
S3ranb, bie lüphifrBe Stbfe mit ber itrone barüber, biente alS Seichen ihrer ©chtBeit."
fPcea.bermutet, bafe mir in ben ©ennern ein „Siempelgeftüt auS ber Heibenaeit" bor
uns Bnben. ÜDafe ffJeea burdh feine ©tubien, ohne bon ben ©efterholaer Heiligtümern
etmaS au toiffen, au biefer Sluffaffung gelongt ift, bient um fo mehr aur Srhörtung ber
Stichtigfeit unferer aum gleid)en Siele geIongten @ebanfengänge;
©ermoniften fagen, biefe ganae ©egenb fei reich unb überreid) an Üt amen, bie
mit ber fpferbeaucht aufommenhängen. SBenit bon ber ©enne fid) noch Hurtrören unb
aum flBinfelbe S;äler BinaufaieBen, bie „StöSchengrunb" unb „fftofental" Beifeen, 3;öler,
in benen bisher unb tooBI niemals fRofen ibuchfen, fo mirb aud) ber 9tid)t=©ermanift
an bie Stoffe benfen, benen fie ihren Stamen berbanfen. Sluch unfer DefterBoIaer
©delau mirb um feines StamenS toiHen als ein Huin für bie Beiligen ffjferbe erllört,
unb ein meitereS Sau, meId)eS mir oufeer ben hier OefterBoIaer Sauen nod) in biefer
©egenb Baben, liegt in ber 3tid)tung auf SobSBorn unb Beifet „^tröBenlou"; eS bürfte
mit ben Überall fich finbenben unb an bielen ©teilen fich berfammelnben Ströhen nichts
au tun Baben, fonbern feinen Stamen bon ben ölteren ©tuten trogen, bie bort ge*
fonbert gehalten tourben. f{5rof. ©tuBI bringt noch eine SteiBe lbeiterer Stamen mit
bem fpferb in Sßerbinbung. :
Sie bebeutfamfte Beobachtung aber über ben SufamenBong ber grofeen SobSBorner
Bferbeaucht mit bem ©utSBof ©efterhola unb feinem Heiligtum beateht fid) auf ben
unter bem @efd)ichtlid)en bereits fura ermähnten, auS ben ßatafterfarten unb unferem
Bilbe beutlich au erfehenben ftaatlichen '©ebietSftreifen, ber, im Storbmeften noch
8—900 m breit, nach unb nach fich berengenb, fich nach ©üboftcn erftredt unb fchliefe-
‘ 21. SPecj, ©rlebteS unb (SriuanbertcS, Sanb II,Hoüce unb Heiligtümer ©. 66, SBicn 1899. SDtitgeteilt
bur^'ftub.'arc§, §utB, Suli 1930.
.2tbb. 43. ®ie ©ennnetrift. ©eBietäfcfiloud; 3tt)ifcf)en SopSl^orn unfa Oeftcr^olg

lang 6t§ u n m i 11 e 16 a r an bie SWauer V be§ (S5ut§bof§ pefterbolg (^nu§ ©ierfen)


t)eran, too er ein flar. BejtimmteS ©nbe nimmt. ®a§ ift bie ©teile ber'DeftertjoIser
Umtoallung, mo auf ber 6dEe atoifd^en SWaüer V unb STOauer IV ein anfet)nli(f)er ^ügel
aufgefd^üttet ift.:: ■ ^'
©§ ift natürlich möglicf) unb; bon mir in atnei göHen feftgeftellt, bafe in ben Salf)r=
bunberten bis gur ^erfteHung ber ^arte (um 1870) am unb in Segiebung auf ben
^orribor burcb ßauf ober Slaufcb SBanblungen im 97ad)barbefib borgefommen finb.
SIber ba§ tut nichts gur ©acbe; benn baS SSorbanbenfein beS JforriborS, beffen gu»
föHigeS Sbftanbefommen f(bIecbtefbingS auSgefdbloffen erfcbeint, fagt unS auf feben
SaG, bafe bie SlbgrengungSberböItuiffe beutlicb unb bebeutfam genug gemefen finb,
um biefe unbraftifche Sorm auch gegen 3IuSgIeicb§berfu(be aufrecbtguerbalteu. '
Slmtlicb beifet ber;^'orribor @enue»Slrift. SIrift ift ftetS ein ©elönbeftüd, auf bem
gür ben ßultgebrauc^ 125
ober auf ba§ ba§ Siel) getrieben totrb, 3Wag ber füböftIi(f|e S;etr audö @(f)afen einige
3Beibe geboten l^aben, für ben ineitauS gröfjten ^eibeteil fomrnen ©cEiafe nitfit in
JBetradbt, fonbern lebiglidb bie einftigen toilben 5{5ferbe be§ Sob§borner gucEitgebieiS,
bie fidö im äBinter bom ^eibefraut nöfiren fonnten unb mufeten. 5Die Jßerbinbung ber ■
loeiten^geibe mit bem Saubtoalb be§ ©ebirgeg unb feinen Söergtoiefen toar ber Orunb,
me^toegen biefeS grofee SWarfengebiet atfifcben OefterfioIs unb Sonorer S:ei(f) bei Set-
molb fiä) in fo fierborragenber SBeife aür :Haltung: ber tbilben iPferbe eignete.
Sm alten Sügrfer*, Äubanten* unb iSruftererlanb gab*§ aufeerbem bi§ iti bie D^eüaeit
binein aBilbbferbeaudbt; im ©mfcberbrudie mit bem uralten 5)3ferbcmartt au Drange
im atJeerfelber SSrutf) mit bem iöt)rli(f|en geft beg einfangenS ber iungen ^ferbe unb
„in ber S)abert" mit ihren unbertouftlidhen S ®g§ ©erebe gebt, ricbtige
ißferbeaucbt fei bon ßarl bem.Srofeen eingefübrt. SSieber einer ber fdiimpflidben in§
beutftfie ©enfen bineingefälf^ten ©ebanfenl : ®aben bie germanifdben Krieger ouf
giegenböcfen ober Kamelen gefeffen, oI§ fie bie Sftömer fcblugen, anr ©roberung ber
SBelt binaugäogen rmb bei Subbede, SDetmoIb unb am ©üntel niit ben feeren
:^arlifömbften? $at aBeftfoIenlanb, §annoberIanb unb SSraunfditbeig um beglbiHen
ba§ ißferb im SBabben, toeil — bie Sßeftfranfen auf ibr
£)ber meil ßarl bon ^arun al iRofcbib einige arabifcbe fftoffe gefcfienft befam?
Ob in ben genannten SPferbegebieten, bie in öbniiiber SBeife naturlicfi audb in ben
anberen germanifcben ©tommeggebieten borbanben toaren, aucb bie heiligen i|5ferbe
geaogen tourben, ober ob man feinen Sebarf baran aug ber OSningmarf beaog, tnirb
ibohl aud) bon bem jetneiligen SSerböItnig ber ©tömme aueinanber unb bon ber geftig*
feit beg in erfter Sinie religiöfen aSerbanbeg abgebangen haben. Sd) nehme an, bafe
bag religiöfe Sanb ein burdh unberlehli^e Ärabition: unb burch ©infidit gefeftigteg
tnar, toelcheg man fid) nid)t burd) bie ja ber göttlidien ©ntfdieibung unterlegenen Strei=
tigfeiten aerreifeen taffen moltte, unb bafe um begminen aud) bie .^eilige SWarf ben neu=
traten ®ulgubinern atg SBädhtern übertragen tnar. S>ann aber toirb man fich bie heili=
gen iJJferbe bon bn gehott haben, too man fich bie Berührung ber ©rbentoett mit ber
^girnmelgmett am engften borftettte, unb bag bürfte an ben \gängen beg ©ebirgeg ber
2tfen, um Ogning, getoefen fein. : ^ ’
,;S)ag heute noch beftehenbe ©eftüt Sierhagen (Äierhain) . in SKedtenburg folt nach
Söhng big in biefe fernen^^ahrhunberte aurüdgelfen unb noch ©furen eineg Äembetf
matteg aeigen. ähnticheg mirb bon Schwerin berichtet. 2Iud) Stuttgart mürbe bann
ber ©tutengarten jener Sttemanneufeiiubieatgmirificeexerjuopugnantesbonaiure-
lilig JBictor in bie ©efd^ichte eingeführt; mürben^."
Sn meiner Sugenb nod) hielt ber ©d)aumburg=Sibbif(he gürft in ISüdeburg — mie
auch borher ber ^önig bon ^annober in ^errenhaufen, minbefteng 8, eg fönnen'aud)
12 gemefen fein, meihgelbe (cremefarbene) fßferbe, Sfabetten ■ genannt, munberbare
Äiere mit roten Slugen (Jt'afertafen), bie in SSiereraügen Bei atten fefttichen ©etegen=
heiten burch ihre ganae ©rfcheinung unb mit ihren aur ©rbe reichenben ©chmeifen
einen mächtigen ©inbrud maditen unb mohl bie jßorftettung heiliger fßferbe ermeden
fonnten. Shre .Serfunft habe ich troh Bemühungen nidjt ermittetn fönnen.
Sllfo big aur SKauer V beg ©utghofeg Oefterhola mürben bie Bferbe non ber ©enne
her getrieben, menn fie etma bei ben feiertidien ^anbtungen ber in Oefterhola SSerfam=
‘ ©tub. orch. $uth, TOanuflript.
meltett 6efitf)tigt toeröen foHten oter fonft gefirautfit toutben — baö ift bie @(f)lw6-
folgerung be§ noi^benfltdien S3efc^auer§ be§ ßorriborbilbeS (Slbö.' 43), toelcfieg id)
^)ier gemäfe ben mir borgelegten amtlidien Orunblagen toiebergebe. Sin feiner ©teile :
bot trob ber für bie nad)foIgenben Seiten onäunebmenbenJSenbena ber SSereinfocfiung
ber ©rengen eine ibirflid) ftörenbe unb bermirrenbe Unterbredfung be§ ougenföHigen
Silbeg ftottgefunben. ©rft ettno 2 km füblid) bet SobSborner gafonerie berliert fidb
ber ©elönbeftreifen in bem ©efomtgelönbe ber SobSborner Ißferbeaucbt.
Su biefer aunötbft burd) bie 6igent um§b e rbö11n i f f e al§ foicbe borgefteltten
©rfcbeinung fommt eine S3eftätigung burcb ben örtlidien Sefunb binau, moburcb
eine onbere @rfIärung, oI§ mir fie hier gegeben bQ6en, faum möglidb tbirb. Sie
Xrift ift ni(bt eine freie ©elönbetri ft, fonbern e§ finb ftörffte Slnaeidjen borbonben,
bofe fie auf beiben ©eiten burd); eine Umbegung mit unb ohne SßaQgrunblage einge«
fcbloffen mar. ©rofee Steile be§ alten SBaHS, ouf bem mabrfbeinlid) ba§ ^olagitter
ober burbgeaöunte Söume geftanben haben, finb nodj bielfadj feftauftenen, unb an
anbern ©teilen, mo bie Strift an fultibierte§ Sanb grenat, bat bie bann meift borge¬
nommene ©inebnung be§ SBaUeS noch immerbin ©büren übriggeIaffen, bie bie'SIuf-
finbung feinervSinie ermögIi(ben.
ift gut, menn mir febe ahbere möglidbe ©rflörung ber ©rfcbeinung auf§ ernft-
licbfte buribbrüfen, ebe mir eine ©rflärung alB gefidiert annebmen, bie un§ au fo mert-
boHen iliücffcblüffen auf bie I8ebeutung ber Oefterbolaer 3Karf unb ;be§ Oefterbolaer
©ut§bof§ atoingt, mie e§ burd) bie ©inbeaiebung ber Sob§borner ipferbeaucbt in ben
S?rei§ ber Oefterbolacr Heiligtümer gefd)iebt. ®enn mir mürben eine ftarfe ©tü^e
geminnen für bie SInnobme, bafe biet ber Sebtrolplab gemefen ift für bie großen
Heiligtümer ber ummobnenben germonifdien ©tämme. S3orfid)t ift freilid) geboten,
ba im ganaen Sanbe bie Sabi foldber mehr ober meniger gut erhaltenen SBatlrefte eine
f e b r g r 0 ß e ift. SII§ @renäeinbegungen finb fie faft fämtlicb anaufeben; fe fraglicher ■
ihr ©inn, um fo höher ba§ Sllter ber Slnloge, aunrol tnenn fie einen broftifdhen Stoed
nid)t mehr erfennen laffen, unb menn fie mobl gar neben ben feßigen ©ebietSgrenaen
berlaufen. S)ie§ habe ich w auffälliger SBeife 3. 93. auf bem Utebberge bei Spabenboufen,
SImt ©diötmar, gefunben, mo feßt eine 93eairf§grenae burchlöuft unb mo ein gemein-
fchaftlidieS 93ergbeiligtum mehrerer Hunfd)aften (bgl. IPr. 1 ber DrientierungSbei-
fbiele), beren ©renae über ben 93erg lief, anaunebmen ift.
Sm Unterfibieb bon ben um Höfe unb ©arten fid) finbenben ©inbegungen ber ber-
fibiebenften Slrt finb bie alten SBöHe in ben SBälbern unb Seibern einft feine ipribot-
grenaen gemefen — ipribateigentum an SIder unb SBalb gab e§ in ©ermanien nicht—,
fonbern e§ finb bie reftIid)en Seugen ber SSorliebe, mit ber bie Sllten fich ihren ge»
meinfchaftlichen IBefiß^ einaubegen pflegten, ^n manchen 9fbeingegenben beißen foicbe
SÜBöHe in ben SBälbern „SBglbfrieben".
^ ^n OftfrieSlanb, mo foldhe fleinen SBöIIe megen ber Sanbbefdiaffenbeit einen grof-
tifdien Stoed erfüllen, bat fid) biefe ©inbegungSart auf ben ipribatbefiß im gelbe über¬
tragen. ^
®aß alte ©errnanenmäHe in ber ©enne in ben folgenben 1150 fahren bann au Hube»
grenaen, ©chußfnidS gegen bie milben ipferbe unb au fonftigen Sieden bermertet,
au(b mobl erhöbt ober erniebrigt fein mögen, mirb natürlid) nicht beftritten, fonbern al§
^ b. S8e!u§, Ortsnamen, ©. 21, 28 ff. .
UmtooHungen ■ 127
lelbftberftönbli^i artgefeben. $er ??oc[>toei§ f b ä t e t e r S3 e n u ^ u n g f q g t n: c^ t §
ge g en f r üb er e§ S3or b onb e nf e i n au §. : '
Ser Qufeere ©tnbrud bom Sllter ber aSöIIe ift oft unmafegeblicb, ba bie Sauerbafttg"
feit ber fjorm nicht nur bom Sllter, fonbern — aufeer bom Sftaterial — am meiften bon
ber SIrt ber S3ematf)fung abböngt.; ö'unge !ilBäEe fönnen ftarf berioaftfien unb abge¬
tragen fein, uralte SBälle fönnen noch berböItniSmöfeig f(barfe gormen seigen. SEßir
finb bet Beurteilung ber SBölIe auf bernünftige Überlegung ber Sufammenbänge, in.
benen fie auftreten, angemiefen; Unfere Slufgabe ift e§, in jebem EinselfaHe 3u brüfen,
ob ber Slufmonb, ben bie ^erfteHung foliber ©renaen erforberte, buch mit bem baburcb
eraielten 97uben nicht in einem au ftarfen S)tifeberböltni§ ftebt.^
Sie Stnnobme, bafe bie SBäHe au SSerteibigungSatoecfen gebient ba^en fönnten,
fommt meift toegen ihrer Slnorbnung unb Sage, bann aber buch toegeti ihrer geringen
unb toechfelnben Breite unb ®öbe nicht in Betrqcfit; bie Sohle ift oft nur 1—2 m
breit unb auch bie §öhe toirb baher nur gering getoefen fein.

SIbgefehen babon, bafe bie in Bebe ftehenben SBöHe ber Sennetrift an manchen
Streden ein foIcheS SBifeberhöItniS in offenfichtlicher SBeife aeigen, toirb biefer ganae
@rflärung§berfuch auSgefchloffen burch bie fchlquchförmige, fich immer mehr beren-
genbe ©eftalt ber Srift. Siefe ©eftalt nebft Umhegung müfete gerabeäu al§ atoed-
tnibrig unb unbernünftig angefehen toerben, toenn nicht eben bie. Slufgäbe ber Srift,
burch bie bie Siere getrieben iberben unb auS ber fie nid)t auSbreihen folften, eine
böCig befriebigenbe ©rflärung böte.
Bun fommt un§ noch ein Heiner, aber lehrreidjer Befunb au $ilfe, um bie ©rflä-
rung alB richtig anaufehen. ©tma 500 m nprbtoeftlich ber norbtoeftlichen ©renae beB
ÄönigBlauB atbeigt fich ein gana fchmaler, allmählich nur megebreit merbenber ftaat-
ücher Streifen (Sntereffententbeg) ab, ber für ben Staat felbft aiuedloB oufeerhalb
feineB eingeaäunten ©elänbeB fich hiuaieht. Bach ettoa 500 m, mo er auf ©emcinbe-
befih ftöfet, hört er auf. 200 m loeiter liegt baB toieber in StaatBbefih befinbliche
Sangelau. ©ine goitfehung macht fich ouf biefer Siuifchenftrede an einigen Stellen
noch bemerfbar. Siefer ©ebietBftreifen ift nicht nur ouf ber ©igentumBfarte alB abge-
fonbert beraeichnet, fonbern er ift auch iu ber Batur beiberfeitB bon SSöIIen eingehegt
getoefen, bie auf ber einen Seite burchtoeg, auf ber anbern Seite ftredentoeife noch
fenntlich finb. ©r fann faum ettoaB anbereB fein, alB eine fchmale Srift, ouf ber bie
Siere bon ber ^aupttrift mahrfcheinlich au bem Blühe hinter bem Sangelau hinge¬
trieben toorben finb. ähnlich ift’S nod) mit einem atoeiten Streifen, ber auch bon ber
Sennetrift in ber Bichtung ouf baB Songelau berlöuft; ba, too. feht bie Quellen beB
Schlangener SSoffertrierfB finb.
Somit haben mir ein fehr beutlid^eB SeugniB bon ber Stufgobe biefer SBöHe; benn
eB Iböre toiberfinnig, für einen Streifen bon toenigen Btetern Breite um feiner felbft
mißen eine Umhegung heraufteßen. Somohl aur Sfbgrenaung eineB ©ebietB, alB
auch äu feinem Schuh genügt ein e Umhegung..
SBenn hier ber engeIBufammenhang amifchen bem ©utBlfof Qefterhola unb bem
SobBhorner Bferbeauchtgebiete in Bebe fteht, fo finb mir in ber Sage, ben auB ber
Srift geaogenen Folgerungen einen urfunblichen BemeiB hiuauaufügen. Ser ganae
einft bon ben milben Bferben bebölferte Bergmalb bom S?reuäfruge an ber Fürften»
128 8. ^eilige Stoffe bon Sot>§t;orn v^
aHee bi§ Ifiinauf gum SStnfelbe, gunt Sraunental unb SopSfiorn geprte gum ©c^toarge"
fcöen ©üterforafJles in Oefterl^olg, bem jefeigen $au§ ©terfen! S)q§ Befagt eine in ben
§önben be§ ie^igen SefifeerS bon S3raunenBru(^ befinblicBe Urfunbe bon 1802. SDa-
nocE) ift Bei ber 1593 erfolgten ©üterregelung biefer fEBalb nid)t BebingungSloS gngleicB
mit bem bamolg @ä>ibargmeier§Bof genannten ©ute in- bie §änbe be§ ©rafen ©imori
üBergegangen, bielmefir BaBen bie SSefifeer bon SraunenBrud) Bi§ in bie neuefte Seit
iBre ^olggerecBtfame bafelBft geBaBt. ®iefer SSalb mufe alfo unter ben „®oIgungen"
berftanben toerberi, über bie ^ergog @cBert§ ©oBn gtbifcBen 826 unb 853 gu berfügen
Botte (bgl. ©. 96), unb bie 150 ^oBre fpöter al§ ©rbgut ber Slonne Oba bon ©efefe
bem Mofter fPoberBorn gufielen, Um bon biefem an bie gamilie ©ditoarg berleBnt
gu toerben. V:'''
Stad) ©rfenntniS einer fo Bebeutung§bonen S;atfad)e, loie e§ ber SufammenBang
ber grofeen Sot)§Borner fßferbegucBt mit £)efterBoIg ift, bürfen mir um fo guberfidBt*
licBer meiteren JSeoBod)tungen unb SlnnaBmen SIuSbrud geben, moburd) mir ein
mefentlidieS ©tüd gur Sßiebererfennung ber Heiligtümer in biefer fo inBaltSreidien
germanifdien SKarf meitergefüBrt merben.
9» 9letttt&a^n im
3 n bem gur Oefter^iolger ©emeinbe ge^iörigen S:.etle ber ©ehne, ber noc^ bor furgem
^o^Iftöbter^eibe' I)te6, el)e £)efterf)oIg toteber gut felbftänbigen ©emeinbe mit
itjrem 0?omen Ipurbe, liegt ein me^irere Quabralfilometer grofeeS ©eBiet, ineltfieS
al§ b e r B e i I i 0 e $ n i n ber QefterBoIger SJiarE angefeBen toerben muB, toeil in iBm
bo§ bierfadB aufgeteilte SoB liegt mit ben hier Spanten ©dfelaü, Sinbelou, Sangelau
unb ^önig§Iau. Sau = SpB. SoB = Beiliger ^ain.
StKe hier au§ unferer Karte erfi(BtIicE)en SSalbteile, mit gröBtenteilS — für biefc
©egenb — auBergetoöBnIitB fräftigem SaumBeftanbe, finb ©taatSBefiB. StoifcBen iBnen
unb; um fie Betum ift ©emeinbeBefiB mit h)eitaü§ fdBIe^terem SaumBeftanbe. Ser
©runb für ben auffälligen UnterfcBfeb toirb aüä) in ber Bekannten SSernacBIöffigung
unb boreitigen SIBBoIgüng be§ S3auerntnalbe§ liegen. SlBer onbere ftaatlicBe ^orften
ber ©egenb geigen ein fcBIecBter’eB SIuSfeBen. ibirb ber ©inbrucE ertoedt, al§ oB bie
Saue entmeber au§gefu(Bt guter S3oben toären, ober eine Befonbere SSobenpflege er*
faBren Botten;:
39ei ber SSerteilüng ber SI)?arfen bürcB Karl ben ©rofeen unb feine 9ta(I}foIger, Bei
ber aucB baS OefterBoIger SoB feinem ©d)i(ffal berfaüen mufete/ift offenbar nadj bem
©runbfaB berfaBren, bafe biefe hier Seile innerBalB be§ gangeri ^ain§, bon benen brei
aucB nocB BefonberS umBegt toaren, bem föniglidBen SefiB. ober fonft ber regierenben
®onb borBeBalten Blieben, möBrenb bü§ übrige dn bie al§ genügenb fönig§treu er*'
aiBteten ©rofeen berftfienft unb auf biefe 3Beife gum 5ßribat* unb ©emeinbeBefiB
Iburbe. SSebeutfam ift Bier berÜtome KönigSIau, ber fidB BiS Beute erBalten Bat. Siel-
leidBt lagen Befonbere ©rünbe bor, bafe ber König gerabe biefeB ©tücE für ficE) BeBielt,
bielleicBt finb ürfbrünglidB aHe hier Soue gum EöniglidBen Ü?riöatBefiB erflört toorben,
toie Karl e§ fa in gang SeutfdBIanb mit ungäBIigenJSefiBtümern innerBalB unb aufeer*
BalB ber 3?Zarfen furgerBanb gemadit Baü. ^n leBterem gälte märe ber fttame unter
aSerbrängung beB früBeren tüomenB nur an bem ©tüd Bangen geblieben, toeldieB BtB
guIeBt in ber ^anb ber oBerften üJiacBtBaBer im Sanb geBIieben ift. ©cBIieBIi^ fann
KönigBlau aber aucB ber tüame fein, ben biefer ^ain f cBon.in b er bor cB r ift *
licBen Seit Batte.
Sie SSerfcBiebenartigfeit ber aSebeutung dber Slufgabe ber hier ^ainteile in ber
borangegangenen Seit iBrer oBne Stoetfel fultifden aSertoenbung ift möglidierloeife
aucB auB bem Etiamen gu fcBIiefeen, gebt aber mit großer aSeftimmtBeit auB ber Sntfadie
Berbor, bafe ©delou, KönigBlau unb Sangelou, jeber SeiB gefonbert für ficB, eine
b u r dBd 11 e äs ä 11 e JtarE auBgeprögte UmBegung BoBen. SurcB einen EBIid auf bie
Karte ift gu erfennen, bafe eine ©rmerbung unb ©ingelumBegung bon ©taatBbefiB auB
©emeinbebefiB BerauB in fbäterer Seit in biefer aSBeife als boIIEommen auBge-
fcBIoffen angefeBen toerben mufe. EÖZit bem §auftenBeder Bereingreifenben ©emeinbe*
BefiB Bat eB feine Befonbere aSetoanbtniB, bie aber an biefer ©rtoägüng nid)tB önbert.
Sie Ummattung beB Sangelau in feiner ©efamtgrö^e bon 15 .geltar (60 EPiorgen)
ift BefonberB früftig unb aucB naBegu überall gut erBoIten. EPZan Eönnte faft auf ben
©ebanfen an eine EBurg ober ein Heerlager fommen, toenn nidBt eine foIcBe SCnnoBme
mieberumduB naBegu fämtlicBen anberen ©rünben alB unmöglicB erfdeinen müfete.
‘ SlüBct, ®te tfranlen on gafilreicBen ©tcEen.
9 Xcubt, ©crmanifi^e ^cUißtÜmer
130 9. 3tennbal)u im Sangelau

®afe fidö um bte Uinmallung irgenbetner 0ieblimg baubeln föniie, ift burd) ben
^ügelrücfen (©anbbüne) unb bte Siuienfiibrung be§ 3BaIIe§ im Serl)ältni§ 3u il}m
icf)ledbterbing§ auggefcbloffeu (SIbb. 46), ba mir ii. a. bie 5£orE)eit einer abfidbtlid)
gefd^affenen Unüberfebbarfeit annebmen müßten. ^n§befonbere fann audb nidbt an¬
genommen merben, bafe hier eins ber im SOjabrigen Kriege serftörten Raufer geftan-
ben höbe, fomobl megen be§ völligen 3JJangeB Oon ©puren einstiger Bebauung, jon«
bern audb, meil Cefterbols aufeer bem ^enfefdben 3Keierbof (fpäter berrfdbaftlidbe
3Keierei) unb ©dbmararneierg ^of nur einige S'ötterbäufer bötte, nidbt aber nodb einen
britten großen §of, beffen nrnmallter SRaum -ben be§ fdbon rätfelbaft großen ©dbmara-

2tbb. 44. 0tärfc bc§ 2öaüe^ um Sangelau

meierfdben ^ofraum§ um nabegu bas doppelte übertroffen höben mürbe. Obenbrein


fagt e§ un§ aber nun nodb ber ?Jame Sangelau, bafe mir e^ eben n i db t mit einer
©ieblung, fonbern mit einem Sol), b. b- mit einem heiligen ^ain su tun höben. Viel¬
mehr bleibt un§, menn feine gemidbtigen ©rünbe bagegen fpredben, nur bie grage-
ftellung: ^aben mir auSreidbenbe ©rünbe, au§ benen mir auf einen befonberen Qtved
biefeö fo ftarf umgrenaten heiligen ^ain§ fdbliefeen bürfen?
®er ganse Vefunb beutet bi^ in ©inselbeiten barauf bin, bafe mir eine sum ger-
manifd)en ßultu§ gehörige ^ampf-, Spiel- ober Sftennbabn großen
©tilg bor ung höben, bie man mit einer fräftigeren Umbegnng absnfonbern für
nötig befunben böt.
Vei meiner fartenmäfeigen 2)urd)foridbung beg nieberfädbfifdben ©ebietg, befonberg
audb beim ©tubium ber Crientierunggerfdieinungen, ift eg mir smeifelbaft gemorben,
ob bie mit bem SBorte „lang"' äufammengefepten Dramen lebiglicb ben Vegriff ber
Sänge gum 5lugbrud bringen follen, ober ob nidbt eine beftimmtere anbere Vebeutnng
iiaiifle Drte 131

boI)tnterftecft —, uiib ätooc eine Sebeutung, bie irgenblnie mit beii Stbingplä^en itnb
.'i^ultftütten aufammenböngt. $enn ber S^ome „lang" toudit gnr an oft in ber fitätie
biefer Stätten auf unb toiberffjridbt nicf)t feiten fi^ felbft, menn etmn bie 9t o cb b o r =
berge, =täter ober -miefen meit länger finb, al§ ber Songenberg, ba§ Sangentnl ober
bie Sangenmiefe.
©in öängenmafe Stnbion bat ben Stennbabnen @rie^enlanb§ ihren Stoincn gegeben
ober umgefebrt. SBarum foH nid]t oud) in ©ernianien ber Segriff ber Sänge auf bie

8tb6.45. Sangelauwall

Stennbabnen angetoanbt fein? Unfer „anlangen" — „onfoinmen" unb „langen" =


„auSreidienb fein" bat nnoerfcnnbare Seaiebung anm Sauf nad) bem 3iel ber fRenn>
babn. ©§ toar anfangs nur ein taftenbeS fBerinuten, menn id) bie 5rnge ftellte, ob bie
Sangenorte nicht bie ^fampf» nnb Spielpläbe ber Stiten gemefen fein fönnten. ©S ift
fa nicht nur an§ ben fpärlidien aUitteiInngen ber römifcben Scbriftftclter nnb au§ bem
aSergleicb mit anberen Sölfcrn mobrfdieinlicb, fonbern e§ gehört an ben ipoftniaten
unfereS berniinftigen SenfenS, bofe 9teit* unb aBaffeniibnngen, Spiele unb SBett»
fpiele, folglich and) fpiäbe bnfiir, gemefen fein muffen. S)a§ fnnn an§ bem Sehen ber
mebrbafteu alten ©fermanen nid)t meggebad)t merbeu.
^a noch mehr, biefe Spiele mareu mit in ben r e I i g i ö f e n n 11 u S einbegrif»
fen unb Permoben. 2)a§ tritt un§ bei ben Olbmpien, ^ftbmien nnb 9temeen ber ©rie¬
chen unb fonft bei ben 2)tittelmeerbölfern beutlicb entgegen. ^uSbefonbere gab eS bie
Seicbenfpiete bei bem 93egräbni§ hochgeehrter 93erfonen. äbnIidieS ift bou ^ubien
9*
132 9. SRenuÖatm im Sangelau

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Die Laue in der Mark Oesterholz


Erläuterungen: 1. Dai Eckclau, Lindetau, LangeUu und Königslau (ind itaat*
lichei Eigentum, desgl. die Sennetrift. 3. bedeutet Umwallung 3. Inder
Mitte de« Langelau bedeutet niedrige« ßuchengebüich. H = Hügelbeiligtuai
K Stand dea Pbotngrafen ■
t.\ Schmtd^ncuirt
O so 100 )0
4.T-1feith
SOO 500i« Obej^^

SIBB, 46: ^arte ber Defterl^oläer Saue


beseugt unb neuerbingS l^oben ftiir au(f) Kenntnis babon befommen, bafe beiben SWajaS
■ in SJiittelamerifa, an beren SwgebörigJeit gum germantfdben ©tamme too£)I ?aum gu
glneifeln ift, ba§ ©biel ein ©tüd it)re§ @otte§bienfte§ getoefen ift..
S«bt religiöfen ßult ber 2)iaia§ gebörte, Ibie ber Sufatan-Sorfdfier Sifieobert SJiabler
mitteilt, autf) ein JSaKfbiel, bei bem ber S3aII mit bem ßnie burcb ein tn ber Semtjel*
toanb befinbIicE)e§ SodE) getrieben toerben mufete. ©ieEerub fcbilbert im 5)5ilger ^ama*
nita ba§ SoIIfbiel einer Jungfrau gu ßbren einer inbif(§en (Sottbeit;
2II§ gang 9iom nach ber SBarugfcblacbt bor bem erwarteten ßinbrudb ber ©ermanen
in Italien gitterte, gelobte ber Jloifer StuguftuS bem gHgütigen unb oHmädbtigen
^ubiter feierlitbe ©biele, um bie brobenbe'©efabr abgütoenben.
dürfen Wir nun jagen: ba§ Waren, bie anbern SBöIfer, aber jolcbe georbneten ©biele
unb bie ißläbe bafür batten bie ©ermanen in ©ermanien nicht? Unfer .trauriges
9H(btWijfen über baS Seben unferer eigenen Sßorfabren, gibt unS nidbt entfernt baS
3tedbt,,: ihnen mit Sti^felguden auch baS ©elbftberftönblidbe abgufbredben unb üon bem.
.Barbarentum ber germanifcben ®orben unb ber Wilben ©adbfen gu reben, audb nicht
in begug auf fiambffbiele .unb üiennbabnen. f ' ' , : ; , .
StmSeugniffen über berborragenbe förberliche Seiftungen ber ©ermanen, bie auf
f b ftemat if (be Sei b e§übun gen fdhIieBen laffen, fehlt eS nidht\ D^ach Säfar
bat ber ©uebenbergog in ber ©ntf^eibungSfchlacbt gegen Striooift einen ©dbneHauf
auBfübren laffen, ber ohne gleichmäßige SluSbilbung feiner Krieger unmöglidh ge>
Wefen Wäre. „S>a e§ einen militärifchen Srilt, im ©uebenbeere nidht gab, fagt SBeber,
fefet biefe erftaunliche Seiftutig eine entfbrechenbe allgemeine Borbilbung ber ßämbfer
woraus". 6§ Wirb bon fünften im Bfeilfcbiefeen unb SWefferwerfen berichtet, bie beute
nur nodh bei ©auflern gu feben finb. „@in beliebtes Ofterfbiel, baS bis tief in baS
SKittelalter hinein erwähnt Wirb, ift ber guerft bon 3:;acituS erwähnte © dh Werter«
tong, bei bem bis gum ©ürtel entblößte Jünglinge gwifchen: fcharfen ©dhwertern ■
fich im Steigen fdhwangen. ^ebe ^abreSgeit bot ©elegenbeit gu Seib unb ©eift ftäb«
leuben Übungen. ®oß fiib ihnen nicht bloß eing'elne Begeifterte geWibmet haben, fon«
bern boß fie BoIfSfacße geWefen, unb feft in ©itte unb Brauch beranfert gewefen fein
müffen, bafür fbricht mancherlei. Wenn eS unS ouch nicht in fchriftlicben ürfunben
überliefert ift. ^ung unb alt muß fich tüchtig getummelt haben; baS läßt fich ahnen
aus ber ©falbenfchilberung beS Sehens ber ©inberier in SCßaHbaH/ fa bem unS ein
bichterifch berflärteS Slbbilb ber täglichen SeibeSübungen aller SEßaffenfäbigen gegeben
ift. 2;acituS berichtet uns bon ber gewaltigen SKacht ber ©itte bei ben ©ermanen. ..
SBo nun burch baS SItittelalter binburch fich auf uralt germanifchem Boben bis auf
unfere S;oge SBettfämbfe im greien erhalten haben, bei benen bie Sttannf^aft eines
SorfeS ober ©aueS gegen bie eines anberen ftebt, barf man fchließen, baß ein folcher
Brauch im beutfchen Stitertum Wurgelt".
Slußer bem ©dhWertertang, ber bei ben großen grüblingSfeiern, bie ber Dftero ge¬
weiht Waren, nicht gefehlt haben Wirb, intereffiert unS bie ©teile bei bem römifchen
©dhriftfteller gloruS, Wo eS heifet: „S)er Jtönig S^eutobobuS felbft, ber fonft gewöhn«
li^ üher 4—6 B f er b e hin We gf h r an g ..." unb bei Bcacob^4DoWom Oftgotenf
fönig S;otiIaS bie 9tebe ift:„3Iuf einem htachtboIIen Bferöe reitenb, führte er auf bem
freien Baum mit ©efchicEIidhfeit boS SOäaffenfbiel.auS. guerft ließ er fein Boß bie gier«
‘ Stac^ ©. SSeber, Sttobem. SurnbunbSblätter gebt. 27. “ 5Procop, Cäjotenlrieg IV, 3l.
134 9. SRenn&aI)n im Sangelau
Ii(i)ften SSBenbüngen unb SSoIten ma^en. ©ann’toarf er in boUem Sagen ben ©tieer
1)0(1) in bie Siifte unb fäfete iE)n, loenn er mirbelnb nieberfanf, in ber 2)?itte; er fing i{)n
balb mit ber balb mit ber linfen ®anb in fünftlicfier Slbtoe^flung, ipobei er
feine ganse ©etoanbtl&eit seigte, fprong Oon fiinten unb, bon born fotoie bon beiben
(seiten bom SPferbe I)erab unb toieber hinauf tnie einer, ber bon SuQeob auf bie Mnfte ,
ber Sieitbohn geübt fint."' '
®aäu empfehle ich meiter ber 33eotf)tung, toa§ JEacituS’- oon bcr germanifchen 3tei»
terei fagt: „Sie Steiter machen 9tecf)t§fd)tbenfungen, bie fie in fo feftgefügter fiteihe
ausführen, bafe feiner hinter ber Sinie äurücEbleibt." Sa biefe SSeobodhtung ni(ht im
Kriege gemocht toerben föhnte, lbo eS foI(he fauberen @(hauftü(ie nicht gibt, mufe ber ,
©emährSmonn beS SchriftfteHerS in ©ermanien enttoeber 3ufchauei; 6ei Übungen
ober bei öffentlichen SJorführungen in ber iJteitbahn getoefen fein. SaS ift e§, toorauf
eS'UnS hier bor allem anfommt. ©rtoähnt: feien nod) bie beliebten germanifchen
aöanfptele, an benen fich nach einem @aga-S3eri(ht bie gelben ber ©rsöhlung mit
ftrengem (Srnfte bor berfammelter Seibohnerfchaft beteiligten. ■
S» feiner.f8auernfd)aft ©ermanien§, tno e§ fßferbe unb ffleiter, too eS Übungen für
ben ..Kampf unb SBettfpiel gab, hat’S an bem geeigneten auSgetoählten „Singer" ge*
fehlt, beSgleichen in feinem größeren SSerbanbe, in bem eS gemeinfame Serfamm»
iungen unb grofee ©omtfefte gab, on ber Kampf f p i elb ahn, bie man fich auSer*
iDÖhlt ober tbohl auch geebnet hotte; too aber eine UmtoaHung unb (Sinriditungen für
baS gufchauenbe SSoIf gefchoffen toaren, ba loerben toir in oHen ©egenben ©ermanienS
in bielen Sollen noch ieht bie fftennbahn,, ben Srt grofeer, äum Kultus gehöriger,
feftlicher Kampffpiele toiebererfennen fönnen. Sie finb nidht ouS ber Sanbfchaft ber*.
fchlounben, unb bie ettoaigen ©rbbetoegungen, bie feine na(hträglid)e Störung erlitten
haben, loffen fich noch nachtoeifen. . ■
SBenn mir in ©ermanien nad) ben Spiel* unb fRennpIöhen fud)en, fo merben mir
fie — bielleicht unter Simimgen — auch finben. SBoS ber SInthropoIoge Dr. Raufer
in beäug auf bie urgefchidhtliche Sorf^ung fagt: „2[>tan finbet nichts, meil man nicht
fu(ht",:baS gilt ouch hier. ,
SaS fRecht, ouf germanifchem 33oben nad) Spiel* unb Sfennplöhen SluSfchaU 3U
halten, mirb baburd) geftüht, bah menigftenS an einer Stelle auf norbmeft*germani-
fchem fSoben unmiberfprochen bie Überrefte einer fRennbahn ouS ber borgefchicht-
liehen Seit. feftgefteEt finb, nömlid) bei Stonehenge in ©nglanb. SiefefReiDibahir, ein
langeftreefter ringSummaHter iRnum bon 2700 m Sänge unb 120 mJSreite, liegt nodh
Sdfuchharbt^ 700 m bon bem berühmten SWonumentalheiligtum entfernt unb hot ihre
Sumegung burch 'eine Stbsmeigung ber bon bem Heiligtum auSgehenben S e ft ft r a he.
SerfRennbahn bon Stonehenge fönnen mir nunmehr ein smeiteS nicht minber ein*
brüdlicheS JÖeifpiel einer foIchen Sahn auf feftIönbifch*germonif(hem 93oben an bie
Seite ftellen. ©S ift unfer Sangelau in ber Defterholäer SRarf. Surch bie gleich*
3eitige Slufmeifung eines ^ügelheiligtumS in feiner unmittelbaren 97öhe, taucht eine
unberfennbare’ ©leichortigfeit ber SSerhöItniffe in ber Oefterholser SRarf unb in
Stonehenge auf, bie mir bei ber folgenben Sarlegung im Sluge behalten mollen.
StufS ©ange geblidt i ft bie SluSmahl'beS SangeIou*@eIänbe S für bie
Slufgabe einer fRennbahn, moS natürliche Sage, ©elönbe* unb: ^öhenberhöltniffe,
V jCocituä, ©etmonta 6, “ Sßräl^iftortfc^e Ssitfihnft II. §eft IV, 1911, @. 325.
Jh

5(bl6. 47. ^er ^ampfplan im ßangelau


136 9/9lenn5oI)n im Songelait • ;
©röfee unb gorm anlangt, eine ibeale an nennen. 2)a§ Sangelau entft)ricf)t in jeber :
Seäiebung bem Segriff einer foIcEien Anlage, toie mir i^)n un§ natf) bem ©tabion ber
SIntife, al§ bem Sßorbilbe be§ mobernen SJlenn- ünb ©t)ortt)Ia^e§, gebilbet tjaben. SDem«
gegenüber fc^eint ba§ übermöfeig langgeftrecEte fd)male ©tonebenge-Selönbe toobl nur
für bie SBettfömbfe unb Sbiele ber Sieiter unb ©treittoagen beftimmt getoefen au fein.
®ie gorm ber S3obn in Sangelou ift eine ©Ilibfe, bie ©röfeentierböltniffe — 500 m mal
300 m be§ umtooHten fRaum§ unb 400 m mal 230 m für bie innere ebene Slöc^e —
bieten iRaum für bie größten SJeranftaltungen, ohne in§ Unüberfetibare au geben, toie
ba§ in ©tonebettge in ber Sönggridbtung ber San ift.
2Rit bemunbernSmertern ©efcbiä unb ©lüd ift .ein ?piab au§getoäblt, ber au mebr
al§ % bon einem ^ügelring umfcbloffen ift. SÖer^^ügelring, in einer bur^fdbnitt-
lieben ^öbe bon 13 m über bem ©elönbe, bat ben ertoünfebten (SrbebungBtoinfel für
einen ©ebnuraum, ber eine ungebeuer große 3ufcbauermenge aufnebmen- foH. SSon
febern $unfte ou§ ift ein guter Überbliii ermöglicbt.
Sn ber fRi^tung auf £)efterboIa, aIfo nach ber SerJebrSfeite bin, ift nodb binter bem
^ügel ein SetbegungSraum für bie SßoIf§menge in bie UmtnaEung mit bereingeäogen.
dagegen fcbließt ficb ber ettbo§ böbere ©ügelteil im iRprben, tbo mir bie Tribüne für
bie gürften unb gübrer be§ JßoIfeS bermuten bürfen, fo nabe an bie Umtpallung an,
baß ba§, toa§ babinter bor ficb ging, bequem überblicEbar tuar. ®ier, too ficb al§ S:ränfe
ein anfebniieber SCeicb bon 40 m ®urcbmeffer befinbet, bürfte ber ©attelplaß getoefen
fein. Stuf bem im hörigen Kapitel befprodbenen eingetoallten JCrifttoeg gelangten bie
ißferbe bom ©eftüt ber Qu§ ber ©enne auerft bierbin. 3» bemfelben StoedE toirb ber
anbere bon ber ©ennetrift noch ießt biS auf 300 m an Sangelau beranfübrenbe ftaat-
lidbe’ ©ebiet§fdblaudb. bon meift 23 m 33reite gebient buben.
gür bie SSoIfSmenge toar eine SBafferfcböpffteHe bon 100 m Sönge, ouf beiben ©eiten
augängli4 borgefeben, beren gefebidte Stnloge mon ficb auf unferer flartenffiaae an»
feben tooEe. SSon bem bi§ auf ^ gefdbIoffenen .gügeIring toirb ein ERittelraum um-
rabmt, ber bem Stuge eine ebene glöcbe barbietet, ©ine Sügerfonael ermöglicbt, ben
Überblid über bie gonae bon bicbtem, 3ur Seit noch niebrigem Suebengeftrüpp bev
bedte ebene äRittelflödbe. 93i§ feßt tourbe in biefer nur eine ettoa 80 cm bobe bünen»
grobäbniiebe ©rbebung bemerft, toie Ja aud) in ©tonebege innerbolb ber SRennbabn
ficb eine foldbe ©rbebung befinbet, bie ©ebuebburbt für ein Hünengrab bölt, bie aber
mit größerer SBabrfcbeinlicbteit toobl al§ EReta, al§ spiaß für ©cbiebSrtdbter ober ber-
gleidien ongefeben toerben muß, oßne baß bamit bie ©inbettung bon Urnen ouSge-
fcßloffen ift. ^^ ^ ’
SRunb. um bie ebene gIöd)e, oIfo auf bem gefomten SuWuuerraum erbebt ficb feßt
ftolä ein ®ocbtoaIb, gemifeßt au§ 33ud)en, Siiefern unb ©ießen, mit größtenteiB oufj '
föEig gutem 93aumtouiߧ.
®ie mit SSudiengeftrüpp betoaeßfene Sbnenfläd)e gebt jebod) nitßt gana bi§ an ben
.gügel ßeran, fonbern lößt atoiftßen fieß unb bem beginnenben $ügel einen ringS»
berumlaufenben Streifen bon 20 bi§ 25 m SSreite frei: ®a§ ©elöuf ber fRennbaßn!
.@ier unb ba bat bie SSetoaeßfung früßer ober Jeßt übergegriffen, aber toie ficb beute bem
Sluge ber Suftanb bietet, aeigt unfere forgföltiger SSeaißtung empfoßlene ESßotograpbie
(Stbb. 47). gür ben, ber Porten au lefen berfteßt, toirb unfere ^arte bon ben Sauen
(Stbb. 46) nodi einbrüdlicßer fein.
©ignurtß ünö @ntfiel)ung^
2)er Umftanb, bofe ber gegentoörtige SBalbbeftanb beB Sangelau bem Sefc^auer eine
fo ftarfe SIuBtirögung etneB 1RennBa^)nbtIbeB, ja jogar be§ @elöuf§ einer JftennBaEin
bietet, toirtt foft berblüffenb. ?5ebenfaII§ ift ba§ hjunberbare iRaturbanorama, tDeldEieB
toir öor un§ '^aMn, überauB günftig für bie Seanttoortung unterer Srage, fo günftig,
bafe toir aüfmerffam Jrerben, ob nitfit ©rünbe bafür borliegen, bie eben in ber einfti-
gen nodf) nacfnoirfenben aSertnenbung beB ißlo^eB au futfien finb. Unmöglicb ift eB ja
nicb't, bafe eine febr langfriftige SSenu^ung eineB urfgrünglicben ^eibepIa^eB buräi
aJtenfcben einen ©influfe auf bie‘'Duolitöt beB aSobetiB unb feine Sraucbbarleit für
ben aSaumtoutfiB auBgeübt habe. Stucb ber liggiftfie'Sanbforftmeifter unb ber guftön»
bige Oberförfter toaren biefer ÜKeinung. .
i?Ieine Sobenunterfutfiungen an 13 ©teilen; ber inneren; gläcbe unb befonberB ifireB
SRanbeB bgben eine bemerfenBloerte Äatfacfie feftgefteEt. SBäbrenb in ber ©enne fonft
unter ber fanbigen grutfitfrume (®umuS) ber bürcE) t)flan3li(;be Säuren entftanbene
„£)rtftein" ftebt, bo^en toir im Sangelau feinen' Ortftein, jonbern fofort lebmigen
HWutterboben unb gelben ©anb. ®arauS mufe geftfiloffen toerben, bafe bie ^eibebe-
»oacEifung hier burcb lange Seiträume entfernt getoefen ift.
gerner ift burcb einen fenfre(bt in ben §ügel getriebenen ^origontalftfinitt bie äteei«
malige Überfcbicbtung ber urfbrüngli(ben SDüne erfannt. ®aB fann enttoeber burtfi
©onbmebe, ober burtb 2Iuff(f)üttung erflärt toerben. SIber bie ®ügel, bie burcfi ©anb-
toeben entftanben finb, bobeu ben fteileren SteigungBtoinfel auf ber bem SBinbe ab-
gef eb r ten ©eite, toäbrenb eB hier umgefebrt ift. STufeerbem finb bie Überfcbidbiitn-
gen ni(bt einbeitlicb gefärbt.
2)a fiib nun ber atunbbügel nicht nur bur(^ feine auffällig brauchbare ©eftaltung alB
©cbaubübne, fonbern autfi burcb guten SBuchB bon Saubbäumen auBäeidbnet, fo legen
bie genannten ©rabungBergebniffe ben ©ebanfen nobe, bafe SDtenftfienbanb mit bem
auB ber SWitte ätoecEB ©bnung abgeräumten Söoben ber natürlichen ©eftaltung beB
^ügelB au ^ilfe gefommen ift. Einige auf ber Oberfläche gefunbene ^eramiffcher-
beit fönnen auB borfarolingifcher Seit ftammen; abgefdbliffene geuerfteinftücfchen
aeugen bon febr alter mcnfcblicher Senuhung beB 5ßIobeB, minbeftenB biB aur Sronae-
äeit aurücf. ^ •
Unfere aSermutung, bafe aur ^erftellung einer ben Sebürfniffen einer Jtambffbiel-
babn fo entfbrechenben Sage SWenfchenbonb ber Statur nachgebolfen habe, fann burch '
auSgebebntere ©robungen aur ©etoihbeit erhoben toerben. Sei entfbrechenbem SCuf-
loanbe bürften auch loeitere gute gunbe ni^t auBbleiben. Slber folange für folche
SIrbeiten nur eine geringe SIuBficht beftebt, fönnen mir unB mit benfelben Se¬
me ifenbegnügen, mie fie in ©tonebenge auBgereicht haben, um eine allgemeine Sln-
erfennung ber borgefchichtlichen Sennbabn au bringen; benn bort fehlen auch bie
©batenbemeife gänalich.

Sn ©tonebenge beruht bie SInerfennung ber Sennbobn auBfchliefelich: 1. ouf bem


Sorbonbenfein ber Urnmallung, 2. auf ber gtäbe beB StonumentalbeiligtumB unb
feiner geftftrafee, bon ber eine SIbameigung aur Sennbabn führte, fomie ber gtäbe bon
.günengräbern, 3. auf ber Eignung beB ©elänbeB für bie Sennbabn.
SDie ftarfe, gana befonbere SIufmerffamEeit auf fich aiebenbe Hmroallung beB
Songelou ift bereitB oben unb bei ber aügemeinen Sefbrechung ber aSälle in ber
138 9. atenubolön int Sangelou
£)efterl)ol3er SKarrim borigen Kapitel ©egenftanb meine§ S3erttf)te§ getoefen. Unfer
S3ilb (Slbb. 44); toelcfieS ben burcEifc^nittlidjeu, faft nirgenbS geftörteit Snftanb be§
SBaHe§ iriebergibt, seigt jebem Sefcf)auer, bafe biet bon einer biofeen $ube* ober
©igentumSgrenae nicfit mehr bie Siebe fein fann. 0tärfe unb fSefdiaffenfeeit be§ SBal*
Ie§ tft nod)’bem Urteil bon Dr. ^öberlin, SSfef auf Söfer, etlna bie gleitfee, toie bie be§
9IennbdI)ntbaIIe§ in ©tonefeenge. ■ - ^ ^
aJon nod) gröfeerer SBiditigfeit ift e§, bafe aud) beim Sangelau ein enger 3ufammen-
bang mit einem 2JI o n u men t al t; eili g tu m — bielleidbt bem fanum Ostarae
Deae prope S)efterf)ol3 — aufgetbiefen tberben Idn;Tt ©iefem fultifden SSIonumental"
©rbmerl, loeldieS ficfe ettna: 100 m entfernt bon- bem ertbälmten Sieid) unb bem al§
gürftentribüne angenommenen Jteil be§ Sangelaü befinbet, tbirb baS nddlfte Sabitel
gelbibmet fein. Sabei mirb oudb bie SIrt ber Sntoegung 3U biefen geftftätten al§ Stb*
Stoeigung bon ber S)efterI)ol3er g e ftftr afe e nocfe einmol 3ur Sefbreidung fommen.
SBaS bie Slölie bon ® üneng r öber n dnIangt, fo ift bie Umgebung be§ Sangelau,
ebenfo toie ©tonefeenge al§ ein bebor3ugte§ (Sebiet für borgefdiicfetlicfee SSegröbniS'
ftätten an3ufel)en. ®a§ dUefetifcfeblatt toeift 150 m toeftlid) bont Sangelaü 3tbet ^ünen»
gröber auf, bon benen fiel) ba§ eine in ber Slatur al§ ein gan3 befonberS grofeer unb
einbrudSboIIer Orabbügel 3eigt; aber bie @eometer I;aben auf ber Äarte eine gan3e
Stnsabl bon ©röbern ni(^t bermerft, bie bem gefidärften SSIid nid)t entgeben fönnen.
aSon ißaftor. ©dielüf mürbe mir beriefetet, bofe ber berftorbene Sorftmeifter aSagener
in SangenI)ol3baufen, ber SÖIitte borigen ^aferfeunbertS baS £)efterbol3er Sofe ber*-
meffen bat, alB grofeer 2lltertum§freunb mit ibnt vnondbmar bon bem gefüroeben
habe, ma§ bort su finben fei. Serfelbe habe ben ßrtrag feiner 2Iu§grabungen an
ba§ ©etmolber fblufeum abgeliefert, mo fie au§ ben gunben ofene loMe Seftim*
mung leiber niefet mefer berau§3uerfennen finb. 2Iud) ba§ ©rbmerl tonn SBagener
nicht entgangen fein, unb bielleiebt tft er e§ aueb, ber in bemfelben natf) Urnen gefudbt
bat. ?5d) nehme an, bofe fein Sferiebt über ba§ (£rbmerf bei feinen 3eitgenoffen fein @e-
bör unb feine aSeoebtung gefunben bat, mie e§, fcbeint’§, oft ergangen ift.
3. ®ie @ i g n u n g be§ SangelaugelönbeS sur ^ambf*, ©biel- unb Slennbabn ergibt
ficb au§ meiner obigen ©(bilberung. ^n biefer ^infiebt ift febenfaEg Sangelau nodb
einbrüdliiber, oI§ ©tonebenge, fomeit menigfteng nach bem ©db u d; b o r b t f db e n
aSeriebte über bie Slennbabnen geurteilt merben tann. Sum aSergleidb bringe itb bar-
aü§ oEe§ aSefentlicbe. (Sr fdbreibt:
„aiur 44 ©tunbe nörbliib bon ©tonebenge liegt eine UmwaHung, bie fiib fe^r lang unb fe^r fi^ntal
faft birelt bon Dften nadb SBeften erftredt. Qbre Sange beträgt xunb 9000" (2700 m), bie Sreite
burc^weg 350", on ben (Snben etmag toeniger. ®ie Untfiegung beftebt au§ SBaE mit borliegenbent
®raben, genau in ber berniafc^enen ^omi unb ben SDlafeen, wie bie runbe Umlegung bon ©tonebenge
fie geigt. ®iefe Slnlage habe icb otn 16. ©eptember 1910 befuebt. aSenige bunbert ÜJleter norbweftliC^
bon ibr liegt eine gweite bon äbnli^er gornt, aber weit Heiner; nur ibr weftli^er 2:eil ift erbalten unb
1200" lang, bie ©reite beträgt 150"; biefe Slnlage habe icb nicht befuebt.;
©eibe UtnwaEungen werben bon ben (Snglänbern ,cursus‘ genannt unb, als Mennbabnen ju ©tone*
■ beuge gehörig, angefeben. ©obiel ich weife,-ift nur .gerguffon bon biefer Sluffaffung abgewicben, inbent
er bie werlwürbige (ärllärung gab: mit ber UntwaEung habe man baS ©cbla^tfelö tnarlieren woEen,
auf bem bie ©aebfen unter §engift bie Seiten überwunben batten, für beren Häuptlinge bann ©tone»
beuge als ©rabmal errichtet fei. ,
■ 3(b bin mit grofeem URifetrauen ju biefer Slnlage gegangen, habe ihren 2SaE unb ©raben mit Iriti*
febem ©lid gemuftert, habe aEe erbcnllicben SKöglicbleitcn, wann unb woju fie gef^affen fein lönnte,
SRennbalin in ©tonelienge 139
erwogen, aber bin !einem anbern ©rgebni^ gelommen, al^ bie (Snglänber bon jel^er. ^ie SCuf-
fajfung gergnffon^ ift gar nid§t bi^lutabel. ^ie gorm ber Umwattung unb bie SB a l be^ ^elänbc5
\pxe^en fo entjc^ieben für eine fRennbal^n, baß lein anberer 3b:Jed£ auSgubenlen ift. (£§ lönnte fid§ nur
fragen, ob e^ nic^t eine IRennbal^n neuerer 3eit Ware. S)em wiberfprid^t aber ber alte Q:]^aralter bon
SBaE unb (traben, bic ßin^eitlic^leit ber gangen J^ultur bon Stonehenge unb an^ ber. Hmftanb, baß
ein bon Grabhügeln, fo gut wie freiet Gclänbc bon bem ,cursus‘ umfc^loffen ift. 9^ur im SBeften liegen
in einem (Snbftüd gwei Heine §ügel, bic fich fpäter eingeniftet haben lönnen, fowie bie an ber Um== ^
waHung bon Stonehenge. Qm übrigen aber ift e^ bei ber bi(hten SSefe^ung mit Grobhügeln auffaHenb,
baß ein fo langer Strich nod^ hiis^ifi^ei Ö^fitttben fein foHte, wenn ber ,cursusV fpater alg biefe §ügel
angelegt wäre. SSortrefflich gewählt ift fobann baä Gelänbe. ®ic beiben ©nben ber SBahn liegen auf
hoher glä(|e 360" ho^/ bie SKitte gieht fidh burdh.eine leifc Senle, bic big unter 300" hi^obgeht. ®ic
3uf(hauer lonnten alfo. auf iebem Stanbpunlt bie gange Slugbehnung ber S3ahn überkito unb bie
SBettrcnnenben hatten Gelegenheit, bei ,bem hinauf unb. §inab ihre boHe Gefihidflidhleit gu erweifen.
S dh lann alf o ni dh t an b er g ,a lg bi cf e U m w a l lu n g e n t a tf ä dh l i dh a l g
3tennbahnen anfehen. ;
Betracht lommen babei SBagen= unb jpferberennen. fReiterei unb Streitwagen finb für ben
Siorben fdhon burch brongegeitlidhc Steinbilber in Bohuglän unb Schonen begeugt. Unb gwor tritt
babei ber Streitwagen in einer gorm auf, bie ben ölteften im Süben unb Often überlieferten, nodh um
eine Stufe borauglicgt.
^ie Ulennbahn bei Stonehenge in ihrer urwüchfigen, riefenhaften Slugbehnung ift fidher nidht bie
Stadhbilbung eineg griechifÄjen Stabiong; aber oudh bei §omer geht am Grabe beg jpatroHeg bag,
SBagenrcnnen noch über eine fehr weite glädhe. beginn geigt SldhiH in ber gerne bag 3H bag
umfahren werben foH, unb ’f(^idft ^hbnij gur Beobadhtung beg fßenneng borthin. ®ann wirb, log=
gefahren . . . aber bic am Slugganggpunlt fi^enben 3wf^ouer erlennen immer noch nidht, weldhe ^Pferbc
woran finb unb Slfag unb Sbomeneug ftreiten heftig barüber. So entrollt ficCj ung nun audh bei Stoned
hengc mit ber fürftlichen Grabanlage unb ben SBagenrennen alg Seidhenfpielen ein gang homerifcheg
Bilb —2öhih^nberte bor ber-homerifchen Seit • • •
S)ic geftftraße, bic mit öhnlichem, nur etwag fdhwädherem SBaH unb Graben flanliert ift wie bie
äußerfte Ginhegung bon Stonehenge, enbigt heute nadh groblinigem Berlauf 1500" bom ,aftronomi=
fdhen SieinV weiterhin ift ihr Sauf berwifdht. Gg finb aber fidhere Sengniffe borhanben, baß fie ur*
f:|)rünglidh big 1800" bom aftronomifchen Stein grablinig weiter lief unb bann*in ber Senle fidh
gabelte... ■
^er nörblidhe Slrm fcheint ungweifelhaft gur IRennbahn gu führen, wenn, auch feine Spuren gleidh
nadh ber Gabelung fchr fdhwadh werben; er fdheint im Bogen na^ ber Dlennbahn hingelaufen gu fein,
aber idh lonnte nidht erlennen, baß er einer beftimmten Cffnung in jener Slnlage guftrebte," *

®er Bergleiii ergibt, baß bie SlennBalßn in Sangelau für, unfere Begriffe brauch¬
barer angelegt ift, al§ jene homerifche Sftennbabn ober olg bie in ©toneßenge.
Bei foldjen Bergleithen ift-nun aber bie grage ber ®ntftehung§äeit bon größter Be-
beutung. Sie Slnlagen in ©tonehenge f^reibt man ber Brongegeit gu. BSir haben
au§reichenbe ©rünbe, bie umliegenben Hünengräber ber Brongegeit gugufchreiben;
aber bag barf ung nach meiner 20?einung nic^i hinbern, angunehmen, baß bie Sange-
laubaßn ebenfo mie ber gange 5?reig ber Heiligtümer in ber Defterholger 3JZarI i n b e r
3 ei t Jo 0 r b e r • U n t er m e r f u n g b er © a th f e n burth ^arl n o th t n @ e -
b r a u (h gemefen ift. Sabon geugen einige^ bon SKüHer-Brauel beftimmte ©(herben
aug jener Seit,mührenb bie bearbeitetengeuerfteinftüdEihen bieBermertung beg Bloßeg
fchon in ber ©tein- unb Brongegeit bemeifen. Sie Bahn toirb guleßt ben Bebürf»
niffen ber fpätgermanifdhen ?5ahthunberte €ntft)rechenb hetQenthtet geioefen fein. Sieg
beranlaßt mich gu einer grunbfäßlithen Bemerfung.
Stn folcher Sluffaffung mürbe aud) nidhtg gu anbern fein, toenn etoa in ober bei
Sangelau gunbe aug ber frühen ©ifengeit, aug ber Brongegeit ober aug bem ©tein-
geitalter gemacht mören, aber feine aug ber fpäteren Seit. Eben f o b) i e S u n b e
140 9. Slennbatin im Sangelau
au§ ft>äterer Seit niemals bte Senufeung eines 5JJIa|eSinfrü-
tierer Seit auSfcfiliefeen, ebenfofoenig barf allein um älterer Sunbe toillen
baS Stuge gegen Me fbätere Senufeung ficb berfcbliefeen. es ift gemife berechtigt, auS
ben iüngften Senu^ungSseiten mehr guube an erwarten, als auS ben älteren- 58e*
nu^ungSäeiten, aber es fann euch umgetebrt fommen. ®aS Sinben ift eine berartig
unfichere ©acEje ^ unficher nicht nur megen beS tiietifdhen ginberglücES — bafe eine
SSiffenfehaft, bie n u r auf @5runb ■ bon ©batenfunben ejEIufibe Seitbeftimmungen
machen toollte, auf einem fehr ft^manfenben, fort unb; fort äu^Errungen führenben
©oben;fleht.■
®odh bie Seitbeftimmung ift fbätere Sorge unb infofern unmichtig, als äunädhft
Sangelau als borgefdhidhtliche, b. h- in baS germanifche ©unfel fallenbe ^ambf-@biel*
bahn 3u erfennen unb in ben ßreis ber SefterhoIaer Heiligtümer aufaunehmen ift,
ohne 3tücffitf)t auf bie ©ntftehungSseit. A : ■
SSon unferen Satf)archäoIogen barf erloartet toerben, bafe- meine Sinnahme einer
b 0 r g e f ch i ch 11 i dh e n S a n g e I a u • fft e n n b a h n genau n a dh b e n f e I b e n
fochlichen SWafeftäben unb SInhaltSbunften beurteilt toirb, nadh benen bie
©tonehenge-fJlennbohn beurteilt unb bann anerfannt toorben ift.
SSon germaniftifcher ©eite ift meine ©eutung beS „lang" in Sangelau beftätigt.
©tubienbireftor Dr. ®rbt fchreibt: „lang, als germanifcheS ©igenfchgftsmort im
Jtamen ber Sangobarben bejeugt, ift mit bem lateinifchen longuS unb bem Eeltifdhen
longoS (in Sangobicium) bertoanbt. 23on biefem lang ift eine anb e r e SBürsel au
unterfcheiben, bie im mittelhochbeutfchen lingen = glüden, bortoärtSgehen, bortoärtS*
fommen, unb im althodhbeutfdien lungarc = fchnell borliegt. ®ie inbogermanifdhe
2SuraeI*Iengh hat griechifcheSfiAa^jgo? = behenb, fünf, fchneß unb gltinbifcheS langh =
fbringen, bortoärt§fommen geliefert. Sw: felben SBurael gehören langen = au einem
Siel hinreidhen, nach ettoaS greifen (bie Sielftrebigfeit ift aifo bie ©runbbebeutung!)
anlangen, belangen, erlangen, gelangen, berlangen (borlangen). Sangelou' bebeutet
aIfo SieIrenn"Haitt."
Unter ben Swfdhnften, bie aus ber braftifchen Unterfuchung ber heimifdhen Sonb»
fchaft heraus meiner Sang=S)eutung auftimmten, fam bie einbrücEüchfte auS Hagen
i. SBeftf. bon Herrn Jlottmann unb beranlafete einen SSefuch ber ©tätte. 6S ift ein
geebneter SergrüdEen mit herrlicher SluSficht unb heifet „^m langen Soh". S)ie fultifdhe
Sßebeutung ber Umgebung toirb burch aahlreiche glurnamen, Hüße Sanb, fftofengarten,
SIfcheroth, S)onnerfuhIe, Hilfle ©ife, beaeugt.
: SSerblüffenb toirft, bafe biefer ipiah feit SDtenfihengebenfen Sieitbahn getoefen unb
geblieben ift bis in unfere S^age, in benen er augleich aum ©bortblah ber Hoflener
Suflenb hergerichtet tourbe. Stuf ber bon ben alten ©igambrern flug auSgetoählten
©teile fah ich Herren unb Stauen ihre Stoffe tummeln unb bie ^ugenb im Sfambffbiel.
ein hierher gehöriger gaH fcheint mir bei einer auffällig umtoollten SBalbtoiefe im
®onober Süßalbe nahe ber SßibitSheibe borauliegen, ber audh längs ber einen ©eite eine
Sufdhauerbühne unb im Innern ber ©chiebSrichterhüger nicht fehlt. Siefer 5f5lo|
befunbet feine eignung baburch, bafe er neuerbingS aum ©bortblah für bie umtooh-
nenben Sugenbberbänbe auSertoählt unb hergeridhtet ift!
SBenn irgenbtoo an einem alten öffentlichen 5l?Iahe bie alte ©etoolmheit bon 3SoIfS=
fbielen (ouch ©chühenfefte u. bgl.) haftet, bann foHte bie grage gefteHt toerben, ob er
nid^t f(f)on in germamfdöer Seit l)a3u ou§ertoäl)It luurbe. SSenn e§ fic^i einft um grofec
gefte mit fultifdf)em ©epröge gefjonbelt bat, bann finb bielleicbt autf) nodb ©tiuren 6e-
fonberer Verrichtung be§ 5piobe§ für feinen StoecE aufaufinben.^ ^ '

Scbucbbarbt fagt‘: „®ie Slunft be§ ifJoIäoIitbifumS toar für bie StltertumSforf^er
eine grofee ttberrafcbung'', unb er re(bnet mit notb mehr Überrafcbungen. Steine
Oefterbolaer üBerrafcEiung, bie au§ einer für ihn ünertnarteten 9titf)tung fam, bat er
Dortneg megen ber Slftronomie abgelebnt. 3l’ber e§ mürbe inicb freuen, toenn mir
un§ hier über Sangelau bie Vönbe reichen fönnten. ®a§ bürfte mit bon ber 3Iner-
fennung beg V ü g e I b e i I i g t u m § amifdben Sangelau unb ßönigglau, fei: e§ alg
©tötte be§ Stbnenfultug, fei e§ oI§ ©tätte be§ @ötterfultu§, fei e§ al§ Beibeg augleicb,
abböngen, au beffen 93efutf) in feiner füllen @enneeinfamfeit idb burä) ba§ foIgenbe
^ajjitel einlabe.'' ■' f
Unfere bon VerrnD.SSina geaei(bnete ©fiaae, bieSanoramaaufnabme bc§ Stennbabn"
gelänbeg burcb Verrn Süfterfief, bie um ber örtlidben ©cbmierigteiten millen au§ amei
Slufnabmen aufammengearbeitet unb einbeitlicb gemad)t: merben mufete, fomie bie
^arte be§ Verrn OberftIeütnant ©dimibtmann mögen eine SSorbereitung beg 99efucbe§
fein, ©in unfagbarer Stieben lagert über ber Sanbfdiaft, öon ber eine einfidtige
Stegierung boffentlicb ben bebenflicb nöberrüdEenben Sampfpflug fernbalten mirb.
SBer bie ©tötte auffucben miH, mirb am beften 100 ©dritte meftlidb beg OefterboIaer
©aftbaufeg VwtiecEe bon. ber Sanbftrafee nörblicb abbiegen.

• ‘ Stlteuropa, 1919, ©. 24.


10»^^ügell^eiligtum 5tt)if(^en ben Sauen
(Fanum Ostarae Deae prope Oesterholz?)
alten ffletooi^ner ©nglanbs unb ber Bretagne J&aben mit SSorUebe su t^iren
^^ßultftötten, fei e§ nun be§ St^inenbienfteS, fei e§ be§ ©ötterbienfteg, gelpaltigc
©teinblödfe berangefc^afft. StucJ^ tm norbtneftlidöen ©ermanien; BefonberS ba, mo ein
grofeer ginblingSjegen aur SSerfügung ftahb; fehlen iöeiftJiele in biefer SRid^tung nid^t.
SBer einmal bie mädfitigen @teinf e^ u n gen ber @ SSraut, ber SBiSbecEer
Sraut, be§ Sßi§betfer J8röutiganTä ober eins ber getoaItigen iFiegaIitI)grä^ in ber
iRäI)e OSnoBrüdES; ber Süneburger .geibe ufto. gefel()en Bat; toirb bab einen ftarfen
(SinbrudEBefommeh BoBen. '
Öebc Seatoeiflung grofeaügig organifiertenlBoIIenS unb großen tetBnifdBen Könnens
untererJBorfdBren toirb burdB bie SD'ZegalitBgröBer aunidBte gemadBt.
Untere SorfaBren? '^ e§ auf ardBäoIogitdBem ©eBiete uBe^Baupt einen SetoeiS
für ettoaS gibt, toaS üBer bie materielle’©eite eines SefunbeS BinauSgeBt/ to BeredB*
tigt uns bie ®uri)fortdBüng ber borgefcBicBtlidBen ©röBer aur SeBaubtung ber © t e -
t i g E e it b e r J8 e b ö I f e r u n g im norbtneftlidBen SeutfdBIanb, 2RüIIer-93rouer
togt%- „3Bir feBen Elar, toic fidB bie gormen ber ©röBer auS fidB BerauS immer natürlicB
toeiter enttoidEeln —, toer feBen to i 11, ’mufe baS feBen/iUnb ©dBud)BarbU:’ ,,gür SRorb»
toeftbeutttfilanb ab>eifelt niemanb, bafe bie ©adBfen äBitteEinbS nod) bie' unberfälfdBten
tRad)fommen finb ber ©teinaeitleute, bie bie großen SRegalitBgröBer erbaut BoBen." ■
SEBer too ginblinge feBIten, loar in ©ermanien bie iReigung toeit meBr auf bie
©rridBtung bon ^olabnuten unb ©rbtoerfen geridBtet; ®ie o I a B a u t^e finb
mit Sei^tigEeit fdBneU unb reftloS ber grunbföBIidBen Serftörung anBeimgefalten. SSon
ben EuItifdBen ©teiltBauten toHten audB bie ©runbfteine auS ber Erbe gegraben
unb berftreut toerben. ;®arüBer mirb in unterem Habite! über bie Ortung ber a3erg=
Beiligtümer eingeBenber äu reben tein.^
SBaS bie ©rbinerEe anlongt, bon benen unS 3BiIIt) iPattor in feiner SEItgermani=
tdBen SRonumentoIEuntU intereftante 53eifbiele Bietet, fo ift inan fidBerlidB aud) ouf
iBre gerftörung BebadBt gemefen. 3IBer bie baau nötige Slrbeii bürfte tooBI um beS=
toillen nidBt immer aufgetoenbet toorben fein, toeil man ttcB fdBeute, bie ©rä Ber mit
au ftören, bie untere SSorfaBren mit SSorlieBe in bie geBeiligten ©rbmerEe eingebettet
Botten. iRur Bieter ©cBeu berbanEen tnirnucB tooBI bie teiltoeife ©rBoItung ber großen
SinbIingS=©teinfeBungen beS norbtoettb'euttdBen ^eibegebieteS.
^^Sn gleidBe tRidBtung toerben untere ©ebanEen au geben Baben, toenn in ber Defter»
Bolaer SlRarE nodB gut erfennBar ein E u 11 i f dB c S ® r b in e r E erBciIten ift, toeldBeS
oBne jeben gtoeifel augleidB audB Bern SIBnenEuItuS gebient Bat (SIBB. 50). ©S inirb
beStoegen bon ben toenigen, bie eS üBerBoubt in feiner ©intomEeit erBIidt Batten,.
toaBrtcBeinlidB mit einigem Staunen fn bie tfteiBe ber^günengröBergrubben geredBnet
toorben fein.
©in SBergleidB mit aden anberen günengröBergrubben toeift BeadBtenStoerte Unter-
fcBiebe auf. Sie auf eine feierlicBe SInorbnung beS ©anaen bertoenbete 2RüBe unb
Sorgfalt ift unberEennBar. Sind) UntertdBeibungSmerEmoIe in ber gorm ber gügei finb
‘ a)lüEer=Srauet in ber aSeferäeitung 1930 31r. 489. = ©c^ucIBarbt, Stlteuropa, ©. 341, ©trapurg
unb Serltn, SrüBner 1919. ® tpaftor, SlltgexmanifiBe SülonumentaUuntl, ©efarbt, Setpätg, 1910. •
(Jrblüerfe 143

öorl)Qnben. ©agu fommt eine auffällige Sulnegung, iinb frf)liefelicf) tneifeii bie ganaeu
3ufainmenf)änge mit ber Umgebung Serböltniffe auf, bie un§ 311 ber Slnnabme führen,
bafe bi^t* nicht nur ein I)ert)orragenbe§ ©räberheiligtum, fonbern aucf) eine Snit»
ftätteaur ©ötterberebrung Uon befonberer Sebcutung t)or uu§ liegt. ®aran
muß fid} bann bie Silage fnüpfen, ob e§ nid)t ba§ „Fanum Osterae Deae prope Oester¬
holz“ ift, Don bem im 17. ^al)rl)unbert nod) eine (Erinnerung fid) erhalten hotte.
Sn faft unmittelbarem Stnfchlufe an bie Umtnallung be§ Sangelau, unb Ineniger aB
lüO m hinter bem ftattlichften 5£eil be§ ben ^ampfblafe umgebenben .§ügel§, erftredtt

21bb. 48. ^er mittlere ^egel

fid) ettna im rechten SBinfel aur Umlnallung ein ettna^ nad) Storblneften gefrümmter
.giigelrüden Uon 230 m Sänge, in bejfen 33ogen, t)om iSamm be§ $ügeB eüna 90 m ent=
fernt, ein weiterer Senneteid), nid)t meit bon bem bereite ermähnten 2^cidh an ber Um»
tnallung be§ Sangelau, fidh befinbet. Sl^an berglei(^e liniere iSarte ber Saue in ber
^^Raxt Defterhola.
Sie .§öhe be§ ,gügelrürfen§ über bem ©elänbe ift ettna 12 m. Slber auf bem fdimalen
Samm be^felben erheben fief) nod), in etlna^ ungleid)er Entfernung Ooncinanber, aber
in ber gleichen .§öhe bon 1,50 m brei Siegel in reid]lid)er .^ünengrabgröfee. Sie
unterid)eiben fidh bon anberen Hünengräbern burd) ben fteileren Stufhäufung^minfel,
burd) bie Segelform, alfo ben ä)7angel ber üblidien Rorm aB Sugelabid)nitt, fcblicfelich
burdh bie ©röfee unb 51rt einer fd)arfen 5lbblattung§fläche bon 7 m Surdimeffer, bie au§
ben ©törungen bnrd) bie 31u§grabung§bcrfuche (meldjc atucifellog ftattgefunben hoben)
nidht erflärt Unrb. ©ie bieten ben 5lnblicf bon ®ranbftabeln, benen bie 2tbblottung§»
fläche ben entfbredienben bequemen JRaum bot.
144 . 10. $ügelt)etligtum ätoifdien, ben Sauen
2tu(f) eine bierte, ettoa§ pJiere unb umfangreichere Erhebung über bem ^ugelfamm
in ber bemabrten ober berßefteHten gorm eine§ ^ugelabftf)nitt§, bie (ich, h)ie unfere
^arte geigt, in etoa§ gröfeerer Entfernung am fiiblneftlicfien @nbe be§ $ügelrüden§
gunächft bem Sangelau-SBaHe befinbet, gehört ficherli(^ auch äu bem @t)ftem unb tnirb
feine befonbere Sebeutung neben ben brei Regeln gehabt haben.
£)b ber gleiöhmöfeig gefteigerte Unterfchieb ber Entfernung üon Dlorboften nadh ©üb*
trieften auf 2Ibfi(ht beruht, entgieht fich au(h ber SSermutung. ^ebenfalls ift ein fo ftatt*
lieh, fhntmetrifdheS, feierliches SluSfehen bei getoöhrtlichen ^ünengröbergrupben nach
meiner Kenntnis autf) nicht annöhernb gu fihben. ^ ^
2)a§ aWaterial gur Stufhäufung inenigftenS bon gtoei ber brei J?egel fcheint nicht
nur bem ©anbboben beS Bügels entnommen gu fein, fonbern auS bem bis auf bie
.göhenlage beS ©elönbeS hemntergegrgbenen nörblichen Enbe beS ^ügelS. SDurdh
biefe SIrbeit ift unfer ^ügel mit' ben bier Erhebungen auf feinem Üfücfen als ein abge-
fonberteS, gufammengehörigeS ©angeS noch Ilarer herauSgearbeitet unb tbirb babur^
bon feiner flo^eren Sortfehung nach D^orboften gang getrennt.' 3tn biefer ©teEe ift
bie fehr anfehnliche SnflangSftrafee gu bem Heiligtum in einer Sreite bon 12 m burch*
gelaffen unb führt loeiter gu bem fich hier anfdhIiefeenben „^fönigSlau". Safe ber S)urch*
fchnitt beS $ügelS nicht auf bie gleiche SIrt toie ^ohltoege entftonben ift, fonbern auf
merif^Iicher SIrbeit unb Slbficht beruht, ift auS bem SSerlauf ber Sinien an biefer
©teile angunehmen. Sie SSermutung, bafe Erbboben auS biefem ©urchfchnitt für bie
gluei nöchften ^egel auf ben §ügel hinaufgefchafft fei, beruht barauf, bafe fich an biefen
Siegeln eine bon ber gleichmäßigen tSetnachfung beS gangen ®ügelS mit ^eibefraut
fehr berfdfiebenartige glora geigt, unb gmar biefelbe^ bie auch unten in ber faum be*
nußten breiten ©traße gu finben ift. -
Unfere ©higge, auf ber eingelne ftörenbe Säume fortgelaffen finb, gibt einen
EinbrucE bon bem Silb, toelcheS fich unS bietet, toährenb bom Shotographen um
beS SaumbeftanbeS toillen fein ©tanbort gur Erfaffung beS ©angen getoählt merben
fonnte. ®oS Silb genügt, um ben Unterfchieb gu erfennen, ben biefeS Erbmerf bon
einer bloßen .§ünengräbergruppe aufloeift, unb boß hier eine monumentale Slnorb-
nung borhanben ift, bie für nach unb nach fich aneinanber fchließenbe Hügelgräber
teeber nötig noch üblich toar, fonbern noch unter anberem SefichtSbunfte ’^tt onberem
Stoeä entftanben fein mirb. -
SSon größter Sebeutung gur JUärung ber gongen ©atfilage ift bie ErfenntniS, boß
SIh n enb er eh r u n g u n b ©ö tt e r b i en ft in ber alten SSöIfertnelt aufS innigfte
miteinanber b er f n üp f t toaren. SlUe ©räber tooren heilig unb gogen bie ©ebanfen
gur ©ottheit empor. Slüe bem ©ötterfult getoeihten ©tätten tooren gugleich beborgugte
©tätten für bie Seftattung ber SSerftorbenen. ©ie SPeamiben nicht minber toie ©tone*
henge bienten beiben ©eiten beS veligiöfen Sehens ber Sllten. ®er SKacht biefeS ©e*
brouchS hat fich auch bie chriftliche Kirche feineStoegS entgiehen fönnen. Dlicht nur
an ber Kirche tourbe begraben, fonbern bie Kirchen felbft tourben gu SegräbniSftätten.
©0 toenig femanb einer J?irdhe ben Eharofter einer ©tätte beS ©otteSbienfteS ob*
fprechen borf, toeil barin begraben ift, fo irrig ift eS, einer germanif^en ©tätte ihren
Haupteharafter als ^?ultftätte abfprechen gu tooCen, toeil fie gugleich eine SegräbniS*
ftätte toar. 35ie Singeichen für eine ßultftätte bürfen nicht nach SP^öglichfeit beifeite ge-
Sirenen« ünb ©ötterbienft 145
fäloben irerbeti, fonbern muffen umgeJe^irt oufS forgfältigfte Beadjtet toerben, toeti fie
auf ber Stufe fiöd^fter SSQf)rfcöetnItd)feft liegen,
©ielletdöt ift unfer ganseS ^ügelfieiltgtum burc^fe^t mit Urnengräbern, ^(f) habe
jebodö feinegmeg§ bie Slbfidjt eine Surc^fuc^ung biefeS ^ügelS, ber eine SIufeenflocEie
bon mehr al§ 2 X 250 X IS.gleid) 7500 Quabratmetern barbietet, 3u befürtoorten, toeil
bü§ ©rgebniS für bie hier borliegenben hüc&ttgen fragen auf feinen gaH
roefentlit^ neue ©rfenntniffe’bringen fann. ginben'toir ©räber, fo tbirb unfer'c jefet
fcbon abfolute ©eteifebeit nur nod) unterftricfien: benn fein lOtenfcb Jbirb an bem
aSorbatibenfein bon ©räberh slbeifeln.’ Sinben tbir feine, fo tritt ber ©ebanfe an bie
©ötterberebrung bei biefern einbrudlidjen ©rbiberf al§ fein ^aubtaWed um fo mehr in
ben ißorbergrunb. S)er Unterfd^ieb gegenüber anberen ^ügelgräbergrubbert unb ber
tnid3tige Sufammenbang mit bem al§ 8tennbabn erfannten Sangelau — roie in ©tone*
benge — ift fo ober fo ba. kleine @rabung§berfucbe finb gans atoedloS; eine ®urcb*
fucbung im großen SluSmaße, bie ein irgenbtoie bea(bten§toerte§ ®rgebni§ aeitigen
fönnte, müßte gugleitb aud) eine embfinblicbe Störung ber feßt munberbar gleidb*
mäßig mit ^eibefraut übertoadifenen,.SIäcbe unb beffen, tba§ borunter ift, mit fid)
bringen, ttberlaffen hJir eS baber bem einseinen, ob er mehr ober toeniger ©räber
unter biefe’r .frieblicben Secfe bermuten toiH.
aSon erbeblicber aSicbtigfeit für bie aSeurteilung unfere§ §ügelbeiligtum§ toirb ein
aSergleitb mit bem bebeutenbften berartigen ©rbtoerf in ©dtoeben, ben brei /,^önig§"*
ober „Sbingftätten"bügeln in 3111 u b f a I a. 2Wan hielt fie auch früher in ber arcbäo*
logifcben 2ßiffenfd)oft ©cbtoebenS für bloße Hünengräber. ®a man aber nur je ein nicht
überfdhütteteS, fonbern nur in bie aufgefchüttete ©rbe eingebettetes ©rab fonb, fo bat
bie Strtbäologie baS getoaltige ©rbtoerf nunmehr al§ ein Heiligtum sur ©ötterber*
ebrung erflärt (SIbb. 49). ®iefe ©inficht fommt ergänaenb gu ben S'orfchungSergeb*
niffen StermannS in ben ^jobren 1913 unb 1917 binau.
Sludh Slltubfala bot, troßbem fein 3tome ouf brei Hügel lautet, noch einen bierten,
ber mit aum ©hftem gehört, ba er auch.fünftlich entftanben ift, er ift fleiner als bie
brei onberen. Unfere ©trichaeidinung ift 3»r Sßiebergabe beS ©inbruds geeigneter,
als bie a3botograbbie, bie ich in ber erften Sluflage brachte. ®ie ©leichartigfeit beS ber
fd)n)ebifchen SInlage augrunbe liegenben ©ebanfenS mit unferem Oefterbolaer Hügel*
■beiligtum fbringt in bie Slugen.

©ine unmittelbore aSeaiebung aum Hügelbeiligtum unb ben aoblreidien hinter bem
ßönigSlau unb bor bem ^reuafruge liegenben Hünengräbern bat eine 5 km lange, bon
©üben unb ©übmeften beronfübrenbe ©traße, bie feit alterS ben 97amen „SIf chen*
m e g" trägt: auf ihm mürbe im feierlichen Snge bie SIfche ber ©roßen ouS bem ©ebiet
ber aWarfer aum Heilißtum amifdien Sangelau unb ßönigSlau unb au ben ©rabftätten
geführt. S)ie übrigen berfu^ten ®eutungen befriebigen gana unb gar nicht, ober.für
einen aSeg, ber in bem mehr als ameitaufenbfäbrigem 3eitalter ber Seidienberbren*
nung in einen fo berborrogenben ©räbetbeairf führt, ift bie obige Seutung bie nächft*
liegenbe unb einfachfte. ©ie feßt borauS, boß bie feierliche aSerbrennung beS SeichnamS
mit ben auSermählten Höläern, bon benen unS S:acituS eraählt, im Heimatorte bor fich
ging. aSir erinnern unS hier an bie auch in unferer Seit noch nidt überoE aufgege*
bene ölte chriftliche ©itte, ben ©arg eines aSerftorbenen bor ber aSeftattung um bie
10 Xcubt, ©ermatiildöc ^ctligtümcr
146 10. $ügel]6etligtum 3toif(fien ben Sauen •
Sirtfie ober toenigften§ an ibr borüßer 3u füßren. SStr neßmen an, bafe bte Stilen in
ber gleitfien ©mpfinbung bte Stftfie ber SSerftorbenen an bem itinen Befonber§ ßetltgen
®reißugelßeiligtum borbeifüßrten, Joenn fie ficE) nicfit loegen aHäugtoBer Entfernung
ber a3egräbnt§ftätte mit ber Vtmfut)rung um eine ber tieineren ßultftätten begnügen
mufeten.
SSon erbeblicßer Sebeutung für bie Sticßtigfeit unferer Seutung be§ Stfcbenmeg§ unb
ber hier bermuteten Sitte ift bie neuefte Ofeftftellung SB. ®üfterfief§, bafe ber bom
©reibügelbeiligtum fitf) in ber Sfticbtung auf ben Äreuäfrug fortfe^enbe Stfcßen-
toeg in ber gleidben erßeblitfien S3reite bon,12—14 m, beutlicß erfennbar burcE) bie SRefte
ber UrnmaCung, bie geftftrafee füblicE) be§ ßreuafrugeS überquert, nod) 700 m meUer
3u einem großen @ünengrabl)ügel binfübrt unb an biefem fein Enbe nimmt. Eine
Sortierung mürbe nicE)t gefunben, aud) nidßt in normaler SBegbreite, fo bafe bier ber

3tB6.49. Stltubfala

3med unb bte Sebeutung be§ 3lfd)eumeg§, 3U ber SegräbniSftötte 3« füt)ren, un»
berfennbar 3utage tritt.
®ie ^egelform be§ grofeen @rabe§, an meld)em ber SBeg enbet, läfet bermuten, bafe e§
3uglei(b eine Mtifcße geuerftötte mar. ®ie§ merben mir überall anneßmen muffen, mo
ficb auf ben Hügelgräbern eine nidit burd) ®rabung§ftörungen entftanbene, ebene
Slöcbe bon minbeften§ 5—6 m S)urd)meffer finbet.
Stu(b bei ben Sötlinger heiligen Stötten in Olbenburg gibt e§ neben ber „EerithtS*
ftätte" smifcßen Hünengröbergrubben, ber ©laner 93raut unb ber „Sangemanb" ein
31 f cb e n b e d unb Stfdenftebt.
$er Slfdenmeg, ber febt an ber meftfälifdien @ren3e fdroff abbridjt, aber bocß meiter
nach ©übmeften geführt haben mufe unb ben 3tnfd)Inh an bie grofee fehige SoIIftrahe
be§ Srubbenübung§bIore§ gehabt haben mirb, hübet auf 3 km bie @ren3e 3mifcEien ber
SSogtei Sdlangen unb ber ©emeinbe Hauftenbed, beren einft fiSfalifcheS ©ebiet ent^
meber nod) 3U bem SKarfengürtel Sefterhol3—Sthlongen gehört hat, ober ba§ öftlid)fte
©ebiet ber „Ultimi Brukterorum“ gebübet haben muh, menn mir bie taciteifdie £irt§be»
fchreibung genau nehmen. So befommt ber Stfchenmeg 3ugleid) bie S3ebeutung einer
©rensftheibe, auf ber bie SJtarfer 3U bem aud) ihnen 3ugehörigen Sol) mit feinen hei»
Sffc^entoeG 147
ligeit ©tötten r;eronfomen, o^ne ein nitf)t tfinen geprigeS @e5iet su Betreten. Ser
SBeg trägt jep nod^ fteHennjeife ein feierlidie§ 2Iu§fepn Butd^ pt;e, 3um Seit bopelte
Sanneneinfoffnng auf nod^ teiltoeife erfennBoren aBöHen, Bie audö ip auf Beiben ©ei-
teil gana Begleitet 3u BaBen fdBeinen.
STudB fonft muffen mir ber Suteegung äu ben Heiligtümern unfere Slufmerffamfeit
äutoenben..^kleinere Per größere ©tredEen bon ßiefernaaeen ober ßiefern-SoBbel-
flileen, bie fidf) in ber fdBIidBten HßibelanbfdBaft merftourbig genug ouSneBmen unb für
oüe fböteren aSerBältniffe atoedEIös erfcBeinen, finben fidB auf aCen SBegen, bie ficB nocB
al§ Sumegung au bem Heilifltum erfennen laffen: aunädBft atoifcBen bem Heiligtum
unb ber faum 1.00 m entfernten ©trafeenireuaung, au ber ber StfdBenmeg füBrt, bann
bon eben biefem ißunft au0 in nörblidBer [fiidBtung, ferner auf mehreren Streifen be§
Sßege§, ber bom Heiligtume au ber grofeen geftftrafee (Sürftenaüee) füBrt unb am
©utpof OefterBoIa in fie einmünbet.

2t6B. 50. ©reiBügelBeiligtum

Safe fiife üBerfeaubt foldfee aBgeriffenen Streifen mit iferer neueren unb neueften San-
nenBematfifung nodfe finben unb bon un§ oI§ Erinnerung an aSerfeältniffe einer Seit
bor 1000 Saferen angefefien toerben bürfen. Bat feine gute forftlidBe Segrünbung.
Senn feBr oft ift unter ber ftärferen SetoadBfung nodf) ber aBaü au Bemerfen, beffen
emftige StuffiBüttung bie Sttögliifefeit au fo ftattlidBer iSetoaiBfung inmitten be§ fterilen
©enneBoben§ BergegeBen Bat. SfudB too feine ©bur be§ aBaüeS meBr'au entbedten ift,
ift mit SidBerBeit anauneBmen, bafe er einft bagemefen ift.
Ein Befonbere§ ^ntereffe Bat bie 3u gang§ ftr afe e au ben Heiligtümern bon
OefterBoIä Ber, toeil fie eine StBatoeigung ber grofeen geftftrafee (gürftenoEee) ift. ^Bre
Beiberfeitige einftige Umtoallung liegt noife an meBreren aucfe aiemlidfe langen ©tredfen
Banbgreifliif) bor Slugen. Su ©toneBenge ift ber aSeg au ber fRennBaBn eBenfaHS eine
WBaloetgung bon ber bortigen Seftftrafee. ■ Sfn ber StBatoeigfieHe Bei OefterBoIa geBt bon
ber geftftrafee noife eine meitere ölte ©trofee in norböftliiBer füiiBtung aB; fie füBrt naife
ber Olten Haubtfteüe be§ 2ßalbe§ für bie Haltung be§ ©ifetnoratoilbeS (bie einftige
EBeraudBt?) unb bann meiter nacB ben Ejternfteinen.

^JeBren mir aum HügelBeiligtume aurücE! Sn feine tiefe Heibeeinfamfeit füBrte


midB aum erften SJtale ein alter anmoBnenber Heibfer, um mir auf meinen 2BunfdB
10*
148 10. $ügell)eiltgtum ätoiftfien ben Saueu
bie ©teile 3u seigen, too bie ^^ugenb ber früfier gans bereinaelten, jefet in biefer
©egenb ettoa§ sofjlrettfiereu ©etbebetooljner gelnoljnt jei, it)re Ofterfeuer abauBrennen.
Sluf einer aiemlicb grofeen Si^tung lag ber ^ügel mit feinen bier ©rbebungen — ein*
brutfgbon gleid) ouf ben erften SSIicE — bor mii:. ©r luieS auf ben mittleren ber brei
gleichförmigen .tegel. „®a§ ift bie ©tellel" @o lange er fid) erinnern fönne, fei nie¬
mals ein anberer bon ben aafilreichen bügeln ber Umgegenb genommen.
es gibt biele Ofterfeuerftellen im Sanbe, loedifelnb unb ohne fSebeutung. Slber an
biefer ©teHe in biefem 3ufammenbange barf bod) ber in foId)er Überlieferung liegenbe
unloögbare Sßert nicht unbead}tet bleiben. Sie ©eluohnheit mag ein erbe beS alten
©adifen fein, ber als lefeter -• bielleid)t noch öiele ^ahraehnte nad) einführung beS
ehriftentumS — an biefer ©teile beim Sluffladern feines ^olaftofeeS toeniger an bie
SWödite beS neuen ©laubenS gebad)t hat, oIS an baS, toaS ihm ber ©rofebater bon ber
gruhlingSgottheit, ber gefchlechtlofen Oftara, eraählt hat.
greilid) auch ohnebem hätte fich bie Ofterfeuerjugenb biefeS ©ennetoinfelS feinen
fchöneren Sßlah auStoöhlen fönnen. hinter fid) hat ber auf bem Ofterhügel ©tehenbe
bie ftattlidien liefern unb SSudien beS Sangelau, feitlidh ben nidü minber prächtigen,
in biefer ^eibegegenb hoppelt einbrüdlichen ^o^toalb beS J^önigSlau, bor ihm ,liegt
bie fchimmernbe ^ommerfenne unb ber langhin fich ftre'denbe fräftig anfteigenbe
Seutoburger Sßalb in ben hellen, bunten SrühlingSfarben beS fblifdimalbeS. Unb baS
©anae ift bon bem tiefblauen Son überhaud)t, ben toir über ber ©enne geteohnt finb.
• ^n SBürbigung oHer hier aufammenfommenben SInaeidhen unb Umftönbe bürfte
bie Sinnahme als berechtigt unb toohlbegrünbef erfcheinen, bafe mir in biefem unamei-
felhaft borgefdiichtlichen §eiligtume eine ^aupt.^ultftötte ber SWarf Oefterhola, etma
baS „Fanum Oestarae Deae prope Oesterholz“ ber ©rinnerung beS 17. ^almhunbertS
au fehen haben. Sie brei gleichmäßig auf bem ^ügelrüden errichteten Kegel finb bann
mohl in erfter Sinie als SSranbftapel anaufehen, auf benen am höchften gemeinfamen
gefte ber benachbarten Stämme bie heiligen geuer au ©hren ber ©ötter—vielleicht
ber brei ©bengötter SBoban, Shumar unb ©ahSnot (gro, Oftara), ber altfächfifchen
StbfchmörungSformel — emporloberten. Saneben mar baS unentbehrlidje SBaffer für
bie Opfer unb im unmittelbar fid) anfchließenben Sangelau roHte fid) in ben Kampf*
fpielen oor ben Slugen ber feftlichen SWenge, ebenfaüS au ©hren ber ©ötter unb ber
toten §elben, baS begehrte ©chaufpiel ber Spiele unb ber Kämpfe ab. Man fämpfte
au guß, au SBagen unb ouf ben flloffen, bie burd) bie Srift om ©delou ber Stennbahn
angeführt maren.
Sehlgriffe ober Errungen hier unb ba mirb fein SSerftänbiger alS einen ©runb
aur SSermerfung beS ©anaen anfehcn. ©S fonn fa nur ein taftenbeS Vorbringen in
baS uns fremb gemorbene unb naheau unbefannte Sanb beS geiftigen ©choffenS unfe-
rer Vorfahren fein, in ein Sanb, au bem bie rechtmäßigen Vrüden unb SBege aerftört
finb unb in bem bie SBegmeifer'unb SBahraeidien nach SWöglichfeit bernichtet mürben.
SIber mir finb, glaube ich, auf glüdlicher gährte. Senn eS fdjeint mir über alte
gmeifel erhaben au fein, baß bie gorfchung in ber Oefterholaer fütarf unb bem bamit
in Verbinbung ftehenben Vtarfengebiete ber Sippequellen bis hin au ben ©jtern*
fteinen nach SopShorn unb aur Seutoburg, ben fulturlid)en Vtittelpunft ber großen
hier aufämmenftoßenben germanifchen ©tämme au erbliden hat, unb baß fich hier
für bie gorfchung ein gelb bon aüßergemöhnlid)er ©rgiebigfeit auftut.
2)te aiibereii Saue 149

ß cf e 10 u, S i n b e I a u, ß ö n i g § I a u
@I)e bte $aine ber Oefterl^olser 2>ZarE fo btel öffentliches ^ntereffe ertoecJt hciBen,
bafe moncfje wünfchenStoerte ©rabungen bou ben basu SSerufeneu — au benen itf) mtcE)
nicht rechne — ouSgefiihrt toerben fönnen, ift bie ßrEennung ihrer SSebeutung auf ben
autage liegenbeniSefunb unb auf ihre Stamen angeioiefen itn Snfanrmenhange mit ber
©efamtbebeutung berßefterhoIaeriWarf. ©ana ohne benSBerfuch einer Deutung ber brei
anberen ^aine ßrfelau, Sinbelau unb J?önig§Iau tbiH ich an ihnen nicht borüBergehen.
SDie mächtige ©röfee beS.ßcJelau bon einem Duabratfilometer = 400 SKorgen,
feine boHftönbige UrnmaHung, feine SSemäfferung unb fein Ütame führen au feiner
Seutung als gohlenfamp, unb atoar, toeil eS eben ein Sau ift, als baS für bie jungen
h e i I i g e n ip f e r b e beftimmte ©ebiet. '
Sn feiner lirnmaHung ftecEt eine getoaltige SIrbeit, obgleich bie SSäHe, bie eine Um'
aöunung (Änid) au tragen hotten, jeht erheblich fchtuädher finb unb ftetS getoefen finb,
als bie SBälle bon Sangelau unb ßönigSlau. ' '
ßine ftarfe S3eftätigung unferer Seutung liegt in ber bon bem großen Quellenteich
in ber ©ennetrift abhöngigen, in bem ganaen öftlichen Seil noch bemerfbaren Setoöf-
ferung, an ber SJtenfchenhanb mitgeholfen au hoben fcheint. SBelcher 93efiher fönnteunb
toürbe einen berartigen Sluftoanb für ein ©enneftüci machen, aufeer jene SWänner ber
germanifchen Seit bie für auSerlbählte heilige ißferbe forgen moHten?
S)Qau fommt ber 92ame ßdelau, beffen Sufommenhang mit bem in equus liegenben
©tamm bon ben bon mir befragten ©ermaniften als mahrfcheinlich ober auch mög¬
lich ongefehen toirb. Sn ©chleStoig-^oIftein ift „ßde" noch jeht ein fitame für „©tute".
®er Sufammenhang beS 33orteS mit „ßgge" ift um beS ©elänbeS miHen unmöglich,
mit „ßiche" unmahrfdheinlich, toeil Eichen neben Suchen nur einen eingefprengten S;eil
beS fiieferntoalbeS auSmachen. ES tönnte noch on ben 3tiefen EcEe ber S^hibreffoge
gebacht toerben, ben ber bon ©oeft fommenbe Dietrich antraf; baau gehört bann ein
©tein, in benr ber 3tiefe mohnte, unb bon bem er auSgegangen toar (Ejternftein?).
®ie cgöhenlinien ber geologifchen ßarte toeifen im Edelou an atoei ©teilen eine be>
merfenSmerte fftegelmähigfeit auf. S)ie Sobenbefchoffenheit ift auS ber Umgebung
mit ©orgfalt herauSgefucht (S^on unb iütergel mit Slöuergefchieben, SoMfacieS ber
©runbmorönen).
®aS Sinbelau ift im ©egenfah au ben brei anberen Sauen nicht umtoaHt. ES ift
eine Sobenerhebung barin; SBaffer ift nicht borhanben, aber einige ©chritte auBerhalb
feiner ©renae ein anfehnlicher Seid). ®er 3tame meift, toenn mir nicht an Sinb =
SBurm, Stnbmurm, benfen moHen, auf bie Sinbe hin, bie in ®eutfchlanb als SBalb-
Baum nicht in Setracht fommt, bagegen als ©erichtsbaum noch über bie germa«
nifche Seit hinaus in unferen alten Drtfdhoften eine Solle gefbielt hot. ES mag beS»
megen nicht als unbegrünbet erfcheinen, menn mir im Sinbelau bie ©erichtSftötte
fehen, bie bei bem Heiligtum au ermarten ift. ®ie Sinbe fdheint fich nirgenbS ohne Sin»
bflonaung au erhalten; barum ift bon ihr ouch im Sinbelau feine ©bur mehr au ent-
becfen. Wogegen finben mir amifchen ben liefern bie Eberefche, bie ebenfalls als ©e-
richtSbaum galt. Su ber Sähe aeigt fich ouch bie SIfaaie. ©ie fcheint in ©übbeutfch»
lanb ein beboraugter ©erichtsbaum gemefen au fein; aber ich fonb fte auch in Sorb»
beutfchlonb mehrfach bei alten ©erichtsftätten, a- S. in ^ermSborf bei Serlin. SIuS
Slfaaienhola mar nach ber Segenbe bie Sornenfrone Ehrifti unb ber ©tab SIronS. ®ie
150 10. .gügeltpeiligtum ärt^tWen beit Saueu
grofeblübenbe Strt (Famesiana) ift erft um 1700 au§ 3P7ttteIamertfa in !Seutfc[)Ianb
eingefübrt.

®Q§ ßö ni g§Iau ift in einer ©röfee bon nur 14 SJZorgen gans bon einer fröftigeh,
ben SBöHgn'be§ Öangelau (2tE)b. 45) minbeftenS gleiäimertigen Umtoallung ein*
gehegt, bie äu bem^ert biefeg <Senne*0tücEd^en§ al§ §ube in garieinem SJerbältniS
ftefit. ©in biofeer mirtfdjaftlic^er Stoed ber Ummallung ift entfcfeieben absulefenen.
®a§ ^önigglou feot jefet fein SBaffer, eine luinäige ©umbfftelle fönnte al§ Slnaeicfeen
frufieren SSofferS angefefien toerben. ©§ ift bürrer ©anbboben, ber aber trofebem einen
ftottlitfien ^iefernbotf)toolb trögt. ®er ©ebanfe an ein Säger, eine ©ieblung ober
irgenbeine ©inritfitung sum SIufentbalt für SJIenfdben ober Stiere mufe al§ gana un»
ibabrftfieinlicb erfdbeinen. •
SBo§ fann biefer ftarfeingebegte ißlofe be§ ^önigSlau, ber burd) feinen 97amen ba§
©epröge eines auSertoöblten beiliflen §ain§ trögt, bebeuten?
S)er eingige in ^önigSlau befinblidie §ügel, ber möglidiertoeife ©röber birgt, ift
lönglicfe geftredt (ettna 80 m) unb bietet niditS SSemerfenStoerteS. ©oldbe langgeftred*
ten ®ugel, etloa in ber gorm, mie ©d)ud)f)arbt einen folgen am Oftenbe ber Ulenn*
bafen bon ©tonefeenge al§ ^ünenfeügel auffufert, merben um biefer gorm toillen mafer*
fc^einlicb böufiger ber SCufmerffamfeit ber SIrdböoIogen entgehen. ®enn bie auffällige
regelmöfeige Stbrunbung'unb ber feftfteHbare SUittelbunft fehlt, ber bei ben freiS*
runben $ügeln augleich bie ©teile angibt, loo mit SluSficfet auf ©rfolg eine ©rabung
begonnen toerben fann; bei ben länglichen kugeln aber ift bie SluSficht, bie richtige
©teCe 3U treffen, toeit geringer. 2Iu§ einem erfolglofen ©rabungSberfud) in ßönigS-
lau, ber fiih auf ettoa gtoei Qunbratmeter in einer Stiefe bon 1,60 m erftredte, fönnen
beStoegen feine ©dhlüffe gegogen toerben.
SBenn e§ fidh um einen ©röberhügel hcmbeln foHte, bann taud)t für unS bie im
hohen ©rabe bebeutfame grage auf, ob nicht aud) beim ^önigSlau, toie bei ben übri*
gen brei Sauen, ber 97ame alt ift, unb bon ber Söebeutung geugt, bie biefe SSegröbniS*
ftötte in ber ©ebrauchSgeit gehabt hat. ©S toürbe fid) bann um ba§ S?önig§begräbni§
ber umtoohnenben ©tömme hanbeln. SBir erinnern unS an bie Sluffinbung be§ iTönigS»
grabeS bon ©ebin. — innerhalb ber UmtoaHung befinbet fidi noch ein fleiner gefonbert
umtoaHter ifelofe in guabratifcher gorm. ©eine SBebeutung ift ebenfalls nod) bunfel.
®er Sßrogentfafe ber SirtutoSmöglidfeit ift in einem folchen golle natürlid) hod),
unb bie ©etoöhr irgenbeineS ©rabungSerfoIgeS fann in feiner SBeife übernommen
toerben. ^m IRahmen unferer ©efamtauffaffuhg bon ben heiligen ©tötten mufe eS
febodh erlaubt fein, bie grage gu fteHen. Ob ber grage bie SSebeutung beigemeffen
toerben foH, um ernftliche unb foftfbielige ©rabungSberfmhe angufteüen, mufe ben
©achberftönbigen ber SBiffenfdioft beS ©patenS unb ben guftönbigen ©teilen über*
laffen bleiben. SBerneinenbenfaHS müfeten toir auf eine ©etoifeheit hinfichtlich ber S3e»
ftimmung biefes heiligen §ainS bergiihten. '
Sind) auf bem ©ebiete ber SlltertumStoiffenfdiaft gibt eS eine heilfame SSefchrönfung.
^ch meinerfeitS fehe meine Slufgabe barin, nadhguforfchen, ob eS oufeerhalb ber ©pa*
tentoiffenfchaft unb fufeenb auf ben ©rgebniffen ber ©patentoiffenfdiaft nod) SSege
gibt, auf benen an ber Sefeitigung beS SunfelS über ber germanifdin SSergangenheit
gearbeitet toerben fann.
IL ^eubeti unb ^ruc
eine germanifc^e „0tobt" unb ein Selb
/^er alte ißoberbornfcöe ©c^riftfteHer ©traten (1693) toenbet feine Stufmertfomfeit
'^i/ber Smge gu, toorum tootil ißaberborn, too J^orl bie erfte Sirene in iceiter Um*
gegenb fc^on 785 bauen unb toeiben liefe, bon bornberein eine fo ftarte Söebölferung ge*
fiabt (lobe. @r finbet feine anbere SIntoort, al§ bofe eben bie ^irc^engrünbung eine fo
grofee 2Inäief)ung§fraft ouggeübt (idbe. @r fommt nic^t auf ben ©ebanfen, bofe eine
bereits borbonbene ftorfe SSeböIferung unb bie Sebeutung beS ifSIafeeS für ba§ gange
Sanb ja eben felbft erft ber ©runb gettiefen ift, toarum gerabe'bier bie erfte Kirchen*
grunbung ftattgefunben bat.
©eit ben Seüert beS SIboftel i)3aulu§, ber noch Sttben, J?orintb unb IRom, unb nicht in
menf(benleere ©egenb ging, ift e§ bie SBeife ber niiffionierenben cbriftlidben ^ircfee ge»
mefen, babin gu geben, ino bie meiften SKenfcben mit ber ißrebigt gu erfaffen toaren.
SScnn man ©otteSböufer in bie ©infamfeit baute, bann baben mir ft e t § nadb bem be*
fonberen onbertoeitigen ©runbe gu fragen.
©(bon biefe Überlegung führt bagu, in ifJaberborn, bem erften ^ircborte, aud)
ben bebeutenbften tioIfSreicbften Ort beS ßanbeS bor ber ©infübrung beS ©briften*
tumS gu erblicEen.
Sür biefe 2Infi(bt füllt ferner unb ebenfo fditoer, oI§ bie ^irdbengrünbung, audb bie
SÜotfacbe inS ©etnicbt, bafe .ßorl b. ©r. menigftenS achtmal feine Stefibeng on ben
SibbegueHen aufgefdhlagen bat: 776, 777, 780, 782, 783, 785, 799, 804, fotoie Subtoig
b. gr. 815 — babon fechSmal in ifJaberborn unb breimol in Sibbfbringe, toeltfieS ficb
gu ißaberborn ettoa fo berbölt, mie SSerfaiHeS gu ißariS.
5Dortbin mürben bie ©rofeen beS füeidieS berufen, bortbin fomen bie ©efanbtfchaften
ber fremben SSöIfer unb einmal ber ißapft Öeo. Sßiermal merben bie SSerfommlungen
auSbrücEIich „3t e i ch § t a g e" genonnt, mogu aifo bie SSertreter ber frünfifchen 2)tacbt
aus bem gangen grofeen 3tei(be anmefenb maren. ®er erfte tagte fibon 777, aIfo
5 ^abre nnib beginn beS 32iäbrigen Krieges, als bon einem Ibeftfrünfifeben ©influfe
ouf baS ©ebröge beS rein germonifchen SBobnblafeeS noch nicht im geringften bie 3lebe
fein fonnte. S)er Slufentbalt mufe in bobem ©rabe befriebigt haben.
©S ift nüfelidh, einmol bie Überlegung angufteCen, marum 5?arl ouf ben ©ebanfen
fommen fonnte, feinem ^ofmarfchaH ben SSefebl gur SSorbereitung eines SteichStageS
in IPoberborn gu geben, unb baS nicht einmal, fonbern mebrfatf). SBoIIte unb fonnte
er feinen ©rofeen unb ben fremben hoben ©öften mit ihrem ©efolge bie 93efchmerli(b*
feiten, bie ©ntbebrungen unb bie ©infamfeit eines gelblagerS in ber Öbe ober gmi=
fchen einfamen ©ieblungen gumuten, ober moHte er, bafe fie fidh einmal bie lanblöufigen
Suftönbe irgenbeineS unbebeutenben OurdhfehnittSborfeS im neu untermorfenem
©adhfentanbe betrachteten? S)ürfen bie braftifchen ©dhmierigfeiten ber 3SerbfIegung,
ber Unterfunft, ber SSerfammlungSröume, ber SBerfebrSftrafeen, bie Jeber unge»
eignete Ort foIcben SSerfammlungen in ben SBeg fteHt, gang überfeben merben? können
mir uns bernünftige ©ebanfen biergu machen, ohne unS bie öufeeren fiulturberböltniffe
unb »SInfbrüdhe borgufteHen, bie umS ^abr 800 on ben ^öfen ber gürften unb ©rofeen
aller Sönber üblich moren, unb bie bei ßorl ols einem ©mborfömmling, eine gang
befonberS grofee 3loIIe gefbielt hoben?
152 11. JCeuberi unb 5£ruc '
ßorl ging nnc^ ißoberborn, toeil es bie bolfreitfiite, onfel^nlidEifte unb bebeutenbite
Stöbt beS ölten SödbfenlonbeS toor, ineil bort bie geringften Scbtnierigfeiten unb
fefte ©inricbtungen für grofee/ anfbrudfiSboIIe SSerfömmlungen »ören. ©ine Stöbt,
bie geeignet getoefen ift, einen (SinbrucE bon ber Sebeutung feines SiegeS über biefeS
fröftboHe Sönb 3U binterlöffen; — eine S t ö b t, bie mit Stocken, üftöins unb gronf«
furt in eine Sfteibe geftent.äü lDerben.für.toürbig.befunben mürbe. Umgefebrt molfte
ßörl burcb ben StnblicE feiner, ajiöcbt unb $röcbt einbrudE öuf bie SeböIferung fppber-
bornS möcben. ^n ben SInnoIen lefen mir, böfe eS im ^öbre 776 eine aabllofe, beröng«
fügte awenge mit SBeibern unb ßinbern (Saxones perterriti — innumerabilis multitudo)
getoefen ift, bie äur'Äöufe in ben Quellgetoöffern bei Sipbfbringe (^orbongueHe!)
geführt tourbe. ®S muß im toefentlichen bie Setoohnerfcboft ißaberbornS getoefen fein,
bö bie Umgegenb fdhtoadh betoofint ober öucE) — im Sennegebiet — nöheau menfiien*
leer toar. ,' :
. ©ine onfehnliche Stöbt ber ©ermönen? SBenn eben böSfelbe bon ben Slröbern, ben
^thiobiern, ben aKejifonern ober ben 2D7onbfcf)uren gefugt toürbe, bonn toürbe eS feine
SSertounberung erregen, ^ber toir hoben eS fo toeit gebro(ht, bofe bei ber (Srtoöhnung
ber Oermonen bebenfli^ mit bem ßopf gefchüttelt toirb. ©in bon JCocituS berichtetes,
vielleicht gor nicht umfoffenb unb obfchliefeenb gemeintes Urteil feines OetoährS*
monneS toirb oufgegriffen, berongemeinert, toomöglich ouch noch gebrefet unb int
^onbumbrehen ift einer fehr toeitgreifenben, fulturlich herobbrücfenben fPieinung ber
SSeg bereitet. ®S liegt ouf ber §onb, bofe ein SSoIf ohne febe örtliche'Sufommenfoffung
ber ouf Sitfcitnmenörbeit ongetoiefenen menfchlichen Kräfte unter fulturlichem @e*
fichtSbunfte rücfftänbig bleiben ritufe. So hot mon benn ouch bie ©ermonen mit merf-
licher S3etonung olS ein SSouerhboIf gu beaeichnen beliebt, ©ine gona onbere Stuf*
foffung bon ber 93efiebIungStoeife;@ermonienS, ols ÄocituS, hotte ber ettoo gleich*
aeitig mit ihm lebenbe ©eogrobh 5ptoIemöuS, toenn er 69 nomhofte „Stöbte" in
©ermonien oufaöhlt. ’ '
Steilich, eS gob feine Stöbte nach bem SKufter unb ©efchmocf ber Stöbte beS römifch*
orientölifchen StltertuniS, SteinhouS an Steinhaus unb ringsum befeftigt, eS gab feine
Stöbte in fböterem rntttelolterlichen Sinne, too um ber Sicherheit bor öufeeren Sein*
ben, bor 0taubrittertum unb Sauftrecht toiöen bie Sachtoerfbauten eng oncinanber ge*
breit unb bon ber Stabtmauer umgeben toaren. ©S tooren eben germanifche Stöbte,
unb in unferem Sötte eine toeftfölifche Stabt, bie toohl ein öhnlidheS S3ilb geboten hot,
toie es feht noch gro|e Steile ber ölten toeftfölifchen Stobt Soeft bieten: ^ouS bei ^auS,
febeS im ©orten gelegen unb für'fich mit einer SWauer eingehegt. ®ie ^öufer toaren
Sachtoerfbauten mit breitem. ®och, reich bemalt, mit funftbollem ober einfachem
Schnihtoerf beraiert; tßalöfte ber gro|en Herren, ftotae .göufer ber SSornehmen, ein*
fochere ber ^anbtoerfer unb .gönbler, fleine ^öufer ber Siten ober Unechte.
^n ben Stöbten fa| baS ganae ^ ö n b I e r t u m für bie aahlreichen nicht felbft eraeug*
ten, bielteicht gar nicht felbft eraeugbaren Singe. SWancherlei fRohftoffe toie Sorben,
SKetotte, Srembhölaer, 33ernftein, 3>fühlfteine, Söbfe unb ^nbtoerfSaeug, SWufifinftru*
mente unb fonfttge Sertigtoaren, auch @oIä unb SebenSmittel, bie mon an Ort unb
Stelle nicht hotte 'ober hetfteltte, muhten berhöcfert toerben.
Sür ben StuStöufch ber SBaren bagegen, bie bon fremben ^önblern herangefchafft
tourben, auS anberen Stömmen ober bom StuSlanbe her, toaren an beftimmten Sagen
SünftigeS ^panblnerf 153
bie großen SWorfi)Iä|e in ben SWarfen ba; bafiin t)ilgerte man bon toeitiier, mie e§ jefet
nod^ ba§ Sanbbolf liebt. SSir haben iefet notf) ^ßlö^e im freien ©elänbe ohne ©tabt
unb 2)orf, befonberS amh 5ßferbe* unb S?rammärfte, oft auf QSaugrenaen gelegen, bei
benen man fich fragt, au§ toeltfier Seit toohl eine folche ©inridhtung ftammen mag.
S3efonber§ midhtig ift e§, bafe mir unB bie SBerhöItniffe be§ ^anbmerf § in ben
borfarolingifchen ^ahrhunberten flarmachen. ©emife berfertigte feber im eigenen
^aufe,,ma§ irgenb möglich mar. ®o gefchah feber ^anbfchlag äur ^erfteltung ber
Seinenfleibung bom SIuBftreuen beB SeinfamenB biB 3um SSeben innerhalb ber gami*
lie; noch bor 60 fahren gab eB in meinem ^eimntborfe faft in febem ^aitfe einen
SBebftuhl.
Sfber bie SJiöglichfeiten hatten ihre naturgegebene ©renje. ©dhon bie grage nach ben
3ur§erfteIIung ber j)p_ CHoetcr, ®Bttftiäcn
Seinmanb nötigen.,
©ernten unb 2Berf'
aeugen fuhrt unB
3um ^anbmerfer
unb^önbler. Ober
fonnte man etma
alleB felbft het'
fteHen? momöglich
felbft erft erfin-
ben? ciber bem
ebenfo ungefchidf*
ten 9?achbar ab‘
gucfen?
3Kan fehe fich
bie gunbe' in ben
SWufeen an, fo
fümmeriiche 9tefte 5-i_ @Ieic£)armige8 23tonäe{rf)niU(lftüc£ aus Quellhorn, SlreiB Steine
einer Stultur fte aJlDtgenftern^iOJufeum SBefermünbe 207 (ungefähr nat. @rö|e)
auch fein mögen,
ober bie ©ermanenbilber auB ber Seit XrafauB ober Eftarc SIurelB, bie bon bem
aeugen, maB fchon aur Slömeraeit in ©ermanien gebraucht unb hergefteüt mürbe.
@B gibt auch nicht ein ©tüd ber in ben Eitufeen au finbenben ^aEftatt» unb Satene»
fultur, beffen .gerfteEung ober hönblerifcher Efertrieb nicht über gana ©ermonien ber=
breitet gemefen märe, menn eB fidf ^Beliebtheit ermorben hatte.
Sn farolingifcher Seit hatte fid) längft ein aünftigeB ^anbmerf entmidelt für aEe ®r«
aeugniffe, bie nur auf ©runb forgfältig gefammelter unb mühfam erlernter ©rfahrun«
gen bieler ©efchlechter auftanbe fommen fönnen, befonberB, menn fie bie SCnfbrüche ber
fBornehmen unb Eöohlhabenberen befriebigen foEten. ®ah Sünfte unb fBauhütten erft
ftcäter entftanben fein foEen, ift eine böEig in ber Suft hängenbe, burch nid)tB begrün=
bete Sfnnahme.
Etegelrechte geübte ^anbmerfer maren nötig für ben unB in SIbb. 78 bor Slugen ge-
führten germanifchen .fpelamantel, für bie fchmierig heraufteEenbe, trefflich fihenbe
^ofentracht ber E)7änner, für bie gemufterte gnanenfleibung ouB berfd)iebenen ©toffen.
154 11. !£eubcri unb Xvnc

für bie SSagen unb @(i)iffe, für bie SLüpfenuareu unb ääfjer, für 2^iid)e unb Seffel, für
bie ©räeugntffe ber ©elbgtefeer unb ©olbfcbmiebe n\\v.
Sie ©d^miebe, berUorgegaugeu au§ beu äBürtern ber ^eiligen geuer in äßälberu unb
auf beu Sergen, fd)einen lange in ber ©infaiufeit geblieben 511 fein, unb audb mancbeS
anbere .ganbtnerf fonnte auf (Sinaelböfen au^geübt Uierben. Slber tva^ auf 3wfamnieu»
arbeit, mancherlei Hilfsmittel unb ßunbfd)aft angeUüefen mar, mobnte in ben grofeen
Drtfchaften, SKärften unb ©täbten. ©S ift ein Döüig abmegiger ©ebanfe, bafe baS
Hanbmerf im allgemeinen in ©ermanien Uon jebern Sauer für fid) unb allenfalls nod)
für ben ungefcbidteren 9^ad)barn betrieben fei. SßaS unvernünftig ift, bürfen mir audb

2tbb. 52. @in3cluc Seile beS ^Ijaufer guubeS


(Sine ber Slrmfd)ienen, ipängebeden, barüber ein §alSring, 0d)ilbbucfel? Süllenajl

nid)t für bie alte ©ef^id}te alS einft gemefen annebmen. SSaS unS bie hier gebradbten
Slbbilbungen^ (51—55) nieberfäd)fifd}er Sobenfunbe (31baufen b. Serben, SanbeS*
mufeum Hannover) vor 3lugen führen, ift nid)t baS Semühen einfam mohnenber Sanb»
leute, fonbern grucht einer organifierten ©rmerbStätigfeit, ber nach feiner Stidhtung
bie nötigen Sorbebingungen gefehlt h^ben. ^hte Sobenftänbigfeit h^ben bie
fabrifate unb Siegel beS ©berSmalber ©olbfunbeS ermiefen.
5lIIe, bie irgenb etmaS für anbere 311 leiftcn, 511 lehren, 3u Vermitteln ober 3u Ver=
geben hatten. Viele, bie gu orbnen, gu regieren hatten, alle, bie nicht in ber (Sinfamfeit
beS SanbeS 3u leben Veranlagt unb gemiHt maren, bilbetcn im gana natürlichen Sauf
ber Singe bie Semohnerfdhaft ber ©tabt.
Slifo germanifche ©täbte! (SS ift einer ber törid)teften SBiberfVrüdie ber SBeltge-
fchichte, 311 meinen, bafe Von einer germanifchen ©tabt nur auf ©runb folcher Sernunft-
fchlüffe gerebet merben fönne; in SSirflichfeit höbe fid) germanifdheS ©täbtemefen ja
^ 5luS ^.^olfle, Unfetc Heimat, Serl. 9Kal)n!e, Serben q. Silier, 1927 freunblid^ft jur Serfügung gefteHt.
Stäbtebau 155

erft feit ^eiurid) 1. euÜDicfelt 3Bar uid)t gerabesu fiubi]d) Don uu§ auauuebiueu, baß
tpirtfdöaftlidie Serbältniffe, bie iabrbimbertelangeu SBerbeuS bebürftig finb, auf
manbo entftcbeu founteu? $eTnrtd}§ I. ©täbte tuaren ntd)t§ aubereS, al§ fleiue
SeftuuggtuerFe, bie aHerbtngg infolge ber eiugeriffenen adgemeineii SSertoorreubeit
unb llnficberbeit 5um ©diuße ber unbefeftigten börflid)en iinb ftöbtifdieu ©ieblungeu
im öanbe nötig geworben toaren nnb nnnrnebr bie @d)nbbebiirftigen mehr nnb inel)r
an ficb sogen.
^ür ba§ 3Sorbanbenfein germanifd)er ©täbte haben mir and) gefd)id)tlid)e Sengniffe.
93ei S^acitng ift außer ben Slbeinftäbten eine bebentenbe germanifd)e ©tabt genannt,
nämlid) bie ^anbtftabt ber ©batten, 3Jfattiacnm ießt 3Bie§baben. Slber, mie ertoäbnt,
^totemän^, ber erfte, ber
über ©ermauien al§ @eo=
grabb gefd)rieben bcit, säblt
nn§ 69 gerinanifdje ©töbte
mit ilcamen nnb mit ihrer
geograt)bifd)en Säuge nnb
53reite auf. 9^ad) ber lanb»
läufigen @efd)id)t§Oorftel=
Inng müßten biefe Uielen
©täbte in ben folgenben
500 St'ibtsn t)er]d)mnnben
fein, um bann unter bem
©inflnß be§ einbringenben
©bi^iftentnmg aHmäblicb
bnrcb nene©täbte, in benen
ßirdien nnb S3i§tümer be*
grünbet mürben, erfeßt sn
merben! ^n ber Karolinger»
seit ift e§ fd)on eine anfebn» 5(bb. 53. ©in Suttumer ^ronseeimer au§ ber Saftorfseit
liebe bie mir mit 600—300 ö. (?^rot). 2Rufeum, ipannober)
9iamen fennenlernen.
3Incb ^tolemäng mar Ianbe§» nnb fbrad)nnfnn'big, entbehrte auch mobl fid)erer
©emähr^niänner. Obenbrein höben bie 3lbfd)reiber, offenbar ohne Slhnnng bon ber
33ebentnng nnb ber SögehörigFeit ber ©rabsahlen, bie ^Reihenfolge ber ?iamen ber»
änbert nnb babei bie Sohlen oft bnr(^einanbergemorfen. ©brad)nnfenntni§ n n b ßati»
nifiernng höt bie 9Zamen Uerborben. ift ein Jammer. Hub benno(^ ift ^toIemänS
nn^ Don hödhfter 2Bid)tigfeit, meil er ba§ S^ögniö Oom SSorhanbeufein namhafter ger»
manifdher ©täbte fd)on snr JRömerseit bringt. S^ie S^abellen mürben nn§ anßerbem nod)
mand)e Kenntnis t)om alten ©ermauien Oermitteln fönnen, menn nicht Karl b. ©r. nnb
bie d)riftliche Kird)e bie für nufere ©efd)id)te oerhängni§oolle © e m o h n h e i t gehabt
hätten, bie alten Ortsnamen so befeitigen nnb biird) neue so erfeßen.
Karl höt and] ber Oon ihm nicht begrünbeten, aber mit einer Kirche anggeftatteten
©tabt ben neuen ^tarnen ^aberborn beigelegt, ber hödhftmahrfdheinlich ben Dramen
Xenberi Oerbrängt hot. Stnßer einigen Sth^ioftäbten finb infolge biefer ©e»
mohnheit nahesn fämtliche Dramen ber ©täbtetabelle be§ ^tolemän§ Oerfchmnnben.
156 11. Jteubert unb Struc
@in Heiner SInJ)'aIt§t)unJt für ibre Sage ift un§ aber bet iptoIomöuS boci) geblteben. Sie
Söngengrabe aller aufgefübrten Ulbeinftäbte ftimmen nämlitf) bis auf eine gut. Sar»
aus löBt fidb toenigftenS ber ©tblufe äieljen, bafe ©töbte, beren angegebene Söngengrabe
baöon erfieblicb abtoeitfien, oucEi nicht am 9tf)ein gelegen.haben. Seuberium fann ba*
nach nicht linfS beS 9thein§ gelegen haben; e§ fann beStoegen auch nicht, toie SIntonin
meint, Sübber getoefen fein. SIber toir fönnen auch anf biefe S3eobadhtung beraidhten.
S23ie hiefelPaberborn bor Äarl? SSifchof gerbinanb b. gürftenberg, ber als SSerehrer
ßarlS offenbar lieber annehmen möchte, bah auch ber SSegrünber 5fJaberborn§ ge-
toefen ift, führt mit anerfennenStoerter Obfeftibität hier bon ihm als tüchtig aner»
fonnte ©efchichtSfdhreiber unb (Srflörer ber Tabelle'auf—l}Jetru§ 3Kontanu§, Slltha»
mar, ®ariu§, ©locfner — bie befagen, bah ifSaberborn baS bon ißtoIemäuS aufgeaöhlte
5£ e u b e r i u m fei. Sie luerben auch seftüht burch einen ißoberborner 'ßlerifer, Sho»
neriuS, ber auf ©runb anberer Sengniffe behauptet, bah ber an iPaberbornS (Steife
gelegene Ort Sutorium geheihen hohe. 3Bir hohen f ei nen @runb bief en
@ e m ö h r S m ö n n e r n 3 u to i b e r f p r e ch e n.
Samit ift bann ber alte fliame S e u b e r i gefunben für ben bolfreichen Ort, ber, an
ber ©rense beS heiligen 3Warfengebiete§ gelegen, bie S3unbe§hauptftabt ber bereinigten
Stämme gemefen ift unb nachtröglich bon l?arl ben ü^amen ffSaberborn erhalten hot.
Sie SSebeutung SeuberiS tnirb ber ietoeiligen geftigfeit unb iSebeütung beS religi-
Öfen unb politifchen Sünbniffeä ber Stämme entfprochen hoben. SdS mar ber ©runb,
marum bie fRömer unb granfen auf Seuberi*$aberborn ftiehen, ähnlich mie feber
ins Sanb bringenbe geinb SRom, SPariS, SOßien ober Berlin niS bie SSrennpunfte ber
SBiberftanb§fraft 3U geminnen fuchte.
gu Seiten grober gefte in berOSningmarf marSeuberi ber gegebene $auptberfehrS*
punft für bie aus Süboften, Süben unb Sübmeften sufammenftrömenben ÜRaffen.
Sann mirb bie nach S^orben über Sippfpringe in§ heilige ©ebiet führenbe (strahe obn
langen fßilgersügen belebt gemefen fein.

SaS g e Ib Sr uc
Ser beutfchc'SBielanb befaß eine Sierfaüe, unb bie SierfaHen hieben im 2lltbeut»
fchen Sru, Sruch, Srouch. ©ine einleuchtenbe Sinie führt bon ber Sierfalle Sruch 3U
bem fonft rätfelhaften fRamen ber Srojaburgeiü. Siefe in germanifcheii Sänbern noch
bielfach fich finbenben freiS= ober fpiralförmigen Steinfeßungen bienten ohne Smeifel
religiöfen Übungen. SSielleicht mar bie SßorfteHung, bah man fich ©ott gan3 gefangen
geben mollte, ehe man an bem in ber SRitte ber Srofaburg befinblichen heiligen Stein
fein ©ebet berrichtete. Sluf bem „Soh" bei Söttlingen, ber groben germanifchen SSer-
fammlungSftätte im Olbenburgifchen (in ber iRähe ber gemaltigen SRegalithftätten
„©laner Sraut", „SSiSbeefer J8raut unb Bräutigam") fanb ich ein ber SSermüftung
preisgegebenes gelb mit noch böllig unberfennbaren fJieften sahlreicher Srofoburgen.
Sarouf, bah fie auch io her hiefigen ©egenb nicht gefehlt haßen, merben mir bur^ bie
auf bem Särenftein unb im Seiftruper Sßalbe aufgefunbenen Spuren hingemiefen
(Stbb. 56 unten).
Ser iRame eines gelbeS Sruc fiel mir auf in smei SchenfungSurfunben beS
‘ Dr. ß. Sfraufe, ®ie KrojoBurgen Slo'rbeuropQä, ©logou 1893, ©. 71. — SBtllt ißoftor, 2UtgerTnomfc§e
SJlonumentallunft, ScEorbttierlag, Setpätg 1910.
^3ti(I)öfIirf)e ®i(bpfetbe 157
©tfc^ofS eberatfit§ boit ^Paberboru an ba§ Jllofter ^arbebuicii bei ®arbiirtj im fäebfi-
fdbeit ^effeiiflait bom ^abrc 1160. 3Iber nidjt mir ber 9Jamc be§ berfd)enften gelbeS
fiel auf, fonberii aud) nabesn fäiiitlicbe ©inselbeiten biefer nierfmürbigen ©d)enfung.
ißon pribater ©eite finb in sabllofen SöHen bcn suftänbigen ^lirdien nnb nabege«
legenen ßlöftern and) fleine nnb fleinfte SSefibtiimer, meift bnrd) 5Eeftnnient, su«
gefallen, ^ier aber fd)enft ein S3iid)üf in feierlicbfter Sonn, in ber ba§ boinit ertnorbene
SSerbienft mebrfacb betont luirb, einem ^lofter einen in 40 km ©ntfernnng gelegenen
Campus, aifo ein unbeaderteS, allenfalls graStragenbeS Selb, nnb sluar ohne @e=
bänbe, in einem nbgefcbiebenen nnb bocbfletegenen, inenig frndftbaren ©ebirgStal, ein
Selb, ii:>eId)eS ben 9?amen 5trnc trögt, nnb basn eine Stnsabl, luimlid) ben brüten

3(66.54. 2Se6emuftcr beä S^ucficä au2 bem SUerbener SDJoor tu not. ©röfee

Xeit feiner milben ißferbe. S;ie milben ifjferbe taffen fid) alS bie eigentlitbe ^auptfacbe
ber im übrigen für baS .^lofter (gnrbebufen mertlofen @d)enfnng an.
^n ber alneiten, fid) auf eben biefelbe @d)enfnng beaiebenben Urfunbe ftel)ta:t)rnbeim
als 97anie beS bei bem Solbc S;rnc entftanbenen ®örfd)enS. 2tnS „Selb 5115tl)rubeim"
ift bann „Selb to ®rome" geluorben nnb fcbliefelid) „Selbrom", mie ber ©rt fe^t nod)
beifet, gelegen auf ber SanbeSgrenae füblid) .§orn, fo baß bie eine $älfte beS ®orfeS
lidbifd) nnb ebangelifd), bie anbere breufeifd) nnb fatI)olifd) ift.
Über ben ©rt ift fein Zweifel möglid); and) für baS Selb 5trnc felbft fommt in bem
engen ©ebirgStal ütobl nur ein rnnber flacber ^ügel in S3etrad)t, ben bie 93elnol)ner
febt SÜSaHanf nennen, nnb ben fßrofcffor 9tebert«@üterSlot) (f-), ber bor 20 fahren an
bem .giigel ©rabnngen ttorgenommen bat, als ein fßömertager in Slnfbrud) nimmt,
meil er ÜBall nnb ©raben an finben glaubte.
^n beiben ürfnnben ift ber ©rt beS Selbes Siruc ober and) nod) auf eine anbere,
für nnS befonberS lebrreidfe SBeife feftgelegt, nnb adiar burcb bie Benennung eines
bödbft merfmürbigen SöegeS, an bem baS Selb liegt, ©r biefe SBeg „bon ©genbufen nach
SÜoblftöbt"; anS bem amtlidfen ©ebrancb beS ÜtamenS ergibt fid), bafe ber Söeg olS fol«
cber ein allgemein befannter S3egriff mar. (©genbufen febt ©egnbanfen bei 97iebeim.)
158 11. Steuberi unb Jtruc
ober ift biefer 3Beg feine äJerfebrSftrafee, geftfitoeige benn eine burdEigebenbe.
®r öerbinbet über stoei ©ebirgSrütfen bintneg in fefir öerstoidEter SBeife atoei 15 km
boneinonber entfernt liegenbe Dörfer, bie toeber firc^Iicb, noch toirtfc^oftlidb, nocf) tjoli-
tifcö irgenb ettoo§ miteinonber m tun fiQben. ©in 3 km langes ^eilftüdf atoifcben
gelbrom unb ©onbebecE fjot friiber, qI§ e§ in Selbrom notf) feine fotbolifcbe ßird)e
gab, als ^irefitoeg gebient unb ift beähiegen auf biefer befonberS fcfitoierigen ©trecfc
uucl) als unfabrbarer ©ebirgSbfab nod) burdbauS feftftellbar.
S)er SBeg fiibrte gemäfe ben Urfunben bis au ben „pascua eregum“ füblitf) ßoblftöbt,
toomit bie bei ber llobiftäbter iüuine beginnenben aSeiben gemeint fein muffen, bon
benen bie toilben (aifo einft ^eiligen) fPferbe beS Oefterbolaer unb SofjSborner ©enne-
gebietS au-bolen toaren. ^ufiberben fonnte baS ©ennegebiet nidit bieten, unb bon
fßferben ift hier ja ou(^ bie Süebe.
®amit bürfte ber ©cbluffel au bem eigenortigen aBegeborgonge gefunben fein, ©ine
unter normalen SSerböItniffen entftanbene SBegebeaeic^nung haben mir hier auf feinen
gaH bor uns. ©ie berbanft ihr aSorhanbenfein audi nidjt ben aSerhöItniffen um 1160,
fonbern geht aurücf ouf eine 3ett, in ber man bon Often her nod) mehr aSeaiehungen
noch Sohlftöbt unb ber bort beginnenben Oefterholaer SJfarf hatte. ©S toar ein aSeg,
duf bem man au ben heiligen ©tötten bilgerte, unb auf bem man fid) notürlidh audh bie
heiligen ungeaähmten fliferbe holte, bie überaü gebraud)t tnurben, too man beS gleichen
OlaubenS toar, SPferbe, bon benen a;acituS toeife, bafe fie auf gemeinfame Soften unter¬
holten tourben.
Dfacf) mehr als breihunbert fahren toar biefer «Bilgertoeg bon Often nach .^ohlftöbt
nod) immer als folcher befannt unb nadh Ogenhufen benannt, too eine ©ommelftelte
auf bem fehigen @ut ©ej^nhaufen getoefen fein bürfte. STuS ben heiligen, frei aufge-
toadhfenen iPferben toaren toilbe ißferbe getoorben im Sefifee ber libbifdhen Orofen
unb ber iBoberborner Söifchöfe. Sehtere müffen fid) bei ber aierlehnung bon ©efterhola
bie toilben a?ferbe ober einen S^eil berfelben borbeh'Olten haben.
^ntereffont ift, bafe man boS 5Red)t an ben fpferben, bie einft gemeinfamer aSefih ber
©tömme umher getoefen toaren, im ^effengau nocf) immer nicht bergeffen hotte. Senn
ber iPoberbornerJöifchof gob offenbar ben aBünfchen ober gar Sfnfhrüchen ber aSor-
burger nach, legte aber aSert barauf, bah eS als freie berbienftliche ©chenfung onge=
fehen tourbe. ©r überlieh ben aBorburgern ben brüten Seif feines ©eftütS unb baau
baS gelb Sruc am aSege bon Ogenhufen nach ßohlftöbt, baS gelb, too einft ein 8?oft-
unb Sagerhlafa ber 5ßilger getoefen toor, unb ber um feines fultifchen ©harafterS toillen
mit au ben bem^üofter augefallenen@runbftücfen gehörte, ©o tourbe berißlah auch noch
1160 als Dlaft- unb aSeibeblah gebroud)t, toenn toilbe ^ßferbe auS ber Oefterholaer
fbfarf geholt tourben. Stber ber Sruc, bie Srojaburg, bie einft ben ipilgern untertoegS
©elegenheit aur lebten frommen Übung bor bem ©intritt in bie heilige SJfarf geboten
hatte,'toar löngft ihrem ©chicffal berfallen.
aSir bemerfen no4 baß ber aumeift auf bem aSergrüden atoifchen bem Selb Sruc
unb tohlftöbt entlanglaufenbe aBeg an ber „.geibenfird)e" enbet. Sort mog mancher
a^ilger fich Stat unb aBeiSfogung bei ber ©eherin geholt haben, beim aSetreten ober aSer-
laffen ber heiligen 3)?arf.
aSir toiffen noch bon einer anberen Seaiehung atoifchen ber ©efterholaer 3?farf unb
bem ^effengau, nömlich, baß ein ®err bon ©nfenberg bei aSarburg bont ©rafen bon
^ilgerlueg 159
SBoIbecI mit bem Oefterbolaer greiftul)! nebft 3ugel)öriger ^ufe belehnt morben ift. 2;er
SSorgang ift aitffäßig toegcit ber fultiid)eu ©igenart be§ fleineu 93efi^e§ unb aufföHig
als ein öon lueiter ©ntfernung in bie Defterbolaer 3J?ar? fübrenber gaben, ber um
feiner materiellen Unbebeutenbeit luiüen eine um fo böbere Sebeutung für uufere
gorfd)ung bnt. 2)eun e§ ift gU toermuten, bafe ber Sßalbeder ©ble, ber fpäter @raf
mürbe, 3ur 3eit, al§ iSarl bie SWarfenuerteilung öornabm, gerabe al§ ©eridftSbetT
be§ greiftublS in Defterbola geamtet bnt, unb bafe er 3U ben ©roßen jener 3eit gehörte.

atbb. 55. Slcraiciung beä Stbaufct ipöngebcdtcn, ®urd)mcffcr 23 cm

bie als getreulid}e Slnbänger ßarlS ohne meitereS au ©igentümern ber bon ibneu ber»
malteteu ©emeiugüter gemacbt mürben. 3Bie follte fonft ein @raf bon füöalbed in ben
93efib einer meit entfernten bereinaelten greiftublbufe gefommen fein?
SSenn ©. 31. ©dbierenberg red)t bot, baß bie ©renaen ber ©batten — menigftenS aeit»
metfe —• nad) Storbeu über ben §effcngau biimit§ bis ©rpentrnb nnb StJerlSbeim un»
meit £iebnbaufen (Ogenbufen) gereicht bnbe, bann bütten mir in bem SBege „bon Ogen»
bufen nach .flobiftäbt" einen f^ilgermeg ber ©batten inS SWarfengcbiet. ©o fonnten fie
auf eigeuem ©ebiete fo nabe mie möglid) an bie ©efamtbeiligtümer ber anfömmenge»
fdiloffenen ©tämme beranfominen. SIber, mer auch immer auf bem gelbe 2;ruc feine
leßte fRaft genommen bat, batte nur nod) einen furaen Sßeg fomobl nadb .^oblftäbt mie
and) nach ben ©jternfteinen.
12 *

S e i ft r u p e r SSB a 15 — ® e t m 0 15
S3ebeutung be§ SSorte§ Sl^ieot mit feiner bielgeftoltigen ©tfireibtneife in ur*
/<✓ funblitfien Spornen ber ©tobt fDetmoIb £)i§ aurücE gu bem JCtieotmani, too ber
^omfjf gtnifdöen ^orl unb SSittefinb ftottfonb, ift SS o I f. @§ ift ba§feI6e SSort mie 5teut
in Seutoburg. 2)a§ SOloHi = 3WaI ift ba§ (äeri(5t ober bie ©eridbtSftätte.
Seiftruper SBoIbe, oucb ©teintiogen genannt, 6 km öftlicb bon Setmolb,
(itberfidbtSforte unb ©onbertorte) foH nodb ©dbierenEierg baS alte JCbeotmalli
(SSoIf§moIftötte) getoefen fein, ^n ber S^ot enthält biefer gebeimniSboHe, etmo
2 Quobrotfilometer grofee Sßolb fo biele Semeife feiner einftigen fultifc^en SSebeutung
unb toeift oucb fonft fo entfprecbenbe SSerfiältniffe auf, bafe bie SSebaufitung ©(gieren«
berg§, ber befonberS outf) ouf urfunblidEie (ärünbe aufmerlfam machte. Stecht behalten
hat. @r fannte aufeer ben Dbferfteinen auch bie fRefte ber sh^Iofiifchen SRauer im
fublichen Seile be§ SBalbeS, ohne bafe ihm bie ^enntniffe feiner Seit bie fIRöglidhfeit
einer Seutung berfelben gegeben hätten.
Slbei fchtoere fjeisblöde, bon benen ich einen im Silbe äeige, 500 m boneinanber
entfernt, merben im SoIfSmunbe unb auf ben Sorten ber SanbeSaufnahme al§
O b f e r ft e i n e begeichnet. SWuIben unb unberftänbliche ©inbohrungen finb an ihnen
3U bemerfen, ober fonft nichts, fo bofe bie meifien Seurteiler mit ben SIchfeln äuden.
Sm SSoIbe liegen an mehreren ©teilen ®unberte bon unbehauenen ©teinen, barunter
gahlreiche grobe Slöde bis 1 Subifmeter unb mehr toüft umher, ©ie bürften aus bem
©anbgeftein beS SergeS ftommen. SBie eS fommt, bafe fie fo lofe auf bem SBalb*
hoben liegen, borüber fcheint auch t>on Oeologen feine einheitliche SInttoort au höben
3u fein, ©eit SWenfchengebenfen höben bie Umtoohner ftch 3U ihren Sauten ©teine
aus bem SBalbe geholt; auleht ift noch eine getoaltige SKauer, öhnlich toie ich fie iö ber
9lbb. 58 bringe, im ^ohre 1917 3um SSieberaufbau beS obgebrannten §aubthoufeS
bon S)örtngSfeIb berbraucht. Sluch 3um SBegebau finb bie ©teine bermertet. Ser
natürliche ©teinreichtum fcheint mir eine ber Urfachen getoefen 3u fein, toarum
bie Sllten fich ben SBoIb 3U ihren fultifchen Steeden auSgefucht höben; ober er höt ouch
eine herborragenbe Sage.
Ser SRangel einer fonftigen Seorbeitung unb irgenbteelcher Seichen ober
Silber an oHen unS befannten Cbferfteinen erflört fich öuS ber im Slltertum 3U fin=
benben Sorfchrift, bie Slltarfteine „unbehauen", aifo im fRaturauftanbe 3U laffen.
Söcherreihen, bie n|it ber SIbficht ber ©baltung unb Serftörung ber ©teine einge*
houen finb, falls fie aum 3Segftf)Iebben su.grofe toaren, finb au einem Seile atoeifel»
loS auf bie SefehrungSaeit aurüdauführen, teeil ©teine unb Slöde bon' ieber ge>
teünfchten ©röfte inr SBalbe genug borhanb'en finb. IRiemanb unternimmt eine fo
fchteere SIrbeit ber ©brengung, toenn fie gönalich überflüfftg ift. Ser ©tein, ben ich im
Silbe aeige, hot ber Se^^ftörungSabficht getrost unb bie SIrbeit, ihn gemöfe bem erften
©bift bon fRanteS (bgl. ©eite 201) au berfchlebben, ift ben ©iferern hoch auch äu
fchtoierig geteefen.
©in Serbot beS SehauenS bon Slltorfteinen finben toir im Sllten Seftament, ^ofua 8,
31. SInberS tourbe eS mit ben Sembeln felbft geholten (©Sra 5,8). ©olche SewQöiffe
finb uns aud) für bie ©rfunbung unferer germanifchen Serhältniffe um fo toichtiger,
11 S^eubt, Oermantfc^e ^cttigtümer
162 12. S;r:ieotiTiaIIi
je mef)r »»ir e§ lernen, in 5er Stbel wnb ciutf) int Sllten Sieftamente bie eljrtoürbigen
Seftanbteile religiöfer UrUorftellungen, Ureml)finbungen unb Urbräuc^e ber aP^enfdb*
beit au§ ber übertoutfiernng unb SSelaftung mit femitifcEier Eigenart berau§3uerfen»
nen. ®er biblifcbe Slnteil an ber Urüberlieferung b^t ia feine nadbineigbaren SSurgeln.
SIbrabam fam au§ Ur in Ebalbäa, bem @ib uralten SBiffeng, unb fWofeg mar am
ägbbtifdben fiönigSbofe „in aller aBei§bett" ber ägbfter unterridbtet. Sluf biefe SBeife
finbet ber auffällige fDlangel an ^nfcbriften, geicben unb fonftiger menfdblidber ®ear»
beitung ber fultifcben Steine ihre auSreicbenbe Erflärung. 33ei ben 2KuIben an unfe-
^rem Obferfteine lann man fid) aüerbingg beS ©ebanfenS nid)t, ermebren, bafe SKen-
fcbenbanb nacbgebolfen habe, um ben Stein sum Scblacbten großer Obfettiere be¬
quemer gu macben.

Eine große Stufmerffamfeit ift bem üeiftruper Sffialbe biSbet nid)t augemanbt, ob¬
gleich oüd) bie ölten fTiamen ber Sorftbegirfe e§ ungmeifelbaft mad)en, bafe mir un§ auf
einft gebeiligtem ©oben befinben. ffflir haben bie Seitberiobe no^ nicbt übermunben,
in ber man bie 93ebeutung ber alten Spornen'unter grunbfäblicber D^iditadbtung eine§
etmaigen in bie germanifcbe Seit gurüdceicbenben Sinneg auf bie tritiialfte SBeife
äu erflären fui^te. Slucb unfere Seitgenoffen im 20. ^abrbunbert fönnen fid) fd)mer
mieber bineinfinben, bafe für unfere Sllten im fdbroffften ©egenfaß gum SWaterialig-
mug bie gange Ummelt burdigeiftet mar unb bon ihnen burd^geiftert mürbe — nicht
unter bem ©efidbtgpunlte ber Urfadie, fonbern im Siebte ber baöon auggebenben
SEßirfung. .
§err SBeifen bon ber giffenfnider SKüble, ber fd)on früher burdb einen Seüungg-
artifel berfudbt batte, ^ntereffe für ben Seiftruber SBalb gu ermeden, führte mid) gu
ben ffteften beg fdbon bon Sd)ierenBerg ermähnten gbflobifdien StetnmaHeg, ^err
Sanbmirt Sidemieb, beffen ?iame mit bem SBieb gufammenbängen bürfte, an bem
fein ^of liegt, geigte mir eine grablinige ffteibe bon groben, eingeln ftebenbenJBIöden,
bereu SflbI in feiner ^ugenb nbdb 60—100 gemefen fein möd)te, bie aber ießt auf bie
Hälfte gufommengefcbrumbft ift. Um biefe Überlieferung ficberguftellen, gebe iib in ber
gußnote nod) bag Seugnig beg ^ertn g. ©üfterfief, ©etmolb^. ®err SBilfe fanb bagu
nod) eine aug einem Iümmerli(ben fReft beftebenbe unb boeb einbrüdlicbe fßaraHele
fomie meitere beutlidbe Sinien, gablreicbe Erbmälle, SRouern unb oueb ein gangeg gelb
boH Steinbügelgräbern gmifeben bem „^nid" unb ber „giffenfnider Sö?üble", bereu
Einbegiebung in ben gangen heiligen Segirf fid) burdf einen SSaH geigte. Sagu fommen
bie Seugniffe S^ebbeg bon bem in ben lebten 60 Rohren berfd)munbenen iReiebtum,
fo bab mir bor einer Überfülle bon Erftbeinungen fteben, bie bon ber einftigen regen
unb mannigfaltigen 93enubung beg SBalbeg burd) offenbar grobe SSoIfgmengen reben.
®ie bielen Umbegungen innerhalb beg SBalbeg fönnen faum anberg erflärt merben,
,alg bab bie berfchiebenen 2SolfgteiIe', ©aue unb ^unbertfebaften ihren ongemiefenen
1 Er fc§retBt: Qm .2eiftru))er SSalbe war ber fbnurgerabe berlaufenbe Brette SBalbweg, ber noch fflJein-
Berg führt, an einer ©eite auf einer ©trede bon einigen hunbert ÜJtetern mit ©teilten bon % Bi§
1 KuBitmeter Befebt, bie leiber pm größten Seil in ben 90er fahren be§ hörigen Qa^rtiunbertä ger-
f^lagen unb gu Gtrengfteinen Benu^t worben finb. ®ie Entfernung ber ©teine boneinanber war un=
regelmöbig unb Süden bon einigen Sffietern bagwifchen. Qch bube biefe ©teinfebung notb beutlich in
Erinnerung, g. ©üfterfieJ. (®eB. 1866.)
Steinfe^ungeii 163
umljegteii Ijatteii, too fie lüQ()reii5 be§ 31ufetitf)alt§ für il)re Serfiffeguitg forgteii.
2)Qäu ftanb it)iien in Quellen, 5öäc[)en unb Steidben ba§ ffiaffer retcf)Ii^ aur Sßerfügung.
©ine nnfdbö^bare Unterftü^ung ber ©rforfcbung be§ „@teinlingen§" ober Setftrufjer
SBalbeS foioie einer Stnaof)! cinberer ipiö^e in biefiger @egenb ift im ©ommer 1929
unoermutet eutftanben burdj ba§ bi§f)er unbefonnte, ungebrudfte SKonuffribt, in bem
Qberft ©diebfe bQ§ ©rgebuiS feiner fabraebntelangen Arbeit in ben 60er unb 70er
Rubren niebergelegt bot. ffiiffeufdboftlidbe Sorgfalt unb Älarbeit aeicbnen bie mit
aablreid)en bortreffli^en Seicbnungen au§geftattenten 115 goliofeiten au§. Unfere
2tbb. 58 aeigt eine ber noch 1871 im SBalbe Oorbanbenen, mittlerloeile gnna be-

3166.57. Opferftein

feitigten SKauern, bon bereu unmöglid)er ®eutung al§ ^ube*, @igentum§= ober
©d)ubgrenae fböterer Seit ftdb ieber S3efcbauer fofort überaeugen mirb. SBir feben barin
bie untoiberfbredilicbe Söeftötigung unferer ®eutung ber SKauern unb ©teinfebuugen,
ibie fie un§ bie Silber be§ gegenmörtigen SuftonbeS aeioeo. ®er Stitet lautet: „Ser=
fd)tebeue§ au§ bem alten ©adffenlanbe". äBir berbanfen bie Überlaffung bem ^ntereffe
unb ber ©infidbt be§ @obne§ be§ SerfafferS, be§ $errn S?orb.=S?abt. 0^ebbe=eutin.
Unfere fi'arte bom Seiftruber SBalbe bringt ba§ fe^t getoonnene Silb beSfelben noch
nid)t; ihre SReubearbeitung bot begonnen.
gür bie Strcboologie liegt im „©teinbogen", ben loir mit oder Seftimmtbeit nun«
mehr al§ einen beiligen $ain erflären muffen, ein toeite§, nabeau unerfdiobflidbeS
gelb ber gforfcbung bor. ®ie Stufgabe überfteigt bur(bau§ ba§ fEäoHen einaelner, bie
fidb — Ibie ©cbulrot ©djinanolb bi§ber f^on — um fie bemüht hoben.
®ie © t e i n a 11 e e n, b. b- bie in geraber Sinie gefebten einaelnen Slöde, finb
atoat ein Setoeig erfter Qrbnung für ben fultifd}en ©borafter be§ äßoIbeS, toeil fie
11*
164 12. S;f)eotmaIIt
ilöre eutfpredöung in ben ©teinalteen @übengIonb§ unb ber Bretagne Iboten, ober
eine ©rfennung ihrer praftifch’fultifdhen SSerloenbung ift un§ hier Inte bort nodh un=
möglich (SChh. 1).
©ingehenbere ©ebanJen fönnen mir un§ bogegen bei bem obolen ©teinlnall 3lr)ifd)en
Sörennelfe unb 2«ittelhain machen, gür bie ÜInnahme, bafe e§ bie llmhegnng einer
alten ©ieblung fei, fehlt nicht nur ber SelueiS, fonbern bie bisherigen ©rfahrungen
fhrechen gegen fie; auch tnirb eine gelnöhnliche ©ieblung innerhalb eines heiligen
^ainS nichts su fudhen haben. 2tIIe fonftigen erflörungSberfuche für ben shftobifchen
©teintuall finb böllig unglaubhaft unb haltloS. SKit großer Söeftimmtheit fann ich bie
SBehauhtung auffteHen: hier haben luir bie Jtrümmer ber Umhegung einer
germanifchen Sßalftötte. 3-ür fie trifft alles gu, luaS Inir bor 3tugen haben;
fie befinbet fich int ©inflang mit ber bisherigen 3KaIftätten=Sorfd)ung, unb fie ftellt
äu ber ©efamtanfchauung, bie Ibir unS bom Seiftruper SBalbe au madteu haben h)er=
ben, einen mertboHen Seitrag. ©egen bie Sehaubtnng aber fbridit nid)tS (9lbb. 59).

8tbb. 58. 3bfIo))enitiauer (Seiftruper SBalb)

®ie eingehenbfte ^Darlegung beffen, luaS über bie germanifdien Stalftätten au fagen
ift, finben luir bei 6. b. S®efuS (3)ie Sebeutung ber Ortsnamen für bte Sorgefchichte,
@iS=SerIag in 3eih). ©r felbft nennt feine 3trbeit baS ©rgebniS langiöhriger miihe=
boller gorfchungen foluohl in ©efchichtS- unb (Shrachlberfen,OrtSnamenregiftern, ftaat-
lichen, firchlichen, ©emeinbe- unb ©ibbenurfunben, als auch aahllofer OrtSbefichti-
gungen auf lueiten iReifen unb SSanberungen. iRach ihnt umfufete eine 2R a I ft a 11
(auch S)ing,^um, äßeichtum, SßidihuS genannt): 1. ®aS SWal (eine ®iche, ©fche, Suche,
Sinbe ober Sirfe, fteEentueife eine ©öule) barin baS äRalfreua X gehauen ift, in bem
heiligen SRing. 2. ®ie ^unbmühle. 3. ®en blauen ober blutigen ©tein, ben Obfer«
ftein. 4. ®en auS berfchiebenen ^ölgern beftehenben Sranbftabel ober Obferftofe.
5. ®en heiligen Sronn (©onnborn). 6. S)en Jammer beS Xor, baS fReditSgeichen, baS
im aWallreua aufgehängt tuurbe.
®ie SRalftatt loar umgeben mit einer hölaernen Umhegung (einem bobbeit gelatfch»
ten Salten) unb roten SBeihebänbern, foluie mit einer Umlnallung. 25ie öufeere
Umhegung beS SerfammlungSblaheS beftanb auS ^ageborn, §afel, $ülfe, Srombeer
ober anberen Oornen, im ©umbfgebiet auch Sinfen. 3um ©angen gehörte ber $ a i n
unb ineiterhin: bie ^ a m b f h) i e f e — S)aS SlEob beS ©beling, auS ^errenhof unb
SBirtfchaftShof beftehenb, bon bem ein berftedter SBeg gur Sialftatt führte. — Oie
SKalftötteii 165
3Serbreniiung§' ober Söeftattungäftötte. — S)a§ $odf)gericf)t ober 2BoIf. — SBoc^türme
ober ^ügel. —■ ©onftige ©tätteii ber @ötterberef)rung.
2Kag outf) b. 3öeht§ in feiner fid) Qnfd)Iiefeenben S)entnng bon Ortsnamen f)ier nnb
bo febigreifen, feine 3WüIftättenforfd)nng ift febenfallS bon bobein SBert unb bietet
aablreidie Slnregnngen.
atHen SInseidien nad) ift ber Seiftruper äßalb qI§ ein Stiid be§ 2>JarbengürteI§ an-
äufeben, ber fid) alnifdien bem ©bß“
ru§fer- unb SIngribarier-©tamm
befnnben boi/ unb ber bei ben @e-
ternfteinen Stnfdflufe an bie große
0§ning=33?arE mit ben bieten ge-
meinfamen Heiligtümern ber an-
grenaenben ©tämme gehabt bot.
SSon ben ©jternfteinen unb bem
Holaböufer Jteutberg aiebt fid) ber
©iirtel über ben S3rautberg unb
Söannenberg bei @d)mebiffen, bie
@d)önemarf, f^iffenfnid (burcb
3BaII berbnnben mit ber giffenfnif-
fer 3WiibIe), Seiftruper SBalb, Ibie
e§ fdbeint, bi§ aur SSeltbeimer SKarf
öftlidb SSIotbo (bgl. 89).
finb freilidb nur 33rucbftüde,
aber ber ©ürtel ift bocb nod) beut-
lidb genug au berfolgen. SBeftlid)
fängt allmäblicb bie @ieblung§-
Ibeife an, in ber bie ©inaelböfe über-
tbiegen, öftlicb bon ibm finb bie ge-
fdbloffenen Oorffdbaften, toobon un§
ein Slidf ouf bie ^arte ber SanbeS-
üufnabme 1:100 000 überaeugen
fann. Sind) loirb mir mitgeteilt, baß
fidb in ber nieberfä(^fifcben @pred)=
tbeife ein Unterfdbieb bemerfbar
madbe, 3.58. barin, baß auf ber öft-
licßen ©eite für „mich" ba§ „mef"
berrfdbt, mäbrenb bie tbeftlid)e ©eite bafür ba§ „mi" bat, — ein in ber ©tamme§for=
fdbung autf) fonft beadfteter llnterid)ieb.
SBenn ber Öeiftruper ®alb ber Ort für bie gemeinfamen SSoIfSberfammlungen ber
beiben genannten germanifd)en ©tämme gelnefen ift, fo erflären fid) aud) bie großen
StuSmaße be§ bcilifl^u Huiu§ unb in^befonbere ber auf einem gemölbten Huuge gele¬
genen 3Kalftötte, beren Umgebung fidb nadb red)t§, IinE§ unb born ampbitbeatralifcb
erbebt. tonnten 5£aufenbe beobachten unb bören, loaS auf ber fWalftätte bor fidb
ging unb gerebet hmrbe. Oer ©teintoall ber aWalftatt felbft ift nod) etloa 180 m lang
unb mürbe bielleicbt 250 m haben, menn ba§ geftörte Obal berbollftänbigt mürbe. ®a§
166 12. SitieotmaHi

für bte £)t)ferf)anblung nottoenbige SBaffer, ba§ einer je^t nocE) erfennbaren alten
DueEe en^prang, feblt nicfit, toie outf) fonft ber Slßalb toafferreicf) ift unb atnei an-
febnltdie S^eidEie birgt, ®ie SSerböItniffe be§ einen JteicfieS geben ftarfen Stniafe, feine
Quelle au unterfuäien, ob nitfit nodö SBeibegaben ba au finben finb.
®ie in ©rabe bebeutfamen Spanien tote Sllterbain, SKittelbain, JCembel*
grunb, JSrenneIfe, hülfen, Sitoieb unb ®iäerberg finb forgfältig au beacf)ten.
®in§ ber i'pünengröber im Sßalbe batte ©teinpaclung. (Sin a^eiter unmittel-
bor baneben liegenber, gana toie ein Hünengrab auSfebenber, frei§runber §ügel tourbc
oud) geöffnet, (S§ bot fid) §errn ©cbtoanolb eine gana merftoürbige Überrafcbung:
eine Sranbftötte fo intenfiber Strt, bafe ba§ tonige ©rbreicb aiegelfteinartig gebrannt
toorben ift unb burcb gef(bmoIaene§ ©eftein an bem gebrannten Kon f(böne ©Idfur-
flödien entftanben finbl ©ine ©rülörung ber ©rfdbeinung au§ fböterem QkQe.h\be‘
trieb an biefer (Stelle ift fd)toer möglid). Sie »ranbftelle — im Sorftort Sörennelfe ge¬
legen — mag bie Unterlage eine§ SranbftabelS, ber einem b a u e r n b unterhaltenen
ftarfen geuer biente, getoefen fein; benn ohne foldje burd) einen Kauerbranb eraeugte,
fitb nicht burd) fßaufen öerminbernbe §ibe fonnten bie ©lafurflöcben nidit entfteben.
Sie föranbftene barrt einer befferen ©rflörung burcb ©acbberftönbige. äßenn eine
foI(be nid)t gegeben toerben fann, bann toerben toir mit ber SInnabme au rechnen
haben, bafe unfere SSorfabren in ihren b^iliösa Rainen auch Sduer-Seuer batten,
an bie fich bielleid)t in chriftlidier 3eit bie Sitte ber einigen Sambe angefdhioffen bat.
3u aufmerffamem Stubium empfehle ich «afer äwaäcbft im SKoBftabe Don 1’: 2500
(unter Seraehnfachung be§ SWefetifdhblatteS) bergefteHteS unb bann berfleinerteb
S^artenbilb (SIbb.56) bom Seiftruper SBalb. ©§ ift mit erheblichemSluftoänbe bon Sfrbeit
unb Sorgfalt auf ©runb ber iUfeffung ber Sage febeS einaelnen Stein§ bon ben
Herren g. SBilfe, Oberftleutnant ifllab unb 3?iaior b. Sonop bergeftellt, fo bafe e§ ben
Sfnfpruch madhen fann, ein autreffenbe§ Silb ber febigen Sage ber Steine au geben.
bat nicht nur ben Sßert einer Sfiaae. Überall, too e§ aur 23eranfd|aulichung nötig
toar, finb auch bie fonft berumliegenben, nid)t in ^Betracht fommenben Steine bon
mehr al§ ettoa einem halben gentner eingeaeichnet. Sluf biefe SBeife fommt für unfer
Sluge ein löilb auftanbe, toelcheS toeitau§ lebrreidher unb brauchbarer für Beurteilung
ift, al§ toenn toir ben SSalb befud)en unb un§ immer nur bor fleine Keilftücfe be§
©anaen geftellt feben, bereu Slnblid aufeerbem noch bielfach burch Unterbola unb
Bäume beeinträchtigt ift. Sie Bbotograpbie bringt toenig. Schon in ber Statur laffen
fich gerabe Sinien feftftellen, aber erft auf ber ^?arte aeigen fid) ganae Sdleen oI§ un¬
leugbar borhanben! Sie @Ieid)artigfeit mit ben SteinaHeen bei JlerleSfnu in ber
Bretagne ift gana unberfennbar. ©in Urteil, ob in ben fid) a- 3- bemerfbar machenben
Preislagen bie lebten Stefte aerftörter fogenonnter Krofaburgen erblicft toerben bür-
fen, fann ebenfalls nicht burch QrtSbefichtigung, auch nicht burd) ©rflettern ber böd)'
ften Spiben bon Bäumen, unb noch toeniger burch glugaeugoufnabmen, fonbern nur
auf ©runb eines PartenbilbeS, toie beS unferigen, berbeigefübrt toerben. Sie BJebr-
aabl ber Beurteiler entfcheibet fich babin, bah in Berüdfichtigung beS ganaen 3u-
fammenbangeS ber Singe unb ber Borbilber, bie toir in Sübenglanb unb in ber Bre¬
tagne haben, auch an bem einftigen Borbanbenfein fultifcher Steinf reife im Set’
ftruper SBalbe nicht au atoeifeln ift. $ier erinnern toir uns an baS gelb Kruc.
tbniich berhält es fich ntit bem trümmerhaften Steinfreife auf bem Bärenftein,
5£roiaburgett 167

5 »linuten bou beii ©iternftetixen, beffeit Äorteiibilb id^ in ber imtereii recf)ten (grfe
be§ .flartenbilbeS bom Öeiftruper SBoIbe bringe. ®05u Slbb. 60.
3[ber ben 2fu§f(f|Iag für bö§ ©efamturteil geben bie ©teincilleen. Sei ihnen bonbelt
e§ fi^ in ber aKehrsaf)! um bie groben Slöcfe, bon benen mandher 6i§ 511 25 Sentner
fdbtoer ift. SBer tooEte bie Sebaubtung tragen, bafe bie unenblidhe a«iibe ber $eron-
fdhleifung, Srufridhtung unb Sln§rid)tnng foldher Slöcfe auch i« fböteren Seiten aufge*
loanbt fein fönne? ®ie ©fiäse unterfcbeibet bie noch nicht umgefunfenen ©teine.
SBerben aber bie ©teinaHeen anerfannt, bann fchlbinbet ba§ fftedht ber Seätbeifelung
ber übrigen fultifdben fftninen, unb e§ entftebt für bie auf fidberem Soben befinblirbe

^(bb. 60. 0teinfrei§ auf bem S3ärenftein

Slrcf)äoIogie bie aii^fid^tBreic^e Slufgabe ber genaueren ®urdE)forfd)ung be^ alten


germanifd[)en $eiltgtiim§.

$er Seiftruper SBalb Unrb au einer 9ted)tfertigung unb ©rbebung be§ @eifte§ Stuguft
@(f)ierenberg§. ©eine 3eit (bie 70er unb 80er Sa()re be§ hörigen $5a()rf)unbert§),
horan bie meiften bamaligen Vertreter ber ffiiffenfc^aft unb toiffenfdiaftlicbe SSereine
haben ihn herböhnt unb al§ Querulanten hör bie Xnx gefegt, ©eine höben
ihn im ©tidh gelaffen. SSer feine @eifte§früdhte benu^te, unterfdhiug feinen 9?ainen.
©ein ©dhmanengejang al§ STjähriger fdhneibet burdh^ «gera.
Sn feiner S^genb höt er hinter bem fiabentifdh geftanben. ©eine mit unenblichem
Steife erworbenen iS'enntniffe aeigen Süden unb ben aWangel an aWethobe unb Drb*
nung, beim Sefen feiner ©chriften Wirb man hin unb her geaerrt. Stber an @eift liefe
er feine Sritifer Weit hinter ficfe. ®afe ber ©bbafdhauhlafe in ©ermanien lag, unter*
168 12. S^eotmaHi
liegt feinem Stoetfel mefir,' ober in feiner ((bnellfertigen fRomenbeutnng fonn oucb
idb if)nt nicht, folgen.
®ie SlltertumStoiffenfchoft ift ihm ©ühne unb S>anf f(fiulbig. Seren bomolige SSer-'
treter finb berftummt. (Sefonnt habe i^ St. ©chierenberg nid)t, feine @tf)riften finb
mir erft bor einigen Rohren in bie §änbe gefommen. SIber ich möchte meinerfeit§ ba§
bomolS aSerföumte nochholen.

®a§ fbätere Sheotmolli-Setmolb


Sem Ergebnis ber 9^adhforf(hungen @chierenberg§, bofe ber Seiftruper SBoIb bo§
ölte SheotmoIIi, Setmolb ober beffen fRochfolger, ba§ neue SheotmoIIi, fei, ift boße
Seochtung au fdhenfen. Stud) im alten ©ermonien toedifelten unb fteigerten fidh bie
SSebürfniffe. Sie Söler tooren burch ihre fortfd)reitenbe ©ntfumpfung au meufd)*
lichem' ©ebrouch geeigneter getoorben unb fo begob man fich bom Seiftruper SBalbe
in§ SBerretal.
SSielleicht finb erft in ben lebten germanifchen Sdhrhunberten bie großen Rotten ouf*
gefommen, bon benen un§ bie ©bbo au reben toeife, unb bie ouf ffanbinaoifdhem S8oben
noch tief in bie gefchichtliche 3eit hineinragten. S3ei un§ aber finb folche mächtigen
^olabauten nebft ber Kenntnis bon ihrem einftigen Safein in.ber gähnenb aufgerif-
fenen filuft aibifchen germanifcher unb römifch'chriftlicher Seit berfchiounben. Sluch
in Setmolb .finb toir nur auf bie SSahrftfieinlichfeit angetoiefen, bah auf bem ölten
griebhof (SSürgerfnabenfchuIe) eine §oße gröfeten 3tu§mahe§ geftanben hot. Sie Stn«
nähme grünbet fich ouf bie ©tetigfeit ber SSerhältniffe, bie ja auch burch folche ©reig«
niffe, mie e§ ber SSeginn ber SBeftfranfenherrfchaft toar, nicht gänalich unterbrochen
toerben fonnte. SBenn ouch bie ^aße niebergebrannt unb bie Orbnung ber Singe faft
reftloS aerfchlogen toar, fo lebte baB übriggebliebene SJoIf hoch toeiter unb hotte feine
Stniäffe aur Snfotnmenfunft auch oufeerholb ber Kirchen. Sa toaren bie alten 5ßlöhe
noch immer bie aum SSieberaufbou gegebenen. Ober foßte bort bie ältefte (§oIä-)
ßirche SetmoIbB geftanben hoben?
Setmolb gehört au ber Sohl germanifcher ©töbte öftlich be§ StheinB unb nörblidh beB
SWainB, beren Sporne in ber ©efchichte ber SSföhrigen ©achfenfriege ertoöhnt ift. $ier
tourbe 780 unentfchieben üon ^torl gefämpft. Senn bie golge ber ©chlocht teor ber
Stücfäug ^arlB auf ipaberborn, too in ben nächften SBochen ein erloarteteB atoeiteB
frönfifcheB $eer eintraf; mit ben pereinigten feeren tourben bie ©ochfen an ber ^oafe
gefchlogen. Ser ©tanbort ber S? i r ch e, bie .^arl für ben goß be§ ©iegeB bem 5ßetruB
au bauen gelobt hotte, ift unficher geblieben. SWon hot auf bie §ünenfirche im SönB=
bergloger bei Örlinghoufen, ouf eine Slopeße auf bem ^ofobBberge ber Sßeftfölifchen
ißforte unb auf bie Kirche in ^eiligenfirchen gefchloffen. SSielleicht ift eB ober auch bie
Verrichtung ber unteren ©rotte ber ©jternfteine awr S?opeße getnefen, teoran toegen
ber (umgetoanbelten?) ißetruBfigur bor bem ölten ©ingange au benfen toäre. ©chie-
renberg fchreibt^: „^n einer fleinen ©chrift ,Excerpte‘ auB anfcheinenb berloren ge*
gangenen OBnabrücfer ©htobifen betitelt, gibt nämlich Dr- Weltmann SIuBfunft über
eine 97achricht, bie einer ©hronif beB 12. ^ahrhunbertB entftammenb, bon ihr aber
älteren ©hronifen entnommen ift unb fich ouf bie ©chlochten beS ^ohreB 783, bet Set*
molb unb an ber Voafe beaieht, in benen Sari b. @r. bie ©ochfen unter SBittelinb be*
^ 8t. ©c§ierenBcrg, ®te ttriege ber SRönter. u. Stoel^ler, gfranlfurt a. 93b. 1888, <3. 6.
Setmolb 169
fiegte. 2II§ £>rt ber erften ©cEiIoiJ^t nennt ber (5I)ronift ©abeSmeUe ftott Jlflietmelle,
unb Beritfitet bann inörtlitf) toeiter, „botfi BeBetI SaroIuS al§bar ben ^ßlafe, icarumme
Be ©obe ein ©eloffte bebe, um bat Be em eben gebedBt gebe ban ©Bnen Sßianben, Be
iDoIbe ©ünte e t e r Buben to ©obe§ ©Bren einen Sembel ber ©toigBeit".
®a§ nadBftliegenbe oBer ift, bafe bie ^ircBe in fSetmoIb felBft erBaut toorben ift. ®enn
mir miffen bon einer SetmoIber ^^ircBe, ber Sorl bie Böälfte gürforge äuge«
menbet Bat. ißabft Seo, ber iBn im ^aBre 799 für einige SKonate in iiSaberBorn Befucfite,
mürbe bon iBm beranlafet, in ber Setmolber ^lircBe einen Slltar 3U meiBen. Sa§ er*
foBren mir au§ ber SeBenSBefcBreiBung be§ um 1000 leBenben 93if(Bof§ SKeinmerJ bon
iPaberBorn, ber biefen au§ einem grofeen ©tein BefteBenben Slltar aus Setmolb meg*
geBoIt unb in bie §lBbingBofer ^ircBe au iPaberBorn berBradBt Bcit.
Sic bon ©cBaten^ a«nt iPabfiBefucB miebergegeBene ©raöBIung, an beren 3SaBrBeit§*
fern iebenfaHS nicBt au ameifeln ift, mutet in BoBem ©rabe rötfelBaft an, al§ oB e§
um biefen großen ©fein eine Befonbere iSemanbtniS geBaBt BaBe. SBarum Beraubt
3Weinmerf bie bon bem großen ^arl felBft geftiftete unb Beboraugte SircBe in
Setmolb iBreS SlltarS, ber für fie BöcBfter 3tuBm unb ©tola fein mußte? ^ft e§ biel*
leidBt eine Befonbere, im SSertrouen auf bie fJöBftlicBe SBeiBe gemagte ©lauBenStat ge»
mefen, gerabe biefen großen ©tein au einem Slltar au macBen, unb B<it fidf) bann bie
StnaieBungSfraft biefeS ©teinS — ber bielleitfit ein Beiliger ©tein gemefen mar —
auf. bie ©acBfen in berartig unermünfcßter SBeife geltenb gemacBt, baß ber tatfräftige
33if(Bof SBZeinmerf iBn in bie SSeBanblung unb SSebienung ber SIBbingBofer 3?Zön(Be gab?
•3J2ögen biefe fragen fo ober fo Beantmoctet merben, auf jeben SoQ bpar bie BoBe
S3ebeutung SetmoIbS als SBoIfSmalftätte mit aE ben augeBörigen SCufgoBen unb ©in*
ridBtungen beS alten ©lauBenS Bei ber amangSrnäßigen, fdBneEen ©infüBtung beS
©BriftentumS ein amingenber ©runb, biefen Ort als einen ber erften mit einer ^irdBe
ouSäuftatten unter Sefeitigung aCeS beffen, maS aum gortbefteBen beS alten ©otteS*
bienfteS Bätte bienen fönnen.
SIBer, mo maren aunocBft nocB in ber ©ermanenaeit bie Sefte unb SSerfammlungS-
plöße beS SSoIfeS im greien? •
©S finb SlnaeitBen oorBanben, bie unS auf ben ^ibbefer S3erg füBren, unb amar nicßt
nur bie OueEen, bie an feinem 97orboftaBBange in einer für folcße ©tötten geeigneten
SBeife üorBanben maren unb a- Ä. notf) borBanben finb, fonbern meBrere anbere Be*
merfensrnerte ©rfdBeinungen. SaS finb bie SSerBöItniffe bon SraunenBrucB, barunter
aucB bie unS fiBon meBrfadE) Begegneten Sefißer bon S3raunenBru(f), bie ©(Bmaraen;
bann bie SSoben* unb J?uIturberBäItniffe, bie jtamen ber glnren, bie fogenannte Set*
molber SBarte mit meBreren baneBen gelegenen ^ünengräBern unb fcBIießlicB — bon
gana unbermuteter ©eite fommenb — baS SörrenBergfcBe ©raBungSergeBniS.
Sie gamilie ber © cßm ar aen geBörte au ben Bebbraugten, auf baS aEerreicBIicBfte
mit ©ütern auSgeftatteten ©tapeln (©tüßen) beS i{3aberBorner ^lofterS. ©ie Befaßen
58rounenBru(B, baS mie eS fcßeint eigentlicBe große ^auptgut bon Setmolb, alS
©tammgut unb baau OefterBoIa mit ben ^oIaungSgere(Btfamen üBer baS ganae
amifcßenliegenbe OSninggeBirge Bingmeg als ißaberBornfcBeS SeBen. Sann aBer aucB
auffäEigermeife meBrere BraunftBmdgiftBe SeBen, bie mir moBI mit bem 97amen
„dBeruSfifdBe" SeBen fennaeicBnen bürfen, möBrenb baS fPaberBorner ßlofter ja meBr
‘ Saaten, §iftor. Sofir= unb Sirc^engef^t^te, ipabcrborn 1798, ©.34.
170 12. XfieotmaKi
in 5en einft engriftfien (ongriöarififien) unb um 0§ning unb ©ggegebirge gelegenen
Oegenben feine .gönbe fiatte. llnfere Slufmerffamfeit totrb auf§ äufeerfte geftiannt,
toenn toir nun bören, bafe btefe 5 r aunf dE) toet g t f dö e n Sel&en in Seiftruf),
2)öring§felb unb ©dEjönemarf beftanben, alfo ben mit bem öeiftruber SCöoIbe
äufammengetiörigen SWarfenböfenI lOefterboIa, bie 2Karfenböfe beB Seiftrufter SBalbeS
unb S8rounenBru(^ in ben ®änben ein unb berfelben Samilie ©dfitoarä!
SBenn Oefterbolä, Seiftrup, S)örihg§felb unb ©d^öne'mariC ßuItuBgüter toaren, au§
SWortenbefi^ BerouB, bann bürfen toir tuobl bie neugierige grage fteHen, ob nicht auch
Sraunenbrudh mit feinem ^ibbefer S3erge unb bem ©d&toarsenbrinE (f. Slab. 15,
Seifbiel 31) ein .^ultuBgut getoefen ift. Sie ©chtoaräen batten ja, tote mir oben faben,
Defterbolä „fdbon immer" bon.Saberborn awm Seben gehabt, b. b. bodb mbbi, fo lange
e§ 3um fßaberbornf^en Sefib gehörte, alfo gum minbeften feit 1011, ober — bon
©orbeb übernommen — feit SeboB Sobejn ben ^sabren ämifchen 8ä6 unb 853.
Sor unferen SlidEen fteigt bie farolingifdbe Sd^iobe ber Serfdbenfung unb Serleb*
nung ber 207arfengüter an bie Oünftlinge meftfrönfifdben unb fädbfifdben SIutB auf.
Ser Orunbfab mar, in 'erfter Sinie biefenigen gu bebenfen, bie bereitB baB Betreffenbe
©ut alB.SIKob innebatten; menn fie„treu" maren, lag baB im ^ntereffe ber Sefefti*
gung ber neuen ^errfdbaft. SBir tonnen unB nicht ber SInnabme berfdbliefeen, bo| ben
©chmargen bon ihrem Solle bie ^ültuBgüter in ben Störten bon Oefterbolg unb bom
alten unb neuen Sbeotmatli gur Semirtfchaftung ober Sermältung onbertraut maren,
unb bofe ihnen bonn um ibreB ÜbergangB gu 51'arlB ffJai^ietgängern miHen bie @ütet
teilB.alB Eigentum, teilB olB ßeben beftätigt mürben. Sludh hier Eann ich mich auf
©chierenberg begieben, ber bereitB — ohne etmaB bon öefterbolg gu miffen! — auf ben
Samen ber ©dbmargen aufmertfam gemorben-mar. EB gibt noch Sßege, um hinter bie
Sufammenbönge jener Seit gu tommen!
SÜSober ber Same ©chmarg? Sie ©dbmorgen finb nidbt meniger blonb ober Braun,
alB bie übrigen Seutfchftömmigen. Eber tonnte mon on. ben alten, urfprünglidh mit
ber ^fleibung toum gufommenböngenben Seinomen ber Sriefter benten, ber biclleicht
biB in bie germanifdbe Seit gurüdtreidbt, mo Saben unb Proben' neben ben Eulen
bie 2Babrgei(hen ber ©elebrfamfeit unb ber'Stiefter maren. Sielleicht fann auB ber
Samilienforfdbung heutiger ©dbmargen barüber einigeB Sicht gemonnen merben.
Stber biefe gonge Überlegung mag bobingeftellt bleiben, ihre Sidhtigteit ober Un»
ridbtigfeit önbert nidbtB bnran, bafe ber ^ibbefer Serg gu bem Srounenbruch ber
©dbmargen gehörte, unb bofe oudb noch ber fehige Sefunb be§ .gibbefer SergeB ünferer
SCnnabme, bah hier bie Sbeotmalli’^ultftätte gemefen fei, äufeerft günftig ift.
Stuf bie'Gueüen beB .§ibbefer SergeB, bon benen bie eine bie gefdböhte Eigenfdbaft
einer Heilquelle bat, habe ich fihon bingemiefen. Sicht minber michtig ift eB, menn bie
©unft ber Umftönbe einen SBabrfcheinlichteitBbemeiB für ba§ Sorbanbenfein eineB ge*
eigneten ^nmbffbielblaheB ermöglicht. S3er bon Setmolb auB ouf bem fchmolen
^amm beB SergeB entlang gebt, mirb fidh babon übergeugen fönnen, bah gunöchft über=
aH eine für ben ©etreibebau auBreidbenbe HitmüBfchicht biB an ben ^amm heran bor»
bonben ift. Son einer SIbfchmemmung berfelben tonn feine Sebe fein. Sann aber ge»
langt man etma 250 m hinter ber neugebauten Sonbftrahe bom SBege rechtB abbidgenb
unb auf ber Höbe bleibenb gu einer Sobenerbebung, bon mo auB ein guter ÜberblidE über
bie nödbften 300 m beB ^ommeB biB gur folgenben Erhebung borhonben ift. SBöbrenb
©in geebneter SergrüdEen 171

bi§ bal}in ber oberfte .^amm nod) Sfteftbeftänbe ber urfbrünglic^en Setnalbung auf-
iDeift, l)aben tüir bter unter 2Serbreiterung be§ ßamme§ auf etoa 150 m eine geebnete
glädje. SDiefe glödbe seii^net fid) bnrd^ ©terilitöt unb geblen ber ^umu^fd^ic^t au§,
obgleidö hier bie 97eigung§t>erbältniffe loeniger @runb 3ur Slbfc^tuemmung bieten, al§
fonft auf bem S3erge, tuo bie $umu§fd)id)t nod) Oorbanben ift. ®er SSefi^er bot eine be=
fonbere guttergra^art auf ber gansen glädbe angebaut, in ber Hoffnung, bafe baburdb
allmäblicb eine $umn§bilbung erreidbt toirb.

5tbb. 61.’ ^etmolber Sönrte

äJom @ut§bofe Sraunenbrud) führt eine 3.5t, je^t nodb auffällig breite, fdjnurgerabe
©trafee 311 biefer Slädbe, an beren SRanbe ein einfameS $au§ mit ein3elnen uralten
SSänben ftebt, bie ebenfo gut au§ ber @acbfenbunb3eit ftammen fönnen, al§ au§ ber
nädbftfolgenben Seit. beifet ©Ienb§bou§, ift im aWittelalter aifo toobl SluSfäbigen*
afQl geluefen. ?fadb Sage ber Singe mufe bie ©ntftebung biefer glädbe auf eine müb-
fame ©inebnung 3urücfgefübrt loerben, bie nidbt nur ohne aderbaulicben Stued erfolgt
ift, fonbern gerabe3u bie frudjtbare Stderfrume befeitigt bot, bie — loie fdbeint —
ben borunterliegenben ^dern 3ugute gefommen ift. Saber müffen loir einen anbern
Stoed ber ©inebnung annebmen. Sßeil idb feine anbere Slufgabe febe, bie man burd)
fo großen ^raftauftoanb in gefdbicf)tlid)er unb t)orgefd)id)tIicber Seit bötte erfüllen
tooden, aufeer ber ©(Raffung eine§ ®ambffbielblabe§ ober eine§ SSerfammlungg»
blabe§, fo fteHe id) biefe SSermutung 3ur ©rloägung.
Unb nun ein bocbintereffanteS 2fu§ftattung§ftüd be§ $ibbefer 33erge§, beffen arcbäo-
172 12. SfieotmaHi
logtfc^er SBert in umgefe^)rtem 2SerI)äItnt§ au feinem SInfelien unb 3Iu§fef)en fte^ien
bürfte: ©ieSetmoIberSSarte! @ie liegt auf §öf)enaabl 197, 6 an abgelegener
©teCe in bicbtem ©ebiifd) berftedt (fo bafe fein BeffereS S3ilb au Buben mar) unb ift
bon menigen SRenfcben gefannt. ®en SlltertumSfreunben, bie bon iBr roufeten, mußte
fie ein SRätfel fein. 2Iuf fie unb bamit auf ben §ibbefer SSerg mürbe meine Sfufmerf*
fomfeit auf§ lebBaftefte burcB bie JCatfadBe gelenft, baß ber ißunft mit großer ©enouig*
feit auf ber 97orbIinie ber SCeutbburg (®ermann§benfmal) liegt. Slutf) bie baneben-
liegenben ®ünengröber (©teinBügel) berftärfen ben ©ebanfen an eine gemeiBte ©tätte.
®er mit ftf)IecBtem ober burcB fein Sllter fcBIedit gemorbenen fPZörtel orbnungSmößig
oufgebaute frei§runbe JKurmftumbf But nur 8H m £)urd)meffer unb im Innern ni(f)t§
ober einen ©tf)Iot, in bem fitf) fein 3KenfcB aufBalten fann.
S3on einer mittelalterlicBen SSarte, mie Ibir fie a* iu ber ©teinbedEer ffiuine bei
©alauflen Buben, mit bem Stoedt, einem ober meBreren SBäcBtern SIufentBalt unb ©icBt
0u geben, fonn aifo gar feine iRebe fein. ^Dagegen ift e§ bie böllig gleicBe SSauart mie
bie ©tümbfe ber Sßarte auf bem Siegenberge bei ^orn unb auf bem ®idEerberge bei
SSarntrub. ®ie beiben leßteren finb beffer erBalten unb aeigen beutlid) ben ©dBIot,
Sie SidEerbergmarte But unten ein So(B in ber ©röße, baß ein ©cBaf BinburdE) fann.
2Rir fam fcBon tior meinen ©tubien über bie SSergBeiligtümer ber Sllten beim ESefudB
ber SidEerbergmarte ber ©ebanfe, baß ein foIdBer Surmftumbf ber ©odEel für einen
aSranbftabel gemefen fein fönne, bem burdB ben ©dBIot Suft angeführt mürbe; er muß
bann ein ihn bebedenbeS ©itter gehabt Buben. Ober ift fonft eine bernünftige 6r-
flärung möglidB?
Sft bie Siderbergmarte, mie mir fehen merben (©eite 222), ein „S e u f e I § t u r m"
gemefen, fo mar febenfallS bie SBarte auf bem ^ibbefer SSerge um ni(Bt§ beffer. Über
bie SSebeutung ber Seuermarten auf ben Sergen merben mir in unferem Ortungg*
fiobitel be§ näheren au Bunbeln Buben.
SBenn mir nidBt au bebenflicBen SCuSflücBten bie SuflucBt nehmen moEen, müffen mir
bie SÜBorte auf bem ®ibbefer Serge unbebingt al§ ein au§ ber ©ermanenaeit
ftammenbeS SergBeiligtum anerfennen, melcBeS auch um beSmiKen feine
befonbere arcBäoIogifcBe Sebeutung But, meil e§ eben eine bon ben menigen ©teinbau'
ruinen fener Seit ift/ unb obenbrein ©ebäube mit ^olfmörtell Unbebingt fage
ich, ba Bier auch feine fhütere Überbauung be§ alten orientierten SlußeS in grage
fommen fann. Senn fomoBI unter cBriftlidBem ©eficBtSpunfte, al§ auch in SInfeBung
ber Slufgaben einer mittelalterlid}en SBarte mürbe ein berartiger Sau finnIo§ fein.
Sie cBriftlidBe [Religion fennt feine geuertürme. ©icBerheitsmarten für ©tobte burf*
ten toeber unbemoBnbor unb unbefteigbar fein, nodh mürben fie on ungünftigfter
©teCe abfeits ber in Setratfit fommenben ©traßen (Bier bor allem be§ ßifjfjftabter
SBeg§) erbaut.
Söenn an biefer ©teEe bie ermünfcBten ©robungen Sunbe autage förbern foEten, fo
mürben fie gerabeau ben SInftoß au einer Stnberung ber üblidBen Seftimmung foIcBer
Sunbe geben fönnen. Saß anbernfaEB fie alB mittelalterlidB erflärt merben mürben,
ift mir feinen Slugenblid ameifelBuft, aumol auch bei meiner Sluffoffung eine berBöIt-
niBmößig fpäte germonif^e ©ntftehungBaeit ber EBarte in Srage fommt. Slber bie
©rünbe, baß biefer Sau nicht erft in dhriftlidher Seit entftanben fein fann, unb baß
in ber fbäteren Seit fdhmerlitB eine Sermenbung be§ SauB ftottgefunben Bat, finb .
geuertürme 173
ftörfer al§ ba§ gunboment, ouf bem bte ubiicfie S3eftimmung beruht. SSortoeg fc^on
ift unB burcb Oberflödbenfunbe öorgefcbidötltcbet ^eramtJ unb SSetourfftücEcfien ber
futibardbäologtftbe SetoetB geliefert, bafe bie ©teile olB ein ©cbauplafe germanifcEier Be¬
tätigung ongefelien Serben mufe.
Bei ber Bebeutung, bie grofee ginblinge für bie fultifi^en Stätten 97orbtoeftbeutfcE)-
lanbB gehabt haben, bnrf nidtit unertoähnt bleiben, bafe fotoohl om Dtorboft- alB au^
am 97orbmeftfufee ber $öl)e unterhalb ber SCSarte fich eine ganae Slnaahl bon ginblingen
befuuben hat, bie.bei ber gerftörung bon oben bahin gefchafft fein fönnen. ©iner fcheint
befonberB berloenbet getoefeii gu fein, ba er nach fadhmännifcher SluBfage feine IRing-
form burch menfchlithe Bearbeitung erhalten hat. -
©dhliefelich bie 51 u r n a m e n. Sluf bem langgeftredften in gleich mäßiger ®öhe
berlaufenben ^ügelrücfen, hat eine ©teile, unb gtoar bie ©teCe, too ber JCurrn-
ftumbf fteht, ben glurnamen „Berg". SRunb um biefen BunEt herumgelagert liegen bie
BargeEen „Bor bem Berge", noch einmal „Bor bem Berge", „Sluf bem Berge", „hinter
bem Berge", „Orofeer Berg", „kleiner Berg". Sie ©teEe mit bem Surmftumbf toar
bemnodh für bie BeböIEerung „Ser" Berg fchlecfithin — ein unberEennbarer ^intoeiB
auf ihre befonbere Bebeutung. Sin ber einen Queüe haben loir ben „Sinbenort", too
bie ©erichtBftätte geloefen fein bürfte; ferner eine „©aalbreite", eine „^ohlftätte" unb
eine „$elie". Sluf einftige Umhegung beB ganaen BergeB toeifen bie Barnen ^m ^nid,
©tumperhagen, ©Eernhagen unb bieEeitfit audh BuHmeierB §agen. Sann aber lie¬
ber bie Begeichnung „I a n g"I ©ie begreift ben gangen Baum bon beni mutmaßlichen
fiambfffJielblah (unb gloar in beffen SIuBbehnung) biB hin nach Braunenbruch, 300 m
breit unb 1000 m lang, bon ber §öhe auB gang überfehbar, überaE eben, gur einen
Hälfte fanft abfäEig, gur anberen §älfte horigontal. Sie auf bie gläche berteilten
Barnen finb Sange toanb, S a n b e toanb. Sangen Eamp unb Sange toiefe. Sluch
2 km toeftlich bom §ibbefer Berge, nicht toeit bom ©chtoargenbrinE unb ber SBoIbheibe,
toohtn nach Sörrenberg baB ©ermaniEuBlager reichte, fcheint ein ßamhffhielblah ge-
mefen gu fein; benn eB finbet fich bort ber Barne Sangeloh.
SIIB Bergheiligtum bon SheotmaEi mit feinen ber ©ottheit getoeihten heiligen
glammen auf heiliger Sinie angefehen, überragte bie SBarte ben BoIEBberfammlungB-
hlaß unb auch bie in 400 m ©ntfernung gelegene oben befchriebene ßamhfbahn. Slußer»
bem toar fie mit bem ©utBhof Braunenbruch auf ber ©onntoenblinie orientiert (131®).
Sie an ihr Berfammelten fahen am feftlichen Sage über Braunenbruch unb bem
SBönEeberge bie ©ommerfonne hochgehen, güb bie Braunenbrucher toar fie baB 3)terE»
mal für bie UmEehr ber SBinterfonne bem Sbühüng entgegen. ©leichgeitig toor bann
toohl ber §uno ber ben EEönEeberg umtoohnenben ©ibben mit feinen .Seuten bei bem
bortigen Bergheiligtum feftlich berfammelt, benen toieberum baB Heiligtum ouf bem
Sörenberge bei ©ternberg (^ab- ^eilige Sinien, Beifbiel 15) alB SBal ber ©onnen-
toenbe biente. SoB gum SEönEeberge gehörige SCEob toar Böhrentrub, bon too auB
ber gum Bergheiligtum führeube SBeg noch ießt beutlidh erEennbar ift. Ser heilige
cgain ift gur §älfte an Böhrentrub gefoEen, gur §älfte alB ©treubefih gum ftaatlichen
fjorfte getoorben. Sie ©renge läuft über bie ©tätte beS SBalB auf bem EEönEeberge
unb toor bielleicht auch bie ©renge gtoeier ^unfchaften, bie hier ihr gemeinfameB Hei¬
ligtum hatten, ©ie ift olB SBoE noch borhanben. Sluch ber Barne beB BergeB ift gu be¬
achten. SBurbe 3Bönch§hiIfe gu feiner ©ntgreuelung für nötig befunben, toar hier
174 12. Xlieotmani
nöfterli(f>er S3efi^ oier tft ber 9tome berftümmelt? Iiabe e§ nic^t in ©rfalirung
bringen fönnen. •
Ser ouf bem 9lebberge liegenbe 92orbt)unft für Seutoburg unb bie geuertoarte Don
Sbeotmoni bietet leiber faum nodf) ettoa§ S8emerfen§toerte§, ba bie ^aubtfteCe Stder
geworben ift, SIber ber „berftedte" SBeg unb bo§ SIHob be§ ^unb in fßabenbaufen ift
ebenfalls nbcf) fefet — auch burd) gufammengefc^Iebbte ginblinge unb anbere Stn-
aeidben — äu erfennen.
13* ^eutobutg unb Teutoburgiensis saltus
ift eine ber berbienftüoUften Saaten ©d3iic^f)atbt§, bafe er tni ^al)re 1904 burd^
\ifeiiie Unterfitcf)unG beg 5t}fIot)i|(f)en 3Wauertt)aIIe§, ber eiuft bie ganse Sergfubpe
(mit bem iefeigen ^ermann^benfmal) umaog, bie ©rotenburg in nnatneifelbafter
SBeife a\§> altgerinanifcfie SSoIBbnrg, unb bann al§ bie S: e u t o b u r g erliefen bat^
Unfer 93ilb [teilt bie 93 r e i t e ber S^rümmer bar, luie fie ficf) je^t noch in einer Sänge
Don 250 m bitrdb ben SBalb sieben. 3iini Xeil [inb bie ©teinrnafien, bie einft bie ge*

2Ibb. 62. 2^eutobur9=2^rümmer

maltige Umbcoung gebilbet hoben, ben §ang binuntergeiuölst, suni 5£eil finb fie sum
Sau be§ $ermann§benfmalg Uertnenbet unb ber SReft i[t Derjdbiuunben. $er umbegte
[Raum ift etma 400X900 m (150 äJforgen) grofe geiuefen, [iellt aifo ein mäcbtigeö
Säger bar. 6in jebt noch borbanbener QueHteicb läfet barauf fdbliefeen, bafe e§
hier oben auf bem ©ipfel be§ Sergej in ber früheren U)aüerreid)eren ä^it einer
berfammelten SoIBmaffe möglich toar, ba§ unmittelbare Sebürfni^ nadi SBaffer bei
feftlid^en ©elegenbeiten su beden. 2tber für eine „gluditburg" reidite ba§ 9Ba)fer nicht
entfernt au§.
^n ber Xat ift burd) ©cbucbborbtö fpaten* unb namengfunblidbe geftfteHungen ber
gange gragenfreig, ber ficb um ben Teutoburgiensis saltus gebilbet hotte, e n b g ü 11 i g
entfd}ieben. bient gur flareren ^erauSftellung be§ ßrgebniffeg, bafe bie forgfältige
SIrbeit feine ^unbe unb 9Ingeid>en gu Xaqe geförbert bot, auf @runb bereu bie 2Rög*
^ ©(^ucbl^arbt, ^ie früh gef (bid^lli (ben Sefefüguugen in ^Rteberfad^fen.
176 13. S^eutoburg uub Teutoburgienais saltus

lic^feit gegeben toäre, bie §er?unft auch biefer germantf(f)en SßoIfSburg answatoeifeln.
®§ tft nichts bagegen etnäutoenben, inenn @dE)ucöbatbt fagt: „Sßer bte JEeutoburg
bat, bat auä) ben saltus Teutoburgiensis, ber nur nach ibr benannt fein fann, unb
bamit auch ba§ ©cbladbtfelb."
SBenn biefe bebeutungSöoHe S:at eine§ fübrenben Strcbäologen, bem man fonft 3U
folgen bflegt, fo toentg ©inbrucE gemacht bat, bafe bie ©cblacbtfelbbbbotbefen unbe»
fümmert toeiter toucbern, fo ift ba§ für unfer SSoIf gu beflagen unb seugt bon ber
noch längft nicht übertounbenen Unterftrömung, bon ber fich'auch unbetoufet iteff»
li^lfte beutf(be SKönner mitäieben laffen. SIngeftecEt bon bem nun fchon biele ^abr*
äebnte luäbrenben fftauftf) be§ @uchen§ unb ginbenS bon aSaruSfchladhtfelbern, ber*
föumen fie bie Unterfuchung unb ©rfennung ber JCatfatbe, bafe ba§ ©udhen unb ginben
eine§ anberen SSaru§fchIachtfelbe@ gegen ft onb§Io§ ift, toeil bie Überlieferung
einloanbfrei unb fo gefiäiert baftebt,'h)ie e§ nur irgenb ertoartet toerben fann.
Um ihrer SSebeutung toiHen barf ich an ber grage nicht borübergeben, boffe aud),
meine Sefer enbgültig bon ben Btueifeln befreien au fönnen, bie unferem borgefchichts*
armen SSoIfe aud) noch bie greube an ber großen Sefreiung§tat Hermanns be§ ©be*
ru§fer§ berabminbern. Senn bie ©rinnerung§ ft ä 11 e macht ein inefentlicheS ©tücE
be§ SßerteS einer Erinnerung au§.
SIbgefeben bon geograpbifchen Sorbeilen, mit benen fid) gürftenberg berumfdhiägt
(SIug§burg! SuiSburgl), bat bie arieinungSberfchiebenbeit toegen ber Örtlidjfeit ber
@(hlad)t fid) '6i§ in ba§ borige Sabrbunbert um bie grage gcbrebt, ob ber Ort nörblich,
fübli4 öftlidh ober toeftlid) unferer ©rotenburg au fuchen ift. S i e f e n Streit löfet
ber Teutoburgiensis Saltus natürlid) äu, unb er ift bober beredhtigt.
Sann fam, ob au§ UnfenntniS, üliifeberftänbni§ ober au§ anberem ©runbe, bie
' Seit, in ber bie mertboüe Überlieferung entoeber unter §inlDei§ ouf ongebliche Un-
beaeugtbeit ber ©rotenburg = Seutoburg, ober auf ein ebenfo unrid)tige§ al§ .füm*
merlid)e§ SEu§Iegung§funftftüd mit einer ^anbbetoegung beifeite gettifdlt »urbe.
So§ 2Iu§Iegung§funftftüd gebt auf SKommfen aurüd, ber im 8. ^ap. ber SEnnalen II
be§ SacituS „laevo amne“ (auf bem linfen gluffe) lieft, al§ ob ba ftünbe „laeva ripa“
(auf bem linfen Ufer). Unter Umftönben fann ja ber SSorfchlag einer Sejtüeränbe»
rung erlaubt fein; aber eine unfidjere ©adle bleibt fo ettoa§ immer. SKommfen bagegen
braucht bie Sejtönberung für bie ©dllufefolgerung: „Sllfo nörblid) non ber SiWe,
öftlid) non ber ®m§ haben mir ba§ ©chladhtfelb au fudien"!! ©obalb ber grofee SWomm*
fen fich leichthin über bie alte Überlieferung bintoegfehte, hielten e§ bie anberen nidht
mehr für nötig, fid) nodh ernftlich mit ber alten Überlieferung au befaffen.
97un mürbe bie ©dllacht an alle möglidien ©teilen, mo römifdie SefeftigungSmerfe
unb aSobenfunbe, SSergleichSmomente unb 97amen§onfIänge fid) boten, berlegt. Sie
lebte ^OPotbefe fd)Iug natürlich immer aüe norbergebenben tot, unb ber Erfolg fonnte
nur erhöhte SSermirrung fein. SUeift benobm man fi(b, al§ ob bie alte Überlieferung
mit ihrer moblbeaeugten Seutoburg unb mit ihrer böHig ungetrübten ©timmigfeit
fämtlicher in »etrocht fommenben Umftänbe gefd)id)tlid)er, militärifdier, geogra-
bbifcher unb tbbograbhifdier SIrt fomie ber gunbnad)rid)ten gar nidit ejiftierten, ober
man fdialt auf gürftenberg.
Sd) öefibe über ein Subenb Sltonograbbien aur aSaru§fd)Ia^t, oud) bie $enfe*
Sebmannfcbe Überfidit, unb habe biele anbere gelefen. ©omeit meine Kenntnis
^ @efd)jc^tltdfie gorberung . 177
retd)t, fel;e id^ nic^t§ aB OberflocOIic^feit öer Söet^anblung, bie fid) ein unfd^ö^bareS
©tücE unferer germomfdöen Überlieferung neöft ben für fte fbrecbenben einaelnen S:at-
facben gefallen loffen mufe. ^enfe-Sebmonn tooUen ebne trgenbetnen Orunb burcö
eine geringfcÖQ^ige Semerfung ben SBeltreifenben müber (SluberiuS) äum SoM-
potrioten iinb ©rftnber beS Jteutoburger SBalbeS ftembeln unb nennen e§ einen Un¬
fug, bafe ba§ ganäe ©ebirge ben SRamen 5£eutoburger SBalb erlangt bat. Stueb toir
bebauern.bag, aber ber Unfug liegt auf ©eiten berer, bie au§ einem folcben unaöfilig
oft öorfoinmenben namen§gefdbid)tli(ben SSorgange bie S3erecf)tigung 3ur Unter-
bruefung ber 5£eutoburg-@rotenburg nabmen.
Unbegreiflitf) ift e§, mit Beleber Unbefümmertbeit man fidb in JIßiberfbrucb fefete
mit ber un§ bureb bie @efd)icbt§quellen bargebotenen geograbbifeben ©runblage ber
ganacn grage, nömlidb, bafe bie ©düadbt ftattfanb
1. Sloifcben bem ßanbe ber SWarfer unb ©beruSfer
2. amifeben bem Sanbe ber iöruEterer unb ©beruSfer.
Slucb bonacb fann bie ©tblacbt nur in ber ©egenb um bie ©rotenburg-Sieutoburg ftatt-
gefunben hoben, Bo bie ©renaen biefer ©tömme aufammenftofeen. 3?fan finbet bie
QueHen auf ba§ befte aufammengeftellt unb erörtert in ber für biefe gragen Bidbtig-
ften ffeinen ©ebrift bon ?teübourg‘, bie fdbon Begen ihrer gunbberidbte unentbebriidb
ift, aber beniSearbeitern überbauet nicht befannt au fein fdbeint.
S)ie ©chlufeEataftrobbe ber SBarianifchen Siieberlage bat nach S:acitu§ im Teuto-
bursiensis saltus, aifo in einem ©ebirgSBüIbe,'ber fidb bei einer Seuto b u r g befinbet,
ftattgefunben, nicht bei einem ©üteboch ober bgf. mehr. ©§ gibt (aufeer ber nicht in 93e-
tracht fommenben Sieutoburg in Ungarn) nur e i n e $8 u r g, bie auf ben alten fliamen
Äeutoburg SCnfbrudb bat, ba§ ift bie 5£:eutoburg-©rotenburg bei 2>etmoIb. SBaS bie
^bbotbefen, burch bie bie alte Überlieferung erfchüttert Berben foH, bafür auSgeben, ift
nadbtröglich aufammengereimt.
Slucb bie neueften Searbeitungen bon i?rebe unb ißrein unterliegen ber «Berfuchung,
bie SSaruSfdblocht burchauS in ihrem gorfchungSgebiet haben au Bollen. J?rebe aiebt
bie ©dblacht an ben $eifter unb beruft fiel) auf 3Kommfen, ber ben 97amen Teutobur-
siensis saltus fecE an§ SBiebengebirge febreibt. SPrein übergebt eiligft bie ölte
Überlieferung unb bie ihr augrunbeliegenben Jtatfadben unb beloftet feine fonft fo
BertboEe SIrbeit bamit, bofe er in berBicEelter SSerfettung mit ber iSirfenbaumfage
fich für bie Umgegenb bon SBerl (SBüberich) ben nun einmal unentbehrlichen 97amen
ber Steutoburg aufommenreimt, Beil fiel) 16 km BeftBörtS bei unb hinter Unna ©rena-
BöIIe finben, bie auch S^üten ober Jteuten genannt Berben. ®a mufe bann ber Teuto-
burgiensis saltus geBefen fein!
3Bie ftebt e§ nun um bie ©inBönbe gegen bie alte Überlieferung? SBenn immer
Bieber gefügt Birb, bah erft SSifchof gerbinanb bon gürftenberg um§ ^obr 1672
ben 37amen 5teutoburger SBalb oufgebracht habe, fo ift ba§ nicht richtig unb mufe
oB Irreführung beaeichnet Berben. Schon'60'^abre früher hoben SBiberit unb.
^lüber^ ben SBdIb bei 2>etmoIb aB Teutoburgiensls saltus gefannt unb genannt. Sei¬
ber bat gürftenberg auf feiner 5?arte ben 37amen aEa« Beit am ©ebirge entlong
‘ UteuBourg, ßrtlicbleit ber SlaruSfd^laibt, 9Kei)er§ §ofBucbbanbIung 1887. ®e§glei(ben: SStlmS, ®er
§auptfelba_ug be§ (UertnameuS, Hamburg, §erolb, 1909, “ ißb- ©luberiuS, Germaniae andquae libri
III. 5J5ibertttU§, Chronikon comitatus Lippiae, SKinteln 1627.
12 ©ermcinifti^e ^dUgiümcr
178 13. S^eutoburg unb Teutoburgiensis saltus

(2tbb. 68) gefäirteben, tooburcE) bie ^Benennung be§ ganaen 100 km langen @e6trge§
6t§ bin nach OSnabriicE al§ SteutoEmrger SBalb übli^ geworben ift. gürftenberg
[ogt au§brü(flt4 bafe ber SBalb „bier", aifo in Eßaberborn unb 3)Jünfter, fo genannt
toerbe. SJon ibm ftammt aifo ber 97aine nicht; er luar aKbefannt.
Stufeerbem bängt ©jifteng unb Sttame ber Xeutoburg nidbt babon ab, ob e§ jemanb
5u trgenbetner Seit beliebt bat, einen @ebirg§3ug banatf) au benennen 1 Ser ganae
©tntoanb müfete al§ eine SSerböbnung ber ©ebanfenlofen eingefcbäbt loerben, toenn e§
nicht fo biele jonft öerftänbige Seute gäbe, bie [ich barmIo§ burtf) ben (Sintoanb beirren
Itefeen. Sarunt ioäre e§ beffer getoefen, toenn ber spaberborner Sifchof, ber übrigens
als anberläffiger, borfidhtiger unb fenntniSreicher ®ef(i)id)t§fchreiber eintoanbfrei ba-
ftebt, bem ganaen ©ebirge leinen toertboHen alten Spanten OSning = SIfenegge ge-
lafien unb nur ben unmittelbar um bie Seutoburg gelegenen a33alb nad) ihr benannt
hätte.
es tft nichts bagegen einautoenben, bafe bei SBerl, ^^neblingbaufen, ^burg, dm
EPIacEtoege ufto., ja bielleicht audh bei SSarenau unb am Seifter ©chlachtfelber auS ben
SOiäbrigen Sfiömerfämtifen unb hier unb bort ftarfe römi|d)e SefeftigungStoerfe nad)-
getoiefen toerben; gab eS hoch allein am Stbein 40 3tömerfafteIIe. Stber feinS bon
ben aufgetoiefenen ©dllcithtfelbern toar baS SSariantfdie ©diladitfelb, aufeer bem einen,
toelcheS bei ber Seutoburg liegt.
SaS Sibberlanb ift baS Sanb ber Seutberge unb »Stätten, b. b- ber SSoIfSberge, mit
benen biefer 97ame bis beute berfnüpft ift. ©S ift bie einaige ©egenb, in ber fid) biefer
37ame in biefer SBeife finbet. SSir haben hier ben f)tamen nod) bet ^ellingbaufen,
SBtembed, .golabaufen, bei Sllmena, im Sonopertal, bet $umfelb-2tlberbiffen unb bet
Setmolb.
überaE toaren eS SSerge, bon benen bie an ihnen gelegenen $öfe benannt tourben.
Sen flarften SSetoeiS, bafe Seut fd)Iid)ttoeg ber Eiame für einen a3erg fein tann unb
bis äum heutigen Sage ift, liefert „ber Seut" bei ^umfelb unb Stlberbiffen. (^n ^um-
felb — 1284 ^onebelbe — bat ber ®uno [§unbertfd)aftSfübrer], ber aulefet am Seüt
feines SlmteS getoaltet bat, feinen SImtStitel olS gamiliennamen bis in unfere Seit
bererbt.) — ^m Sonoper Sol muß ber gorftort Seut bon bem ba gelegenen tounber-
baren SSoIfSberge benannt fein. — Sei ^olabaufen ftebt auf einer alten klarte ein
Seutberg beraeidnet. 97ach Sreu6‘ befiht boS Siolonot Söbtntann in §oIäbaufen (1650
Seutbenrid)) ein „ber Söbtberg genanntes ©runbftüd". ^d) habe ben Serg befudht;
er trägt bie oEerftärfften Stnaeichen ber tünftlid)en ©eftaltung-au einern Sollsberge.
Sreufe, ber im übrigen meift irrigertoeife bie Ortsnamen bon ben gamiliennamen ab¬
leitet, 'muh in biefem gaEe baS umgefebrte augefteben, „b a b i e ü b r i g e n § ö b e n
beSSonbeS, b ieb en Eiomen Seut führen, einfoi^ber Seut unb
nidtberSeutberg beifeen".
©ona befonberS einbrüdlith liegen bie Serbältniffe mit bem uns hier angebenben
Seutberge bei Setmolb, auf ben Sanbel mit rid)tigem'®riff baS ^ermannSbenfmal
gefteEt bat. „Stoe §uS to bem Sopte", bie om ©rotenburg-Sergfegel liegen, toerben
noch mehrfach im 15. unb 16. ^abrbunbert ertoäbnt. Ser Eüeier auf bem einen biefer
beiben $öfe, unb atoar auf bem ^auptbofe, biefe früher _Seutemeier unb beifet fefet
noch Sötemeier. Ser Sefifeer beS ^ofeS iin %abre 1373 toirb Eiolte to bem Sopte, ein
‘ ipreub, ®ie Uppifc^en gfamiltennatnen, SUlepetfibc ©ofbuc^banblung, ®etntolb 1887, ©. 47.
®ie Begeugte ÄewtoBurg • 179

fBöterer ^ermann in Bern S^o^te genannt; bie SBegefreuäung neBen Bern ^ofe Beifet
XöterBreB: Bte OBerförfterei im ^eiBentale om Ofufee Bec ©rotenBurg toar eBenfaHS
ein ÄeutBof unB Bei unfern Beutigen ffietuoBnern öon ^iBBefen unter Ber ©rotenBurg
Beifet Ba§ ©elönBe am öftlicBen $ange BeB i8erge§ „tm Steut". SSo Ber SSiftBof gürften«

3166.63. Earte ber ©egenb um ben Seuteberg (17. .ga^rBunbert). 3lorben ift redfitS

Berg Ben tBm Befannten JKeutBerg Be§ Teutoburgiensis Saltus getoufet Bnt/ tuolle Ber
Sefer auf Bern ^?artenBtIBcBen 9tr. 63 nacBfeBen, h)eIcBe§ feine Soge mit aller luün«
fdBenStuerten S3efttmmtBeit stoifcBen „SetBmoIB" (am SBerreflufe) unB Bern SBinfelBe
aufmeift. 3Kan BeacBte Ba§ eigenartige, mir unberftänBIicBe ^unfttreusiBen, toeIcBeS
Ber JBifcBof ätoifcBen Ben 97amen JteuteBerg, DfterBoIt unB ^eftenBedfer ®orf ange=
BradBt Bat. ift genau Bie ©teile Ber OefterBoIser Saue (nörBIicB Be§ 5f?unfte§ stuifcBen
SiBBe- unB 6m§queEe, tooBin gürftenBerg auf feiner ^arte Ber ©tammeSfiBe fSIBB. 68]
12* '
180 13. S^eutoburg unb Teutoburgiensis saltus

ben Slltar be§ S)rufu§ berlegt). (Sollte er noc^ Kenntnis ber SSebeutung biefeS DrteB
getjobt haben? • ■ .
SBenn ein SSerg „Stent“ beifet unb auf feinem ©ibfel eine grofee S8urg liegt, barf
man bann nocf) frampfbaft irgenbbo onbers nacf) einer Steutoburg fucben? Sßer nach
aüen biefen Statfacben unb Seugniffen nicht anerfennen toiH, bafe ber ©rotenburgberg
mit gug unb fRecbt al§ Sträger be§ alten ifiamenS Stent dngefeben toirb, in bem bürf*
ten bartnöcEige SKeinungen toirffam fein, bie ber Obfeftibität feines Urteils ent-
gegenfteben,
D^icbt berfäumen barf idb eS hier, befonberS aud) bie @a(I)berftänbigen ber früb-
mittelalterlichen DueHenforfdhung auf bie Stelle ber Monumenta Paderbornensia auf-
merffam 3U matf)en, bie Ofürftenberg feinen SDarlegungen über ben Teiitoburgiensis
saltus als SJJr. 11 noch ongefügt bat, toorin befagt ift, bafe ber SSalb fcfion in ber Seit
ber S^ieberftfirift ber frönlifcben Stnnalen „Ssbeutmdlb" genannt tourbe. Stroh ihrer
SSebeutung ift bie Stelle m. 3B. bisher gana unbeachtet geblieben, unb atoar auch bon
Sßerh, bem .Herausgeber ber Monumenta Germaniae, toobl beStoegen, loeil bie übrigen
SluSgaben ber SInnalen ftatt beS SBorteS„S:beuttoaIbi"baS S55ort„^beutmaIIi" bringen.
®ie Sache ift um fo aufföHiger als ißerh felbft bie SBiener Hanbfchrift, in ber „Stbeut-
trialbi" ftebt, unb bie offenbar ben übrigen in ber Stelle ermähnten Quellen augrunbe
gelegen bat. als alt unb relatib gut anerfennt. SDie Stelle lautet in 3JticuS Über-
fehung: „^m ^abre 783. ®ie fräniifdhen SInnalen bei ipitbäuS, SIftronomuS bei fftau-
beruS, fftegino in ber ©bronif, ißoeta SlnonhmuS im I. SSudhe, bie fanifianifchen SInna¬
len geben eS fo an:„Ster ßönig ^arl aog burch bie SSeile SachfenS, meil bie Sachfen
mieber au ben SEBaffen griffen unb langte mit menigen granfen beim SSbeutmalbe
(im lateinifchen ftebt Theotvvaldi) an; bort bereiteten fich bie Sachfen aur Schlacht
in ber ©bene öor" ufm. ®ann: „SSbeotmalbi, fagt er, als ob er SSeutenberg ober
Teutoburgiensis saltus beaeichnete" (Stingel S. 43).
Slach ben Unterfuchungen, bie fßrof. SInemüI[er=5DetmoIb ber Sache gemibmet bat,
ift eine boKe Marbeit über bie ©ntftebung ber bobbeiten SeSart ieht nicht mehr au
geminnen. ©egen ©nbe beS 17. ^abrbunbertS ober bat gürftenberg, biefer Slrchib-
funbige erften'Klanges, bie Stelle aufs forgföltigfte nachgebrüft, ober nachbrüfen
laffen, fonft mürbe er nidht in auffälliger SBeife 5 (!) Quellen nnfübren, bie bie SieS-
art „Stbeutmalbi" haben. ®aS SdüufeergebniS ift für gürftenberg gemefen, bafe ber
97ame „SS b e u t m n I b" für ben SEBalb bei Qetmolb in ber farolingifchen Seit, alS bie
SInnalen gefchrieben mürben, aifo in unferer ölteften gefchichtlichen Seit, im @e-
braud) mar.
Surch biefeS SeugniS mirb SInfeben unb ©bre beS iflnberborner SBifchofS noch toeit
fchmerer für ben Steutoburger SBoIb in bie SSaogfdiole gemorfen, olS eS bisher be¬
achtet morben'ift. SBer möchte behaupten, bafe gürftenberg bie 5 Quellen nur borge-
fpiegelt habe?
SBir aber fönnen bieS SeugniS auch entbehren. ®ie SSemeife für bie SSeutoburg bei
Setmolb finb obnebem fchlüffig.
® i e 48 urg,bieaufbem©ipfeIeineSS3ergeSnamenS3SeutIiegt,
ift bie Steutoburg ; baS Ulmer fbZünfter liegt nicht irgenbmo anberS, fonbern
in Uim.
SSie aber bat fich ber leibige Suftanb berauSgebilbet, bofe ber Steut-97ame biefeS
©rote S3org 181

a3erge§ ie^t al§ foldjer nt^t mel)r gebröudilicf) ift, fonbern bafe maa fic^ mit bem für
• einen onfebnlic^en S8erg gong unpaffenben Slamen ©roten Burg Begnügt? Ser SBor«
gang ift üBerauS einleudBtenb 3U erJIären.
SBeil e§ auf biefem S’eut-SSerge aufeer ber gewaltigen, ben ©ipfel umfaffenben iSoIfS*
Burg aucf) nocB eine fleinere, an fid) freilich and mä(f)tige SSurg gaB, genannt ber
„Heine ^ünenring", beSWegen fagte ba§ SSoI! umBer, Wenn e§ bie grofee iöurg auf
bem ©ipfel be§ S3erge§ meinte, jur Unterfdeibung fursweg „grote Sorg". @o ift eä
gefommen, bafe ber Stame ©rotenBurg unb nidt ber iitame ÄeutoBurg allgemein ge¬
worben ift. SfBer biefe aBgefürate ©BrecBtoeife änbert nid)t§ an bem alten Xeut«
3?amen be§ Serge§. ift berfelBe Sorgang, Wie Wenn eine Stabt, bie fonfurrena«
Io§ für bie Weite Umgegenb ber iDtittelBunft ift, bon ben UmWoBnern ni^t mit iBrem
9?amen, fonbern furaWeg „Stobt" genannt Wirb, oBne baburcB iBreB eigentlidBen
JJomenB bertuftig au geBen. So War aud) bie SEeutoBurg fonlurrenaloB bie grofee
Surg. StBer fie BlieB beBWegeh bocB bie JEeutoBurg. OB boB o latinifierenb bon 5EacituB
eingefcBoBen Würbe, ober aum germonifdien Dramen geBörte, ift gleicBgüItig. ©B ift
aucB nicBt feftfteEBar, Weil baB lateinifcB eingefcBuIte SKittelalter Wenn möglid) alle
9?amen in lateinifder Sform geBraucBte. SoIdieB SerBIaffen bon Etomen fann in
neuerer Seit nidt meBr borfommen. Weil bie fdriftlicBe Seftlegung aller Singe unb
baS aHgemeine SebürfniB im flutenben SerfeBr ben Sieg üBer bie SbrecBfauIBeit ber
UmWoBner BeBöIt. —
Unb nun ber anbere, nidt Weniger unBeredtigte ©inWanb gegen bie alte üBer-
Iteferung, bafe in ber ©egenb um bie ©rotenBurg au Wenig ftüBenbe Sobenfunbe ge«
madt feien.
©B Wäre erwünfdt, bafe bie üBer-bie Örtlidteit ber barianifden Etieberldge reben*
ben unb fdreiBenben Herren auf meine nadfolgenben Sragen eine unumWunben Be«
friebigenbe SIntWort geben lönnten.
SerücEfidtigen bie SearBeiter baB, WaB on gmibBeridten unb gunbberaeidniffen
borBanben ift, unb Baben fie fid einmol fritifd mit ber Strt Befafet, Wie mon bie Seug«
niffe bon ben gana erBebliden OBerflödenfunben ber früBeren ^oBrBunberte Be«
Banbelt unb Beifeite gefdoBen Bat?
fReuBourg beridtet teilB einaeln, teilB fummarifd, bon einer gröfeern SaBI Beweis«
träftiger gunbe, bie im 16. unb 17. ^aBrBunbert in ber ©egenb um bie ©rotenBurg,
BefonberB ouf bem „SSinnefelbe" auBgebflügt ober „ouBgegraben" (aifo abfidtlide
gorfdungenl) finb. 2Ran Wolle fie ouf Seite 49 feineB aud fanft für bie grogen ber
SaruBfdIadt unentBeBrIiden SüdleinB nadlefen. SBenn biefe gunbe baB Sdidfal
ber meiften gunbe früBerer Seiten teilen unb in ber großen SReBraaBI berloren gegan«
gen finb, fo baß Wir auf ben ©tauben an bie ©Briidteit ber Seridte angewiefen fitib,
fo foltten alle, benen eB um bie ©rforfdung ber SSaBrBeit au tun ift, WenigftenB bie
©eföBrlidfeit iBrer fRidtbeadtung unb Unterbrüdfung einfeBen. SaB erWöBnte SBin«
fetb gilt feit olterB alB einer ber ^auBtfdauBloße beB Kampfes, ©ana neuerbingS
Bat ©eneral ^aeniden ben ganaen UmtreiB ber SSaruBfdIadtfragen gefdid^Iit^
militärifd unterfudt, BefonberB aud üon feinem StanbBunfte alB geftungBBouer
unb Sadöerftönbiger für SerteibigungBWerfe. Stud er fommt barduf BinauB, boß
nad SIBriegelung ber Sörenfdiudt, baS ^eibental, bie Straße über SerleBect,
©aufeföte, SS i n f e I b unb bie Straße über o r n, gelbrom oom .geer beB SaruB alB
182 13, !i£eutoburg unb Teutoburgiensis saltus

gtücEäugSftrafeen berfutf)! toorben finbS SCucf) jonft ift SaI)I unb S3ef(f)affenl)eit bon
Sflömerfunben in bteftger Ocgenb burtf)au§ bea(f|ten§h3ert.
erinnere on ben fnum beatfiteten großen Corner ^ufeifenfunb be§ hörigen
^abrbunbertS, ber noc^ jeßt auf SSürbigung toartet. ^n ben 4 im SiatßauS gu $orn
aufbetnaßrien .^nfeifen unb in jonitigen Stften finb bie Unterlagen bafür nocß bor=
banben. teile ben SSeric^t SC. ©^ierenbergS““ mit;' „...Bei biefer ©elegentieit
(nämlidC) Bei ber SCnlage bon ®ntoäfferung§fanälen in ^orn 1868) fanben ficB in ber
iiefe bon 5 unb meBr guß fleine ^ufeifen in großer SJtenge... Sie SCrbeiter er*
gäBIten mir, baß bie ^ufcifen fic^ in fo großer SDlenge gefunben ßaBen, baß fie fie in
©cßieBtarren gum Sröbler gefahren unb für SCIt*@ifen berfauft ßaBen.., ^nbeß
mar bie leßte ©tredCe ber Kanäle nodß offen, fo baß ber auSgemorfene iöoben no^
baneBen lag, unb idC) fflac^Iefe Balten fonnte, ba bereingelte ^ufeifen, bie mieber mit
6rbe Bebedt maren, nodB gu Sage famen. SSon biefen Babe i^ no^ eine SCngaBI auf*
gefdmnielt, bon benen etma no(B acBt ©tüd borBahben fein mögen, unb einige mögen
Bei meinem Um'guge nacB Sranffurt moBI berloren gegangen fein, aBer alte, bie nocB
borBanben finb, in SWünfter, Setmolb ufm. finb fobiel idB meiß, burdB mid) gefammelt.
(S§ fanben fi^ aucB anbere (SifenfacBen, bie meift fcBon berfcBIetJbt maren... Sie ^uf*
eifen Bnbe icB f^on f. 3* nuf ber ©eneralberfammlung ber SlltertumSbereine borge*
geigt) hjo fie freiIi(B bon ©übbeutfcBen 3)iitgliebern für römifcBe erfannt mürben;
inbe§-ba bamal§ nocB bie StnficBt Berrfdlte, baß bie Süömer feine §ufeifen für ißre
Sßferbe bermd'nbt Baben,' BerüdfidBtigte man bie (Saäje nidBt meiter. ^n ben leßten
Saßren Bat aber biefe§ SSorfommen jener ^ufeifen SSebeutung gemonnen, feit.burcß
bie 3Cu§grabungen auf ber ©aalBurg bei §omburg bie ^ufeifenfrage bejaBenb ent*
fdjieben ift, inbem bort nteßr al§ ßunbert ungmeifelßaft r ö m i f d) e ^ufeifen gum
SSorftßein gefommen'finb. SII§ nun im igaßre 1883 in ®orn nodß einmal ein ©eiten*
fanal angelegt mürbe, mürbe abermals eine SCngaßl ^ufeifen gefunben, nod) StngaBe
15—20,'bon benen eins burd) §errn Sßaftor SBoIf, ein gmeiteS bureß §errn ©amerio*
riuS @eife aufgeßoben unb mir übergeben finb, neBft ißferbegöBnen unb einem Stab*
ndgel. SCIS idß nun bor einigen SSodßen mieber nadß §orn fam, ßatte man bort eben
bamit Begonnen, eine SBafferleitung gu legen, moBei gleicß auf ber erften ©trede aber*
mals brei ^ufeifen ber nämlitßen SIrt mie bie beS früßern gunbes gum SSorf(Bein
famen, bie nun ebenfalls in meinem SSefiße finb, SSie man mir melbet, finb feitbem noeß
meitere 8—10 ©tüd gefunben unb eS ift SCuSfießt borßanben, baß nodß meitere inter»
effante gunbe gemalt merben.... Sie in meinen ^önben Befinblidien 5 ^ufeifen ßabe
idß mieberßolt mit benen auf ber ©aalBurg gefunbenen berglidßen, ßabe fie aueß ^errn
Saumeifter ^afoBri gegeigt, ber bie SluSgrabungen auf ber ©aalBurg leitet. 6r ßat
mieberßolt erflnrt, baß fie feiner ÜBergeugung naeß oßne 3toeifel römifdßen UrfbrungS
feien. SWeineS (SradßtenS geßören biefe in unb Bei §orn gefunbenen ^ufeifen gum
kacßlaffe ber im ^aßre 9 n. ©ßr. bort gugrunbe gegangenen SIrmee beS SSaruS, bie
nadß gloruS’, SioS’, SSedejuS’ unb SacituS’ S3eridßte in ber Stöße beS ©ommerlagerS
gugrunbe,gegangen fein muß. Seß neßme on, baß biefe §ufeifen entmeber ben SPtauI*
tieren angeßört ßaben, meldße baS @ebäd ber Strmee trugen, ober oueß ber Steiterei beS
SSala StummoniuS, bon bem SSeHejuS II. 19 ergößlt, baß er gefudßt ßaBe, mit ber Sleite*
^ Sm SJlonuflript borltegcnb Berlin W BO, Sionleftr. 25. = ©c^terenBerg, ®te Slriege ber CRömer,
granlfurt a. 3Ram, 3Iet^ unb StoeBler 1888.
Stömerfunbe 183

rei iiad) beni 9K}eine su entfUet)en, aber noiu ®e(d)icfe ereilt fei... (Somit boffe td),
bafe ... bie ^rage über bte Örtlidbfeit ber SSarit§fd)Iadbt mirb enbgültig entfdfieben
merben fönneu.'' (So loett (Sd)ierenberg.
ben beim 3Wagiftrat ber (Stabt ^oru einäiifebenben „SÜermanufdben 9?acb*
rid)ten über bie (Stabt ^orn"' Seite 366 f. finbet fidb bie 93emerfung: „®ie t)iev im
©rbboben aufgefunbenen SWünseu Jtömifdier ßaifer unb SIbeliger unb bie $uf»
e i f e n f u n b e beftätigen ba^'" (nämlidb bie 9tömerfämbfe an biefem Orte).

5(bb. 64. S3ölfebal§ im ipeibcntal

Sm Sabre 1913 griff fprof. ?Jebert-@üter§Iob bie Slngelegenbeit ernftlidb auf unb
öeranlafete bie ©inbolung eine^ @utadbten§ be§ S3aurat^ S^^^öbt) in Homburg
t). b. Serfelbe fdbreibt unter bem 29. 9ZoOember 1913 an§ bem ©aalburgmufeum
anbenSWagiftratsu ^orn: „^n ber Stniage laffe idb bie 3 .gufeifen surüdgeben
mit bem ergebenften Semerfen, bafe fie aller Söabrfdbeinlidbfeit nadb römifcb finb.
2fIIerbing§, fotneit id) unfere ^ufeifen bamit Oergleid^en fann. Ob aber ihre fleinen
Sonnen unb bie eigenartigen StoEen, bie nach unferen Siinbergebntffen aEerbingö
bie ölteften barftellen, in Slieberbeutfdbicinb nidbt €tU)a audb im frühen TlxiieU
alter borfommen, entsiebt fid) meiner Beurteilung. Qu einer enbgültigen JErennung
ber ;gufeifen fehlt bisher noch immer eiiUoanbfreie§ SWaterial, and) auö bem frühen
aKittelalter.'' ges. ßöniglid)er Baurat.
2)a§ (Srgebnig bleibt auf jeben S^H/ bafe bie ^ufeifen auf§ toabrfcbeinlidbfte römi*
fd)en Urfbrungg finb unb au§ ber Baru§fd)Iadbt ftammen fönnen. Sdbon biefe
184 13. IEeuto5urg unb Teutoburgiensis saltus

ift überouS totdötig, toeil bte @e[cE)tcbte ^orn§ bon einer anberen ©elegeit'
beit, Bet ber-eine fo grofee Sobl bon ißferben in einer ©utnBffieire ^ufeifen berlieren
fonnte, oufeer bei ber IßnrnSfc^lQdjt, ni(f)t§ ineife. SBie bericbtet, bält e§ audb ^aenidben
für toabridbeinlidb, bofe iiJümmoniuS mit feiner Uteiterei ficb auf ber ©traße nach $orn
3U retten berfucbt bat. ^aftenbe Sludbt liefe fiein bie ©umbffteae geraten.
Su erlbäbnen ift meiter ein gifenfunb in unb am SSacb an einer fdbludjtartigen
©teile be§ ®eibental§, too ber §eibenbacb überfdbritten toerben mufe, um in ben SBabr*
lbeg§grunb (ißicbtung 3BinfeIb) gu gelangen. ®er SSacb trögt hier ben eigenartigen
Atomen „SöIfebalS" (bölfen ift ba§ ©cbreien.bon Stieren unb 3Jienfdben). e§ finb
mehr al§ 100 ©tüdte unb ©tüdfdben bon unförmigen Stoftflümbdben bi§ su gut erbat«
teilen ©turfen, bie seigen, bafe e§ fid) um einbeitlidje Überefte sufammengebrodbener
SBagen banbeit au§ einer Seit, ibo nod) an ©teile ber fefeigen Steifen furse fdblnere
Stögel mit grofeen ^öbfen (4X4 cm) sum ©dbufee ber Stöber gebraudbt mürben. Unter
ben ©tucEen befinbet fidb aud) ba§ Srittel eines ^ufeifenS, beffen gönn genau bem
Söilbe entfbridbt, meines Steuburger^ ©eite 55 mit ber Unterfcbrift „SlltrömifdbeS ^uf«
eifen" bringt. Sei SDurdbfudbung be§ 3. St. berfdbmemmten SobenS ber 50—100 m
langen gunbftelle in auSreidbenber Stiefe, bürfte bie bielfadbe Sabl biefer £)berflöd)en-
funbe 3utage fommen. Stacb SluSfunft ber befragten ©adbberftönbigen löfet fidb auS
= ben ©ifenftücEen bislang meber ^erlunft nodb ©ntftebungSseit fidber beftimmen. SIber
angefidbtS unferer SInfcbauung bon ben StüdsugSmegen beS SaruS' liegt eS nabe, an
biefer für eine ^eereSabteilung fcbmierigften ©teile beS ^eibentalS, mo fidb aufeerbem
rötfelbafte SBöHe befinben (2Ibb. 64), auch gn bie SKöglidbfeit su benfen, bafe eS SBogen
beS römifdben SSroffeS maren, bie hier sufammengebrodben finb, unb smar in foldber
güüe, bafe nidbt alle ©tüdte beS bamalS mertboHen @ifenS bon ben Oermanen aufge«
funben morben finb. Son ben Stabreifen ber Slffgrer unb ägßbter fögt Steuburger^:
„©ie beftanben suerft auS bidbt eingefdilagenen Stögein, beren aneinanber anfdblie=
feenbeitöbfe bie bölsernen Stabfelgen fdbubbenartig bebedtten." Sei ben übrigen alten
Söllern ift eS febenfalls nidbt anberS gemefen; aber mir miffen, bafe bie Stögel no^
biele Sabrljunberte n. 6br. Oeburt neben ben Steifen sum Stabfdbufe gebraucht mürben.
SDie SBöHe im SöIfebalS enthalten SInseidben ber SInffdbüttung, fo bafe an Orabbügel
gebadbt merben fann. Jtnodbenfunbe aber finb in bem Soben nit^t su ermarten.
®ie gunbe in §orn unb im SöIfebalS finb befonbere göHe. ^m übrigen bürften
menigftenS gunbe auf ber Dberflödbe unb in einer bom Sfluge nodb erfafebaren SSiefe
auf. bem SaruSfdbladbtfelbe nodb meniger su ermarten fein, gl§ auf.onberen alten
©dbladbtfelbern, mo ebenfalls fdbon nadb mehreren ^ahrsehnten gans- erftaunlidb menig
gefunben SU merben bflegt, menn eS fidb nicht, um bie Oefdboffe ber mobernen SSaffen
hanbelt. Sufolgebeffen ift 3. S. bis fefet oudb feinerlei SemeiS bafür ansutreten, an
meldber ©teüe bei ©etmolb bie ©d)Iadbt smifchen ben granfen unb ©adbfen im ^ahre
780 fidb ereignet hat, obmohl fein gmeifel barüber auffommen fann, bafe fie bei Siet«
molb gemefen ift.
®S gibt feinen Staum im beutfdben Saterlanbe, ber auch uur annöhernb fo intereffiert
unb grünblich in früheren geiten bon gefchidbtlich emhfinbenben, fidberlich oft oudb
finbigen SItenfdben abgefucht ift, olS bie ©rinnerungSftötten ber SaruSfchlacht. Slabei
haben mir bor allem auch an bie unmittelbar auf bie ©dbladbt felbft folgenben Seiten
‘ SUcuBurger, 2^ec§ntl be§ StltertumS, ©. 213—216. .
Siid]eu unh ginben 185

äu benfen. 9?a(l)bem ba§ @d)IacE)tfeIb — mä} entnal)me be§ a3raud)baren don ben
3lömerletd)en — 3iiUQd)ft ben SlaSbögeln überlaffen tnorben War, tDoraug feine STbge*
legenbeit non nienfd)Iid)en ©ieblungen 3u fdbliefeen ift, unb nadbbein bie $nr(^3iige
be§ ©erinaniciig noriiber loaren, b^ben Wir feinerlei SSeranlaffnng, etlnag anbere^
anannebnien, oB bafe ba§ alliabrlid) mebrfadb 511 ben geineinfamen geften am O^ning
3ufammenfoninienbe Solf au§ ben berfdiiebenen berbünbeten 'Stämmen auf§ fleifeigfte
bie benfloiirbigen Stätten be§ ^ampfeg ihrer 3J?annen befnd)t iinb Fein bcibbafte§

©rinnerunggftiid liegen gelaffen bnben tnirb, fo bafe aHe fbäteren Oberflädbenfnnbe


nur auf fonft unbeachteten 9kbenfd)aubläben gemad)t loerben Fonnten ober befonberen
@Iü(f§5ufäIIen 511 banFen tuaren. Ober toiH man unferen 3Sorfabren in ber bamaligen
Seit auch bie hieran gehörigen ^detät§= unb ©ebäditni^embfinbungen abfbrechen?
®a§ ift bie für ung greunbe germanifdber SSorgefchichte biird) bie ©rgebniffe ber
SBiffenfdhaft berbefferte Sage, bafe toir über foldhe JRücFftänbigFeiten, bie mit SBiffen-
fdfaft nichts mehr au tun buben, hiutoeggehen Fönnem
^mmerbin Fann manche^, fei e§ burd) Segräbni§, fei e§ burd) bie beFannten natür¬
lichen Urfachen — Sßaffer, SBinb, 3ßad)fung — tiefer unter bie Oberfläche geraten feim
Sluherbem banbeit e§ fidb um bie Überbleibfel unb SInaeichen ber 93 e f e ft i g u n g § =
m e r F e, bie nadi ben ©efchicht^quellen in ber ?Jäbe ober innerhalb be§ Schlachtfelbe^
getuefen finb. 93eibesi ift ber ©egenftanb bon 3Iu§grabungem @ine überaus grofee
186 13. S^eutoBurg unb’Teutoburgiensis saltus

Qcil)l alter 33efeftigung§toerle ift in Ber UmgegenB ber ÄeutoBurg öorBanben unb
audö al§ foldöe anerfannt, — bor allem bie SIBfberrung ber ^^5äffe.
©ofern aber burdB öBnUdBe ©raBungen, mie man fie mit erBeBItc^em fioftenouf«
tüanbe an anberen ©teilen, in anber en ©egenben, 3U anb eren ober gu glei*
(Bern Stoedi unternimmt, auf bem in ber Sfialje ber XeutoBurg gefucliten ©dE)IadBt*
felbe troö allem nodB etoa§ ioefentlic^eS au§ ber ©rbe BerauSguBoIen toäre, --
iebenfoII§ ift e§ Bei ber Beurteilung ber alten BaruSfc^Iad^t-ÜBerlieferung im Ber •
gleicB m ben neuen ®t)BotBefen bie aHertoid^tigfie grage, oB um bie SeutoBurg*
©rotenBurg in au§reicf)enbem SWafee mit bem gleichen SCuftoanbe gegraben
unb gefucBt toorben ift, unb nun au§ bem bergeBIidfjen ©U(5en auf ba§ BicBtbor»
Banbenfein ber gelDÜnfcBten gunbBetoeife gefcBIoffen berben mufe. Sft e§ Befannt, bafe
berartige bon Berufener unb fadBberftonbiger ©eite angefafeten unb burcBgefüBrten
©raBungen niemals ftattgefunben BaBen^? Safe einem folgen BorBaBen tnegen ber
StuSbeBnung unb BefcfeaffenBeit bes in Betracfet Jommenben ©ucBgeBieteS bielleicBt
allsu grofee ©dBlbierigfeiten entgegenfteBen, fo bafe ben ©teilen, benen früBer ober
jefet eine foIcBe StufgaBe gufaHen toürbe, fein Bortourf gemadBt toerben borf, änbert
ni(BtS an bem Urteil:
SBenn au§ bem Biangel ber gemünfiBten Quantität ober Qualität bon Bömerfunben
in ber Umgebung ber SeutoBurg ein BetoeiS gegen bie alte BoIfStrobition bon bem
Qrt ber Bömerf(BIacBt entnommen toirb, fo ift baS eine oBerfläcBIicBe, ber ©adBIage
©elbalt antuenbe BeBouftung.
^(f) mö^te feinember bon mir BotBsefcBäfeten Bertreter anberer Sluffaffung, bie mit
fo grofeer Eingabe unb ©orgfolt für iBre ©ocBe einfteBen, gu noBetreten, aber ict)
barf mit meiner SBeinung nicBt gurudEBalten:
. ©S gibt ouf geloiffen ©ebieten aucB eine ©renge für ba§ BecBt, Bi^iöatmeinungen
öffentlicB gu bertreten, trenn für fie bie allgemeine SInerfennung niemals gu erBoffen
ift unb trenn beren ©rfolg nur eine ©teigerung ber Bertoirrung fein f ann. Safür
forgt in unferem gaüe fcBon bie miteinanber unbereinBare Btannigfaltigfeit ber ^BBo»
tBefen. BatB Sage ber Singe ift eine ©rfefeung ber alten Überlieferung buriB eine
moberne §t)BotBefe auf ©runb nocB fo gaBIreidfer gunbe ober auiB günblein einfadB
ein Sing ber UnmöglicBfeit. Stuf feben gall iroHe man bon greunben germonifcBer
BorgefcBicBte, gu benen iiB midB reefene, unb für beren BteBrgaBI icB Bier baS SBort
ergreife, bie Bitte an ficB ricBten laffen: BerfaBren ©ie BeButfam, borficBtig unb
rücfficBtSbon mit ber iroBIBegrünbeten unb trertboHen Srabition unfereS BoIfS! 2Bir
aber finb ber ÜBergeugung, bie icB auSreicBenb Begrünbet gu Baben glaube: Ser
Teutoburgiensis Saltus raufcBt nirgenbS aubereS, als um bie ©rotenBurg = SeutoBurg
unb fdBüttelt über oHem foIcBem Beginnen trourig feine fronen.

©eBeimrat Dr. SörrenBerg'©oeft, Berfoffer ber „Bömerfburen"^ Bat nacB bem


BaruSfcBIacBtfelbe im SeutoBurger SBalbe ernftliiB gefuiBt. SaS ©rgebniS feiner foBre“
langen, leiber burcB bie Inflation an bölliger SurcBfüBrung BeBinberten StrBeiten,
BefteBt in feiner SBefe, bafe baS ©tanblager beS BaruS (unb biiBt baneben baS
^ ©owoBl ©tamforbs al§ auc^ ®örrenBerg§ UnterneBmung entbehrten naetj meiner tontniS ber
gelblichen Unterftühung unb ber tätigen Beteiligung ber SBiffenfdhaft unb ber Behörben. “ Sh^obor
SSeicher, Seipäig 1909. ■
S^öinerlager 187

Säger be§ @ermantcu§) in^eibenolbeuborf iinb ber fid^ anfd)lie6enbeu SBalb*


f)etbe gelegen Ijcd, aifo nur einige l)unbert SlJeter entfernt Don bein üon mir angenom=
menen 5£E)ingpIa^e (9Zr. 28 ber Überfid^tSfarte). ®ie Slatfadbe, bafe bie JRömer bort ge-
mefen finb, ift bon ©örrenberg bor allem burdb eine Stnfbecfnng eineg über 1,70 m
tiefen @bifegtaben§ mit einem Duerfcbnitt ermiefen, ber nur ein römifdber@ra-
b e n fein fanm ®ie§ eine Semei^ftüdE genügt für unjere grage. ®enn bie Stnb^efen-
beit eine§ Sftömerbeere§ an biefer Stelle fann nur mit bem 97amen be§ ®aru§
unb be§ ba§ Sdbladbtfelb befudbenben @ermanicu§ ber!nübft fein. ®a3u fommt ber
gunb einer Sleibülfe, bie aB rö*
mifdb angefeben Inirb, iotvxe bon
3BäIIen, bie al§ äugebörige römifdbe
Sagermälle einleucbtenb finb. ®ine
Slugufteifdbe Wn\w fanb man nicht
meit babon in ber ^^5ibit§-^eibe
unb unter bem norböftlidben
^ange ber ©rotenburg römifdbe
Scherben (2tbb. 65).
gereift mir 5ur befonberen
greube, bafe mich ®örrenberg er¬
mächtigt bot, ba§ Sidbtbilb be§ Sbih"
grabeng 3u beröffentlichen (Slbb. 65).
@g 3eigt aufg beutlidbfte redbtg unb
liufg ben gemadbfenen S3oben im
Unterfdbieb bon bem gerührten
Soben, mit bem ber Sbihgraben
äugefchtoemmt unb auggefüHt ift.
®em Slrdbäotogen tnirb fein
fei barüber möglidb fein, bafe biefer
©raben bon Stömerhanb auggemor-
fen ift. ®g ftebt nunmehr in 9Iug-
fidbt, bafe fich an bie Sefichtigung
beg ©elünbeg, an ber auch ber San-
begfonferbator, 9?egierungg- unb 2Ibb. 66. ®üne über einem Söatt (ipeibenolbenborf)
Saurat Sollbtctdbt unb Schulrat
Sdbtuanolb teilnabm, ber gortgang ber unterbrochenen ©rabungen anidbliefet.
©ine bübfche Seftätigung beg rii^tigen Slidfg ®örrenbergg fonnten \vix im Sommer
1929 erleben; bei ber Slbtragung einer fdbnurgeraben ®üne, bie ®örrenberg alg fünft-
lidbe gortfebung eineg Sagermalt-eg angefbrochen hatte, ergab fid} ^luar bie natürlid)e
(äolifdbe) ©ntftebung ber ® ü n e, aber unter ber ®üne tourbe alg ©runb ihrer 6nt-
ftebung ein Sebnxmall beutlich sutage geförbertl ^dh S^ige bag lebrreidbe Silb
(2Ibb. 66), auf bem fich <^bd) bie Serfdbiebenartigfeit beg S^eigunggtuinfelg einer äoli-
fdben ®üne nach ber bem Sßinbe abgefebrten unb sugefebrten Seite bin geigt (Dgl
S. 137). ®afe Sanbbünen in 2000 fahren entfteben fönnen, ift befanntc ®atfad)e.
2tn bie 3Ird)äoIogen unb ©iftorifer, bie fidb mit ber grage ber 9lömer in ©ermanien
befaffen, bürfen mir bie Sitten ridhten um Seftätigung beg Sorhanbenfeing beg römi-
188 13. S^eutofiurg unb Teutoburgiensis saltus

fc^en SagergrabenS in ^eibenolbenborf; um SeftfteHung, baß, toenn ein römifc^eS


§eer an biefer Stelle gelagert f)at, nad) unferer gefd)icf|tlid|en Kenntnis e§ nur ba§
§eer be§ IßaruS, fomie toenige Satire fpäter ba§'®eer be§ @ermanicu§ getoefen fein
fann; um Unterriditung ber Öffentlid^Ieit über bie JSebeutung, bie bem gunbe sur
enbgültigen Älörung ber grage nadi ber Örtlid)feit ber SSaruSfc^Iacbt beiäumeffen ift.
Stellen ibir meine Slnnabme, ba6 ber grofee JEbingbla^ SbeotmaHi auf bem ^ib>
befer S3erge gu fudien fei, in ba§ Si(^t biefe§ ®rgebniffe§ ber SCrbeit SörrenbergB,
bann getoinnen bie übereinftimmenben ?ta^ridöten aEer brei über bie @eriebt§-
tötigteit be§ SSaruS febreibenben römifeben SdbriftfteCer — SSeIIeiu§ ffSater*
Iulu§, Saffiu§ ®io unb SIoru§ — auch für bie Ört§frage ber 93aru§fd}Iacbt eine erbeb*
lidbe SSebeutung. . '
Sßelle iu§ fagt, S8aru§ l^abz in bem SBabn gelebt, ben ©ermanen mit ^urifterei
beifommen au fönnen unb bci6e bie Sommeraeit bamit auSgefüEt, bafe er ihnen
iRecbt fgracb unb orbentlidbe ©ericbtSöerbanblungen bor feinem Eticbterftuble führte:
„®ie ©ermanen heuchelten bent Sßaru§ ganae SReihen erbid)teter 9te^t§hänbei bor."
— © a f f i u § S) i 0 betont, bafe SSaru§ al§ oberfter SSermaltunggbearnter regiert, ben
dürften ihre fRecbte unb ber SWaffe bie gemohnte Orbnung ber !Singe genommen
höbe, unb bafe bie ©ermanen fo getan hätten, al§ ob-fie fidb aEen feinen befehlen
fügen tboEten: — gloruS ober melbet fura-unb bünbig ba§ biefer Sachlage ent»
fgreebenbe Ereignis, an toeIcbeS ficb bann ber STuSbrudb ber Erngörung onfnügfte:
„aSaruS unterfing fi4 eiueu r e i § t a g au halten ., .-^ie ©ermanen foEen über ben
nid)t8 SdüimmeB?lhuenben her, möhrenb er gerabe fßarteien tior fein JCribunal labet."
SBo ftanb ber fftichterftuhl beS 2}aru§, bor bem man ihm gonae Dteihen erbid)teter
EiedbtShöubel borheucbelte? äßo frönfte er bie ERoffe burd) Eingriff in bie gemohnte
£)rbnung ber ®inge? ES hat bie häd)fte SBahrfcbeiuIicbfeit, bafe SSaruS’ fein ®eer»
loger nidit an beliebiger gleichgültiger SteEe aufgefcblagen hat, fonbern bet einem
großen, bom $ßoIfe anerfonnten Xhiug* unb ©erid)t§blabe, mo er ficb am heften
baS STnfehen be§ neuen .gerren geben unb al§ oberfter ©erid)tSherr fein SBefen treiben
tonnte. SSielleicbt gehörte e§ au ben ^?rieg§Iiften Hermanns, bafe er SSaruS beronlaßte,
baS ©ebirge au überfebreiten unb auf bem SlreiStage au XheotmoEi ben ©lana feiner
OberherrIid)feit au entfalten.
Slucb menn bie STnnahme bon Dr. ©cbmibt unb ©enerol ^oenidjen riebtis
ift, baß baS Säger be§ SSaruS eine SInaaht bon Kilometern-meiter norbmeftlidb bei
Schötmar mor, unb baß ©ermanicuS atoeefs Slbfu^ung beS ScßloditfelbeS bei Reiben»
olbenborf gelogert hat, mirb on unferer Ermögung nichts geänbert.
^®aß ein fo michtiger ©efichtsgunft bisher beim Sudien noch bem ipiaße beS SSariani»
fchen Sägers ungenußt bleiben tonnte, ift mohl babureb au ertlören, baß man fich
bisher nicht um eine EZachmeifung ber S^hingbläße getümmert hat. SIber eine
S;h ingblaßforf chung ift feineSmegS auSfidbMoS- ®ie aahlreichen bon E. b.
aSecuS aufommengefteEten ©efichtSpuntte merben mid}tige S)ienfte leiften fönnen unb
bie bon mir bargelegte Ortung mirb fich ebenfoES als geeignet ermeifen, manchem
®hingblaß auf bie ©gur au tommen.
S)ie Kombination ber Sörrenbergfehen, ber §aenichen»©cbmibtfchen unb meiner
Jthefe, monad) baS ißaruSlager nicht meit bon bem SßoIfSthingglaß ber EheruSfer unb
Slngribarier log, hineingerüdt in baS Sicht ber meiteren bon ben römifchen ©chrift-
®er Uut)eiBtDeg i)c§ 3Saru§ 189

jtellern berid^teten ©ingelnadbricbteu nnb öerluertet fotDobl unter gefcbitfjtlidber iinb


militarifcfier, qI§ auäj unter geoIogifdb=tot)ograbbifd)er Bearbeitung ber grage, biirfte
iniftanbe fein, ein nadb ieber 9ticf)tnng tniffenfdbaftlidb eintnanbfreieg nnb befriebi*
genbeg gefcbidbtIid)=geograbl)ildbe5 Bilb ber fiegreicf)en ©rbebnng ber ©ermanen gegen
bie Stöiner 511 geben, ^offentlidb tnerben tnir e§ balb erbalten. SIber andb ohne beni
bleibt bie Überlieferung nnangetaftet fteben.
$D?einerfeit§ Will idb noch baranf binn:)eifen, bafe bie beiben $eibeno(benborfer Blä^e
in 3V2 km ©ntfernnng bein Reiben tale Vorgelagert finb. 3)nrdb ba§ $eibentai

5(bb. 67. Seitental unter ber Seutoburg

führte ber nädbfte SB eg, aber ein gefäbriidber SBeg amifdben (Sünibfen, bnrd)
©cbincbten nnb über ÄHüfte anin SBinfelbe, nadb ßipbfbtinge nnb einem irgenbtoo an
ber Sippe gelegenen Sllifo, fo Inie e§ ben römifdben Befdbreibnngen entfpricbt. ©in
iebt nntoegfameg faft nnpaffierbareg Seitental, ber „SBabrn)eg§''grnnb, legt bnrdb
Stellen mit anggefabrenen Bnrallelmegen nnb bnrcb feinen 97amen geugnig ab, bafe
er einft 5ur Berbinbnng be§ .<peibentale§ nach bem ^angftein hinüber gebient bnt.
darauf, bafe in „SBabrmeg'' ein Slnflang an Barn§ liegen fönnte, bin ich erft bnrdb
einen fonft fritifcb Veranlagten Brofeffor anfmertfam gemadbt. ^n ber 97äbe, anfeer»
halb beg SBalbe^, liegen Vereinaelte Banernböfe, Von benen einer in alten llr»
fnnben al§ „SBabrmeg'' ermähnt mirb. ®a ber SBabrmegggrnnb anm b^i^rfdlt^ftlicben
gorft gehört, fo müffen e§ eigenartige alte Beaiehnngen fein, bie biefeg $an§ mit bem
SBahrmeg Verfnüpfen. Bon bem ©ifenfnnbe im BöIfehaB amifchen ^eibental nnb
SBahrmegggrnnb hübe idb oben beridhtet.
190 13. Jteutoburg unb Teutoburgiensis saltus

©a§ bürfte bie ftrdtegtfcE)e ßunft $ermann§ getoefen fein, bafe er bem SRömerfieer
ben SBeg burcd bie Sörenfi^Iudfit berlegt unb SSaruS in bie berf)ängni§tioIIe Sft>Qng§*
löge öerfefet I)otte, ben iftüdsug burc^ ben liier 10 km Breiten Sergtoalb anauorbnen.
©benfo seugen bie „S^riegergröben" om Ufier bon einer einftigen ©berrung beB SBegeS
nodb SobBboi^n.
SaB ^eibental, an bem bie fe^t nabeju erbrüdfte SSoIlBerinnerung niB ©cE)Ia(f)tfeIb
baftete, liegt unmittelbar unter bem füblDeftlicben ®ange ber ©rotenburg unb ift
baber »Teutoburgiensis Saltus“ im bötfiften Sinne beB SBorteB. Sein fflame bat ntit
„.gaibe" nicbtB au tun, ba im ©egenfab au bielen Stellen ber Umgebung bort Jeine
$aibe au finben ift unb toobl auif) niemals au finben inar. ©bet mag ber 3Jame mit
,,®ebbern" = Sremben aufammenbängen, toie in ^ebbernbeim bei Stantfurt a. 3K.
2Iu(b baB Sorf Reiben, 4 km nörblid) bon $eibenoIbenborf, too Sörrenberg ebenfaUB
ffiömertoäHe (SSortoerf für baB ^auptlager?) auftoeifen toiH, ift feine $aibe getoefen
unb bat feine §aibe; bagegen bat eB einen $of, ber „^ebberbagen" beifet, fo bafe mir
hier mit einiger ©emifebeit bie ^bentitöt bon Reiben unb §ebbern bebaubten fönnen.
$aB mürbe fein Siebt auch auf ^eibenolbenborf felbft merfen, beffen 9fame feinerfeitS
■ für biefe Erörterung ungeeignet ift, meil bort mirflidber ^aibeboben ift. Solche in
biefiger ©egenb befonberB banfbaren geologifdb'tobograbbifcben Ofeftftellungen be«
bürfen noch forgföltiger Bearbeitung unb merben bann für bie SieblungBgefdbiöbte beB
SanbeB unb au0 für bie friegBgefdbiditlicben fragen ber fftömeraeit bon erbeblidber
Bebeutung fein.
SDie ©ntftebung beB SBorteB §eibe = Sfiebtebrift bürfte mit obigen ©rmägungen Be«
rübrung haben unb ftcb fo erflören, bafe irgenbmo eine öftere Bemobnerfebaft nodb
nitfit cbriftlidb geloorben mar, fo bafe Webber (grember) = S^iibtcbrift (paganus) merben
fonnte — eine Benennung, bie bann aCgemein gemorben ift.
SWit ©enugtuung bin idb fomit in ber Sage, baB ^eibental ber alten BoIfBerinne«
rung, gelegen unter ben Sirümmern ber ^eutoburg, bie Sebudbbarbt erneut alB foicbe
feftfteHen fonnte, ernftlicb in bie Erörterungen über bie SSoruBfcblacbt bineinaufebieben
unb au feiner ©urebforfebung anauregen. Eine foicbe bot meines SBiffenB in beoebtenB»
merter SBeife überbauet np(b nidbt ftattgefunben. 33om SBinfelbe liegen, mie ermähnt,
bie Bebeutenben gunbnaebriebten ber früheren ^abrbunberte bor. Bei ihnen fragt
eS fief) nur, ob man bie Beriebterftotter jener Seit ber Süge unb beB Betrugs
aeiben min.
®ie SBöIber ber ©rotenburg gehörten mit au bem auSgebebnten einbeitlicben SBoIb«
gebiet amifeben ©örenfcblucbt unb §orn, über baS fi(5 bie ^olaungSgerecbtfame bon
Oefterbolä unb Braunenbrudb auSbebnten. ©abureb merben mir au ber Scblubfolge»
rung beranlafet, bofe baS gemeinfdboftlicbe grofee SFtarfengebiet ber urnmobnenben ger«
monifdben Stämme aueb noch bie ©eutoburg umfaßte. Sludb bie gemaltige ©röfee unb
Beranlagung biefer SSoIfSburg reibtfertigt eine foltbe SInnabme.
©ie ©röfee ber SInloge mädbft ficb notb mätbtig ouS, menn bie bon S(budbbarbt a. a. D.
beraei(bneten SteinmaHrefte unten am Bergmalbe eine Umbegung onaeigen, bie
einft ben gonaen Berg mit feinen beiben Burgen umgeben bat.
SBenn mir uns bie einftige braftifebe SSermertung ber Burg borfteHen mollen, fo ‘
brauchen mir erft in lebtet Sinie an friegerifebe Stoede ober gor on „Slucbtburg" au
®te SeJianblung ber ©efangenen i91

benfen. Slud^ bie S^eutoburg borf nid^t ohne ein bebeutfame§ Heiligtum ber bielgeftal*
tigen ifteligton unferer S3orfoI;ren borgefteHt toerben.
2)ie gehJoItige ©teinumtoaEung gehörte mit 3U ben Oformen, in benen unfere SSäter
nidbt anber§, oI§ e§ bie Sgt)i)ter unb SSabljIonier in ihrer SSeife mit SiShramibe unb
Jturmbou taten, bie. ©ottheit ehren unb beren ißlähe auSfonbern unb auSaeitfinen
mottten.
©in ©ebirg§toeg, ber bon ben ©sternfteinen gur S^eutoBurg führt, trögt ben Spornen
^eterftieg. S)er ftreitbare ißetru§ nmrbe in ber S3eEehrung§äeit mit SSorlieBe an bie
©teEe gefchoBen, bie Sonar in ber SSoIfSfeele eingenommen hotte, ^unbertfach ift eine
Urnmediflung ihrer iftamen borgenommen^ Sollte nidht buch ber ißeterftieg urfbrüng*
lidh ein Sonarftieg getoefen fein?

Socitu§ Berichtet, baB ©ermanicuS Bei feinem^ SSefuch be§ SSarianifchen .Schlacht*
felbe§ auch bie ©rbgruBen (scrobes) gefehen hohe, in benen bie römifchen ©efangenen
aunöchft untergeBracht unb Belna^t toorben finb. SBenn folche ©ruBen auch nur toenige
hunbert ©efangene gefafet haBen, fo müffen fie immerhin fo groB getoefen fein, baB
ihre Spuren Eaum gönalich bertoifcht fein fönnen. 2Iuf bie 9^ähe folcher ©ruBen muB
baher geachtet toerben, menn baB SSarionifche Schlachtfelb gefucht mirb, 9JatürIiche
groBe fohlen, bie gur Stufnahme bon ©efangenen gebient hoben fönnen, gibt eB im
J?alfge6irge beB ÖBningB mehrere, BefonberB atoifchen ®orn unb SIItenBefen. StBer
fie lagen fo meit aB, baB ©ermanicuB fie faum Befucht hoben mirb, eB fei benn,
baB baB S(hIaE)tfeIb in ber ©egenb bon ®orn getoefen ift; unb auch bann hätte ihr
S3efuch noch SJiühe unb Seit gefoftet. SBahrfcheinlicher ift eB, baB bie ©ruBen näher
bem Säger lagen. ©B ift iebenfallB BeachtenBtoert, baB ber §ibbefer Serg auffaHenb
biele fleine SteinBrüche hot, auB benen man fchledhte Steine für SBegeBauten holt, unb
auch onbere ©ruhen, bie fehr toohl gur Stufnahme bon ©efongenen gebient hoben fön*
nen. SJJehr löBt fich natürlich nicht fagen; ober ©egenben, too feinerlei Spuren folcher
©ruhen oufgutoeifen finb, berlieren on SBahrfcheinlichfeit im Vergleich gu 5ßlähen,
too fie borhonben finb.
Sie römifchen Schriftfteller machen glauben, baB bie ©efangenen in ben ©ruben
gu qualboEem Sobe aufbetoahrt tourben. ©B lohnt fich, ber grage nöher nachgu*
gehen unb nach ber ©lauBtoürbigfeit ber römifchen Schriftfteller gu fragen.
Über bie ©efangenen ber SJaruBfchlacht hoben toir bon ©offtuB Sio“ unb bem 5ßhito-
fophen SuciuB SXnnöuB Seneca gtoei hochintereffante SlZitteilungen, bie StBopte (Quel¬
len ufto. III. SSoigtlönber, Seipgig) bringt. ©affiuB Sio: „©inige ber ©efangenen
tourben fpöter bon ihren Singehörigen loBgefauft unb fonnten ©ermanien berlaffen,
aber nur unter ber 93ebingung, baB fie auBerhalB ^talienB leBten." SlnnöuB:
„Surdh beS SSaruS EJieberlage finb biele auB ben höchften Stönben, bie ben ^riegB-
bienft alB SSorftufe gum Senatorenftanbe Betrachteten, bom SchicEfal gu SSoben ge-
fchmettert toorben. Sen einen machte eB gum Wirten, ben onberen gum ^auBfflaben."
‘ §üngerlonb, ©puren altgennamfc§en ®6tterbicnftcB, DSnabrüi 1924, @. 215. — ©rtc^ Su^g, dter*
tnonifc^e ©öttcr unb §elben tu ^rtftltc|er Seit' S- S- Sehutonn, 3Rün^enl922, @. 219 ff. ® Historia
Romana LVI, 22, 4.
192 13. 5£euto6urg unb Teutoburgiensis saltus

SStr lernen barouS:


1. SSon ber fofortigen Stötung ober allniötjlicfien £)t)ferung aller Oefangenen fann gar
feine Siebe fein.
2. 91oi} riiä)t einmal bie Offiziere „au§ ben f)öi^ften ©tönben" fielen ber germanifcE)en
SSoIfSmut 3um Ofofer, oögleic!^ fie boc^ für bie römifc^en ©reueltaten in ©ermanieti
in erfter Sinie üerantioortlic^ inaren. SSon biefen ftfireibt SSelleiuS ißatercuIuS felBft,
. bafe bie Slömer bie ©ermanen „feberjeit mie ba§ SSief) abgefd)IacBtet Batten, fo bafe
iBr.Seben unb 5£ob nur bon ber Slömer ©nabe unb Ungnabe aBBing." ÜDafe ntau
nacB ber ©cBIacBt an einseinen, bie ficB burd) ©raufamfeit unb fcBimpflidBe
SSeBanblung Befonber§ Beröotgetan Botten, SSergeltung naBm, ift burcBauS au
. glauben.
3. Sie Kriegsgefangenen tourben unter bie ©flaben, bie bamalS in fämtlicBen SSöI»
fern bie niebern Sienfte 3U leiften Batten, eingereiBt.
4. (Sin ßoSfaufen ber ©efangenen tnar möglitf), gefdBaB aber aucB Bei SSorneBmen burd)*
aus nicBt immer, meil eS ©acBe ber SIngeBörigen loar, baS Söfegelb 3U saBIen.
5. SaS Söfegelb fcBeint nacB ber SSar uS fd)Iad)t Bod) getoefen äu fein, ba nur toenige
frei mürben; Sio fpricBt bon'einigen, SInnäuS fennt üBerBaufit feine, oBgleidB er
bie Seit nacB ber SSaruSfcBIacBt in 91om miterlebt Bat al§ BeranmacBfenber Jüng¬
ling. Sagegen mar, mie eS fcBeint, baS Söfegelb nacB Ber @d)IacBt am Slngri-
bariermall ein geringes. Senn ein großer Seil fonnte loSgefauft merben,
meil offenbar bie „Stämme beS SSinnenlonbeS" an römifcBen ©efangenen über-
fättigt maren. SaS fann auS ber burd) unb burd) unmaBren, miberfprudBSboHen
©cBilberung beS SacituS (Sinn. II, 23. 24) gefolgert merben.
6. Sie ©efangenen burften fid)-in Jtalien nicBf meBr feBen laffen, gefcBmeige beim
in 9tom. SaS mar bie SSebingung, unter ber baS IRömerreidB bie SoSfaufung unb
bie notmenbige SSermittlung burcB feine Organe guliefe. SlicBt bie ©ermanen fteüen
bie in iBrem Jntereffe liegenbe SSebingung, bafe bie Sreigeloffenen in Jtalien blei¬
ben unb nid)t meBr gegen ©ermanien fömpfen foHten — eine nicBt ungemöBnIicBe
SSebingung — foubern 910 m min feine in ©ermanien gemefenen ©efangenen in
Jtalien Baben! .
SBie erflärt ficB biefe aufföEige SDlitteilung? (SS ift nur eine erflärung möglicB:
Jn Jtalien fodte bie SBaBrBeit über bie friegerifcBen SSorgönge unb über bie in ©er¬
manien Oorgefunbenen SSerBältniffe nicBt burcB bie ©efongenen berbreitet merben.
Sie amtlid) anerfannte aileinung, bafe bie ©ermanen SSarbaren feien, minber-
mertig unb mert, auSgerottet gu merben, foüte bleiben, ©efangene, bie als ®au§-
fflaben in bie SebenSgemoBnBeiten beS SSoIfeS meit tieferen (SinblidE befamen oIS
bie Koufleute an ben SBlorftorten unb in ben Verbergen, fonnten — babon Botte
man moBI fiBon (SrfaBrnng gemacBt — ein gana anbereS SSilb bringen, fonnten bie _
SOlenfcBen als freunblicB, ben 91ömern ebenbürtige, gefittete Seute fiBilbern, unb
baS mar unermünfiBt, fonnten moBI gar bie ^olaBäufer ber ©ermanen für ange-
neBmer als bie ©teinBäufer ber 91ömer, unb bie gluren, ©arten unb SBöIber für
ebenfo fdlön Bolten; alS bie faBIen SSerge JtalienS unb bafe äucB.ber $erbft unb
SBinter in ©ermdnien fein ©cBöneS Bobe. Kura, e§ mar fo mancBerlei bo, moS ein
freunblicBeS unb ein acBtunggebietenbeS SSilb bon ©ermanien bringen fonnte. Unb
@emüt§erße 193
öa§ foEte nidfit fein. 2)o§ foE ja 5et Dielen ouc^ fieute noc^ nicfit fein. äffinlic^eS
^ü6en^toir nadö bem Kriege erlebt, al§ e§ ben natf) granfreitb aurütfgefebrten
SlriegSgefangenen berboten tnurbe, ficE) über ihre ©rlebniffe au äufeern.
Über ba§ ©dbiäfol unb bie S3el)anblung ber ©efongenen in ©ermanien muffen toir
un§ ein anbereS Silb mocben, alS toir bi§ber batten, ©flaben mürben fie; ba§ gab’§
nun einmol in ber Stiten SBelt nicht onberS. Slber im übrigen mirb fein SSoIf bie ©er-
monen in bumoner Sebanblung ber. ©efangenen übertroffen haben, mie e§ beute
nodb ift. ©reuelbericbte mürben bamal§ genau fo erlogen, mie 1914—1918, m'enn e§
gegen bie ©ermanen ober SDeutfcben gebt, bofjfjelt unb breifocb.
aWit biefen Sähen möchte ich audh ein Heiligtum Don S^utt befreien unb auf-
becfen helfen, ba§ ift baB germanifche © e m ü t, beffen Erben mir finb, ober hoch fein
foEten.

13 Xeubt, ©cmanifcbe ^ctligtümer


14 0efu(^te Heiligtümer
^J^aäibem ber Sinn einiger toeniger ^ierogl^tilien ricfitig erfannt tnar, fqm fd&nett
X'Cbie @rfi)Iiefeung ber gansen. ©cEirift. SBer ben ^auptftfilünel in ber ^anb iiat,
bem öffnet fitf) mefir al§ eine S^ür. (Sin gutes ßicE)t leuchtet" aud) in bunfle ©den.
■ S^efimen toir einmal an, bafe e§ ein ridjtiger SBeg mar, menn mir unS bon ben ©sterm
fteinen nad) Oefterfiolä, bon Oeftertiols su ben SofDSlmrner tjeiligen fftoffen unb bon
ben Iieiligen Stoffen 3ur SlennBol&n im Siangelau unb bem ^ügelfieiligtum ber Sefter*
Boläer fötart führen liefen!
®ann Baben'mir an SipfjequeHen unb OSning eine SInBäufung bebeutfamer,
über loMe ©eltung BimmSgreifenber Heiligtümer. SBir finb bei Bern meBrfad) 3ur
©rmögung gefteCten ©ebanfen angelangt, bafe Bier bie HQUt>tftätte ber urnmoBnen-
ben Stämme für iBre gemeinfamen religiöS-fuIturlicBen ©inricBtungen gemefen ift.
StiS bor 50 ^aBren St. ScBierenberg bie SSninggegenb in iBrer Sebeutung für bie
germanifcBe ©eftBidite erfannt Batte, menn aucB aIl3ufeBr geleitet unb eingeengt bon
bem ©ebanfen an ben ©bbafiBautilaB, ba mürbe er, ber eine ade ©egner bödig in ben
ScBatten ftedenbe SrtSfenntniS Botte, mit bem bequemen SSormurfe, er fei ein ber-
blenbeter SofalqatriotV abgeleBnt. SiBnIicB, menn audB nid)t fo fcBIimm, erging eS
Söäfferbai^, ©loftermeier, SBeltmann, (Stamforb, Steubourg u. a. SBenn id) red)t feBe,
Baben fidB anbere Kenner be§ Btefifleo ßanbeS auS JSeforgniS bor bem gleiten Sd)id-
fal bobon 3urüdBaIten laffen, für bie genannten SJtänner ein3utreten.
Slber barf fdBIiefelicB bie SäeforgniS, bafe ber SBert genauer Kenntnis ader in SetradBt
fommenben SSerBältniffe unb örtli(^feiten burcB ben SSormurf beS SofalbatriotiSmuS
erftidt merben fönnte, ba3u füBren, mit bem 3urüd3uBaIten, maS 3ur ©rforfdmng ber
SBaBrBeit bienlicB fein fann? Unb geminnt nicBt in unferem befonberen gade ba§ ©e*
famtbilb an innerer SBaBrBeit, je abgerunbeter unb bodftänbiger e§ fi(^ bor unferen
Slugen erbebt?
‘SBenn bie ®inge Bier 3U Sanbe fo fteBen, mic icB bar3ulegen mid) bemüBt Babe, ift e§
bann nicBt erlaubt 3U fragen, ob bon foIcBer Kenntnis ouS nidBt aucB ein Siebt ouf
anbere biSBer bunfel gebliebene OrtSfragen,gemorfen mirb? gebeS 3um Silbe Beran-
geftbaffte baffenbe Stüd trägt nicBt nur 3ur J?Iärung beS ©an3en bei, fonbern erleicB-
tert aucB bie Sfuffinbung ber noeb feblenben Steile, fo mie e§ bei ben ©ebulbsfbielen
ber ^inber gebt, ddir fcBeint, bafe e§ fieb bei Stanfana unb SJtnrflo um BierBer ge>
Börige Stüde Banbelt.

S£anfana
^m Herbft be§ ^aBreS 14 naeb ©Brifti ©eburt begannen bie feit fünf gaBren forg-
fältig borbereiteten Stacbeaüge ber Stömer unter ©ermanicuS mit einem bon ben ©er«
manen 3mar fid)erli(b borgefeBenen, aber in fo fbäter ^abreSseit für baS ^oBr nid)t
mebr ermarteten ©infad in baS ©ebiet ber SJJarfer. ©S maren bie S^age ber
groben germanifeben ©rnte« unb HerbftfeierlidBfeiten, in benen fid) bie Sebölferung,
mie uns 3::acituS (SInnoIen I 51) beriibtet, frieblicBer Stube Bingegeben ober 3u
„Sdimaufereien unb Slursmeil" fitb berfammelt Batte. 12000 ßegionSfoIbaten, 26 So-
Borten SunbeStruppen unb 8 3teitergefd)maber mürben bei Xanten über bie StBein«
^ Sd^tcrenberg, a. a. D. Xlla.
5Deu ©tönimcn lietlig 195
briirfe geführt. !J}cr Söfifdje SBalb (bet Cberbaiifetx ©teele), luo bie
Siömer ihre .$errfd)aft iiotf) biird) ^cftede aitfrecbt erbalten batten iinb ntdbt§ befiirdb»
tet än inerben brnucbte, tuar in ©ilmärfcben burdbfcbritten. älber @erinanicn§ bracb in
ba§ 2t?arfertanb nicht bnrcb bereit Xßeftinarf bei Flamen ein, fonbern Inäblte ben „be=
fcblDerlidberen, noct) nicht berinchten, ttnb barum bon ben geinben unbeiehten" ÜBeg
bnrd) bie Serge fiibliih ber Sipbe. ©eograpbif^ ift biefe§ eine Iniddige Senierfung,
ineil baburd) bie üblid)e Slnnabme einer iiiblid)eren 9tid)tung be§ 9tad)eange§ binfädig
toirb. @erninnicn§ ift aifo burch ben ^aarftrang in feiner 2äng§richtung marfchiert
unb an irgenbeiner ©teile, bon luo an§ er noch 75 km be§ STcnrferlanbeS bor fich batte,
an§ ben Sergen nad) fdorben in bie frnd)tbaren ©ebiete be§ Sanbe§, „Ibo ber SWarfer
iltinb fid} ftredt",
abgebogen. 3)ie Se- ij.u ■ , ■.'"jpiiaii .JUljin. .-r^gpijiii ■ .
fchreibnng be§ ^ .v
ge§ in ben 91nnalen
loutet bann Ineiter
folgenbermafeen:
„6ine ©trede bon
50 SIteilen (75 km)
liefe er burch Setter
ttnb ©djluert boK-
ftönbig berlniiften.
Sf'ein ©efdiledit, fein
Sllter fanb @rbar-
nten; profane ttnb
heilige ©tötten unb
andb ba§ bei
jenett Sölfern
für b 0 d) b e i 11 g 3tbb. 68. 3tlte S'orte ber ©tommesfibc (Sifdtof oon gürftenberg)
geltenbe ^ei»
ligtuni, IneldjeS man ba§ ber ^anfana nannte, hturbe bem ©rbbobett
gleich 0einad)t. S)ie Dtömer toaren unberfebrt, ba fie nur ©chlaftrunfene, SBaffenlofe
ober Serfprengte niebergeinadit batten." 2)a§ ©nnse batte ben Stned, bem meuternben
^eere bn§ ©elbftbertrauen Inieber su berfdbaffett.
Stuf bie S r e i t e in ber gront föttnen fid) bei einem $eere bon etina 17 000 3Wann
bie 75 km au§ militärifd)en ©rünbett nidbt besiebett. ®ie Srontbreite eitte§ folchen
3uge§ inirb aud) burch bie 9tiidfid)ten auf ©icherbeit unb 3ufammenbnlt be§ $eere§
mitbeftimmt; fie fonnte feine§fall§ gröfeer al§ 20 bi§ 30 km fein, ©tma in biefer
Sreite siebt fich ba§ ädarferlanb bon ÜBeften ber sPtifeben ben Sergen unb ber
Sippe bi§ 3ur $öbe bon Sippftabt bin. Sott biefem Sublte ab berengert fid) ba§ ©e>
biet bis au ben SippegtieHen, tonS tnir auS eiitein SKnrfengürtel erfettnen (Srenfer»
morf, Stblermarf, (JfpenfeIb=3BiItföbett, ©ammtbolafunbern mit ber ^mfenbnrg,
^abrigbaufer 3J?arf), ptelcher bnS Sanb nad) ©iiboften gegen bie ©ttgambrer ab=
fchlofe. !l:ie§ SerbältniS 'ber beiben ©tammeSgebiete aueinattber htirb amh bon
©d)toabe in feinem ©efd)id)tSatIaS unb fonft aiemlid) ndgemein nngenomntett. ®aatt
biirfte bie bon mir hier gebrachte (nicht in aUen ©semplareit ber Monumenta Paderb.
13»
196 14. ©efui^te Heiligtümer
gu finben&e) ßarte bom gürftenberg qu§ öem ^al}re 1682 bon ^ntereffe fein. Siefem
iPoberborner Sifcbofe ift ja in allen foicben Singen eine mefir al§ getoötjnlitfie ßennt*
ni§ ber Singe gugutrauen. SBicbtig für un§ ift, bafe and} er bie Sßarfer, bie 'ein Seil
ber ©ugambrer tcoren, in bie fRäbe ber ©mSgueKen berfe^t. Sa§ ift mit einiger
SWübe ou§ unferer ^arte gu erlefen, tno ber Spante SJtarfer am Teutoburgiensis Saltus
ftebt. ©el)r unbequem für unfer 3tuge ift e§, ba^ auf biefer Sparte ber S^orben red)t§.
gu fudben ift. SSielfacb finb biSbec — aud) bon gürftenberg — bie ©ugambrer al§ ber
füblid) ber Sippe tBobnenbe Httuptftamm angefeben toorben, tbäbrenb ber angeführte
3WarfengürteI, ben toi ber ©rofee borfanb, un§ febr beutlicb geigt, bafe hier nod) eine
©renge tbar gegen ba§ grofee ©ugqmbrerlanb (©ugarlanb = ©auerlanb). Stacb
iPaberborn gu tnar ba§ ©ugambrergebiet gugefpifet, benn fd)on bei Hetortr faßen
bie toten. Sie gute Henfefcbe ÜberfiditSlarte (gorfcbungen gur SSaru§fcbIad)t, ©üter§«
lob, 1910) ift nach gürftenberg unb unter SSerüdfidjtigung be§ 3)ZarIengürteI§ an ber
Stime babin gu forrigieren, baß bie ©ufatier nicht gu ben ©ugambrern, fonbern gu ben
3Warfern gehören, ©ie gibt übrigens audb ein PortrefflidieS S3ilb bon ber gentralen
Sage ber Oefterbolger SKarf gtoifd)en ben fecbS großen ©tömmen. SaSfelbe gilt bon
ber Sörrenbergfcben ß'arte. -Siefe begießt fi^ auf eine fpätere Qz'it, alS bereits bie
iSrufterer baS SWarfergebiet gtoifcben Unna unb üieubauS fid) untertan gemad)t batten,
©päter famen bie SIngriüarier über biefe fruditbare ©egenb. ©ie bietet hoher ber
©tammeSforfcbung erhebliche ©ditoierigfeiten. -
9Mimen toir baS SBabrfcbeinlicbfte an, baß ©ermanicuS füblid) SBerl auS ben
iöergen berauSgetreten ift, »eil hier baS fßubrfnie einer gortfeßung beS ©ebirgS*
marfdieS entgegenftanb. Hier batte er nod) gerabe 75 km beS fDtarfergebieteS bis gu
ben Sippequellen gur SSerlDÜftung bor ficß. 6r gelangte auf biefe SBeife bis gur SWarf
Oefterbolg. Sann finb baS J^önigSlau, Sangelau, ©delau unb Sinbelau als bie „bet
jenen S ö I fe r n (man beachte bie 3)ZebrgabI) berübmteften Sempel ber Sanfana" an«
gufeßen. Semper bebeutet urfprünglicb jebe umhegte beiüöe ©töttc (celeberrimum
illis gentibus templuni, quod Tamfanae vocabant).
Hierfür fprid)t aud) ein bierbur^ ber iSeadjtung empfohlener ©runb. SacituS ge¬
braucht ben ©enitib Tanfanae, »orauS auf eine fonft böllig unbefannte unb nirgenbS
meiter ertoöbnte »eibliche ©öttin „Sanfana" gefchloffen »erben mußte. Ser DZame
bietet troß aüer SSerfucße gu einer »irllich einleuihtenben ©rflörung feinen Slnlaß.
SIber fann hier nicht, »ie eS in fo bielen anberen gällen angenommen »irb, ein
©chreibfebler ber Slbfcßreiber borliegen? Streichen »ir nur ben eingigen Sudjftaben
e bom ©chluffe beS SBorteS Tamfanae fort unb laffen Sanfana einen 97ominatib ipiura«
liS fein, fo ift beS iRätfelS Söfung ba. Fanum beißt Heiligtum, fana beißt Heilig¬
tümer, unb Sanfana finb bie ©roßbeiligtümer, ©amtbeiligtümer ober SIHbeiligtümer.
fffiir haben eS bonn nid)t mit bem Heiligtume einer ©öttin „Sanfana" gu tun, bie
eS nicht gibt, fonbern mit ben ©amtbetligtümern jener Sßölfer. Ser ©e»äbrS-
mann beS SacituS bat mit Sanfana ben leiblid) geglüdten SSerfuch gemadd, bie ger-
manifche S?enngeichnung ber Heiligtümer gu überfeßen. ©rimm^ bat SIled)t, »enn er
fagt: „Ser SarftenungS»eife ber Stömer »ar eS »eit mehr angelegen, burch freie
Überfeßung halbe Seutlichfeit gu erreidien, als burch Seibeßaltung barbarifcher 2IuS-
brüde ber 9tad)»elt einen Sienft gu er»eifen." SaS San unb Sam im Sateinifchen ift
©tinmi, 3KQt(|ol,, 108.
©nbe 5er ütac^etat 197

5a§fel6e toie 5a§ grtecfitfc^e JCan, irelc^eg, üor einen anberen 93egriff gefegt, eine er-
hjeiternbe, bergröfeernbe Sebeutung gibt; unb in ben lateinifcfien 9Börtern mit San
ober S:am liegt biefer ©inn leife eingeftfilofien. ®er liberfefeer be§ SSorteS mag ein
griec^ifd^ 2)enfenber gemefen fein.
aWeiner ^Deutung be§ „tom" ift bon freunbf(f|aftlicf)er ©eite miberfprotfien tnorben.
atber ic^ finbe 10 mit bem ©tammrarCin Taj'cöo?= toeitgeftrecEt) gufammengefefete
SBorte, bie baburc^ ben begriff ber ©rtbeiterung erlangt haben. ®ie borgefchlagenen
anbermeitigen ©rEIörungen für tamfana, bie übrigeng meift ba§ fanwm gelten laffen,
finb biel äu gefutf)t unb beribidfelt, alg bafe man fidh bamit befreunben fönnte. ^m Ohr
beg ilacitug loar noch bag profana feiner lebten Seile nicht berllungen. Öhtn tnufete
eine germanifche Oöttin nameng „Siamfana" ebenfo fchnurrig unb berbödhtig flingk;
mie menn ung etma bon einer ©öttin nameng „^ochtirchen" berichtet toürbe. ®r
hätte für feine ebenfo embfinbenbenSefer ein SSort ber Stufflärüng hinsufügen müffen.
97ach meinem ©brachgefüht ift eg 5£acitug nicht entfernt.eingefaüen, feinen Sefern eine
germanifche ©öttin nameng „Sanfana" ober „JEamfana" borauftellen, .
2>?it ber Seutung beg 97ameng, toie ich fie borfchlage, ift für bie Or t g f r a g e atoor
nichtg geflärt, menn eine anbere 207arfchrichtung beg Sßermüftunggaugeg ongenommen
mirb. Sft aber ©ermanicug auf bie Sibbeäuellen marfchiert, bann mirb auch biefe
Stamengbeutung au bem helfen Sicht beitragen, mit bem niht nur ber ^erbftfelbaug beg
^ahreg 14, fonbern auh bie Oefterholaer 2Warf felbft beleuhtet mirb. Oiefe S3ebeu«
tung beg SSerihteg bleibt beftehen, auh toenn er ftarf aufgebaufht ift, menh oifo bie
SRömer bamafg gar niht big au ben Sfanfonaftätten gefommen finb, fonbern nur eine
ahnunggfofe örtlihe fjefttierfammlung an ber ©renae überfallen haben — mag auh
mir afg bag mahrfheinlihere erfheint. Sag mihtige bleibt bie iOtitteilung, bah bie
S^anfanaftätten 75 km oftmärtg im SWarferlanbe au fuhen finb.
$öei bem Serfuhe, bie ©tätte beg S;anfana*$eiligtumg augfinbig au mähen, hat
Sfbolf SWeinberg im 18. ^ahrhunbert auf einen ©tabtteil in 93orghoIahaufen aufmerf»
fam gemäht, melher SEämfanne ober S^ennfanne heiht. Sfber bag üftarferlanb big
nah SSorghoIahaufen au berlegen ober big in beffen 97öhe, ift mit allem, mag über bie
©tammegfihe befannt ift, unbereinbar. Unb bag Sftätfel beg 97ameng mirb burh bie
S;ämfanne in 33orghoIahaufen niht geringer, fonbern eher noh gtöher.
®ie ©ntfheibung ber Stage mirb aifo barin liegen, ob bie Sfugbehnung beg SKar-
fergebietg big au ben Siblieguelfen afg rihtig ongefehen unb meine ©efamtlöfung afg
mahrfheinlih unb befriebigenb erahtet mirb. ^ommt noh bie Sfufhellung beg fonft
bunllen SBorteg S;amfana hinau, fo ift bag auh eiu ©eminn.
97ahbem biefer erfte Slaheaft ber füömer berluftlog mit einer folhen S^at an
heiligfter ©teile gefrönt mor, trat ©ermanicug ben iflücEmarfh an, bSr nun freilih ein
mefentlih anbereg Slugfehen befam. ®ie iWarfer mit ihren Sunbeggenoffen hatten fih
mittlerrneile auin Söiberftnnbe gefammelt. ©ie ftiefeen auf bie 97ahhut beg SRömer*
heereg unb aerfbrengten fie. ®ag ^aubheer fonnte noh foeben ein befeftigteg Säger
erreihen unb ber ©efnhr entgehen: „^m ftolaen ©elbftbemuhtfein infolge ihreg ©ie*
geg unb ohne an bie SSergangenheit au benfen, rücEten bie JErubben in bie SBinter»
quartiere ein." ^n ben beiben folgenben fahren ift eg ben 3tömern bann fo fhleht er»
gangen, bafe fie bng SBieberfommen bergahen. -
©omohl bie ©hiaht im Unmegfamen afg auh an ben fangen Srüden im ^ahre 15
198 14. @efu(f)te Heiligtümer
maren fcf)ü3ere JJieberlogen, in benen @ermanicu§ unb ©äcina faum ber 2Serni(f)tung
entgingen. ®a§ ^afir 16 aber brachte ben Sufcmnnenbrud) be§ größten Heere§/ toeld^eS
SRom iemal§ gegen Barbaren gefdiidt bat: 100 000 2Mannl Slucfi 3u Sebseiten ber
©cbriftfteHer, benen S:acitu§ nadjeraöblt bat, toar ber 5Pat)t)ro§ gebulbig; unb ©tfilacbt«
berichte bon SSöIbern, bie gum ißral)len neigen, tnie bie iRömer einft unb bie granaofen
iebt, muffen ftets nach bem @ r f o I g e ber ©tfiladbten beurteilt toerben. Sanacb tann
bie @tf)Iatf)t bei ^biftabifo (@i§bergen bei SRinteln a. SB.), bereu @tf)ilberung übrigens
3. SC. unmöglich, 3.2. lötberlitf) anmutet, nur ein ©cbeingefetfit getoefen fein, moburcb
bie toeicbenben Q5ermanen baS römifcbe Heer an ben Stngribarierroan aogen, ino
Hermann bie ®ntfcbeibung§fcbla(bt fcblagen tooEte unb gefcblagen Ijat. 3)a§ Ergebnis
mar: Stnftatt beS SBarfcbeS näcb ber Elbe, ben EJermanicuS noch am SCbenb bor ^bi*
ftabifo laut berfünbet batte, fluteten bie Jtrümmer beS römifcben Heeres meftmärts
3ur EmS, um ficb auf ben 1000 ®(f)iffen über bie lEorbfee 3U retten.
SflS nocE) ein Sturm binaufam, unb bie SWaffe ber glü^tlinge auf feinblitbeS ober
unbemobnteS Öonb berf^Iagen mar, um bort in germanifibe Oefangenfdbaft au ge¬
raten ober umaufommen, entging ber ^mberator ©ermanicuS foeben noch bem
©(^idfal beS SSaruS. darüber lautet ber S3ericbt beS SacituS' in SBobteS Überfebung
mörtli(b: „Ein einaiger Sreiruberer, ber beS ©ermanicuS, lanbete an ber Slüfte ber
Ebaufen. StE bie foIgenbenXage unb9?ödbte irrte biefer auf benSünen unbSanbaungen
umber, inbem er fii^ felbft als Urbeber beS fo gröfelidben UnglücES anflagte, unb faum
fonnten ibn feine greunbe batoon aurüdbalten, in benfelberi SBogen, bie fein Heer
berfcblungen, ben S^ob au fudben."
S)ieS ^friegSenbe binberte natürlid) nidbt, bafe ©ermanicuS ficb einen Sriumbb*
aug in lEom bemiEigen liefe. Stber man martete borficbtigermeife bis aum nöcbften
grübiabr, ob nun ni^t bie ©ermanen ibrerfeitS einen Sfacbeaug über bie Sllfien unter¬
nehmen mürben,’maS fie — ebenfo natürlidb — nidbt taten. ES mufe fdbbn febr
fdblimm fommen, ebe ©ermanen einen Stadbeaug unternebmen. ^m Sriumpbauge
mürbe ben fcbaubegierigen Dtömern eine erfdbminbelte SbuSnelba borgefübrt. SBer
mag nacfe aEem riotb an ben bon S^ocituS nadb 90 fahren gutgläubig gebradbten S3e-
ridbt über bie gana auS bem Siabmen faEenbe „Umfebr" beS ©ermanicuS aur Ent-
fefeung beS SegefteS au glauben? Er ift mit aEem Srum unb ®ran eigens für
ben SbuSnelbafdbminbel erfunben. @0 haben fdbon Sdbierenberg unb anbere geurteilt,
^db ftimme ihnen bei.
SSor aEem aber moEte idb biefe ©elegenbeit benufeen, midb an ber Scbladbt am Stngri-
bariermaE au äufeern, biefer germanifden ©rofetat, bie in ber bisherigen Slnfibauung
feine SSeadbtung finbet. S'tod) meniger merben bie logifdien ®d)Iüffe baraus geaogen.

SWarf Io
9tadb Einbarb famen bie SSertreter ber Stömme beS SacbfenbunbeS fährlid) in
Eßarflo au gemeinfamer SSeratung aufammen. ®aS SBort SKarflo ift einbeutig. ES
beifet ein heiliger Hain in einer SKarf. Sanadb mufe eS biele Orte gegeben haben, bie
beit S'famen berbienen, menn aud) nur ein SKorflo, mo bie SSertreter ber Sadbfenftämme
g e m 0 b n t maren, aufammenaufommen..
ES ift bemnatb nidbt au bermunbern, bofe bieS SWarflo aEein auf ©runb feines
‘ Siacituä, Sttnnal. II, 24.
2)a§ a3unbe§t)arIoment 199
3Zamen§ toeber bisher gefunben ift, noc^ jemals gefunben toerben fann, fei e§ an bev
SBefer, mo^)in eS ©inl^arb berlegt, ober fonftmo. ©inbarb 5at e§ bielleic^t felbft nitf)t
getoufet, bafe e§ fic^ gar nid^t um einen Eigennamen, fonbern um eine Eigenfc^aftS’
beaeic^nung ^lanbelt. ES ift, toie menn man je^t fagte: ®ie Stbgeorbneten pflegen fict)
im ißeitbStage au berfammeln, unb Joenn bann jemanb eine Stabt namens ffteic^Stag
in Seutfcölanb fud^en iuoQte. Einl)arb mar mit ben föcfififdben Singen üBerbaupt
menig bertraut; er moBnte meitaB in ber fPfala, fo bafe man nit^t meife, oB iE)m Bei ber
Ortsangabe „an ber SBefer" nicEit baS SSef er geb t et etma im UnterfdE)iebe bon bem
EIBgebiet borgefdf>meBt Bat, mobei eS auf einige Steilen Entfernung nidtit anfam.
SebenfaES biirfen mir auf feine OrtSbeftimmung nur ein geringes ©emid^t legen.
ES ift im BoBen ©rabe unmaBrfcBeinlidB, bafe ber gemoBnte Ort ber SSeratungen
ber ©acBfenftömme an ber SSefer felbft gelegen Bat, ba bie SBefer bon fbiunben ab*
mörts meitBin burcB reineS EBeruSferlanb floß, unb meber redBtS notf) lints bis
SSeltBeim bei SSIotBo eine SWarf Botte, in ber bas SKarflo bermutet. merben fönnte.
Sie SSeltBeimer 3Wart föme aEein in grage, menn bie SSeaeicBnung an ber S23efer ftreng
genommen merben foE; EEafeloB, 6 km öftIi(B ber SQSefer bei SßeterSBagen in einem ein*
fügen Beiltflen ^ain gelegen, bürfte um feines SEamenS miEen nicBt in 93etradBt
fommen, meil ber micBtige ^^eBIIaut beS SBorteS „EEarf" feBIt. ES gibt in jener
©egenb biele Ortsnamen, mit EEafe ober SEefe (EEefelingen, EEafelingen, EEefeminfel,
SEeSmerobe ufm.), bie mit EEarf ni^tS au tun Baben.
Sa mir bei biefer ©emoBnBeit ber germanifdBen (Stämme bie bei micBtigen Singe*
legenBeiten ftetS eine SEoEe fbielenben religiöfen ©rünbe mitfbrecBen laffen müffen,
fo biirfen mir baS EEarflo ni^t nur irgenbmo in einer EEarl fucBen, fonbern ba, mo
fidB bie aEen geneBmen gemeinfamen religiöfen Heiligtümer befanben. SiefeS miffen
mir mit einer ©emifeBeit, bie faum etmaS au münf^en übrig läfet, nur oon ber Oefter*
Bolaer EEarf. Sie ift in ber Suftlinie 38 km bon ber SSefer entfernt gelegen. ^Bre
aentrole Sage für bie im Sad)fenbunbe aufammengef(BIoffenen Stämme leutfitet ein.
Siefen inneren ©rünben nocB gefcBiiBtli^e ober fonftige äußere ©rünbe Binauau*
fügen, mirb fcBmer fein, meil nur bie einaige furae geftfiicBtlicBe ErmäBnung ber Sat*
fa(Be borBonben ift. Es mirb bem fubjeltiben Ermeffen beS Einaelnen überloffen Blei*
ben, ob er ben für bie Oefterljolaer EEarf fbre^enben inneren ©rünben ben SSoraug
geben, ober auf eine geograbBifdBe ^eftimmung bon EEarllo beraicBten miE. ^m' erfte*
ren goEe liegt menigftenS bie EEöglidBfeit bor, bie an ficB fo m e r t b o 11 e 5E a (B r i tf) t
b0n einem if? ar la m ent ber berbunbenen Stämme mit gleifcB unb S3Iut au um*
fleiben, mäBrenb baS immer nur gefucBte unb nicBt au finbenbe EEorflo am SÜSefer»
ufer bem ©efdBicBtSbilbe nicßts meiter Binaufügen fann. Unfere ©efäiicBtSfcBreiber, unb
ni(Bt bie fdBIedBteften, Baben ftetS mit berartigen aBaBrfdBeinliiBfeitSannaBmen ge*
arbeitet. Sarum muß eS aucB bei EEarflo erlaubt fein. —
3u SEarflo bemerft SBeberS EBeltgefcßicBte I, § 318: „Eine gemeinfame Obrigfeit
für baS ganae SSoIf feBIte; auf ber SanbeSgemeinbe au EEarflo an ber Eßefer, mo
auS freien Stänben beS SöoIfS SIbgeorbnete erfdßienen, mürbe über bie aEgemei*
nen SanbeSangelegenBeiten Etats gepflogen unb über Sfrieg unb grieben entfcßieben."
aSir moEen in germaniftBen Singen feinfüBIig merben unb aucB in berartigen
Säßen bie für unfere frühere ©efcBicBtSftBreibung cßarafteriftifcBe, bon uns jeßt grunb*
fäßlicB abauIeBnenbe SSeBanblung ber germanif^en Singe nidßt meßr überfeBen. ^n
200 14. @efu(f)te Heiligtümer
bemfelBen Sttemsuge, in bem SBeber über bie bödjften ftoatlidien ©inric^tungen unb
SSefugniffe eines grofeen Jjolitifdfien SunbeS in ©ermanien beriditet, toirb bem germa-
nifdien SSoIfe ganä allgemein eine gemeinfame Obrigfeit .abgefbrodienl (Semeint ift
natürlidö, bofe man basu nic^t Ineit genug gemefen fei in ber Jlultur.^
©inige Seiten früher nennt SScber bie mabrfdieintidien Sitte ber S'iotoebr ber gut¬
mütigen, arbeitfamen Sßeftfalen gegen bie Quölereien be§ unruhigen, unberfdiämten
unb berrfchfüdhtigen toeftfräntifchen Siadlbarn ohne meiteres „räuberifcbe ©inföEe".
©eorg SBeber in allen aber hier ift bod) bie immer unb immer mieber in ber @e*
fdlicht^ft^reibung über baS germanifche Slltertum fich bemertbar madienbe a r t e i -
lidlfeit öom fremben ©tanbbunfte auS, bie in bem borliegenben gatte
ber ©efchichtStüge bon ben „milben ©adhfen" ©efotgfdhaft teiftet.
gefthalten luotlen mir auf leben galt: bie SanbeSgemeinbe au SKarfto mar nicht eine
gelegentliche Swfcuumentunft, fonbern eine regelrechte S3unbe§regierung, bie baS
höchfte ftaatliche [fteidt, über ßrieg unb grieben au entfdieiben, auSgeübt hat. @ie mirb
e§ auSgeübt haßen an einer ©tätte religiöfer Heiligtümer ber aufammengefd)loffenen
©tömme, mie mir fie in ber Oefterholaer Sbiarl erfdnnten. •
15» ^eilige Linien
Ortung germanifdjer SSergtieiligtümer
(Sin ftets wlcber^iolter 3nfaH negiert fid) felBft.

3 n ben Sütttelmeerlönbern ga6’§ im Slltertum eine Ortung (Orientierung) üon


©runbftiidfen unb beilioen S3 a u t e n. 2>a§ iRod)'bor()Qnbenfein folcfier Sauten
Saftian

ober beren 5£riimmer gab bie 3)lögli(f)feit h)iffenftf)aftlicber llnterfu(5ungen, toie fie
Srof. S^iffen'Sonn im SInfange biefe0 ^at)rlE)unbert§ an 350 SKembeln mit böfitibem
©rfolge angeftellt bot^
2tu§ ©ermanien finb aHe heiligen Sauten ber borchriftlitfien Seit fofern fie
überbauet borbonben maren, bom (Srbboben berfcbtounben, mobon bielteidbt ba§
©aaeHum ber ©jternfteine bie einjige SluSnabme bilbet. 2Iu§ ber Äiefe gräbt iebt
Dr. Söftbfe in Srier bie krümmer heiliger Sauten, beren Sebeutung mir nodb nicht
uberblicfen.
prächtige Jtembel im antifen Sinne mirb man fchmerli(b gehabt haben, meil man
ber ©ottheit lieber im ®aine unb auf SergeShöhen biente, ©omeit ba§ Sebürfnig
bennoch überbai^te SJtöume au heiligen Sieden forberte, mareri e§ im allgemeinen
^olabauten, bie au^ ohne ihre Serftörung aar Seit ber Einführung be§ ©hriftentumS
nur menige ^ahrhunberte hätten überbauern fönnen.
Stber man hat hin unb her im Sanbe aahlreidhe anbere au§ ©tein errichtete, bem
Sienft ber ©ottheit gemeihte SWäler unb Äürme gehabt, bie ebenfallg berfchlnunben
finb. ?shr ®afein fomohl, al§ amf) ihre böIIige Sernichtung erhellt mit erfchüt«
ternber ©eutlichfeit au§ einem faum befannten Sefchlufe einer ^lirchentierfammlung
Don Stanaig, meldher ba§ JTahituIare J?arl§ beg ©rofeen üom ^ahre 789 au Sladhen
beftätigte unb nodh berfdhärfte. entnehme ben Sefchlufe einer Schrift beg bifd)öf*
lidfett Slonfiftorialratg Jt. Srof. grana SBibIaf»Snaim^ einer gemife unöerfäng»
lidhen Quelle, unb ftelle ihn mörtlid) an bie ©bihe, meil bie Erinnerung baran meine
Stugführungen bom SInfang big aum Enbe begleiten mufe. Eg ift ber 20. ^?anon biefer
offenbar fehr fruchtbaren ^irchenberfammlung, bem bie bereitg bollaogene
Serftörung ber SWäler noch nicht genug mor. Er lautet:
„L a p i d c s quoque, quos in ruinosis locis et silvestribus daemonum ludifica-
tionibus decepti vencrantur, ubi et vota vovent et deferunt, funditus effodian-
t u r atque in tali loco proiciantur, ubi nunquam a cultoribus suis inveniri possint. Omni-
busque interdicatur, ut nullus Votum faciat ant candelem ant aliquit nummus pro salute
sua rogaturus alibi deferat, nisi ad ecclesiam vel Domino Deo suo.“

. S« beutfdh:
SC u b i e © t e i n e, bie bag bur^ ®änioncnBlenbwerI getaufc§te SJoIC an ben S r ü m nt e r =
ftä11enin ben SBolbern berel^rt, wo eS aui^ ®clüBbe oBIegt unb erfüKt, foEen bon ©runb
auSauSgegroBen unb an einen foIcCjen Drt geworfen werben, wo fie bon il^ren SSere^rern
niemals aufgefunben werben Connen. Es foE aEen berBoten werben, bah niemanb in ber ©orge
um fein ©eelenl^eil ein ®elüBbe aBlege ober ein Si^t ober eine DpfergaBe onberSWol^in Bringe,
als äur ttirc^e unb ju feinem §errn unb ®ott.
* SZiffen, bie Orientation ögijptifc^er unb griedjifcher Sauwerte, 3 Sänbe. ® SBiblat, ®eBräu(|e ber
alten ®eutfd^en, Serlag S'’. SenlS, Snaiw. (©perrfa^ bom Serfaffer, wie aud) fonft.)
202 15. ^eilige Stnien
S53er ätoeifelt ongefii^tS ber a?iacf)t 31om§ unb be§ Sanati§nm§ iener Seiten» in ben
ba§ SSoIiE felbft natf) unb natf» bereingegogen tourbe, boran, bafe ber SSefc^Iufe toort*
getreu auSgefül^rt toorben ift?
©ine 2lu§nat)me f(f)eint mit ben @ t e i n t r e u 3 e n (@üt)nefreu3en, Startern,
SIbb. 69) gemacht 3U fein, öon benen fich noch eine grofee Saht auf germanifchem Söpben
finbet. Sie öerbanfen ihre Diettung iebenfons ihrer ^reu3form, bie al§ geeignet an-
gefehen tourbe, bie germanifi^e Sitte in eine chriftliche Sitte um3ubiegen. SDa§ ift
f(f)on burch fPabft Seo III. 779 gefchehen, al§ er bie Stufforberung erliefe, an SBegfreu-
3ungen> too man fii^ 3U begegnen tJflegt, SSegfreu3e 3U errichtend Sa§ tooHte jebodh
toegen ihrer unheimlichen Urbebeutung unb autf) toohl toegen ber nicht gan3 3utref-
fenben gorm nicht gans glücEen. Stuch ber fpötere fßerfu(h, fie 3u Sühnefreu3en 311
machen unb bann entfgredhenb aud) neue Suhnefreu3e 3u errichten, fdilug nidht burch,
fo bafe Dr. ^uhfahl in feiner toertboHen SIrbeit über„Sie alten Steinfreuse in
Sa(hfen" 3u bem (Sefamturteil fommt: „SIngefichtS ber h)eit3erftreuten Steintreus-
funbe, bie i(h auf mitteleurobäifd^em S3oben 3tbifchen ben SSogefen unb bem meftlidhen
Slaufafu§, 3toifchen ber oberitalienifchen ©bene unb ben norbifchen ©eftaben nod)
Saufenben ber3eichnen fonnte, ftefet man aifo noch heute bor einem fftätfel", SSir loerben
e§ al§ eine un3tneifelhafte Satfache ansufehen haben, bafe bie SPiehr3ahl ber alten
Steinlreu3e germanifchen HrfbrungS finb unb mit bem alten ©lauben 3ufammen-
hSngen. Sie fi(hauf ihnen bielfatf) finbenben Seichen bürften nodh maudhe Slufflärung
bringen fönnen. ,^n unferem lehteu DrtungSbeifgiel merben mir einem Steinfreuse
begegnen, melcheS bie Sßermutung berftärlt, bafe bie Shingftötten foldhe ßreuse al§
„aWalseichen" hatten.
SBen'n matt'e§ in 37an3ig für nötig hielt obigen fSefdhIufe hinfichtlicf) ber in ben
SBöIbern errichteten heiligen Steinbauten 3U faffen, um miebiel mehr finb mir ge-
3mungen ansunehmen, bafe in ben O r t f d) a f t e n etmaige Sempel unb fonftige heilige
Sauten, fei e§ au§ Stein ober -Sols, ou§nahm§Io§ mit einer nid)t mehr überbietbaren
®rünblid)feit serftört morben finb. ©ine ähnliche, bie 2)^itteImeerIänber betreffenbe
firchliche Slnorbnung ift nicht befannt, unb menn fie erlaffen mürbe, ift fie iebenfalls
nidit burdjgeführt, mie bie tatfächlich noch borhanbenen Sempelruinen 3eigen; mohl
besmegen nicht, meil bie geringere religiöfe Seharrlichfeit ber SWittelmeerböIfer eine
folche SKaferegel al§ unnötig erfdjeinen liefe, ^n ©ermanien aber blieb’S nicht nur bei
ber äufeerlichen SSernichtung ber Sempel, fonbern e§ fam noch hinsu, bafe über folche
unb ähnliche ©efchehniffe nach aller SO^öglidlfeit — unb auch mit gutem ©rfolge — ber
Schleier ber Sergeffenheit gebreitet mürbe. So mufe man fich 3. S. au§ ben ßeben§be-
fchretbungen ^arl§ be§ ©rofeen mit einiger SKühe bie fursen ©rmähnungen ber Ser-
ftörungStaten herauSfuchen, mie ja auch ba§ Slutbab bon Serben mit menigen Seilen
abgetan mirb.
2Iu§ ber UnfenntniS ober Nichtbeachtung be§ tiefgreifenben Sorgang§ ber Sauten»
Serftörung in ber SefehrungSseit fonnte im beutfchen Solle ber berhängniSboHe Irr¬
tum entftehen, bafe au§ einem böHigen gehlen bon Saubenfmälern ober ihren Neften
ein Schlufe auf bie Siefe ber germanifchen Saufunft unb bamit auch ber gonsen
Kultur jener Seit gesogen merben bürfe unb müffe.
‘ StaEiefe, im tiorrefponbcnäBIatt be§ ©efamtbercinS ®eutfc5^er ©cfc^ichtS- unb SlltertumStiereine
1918, Sr. 7/8 ©p. 7. ©äc^ftfd^cr §eimQtfc§uJ äu ®reäben 1928.
Slnaeid^ert 203

Über ba§ aSorbaiibeuteiu einer aftrouomiid)en Ortung im i:)ord)rift(id)en ©ermanien


habe id) irgenbn)eld)e Erörterungen in unferer Siteratur nid)t au^finbig mailen fön=
neu, aufeer bafe Ingenieur (3 an §alle a, bie geftlegung be^ ©onnenorte^
3ur ©ornmermenbe in ©tonebenge nnb bie geftlegung Uon ©ternörtern in ber ©tein»
febung ber 5£nd)eler ®eibe bebanbelt. Stuf ©tet)ban§ Strbeit in ben SKannn^beften
mad)e i(^ l)kv be]onber^ aufmerfjanu 92enerbing§ finb bie Erörterungen über „SDJed-
lenburgg ,©teintan3‘" t)on SBerner 3:imm in a, binsugefommen. ©eneral ©djrabin-
Ulm macht in einer $anb)d}rift auf eine bon ibm beobaihtete Orientierung in Sotbrin-
gen unb ©übbeutfcblanb aufmerffam. ^n ber 3eitfdbrift „®a§ SSeltaü''^ bringt ^rof.
®ittricb eine inbalt-
reiche S^fammenftel«
lung t)on ?cachrid)ten
unb ©ebanfen über
aftronomifdbe 9?ei*
gungen im allgemei¬
nen unb über bie
Ortung unb ibve
2BabrfcheinIid)feit im
befonberen.
gerner hotte bie
bon altert Ijet geübte
Ortung ber 2äng§-
ad)fe ber d)riftlid)en
^ird}enbauten auf
ber SBeftoftlinie hier
unb ba 3U ber bered)-
tigten grage geführt,
ob fie nid)t toie unge-
3äblte anbere d)rift-
Iid)e ©itten auf einen
3tbb. 69. 3Rorbfreu3 bet ^robftbagen
in ©ermanien üb¬
lichen brauch surüdaufübren fei, ba ja bie .ginmenbung nach ben heiligen ©tätten
in ^aläftina in ben germanifdien Säubern eine f ü b ö ft I i db e unb nid)t eine öftliche
Züchtung erforbert hoben mürbe. ®ie Oftftellung aB folche bot mobl im germanifchen
©eftirnbienft, nid)t aber in ber chriftlid)en ^Religion eine 33egrünbung.
SRein burdb bie S3eobad)tungen an ben Ejternfteinen unb an Oefterbols angeregte^
©liehen nad) etma noch üorbanbenen ©puren unb Stnseichen einer Ortung in ©er¬
manien ift üon pofitinem Erfolge begleitet getoefen. ©ie führten 311 bem ©ape:
E § t ft i n m e i t e n teilen © e r m a n i e n § herauf a ft r 0 u 0 m i f ch e r
S3 e 0 b a d) t u n g b e r u b e n b e S3 r a u d) einer $R 0 r b - unb O ft e i n ft e I -
lung heiliger Sauten unb anberer öffentlid)er Stätten in
ihrem SS e r b ä 11 n i § 3 u e t n a n b e r geübt m 0 r b e n. 3t u ch E i n ft e I -
lungen auf bie Örter ber ©onuentoenbe uub anbere Ortun¬
gen finb nachmeisbar.
^ SBeltaÖ", 3^iÜ^rift für Stftronomie ufm., Xreptotü-Sternnjarte, 9Rat 1930.
204 15. ^eilige Sinien
®ie rtoc^ borlianbene lefete @l)ur be§ SraucfiS toirb un§ 6efäl)igen, 5ßläfee einftiger
Heiligtümer I)erQu§äufinben, fo bofe bann mit ben ber Strtfiäologie sur SSerfügung
ftefjenben SiZitteln meitere 5orf(f)ungen angefteHt merben lönnen.

®ie ejternfteine unb Oeftert)ol5 lenften Bereits bie Stufmertfamfeit barauf, bafe
bie Sitten fidB in ber umgeBenben Statur Stitf)tt)unfte für ifire aftronomifcBen Sinien
nerfcBafft Batten. SIBer meine toeiteren SiacBforfcBungen ftiefeen sunötfift nur auf ber»
einselte unb bgrum unficBer BleiBenbe Ortungen auf bie Sonnen« unb SDtonbmenben.
2Iu(5 bie auffällige SatfaiBe, bafe (1) bie ben SKeribian anjeigenbe UmgrensungS«
linie beS O e ft e r B b I ä e r @ u t § B o f § über einen aSergrücEen Bintoeg bie Sirümmer
ber 5£eutoBurg neben bem He^mannSbenlmal burcBfcBnitt unb ineiter nörblidB erft
einen rätfelBaften St u r m ft u mb f auf bem Hibbefer Serge unb bann ben A^BeHen«
t>IaB in Heibenolbenborf traf, lonnte nii)t genügen, Bielt aber bie Slufmerlfamfeit
ma(B.
2)en SInlafe gu ben müBfamen unb bann mit üBerrafcBenbem ©rgebniS Belohnten
Sta(BforfcBungen gab ein SefucB beS auf unferen harten noch nidf)t bergeitfineten alten
©ermanenlagerS „OeBmerburg" am SübBange beS SBittefinbbergeS in ber StäBe ber
Sorta SSeftfalica. ^cB bemerfte, bafe ber ba§ Säger überragenbe StuSfidBtSturm am
„SBilben ScBmieb", an beffen Stelle ber SuginSlanb beS Sägers getoefen fein
mirb, nörblicB beS HefntannSbenfmalS fteBt mit einer SlbtoeidBung bon ber aftrono-
mifcBen Storblinie bon ettoa 0,8 Bis 1,0 ©rab, je nacBbem man ben fßublt auf ber
©rotenburg nimmt. Oie Entfernung gmifdjen Oeutoburger SBalb unb ben SBefer«
bergen beträgt Bier 37 km.
OanacB geigte ficB mir (2) aucB bie bur(B bie Steuto bur g geBenbe SBeftoftlinie
(Stag« unb StadBtgleidBe), im^ Often fcBarf beftimmt mieberum burd) einen SIuS«
f t d) t S t u r m, Ä a I e n b e r g, ber fid^ über ber anerlannt alten Sd)ieberBurg (2111'-
fdBieber) erbebt. OiefeS SOtal mar bie 2Ibmeid)ung bon ber aftronomifiBen Sreite fo
flein, bafe fie audB mit einem grofeen ÖranSborteur bon 30 cm Ourdmeffer laum nodB
mefebor ift. Sluf ber 3Witte ber 23 km longen Strede, mo ber gegebene ißlbB fni^ eine
Smifdenftation ift. Begegnete icB äu meiner Überrafdung nod einmal bem 3Wein«
berger2[nSfidt§turm,ber fdon als SRidtfinnlt ber Ejternfteiner SWonblinie
uns befannt ift. SBeftlid ber OeutoBurg Bebt fid auf biefer Sinie nod bie llirde bon
Stufenbrol Berbor. Sd ftanb aifo bor ber rnerlmürbigen Statfade, bofe fomoBI bie
Storblinie als aud) bie Oftlinie ber Steutoburg, beren Ortung auf OefterBoIg bereits
aufgefaüen mar, auf bem llamm beS ©ebirgeS am Horigont einen burd einen 2luS«
fidtSturm feBr ftarf ausgeprägten Enbpunft Batte, unb bafe fid beibe ÜRale unter bem
SfuSfidtSturm ein altes Säger befanbl
Stun lönnen folde Erfdeinungen, mie biefe beiben Oeutoburglinien, menn fie ber-
eingelt auftreten, gemife and einem rnerfmürbigen Sufad gugefdrieben merben. ®enn
febe burd eine ^arte gegogene längere Sinie trifft ja allerlei fßublte, barunter aud
moBI einen ober gar mehrere ißnnfte, benen eine ardäologifde Sebeutung gugefpro«
den merben fann. SIber, fdliefelid hört einmal ber ©laube an einen SnfaH ober bie
SWöglidfeit eines‘SufoIlS auf, menn bie gleiden Erfdeinungen bei unferem Spftem
ber Storb« unb Oftlinie fid häufen, bei einem anbern beliebig gemählten, in gleider
SBeife angemenbeten Spftem aber feltener auftreten.
3Jorben 205
31I§ bte Unterfucfiung nun and) 6ei einer größeren Sot)! i^er ü6rigen alten ßager unb
Söurgen 9Heberfocöfen§ ein met)r ober »eniger einbrüd£Iitf)e§ ©rgeBnig fjotte, ba ent-
ftanb aCmöBIitf) bor meinem unb meiner SJtitarBeiter Stuge ba§ SSilb einer Orien¬
tierung ber alten (Stätten, ineltfieS gtoar natürlich burtf)au§ lüdfenBaft unb in ant)I-
retdöen ©inselbeiten bertoifcfit ift, aber bocf) notf) immer üBeraeugenb genug toirlt,
oBgleicB nun feit 1150 ^aBren nur aerftörenbe JJröfte an it)m gearbeitet BaBen.
ifteBen bie onfeBnlicBe Bon Sinien, bie ben Beiben oBen ertoöBnten öBnlii^
finb, trat bann eine feBr grofec S^BI turaer, leicBt üBerBIicfBarer, unb barum für biele
nocB einbrüdlicBerer,Ortungen mit iBrer örtliiBen S3ebeutung für ba§ ©läuBenSleBen
unb für ben Salenber ber tßötBftlnoBnenben. ,

9?a(B allem, h)a§ mir bon bem (SlauBenSleBen unb ben Sitten ber alten S?uIturböIEer
miffen, BflBen in iBm bie ^ i m m e I § r i d) t u n g e n eine Bebeutfame DtoHe gefBielt.
Sm OeutfcBen SKufeum in SDlüncBen Befinbet ficB ba§ SSilb: ®er ögBbtifdi'e Sfönig unb
bie 3Bei§Beit§göttin errieten im S^Bee 1475 bor EBe. ®eB. bie gludtftöBe für bie
3b 0 r b f ü b a d f e Bei ber Sempelgrünbung bon SImaba.
SurdB ba§ SßorBanbenfein ber 9b o r b Orientierung, bie im alten germanifden ©lau-
Ben eine tiefe Sßurael Bbt, möBrenb fie für ben diriftlicBen ©ebanfen- unb ©mfifin-
bung§frei§ üBerBaubt nid)t in 93etrad)t fommen fann, ift febem ©ebanfen, bafe bie
Ortung§erfdeinungen nod) in diriftlicBer Seit entftanben fein fönnten, ber Söoben ent-
aogen. „9bacB bem 9borben mürbe ber SBoBnfiB be§ Äeufelg berlegt, unb bie 9beuBe-
feBrten mußten mit gerunaelter Stirn unb aorniger ©eBärbe norbmärtS ge-
ricBtet bem alten ©lauBen entfagenV' Oamit bürfte bag SJerBältnig ber cBriftlicBen
Äir^e einerfeitg unb beg germanifcBen ©lauBeng anbererfeitg aur 9borbricBtung aug-
reicBenb gefennaeicBnet fein. Oaau fommt, bafe unfere SeoBaditungen oft gerabe bie
Stätten alg ^aubtbunfte ber Orientierung aufmeifetr, bie mit Äirde unb ©Briftentum
nicBtg au tun BaBen. ■
®ie 3iorbricBtung Bat aucB meiterBin in ber SSöIfermelt eine in bie SeBenggemoBm
Beiten beg SSoIfeg eingreifenbe SSebeutung geBaBt. 93ig Beute Bat ficB Bei ben ^nbiern
bie ©emoBnBeit erBalten, aum ScBIafen ben ß'örBer in bie 3torbriiBtung au Bringen;
menn im SBuBBertale femanb nicBt fdilafen fann, mirb iBm moBI ber gute iftat gegeben,
fi(B na(B 9Jorben au menben.
®ie 97eigung aur Ortung bürfte Big in bie Itraeit ber ermadienben Steligioit unb
Kultur aurüdäufüBren fein. ifJraftifcB mirb man bamit Begonnen BaBen, bon gemiffen
33IöBen aug burcB 99terfaeid|en ber umgeBenben 9iatur am ^oriaont bie Örter fid)
einauprögen unb immer forgfältiger feftaulegen, mo bie Sonne au Beftimmten midi-
tigen Seiten auf- ober unterging. Oaburd gemann man einen SInBalt für bie
SaBregeinteiIung,bie mit bem beginn beg SfderBeBaueng oud) au einer ber
midBtigften BraftifcBen SeBengfragen gemorben mar. ^n ben ^üftenlänbern fam baau
bag bringenbe 93ebürfnig ber SdiiffaBrt. Slud 2SieBaud)t, ^agb, gifd^erei Beburften
ber S3ead)tung beg Calenberg.
9Son bornBerein oufg engfte mit ber Ortung berBunben, fa alg Urgrunb ber ganaen
9Jeigung onaufeBen, mar bag Sebürfnig beg religiöfen ©müfinbeng, ficB nocB ber 9iicB=
tung Binaumenben, mo man bie au bereBrenbe ©ottBeit ficB borfteltte. ^e meBr ficB ein
*• Siebenlabp, ®er SHorbpol alg SölIerBeintot. SSerlag (Softenoble, Scna 1906, ©. 153.
206 15. ^eilige Sinteit
SSrouc^tum auSßilbete für £)t)fer unb ©ebet, für ©elübbe, @ib uub aubere feierliche
^anblungeii, um fo mehr mufete bie Sebeutung ber §immel§ri(f)tungen fteigen. Unb
fe gotte§für(f)tiger man toar, um fo genauer mufete e§ mit ber 3tichtung genommen
merben; ^ ,
Sn biefer religiöfen Sorgfalt, öerbunben mit ber Sorge für ben Salenber; ift ber
Urfbrung ber „tniffenfifioftlidjen" SIftronomie au erblidfen. SCIS tniffenfchaftlidh mufe
fie be§inegen beaeichnet toerben, meil fie unter , geringftem ffiettbetnerb be§ ©mpfin-
bungSmöfeigen unb be§ SBunfdhmäfeigen auf bie (Srfaffung ber in i r H i tf) e n SJerhält-
niffe ber ^immelSförber ernftlich bebacht inar unb (Erreichung be§ 3iel§ bie ge»
eigneten Sßege fich erbenfen mufete.
®a§ Ergebnis toar benn auch burtfiauS anertennenStoerteS. ®ie ifjollinte
ift mit einer [ftichtigfeit erfannt toorben, bie einen Unterfchieb Don ber Ißollinie ber.
neueren SIftronomie nicht erfennen löfet. 92ach aftronomifchem Urteil bürfte eS einem
Saien unferer Seit troh SluSrüftung mit Uhr unb ^ombafe fdhtoer halten, bie nidht
leichte Slufgobe fo richtig au lofen, toie e§ bie Sllten au unferer iSetounberung getan
haben.' Sludh bie iBeobachtungSfehler, mit benen natürlidh in allen praftifchen Einael*
fällen gerethnet toerben mufe, unb um berentoiüen na^ fadhberftänbiger SJteinung
eine,.@enauigfeit§grenae bon einem ®rab ober mehr auaulaffen ift, finb, toie eS fdheint,
bei ben Sitten fehr gering getaefen. Ein Sbielroum bon einem (Srab foü baher nur in
ben feltenften gällen, menn anbere ©rünbe mitfbrei^en, in SSetratht geaogen taer»
ben —immer bei Sugrunbelegung ber ie|t geltenben ißollinie. Sobei bleibt natürlidh
bie SP'töglichleit, ia bie SBahrfdheinlidhIeit, baB bie Stiten fehr oft nodh ungenauer ge«
meffen haben. Su ber älteften ^riftlichen Seit, als bie germanifdie SIftronomie unter«
brücEt unb bergeffen toar, hat man fich bei ber Ortung ber ^irdhen bis au 14 ©rab ber-
meffen.
Sur Sdhtoierigfeit ber Seftimmung ber ipollinie fei noch bemerft, bofe fdhon bor
toenigen taufenb Sahren ber fehige iJ5oIarftern toeit abfeitS ftanb unb ein onberer
brauchbarer iPoIarftern nicht borhanben toar.
®er nätfifte einleudhtenbe, bfhdhologifdh unausbleibliche Schritt ber EnttoicEIung toar
bie Erhebung ber in ber_Statur bermerften OrientierungSfteüen au heilig«
tümer n , ba fie ja hoch bon bem ©eift ber ©ottheit umfchtoebt tooren. ®amit toor
bonn ihre StuSftattung mit bem berbunben, tooS man gebrauchte, toenn man an ben
feftlidhen ®agen ber betreffenben ©ottheit an biefen geheiligten Stötten aufammen«
fam. SSorin bie StuSftattung beftanb, fönnen toir nur bermuten; bielleicht in einem
SWal aus .gola ober Stein (SJJenhir), in einer erhöhten Unterlage, einem Steinhügel
ober einem ®urmfocfeI für ben S3ranbftabel, bamit baS S e u e r recht hoch emborlobere..
Sa, baS 5euer, biefeS eigentlich oberfte, heboraugte SWittel ber ©otteSberehrung!
ES gab eine feierliche SBecfung ber Stamme auS ®oIareibung, toofür bon olterS her ber.
Stame Stotfeuer (Stobfhr) befonnt ift. ®er SubifuIuS berbietet „illos sacrileges ignea
quos niedfyr vocant“ — jene freblerifchen geuer, bie fie Stiebfhr nennen. Steichliche
ilenntniS haben toir über bie Öfter» unb SohanniSfeuer.
®ah es fich bei ben OrtungSbunften in ber Xat um bie ißlähe ber 93erg« unb
9B a I b h e i I i g t ü m e r hanbelt, bon beren Oafein toir bereits toufeten, bereu Orte
toir ober nicht fannten, um il?lähe, an benen inan aufammenfam, erhellt auch aus einer
bielfadh bis in unfere Seit erhaltenen lebhaften Sutoegung; benn bie 93efchoffen«
" ßirtfien 207
l^eit unb SSenu^ung ber ©teilen in ber fpäteren Seit läfet oft feinen äiireic^enben (Srunb
für bie gerobe ba entftanbenen 2Begeft)innen erfennen. ^
SWand^mal, itnb stoar in ben Sogen, too fidö bie OrtSBefcöoffenfieit 3ur SIcferbeBouung
unb Sfnfieblung eignete, finb biefe eingefiegteri i^eiligtütner unb bie SBofinftötten ifirer
erften SIntoofiner — Ofeuertoörter unb bon ber SJZetoEaeit an augleicf) outf) ©c^miebe —
3u SSerbicf)tun g§t3unften für ft)ätere Ortfc^often getoorben. ®a tourbe bann
ba§ Ortung§fieiIigtum 3um Sorftfiingpla^. ^e tiefer loir mit unferer 3Innafime be§
2Iuffommen§ ber Ortung in bie e r ft e n S e f i e b I u n g § 3 e i t e n 3urücEgef)en, um
fo erflörliäier mirb bie ganse ©rfcöeinung.
fliid^t toenige ber fö entftanbenen Sörfer seigen notf) heutigen Äage§ — mie aucf)
notürlic^ bie übrigen 5£bingt>Iafe«5?irc£)börfer — burd) bie ©trafeenanlage, bafe bie 3U*
fammenlaufenben SSege an biefer ©teile ein ©efiege 3U umgeben batten. Sei fcbnellem
©urcbfabren foleber ©örfer erfd)einen bie ^ir(bt)Iäbe bem ütutofabrer unferer Seit
toie in ben SBeg geftellte SerfebrSbinberniffe.
SBa§ biefe ölteften ßircbbprfer anbelangt, fo gehört e0 3U bem gefidiertften SBiffen
bon unferer germonifcben Sergangenbeit, bafe bie Birdien in ber Sefebrung§3eit
gemöfe SCnorbnung ber fömtlicben bamaligen Söbfte, too eS anging, auf bie S;bitig'
blöfec gefebt morben finb, „too ba§ Solf gemobnt fei, 3ufammen3u*
fommen". ®a§ mar eine ebenfo graufame olS mirffame SInbrbnung 3ur Sefei-
tigung be§ alten @Iauben§, sumal bie Sefdböbigung ber ßird)en unter SobeSftrofe
gefteEt mürbe.
Smmerbin merben mir megen ihrer ^äufigfeit in firdbenreidben ©egeriben bie
Kirchen nur bann 3U ben Semeifen mit beran3ieben bürfen, menn eine Sinie bereite
onbermeitig al§ gefidbert erfcbeint, ober menn ihre Orientierung auf fur3e Entfernung
eine febr einbrüdlicbe ift.
©obolb bie OrtungSfteEen alB feftlidbe SerfammlungSblöbe benubt mürben, lag
f ü r f i e f e I b ft mieberum bo§ SebürfniS einer Ortung bor, unb 3mar in ber gleichen
SRidbtung, in ber fie felbft 3ur Ortung beftimmt mgren. Sluf biefe einfocbe SBeife er-
flärt ficb bie Entftebung ber längeren, manchmal in erhebliche Entfernung über Serg
unb S^al gebenben Sinien, auf benen — notürlidb für un§ nur lüdenboft — bie ©ta»
tionen mie Serien an ber ©chnur erfcheinen (f. Seifhiel 31). SeachtenSmert unb er»
flärlicb ift‘e§, bah bie SeobadbtungSfebler bon SKehfteHe 3U SWefeftelle ficb bei ben
meiften folcher löngeren Sinien nabe3u au§geglid)en haben, fo bafe SInfangS» unb Enb»
hunft in ihrer Entfernung bom aftronomifd]en Sreitengrab ober Söngengrab meift
nur einen geringen Unterfchieb 3eigen. ®enn bie gebier ereigneten fid) fa nidbt nach
ein unb berfelben ©eite. ■
Sie meitbin leuchtenben geuer boten fidb nun ben gübrern be§ 3SoIfe§ bon felbft
an al§ SWittel 3ur Senachrichtigung ber gernmobnenben. SWit ben fortfcbreitenben
Sebürfniffen ber ©erneinfchaft mirb ficb ein ©ignalmef en für frieblicbe unb
triegerifcbe Stoede berauSgebilbet haben, melcheS ba§ oudb bei ben Sßilben in SIfrifo 3U,
finbenbe ©ignalmefen in bem gleidjen SUahean S)urcbbilbung unb fulturlicber Srouch*
barfeit übertroffen haben bürfte, al§ bie ölten norbifchen SSöIfer an ©eift unb fon«
ftiger Segabung über bie farbigen Dlaffen unferer Seit binau§ragen.
2)ie ©ermonen mürben.sur Sömerseit au§ einem Seben aufgefdiredt, melche§ mobl
208 15. ^eilige Simen
bie atnifcöen ben ©rofeen mit il^ren ©efolgfc^afteni atoettamtifartig au§gefotf)tenen
©treitigfeiten unb oucf) blutige ©tammeSliänbei, an ben ©renjen audj bie Slbtnebt
anbröngenber frember SSöIferfcbaften mit SEßeib unb ßinb tannte. Stber man tannte
feinen 5?ambf mit mobigefcbulter, frember, feinblicber §eere§mad)t. 2II§ biefer nun
um bie Sßenbe unferer Seitred^nung nottoenbig mürbe, ba buben ficC) bie ©ermanen
mebrfacb — im Sabre 15 unb 16 n. ©br* ©eburt noch mehr al§ im S<ibre 9 — äu mili-
tärif(ben S;aten aufgerafft bon foicbem Umfange unb mit fo gefcbidter gübrung gro*
feer SFJaffen, bafe biefe SEaten bor einem militörifcb faibberftönbigen Urteil unbebingt
äugleicb ou^ al§ S^ugniffe für ein berborragenb broucbbareS Stacbricbtenmefen
erftbeinen müffen. Sbniicb mar e§ fböter in ben 32iöbrigen Kämpfen beS ©acbfen»
bunbeg gegen iiüarl, ber al§ frember Eroberer unb SSebrüder mit feinen mobIöefcbuI=
ten, bereits böHig romanifierten SSeftfranfen anrücfte.
Sn foI(ben friegerifcben Seiftungen liegt eine ftarfe 23egrünbung für bie Slnnabme,
bafe bie borbanbenen fultifd)*falenbrif(ben S’eucbtmarten auch für baS öffentliche Stad)*
ricbtenmefen bermertet morben finb. Sabei ift ber ©ebanfe nicht bon ber $anb 3U
meifen, bafe e§ inmitten eines ©emirrS bon ungeaäblten, bei oßen möglidhen ©elegen*
beiten im Sanbe aufleu^tenben geuern gerabe bie g er oben aftrönomifch
beftimmten Stnien, mie fie burd) bie Ortung entftanben maren, gemefen finb,
bie bie 20tögli(bfeit einer f i d) e r e n 93eförberung bon Stachrichten bis on bie ©renae
beS SanbeS geboten haben. 2Son ber Stidhtigfeit biefeS ©ebanfenS fann man fid) burch
einen Slunbblid auf bie Ofterfeuer, ä. 93. in ber biefiaen ©egenb bom SOteinberger SluS*
fichtSturm auS, überaeugen. Stur burd) aftronomifch beftimmte gerabe Sinien fonnten
Störungen unbSPtifeberftönbnifje in berStachriibtenübermittlung auSgefchloffen merben.

2tn ben Steden auf 93ergeSböbe, mo bie geuer ber Sllten meitbin leuchteten, finben
mir jefet in aufföHiger Slnaabl unfere SluSfichtStürme, unb amar biefenigen,
beren ißlöfee nid)t erft aur Sefriebigung beS neuerlichen 93ebürfniffeS nach Staturfreube
auSgefudht, gerobet unb bergerid)tet finb, fonbern fd)on bon alterS ber eine bur(b SOten*
fdjenbanb gef^affene, ober bodh bemobrte Sonberftellung als meitbin fi(btbare freie
Steden gehabt haben. ®ie ißlafee finb im SOtittelalter bann oft für bie Sbäbtürme
benufet, ehe fie neuerbingS für bie SluSfichtStürme ober S;embeld)en auSerfeben mür*
ben. ®er ©runb für biefe unS jefet fo günftige EDauerbaftigfeit ihrer Sonberftedung
in ben SBölbern bürfte au^ mit barin au erbliden fein, bafe bie Sobenbefchaffenbeit
ber burib S^hrtaufenbe öom 9BaIbmud)S freigebaltenen, an ber ^umuSbilbung bebin*
berten Steden fomobl bem freien SBochStum als auch ber Slufforftüng miberftrebt
haben. 9!Benn fie augleich ihre 3umegung behalten batten, boten fie fomit ade SSorteile
aur Erridhtung ber 9luSfid)tStürme.
SluS ähnlichen ©rünben mirb auch manche mittelalterliche SBarte im Sanbe unb
bei ben Stabten auf ber gleichen Stede erbaut fein, mo einft baS germaniftbe heilig*
tum ftanb. Ehe man einen neuen ißlafe berrid)tete ober gar auS bem EPribatbefife’
^ ®e§ S:ocitu§ ©^ilbetung be§ foulen SebenS ber gerntantf(^en StUänner lomt fic§, foweit SBol^rcä
boron ift, nur ouf biefe ©efolgfcboften Beäieben, bie bie heimatlichen §6fe berloffen hatten unb nun
im ®ienft unb in ber Umgebung ihres tfürften ein SHtterleben führten, welches fich bon bem bem
SocituS belonuten Seben ber rßmifchen ©ölbner otterbingS ftorl uuterfchiebeu haben wirb. •
2)te alten 5ßlä^e 209
tierouS emarb, na?)m man natürlicE) einen Bereits BorBanbenen, Ber ficB in öffent-
HdBem iSefiB Befanb unb ficB 0ut eignete.
STufeer ben ermölmten Zbingpla^üväjen, bk in Bielen gälTen aus ber grofeen ^aBf
ber üBrigen^ffirdBorte fdBon fartenmöfeig BerauSerfannt Jrerben fönnen, fotoie ben StuS*
fidBtStürmen unb .SBarten fommen für'unS ferner als STnaeicBen einftiger örientie-
rungSBunfte biee infamen SB alb faf) eil en> kaufen unb f leinen möfter in
SetracBt. ^Bre SSorgänger bürfen mir naBeau auSnaB mSloS alS’fdBon in ber
iBefeBrungSaeit äur ©üBne unb ©ntgreuelung an ben Orten beS germanifcBen ßul«
tuS erricBtet anfeBen.
Sn eBangelifcBen ©egenben unb in foIdBen latBoIifcBen ©egenben, too Söilbftöde unb
5?reuäe feltener Borfommen, finb aud) biefe BierBin au redBnen, BefonberS tcenn fie fidi
an abgelegenen, (Steifen finben. Sie älteften ßalBarienberge ertoecfen ben gröfeten
SSerbadBt, bafe fie an ben Stellen B e b e u t f a m e r germanifdBer Heiligtümer ent-
ftanben finb.^ Hierbei fBielte berfelBe ©eficBtSBunft eine grofee Stolle, bafe Bon foIdBen
Stellen bie Böfen ©eifter ber alten ©ötter Bertrieben toerben foHten, ber ©ötter, bie fa
•nadB bem ©lauBen ber erften ©BnftenBeit lebten unb an ben getooBnten Stätten iBrer
SereBrung toeiter iBr SBefen trieben., Ser aum ^alBarienberge nörblidB Srafel füB-
renbe ^reuatoeg ift mit 130® auf ben Sommerfonnenort eingefteüt.
SBenn bie Stellen auf biefe SBeife nid)t entfüBnt toerben fonnten, fo BefdBritt man ben
Sßeg ber Sotanif ier ung. SKan BeaeidBnete fie als SeufelS- unb Heienorte ober
Belegte fie mit BeräcBtlidBen Stamen unb Brad)te fie in einen SJerruf, ber BielfadB Bis
aum heutigen Soge angeBoIten Bat.
SBeiter Baben toir bie meift Beroorragenb günftig gelegenen $IäBe ber als mittel-
alterlicB angefeBenen aSur gruin en unb SBoBnburgen au Beaditen. (£S liegen ftorfe
©rünbe Bor, bofe toir Biele Surgen Bis au bem fcBtoer erbringli^en ©egenbetoeis als
bie StadBfoIger unb StuBniefeer beffen anfeBen bürfen, toaS Bereits bie SSorfaBren in
germanifcBer Beit aus ben ißlöBen gemacht Batten. tBnlidB liegen auch unfere ölteften
aSauernBöfe natürlich nodh genau auf ben ipiöBen, too bie germonifcBen aSor-
faBren ~ aurüd Bis in bie Uraeit ber aicEerbebauung — im Schtoeifee iBreS SlngefidhtS
ben aüßoBnBloB unb baS StuBIonb auS bem toüften ©iSaeitauftanbe BerauSgearbeitet
unb too fie fidh ihre SBoBnungen Breit unb BeBöBig, entfBrechenb ber fortfchreitenben
itultur, errichtet Batten^ Sie toenigen n i d) t in fBöterer Beit überbauten a3urgen unb
SlingtoäHe, bie toir nodh Unterfuchung Baben, geben unS immerhin auSreidhenbe
Sehren borüBer, toeldhe ißlöBe fid) bie Sllten au ihren BtoecEen auSgefucht Baben. Unb
unter biefen Beeden ftanben bie religiöfen Heiligtümer in Borberfter SteiBe.
Sdhliefelidh müffen toir ouch mit ber gebotenen aSorficht auf allerlei fonftige ouf
altöffentlidhen ©runb unb aSoben gefeBte, oft on SB egef r euaun gen liegenbe
©ebäube ober Einrichtungen, toie Sdhulen, griebhöfe, felBft Slbbedfereien, SWüBIen
u. 0. m. achten, toenn fie fich on ben Stellen aeigen, an benen toir auS anberen
,@ r ü n b e n Orientierungsmale au fuchen BeranlaBt finb.
Sie OrientierungSbeifBiele lonn id) im gegentoärtigen Stanbe ber gorfchungen
nur mit bem aSorbehalt ber in Bielen iPunften iebenfoIIS nottoenbig toerbenben aSer-
Befferung geben. SIBer nochbem bie Ortung in ©ermonien für mich unb meine SWit-
arbeiter au einer atoeifellofen Satfadhe getoorben ift, bie fort unb fort ihre aSeftöti-
^ ©eite 106. ~
14 Scttbt, ®ermanifc^€ ^citigtümcr
210 15. ^eilige Stnten .
gung firtbet unb bie fitf) bereits olS beuriftifcEieS ilSrinaip (SKittelaur Stuffinbung) be»
toöbrt batS toor bie Darlegung ber ©ocEie bor b.er Öffentlitf)?eit geboten, ba nur bo*
burcb eine Weitere Klärung, eine SSerwertung unb ein gortfcbritt tnöglicE) ift.
allein SSorbeboIt ift um ber borliegenben ©dbtbierigfeiten miHen nötig. Su über«
toinben ift nicht nur bie unferem fubiettiben Urteil überladene etnicbäbung ber IBe«
obatfitungSfebler ber Sitten in iebem ©inselfalle unb bie toenn autf) noch fo geringe
Ungenauigleit unterer Karten, bie loegen ber ^ugelgeftaltung ber ©rbe unbermeiblidh
ift, fonbern audb ber gang allgemein geltenbe Umftanb, bafe mir ben genauen Sblefe«
ftanbbunft ber Stiten an einem ißlafee ia nidbt Jennen. ©aburcE) fönnen ä- S3. fclion bei
Surgen Unterfcbiebe entfteben, bie bei IDleffungen auf nabe ©ntfernung etmaS auS«
ma(ben. 3lo^ mehr ift bie§ bei geräumigen Sägern ber SqD* SCucb bie 5£bingtiläbe,
auf benen febt bie ßircbturmfbiben ben ©eometern munberboHe StidbtbunEte bar«
bieten, maren immerbin größer, als e§ für unfere aHeffungen ermünfcbt ift. Stm fi^er«
ften finb mir notf) bei SCuSfi(btStürmen, SBarten, einfamen SBalbfabeHen ufm., bad mir
bie rechte ©teüe toor unS haben. Slur foftfbielige StuSgrabungSarbeiten, menn fie bon
©lüd begleitet finb, mürben unS sur gröfeten ®emifebeit berhelfen fönnen. ^sebenfaHS
finb mir innerhalb Heiner ©rensen barauf angemiefen, bon unS aüs nad) beftem
SBiffen SSorauSfebungen SU machen unb bon einer SInnabme auSäugeben.
©asu fommt notfi eins. SBenh bei ber Eigenart ber borliegenben Unterfuchungen
ein SSormärtSfornmen möglich merben foKte, bann erftfiien eS auSgefchloffen, ben
©baralter iebeS einjelnenber bielen borfommenben ^Punfte bor feiner Beachtung au
erfunben, ober auch — fofern bieS bo(b gefcheben fonnte — ficb bem bisherigen Urteil
einfach au untermeiden, ©in Sanbmirt, ben idh befragte, ob fi(b bielleicht an einen bon
mir befi(f)tigten nodh 10 (I) m hoben fünftlich aufgefchütteten $ügel auf feiner gelb*
grena'e eine ©bufgefditdhte ober fonft eine Überlieferung fnübfe, mar offenbar über bie
feinem ®of brobenbe Schmach unangenehm berührt unb behaubtete, bafe fein ©rofe*
bater ben ®ügel aue S3efchäftigung SCrbeitSIofer habe aufbäufen laffen. SKan mufe
einen meftfölifchen Sanbmirt fennen, uni eine folche SCntmort au mürbigen, menn oudh
etmaS SBabreS barem fein mag. :
©S ift eine befannte Sache, bafe aufeer ben Hünengräbern bie fitf) in unferm Sanbe
nod) finbenben Stefte'menfchlicher aSemübungen'aus alter, nicht mehr überblidborer
3eit, barunter auch ©tragen, mit SSorliebe ben granaofen, Sdimeben, Huffiten, gran=
fen unb Stömern ober gar ben ißoladen augefchoben merben, beileibe aber ni'dht ben S3e«
mobnern, bie in biefem Sanbe Slaufenbe bon fahren gefeffen haben unb in bemfelben
nichtnur geftorben finb, fonbern auch gelebt, gebacht, gefchafft haben. Unb
amar gefchiebt bieS nicht nur mie felbftberftänbilich öom 2SoIf, fonbern audi bon einer
großen gabl ber '®elebrten, bie fid) erft burch banbfefte ©egenbemeife unb bann nodh
mit faurer SKiene au einer anbern SCuffaffung bequemen. ©S märe fad)licher
unb b er nünf tiger, menn’S ümgef ebrt mär e; menn man alfo bei adern,
moS fich an Steften unb Sburen alter SOlenfchenmerfe in unfern Sanben finbet, 3unächft
unb bis aum mirflichen ©egenbemeife an baS 3^un berer bäibte, bie hieb flelebt unb
gefchafft haben unb beren fleißiger SCrbeit mir eS in erfter Sinie berbanfen, baß unS
aus bem unrnirtlichen Sanbe, mie eS urfbrünglich gemefen fein muß, admäblicb boS
mobniiehe Sanb gemorben ift, mie eS baS Sölittelalter übernahm. ®enn biefeS SHittel«
^ ©tel^e §um 9^r. 30.
SSorbeljalte 211
olter mit feinen wnoufpriidöen Ääm^jfen, mit feinen faft immer fcöredlicöen/ unfidöe-
ren nnö fütirerlofen tJoIitifd^en 3uftänben, mit feinem fjauftrec^t, mit feinem toelt-
abgetoanbten Seifte unb feinem im toefentlid^en nur auf ba§ äßofil ber Herren unb
ber ^ircöe beboc&ten Sun — SluSnal^meerfc^einungen, BefonberS im ©täbteleBen,
immer sugegeBen Bot 3u ber eigen11icBen S0nbestultur nur ein Se*
ringet Beitragen tönnen. gür eine Stnerfennung unb SBürbigung ber Kultur ber
Sr 11 e n, mie fie für un§ fefet in fßebe fteBt, unb für eine üßieberBerauSBoIung berfelBen
aus bem S)unfel_ber SSergeffenBeit ift e§ eine unBebingte SJorauSfeBung; baB mir
biefen unb öBnIidBen ©ebanfengöngen Dtaum ^ i n b o r b e r ft e r S i n i e geben.
StnbernfaES merben mir in ben tiefen ^rrtümern fteden Bleiben, bie man feit 1150
SaBren unferm Sßolfe mit gröBtem Erfolge eingeimpft Bat; ' ■
IftatB Sage ber Singe finb ^rrtümer über. ben Urfbrung, bie Seftimmung unb baS
Sriter einseiner swnödBft in SSetradBt gesogener OrtungSbunfte faft unbermeibbar.
Sabon iebodB, bnB burcB biefe fämtlicBen EinfcBränfungen unb SBorbeBalte baS ©anse
ber Bier inJSemeiS gefteEten Ortung Eaum BerüBrt mirb, baB biefelBe bielmeBr mit
ftarfer SSemeiSfraft moBI Begrünbet bor unferen Slugen fteBt, babon bürfte fidB jeber
üBerseugen, ber bie gebotenen a3eifbiei:e mit Ernft unb DtuBe brüft, mbrnöglicB felBft
fiartenmaterial, SirEel, Sineal unb SranSborteur sur §anb nimmt unb — unter 2ln»
menbung aEer SßorficBt — neue finbet. SSorficBt, feBr groBe SorfidBt ift freilicB nötig;
benn eS unterliegt feiner Srage, baB Bier ein gelb ift für übbig toudBernbe SelBft-
töufcBungen. Su miffenfdBaftlidB forgföltigen, unb barum bon mir aufS märrnftc
embfoBIenen SIrBeit über bie OrtungSerfcBeinungen in OftfrieSIonb ift Dr. .g. S^öBrig
burcB unferen OrtungSfaB angeregt morben^ SefonberS leBrreidB ift bie Slrbeit um
beSmiEen, meil eS in OftfrieSIanb feine Serge gibt. SIucB bon §errn griB gricfe^ liegt
eine UnterfucBung meBrerer OrtungserfdBeinungen smifcfien SBüringer 9BaIb unb
.©arser Sanb bor, möBrenb eine groBe gaBI BrieflidB mitgeteilter OrtungSerfcBeinun»
gen aus faft aEen ©egenben beS beutfcBen SaterlanbeS sunäcBft in bem Bereits ftarf
angeftBmoEenen SlrtBib ber „greunbe germanifcBer SorgefcBicBte" in Setmolb ruBt
unb ber Seit iBrer Prüfung unb Sermertung Barrt. ^
S« Bemunbern ift bie ©efiBictlicBfeit, mit ber bie Sllten Bei ber SIuSmaBI ber Orte
gleicBseitig iBren ibealen Stoetfen — ßuItuS, fuItifcBen Orientierungen, öftBetifcBem
Jfaturembfinben — unb sugleicB ben graftifdBen Sebürfniffen BinficBtlicB ber SBoffer-
unb SobenberBöItniffe unb ber militörifcBen ©efidBtSgunfte ißecBnung su tragen ber-
ftanben.
Um ber Orientierung su genügen, fonnten fie feine Serge berfeBen; aber fie fonnten
aus ben ficB iBnen borBietenben SKöglicBfeiten bie günftigfte SIuSmaBI treffen, '©ie
legten iBre Soger ’ ben friegerifdBen Erforberniffen entfbredBenb an, aber innerBalB
beS iBnen gelaffenen ©gielraumS BoBen fie auf bie bon bem funbigen ©oben ge¬
gebene 2Inmeifung_gehört, too ber SlaB für SuginSlanb unb SeucBtfteEe su roben fei.
^ItfdBieber Bütte feinen militörifcBen gmecE oudB on berfdBiebenen onberen ©teEen beS
fidB tierengernben EmmertaleS erfüEen fönnen, aber man Bat bie SIBficBt, ber Oftergott-
^Dr. $. fRoBng, §ctlige Simen but^ Dfifrtcälanb, ^erouggegeBen bont GtaatSarcfiib in SIuricB,
SBerlog gnemann, Sluricfj 1930, 87 ©. Ein. ergänsenber Slnffa^, bei bie Sufaltgfroge auf matBe-
mattfc§er ®iunblage BeBanbelt, tft bont SBetfaffer perfBnIic§ ju' Begieren, §annober, SÖIeteiftr. ‘21.
“ Stn ©elBflberlag gitB grWe, TOüpaufen, Sptingen.
14* ■ • '
212 ■ 15. ^eilige Sinien
l)ett auf ber fietligen 55euto6urgIime au bienen, 'tnitreben laffen unb ben 5|3Ia^ unter
bem Calenberge getoöblt. SBer auSgerüftet mit einem getniffen SKafe religiöfer ißer-
anlagung fiä) mit bem ©tubium ber religiöfen ©mfifinbungStoelt ber alten SSöIfer
eingebenber befaßt bot, ber toirb e§ berlernt haben, foIcbe Sinflüffe ber Dteligiori auf
ba§ t)raftiftf)e Stun unb Saffen ber SWenfcben im Stitertum au beatoeifeln ober au be*
löcbeln. SSa§ bon 2IItf(bieber gejagt ift, gilt aucf) bon ben anberen Orientierungen bon
Sagerburg au Sagerburg. Unb bo(b liegt e§ in ber Statur ber ©acbe, baß ihre Sabt nur
gering fein lann. ^m allgemeinen ift e§ fo, baß bie ©rricbtung eine§ Orientierung^'
mal§ für eine ßagerburg ihrer SCnlage nacbgefolgt fein bürfte.
3u ben felteneren gäEen gehört 3. 33. aud) bie Sinie 3 ^ünenburg, tneftlid) aSielefelb,
— ©barenburg in SSielefelb. J8ei ber ®ünenburg bcmbelt e§ fidb um ein hJiberfhrudbS'
Io§ al§ borgefdiichtlid) 0etnertete§ Säger, bei ber ©fjarenburg lag bisher fein Slnlaß
für bie Sinnahme eines, hohen SllterS bor. ®a nun ber Sergrüden, auf bem bie $ünen»
bürg liegt, ihren Erbauern eine SluStoahl beS fßlaßeS unb ein ^ereinrüden in eine
Ortungslinie geftattete, tböhrenb ber Cegel ber ©iparenburg ben fßlaß feft borfdirieb,
fo muß fid) bie Orientierung ber ^ünenburg nad) ber ©harenburg gerichtet haben,
unb bamit toöre ber borgefdiidhtlidien SCuSnußung beS ©ßarenbergeS baS höhere Sllter
äuauerfennen. ®ie Slbhängigfeit ber Sage biefer beiben fSurgen boneinanber ift burth
bie Oenauigfeit ihrer Ortung auf ber Oftlinie überaus auffällig. Tlan muß fchon eine
iniCfürliche SCuStnahl aus ben ©den beS jeßigen ©harenburggebäubeS treffen, toenn
man eine erfennbare Slbloeichung bon ber aftronomifchen Sinie haben tnill, Sie ©nt«
fernung ift fura — nur 4 km über ein Sal unb einen Slüden hintoeg — unb ihre Be¬
urteilung tbirb burch feinerlei Confurrenaßunfte beirrt, ^dh rechne fie (bis Brafe) au
benen, mit tneldhen man fich aunädift einmgl abfinben foHte, loenn man einen ©tanb-
bunft aur ©ache getoinnen tniH. 3u gleichem 3toede empfehle id) noch bie Beifpiele
Str. 4. 5. 11. 29. 41. 42. 47. •
^d) lege nunmehr ettoa bie Hälfte ber bon mir bisher feftgefteKten Ortungslinien
bor. ®S ift bie gleiche Suhl unb SluSmahl, ibie in ber erften Sluflage; ouch bie SluSfüh-
rungen baau finb naheau unberänbert, meil meine Bitte um SReinungSäußerung unb
Critif tbohl Beftötigungen unb ©rgönaungen, nicht aber einen Slnlaß aum gallenlaffen
einer Sinie ober eines OrtungSpunfteS eingetragen hat. S)a ich leiber nicht in ber
Sage toar, bie 3. S. fehr toertboHen SCnregungen au bearbeiten unb bie ©tätten au be-
fudhen, muß ich ihre Bertoertung fpöterer Seit überlaffen unb mich hier mit freunb-
lidhem Oanf an bie ©infenber begnügen.
®ie an bie Beifpiele gefnüpften SCuSführungen finb größtenteils nicht nur bon ört¬
licher Bebeutung, fonbern haben auch ihren allgemeinen SBert für unfere SCuffaffung
ber germanifchen Oinge, 3. grunbfäßlidier SIrt. ®aS Örtliche fonnte nicht entbehrt
toerben, aber eS ift in Cleinfdhrift gefeßt. :

2B e i t e r e O r t u n g S b e i f p i e I e
Edtörung ber hiw unb fpdtcr gebrau(|ten SlBlüräungett:
Stt» mit folgenber ©robjohl bcbeutet bie SOSinlelaBwetihung ber Oxtcntierung§ltme bon bem aflro-
nomifc^en Sängen- ober Breitengrob, no^ Beftem können gemeffen, ober noc^ ber fformel rang « = p
an§gere(|net.
Bürgen 213

5CIIc Ileinften lartcnmägig mit einem S^tan^porteur bon 30 cm S)urd5meffei: nidjt mel^r meparen
Stbmepunö^Jmnlel finb mit 0,05'* eingefüpt.
SSenn eine SBinlelabmeic^ung m(^t angegeben ift, \o ift entmeber ber ?ßun!t fo nal^e ober fo tief
gelegen, baß eine 9Jteffung bon i^m avL§ unb gu i^m nid^t angune^imen ift, ober e^ ift lein füteg^
bunit borbanben, ber für un0 genau ober beftimmt genug mare.
S)a§ km bebeutet bie, Mometerentfernung; Slugf.S:. = Stu^fic^t^turm;. SS = SSarte; 01 = 0tutne;
214 15, ^eilige Stniett
3. §ünenburg 6. SBielefelb — 4 km — 2tit) 0,1« arenbürg. $ie öfllicie gort»
fefeung biefer Sinie jeigt fiep: — leVz km — SIw 0,05® fjriebp. SSobbenpaufen — 10% km
— Sto 0,3« Sirepe 33 r o l e b. Semgo — 15 km ©aalberg (fübl. Sllberbiffen) — ©aalberg
(norböftl.,©onneborn) — ®enlmalSplap fübl. SKeper — 13 km — Slw 0,16® §ünen =
f cp 10 6 b, SCntelgapen — DfUJunlt. ^
_ SBabbenpaufen ift ein lircpenlofer Drt; ber nebft ©cpule an ber ©traBenlreuäung gelegene griebpof
ifl 2:eil eines noep niept lultibiert gewefenen ®enteinbeplapeS. — ®er JJircp^ilap ber alten sDrtfbpaft
Srale cparglterifiert fidp burep bie @tra|enfüprung als früperer Spingplap. — ®ie nteprfadp unter
einer DrientierungSlinie fiep finbenben ©aglberge fagen uns, baß man mit SJorliebe bie SJerfamm«
lungSpläpe an bie borpanbenen Sergpeiligtümer peranlegte. — einen iflap für ein ®enlnial pflegt
eine ®eineinbe niept anäulaufen; auep bie ®enieinbe SKeper wirb einen gutgelegenen wüften ®etneinbe«
plap für baS S^riegerbenlinal pergegeben paben.
Stn §ünenfdploß bei Slntelgapen unweit spprmont paben wir eine im popen ®rabe rätfelpafte 3luine.
©ie ift ein Snotenpunlt beS OrientierungSfpftemS, wie auep ber fjriebpof SBabbenpaufen (S3fp. 16):
4. 5 ü n e n f cp 10 ß — 18 km — 8lW 0,1 ® StuSf ffiöterberg—6 km gorftpauS ^eiligen«
geifterpolj — 7% km — 2lw 0,9 ® § e i l i g e n b e r g (©t. SKicpaelSlapeEe) — ©übpunlt.
.®aäu nepmen wir fofort: : ■ ■ : /
5. ©toppe Iburg — 13 km — 2lw 0,1® SluSf.SC. öterb erg — 16% km „§ope =
lücpte" (äwifdpen §oläininben unb ©tabtolbenborf) — Oftpunlt.
S)er ^ ö t e r 5 e r g, bie l)öd)fte’ ©rbebung biefer ©egertb toeftlic^ ber SBefer, fpielt in
ber SSoIfSfoge eine grofee SioIIe. (Sein S^ame^ tnirb im fßoIfSmunb, al§ ©ötterBerg
gebeutet. SSon iBm ou§ Betoorfen ficC) bie fftiefen ber Urseit mit SteinBeilen ober gelS-
Blöcfen nadB bem Sc^toalenBerge unb bem StoppelBerg BinüBer.
ltnfere SIBBilbung seigt bie bom ^öterBerge anSgeBenbe Crtung nodB aHen Bier
^immelBricBtungen, toie eB mit öBnIidBer einbrüdlii^feit feiten gu finben ift, Slufeer-
bem ift Bier eine gans eigenartige Orenageftaltung ber auf bem J?öterBerge äufammen*
ftofeenben brei (SeBiete SSeftfalen, Sippe, ^annober in BoBem 33iaBe BeacBtlicö. §on«
nober fdiieBt ficB mit einem äum Xeil nur 60 m Breiten Sanbftreifen BiB unmittelbar
an bie alte .^ultftätte Beran. 3!2a§ Bot ba§ äu Bebeuten? SDa bie Beutigen ©rennen
mancBmal unberänbert fidB auB ben älteften Beiten BerüBergerettet’BoBen, unb ba
gar fein einleucBtenber ©runb auB cBriftlicBer Beit für biefe ©renserftfieinung auf
bem ^iöterBerge ouBäubenfen ift, fo bürfte bie SInnaBme geredBtfertigt fein, bafe einfl
auf bem ilöterBerge ein gemeinf cBaf tlicBeB §ei li g tum ber anftofeenben
brei ©aue getoefen ift. SOiöglicB ioäre eB, bafe urfprünglicB ber iplaß, öBnlicB einer SBiarf,
gemeinfcBaftlicBeB Eigentum toar, unb ba§ bann Bei ber fßerteitung ber SOiarfen in
frönfiftBer Beit aHe brei fSeteiligten, aifo aud) ber aBfeitB gelegene öftlidBe S^eilBaBer,
iBr alteB DiedBt an ber Stätte greifbar in ber ^anb BeBalten tooHten. SSaBrfcBeinlitBer
aber ift, bafe bie auffällige Sadje fdion in germanifcBer Beit eben beBtoegen entftanben
ift, toeil Bier f ei n e SWarf toar unb äße brei an bem ^eiligtume ^Beteiligten fidB auf
eigenem@runbunbS3obendn ber Beiltgen Stätte berfammeln tooHten. SDaB
©renäbilb beB ßöterbergeB ift ein ScBeimoerfer in mancBe SSerBältniffe ber borge-
fcBid)tIicBen Beit.
9to(B beutliiBer seigt baB folgenbeIBilb 3ur 33eftätigung biefeB ©ebanfengangeB bie
gauä gleicBartige ©rfcBeinung auf ber einige ^iilometer nörblidier gelegenen ^erlingB*
Burg (^ermonnBBurg), an beren BöcBftem ^unft ficB fffialbed'fpprmont mit einem
engen ©ebietBfcBIaucB gtbifcBen Sippe unb ^reufeen Beranfd)ieBt. SBian fieBt Bier gans
‘ Slacp ipreuß, Stpp. glurnamen, 1552 SötterBerg.
gemeinfamen Sefi^ 215
Har, bofe bie ölten SSefi^er be§ freufeifcfien JCeilS it)ren SInfjjrucC) ntd:it am Serggit>fel
al§ foltfiem, fonbern au§fcf)IiefeU(5 auf ba§ bort auf §öfie 334,6 ftefienbe Heiligtum
l^atten (23eift)iel 31).
®er ©toptJelberg trögt auf feiner Kluppe thnerfialB eine§ getealtigen ©rbtoerts
einen mehrere 3)feter BoBen ©teinBügel, ber un§ Don ber SSenufeung be§ 93erge§ al§
orientierte Station reben fann. SBa§ mir im ganzen auf bem ©toBBelberge bor un§
Buben, ift bi§Ber nocB ein böIIigeS fftötfel. Safe e§ feine mittelalterlidBe SBoBnburg in
ben un§ befonnten formen gemefen fein fann, leBrt
ber 93efunb no(B furaer Unterfu(I)ung^
Über bie ft>ra^IicBe SSebeutung bon „^oBeludfite" fann
fein Stoeifel befteBen. SSie Bier toerben aucf) fonft
bie fßamen, bie mit Sitf)t unb SeucBten gu tun Baben,
für un§ bon BoBer SSebeutung, tborauf Ibir aurücE»
fommen merben. ®ier Baben mir einen iefet bon ©tein«
brucBen serriffenen SSergBang- „.goBelücBte". — Ser
9tome „$eiIigengeifterBoIä" fpricBt für ficB felbft. Stber
e§ ift nur eine toeniger mitfitige StDiftfienftation. SIB
mir baS füblicB anfcf)Iiefeenbe 2)tefetif(BbIatt 3ur ®anb
fam, fanb icB neuerbingS einen meit einbrücflicBeren
unb beftimmteren ©übbunft in bem ,,§ e i I i g e n
S3 e r g e" mit feiner einfamen ©t; füZicBaelSfaBeHe,
einem oHgemein anerfannten germanifcBen ÄuItBlofe
.(— 7% km — STto 0,9“). Sßigonb“ öufeert fi(B boäu
(1817): „gbenfo tooBrfcBeinlicB ift e§ ouä), bafe bie
©otteSbereBrüngen ouf biefem Beiligen 93erge fo alt
finb, Ibie bie 3lnfieblungen felbft, unb bafe beibe§ bi§
in bie germanifcBe Seit BinaufreicBt. SWan i)flegt gern
on Beiligen ißlöfeen BeibnifcBer ©otteSbereBrung ßircBen
unb Anpeilen ongulegen." Unfere SIbb. 70 aeigt ben Bei*
Itgen 33erg notb nicBt.
StBB. 71. ®ie ©renageftoltung
:Slu(B pr SlnnaBtne einer 91 o r b Orientierung fon)o|l ber ber §erIingäBurg
93ielefelber §ünenBurg, p ber wir ämütffeBren, al§ auc§
ber ©tjarenBurg liegen ©rünbe bor, bie int Snfantnien|ange be§ ©anjen nic§t üBerfel^en werben
lönnen.
6. §ünenBurg B. iBielefelb — 28 km 2Iw 0,6 “ (SRöbingBaufen) StuSf.S:. 91 o n n e n *
ft ein — 91orbt)unlt.

®er 9lonnenftein interejfiert burd} SSoHSfogen, eine berfelBen au(| mit aftronomifc^em ©infc^tag:
ber ©tein bre^t fic^ äur neunten ©tunbe. —©ewife wir Bier on eine UmBiegung ber
©age in iBriftlicBer Seit äu benlen. 9lBer eben an eine UmBiegung. ttBeraH, wo ficB irgenbein 3“=
fammenBang mit einer 91 o r b Orientierung pigt, werben unfere ©ebanlen jwanggldufigin
bie borcBriftliiBe Seit gefüBrt.

7. ©parenBurgin aSielefelb — OVi km — Stw 0,1“ SieBloB SöUeuBed §6Be 149,1 —


15% km — 9tw 0,16" ttirdBe SBieren — 91orbpunit.

* ®aron änbert auiB bie 91otiä b. ®onop§ in feiner SSefcBreiBung be§ lifJBifdjen SanbeS (1790) ni(Bt§.
’ SBiganb, ©orbeBfiBer ©uterBefiB, ©. 66.
ä

216 15. ^eilige Sinten

^öHenfiedE unb S3ieren geben Slnlofe 3u befonbern ©rtoägungen. Sie ^öllenbecCer


ßircbe ftebt onf bem Pafee ber erften SSobenerbebung atotfdben ©barenburg unb
SSefergebirge, ber für eine Stoifcbenftation ber S^orblinie in Setracbt fam.
SBir hoben hier einen goK, too toir un§ äunötfift um bie Soge be§ ^irdbengeboubeS
nicbt su fümmern broucben. Senn mir miffen, bofe bie Sö 11 enb edEer Pfarrei eine
fbötere ©rünbung au§ bem Sabre 1000 ift, al§ man fdbon feinen SSert mehr barauf
3u legen broudbte, bo§ bie Sircbe genau auf ben ißlob bes germanifdben Heiligtums
gefebt mürbe. Sie erfte ^irdbe ftanb audb etma 100 m abfeitS unb nur aufällig ift bie
febige ^ircbe mieber berübergerücEt auf ben alten aufber Sparenburglinie
Iiegenben ®eri^t§t)Iab, ber noch febt ber „Sbi" beifet. ©o liegt fie nun
mieber unter Höbe 149,1, bie ben ©ericbtsplab frönte. Sa haben mir baS alte OrtungS»
mal 3U fucben. — Sie S8iereneri?irdbe liegt, nabeau bereinfamt amifcben menigen
Höfen, orbnung§mäBig ba, mo bie SBegefübrung ben SBerfammlungSblab einer alten
©ieblung onjeigt, unb amar mieberuin in ber Storborientierung ber ©f5arenburg,
an ber ©teile, mo eine Stt>iföE)enftation megen ber Höhenlage ermartet merben muß.
Srgenbmann haben im SöHenbedEer ©ebiet SKenfdben bor ber grage geftanben: mo
legen mir ben ©erichtSblab an? unb im JSierener ©ebiet bat man irgenbmann ge¬
fragt: mofoll unfer SSerfammlungSbloh fein? /
Sofe bie SöHenbedEer unb bie S3ierener bei biefer SBabl ber fßläbe beibe blinblingS
auf bie heilige fßollinie ber ©barenburg geraten feien, ift on fidb fdbmer gloublidb, aber
um fo meniger, i e häuf i ger u n § nu n b i ef elb en @rf db ei nun g en en t •
g e g en treten.
8. SSertbei (norbroefllic^ bet Stelefelbet §ünenButg) — TVs km — SHw 0,3“ Sit(|e
@teinba0en — 6% km — Sütt 0,3“ Sitcbe Sffelbotft b. ßfütetSlob — ©übfiunlt.
ifiadb Sterben fortgefübrt fdbneibet bie Sinie bie ©trafeenfreuaung in „fßiefjen*
b r inf".
Ser 9tame finbet fidb mebrfadb an orientierten ©tationen, unb amor nadb meinem
bisherigen fSefunbe faft nur ba. ©r bürfte miei^IodEenbrinf, Sönberg, Heulmeier,
fllabberberg, ©odEpfeife, glötepfeife ufm. mit ben Hörfignalen aufammenbängen,:bie
neben ben Sidbtfignolen bon biefen SSarten aus gegeben mürben.
Siefe Orientierung breier alter ßirdben in grofeen Ortfi^aften einer borformen
©egenb auf ben Utorbbol als bferten f^unft föKt fofort inS Sluge unb berlangt ernft-
lidbe Seatbtung, aumal menn boS angelegte Sineol nadb forgföltiger SeftfteHung beS
fWeribianS eine foldbe ©enauigfeit offenbart, mie fie hier borliegt. Sin ben fßlob ber
Sßertberftben Slirdbe mit ihrem alten „romanifdben" Surm .fnübft fidb nodb eine be-
fonbere ©age. Sie SSefreiung ber „SBidbboIbe" au SBerther unb „in ber HoHe"
bom öffentlichen Sienft bürfte mit fultifchen Obliegenheiten in SSerbinbung ftehen.
Sin ben ÜbergangSfteHen biefer Sinie über ben Seutoburger Sßalb aeisen bie harten
nichts; ob fidb noch ©huren erfennen loffen, märe feftaufteüen. ©teinhagen hatte fdbon
bor feiner Trennung bon Sornberg 1334 eine alte ^aheEe\
©benfo einbrüdEIidb mie bie SBertherfdbe ift eine Sirdbenlinie nörblich Hannober in
ber Süneburger Heibe, mo bie llirdben noch feltener finb.
9. Stt^e @ u b et b tu — 6Va km -—2lnj 0,1 “ Sitc^e.S W a t tu ft e b t — 10 km —
; 2; h ö t e n —10 km — SCtt) 0,3" Sttc§e SB t n f e n a. b. SlUct — Dflfjunlt.
* ©d^aten I c. II, 277—79. ^ ~ ~~~~~~
. Ortsnamen. , 217
JZe6en öer unberfennBaren Orientierung biefer Brei ^ircEien auf Ben OfterBunIt
muffen toir audf) BaS Sluftreten Be§. IRamenS „KBören" für ein ®örfcf|en auf Biefer
Ofterlinie, in Ber 2Kitte smifcBen ©dBtoarmfteBt unB SSinfen, Beachten, too toegen Ber
©ntfernung eine bermittelnBe ©totion nötig luar.
Su SInfang meiner Unterfmfiungen Bin icB Ber iß a m e n f r a g e, Bie mit Biefem
ÄBören ernftlidBer in unfere ©rörterung eingreift, grunBfööIidB ouS Bern SSege ge-
gongen, um Bie BurcB Bie 9?amen fo leidet entfteBenBen Errungen au bermeiBen unB
erft fefteren SSoBen unter Ben güfeen au getninnen. S3aIB aBer Bröngten fidö gelbiffe
ißamen mit einer ©tetigfeit an unB auf Bie erfannten Sinien, Bafe idf) fie nicfit meBr
üBerfeBen fonnte. IbiH BeSliiegen Bie auf Ben Sinien auftretenBen toicBtigen 97amen
oucB in meiner Vorlegung nidE)t uriterBrüdEen.
®ie ©roBaaf)! Ber SBinfelaBmeidBung mufe in Ben SöEen, tno tnir un§ aubäcBft nur
ouf Bie Stomen ftü^en fönnen, fortgelaffen tuerBen. Senn auniarfür üUeffungen
ouf naBe ©n tfernung mufe ein ouSreiiBenB fdBarf Beftimmter ißunft borBanBen
fein. Siefe grage Bot nur geringe SBeBeutung in allen Ben gäEen, tbo e§ fidt) n i (B t
um 'BöBergelegene ©tationen BcmBelt, fonBern um fßlöBe, Bie tbaBrfcBeinlicB in erfter,
ßinie um BeS religiöfen ©mpfinBungStoerteS toillen ficB auf Ber Beilifleb Sinie Be-
finben. Bann aBer Bei unfidBtigem SSetter als StoifcBenftationen aur SBeitergaBe Ber
SeueraeitBen Benufet toerben fonnten.
Sie Biofeen SEamen BoBen meine SIrBeit fdBon meBrfadB erleicBtert aur SIuffinBung
Ber onBeren genauer Beftimmten ©tötten, BurdB Bie Bann eine Orientierung feftau-
fteEen toar. Sw Biefen SEamen geBört oudB „Sören, SBören, Sören, SöBren; Sooren,
Soren, Sorn" ufto. Sie feBr berfdBieBene SIuSfbradBe BeS nieBerBeutfcBen fffiortS für
Surm Bis aum Beutigen Sage ift mir bon ^inB auf berfönlicB Befannt; t, tB, B fliefeen
fpradBIicB ineinanber üBer unB Ber SSofal ift fcferiftlicB meift üBerBaupt nicBt toieber«
äugeBen. Safe BaS t lautlicB nidBt au B merben fönne, toiberfpricBt Ber BraftifdBen ©r»
faBrung. Sie meiften Sören ufto. f(f>einen mir mit Sornen niäitS au tun au BaBen,
fonBern fie toerben„Surm" BeBeuten. Sie SKöglidöfeit Ber SautberfcBieBung toirb
BurdB Bie ©cBreiBtoeife bon SornBerg im 12. ^aBrBunbert aufS BeutlicBfte Be*
ftötigt; BamalS Biefe ßircBBornBerg B. 33ieIefeIB „SBo r n B er gon" (f. 58eifbiel 14).
©rftaunlidB ift Biet oEerBingS, Bafe Bie SurmBeBeutung bon „S ö r e n" in Ber SSoIfS*
erinnerung erlofdBen au fein fcBeint. 9IBer eS ift mir gar nicBt meBr unto'aBrfdBeinIi(B,
Bafe Bie ©dBreiBfunbigen BeS 9. ^aferfeunbertS getnöfe 5. SJfofe nacBgefeoIfen Baben unB
Bie Umbiegung BeS 9?amenS unB feiner fflebeutung beranlafet Baben, ^n SSeifbiel 16
toirb uns nocB Ber 97ame eines gorftorteS feBr au ^ilfe fommen. — Übrigens finb in
unferem gaEe Bie fftegeln Ber SautberfcBieBung um BeStoiEen fraftloS, toeil ja Ber
Surm unB aucB Bie ©rinnerung an iBn feBIte, fo Bafe Bie ©brecBfauIBeit Ber EtieBer*
BeutfcBen, Bie lieber B als t fagt, freie 33aBn Botte. Siefe Unart Babe idB mit meinem
lEamen immerfort erleben müffen.
33ei aEen übrigen Sören, Bie nicBt Surm BeBeuten, ift Bie UrfacBe Ber 97amengeBung
ebenfaES nicfet in Bern lanBIäufigen SorngeBüfcB, fonBern in Bern SorngeBege an
fucBen, toelcBeS Bie Heiligtümer um'gaB. Sw Biefen Sornen geBörten in erfter Sinie
Bie „Hülfen" (ilex).
Ser Surm ift offenbar eine bon Ben gormen getoefen, in Benen Bie Sitten iBre
Beiligen Sauten geftaltet Baben. ©otooBIBieSürmealSaudBBie©IodEen
218 15, ^eilige Stnten
ber c^riftlicöen ^irtfien muffen al§ ein ©rbteil au§ bem dJet'
m a n e n t u m a n g e f eben to e r b e n. Sie erften S^ircEiengeBäube in ben SWittel-
-meerlänbern-batten ebenfohienig mie ihre SBorbilber, bie Sembelbauten, Sürme;
©loden fob fftom erftim 7. Sobrbunbert, al§ bie JSerübrung mit bem ©ermonentum
bereits eine enge getoorben teor, unb olS germonifcbe ©Uten in grofeer 3abl öom
©briftentum aufgenommen tourben. Sie ©loden, bie bem germonifdien ^ultuS ge¬
bient batten, bot man, toie es fcbeint, anfangs 3U:bernid]ten gefudbt ober inS SBaffer
berfenft — baber bie bielen Sagen bon ben berfenften ©loden. Sann aber fam
bie ©lodentdufe auf, tnoburcb bie alten ©loden für ben cbriftlicben 5?ult braudbbar
gemacht tourben; unb bann iourben fie in einen Surm neben ber Kirche gebangt.
So6 man — flug toie man tnar oud) ben einen ober anberen. alten Surm fteben ließ
unb ebenfalls umtaufte, Ibill id) nidbt behaupten aber auch nicht abftreiten. gür unS
ift iebenfaHS baS Sogma, bie ©ermanen;batten niemals mit ^alfmörtel gebaut,
toöbrenb bie onbern SSöIfer löngft ben Salfmörter batten, auS ben borgeIegten ©rün-
ben (^op. 7) binföHig getborben, \ :
^Sm Slnfchlufe an „Sbören" tonn ich eS mir nidd berfagen, auf eine Sfnsabl bon
Sinien ;m i t S ü r m e n aufmerlfom 3u mochen.
®ie elfte erttectt au^ iwegen ihrer 2tu§ber;nung bon üBer 100 km unb wegen einer Slnphl ouf-
fäHiger Stamen Sntereffe.
10. ShBrsn (6. S^warntftebt) — (Sifter Surm B. §annober — 32yg km —?) — 6 km —
Stirere „®Brener Surm" — 2% km — Stirche ©chl. SBillenBurg — 5% km — ^irb^e ipatten»
fen — BVs km — Stuf'f.S. üBer SKarienBurg — 11 km'— einfante fJelbBerger Sirene —
8 km — Sütgenfioläer griebh. (©renäsipfei) — 4 km — griebh, §ohenBüchener gorfthouS —
21 km — Seiläer Surm, gorfthauS.
_ SBenn fidh h«ouSfteIlen foHte, bag ber bon mir in klammern gefegte Sifter Surm Bei §annober
innerhalB be? bon ber £inie bur(hfd§nittenen i|3ariä einft feitlich beS ie^igen ©eBäubeS geftanben hat,
bonn würbe uns biefe Sinie alfo nidht weniger oIS fünf iürm e Bieten. StBer audh ohne ben Sifter
Surm ift fie Beachtenswert wegen ber jahlreibhen intereffanten ©teilen unb SHamen, bie ihren 22eg
Bejeibhuen unb wegen ihrer SluSbehnung.
Slubh ouf ber ©trecte äwifchen ShBr^n Bei 23infen unb bem Sifter Bjw. ®öhrener SCurm Bei §an-
nober fehlen auffüEige Sfunlte nicht ganä (ä. S- bie norböftlich noheliegenbe ©teEe beS ^ainhaufeS).
Sm fanbigen glochlanbe, too ©rbtoerfe bem fchneüen SSerberben preisgegeben finb,
haben mir nicht biel 3u erloarten. SIber aud) ba toor bie Drientotion, toie bie folgenbe
Sinie seigt. @ie bringt unS ebenfolls einen Surm.
. 11. Kattenturm, fübl. SSremen — 6% km — 2lw 0,05® ©omtöreme n Kirbhe — 11 km'
— SIw 0,05® ©t. Sürgen — 6 km — Dfterholä griebh. (nicht Kirche) — SZorbpunIt.
Ser 1803 obgebrochene Kattenturm ift noch ber 33remer ©bronit im ^abre 1309 an
bem Übergang ber Sanbftrafee nodh Srinfum über bie Ochtum erbaut. Sana(^ liegt
feine ©teile für uns genau feft. Sie geograpbifde Sage ber ©tationen biefer Sinie
habe id) im 3teid)§amt für SanbeSaufnobme — nebft einigen onberen — genau be-
ftimmen laffen, um mid) über bie Sragteeite ettoaiger Kartenfebler 3U unterrichten.
Ser Surm, ber Som, baS alte Klofter in ber ©infamfeit! Siefe brei fßunfte mit
nobe3u obfoluter ©enauigfeit auf ber 97orbIinie auftretenb, tragen eine fchlidite Über-
3eugungSfraft in fidl. 97ad)tröglich ift mir nun auch bon funbiger ©eite bie unsteei-
felbafte fultifde SSebeutung Oon Oefterbols, too fi^ auch ein alter fPferbemarft be-
finbet, beftötigt tnorben. 3Kit berartigen ©rfcheinungen muß fidh ber Kritifer ein3eln
auSeinanberfehen.
S;^)ornEiergon 219
SSremen üeronlafete mic^, ben SItcE auf 3?Jtnben unb 0§nabrüd£ au rid^ten, unb
fonb toieberum 5£urmc ouf ben Stnien.
12. SJltnbcncr ®om ßird|e — 3% km — Stw 0,4" „aBaEfa§ttl"mü§te — IVa km — „Sfi o>
ren"—9Zorb^;unIt.
35ei bem Slamen „Sporen" finb auf ber J?arte einaelne Käufer beräeid§nct. SHac^forfc^en lonnte
no^ nic^t, qB« ber 9Ja«ie an btcfer ©teEe fugt genug. Sbenfo bie SSaEfal^rtäntü^Ie. SSarum waU»
fal^rtete man gerabe an biefe ouf her aftronotnifc^en SHorbltnie beä aJlinbener SotnS gelegene ©teHe?
13. S>omfjla^tnD§na6r üd, ®enlnial — 10 km—SIw 0,8® „Sec§ten''Berg, ©tralen»
Ireuj. (S)en jegigen SluSfidjtä t u r nt §at man 76 m neben baS ©tragenlreuj gefegt.) —
4 km — SItt) 1,0® Stuäfic^tSt urm Bet ©djlebe^aufen — 8% km — Clottnger §eerloger—
km — StU) 0,35® Surgrutne auf bem Simberge — Oftfiunlt.
§ter l^aben mir al§ ’etnbrüdflt^en ©nbfjunit eine mit alten SKingmäEen umgebene Surgruine, ferner
einen „Sec^ten"berg unb basu einen Surm.S« einem Simberge fül^rte aucfj bie folgenbe Unter«
fu^ung. ffiaS SBort „©orn" in Sirt^ b o r n Berg, norbmeftlid^ bon SBielefelb, legte mir bie fjrage
nal^e, ob nic^t ou(| 5iet eiu Slumt gemeint fei.
14. Sirc^bornberg — 16 km — Stro 0,25® §ünenburg Bei SRiemälol^ — 6 km — Sim»
Burg (Sim = fiinbe).
©tefe Unterfud^ung lol&nte ftc^ in boWelter fßidötung. ©efc^idfltlicf) Bradöte idö —
tuie Bereits Bemerft — in (SrfaBrung, bafe ber Ort im 12, .^aBrfiunbert nod& „S: B o r n -
Bergen" geBeifeen Bat, inoburcB meine SSermutung, bafe bie SSebeutung öon ©orn
unb bamit au^i öon ©ören in öielen S3erg« unb Ortsnamen in ber ©at „©urm" ift,
Beftätigt mürbe. ©aS ift für unfere gorf^ungen üBerauS mertboH. ©ie germanifdBe
S3ebeutung ©ornBergS erBeÜt au^ barauS, ba& e§ ber Ort eines alten @eri(BtS mar^
Slufeerbem mürbe mit baS ,3ieBen biefer.Sinie au einem SBegmeifer aur Sluf«
f inbun g ber fftiemSloBer ^ünenBurg, bereit Sage idB nidBt fannte.
SeBBafteS Sutereffe ermedEt unter beni (SefidBtSBunft ber ©urmBebeutung bet
,,© ö r e n B e r g" Bei SternBerg in SiBBe-
15. §incntrup Sird§e — 4% km — Stro 0,4® 2.$. ® ö tertb erg Bei ©ternberg — 14 km —
. Slm 0,1® ^iriBe Strjen — 9 km — SIw Ö,l“ iJirc§e ßiriBoBfen — Dftpunlt. (Slorbfüblinie
fiele »eifpiel 29.)
©er ©ipfel beS ©örenBergeS meift eine feBr mertmürbige Störung unb ©urdB-
müBlung beS fBobenS auf, bie in BoBent ©rabe berbödBtig ift, nidBt burdB SInfänge
eines SteinBrudBS berurfadBt au fein. Steinmagen finb niemals au biefer Stelle ge*
faBren; ouSgefaBrene SBege füBren bielmeBr au bem 150 m oBfeitS liegenben Stein»
BrudB. ©aS SKefetifdBBIatt beraeidBnet brei ^ünengröBer unb baS SÜSort „StuSf.", oB-
moBI jeBt ber SBalb bie SIuSfidBt öerfBerrt. ©er trigonometrifdBe fßunft 393,1 liegt
etma auf gleidBer §öBe 100 m aBfeitS. Unfer im Orte anföffiger güBrer aeigte
uns innerBalB ber SSermüBIung eine etma 25 qm grofee Stelle unb Beriifitete, bafe bie
UmrnoBner an biefem tümmerlidBen Orte ber SSermüftung feit unbenflidBen Seiten
iBre ©elüBbe aBIegenl SKan erinnere fidB an baS meinen SIuSfüBrungeh borangefteHte
erfte ©bift bon Stanaigl ©aS ©bift Bat aifo feinen'Stoedf bodB nidBt böllig erreidBt.
©aS örtlidB fidB ge&unben füBIenbe religtöfe ©mBfinben unferer DtieberfadBfen liefe ficB
nicBt bon ber Beiliflen Stelle berfagen, trofebem man audB bie tiefften ©runbfteine beS
IBaueS, bielleidBt audB nodB baS barunterfifeenbe ©eftein BerauSgeriffen Batte! ©aS Bat
etmaS ©rgreifenbeS. SfuS bem 9?amen beS iöergeS erfeBen mir, bafe'ber Beilige S3au
ein ©urm gemefen fein mirb.
‘ Seüf^rift fi“ baterl. ®efc|tc|te unb StltertumSlunbe, äßünflcr 1880, ©. 96.
220 15. ^eilige Siniett

Slber nod^ mel;r. Ser ©iffel beS Sörenbergä toar ber gegebene SuginBlgrib für ein
in furaer ©ntfernung, 30 m tiefer gelegenes, nocE) gut umtoaHteS alteS Säger, toeldbeS
ficb: gefallen laffen mufe, ben ißamen ^ßolotfenfdbanae au tragen. Sie ©efcbicbte fogt,
bafe eS bon ben ^uffiten aur SSelagerung ber ©ternburg angelegt unb mit einer
Kanone auSgerüftet getoefen fei. SKag fein, bafe e§ einmal au biefem Stnecfe bat bienen
müffen, aber bafe bie getudltige Slrbeit ber ^erfteKung biefeS SagerS, au bem noch oben»
brein atoei möcbtige SBoEgröben au§ mehreren 100 m Entfernung btufübrten, boii
einem burtbaiebenben §uffitentrubb au bem ertoöbnten geleiftet toorben fei, baS
ift aus militörifcben unb f(bltcbten SSernunftSgrünben einfadb unglaublitf). @be uidü
neue SluSgrabungen mehr Siebt , bringen als bie biSberigen, finb mir toegen ber iRöbe
beS SergbeiligtumS auf bie Vermutung angert)iefen, bab germanifebe göufte bie
SSöHe aufgeböuft hoben, unb bafe man baS Säger in fböterer Seit öielleicbt toieber
benubt bot. • , ' . , .
Sie SluSftattung beS SörenbergeS toirb nod) üerbollftänbigt bureb ben fTiamen einer
fleinen am S3ergbang 1 km füböftlicb gelegenen Ortfdbaft ,,§ o b e nf o n n e". Ser
Sufammenbang beS füamenS mit bem Sergbeiligtum ift nicht untDabrfcbeinIi(b* ©ehr
au beaebten ift, bafe ber g a n a e S3erg, beffen ©ibfel ber Sörenberg ift, „© t e r n b e r g"
beifet. Sie iöurg (fböter Sberförfterei) toar ber ^errenfib unb gab bem Sanbe umher
feinen S^amen unb fein 2ßabt>en. Ein 2Vs km abfeitS gelegener boebintereffanter Siing»
tooH „Slltfternberg" gibt fJtötfel auf, bie burdj bie bort gefunbenen ©runbmauern unb
©(herben noch nidit gelöft finb.
iüunmebr bürfen mir au^ iDobl bie auS ben Erörterungen über bie SSaruSf(hIa(ht
befannte Sörenfcbludbt im Seutoburger Söalbe als Surmfcblu(ht erflären.
gür biefe Seutung fprechen nodb toeitere ©rünbe. ^n bem ©ennefanbe, ber biefe
©(hlucbt aum Seil in ftarfen Sünen gana bebedt, tönnen febt feine Sornen madbfen
unb haben eS feit ben EiSaeiten h)abrfd)einlid) niemals gefonnt. SBarum aifo Sornen-
fcblu(ht? fifun aber fommt noch ettoaS biuau, maS unfere SInnabme aufS befte be»
ftötigt. Ser [forftort trögt ben febt unOerftönblichen fRamen „SBobr". Stber in ben
alten Urfunben beifet eS „S2B a b r b e" I
SflS ich Oor toenigen SRonaten bie Sörenfchlucbt befucht, entbedte ich auf bem an»
febniiehen ®ügel unmittelbar über ben JRetlager Quellen, bie alS heilige Quellen
anaufeben finb, unb toegen ihrer ©ebönbeit biel aufgefucht toerben, ein alteS .geer»
lager mit noch beutlicher UmloaHung. Eine mit ©chulrat ©chloanolb unternommene
©rabung bat au feiner anberen SInnabme geführt, gür einen SuginSlanb unb Sranb»
ftapel auf ber tpahböbe biefe§ bielgeftaltigen ©chluchtgelönbeS toar baS Säger felbft
ber rechte 5)3Iab. Sluf ber XlmloaHung an böd:ifter ©teile, in ber fRöbe beS ^ügelranbeS,
loo ber $ügel in auffällig forgföltiger Sri^terform au einer ber Quellen berabföllt,
befinbet fich eine bon Urnenfudbern bereits geöffnete Sluffcbüttung, öbniieh einem
groben $ünengrabe, auf ber ber Surm geftanben haben tnirb. ©dblieblidb aeigt fich
oueb für bie Sörenfchlucbt — als Surmfcblucbt — eine immerhin burch atoei bemer»
fenStnerte Eßunfte gefennaeiebnete fRorblinie, für bie ber foeben beftcrodbene §ügel auf
ber UmtbaEung über ben QueEen als ERebpunft.angefeht ift.
16. Sörenfchlucbt (Seutob. SBalb) — 10 km — 21» 0,05“ fjriebh. SBabbenhoufen —
9% km —SItt) 0,16“ ©teinberfer Sorte (§6henäug nörbl. ©oläuflcn) — SRorbpunit.
Stürme 221
Ser SSabbenl^aufer grteb^iof, ber oB Stoifc^enftation für bte geueraeicEiert Bei DlacBt
unb unficBtigem SBetter auf ber SWitte biefer ©trecEe nottoenbig toar unb gerabe an
ber richtigen ©teile ficB finbet, ift un§ Bereits in unferm SSeifbiel Sir. 3 BeJannt ge-
morben. SBo foIdBe ^notenpunfte erftfieinen, ba bienen fie als ©tü^e für bie iftiiBtig-
feit ber StnnaBme B e i b e r Sinien. Sie fe^ige Siuine ber ©teinBeder SBarte in bem
©attel beS ©alsufler SSergsugeS ift burcBauS als mittelalterlidBer 33au anaufeBen, toaS
aber natürlid) gar nicEitS gegen bie SSertoenbung biefeS bortrefflicBen 5{JIaBeS in ber
borgef^icBtlicfien 3eit auSfagt, im ©egenteitl Safür legen neue gunbe aB.
SBenn Sören autf) „Sturm" Beifeen fann, fo toerben aEc in SeutfdBIanb Bäufiger bor-
fommenben mit biefem SBorte Benannten Serge unb Orte berbäcBtlg, Sräger bon
orientierten SSorten gelnefen 3U fein.
Sag folgenbe Sunn-Scifpiel ift mir »on perfönlic^etn SSett gewefen. Sa eg oBne SBinlelmeffung
ift, loffe ic^ eg oBne Sßutnmer.
„SBietergBeitner Surm" — 10 km — Söniggberg Sife. (Sfeorta) — 5 km —
„21 uf beitt Seu ^ten" Bei SSeÜBeim — 13 km — 33abenBäufer SKüfilenBerg — 19 km
— akalftatt beg Seiflrupei SBalbeg — ©übpuntt.'
2llS ^naBe fteCte micB mein Sater einmal bor bie bamalS nodB borBanbene Stuine
beS SSieterSBeimer SturmS, bon bem einige einaelne ^öufer feiner ^ircBengemeinbe
ben Slomen trugen, unb fogte: „SBaS in aller S23elt mag bie SJlenfdBen einft tooBl ber-
anlafet BoBen, gerabe an biefer ©teile einen Surm au Bauen?" ^efet taucBt biefer
Sturm für micB auf als ©lieb ber oBigen Sinie.
2tuf bie „S i c§ forte werben wir äuriictlomnten unb auiB im übrigen Bemalte id§ mir eine nähere
(Srläuterung biefeg Seifpielg mit ber SDlalftatt im Seiftruper SSalb für fpäter bor.
17. Surg — 434 km — „§ a i n'‘rot — 8 km — 2tugf.S. @ a d p f e i f e (nßrbl. SSiebentopf) —
15 km — 2Iw 0,3® Äirc§e ©BriftenBerg — 22 km — Sirdle ©ilfenberg — 434 km —
SeufelgBerg — Oftpunit.
Ser Slame „©BriftenBerg" fann einleudBtenber SBeife nur auS ber SefeBrungSaeit
ftammen, in ber eine toaBrfcBeinlidB fdiroff BeibnifdBe Benennung beS ber „StBgötterei"
gemeiBten OrteS — DieIIeid)t auf eigenen SffiunfcB ber SetooBner — in eine Betont
dBriftlicBe Senennung umgetoanbelt loorben ift. Sie BoBe Sebeutung ©BtiftenBergS
für bie germanifcBe Sorgefd)id)te, ift mir bon funbiger ©eite nocBtröglicB a« meiner
©enugtuung Beftötigt toorben. — ÜBer „©adbfeife" fieBe Seifbiel 31 bei glötebfeife.
3tuS ber grofeen 3aBI .ber mir Bis jefet oufgefaEenen OrientierüngSlinien, auf benen
bie Slüfee ber fefeigen SluSfiiBtStürme borfommen unb einen fcBarf Beftimmten SlnBalt
für bie SWefeungen geben, feien Bier aunäcBft einmal hjeitere Seifbiele oBne Erläute¬
rung unb au(B nur brucBftüdmeife gegeben, BaubtfäcBIii^ itt Slnfcfelufe on SluSficBtS-
türme.
18. SSittctinbgBurg, ifSorta — 13 km — 2tw 0,1 ® 2Iugf.S. 3 b a t u r m Bei SSüdcBurg — 30 km
— 2lw 0,05“ 2lugf.S. 2Innaturm im Seifter — Dftpunit.
19. 2tugf.S. Sbaturm Bei SBüdeBurg — 334 km — 2tw 0,5® ift. 187 über SJurgruinc Sobemann
— 334 km — 2tm 0,1® ©tiftglircBe SRinteln — (34 km 2lBbedereil) — Kottberg über
unb ^ilgenploB — 834 km —■ 2tw 0,1 ® ^ircBe Almena — ©übpuntt.
20. 2rugf.S. über 2lBrenfelb — 634 km — 2tw 0,1“ 2tugf.S. über Seinfen — Oftpunlt.
21. 2tugf.S. über 2tBrenfelb — 4 km — 2tw 0,1“ @r. Dlbenborf Stirne — Storbpunlt.
22. 2tugf.S. Sauenfleinberg — 2 km — 2Cw 0,3“ SSifperobe SircBe — SBeftpuntt.
23. 2lugf.S. Souenftein — 12 km — 2CW 0,2“ ßßniggäinne bei SBobenwerber — ©übpunlt.
24. 2Iugf.S. norbßftlicB ©tabtolbenborf — 2 km — 2tw 0,05“ Siuine §omburg — 32orbpunIt.
222 15. ^eilige Sinien
25. „5)ö]^ren!opf" — 2V2 km — Slugf.X. 3)eiflern)Qrte — 6 km — 0,05° „SBurg“ füböfll^
Slltenl^agen I. — ©übpunit.
26. Srugf.SC. Söeutling (norbwefllid^ Söorgl^olal^aufen) — lYz km — Htt) 0,05° SöeEingl^olal^aufen
Äird^e — S^orbpunlt.
27. Slugf.X. ©bberg (bei ^)iIIegoffen, Söieiefelb) — löYz km — 2ln) 0,3<» Sol^anm^fleine bei
Sage — 2Y2 km — 0,5*^ Reiben ^ird^e — OJl:|)un!t.
28. 2lu§f.2^. (Sbberg — 12V^ km — 2lnj 0,6® 6d§ule mit ©lorfenbaum (jefet Kapelle Saar) —
12 km — Slm 1,1® tird§e S3ünbe — 8 km — 5ln) 1,2® Söabilonie, $öl)e 295,3 — 97orbpun!t.

Unjer Dörenberg bei 0ternberg 15) mar auc§ Station einer 9^orbfübUnie:
29. 211 te 22 arte auf bem ^icferberge — 7^ km — ©algentul^le — 2 km — 2tm 0,75®
Dörenberg bei Sternberg — 9?orbpunIt.
®ie SJuine „ber alten SBar*
te'" auf bem ©icferberge, bie
bereite al§ ein ber „Setniol-
ber SBarte'" gana äbnlidöe§
Sautrerf im 5?at)itel über
®beotmaIIi ermöbnt tmirbe,
bringe idb im S3ilbe. ®ie 2ln-
nabme,ba6 fie einft ein orien¬
tierter geuerturm be^ alten
Jlnltn§ getoefen ift, beffen
bönige Sei^ftörung an§ ir-
genbeinem (Srunbe Oerab-
fänmt tourbe, ift toeitanS
toabrfdieinlidöer, aB bie blofee
atnfid^t be§ alten 0. ®onot)
a. a. £)., bafe e§ eine t)on
2tbb. 72. ®i(ferbergtt)artc einem Iibbif(^en (Srafen er¬
baute mittelalterlid^e SBarte
fei. 93ei einem ®urd^meffer oon etloa 3,80 m bat ber frei§runb mit ßalfmörtel erbaute
®urmftumbf in feiner SKitte ein qnabratifdbeg Sodö bon 55 X 55 cm ©röfee, tvelä}e^ ben
21üfentbalt nnb ba§ ^inauffteigen eine§ 2)?enfd)en boHfommen auSfdbliefet, fo bafe an
eine mittelalterlidbe SBarte nid^t gebad)t toerben fann. $er ©dblot bat unten eine nach
anfeen gebenbe Öffnung, bie eine ©röfee bon 40 cm gehabt au hoben ftbeint. ®ie gana
gleidbartigen SSerbältniffe liegen bei ber Si^Ö^obergtoarte (Slbb. 73), 3 km bon $orn,
mit ihrem geloaltigen ©räberfelbe bor.
©in aWauerloerf bon IV2 m ®ide um ein Sod) mit V2 m Surdbmeffer betum mufe
feinen Stoed entoeber in fidb felbft ober in ber Sdbaffung einer erhöhten glädhe gehabt
haben, bie iebenfaH^ n i dh t ober nidht in erfter Öinie aur 21ugfd)au bienen foHte. ®a»
für b^äre ba§ Sodh in ber 3Kitte nidht nur ab^edlog, fonbern ab^edtoibrig getoefen.
©ine holbtoegg bernünftige anbere ©rflärung be§ ®urmftumt)fe§, aB bafe er bie
erhöhte Unterlage für einen ^olaftofe mit Suftauführung bon unten getoefen fei, er-
fcheint mir nidht erfinblidh. 21B pofitibe Setoeife feiner fultifdhen S3ebeutung fommen
bann nodh hinau: 1. fein ?Jame „®eufel§turm'' ober „®eufeI§Iodh'' mit bem bie Um-
toohner ihn benennen unb bie ©rinnerung an bie alte ^ultftätte fefthalten; 2. feine
geuertDarten 223

Orientierung mit @algenfut)le, ©rotenburg unb bem bereite in Seifpiel 15 be»


fprocfienen S3ergbeiligtiim auf bem S)örenberge auf ber 5RorblübIinie.
@ng um ben 5Curm in 2 m ©ntfernung fdbeint ein fleinerer 3BaII alg Umbegung ge¬
laufen 3u fein, ^m übrigen habe id) in ber fdblidbten SBalbeinfamfeit biefeS fdbmalen
Sergrüdeng feine Saurefte ober äßoHe gefunben, ®a ber SBalb gänälid) bie b^rrlidbe
2lu§fid)t oerbinbert, bie meitbin Oorbanben fein müfete, ift ber ftarfe Sefudb be§ 5£urm-
ftumpfeS in ber öon 5touriften nid)t berührten, menfcbenarmen ©egenb aufföEig; un-
geääblte, in bie Säume gefdbnittene
??amen legen Seugnx^ baOon ab,
bafe biefe fümmerlidben SCrümmer
an reislofer SBalbfteüe, eine merf*
mürbige SlngiebungSfraft auf bie
Umtoobner au^üben (bgl. Sei*
fpiel 15).
®ie Sebarrlidbfßit ber alten @ e *
rid)t§ftätten, bie ihre ©igen*
fdbaft über ben großen 32BanbeI ber
Singe in ber farolingifdben
hinauf bebielten, bürfte allgemein
anerfannt fein. ®a^ Solf, bem
nabesu aEe§, tva§> ibm mert mar
— felbft ber ©runb unb Soben
burdb bie ©infübrung be§ geubal»
f^ftemg — genommen ober bodb
umgeftaltet mar, bcit e^ n i cb t er*
bulben braudben, audb bie altge*
mobnten Stötten be§ fReä)i^ 511
verlieren. (Sin erbeblidber Seil ber
©aigenberge mirb big in bie ger*
manifdbe aurüdgufübren fein.
30. 5Iugf. 5Iffe (füböftlid^ 2Bolfen:=
büttel) — 391/2 km — Sltt) 0,4° Slbb. 73. 3i^9cnbergn)arte
Serglapelle bei ^lofler C)tt=
bergen — 71/2 km — ©algenbergtüarte bei ^ilbe^b^im — 111/2 km — 0,25° 5Iu^f.2^.
^ 0 n r Q b i g t u r m — IVz km — 2Inj 0,6° Äird^e SSittenburg — 41/2 km — Sin) 0,05°
^önigölansel über ber Sarenburg — I81/2 km — SItt) 0,16° ©tift^Ürcbe giftbbed — 19l^ km
— Slu) 0,3° ©töcferberg, 6teinbügelgrab 240,5 — IVA km — Sltn 0,5° ^rd^e ^aU
borf — 20 km — Opferfelb^öngern — I91/2 km — Sin) 0,65° Slusf.^:. Seutling (norbn)eftli(^
SBorgboläbaufen) — 3öefl^)un!t.
Siefe Sinie fdbeint gu ben menigen großen ©ignallinien au geboren, bie meitbin
burdb§ ganae Sanb beg Sadbfenbunbeg ihre Spuren a^iö^n. 2)?ir ift eg nidbt möglid)
gemefen, bie Orientierung in ber ^ilbegbeimer ©egenb auf einen Sufaü anrüdau*
führen, obgleidb auch gerabe hier nod) einige Überfdbreitunggftellen Oon Sergen gana
unaufgeflärt finb. Sludb menn eine foldbe ©rfdb^inung Dereinaelt baftänbe, bliebe fie
ein ffiätfel. höbe audb ben geftörten unb febr lüdenbaften Seil biefer Sinie bon
5 i f db b e d meftmärtg binaugefügt, meil idb bon einem feine SBabrfdbeinlidbfeit ftüben-
224 15. ^eilige Sinten

ben aSorgonge ßeric^ten fann,. burcß 5en fic§ meine Sßeorie sum eriten SKale olg
SKittel äur Stuffinbung bon Unßefannten betoäE)rte. Stuf btefer ©trecEe mar eine
©teile, bie megen ißrer $öt)enlage unbebingt einen aSranbftabel getragen haben mufe.
®r mufe auf einer bon ben beiben gleich hohen qjunften beBfelben gf{u(fen§, be&
aSirf§berge§ ober ber §öhe 240,5 be§ ©töderbergeS, geftanben haben, ^dh ridhtete
an einen iungen, in ber 9?ähe mohnenben Strchäologen, $errn 2)?eier»a3öfe,
bie Sitte, an biefen beiben ipunften nochäufehen, ob fich auf ber genau beaeidhne*
ten Oft'SSeftlinie nodh etma§ fänbe. ©ein mir barüber erftatteter Sericht lautet:
„Unb nun bal Überrafchenbe: 60 m genau meftlich bon ^öhe 240,5 bom S;S.©tein,
ber neben bem heffifch^iwifchen (Srenaftein (1669, ^ahreSaohl) fteht, erhebt ftdh
ein ©teinhügel unter ber Sinie. Seiber ift er au % obgefohren. Säuern ober fonft=
mer haßen ihn al§ ©teinbruch benuht; er ift ein reines ©teinhugetgrab,
höher als bie beiben um unb an 253,6. ©tma IK m hodh im erhaltenen ^ödhftbunft.
©urchmeffer = etma 14—15 m. @ine enorme ©ammlerleiftung beS frühen Sronae*
alters. S)er ^ombafe fomohl als audh baS X auf bem Ä.S- äeigten gute Orientierung,
etmaS bielleicht nach © bon O—SB abmeichenb."
Sch ßefuchte bonn bie ©teile mit bem ginber unb mit ©dhulrat ©chmanolb,
ber bie Stnficht 2Ueier*SöfenS beftötigte. Sie Sebeutung berartiger ©röberfuribe
an ben ©teüen unterer Sinien, mo heilige Sßarten gemefen fein' müffen, aeigt uns
bie folgenbe Sinie, beren fämtliche Sanfte ich nennen miH, auch mehn bei einael*
nen nichts meiter au fagen ift, als bafe fie eben auf ber Sinie liegen.
31. STOartenfelb ßttc^e (norbreeftlic^ ©üteräloh) — 8 km — Sf feth orft — 12 km —
Sral§ ®irc§e —4y* km — ^ünengiäbeippgel am SBattelälrug — 3% km — SCw 0,4®
§ünenltrc^e im SönSbergtager — IV2 km — ttdenpoht — 1% km —
Stm 0,1® ßtrc§e ©tQpelage — Sibbentrup — 3 km — grtebh. sptbitäheibe — 2 km —
©a^naräen aSrin! (§ünengrab) — 8 km — Sohenwart bei ®etmolb — 3% km 9tieberf§5n=
langen — 1 km glötpfeife 207,2 — 2 km SKoffenberger Simmel— 2V2 km grieb^. Sflrüp
— 3 km „2tltblomberg" — 5% km ®r. Seitnberg — IVs km — Slrö 0,05® S c e r l i n g S»
bürg, S-S. 334,6 im Säger. — Dftpunlt. — ©efamtftrede 63 km — 2tw äwifc§en Sünen»
lirche unb SerlmgSburg 0,05®.
Sie Sborblinie bon Sffelhorft toar unS bereits in unferm Seifbiel Sr. 8 befannt
getoorben. $ier ,haben mir eine ber Oftlinien, bie au ben toeit burchgeführten au
rechnen ift unb fidh atoeifelloS burch fehr aahlreiche bemerfenStoerte 3mifchenftationn
auSaeidhnet. ©ie allein mürbe reidhiichen ©toff au einem ©onberauffah bieten. Stuf
einige ©ebanfen, au benen fie Stnregung gibt, möchte ich hier eingehen.
f (
Sie BerlingSbürg mit ihrer in hiefiger ©egenb auffälligen Serggeftaltung
bringe ich in Stbb. 74 notf) einer älteren 3ei(hnung. Sie Surg fbielt nitht nur in ber
Überlieferung als SBohnfih Hermanns beS ©heruSferS eine Siotle unb SBafferbach hält
fie für ben Ort, mo ein ©tonbbilb beS Sefreier§ ©ermonienS geftanben habe. Safe er
bas übrigens nicht fchlecfet beaeugte ©tanbbilb mit ber ^rminful — ber Söeltfäule, bie
Stiles trägt — bermed)felt, ift megen beS fItamenS unb megen beS über biefen Singen
lagernben SunfelS berftänblid). Stuch burch bie Satfache, bafe .'s^arl biefer ©egenb feine
befonbere Stufmerffamfeit mibmete unb 784 mehrere SWonate in Sügbe berbratfit hat,
läfet bie Sermutung faft aur ©emifeheit merben, bafe Sügbe mit ber ©erlingSburg bie
^auptftabt beS einftigen ©heruSfergauS gemefen ift, mie Seuberi*Saberborn einft

/ .
2ßo tr)ol)nte ^ermann ber ߣ)eru§fer? 225

Wie Qud) ipäter bie S3imbegbauptftabt tvax, ^d) fd)Iiefee mid^ ber Slnfidjt ©djud^i^arbt^
an, bafe bie ©ermanenfürfteii ü5ert)aupt uic^t auf biefen Burgbergen getDobnt haben,
fouberu auf beu 5ugebörtgen grofeeu ^errfchaft^böfen, in biefem galle luabrfdheinlidb
ber Somäne in @d)ieber. §ier mag ^ermann fein 5lIIob gehabt haben.
STnch bie bereite beim ^öterberg*BeifbieI 9tr. o befbrodhene ©igenfdhaft ber ^erling§>
bürg aB Sreilänberede fdhiiefet an^, bafe fie femalg, folange fold^e ©igentumgberhält-
niffe obtnalteten, eine SSohnbnrg getnefen ift. ®ie ©renageftaltnng tnolle man fidh auf

Stbb. 74. ^ie iperlingSburQ

nuferem ^artenbilbdjen ©eite 215 einmal genau anfehen. 3)er @rnnb, Inarnm ber
Bht'Hionter @an fidh biefen tnirtfdhaftlid) nnbrandibaren nnb läftigen, militärifd) aber
t)oIIenb§ finnlofen ©ebiet^fdiland) mit bem ©dhlndhttnege bi^ h^tan an ben höchften
Bnnft Dorbehalten haben, fann nur ein ibealer getnefen fein. ®ie heilige Drtnng^Iinie
^erlinglbnrg — ^nnenfirdhe (bereu Sage auf bem langgeftredten XönSberge nad)
ber ^erling^bnrg beftimmt ift) beftätigt nn§ bie fultifdhe Bebentnng ber §erling§bnrg,
tnie inir fie bei ber 5tentobnrg, bem ßöterberge nftn. gefnnben haben. 2ln bie $erling§-
bürg fd)Iiefet fidh ein „©bielberg" an. ®afe andh biefe Burg sngleidh al§ ©ammelblah
für bie friegerifdhe SKannfdhaft, al§ geftnng in friegerifdher 97otIage nnb tnahrfdheinlid)
nodh für anbere öffentlidieSInfgaben ber brei(iSane bienlidh getneien ift — babon sengen
bie anfgefnnbenen ©bnren bon allerlei 3BohngeIegenheit —, ba§ ift bei ber einftigen
15 Xcubt, ©crmanifd^e Heiligtümer
226 15. heilige Stuten
engen SSertinbung be§ reltgtöfen unb fonftigen öffentlitfien SebenS eine felbftberftönb-
Ittfie ©oc^e. SSetteren (Sebnnfen nadb3ugel;en, ob btefer iSerg öbnltd) tote manche tion
SBiHq 5Poftor bargebotene Setflttele (ettoa bte ÜSalburg bet Sbergöniernborf in Öfter«
reidfi) t)er0entl)tet getoefen fei, mag ber Sufunft oufbebalten bleiben.

®ie ®öbenIoge ber beiben ^aupttiunJte, ber ^ünenJirdbe unb ber ^er«
I i n g § b u r g ift 332,0 unb 334,2, aifo nabesu bie gleiche. ®a bie stoifdEienliegenben
©rbebungen biefe ^öbe nitbt erreichen, toar bei gutem SBetter atoifcben ben beiben gro¬
ßen Sägern eine birefte fBerftänbigung burch Seueraeicben über bie 34 km lange
©trecfe möglich. Stber für ben Sall toeniger Harer Suft muhten 3ft>if(henftationen
bo fein. (®ie ^öbenangabe auf Sfbb. 71 ift ein ®rudEfebIer be§ SJIefetifchblatteB.)
35Benn nun eine Sinie, toie bie Oorliegenbe, über biefe§ f8ebürfni§ binau§ eine
ganae SInaabl bon Stoif^enftötten aeigt, für bie unberfennbar abfichtlich eine folche
Sage unter ber Sinie gemöblt toar, fo ift borauS toieber bie ftarfe, auf religiöfer
dmbfinbung berubenbe SSorliebe ber Stiten für biefe heiligen Sinien unb ein ftarfer
3ug .3u ihnen au erfennen.
ift, al§ ob bie Sitten bor ber enbgültigen SBabl eine§ ihnen loichtigen iptohe§
erft einen mit ber IßrajiS ber Orientierung oertrauten fßriefter befragt hätten. ®enn
ouch bie Sage biefer 3h>ifchenftationen bflegt, fotoeit toir e§ fartenmähig fontrol-
lieren fönnen, nur um ein geringe^ bon ber, über fie hiutoeglaufenben Sinie abau«
toeichen, meift um toeniger al§ 2 mm beä fbtehtifchblatteS (= 50 m in ber Sbatur) —
fofern ein 307efebun ht fich barbietet. S)a§ ift eine Oenauigfeit, bie bon einem It n*
geübten fchon bei loenigen J7iIometern Entfernung bon bem anberen 3J7ehbunfte
nicht mehr au eraielen loar. ^n ben meiften SäHen loar baau fogor bie SSerabrebung
bon 3eiihen mit noch einem atoeiten geuermärter, ber fich hinter bem anberen 307eh«
buntt bemerflich machen fonnte, unbebingt erforberlich.
®ie SSorliebe, in bie heilige Orientierungslinie hereinaurüden, tarn nicht nur bei
ber SInlage bon S^hingblohen aur ©eltung, fonbern fbielt manchmal auch bei ber SSahl
ber SSegröbniSblöhe angefehener SSerfonen eine 9toEe. ®a§ aeigt fi^ bei biefer JtönS«
berglinie an atoei ©teilen, loie ich e§ uuch fonft beobachtet habe. SIm ISartelSfrug ift
noch in neuefter 3eit mit Erfolg gegraben. Sluf bem ©chtoaraenbrinf toeift fotoohl
bie Sabbefche ©räberfarte auS bem ^ahre 1820 als auch baS 307ehtifchblatt $ünen-,
gröber auf. ^ch fanb oben auf bem ®ügel, auf bem baS 307al geftanben haben toirb, ein
fonft unerflörlicheS Soch, bei bem mon toieber on eine hetauSgeriffene ©runbmouer
benfen bann.
®ie chriftliche ©Ute, fich bei ber Kirche, ober toenn man bornehm genug toar, in
ber Sl’irche begraben au laffen, bürfte eine birefte gortfehung einer altgermanifchen
SSorliebe fein. Sluch bie SShotuonen in Stghbten ufto. fuchten ihre lehte SSuhe bei ber
©ottheit i n bereu Heiligtum.
®en gleichen Erfolg toie ouf bem ©töcierberge bei Sangenholahaufen (IBeifbiel
SOtr. 30) hatte ich auf bem ©oalberge bei SIIberbiffen (bgI. Seifbiel 97r. 3), too toir ouf
meine Slntoeifung nach ben ©buren eines borhanben getoefenen OrientierungSmoIS
fuchten. ^m SIcferlonbe, loelcheS fich feht auf bem Serge befinbet, loar nichts mehr au
entbecfen unb ber eigentliche Sranbftabel, ber hier geftanben haben muh, fcheint reft«
loS oerfchtounben au fein; aber auf ber Sinie-liegenb, berftedt im ©ehöla, lourbe ein
©rft le&en, l3ann fterben 227
teils gefc^iicöteter, teils Qufget)öufter @teinf)iigel gefunben, 5er ben ®inbru(J eines
©teinbügelgroöeS modfite; feine Sebeutung ift noc^ 3U wnterfudtien.
^aä) oHebem bürfte eS eine irrige Stnna^i m e fein, bafe bie SnttDicEIung bon ber
©robftötte sur ^ultftötte gegongen fei, el&er tnar eS umgefefjrt. Stber baS ibabrfc^ein-
lidbfte ift, bofe beibeS miteinonber geboren ift, alS ficb bor bem ©eifte beS Sbtenfdien
eine fenfeitige SSelt offenbarte, ©röber fönnen unter: Umftönben bie SSegtoeifer äu
ben ©teEen toerben, ibO'bie ßultftätten getoefen finbl 3Kit ber fßreiSgabe fenes Irr¬
tums gewinnen fo tnunberbore altgermanifdbe ®enfinäler, iote mir fie 3. J8. in ber
©laner unb SSiSbetfer S3raut unb bem SßiSbecEer fSräutigam bor unS höben, it)re boKc
hohe S3ebeutung. SBir lernen fie als baS anfehen, toaS fie in SiBirEIid)feit toaren, als
gemaltig umhegte SJtalftötten, bie fchon um ber Dbfer unb um ber ©erichtSbarEeit
toillen als religiöfe ßultftätten geheiligt mafen; eben barum finben fich in unb bei
ihnen auch bie ©röberI ©0 getoinnen meine SEuSführungen über bas ^ügelheiligtum
in ber Defterholser SOtarE auch burch bie beim ©tubiurn ber OrtungSerfcheinungen
gemachten Erfahrungen ihre aSeftötigung. Sie ©tonehenge«Sragc unb alle ähnlichen
Srciflen foEten unter biefem ©efi^tSfJunEte betrachtet unb beantlnortet toerben. SSir
müffen lernen toieber mehr baran 3U benEen,b a§ unf er e SSo r f ah r en in er ft e r
ßinie gelebt, g etoaltet unb geniirEt, geglaubt, geopfert unb
gebetet haben unb bann erft geftorben finb. (SSgl. 5|5rof. ®ahne, S^otenehre.)
3)ie roEenben ^ahrhunberte, ba3u bie unerhörte Ungunft naheau aEer in Setradht
Eommenben aSerhöItniffe, barunter in erfter Sinie ber aSiEe berer, bie in ber aSer-
n ich tun g ber g er manif chen ßu 1 tur bie aSorbebingung für eine grünblidhe
Stomanifierung unb ©hriftianifierung fahen, haben uns 3ur ErEunbung unferer ger-
manifdhen aSergangenheit freilich faft nichts ©reifbareS hinterlaffen, alS nur ©röber -
unb immer mieber ©röber unb Eümmerliche ißefte oon aSaEburgen unb ©ieblun«
gen. kümmerlich finb biefe lehteren, toeil mir in bem, maS mir finben, im oEge«
meinen nur bie ©ieblungen ber unfreien unb Eieinen Seute 3u fehen haben, möhrenb
bie ftattlichen aSohnftötten beS eigentlichen freien aSoIES—^ mie bereits oben befpro-
chen morben ift — bon ben folgenben ©efchlechtern überbaut mürben unb barum für
uns nichts mehr 3u bieten höben. ^ ^ ^
©0 Eommt eS, bah eS ein groheS Erftaunen auSlöft, menn einmal ein SufaESfunb
uns bie aiugen öffnet unb ben mirEIichen kultursuftanb ber'Sllten 3eigt.

Stuf 'unferer JtönSberglinie toucht mit großer aSeftimmtheit ber auch in hiefi0er
©egenb in aSergeffenheit geratene Wl0ffenberger Fimmel auf. Stur bei ben
nöchften Stnmohnern ift bie ©tötte noch ©egenftanb ber ©age. aSorfteEungen bon
Fimmel unb §öEe (§öEe nur alS Untermelt, nicht als ©trafort gebacht) maren, menn
auch in mannigfacher Stbmanblung, ©emeingut ber alten aSöIEer.
^ch habe bie ©tötte befucht unb glaube, bah fie ihren Einbrucf auf niemanb ber«
fehlen mirb, ber berfucht höt, fidh in bie ©ebanEenmelt ber Stiten ein3uleben. Tlii er«
heblicher Strbeit hat man hier ein EleineS Äal hori3ontoI etma 40 m breit unb 150 m
lang aus bem Serge herausgearbeitet, ben Sauf ber QueEe auSmeitenb. ®iefe fbru«
beit am Enbe beS hoihumranbeten, gebüfchummachfenen S^öIchenS unb ift bort 3u einem
Speich ermeitert. Sie horisontale glöche am Serghange mirb bon bem fehigen Sefiher
troh ber bumbfen Sage olS StcEer auSgenuht. '
15*: '
228 15. ^eilige Sinien ^ ^^ ^^
®a§ toar difo eine ber ©teCen, too fid) unfere SSorfal)ren ben Eingang ber ©eelen
in§ ^ehfeit§ iumbolifd) borfteHten! Ob bie übrigen brei biS bier äl;nlicb benannten
©teEen in biefiger (Segenb aud^ no^ einen l'oId)en Einbrud madien, mie ber a)?offen-
berger Fimmel; tbiE i(b nodb in Erfabrung gu bringen fudjen. S)ie beiÜQe OrtungS*-
linie löuft über ben oberen JCeil be§ 2)Zoffenberger ^immel§. tbnlidie ©tätten mit
äbniicben DZomen finb in gans Eiermanien gu finben.
5Ereu6, ber fid) im SInfang ber 90er ZieS hörigen ^abrbunbertS burdb ©amm*
lung ber libbifdien Sflürnamen ein gro|e§ SSerbienft ertoorben bat, toar umgeben bon
ber materialiftifcb beftimmten .©eifteSricbtung ber 3Biffenfd>aft feiner Seü- Sludb er
bat bon einem germanifcben @eifte§Ieben in ber bordbriftlicben ^eit, toeld)e§ mit ben
Ortsnamen ber biefiflen-EJegenb einen 3ufatnmenbang gehabt haben fönnte, nidbts,
ober auch gor nichts geiouBt. ®a eS nun ieboch tatfödhlid) hier bon foldien Sufammem
hängen lDimmeIt, ift e§ erftaunlid) unb manchmal ergöblid) su lefen, toie man bamalS
bie SCnerfennung foltber 3ufammenbänge,3u bermeiben fudhte. 3« ben Jiamen mit
Fimmel toeife nichts onbereS gu bemerfen alS:' „bei eingelnen biefer SZomen ift
bielleicht bie SCnnabmeeiner Umbeutung auS ,Himbeere' geftattet"!
®ieS SPZoffenberg biefe nod) 1488'„tom Offenberge", ©elbft % fiebt fidh hier 3U bem
3ugeftänbniS gegtoungen, boB er ben gamiliennamen Ofing, bon bem er ben S3erg«
nomen dbleitet, mit dnS, aS oS = beuS gufommenbringt. ES gibt in biefifler ©egenb
auch no^ einen SIfenberg, ein SIfemiffen unb Stffemiffen, ein il'eil bom S:eutoburger
SSalbgebirge beiBt „OSning" = Slfenegge. 3vtm „Öfenberge" mit ber gleidhen etb*
mologifchen 93ebeutung meint iß.: „SBobl bon feiner ,oefenförmigen‘ ©eftaltl" Er-
ftaunliibl S)aS bürfte ber ©ibfel trambfbafter, unmöglicher ^oblbeutungen fein.
Eßon mödhte fragen: glaubte mon benn, baB unfere ißorfabreh ftumme ipunbe ge«
toefen feien, bie ihren iöergen unb @tötten feinen iEamen gegeben haben? ober boB
baS SSoIfmit ber Einführung beS EbriftentumS blöhtich olle feine oltgetoobnten
OrtSbenennüngen über 53orb getoorfen unb fie burd) neue erfeht hätte? S)oS ift ein¬
fach unmöglich, obgleich bamalS bon ben ißrieftern unb SOZöndhen oEeS gefcheben ift,
toaS an SSerftümmelung unb SluStilgung ber ouf ben ©ötterfult gurücEfübrenben
9Zamen geleiftet toerben fonnte. S)aS lag in ber SPZetbobe begrünbet, mit ber boU S?orI
bem ©roBen ob baS Ebriftentum in ©ermonien eingefübrt mürbe. Unermüblich
müffen unb moEen mir bon ihr reben. ^n fchroffem ©egenfabe gu bem urfbrünglichen
©eift unb ber Sehre ^efu Ebrifti toar bie bamalige römifdhe Kirche in oEen ben
©tücfen, bie ihr gur ©tärfung unb SluSbreitüng ihrer SKodht nüblich erfchienen, gu
ber SlnfchauungSmeife beS Sllten S^eftaments gurücEgefebrt. S3ei ber
Untermerfung ©ermanienS unter bie ßirtbe mor man bis auf ben iSuchftaben ge«
borfam einer SInorbnung unb bedte fidh mit ihr, bie 5. Eßofe 12, 2 unb 3 geftbrieben
:ftebt: V: ■ >
„3erftört alle Orte, ba bie Reiben ihren ©öttern gebient
haben, fei e§ auf hoben S3ergen, ouf bügeln ober unter
Säumen; unb reiBt um ihre SIItäre unb gerbredht ihre ©äulen
unb berbrennt mi t g euer ihr e $ ain e unb bie Silber ihrer
©ötter tut ob unb ber tilgt ihren SZa m en aus b e m f elb en Ort."
^0, fo ftebt’S gefchrieben: ES foEten auch bie SZamen guSgetilgt merben! Eßaffen«
meife merben bo, mo man ftircben, Stiöfter unb StobeEen auf bie ölten Heiligtümer
S'Jamen — 9?amenberttlgung 229
gefegt fjotte, bie bisherigen Ortsnamen berbrongt fein! Stn ihre ©teile traten mit
SSorliebe bie auf ^eilige besüglidhen 3?amen. SBo eS aber nidht anging, ben Orten
ein dhriftlidbeS ©epröge ju geben, unb mo amf) bie bereits oben ermähnte ©atani»
fierung nidht gelang ober nid)t angängig mar, ba fudhte man mit ber Seit bie SItamen
ober ihren ©inn gu beränbern. 6S ift gu bermunbern, bafe hoch nodh fo biele fltomen
übriggeblieben finb, in benen mir SBegiehungen gu ber germanifdfen SSergangenheit
mieber erfennen tonnen.
SBenn bie beibehaltenen alten fltamen, beren fultifdhe Sebeutung aHmählidh in
Sßergeffenheit berfunfen mar, bon ben ©dhrifttunbigen anberS gefchrieben ober fonft=

2(bb. 75. !5)ie §üncnfir(he bei Oerlinghaufen

mie geänbert mürben, bonn hat baS SSoIf nadh unb nadf angefangen gu glauben, bah
bie gelehrten Seute eS mohl beffer miffen müfeten unb mit ihrer ©chreibmeife redht
hätten, unb bafe eS felbft mit feiner gemohnten ©bredhmeife unrecht hätte. SSie eS
g. 33. einem „$ühnerberg", ber „.günenberg" geheifeen hoben mirb, ergangen ift, ober
bem ermähnten „.'iföterberge", fo bürfte eS noch ungähligen anberen fRamen ergongen
fein, unb baS um fo mehr, alS ber bemufete SeränberungSmiHe ber erften Seit in ben
fhäteren Seiten bon ber nidfet mehr iiberbietbaren SSerftänbniSlofigfeit beS
Humanismus ber ©ebilbeten nbgelöft mürbe unb unbemufet einen S3unbeSgenoffen
erhielt.

einer auS ber neueren Seit ftammenben Unterbrucfung eines alten fRamenS, bie
mahrfdheinlidh auf ein 33effermiffenmoHen miffenfdhaftlidher Herren gurücfguführen
ift, bin ich bor furgem begegnet, als ich bie auf bem 2RefetifchbIatt fRinteln als „gran-
fenburg" bergeichneten mädftigen unb mohlerhaltenen ©ruubmauern ber 33urgruine
230 15. ^eilige Stnien

S^obemann befuc^te. 2tl§ tdf) ben toenige 100 m abfeits too^inenben SSauern nad| bem
SSege swr »»Srantenburg" fragte, faf) er micE) eine SBeile unfid^er an unb fagte: „Sie
meinen toobl bie ^ünenburg?" — S>a§ ift aSerfäIfcEmng ber Überlieferung! boBe
midb gefcbömt, ba i(b bielleidbt basu beigetragen habe/ben Sauer glauben au matten,
eB toöre mirflicb eine „3franEen"burg, fie fließe au(b jo, unb er muffe fie nun fo nennen.
®a§ bebauere idfi um fo mefir, ul§ icfi — oben angelangt unb bor biefem fjcädbtigen,
fauber ouBgegrobenen unb nabeau lütfenlofen ©runbriß ftebenb — miä) an bie SluB»
grabung ber Surg burdb ben mir moblbefannten f ©anitötBrat SBeiß erinnerte unb
an bie böHig unaureidbenben ©rünbe benfen mußte, bie biefe Surg au einer granfen-
burg umgeftembelt batten — bcmbtfädblicb auf ©runb ber feramifcben unb fonftigen
gunbe, beren ©benbilber in unfern SWufeen eben alB „fränfifdß" auBgeaeidbnet finb.
©dbudbbarbt lößt ber ^ünenburg ihren guten ölten Dramen, ©roßen 2Bert fcbeint
er auf einen fleinenan ber Surgmauer bängenben 0taum üon noch nicht 15 qm ©röße
mit einer IVa m breiten„SIbfiS" au legen. (Sine feitlidb baranliegenbe abünbrifdbe
©rube erflört er oIB piscina sacra (heiliger gifcbteiä)) „für bie SfbfäHe beB SIItarB",
unb nennt bie ©rfcbeinung eine feiten frühe. SSenn bieB überbaubt eine dbriftlidbe
.Tabelle bat fein fönnen, bann mirb fie burdb'bie Slnnabme, baß fie nadbträglicb ein¬
gebaut tourbe, noch om ebeften erEIörlidb. 2Iuf feinen galt liefern toeber bie gunbe,
noch ber Sau alB foIdber einen SetoeiB, baß biefe ^ünenburg nidbt fdbon in bördbrift-
lieber Seit entftanben ift. ^nBbefonbere muß natürlich ber ^intoeiB duf ben Äalf*
mörtel alB. SetoeiB gegen OorfaroIingifdbe Sntftebung aurüdfgetoiefen toerben. SBie
läbmenb eine folcbe.auf unautreffenben SorauBfebungen unb unfidberen gunbbatie-
rungen rein negatib aufgebaute SEnnabme auf bie ©rforfdbung ber germanifdben Ser»
gangenbeit toirfen mußte, haben toir bereitB in bem SIbfdbnitt über bie ^oblfiäbter
Suine befbrodben. ^
Sbnlidb ftebt’B um bie auf unferer Sinie liegenben „^ünenfirdbe" im SönB-
bergloger. ®er Sfome ift ihr unbeftritten gelaffen, ober fie ift mit ^olfmörtel errichtet
unb foH burdbouS olB chriftlidbe Tabelle entftonben fein, trobbem ihre Sauort eine
folche SInnobme auBfdbließt unb man geatoungen toar, bie ©ntftebung beB SagerB min-
beftenB ouf bie ©renae ber föchfifdben unb frönfifdben Seit au feben. .Stan febe fidb
SIbb. 75 on, toelche bie Slltartoonb barfteHt. ®aS nachträglich sugemauerte große
Stürlocb ift eine für einen Slltorraum böHig unmögliche (Srf^einung. Saau fehlt bie .
nottoenbige ©buimetrie ber ©boranlage. SIuBtoärtB finb Otrebebfeiler; aber fie finb
nachträglich angeflebt, um baB SluBfeben einer cbriftlidben Tabelle au fdbaffen. Se-
adbtenBtoert ift ber SInfab eineB ©etoÖIbebogenB alB ein SeugniB beB orbnungBmäßi-
gen, nottoenbigen (SnttoidEIungBgangeB, ber nach toenigen ^abrbunberten biB au ben
©roßleiftungen ber Somgetoölbe führte. Sor biefem Saum liegt ein atoeiter gleidb-
großer Saum — ein für eine chriftlidbe ßultftätte ni^t erträglicher ©runbriß.
Satürlich beruht bie ©bätbatierung ber ^ünenfir^e toieberum auf einigen gunb-
. ftüden. 2tlB ob nicht auf germanifdbem Soben in einer germanifdben Sölferfdbaft in¬
folge beB atoifchenbolflichen StuSgleidbB ber ^erfteHungBfenntniffe ober infolge beB
^onbelBberfehrB in beäug ouf manche ©ebraudbSgegenftänbe eine gleiche ®nt-
toicEIung toie auf goHifebem Soben bor fidb gegangen fein fönnel Unb toenn bie
fränfifeben ober merotoingifeben gönnen ufto. toieberum römifche ©inflüffe aeigen, fo
bleibt bie ©ache genau biefelbe. ®iefem ©ebanfen fteht nichtB, aber oueb gor nidbtB ent-
SSiberftrebenbe 5?ulturgeicf)icöte 231
gegen, al§ ba§ Don ^offinna fo trefflicfi gegeißelte „SS i b e r ft r e 6 e n b e r ß u l tur-
gefd^icßte", bem SWottfiioS ßodf) su ienem flaffifcßen SIuSbrudE Derßolfen ßat
(©eite 11). gibt für bie Slrtßöologen feine bringenbere SJottoenbigfeit, al§ ba§
Unfraut biefe§ „SBiberftreBen§" bi§ auf bie leßte SSuraelfafer auSäurotten unb an
beffen ©teüe eine DertrauenStoürbi ge Obf eftiDität 3u feßen. SSenn
nidbt, bann toirb e§ gar nitfit auSbleiben fönnen, baß fitß neben unferer gacßarcEiäO'
logie, bie bei ißren „merotoingifcöen" ober „fränfif(ßen" ©cßerben bleibt, eine anbere
Sfrcbäologie erbebt, bie be§ „SSiberftreben§" überbruffig ift unb nicßt bergeffen loiü,
baß e§ außer ben Singen, bie man in ber ®rbe finben fann, aucß no(b manches anbere
in ber SBelt gibt unb gegeben bcit. ■
(S§ mag fein, baß idß beSmegen Don getoiffer .©eite übel traftiert toerbe, aber ich
mieberbole: @§ ift bobe bie üblidben Satierung§grunb f öße
ber Strcböologie einmal bur^ ihre SSertreter Don anberen ©eficbtSbunften auS einer
tfteüifion untergogen tnerben. SWan bef(beibe ficb bamit, bie gunbe borläufig rein
fadblicb nach ihrem SSefen, ihren ^arafteriftifdben ©igenfdbaften, ihrer Swfotnmen*
gebörigfeit 3u merten, 3U beftimmen, äu orbnen, in (Srubberi mit foi^Iicben, möglitfift
neutralen ?iamen gu bringen unb gu regiftrieren — toaS ja bei einigen Orubben auch
gefdbeben ift. Sßor aCem befreie man gerabe b i e ©rubpen, beren Satierung für unS
am mi^tigften ift (bie für bie Seit bon Sbrifti ©eburt bis inS- bobe 3)fittelalter in
SSetracßt fommen), bon b o r e i I i g e n g e f cb i db 11 i ä) e n Sfamen! Senn bomit finb
SJröiubigien für bie ßulturgefcbi(f)te biefer Seit gef(baffen, bie auf unboltbarer, feben*
falls unerhört fdbmaler ©runblage fteben unb auf bie Äulturgefdbicbte einen irrefüb*
renben, bireft fcbäblicben Einfluß auSüben. ■
Su meiner ©enugtuung ift audb in ben „© r u nb f r o g e n b e r Ur g ef dbidbtS-
f o rf(bun g" bon ^afob-griefen eine loarnenbe ©timme in biefem ©inne beutlicb
gu hören, ^db befinbe mich aifo in guter fadbmännifcber ©efeKfdbaft.
Unb bie borangehenben Seiten? gür ben engen gadbfreiS mögen fo engbrüftige
9?amen toie „Satene" unb „^aUftatt" nodb ihren Sienft tun; foHen aber meitere Streife
fidb mirflidb enbgültig mit ihnen abfinben? SJian fagt „römifdb"; eS ift Seit, germa=
nifdbe J?ulturerfdbeinungen auch „germanifcb" gu nennen.
©erobe in ber fprungtoeife fortfcbreitenben Slrcbäologie foHte baS Einroften in
einem überlebten ©efüge forgföltig bermieben merben. Sunftmäßige Hemmungen
unb S3inbungen foGten gerriffen toerben, toie eS ^offinna einft getan bot. SaS ift
aber f(bon lange her. SSir möchten gern ben folgenben ©cbritt noch erleben.

Ein bö(bft auffäGiger SGome ift auf ber SönSberglinie noch bie„SIötebfeife" alS
S3egei(bnung eines ©elänbepunfteS, an bem ficb feßt gtoei Käufer befinben. SSenn
eS uns als felbftberftönblich erfcßeint, baß bon ben für.bie geuergeidjen beftimmten
SBorten gugleid) auch §örfignoIe für bie nabtoobnenbe 33ebölferung auSgegeben
tourben, bann ift eS feine getoagte SSermutung mehr, baß bie SSärter biefer ©tation
einft auch burcb ißfeifen ihre Seute gu beuacbricbtigen pflegten.
S3ei ber glötepf ei fe erinnern toir unS an baS S3eifpiel Sfr. 17 mit feiner ©adt»
pfeife. ,ßein S^eifel, baß aGerlei Erflärungen biefeS für einen ber böcbften S3erge
(674 m) beS ©auerlanbeS bocb recht feltfamen SfamenS im ©cbtoange geben. Slber bie
ridbtige Erflärung, bie mit ber alten S3ebeutung beS S3ergeS als ^ult- unb ©ignal»
232 15. ^eilige Sinien
ftötte gufommenl^ängt, toirb fd^on bor ütelen ^al^rbunbertett mit Sorgfalt Befeitigt
fein, SBir aber benten baran, bafe bie finbigen Signaltoörter biefer Stätte, wm bon
bem BoBen Serge outf) ^örfignale abgeben au fönnen, au bem Hilfsmittel beS Slafe*
balgS gegriffen '^aien, ti)obur(B fic Sirenentöne mit febr großer Sragtoeite abgebeh
fonnten. — Über bie biSberifle ©rflärung beS S^omenS Sadbfeife ift auch bei Hehler
unb ScBneiber nidfitS in ©rfnbrung au bringen.
SDonn ift auf bie beiben. fßunfte- ,;HoBenh)art" unb „2IIt-SIomberg" aufmerffam
au matben, too in ber Statur iefet nitfitS mehr, amf) nicfit einmal bie Södber ber einffigen
SOiale au finben finb. Slberber Stame i.HoBentoart" — iebt bie Seaeidbnung für einige
Höufer — ft>ri(bt für fidb felber. SCSaS Sllt'SIömberg anbetangt, jo batien, mir un-
ameifelBaft in biefem alten, iefet lebiglidC) eine beadEerte Sergnafe beaei^nenben glur«
namen ein Stüdf erftarrter ©efdbidbte au erblidfen. @S leudbtet im SlidE auf biefen jo
benannten SIöB ein, marurn ba§ i e b i g e Stöbtdben Slomberg mit feiner Surg im
alten OrientierungSneb feine Stelle bat. ®er Umftanb, bafe in bem Sereidb 3IIt«
SlombergS ein Steinbeil gefunben morben ift, bient ebenfalls aur Seftätigung ber
uralten Sefiebelung beS SlQbe§. \ .
Slufeer ben ^tarnen, moburcb bie örte in Serruf gebracht merben foGten, mobin oQe
SÜeufelS- unb Hejenorte geboren, Oielleidbt audb manche „Saufe"berge u, bgl., baßen
mir bie Giamen an beachten, bie, mie mir fdbeint, fidb auf bie ©eftaltung ber
SWale beaogen haben, mie ßrufe, Stucfen, Sßabl u. bgl. fomie, meinen obigen Dar¬
legungen gemöh, Dbören, Dören = Durm; meiter bie mit ben alten QJöttern anfam-
menbängenben Gtamen ßöter, SIfen, Donner, ©oben ober ©üben, grigg ober grei.
ßöterberg fann fprachlich n i ch t ouS ©ötterberg entftanben fein, aber eS ift eine mehr*
focbe abfichtliche Umbiegung aus „©ob" ober „SBob" an tiermuten.
Dafe bie unaöbligen £)fter-Drte nur au einem Deile mit ber blofeen Himmelsrichtung
Offen etmaS au tun haben, aum anberen Deile bagegen entmeber mit bem in ber Ie|ten
germanifchen Seit berrfchenben OfterafuItuS anfammenbängen, ober hoch mit ben
Ofterfeuern unb Dfterfeiern, bie alS ein Überbleibfel beS OfterafuItuS onaufeben finb,
barüber bürfte mobl eine 2>JeinungStierf(hiebenbeit nicht mehr befteben. SIber biefe
Ofterorte finb fo aablreidb, bafe fie unS in unferer Orientierungsfrage nur auSnabmS-
meife nühen fönnen.
2IIS Seifbiele tion Sinien, bie beadbtensmerte, fomobl fachlitf) michtige Snnfte ols
auch Stamen barbieten, möchte ich hier noch atoei ouS bem olbenburgifchen Sanbe
bringen, mo fidb auch fonft bem Archäologen ein überreiches SIrbeitSfelb barbietet.
Herbeigerufen burch ben tierbienten, rnittlermeile uns burch ben Dob entriffenen
Sremer S?aufmann Stbolf Helb, fanb ich tior 3 fahren im „öob", 1% km meftlidb tion
Dötlingen, unb amar im fßoggenboblSIanb nörblich ber ©olbberge ein großes Selb mit
ben Drümmern aablreidber Steinfreife (Drojoburgen), beren Seftanb noch ber Stuf'
nobme harrt, ehe er als Saumateriol gana tierfdbminbet.
32. SB a cb t b e r g 50,0 —10 km — Stto 0,05* ßtr^e ®ötltngen — ®eiicbtSflätte —
SIfcbenftcbt — 9 km — Stro 0,1“ SBunberburg (SRtngwäHe) — <Sd§ule bet bem Itrcbcn-
lofen cScelte — 11 km — Stro 0,2“ Jtircbe S3orrien—^ Dflpunlt.
33. Str^e ®olbenftebt, Dftcrborn — 16 km — §ünenburg (SKingwälle) füböfUidb
Xtriftringcn — SBebrenberg — Stlagebola — Stcl}tenberg — griebb. SüdEen — §orft
ä^oifcben Slltenburg unb ®onnetborfl — ®Iobeburg —äufatnineu 50 km — Stni 0,3“
Sirene Sircbteolingen — 6% km — Stw 0,15 “ Sirebe Sterbe — StarlSberg — Ofmunlt.
Öftltcöe§ ®eutf(f)Ianb 233
iPZeine Unterfud^ungen I)Qtten fi(5 Bi§ baf)in ouf Befc^ränfte (SeBiete Be§ toeftlic^en
SeutfcöIanBB, BefonBer§ ^leBerfadBfcnS Besogen. SIBer einige 2I«§BItcEe in anBere
©egenben ®eutf(f|lQnB§ ergeBen, bü^bie ölte Ortung oucB auf ©eBieten be§ öftlic^en
®eutfd^Ionb§ nocft nocfisutoeifen ift. @§ seigt ficB oucC) bofe bie flobifcBen ©in-
Brüche in§ öftlicBe ©eutfiBIonb, bur(^ bie bie Beurteilung ber alten germonifdBen
S3efiebeIung§berBöItniffe fo oufeerorbentlic^ erfc^lnert tnorben ift, bie @t)uren einer
Ortung, bie ber Ortung im toeftlid^en SDeutfdöIanb b ö Ili g gleich getoefen ift, nidE)t
gans BaBen bertoifc^en fönnen. ;
3Wit Befonberer greube lieft man Bei 3K o £ S e i tf) f e n r i tt g^ fo montfien untoiber-
leglicBen S3toei§ für bie rein germanifäie ©runblage ber ßultur im ^önigreidB ©acB-
fen. Bei beren Beurteilung Bi§Ber BiS aum ÜBerbrü^ ben nicBtgermanifdEien Bölfer-
f(Boften bie UrBeBerfcBaft sugefprodBen Iburbe.
Unter gleid^em ©efid^tStoinfel ongefefien, toerben audB bie üBerauS Bebeutfamen fjor-
fcBungen © r i (§ ^ u n g üBer bie in bie dBriftlicBe Seit Bineinragenben Seuflniffe
bon germonif(Ben ©öttern unb gelben baau Beitragen, au§ ben gut germanifdBen-
©egenben, auf bie fi(B feine OforfdBungen BawbtfödBIicB BeaieBen, bie fo gern Berouf-
BefdBtoorenen ©efbenfter frember Äultureinflüffe au bertreiBen.
Sloifc^en ben OrtfcBaften © äj I e f i e n § mit iBrer gänalidB anberen STnlage, al§ mir
fie im toeftlidBen OeutfdBIanb feBen, unb mit ben flabifdBen ^tarnen, aeugen bie bielen,
aum großen S:eile alten beutf^en Spornen bon einer Kultur, bie bon §au§ auB germa-
nifdB ift. ÜBeroIt erinnern un§ bie $aine, aber audf) bie SSBein- unb SidBtenBerge, bie
Bronb-, S^eufelB- unb §öIIenorte unb bann bie SBacBt- unb SSartBerge (fofern biefe
lefeteren loegen iBrer Sage in ben mittelalterlitfien unb fböteren Suftönben feine ouB-
reicBenbe ©rflörung finben) an eine bordBriftliiBe germaniftBe BergangenBeit.
S)er Umftonb, ba6 meines .SBiffenB toeber bie Befte bon germoniftfien SagerBurgen
borBonben finb, an bie qngefnübft toerben fönnte, no(B aucB unberfennBare SBing-
bloBfirdBen, toeit aur Seit ber BefeBrung ©dBIefienB bort gana anbere BeböIferungB-
unb MturberBöItniffe geBerrfcBt BoBen, fonnte bie UnterfucBung tooBI erfcBtoeren,
oBer nidBt meBr bon iBr aurüdEBalten, oI§ mir in ber ©raffcBaft ©loB atoeiSBocBt-
Berge auffielen mit aftronomifdBer ©infteHung auf ber Borblinie. ©ine ©rflö-
rung be§ BamenS biefer SBartBerge an biefen ©teilen lebiglicB bur(§ mittelalterlidlie
Bebürfniffe, Borgänge ober ©ebflogenBeiten toar unerfinblicB. Buinen finb ni(Bt
bermerft. ^m übrigen toürbe fo audB eine fbötere Bertoenbung bie Bertoenbung in
ber borBergeBenben Seit feineStoegg auSfdBIiefeen. BocE) BefdBoffung ber Btefetifdli-
Blötter jener ©egenb aeigte fidB; um einen Stoeifel ouBaufdBIieBen, auf eben biefer
Borblinie atoifcBen ben Beiben anberen SBodBtBergen nodBein britter SBadBtBerg!
Sie BiSBerige Slnfi^t über bie SßadBtBerge toar nidBt in ©rfoBrung au Bringen.
34, 3B a (B t B e r g Bei ®iofc§Iau — 3% km — 3Ba(BBerg füböfil. Beubed — 15 km —
23 a^ t B er g Bet ®ro^au ^—Borbpimlt.
Stuf bem SBotBtBerge Bei ©rodBau mufe bie SBarte für bie aaBIreicBen „alten
©dBanaen" umBer, einerlei aus toeIcBer Seit fie ftammen, ouf bem S:.B- 417,8 ge-
ftonben Baben. BodB fünf trigonometrifcBe Bunfte BeaeicBnen un§ oI§ StoifdBen-
ftationen feBr fdBarf ben SSeg ber Borbfüblinie Bi§ au bem mittleren SBacBBerge oBer-
^ Sctc^fenrtttg, „Dpferfleine unb BetHge §aine 2Beftfac§fen§". ^ Qung, ©emtamf^e ©ötter unb
§elbcn in cCjriftlic§et Seit, S. fy. Seemann, 9Künc§en 1922. :
234 • 15. ^eilige Stnien
I)al£) be§ „$ain§" oin J^rinaltc^en gorft ©amena. (2IIte§ Sifteraienfer-fftofter au§ bem
Sci^re 1094.)
SBtrb Me Sinte fo al§ ric§ttg angefel^en/bann l|at bcr Söranbftapel beS mittleren SSac^bergeS ouf
ber 125 m ftibn)eftlic§ be§ 510,6 gelegenen etwas l^ö^eren Su^ipe beä SBergeS geftonben (2tw 0,1®).
$ier befinbet fiep, wie mir mitgeteilt ift, eine l^alblreisförmige, mit Steinen eingefaßte SSiefe unb in
ißrer ibiitte ein grober Sölotf. ®ann lommt nac^ 3% km ber füblic^fte ber brei SßJacCjtberge über Ober»
^annSborf, über beffen Sattel, wo bie SBarte geftanben ßaben mu^ mir intereffante illa§ri§ten äu=
gelommen finb. ®ie fjortfefeung ber Sinie geßt in auffdUiger SSeife burc^ bie trigonometriftfjen ifSunlte
bon aiofenbergen unb Souerberg unb fd^eint bis au bem SSaHfaßrtSort SUldria^Sc^nee ju reichen. Sie
berührt auc^ ben Sc^eibenbufc^ beS uralten Sd^eibenßofS bei Sunjenborf.
fßor ber Unterfuc^ung btefer ©egenb Iiatte tc^ biofeen ^öbenaafelen unb tr igono«
m e t r t f eil c n 5ß u n £ t e n £eine Befonbere Slufmerffomfeit gefdfienü SlBer btefe lefete,
f(f|on 01) n ebe m burdb ibre 3 SBac^tberge auf ber furaen StredEe bon 19 km überaus eim
Ieu(f)tenbe Sinte bringt, toie loir faben, aufeerbem noch 9 trigonometrifdlie .göbenaafelen
mit aufföHiger @enauig£eit. Sie foH mir beSmegen (Selegenbeit geben,;ein SBort über
bie ben ^öbenaablen auaumeffenbe fRoKe au fagen, menn fie auf ben Sinien auftaudben.
Sie ÜRenge ber ,§öbenaablen auf unfern harten ift unaofelig, jebe beliebige Sinie be«
rübrt ihrer mehrere, mandhmal auch fiele, fo bafe idh fie anfangs als Seugen mobernfter
Kultur grunbfäfelidh unbeachtet liefe. Slber eS toar mir hoch aufföHig, bafe fie hier unb
' ba gerabeau aufbringlidh toaren, nicht nur bei ben IRorblinien, toaS ich no^ allenfalls
berftanben hätte, fonbern audh bei ben Cftlinien. Stuf meine Slnfrage im SleidhSamt
für SanbeSaufnahme. mürbe mir bon ben beiben unobhängig boneinanber befragten
SSermeffungSbirigenten bie naheau gleidhlautenbe SCntmort auteil; a ben t r i g o •
nometrifche SPunfte gleidhe Sänge ober ©reite, fo ift baS ber
reine SufoII» offtdhtlief) gefdhieht eS nie."
Saraufhin habe idh folthe (Srfdheinungen nidht mehr grunbfäfelidh unbeaefitet ge*
laffen. aSenn auch megen ihrer grofeen 3ühl immer erft ber 3ufon anaunehmen ift,
fo gibt eS hoch Sagen genug, bie ihre ©eadhtung erforbern,’ ©ei einigem IRachbenfen
ift ber innere gufammenhang beS mobernen SunS unferer (Seometer mit ben alten
Stätten, um bie eS fidh für unS auSfdhliefelich hanbelt, mohl einaufehen. ®S ift im
üeinen baSfelbe, maS mir fdhon bei ben StuSfichtStürmen bebacht haben. SBenn fi(f| ber
brattifche ®eometer, ber feinen Stein fefet, in feiner SBeife um bie ^erfteCung einer
Storb* ober Sftlinie fümmert, fo ift eS ihm hoch bequemer, Stellen ouSaumählen, bie
einen gemiffen UmblidE gemähren unb mornöglidh bequem an einem SBege liegen,
anftatt abfeits in ben SBalb au gehen, ober gar ins ©ebüfeh au friedhen. So treffen!
benn bie ©eometer beim StuSfehauen nach einem geeigneten ©unfte gana unmilltürlich
in erfter Sinie auf bie Stellen ber alten 2RäIer, bie fa fämtlidh auch unter bem @e*
fichtSbunfte ber freien Sicht auSgemählt maren, unb bie fidh oft burch bie ^ahrhun-
berte hinburch ihre StuSfonberung auS bem umgebenben ©elänbe nebft Qumegung
bemahrt haben. So £ann unS mandhmal eine $öhenaahl bie SteKe be§ alten Srien-
tierungSmalS angeben.
aSadhtberge gibt eS fonft auch nodh mehrere in Schtefien.
35. ®et SBaeßtberg Bei ©tc^au ßat in 3 km Entfernung auf feiner Dfllinie ouf ber Sfeaßpl^e
bie „81 f p e n w i e f e" unb 2 km weiter eine ^ 10 b b e r 1 a p e 11 e (SCw 0,1®).
Sie Slfbenmiefe 30g noch ouS anberen ©rünben, beren ©efbretfiung hier au meit
führen mürbe, meine Slufmerffamfeit ouf fidh. ©ie ermieS, fidh bann ouch olS ein
JtngonometnfcEie 5l5unfte 235
Snotent)unft 5er Orientierung. 5Der (SitJfel 5e§ SBacEitbergeg bei (Sid^au ift fünftlitb
abgeplottet; eigenartige Söcber erinnern bielleicbt an einftige Sauten.
36. ®ie 2C f p e n w i c f e bat nic^t nur auf ihrer SBeftoftlinie, fonbetn audb auf ihrer Slorbfüblinie
einen 2Barthberg, näntlich ben S8 a r t h b e r g füblidj beS ©täbtctjenS SBartha, ber feine
germanifdje Sebeutung noch h^nbgreiflich burcfj feine SSaUfahrt§Iapene seigt; bann
lommt nörblich SSartha bie auSgebehnte Slnlage ber SRofenlranjlaiseHen, inner»
'^ali bereu ber 380,2 olä bie Stelle eines germanifch georteten SKateS anjufehen fein
bürfte. Ob bann ber 7 km füblich ber Stffjenwiefe gelegene Slafifjerberg auch
biefer Sinie äugehörig anäufehen ift, wäre äu fsrüfen; fein S.ip. liegt 125 m weftlich unferer
Sinie unb weift nichts SenterlenSwerteS auf. 3lber fein 5lante beutet Oielleiiht auf bie §ör=
fignale hin.
S)ie toeftlicö biefeS ^Iat)t)er£ierge§' gelegene 21 n n a f a t) e H e tommt, toie mir
fd^eint, für eine Oftlinie in SetradE)t. Sür eine Orientierung ber 2lnna m a r t e iin
gorft ®ot)m ouf fliorbfüb unb Oftlueft fprid^t fartenmöfeig gtear nur eine 2Inänt)I bcjn
SC.fß., aber ihr Sefuc^ fönnte ftdö um ihres füamenS tuillen bielleicht bodh lohnen.
Unfer Sorhaben erforbert Sefudhe über Sefudhe, auch menn bie iDtehraahl au§ ben be»
fannten ©rünben tiergeblidh fein mufe.
S)a alle Orte mit Seudhtnamen unfer gntereffe ertoedEen, fo möchte idh Sidh*
tenlo alb e in ber ©lohet ©raffchaft nidht übergehen. ®ie ©rflörung mit „Sichtung
tm SBalbe" ift fo nichtSfagenb unb unmahrfdheinlidh, bafe mir unS mit ihr nur im 2iot-
foHe begnügen mollen. ©in ©igennome toiH inbioibualifieren unb unterfdheiben. ©in
9?ame, ber lebiglich einen Segriff äum 2tu§brucE bringt, ber auch ähnlichen Slöhen ber
Umgebung im gleichen SWofee gufommt, ift fein ©igenname. Ign folchen gäHen ift ein
©rflörer ftets auf faifcher ©pur. 0ehen mir, ob Sichtenmalbe nidht eine anbere Sebeu»
tung hat.
37. ®ie burch 4 Silbftöde auf ber ßarte gelennäeichnete §öhe 640 über bein gorfthaufe S i ch_t e n»
walbe, wo wir boS weithin leuchtenbe fjeuer in ber ©ermonenäeit anäunehmen haben, hol
bem Orte ben Sianten gegebenl Sm äBeften ift auf bem S3erghange nichts ä« öenierlen,
aber borüber hinweg liegt bie Stirdje bon Stuhlfoif cn fcharf auf ber Sinie; int 37orben
muffen auf ber großen ®ebirgSlehne mehrere 3n)ifchenftationen gewefen fein, unb äwar fchon
noch 1 km, ba wo bie beiben gußwege an bet ©emeinbegrenäe äufammenlaufen, bann nicht
weit bon ber aJlanbelfichte unb §5he 681,4 über Eilenburg unb StephonSberg; wenn wir
bann 4 km norbli^er bie ßirche bon S^eu W eiftriß auf biefer Sinie finben, fo lönnte
hier ■—wie in Stuhlfeifen — audh mal bie Sage bon fchlefifchen Stirchen in einem gingeräeige
werben, ^n ber Oftrichtung ift ni^tS äu bemetlen.
©he mir ©chlefien berlaffen unb auf toeitere Seuchtnamen achten, möchte ich auf bie
SSerhöItniffe im SreStouer Seäirf hiumeifen, über bie ich mich nur mit ftarfem Sor«
behalt äufeern fann. auf bem gobten mit feiner Sergfirche unb OueHe ein
germanifcheS Sergheiligtum ftanb, liegt mohl auBer oHem gmeifel. ©rinnern mir unS
baran, bah bie altteftamentlich beeinfluBte alte dhriftliche S?irche bon ^pau§ au§ burdh-
au§ gegen ben ^öhenbienft eingefteüt mar, ber in Solöftina su ben gu beförnüfen-
ben ©reucln gehörte. Ob nun bie SBilhelmShöhe im SBeften, ©rofeburg mit feinem
hier burchauS beachtensmerten ^irdhbloh im Often, ber SSachtberg bei ©auth im
9iorben unb ber ©eierSberg im ©üben gur Ortung beS gobten gerechnet merben barf,
mirb bon S^unbigenr beftätigt.
r Steuerliche Untcrfuihungen burch Dr. Sarmer=Stettin unb ftub. theol. §irfch=Strehlen. Sehterem
finb bie örtlichen Unterfuchungen in ber ©roff^aft ©laß äu banlen.
236 15. ^eilige Sintert
®ie Soge be§ SB o r 16 e r g e § ßet fieuleiiborf, 28 km toeftlicE) ber, inie mir Weint,
ölteften ©ieblungSftötte in SreSlou, J^ot ebenfoHä 3ur Stnno^ime einer Ortungälinie
geführt; e§ toöre oucb au fragen, ob nidfit ipofilantoi^ unb ^otfifircE) im S^orben
nnb DJtonbelQU im ©üben biefeg 5{5unfte§ einen Stnfialt für eine S^orbfüblinie bor-
bieten. —

Unter ben Seuc^tnamen aiefien Sic^tenrobe, Sitf)tenberg nnb Sid^ter*


f e I b e bei 33 e r I i n bie Slufmerlfomfeit auf fW. ■
38. ®er ßttd§plo^ öon St. Slilolai l^inter bem Sd^loß wirb otä ber ältefie SteblungS»
SBeriinS angegeben. Sei einem Serfuc§, ob fic^ auc^ in Serlin GrtungSerfc^einungen
äeiaen Würben, wor eS mir im ^o^en ßtrabe auffüEig, bag bie Siorbfüblinie ber i I o l a i»
l i r ^ e im Süben auf S i c§ t e n r a b e trifft; unterwegs wirb als .Swifi^enflation ein
Heiner alter ?Jrieb]§of in SetracCjt lommen. Sie Sinie 5at natf; STtorben im Schloß S§6n»
Raufen no(| einen beachtenswerten 5(5unlt. (Sntfemung 7 km, 2lw 0,1 “.) Sag 2 km
weiter bie füblic§e griebhofSIapeEe am_8ioaberge auf ber Sinie liegt, mag auföEig fein, waS
burch ©inficht in bie ®efchichte beS fjriebhofs ilaräufteßen wäre. 3a beachten finb ferner bie
3:.ip. 59, 60, 56 unb bie ®ammSmühle. SlEe ißunite haßen lleinfte Slbweii^ungSwinlel öon
ber Siorblinie ber Eiilolatlirche, foweit eS fich auS ber „Äarte ber Umgebung bon Serlin (Son«
beSaufnahme)" feftfteEen lägt. — Sn Sidhtenrabe bürfte als SteEe beS Seudhtmals noch eher
bie §öhe fübli^ ber Slirche, als bie ^itäje in Betracht lommen; bie 2lw finb in beiben ptten
fehr Hein (0,05 unb 0,25 “) bei einer (Entfernung bon 14 km bon St. Stilolai. SebenfaHS
, haben wir hier eine beochtenSwerte ©rf(heinung.
39. S7un ober wirb unfere SCufmerlfomleit berboppelt. Sluf ber Dftlinie eben biefer 3liIolai =
Iir(he liegt Sicht e.nb erg (griebhofSlapeHe), bie ^irdhe SB u t; lg arten unb bie
■ Sir che tjreb erS b 0 rf 1
®ie piebhofSIapeHe in Sichtenberg fteht auf bem SBinbmühlenberg, auf bem ihr Pag auS
• irgenbeinem ©runbe fidh befonberS empfohlen, haben bürfte. 3iaä} SBeften wirb, wie mir
, f^eint, eine ganae Sieihe bon ißunlten mit öffentliiher Sebeutung, i. Z. ouch mit intereffonten ■
■ ' Samen bis hin jur Sirihe bon ißriort berührt; eine Beurteilung berfelben muß i(h ben mit ber
Berliner ©efdhichte Bertrauten überlaffen.
§ierbei barf idh empfehlen, oudh bie beliebteften unb oltgewohnten (Srllörungen erneut unter
bie Supe äu nehmen, ob fie au(h ouSreiihenb haltbar finb. aiian woEe niemals bie Er¬
wägung bergeffen, baß ou^ f(hon in ber borchriftlichen 3eit in ber Biarl Blenfchen ge=
wohnt haben, bie fprechen lonnten, religiöfe Bebürfniffe hatten unb aEerlei ouSgerichtet hoben.
Sollten babon nicht noch manche Somen 3engniS oblegen lönnen?
40. Sludh ber behauptete 3ufammenhang beS SlamenS S i ch t e r f e l b e mit einer betgif(hen Stobt
Siihterbelbe (infolge flömifcher Einwanberung) unb beS belgifchen SomenS feinerfeitS mit ben
Seichterfchiffen bebarf ber Sachprüfung. S'ebenfoES ift nichts an ber SCatfaäje p önbern, boß
ber §auptplah bon Sichterfelbe (ffiirche)puf berfelben Sorbfüblinie ju finben ift, wie ber
Sirchplah ber uralten Sieblung in §ermSborf unb ber alte fjriebhof in Ehor=
lottenburg.

5Die tote ber Umgebung öon S3erlin ftellt nocß eine grofee güHe intereffanter
DrtunggerWetnungen in 2Iu§fitf|t, toobei ^^JotSbom, fRömerfc^anäe, S3abel§berg unb
eine ganae Slnaaßl öon 3lu§ficf)t§türmen nicfit unbeachtet bleiben bürfen. ©otoeit W
jeßt feße, ift bie Umgebung öon 33erlin auch in ber Seit, al§ bie Srtung begann, ber
©chaublaß einer mit ber toeftgermanifchen Itultur eng öertoachfenen Slultur getoefen.
Sdh führe einige SSeifpiele au§ anbern ©egenben an, auf bie ich geftofeen bin, toenn
mir anfällig ba§ ^artenmaterial aur $anb fam. .
41. aBilhelmShöhc-^erluleS — 1% km — Slw 0,05« SluSf.SE. Elfbuchen 1/2 km —
§ühnerbcrg —.3% km — 2lw 0,05®Jtirche SSeimar — Borbpunlt. -
Sic^torte 237
42. Äird^e Söefterla^j^jeln — 2 km — 2ttt) 0,05® ßJabclin (Subenfrieb^oß — 2l^ km —
^irc^c SBerfen — 26y2 km — 2ltt) 0,05® ©onnenbrin! (Jübn)eftli^ S3ab (5[fen).
2Sie aud^ bie borl^ergel^enbe ifl bie^ eine im l^ol^en Q^rabe bead^tenömerte Sinie.
43. S i d§ t e n f c t b (Sötrien) bei Söarmen — 5 km — 2lug{.2^. ^ie^berg — 8 km —
SBill^elmöl^ölÖe — SBeflpunlt.
44. %u§\X. Äönigg^ö^e bei ©Iberfelb — 1 km ^ieöberg — 1 km — Slm 1,0® Sluöf.X.
9^ü^enberg — 4 km — 5llte 51irc§e Sangenberg (S^l^einlanb) — S^orbpunlt.
45. ^irdje ^eienburg a. b. SSupper — 4 km — 0,05® ^ird^e ©dbmelm — 9^orbpun!t, ^ird^e
Sd^melm — 6 km — griebl^. Mngell^oÜ, 33armen — SSeftpunIt.
Slud^ bie SBartburg bet ßiieuad) bat SSerbältniße, bie ber 3iacbfor]d[)ung toert finb.
46. O § n a b r ü cf, ^ 0 m (^enlmal) — 13^2 km — 3ln) 0,05 ® — 2:iöiepla§ Qburg — ©übpunit.
^db toar fcbtuanfenb, ob id) bie ^burg
ober bie 5?ird)e be§ ©täbtdienS al§ Or- 1

tuuggpiinft onfeben müjfe, unb entfdbieb


miä) in ber erften Sluflage biefe§ 93iid)e^
für bie Sircbe. Sei einem Sefudbe an Drt
unb ©teile aeigte fid) mir aber au meiner
freubigen Überrafdbung ali>ifd)en ber
Surg unb ber 5^ird)e ber tounberbar ge¬
legene, nodb iebt „5£bi^bIo6'' benannte
Ortung§p)iinftI Sluf ber ^öbe liegt al§
einbrud^OoHe Sermittlunggftation
fcben ®omp)Iab in O^nabrüd unb XVie-
blab in ^burg bie Sarbenburg. Unter
ber ^burg befinbet fidb bie „SJlennbabn''.
97odb ein mir berfönlidb foertOoIIeg Sei-
fpiel, loeil eg meine Heimat betrifft
47. Sn tieffter ©infamfeit beg 0d^aumbur=
ger SSalbeg, norböfllid§ bom Segbfcblog
Saum, mo^in fid) niemanb alg ber gör=
fter unb feine ^olgl^auer berlieren, be=
merfte id^ auf ber ^arte ein ^ r e u g =
d§ e n; einige Kilometer oflmärtg in er=
böl^ter Sage füblid^ e e r b e cf geigt fid) 2lbb. 76. SJIorbfreug bei SJIeerbecf
ein gleid^eg ^reug(ben. gier ftel^t
je^t nod§ ein mir befannteg grobeg, aug ©tein gel^aueneg ^reug an ber ©trage nad§ gobbenfen.
^ie ö^egenb ift gang unb gar ebangelifd§; ba finb folc^e ^reuge feiten unb auffällig. 9Jian
pflegt fie „5!Jtorblreuge" ober „©ül^nefreuge" gu nennen, ^er Solfgmunb ergäl^lt fid§, bag an
ber ©teile ein Sube erfd^lagen fei. Slber ber 5lder, ber fid§ l^ier anfd^liegt, l^eigt big gum l^eu-
tigen 5:age „^ieftee" = 5i:i)ingfleKe. ^ann finbet man 10 km meftmärtg beg ^alblreugeg ben
9Zamen „Xl^oren" einer gäufergruppe bei Xotenl^aufen auf bem linlen SSeferufer, ber mir
bereitg alg einer ©tation auf ber 9Jtinbener ^omlinie begegnet finb. 2)er ^artograpl^ l^ätte
ben 9^amen ^^l^oren mit gleid^em Oled^t neben bie ©d^ule fegen lönnen, aber auf einen 9D^ e g -
punft müffen mir in folc^en gäHen fomiefo bergid^ten. Som ^ieftee=^reug oftmärtg: 1. ber
]^errfd§aftlid§e ©d^äferf)of bei ^robftgagen, 2. bag aud^ bon ©d§ud§garbt ermähnte alte
„g ü n e n f d§ 10 g" über Sedeborf, 3. bie kird^e „^örener ^urm" bei gannober.
Som SJteerbeder toug oftmärtg ftegt in glei^er ©ntfemung (5 km), mie bom ^reugd^en im
©d^aumburger SBalbe, fübmeftlid§ beg ©d^äfergofg ein gleid^eg alteg ©teinfreug. ©g ift jegt
gut aufgerid^tet an ber Sanbflrage nad) ©tabtl^agen in einem Keinen SBiefenftüd neben einem
gur (^emeingeit ber ©tabt gehörigen ^derfelb (Slbb. 69). Son legterem, mo eg bei ber Um-
manblung in 3lderlanb unbequem mürbe, ift eg mal^rfd^einlid^ nad§ bem SSiefenftüd, mo eg
238 . 15. ^eilige Sinien
m(ä5t läftig war, Derfe^t worben, fo bog feine urfprünglib^e Stelte — wop an ber Slbawei»
gung bc§ 3Bege0 Bei SC.Sp. 68,1 — nidjt mel|r genau feftäufteHen ift. ®ein jefeiger 5ß(a| liegt
etwa 300 m fiiblid^ ber Dftlinie be§ §ünenfiHoffeS (Pc^fler ipunlt), wäpenb eine SlBweicfiung
■ ber Beiben anbern ©teilen Oon biefer Sinie lartenntägig üBerpupt ni^t mep feftfteHBar ift.
SDaä iWal int ©c|auntBurger SBalbe lag am „|iain"pla. Siefe ©teile pt fidj im Sape 1830
ber DBerforftmeifter b. Saa§ für fein ®raB auSgefuc^t. Sine gewaltige, auf 500 Sape gefc^äpe
ei(|e, ift jep baS SBapaeibpen be§ alten Heiligtums, ©ie pt in iper ^ugeiib wop no^ baS 2Kal*
Ireuä an ber aufammenBrec^enben piligen-ßic^e neBen fic^ gefepn. Sine pp als „Hubegrenae" ge¬
beutete SrbumwaEung bürfte aur Srlennung beS UmfangS ber einfligen SKalftatt bienen lönnen.
Stuf ieben gaH pBen wir in biefer Sinie eine fo einbrüdlid^e Srfb^cinung, ba| eine Sr«
Ilärung burc^ SufaU fb^wer möglich ift. ®ie Beiben SKorbIreuae biefer Sinie acige ib| ebenfalls
im Söilbe. SBer bermag über biefe aud; in iper Borliegenben SluSfül^rung
rec^t auffüEigen ßreuae etwas au bem Beiautragen, was Su^ap a. a. D. in auSfüpHc§er,
einbrüdlic§er SBeife üPr bie ©teinireuae Bringt? ^ ,
SSer fiobon überaeugt ift, bafe febe größere ©ieblung unferer religiös beranlogten
Sorfobren ibr OrtSbeiligtum, ihren ®ain nebft ©bielplab unb ihre orientierten fSerg-
beiligtümer gehabt bot, ber tnirb nunmehr in feiner Heimat erneute Umfcbau gu
holten gebeten. aSor allem finb bie Srogen 3u fteHen: 1. SSo toerben unfere Sßorfahren
hier ihren Shingblah gehabt haben? 3u adöten ift auf bie (äSeftaltung ber SSege, fiirdh*
Hiah, Sriebhof, J?abene; Höhenlage; DueQe ober 2. (Seben bie $aut)thimmelS>
richtungen am ^oriaont ober auf ber Sinie gum ^origont 3lnhoIt§bunfte, bafe bort
OrientierungSmörer gelnefen fein fönnten, bie bann audf) bie 3ticf)tigfeit ber Shing-
blahannahme beftätigen mürben? 2Benn e§ burch Srcungen hinburch gehen foHte, fo
molle man fitf) beS erften ©bifteS oon ffiangig erinnern, um beSmiHen mir nur
SluSficht haben, einen mingigen fßrogentfah ber alten (Stötten miebergufinben. Siber
monchmal fonn baS Sufammentreffen gong fleiner Stngeidhen gu SBerrötern beffen
merben, mo§ mon ouS ber ©rinnerung ouStilgen moHte.
48. atehmen wir bie alte ©ieblung §ameln a. b. SBefer aum »eifpiel. darüber, bog bie in ber
großen ©traßenlreuaung gelegene 3tiIolaiIirc§e am SÖlorlt auf bem SEpngplaß ber alten ©ieb¬
lung ftcp, bürfte ein gweifel nii^t oBwalten. ®ie 2% km weftli(h gelegene SSiSmardlanael,
ein, wie eS fc^eint, Oon alterSpr auSgefonberter ifSlap legt gegen ©onnenuntergong bie SEag-
unb 3tad|tglei(he beS Hamelner SpngplapS feft. ®egen ©onnenaufgang ergibt fi§ baraus
als Dftpunit bie weftliche Suppe beS „©ütBergeS", beffen Srtame auf einen alten SSolISBerg
pnweift. ®er Slorbpunlt am roten Serge ift jep bur(| baS S:empel(hen, weIc§eS ni(|t umfonft
gerabe an biefer ©teile ftep, fcharf marliert. Stuf bem SKittagSpunlt ftep ber SSanbercr,
wenn er ben noc§ jep aur SollSerpIung bienenben Opberg Befu(ht unb auS bem ißarl prauS-
tretenb bie prrli^e ^uSfi(ht genießt.
Stßer bie alten ^omelner maren fromme unb Hraftifche Seute; fie moHten gur geier
ihreg ©ommerfefteg bog §eronnahen unb ben Eintritt ber ©ornrnerfonnenmenbe recht*
geitig miffen unb hotten ba, mo feßt bog gorfthaug „^eifenfüche" fteht, unb barüBer
auf bem „©chmeineBerge" (^reugung ber gufemege .göhe 258) einen feften Slnhalt für
bag Sluge bom Sihingplaße aug. ©ollte ber fliame ^eifenfüdhe etma aug ^e^enfücho
entftanben, oifo erft fatanifiert bonn mieber falonföhig gemacht fein? ®aß ber fftame
©chmeineBerg feinen ®runb lebiglich in bem SSorfommen Bon ©chmargmilb, melcheg
einft auf allen Bemalbeten Sergen gu finben mar, haben foHte, ober im Befonberen
SKaße alg SSetbe für bie ©chmeine gebient hot, ift meniger glaubhaft,' olg ber
©ebanfe an bie öffentlithe Haltung ber heiligen ©Ber in germanifther Seit, bie im Be*
fonberen SJZaße ben SInlafe gur Verächtlichmachung gegeben hot.
®te finnüoEe OrtungSerftfietnuno 239

® t g eb rt t§
®ie bisberiflen ©tubien sur Ortungsfrage ftnb ein SInfangSberfucE), ber atoar in
bielen ©inaelbeiten bem Irrtum untertnorfen ift, folDobl binficbtlid) ber grunbfäb*
lieben Sluffaffung unb ©rtlärungSberfucbe, al§ autb binficbtli^ ber berangeaogenen
Orte, ber ober bodb» toie icb gloube, bie OrtungStatfacbe fidbergeftellt bat. ®Q§ ®r*
gebnis fonn >üie folgt aufammengefafet iberben:
1. ©ie Stnnobme einer oEgemeinen Steigung im alten ©ermanien aur Ortung
beruht auf fo aabireicben auffäEigen (Sinaelerfdbeinungen, bafe oudb unter, SerücEfitfi«
tigung ber aunaebft unbermeiblicben Sirtümer eine ©rllärung bureb auföEige ©nt-
ftebungber (Srfebeinungen nicht angebt. ©ie SInerf ennung auch nur einer
einaioen ©rfebeinung al§ abficbtlitbe Ortung bebingt bie Stn-
erfennung ber Ortung oI§ foicbe unb ibrer fömtlitf)en S8orauS•
febungen, bie bor ollem in einer aftronomifeben SSetötigung
befteben. ■ , •
2. ©ie als eine bebeutfome SSoIfSgetoobnbeit anaufebenbe Ortung beftanb barin,
ba& ficb bie ©bingblöbe, Säger, Sieblungen ufto. am ^oriaont SKerfmale für bie toicb*
tigen ^immelSricbtungen öerfebofft hoben, bafe biefe fDterfmale ben ©bototter religiöfer
Stötten annobmen unb nun felbft mieber OrtungSmoIe in ber gleidjen SRiebtung er¬
hielten. .
3. ©er Uronfong ber Ortung bürfte als JSefriebigung eines religiöfen ©mpfinbenS
onaufeben fein, ©aau gefeilte fidb baS brattijdbe SebürfniS ber Seiteinteilung, befon-
berS feit 93eginn beS SIcferbaueS: unb fcbliefelitf) tarn bie SluSnubung beS Oorbanbenen
OrtungSnebeS a«nt Signalmefen im JSrieg unb grieben burdb Staueb*, Sidbt- unb
^örfignale binau. :
4. ©ie OrtungSerfdbeinungen erflören ficb am einfodbften, menn ihr 3Infang bereits
für bie öltefte Seit ber ^nbefibnabme beS SonbeS ongenommen inirb, als man fitf)
nodb unbeengt einriebten fonnte, toie man tooEte. ®ier ift feboih ber Irrtum au ber-
meiben, ols ob bie e r ft en Sieblungen, Säger ufto. f e I b ft bereits unter bem @e-
fidbtSbunfte einer georteten ©infteEung aufeinanber ongelegt feien; bielmebr ift an-
aunebmen, bafe äunöcbft für biefe ölteften ipiöbe ERale gefebaffen toaren, on bie fidb
bann bielfacb bie SEBeiterbefiebelung angelebnt bot.
5. ©ie Ortung ift in germanifeben Sanben oEgemein, unb ihre toitfitigften ©runb-
föbe finb gleicbortig unb ftetig getoefen, fo bafe oudb ber SBanbel ber Seiten unb ettoaige
SSerfebiebungen ber Sßölferfdbaften einen merfboren ©influb nid)t ouSgeübt hoben,
©ie Seit ihres SSerfoES trat mit bem Seitalter ^orlS beS ©rofeen ein\
6. ©ie SBefeboffenbeit unb ©auerboftigfeit ber ERöIer ift eine febr Oerfdbiebene ge¬
toefen, ie nadbbem, ob ein ERal oudb als feftlidjer aSerfommlungSblab ober als ^riftal-
lifationSgunft einer Ortfeboft eine SSebeutung getoonnen batte, ober nicht. ©S tonnte
ein einfoeber, feiner Sifte beraubter JSaumftamm (truncus) ober ein oufgeriebteter
Stein fein, mit einer geuerfteEe baneben — bis bin aum feierlich als Sranbftahel er¬
richteten ©urm ober fonftigen ©eböube.
* über ben SJetfue^ Starts, baS ©tgnalwefen für fi^ auSpnu^en, ’^aii tc§ tm Bufonttnenbang mit ber
Stliebeimer SBarte febon bor meinen DrtungSftubicn eine 3totij getefen. Wäre bantbar, wenn
mir bie betreffenbe ©teile mitgeteilt Würbe, ba fie meinem ®ebäc^tniS entfaEen ift.
240 15. ^eilige Sinieit
7. SWan I>otte «t^^)rüngIt(^) h)ol)I nur bte religiös toic^tigfie unb grunblegenbe 97orb*
Ortung. Snäu fam bann bie t)raftif(f) nod^ UJertboHere, bur(§ Errichtung ber ©enf«
regten getoonnene SBeftoftlinie, bie in ber, fbätgermonifchen 3eii für baS Ofterfeft unb
als loidhtigfte ^alenberlinie bie größere Sebeutung unb häufigere praftifche SSer«
toertung gehabt hohe« öürfte. 2tu(h bie 3uhl öer bon unS noch auffinbbaren SBeft*
Oftlinien fcheint größer au fein, als bie ber 9?orbIinien. — SSegen ber ftrengen ©dhei-
bung ber i?ulte für bie berfdhiebenen Gottheiten ift ein S^ebeneinanber ber fultifdhen
OrtungSmöIer audh ba onaunehmen, loo baS OrtungSneß ßnotenbuntte ber beiben
Sinien ouftoeift.
8. SDie hier unb ba in Grfcheinung tretenben ©onnentoenb* unb 2Jtonbft)enbIinien
fönnen inegen ber Sefchrönttheit ihrer aftronomifchen Geltung nur lofale SSebeuturig
gehobt hohen, im Unterfchieb bon b'en 97orb* unb Oftlinien, bie au^ bei toeitefter
Durchführung aftronomifdh ritf)tig bleiben.
9. Die aftronomifch-geometrifche SWeßfunft ber Sllten über Serg unb Dal hinloeg
toar eine hodhenttoidelte, bie ohne Schulung gar nidht au beuten ift. Der Durchfchnitt
ber 3?teßfehler hält fich, ü>ie eS fcheint, unter % Grab unb bie größten 3?ZeßfehIer
fcheinen 1 Grab feiten au überfteigen. Die,Sinnahme einer Slftronomenfchule im Guts«
hofe'Oefterhola geminnt bur(h baS SSorhanbenfein ber Ortung unb burdh ben Su«
fammenhang beS GutShofS mit bem OrtungSneß eine neue bebeutfame ©tüße.
10. ^n SInfehung ber religiöfen SSeranlagung beS SSoIfeS unb ber üielfeitigen S8e«
beutung unb SJermenbung georteter 2)?öler, audh qI§ SlnbadhtSftötten, muß gefolgert
toerben, baß baS ganae Sanb mit ihnen reich befeßt getoefen ift, bis hin au fleinen unb
fleinften SJtöIern in ben gelberh anr Erfüllung ber religiöfen SSebürfniffe ber Einael«
nen unb ber ©ippen.
11. JBei ber SSielgeftaltigfeit ber Sleligion unb ber fultifdhen Gebräuche ber Sllteh
ift febodh anaunehmen, baß nur ein SSrudhteil ber ^ultftotten geortet toar, unb atoar
biefenigen, bie entmeber einen unmittelbaren Seaug auf ben Geftirnbienft hotten,
ober bei benen ein prattifdheS SebürfniS na^ Ortung boriag.
12. ^n ben tieinen gelbheiligtümern finb bie SSorgänger ber i^reuae, 58iIbftödEe unb
Itapelldhen ber nadhfolgenben dhriftlidhen 3ßit au erblicJen. Entfpredhenb einer Ge«
Ijflogenheit ber dhriftlidhen Kirche finb in ber SefehrungSaeit bie leßteren genau auf
ben ©teilen ber erfteren errichtet unb lönnen, fofern fie fidh auf ber gleichen ©teEe er«
halten hoben, au SSegtoeifern für bie Erforfdhung ber Orientation bienen. Daau ge¬
feiten fidh äohlreidhe onbere SInhaltSbunIte, fo baß bie gorfdhung in biefer 3^idhtung
als eine auSfidhtSreidhe beaeidhnet toerben lann.

3ur Klärung ber 3ufoIlSfrage toar ein '^SreiSauSfdhreiben beftimmt, toeldheS aur
SIuffteEung bon Sinien in gleicher SSebeutung unb 3ohI nach einem beliehigen
OrtungSfßftem oufforberte. Der Dermin beS $PreiSauSfchreibenS ift am 31. SWära
1930 abgelaufen, ohne ben 97achtoeiS, baß ein beliebiges OrtungSfßftem in SBettbeloerb
treten lönnte. Die brei eingefanbten SIrbeiten hoben bie ErfüEung ber gefteEten Sluf-
gabe gar nicht unternommen, fonbern noch toeitere ^Seifpiele au einer beabfidhtigten
Ortung ber Sllten gebracht. Siehe „Germanien", Solge 2, ^eft 2.
Dies Ergebnis barf nicht unterfdhößt luerben. ES bebeutet baS Scheitern ber SBemü«
Sie ©ntfc^eibung 241

Ölungen aCer, bte im S3IiÄ ouf eine SSergütung ber oufgetoanbteu 2i2ii^)e burcf) ©e-
toinnung be§ i}3reife§ bon iFiJ. 1000 nod^suhJeifen gebad)ten, bafe bei SInhjenbung eines
beliebigen SinienftiftemS eine orcbäologiftf) gleicbmertige SSeifbielStafel bargeboten
, tuerben fönne. Sßöre eine folc^e Semübung geglüdEt, bann brauchte auch bie bon mir
gebotene SSeifbielStafel nicht ouf beobfiibtigter aftronomifdber Srtung ber Sitten au be*
ruhen, fonbern fonnte ebenfalls auf bie fich gana bon felbft ergebenben Sageberhält*
niffe ber archöologifdhen fßlöhe atbijchen aHen übrigen ißlähen aurücEgeführt toerben.
Somit hätte noturlich bie Unaulänglidhfeit beS SSeifbielbemeifeS meines CrtungS-
faheS als eintbanbfrei bemiefen angefehen merbeh tonnen,— toenn baS alteS burdh
einen bertrauenSipürbigen ©chiebSfbruch, mie er bon ber „93erliner ©efeHfchaft für
©efdhidjte ber iüdturtoiffenfchaft, SKebiain unb 2:e(hni!" au ertoarten toar, feftge-
fteHt märe. Slber bie PrtungSfrage felbft märe auch baburch nicht obgetan.
Ser bargelegte, bom ißreiSaüSfchreibcn borgefchlogene SSeg hot fich bisher als ber
brciuchborfte ermiejen. Ein SSerfudh, ouf rein grobhifth’mothematifchem SBege aur
^lorheit au gelangen, ift bon borneherein aur ©rgebnisiofigfeit berurteilt, menn bie
©ntfcheibung über bie orchäologifchen Qualitäten ber ißlähe nicht in bie ^anb Un*
horteilicher gelegt mirb, unb menn bie SKethobe fich nicht in benfelben @ebanfen unb
©renaen hält, mie fie in meiner iSeifbielStofel innegehalteri finb. Schon eine SSerbobb*
lung beS ©enouigfeitS'SbielraumS mufe au einem gana unbrauchbarem SSergleich*
bilbe führen.
SaS Ergebnis beS ißreiSauSfchreibenS foÜ auch nicht überfchäht merben. ßS liegt
auf ber ^anb, bafe bei uferlofem Stufmanbe bon 3eit unb 3Kühe fchliefelich eine
gröfeerfr^Stnaahl ähnlicher ©rfcheinungen auf ©runb eines beliebigen SinienfbftemS
aufammengebrocht merben fann. Sie aüfaumenbenbe Seit unb SJtühe aber tann nidht
in iparagrabhen borgefchrieben merben. So läfet eS fich benn nidht änbern, baß au^
hier, mie in fo bielen gäHen ber nicht in gemohnter SBeife beaeugten SlltertumSge*
fchichte, bie lehte ©ntfcheibung bei beni einaelnen liegt, ber baS ©emicht ber ©rünbe unb
©egengrünbe nach feinem ©rmeffen unb ©mbfinben abäumägen hat.
^ch hoffe, bah baS ©emicht fomohl ber aufgemiefenen SSeifbiele als auch ber inneren
S^otmenbigfeitSgrünbe ben Sefer au einer flaren ©ntfcheibung für unferen michtigen
DrtungSfoh geführt hat.

16 XeuDt, ©ttmonifc^e $etiifltilmer


16» ©ermanen in
3 n f)erborrogenbei: SSetfe Jaun un§ 5ie Stage öer gernianifcCjenJSefiebe-.
lun g @ermanien§, unb atoar aunödjft be§ ©ebieteä, in bem fic^ bie toid^tig'
ften ber in biefer Ocfirift Beiianbelten germoniftfien Heiligtümer befinben, au einem
Seifüiel bafür bienen, bafe fidE) bie StlarfteHung BodBbebeutfamer gragen in ber gegen-
toörtigen Sage ber S3eurteilung einer einaelnen toifienfcBaftlitfien Sifaiplin entaiel)t,
unb bafe e§ iefet bringenb ift, Qudj getoiffe SöorauSfe^ungen nacCiauBrüfen, bie unfer
©efc^IedBt bon ben borangegangenen ®ef(i)IecBtern übernommen,unb BeiBefialten bat.'
SBir gelangen babei au ber SragefteHung: ©inb bie getoobnten Stnfcbauungen über bie
SBanberungen unb SSerfcbiebungen ganaer SßöIferfdbaften'unb Stömme — nicht nur
ber S3ebölferung§überf(f)üffe —auf germaniftbem SBoben, überbauet noch baltbar?
Über bie Sefiebelung ber ®egenb an ben Sibbecjuelten öuberte ficb S^offinna im Slm
fcblufe an meinen Strtifel über bie ^flegeftätte ber Stftronbmie in Oefterbola folgen-
bermafeen: „Über bie aftronomifcben Singe mich auSaufbrecben, füble icf) ui^t ben
a3eruf.. SSenn, aber mirtlicb eine aftronomiftfie ißflegftätte atoar nicht fdhon toäbrenb
ber frühen, aber toäbrenb ber öfteren Sronaeaeit au Hau§ ©ierfen beftanben haben
foHte, fp fann e§ fidh nicht um eine germanifdhe SInftalt gebanbelt haben."
iftun mürbe e§ atoar für bie SInerfennung ber iPflegftötte nidhtS auSmadhen, menn
idh ben SIuSbrudE önberte unb ftatt bon„©ermanen" Pon „SSemohnern biefer ©egenb
in jener Seit" fprädhe. ,8lber idh mödhte ba§ nidht tun; benn i(h habe mich bon einer
gana anberen Sage ber Singe überaeugt. Safe biefe ©eg'enb, nämlidh ba§ ©ennegebiet/
am ©übmefthange, be§ S)§ning amifdhen ßohlftöbt unb Örlin^haufen in borgefdhidht-
lidher Seit entmeber ftarf befiebelt ober ein beboraugteS iBegröbniSgebiet für bie an*
grenaenben ©tömme meit her gemefen ift, bemeift bie erftaunlidhe iDienge bon Hünen*
gröbern, bie gemöfe einer ölten Äorte (bon Sappe) bor 100 “fahren in nodh meit gröfee-
rer Sahl borhanben maren. @§ finb Hügelgräber (tumuli), ba ba§ bereifte ©ebiet bon
iftorben her nur bi§ aum ©ebirge reichte unb ginblinge, mie.fie in iPcorbmeftbeutfdh*
lanb aum ©räberbau bienten, hier nur feiten unb in geringer ©röfee aur Verfügung
.ftanben.:, '
Sie lefetere ber beiben Sfnnohmen — beboraugteS SegräbniSgebiet — ift bie meit»
aus mahrfdheinlidhere, nicht nur megen be§ lärglidhen ©anbbobenS, ber feine aahlreidhe
Sebölferung nährt, fonbern auch imJBIidE ouf bie alte ©efcfeichte ber ©egenb nebft ben
in biefer ©^rift oufgemiefenen ©rgebniffen ber SanbfdhoftSforfchung, mit benen mie*
berum ber 9fome be§ ©ebirgeS OSning übereinftimmt, ber meine§ 3Biffen§ niemoI§
anber§ oI§ SIfenegge = „©ebirge ber 3Ifen" gebeutet ift.
Sie mie e§ fdheint faft böHige SfuSraubung ber Hügelgräber hat aCe ©dhlüffe ouf ihre
®ntftehung§aeit unb bie ©tammeSaugehörigfeit ber ©iebler unmöglich gemacht, ^of*
finna aieht hoher Sunbe au§ berSRachBarfdhaft bi§ auf erhebliche Entfernungen bon40km
aur JBegrünbung feines Urteils heron — etma 20 — unb fagt, bafe ber Ertrag ouf
feltifdher ©eite ungleich reicher fei olS auf germanifdher ©eite. J^offinna felbft hat
burdh feine föftlidhe ©dhilberung ber iteltomanie fehr ernftliche StoeifelSfragen ange*
regt, ob benn nicht mit biefem merfmürbigen Sreiben noch grünblidher oufgeräumt
merben mufe, als er felbft eS tut. SaS ift mittlermeile burdh ©uftab DtedfeU gefdhehen.
> ©emtanen unb Mten, SSinter, §eibel£)erg 1929. ,
5£äufc^enbe 93obenfunbe 243
aSer feinen SluSfü^irungen folgt, fragt fi4 ob benn für ben gefamten Seitraum
ber Sefiebelung @ermanien§ burdf (äermanen öon einem Raufen feltifdber Setoobner
ouf germanifcbem Jöoben überbauet no(b bie fRebe fein barfl! ftebt feft, „bafe
3utreffenbe§ SBiffen über ©ermgnen im tiaffifcben ©üben ebenfo alt ift, toie über
Gelten". SDabei toerben bie beiben SSöIfer mebrfacb miteinanber Oertoeibfelt, fo'bafe
Oermanen gemeint fein fönnen,toenn öon Selten gerebet toirb. Srobbem ift ihre Unter-
fdbieblicbfeit unstoeifelbaft unb bie Jtrennung ihrer ©bratfien mufe erbeblidb älter fein,
al§ ihre ertoäbnung. 2>a3u fommt bic SebeutungSIofigfeit unb Unficberbeit toeniger
Mtifcber SBorte (Slufenamen),' bie man in Oermanien 3U finben glaubt. Su benen,
bie an bem Seltenirrtum mitfcbulbig finb, gehört SRommfen. iRecEel fann biefem be-
berühmten Oefcbirf)t§fcbreiber ben SSormurf nicht erfbaren:„Unter allen Umftänben
liegt aber bie SSoreingenommenbeit be§ OefchitbtSfdhreibeS auf ber ^atib." Stifo toieber
aSoreingenommenbeit, immer 3u ungunften ber Oermanenl:
2)iefe ift natürlich bei bem um bie ©ermanenforfchung bodhöerbienten Soffinna nicht
borbanben. Stber er bat fich tief bertoidelt in bie Überf(^öbung ber Sobenfunbe 3ur
ajcftimmung bon SBöIferfchaften unb ihrer 2Bobnfibberönberungen. SBenn ©ebraudh§’
gegenftänbe in gleitber gorm im ©ermanenlanbe toie im Seltenlanbe auftreten, bann
tritt Safob-griefenS aßort in ©eItung: „3Rie bürfen toir un§ auf ben ©tanbbunft
fteHen, bafe eine neue Sultur" — fo nennt man in ber Slrchäologie ba§ aSorfommen
anberer ©ebrau(b§gegenftönbe —„in einem Oebiete audh ein neues SJoI! bebingt."
SoffinnaS, SReinung, bafe als jöetoobner bon £)efterbol3 in ber älteren a3ron3e3eit
eher Selten als Oermanen angenommen toerben müfeten, bat obenbrein eine erftaun-
lieh fdhmale funbarchäologifche ©runblage. SBir müffen in feiner SetoeiSfübrung^
. hören, bafe bie toenigen Stbfobbeile bie hier 3unädhft „f ü r b i e S eit e n in groge
fommen" fich in unborfchriftSmäfeiger SBeife berbolten, toeil fie „3iemlidh erheblich auä)
in ben ©übenbeS germanif eben21 nteilS ber a5tobin3^annober börgebrungen
finb", too bon einer feltifchen Sefiebelung gar nicht gerebet toerben fann, toir müffen
hören, bafe baS „SlönSberger ©tüd, toelcheS bersiert ift", bon Sr ebs für einen „SSer-
treter beS norbifchen 2;^15uS" gehalten toirb, toäbrenb Soffinna bafür feinen 3toingen-
ben Orunb fiebt unb eS nicht auf bie germanifche ©eite budhen toiE; toir müffen hören,
ba§ audh über eine S)oIdhform auS ben ©räbern bon iRobenberg 3toifdhen Soffinna unb
©dhtoanolb feine Oinmütigfeit berrfdht. ®aS ift bei ben toenigen 3um SSetoeife 3ur Ver¬
fügung ftebenben Sbfeften reidhiidh biel Unfidherbeit, 3U ber aber nodh bie befonnten
fdhtoertoiegenben allgemeinen Vebenfen bib3ufommen. /:
aßie, toenn ber S^aufdhbanbel, burdh ben bie OebroudhSgegenftänbe bon einer Völfer-
fdhaft 3ur anbern gingen, einen toeit größeren Umfang gehabt bat, als ber eine ober
anbere airdhäologe febt onnimmt, ohne für feine 2Innabme eine VetoeiSunterlage ouf-
toeifen 3U fönnen? 3)ann füEt fein ganseS Oebäube 3ufammen. Unb toober nimmt er
feine 2Infitf|t über baS VerfertigungSlanb? : SBenn eS fidh nitbt um maffenbaft auf-
tretenbe ©tüdfe banbelt, bann liegt gerabesu bie Oefobr ber SSertoedhflung ber ®in>
fuhr- unb 2IuSfubrgegenftänbe borl ®ie S;enben3 ber fortfdhreitenben ©rfenntniffe
gebt in ber Vidhtung, bafe eS stoifdhen ben alten Völfern einen überaus lebhaften §an-
belSberfehr gegeben bat. Sie Vebeutung ber ERarfen liegt auch auf bem ©ebiete
beS SBarenauStaufdhS 3toifdhen ben anliegenben Völferftfiaften unb nidht umfonft haben
‘ SRannuS^efte, 19. Vanb, §eft 2 <S. 162 ff. ' , • ^" ■■ ■ .
18* .
244 16. (Sermonen in (Sermonien
. bie spinne, mo biefer SSerfebr bor ftcö ging, 6i§ äum ^leutigen JEoge ben 9?amen „SWorft"
erhalten. ’ v
SBie ferner, hJenn ba§ geringe Sunbrnoteriol qu§ einem fo großen ©ebiete — biele
100 qkm—, mit bem ^offtnno rechnet, burcß neuere gunbe meit überboten mirb, au§
beneh bon ibm gons onbere ©cßlüffe gesogen merben fönnten? SDoS ift bei bem 2tn»
tootfifen ber gunbe in biefer früher bernochläffigten ©egenb nicht nur möglid), fonbern
Sotfoche, unb biele neuerliche gunbe iDoren ßoffinno noch'gons unbefonnt. Sosu
gehören, oußer bem ©rtrog fohrlonger SluSgrobungStötigfeit ©chtoonolbs, bie bebeut«
fomen ftelnseitlichen, bronseseitlichen unb eifenseitlichen @ieblung§funbe be§ §errn
Sehrer§ §.®iefmannMniÖrIinghoufen,-fomie bie Sluffinbung großer gelber bon Stein»
hügelgröbern burctj 3B. Süfterfiet bei ber Siegenbergtoorte (Slbb. 73) bi§ su 100 ©rö»
bernunb im Seiftruber SSoIbe bi§ 3u50©rQbern fchon burdh Schebbe. 3lucf) bie ©röber»
ftötte am ^reusfrug ift su ermöhnen. SDoS oHeS fchließt eine ftorfe SSerfchiebung ber
orthöologifchen UrteilSgrunblogen in fich unb mahnt sur öußerften SSorficht gegen jebeS
einfchrönfenbe chronologifche unb ethnologifdhe Urteil.
^n ber Sirchäologie finb foldhe ©rtoägungcn ftet§ angefteKt, unb e§ ift babor getoarnt
toorben, au§ bem SBorfommen bon ©ebraudh§gegenftänben in einer ©egenb ben
Schluß auf ihre SSefiebelung burch bie SSöIferfchaft su sieben, ber man bie ^erfteCung
Sufchreibt. Slber nicht immer ift bie gebotene QurüciEhaltung geübt toorben. ^afob»
griefen“ fchreibt: ,,®ie grunbfößliche grage, mietoeit ein SSoIf mit einer beftimmten
fiultur ibentifch ift, fonn nur bon'ber SBiffenfchaft ber SSöIferfunbe gelöft merben"/
b. h- ein SSoIE läßt fich nicht allein burch Seile, gibeln, Urnen itnb bergleichen be»
ftimmen. ^
S)ie 2lnnahme einer nichtgermanifchen Sefiebelung ber ©egenb ber SihbegueHen
toegen ber unsureichenben Setoeife absulehnen, hot um fo mehr Serechtigung, al§
ba§ ßanb mit germanifchen £)rt§», glur» unb^Sergnomen ohne frembe Seimifchung
überföt ift Unb auch fonft jeglicher ©runb fehlt, bie bauernbe Sefiebelung burch ©er»
manen su beftreiten. SBo mir nicht bor einleuchtenbe Setoeife gefteHt merben, bie un§
eines anberen belehren, hoben mir ba§ Riecht onsunehmen, baß bie Semo hber
eines ©ebietes in ©ermanien ©ermanen gemefen finb. ^ch
glaube, baß bieS ein guter unb richtiger Stonbbunft ift. Dbenbrein Eönnen mir unS
auf StocituS (©ermania 2) berufen, nod) beffen Kenntnis ber Singe bie Semohner
©ermanienS ©ingeborene finb,„beren iftaffenreinheit feifteSmegS burch gemaltfomeS
©inbringen ober friebliche Slufnahme bon gremben gelitten hot". Slber michtiger noch
ols SacituS ift bie fchlichte Sogif ber Singe.
©S finb fomohl bie fbrachmiffenfchaftlichen als auch bie funbarchöologifchen ©rünbe,
bie — unter Überfchößung ihrer SemeiSEraft in SSerbinbung mit einer irrigen oHge»
meinen Slnfchauung über bie SSorouSjeßungen bon SöIEerberfchiebuugen — ein ber»
morreneS unb erfchrecEenbeS ©efamtbilb bon ben SefiebelungSberhöItniffen beS alten
©ermanienS suftonbe gebracht haben. SSermorren, bermirrenb unb unglaubhaft ouch
um beSmiüen, meil man nicht entfernt su einheitlichen ©rgebniffen geEommen ift, fon»
bern bie SInfichten ber einseinen gorfcher meit ouSeinanberEIaffen. ©rfchrecEenb, meil
©ermanien nicht mehr boS Sanb ber ©ermanen bleibt, mie eS unS SacituS fchilbert,
fonbern sum Summelßlaß fidh berbrängenber SßöIEerfchaften unb Stömme mirb. .
^ „©ermanien" 2. fjolge, §eft 1 u. 2, u. fein 33uc^ im SBitteHnbberlog, Sielefelb. “ Sl. a. D. <S. 138.
Urteile bom grünen 245

ift nitfit SU bertounberu, bo§ bteienigen, bie fidö bon bem SSirbel btefer @t)efU"
lotionen gutglöubig mitreifeen lafjen, nur fe^r fd^toer an eine ftetige fiuIturenttoidE*
luug ouf germonifcbem ^oben glouben lönnen. ©rofe genug ift bie S3ebrängm§ ©er-
manien§ Befonber§ bon Often I)er oft getoefen, unb ba§ ganse oftelbifcfie ©ebiet ibeift
bie fcbtoeren Unterbredbungen ber ©ermanenfultur auf. Stber felbft bort ift fo biel
fjofitib ©ermanifdEie§ sutoge geförbert, bafe ein Surüdffinben su einer fcblidbteren unb
barum natürli(fieren Sluffoffung ber Singe, oudb für unferen Often, borbereitet ift.

Ser Oeftertjolser ©onberfoK, bem febr biele anbere mehr ober toeniger öbniicbe an
bie ©eite gefteHt merben lönnen, richtet unfere Stufmertfamleit nunmehr auf bie ©e«
famtfroge ber SJöIferioanberungen auf germanifdbem S3oben.
©§ ift eine unferer Slrdbäologie su banfenbe allgemein anerfannte SSabrbeit, bafe in
©ermanien minbeftenS feit ber jüngeren ©teinseit ber STcEerbau be»
trieben tborben ift innerhalb ber burcb bie fonftigen SSerhältniffe gegebenen ©rensen.
Sa§ bebeutet, bafe bie aSemofmer fidb burcb ihre SWühe unb Strbeit ben für ihren Sldfer»
bau erforberlidhen ©runb unb S3oben au§ bem Ursuftanbe herauSgeloonnen haben.
e§ gehört immerhin eine enge, toenn möglidh bon ©eburt an üorhanbene gühlung
mit ber STcEermirtfchaft basu, um begreifen su fönnen, toaS e§ bebeutet, au§ Unlanb
tragfähiges ßulturlanb su madhen unb e§ bauernö als foIdheS su erhalten. Unsählige
©töbter, bie fidh bie ©a^e fo einfadE) badhten, finb fonft unb auch feht bei ben ©ieb*
lungSbeftrebungen ber ^athfriegSseit inntitten biefer Strbeit sufammengebrodhen.
SBenn über aSanberungen unb SSerfchiebungen bon aSöIEerfdhaften bie Stebe ift, bie
nidht nur ^agb unb SBeibemirtfchaft, fonbern audh Sldfermirtfihaft betrieben haben, fo
ift eS offenbar gans unerlöfelich, bai ber Urteilenbe baS für einen Sanbmann mirt=
fchaftli(h unb t)fh(J)oIogifdh SJtöglidhe bon bem mirtfdhaftlich unb fifhchologifch Unmög=
liehen unterfcheiben fonn. ^dh habe eS nicht in ©rfohrung bringen fönneu, toer eigent-
lieh bie ollererften Urheber ber herrfdhenben Slnfdhauungen über bie germanifdhen
iBöIf ertoanberungen, inSbefonbere ouch über bie fogenannte asölfertoanbe-
rung getoefen finb, biefer SInfdhaungen, bie bann, toie eS fdheint ohne Sebenfen, bon
©ef^Iecht SU ©efchlecht fich bis auf unS bertjflanst haben. Sfber bie SInfdhauungen.
fönnen nur in ben köpfen bon aRönnern entftanben fein, bie enttoeber audh noch ben
©ermonen ber SSöIfertoanberungSseit feinen STcEerbau sutrauten, ober beren SSöter
fdhon eine äeferbautreibenbe SSeböIferung nitht mehr fannten unb berftanben, bie aifo
bie gühlung mit bem ESüuer berloren hatten.:
Shre SSöIfertoanberungSlehre ermieS fid) in ber ©efchichtStoiffenfchaft freilidh als
gans herborragenb brouchbar, um auch bie fdhtoierigften ethnograbhifchen fragen su
löfen. es maihte banadh feine ©dhtoiefigfeit, Sänber ouSsuIeeren unb Sänber su füllen
unb ftaunenStoerte 3üge su Ineit entfernten Sielen su führen. Unter ber .gerrfchaft
biefer Sehre tourbe ©ermanien nebft angrensenben Sönbern sum ©dhauplah fich gegen»
feitig mit Äinb unb ^egel, mit ©ad unb iPacE bertreibenber SSöIfer unb ©tämme
gemacht.
Sie gansen SSöIfer foEen auSgetoanbert fein, enttoeber bon anberen onbrängen»
ben asölfern befiegt unb Vertrieben, ober freitoiEig, bon aSanberluft ergriffen. 9^a<h=
246 16. ©ermanen in ©ermamen
per tvaxen fie ton tt)ren SSofinpIä^en berf(5n)unben nnb anbere fofeen ba.
ift boton bie SRebe, bafe ein 9ieft ©reife unb ©c^toac^e bablieb/ nm bann in ber neuen
SSetöIferung Qufaugeben. -^
Siefe Slnfid^ten mögen Quc^ ton ©trabo§ J8ericf)t (VII/über bie S^omaben-
baftigfeit ber ©neben beeinflußt fein, bem iebocb ©äfarS Sericbt (S. @. IV, I) über
eben biefe ©neben töllig entgegenftebt. ©äfar bat menigfienS eine Sfbnung ton ben
tüobigeorbneien Sügen beB S3etöHerung§überfdbuffes gehabt, n)enn er auib burdb bie
Slnnabme jobrlid^er SlüdEfebr berfelben gönslid) in ben SKißterftanb bineingerät.
JIRit ber üblid^en SBanberungBIebre terlnütfte fi(b bie SSorftellung ton ber ©egen-
fäßlicbfeit unb geinbfeligfeit ber germanifdben ©tämme untereinanber überbaupt, ob*
gleidb bie ficb geigenbe ©inbeitlicbJeit beB germanifcben SBoIfB in ©prad^e, IReligion,
SRetbt, ©Uten unb fonftiger Kultur fold^er SSorfteüung burd^auB t^iberf^^^^
lidb batten bie ©tämme ihre ©treitigfeiten unb Kämpfe, aber bie Serriffenbeit muß
geringer gemefen fein, alB im SKittelalter biB in bie neuere Seit hinein, geringer audb
alB bie S^rriffenbeit ber ©rieten.
HRir f(beint, baß eB an ber Seit ift, nach ©rmägung aller Umftänbe inBbefonbere audl)
ber $ft(be eineB aderbautreibenben SSoIfB unb aller fonftigen neuen etbnograpbi-
fdfien ©rfenntniffe über ©ermanien ben ©aß aufgufteHen: ■
2) u r dö SB a f f e n g e t) a 111 a n n e i n a dE e r b a u t r e i B e n b c B SS o IE g ä n g -
lieb duBgerottet loerben / aber eB läßt fidb eher begimteren,
unterwerfen unb gu JInedbten madben, alB baß eB ton feinem
S a n b e t e r t r i e b e n W e r b e n E a n n ; n i e m a IB d b e r f a ß t e B f r e i w il-
ligbenSSefdblußber SIuBWanberung, ohne u n t er b em.S inan g e
ton S^aturgeWalten (^limaWecbfel, überfdbWemmung ü. a.) gu fteben.
^ Snerfl gang, bann in ben gerien bin unter ber S)orfiugenb aufgen)a(bfen unb auc^ f:pater ba^c
t(b greube unb Selb be§ Banbmann^ mit erlebt, gule^tunb bis b^nte als Söefi^er eines 58auembofS.
SBenn bie Slrbeit auf bem Slder, auS beffen SSebauung mein SSater ben größten S^eil feines ^Pfarrge»
balteS getuinnen mußte, brängenb mar, bulf i^ bem toed§t beim ipflügen unb ©rnten unb lernte
lennen, maS ber ©tbmeiß beS BanbmannS unb feine SSerbunbenbeit mit ber ©(bolle bebeutet. ©ibon
bamalS b^ibe i^ über bie SBanberung ber ©imbern unb Teutonen mit SSorliebe naebgeba^t unb
nahm — mie id^ nod^ glaube, mit tollem lRed§t bei ben alten ßlermanen etma biefelben ©mtfin*
bungen an, mie fie ber beutf^c Slderbauer no(b b^^tle bat.’ SReine je^ige 93eurteilung ber grage gebt
. auf bie bamaltgcn ß5ebanlen gurüdE,
SBeber bie (Kimbern unb S^eutonen, no(b bie ^oten, SSanbalen, Bangobarben unb aüe bie anbern
als ®r 0 ber cr auftretenben ©tämme lonntcn als befiegte, lanbflüd^tige, mit geuer unb ©(bmert
terbrängte SRenfd§en, meit in bie SSelt biuauSgegogen fein, ©(bon ber ^ur(bgug bur(b bie ton anbern
SSöllerfcbaften^ bemobnten Sänber, mietiel mehr no(b baS Iriegerifd^e Sluftreten gegen 9tomS §eerc,
beburftc ber inneren SluSrüftung mit ftarlem ©elbftbemußtfein unb einer äußeren SluSrüftung mit
allem notmenbigen ^riegSgerät. ©benfo nötig maren SSertflegungStorlebrungen, melcbe eine ^auer=
ernäbrung ber SJtaffcn^eere, bie obenbrein ton SBeibern unb ^inbern beS ©tammeS, ben Sllten,
©(bmad^en unb tonlen, ton to(bt unb SJtagb begleitet maren, torfaben. ^a bie untermegS fi<b gur
(Ernährung bietenben SRögliibleiten: Sagb, pünberung unb ©infammein ton 3öilbfrü(bten auf bem
bur(bgogcnen Banbftreifen, mögen mir ibn unS audf) febr breit torfteHen, nid^t entfernt aüSrei(bten,
fo mußte bie SSertflegung im, mefentlid^en auf ben mitgefübrten gerben beruhen. Slber ber SSiebftanb
eines au(b nur in befibränltem SRaße ben Slderbau treibenben SSolleS mußte in . einer mehrere Sabre
mährenben Slorbereitung f(bon torher auf bie für ein SRomabentoll nötige §öhe gebrad^t merben, bei
ber ton tornherein baS Slbfchlac^ten in Oted^nung gu fc^en mar. 2lu(b fonft, maS Gefährte, Seite, ÄuS*
rüftung anlangt, mußte man m töEig auf baS 5Romabenleben umfteEen.
®aS aÜeS ifl im etngelnen gar nicht gu f^ilbern unb hat eine S^ragmeite, baß cS fomohl mirtfd^aftlich
©tetigMt ber Stderbouer,^^^ / 247
toie pf^ciplogifcp nur'als ein umgefcbrter ©ntwidlungSboraang, ntc§t aber al§ Stuäfii^rung non S8e=
f(|rüffcn ober SBefel^Ien UorfteEBar ifl. ©djon bie gapna folc§er Sefc^lüffe, bte ja fo äietnlic^ etnflinif
ntlg;gebac§t werben ntüfeten, wenn fie ©inn unb golge ^aben foEten, unb erfl rcc^t bie Stu0gabe bon
SBefelpIen, woburc§ ein Stderboll beranlogt werben foE, fic^ innetl^alb einiger Seit ouf ein Seben
al§ 3JomabenbolI untäufteEen, ntufe al§ etwaS ganä llnmöglid|e§ angefel§en werben. -
©ine SWerbon treibenbe SBeböllerung : |at fefte aSol^nungen, ©töEe, ©(|ennen,: unb felbft in ben
bentbar einfac§itcn SJerbältniffen §au§rat, SBerläeug unb SJCcEergeräte, lurä ein unbeweglic§eä unb be=
weglic|eS ©igentunt, welc§e§ mit gleiß unb Sorgfalt unb «Kiii^e, mit greube unb Siebe äur @ac|e
bef^offt ift, bQ§ aber ni^t mit auf bie SBanberung genommen werben lann, fonbern preiägegeben
werben muß. ©ie ßat ©arten unb gelb, an bem ber eigene unb ber ÜSäter ©(i§weiß Hebt unb äu bem
■ein ftarleä inneres S8erl§ältniS beftefit. Stuc^ wenn wir ben unmöglid^en S2anberungSbefc§Iuß eines
©tammeS bo(| als möglid^ anneßmeh woEen —-bie leßten Sage,;bie: SJäreiSgabe, ber Slbfc^ieb, ber
wirllic^e gortgang — baS aEeS geprt in; baS ©ebiet bölligunßaltbarerSJorftellungen
bom grünen Sifcb aus.
©S würbe au. weit führen, buc§ auf bie ungeaäl^lten ©b^wierigleiten einaugc^en, bie fic§ nod^ t)er=
fd^örfen, wenn 5.48. an baS aEmä^lidje,©intreten ber Sage ober an Ipalbe Sölaßregeln, an baS ®a|eim'
bleiben alter Iranler unb fc§wa^er: gamilienglieber ober an baS Surüdlaffen ber Unfreien unb
Snec^te gebadet wirb, ober:an ©ewalttätigleit gegen bie im SSege wo^nenben SJöllerfdjaften, ober an
eine primitibe Slrt ber Seitung beS ©anaen, ober an eine ©orglofigleit §infid§tlic^ ber SJerpflegung
unb beS SifleS. ©rgebniS: SBeber auf erawungene Sanbflüc^tigleit no^ auf freiwiEigen Slbaug lönnen
bieJBanberaüge gcrmanifd§er ©tümme, bie bereits SCderbau Ratten, aurütfgefü^rt werben.

6Iei6t gor nt(5t§ anbere§ übrig, qI§ bie tcoblbeflrünbete ftnnboHe ©riförung:
S)ie ftreitboren (Söbne, bie auf §of unb Slder ifjrer ©ibfen entbeEirlicb unb überflüffig
iDoren mit ifiren grauen unb ^inbern, tourben, toenn in einem ©tomm ihre 3cif)I
auSreicbenb grofe geteorben mar, auf§ befte au einem ÜBanberäuge amedfS Oeminnung
eines ^olonifationSgebieteS auSgerüftet unb auSgefcfiidt. ?sbre fßerbflegung mürbe
auf lange binauS burdf) ein forgfältigeS SBerforgungSftiftem unter föenußung eines
mit ben dnbern Stömmen bereinbarfen SBanbermegeS ober ber für SBanberungen
frei gegebenen 3P7arfenftrafeen, borbebacf)t.
SWit biefer befriebigenben Stnnabme merben augleicb bie ordbäologifcben IRätfel ge»
löft, bie fitf) ouS bem gönalicben SKangel an mirflicfien fSemeiferi für einen SSecbfel bon
©tammeSfißen ergeben, mie fie unS auS ber SSöIfermanberungSaeit bocb mobl irgenbmo
unb irgenbmie entgegentreten müßten.
S)ie Unbemeglicbfeit ber Sfderbouer mirb burcb bie @ef(f)icbte aller SSöIfer in allen
Seiten beftötigt erfdieinen, fobalb mir fritifd) bie fSericfite unb Urteile 5 e r n-
ft e b c n b e r ouf ihren tatfäcblicben SBert aurüdfübren, ben fie für bie 5?IorIegung
foldber (Sefcbebniffe hoben fönnen.: Sur föeftötigung bienen oucb foI(be gefcbidbtlid)en
gäHe, mie ber Sug ber ©olaburger, mehrere SluSfobrten grie(bif^er ^oloniften, ber:
StuSaug ber .?Snber ^frael ober gar bie ©lenbSaüge unter Jlarl b. @r., meil fie
einen auSgebrögten ©onbercbaraftcr tragen, möbrenb'^’bie gälte febr ftarter 2IuS-
manberung ins SluSlanb (Siebenbürgen, ©übruBIanb, SImerifa), bei benen bie
.©ofbefiber mit ihren gamilien unb Sobehör aurüdbleiben, überhoupt nicht in S8e=
tracht fommen.;
Ohne ©infchrönfung bleibt aifo bie golgerung gültig: S)ie bermeintlichen aBanber-
aüge bereits fehhoft gemorbener gonaer germonifcher Stömme finb in SBirflidjfeit on=
aufehen als bie burdh bie Sonbberhöltniffe bebingten, orbnungSmöBig bon bem feh»
hoftbleibenben Stamm auSgerüfteten Süge beS fS eb ö I! er un gS ü b er f dfu f f e S
ber in ein neues SieblungSIanb aieht unb eS nötigenfalls erobert. ÜRitteilungen mie
248 16. ©ermanen in (Sermanien
■ fte SCocituS ©ermanio 29 über ba§ SSerbältniä ber SSataber unb ©batien Bringt, fönnen
richtig gelefen Bierfür als SSeftötigung bienen.
SefonbereS ^ntereffe bietet bie ©eidjidite ber ©oten unb ©achten. Sie:
nung,.bafe bie ©oten, bon ben ,Silanen unb Hunnen befiegt wnb getrieben, bie Sonau
überfcBritten Bütten unb in foIcBer iömmerlicBen SSerfaffung alSbalb bie Sieger über
^aifer SSoIenS bei Slbrianobel geworben feien, finbet'nocB hicBt einmal in bem SSeridBt
bes SlmmianuS aJlarceHinuS auSreicBenbe ©tüBe. Senn biefer unterfdBeibet biefe
„anbern SSöIf er ber©oten" bon ben burcB bie Silanen unb Hunnen befiegten
©oten ©rmanri(B§; er fbridBt aufeerbem nur bon bem „größten Seil beS SSolfeS", mo-
nacB alfo ber anbere Seil in feinen SBoBnfiBen geblieben ift. Slucf) bie untertoorfenen
Oftgoten ©rmanricBB berliefeen iBr Sanb nicBt. Über ben ^unnenftamm, feine bölüfdBe
Slbftammung unb feine JuIturliiBe löefcBaffenBeit Serben maBrfcBeinlidB bie Sitten ber
SorfdBung neu eröffnet merben rnüffen, toöBrenb e§ mir, toie i(B glaube, bereits ge¬
lungen ift, ben ?srrtum über bie SSorgönger ber ©oten unb Hunnen, über ben ©fbtBen-
ftamm aufäubeden unb iBn 6U ben eblen öftlidBen ©ermanenftämmen äUäuredBneti*,
mie es bereits bur(B bie ©tubien oon SSBilfer® borbereitet mar. Über bie JBonbalen
lefe man ©uftab greljtag® nacB. ,
SSaS bie ©acBfen anlangt, fo ift eS erftaunlicB, bafe fidB bie unmöglicBe Stuffaffung
Bat Balten fönnen, als ob ein Heiner ©tamm mit bem Sfamen ©acBfen auS bem
BolfteinifcBen Sonbe BerauS bie ©tömme StorbmeftgerrnanienS bi§ Bin nocB ©ffen
a. b. 3tuBr„berbrängt" Batte, mie icB eS nodB in einem bor menigen ^gBren gefdBrie»
benen Slrtifel gelefen Babe. ©S ift fogar fraglicB, ob ein ©a(Bfen-„©tamm" jemals
ejiftiert Bat, unb' ob nidBt ber Stame bon bornBerein ein ©ammelname, fbötcr ber
löunbeSname gemefen ift, bnrcB ben ficB baS fßerfcBminben ber ölten ©tammeSnamen
erflört. Sie ©ntmidlung beS ©atBfenlanbeS mürbe bann fdBon gu ißtolemäuS Seiten.
(Slnfang beS 2. ^aBrBunbertS n. ©Bt-) begonnen Baben unb gentäfe einer 9la(Bri(Bt beS
SlngelfoiBfen Jöeba SßenerabiliS um 700 n. ©Br. burcB smangSmeife ^ereinbesieBung
ber iSrufterer feiner iBoHenbung entgegengegongen fein. Serfelbe Souf ber Singe ift
benfbor, menn’S einen ©ad)fen„ftamm" gegeben Bat, — olfo öBnli^ mie ißreufeen ent-
ftonben ift.
„ißerbrängung" ber ©Baufen, ©BeruSfer, Slngribarier, Srufterer, SKorfer, ©ugom»
brer, nörblicBen ©Batten unb aller ber fleinen ©tömme, bie sufommen baS ©acBfen-
lanb SBittefinbS bemoBnten, Bat ebenfomenig ftattgefunben, mie bie ißreufeen bie übri¬
gen SeutfcBen beS ißreufeifcBen Staates berbrängt Baben. . •
©emife finb im Saufe ber .Seit germanifcBe ©tömme bon anberen 9Sölferf(Boften über-
möltigt unb allmöBlicB im ©iegerbolf oufgegongen, unb aucB.im übrigen Boben fiel)
SSermiftBungSborgönge mannigfacBer Slrt unb aüS mannigfa(Ben ©rünben ereignet.
Slber fofern folcBe SSerBöltniffe nicBtgefcBicBtliiB nocBaumeifen finb ober nicBt in unmit¬
telbare ©rfcBeinung treten, mufe angenommen merben, baB in gong ©erma-
nien alle Seile bouernb bon b enf eIben germanif cBen ©töm-
m e n b e f i e b e 11 ge b l i e b e n f inb, b i e f i cB ei n ft o u f i B n en f e B B a f t
g em a dB t B a ben. ©dBucBBarbt trifft ben Slagel auf ben Jlobf, menn er fagt, bie
©acBfen SBittefinbS feien bie unberfölfcBten StacBfornmen ber ©teinseitleute, bie bie
^ ©ertnamen, golge 2, §eft 1, ® S. SBilfer, ®ie ©ertnanen, Scipäig, SB- SBetcBer 1920. “ greBtog,
Silber au§ ber beutfc§en SScigaiigenBett.
S?Iare (Snttoidlung ' 249
3?JegaIttl&grä6er getaut taten. 3Kit getotifer ©tnfdiränfung faim ba§feI6c t3on allen
germanifdten ©tömmen gefagt tnerben.
2)a§ trifft 3U, n)enn autf) itre fR a m e n getoectfelt ober fict berfcfioben taten, toenn
auct infolge politifdter §errfctaft§änberungen, religiöfer ©fjaltungen ober berfdtie*
benartiger ©anbeßtesietungen bie S u I t u r ber iSetootner fict öerfdtiebenartig ent*
loicfelt tat ti§ tin äur ©pradte, au ben SSoIfSfitten unb aur fßerttenbung bon ®e-
trauct§gegenftänben,
SBenn fpäter in ben ©töb.ten eine ni(f)t metr teftimmtare SMaffe fi(t angefammelt
tat, — auf b ent S anb c ift b er ©tarnm b er f efe t af ten. S3auer n*
tebölterun gfeinem Slutenadt ftet§berfeltegetlieten.Safe inmandtenQJegenben
bie burdt ben mobernen SSertetr, bie greiaugigfeit unb ^nbuftrialifierung entftanbene
SSoIBmifdtung borteeg in fliedtnung genommen toerben mufe, toenn toir an bie fefeige
S3ebölferung benfen/ traudtt nidtt tefonberS bargelegt au toerben.
SBer e§ unternimmt, auf (Srunb ber mannigfadten SKitteilungen ber römif(ten unb
griedtlfcten ©dtriftfteHer fidt ein S3ilb bon ben SCSotnfifeen ber germanifdten ©tämmc
in jenen Seiten au ma^en, ber fiett fidt bor eine unlöStare Slufgate gefteHt. liegt
gar fein @runb bor, in biefen Singen an ber ©utglöutigfeit unb Suberläffigfeit ber
©dtriftfteller au abJeifeln, unb bodt tann bie SSertoorrenteit itrer toiberfttrudtSboHen
58eridtte gar ni^t fdtlimm genug gefdtilbert toerben. Sludt toenn bie fdttoierige Stuf*
gate, bie berfdtiebenen Seiten auSeinanber au talten, bon benen bie ©(triftfteCer te*
ridtten, aufs forgföltigfte erfüllt ift, tleitt fßertoirrung übrig.
Sie SSertoirrung toirb fofort erflörlidt, toenn mir annetmen, bafe bie ölten ©dtrift-
fteCer — etenfo mie bie itnen folgenben fbäteren @efdtidtt§fdtreiter — bie eigent*
It(ten ©tammeSfifee nif^t bon ben ©ifeen ber au§gemanberten ©tammeSteile au
unterfdteiben mufeten. SgrauB entftanb bei itnen feltft unb bei ben ffjöteren ber ^rr^'
tum bon ber fitomobenort ber ©ermanen mit ben fidt anfctliefeenben ^rrtümern in ber
^ulturbeurteilung. Um bie SSermirrung auf ben ^ötepunft au bringen, fom bann
nodt bie fortmätrenbe SSermedtflung bon ©tamme§*, ©au* unb SrtSbeaeidtnungen
tinau, moburdt bie SatI ber bermeintlidten germonifdten ©tömme in§ Ungemeffene
ftieg. Sobon gibt Setmer*ßoffeI in einer nodt ungebrudEten fleifeigen Sufammen«
fteüung aller D^adtridtten ein einbrüdEIidte§_S3iIb. ;
(SS ift matrfdieinlidt, bafe bie SBanbertrubbS nur in ben felteneren göHen über bie
©renaen ©ermanienS tinau§ in frembe Sönber gefommen finb unb bort eine bolitifcte
UloHe geffjielt taten, ^n ben täufigeren göHen taten fie nodt in ben meiten, nictt bon
bornterein befiebelten ©ebieten ©ermanienS, bie gleietaeitig al§ SW a r f e n amifdten
ben Stämmen bienten, ißlafe gefunben. Sort, mo man fie al§ rnißfommene SSerftär*
fung gern aufnatm, merben fie im allgemeinen in bem aufnetmenben Stamme auf*
gegangen unb berfdtmunben fein. SBo fie aber aatlreidt, ftarf unb gefdtloffen genug
maren, um in ber Eigenart itre§ $eimatfiamme§ meiterleben au fönnen, ba bettelten
fie itren Warnen unb mürben aur Urfacte ber: ^rrtümer über bie ©tammfifee.

Sur SSerboIIftönbigung unferer, mie idt glaube, einleucttenben unb al§ StrbeitS*
tbfottefe braudtbaren SSorftellung bon ben SBanberborgängen jener Seiten taten
mir bie breiten SWorfengebiete amifdten ben Stämmen oudt al§ bie gegebenen SB a n *
bermeg e biefer Srubb§ onaufeten. Sie bielfact nodt teute aufmei§baren ölten
250 16. ©ermaneu in Oermanten
©tragen unb ®ol6Itoege, bie ilcö inne4alö ber SDZarlen in t^rer Säng§ricf|tuhg i&in-
Siel&en, bürften il&re ®n^^^e^)ung toeniger ben Slngefiörigen ber antDoIinenben ©tämme,
ionbern in erfter Sinie ben ba§ Sanb burcE)äierjenben ^önblern, bann aber aud& biefen •
aSanberäiigen m berbanfen haben; Stuf biefe SSeife fällt bie SSeläftigung ber fefehaften
SSeböIferung fort unb e§ fommt Orbnung in' unfere SSorfteHungen.-
SDer SSerlauf ber ®inge ift getoife au(f) manchmal ein anberer getoefen. ©tämme,
beren iWarlen auch ßei Slbgabe eines @trich§ an ben SSanbertrubb noch Breit genug
geblieben bare, tooHten feine Angehörigen eines onberen Stammes bei fich bulben;
ober eS fam mit onmafeenb auftretenben Sügen gu blutigen ^änbeln. äöenn bobei ber
SBanbertrubb — bielleidht berftärft bon ber Heimat auS — bie Cberhanb behielt, bann
toaren immer noch foItf)e SSerhöItniffe unglaublich, toie, fie g. JÖ. in KöfarS Bellum
gallicum -(IV, 1—19) hinfichtlich ber bon ben ©u eb e n bebrängten U f i b e t,e n unb
S; enf ter er berichtet toerben, bie bann ihrerfeitS; Inieber auf ihre norbtoeftlichen
OtachbarngebrucEt hätten./^ier gilt ünfer „unmöglich".
©erabe biefe giemlidh ausführlich ergählte ©efchichte bietet gahlreiche ^janbhaben, um '
fotoohl bie SSerftänbniSlofigfeit unb SßerbrehungSfunft ber römifdhen ©efchichtSf^rei-
bung', alS auch bie iliiebertracht ber römifchen iPoIitif gegenüber ben ©ermanen auf«
gubecfen. ©in foIcheS ernftlicheS SSorgehen gegen einen fo gefeierten römifdhen Älaf»
fifer, toie es ^juIiuS Eäfar ift, mürbe bei unferen fltomiften ©itrüftüng madhrufen,
toenn mir ünS in biefem Salle.nicht in ber Sage befänben, burdh gtoei ©teilen auS:
ißlutor^ (Seben ©äfarS,J?ab. 22) fräftige Unterftühung gu haben. Aus ber einen
©teCe erfahren mir, bafe man fogar in 9tom über bie SS e r t r a g S b r ü ch i g f e i t
eäfärS gegen bie ©ermanen entfeht mar, fo bafe ©ato, als ©äfar ein ©anffeft
für bie SSernichtung ber Ufigeten unb Äenfterer bemilligt merben follfe, feine 2Kei»
nung bahin äufeerte, ©äfar müffe gur ©ühne feines SSertragSbruchS an bie ©ermanen
ausgeliefert merben! ©äfarS S^'at an ben germanifchen Führern, bie fiel) in fein Säger
begoben, mu| baher noch eine fltummer fcfiänblitfier gemefen fein, alS boS fchärffte
fritifche Auge eS hätte auS bem ©efchiältSbericht hßrouSIefen fönnen.
: SSIauer ®unft, baB am SufammenfluB ber 3Waa§ unb beS fItheinS bie -gangen
Stämme ber Ufigeten unb Slenfterer — 430 000 SKenfehen — bis auf bie fouragierenS-
halber abmefenbe SSeitereiVernichtet feien; unb alS blauer ®unft mirb audh ber gange
©uebenfchrecEen ber Ufipeten unb Senfterer angufehen fein. Senn unmittelbar barauf
finben mir bie Ufigeten unb Senfterer (nicht nur bie entfommenen SSeiter) in ihrer
alten Heimat gugleich: mit ben ©ugambrern i m S3 u n b c mit eben fenen ©ueben,
burch bie fie öerbrängt gemefen fein foHenl AIS bann ©äfar feine berühmte SSrüdEe
über ben SShein gefdhiagen hatte, genügte bie an ihn gelangte 9?adhridht Von einer
allgemeinen Sltobilmadhung ber ©neben, um ihn noch IStägigem Aufenthalt gum
f^Ieunigen fftücEmorfdh gu beronlaffen. „©r glaubte, ber ©hre, unb bem SSorteil beS
römifdhen SSoIfS genug getan gu haben." ifSIutardh aber meint in ber gmeiten ©teile,
ber 3ug gegen bie ©ugambrer (ber fich ia bonn auf nur 18 Soge befchränfte) fei nur •
ein SSormanb gemefen, „ruhmgierig, mie er mar, habe er olS erfter mit einem ^eere
ben Sthein überfdhreiten moHen".
SBenn mir mit foldhen ©dhloglidhtern, mie fie unS ißlutordh in biefen beiben ©teilen
gibt, unb mie fie ja auch fonft nicht gang fehlen, bie ©efdhidhte ber SSegiehungen DSomS
gu ©ermonien fritifdh ableuchten, unb bobei oudh auf bie bieten teils auf ■llnfennt- '
@(f|lagli(f)ter 251
ni§ Beruljenben, teils erlogenen Seric^te über bie tulturlitfien SSerfiöItniffe ©erma*
nienS otfitgeben, Serben lotr ber SSa^rbeit ein @tüc£ nöber fontmen.
^infidbtlicb ber SBanbergüge hoben toir 3U lernen, bofe fie bon $au§ au§ auf
guten ©rünben beruhten, noih frieblidjen, bölferredhtlich eintoonbfreien ©runb*
föheit unternommen mürben unb auch im allgemeinen mit bem r eb I icf) en SSiIlen
ber S3efoIgung biefer ©runbföhe auSgeführt fein merben.. ®rft bie im gleichen Schritt
mit ber SSermehrung ber SKenfäien gemachfenen Sdhtoierigleiten, unborhergefehene
frembe SSerhöltniffe, baS ibiifetrauen ber anberen SSöIfer unb ba§ Sluftreffen auf fefter*
gefügte StaotSgebilbe führte in ben uns befannt gemorbenen gefchichtlicheri göHen
ouch ba äu nichtgemoltten friegerifchen 33ermic£Iungen, mo bie borauSgefonbten Slunb-
fchafter auSrei(henbeS freies SieblungSlanb gefunben hatten. • ,
2)o6 bie über bie ®ren3en ©ermonienS hinaus in ben Offen, Süben, SBeften unb
iFtorbmeften gelangenben ftarfen germgnifchen SSanbergüge am neuen Orte aur Ober-
fdhicht über bie bleibenben Eingeborenen mürben, ift ein Kapitel für fich,
meI(heS in gans heröorragenber SSeife gut SSeftötigung unferer ©efamtanfdhauung
bon ben SSöIfermanberungen bient, ©obon fagt ^offinna‘:
„SSom nörblitfien SWitteleuropa bon ber Oftfee her unb meiter bann bon ber oberen
unb mittleren ®onou finb bamolS,:im'3.,^ahrtaufenb bor Ehr-/ bie großen SSöIferbe-
megungen auSgegongen, bie gana Europa, bor allem Sübeuropa unb SSorberafien mit
berfenigen SSeböIferung erfüllt hoben, bie unfere Sprache fpridht, bie Sprathe ber
Önbogermanen. Überall bort mürbe mitteleuropäifcheS 33Iut bie herr-
f (h e n b e S10 f f e unb hot, auch mie eS aHmöhlich in ein S^ichtS ober faft in ein iFfichtS
berflü^tigt morben ift, aum emigen SIngebenlen beS meltgefihichtlifhen SSerufeS unferer
Stömme, menigftenS unferer Sprache, bort untilgbor ben Sänbern eingeprägt."

SSerben unfere golgerungen als rid^tig onerfqnnt, bann mirb fftuheunbSn-


ber ficht in bie germanifche go.rf<I)nng einfehren unb mir merben nitf)t mehr bon
febem unbermutet gefunbenen ya Suhenb ^opfftherben, beten ®afein in SSirflichfeit
ber S^üchtigfeit be§ Commis voyageurs feiner Sirmq bor 1500 ober 2000 Rohren an
berbanfen ift, in bie Unruhe berfeßt tberben, baß beffen SSrüber unb SSettern bie 33e-
mohner biefer ©egenb fengenb unb morbenb bor fidh hßrgetrieben hätten. :
Sludh an ben Sippegue11cn haben aur Sronaeaeit bie germanif then friach-
fommen ber erften bortigen germanifchen Sfnfiebler gefeffen unb gefdhafft unb finb
bort begruben, gana einerlei, ob ber ©ermanen n a m e früher ober erft fpäter aur
©eltung gefommen unb ben füömern inS Ohr geflungen ift. ; v

‘ Stoffinna, ®ie beutfche S8orgefc§ic§te, Sabt^fd|, Setpäig 1925, @. 232.


17* 3e^^ftöret t>ev Heiligtümer
^ arl, SBeftf r anf enf önig, r ötnifc^er S?atf er
3 n unteren StuSfü^irungen über i)te germanifc^en Heiligtümer finb mir metirfacö
^arl bem ©rofeen begegnet. ©einaSerI)äItni§ 3u il;nen ift bamit aur ©enüge geffärt,
ober mir moQen e§ nocb einmol autammenfaffen. ©§ ift anaunebmen, bafe fein einaigeS
aerftörbareS .Heiligtum, ®enfmar ober Seugnig be§ alten ©laubenS, menn eB über¬
bauet olB foIcbeB 93eacbtung fanb unb in feine ©emalt geriet, bon ^?art unaerftört ge¬
laffen ift. ®ie folgenben Seiten boBen bann bie SJtacblefe gebalten, mebt unb mehr
unter 2)?itbilfe beB befebrten unb ficb befebrenben SSoIfB felbft. ®a mar auch ba§ lebte
fliunentöfercben unb berbädbtige ©bmbol im gebeimften SBerftedE im ©dblafraum beS
nöcbften »lutBbermanbten nicht ficber unb mirb ben SPrieftern auf fßerbeifeung beB
©otteBlobnB überbrai^t: fein, mit ,ober ebne Sufümmung beB 58efiberB. SBebe ibm,
menn er bie Herausgabe bermeigerte. ©migeB Seben unb aeitlidbeB Seben bing bon
ber Herausgabe ab.
©cbon feit bem ßaifer ÄbeobofiuS (382) mar bie JtobeBftrafe gegenJlefeer borgefom-
men; tpabft Seo ber ©rofee billigte beren Hinrichtung (Leonis Opp. Epist. 15 ad .
Turribium). Sann maren auf iöefcblufe beB Concilium Tarraconense (516) bie „@enb-
gericbte" gefommen, fo bafe bie ßabitularien ^arlS bereits alB ein STuSflufe ber in
ber römifcben ßircbe berrfcbenb gemorbenen S)enfmeife anaufeben finb, längft ebe
Snnoaena III. bie fbftematifche SIuffbürung unb 93eftrafung ber ^eber unter bem
fltamen „°snguifition" einfübrte, bie bann bor aCem in ©banien unb Seutfdblanb ben
cbriftlicben Ütomen mit ©dbmadb unb ©cbanbe bebecft bat.
ßarlS anerft gegen bie ©acbfen angemenbete SefebrungB-aiJetbobe gelongte auf ber
gonaen Sinie aum ©ieg. ©ine plöblicbe Ummanblung ber SSorftellungen unb ©e-
bräudbe mor unmöglicb unb ift erft in ^abrbunberten erreicht. SIber maS greifbar mar
unb als beibnifch erflört mürbe, mar unrettbar bem Untergang Verfallen, bor allem
bieJSauten unb baS ©chriftmerf. 2Ber munbert fich, bofe unS nichts überfommen ift?
®ie Sabl ber ouf 5?arlS berfönliche SInorbnung gefchebenen Serftörungen bon SoIfS-
beiligtümern mu§ bei feinen aabireichen l?reua- unb Queraügen burch ©ermanien
bon 772 bi§. einige ^abre bor feinem S^obe eine ungeheuer große gemefen fein. 3?ur
menn er etmoB für geeignet bieltS unaerftört feiner eignen ©chobfammer einberleibt
* 3u benlen ifl boBei aub^ an anet bon ben hier wertbotlen 21 f en au§ ©Uber unb (Solb, über bie
in S?arl§ SCeffatnent auSbrüdlt^ berfügt worben ift. ®ie beiben erften, ber ’lßeteräliri^e in SÄom unb
bem S8ifd§of bon SRabenna bennad^ten SEif^e, auf benen bie ©täbte toftana unb Otom abgebilbet
waren, werben frei bon StrgerniS für ba§ ^rifllicbe ©wpfinben jener Seit gewefen fein unb eine bent-
entfprec§enbe ^erlunft geboBt l^aben. SCber ber b r i 11 c unb b i e r t e Sifc^ finb boc^berbäd^tig, baß
fie au§ ben geraubten germanifiben Jtultfc§ä^en ftantinten. ®enn wir lefen bet einbarb über fie
foIgenbeS: .
„®er britte, weld§er bie anbern an ©clönbeit ber Strbeit unb an ®ewid§t bebeutenb übertrifft, unb
welcher, aus brei SRingen äufatntnengefc^ntiebet, in forgfoltiger unb feiner SRac^bilbung eine ®arftel-
lung beS SBeltaKS aecsb fowie jener golbene, als bierter genannte, follen aur Slergrößerung jener brit=
ten ®rufjpe Menen, bie aur SJerteilung unter feine ©rben unb au-tnilben ®aben beftimmt ift."
Sur SSerteilung unter SarlS aablrei^e ©rben, bie, wie wir nwb büren werben, int übrigen nabeau
enterbt Worben finb, fowie au ntilben ®aben lonnten bie Kifcbc nicht berwanbt werben, wenn nitbt
ihre ®tnf dbntelaung borgefeben wor. ©infcbtnelaung trob beS bocbgeftricfenen ßunftwerteS beS
einen XifdbeS! Sari felbft bat fidb offenbar bon ber „forgföltigen unb feinen" IRo^bilbung beS SSelt-
@nbe „germonUtfier" ©nttoidflung 253
3U iDerben, mochte er etile 2tu§nQ^)tne. Aurum et argentum abstulit, quod ibi reperit.
„S)a§ bort (Bet ber ^rminful) gefunbene @oIb unb ©tIBer ttaBitt er tnit."
SIBgefeBert bon btefem im 3, i?ai3ttel mitgeteilten JSertcBt fönnen mir au§ ben aeit-
gettöffifcBen ©cBriftfteHern meines SS3iffen§ nicBt§ i/ZüBereS au unferer Ofrage in ®r*
foBrung Bringen. ®er ©runb folcfier Sutü^Baliung ber oft fo loortreicBen farolingi-
fdBen ®iftorifer ift teils barin au fucBen, bafe man eine Erinnerung an bie SIrt eines
Heiligtums, an feinen £)rt unb an bie SSorgönge Bei feiner Serftörung nicBt toacBBalten
iDoHte, megen ber möglicBen unermünfcBten SBirfungen auf bie SSoIfSfeele. SleilS aber
liegt ber ©runb aucB moBI barin, bafe man fidB ber roBen (äetealtmaferegeln gegen bie
borgefunbene SSoIfSreligion, bie im ^tarnen eines fanftmütigen SBeltBeilanbS ge-
fdBaBen, fcBömte, fo feBr man auiB in ber ißrajis toegen beS fcBneHen SCempoS ber SSe-
feBrung baS SSorgeBen ßarlS BiHigte unb förberte. . .

ßarlS SSirffamfeit in ©ermanien = S)eutfcBIanb im g a n a e n ricBtig au Beurteilen,


ift SBorauSfeBung für ein berftönbniSboIIeS Einbringen in bie germanifcBe Sßergangen-
Beit. Unter ben neuen, unferen jefeigen jjenntniffen entfprecBenben ©eficBtSBunften
feiner fftegierung unb feiner ?f?erfon bie Slufmerffamfeit auautoenben, ift eine ißflidBt
im Sienfte ber SßaBtBeit. ■,
Bot unter bie g e r m q n i f (B e SSergangenBeit ben großen StBftBIufeftniäÖ ge-
matBt. SSorBer ©ermanien, nacBBer ein auf ©runb beS gemeinfamen SluteS ficB aH-
möBIicB finbenbeS SeutfcBIanb. SSorBet freie germaniftBe ©tämme, bie nadB SSeburfniS
unb Steigung, bem poIitifcBen EnttnicEIungSgange entfprecBenb, au grofeen S3unben au-
fammengeftBIoffen tnaren, nacBBer ein untertnorfeneS Sßolf als aSeftanbteil eines römi-
fdBen SteidBS. SSorBer eine germanifcBe Kultur, bon ber bie Erinnerung auSgelöfdBt
Ift, bcren Beugen bon unS müBfam ouS fleinen JCrümmerreften unb auS ben ©röBern
BerauSgetbüBIt toerben mufe, nacBBer eine romanifdB eingeftellte Kultur unb 23oIlS-
enttoidlung, bie ficB mit bem iBr geBracBten gremben aBfinben mufete unb nocB oB-
finben mu§.
SRücEtbärtS gerecBnet Beginnt mit ^arl bie ©efcBidBt§Iofig?eit beS beutfdBen SßoIfS.
3Kit ber EqocBe Karls ift ein ©cBIeier bor bie borauSgegangenen Seiten geaogen,
ber naBeau unburcBbringlitfi erfcBeint, Binter ben mir auf aKerlei Umtoegen au Bliden
berfucBen, um nocB Bier unb ba etloaS au erfqöBen unb bann bie erfpäBten geBen —
natürlicB unter allerlei Errungen — au einem SSilbe aufammenaufügen. •
Süß er tbar bief er Karl? SBeltBe StoIIe ift iBm in ber beutfdBen
© e f cB i cB t e 3 u g e to i e f e n u n b a u 3 u tb e if e n ?
ES fann ficB für micB Bier nicBt entfernt barum Banbein, ein tbenn aucB nocB fo furaeS
ßeBenSBilb Karls au enttoerfen. SIBer eS ift erloünfdBt, einige Houfttgefi^tSfiunfte bar-
aulegen, bie aur ©eloinnung eines ©tanbtJunfteS aur SSeantmortung unferer gragen
erforberlidB finb.
SennodB foll etoas SIBgerunbeteS nicBt feBIen. SBie Karls SeBen unb SBirfen in
unferer Seit ber beutfcBen ^ugenb unb bem beutfcBen SSoIIe bargeftellt ibirb, IbiH
icB einer auSgeaeicBneten „©eftBicBte beS SWittelalterS für BöBere SeBranftalten"^ ent-
all§ burdB bie bret Kinge ntc§t trennen mögen; ober nocB feinem Sobe follte bo§ BeibnifcBe Sunftwerl,
beffen ©inn an ben berbotenen ®eflimbienft erinnerte, ben ©eelen nid^t jür ©efoBr ober jum
Ärgernis werben, ©o wirb bie fonft unerlldrlicBe ©oc^e erllörlidB. ^ S3. @.2:eubnerS5erlog, Seit)äigl927.
254 17, S)er 3erprer ber Heiligtümer
nehmen, 5?arl mirb bariit: mit größerer SurüdE^ialtung unb SJorficfit Befianbelt, qI§
üblidB. ScB fcfireibe bie SDorfteHung toörtlicB au§ unb Bemütje micB, feinen @a^ unb
fein SSort fortäulaffen, toeld)e§ für, bie SSeurteilung ber @efcf|icBt§barJteIIung mitBe*
ftimmenb fein-fönnte. ©S ift äugleicB eine mand^em Sefer miHfornmene Sfuffrifc&ung
be§ @ef(f|i(f)t§BiIbe§, ^ ^ = ^'i,
©(|on 772:tt)enbet fic§ ^arl gegen bie ©acCjfen,: beren einfäEe bie'fränltf^e atorboftgrenje Bebro^en.
©rft nac§ 30 gelingt bie Unterwerfung. ®utc^ bie Unterwerfung ber ©acCjfen war bie
ei^riftianifierung. ber feftlänbifc§en ©ertnanen' BoUenbet, ,®leic§äeitig,, waren biefe nunmelir fänttli(|
unter fränüfc^er .'öerrfi^aft bereinigt'Sie engeren ©renäen würben bürc§ Sölarlen gefi^ert...
ajtilitärftrolen werben-bont Oi^ein an Wuljr'ober Sippe aufwärts pr SSefer geführt. 2ln ifinen liegen
fefte fränlifd§e ffönigSl^öfefjranlen .unbLergebene; ©a^fen werben- in’ il^nen angefiebelt. Safür
werben aufftänbige ©ac|fen; in fränlifiä^eä,;©ebiet.ilBerfül^rt, ßlöfter unb ßirdfien werben gebaut ...
Srüdenb laftet ber ungewollte Sird§enäeBnte auf ben ©ac§fen. Sur Sur^füljrung biefer 3Ka6naBnte
bient ein l^arteS Sriegäreb§t. ©r fe^t bie SobeSftrafe auf: SSefc^äbigung einer Stirne, 2Ki|ab§tung ber
Saftenäeit, Sßerbrennung ber Seid^en,'aierfäumniS ber Saufe. Slac§ ber Unterwerfung läßt Sorl
baS eigene 3iec§t ber ©a(|fen aufäeic§nen. 'Sie Seftimmungen äum ©^uge ber ®irc|e entfpre^en ben
fö(|fif^en Stnfd|auungen über: Sßergel§en;:anweligiöfen Heiligtümern. SluS bem ffriegSreilt ift baS
SBlutbab bon Slerben 5u berftel^en, eine graufame ©träfe für eine geplante SJerfd^wärung. 3la(J§ ber
Unterwerfung 5aben^fi(| bie ©a(^fen ber^ältniSmäßig fd§nell,; wenn aud§ äunä^ft me^r äußerlich,
e^riftentum unb fränlifi^e Kultur angeeignet. ;,Sie ©acifen begriffen, baß bie fränlifi^e Sraft nac^»
brücElic§ unb baS fränlifc^e ©^riftentum im ©runbe eine gütige Sölac^t war" (Sranbt, Seutfc§e ©e=
fcmte). —(über: bie fBegrünbung beä .ffiaifertumS O^eißt eS nac§ einigen berid^tenben'©äßen:). ®r Bat
bie Itaiferlrone nic§t. ot§ ■aKa^tfteigerung, fonbern alä,;©Brentitet unb SBerpflicBtung gegen ©ott an»
gefeßen, auS ber ißm unb feinen Untertanen nur SPflicBten äum ©cßuß ber ttircße, ber ©cBwadBen unb
Unterbrüdten’ unb^ jur pflege ber ©erecßtigleit erwui^fen... ßein ©reigniS Bat bie ©efdBi^te beS
SJlittelalterS in äBnliiBem' 3Kaße Beftimmt. — (Unter Verwaltung unb SRecBtSpflege B«ßt eS:) Sa bie
©rofen mit:'SeBn§gut in iBrem VerwaltungSBesirle auSgeftattet würben, lag bie' SKöglidBleit felbfti
fücBtiger SlmtSfüBrung naBe. Sem foHen bie StßnigSboten borbeugen. ©o war ein beftänbiger S«'
fammenBang äwifcBen SentralbeBbrbe unb Solalberwaltung Bergeftellt. (Unter Sie foäialen VerBält»
niffe:) „Sie Sblaffe beS Volles; Bilben immer nocß bie freien Voueml Slber iBre.Saßl geßt beftänbig
aurüd. Um fo meBr wäiBft bie Vebeutung ber ©roßen (niaiores)... Qmmer meBr greie entäieBcn ficB
biefet Velaflung (HeereSpflicBt, SeBnpflidBt an ben ©rafen) burdB SlnfcBluß an einen SmmunitätSBerrn
(^reiSgabe ber ffrciBeit) . .. ©o wucßS bie SölacBt ber ©roßen ftänbig. SocB lag, folange ®arl lebte,
bie;©ntfcBeibung in aEen gragen allein beim Sönig. (Unter .SanbwirtfcBaft:) StbifcBen bem ©roß»
grunbbeftß liegen bie ©inäelBöfe ber freien Vauern. SaburcB wirb bie .SluSnußung ber Somänen er»
fcBwert. Sbn'UnterBalt beS löntglicBen §ofS liefern auSfcBlicßlicB bie ©tammgfiter ber larolingifcßen
gomilie.: (Unter „Ste fränlifcße' SlircBe":) Sie römifcBe ibießorbnung Wirb bürcBgefüßri. (Unter „Vtl»
bung unb'tunft":) §ier (in'ben Mofler» unb-Somfcljulen) wirb Unterridjt im Sefen, ©ißreiben, ©efang
unb lateinif(Ber ©procBe.erteilt... (Sn SourS unb SladBen:) SeBrbücBer finb bie römifcBen'©(Brift»
fteEer ..., Slber oucB beutfcBe Helbenlieber Werben gefammelt unb aufgefcBrieben. (VaiB SlufääBlung
einiger Seßrer:) 2lEe biefe Sölänner berbinbet bie unerfcBöpfÜtBe SlufnaBmefäßigleit für antile Vilbung
unb bie'greube am wiffenfdBaftlicBen Senlen ... SdS SM “Her VilbungSbeftrcbungen SarlS beS
©roßen toar,; feinem. Voll bie Vilbung beS SlltertumS. näBersubringen.: Sä biefe Vilbung- bur(B bie
Stirne bermittelt war,... . fo. würbe au^ bie larolingifiße Vilbung boEtg llerilal . . . Ser nationale
Untergrunb fcBlte, iBr.,;jlarlS Verfucße, burdB bie ©ammlung bon VollSliebern ... eine nationale
Siteratur ju begrünberi, fcßeitert an ber Veracßtung feiner ©eleßrten, bie in BeimifcBer Sicßtung nur
BäuerifcBeS unb BeibnifcßeS SBefcn fanben, unb felbft ä. S. nicßt bobenftänbig waren." (SBaS fcßließ»
ließ über Saris Verfönlidßlcit gefagt wirb, gebe ieß boEftänbig:) ,|©eine (©inßarbS) ©cßilberung äeigt
Sari als eeßten granlen. gränlifcß war feine politifeße Vegabung, feine Veigung p ©ewalttätigleit,
aber audß feine Iricgertfcßc Satlraft, feine ©mpfänglicßleit für geiftige Stnregung unb feine Sembc»
gier. SllS Sinb feiner Seit äeigte er fieß in auSgefpro^en lirdßlicßer grömmigleit. SlnbererfeitS griffen
feine wirtf(Baftlicßen unb MtureEen Sbcen weit über bie, Vebürfniffe unb gäßigleiten feiner S«t8c=
noffen ßinouS. Slber eS Bleibt immer bewunberSwert, wie fieß in feiner überragenben Veifönlidß»
leit Slnregnngen unb Stufgoben feines bielgeftaltigen VeießS änfammenfcßloffen. Sie Vereinigung
@etDoI)ute§ ©efcfiid^t^bilb 255
germanifc^er traft imb römifd^=d§riftlid)er 33Ubung mar fein flaatlic^e^ Qbeal. fanb in ber Über*
fü^rung 2:^eoberic§g be^ trogen bon D^abenna nad§ 3lad^en einen f^nxbolif(^en 5Iuöbrucf. SJJit $Rec^t
bat bie ©age fein 33ilb unermüblicb au^gefdjniücft."

^bb. 77. 3ß^^ftörter ©rotteneingang an ben ©jternfteinen

®a§ ift eine fitrae nnb gute Sliiftueifung be§ Silben S'arl§, tüte tüir eg ft^ulmäfeig
aiig ben Rauben ber beutfdö^n Oefditd^tgtüifjenfcfiaft entgegenäiinebmen getüobnt finb.
Sin ben etnselnen ©ä^en bcibe icb aud^ big auf tüenige, bie ein SBerturteil enthalten,
nidhtg anganfehen. ®er @rf)htfeabfd)nitt ift 5iemlid) farblog gehalten, um ben ©chlufe»-
256 ,17. Ser 3erftörer öer ^eiligtiimer
folgetungen be§ Sel^rer§ — bte 6ter für ba§ aSerftänbm§ be§ ©d^üIerS allerbingS «n*
bebingt nodö erforberltcb finb, nicbt au fefir boräugreifen; er enthält feine fftecfitfertt*
gung ber bisherigen SInerfennung ßarlS als beutfcber 37ationaIheIb; aber er enthölt
eine ^anbreidhung für ben, berJlarl äu einem folchen machen ibilt.
^ch habe ni(^t bie Stbficht, bie SarfteCung beS mir befreunbeten SSerfafferS, ber ja
nur baS au beurteilenbe jSilb ibieberaugeben hotte, 5u fritifieren. 3lber ich, gebenfe,
baS aSilb felbft onautaften, eS burch nichtige SÜQe au ergänaen unb ihm fomohl
unter bem SSefidhtSbunfte ber gefdhichtli^en Sßahrheit als audh bom beutfchen ©tanb*
bunfte aus eine anbere Seutung unb eine anbere Unterfchrift au geben.

®in ^errfcher myh unter , bem (Sefichtsyunfte feiner S3ebeutung für fein SSoIf na^
feinen Äaten unb ihrem ©influfe auf bie ©ntoicEIung beS SSoIfeS beurteilt merben. @S
hat hodhftehenbe iperfönlichfeiten unter ben ^errfchern gegeben, bon benen in fitt*
liehet ^inficht nur ©uteS berichtet hJirb, berenißegierung aber trohbem als ein Unheil
für baS SSoIf angefehen toerben muB. Unb anbererfeits finb fittlich tiefftehenbe 5ßer-
fönlichfeiten burch ihre richtigen unb redhtaeitigen Säten au Sßationalhelben gemorben,
benen ihr SSoIf au bauernbem Snnf beryflichtet ift. SaS ift feftauhalten. Sann aber
fommt aum SSerftönbniS ber Säten eines ^errfcherS fein berfönlicheS ©harafterbilb
in SSetracht.
SBir IboEen unS teahrheitSgemöBe ©ebanfen über ^arl machen. SaS ift angeftchtS
ber QueHen, bie ausnahmslos unter bem SSerbacht einfeitiger Segünftigung ftehen,
eine fchtoierige Slufgobe. Sluch in ber golgeaeit, bis in unfere Sage hinein, begegnen
mir einer ouffäEigen, fonft nidht, ober febenfalls nicht immer geübten Sßilbe beS
Urteils über Äarl unb feine Säten. @S ift, als ob man — betouBt ober unbetouBt —
ihm olS bem berbienftboEen SSringer beS ©hriftentumS, als bem SSringer einer
höheren, Kultur, alS bem Segrünber eines georbneten beutfchen ©taatStoefenS auf
ieben gaE einen burch bunfle Schotten nicht aEau beeinträchtigten ißlah unter ben
beutfchen Etationalhelben hätte beteahren tooEen. SaS rüdfidhtSboEe ^inloeggleiten
über bie S?ehrfeite ift au einer SSerfchleierung ber'gefchichtlichen Süßahrheit unb in feiner
SSirfung au einem ©ift für bie innere beutfehe SSoIfSfroft getoorben. .
3ur ©rfennung beS toirflichen SBerteS ber ^errfchoft ßarlS muB audh an ihn unb
feine Säten ber fittliche SßaBftab angelegt toerben, unb atoar erft recht um beStoiEen,
toeil fein auf Einführung beS ©hriftentumS unb chriftlicher ©ittlichfeit hingerichteteS
SSirfen einen ^auytteil, ja einen für einen yolitifdhen Eßann gana auBergetoöhnlidh
groBen Seil feines SebenStoerfS ouSmacht. Sabei ift er au beurteilen im Sichte unb
nach bem EßaBe ber chriftlichen SInfchauungen feiner 3eit.

Sie ©achfen
SIEeS in ber SSelt ift relgtib unb toirb erft abfehähbar burch SSergleiche. Sluf bem
fchtoaraen ®intergrunbe eines toilben, röuberifchen, fulturlofen ©achfenboIfS
erfcheint bie ©eftalt ihres ©hnftianifatorS nebft bem bon ihm gebrachten berborbenen
©hriftentum unb ben au feiner Einführung angetoanbten ©reueltaten günftiger.
Sarum ift ber 0luf, in ben man bamals bie ©achfen gebracht, aunöchft nachauprüfen,
ehe toir an Sari herantreten.
Sie QueEen auS jener Seit, bon benen nicht eine einaige bom fädhftfchen ©tonb-
§pFie Kultur ber ©acE)fen 257
jjunfte au§ ober bon neutraler ©eite gefäirteBen ift, finb längft auSgeitfiöpft, ober
bodb im einseinen'nur bon toenigen getonnt; unb bann fommt es borouf an; loie fie
gelefen metben. ' '' ' , ' ; ■
Sie obige Sorftellung beS Sebrbuc^eS enthält feine Beurteilung be§ fätfififtfien
BoIf§. Sie grofee ^irchengefcf)ichte bon §aud, bie, auf bie innerften ©rünbe beS @e-
fdhebenS om ouSgiebigften unb feinfinnig eingeht, toirb allfeitig unbebingt als geeig¬
nete ©runblage unferer fftachprüfung anerfannt tberben. ^oud fagt Banb I, ©. 372:
„®a§ fränlifd§e (genteint ift bo§ weftfränlifc^e) SJoIl wed^felt feinen ©lauBen fo leichthin: ®te
©a§fen bogegen festen ifire ©jiftens baran, fich ber neuen SReltgion ju wehren, bie ihnen mit ©ewalt
aufgebidngt würbe... i^r ift bodj nur bann.Begreifli^, wenn man annimmt, baß
bie nationale iReligion Bei ihnen weit mehr Straft unb Sehen Befab, als bei ben granlen.- ftimmt
bamit überein, bag bie Energie ihrer SReligiöfität f r d n I i f ff/en Beobachtern wie .Eigil unb SKubolf’
»on gulba auffiel. SBenn bie Slngaben beS lehteren ein ber Wahrheit entfprechenbeS Silb gewdhren,
fo war baS religiöfe Sntereffe beS SJollS b or aIIem b a rOuf g eridjtet, nicht S^w t ber
ben SSilleti ber ©Btterju unternehmen .. .ES liegt etwas ©rohartigeS barin, bah
man unweigerli^ auf jebeS Unternehmen beräi^tete,'bem bie ©ßtter ben Segen berfagten ... ®iefer
3lrt ber IReligißfitdt, entfpri^t, waS wir über bie f ittli dh en 3 uftdnb e beS Stammes wiffen.
3Bieber ift eS ein f rdnii f ch eS 3 eu9Ui S, wel(heS bie'fittliche S^ücCjtigleit ber Sadhfen rühmt."
3IuS ©albtan führt igaud nunmehr ben SIuSbrucE „castitate mirandi“ an, 6. h. um
ihrer fittlichen Ifteinhett toiKen gu Betounbern; auS fftubolfi SranM. Sllej. 1 ©er. II,
©. 675: Erant . . . domi pacati et civium utilitatibus placida benignitate consulentes;
c. 2: Legibus etiam ad vindictam malefactorum optimis ütebantur. Et multa utilia
atque secundum legem naturae honesta in morum probitate habere studerunt. 3u
beutfch: „©ie (bie ©achfen) toaren baheim frieblith unb in gütiger greunblichfeit auf
baS allgemeine Befte Bebacht; c. 2: Sluch toanbten fie bortreffliche ©efehe sur Beftro»
fung ber Übeltäter an. Sosu Bemühten fie fii^ eifrig, biel KiühlidieS unb nach natür»
ii(her Sluffaffung ©(^öneS fid) su Befchgffen, unb stbar auf rebliche SBeife." .
aSir bonfen e§ fRuboIf bon gulba, bafe er eS getoagt hut, im ©egenfah äu bem
üblichen $eraBfehen ber Suftänbe beS heibnifchen ©achfenboIfeS unb feiner ^inftel-
lung olS „bie toilben ©achfen" feiner SWeinung über ba§ unterbrüefte Bolf unb feinen
. Erfahrungen in biefem Bolfe einen offenen 2Iu§brucE gu geben unb ihm ein foI(he§
SeugniS ebler unb bortreffIicher ©efittung unb eines fo eifrigen ßuIturfinneS auS-
Suftellen, ein geugniS, toie mir eS unS glänsenber faum benfen fönnen. Sabei looEen
mir e§ bann mit in ^auf nehmen, bofe Bubolf bie ©adhfen in ihrem BerhältniS äu ben
9?o^bargebieten inquieti unb infesti (unruhig unb gefährlich) nennt. 'Senn bon mem
bie ©rensftreitigfeitem.menigftenS mit ben meftlichen lUachbarn, urfbrünglich ouSge-
gangen finb, ob bon ben meftfälifchen ©ochfen ober ben meromingifchen unb tarolingi-
fchen granfen, barüber merben mir noch Bern ©tubium ber politifchen Beftrebungen
jener Seit nicht in Stoeifel fein.
JEBanbergüge ber ©achfen maren bamalS nicht na^ SSeften gerichtet, mo-baS fefte
merorningifche Beich etmaigen ^olonifationSabfidhten entgegenftanb, fonbern nod)
immer nach ben britifchen Unfein. 37ach SSeften maren bie ©achfen bielmehr ouf frieb»
liehe ^onbelSbesiehungen mit bem großen bamaligen SJleffeblah in @t. SentS bebachth
SaS ift aifo §aucf als ehrlicher, nichts SugehörigeS berfchmeigenber @efchicht§-
fchreiber. Sann aber tommt ^auci olS ber bie Ehriftianifierung ber ©achfen oner-
‘ Si^aumann, ©ef^. b. fde^f. SSollS, ®ieteri^s; ©öttingen 1839.
17 S:eubt, ©ermnnift^e ^eingtiimer
258 17. S)er Setftötet iier Heiligtümer
ifennenbe ®[;rift, ber 3um Sßerteibiger beS S|)riftianifator§ toirb, toeil er e§ nitfit faffen
form unb ni(f)t gloubetr möchte, bofe ber cE)riftIicEie il’aifer ein fittlitfi, religiös unb
fulturlicö fo f)od&ftef)enbe§'SSoIf, toie e§ felöft in ber ©c^ilberung feiner geinbe er»
fd^eint, mit folc^er brutalen Oroufomfeit gertreten, unter ba§ ^ocf) gebracht unb 311
feinem ©briftentüm gestoungen bat. Haucf ringt noch ©rflörung, notf) fflecbtfertigung,
noch ©ntfdbulbigung ber Säten ßorlS. ©r befdbreitet ben SBeg tniHfürlidber Hetab»
febung. ©r toirb ungerecht unb gelangt bobin, bie Sreue 3ur Sreulofigfeit um3u*
ftembeln. SWon böre!
„SSenn e§ toabr ift, baß bte ©a^fcn leine ®ötterbilber lannten, fo wirb man batin ni(|t ben ®e»
banlen beS geifttgen SSefenS ber ®ottbett auägebrüdt finben bürfen: e§ ift baä ®efü5I bet unnahbaren
fjur^tbarleit ber'®ötter,, baS bie §tmb feffelte, bie ein SlBBilb berfelBen hcrfleHen foHte."
3Bir haben biei ba§ burcb nichts al§ burtf) baS eigene fßorurteil begrünbete Unter»
nehmen, ein hoch boftebenbeS toefentlidheS SJtoment födhfifdher Steligion ibreS SBerteS
3u berauben. SBobin miC HaucE fommen, toenn er bie gleiche SSSeife ber S3e3n)eiflung
beS SBerteS unb ber ©chtbeit ou(b auf bie böphften ©ebanfen ber onberen fReligionen,
einfchliefelich ber dhriftlichen, antnenben tnollte? SBenn irgenbtoo, fo ift e§ auf reli»
giöfem ©ebiete ongebro^t, auch burch ettoa borbonbene ©dhalen binburdh ben gei-
fügen ^ern 3U feben urtb 3u achten (Heiligen», ffieliguien» unb Silberbienft bei ben
©briften —SBobon», Sonar» unb greiobienft bei ben ©ermanen), nidht aber au§ ben
anerfannten unb betonten ©laubenSfäben ben bödhften SSabrbeitSfern berau§3u»
brechen, 3umal toenn bie tatföchlic^e Befolgung einer Sehre einem SSoIfe felbft öon
feinen geinben befcheinigt toirb. SBeiter fagt HaucE:
„3Baä bie SSoHlfitte heiligte, baS würbe BeoBadjtet. SlBer fittliih but(hgeBilbete Eh^^^atl^re ntangel»
ten, wie fie Bei ben SarBaren (fiel) üBerhaupt fehlen: 2)ie Stultur, welche Sni>iBibuaIitäten Bilbet, ift
bie SSorauSfelung für ben fittli^en £h“ralter . Unb jeigte fich nicht in ben itriegen mit ben fjran»
len, bag bie fächfif^e Slreulofigleit ber Berüihtigten fränlifchen ireulofigleit minbeftenS gewachfen war?"
Sie lebten SBorte finb eine unbegreifliche ©ntgleifung ober ein Seifbiel botteilicher
Sefangenbeit beS bochangefebenen ßirchengefüiichtlerS. SBenn ein Solf bie Unter»
f(f)rift feiner Vertreter unter graufam er3toungene, fnechtenbe unb entebrenbe Ser»
tröge nidht mehr anerfennen toiH, toenn eS — toie bie ©achfen toten — in belben»
baftem ©ntfchlufe bie gefteHten ©eifein (mit beren Suftimmung) ber Hinrichtung breiS»
gibt, um f e i n e b e i I i g ft e n © ü t e r toieber3ugetoinnen unb alles bofür einfebt,
bann ift baS Sreulofigfeit? SBirb eS treulos fein, toenn baS beutfche Solf bie Se»
fdhiüffe ber S7ationaIberfammIung unb bie Unterfchriften fUfüHerS unb ©r3bergerS,
als Sertreter ber f(bon 1919 erlebigten fReboIutionSregierung, nicht mehr anerfennt
unb baS SerfaiHer Siftot hinfällig toirb? Sreulös gegen toen?
Säten, bie unter fittli^em ©efichtSbnnfte noch gon3 anberS 3u beurteilen finb, toofur
als Seifbiel nur ber 9?ame S5BiIbeIm Seil genannt 3U toerben braudht, finb bon ber
SBeltgefchidhte, bor bem chriftlichen ©etoiffen unb bor bem SZenfchbeitSgetoiffen ge»
rechtfertigt. SBaS HaudE hier Sreulofigfeit nennt, baS beifet fonft bödhfte Sreue,
Sreue bem ©rbe ber Söter, Sreue bem eigenen SoIfStum, Sreue ber ©ottbeit.
Unb nun nodh bon bem erbidhteten SWangel an fittlidhen ©barafteren unter ben mit
bem Sarborentitel belegten ©adhfen! Sludh nidht ber ©chatten eines SetoeifeS fann für
biefe Seboubtung erbracht toerben. SBer bermag bie ©eifter ber- in Serben unb fonft
©tummgemachten 3u sitieren? SBenn femanb in fdhroff entgegengefehtem ©inne bie
2)?ärt^rer ber @efc^icf)t§f(f)ret6ung 259
aWeinung öertritt, bafe bamal§ in bem @acE)fenboIfe eine S ü 11 e f e ft e r f i 111 i e r
ßl^araf tere toor, io bofe ba§ gonse SSoII bomit ftorJ burc^fe^t getoefen fein mufe,
fo finb für biefe 3?Jeinung toeitoug triftigere fodfili^e ©rünbe öortianben, al§ fie in
ber allgemeinen ifjfjrofe ^audE§ erblidft inerben fönnen.
£)ber bodfite ^oucf an SBitteJinb «nb Stbbio? 215er e§ 5errfdE)t ia bie 2tuffaffung bon
ihrem ü 5 e r ä e u g t,e n Übertritt. S>a§ ift bann nach §aud§ 2[uffaffung bocfi inohl
feine Strenlofigfeit. gür ihr SSoIf beffer unb auch ebler tnöre e§ freilich Qelnefen, tnenn
fie ihre ISefehrung im Kämmerlein boHaogen hotten; benn fie mufeten e§ tniffen, bafe
ihr SSorbilb feine SSebeutüng nicht nur für bie ifteligion, fonbern auch für bie Frei¬
heit ihres SBoIfeS hafte* Sie genannte 2[uffaffung f a n n richtig fein, daneben
löuft ieboch eine onbere 2[uffaffung, bie fich auf bd§ 'merftbürbige Siunfel aller toeite-
ren iltochrichten über SBittefinb, nachbem er fich freitoiCig in Karls ©elnalt hatte locfen
laffen, beruft. ®S ift ber SSerbacht feiner Sefeitigung in 2Ittigni, einerlei, ob er bereits
getouft h)or, ober ob er bie Staufe bis aum ©chluh berlbeigert hat. $aucf entaieht fich
ber ganaen SSittefinbfrage mit bem furaen 0ah; „Sichere Stachrichten über ben 2[uS*
gong SBittefinbS fehlen."
SDaS Urteil ^aucfS unb aller ©efchichtSfchreiber franft audh an ber noch böHigen Jiicht*
beadhtung ber aSererbungSgrunbfähe unb -Satfachen. SBir ober tnollen unS hier boran
erinnern, bafe bie g e i ft i g e g ü h r u n g b e r © h r i ft e n h e i t in ber SefehrungSaeit
fofort in bie §onb ber 3P?änner germanifchen SluteS gelangte, bie bie iJtomonen an ge¬
lehrter 2Crbeit übertrafen; ber SSerfaffer beS ^elianb unb Ottfrieb u. o. toaren gar auS
fächfifchem Stamm. ©S ift bererbungSmähig unmöglich, bah eS Söhne bon folchen
Sötern unb Sorbätern getoefen fein fönnten, bie burch bie rollenben ^johrhunberte
in bem geiftigen Stumhffinn beS SorbarentumS bahingelebt hätten. Sielmehr üm-
gefehrt: baS fofortige Auftreten biefer SWänner ift ein SetoeiS bafür, bah fich bie gei-
ftige ©nttoidlung beS germanifchen SoIfeS audh in ben Sahnen gelehrter Seftrebun-
gen betoegt habe. S^iemalS erftehen im ^anbumbrehen aus hrimitiben Sölfern Füh*
rer unb Seudhten ber SBiffenfchoft. ^ ^ ^ ^ ^
©egen unferen Sah, bah baS bon Karl beatoungene So^fenbolf nicht nur ein toehr-
hafteS unb fittlich hodhftehenbeS, fonbern oudh ein toiffenfdhaftlich unb fulturli^ reg-
fameS Soff getoefen fein muh, fann auch nicht mit bem Schein beS SechteS eingetuen-
bet merben, boh unS mehr bobon überliefert fein mühte. 2Benn toir eS aber loiffen, bah
bie Kultur biefeS SoffeS in einem 32iährigem Kriege unb ber Folseaeit mit Stumpf
unb Stiel auSgerottet ift, bann muh baS geftholten on biefem ©intoanbe als eine
Ungerechtigfeit, als eine gefchichtliche ©efühllofigfeit angefehen toerben.
SBie urteilt hoch Solbian unb Subolf bon gulba über bie Sachfen? SetounbernS-
toert toegen ihrer fittlichen Dteinheit! Friebfom unb aufS ©emeintoohl bebacht in
ihren ©auen! $üter ber Orbnung mit bortrefflichen ©efeheni gleihig, mit Freube
am eigenen Schaffen! 2tuSgeftattet mit lebhaftem Sinn für baS Sühffche unb Schöne!
®aS oHeS finb ©runblagen unb Setoeife für ©horafterbilbung. Saau religiöfer ©rnft
unb Süreue!
SonifatiuS-SBtmfrieb hot bemgegenüber baS SBort bon ben toilben Sochfen geprägt.
2Rtt merotoingifchen unb forolingifdhen SBaffen ift feine firchlidhe Sichtung unb auch
fein berächtlicheS Urteil über bie Sochfen aum Siege gebracht unb ift herrfdhenb ge¬
blieben bis aum heutigen Jtage. Kein SBunber, bah SonifotiuS mit biefem Söffe auf
17*
260 17, ®ec Serftörer ber Heiligtümer
fc^Ietfiteftem gufee ftanb: au§ gurdit üor it)m E)at er ba§ erfte ßlofter in HerSfelb bon
ber födififdien Orenge toeiter surüdgeaogen nad^ gulba.
Sm gonäen. ©ermanentum I)errfcf)te boHenbete SDuIbfamteit in ©lauBenSfac^en qB
felbftberftänblider ©rnnbfafe.. S^qcE) ßummer (SD7ibgarb§ Untergang) maren.bie nor*
bifdien ©ermanenbölfer mafeloS erftaunt, bafe in ©lauBenSbingen ein aJJenfd) bem
anberen feine SJteinung mit ©etoalt aufainingen tooKte, InöBrenb bi§ batiin feber
©tammeSgeno^e fitf) in freier ©ntfdeibung bie gorm auStoäfilte, in ber er ber ©ott»
Beit bienen tooHtev SWan lernte bann,’ben ©laubenSatoang lebiglicB al§ ein boIitifdBe§
SPtittel ongufeBen unb liefe ficB taufen, toenn e§ ber üBermäcE)tige bolitifdle ©egner
berlongte. .©daumann tbunbert ficB in, feiner ©eftf)i(f)te be§ nieberfätfififtfien SSoIfeS
barüBer, bafe e§ eine ©igenfdaft ber „BarBarifcfien" Sßölfer au fein fdeine, febem feine
religiöfe SWeinung au laffen. ^
Stutf) ben ©atf)fen ift,ber ©lauBenlatoang aunöcBft ein Srembe§, ein gana UnfafeBareB
getoefen. ©ine eigenartige SeoBadtung nod) am feeutigen nieberfädlfifcBen Sanbbolf
Bat in mir ben SSerbacfet ertoedt, bafe ber ganae SSegriff ,,© I a u B e" oorBer gar nidBt
bagetoefen, fonbern erft bamalB, unb atoar in ber golge ber „Untertuerfung
unter ben Btoung", — „©elöBniB" Bei iBnen entftanben ift. 3Benn fefet nodB ein
SSater feinen jungen brügelt, fo ruft er iBm baBei toieberBoIt au: „SButt bu glöBen?",
b. B. »luiEft bu mir fefet geBorfam fein?" ©Benfo macBen’B bie jungen untereinanber.
©tammt biefe merftourbige 23erBinbung be§ ©inneB glauben = geloben nidit auB ber
SSefeBrungBaeit, alB ber ©lauBe auB bem ©eloBen geboren toerben foHte? ©bradBIidB
ift eB iebenfallB möglidi; benn BeibeB fommt aüB berfelBen SBurael., SarauB mürbe fid)
bann ertlören, bafe ber begriff beS ©lauBenB = Vertrauen (fides, jitjTt?) bem nieber«
fäcBfifdieu S3oIf trofe oder SemüBung fdledlterbingB nicflt eingeBen miH unb bafe man
eB nad) llOOfüBriger ©rsieBung nur BiB au bem ©lauBen = gürmaBrBalten Bringt,
fo, mie baB SBort in ber aHtöglidien beutfdBen ©predimeife allgemein üBIicB ge-
morben ift. SIBer „icB glaube an" Beifet nodE) immer „icB gelobe ©eBorfam".
®ie alten ©acBfen merben nidBtB geinblicBeB gegen bie frieblicBe SIrBeit ber iro-
fdBottifdBen ©enbBoten unternommen Baben. StBer alB bie StuBricBter ber SBBnfrieb-
fcBen Unbulbfamfeit inB Sanb famen; iBre ©ötter BefcBimpften, H^ub anlegten an iBre
Heiligtümer unb iBnen fagten, bafe ber oBerfte ißriefter, bem fie ade fidB Beugen müfeten,
in 9tom föfee, ba mor’B mit iBrer Sangmut gu ©nbe. SeBmegen mufeten fie bon nun ob
bie „milben ©acBfen" Beifeeu, 2IIB Jtarl fie im 93unbe mit biefer 9tid)tung iBrer greiBeit
Berauben modte, ba ift eB, mie ©inBarb fagt, fein SSoIf gemefen, melcBeS bem ©roBerer
fo biel fraftboden unb Bartnöcfigen 3Biberftanb entgegenfefete alB baB ©acBfenboIf.
Unfer ©mbfinben ift auf ©eiten ber UnterbrüdEten. SIBer’mir müffen unB Büten,
ungerecht gegen ben UnterbrücEer gu merben, einen ©dBüIer ber in ber bamaligen
Kirche borBerrfcBenb gemorbenen roBen ©Uten unb SInfdBauungen. SBenn boS 23ilb
ein ■ büftereB mirb,'fo Bebeutet baB ©rfennen unb geidBnen beBfelben für midf) ben
SSerluft beB Halben, ben icB trofe Sebenfen alB beutfcBen ßaifer mit SSerbienften für
unfer SSoIf angefeBen Batte. 33ei febem ©tricBe mar meine Überlegung, oB ber ^infel
nicht gu tief in bie bunfle garBe geriete. SIBer ich fann nidht gegen erfannte SBoBrBeit;
ich fann aud nicht gegen meine ÜBergeugung, bafe ber Irrtum feinen SInfBruch ouf
©dionung Bat, gumal menn feine Eßflege berhöngniBbode SEBirfungen auf bie beutfche
©eele nad fidh gegogen Bat unb noch nad fid äUBt.
Seftfranfen — 261

■ . ' , ■ Üavl ■■ ;

^orl gilt feiner SIßftammung nadi oudfi alB ein ©lieb ber merotoingiftfien @it))3e.
SBiehseit er noc^ oB frÖnfifc^er ©ermane gerechnet toerben Eann, alfo toietoeit fein mit
fHedjt angestoeifelter fdiöner unb boHftönbiger StammBaum ber SBafirEieit entffjricöt,
iriffen mir nicBt. S^edel (Slltgermonif^e Kultur, 1925)^ gmeifelt fogar, oB bie 5?aro*
linger auS SfbelBouernftomm mären, oB fie nicöt bod) auf einen greigelaffenen au§
bem fined)teftonb aurüdgefien unb mödjte ein SInaeiden bafür aucB barin fefien, baß
^arl ber ©rofee ein fo auffaIIenb geIeBriger @(^üIer feiner römifden Sefirmeifter
mürbe. „Sann fönnte ja and) in feinem.aBfdienlidien unb eine ©egenäuSlefe ebelften
norbifd)en SIute§ Bebeutenben fSIuturteil über bie 4500 födfifdfen ©bien, bie er im
SaBre 782 au Serben an einem Sage entBauBten liefe, ein SluSbrud EnecBtifdier ©e-
Böffigfeit gegen iBni an §erfunft:überlegene erBIidt merben. Sie fircBÜdie ©efdli(f|t§*
fdBreibung be§ SWitteloIterS Bat bocB nid}t erreidien fönnen, bafe J?arl /,ber ©rofee"
un§ mirflid oB ein ©beling erfdeine." • , ■
SebenfaH§ Bat ßarl feinem’ ganaeit SSefen nad ba§ ©eBräge nidt eines granfen,
fonbern eines SS e ft franfen. ©eit etmd 250 n. ©Br* ®eB., alfo ein BalBeS ^aBrtaufenb
Iang,- mar Jener SeböIferungSfdnB, ben einft bie germanifden granfen über ben
fßBein ins ©allierlanb ateBen liefeen, ber germanifden SIrt entfrembet, Batten fid —
mie eS io baS SerBöngniS foft aller ben germanifden Soben Serlaffenber gemefen unb
geblieBen ift — mit ber SeböIEerung beS SanbeS b e r m i f d t , Batten fid BemmungS-
loS ber romah'ifden Kultur in bie SIrme gemorfen unb moren bie regelredten
©tammbäter ber Beutisen granaofen gemorben. ©S liegt fein fadlider, 0efdidüider
^inberungSgrunb bor, fdon bie SBeftfranfen ÄarB mit bem Samen granaofen au
Belegen, bo in fböterer Seit feine SSelle fremben SoIfS berortig über ba§ eigentlide
Sronfreid gefommen ift, bafe eine folde Benennung als folfd Beaeidnet merben
fönnte. ^m ©Barafter gleidt Äarr in bielen ©tüden ben fSeromingern, mit beren
Somen amar bie SInnaBme beS ©BriftentumS feitens ber SBeftfranfen berfnübft ift,
bon beren bem ©Briftentum BoBnfbredenben Sun unb Soffen unb ungeaöBmter
SoBeit jebod BeBaubtet mirb, bafe bie SBeltgefdidte iBreSgleiden fudt. ■©§ ift genii*
genb, in bem golgenben einige ©tüde auS feinem Seben BerauSaugreifen, um bie
SBoBrBeit biefeS ©ofeeS, augleid aber aud fein SBerBöItniS aum beutfden Solfe au
ermeifen.

2BaS in unferem ©duIBude Bei iiorl „Seigung anr ©emalttätigfeit" genannt mjrb,
ift bie rüdfidBIofe, oft mit ©raufomfeit berfnüBfte Unterorbnung ber Jsntereffen
anberer, ob noBefteBenb ober fernfteBenb, unter feine Berfönliden ^ntereffen unb feine
^errfdaftSintereffen, oBne febe ©infdränfung in ber SSaBf ber fSittel. SaS mag
grofeen ^errfdernoturen noBeliegen, immerBin Bütte ber Sringer ber Seligion Jjefu
©Brifti in etma eine Sügelung für angebradt änfeBen müffen. Jjn meitBeraiger SBeife
moHen mir ben ^errfdern eine ©onberftellung in beäug auf Sefife unb Seidtum äu=
bißigen. füBir moHen iBnen fogor in fdmierigen SedBfragen, bie 2)?ein unb Sein
betreffen, baS BöBere Urteil unb bie lefete ©ntfdeibung unter bem ©efidBbunfte beS
oEgemeinen SSoBB anbertrauen — aber im ©Borafterbilbe ^?arB fbringt benn bod
^ ©ünll^er — Stbel unb Stoffe — 3- 5- Sel^tnann^ SSerlag, SRünd^en. ©eite 31.
262 17. S)er Serftörer ber Heiligtümer
eine böKige Hinttinfe^ung aller SSegriffe ber ©ereditigfeit, be§ ißecf)t§ unb ber cE)rift-
licfien ©ebote binficbtlidö 3?tein unb Sein in§ 2Iuge, unb ätoar noc^ nicfit einmal immer
äugunften feiner Hau§matf)t, gefcbtoeige benn be§ öffentlitfien 3ßobI§, fonbern 3ugun*
ften feines berfÖnlicben SSefi^eS, @Ianäe§ unb StubmeS.
SBaS äunöcöft Sanbbefi^, @üter unb alle SIrt bon @r unb unb S8ob e n anbelangt,
fo mufe id) bem> ber fitf) gut unterrid^ten miH, embfeblen, bie oft genannte 2)?ono*
grabbie über.bie SJtarfenberteilung bon fliübeF, unter biefem ©eficbtSpunfte 3u ftubie»
ren, S3ei fftüBel bemertt man toeber ^ntereffe noif) SSerftönbniS für bie germanifd^e
SBergangenfieit. @r ift fübb fad^Iidö, gana alte ©d^ule unb fatin baber toirflidf) alB
unberfönglidE) gelten, audC) ioenn er einige nftale fein ©rftaunen über bie brutalen Sßor-
gänge unb if)re fbätere 9'Zi(f)tbeadbtung aum SIuSbrüdE bringt. ©S ift berftönblidb, bafe
man a. 58. in gulba^ bon ben SIufbedEungen ffiübelS empfinblidb berührt mar unb ihm
UnmiffenfdhaftlidEifeit nadhaumeifen fudhte; aber für ihn fbridht immer baS nadfte Sat»
fachenmaterial unb bie n ö th ft I i e g e n b e ©rflärung ber Singe, bie bann aüerbingS
audh nidht auf einen 58onifaciu§ SRüdfidht nehmen bann.
^arl hbt ben ungeheuren S3efih an SK a r f e n unb ©inöben, ben bie germanifdhen
©tömme mohlbebatht au büen möglichen fehr bernünftigen Steeden ateifdhen fidh olS
SSoIfSlanb liegen gelaffen hotten, al§ causa regis au fdhtonfenlofer eigener. SSerfügung
befdhiagnahmt. Sabon hot er aunödhft für fidh berfönlidh oHeB genommen, mo§ er
rnoHte unb irgenbteie alS fjerfönlidhen fSefih bemältigen fonnte, bann für feine meft»
frönfifchen SanbSleute, bie er als Steingherrn aur Slufredhterholtung feiner Herrfdhoft
in ©ermanien brauchte, bann in groBem Umfange für bie S?irchen, unb fdhlieBIidh —
baS mar gerabeau ein fatanifdheS fbfittel in feiner Honb — aur ©rfaufung ber fidh ihm
untermerfenben gührer beS beraubten SßoIfS, amedS ihrer Trennung bom fßolfe. SieS
lehtere ift nicht nur im ©achfenlanbe, fonbern in Thüringen unb 58at)ern unb überaE,
mo eS ihm beliebte, gefdhehen.
SIber Sfarl begnügte fidh nicht mit ber fBefdhIagnahme oCer SWarfen unb mie man
fonft baS bon ihm oI§ herrenlos erflörte SSoIfSIanb nannte (solitudo, conflnium, deser-
tum, vastum, eremus) unb mit ben eingeaogenen ©ütern aEer berer, bie fidh ihm nicht
miEföhrig aeigten, ober bie er fonft auS irgenbeinem ©runbe einaeln ober borfmeife
bon HouS unb Hof bertrieb — er fehte feiner SBiEfürherrfdhaft unb ber SSergematti»
gung eines rechtlos gemachten fßoIfeS baburch bie ^rone auf, boB er auch ohne Heran*
fdhaffung eines ©runbeS aEeS Sanb, maS er felbft hoben ober berfdhenfen moEte, erft
gernaltmöBig burdh Vertreibung ber Vemohner aur solitudo, au einem desertum ober
bgl. machte, um eS bann als causa regis (föniglicheS ©igentum) au erflören!
aSegen Überfättigung ber ©roBen meftfränfifdher unb beutfder Ubfunft mit Sanb*
befih begann bamals bas einige ^ahrhunberte möhrenbe Soüolter, in bem mahre
Sr gien b er ©ch enf un gen gefeiert mürben, haubtfädhlidh an bie Kirchen burdh
Vermödhtniffe für ben SobeSfaE, aber auch fonft an Vermanbte unb febermann,
Orgien ber ©dhenfungen, bereu Urfunben einen groBen ißroaentfah aEer 9?ach*
richten auSmadhen, bie mir auS fenen bunflen ^ahrhunberten hoben. Sluf bie
aSirfungen beS SSerfohrenS SlarlS mit bem beutfchen ©runb unb Voben fommen
mir äurüd.
‘ fRnbel, ®te graulen, i^r ©roBerungS* unb ©teblung§fAftern im beutfchen SSollSlanbe, Setpäig, 1904.
“ gulbaer ©efcBic^täBIötter 1909 air. 6.
Unbetoegltd^e unb Betoeglic^e Sefi^tümer 263
S>a6 e§ ftcf) Bei STarrn idBt um fränJiftf)e§ ©taati* ober gar fäcBfifdjeS SBoIfSmot)!
Bonbelte, gebt nocB beutlitfier für ba§ fdBIicBte 9tecBt§emBfinben qu§ ber Sufammen*
Bringung unb fdBIiefelicBen SSerirertung feines ungeBeuerlicBen BetoeglicBen Se*
f i B e § an @oIb unb ©ilBer unb ©belfteinen BerBor.,
2Wit biefen ©cBöBen Bat Jlarl ficB joBrelang bor feinem Sobe Befd)äftigt unb ift
mit iBrer Orbnung unb Verteilung autf) bann nodB nicBt fertig getoorben. ©inBarb
füBreibt: „®r noBm fitf) bor, leBttoiHige Verfügungen 3u treffen, burcB toeIcBe er aucB
feine SöcBter unb uneBelicBen ßinber mit getoiffen Stnteilen alS feine ®rBen einfeBcn
luonte; nur Bat er 3U fBät bamit begonnen unb fonnte bie ©aiBe nicBt 3um ©cfilufe
bringen, ^ebocf) naBm er brei (811) ^oBre bor feinem JEobe eine Teilung feiner
©dBöBe, feines Boren ©elbeS, folnie feiner Jileibung unb fonftigen ©ebroutfiSgegen-
ftönbe in ©egentoort feiner Sreunbe unb Wiener bor, unb Bat fie feierlicB, bafe nacB fei¬
nem ^eimgonge bie bon iBm borgenommene Verteilung auf ©runb iBreS 3eugniffeS in
toft Bliebe."
Um feine teftamentorifcBen Verfügungen über feine BelbeglicBen ©dBüBe ficBer-
3ufteIIen, rief ber ^aifer 11 Vif(f)öfe, 4 tbte unb 15 ©rafen, bon ©inBorb mit Spornen
aufge3ÖBIt, in SlacBen 3ufammen, bie feine geftfeBungen mit anBören unb beren SIuS-
füBrung gorantieren mußten — geftfeBungen, „bie ber ruBmboEe unb oHerfrörnrnfte
^errfcBer, ber erBoBene ^?aifer j?arl borgenommen Bat im ^oBre ber SleUdltoerbung
unfereS §errn ^efu ©Brifti 811/ feiner Regierung im Sranfenrei(f);43, in Italien 36,
feiner Äaiferlbürbe im 11. SaBt/ 4. ^nbifation; fo gefdBeBen nad) frommer unb toeifer
©rtoögung unb mit ©otteS SBiHen berorbnet in Betreff feiner ©cBöBe unb feines
.©elbeS, baS ficB an biefem S^oge in feiner ©diaBfammer Befanb." Unb nun bie geft-
feBungen felBft. @ie taffen einen tiefen unb tooBren VlidE in SBefen, ©emüt unb
ßebenSsiele S?arIS tun — toie ja audB fonft bie S^eftamente ber Vtenfdien nicBt feiten
3ur ©ntfcBIeierung iBreS SBefenS bienen fönnen. ■
Sunadlft tourbe ber in ber ©cBoBfammer BefinblicBe VefiB in brei Seile geteilt, ouS
2 Seilen berfelBen 21 loeitere Seite gemacBt, ber brüte aber gan3 gelaffen. Sie 21 Seite
toaren Beftimmt für 21 2Kuttertird]en, unb 3toar für 11 fron3Öfif(Be, 5 italienifd)e,
3 linfSrBeinifdie, einer für ©hlsBurg unb einer für SBien. Sagegen gingen gerabe
bie Sänber, auS benen biefe ungeBeuren ©cBöBe an ©olb, ©ilBer unb ©belfteinen
flammten, bor altem SBüringen, ©ocBfenlanb unb Ungarlanb, gans teer auS. @ie
toaren auSgerauBt, aber in feinem Seftoment Bot ^arl iBrer ^l'irdBen nicBt gebocBt.
©ans BefonberS mu^ folgenber @aB mit Stufmertfamfeit gelefen toerben: „Ser ©r3-
BifcBof, toeIcBer 3ur Seit baS §auBt fener ^irdBe ift, folt ben auf feine SUrdBe entfalten--'
ben Stnteil in ©mpfong neBmen unb mit feinen ©uffragonen teilen in ber SSeife, bafi
ein Srittel feiner SlircBe berBIeiBe, sloei Srittel ober on bie ©uffroganen berteilt
toerbel" Sd) flefteBe, ba6 biefer ©oB ouf meine Veurteilung ber leBten Veloeggrünbe
in ^orlS SeBen einen ftarfen ©influfe ouSgeüBt Bat.
Senn auS biefer Veftimmung getjt mit großer SeutlicBteit Berbor, bafe eS ßarl nidit
in erfter Sinie um bie tocBe als foIcBe unb iBren Veftanb 3U tun toar, fonbern bofe
3Ingft unb ©orge um fein BerfönlidieS ©eelenBeil iBn beranloBte, bie sur Seit feines
SobeS amtierenbe ©eiftlicBfeit burd) bie StuSficBt ouf BerfönlicBe VereicBerung in bie
aüerbefte ©timmung su berfeBen, bamit fie Ibillig toören, recBt biete ©eelenm'effen für
iBn 3u lefen. Um beStoillen tourben aud) bie ©uffroganen ber VifdBöfe nicBt bergeffen.
264 17. Ser. Serftörer ber Heiligtümer
Um biefen fird^Iid^en Heerbann nöcfi mehr äu biefer if)m toid)tigften Slufgabe anau»
ipornen, tourbe 1. ba§ ber ^ircbe unb bem ßleruS üermac^te Erbteil fdbon au ^arlB
Sebaeiten öbr ben Stugen b’er SSiftfiöfe für ieben anbern ©ebraudö gefperrt, bamit fic
fic^ nic^t ber SefürcEitung-fiingeben foGten, beim Eintritt beB SobeB bodö bie Setroge*
nen au fein; benn ber gute SSiGe aum 2)?effelefen mufete ja fofort bei ber SobeBnatf)*
ricfit öorbanben fein, noc^ etie baB Erbteil in bie Hünbe ber Sifäiöfe unb ihrer ©uffra*
ganen gelangen fonnte; 2. tourben bie guten StuBfidjteti biefer SGZänner noch baburth
öerbeffert, bafe bon bem nicht gefberrten britten großen Hauhtteile be§ ©dhaßeS ihnen
nach bem SobeBfaGe noch außerbem % aiifaGen foGte.
Son bem Gl e ft beB ©haßeS, ber oifo nur noch bon = “/u beB ©anaen betrug,
tourbe beB toeiteren Vis „nadh ber bei Ehriften üblichen ©itte aur Strmenbflege auBge*
fonbert",:üiobei bef ©ebanfe an bie GJühlichfeit für baB eigene, ©eelenheil ebenfaGB
mitgefbrochen haben toirb— baB atoeite Stoölftel foGte alB Sllmofen aur Unterftüßung
ber im Salaft befchöftigten Siener unb Sienerinnen auBgeteilt toerben unb nur baB
lehte Stoölftel toar beftimmt, bon feinen ©öhhen unb Söchtern (einfchließtidh beB
Thronerben), Enfeln unb Ehfelinnen „gerecht unb richtig" geteilt au toerben.
SarauB ergibt fich, baß für einen ^r o nf ch aß feineB ihm in ber He^rffhoft folgen«
ben ©ohne! Sübtoig faft nichts übrigblieb.' ®a§ einaige Sntereffe,'toaB ber ©tagt
als folcher ober baB Solf toegen bet ertoünfchten GiebröfentationBbflichten feineB How*
fcherB an beni ffleiihtum ßarlB nehmen fönnte, toat böGig hintenangefteGtl greilich
toar eB bann SubtoigB erfte SiegierungBtat, baß er baB Teftdment über ben Häufen
toarf unb 2 Srittel für fich unb feine beiben leiblichen ©chtoeftern nahm. Siefe mußten
fich alBbalb in ein Mofter aurücEaiehenV
EB ift in hohem ©rabe befrembenb unb fann unfer SJiißtrauen gegen bie bisherige
Seurteilung fi'arlB als Herrfäier, als Ehnft olB Seutfcher unb alB SKenfch nur ftei»
gern, baß bie Sehren unberüdfichtigt geblieben finb, bie auB einer fo toichtigen Honb«
lung, toie eB ein Teftament ift, geaogen toerben müffen.

Ein ^ronfchaß ift eine untergeorbnete ©ache. SIber baß ^arl auch in oGen anbern
toichtigen ©eichen nicht an ben Seftanb unb on baB SBohl feineB fßeidheB gebacht hot,
fonbern auBfchließlich an ben ©Idna feiner Serfon unb an feine berfönliche Herrfchaft,
baB geht auB bem troftlofen, chaotifchen Suftanbe herbor, in toelchem ^arl fein fReich
hinterließ, in bem Slugenblid, alB er bie Slugen fchloß. SBie ein J?artenhauB fiel baS
SebenBtoerf ßarlB äußerlich auBeinanber, unb toaS Seutfchlanb unb Italien onbe«
langte, auch innerlich aufammen, fo baß felbft bie alB ßarlB Sobrebnerin auftretenbe
beutfehe ©efdhichtSfchreibung hier unb ba ihr ©taunen über ein berartigeS Ergebnis
ber 46iährigen Regierung beB großen ^arl nidü gana unterbrüden fann.
SübtoigB be§ grommen Tätigfeit alB Ehriftianifator unb fRomanifator in ben guß«
tabfen feineB SSaterB unb alB gehorfamer ©ohn ber römifchen Kirche ift hier nicht au
befbrechen. Sfber baB foG hoch gefagt-toerben; es toar feineBtoegB nur SübtoigB Un=
fähigfeit — er hat manchmal fräftig unb öerhältniSmäßig bernünftig einaügreifen ge«
toußt —, bie ouch feine 27iährige [Regierung au einer ber bunfelften Sonoben ber
beutfehen ©efchichte gemacht hot. EB toar bielmehr bie bernichtete Kultur unb
ber unheiifchtoangere, hoffnungslos bertoorrene Suftonb, in ben Sorh baB beutfehe
^ 4 Söüd^er, I, 2.
0tau& be§ SSoIfSlanbeS • ' 265
SSoI? l^ineinregiert 5otte, ein Suftanb, in bem nur ein eBenfo öeranlagter Brutaler
Stirann, tnie ffarl e§ toar, einen @d)ein ber Orbnung Bütte aufreäiterBalten fönnen.
3Wan mufe fragen: Bat e§ je einen §errfcBer gegeben, ber fo unberanttoortlicB fein 3tei^
unb fein’Sßolf bem ®Bao§ üBerantoortet Bat^ alS^ßarl? OiBt e§ üBerBaupt einen
SicBtf(Bein, ber unB auB ber bunflen, bon ßarl BeraufgefüBrten Seit, bie boä) nun eine
gefcBicBtlidBe getoorben toar, entgegenfdBimmerte? 2>ian fbricBt bon bem fcBredlicBen
Suftanbe SeutfdfilanbB, ben ber SOfüBrige ßrieg BeraufgefüBrt Bat. ^eitauB ber*
BüngniBboIIer toar ber Saftanb natf) ben 32iäBrigen SSertoüftungen beB bon ber Sft*
fee BiB äur fPJaingegehb, bom fflBein BiB 3ur @IBe unb XBüringer SBalb reidienben
©eBieteB. StucB bon ber SSermüftung SEBünngenB unb 33at)ernB mirb unB meBrfacB
BericBtet. 3Beber Subtoig bem grommen, nod) feinen S^acBfoIgern ift eB toüBrenb ber
147iöBrigen meftfränfif(Ben grembBerrfcBaft gelungen, einigermaßen ertrüglicBe Su-
ftönbe BeräufteCen, fo baß ber leßte Vertreter berfelBen feinen anberen SIuBtoeg meBr
wußte, alB einen ©inBeimifdien, ben ©acBfen ^einricB, I./ für bie ^aiferwaBI au
empfeBIen.-
3Bir BaBen BiBBer nur bon ber ®anbBaBung ber ©igentumBberBältniffe burcB ^arl
au feinem perfönlicBen Sßorteil gefbro^en. SaB ift awar ein unerfreüIicBeB, aber eB
War bod) nur ein fleineB ßobitel in bem ©efamtunBeil, Womit ^arl bie elementarften
SeBenBBebingungen beB germonifcBen fßolfs bauer’nb gef(Bäbigt Bat. ®aB fdilimmfte
War bie mit ber fWarfenberteilung §anb in $anb geBenbe Sefeitigung beB germa*
nifcBen StHo bialf b ftemB unb feine ©rfeßung burcB baB Weftfränfifd)*römifdBe-
geubalf b ftem. SDiefeB BracBte ben ©runbfaß, baß jebeB ©tud ßanb Eigentum
einer fßerfon ober einer iuriftifcBen-^erfon fein müffe, unb bie bamit eng berBunbene
EinfüBrung beB r ö m i f d) e n Sft e d] t B.' •
f8iB baBin galt in ©ermanien ber umgefeBrte ©runbfaß, baß ber ©runb unb Soben
Eigen t u m- beB @ e f a m t b o I f B fei unb bauernb BleiBe. ®aB Sonb, WenigftenB
boB SIderlanb, Würbe bem einaelnen, foWoBI ben güBrern Wie ben fonftigen greien,
aur S3eWirtfd)aftung unb SIuBnußung üBerlaffen, WüBrenb bie ©emeinbe baB Eigen*,
tumB* unb SSerfügungBrecBt BeBielt.„S^iemanb Bat ein Beftimmt aBgegrenateB 2Raß
an Stder ober eigenen gelbfluren" (Eaefar, De bello gallico 22). „®aB aum SIderBau
Beftimmte Sanb Wirb unter SerüdficBtigung beB fRangeB unb ber SBürbe beS einael¬
nen aufgeteilt." (S^ac. ©erm. 26.)
2BaB SacituB Weiter über bie füBrlicBe SIuBWecBfelung beB SlderB aWifcBen ben ^n-
Babern fdBreibt, ift atuar ein mit bem jüBrlicBen grud)tWecBfeI aufammenBüngenbeB
SRißberftänbniB. SlBer im übrigen Werben bie dRitteilungen ber Beiben römifden
©(BriftfteHer Beftütigt burd) ben bon fRüBel feftgefteHten ©tanb ber £)inge aur Seit ber
faroIingifcBen SKarfenberteilung: ^n ©ermanien gab eB nirgenb obgeftedte Eigen*
tumBgrenaen. ’ '
S)a§ War baB SIHobialftiftem. EB toirb angeficBtB ber menfd)Iidien UnboIIfommenBeit
audB feine ©(Battenfeiten gehabt Baben. 2IBer niemanb fann au(B nur entfernt ben
33eWeiB antreten, baß im ©inne beB SBoBlB beB ©ermanenboIfB ein bernünftiger
©runb au feiner Sefeitigung borgelegen Bat. Ser ©runb Bat auBfdiließlicB in ben
^ntereffen i?arlB unb feiner grembBerrfdioft gelegen.' 3Bir Baben aber anauneBmen,
baß eB eine bem germanifcBen 23oIf angemeffene, ja bielleidit bie ibeale gorm beB
33erBöItniffeB eineB freien SSoIfB au feinem ^eimatboben geWefen ift, unb baß feine S3e-
266 17, Ser Serftörec ber Heiligtümer

feitigung eine ber piimmften Urfacfien be§ nac^fierigen eienb§ im SPJittelatter unb 6i§
in unfere Stage tiinein toitrbe.
SCI§ ßorl einbrodö, toor ba§ 2tIIobioIft)ftem ba. ©§ toar ba mit allen feinen SSirfun-
gen auf ba§ fjraftifäie SRecE)t§leben unb auf bie foäialen ^öeaiebungen ber fPtenfcfien
sueinanber. toar ba al§ bie ©runblage ber fittlicben (SigentumSbegriffe. SBir
muffen berfucben, un§ eine SBorftelfung babon au madben, toa§ e§ bebeutete, bafe in
ben toenigen Sabraefmten ber Herrfcbaft 5larl§ unb feiner nöcbften 97acEifoIger biefe
recbtlicbe, foäiale unb fittlidbe ©runblage aerftfilagen unb ftatt beffen ein frembe§ fßedbt
ouf ben HqI§ be§ 58oIf§ gelegt tourbe unb bamit ber Unterfcbieb unb ©egenfafe atoifdien
ben Herren unb bem übrigen SSoIf gefcbaffen tourbe. ^n ber erften (Generation mag
bie SBirfung nicf)t fo ftfiroff bemerfbar getoefen fein, toeil fa alle, bie fid) unter-
toorfen, in ihrer bisherigen Sefihlage beftätigt tourben unb fidö toahrfcheinlidh
freuten, bafe fie fid nun als (gigentümer fühlen burften. Slber fdon in ber folgenben
©eneration fam baS Unheil allen ©ntretfiteten aum Setoufetfein. Ser SSauern- unb
Sitenaufftanb flatterte auf, aber an einen ernftliden (grfolg beS betrogenen SBoIfS toar
nicht mehr au benfen; ber Stufftanb tourbe unter 3WithiIfe ber födhfifden Herren
mühelos niebergefdiagen. Um ein — natürlid unboEfommeneS — ©leidnis au
fagen: (£S toar, als ob in unferen Stagen oEe ©taatSümter, haubtfädlid aber bie am
hödften befolbeten, für erblideS (gigentum ber fehigen Inhaber erflärt toürben. SaS
toürbe aud in boEem Umfange nidt fofort, fonbern erft in ben folgenben ©eneratio-
•nen als ein ungeheures Unheil embfunben toerben,
©ine ber f^dtparften Solgen ber burd S^ari eingeführten neuen fBerhüItniffe toar
aud bie Seibeigenfdnft. „Sreilid toar anfönglid ber SBehrgenoffe ein freier
fEtann. Etadbem ber Heerbann bem Sohnbienfte toeiden muBte, fam bie Hörigfeit unb
Seibeigenfdaft über unfer JSoIf. SIuS ben ,pactis‘ entftanb baS Seibeigentum als
fflitterredt."^
^ft eS au bertounbern, bafe baS religiöB enttouraelte, nad feber fftidtung bergetoal-
tigte SBoIf mit bem fdänbliden Seifbiel feines HerrfderS, ber neuen ©etoalthaber
unb aud ber eigenen Herrn bor Sfugen, ben böEigen moralifden 3ufammenbrud er¬
lebte, ben bie Serhöltniffe beS SHttelalterS ouftoeifen? ^ft eS au bertounbern,
baB baS @ut überlegener ©ittenreinheit beS fädfifden SoIfS^ ben aud toeftfränfifde
©driftfteEer nnerfennen muBten, infolge ber ©igentumSmaBnahmen unb beS übrigen
SorbilbeS Claris fdneEftenS berbraudt toar? baB aEe fittliden Sanbe aerriffen? Sluf
^arl ruht bie ©dulb beS fRücEgongeS beS freien SauerntumS, beS Übermödtig-
toerbenS ber Herren unb ber territorialen Serriffenheit Seutfdlanbg! <St toor ber
Sater beS gfauftredtS, toeldeS einige ^ahrhunberte fbäter bem Seben in beutfden
Sanben baS ©ebräge gob!
SaB-fiarl burd feine römifde .ffaiferbolitif, ber feine firdliden fEtaBnahmen bie¬
nen muBten, einer fremben 3Kodt bie SKöglidfeit gegeben hat, in bie beutfden Singe
hineinaureben unb bem beutfden Solfe fein ©igenleben au nehmen, baB er bie unheil-
boEe Stalienfudt feiner Etadfolger auf bem Äaiferthron eingeleitet hat, bie bon ba
ab ouf bem beutfden Solfe laftete, toirb nod am eheften bon ber ©efdidt§fdreibung
auSgefbroden. ^d Brande baher auf biefeS ^tobitel nidt näher einaugehen. aber
man bermiBt ben unumtounbenen auSbrucE für bie ©dfuBfoIgerungen, bie auS ber
‘ ifü^rer, SKeierrec^tlicle SSerfaffung, Semgo 1807. = §aucE, ttgefc^. I, 372. ~ ~~
S'tom'onifterung . 267
©efamtfteGung ÄarlS al§ römifcJier ßaifer ju Sievert finb. SBoE)I flingt e§ faft überall
einmal burcö, aber e§ müfete boc^ mit flaren, bürren SBorten ber SBabrbeit gemäfe
auSgefbrocben merben: ^ ar I to o Ht e g ar n id) t ein b eu t f tf) er § er r f er
fein. @r moGte al§ römifcber ^atfer ein möglicbft einE)eitIi(^ fi(^ bem fRabmen eines
römifcben fReicb§ einorbnenbeS, feiner ^errfctiaft fitf) fügenbeS, romanifierteS
(Sefamtbolf regieren. SDarum toar baS eine große S:f)ema feiner gefamten
5?uIturpoIitif auf bem Soben unfereS SSaterlanbeS eben bie fRomanifierung
@ermanienS,in bem Sinne, mie fein SSeftfranfenbbIf bereits romanifiert mar.
Unter biefem @efitf)tSbunfte finb feine färntlicßen fRegierungSbanblüngen ohne
j e b e St u S n a b m e 3u üerfteben, unb erft, menn mir bie auS ibm gemonnenen StRaß»
ftöbe rüdbaltSloS, b. b. unter gerreißung ber unS aneraogenen Stnfdbauungen anlegen,
fommt in baS gefdbicbtlicbe 93ilb beS erften Karolingers boGe Klarbeit. SInbernfaGS
bleibt es ein feber Solseritbtigfeit entbebrenbeS
So erft fommt ein Sinn in bie Struftur unb ben Seift ber Schulen, bie nach Karls
Sielen an feinem ®of unb an einigen anberen Orten begrünbet maren. ^bre Sebrer
maren „burch eine unerfcböfaflicbe Slufnabmefäbigfeit für antife SSilbung" berbunben.
@S maren burcbmeg foicbe, bie „in ber beimifcßen Sichtung nur bäurifcheS unb beib*
nifcheS SBefen fanben". SBarum mirb auS ber Stnerfennung biefer Satfache nicht bie
Sdblußfolgerung gesogen? ^ ^
So erft erfennen mir bie ^rrigfeit ber Stuffaffung, als ob Karl burch feine „Samm-
lung ber Sieber unb Sagen" eine nationale Sat im Sinne ihrer ©rbaltung gu tun im
S3egriff gemefen märe. SaS ift ia bie — nicht einmal gur SluSfübrung gelangte —■ Sat
Karls, mit ber ber tSemeiS, unb smar nabeju ber eingige SSemeiS, für ein beutfcheS
©mtifinben Karls geliefert merben foGl
2Rit folcher, man möchte faft fagen naiben Stuffaffung mirb Karl eine gönglidb äuS
bem fRabmen faGenbe ^nfönfegueng gugetraut, bie unglaubhaft ift. Seine Stbfichten
fönnen logifchermeife nur barin beftanben haben, bie Sieber unb Sagen, in benen
fein flarer 23Iicf mit Stecht eine Stüße beS germanifchen StationalbemußtfeinS unb
feines. SBiberftnnbeS gegen ihn erfannt batte, u n f ch ä b I i ch'g u m a ch e n. ®r mag
bie Unfcbäblichmaihung bielleicht anfangs bon ber Umgeftaltung ber Sagen unb Sie¬
ber, bon ihrer ©briftianifierung ermartet haben. Stber ba ber Stoff auch ben ge-
fchicJten gingern feines Stifuin unb ©enoffen fbottete, bat man bon biefer benfmürbi-
gen Sammlung nichts mehr gehört. ©S bleibt nur ber SSerbochübaß bie Sammlung ftiG»
fchmeigenb burch bie Scheiterhaufen geenbet habe, bie fein Sohn Submig ber gtomme
bann ohne aGe Scheu öffentlich, berorbnungSmößig, angegünbet bat. 3Son biefem Seit-
bunfte an merben aGe, bie mittlermeile gelernt batten, in ber Serftörung aGeS ©eäcb-
teten ein ©ott moblgeföGigeS SBerf gu feben, gemetteifert haben, ber bon Karl einge¬
leiteten Sammlung gu bem burcbfchlagenben ©rfolge gu berhelfen, mie mir ihn bor
Stugen haben.
Stber baS nicht oGein. SCBir müffen auch annebmen, baß ben Sängern biefer Sieber
ber GRunb berflobft unb ihren Stbfchreibern ber S^rogeß auf Sehen unb S^ob gemacht
mürbe, müffen annebmen, baß b i e g ef am t e mi t b e r Sch r ift b e r t r au t c
Schicht ber germanif^en ^nteGigeng, ber S^riefter unb fonftigen gübrer beS fächft-
fchen SSoIfeS, fofern fie nicht gänglich gu Karls ^Parteigängern mürben, fchon gu Karls
Seiten b e f e i t i g t morben ift; eS liegt fein ©runb bor, gu begmeifeln, baß in Stie-
268 ' 17, ®er Serftörer &er Heiligtümer
mariniert, S3at)ern unb Süfiüringen stoar toeniger Brutal unb Blölliä), aber ebenfo'
grünblicb baS gleiche bor fitf) gegangen ift, toie im ©adlifenlanbe.
SBie bie berüd^tigten iPaberborner Kapitularien (785) beftimmten, mufeten alle, bie
e§ noc^ magten, bie heiligen Hanblungen be§ alten (Slaubeng au berridhten — unb ba§
toaren in erfter Sinie bie (S^riftlunbigen — bon ber Sebölferung au§geliefert mer-
ben, 2ll§ ©träfe für llngehorfam ftanb ben SDörfern bie SSertreibung bon unb
Hof, bie SSerpflanaung in meit entfernte Ofrembe bebbr. „Keine SWaferegel", urteilt
Slbel, „habe eine foldfie SBirfüng auSgeübt als biefe." Sa brach her' SZBiberftanb aufatn-
men. Sie Sichter, ©önger unb ©(ficeiber ber Sieber unb ©agen mären bogelfrei. Sie
Slbgefanbten beS Königs holten fie auS ihren Höufern unb niemgnb magte, ihnen bei-
auftehen. SaS maren bie „SluSgelieferten", Slber fchon bor ben Kapitularien, bon 777
an, mar ber ipdberborner iSefchlufe in Kraft, ;bafe alle, bie fich nicht untermarfen, ber
JJreiheitunbbeS Sßaterlanbe S b e t lu ft i g fein follten, @r hotte bie
SluSlieferung nach fich geaogen, menn er nicht mirfungSloS fein foHte. ^n Jßerben,
mo Karl feinen ©tühpunft bon ber ©eefeite her gehabt hohen mufe, maren bie 3u“
miberhanbelnben gefaminelt.. :
S7un’öffnete fich fein SWunb mehr unb feine geber rührte fich mehr au Sieb unb
■ ©age 'alter 3lrt, üufeer im berborgenen SSinfel,' SaS SKonopol bes ©angeS, ber
Sichtung unb ber ®efchi(ht§fchreibung, ja ber ©chreibfunft unb ieglicher ©elehrfam'
feit lag nunmehr für einige ^ahrhunberte in ben Klöftern, bei ben lÜZönchen unb
ißrieftern, in beren bamaltger äuffaifung bie ©hriftianifierung beS SSolf§'bon feiner
ülomanifierung nicht minber abhängig mar, als in Karls unb feineriifachfolger.Slugen
bie iftomanifierung bon ber ©hriftianifierung. SaS Slufböümen bereinaelter beutfcher
IWönche fonnte bie Dichtung nicht änbern. .
SJZit ber fo bortrefflich 3u Karls Slbfichten paffenben SUfeinung IRomS, bafe bie eigent¬
liche heilige ©prache, mit ber man (Sott am heften bienen fönne,’bie lateinifche
©prache fei, begann fchon unter Karl bie bürch§ ganae Sdittelalter hinburchgehenbe
ollmähliche Herabbrüdlung ber beutfchen ©prache aur Sprache ber llngebilbeten. Karl
felbft bemühte fidh, lateinifch au beten. Sie IRettung ber beutfchen Sprache bon ihrem
Untergänge fann erft im 16. ^ahrhunbert als gefiebert angefehen merben, olS fie bon
ben beutfchen Kanaein ertönte. Sa folgte troh ber Bebenflichen ©efichter unb beS
SBiberfpruchS in SRom aögernb auch ber S^eil beS beutfchen SSolfS, ber bur^ bie (Segen¬
reformation in feiner Slbhängigfeit bon bem bermeintlich unentbehrlichen Dberhoupt
in iltom feftgehülten mürbe. Unb mit ber iJtettung ber beutfchen Sprache mar ber bolle
Sieg ber Stomanifierung SeutfchlanbS berhinbert.; Slber bafe mir bie regel¬
rech tenSbiefte ber anfangs bemußten, fpäter unbemuhten,
feibft bon ben Humaniften eifrigbeförberten Dlomanifierung
iahrhunbe'rtelang gemefenfinb,barf nie b er g ef f en m e r b e n.
SBaS im ©mpfinben unb ©innen fernbeutfeher SKänner angeridhtet merben fonnte,
ift in ber ^enaifchen afobemifchen Hiebe unfereS Schiller 1789 aum SluSbrud gefommen.
er fchilbert ben Urauftanb menfehlicher'Kultur: „Sein roher (SefdhmacE fudht gröh-
lichfeit in ber SSetäubung, Schönheit in ber SSer3errung, 9luhm in ber Übertreibung;
©ntfeßen ermedt unS felbft feine Sugenb,— unb baS, maS er feine (Slüdfeligfeit nennt,
fann unS nur Sfel ober SlZitleib erregen. — ©o maren mir. Slicht biel Beffer befanben
uns eäfar unb Sacitus bor 1800 fahren." „SllS milbe S3arbaren", fo fügt Sofob-
gel^Ienber Sinn für ®E)re , ’ ^ ‘ 269
Briefen btefer Stufeerung fiinsu, „tnie fie ba§ SCItertum, ober aI§ rof)e Reiben, tote fie
ba§ möncfitfdöe SWitteloIter äetc^nete, erfcfiienen un§ bentnacfi bie (Sermanen au§ ber
Seit um ©Eirifti ©eburt (unb fo tourben fie un§ ja nodE) im Stnfange biefeS Sabtbun"
bertS auf ben Sdbulen bingefteHt); toenn nicE)t bie SBiffenfcEiaft be§ Sbaten§ eine
gerobeäu erftounIid[)e .^ulturf)öf)e bieferJBöIfer an§ ßic^t gebracht unb bamit bie alten
3tnf(I)ouungen bon ber brimitiben Kultur ber urgef(f)icl)tlicben SBöIfer über ben Raufen
getoorfen hätte."
2)a§ fRab ber SßeItgefdE)i(f)te löfet fidE) nicht äurüdbrehen. SEßir müffen unS bamit
abfinben, bafe ein gang erheblicher Seil germgnifdhen ®rbgut§ auf ben berfchiebenften
©ebieten unfereS SSoIfBIebenB auf biefem burdh^^arl gielbetoufet unb erbarmungslos
eingeleiteten SBege ber Slomanifierung enbgültig berlorengegangen ift. 'SRag bieleS
babon beS Untergangs toert getoefen fein. 2Ib er b afe in b er ©rfennung unb
SB ü r b i g u n g b e S SB e r t b 011 e n, to 0 § u n § g e n 0 m m e n i ft, u n b i n b e r
äCuS f dh ei b u n g b eS gr emb e’n, toobur dh bie SiShnr monien in b aS
beutf(he SBefen hinein getragen toorben f in b, eine ber; gro feen
S ufunftS auf gaben für unf er SSoIt liegt, ift eine ©inficht, bie
uns bie neue S3etr ach tun gStoeife ber germanif(bcn 33er gangen»
heit b r in gen f 0II unb 6r ing en toirb.

2)ic 33eurteilung ^arlS unb feiner Säten unter fittlithem unb unter beutfdhem ©e'*
fidhtSbunIte toürbe unboHftänbig fein, toenn ich nicht auch bie SSIötter feines SebenS
auffdhiüge, um berenttoillen nadh meinem ©efühl nodh mehr, als bur(b baS bereits ©e»
fagte, gtoifchen ihm betfönlidh unb bem beutfchen SSoIfe baS Sifdhtu(b enbgültig ger»
f(hnitten toerben foHte. ©S ift ber üRangel ehrenhctfter beutfcher ©e»
finnung, toie fie — toenigftenS grunbföfelidh — in ber beutfchen Seele lebt, ben
^arl gegen febermann, nidht ettoa nur in eingelnen SotneSauSbrüchen,,fonbern toäh»
renb feiner 43iährigen ^Regierung immer unb immer toieber gegeigt hot, fobalb er
eine ehrlofe ^anblung als in feinem SSorteile gelegen anfah, gegen febermann, inS»
befonbere aber gegen bie Stauen unb gegen baS germanifche SSoIf als foIdheS.
SBoS feine grauen unb ^ebStoeiber, anlangt, bon benen fein Sobrebner ©inharb,
ohne eine SSemerfung bagu gu machen, oIEein namentlich'nicht toeniger als neun
ertoähnt, fo toilE ich biefeS fchmachbone ßabitel, in bem unter anberen bie borbelE»
artigen Suftänbe in feinem engeren gamilienlreife eine ERoHe fbielen, hier nur mit
biefem einen Safee ftreifen. Uns intereffiert fa mehr fein Sun in öffentlichen Singen.
Sie SBeltgefchi^te bietet unS gu alten Seiten unb bei alten SSöIIern fdhmöhliche S3ei-
fbiele beS SBortbruchS unb ehrlofer ©reuel gtoedS SSernichtung beS gelnbeS, bie bann
mit ber hatten ^riegSnottoenbigfeit entfchuIbigt toerben, toenn eine ©ntfchulbigung
überhaupt für nötig gehalten toirb. SIber toaS JI'arranbauernb an Söufchung ber
auf fein SBort SSertrauenben unb an unmenfchlicher ©raufamfeit gegen bie auf biefe
SBeife in feine $änbe faHenben t)oIitifchen ©egner mit feiner-Stellung alS Ehtifiiani»
fator unb unermüblidh ben ©otteSbienft befuchenber ©hrift bereinbar hielt, baS finbet
nicht oft feineSgleichen. ©S ruft ben SSergleidh mit ben Säten eines ©orteg in SRejilo
toa^, — toie eS fa überhaupt beredhtigt ift, bie SRenf^enbernidhtung unb ^ulturber»
nidhtung, mit ber .'Sari baS SachfenboII gertreten hat, mit bem SBüten beS fpanifdhen
©tobererS auf bie gleiche Stufe gu fteHen. §ter toie bort berfiel baS toehrlofe SSoII in
270 ' ' 17. Sei: 3etftörer ber Heiligtümer
©rftarrung unb ftumbfe HinnoEime bon allem, toa§ fam, nur mit bem Unterfc^iebe, bofe
bie aKejifaner burdfi bie Sötung ber gefamten füi^renben ©c^ic^t für alle Seüen er»
lebigt inaren, toöfirenb ba§ fröftigere ©at^ifenüolf bereits nac^ 147iäbriger toeftfrön*
fifäier Oprembberrfc^aft toieber fo toeit toar, ein Eigenleben unter einem Herrftfier auS
eigenem ©tamme auffeimen laffen 3U fönnen. .
Sie einsige, freilitf) furtf)tbarfte bon ben ungesöblten ©cöanbtaten tolS, bie fid^
einigermaßen gegenüber bem SSertufcßungSfbftem ber gefdjiäitSfcßreibenben Seitge¬
noffen in bem Setoußtfein be§ beutfcßen SBoIfS erbalten bot, ift ba§ fogenannte SI u t -
bab bon 33erben. 21 ber audb bißt ift bie boIIe SSabrbeit bintan-
geholten. Es beifet iProteft erbeben gegen bie befdbönigenbe, ben gefcbitbtlicßen
Sotfocben nidbt gerecht loerbenbe 2Irt unb SBeife, ibie unferem SSoIf baS SSerbener @e-
fcbebniB borgefteHt toirb.
Ser ßircbengefcbitbtler Houd fcbreibt: „Sie. ohne borbergebenben ßambf erfolgte
2Iu§Iieferung bon mehr olS biertaufenb 2Iufftänbifcben burcb bie föcbfifcben ©roßen ift
nur berftönblitf), toenn man in ibr ben SSerfudb ber frönfifdben Partei unter ben
©acbfen fiebt, baS ©törfeberböltnis bauernb 3u berfdßieben. iDZan tbollte bie ißartei
beS SC3iberftanbe§ mit einem ©tblage bernidbten. ßarl ging auf biefen ©ebanfen ein:
3u SSerben an ber 2Ißer ließ er bie ibm Überlieferten aCe an einem Sage nieber-
machen, ßeine Sat ^arlB toirb fo allgemein getabelt alB biefe. SBer mödhte fie bertei-
bigen? ©ie ift graufig. Saß bie ©adhfen nun biermal baS SSertrauen beS ^önigB ge-
täufcbt, Sufagen unb Eibfchtoüre gebrodhen botten, ertoecfte in ibm eine ©etoalt beS
Haffes, burch toeldhe bie ©egner 3ermalmt tourben. SaS Sämonifche in ber DZatur
ßarlS ift hier furchtbar beutlidh. SEßer fich ihm in ben 2Beg toarf, ber unternahm einen
fiambf auf Sob urib Seben; bie ©adhfen toaren unterlegen, fo follten fie fterben, toie
fie bie ©etreuen beS J^önigS getötet hotten. Saß babei baS 33Iut bon Saufenben floß,
baß modhte bie ©dhtoadhen rühren: ßarl toar für biefe Embfinbung unnahbar."
Ön anberen ©efdhidhtSbarfteHungen toirb bie 23Iuttat mit bem ^riegSrecht erflört,
bon ßriegSgefongenen gerebet unb baS ©anse ols ein borteS ©trafgericht für ben 2ruf-
ftonb ober einen geplanten 2Iufftanb bingeftellt. ^o, toenn eS fo toärel Sa mit biefer
Entfdhulbigung bie meiften ©efdhichtSfdhreiber mit fargen, aH3u fargen SBorten über
baS furchtbare Ereignis bintoeggeben unb ihre 33erlegenbeit berraten, fo haben toir
erft recht SSeranlaffung, Holt 3« machen unb bie Sufammenbönge 3U prüfen.
Ser grunblegenbe 33ericht EinbarbS (Ann. laur. maj. SSI 261) beffen lafonifdhe
Itürse um fo ouffölliger ift, fe gefdhtoöhiger gons untoichtige Singe bebonbelt toerben,
loutet: Omnes Saxones iterum convenientes (sc. in 23erben) subsiderunt se sab
postestate supradicti regis et reddiderunt omnes malefactores illos qui ipsud rebellium
maxime terminaverunt ad occidendum, quator millia quingentos.
3u beutfdh: 2IIIe ©odhfen, bie toieberum sufammengetommen toaren, untertoarfen
fich ber SWacht beS ^tönigS unb lieferten alle jene Übeltäter auS, bie am meiften auf
biefe Empörung.bingetoirtt hotten, baßfiegetötettoürben,biertaufenb-
f ünf bunb ert.
Sie triegerifche Soge toar folgenbe: Ein Heer ^arlS toar in boS fdhon untertoorfen
geglaubte, aber toieber aufftänbifdh getoorbene ©adhfen eingefaGen, hotte feinen
233iberftanb gefunben unb toar bis 3ur Elbe PorgerücEt, toöbrenb ein onbereS Heer
in bie ©egenb beS ©üntelS borbrang. SiefeS Heer tourbe bort bon ben ©adhfen ber-
SSerben
nicktet, feine güfjrer fielen, ßarl eilte fofort fierBei, fanb toieberum feinen SSiber*
ftonb. ®r Begab fi(5 noifi SSerben, too tnenige Sßotfien fbäter ba§ SSIutBab ftattfanb.
hieraus ergibt fidb, bofe bie ©inbarbfcbe SDarfteHung be§ SBerbener SSorgangeS e r •
Io gen ift. ®ie Sieger bom Süntel fonnten toeber Kriegsgefangene Karls getoorben
fein, nodb baßen fie ficfi fofort nadb ißrem Siege bon ihren StammeSgenoffen in bie
$änbe Karls auSliefern laffen. iRodE) unfinniger h3äre eS, gu glauben, bafe eS anbere,
nicht an ber SünteIfcE)IadE)t beteiligte Sgchfen getoefen feien, bie —4500 an ber 3abl —
bon ihren anberS gefonnenen StammeSgenoffen fchleunigft aus bem gangen Sanbc
gufammengeholt mären, „bafe fie getötet mürben". ®er gange Oebanfe ber .2IuSliefe-
rung in biefer SEeife unb in biefem Sufammenhange, auf ben leiber audh ^audE in
feinem unberedhtigten SSertrauen ouf bie SSahrhoftigfeit ber Quellen unb in feinem
aBiberftreben, bem Ehriftianifator eine ungeheuerlidhe Sdhanbtat gugutrauen, eingeht,
mufe ois eine Erfinbung ber iDtänner um Korl angefehen merben, moburdh bie Sdhulb
an bem SSIutbab obenbrein auf bie Schultern ber Sadhfen felbft gelaben merben foHte!
0tein, bie 4500 .gingefdhiachteten fönnen, maS bie ^aubtmaffe anbelangt, nur bie
Siöilgef angenen gemefen fein, bie feit ber fßaberborner Entrechtung aller SBer-
tretet unb Sinhänger beS alten ©laubenS ergriffen unb im ftänbigen ©efangenen*
lager gu SSerben aCmühlich gufammengebracht mären. Sin ihnen hat Karl feinen SSache-
burft für feine Stieberlage am Süntel gefühlt, aber bie Stat entfbradh auch bem unS üon
Einharb auSbrüdCIidh mitgeteilten .gafe gegen baS gange um feine greiheit tingenbe
SSoIf. ^m ^Bericht über baS ^jahr 775 heifet eS: „SEährenb feines SBinteraufenthalteS
in EarifiafuS befchlofe ber König, baS treulofe unb bunbeSbrüchige SSoIf ber Sadhfen
mit Krieg gu übergiehen unb n i dh t g u r u h e n, bis fie befiegt unb gum Ehriftentum
befehrt, ober gang a u S g e r o 11 e t mären".
S)agu fagt mit Siecht einer unferer ©efdhidhtSfdhreiber^: „Unb bamit Begann einS ber
fdheufelichften Kapitel ber europäifdhen (Sefdhichte, bie Sertrümmerung, ber SSerfuch
ber SluSrottung eines ber beften Oermanenbölfer burdh g. 2. romanifierte StammeS¬
genoffen im ®ienft beS ^SapfteS. S)oS ^eer, meldheS mir 755 bon ©üren auSgiehen
fehen, mar bon einer SStenge bon EfSrieftern begleitet." ES ift eine bis heute ungefühnte
Sdhulb ber dhriftlidhen Kirdhen beiber Konfeffionen, boh fie nicht unmihberftänblich
unb mit alter Schärfe bie Jtrennung borgenommen haßen gmifdhen fich unb Karl.
Surdh bie Einrichtung ber 4500 hat Karl mit einem Sdhiage ben mefentlidhften SEeil
ber ^nteüigeng beS SanbeS für immer ftumm gemacht. 3u einem Seil fönnen eS
bie „Convenientes“ (Seute ber griebenSpartei) gemefen fein, bie im Vertrauen auf
Karls gufagen gefommen maren, um mit ihm einen erträglichen grieben gu fdhliehen.

aSir haßen feinen ©runb, baS angugmeifeln, maS ÄacituS über Sreu unb
EJIauben bei ben Eermanen beridhtet, unb baS um fo meniger, als unS eben biefe
bon ben Slömern angeftaunte ritterliche, gutmütige, mondhmol etmas ollgu harmlos
anmutenbe ©efinnung ouS ben Sieben germanifdher gührer, bie unS befonberS audh
bon Eäfar offenbar möglichft forgfältig beridhtet merben, aufS beutlidhfte herbor-
leudhtet. Seit ber 3eit, als bie Eimbern unb S^eutonen mit ben Siömern in Serüh-
rung famen, ift bann baS germanifdhe aSertrauen fo oft fdhmählich getäufdht morben,
* St. b. $ofmann, SßoHtifc^e (äJefd^ichte ber ®eutfc§en I, 312, ®eutf(he SSerlagS-Sinftalt, Stuttgart 1921.
272 ■ ' 17, Ser Serftörer'5er Heiligtümer
bafe toir un§ nicf)t irunbern fönnen, toenn 5ie ÜBertöIiJelten e§ Qnmät)Iic^ lernten, mit
gleicher SKünse su sollen. SIBer in ungeaatjIten SäHen geigt 5ie beutfcEie ©efcBicBte 5en
Stüdfall in eine unBegrünbete SSertrauenSfeligfeit Bi§ in bie neuefte iReugeit hinein.
Sine foIcBe Stoturonloge ift nicE)t tot guKriegen.
97urt gor einem 3)?ann toie ßorl gegenüber tonnte biefe tRoturonloge bem ©ermo-
nentum nur gum SSerberBen gereitfien. ^?arl Batte io Bereits bie ÜBerlegenBeit burdB
bie einBeitlicfie ftootlicBe Sufammenfoffung unb ftroffe JJerfönlicBe güBrung feines
DteidBS, fotoie burcB feine gefcBuIten ftetigen Heere borouS, toöBrenb iBm nur ©tommeS»
Bünbe unb fdBneU gufommengerufene SSoIfStoeBren gegenüBerftonben. Sogu trat nun
bie meIfcBe SßerfcBIogenBeit unb ber SBortBrud), boS olleS in unentmirrBorer ißer«
quidung mit einem eBenfoCS überlegenen Stnfturm auf bie Bereits erfcBütterten reli*
. giöfen ©runblagen ber inneren SBiberftanbStraft beS ©acBfenboIfS., ,:

SSaS bie religiöfe ©eite anlangt, fo BegieBt ficB unfere' ©rtoogung tn boIIem.,Um'
fange nur ouf bie ©acBfen, ba bie Satiern unb SBüringer, erft redBt natürli^ bie
©tömme beS ©übtoeftenS unb SBeftenS fcBon’längft in bem f^toierigen religiöfen
ÜBergangSguftanbe Begriffen loaren. ©ie ftanben ratloS unb BilfloS einer Sage gegen«
über, in ber iBr boIitifiBer Seinb gugleidB ber innigft berBunbene greunb iBreS ftrdB=
licBen OBerBaubteS toar, fo innig berBunben, bafe'bie fII7aBnoBmen ^arls üBerBaubt
nicBt meBr bon firdBIicBen SFJafenaBmen gu unterfcBeiben toaren unb in allen ißunften
fi(^ gegenfeitig bedten ober unterftüBten. Sie guälenben, Iid)tIofen ©etoiffenSnöte
müffen mir gu Begreifen fudBen, bie bamalS bie ©eele ber tBüringifcBen unb Bot)eri«
fcBen, nocf) germanifd) embfinbenben.güBrer burcBmüBIt Baben müffen, ^Bre eingige
troftlofe Söfung merben biefe BebauernSmürbigen 3P?änner in einem ©aBe gefunben
Baben, ber in iBrem alten ©lauBen einen gemiffen StnBalt fanb. Ser ©aB lautet etma
fo: SBer in; ber ©d)IacBt ficgt, ober aucB, mer oBne fofortige ©träfe eine religiöfe
Srebeltat tun fann, auf beffen ©eite ift ber ftürtere ©ott, bem man fidB unter»
merfen mufe, Ser naBe SufammenBang biefeS ©qBeS mit bem alten aSroud) ber
©otteSgericBte Ieud)tet ein, SIBer ber SraucB mar forgfältig umBegt mit fitt»
licBen aSorauSfeBungen, ©infcBrönfungen unb feierlid)en Hanblungen. Sofe in biefem
ateligionStriege mit einem fremben geinbbolfe eine böHig neue Sage gefcBoffen mar,
unb. eine miHfürlidie SSergerrung beS ölten ©ebanfenS beS ©otteSgeriditeS borlag,
mürbe ouf ber einen ©eite bermifcBt unb auf ber onbern ©eite fcBIiefeli^ olS praltifd)
mirfungSlofer ©inmanb in ftumpfer ©ntfagung faHengeloffen. 2SoS mürbe eS genüBt
BoBen, menn man ein ©cBiebSgericBt gur geftfeBung .gered)ter llomBfBebingungen
ober äBnIicBeS geforbert Bütte? Ser Unfug, ben bomalS oud) bie gebriefenften HRif»
fionare mit bem „ftörteren ©ott" getrieben Baben, unb ber SSetrug, ber mit erfunbe»
nen SBunbergefdiicBten gugunften beS neuen ©lauBenS angemenbet mürbe, ift leiber bie
BefcBümenbe SBeife gemefen, mit ber fidB baS bamalige ©Briftentum feinen „inneren"
©ingang berfdBafft Bat, Son iBr mürben bie mirflicBen SSorgüge beS mirfIi(Ben ©Bn»
ftentumS böHig üBermudiert, ■: '

SaS furditbare ©cBidfal ©ad)fenS Botte umS ^oBr 786 enblicB ben tBüringi«
fdBen ©rofeen unb iBrem güBrer Horbrat bie Slugen barüBer geöffnet, maS aucB
iBrem Sanbe BIüBen mürbe, ©ie Bereiteten fidB 3um SBiberftanbe bor. SSon ben geitge»
SSerrot an 3:t)ürtngen unb aSa^ern ^ 273 '
nöffiföien ©d^rtftffeHern toirb bo§ natürlich eine SSerfc^toörung gegen Sari genannt,
um im boraug bie an if)nen öerüBten elirlofen SSerbretfien au entfcBuIbigen. 3unää)ft
hjurben fie —• fcBreibt 2IbeI a. a. £). — in ©icBerlieit eingetoiegt, bann famen bie nur
gegen bie pf)rer Berfönlicf) gerichteten ©dfiläge, toie Sari ia audh in ©achten baburch
ben ©ieg errungen hatte, bafe er ba§ SSoIf führerlog machte.
Sari hJoEte ®orbrat atoingen, feine Siochter nach fränhif^em iJtedht au bermählen,toag
^orbrat bertoeigerte. Sefet hatte Sari fBeranlaffung aum ©infchreiten, fchitfte Zxup-
hen in bie „aufftänbif^en" ©egenben unb liefe biefelhen beriouften. S)ie aum Sßiber-
ftanbe noch unborhereiteten Sührer, bie Bereitg (Shriften toaren, fuchten Sufludht heim
Sifchof S3aogoIf in Sulba. Sluf beffen gürfbradhe hetoiEigte Sari ihnen eine Sufam*
menfunft, mit bem ©rgehnig; bie SShüringer foEten in Slquitanien (1) in hefonberg
feierlicher SOSeife über ben ©eheinen ber ^eiligen ben ®ib ber Äreue l