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Research Collection

Doctoral Thesis

Untersuchungen über Grenzschichtabsaugung

Author(s):
Gerber, Alfred

Publication Date:
1938

Permanent Link:
https://doi.org/10.3929/ethz-a-000091198

Rights / License:
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ETH Library
UNTERSUCHUNGEN
ÜBER

GRENZSCHICHTABSAUGUNG

Von der

Eidgenössischen Technischen Hochschule

in Zürich

zur Erlangung der

Würde eines Doktors der technischen Wissenschaften

genehmigte

Promotionsarbeit

vorgelegt von

ALFRED GERBER
von

Langnau (Bern)

Referent: Herr Prof. Dr. J. Ackeret


Korreferent: Herr Prof. R. Dubs

Diss.-Druckerei A.-G. Gebr. Leemann & Co.


Stockerstr. 64.
Erscheint als No. 6

der Mitteilungen aus dem Institut für Aerodynamik an der E. T. H.

Herausgegeben von Prof. Dr. J. Ackeret

Verlag A.O. Qebr. Leemann & Co. Zürich -

Leipzig
Inhaltsverzeichnis
Seite

Vorwort 5
Literaturverzeichnis 7
Verzeichnis der im Kap. I, II und III hauptsächlich verwendeten Bezeichnungen und
Definitionen 9

I. Grenzschichtabsaugung
1. Einleitung 11
a} Entstehung der Grenzschicht 11
b) Die Entfernung der gebremsten Flüssigkeit. Definitionen . . . 12
c) Die Senkenwirkung 14

2. Geschichtliche Entwicklung und heutiger Stand ...


15

3. Anwendung 16

a) Experimentelle Technik . .
16
b) Maschinenbau . .
17
c) Flugwesen .... ....
17

4. Zweck der Arbeit 20

II. Experimentelle Untersuchungen an Absaugeschlitzen


a) Versuchsanordnung 21
b) Meßmethoden 23
c) Arbeitsprogramm 27
d) Versuchsresultate 28
e) Folgerungen . . .
32
f) Protokoll 38

III. Experimentelle Untersuchung des Einflusses der Grenzschicht auf den Druck¬
verlauf an der Wand bei umgelenkter Strömung mit freier Strahlgrenze

a) Bestimmung des theoretischen Druckverlaufes ohne Berücksichtigung der


Grenzschicht 41
b) Analogie zwischen vorliegendem Fall und der Strömung in der Nähe der
Flügelhinterkante 47
c) Versuchsanordnung zur experimentellen Aufnahme des Druckverlaufes .
48
d) Resultate und Folgerungen 50
e) Versuchsanordnung 52
f) Meßmethoden ....
54
g) Resultate und Folgerungen 58
h) Ergänzende Bemerkungen zur Schli'zform 63

IV. Anhang
a) Untersuchungen an einem dicken Tragflügel 64
b) Versuchsanordnung, Resultate und Folgerungen 64
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Vorwort

Die vorliegende Promotions-Arbeit wurde auf Grund einer Anregung von

Herrn Prof. Dr. J. Ackeret unter seiner persönlichen Leitung, sowie seines

Adjunkten, Herrn Dr. sc. tech. Dipl. Ing. P. de Haller, am Institut für Aero¬

dynamik der Eidg. Techn. Hochschule durchgeführt.


Beiden Herren bin ich für das große Interesse, das sie den Problemen

entgegengebracht, sowie die wertvollen Ratschläge, mit denen sie mich un¬

terstützt haben, zu großem Dank verpflichtet. Ebenso verdanke ich dem In¬

stitut die Überlassung der dazu benötigten Laboratoriumseinrichtungen


bestens.
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Literatur -Verzeichnis

1. L.Prandtl. Verhandlungen des III. internationalen Mathematiker-Kongresses in


Heidelberg 1904. „Über Flüssigkeitsbewegung bei sehr kleiner Reibung".
2. /. Ackeret u. A. Betz. DRP. Nr. 458 428. „Über Absaugung an Quertriebskörpern,
wie Tragflügel, Schraubenflügel und dergl. 9. Jan. 1923.
3. /. Ackeret, A. Betz, O. Schrenk. Vorläufige Mitteilungen der Aerodynamischen Ver¬
suchsanstalt (AVA) zu Göttingen, Heft 4. „Versuche an einem Flügel mit Grenz-
schichtabsaugung".
4. A. Betz. Zeitschrift für Flugwesen und Motorluftfahrt (ZFM) 1925 S. 43. „Ein Ver¬
fahren zur direkten Bestimmung des Profilwiderstandes".
5. /. Ackeret. Das Rotorschiff und seine physikalischen Grundlagen. Göttingen, Van-
denhoeck und Rupprecht 1925.
6. /. Ackeret. Zeitschrift des VDI Nr. 35 S. 1153 September 1926. „Grenzschicht-
absaugung".
7. /. Ackeret. Verhandlungen des 2. internationalen Kongresses für technische Mecha¬
nik in Zürich. September 1926. „Über Grenzschichtabsaugung".
8. O. Schrenk. ZFM. 14. September, 1926 17. Heft. „Versuche an einer Kugel mit Grenz¬
schichtabsaugung".
9. Ermisch. Abhandlungen aus dem aerodynamischen Institut an der technischen Hoch¬
schule Aachen. Herausgegeben von v. Kârmân. 1926.
10. O. Schrenk. Luftfahrtforschung 11. Juni 1928 Heft 2 Seite 49. „Tragflügel mit
Grenzschichtabsaugung".
11. O. Schrenk. ZFM 1931 9. Heft. „Versuche mit Absaugeflügeln".
12. C. Keller. Mitteilungen aus dem'Institut für Aerodynamik der Eidgen. Techn. Hoch¬
schule in Zürich. 1935. Nr. 2. Herausgegeben von J. Ackeret. „Axialgebläse vom
Standpunkt der Tragflügeltheorie".
13. Ergebnisse der Aerodynamischen Versuchsanstalt zu Göttingen. Herausgegeben von
L. Prandtl. III. Lieferung Seite 43. „Messungen an drei Eindeckerflächen".
IV. Lieferung Seite 67. „Untersuchung weiterer Joukowsky-Profile".
14. O. Schrenk. Luftfahrtforschung 1935 Seite 10. „Versuche mit Absaugeflügeln". (Aero¬
dynamische Versuchsanstalt zu Göttingen.)
15. H. L.Studer. Mitteilungen aus dem Institut für Aerodynamik der E. T. H. Zürich
1936. Nr. 4. Herausgegeben von J. Ackeret. „Experimentelle Untersuchungen
über Flügelschwingungen".
16. H.Peters, Göttingen. Hydro- und Aerodynamik. 1. Teil (Druckmessung) 1931. Aka¬
demische Verlagsgesellschaft Leipzig.
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Verzeichnis der in Kap. I, II und III hauptsächlich verwendeten
Bezeichnungen und Definitionen
F = Kanal- bezw. Strahlquerschnitt vor der Absaugung.
Fs =
Schlitzquerschnitt an der engsten Stelle.
q^ = Staudruck in der Kanalmitte in mm WS =
-|- v-.

v^ =
Geschwindigkeit in der Kanalmitte.
Qa =
Abgesaugte Menge in Lt./Sek.
Qv = Durch Grenzschicht verdrängte Menge.
A pst = Differenz des stat. Druckes zwischen Kanalmitte und Absaugekasten
in mm WS. Apst pK =
pA, —

d = Lichte Schlitzweite an engsten Stelle in mm.


der

g = Abstand von der „Grenzschichtwand" in mm

l = Breitefaktor des Schlitzes = —


= dimensionslos.

cq =
Mengenziffer =
-_-~ = dimensionslos

s
c„ = Druckziffer = ——
= dimensionslos

cl =
Leistungsziffer =
cp •

cq = dimensionslos

S0 =
Impulsmangeldicke vor dem Schlitz in mm = —

, (Abb.l)

Siin =

bei verschiedener Absaugung nach dem Schlitz
in mm

J (v«, -

v) dg

S0' =
Verdrängungsdicke vor dem Schlitz in mm = ~

(Abb.l)

S'Hn= „
bei verschiedener Absaugung nach dem Schlitz
in mm.
5
Ki —

Reduktionsziffer der Impulsmangeldicke =


-£-
'
S
Kv =
» » Verdrängungsdicke = ~

So

10 —

Änderungen in Kap. III:

qx = Staudruck am Düsenaustritt (ohne Beeinflussung durch die Um-


lenkung)
VW =
Geschwindigkeit am Düsenaustritt (ohne Beeinflussung durch die
Umlenkung).
, _
Af«
Lp

Ap'st= p'k —

pa-

p'k = Statischer Druck am Schlitzeintritt ohne Absaugung.


Pa =
„ ,, „
Diffusoraustritt.
I. Grenzschichtabsaugung

1. Einleitung

a) Entstehung der Grenzschicht

Hydrodynamik hat die Probleme, die ihr gestellt wurden,,


Die klassische
von jeher gelöst, daß das bewegte Medium reibungsfrei
unter der Annahme
sei oder daß die Reibung eine laminare Strömung bewirke. Die so entstan¬
dene Theorie, insbesondere der reibungslosen Strömung, ist im Laufe der
Zeit so weit entwickelt worden, daß sich, vom Standpunkte des Physikers
betrachtet, keine Schwierigkeiten mehr bieten, während solche mathemati¬
scher Natur noch bestehen. Es hat sich auch gezeigt, daß die Vereinfachung
in den meisten technisch wichtigen Fällen gerechtfertigt ist, da die Reibungs¬
wirkungen, sehr zähe Flüssigkeiten, wie Schmieröle ausgenommen, relativ
klein sind und die Trägheitskräfte weit überwiegen. Ein Maß für das Ver¬
hältnis von Reibungskräften und Trägheitskräften gibt bekanntlich die
Reynolds'sehe Zahl. Aber auch in den Fällen, wo die Reibungskräfte
zurücktreten (bei großen Reynolds'schen Zahlen), kann die nur in dünnen
Grenzschichten wirkende Reibung zu großen Wirkungen führen, wenn näm¬
lich Ablösung der Strömung erfolgt.

Strömt eine Flüssigkeit längs einer ruhenden Wand, so haftet infolge


molekularer Kräfte eine mikroskopisch dünne Schicht an der festen Ober¬
fläche. Der gesamte Anstieg von der unbewegten Begrenzung bis zur mitt¬
leren Strömungsgeschwindigkeit findet also innerhalb der wandnahen Flüs¬
sigkeitsschichten statt.
Da die Reibungskräfte entgegengesetzte Richtung haben, wie die Be¬
wegung, wirken sie im Sinne einer Verkleinerung der kinetischen Energie der
bewegten Flüssigkeitsteilchen. Es entsteht dabei eine Schicht kleineren
Energieinhaltes der statische Druck wird ihr von der anschließenden Strö¬

mung aufgeprägt, und er ist über die ganze Orenzschichttiefe praktisch kon¬
stant —,
deren Dicke in der Strömungsrichtung langsam anwächst. Das
Haften, eine Eigenschaft jeder Flüssigkeit, gibt auch die Erklärung für das
Entstehen der Grenzschicht selbst an hochglanzpolierten Oberflächen. Die
Erfahrung zeigt, daß große Rauhigkeit die Ausbildung der Grenzschicht be¬
schleunigt, d. h. zur Erlangung einer bestimmten gleichen Grenzschichtdicke
ist eine kleinere Anlaufstrecke notwendig. Der Einfluß der Rauhigkeit ist
so zu erklären, daß sich hinter jeder Unebenheit ein kleines Totwassergebiet

bildet, das, weil von größerer Dicke, als die haftende Schicht, tiefer in die
Strömung hineinreicht und demzufolge stärkere Bremswirkung ausübt.

12 _

Besonders stark vergrößert sich die Grenzschicht bei Druckanstieg, d. h.


bei verzögerter Grundstfömung, wie sie in Diffusoren oder längs der Saug¬
seite von Tragflügeln auftritt. Hier kann die Verzögerung der wandnahen
Schichten so groß werden, daß die Teilchen zum Stillstand kommen oder sogar
Rückströmung eintritt. Dadurch ist es möglich, daß die anfänglich dünne
Grenzschicht sehr rasch zu einem großen Totwassergebiet anwächst, das die
Grundströmung von der Wand wegdrängt und so ihre Ablösung zur Folge
hat. Diese Gebiete ungesunder Strömung sind im allgemeinen strömungs¬
technisch unerwünscht. Wenn möglich, wird man deshalb ihre Entstehung
zu verhindern suchen, d. h. den Druckanstieg schwach und die Rauhigkeit

klein machen. Wo diese Maßnahmen nicht genügen sollten, sind Möglich¬


keiten für die Entfernung der Grenzschicht vorzusehen.

b) Die Entfernung der gebremsten Flüssigkeit. Definitionen


(Siehe auch das Verzeichnis der Bezeichnungen.)

Es stellt sich somit in manchen Fällen die


Aufgabe, mit Hilfe einer ge¬
eigneten Vorrichtung Ausbildung des Totwassers ganz oder teilweise zu
die
verhindern. Dabei wird man verlangen, daß die im Kern vorhandene Poten¬
tialströmung unbeeinflußt bleibe. Wie in Kap. I, 2 erwähnt, hat Prandü
bereits 1904 erkannt, daß das Absaugen in das Körperinnere der
einfachste und zuverlässigste Weg zur Entfernung der Grenzschicht darstellt.
Bei diesen und auch den späteren Laboratoriumsversuchen wurde die Absau¬
gung immer zu dem Zweck verwendet, eine grenzschichtfreie Potentialströ¬

mung zu erzeugen und so zu zeigen, daß die Abweichungen in Wirklichkeit


nur von den Grenzschichten herrühren. Während in der wissenschaftlichen
Forschung und in der experimentellen Technik die Frage nach dem hiezu
notwendigen Leistungsaufwand von untergeordneter Bedeutung ist, verlangen
Maschinenbau und Flugwesen für den Fall praktischer Anwendungen umso
gebieterischer Auskunft darüber.

Wir führen folgende Definitionen ein :

j (VeB -

v) dg
Die Verdrängungsdicke = S' =s— in mm

S0' =
Verdrängungsdicke vor dem Schlitz

S'iifl =

nach „ „

Das Geschwindigkeitsprofil ist maßgebend für die durchgehende Menge. Die


Verdrängungsdicke S' ist demnach ein Maß für die durch die Grenzschicht
verdrängte Menge. (Abb. 1.)

13 —

Die e^o_
Impulsmangeldicke = S _
«n mm
Q- K

S0 =
Impulsmangeldicke vor dem Schlitz

Si-jn =
»
nach „ „

Das Staudruckprofil innerhalb der Grenzschicht aufgezeichnet, gibt in der


schraffierten Fläche (Abb. 1) den Betrag des fehlenden Jmpulsstromes an.
Die Umwandlung dieser Fläche in ein inhaltsgleiches Rechteck gleicher Höhe
(Voo) gibt nach Definition die Impulsmangeldicke 5.
Die Veränderung der Grenzschicht durch den Absaugeschlitz ist durch
folgende zwei Quotienten gegeben:

Rtttoktfonsziffer der Verdrängungsdicke


On

^'u« =
„ „ Impulsmangeldicke.
So

5'=Verdrängungs=
dicke.

Abb. 1. Zur Definition der Verdrängungsdicke und der Impulsmangeldicke.

Die notwendige Leistung ist durch die abgesaugte Menge und den auf¬
zuwendenden Unterdruck gegeben. Beide Faktoren sollen in den nachstehen¬
den dimensionslosen Ziffern erfaßt werden.

cq =
Mengenziffer =

à Pst
c„ = Druckziffer —

Daraus abgeleitet wird cL Leistungsziffer


=
c„ cQ. Mit diesen
=
Angaben
kann die Wirkung eines Absaugeschlitzes beschrieben werden.
— 14 —

c) Senkenwirkung

Die Absaugung durch den Schlitz hat außer der Entfernung der wand¬
nahen Flüssigkeitsteilchen auch eine Wirkung auf die Druckverteilung längs
der Wand vor und nach dem Schlitz. So steigt der statische Druck im Stau¬
punkt in der Nähe der Schlitzhinterkante auf den Staudruck
an und fällt in

Strömungsrichtung rasch ab, während vor dem Schlitz der Einfluß entgegen¬
gesetzt ist (Abb. 2). Die vorliegende Arbeit beschränkt sich darauf, den
Druckverlauf längs der Kanalwand experimentell aufzunehmen, um auch über
diese Wirkung der Senke orientiert zu sein. Die zu den Versuchen in Kap. III
gebaute Versuchsanlage eignete sich für die Aufnahme der reinen Senken¬
wirkung besonders gut, da sie eine große Anzahl von Druckanschlüssen längs
der Kanalwand aufwies.

0.00

Gr undp»latte

\ ,
i

Abs auge schli tz

Dr _ick\/erl<auf bei

b enk enw rku n9

66 6>t 60 56 52 48 Vt »0 36 32 2S 2» 20 16 12 8 * 0

Abb. 2. Experimentelle Aufnahme der Senkenwirkung (starke Absaugung).

Wenn diese sekundäre Senkenwirkung unerwünscht ist, dann kann eine


Absaugeanordnung nach Abb. 3 getroffen werden. Dabei muß mit Hilfe einer
Drosselklappe oder eines Ventilators dafür gesorgt werden, daß der statische
Druck im Absaugekanal gleichen Wert hat, wie in der Hauptströmung, d. h.
Pk =
Pa-

15 —

Anordnung bildet sich an der neuen Kanalwand rascher wieder


Bei dieser
eine Grenzschicht, als bei der Schlitzform nach Abb. 2, weil im Fall der Senke
längs II (Abb. 2) Druckabfall besteht, der ihrem Wachstum hinderlich ist.

PK

neue Kanalwand

Drosselklappe wenn
pK>p0
Ventilator «
p^ <
p0

Abb. 3. Schematische Darstellung einer Absaugeanordnung ohne Senkenwirkung.

Es wird deshalb von Fall zu Fall zu untersuchen sein, welche Anordnung


sich besser eignet. Kap.In II sind ausschließlich die technisch wichtigeren
Schlitze mit Senkenwirkung untersucht worden.

2. Geschichtliche Entwicklung und heutiger Stand


Schon 1904 wurden von L. Prandtl (1) die grundlegenden Strömungs-
photographien gezeigt, die den Beweis erbrachten, daß bei Absaugung der
Grenzschicht Potentialströmung auch hinter nicht stromlinienförmigen Kör¬
pern (hier Kreiszylinder) möglich ist, während sich sonst starke Wirbelbil¬
dung einstellt. Damit war seine Ansicht, daß die Grenzschicht für die Ab¬
lösung einer Strömung der Wand verantwortlich ist, eindeutig bewiesen.
von

An eine direkte technische Verwendung dieser Erkenntnis dachte damals


wohl kaum jemand, weil einerseits das Flugwesen überhaupt noch nicht
existierte, anderseits der Maschinenbau noch andere, näher liegende Entwick¬
lungsprobleme vor sich sah, die sich auch mehr im Gedankenkreis des da¬
maligen Ingenieurs bewegten.
Basierend auf die Grundüberlegungen von L. Prandtl wurde unter
Nr. 458 428 den Herren /. Ackeret und A. Betz im Jan. 1923 das deutsche
Reichspatent über die Anwendung der Grenzschichtabsaugung an Quertriebs¬
körpern, wie Tragflügel, Schraubenflügel und dergl. erteilt. Diese Patent¬
nahme gründete sich auf umfangreiche Vorversuche, die an der aerodynami¬
schen Versuchsanstalt in Göttingen (AVA) von ihnen ausgeführt worden
waren und die in den vorläufigen Mitteilungen der AVA (3) im November 1925

publiziert worden sind. Hier handelte es sich ausschließlich um Messungen


an einem Joukowsky-Profil, wobei auch bei großen Anstellwinkeln durch
Grenzschichtabsaugung ein Anliegen der Strömung erreicht wurde. Wider-
— 16 —

Standsmessungen nach der Impulsmethode (siehe ZFM 1925 Nr. 18 S. 43 (4))


zeigten bereits hier eine Verringerung des Profil-Widerstandes infolge der
Absaugung.
In der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure VDI, vom August
1926, veröffentlichte J. Ackeret, üöttingen, eine Arbeit über Grenzschicht-
absaugung (6), die als erstmalige umfassende Darstellung der Vorgänge, so¬
wie der Anwendungsmöglichkeiten zu werten ist. Es werden hier, neben
Aufgaben aus der Flugtechnik, auch die Probleme am Diffusor, sowie der
Strahlumlenkung behandelt.
Im September gleichen Jahres erläuterte /. Ackeret in einem Vor¬
trage des 2. internationalen Kongresses für technische Mechanik in Zürich
seine Arbeiten über Qrenzschichtabsaugung (7), ebenfalls unter Hinweis auf
die technische Anwendbarkeit, während O.Schrenk gleichzeitig in der ZFM
über Göttinger-Versuche an einerKugel mit Absaugevorrichtung berichtete (8).
Eine weitere Publikation der AVA in Göttingen findet sich von O.Schrenk
1928 in „Luftfahrtforschung" (10). Diese Versuche, die sich ausschließlich
mit Messungen aus der Flugtechnik beschäftigen, sollen einerseits die Errei¬
chung großer cu-Werte, d. h. die Ermöglichung der Potentialströmung bei
großen Anstellwinkeln, sowie das Verhalten eines ganzen Flugzeugmodelles
mit eingebauter Absaugevorrichtung, zeigen. Ebenso wurde über die Lage der
Schlitze am Profil bereits einige Erfahrung gesammelt. Die dabei gewonne¬
nen Erkenntnisse wurden bei weiteren Windkanalversuchen an Tragflächen

verwendet. Ihre Publikation erfolgte 1931 in der ZFM 9. Heft Seite 259
usf. (11). Hier wurde erstmalig das Absaugeaggregat im Tragflügel selber
untergebracht. Die Untersuchungen über die Lage des Absaugeschlitzes am
Profilumriß wurden fortgesetzt, wobei ca-Werte bis 5,0 erzielt wurden.
Ebenso betrachtete O.Schrenk, allerdings nur schematisch, den Einfluß der
Schlitzform und der Schlitzbreite. Allgemein muß aber auf die durchwegs
ziemlich grobe Schlitzform hingewiesen werden, die auch bei den letzten Ver¬
öffentlichungen des gleichen Verfassers (ZFM 1935 (14)) beibehalten wurde.
In dieser rein flugtechnischen Arbeit wird auf die Anwendung der Grenz-
schichtabsaugung an Klappenflügeln hingewiesen, ebenso wird die Lage des
Schlitzes am Flügel weiter untersucht.

3. Anwendung
a) Experimentelle Technik
Bei Laboratoriumsversuchen verunmöglicht die Anwesenheit der Grenz¬
schicht oft ein genaues Arbeiten. Unter Umständen können die dadurch ent¬
stehenden Meßfehler beträchtlich werden. Solche Fälle können nach langen
Beruhigungsstrecken, Druckanstiegen oder bei sonstiger Äblö-
bei starken
sungsgefahr, Erweiterung des Kanales, Umlenkungen,
wie sie durch starke
usw. verursacht wird, eintreten. Ein Beispiel dieser Art bilden die Untersu¬
chungen von C.Keller (12) über das Verhalten von Joukowsky-Profilen in
stark verzögerter Strömung. Hier war es erst durch Grenzschichtabsaugung
möglich, ein einwandfreies Anliegen der Strömung an die Kanalwand bei
dem großen angewandten Druckanstieg zu erreichen.

17

b) Maschinenbau

Hier sind die Verhältnisse ähnlich, wie unter a). Dagegen spielt der
Leistungsaufwand, erwähnt, eine große Rolle. Sehr oft
wie bereits früher
wird es sich deshalb lohnen, den Schlitz als Diffusor auszubilden, wie es
im folgenden näher untersucht wird, um die kinetische Energie, der in der
Grenzschicht bewegten Menge in statischen Druck umzuwandeln. Es wird
dadurch möglich, die Grenzschicht gegen die freie Atmosphäre ausblasen
zu lassen, wenn im Kanal Überdruck oder sogar schwacher Unterdruck
besteht. Auskunft darüber geben die in Kap. II mitgeteilten Versuchs¬
ergebnisse.
Andere Anwendungsmöglichkeiten sind auf dem Gebiete des Wärme¬
überganges denkbar. Wenn man z. B. auf einem Stück einerlängeren Platte
maximalen Wärmeübergang erreichen will, so wird man, nebst hoher Strö¬
mungsgeschwindigkeit, großem Temperaturgefälle usw. auch dafür sorgen
müssen, daß die Grenzschicht möglichst klein ist, was ebenfalls durch Ab¬
saugen kurz vor dem Stück erfüllt werden kann.

c) Flugwesen

Die Anwendung der Grenzschichtabsaugung im Flugwesen war haupt¬


sächlich Auftriebserhöhung gedacht. Man hat erkannt, daß die Begren¬
zur

zung des Auftriebes im Abreißen der Strömung an der Saugseite zu suchen


ist. Anderseits weiß man, daß dieses Totwassergebiet (siehe I a) durch die
Grenzschicht, die zu energiearm ist, um den Druckanstieg mitzumachen, ver¬
ursacht wird. Die1 erwähnten Göttinger-Versuche hatten u. a. zum Ziel,
über einen größeren Anstellwinkelbereich eine gesunde Strömung an der
Flügeloberseite zu erhalten und damit der Polaren ein Stück oben anzusetzen.
Die Versuche haben die Richtigkeit der Überlegungen bestätigt, und es
wurden, wie bereits erwähnt, ca/mw-Werte bis zu 5,0 gemessen.

Inzwischen hat aber der Bau von Tragflügeln mit Hilfseinrichtungen wie
Schlitzflügel, Landeklappen usw. solche Fortschritte gemacht, daß hohe
ca-Werte auch ohne Absaugung erreicht werden können. So sind im Anhang
die Polaren eines allerdings außergewöhnlichen Profiles großer Dicke ange¬
geben, das mit Schlitzflügel und Klappe ausgerüstet, im Windkanal Auf¬
triebsbeiwerte von über 4,0 ergeben hat. Zudem sind diese Werte bei klei¬
neren Anstellwinkeln erreicht worden, als beim Absaugeflügel.

Klappen solchen Ausmaßes können allerdings nur in Profilen großer


Dicke untergebracht werden, die widerstandsmäßig ungünstig sind. Es er¬
hebt sich die Frage, ob die Absaugung die ungünstigen Widerstände sehr
dicker Profile in ähnlicher Weise verringern kann, wie es bei plumpen For¬
men, wie Zylindern, möglich ist.

Alle größeren Neukonstruktionen des Flugzeugbaues machen von den


mannigfachen Vorteilen mitteldicker Profile Gebrauch. Diese Flügel sind
besonders für den Konstrukteur bequem, weil sich bei ihnen die Anforderun-

18 -

gen des Statikers leichter verwirklichen lassen. Zudem geben sie zusätz¬
lichen, ausbaubaren, Raum, der für die Unterbringung von Benzintanks,
Bombenladungen, von eingebauten Flügelkanonen, usw. verwendet werden
kann. Die Mittelpartien der Tragflügel großer Maschinen können zudem teil¬
weise „bewohnbar" ausgebaut werden, wodurch der Rumpf verkleinert wird.
Es würde zweifellos einen großen Fortschritt bedeuten, wenn es gelänge,
noch dickere Profile mit günstigen Widerstandszahlen zu schaffen. Es dürfte
sich deshalb lohnen, den Gründen für die Widerstandszunahme bei Verdickung
der Flügelschnitte (Abb. 4) nachzugehen.

r Zunahme des Profilwider=


Standes mit der Profildicke.

Re = 430'000

Platte 0,1 0,5 0,5 0,7 0,9 1 t

Abb. 4. Einfluß der Profildicke auf den Profilwiderstand.

Die resultierende Kraft auf das Profil ist durch Tangentialspannungen


und Normalspannungen gegeben. Messungen des Druckverlaufes geben Auf¬
schluß über die Normalspannungen. Wenn wir nun die Druckverhältnisse
etwas dickerer Profile nahe der Hinterkante betrachten, so muß auffallen,
daß der nach der Theorie bei endlichen Hinterkantenwinkeln zu erwartende

Anstieg bis zum Staudruck fehlt; —

sollte hier den Wert 1 annehmen.


700

(Vergl. z.B. Lit. Angabe Nr. 13.) Bei allen drei Profilen läßt sich hier bei
kleinen Anstellwinkeln, d. h. einigermaßen symmetrischen Strömungsver¬
hältnissen ein leichtes Ansteigen des statischen Druckes gegen die Hinter¬
kante zu feststellen, dies besonders bei den Messungen an den Profilen Nr.
387 und 382, bei denen die hintersten Meßstellen bei ungefähr 96 °/o der
Flügeltiefe angebracht waren, während bei Profil Nr. 389 wahrscheinlich
infolge Platzmangel nur bis ungefähr 88 o/0 gegangen wurde. Dabei konnte
ein Ansteigen bis auf 20 % des Staudruckes gemessen werden.
Herr Prof. Dr. J. Ackeret betrachtet vor allem das Fehlen dieses An¬
stieges als Ursache des ungewöhnlich großen Widerstandes dicker Profile.

Da wir in erster Linie den Widerstand und seine Entstehung betrachten


wollen, sei ein Fall gewählt, bei dem der Auftrieb null wird. Am einfachsten

19 ._

werden die Verhältnisse bei der symmetrischen Strebe, die parallel ihrer
Symmetrieachse angeströmt wird. Da zudem alle gebauten Tragflächen im
Gegensatz zum theoretischen Joukowsky-Profil aus konstruktiven Gründen
endliche Kantenwinkel aufweisen, empfiehlt es sich, die Betrachtungen an
einer Strebe durchzuführen, die schon theoretisch einen von Null verschie¬
denen Kantenwinkel besitzt. Druckmessungen längs des Umrisses einer

Abb. 5. Entstehung des Profilwiderstandes.

solchen Strebe wurden von Lrmisch (9) allerdings in anderem Zusammen¬

hange durchgeführt. Die dazu verwendete Strebe (Abb. 5) wurde nach dem
Kreiszweiecksabbildungsverfahren von Kârmân und E. Trefftz nach der
Gleichung
z —

A S —

XnT^B=xXnJ=B
gewonnen. Der Normaldruck pn läßt sich in jedem Flächenelement in die zwei
Komponenten senkrecht (ps) und parallel (pw) zur Strömungsrichtung zer¬
legen. Infolge Symmetrie heben sich alle ps auf, d. h. der Auftrieb ist null. Da¬
gegen summieren sich alle pWl (zwischen St und A-A) zur Resultierenden PWx.
pWi (zwischen A-A und 52) hat entgegengesetzte Richtung von p„x. Die
Resultierende sei hier mit PWi bezeichnet. Theoretisch ist PWx PWl, d.h. =

der Druckwiderstand Pw der Strebe ist null. Da in Wirklichkeit der statische


Druck bei S2 kleiner ist, als der theoretisch errechnete, wird hier

rW? gemessen
^- Pwq theoretisch

Damit wird PWl > PWl und damit der Druckwiderstand > 0. Da aber
^2tlieor.tleoh Apwï Apn-sina, so muß Pw beim dicken Profil
pwtvmK*
— = =

größer sein, als beim dünnen. Zudem wird auch Apn (siehe Kap. III)
mit zunehmendem a größer, was das Anwachsen von Pw mit größerem Kanten¬
winkel nochmals begünstigt.

Ermisch bemerkt zu seinen Messungen und der Abweichung des Druck¬


verlaufes von der Theorie ((9) Seite 44):
„Daß die Kurve hinten nicht ganz wieder bis zur vollen Höhe des Stau¬
druckes ansteigen kann (vergl. Potentialdruckverlauf), liegt daran, daß in-

20 -

folge der Reibung an der Körperwandung doch immer kleine Geschwindig¬


keitsverzögerungen hervorgerufen werden, die den vollen Zusammenschluß
der Strömung unmittelbar am Körper verhindern. An dem vorderen Teil der
Strebe zeigen die Kurven alle dieselbe wenig von der Potentialströmung ab¬
weichende Form."

Mit andern Worten: Die Grenzschicht ist für den unvollständigen Druck¬
anstieg an der Profilhinterkante verantwortlich.

Es sollte, so vermuten wir, somit möglich sein, durch teilweises oder


gänzliches Entfernen der Grenzschicht A pn kleiner zu machen, d. h. den ge¬
messenen Druckverlauf dem theoretischen näher zu bringen.

4. Zweck der Arbeit

Im vorangehenden Abschnitt wurden die wichtigsten Anwendungsmög¬


lichkeiten der Grenzsichichtabsaugung erwähnt. Für den Konstrukteur ist
es vor allem von Bedeutung, die Wirkungsweise der Absaugeanordnung
näher zu kennen. Während in den bisherigen Publikationen (siehe unter I, 2)
durchwegs mit sehr roh ausgebildeten Schlitzen oder Lochblechen gearbeitet
wurde, ist es Aufgabe von Kap. II, die Frage nach dem Einfluß der
Schlitzform auf Grund von Laboratoriumsversuchen zu beantworten.
Damit soll dem ermöglicht werden, sich an Hand der dort
Konstrukteur
veröffentlichten Kurven ein Bild über abgesaugte Menge, notwendigen Unter¬
druck, erreichte Veränderung der Grenzschicht, usw. machen zu können.
In Kapitel III sollen die unter I, 3, c erwähnte Möglichkeit der Steige¬
rung des Hinterkantendruckes genauer untersucht und die gemachten Über¬
legungen experimentell nachgeprüft werden.
Im Anhang sind die Eigenschaften, die der dicke Flügel, zusammen mit
Schlitzflügel und Fowlerklappe besitzt, betrachtet.
IL Experimentelle Untersuchungen an Absauge¬
schlitzen

a) Versudisanordnung
Für die Versuche wurde ein rechteckiger Holzkanal von 150 auf 220 mm
Innenquerschnitt verwendet. (Abb. 6, 6a, 7, 8.) Der Kanal, die Meßstrecke,
wie die Absaugeanordnung wurden in der Schreinerei des Institutes für Aero¬
dynamik gebaut, wo auch alle Umänderungen, die sich auf Grund von Vor¬
versuchen ergaben, ausgeführt wurden. Als Gebläse wurde ein Sulzerventila-

Abb. 6. Versuchsanordnung zur Untersuchung von Absaugeschlitzen.

Qrundriss der

Versuchsanordnung

Mess -
Strecke

0 10 20 30 cm

l,,.,l,,,,l I I I I

Abb. 6a. Meß-Strecke.

tor (V) verwendet, der mit einem fremderregten Gleichstrommotor (M) (Lei¬
stung 12 PS. bei 3300 Touren/Min.) angetrieben war. Motor und Ventilator
sind gemeinsam auf eine starke Eisenplatte montiert. Da im Versuchskanal
möglichst konstante Geschwindigkeit herrschen mußte, wurde der Motor an
die große Hausbatterie des Maschinenlaboratoriums angeschlossen und die
Messungen zum großen Teil außerhalb der üblichen Arbeitszeit gemacht,

22 —

um auch die Beeinflussung durch andere Verbraucher zu vermeiden. Ein


feinstufiger Seriewiderstand im Rotorkreise, sowie ein Schiebewiderstand
zur Feldschwachung, erlaubten eine sehr präzise Regulierung der (lebläse-

Abb. 7. Versuchsanordnung, Meßanlage.

Abb. 8. Versuchsanordnung, Absaugeseite.

drehzahl. Diese Anordnung, die kaum mehr zeitliche Schwankungen der


Windgeschuindigkeit auftreten ließ, ermöglichte die Verwendung eines, in
der Werkstatte des Instituts für Aerodynamik (Ifa) gebauten, besonders
dünnen Prandtl-Staurohres, womit es möglich war, die Staudruckverteilung

23 —

bis auf 1 mm Wandnähe zu messen. Zudem verursachte das kleine Staurohr


eine entsprechend geringere Störung der Strömung, was besonders bei Grenz¬
schichtmessungen notwendig ist.
Das Gitter (Abb. 6 Pos. 1) am Austritt der Meßstrecke (2) war so di¬
mensioniert, daß es die für die Absaugung notwendige Druckdifferenz er¬
zeugte. Die Prandtl-Rohre (3) wurden durch Mikrometerschrauben (4) ge¬
führt, die ihrerseits auf der Meßbank (5) in Längsrichtung verschiebbar an¬
geordnet waren. Die Schlitzweite konnte durch verschieden große Einsatz¬
stücke (6) verändert werden. Über der Meßstrecke und dem Absauge¬
kasten (7) war eine Glasscheibe zur Beobachtung und photographischen Auf¬
nahme der Strömung eingelassen. All« Anschlüsse und ev. Öffnungen an
Haupt- und Absaugekanal wurden sorgfältig mit Plastilin abgedichtet.

b) Meßmethoden

Messungen an Schwierigkeiten, als die


Grenzschichten bieten insofern
Dicke der Schichten meist relativ kleinGeschwindigkeitsprofile
ist. Die
lassen sich deshalb oft nicht mit genügender Genauigkeit aufnehmen, um
sie miteinander vergleichen zu können. Zudem geben kleine Veränderungen
der Schlitzform schon starke Beeinflussung der Resultate, sodaß Ungenauig-
keiten, wie sie durch die Herstellung, den Einbau, usw. entstehen können,
bereits stark fälschend wirken. Wir haben deshalb die Messungen an k ü n s t-
lichen, dicken Grenzschichten und dementsprechend vergrößer¬
ten Schlitzmodellen gemacht. Läßt man die gewünschte, dicke Rei¬

bungsschicht in einem geschlossenen Kanal dadurch entstehen, daß eine


lange Anlaufstrecke vorgeschaltet wird, so bilden sich an allen 4 Wänden
dicke Schichten, die sich in den Ecken überlagern und deshalb eine einwand¬
freie Messung verunmöglichen. Absaugungen am runden Kanal durchzuführen
bietet werkstattechnische Schwierigkeiten, sobald die Schlitzform beliebig
verändert werden soll. Zudem lassen sich die Resultate nicht ohne weiteres
auf die technischwichtigere Absaugung an ebenen Platten übertragen. Ebenso
sind Grenzsichichten, die mit einem Diffusor hergestellt wurden, nicht zu
empfehlen, weil auch hier wieder an den Seitenwänden die Grenzschicht
verdickt wird. Die Kanalhöhe, d. h. die Schlitzlänge wurde so gewählt, daß
die Strömung nach Möglichkeit zweidimensional war. Gleichzeitig sollte aber
die Kanalbreite groß genug sein, damit bei kleinem Kv (Definition siehe in
Kap. 1,1,b), d.h. starker Absaugung die prozentuale Querschnittsverkleine¬
rung des Hauptkanales nicht zu groß wurde. Bei der Ausführung war die
„Grenzschichtwand" 220 mm breit, die Kanalbreite war ^150 mm.
=

Vorversuche zur künstlichen Herstellung einer dicken Grenzschicht


wurden von Dipl. Ing. M. Fauconnet im Institut durchgeführt. Der damals
entworfene Kanal erfuhr später auf Grund eigener Versuche mehrfache Ab¬
änderungen, konnte aber im Prinzip beibehalten werden (Abb. 6, 7, 8). An¬
fänglich glaubte man, durch Bremsung in einer Querschnittsebene das ge¬
wünschte Profil herstellen zu können. Es wurden zu diesem Zwecke Fäden
in ein Sieb eingezogen, um es gegen die Wand dichter zu machen. Diese
Maßnahme störte aber die Geschwindigkeitsverteilung im Kanal, indem ein
Umströmen der dichteren Partien eintrat, sodaß am Rande der Grenzschicht
eine größere Geschwindigkeit festzustellen war, als in der Kanalmitte
-
24 —

(Abb. 9). Einzelne eingezogene Drähte ohne Sieb zeigten so ausgesprochene,


lange bestehende Totwassergebiete (Abb. 10), daß ebenfalls davon Umgang
genommen werden mußte. Zudem hatten diese „Grenzschichten" alle den
Nachteil, daß sie unruhig waren, grobe Turbulenz zeigten. Weitere Versuche,
wobei die entsprechende Kanalwand mit Wellkarton ausgeschlagen war, er¬
gaben eine schöne, aber noch etwas zu dünne Grenzschicht. Dafür zeigten sie
deutlich, daß eine Vergrößerung der Rauhigkeit der betreffenden Kanalwand
erfolgversprechender sein müßte, als örtliche Bremsung oder Störung. Zu
diesem Zwecke wurde die Wand mit Kratzenband ausgeschlagen, wie es die
Textilindustrie verwendet1) (Abb. 11). (Ungefähr 30 mm breite Streifen aus
starkem Gewebe, in das kurze Stahldrähtchen eingeflochten sind, ähnlich
aussehend, wie eine Feilenbürste.) Damit konnte die Dicke fast beliebig
verändert werden, indem die Länge der Stahldrähtchen variiert wurde. Zu¬
dem war es möglich, diese Rauhigkeit auslaufend zu machen, sodaß der Über¬
gang zur normalen Kanalwand weniger schroff wurde. Dieser letzte Punkt
trug sehr viel dazu bei, in der Meßstrecke eine ruhige, zeitlich konstante*
künstliche Grenzschicht zu erhalten, was die Messungen einfacher und ge¬
nauer machte.

I//I M
-ILt--
'ft \ kunstl Grenzschicht
kunstl Grenzschicht \
durch BremssietA erzeugt durch Bremsdrohte
erzeugt
bei A (Abb 5)
bei fl (Abb 5)

10 40 60 ao

Abb. 9. Künstliche Grenzschicht Abb. 10. Künstliche Grenzschicht


erzeugt durch Bremssieb. erzeugt durch Bremsdrähte.

Die Ausmessung der Grenzschicht (vergl. auch III. g) mußte hier so

vorgenommen werden, daß sowohl der Totaldruck-, als auch der Staudruck¬
verlauf bestimmt wurde; denn die abgesaugte Menge mußte zur Verdrän¬
gungsdicke in Beziehung gebracht werden können, wozu die Kenntnis der
Geschwindigkeit nötig ist. Zu diesem Zwecke wurde die Grenzschicht kurz
vor dem Schlitzeintritt ohne Absaugung gemessen. Dieses Profil wurde wäh¬
rend den nachfolgenden Versuchen unverändert beibehalten. Es stellt also
die Grenzschicht dar, die z. B. am Tragflügel ohne Absaugung kurz vor dem
vorgesehenen Absaugeschlitz bestehen würde. Bei Inbetriebsetzung der Ab¬
saugung ändert die Grenzschicht schon vor dem Schlitz ihre Form, weil durch
die Senkenwirkung Beschleunigung eintritt. Es wäre aber falsch, jetzt die

J) Das Kratzenband wurde mir von der Firma Gugelmann & Co., Tuchfabriken
A. G. Langenthai, in verdankensvverter Weise zur Verfugung gestellt.

25 —

Grenzschicht vorder Absaugung auszumessen, weil die Veränderung bereits


durch die Senke hervorgerufen wurde, der Einfluß aber \on der abgesaugten
Menge und dem zugehörigen Unterdruck abhängt und deshalb variabel ist.
Da, wie auch Abb. 2 zeigt, dieser Einfluß weit \or der Senke bemerkbar
ist, müssen die Messungen \or dem Schlitz ohne Absaugung durchgeführt
werden. Dies bedingt, daß sich die Alisgangsgrenzschicht mit der Zeit nicht
verändert, was bei der verwendeten Anotdiiung dei hall war. Die Mes¬

sungen nach der Absaugung stießen anfanglich auf Schwierigkeiten, indem


die Geschwindigkeiterteilung auf der Hohe der Schlitzhinterkante schwan¬
kende Werte ergab. I'm die Verhaltnisse abzuklären, wurden Stromungs-
aufnahmeu mit Rauch (Ammonium-Chlorid) gemacht (Abb. 12 und 13a—d),

Abb. 11 Abb. 12

Innenansicht des Versuchskanales Meßstrecke mit Raucherzeuger,


mit künstlicher Rauhigkeit aus Well¬
karton und Kratzenband

die deutlichzeigen, daß kurz nach dem Schlitz eine ausgeprägte Potential-
senkrecht zur
stromung und dementsprechend variabler statischer Druck
Wand bestellt. Die Meßstelle mußte deshalb längs der Stromimgsrichtung
soweit nach hinten verlegt werden, bis Parallelstromung in der Grenzschicht
vorhanden war. Dies ist im Gegensatz zu den Versuchen in Kap. III erlaubt,
weil außer der Reibung an der Kanalwand keine äußeren Einflüsse auf die
Grenzschicht einwirken. Da der Ausgleich bei stärkster Absaugung und vor¬
ist der
liegender Anordnung aber ungefähr innerhalb 70 min stattfindet,
Einfluß der Wand auf die neue Grenzschicht noch unbedeutend, unisoiiielir,
als hier Druckabfall besteht .(Siehe Abb. 1.)
Im Falle oder teilvveiser Entfernung der Grenzschicht ist
vollständiger
die nach der Absaugung durchden Hauptkanal gellende Menge um die vveg-

gesaugte kleiner als vorher. Sie benötigt also, bei gleicher Geschwindigkeit,
wie vor dem Schlitz, einen kleineren Kanalquerschnitt. Diese Reduktion ist
durch die Differenz der Mengen und den Unterschied der Verdrangungsdicken

26 —

bei bekanntem r^ gegeben. Die Verengung des Kanales war also notwendig,
um Druckanstieg nach dem Schlitz zu verhindern. Es wurde deshalb eine
den
zweite, stetig verschiebbare Gegenwand eingebaut (Abb. () Po->. S), mit deren
Hilfe der statische Druck am Rande der neuen Grenzschicht auf gleichen Wert,
wie voi der Absaugung gebracht w erden konnte.

a = 2 mm a — 7 mm

a = 22 mm a = 27 mm

Abb. 13 bis d. Rauchaufnahmen des Strömungsverlaufes in der Nähe des


a
Absauge¬
schlitzes bei mittelstarker Absaugung.
a = Abstand Rauchdüsenachse -

Kanalwand. Düsendurchmesser = 4 mm.

v = ca. 8 m/Sek. Beleuchtung: Bogenlampe. Objektivblendenöffnung = 1:18.


Belichtungszeit = 20 Sek.
/ =
1,55.

Von der künstlich


gebildeten Grenzschicht wurde das (/-Profil gemessen
und daraus durch Planimetrieren die Impulsmangeldicke S„, das y-Profil ge¬
rechnet und analog die Verdrängtingsdicke S'„ bestimmt. Das gleiche Ver¬
fahren nach dem Schlitz angewendet, ergab S, beziehungsweise S',±„ der „,

zum Teil abgesaugten Grenzschicht.



27 —

Die Messung des statischen Druckes am Austritt des Schlitzes erfolgte


durch ein Prandtl-Staurohr (Abb. 6 Pos. 9), während die abgesaugte Menge
mit Hilfe einer Venturidüse (Flächenverhältnis 1: 4) bestimmt wurde.

c) Arbeitsprogramm
Die Messungen sind nach folgendem Arbeitsplane durchgeführt worden :

1. Serie. Die Wände vor und nach dem Schlitz bilden eine Ebene.
(Abb. 14 a.)
2. Serie. Wand II ist gegenüber I um 2 mm gegen die Kanalmitte
verschoben. (Abb. 14b.)
3. Serie. Wand II ist gegenüber I um 10 mm gegen die Kanalmitte
zu verschoben. (Abb. 14c.)

.>'

A= 4,86

uneingerücM

X \ A=3,7

2 mm eingerückt A=3,0

A= 2,25

10 mm
eingeriicM

A=1,55

Abb. 14. Schlitzform und Verschiebung


Abb. 15. Schlitzweiten.
der Hinterkantenwand.

Für Serie 1—3 wurden je 5 verschiedene Schlitzweiten (Abb. 15) bei je


5 verschiedenen Absaugestärken untersucht.

Als Breitefaktor des Schlitzes wurde der Quotient

X = —

T eingeführt, d Ute Schlitzweite an der


"-»0 .ten Stelle.
i.

28 —

l errechnet sich für die 5 Stellungen mit Hilfe des aus Abb. 17 bestimm¬
ten Wertes für S'0 =
5,15mm= konstant zu:

At =-
4,86 lt =
2,25
h --
3,7 À, =-
1,55
l -

3,0

d) Versuchsresultate

Sämtliche Messungen zeigen, daß, sobald abgesaugt wurde, eine Ver¬


kleinerung der Verdrängungsdicke resultierte. Durch Verstärken der Ab¬
saugung konnte die Grenzschicht praktisch fast ganz weggenommen werden.

Abb. 16. Veränderung des Staudruckprofiles mit der Absaugung.



29 —

Die Abbildungen 16 und 17 zeigen die Änderung des Geschwindigkeits- bezw.


Staudruckprofiles mit zunehmender Absaugung. Da der Verlauf qualitativ
bei allen Schlitzanordnungen ungefähr gleich ist, sind von den gemessenen
Kurven nur die Abb. 16 und 17 wiedergegeben, während die Ergebnisse der
andern in den am Schlüsse des Kapitels aufgeführten Tabellen enthalten sind.

Abb. 17. Geschwindigkeitsprofile.

Durch Planimetrieren wurden die Verdrängungs- und Impulsmangeldicken


für alle im Programmvorgesehenen Schlitz- und Absaugevariationen be¬
stimmt. Interessant ist die Ermittlung der bei einer bestimmten Verbesse¬
rung von S, bezw. S' abgesaugten Menge. Um ein Maß der relativen Ge¬
schwindigkeiten im engsten Querschnitt des Schlitzes zu bekommen, ist Ki,

30

Qu Qu
bezw. Kv einmal über Cq und einmal über ~"
-cQs aufgetragen
"V
Fred-V^ Fs-Va
worden, worin Fs den engsten Querschnitt des Absaugeschlitzes bedeutet.

9oc wurde bei sämtlichen Versuchen konstant =


35,0 mm WS gehalten,
was je nach der Luftdichte ein vx in der Nähe von 24,7 tn/sec ergab.
Fred =
hred bred =
283,82 cm2.

hred = Kanalhöhe weniger die beiden Verdrängungsdicken an Grund-


und Deckwand.
bred = Kanalbreite weniger die beiden Verdrängungsdicken an den
Seitenwänden.

Ki
0A

0,3

v^fe^*^
uneinç erückt
0,2
°.^i^ ;^^
0,1
^T3

0,02 0,0* 0,06 0,08 0,10 0,12 -a

Ki
0A
Aio *,86
=

2 mm einge rückt A2x=3,70

^^
°\
0,3 A3n=3,00
A4v = 2,25
•~
0,2 A5« = 1,5fj
I
^H^^ i

0,1
ss=|s^ =»«czij S=—

0
0,02 0,0* 0,06 0,08 0,10 0,12 '&

K,
OA

t
0,3
10 mm eingerü .kt
0,2

i
0,1

0
-

t
0,02 0,0* 0,06 0,08 0,10 0,12 'Gl
Abb. 18. /C,=/(cq).

Ein Vergleich der einzelnen Kurven (Abb. 18 bis 21) zeigt, daß, um einen
bestimmten Wert von Ki oder Kv zu erreichen, bei allen Schlitzen ungefähr
die gleiche Menge abgesaugt werden mußte.
Die durch die Ausgangsgrenzschicht verdrängte Menge Qv ist bei kon¬
stanter Luftdichte ebenfalls konstant und gegeben durch die Größe der Ver-

31 —

drängungsdicke S'0 und v^. Zahlenmäßig wird für einen mittleren Wert von g
Qv =
S'o hKanal

Voo =
0,0515-2,2-247 =
28,0 Lt./Sek.
Um sich ein Bild über die Größe der abgesaugten Menge machen zu können,
zeigt Abb. 24, wievielmal größer die abgesaugte, als die durch die Grenz¬
schicht verdrängte Menge ist. Es läßt sich daraus für vorliegende Versuche
ersehen, daß :
% =
% bis 3 beträgt.

0,02 0,04 0,06 0,08 0,10 0,12 Gl

A,o = V,86
A, x 3,70_
=

AäD=3,00
Atv=2,25
As « = 1,55-

Kv
0A

0,3
10 um eirigerüi.kt
~ft^
0,2
^* '

"»-s

0,1 ^3
0,02 0,04 0,06 0,08 0,10 0,12 'Gl

Abb. 19. Kv =
f(cQ).
Zur Dimensionierung des Gebläses ist die Druckziffer c„ ebenso wich¬
tig, wie cQ. Abbildungen 25 und 26 zeigen cp in Funktion von l. Dabei ist
der ganz erhebliche Vorteil des breiten Schlitzes ersichtlich. Die diesbezüg¬
liche Überlegenheit tritt besonders bei kleinen Werten von Ki und Kv sehr
stark hervor. Ebenso läßt sich feststellen, daß ein Einrücken der Schlitzhinter¬
kante mengenmäßig keinen Vorteil bringt, daß dagegen die Druckziffer gün¬
stiger wird.

32 —

Zur endgültigen Beurteilung eines Schlitzes gehört außer dem Verlauf


von Ki und Kv als Funktionen von c„, c0 und cQs auch ihre Abhängigkeit von

der Leistungsziffer cL =
cp c
Q (Abb. 27).
Erst diese Kurven geben Aufschluß über die aufzuwendende Leistung
und sind deshalb für den Konstrukteur von besonderer Wichtigkeit.

.Ki
0,5

0A
uneingerückt
0,3

k-0
0,2
\N

0,1

0
"->--_
^== t-
__

CQ<
OA 0,8 1,2 1.6 2.0
K,
0,5
2 mm einge rückt I I
0A \ Ai 0 = 4.66

0,3
,
,\ A2 x
Aja
=

=
3,70
3,00
\ v 2,25
\\
=
*•

A5 8 1,55
\^
=
0,2

0,1

0
X
^ \

s^: -^ •

0,5

0A

0,3

0,2

0,1

0
0A 0,8 1,2 1.6 2.0

Abb. 20. K[ f(CQs)-

e) Folgerungen
Die Schlitzbreite, sowie das Einrücken haben auf cQ keinen nennens¬
werten Einfluß. Dagegen sind beide, l in ganz besonderem Maße, für die
Größe von cp maßgebend. Wenn auch das Einrücken noch einen kleinen
Vorteil bringt, so wird dieser, bei nicht zu breitem Schlitz auch durch eine
kleine Verbreiterung ohne Einrücken erreichbar sein.

33 —

O. Schrenk erwähnt die großen Absaugemengen, die besonders bei eini¬


gen anfänglichen notwendig erschienen, als besonders hin¬
Grundversuchen
derlich für die technische Durchführbarkeit der Idee. Vorliegende Versuche
haben aber gezeigt, daß man in dieser Beziehung optimistischer sein kann.
In Abbildung 24 wurde

Qu SS
f
Qv V

Kv
0,5

OS
i
jneing erück t
0,3

^
\ ""

N
0,2
^^^T

0,1

0
-1^ ^^ "

'Os
0.4 0,8 1.2 1,6 2,0
Kv
0.5
2 mm eingerückt
%,o 4,86
=
0,4
%z x 3.70
=

AjD =3,00
0,3
K v =2,25
A5» =1,55
0,2

0,1

0 CGU
0,4 0,8 1,2 1,6 2,0
Kv
0,5

0,4
10 mm einge rückt
0,3 —

0,2 -,

0,1
^ ^\
.0
r^ =^—
—•

CCU
0,4 0,8 1,2 1,6 2.0

Abb. 21.
Kv=f(cQs).

aufgetragen. Diese
Darstellungsart wurde gewählt, weil normalerweise die
Grenzschichtdicke nicht mit
großer Genauigkeit angegeben werden kann,
indem der Übergang des Geschwindigkeitsprofiles in die Horizontale stetig
verläuft. Ein diesbezüglicher Fehler wirkt sich aber auf die Verdrängungs¬
dicke kaum aus, während die Bestimmung der in der Grenzschicht beweg-

34 —

ten Menge stark darunter leidet. Da aber diese Menge weggesaugt wird, ist
es trotzdem von Interesse, wenigstens ungefähr zu wissen, in welchem Ver¬

hältnis sie zu Qa steht.


Nach Abb. 16 und 17 betrug die Grenzschichtdicke vor dem Schlitz
22
22 mm. Sie war damit —^—
=
4,3 mal breiter als die Verdrängungsdicke.
5,15
S'0 würden aber nach Kap. II d) 28,0 Lt./Sek. entsprechen. Somit fließen

0,6 + OA -02

Abb. 22. K,=f(cp).

durch die 1) 28,0


Ausgangsgrenzschicht (4,3 92,5 Lt./ Sek. Dies ent¬
— • =

spricht ungefähr
aber abgesaugten
der maximal Menge (siehe Protokoll).
Es folgt daraus, daß durch die Absaugung wirklich nur die Menge, die in
der Grenzschicht ist, weggenommen werden muß, wenn die Verdrängungs¬
dicke auf praktisch 0 reduziert werden soll und daß dabei von der Potential¬
=

strömung nichts abgesaugt zu werden braucht.



35 —

Sämtliche Versuche wurden mit einem Schlitz gemacht, der als Diffusor
ausgebildet war. Dadurch ergab sich eine teilweise Umwandlung der in
der abgesaugten Grenzschicht enthaltenen kinetischen Energie in statischen
Druck. Wie die Kurven in Abb. 26 zeigen, war es damit möglich, Werte
von K\- von z. B. 0,05 bei genügend breitem Schlitz, trotz statischem Über¬

druck am Diffusoraustritt gegenüber der Kanalmitte zu erreichen. Die

0,5 r

^,6 +0A +0,2 0

Abb. 23. Ky =
f(cp).

Anwendung des Diffusors hängt ganz vom Verwendungszweck der abge¬


saugten Luft und vom vorhandenen Gebläse ab. Auf jeden Fall haben die Ver¬

suche gezeigt, daß der relativ kleine Energieinhalt der Grenzschicht noch
ausreicht, um gegen mäßigen Überdruck absaugen zu können.
Das ganze unter He.) aufgestellte Programm wurde an einem Schlitz
durchgeführt, dessen Achse zur Strömungsrichtung einen Winkel von 40 Grad
bildet (Abb. 6). Dieser Winkel wurde gewählt, weil er schätzungsweise bei

36 —

den meisten Anwendungsmöglichkeiten technisch durchführbar ist und nicht


zu große Ablenkung ergibt. Eine Änderung dieser Richtung würde sich
wahrscheinlich in einer Verschiebung der Leistungskurven zeigen, an der c„
in der Hauptsache beteiligt wäre.
So

So J f /S'n^
Qv ' \ So/

A -
1,55

Abb. 25. /(A) Kf Parameter.


cp
= =

Allgemein wurden bei diesenMessungen nur relativ starke Absaugungen


untersucht. Ebenso wurde der Einfluß derAbrundung der Schlitzvorderkante
nicht speziell betrachtet. Beide Punkte, sowie eine Anwendung der Grenz-
schichtabsaugung werden im nächsten Kapitel behandelt. Die Schlitzhinter¬
kante wurde vorläufig nicht abgerundet.
37

Abb. 26. f(l) Kv Parameter.


cp
= =

-0,02

+ 0,11

Abb. 27. cL=f(Kv). i- = Parameter.



38 —

f) Protokoll

<
"

Ausgangsgrenzschicht ;

Bezugsfläche: Fred = 283,82 cm2 =


hred bred hred =
21,65 cm

qoo =
35,0 mm WS bred =
13,11 „

Vi

l =
4,86 uneingerückt. Fs =*
54,3 cm2

Qa CQ cQs A Pst Cp cl 100 S„ S„' Ki Kv


Lt./Sek. mmWS mm mm

8,65 0,0123 0,0649 -4,2 —

0,120 -

0,148 2,54 1,42 0,312 0,276


11,75 0,0168 0,088 -3,7 -0,106 -

0,176 1,95 0,991 0,239 0,192


23,53 0,0336 0,1762 -3,2 —

0,0915 -

0,307 1,45 0,780 0,178 0,155


40,3 0,0575 0,302 -2,2 —

0,0628 -

0,360 0,828 0,500 0,101 0,0972


62,3 0,089 0,467 -1,7 —

0,0485 -0,430 0,50 0,293 0,0614 0,0569


87,5 0,125 0,655 -0,7 —

0,020 -

0,250 0.393 0,225 0,0482 0,0436

l =
3,70 uneingerückt. Fs -
=
41,3 cm2

16,2 0,0231 0,1595 -3,9 -0,1115 —

0,266 1,85 1,188 0,226 0,23


30,82 0,044 0,304 -2,8 -

0,080 —

0,351 1,365 0,888 0,167 0,172


57,2 0,0815 0,565 -2,1 -

0,060 -

0,490 1,112 0,708 0,136 0,137


80,2 0,1145 0,792 -1,1 -

0,0312 -

0,356 0,538 0,373 0,066 0,0725

l =
3,00 uneingerückt. Fs =r
33,6 cm2

13,7 0,0195 0,165 -3,9 —

0,1115 -0,218 2,14 1,38 0,263 0,267


35,6 0,0508 0,429 -2,6 -

0,0743 —

0,376 1,275 0,875 0,156 0,169


64,3 0.C918 0,775 + 0,1 + 0,0028 + 0,026 0,77 0,515 0,0945 0,10
88,0 0,126 1,06 + 4,4 + 0,1255 + 0,158 0,525 0,407 0,0642 0,077

l =
2,25 uneingerückt. Fs =r
25,0 cm2

15,1 0,0215 0,245 -

1,8 —

0,0514 —

0,111 1,82 1,24 0,223 0,241


35,6 0,0508 0,577 -

0,2 —

0,0057 —

0,029 1,41 0,84 0,173 0,163


50,0 0,0714 0,81 + 3,4 + 0,097 + 0,692 0,945 0,502 0,116 0,098
65,0 0,0928 1,055 + 7,5 + 0,214 + 1,98 0,575 0,305 0,071 0,0592
85,1 0,1215 1,38 + 13,2 + 0,374 + 4,55 0,320 0,200 0,039 0,0388

l =
1,55 uneingerückt. Fs -

=
17,3 cm2

11,25 0,0161 0,264 -4,5 -0,129 -

0,207 2,36 1,465 0,29 0,285


23,7 0,0338 0,555 -

0,8 -

0,023 —

0,077 1,62 0,940 0,197 0,182


41,4 0,0591 0,97 + 12,0 + 0,346 + 1,97 0,928 0,590 0,114 0,112
60,2 0,086 1,41 +24,6 + 0,703 + 6,05 0,548 0,388 0,0673 0,0753
86,5 0,1235 2,02 +41,5 + 1,185 + 14,6 0,205 0,178 0,0239 0,0344
--
39 —

I =
4,86 2 mm eingerückt.

Qa Cq cQs Apst Cp cl- 100 Sn Sn Ki Kv


Lt./Sek. mm WS mm mm

17,9 0,0255 0,134 -4,6 —

0,1315 -

0,335 1,78 1,06 0,218 0,206


30,7 0,0438 0,230 —

3,2 —

0,0915 —

0,40 0,93 0,57 0,114 0,1106


44,0 0,0628 0,330 —

3,0 —0,0857 -

0,538 0,628 0,38 0,0771 0,0739


66,4 0,0948 0,498 -1,9 —

0,0543 -0,515 0,40 0,155 0,0492 0,030


84,8 0,121 0,634 —

1,0 —

0,0286 —

0,346 0,275 0,055 0,0337 0,0106

I =
3,70 2 mm eingerückt.

18,05 0,0258 0,178 -3,8 -0,1085 -0,28 1,495 0,87 0,183 0,169
29,60 •
0,0422 0,292 —

3,3 —

0,0944 -0,40 1,108 0,63 0,136 0,122


45,20 0,0645 0,446 -2,2 —

0,0630 —

0,40 0,78 0,33 0,0949 0,0641


61,5 0,0878 0,607 -1,5 —

0,0429 —

0,375 0,52 0,26 0,0639 0,0504


86,2 0,1231 0,85 + 0,1 + 0,0029 \- 0,035 0,397 0,13 0,0485 0,0252

I =
3,0 2 mm eingerückt.

14,7 0,021 0,177 -4,8 —

0,137 —

0,287 2,04 1,24 0,25 0,24


30,4 0,0434 0,366 -3,2 —

0,0915 —

0,396 1,192 0,69 0,146 0,134


51,2 0,0731 0,617 -0,7 —

0,02 —

0,146 0,792 0,43 0,0975 0,0835


68,2 0,0974 0,823 + 1,9 + 0,0543 + 0,53 0,50 0,25 0,0612 0,0485
89,7 0,128 1,08 + 5,8 + 0,166 + 2,13 0,283 0,087 0,0346 0,0169

I =
2,25 2 mm eingerückt.

11,7 0,0169 0,19 -

5,0 -

0,143 -

0,242 2,65 1,59 0,325 0,309


26,25 0,0395 0,41 -2,3 —

0,0675 -

0,259 1,46 0,84 0,179 0,163


47,3 0,0695 0,765 + 3,4 + 0,0972 -

0,675 0,835 0,54 0,1.02 0,104


60,7 0,0867 0,985 + 8,8 + 0 251 + 2,17 0,538 0,26 0,066 0,054
84,2 0,1202 1,365 + 15,6 + 0,446 + 5,40 0,355 0,137 0,0435 0,0265

I =
1,55 2 mm eingerückt.

10,00 0,0144 0,235 -3,7 —

0,108 -

0,156 2,98 1,79 0,426 0,347


28,9 0,0412 0,678 + 4,8 + 0,137 + 0,565 1 65 1,14 0,207 0,221
42,7 0,061 1,0 + 12,0 + 0 343 + 2,090 1,23 0 85 0,151 0,164
58,1 0,083 1,36 +21,8 + 0,623 + 5,09 0,945 0,623 0,116 0,121
87,0 0,124 2,04 +29,9 + 0,852 + 10,6 0,55 0,435 0,0676 0,0845

40 —

1-.= 4,86 10 mm eingerückt.

Qa CQ cQs dPst cp c£-100| S„ | Sn' Kl Kv


Lt./Sek. mm WS mm
|
mm |
27,2 0,0388 0,204 -6,6 -

0,1885 —

0,73 1,355 0,93 0,166 0,182


40,3 0,0575 0,302 -6,0 —

0,171 —

0,985 1,040 0,675 0,127 0,131


55,0 0,0785 0,4125 -5,1 -0,146 -1,14 0,777 0,50 0,0954 0,097
63,0 0,0907 0,476 -4,7 —

0,134 -1,21 0,518 0,35 0,0634 0,068


83,2 0,118 0,625 —

3,8 -

0,1085 —

1,28 0,343 0,21 0,0421 0,0408


i

X .
=
3,7 10 mm eingerückt.

24,45 0,0349 0,2415 -6,9 —

0,197 —

0,688 1,70 1,08 0,208 1 0,211


32,24 0,0460 0,318 —

6,0 —

0,171 -

0,785 1,14 0,74 0,139 0,144


53,1 0,0501 0,524 —

4,6 —

0,1315 -0,66 0 813 0,54 0,0997 0,104


70,9 0,1012 0,700 —

3,2 -

0,0915 -0,93 0,490 0,30 0,0601 0,0582


91,7 0,131 0,905 -1,7 —

0,0485 —

0,637 0 283 0,165 0,0336 0,032

I =
3,0 10 mm eingerückt.

25,45 0,0363 1 0,307 —

6,1 -

0,1742 —

0,637 1,315 0,932 0,161 0,1809


34,9 0,0498 0,420 -5,1 —

0,146 -

0,741 1,08 0,725 0,1321 0,142


50,07 0,0715 0,603 —

3,0 —

0,0858 -

0,610 0,65 0,405 0,0788 0,0785


63,4 0,0905 1 0,764 -1,0 —

0,0286 —

0,260 0,447 0,245 0,0549 0,0475


84,9 0,1212 1,02 + 2,5 + 0,866 + 0,866 0,263 0,130 0,0324 0,0252

I =
2,25 10 mm eingerückt.

24,95 0,0356 \ 0,4045 -5,5 -0,157 —

0,56 1,62 1,117 0,192 0,216


33,25 0,0475 0,54 —

3,8 —

0,1085 -

0,515 1,188 0,795 0,146 0,154


45,7 0,0652 0,74 —

0,5 —

0,0143 —

0,093 0,866 0,540 0,106 0,104


64,5 0,0921 1,04 + 4,0 + 0,114 + 1,05 0,612 0,415 0,0751 0,0808
81,9 0,117 1,328 + 8,8 + 0,251 + 2,95 0,383 0,187 0,0471 0,0363

I = 1,55 10 mm eingerückt.

22,8 0,0325 0,535 -

0,5 —

0,014 —

0,045 1,613 i 1,07 0,198 0,207


33,0 0,0472 0,775 + 4,8 + 0,137 + 0,65 1,22 1 0,84 0,149 0,162
47,4 0,0677 1,12 + 12,5 + 0,357 + 2.40 0,88 0,64 0,109 0,125
61,3 0,0875 1,44 + 19,9 + 0,569 + 4,95 0,66 0,503 0,081 0,0979
82,6 0,118 1,935 +31,1 + 0,892 + 10,50 0,438 0,36 0,0539 0,0689
III. Experimentelle Untersuchung des Einflusses der
Grenzschicht auf den Druckverlauf an der Wand bei
umgelenkter Strömung mit freier Strahlgrenze
a) Bestimmung des theoretischen Druckverlaufes ohne Berücksichtigung
der Grenzschicht ')

Die in Abb. 28
dargestellte Strömung soll zweidimensional verlaufen.
Längs Grundplatte A—B, sowie der Ablenkplatte B C ist die Richtung
der
der Geschwindigkeit gegeben; sie ist tangential. Längs der freien Strahl¬
grenze (A'—C) ist der Druck konstant und gleich dem Außendrucke.

A'__

+a

Grundplatte
A

Abb. 28.

Somit muß nach Bernoulli die Größe der Geschwindigkeit ebenfalls kon¬
stant sein. Es handelt sich um eine Potentialströmung (d. h. eine wirbel¬
freie Strömung) vom Unendlichen ins Unendliche. Links im Unendlichen
bei A ist die Quelle + Q, rechts bei C ist Q. —

Abb. 29. Hodograph.

Für die Konstruktion des Hodographen vorliegender Strömung sind fol¬


gende Angaben bekannt:
Die maximal auftretende
Geschwindigkeit beträgt wx. Die Spitzen sämt¬
licherVektoren, deren Länge wx entspricht, liegen demnach auf einem Kreis
(Abb. 2Q). Von allen Geschwindigkeiten sind aber nur die möglich, deren
Richtung mit der positiven *-Achse den Winkel 0 bis a einschließt.
i) Bei der Lösung dieser Aufgabe bin ich von Dr. sc. tech. Dipl. Ing. P. de Haller
in freundlicher Weise unterstützt worden.

42 —

(Staupunkt) ist die Geschwindigkeit längs der Platte null. Diesem


In B
Punkt entspricht also im Hodograph das Kreiszentrum. In A ist w^, ux und =

parallel der Grundplatte, also ist A am Ende des horizontalen und C am Ende
des unter a geneigten Schenkels des Hodographen einzuzeichnen. Da nach
obigen Überlegungen die Geschwindigkeit längs der freien Strahlgrenze =

konstant wx ist, die Richtung aber von null bis a stetig ändert, so muß
=

der Kreisbogen zwischen A und C der freien Strahlgrenze entsprechen. Die


Strecken AÄ, bezw. CC, welche die Strahlbreite darstellen, sind im Hodo¬

graphen durch die unendlich kleinen Viertelskreise AÄ und CC abgebildet.


dW
Es ist: u —
iv =

komplexe Geschwindigkeit
dz

worin U —
= GGeschw.
es II x ~x
dx

od)
V = GGeschw.
es I x —

w =
<*W) + / lP(r y)
dW
dz =
A® --= 0
<m
w
AW 0 w

A W := 0
=f- W
J 1w

Der Hodograph stellt demnach die konforme Abbildung der Strömung dar.
Singularitäten bleiben auch in der Abbildung erhalten, also sind die Quellen
J
Q in A und —

Q in C auch hier anzubringen.


Um das Potential zu finden, wird die Transformation eingeführt:

S = w
'
worin *ja = « =
ganze Zahl.

Damit wird die Lösung nur für die Winkel a gesucht, die in 180 Grad teilbar
sind.Gleichzeitig sind zur Vereinfachung die Rechnungen nicht mit w, son¬
dern mit w/wov geführt worden. Der Kreis wird damit zum Einheits¬
kreise. Die Bezeichnung w bleibt auch in dieser dimensionslosen Bedeu¬
tung beibehalten.

Einheitskreis

,nl«
Abb. 30. Transformation f = w

43 —

Das komplexe Potential ist:

für Q = 2n wird: W =
Ig |=j lg^| =

dw w" —

1 iv" + 1

dW n w"-1 ,
n w"~i ,

j-r d\V dW
=
J ; TT

w w{wn-\) w(wn + \)

Dieser Ausdruck ist nun zu integrieren. Die Partialbruchzerlegung der


rationalen Funktion lautet:

<P(x) 4 J*L^ K(n)


+ +....+
_

f(x) x —
a x —

b (x- x„)
Die n Koeffizienten (A, B... Kn) sind folgendermaßen zu rechnen :

A=|^, fi = |w usw.
/ (a) J (b)

n • wn^ ti •
wn~*
Angewendet auf ,-
bezw. —

wird : A = B = K<n) = 1
K '
w" —
1 if" -f 1

(w" —

1) =
(w -

Rt)(w —

R%)...(w —

Rt) Rt =
"f+1
(W + 1) =
(w -R[)(w —

Ri) (w —

R!i) /?',= "V^T

wn -
1
~~

èo (w —

/?,)
' = ""'
B.W«-1 1
IV" + 1 ,f„ (w —/fr)

rfHf 'lA"1 l .
l=A~' l

w /=o (w —

Ri) w /=o (w—Ri) w

z =

) w f=o J (w —

Ri)-w /=o J (iv —

/?'/)
ö

-7 =—— dw = ? Lösung durch Partialbruchzerlegung.


J (w —

Ri)w

1 ,4 ß ^ •
w~-B(w —

/?/)
(iv —

Ri) w (w —

Ri) w (w —

Ri) w
— 44 —

A •
w —
B (w —

Ri) = 1 . •. A — B = - -

•TV/

\j^^dw k\ju^R7l)dw~h\^dw
1 ,
iv —/?
k]g
= =

IV

/=«-l 1 r.
/=«—1
...

IV— /?/ l IV /?/


SI ^
. .

Z =

/=o Ri w /=u Ri iv

Diese bereits die vollständige Lösung der Aufgabe. Sie


Gleichung gibt
ist aber zahlenmäßigen Auswertung besonders für große n unbequem.
zur

Es empfiehlt sich deshalb, folgende Entwicklung durchzuführen :


dW n-w"'y n-w"~l
dw
ü^(n,«_i)dw
__
~

nr ïvTu^+ry
-

für iv" < 1

geometrische Reihe : = 1 + x + x2 + xs + • • •

auf den 1. Integranden angewendet


1 1
= —
= —

[1 + W" + IV2" + IV3" + 1


tv

B-l
n iv
dw = —

[n w"-2 + nw2"-2 + nwSn~2 +nwin~2A ] dw


iv(iv" —1)
= —
nw"-2 [1 + wn + w2n + iv3" -I- • •

-]dw

Der 2. Integrand:


= —

fl —
IV" + IV2" —
w3n + win
(w"+l)-
1
1
+ IV"
+

n iv"-1
dw = —

[n w"-2 —

nw2"'2 + nw*"'2 —
nwin~2 + • •

•] dw
w(w" + 1)
= —
nwn~2 [1 —
iv" + iv2" —
iv3" + ••] dw

zusammen:

dW
= dz —


2nw"-2 [1 + w2n + iv4" + •

--]dw
IV

z = —

2n[\w'1-2 dw + \win'2dw + Ju/5""2 dw + • •


•]

45 —

Die Betrachtung soll sich auf die Bestimmung der Druckverteilung längs
der Grundplatte beschränken.
Hier ist v =-
0, d. h. w =
u

y —

0, d. h. 2 =^
x

Die Gleichung kann also für diesen Spezialfall ohne Imaginärteil folgender¬
maßen geschrieben werden:

x = —
2/z + = + = + • • •

f r
L« —

1 3« —

1 5«— 1 J

Bei gegebenem Winkel a, wobei a n n sein muß, kann somit x f(u)


= =

berechnet werden. Fürgroße «, d. h. kleine Winkel genügt dabei das erste


Glied, während für a 30 Grad und große u bereits
= 8 Glieder notwendig
sind, um genügende Genauigkeit zu erreichen.

Die Strahlbreite b.

ImHodographen (Abb. 29) wurden die Quellen + Q, resp. Q in —

A und C angebracht. Die unendlich kleinen Kreisbogen AÄ und CC um¬

schließen die Quellen aber nur zu i/t, d. h. es kann nur je Q/4 als für die
Strömung wirksam betrachtet werden.

Somit wird : -~
= b •
wx w^ = 1

Q = 2n

b =
nj2

In der nachstehend beschriebenen Versuchsanordnung betrug die Strahl¬


breite b =- 35 cm. Um Übereinstimmung zu erhalten, müssen die gerechneten
Werte für x mit dem Faktor 35 I —j multipliziert werden. Die vollständige
Formel, nach der die nachfolgenden Tabellen gerechnet wurden, lautet
demnach :

xcn = 140 —

+ + + •••

q- t 1 s5« -i
\n)Vn— 1 J « —

1

1 J

Abb. 31 und 32 stellen die theoretischen Geschwindigkeits- resp. Druck¬


verteilungen, die nach obiger Formel gerechnet wurden, dar.

46 —

«==g

Woo

^ ^1
-// /// X\
f 50 y/ \\\
^
; / / llL /
s\\
i 51
/ // 77^ N
il
//, 77/7-
J>1
1 « = 10°
/// 77/
12°, /// 77
: it 15° 77/ /
/ /
16»
Theoretische Geschwindigkeitsverteilung 20° '//
Platte der Ablenkung /
längs der vor
30°,
des Strahles um <x.
0,25

-xcr n
56 52 20

Abb. 31. Theoretische Geschwindigkeitsverteilung.

1,0
1
.

der Platte p
Theoretische Druckverteilung längs
q<o
der Ablenkung des Strahles um et
vor
I
I
0.75
so; /
20° \

78°J^XJ / j
15" S \

12° W \\
et =
<10°
^5 W \ 0,50

X\ \\

^N7 /)
'//i
1 1

V
Av A^ ' I
i
3° \\^ iX ^ Os\ ///
N^ <M tv ^

_5 \V '/s i>
Jj
-xc n —

Abb. 32. Theoretische Druckverteilung.


47

Xcm
60 45 36 30 20 18 15 12 10 9 6
w <7 \-q
3° 4° 5° 6° go 10° 12° 15° 18° 20° 30°

0,99 0,980 0,020 25,060 33,188 37,380 40,622 47,123 48,680 51,225 59,293 62,282 67,480 83,266
0,98 0,960 0,040 13,770 19,740 24,340 28,125 36,555 38,669 42,234 49,219 53,223 57,377 71,551
0,97 0,941 0,059 7,510 12,430 16,360 20,061 28,805 31,130 35,145 41,536 46,038 49,640 61,661
0,96 0,922 0,079 4,060 7,620 11,170 14,515 23,015 25,312 29,478 35,501 40,223 43,531 56,617
0,95 0,903 0,098 2,190 4,800 7,680 10,583 18,434 20,729 24,870 30,623 35,412 38,546 51,405
0,93 0,865 0,135 0,626 1,870 3,620 5,645 12,024 14,066 17,908 23,204 27,900 30,833 43,402
0,90 0,810 0,190 0,088 0,441 1,150 2,173 6,364 7,924 11,062 15,656 19,957 22,677 34,745
0,88 0,774 0,226 0,023 0,162 0,523 1,131 4,143 5,372 8,028 12,094 16,066 18,619 30,277
0,85 0,723 0,278 0,003 0,034 0,155 0,414 2,139 2,893 4,909 8,233 11,622 13,894 24,812
0,83 0,689 0,311 0,012 0,067 0,207 1,361 1,987 3,516 6,279 9,323 11,411 21,771
0,80 0,640 0,360 0,002 0,018 0,071 0,676 1,063 2,009 4,182 6,669 8,454 18,022
0,75 0,563 0,438 0,198 0,355 0,918 2,053 3,721 5,018 12,810
0 70 0,490 0,510 0,109 0,324 0,961 1,998 2,890 9,026
0,65 0,423 0,578 0,070 0,425 1,025 1,597 6,214
0,60 0,360 0,640 0,176 0,499 0,842 4,162
0,55 0,303 0,698 0,228 0,419 2,692
0,50 0,250 0,750 0,196 1,669
0,45 0,203 0,798 1 0,989
0,40 0,160 0,840 0,548

Tabelle zu Abb. 31 und 32.

b) Analogie zwischen vorliegendem Fall und der Strömung in der Nähe

der Flügelhinterkante

Die in Kap. I, 3, c.) erwähnte Strebe, die von Ermisch zu seinen Mes¬

sungen verwendet wurde, hat ein Profil, das von ungefähr 70 <y0 Tiefe an
nahezu ohne Krümmung bis an die Hinterkante verläuft (Abb. 33). Dort
stoßen Ober- und Unterseite unter dem Winkel 2 a (hier 50 Grad) zu¬ =

sammen. Aus Symmetriegründen muß die Strömung hinter dem Profil


in der Richtung der Geschwindigkeit vor der Strebe weitergehen, die hier

Abb. 33. Zur Analogie.

mit der Symmetrieachse zusammenfällt. Es ist ersichtlich, daß die Verlänge¬


rung der' Symmetrieebene des Profiles über die Hinterkante hinaus, z. B. in
Form eines sehr dünnen, aber steifen Bleches die Strömungsverhältnisse nicht
wesentlich beeinflussen würde. Somit ist es möglich, die Untersuchungen
an einer Anordnung zu machen, die in Abb. 34 schematisch dargestellt
ist. Der Punkt B entspricht dem Staupunkt 52 der Strebe. Die zweidimen¬
sionale Strömung wird bei der Strebe durch große Länge gegenüber der Tiefe

48 —

oder durch Anbringen von Endblechen erreicht. Analogen Einfluß haben die
seitlichen Kanalwände, zwischen die die Platten einzubauen sind.
Die Möglichkeit, die Druckverteilung vor der Profilhinterkante mit Hilfe
der im vorangehenden Paragraphen rechnerisch behandelten Strömung stu¬
dieren zu können, hat den großen meßtechnischen Vorteil, daß die Druck¬
anschlüsse bis sehr nahe an die Ecke in beliebiger Zahl angebracht werden
können, ohne durch die Profilunterseite behindert zu werden, was besonders
bei kleinen a sehr erleichternd ist. In der nachstehend beschriebenen Ver¬
suchsanlage wurden in der Nähe der Ecke von 2 zu 2 mm Meßanschlüsse an¬
gebracht. So war es möglich, bis sehr nahe an den Staupunkt Druckmessun¬
gen auszuführen. Zum Studium des Druckanstieges in Abhängigkeit des
Kantenwinkels ist die Analogie besonders bequem, indem nur eine entspre¬
chende Verstellung der Ablenkplatte notwendig ist. Zudem ist der zu spä¬
teren Untersuchungen notwendige Einbau der Absaugeanlage an einer Platte
leichter durchführbar, als in einem relativ kleinen Flügelmodell.

Abb. 34. Zur Analogie.

Die nachfolgenden Paragraphen des laufenden Kapitels beschäftigen sich


demzufolge mit der experimentellen Untersuchung der in § 1 theoretisch
behandelten Strömung bei verschiedenen Grenzschichten, sowie bei Grenz-
schichtabsaugung.

c) Versuchsanordnung zur experimentellen Aufnahme des Druckverlaufes


Die Versuche wurden mit dem Freistrahl-Windkanal durchgeführt, der
bereits von H.L.Studer zu Untersuchungen über Flügelschwingun¬
seinen
gen (15) verwendet wurde. Angaben über das Gebläse sind in seinen Ver¬
öffentlichungen enthalten. Der Asynchronmotor wurde durch einen fremd¬
erregten Gleichstrommotor (Abb. 35 Pos. 1) von 45 PS. bei 4000 Touren/Min.
ersetzt. Dieser Antrieb gestattete in Verbindung mit der Wechselstrom-
Gleichstrom-Umformergruppe des IfA eine viel feinere Regulierung der
Drehzahl, als dies mit dem Wasserwiderstand im Rotorkreise des Asynchron-
motores möglich war. Zudem konnte durch eine automatische Regulierung
dafür gesorgt werden, daß Frequenz- und Spannungsschwankungen im Dreh-
stromnetz nahezu ohne Einfluß auf den Gebläsemotor blieben. Der runde
Kanalquerschnitt (2) wurde durch Einlagen in der Düse (3) und in einem
nachfolgenden Übergangsstück (4) auf einen rechteckigen von 500 mal
350 mm gebracht. Anschließend daran folgte die Meßstrecke (5). Die hori¬
zontale feste (6) und die schiefe bewegliche Platte (7) bilden mit zwei pa¬
rallelen Holzwänden (8) den oben offenen Versuchskanal. In der horizon-

49 —

talen Platte wurden 55 Druckmeßanschlüsseeingebaut, die einzeln mit


Gummischläuchen bis an den weitergeleitet und dort zu beque¬
Kanalrand
merer Bedienung in entsprechender Reihenfolge angeordnet waren. Zur
Ausmessung der Grenzschicht wurde 270 mm vor der Umlenkkante ein Total¬
druckrohr (9) eingebaut, das, durch die horizontale Messingplatte durch¬
gehend, mit Hilfe einer Mikrometerschraube (10) in beliebige Stellungen

Abb. 35. Versuchsanordnung. (Legende siehe Kap. Ill, c.)

Abb. 35 a. Freistrahl-Windkanal mit Meßstrecke.

gebracht werden konnte. Zu allen Druckmessungen wurden die in der Werk¬


stätte des IfA gebauten Präzisions-Wasser-Manometer mit direkter Ablesung
verwendet. Die Einstellung der schiefen Ablenkplatte konnte mittels einer
Winkelwasserwaage auf +l Grad genau durchgeführt weiden. Sämtliche
.„

Streben, die zur Distanzierung der parallelen Seitenwände dienten, wurden


als Stromlinienprofile ausgebildet und je nach Ablenkwinkel verdreht.

50 —

Die Messung von q^ wurde mit einem Prandtl-Staurohr (11) am Eintritt


des Strahles in die Meßstrecke vorgenommen.

d) Resultate und Folgerungen


ZumVergleich mit den theoretischen Kurven wurde bei den Winkeln a,
für die dieRechnung durchgeführt werden konnte, sowohl der Druckverlauf
längs der Grundplatte, als auch das Totaldruckprofil an der in Kap. III c)
erwähnten Meßstelle aufgenommen (Abb. 36, 37, 38, 39). Dabei zeigt sich,

;
i

i i

CK= 10°
i

] Theoretischer DrucKverlau f /
1

II ! 1 1 V
i
gemess ener Ver laut
Idicke

-X c Tl 1
ae 6* « m 52 «tfl to 56 52 29 2H 20 16 12 B •* o

Abb. 36. Druckverlauf längs der Grundplatte in Abhängigkeit


von der Qrenzschichtdicke für a = 10 Grad.

a=15° Theoretischer Druckverlauf

J [dünne Grenzschicht
Verlauf
~ ~~

3qemessener < ; \

i | dicke i
\ \,'

68 61* 60 56 SÏ *8 t* *0 J6 il 20 Î* 20 16 12

Abb. 37. Druckverlauf für a = 15 Grad.

daß der theoretische Druckanstieg, wie bei den vorerwähnten Messungen an

Tragflügelmodellen, nicht den Verlauf dieses Anstieges


voll eintritt. Um
in Abhängigkeit von der Grenzschicht zu erhalten, wurde diese künstlich
dicker gemacht, indem die wandnahen Schichten, analog wie in Kap. II, an
einer mit Kratzenband ausgeschlagenen Oberfläche (Abb. 35 (R)) vermehrt

51 —

gebremst wurden. Dabei ist zu beachten, daß die Rauhigkeit genügend weit
von den Druckanschlüssen entfernt im Kanal angebracht wird, da ein Über¬
strömen (Abb. 41) die Anzeige der Meßstelle fälscht,. Die künstliche Rauhig¬
keitergab eine bedeutend dickere Grenzschicht (Abb. 40). Die Abbildungen
36—39 zeigen die Meßresultate für 4 ausgewählte verschiedene Stellungen
der Ablenkplatte. Total wurden die Kurven für 11 Winkel a aufgenommen.

j
1
i
1
1
1
i

2C)° Theoretischer Druckver lauf


1 1
! 1
-\
1 ! 1
dünne Grenzschicht
venuul
y«messen«i -)d|cke „
?
>
.'~S^

=5^
***

.„-

-X CI n
6V M 56 S2 h8 <t* 40 56 52 28 2H 20 16 12 8 * 0

Abb. 38. Druckverlauf für a = 20 Qrad.

i
l j
1 /

cx= 3C)° 1 heoretis che Dr jckverla y


\
i
fdunn e Grenz;schic:ht
9« me= sen er V srlat- f
dicke ^>

-x Cm

Abb. 39. Druckverlauf für a = 30 Qrad.

Der Druckverlauf ist aber bei allen andern sehr ähnlich. Über die erreichte
Meßgenauigkeit gibt Abb. 37 Auskunft. Meßpunkte Hier wurden sämtliche
eingetragen, während bei den
übrigen Winkeln wohl alle Punkte zum genauen
Aufzeichnen der Kurven verwendet, dagegen nur etwa jeder vierte Punkt als
solcher bezeichnet wurde.
Die erhaltenen Resultate zeigen wirklich die vermutete Verschlechte¬
rung des Druckanstieges mit zunehmender Qrenzschichtdicke. Nun wäre es
erwünschter, durch Verkleinerung der Grenzschicht den Druckanstieg dem
theoretischen immer näher zu bringen. Dabei hat es keinen Sinn, die Ober-

52 -

fläche des Kanales glatter zu machen, um damit das Entstehen einer weniger
dicken Grenzschicht erreichen ; denn dieser Weg ist bei jedem Tragflügel
zu

seriöser Konstruktion bereits vollständig ausgenützt. Es muß nun dafür ge¬


sorgt werden, daß eine vorhandene Grenzschicht, deren Entstehung nicht

'1

,q
(P-hq)oo /KCX=10° i

^CX=30°
0,75

xdünne Grenzschicht

k
dicke
i
0,50
i

0,25 Tot aldr uckfDrofi e -

-gmm -

0 20 40 60 80 100
Abb. 40. Totaldruckprofile bei verschieden dicken Grenzschichten.

verhindert werden konnte, entweder vollständig beseitigt, oder wenigstens


verkleinert werden kann. Die Möglichkeit dazu gibt die Grenzschicht-
absaugung.

e) Versuchsanordnung
Die Meßstrecke des in Kap. III b.) beschriebenen Kanales wurde für die
Absaugung der längs der Grundplatte entstehenden Grenzschicht eingerich¬
tet. Nach Abb. 41 wurde ein Schlitz eingebaut, der, was die Form und den

Ueberströmen der

künstl Rauhigkeit. (falsch)

Abb. 41. Fehlerhafter Einbau der künstlichen Rauhigkeit.



53 —

Details zur A bsauge Vorrichtung.


Meßanschlüsse
Diffiisor
3: Mikrometerschraube
4: Staurohr für Grenzschichtmessung
5: Meßanschluß fur
PstAbsaugu„g
6: Eich-Staurohr zu Pos. 5
7: Absaugekasten
Mess -
um
8: zum Absaugeventilator
Absauge Einrichtung 9: Grundplatte
10: Umlenkplatte
Abb. 42 a. Meß- und Absaugeeinrichtung.

Abb. 42 b. Meßstrecke mit Absaugevorrichtung.


(linke Seitenwand entfernt)

Abb. 42c. Meßstrecke mit Absaugevorrichtung.



54 -

anschließenden Diffusor betrifft, genau dem in Kap. II untersuchten ent¬


sprach. Der Diffusor mündete in einen schwachen Krümmer und dieser in
die eigentliche Absaugekammer, die zur Erzeugung eines über die Schlitzlänge
konstanten Druckes notwendig war. Zur Absaugung diente ein Sulzerventi-
lator, der mit einem Oleichstrommotor (Leistung 12 PS. bei 3300 U/Min.)
angetrieben war (Abb. 43).

Abb. 43. Versuchsanordnung von Abb. 35 umgebaut für Messungen mit Absaugung.

Zur Bestimmung abgesaugten Menge wurde zwischen Absauge¬


der
kammer und Ventilator eine VDI-Düse (Abb. 43) eingeschaltet.
Die vorangehenden Versuche haben gezeigt, daß von 2 Strömungen mit
der Ablenkung um a diejenige einen kleineren Druckanstieg aufwies, die
eine dickere Grenzschicht hatte. Weiter wurde dort gefolgert, daß eine Ver¬
kleinerung der Verdrängungsdicke kurz vor der Hinterkante den entgegen¬
gesetzten, d. h. den erwünschten Effekt haben müßte. Dabei ist aber der Ein¬
fluß der Senke selber auf den Druckanstieg nicht zu vernachlässigen. Es war
deshalb notwendig, die Zahl der Meßanschlüsse vor und besonders nach dem
Schlitz stark zu vergrößern, um auch hier gleichzeitig über die Streuung der
Meßpunkte orientiert zu sein (siehe Abb. 44).

f) Meßmethoden

Zu diesen Versuchen durfte die Grenzschicht ebenfalls nicht zu dünn ge¬

wählt werden, weil man wieder Änderungen von Profilen betrachten wollte
und deshalb eine sehr genaue Aufnahme der einzelnen Kurven anstreben
mußte. Dünne Schichten verlangen zudem die Anwendung von entsprechend
feinen Meßrohren, die ihrerseits stark gedämpft sind, den Schwankungen nur

55 —

langsam folgen, lange Einstellzeiten haben und bei allfälligen kleinen Un-
dichtheiten in den Zuleitungen erhebliche Fehler verursachen. Die im Über¬
gangsstück und an der Grundplatte entstandene naturliche Schicht genügte
dafür.

Abb. 43 a. Absaugeaggregat mit Düse zur Mengenmessung.

Bei vorliegender Versuchsanordnung wurde ein Totaldruckrohr von

0,8 mm Innendurchmesser verwendet; die Grenzschicht wurde also nur be¬


züglich Totaldruckverlauf ausgemessen. Dazu haben folgende Vorversuche
und Überlegungen gefuhrt: Bei 30 Grad Ablenkung (größter gemessener

\ / Details, einer Druckmess-Sfelle.

~ Abb. 44. Druckmeßstelle in der Nähe des Absaugeschlitzes.


i

Winkel a ) wurde der Verlauf des statischen Druckes bei 2 verschiedenen


Absaugungen 33 mm hinter der Schlitzhinterkante gemessen. Dabei zeigte
sich in beiden Fallen ein relativ starker Druckanstieg gegen die Grund¬
platte zu. Das heißt also, daß wir innerhalb der Grenzschicht gekrümmte

56 —

Strömung haben. Die Grenzschicht ist deshalb nur aus dem Verlauf des to¬
talen Druckes erkennbar. Unter diesen Umständen ist
es nicht möglich, in

gleicher Weise wie früher, die Verdrängungs- und Impulsmangeldicke an¬


zugeben. Ein Verlegen der Meßstelle weiter von der Schlitzhinterkante weg
zeigte ein rasches Abnehmen dieser Druckdifferenz über die Grenzschicht.
Der genau gleiche Effekt konnte schon bei den Versuchen in Kap. II fest¬
gestellt werden. Dort wurde versucht, die Strömung in der Nähe des Schlitzes
mit Rauch sichtbar zu machen (Abb. 13 a bis d). Deshalb wurde dort die Me߬
stelle soweit nach hinten verlegt, bis der Ausgleich stattgefunden hatte. Dies
war möglich, weil im Hauptkanal längs der Achse konstanter statischer Druck

herrschte.
Als A pst (zur Absaugung notwendiger Unterdruck) haben wir bei den
Schlitzuntersuchungen die statische Druckdifferenz zwischen Hauptkanal¬
achse und Diffusorende definiert. Im Umlenkkanal muß die Druckdifferenz
zwischen Schlitzeintritt
(ohne Absaugung) und Diffusoraustritt als ma߬
gebend betrachtet
werden, da innerhalb der Strahlbreite der Druck auf den
an der freien Strahlgrenze bestehenden Atmosphärendruck abfällt, die Grenz¬

schicht, deren Material entfernt wird, aber unter dem statischen Druck steht,
der an der Grundplatte gemessen wird. Aus den Messungen, die im lau¬
fenden Kapitel zur Kontrolle der theoretischen Druckverteilung durchgeführt
wurden, läßt sich der Druck am Schlitzeintritt ohne Absaugung am einfachsten
entnehmen (Abb. 32).

Damit wird c'„ = ——

<7oo wurde auch hier konstant =


38,5 mm WS gehalten.
Die Definition von cQ konnte aus den Messungen in Kap. II direkt über¬
nommen werden.

Qaabgesaugte Menge.
=

F Kanalquerschnitt (500 mal 350 mm).


=

Voo Geschwindigkeit am Düsenaustritt (ohne Beeinflussung


= durch die
Umlenkung).
Die Form der Grenzschichtprofile (die Werte (p -\- q)) wurde 33 mm
hinter der Schlitzhinterkante gemessen (siehe Lage des Totaldruckrohres in
Abb. 45—50).

Am Diffusoraustritt wurde der statische Druck mit 3 über die Schlitz¬


länge verteilten, parallel geschalteten Meßanschlüssen (Abb. 42 Pos. 5) er¬
mittelt. Die Versuche haben aber ergeben, daß die Druckentnahmestellen
schief angeströmt wurden und deshalb falsche Werte angaben. Diese Anzeige
wurde deshalb mit einem provisorisch eingebauten Staurohr kontrolliert und
geeicht. Da die Strömungsrichtung kurz vor dem Krümmer

nicht ein¬ —

wandfrei vorausgesagt werden konnte, wurde die Richtung des Staurohres


solange verändert, bis bei statischem Unterdruck dieser ein Maximum, bei
Überdruck ein Minimum anzeigte. Die so erhaltenen Werte stellten den wirk¬
lich an der betreffenden Stelle bestehenden Druck dar (siehe Lit.-Ang. 16).

57 —

Bei der Aufstellung der Gleichungen für den theoretischen Druckver¬


lauf längs der Grundplatte wurde die Annahmegemacht, daß sowohl die
Grund- als auch die Ablenkplatte von unendlicher Ausdehnung seien, d. h.
man machte die Voraussetzung, daß sich die Richtung jedes Luftteilchens
um den vollen Ablenkwinkel a ändere. Die Länge der Ablenkplatte wurde

64 56 48 40 32 24 16 6 0

Abb. 45. Druckverlauf längs der Grundplatte bei verschiedener Absaugung für a = 3 Grad.

bei sämtlichen Versuchen gleich der doppelten Strahlbreite (70 cm) gewählt,
in derAnnahme, daß diese Größe für eine vollständige Umlenkung des
Strahles genüge. Versuche, die mit einer Platte von doppelter Länge bei
a 30 Grad durchgeführt wurden, zeigten keine feststellbare Änderung des
=

Druckverlaufes, sodaß die anfänglich gewählte Platte als den theoretischen


Anforderungen genügend angesehen werden darf.

58 —

g) Resultate und Folgerungen


Total wurden 11 Umlenkwinkel mit 3 bis 5 verschiedenen Absaugestär¬
ken ausgemessen. Davon sind in den Abbildungen 45 bis 50 sämtliche Re¬
sultate für 6 möglichst auseinanderliegende Winkel a angegeben. Die übri¬
gen zeigen analoges Verhalten. Für jede Druckverlaufkurve wurden 72 Me߬
punkte aufgenommen, die auch hier zum genauen Aufzeichnen der Kurven

64 56 48 40 32 24 16 8 6"
Abb. 46. Druckverlauf für a = 6 Orad.

verwendet, wegen Platzmangel aber nur in viel geringerer Zahl wiederge¬


geben wurden. Die Messungen ergaben eine überraschend kleine Streuung
der einzelnen Werte, was sowohl auf eine saubere Ausführung der Me߬
anschlüsse, sowie der ganzen Anlage, als auch auf eine konstante Wind¬
geschwindigkeit und Absaugeleistung zurückzuführen ist.
-
59 -

Zu den Resultaten ist folgendes zu bemerken: Die ohne Absaugung ge¬


messenen Druckverlaufkurven stimmen im Bereich kleinen Druckanstieges
sehr gut mit den theoretischen überein, während A p gegen den Staupunkt S2
zu immer größer wird. Diese Abweichung ist, wie bereits in der Einleitung
erwähnt, besonders bei großen a, d.h. dicken Profilen bedeutend.

6h 56 48 M) 32 2k 16 8 0

Abb. 47. Druckverlauf für a = 10 Grad.

Die Grenzschicht ist nach den Versuchen also tatsächlich für den fehlen¬
den Druckanstieg verantwortlich; denn eine teilweise Entfernung ermög¬
lichte sofort einen steilerenDruckanstieg längs der Grundplatte und ver¬
kleinerte damit die Differenz gegenüber dem theoretischen Verlauf. Dabei
kann A p aber nicht beliebig klein oder gar zu null gemacht werden, weil
sich zwischen Absaugeschlitz und Umlenkkante bereits wieder eine neue
Grenzschicht bilden kann, die, wenn auch von geringer Ausdehnung, den
vollen Druckanstieg doch bereits etwas beeinträchtigt.

60 -

Durch Verändern der Absaugung Kurven im Gebiet kurz


konnten die
vor dem Staupunkt zwischen dem unabgesaugten Druckverlauf und der stärk¬
sten Absaugung (höchste ausgezogene Kurve) beliebig variiert werden. Dabei
ist hier die Senkenwirkung praktisch nahezu null, sodaß die Verbesserung

64 56 48 40 32
°'8
24 16 8 o

Abb. 48. Druckverlauf für a = 15 Grad.

von A p wirklich fast vollständig der Verkleinerung der Grenzschicht zuzu¬


schreiben ist. Daß sie sich beim dicken Profil ungleich viel stärker auswirkt,
ist deutlichzu sehen und bestätigt die bezüglich Widerstandsverringerung

in Kap. c) ausgesprochenen Vermutungen.


I 1

In Abbildung 45 bis 50 sind außer den Druckkurven die zugehörigen


Totaldruckprofile der Grenzschicht angegeben. Hier ist wieder ersichtlich,
daß mit der verwendeten Absaugeanordnung eine fast beliebige Verklei¬
nerung der Reibungsschicht erreicht werden konnte.

61 —

Außerdem sind die entsprechenden Werte für c'p und cQ graphisch auf¬
getragen. Bei der stärksten Absaugung wurde ca nicht gemessen, dahier
versucht wurde, den maximal möglichen Anstieg zu erreichen, indem alle
Widerstände in der Saugleitung, d. h. auch die Meßdüse, entfernt wurden.

'

64 56 48 40 32 24 16 8 0

Abb. 49. Druckverlauf für a = 20 Grad.

Diese Kurve, die eine durchwegs sehr geringe Verbesserung gegenüber der
nachfolgenden aufweist, wurde ohne Rücksicht auf die aufzuwendende Lei¬
stung aufgenommen.
Die Cg-Werte zeigen, wie auch in Kap. II, einen relativ einfachen Ver¬
lauf. Sie nehmen mit zunehmender Absaugung zu. Dagegen ist c'p nicht so
einfacher Natur. Wie bereits bei den Schlitzuntersuchungen erwähnt, kann
in einem bestimmten Gebiet eine kleine Vergrößerung von cQ einen ganz
erheblichen Anstieg von c'„ zur Folge haben. Im Gebiet kleiner Absaugung
zeigt sich der Einfluß des Diffusors deutlich, indem der Rückgewinn an

62 —

Energie in Form
von statischem Druck ein Maximum hat. Beim weiteren Ver¬

kleinern von
cQ wird c'„ ungünstiger, weil die durch den Diffusor gehende
Menge zu klein ist. Die Messungen für a 6 Grad sind so gewählt worden,
=

daß sie diese Erscheinung gut zeigen.

6t 56 48 kO 32 21t- 16 8 0

Abb. 50. Druckverlauf für a = 30 Qrad.

Weiter geben die vorerwähnten Abbildungen Aufschluß über den Druck¬


verlauf in der Nähe der Senke bei verschiedener Absaugung. Wie vermutet,
liegt der Staupunkt sehr nahe bei der Schlitzhinterkante. Zudem ist ersicht¬
lich, daß die Senke den Druckanstieg nicht nur vor dem Schlitz, sondern
auch nachher zum großen Teil in Druckabfall umwandelt, was dem An¬
wachsen der Grenzschicht hinderlich ist.
Es wird die Aufgabe von Modellversuchen an dicken Profilen mit end¬
lichem Hinterkantenwinkel und eingebauter Absaugevorrichtung sein, experi¬
mentell die bei diesen Versuchen erhaltenen Resultate nachzuprüfen.

63 —

h) Ergänzende Bemerkungen zur Sdilitzform

O.Schrenk hat in seinen Arbeiten über Grenzschichtabsaugung (11) dar¬


auf hingewiesen, daß eine Abrundung der Eintrittskante den gleichen Ein¬
fluß habe, wie eine Verbreiterung des Schlitzes. Um die Frage auch quanti¬
tativ beantworten zu können, wurden mit der im laufenden Kapitel verwen¬
deten Versuchsanordnung Messungen durchgeführt, deren Resultate z. T. in
Abbildung 51 wiedergegeben sind.

^saugung

Einfluss der Abrundunc)

0 J-g mn

20 40 60

Abb. 51. Einfluß der Schlitzform (Abrundung).

Es bestätigten sich dabei die Angaben von O. Schrenk. Um eine mög¬


lichst einfache Vergleichsbasis zu haben, wurde bei gleichem Ablenkwinkel,
d. h. gleichem statischen Druck am Schlitzeintritt, der statische Druck am
Diffusoraustritt bei den beiden Schlitzformen I und II gleich gewählt und
in beiden Fällen das Totaldruckprofil an der gewohnten Stelle (33 mm nach
der Schlitzhinterkante) gemessen. Dabei ist es überraschend, wie viel gün¬
stiger die Schlitzform I arbeitet.
Da, wie übrigens schon in Kap. II gefunden, die Mengenziffer von der
Schlitzform kaum abhängig ist, sondern fast ausschließlich von Kv beein¬
flußt wird, wurde hier auf die Wiedergabe von cQ verzichtet.
Allgemein ist eine sorgfältige Abrundung der Eintrittskante im Interesse
minimal aufzuwendender Leistung zu empfehlen.
IV. Anhang
a) Untersuchungen an einem dicken Tragflügel
Wie in der Einleitung erwähnt, sollen im IV. Kapitel einige Mitteilun¬
gen gemacht werden über neuere Untersuchungen an einem dicken Jou-
kowsky-Profil mit Schlitzflügel und Fowlerklappe. Der erste Teil dieser Mes¬
sungen wurde von Dipl. Ing. M. Faaconnet gemacht.
Das Anbringen des Schlitzflügels hatte den doppelten Zweck, die Re¬
sultierende des Auftriebes weiter nach vorne zu verlegen und so den Einfluß
der Fowlerklappe nach Möglichkeit zu korrigieren, gleichzeitig aber auch die
Frage nach dem bei solchen Anordnungen maximal zu erwartenden Auf¬
triebsbeiwert zu beantworten.

theoretisch

Abb. 52. Profilformen von Haupt- und Hilfsflügeln.

Für den Hauptflügel wurde ein Joukowsky Profil (mit kleinen Ab¬
-

weichungen) von 250 mm Tiefe und 1500 mm Spannweite gewählt (ohne


Endscheiben), (f/e 0,1; d e
=
0,3 nach Göttinger-Numerierung
=
641.) =

Schlitzflügel und Fowlerklappe sind aus dem Hauptprofil nach Abb. 52 aus¬
geschnitten worden. Da beabsichtigt war, hohe Auftriebsbeiwerte schon bei
relativ kleinen Anstellwinkeln des Hauptflügels zu erreichen, wurde die
Spitze, die normalerweise die Schlitzflügel vorne aufweisen, abgerundet und
dafür die allerdings unschöne Erhöhung am Hauptflügel in Kauf genommen.
Damit wurde bei geschlossener Stellung das Hauptprofil unverletzt beibe¬
halten, bei offenem Flügel an dessen Unterseite aber eine gesunde Strömung
auch bei schwach negativen Anstellwinkeln des Hilfsflügels ermöglicht.

b) Versuchsanordnung, Resultate und Folgerungen


Abb. 53 gibt die Profilformen an. Die Fowlerklappe war eingezogen,
a

während die Flügelnase noch unverletzt, d. h. der Platz für den Schlitzflügel
vorläufig noch nicht ausgeschnitten war. Aus Abb. 57 ist ersichtlich, daß
diese Messungen des Hauptprofiles, die besonders im unteren Teil sehr gut
mit den Göttinger-Resultaten übereinstimmen, ein ca von 1,38 ergaben.

65 —

Die Unterschiede im ca sind auf das andere Seitenverhältnis und mög¬


licherweise auf den verschiedenen Turbulenzgrad der beiden Kanäle zurück¬
zuführen. Weiter ist noch zu erwähnen, daß das untersuchte Profil gegen

Profilform (Hauptflügel allein). Abb. 53 b. Stellung der Fowlerklappe.

f camax=3.59^ f ^max" Abb. 53d.


3,558
Abb. 53c.

die Flügelhinterkante zu ungefähr 1 mm dicker gemacht wurde, als die kon¬


forme Abbildung ergab, da aus Festigkeitsgründen die Schwächung, die durch
das Herausschneiden der Fowlerklappe entstund, etwas kompensiert wurde.

Abb. 54 a. Dicker Flügel mit Fowlerklappe im Kanal.

Anschließend wurden eine größere Zahl von Stellungen der Fowler¬


klappe durchgemessen. Drei davon sind in Abb. 53 b bis d angegeben, wäh-

66 —

rend die zugehörigen Polaren wieder in Abb. 57 zu finden sind. Davon ist
eine Stellung besonders schlecht (großer Widerstand, kleiner Auftrieb)^
während die beiden andern in der Gegend des Maximums liegen. Abb. 54 a
zeigt die Befestigung der beiden Klappenhälften, die auf dem Prinzip des
Nonius beruhend, eine sehr genaue und feinstufige Verstellung ermöglichte.
Die nachfolgende Prinzipskizze (Abb. 54 b) erklärt die Arbeitsweise. Die
mit großer Präzision hergestellten Lochscheiben wurden durch einen genau
passenden zylindrischen Stift in der gewünschten Lage gehalten.

'

9 Locher—' 10 Locher

Befestigung der Fowlerklappe

Abb. 54 b.

Die Auftriebs Vergrößerung durch die Fowlerklappe ist überraschend,


wobei allerdings entsprechend zunimmt. Weiter ist ersicht¬
der Widerstand
lich, daß der max. Auftrieb bereits bei einem Anstellwinkel von 4,45° er¬
reicht wird. Die Zahlen längs den Polaren geben die zugehörigen Winkel an.

Befestigung des Schlitzflugeis

Enden

5iF

Abb. 55. Befestigung des Schlitzflügels.

Der Hauptnachteil ist in Abb. 58 (ca =


f(cm)) ersichtlich. Die Resul¬
tierende des Auftriebes wird ganz erheblich vom Momentenbezugspunkt weg
verlegt. Es ist anzunehmen, daß der Schlitzflügel, nebst einer Verbesserung
der Strömung auf der Flügeloberseite, selber eine Komponente in Auftriebs¬
richtung gibt, damit den Auftrieb der Flügelkombination weiter nach vorne

67 —

Abb. 56. Photographie des dicken Flügels mit Fowlerklappe und Schlitzflügel.

verlegt und so den Nachteil der Fowlerklappe, wenn auch nicht ganz, so doch
teilweise aufhebt. Es wurde deshalb, wie bereits erwähnt, nach Abb. 55
ein Schlitzflügel montiert, der innerhalb eines großen Bereiches beliebig

f camax'^°
Abb. 56 a. Stellungen von Schlitzflügel und Fowlerklappe.

Abb. 56 b. Abb. 56 c.

verstellbar war. Gleichzeitig wurde, wie bei Fowlerklappe, das gleiche


der
Profil am Hauptflügel ausgeschnitten, um, dies bei Schnellflug not¬
wie

wendig ist, beide einziehen und den Widerstand auf den des normalen Jou-
68

kowsky-Profiles reduzieren zu können. Hier beschränkten sich die Messun¬


gen ausschließlich auf das Gebiet hoher Auftriebsbeiwerte. Die Fovvlerklappe
wurde in der Stellung belassen, in der sie bei den vorhergehenden Messun-
den die günstigsten Resultate zeigte.

Abb. 57. Polaren des dicken Flügels.

Allgemein muß Hilfsflügeln gesagt werden, daß ihr Einfluß


von beiden
relativ stark Lage
von der Hauptflügel abhängt. Am maximal erhaltenen
zum

Auftrieb von 4,192 war der Schlitzflügel mit ungefähr 15 »o beteiligt. Dieser
hohe Auftriebsbeiwert konnte mit 10 Grad Anstellwinkel erreicht werden,
ein Wert, der ganz erheblich unter demjenigen des Absaugflügels liegt.
Wie erwartet, verschiebt sich der resultierende Auftrieb nach vorne, was
besonders in Abb. 59 ersichtlich ist. Hier wurden für die 3 Fälle (Haupt¬
profil allein a), mit Fowlerklappe b), mitFowlerklappe und Schlitzflügel c))
bei 0 Grad Anstellwinkel die resultierenden Flügelkräfte relativ zum Flügel¬
profil eingetragen, c) liegt zwischen a) und b). Ebenso wird im Falle c)

69 —

Abb. 58. ca
=
f(cm).

mit Fowlerklappe

>'/ mit Schlitzflugel Profil allein


und Fowlerklappe!
Abb. 59. Einfluß der Hilfsflügel auf die Lage der resultierenden Flügelkraft.
-- 70 —

der Widerstand bei gleichem Auftrieb etwas besser, was an der schwächeren
Neigung der Totalkraft, sowie an der knapp höher ^gelegenen Polaren
(Abb. 57) zu erkennen ist.
Was für überraschende Bedingungen mit solchen Tragflügelkombina¬
tionen erreicht werden können, zeigt der Fieseler-Storch, der, obschon

Abb. 60. Der Fieseier-„Storch" beim Start.


NB. Die photographische Aufnahme des Fieseler-Storch wurde mir von der Redaktion der
Neuen Zürcher Zeitung zur Verfügung gestellt.

dort die Möglichkeiten noch nicht extremal ausgenützt worden sind c„n

liegt wahrscheinlich ungefähr bei 2,5, wobei der Anstellwinkel schätzungs¬


weise 30 (irad beträgt schon sehr kurze Start- und Landestrecken, sowie

eine ganz ungewohnt geringe Minimalgeschwindigkeit aufweist (Abb. bO).


Nebst den neuen touristischen und militärischen Verwendungszwecken, die
sich damit ergeben, stellen die Arbeiten und Konstruktionen auf diesem
Gebiet einen großen Schritt zur Verwirklichung des gefahrlosen Flug¬
zeuges dar.
Lebenslauf

Als Sohn des Gottfried Gerber und der Sophie Fankhauser am 25. 5.1912
in Ilfis bei
Langnau, Kt.
Bern, geboren, besuchte ich in Ilfis
Jahre die 4
Primär- und in Langnau 5 Jahre die Sekundärschule. Den Unterricht der
Mittelschulstufe genoß ich an der Realschule des Städtischen Gymnasiums
in Bern, wo mir 1931 das Reifezeugnis erteilt wurde. Anschließend er¬

folgte die Immatrikulation an der Abteilung für Maschineningenieurwesen


und Elektrotechnik an der Eidgen. Techn. Hochschule in Zürich, wo ich nach

achtsemestrigem Studium im Herbst 1936 das Diplom als Elektroingenieur


erhielt. Einen einjährigen Urlaub im Studiengang verwendete ich zur Hälfte
zu praktischer Ausbildung in den Werkstätten der Schweizerischen Bundes¬

bahnen in Altstetten/Zürich, zur andern Hälfte für Militärdienst.

Vorliegende Arbeit wurde anschließend an das Diplomsemester be¬

gonnen, einige kurze Militärdienstperioden ausgenommen, ohne Unterbruch


weitergeführt und im Februar 1938 beendigt.