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Parlamentarismus

Eine Einführung
Von PD Dr. Stefan Marschall
2005, 350 S., brosch., 21,90 €, ISBN 978-3-8329-1062-4
(Studienkurs Politikwissenschaft)
www.nomos-shop.de/5069

Erweiterungen zu Kapitel 5

Auswahlliteratur

• Agnoli, Johannes, 1967: Die Transformation der Demokratie, in: Agnoli,


Johannes/Brückner, Peter, Die Transformation der Demokratie, Berlin (Voltaire),
S. 3-87.
• Andersen, Svein/Burns, Tom R., 1996: The European Union and the Erosion of
Parliamentary Democracy. A Study of Post-Parliamentary Governance, in:
Andersen, Svein S./Eliassen, Kjell A. (Hrsg.), The European Union: How
Democratic Is It?, Beverly Hills/London (Sage), S. 227-251.
• Arnim, Hans-Herbert von, 2002: Vom schönen Schein der Demokratie. Politik
ohne Verantwortung - am Volk vorbei, München (Knaur).
• Becker, Hartmuth, 1994: Die Parlamentarismuskritik bei Carl Schmitt und Jürgen
Habermas, Berlin (Duncker & Humblot).
• Habermas, Jürgen, 1990: Strukturwandel der Öffentlichkeit, 3. Aufl., Frankfurt
a.M. (Suhrkamp).
• Hamm-Brücher, Hildegard, 1990: Der freie Volksvertreter - eine Legende?
Erfahrungen mit parlamentarischer Macht und Ohnmacht, München (Piper).
• Hofmann, Wilhelm/Riescher Gisela, 1999: Einführung in die
Parlamentarismustheorie. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft).
• Schmitt, Carl, 1926: Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen
Parlamentarismus, München (Duncker & Humblot).
• Schüle, Christian, 1998: Die Parlamentarismuskritik bei Carl Schmitt und Jürgen
Habermas. Grundlagen, Grundzüge und Strukturen, Neuried (ars una).
• Schütt-Wetschky, Eberhard, 1992: Haben wir eine akzeptable
Parlamentarismustheorie?, in: Hartmann, Jürgen/Thaysen, Uwe (Hrsg.),
Pluralismus und Parlamentarismus in Theorie und Praxis. Winfried Steffani zum
65. Geburtstag, Opladen (Westdeutscher Verlag), S. 91-112.
• Wasser, Hartmut, 1974: Parlamentarismuskritik vom Kaiserreich zur
Bundesrepublik. Analyse und Dokumentation, Stuttgart/Bad Cannstatt
(Frommann-Holzboog).
Wiederholungsfragen

(1) Welche unterschiedlichen Formen der Parlamentarismuskritik lassen sich typisieren?

• links vs. rechts


• systemkonform/systemimmanent
• grundsätzliche Bejahung des Systems
• Kritik an parlamentarischer Praxis
• Vorteile sind stärker als Nachteile
• vs. radikal/extrem
• Ablehnung des parlamentarischen Prinzips
• Entwicklung alternativer Herrschaftsmodelle

(2) Woran macht Carl Schmitt seine Kritik am Parlamentarismus fest?

• Wesen des Parlamentarismus: Diskussion, Diskurs und Öffentlichkeit


• Parlamente haben diese Wesenseigenschaft verloren, u.a. wg. der Herrschaft der
Parteien
• "wahre Wille" des Volkes wird von Partikularinteressen verdeckt
• Parlamente sind entscheidungsschwache Organisationen

(3) Welches Gesellschaftsverständnis steht hinter der Kritik von Johannes Agnoli?

• Herrschaft der kapitalistischen Elite (Produktionsmittelinhaber) über die


unterprivilegierte Mehrheit
• Parlament als Fassade eines gesellschaftlichen Grundkonflikts
• Verdeckung des Grundkonflikts durch Pseudo-Auseinandersetzungen im
Parlament

(4) Wie verbindet Jürgen Habermas die Parlamentarismuskritik mit seinen Analysen zur
politischen Öffentlichkeit?

• Parlament als Ort der Deliberation in der bürgerlichen Öffentlichkeit


• Strukturwandel der Öffentlichkeit, Vermachtung und das Ende des Diskurses in
der massenmedialen Öffentlichkeit
• Degeneration der parlamentarischen Öffentlichkeit, Schaufensterdebatten
• Machtverlust des Parlaments als Staatsorgan der Öffentlichkeit

(5) Warum sind Parlamente gemäß der "post-parlamentarischen" Demokratietheorie


(Andersen/Burns) nicht mehr in der Lage, die gesellschaftlichen Probleme zu lösen?

• Gesellschaft zu komplex geworden: Parlament verliert die


Problemlösungskompetenz
• Abgeordnete nicht hinreichend qualifiziert, Komplexität zu bewältigen
• Auflösung der territorialen Grenzen: Ende der nationalstaatlichen
parlamentarisch-repräsentativen Demokratie
• keine klaren Verantwortlichkeiten mehr

(6) Welche verbleibende Rolle spielen Parlamente im "post-parlamentarischen" Ansatz?

• Kompensation der Legitimationsdefizite des "governance" (insbesondere die


ungleiche Einbindung von Interessen)
• integrative Funktion von Parlamenten (symbolische Funktionen)
• Beschäftigung mit langfristigen Fragestellungen
(7) Welchen gemeinsamen Kern haben die Entparlamentarisierungsdiskurse?

• Diagnose vom Machtverluste der Parlamente


• zentraler Ursachen: kooperativer Föderalismus und Europäisierung
• Entparlamentarisierung als demokratietheoretisch problematischer Vorgang
• keine Alternativen zur parlamentarischen Demokratie
• systemkonforme Kritik

(8) Warum lässt sich die "Parteienstaatskritik" nicht klar von der
"Parlamentarismuskritik" trennen?

• Kritik an Parteienstaat trifft indirekt die parlamentarische Repräsentation


• moderner Parlamentarismus nicht ohne Parteien denkbar
• Parteien übernehmen die Kandidatenrekrutierung
• Fraktionen organisieren die innerparteiliche Willensbildung und -
entscheidungsfindung
• Abgeordnete in den Parteienparlamentarismus eingebunden

(9) Wie unterscheidet sich die alt-liberale von der Gruppen-Theorie des
Parlamentarismus?

• individuale vs. Gruppenstruktur


• innerparlamentarische Willensbildung von unten nach oben vs. von oben nach
unten
• Plenum als Entscheidungsraum vs. Gruppen als Entscheidungsforen
• Plenum als Ort der diskursiven Debatte vs. Plenum als Ort des politischen
Schlagabtauschs
• Repräsentation durch Individuen vs. Repräsentation durch Gruppen
• Persönlichkeitswahl vs. Gruppenwahl

(10) Wo liegen die Unterschiede und Ähnlichkeiten in der Kritik von rechts und links?

• Unterschiede:
• Parlamentarismus praktiziert zu viel vs. zu wenig Demokratie
• Parlamentarismus als Verfallsphänomen vs. historisch überwundene
Zwischenstufe
• Parlamentarismus als Formalismus vs. Deliberation
• Politik als prärationales Phänomen vs. Funktion des Klassenkampfes
• Herrschaft der Mittelmäßigkeit vs. Herrschaft der bürgerlichen Klasse
• Gegenmodell: Führerherrschaft vs. Herrschaftsfreiheit
• Ähnlichkeiten:
• Parlamentarismus nicht problematisch an sich, sondern nur bestimmte
Ausformungen
• Rolle der Parteien wird kritisiert
• ggf. radikale Kritik mit alternativen Modellen

(11) Warum ist die zeitgenössische Parlamentarismuskritik im Effekt ähnlich radikal wie
die fundamentale bei Schmitt oder Agnoli?

• substanzielle Unzulänglichkeit des Parlamentarismus


• in ihrer Konsequenz fundamental-systemkritisch
• Zielrichtung: Redeparlament statt Arbeitsparlament
• alternative entparlamentarisierende Modelle werden vorgeschlagen: z.B.
assoziative oder direkte Demokratie