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KLUBZEITUNG DER SÜD-TIROLER FREIHEIT | 1-2019 | ERSCHEINT VIERTELJÄHRLICH Stefan Zelger, Sekretär der Landtagsfraktion
KLUBZEITUNG DER SÜD-TIROLER FREIHEIT | 1-2019 | ERSCHEINT VIERTELJÄHRLICH Stefan Zelger, Sekretär der Landtagsfraktion
KLUBZEITUNG DER SÜD-TIROLER FREIHEIT | 1-2019 | ERSCHEINT VIERTELJÄHRLICH Stefan Zelger, Sekretär der Landtagsfraktion
KLUBZEITUNG DER SÜD-TIROLER FREIHEIT | 1-2019 | ERSCHEINT VIERTELJÄHRLICH Stefan Zelger, Sekretär der Landtagsfraktion

KLUBZEITUNG DER SÜD-TIROLER FREIHEIT | 1-2019 | ERSCHEINT VIERTELJÄHRLICH

SÜD-TIROLER FREIHEIT | 1-2019 | ERSCHEINT VIERTELJÄHRLICH Stefan Zelger, Sekretär der Landtagsfraktion ZWEITE

Stefan Zelger, Sekretär der Landtagsfraktion

ZWEITE WÄHRUNG

Spiel mit dem Feuer

Italien spielt mit dem Feuer. Die Abgeordnetenkammer hat sich unverbindlich für die Ein- führung von Mini-Bots ausge- sprochen. Mini-Bots sind Schuldscheine mit kurzer Laufzeit und kleiner Stückelung. Der Staat will damit Lieferanten bezahlen und der Fiskus will diese Papiere zur Be- gleichung von Steuerschulden annehmen. Damit ist der Anfang einer Parallelwährung gemacht. Am Ende könnte der Austritt aus dem Euroraum stehen. Experten wie EZB-Präsident Draghi warnen: „Entweder sind die Bots Geld, dann sind sie il- legal, oder sie sind Schulden, dann geht der Schuldenstand nach oben“. Wirtschaftswissen- schaftler und Ex-Finanzminister Padoan wird noch deutlicher:

„Das wäre der erste Schritt, um aus dem Euro auszutreten!“ Die Folgen, natürlich auch für Süd-Ti- rol, wären verheerend. Es ist Zeit, die Unabhängigkeit von Italien in die Wege zu leiten. Die Zeit der Beschwichtigungen ist vorbei! Denn: Auch auf der Ti- tanic war die Stimmung bis kurz vor dem Untergang prächtig!

AUSLÄNDISCHE KENNZEICHEN Keine Fahrt ohne Italia! Seit Jänner ist es verboten, Fahrzeuge mit ausländischem
AUSLÄNDISCHE KENNZEICHEN
Keine Fahrt
ohne Italia!
Seit Jänner ist es verboten, Fahrzeuge mit ausländischem Kennzeichen
zu fahren, wenn man einen Wohnsitz in Italien hat. Grenzregionen wie
Süd-Tirol stehen vor großen Problemen.

Grenzpendler, Studenten, Doppelstaatsbürger und viele mehr; für sie heißt es nun oft: Auto stehen lassen!

Eine Frau durfte ihren krebskran- ken Vater nicht mehr fahren, wurde zu einer hohen Geldstrafe verdon- nert und obendrauf wurde ihr Auto beschlagnahmt. Ihr „Verbrechen“:

Sie hatte einen Wohnsitz in Italien und gleichzeitig ein Fahrzeug im Ausland angemeldet. Dies ist ein be- sonders schwerwiegender Fall, aber nur einer von vielen. Schuld ist das Salvini-Dekret zum Verbot ausländi- scher Kfz-Zulassungen in Italien. Die Hintergründe.

Salvinis „Sicherheitsdekret“

Der Aufschrei war national wie in- ternational nicht zu überhören: Am

7. November 2018 verabschiedete der italienische Senat eine Eilverordnung und verschärfte damit den Kurs gegen Einwanderer und Asylantragsteller. Wenig später wurde das umstrittene Sicherheitsdekret in Gesetzesform gegossen. Im Windschatten von Sal- vinis Furor gegen die Einwanderung und weitestgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit – aber auch von den Parlamentariern der SVP – wurde zudem die Straßenverkehrsordnung verschärft. Personen, die ihren Wohnsitz seit mehr als 60 Tagen in Italien haben, ist nun untersagt, mit einem Pkw mit ausländischer Kenntafel

nun untersagt, mit einem Pkw mit ausländischer Kenntafel | Übergeschnappt: Die Ungleichbehandlung deutscher und

| Übergeschnappt:

Die Ungleichbehandlung deutscher und italienischer Ärzte - S. 3

| Überteuert:

Was ASGB-Vorsitzender Tschenett über Mieten und Co. sagt - S. 6-7

| Überfordert:

Warum sich am Post-Chaos sobald nichts ändern wird - S. 9

MEHRWERTSTEUER Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 25,2 Prozent steht bevor. Die Zwinge um die Brieftasche
MEHRWERTSTEUER
Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 25,2 Prozent steht bevor.
Die Zwinge um die Brieftasche könnte aber noch enger werden!
Das Leben
wird teurer!
Bis 2021 könnte die Mehrwertsteuer sogar bis auf 26,5 Prozent steigen.
Verhindern lässt sich der Anstieg nur, wenn der Staat in kürzester Zeit 23
Milliarden Euro einnimmt oder einspart. Beides scheint derzeit wenig
realistisch. Den Süd-Tirolern drohen tiefe Einschnitte!
SEITE  & 

WWW.SUEDTIROLER-FREIHEIT.COM/LANDTAG

TIROLER STIMMEN 01/2019 | SÜD-TIROLER FREIHEIT

TIROLER STIMMEN 01/2019 | SÜD-TIROLER FREIHEIT unterwegs zu sein. Ausnahmen sind nur für Leasing-Fahrzeuge vor- gesehen

unterwegs zu sein. Ausnahmen sind nur für Leasing-Fahrzeuge vor- gesehen und auch nur, wenn der Leasingbetrieb keinen Sitz in Italien hat. Seit Anfang Juni sind außerdem Saisonarbeiter ausgenommen, die in ihrem Heimatland meldeamtlich ansässig sind. Wie immer sind die Strafen in Ita- lien drakonisch: fast 700 bis 3.000 Euro Bußgeld und die Einziehung des Fahrzeugs stehen bei Verstößen an. Wird das Gefährt nicht in 180 Tagen in Italien zugelassen oder ins Ausland gebracht, behält es der Staat! Mit diesen scharfen Maßnahmen soll die Steuerhinterziehung einge- dämmt werden. Auch andere Staaten wie Deutschland, Österreich oder die Schweiz verfahren schon seit länge- rem ähnlich. Für eine Grenzregion wie Süd-Tirol ergeben sich dadurch aber erhebliche Probleme.

Probleme für die Süd-Tiroler

Besonders problematisch ist die neue Situation für jene Süd-Tiroler, die einen Wohnsitz sowohl in einem zweiten Land als auch in Süd-Tirol haben. Viele Grenzpendler in die Schweiz und nach Österreich, aber auch Studenten sind davon betroffen. Sie alle müssten, um der italienischen Gesetzgebung gerecht zu werden, auf einen Wohnsitz „verzichten“ oder sich ein zweites Auto anschaffen (und dieses an der Grenze parken). Im vermeintlich grenzenlosen Europa beides keine erstrebenswerten oder praktikablen Lösungen. Und selbst das Fahren des Autos des Partners oder eines Freundes aus

dem Ausland, auch wenn der Fahr- zeuginhaber daneben sitzt, ist nicht mehr erlaubt! Absurd? Es geht noch absurder! So ist es z.B. Touristikern nicht mal mehr erlaubt, die Fahrzeuge ihrer auslän- dischen Gäste auch nur zu parken! Ein junger Meraner, der als Grenz- pendler unter der Woche in München lebt, hat sich bei der italienischen Straßenpolizei erkundigt, was er tun kann, um gesetzlich in beiden Staa- ten mit seinem Auto in Ordnung zu sein. Der „Lösungsvorschlag“: „Las- sen Sie sich von Ihrer Frau am Bren- ner abholen“.

Beschwerde eingereicht

Ob die neuen italienischen Be- stimmungen überhaupt inner- halb der EU zulässig sind, lässt die Süd-Tiroler Freiheit jetzt überprü- fen. Anhand eines Schreibens an die EU-Kommission wollen die Ab- geordneten Myriam Atz Tammerle und Sven Knoll herausfinden, ob die neuen Regeln mit den EU-Recht zur Freizügigkeit vereinbar sind. Dieses Grundrecht sieht nämlich vor, dass sich alle EU-Bürger innerhalb der EU frei bewegen, niederlassen und eine Arbeit annehmen dürfen. Das Schreiben nach Brüssel haben die Abgeordneten mit zahlreichen konkreten Beschwerdefällen unter- mauert. Weit über 100 Betroffene ha- ben sich bei der Süd-Tiroler Freiheit gemeldet und ihre Fälle geschildert. Atz Tammerle und Knoll sehen auch Probleme auf die Wirtschaft zukommen: „Zahlreiche Wirtschafts- bereiche wie der Tourismus oder das

Wirtschafts- bereiche wie der Tourismus oder das Die Abgeordneten Myriam Atz Tammerle und Sven Knoll

Die Abgeordneten Myriam Atz Tammerle und Sven Knoll intervenierten im Landtag und bei der EU-Kommission.

suedtiroler-freiheit.com/kennzeichen-videosKnoll intervenierten im Landtag und bei der EU-Kommission. Filmberichte und Videos zum Thema unter:

Filmberichte und Videos zum Thema unter:

suedtiroler-freiheit.com/kennzeichen-faelleFilmberichte und Videos zum Thema unter: Drastische Fälle und weitere Hintergründe unter: Handwerk

Drastische Fälle und weitere Hintergründe unter:

Handwerk haben unter Fachkräfte- mangel zu leiden. Sie sind auf aus- ländische Mitarbeiter angewiesen. Derartige Bestimmungen schrecken Arbeitskräfte ab, sich in Süd-Tirol einen Arbeitsplatz zu suchen”.

Lichtblicke

Das Friedensgericht von Meran hat nach einem Rekurs die Vollstreckbar- keit des Gesetzes ausgesetzt. Wie von der Süd-Tiroler Freiheit aufgezeigt, hat das Friedensgericht festgestellt,

dass das Gesetz gegen EU-Recht ver- stößt. Gestraft wird aber trotzdem noch. Knoll warnt deshalb: „Strafen sollten nicht sofort bezahlt werden, denn sonst gibt es keine Möglichkeit mehr Rekurs einzulegen!“ Es brauche endlich eine Lösung:

„Wir fordern die Polizeieinheiten auf, keine weiteren Strafen mehr zu verhängen. Das Gesetz muss mit Hausverstand umgeschrieben wer- den“, betonen die Abgeordneten der Süd-Tiroler Freiheit. | SZ

LANDTAGSFRAKTION ZIEHT BILANZ

Speed-Check: Mehr Boxen, mehr Strafen, mehr Geld!

Sie gehören mittlerweile zum Straßenbild in Süd-Tirol: die orangen „Speed-Check-Boxen“. Die Süd-Tiroler Freiheit hat nun die neuesten Zahlen vorgestellt. Das Ergebnis lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: mehr! Mehr Boxen, mehr Strafen, mehr Einnahmen!

mehr! Mehr Boxen, mehr Strafen, mehr Einnahmen! Im letzten Jahr setzten fast die Hälfte der Gemeinden

Im letzten Jahr setzten fast die Hälfte der Gemeinden die Kon- trollboxen ein. Die 158 Speed- Check-Boxen erfassten fast 9.000 Verkehrssünder. Über 425.000 Euro an Bußgeldern waren dafür fällig.

Im Vergleich zum Jahr 2017 sind im letzten Jahr weitere 26 Boxen dazugekommen. Auch die Einnah- men durch Strafen erhöhten sich um 85.000 Euro (11 Gemeinden lieferten keine Daten). Die Landtagsfraktion der Süd-Ti- roler Freiheit führte Gespräche mit

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Bürgermeistern und Gemeinde- polizisten. Sie sind sich einig: Die Sicherheit konnte durch die Boxen erhöht werden. Andere Gemeinden wiederum setzen zur Erhöhung der Sicherheit lieber auf bauliche Maß- nahmen, z.B. auf Straßenverengun- gen oder „liegende Polizisten“. Die Süd-Tiroler Freiheit nimmt eine neutrale, aber kritische Haltung gegenüber den Speed-Check-Boxen ein. Die Radargeräte sollten nur zur

Sicherheit im Straßenverkehr ein- gesetzt werden. Die Landtagsfraktion hat deshalb auch aufgezeigt, wie man es nicht machen sollte. Exemplarisch wurde die Gemeinde St. Christina in Gröden genannt. Sie hat eine Box regelrecht getarnt, was eindeutig nur der Geldbeschaffung dient. Da die Boxen aber gut sichtbar sein müssen, hat die Landtagsfraktion diesbezüg- lich eine Anfrage an die Landesregie- rung gerichtet. | SZ

lich eine Anfrage an die Landesregie- rung gerichtet. | SZ Videos, Bilder und Infos zum Thema:

Videos, Bilder und Infos zum Thema:

suedtiroler-freiheit.com/ speed-check-2018

TIROLER STIMMEN 01/2019 | SÜD-TIROLER FREIHEIT

TIROLER STIMMEN 01/2019 | SÜD-TIROLER FREIHEIT KONTROLLJAGD IM KRANKENHAUS Qui si parla ITALIANO! In Süd-Tirol müssen

KONTROLLJAGD IM KRANKENHAUS

Qui si parla

ITALIANO!

In Süd-Tirol müssen Ärzte beide Landessprachen beherrschen. Theoretisch. Praktisch werden italienischsprachige Ärzte gezielt angeworben. Gegen deutschsprachige Ärzte hingegen hat das Gesundheitsministerium zur Kontrolljagd geblasen. Die Hintergründe.

zur Kontrolljagd geblasen. Die Hintergründe. MISSSTAND AUFGEZEIGT Arnos teure Filmchen Das Land

MISSSTAND AUFGEZEIGT

Arnos teure Filmchen

Das Land veröffentlicht regel- mäßig Filme auf YouTube und Facebook. Nur sehen will sie kaum jemand. Bezahlt werden müssen sie natürlich trotzdem. Und das so viel wie nie!

Auf Anfrage der Süd-Tiroler Frei- heit ließ Landeshauptmann Kompat- scher wissen, dass 2018 über 113.000 Euro für die Social-Media-Filme aus- gegeben wurden. Zwei Jahre vorher waren es noch 60.000 Euro! Für die Süd-Tiroler Freiheit ist dies eine stolze Summe, vor allem, wenn man sie in Relation zu den Zugriffszahlen setzt. „Der deutsche YouTube-Kanal des Landes zählt nur 500 Abonnenten. Die Videos auf dem Kanal wurden in den letzten zwölf Monaten nur knapp 114.000-mal abgerufen“, zeigt Fraktionssekretär Stefan Zelger auf. „Und über 80 Pro- zent der Aufrufe gehen auf nur zwei Videos über Verhalten bei Herzin- farkt zurück. Die 33 neuen Videos in diesem Jahr (bis Ende April) wurden im Schnitt nur 132-mal angesehen!“ Die Landtagsfraktion fordert daher mehr Augenmaß bei solchen Pro- duktionen und die Erstellung, wenn überhaupt, durch das interne Lan- despresseamt. | SZ

Die gesetzliche Gleichstellung der Sprachen droht, vor allem im Gesundheitswesen, zu totem Papier zu werden!

Auf Anweisung der italienischen Gesundheitsministerin Giulia Gril- lo (5-Sterne-Bewegung) findet in Süd-Tirol derzeit eine regelrechte Kontrolljagd auf deutschsprachige Ärzte statt. Die Carabinieri-Son- dereinheit NAS ermittelt, ob in die Süd-Tiroler Ärztekammer Ärzte ein- geschrieben sind, die kein Italienisch sprechen. Die Ministerin rechtfertigt die Ak- tion damit, „dass für die Gesundheit der Bürger eine große Gefahr entste- hen könnte, wenn sie sich mit dem Arzt nicht in italienischer Sprache unterhalten können“. Für den Land- tagsabgeordneten Sven Knoll ist diese Vorgangsweise an Ignoranz kaum zu überbieten: „Dieselbe Gesundheits- ministerin stört sich nicht daran, wenn in Süd-Tirol rein italienisch- sprachige Ärzte angestellt werden, die die deutsche Sprache der Mehr- heitsbevölkerung nicht sprechen“.

Den deutschsprachigen Süd-Tiro- lern könne man zumuten, auf die eigene Muttersprache zu verzichten, den Italienern aber nicht. „Ist die Gesundheit der deutsch-

sprachigen

Süd-Tiroler

folglich we-

niger wert?“,

fragt Knoll.

beherrscht, darf gar nicht eingestellt werden. Wer die deutsche Sprache nicht beherrscht, darf hingegen ein- gestellt werden.

„Die italienische Regierung macht da- mit deutlich, dass die Süd-Tiroler Bür- ger zweiter Klasse sind…“

Zweierlei Maß

Aufgrund des Ärztemangels wirbt der Sanitätsbetrieb gezielt Ärzte in Italien an. Innerhalb von drei Jah- ren sollen sie die deutsche Sprache lernen. Und umgekehrt? Können Ärzte, die nicht Italienisch spre- chen, auch in drei Jahren die nöti- gen Sprachkenntnisse erwerben? Die Gesundheitsministerin zeigt: nein! Wer die italienische Sprache nicht

„Die italienische Regierung macht damit deutlich, dass die Süd-Tiroler Bürger zweiter Klasse sind, deren deutsche Muttersprache unbedeu- tend ist“, kritisiert Knoll. Zwar höre man in Süd-Tirol immer wieder „besser ein einsprachiger Arzt, als gar kein Arzt“; doch das gilt nur für einsprachig italienische Ärzte. Das Gesundheitsministerium zeigt nun aber ganz klar: „Besser kein Arzt, als ein einsprachig deutscher Arzt!“ | SZ

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LANDESHAUPTMANN

Volk soll entscheiden

„Nicht der Landtag, sondern der Wähler soll den Landes- hauptmann bestimmen!“

Dafür plädieren die Abgeordneten Sven Knoll und Myriam Atz-Tammer- le. Bisher wird der Landeshauptmann vom Landtag und somit auf Grund- lage von parteipolitischen Interessen gewählt. Dies schließt die Wähler von einer der wichtigsten Entscheidun- gen des Landes aus. Mit dem soge- nannten 3. Autonomiestatut von 2001 wurde die Möglichkeit der Direktwahl bereits vorgesehen und in Welsch-Ti- rol auch schon umgesetzt. | SZ

TIROLER STIMMEN 01/2019 | SÜD-TIROLER FREIHEIT

Sven Knoll zur Mehrwertsteuer:  

Sven Knoll zur Mehrwertsteuer:

Sven Knoll zur Mehrwertsteuer:  
 

„Die Erhöhung bedeutet weniger Kaufkraft für unsere Menschen, einen Wettbewerbs- nachteil für unsere Unternehmen und einen Standortnachteil für unseren Tourismus!“

Wird die von der Lega geforderte „Flat Tax“ eingeführt, kommt der Staat wohl nicht um eine Mehr- wertsteuererhöhung herum.

MEHRWERTSTEUER Italiens Griff in unsere Brieftaschen! In einem halben Jahr könnte es soweit sein: die
MEHRWERTSTEUER
Italiens Griff
in unsere
Brieftaschen!
In einem halben Jahr könnte es soweit sein: die größte Mehrwertsteuererhöhung
in der Geschichte Italiens. Dann wird die Mehrwertsteuer voraussichtlich von 22
Prozent auf 25,2 Prozent angehoben! Verhindern lässt sich dieses Schreckens-
szenario nur, wenn der Staat bis dahin 23 Milliarden Euro aufbringt.
Sehr unwahrscheinlich, angesichts einer lahmenden Wirtschaft
und einer populistischen und zerstrittenen Regierung. Die
Bürger müssen sich auf große Belastungen einstellen!

Das sogenannte „Documento di Economia e Finanza” (DEF) enthält die Wirtschafts- und Finanzpolitik des Staates. Es wird von der italieni- schen Regierung ausgearbeitet und vom Parlament genehmigt. Laut dem aktuellen Dokument sind 23 Milliarden Euro nötig, um eine Er- höhung der Mehrwertsteuer auf 25,2 Prozent zu vermeiden. Betroffen ist auch der ermäßigte Satz von 10 Pro- zent, der auf 13 Prozent angehoben werden soll. Der ermäßigte Satz gilt beispielsweise für Arzneimittel, kul- turelle Veranstaltungen und zahlrei- che Lebensmittel. Kann das fehlende Geld nicht durch Einnahmen oder Einsparungen aufgetrieben werden, greifen die Erhöhungen bereits ab dem 1. Jänner 2020! Doch damit nicht genug. 28,5 Mil- liarden Euro braucht es, um 2021 eine weitere Erhöhung der Mehrwertsteu- er auf 26,5 Prozent zu verhindern! Mit 26,5 Prozent hätte Italien dann nach Ungarn (27 Prozent) den höchsten Steuersatz Europas!

Der kranke Mann Europas

Wie wahrscheinlich ist es, dass Ita- lien die nötigen Mittel aufbringen kann? Unwahrscheinlich! Die Pro- duktivität der italienischenWirtschaft liegt auf dem Niveau von 1995. Die Staatsverschuldung hat 132 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung erreicht. Damit ist Italien eines der höchst verschuldeten Ländern der Welt. In der EU steht nur Griechen- land noch schlechter da. 64 Milliar- den Euro beträgt allein die jährliche Zinslast. In drei Jahren werden es 74 Milliarden sein. Das ist fast so viel, wie alle Süd-Tiroler zusammen in dreieinhalb Jahren erwirtschaften! Erschwerend hinzu kommen ein kaum noch funktionierendes Jus- tizwesen, Korruption und eine aus- ufernde Bürokratie. Für die Wirt- schaft und die Menschen sind diese Umstände fatal. Die Regierung aus Lega und 5-Sterne-Bewegung antwortet auf die enormen Herausforderungen mit zusätzlichen Wahlgeschenken,

anstatt mit nötigen Maßnahmen. „Bürgereinkommen“, „flache Ein- kommenssteuer“ und Rücknahme von Rentenreformen verschärfen die Probleme anstatt sie zu lin- dern. Tiefgreifende Reformen wie in Griechenland oder Portugal sucht man in Italien vergeblich. Die Wahlgeschenke sind die Musik auf der untergehenden Titanic!

Große Mehrbelastungen

Angesichts dieser Entwicklun- gen schlägt die Süd-Tiroler Frei- heit Alarm und hat auch bereits den Landtag mit dem Thema Mehrwertsteuer befasst (siehe eigenen Bericht auf Seite 5). Wie ernst die Lage ist, zeigen die Zahlen:

Mit der Erhöhung der allgemeinen Mehrwertsteuer auf 25,2 Prozent und des ermäßigten Satzes auf 13 Prozent gehen erhebliche Mehrausgaben für die Bürger einher. Laut Berechnun- gen der renommierten Wirtschafts-

zeitung „Il Sole 24 Ore“ bleiben jeder Süd-Tiroler Familie im Schnitt 654 Euro weniger im Jahr! Jede Erwach- sene Einzelperson muss mit Mehr-

Es wird

teur(er):

Laut Berechnungen von „Il Sole 24 Ore“ bleiben je- der Süd-Tiroler Familie im Schnitt 654 Euro weniger im Jahr!

ausgaben von knapp 430 Euro rech- nen. Pessimistischere Prognosen von italienischen Verbraucherschützern gehen gar von bis zu über 1.000 Euro Mehrausgaben pro Familie aus! Wel- che Prognose auch zutreffen wird, eines steht fest: es wird teuer(er)! | SZ

TIROLER STIMMEN 01/2019 | SÜD-TIROLER FREIHEIT

1 ZAHL DES MONATS

Anfragen der Süd-Tiroler Freiheit

| Die Süd-Tiroler Freiheit wollte wissen, wie

viele Drogendelikte in den letzten drei Jahren aktenkundig wurden.

Laut Gesundheitslandesrat Thomas Widmann gab es zwischen 2016 und 2018 1.091 registrierte Drogendelikte. Etwa 30 Prozent der Taten waren auf Personen unter 25 Jahren zurückzuführen.

| Die Süd-Tiroler Freiheit wollte in Erfahrung

bringen, wie viele Personen 2018 in öffentlichen Verkehrsmitteln ohne gültigen Fahrschein er- tappt worden sind.

8.894 Strafen an Schwarzfahrern wurden im letz- ten Jahr ausgestellt, antwortete Landesrat Daniel Alfreider. Besonders auffallend dabei ist, dass bei „Trenitalia“ 87 Prozent der Strafen bislang nicht be- glichen wurden! Am meisten Strafen - 6.702 an der Zahl – wurden in den SASA-Stadtbussen ausgestellt.

| „Wann wird der Schießstand in St. Moritzing

endlich eingehaust?“, fragte die Süd-Tiroler Freiheit den Landeshauptmann.

Militär, Sicherheitskräfte, Wachdienste, Sport- schützen: Am oberirdischen Schießstand in St. Mo- ritzing wird viel geballert, zum Leidwesen der lärm- geplagten Anwohner. „Der Schießstand in Moritzing

wird so umgestaltet, abgesenkt und eingehaust, dass das Lärmproblem damit gelöst ist“, erklärte Landeshauptmann Kompatscher vor einem Jahr. Und die Ausschreibung für die Bauarbeiten könne umgehend in Auftrag gegeben werden, versprach der Landeshauptmann (im Wahljahr). Eine Land- tagsanfrage der Süd-Tiroler Freiheit zeigte nun, dass von einer ‚umgehenden Ausschreibung‘ keine Rede sein kann. Wenn überhaupt, wird in diesem Jahr nur eine Machbarkeitsstudie angegangen.

| Die Süd-Tiroler Freiheit fragte nach, wie viele Jugendliche im letzten Jahr mit einer Alkohol- vergiftung ins Krankenhaus mussten.

Im Jahr 2018 hat es demnach in Süd-Tirol 349 Fälle von Alkoholvergiftungen bei den Jugendlichen unter 25 Jahren gegeben – ein Plus von 21 Fällen im Vergleich zum Vorjahr. Im Vergleich zum Jahr 2015 konnte man eine Zunahme von 45,4 Prozent fest- stellen! Schockierend: Im Jahr 2018 mussten fünf Patienten aufgrund übermäßigen Alkoholkonsums wiederbelebt werden! | SZ

ERHÖHUNG DER MEHRWERTSTEUER

Landtag sagt Nein!

In drei Jahren könnte die Mehrwertsteuer von heute 22 Prozent auf 26,5 Prozent steigen (siehe Seite 4). Der Landtag ist dagegen und will bei der italienischen Regierung intervenieren.

10.793

So viele Ausländer

in Süd-Tirol erhielten

2018 die italienische

Staatsbürgerschaft.

Höhepunkt war das

Jahr 2016 mit 3.187 Einbürgerungen.

Die vorherigen bzw. zusätzlichen Staats- bürgerschaften der betreffenden Perso- nen wurden nicht erhoben. Die einge- bürgerten Ausländer sind nicht mehr Teil der Ausländerstatis-

tik. (SZ)

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ÖFFENTLICHE BEDIENSTETE

8

6

4 zwischen 2014 und

9

0

In einem Antrag forderten die Ab- geordneten Myriam Atz Tammerle und Sven Knoll von der Süd-Tiroler Freiheit den Landtag und die Lan- desregierung dazu auf, sich gegen die Mehrwertsteuererhöhung auszu- sprechen, bei der Regierung in Rom zu intervenieren und gegebenenfalls auf eine Sonderreglung für Süd-Tirol zu pochen.

Denn die größten Leidtragenden der geplanten Mehrwertsteuer- erhöhung wären die Familien in Süd-Tirol und in Welsch-Tirol. Sie müssten laut Berechnung mit zu- sätzlichen 654 Euro Mehrausgaben pro Jahr rechnen. „Angesichts des immensen Schuldenbergs des italie- nischen Staates würde die Erhöhung der Mehrwertsteuer zu keinem signi- fikanten Abbau der Staatsschulden beitragen, dafür aber die Kaufkraft der Menschen enorm belasten und den Unternehmen, und somit der gesamten Wirtschaft, nachhaltig

schaden“, ist Knoll überzeugt. Gerade für ein Grenzgebiet wie Süd-Tirol wären die Auswirkungen aber noch folgenschwerer, warnt Knoll: „Es würde zu einem Wett- bewerbsnachteil kommen. Neben dem Kaufkraftverlust der Bevölke- rung würde eine Abwanderung der Wertschöpfung in Regionen mit ge- ringerer Mehrwertsteuer erfolgen“. Es gäbe in Europa viele Beispiele für regionale Unterschiede in der Festsetzung der Mehrwertsteuer innerhalb eines Staatsgebietes, ar- gumentiert Knoll. Er nennt auch einige Beispiele: die Färöer-Inseln, die Åland-Inseln, Helgoland oder die kanarischen Inseln. Und auch Italien kenne Ausnahmen wie Campione, Livigno oder der italienische Teil des Luganer Sees. Eine Ausnahme- regelung für Süd-Tirol wäre deshalb

rechtlich ohne weiteres möglich, wenn auch aus politischen und ge- samtstaatlich-wirtschaftlichen Grün- den nicht sehr wahrscheinlich. Die Mehrheit des Landtages jeden- falls schloss sich den Argumenten an und genehmigte den Antrag der Süd-Tiroler Freiheit mit 27 Jastim- men, zwei Gegenstimmen und vier Enthaltungen. | SZ

Jastim- men, zwei Gegenstimmen und vier Enthaltungen. | SZ Der Landtag sagt Nein zur Anhe- bung

Der Landtag sagt Nein zur Anhe- bung der Mehrwertsteuer.

SZ Der Landtag sagt Nein zur Anhe- bung der Mehrwertsteuer. Reaktionen und Stellungnahmen im Video unter:

Reaktionen und Stellungnahmen im Video unter:

suedtiroler-freiheit.com/mehrwertsteuer

Gehalt statt Gutscheine!

„Öffentlich Bedienstete müs- sen einen gerechteren Lohn erhalten“, das fordern die Landtagsabgeordneten Myriam Atz Tammerle und Sven Knoll.

Die Süd-Tiroler Freiheit zeigt sich solidarisch mit den öffentlich Bediensteten und ist verärgert da- rüber, wie die Landesregierung die Arbeitnehmer in den Verhandlungen abspeisen will. Anstatt dem großen Kaufkraftver- lust der letzten Jahre entgegenzu- steuern und auf die Forderungen der Betroffenen einzugehen, versucht die Landesregierung die öffentlich Be- diensteten u.a. mit Essensgutschei- nen und anderen nicht rentenwirksa- men Maßnahmen ruhigzustellen. | SZ

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TIROLER STIMMEN 01/2019 | SÜD-TIROLER FREIHEIT

INTERVIEW MIT Tony Tschenett „Ohne Lohnerhöhungen wird sich der Fachkräfte- mangel verstärken!“ Der Autonome

INTERVIEW MIT Tony Tschenett

„Ohne Lohnerhöhungen wird sich der Fachkräfte- mangel verstärken!“

Der Autonome Südtiroler Ge- werkschaftsbund (ASGB) ist die Organisation der deutschen und ladinischen Arbeiterschaft in Südtirol. 1964 gegründet, um den Arbeitern der deutschen und ladinischen Volksgruppe eine eigene Gewerkschaftsver- tretung zu ermöglichen, zählt der Bund heute an die 30.000 Mitglieder. Der ASGB ist damit die größte und wichtigste Ge- werkschaft in Süd-Tirol.

Der ASGB ist heute längst nicht mehr „nur“ eine gewerkschaftliche Vertretung in zahlreichen Branchen, sondern ein moderner Dienstleister. Er bietet u.a. Beratungen in zahl- reichen Bereichen wie Renten oder Wohnen an, ist Patronat für die so- ziale Vor- und Fürsorge, betreibt ein Rechtsschutzbüro und eine Steuer- abteilung. Seit zehn Jahren ist Tony Tsche- nett der Vorsitzende des ASGB. Unter anderem fällt unter seine Ägide die Gründung der ASGB-Jugend. Die Tiroler Stimmen sprachen mit Tschenett über die Proteste und die Forderungen der öffentlichen Be- diensteten, über die niedrigen Löhne im Wohlstandsland Süd-Tirol, über die hohen Wohnkosten und die An- erkennung der Erziehungs- und Pfle- gejahre für die Rente.

Herr Tschenett, als Vorsitzen- der des ASGB bekommen Sie die Sorgen der Arbeitnehmer unmittelbar mit. Was treibt die Süd-Tiroler Arbeiterschaft be- sonders um?

Es ist evident, dass die Löhne zum größten Teil – im Verhältnis zu den Lebenshaltungskosten – zu gering sind. Das Problem ist, es werden na- tionale Kollektivverträge angewandt, die der Kaufkraft in Süditalien Rech-

angewandt, die der Kaufkraft in Süditalien Rech- Tony Tschenett ist seit 2009 Vorsitzender des „Autonomen

Tony Tschenett ist seit 2009 Vorsitzender des „Autonomen Südtiroler Gewerkschaftsbundes“ (ASGB). Der Bund ist heute oftmals das soziale Gewissen des Landes. Häufig ist der ASGB an vorderster Front, wenn es um die Rechte der Arbeiter und Angestellten in Süd-Tirol geht. Zuletzt bei den großen Demonstrationen der öffentlichen Bediensteten für mehr Lohn.

nung tragen, aber die Lohnempfän- ger in Süd-Tirol vor Schwierigkeiten stellen, in Würde bis ans Ende des

„Das Problem ist, es wer- den nationale Kollektiv- verträge angewandt, die der Kaufkraft in Süditalien Rechnung tragen, aber die Lohnempfänger in Süd-Tirol vor Schwierigkeiten stellen, in Würde bis ans Ende des Monats zu kommen“

Monats zu kommen. Es ist lobend zu unterstreichen, dass viele große Industrieunternehmen Betriebsab-

kommen unterzeichnet haben und damit die Löhne auf ein annehm- bares Niveau angehoben haben. Um flächendeckend die Kaufkraft zu stärken, bräuchte es aber auch flächendeckend territoriale Zusatz- verträge, die den hohen Lebenshal- tungskosten Rechnung tragen. Die Arbeitgeberverbände blockieren aber in dieser Hinsicht großteils jegliche Verhandlungen.

Tausende öffentliche Bediens- tete gingen wiederholt auf die Straße, um für mehr Lohn zu de- monstrieren. Was sind ihre Kern- forderungen?

Die öffentlich Bediensteten wollen in erster Linie ihren erlittenen Kauf-

kraftverlust ausgeglichen bekom- men. Es ist schwierig zu haushalten, wenn man im Zeitraum weniger Jahre einen Kaufkraftverlust in zweistelliger Prozenthöhe hinnehmen muss. Ich sage es ganz deutlich: wir sprechen in unseren Forderungen für mehr Lohn nicht von Lohnerhöhungen, sondern von einem Ausgleich des Kaufkraftverlustes in den letzten Jah- ren! Und dieser Ausgleich ist unsere Kernforderung.

Das Land hat einen Inflations- ausgleich von 4,1 Prozent und ei- nige Zusatzleistungen wie Essens- gutscheine angeboten. Für die Bediensteten und Gewerkschaften ist das nicht genug. Warum?

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TIROLER STIMMEN 01/2019 | SÜD-TIROLER FREIHEIT

Weil 4,1 Prozent bei weitem nicht den erlittenen Kaufkraftverlust wett- machen und Zusatzleistungen wie Essensgutscheine keinen Einfluss auf die Renten haben werden. Na- türlich nehmen wir Zusatzleistungen gerne an, aber prioritär fordern wir angemessene spürbare Erhöhungen der Löhne, damit die Kaufkraft der öffentlich Bediensteten wieder auf ein Niveau steigt, welches wir bereits hatten.

In vielen Wirtschaftsbereichen in Süd-Tirol herrscht ein teils aku- ter Fachkräftemangel. Die Ver-

Das ist eine schwierige Frage. Ich habe oft das Gefühl, dass vor allem die am meisten betroffenen Sekto- ren und deren Verbände zu kurz- fristig denken und deshalb nicht einsehen wollen, dass sich ohne spürbare Lohnerhöhungen der Fachkräftemangel verstärken wird. Ein Umstand, der langfristig dazu führen wird, dass Süd-Tirols Know- how ans Ausland verloren geht, weil unsere Fachkräfte eben nicht, wie die Generationen vor uns, zwingend an Süd-Tirol gebunden sind. Unsere Fachkräfte haben eine hervorragen- de Ausbildung genossen und sind

Auch in Süd-Tirol sind die Miet- und Wohnkosten in den letzten Jahren erheb- lich gestiegen. Haushalte mit einem Einkommen bis zu 25.000 Euro im Jahr müssen fast 40 Prozent ihres Einkommens für die Wohnkosten aufbringen (Miete bzw. Rückzahlung des Darlehens).

handlungsposition der Arbeit- nehmer scheint deshalb so gut wie lange nicht zu sein. Warum schlägt sich das Ihrer Meinung nach dennoch nicht oder nicht ausreichend auf die Löhne nieder?

für Betriebe in ganz Europa und darüber hinaus attraktiv. Um mit- halten zu können, führt nichts über Lohnerhöhungen – das müssen die Wirtschaftsverbände besser heute als morgen erkennen.

Ein anderes wichtiges Thema sind die Mieten und Wohnkosten. Sie sind in den vergangenen Jah- ren, anders als die Löhne, deutlich gestiegen. Welche Maßnahmen raten Sie der Politik, um gegen die hohen Wohnkosten vorzugehen?

Leistbares Wohnen und leistba- ren Wohnraum zu schaffen, ist in Süd-Tirol zu einer Herkulesaufgabe

„Jene, die sich um die Er- ziehung der Kinder und um die Pflege ihrer Verwandten kümmern, sind das Rück- grat unserer Gesellschaft – und diese rententechnisch abzusichern, ist unsere moralische Pflicht“

verkommen. Zuallererst braucht es Lohnerhöhungen, um der abnormen Südtiroler Wohnrealität Rechnung zu tragen. Zweitens dürfen Landesför- derungen nicht die ehrlichen Sparer bestrafen, die sich ein finanzielles Polster schaffen, um Eigentum mit möglichst geringer Verschuldung zu erwerben. Außerdem sollte der Beitrag für Miete und Wohnungs- nebenkosten so hoch sein, dass die Miete für den Einzelnen nicht mehr als ein Viertel des Nettoeinkommens der Familie beträgt. Wir plädieren auch dafür, dass die Förderung von Bau, Kauf und Sanierung der Erst- wohnung nicht mehr als soziale Maßnahme, sondern als Objektför-

derung betrachtet wird. Jeder, der seit mindestens fünf Jahren in Süd-Tirol wohnhaft ist und in den letzten zwei Jahren ein Einkommen hatte, welches nach Abzug von Steuern, und der Rückzahlungsrate für ein aufzuneh- mendes Darlehen (berechnet auf 20 Jahre) noch netto das Lebensmini- mum aufweist, sollte Anrecht auf die Förderung haben und eine Summe von mindestens 50.000 Euro erhalten.

Eine Forderung der Süd-Tiroler Freiheit ist, die Erziehungs- und Pflegejahre, die meistens von Frauen geleistet werden, für die Rente anzuerkennen. Ist das Ihrer Meinung nach sinnvoll und um- setzbar?

Diese Forderung der Süd-Tiroler Freiheit teilen wir uneingeschränkt und erachten sie nicht nur als sinn- voll, sondern als unbedingt not- wendig. Bei genügend politischem Willen wäre die Anerkennung der Erziehungs- und Pflegejahre für die Rente problemlos umsetzbar, auch die Finanzierung wäre zu stemmen. Jene, die sich um die Erziehung der Kinder und um die Pflege ihrer Ver- wandten kümmern, sind das Rück- grat unserer Gesellschaft – und die- se rententechnisch abzusichern, ist unsere moralische Pflicht!

Herr Tschenett, vielen Dank für das Gespräch! (Das Interview führte Stefan Zelger).

für das Gespräch! (Das Interview führte Stefan Zelger). BEGNADIGUNG DER FREIHEITSKÄMPFER Alte Forderung neue

BEGNADIGUNG DER FREIHEITSKÄMPFER

Alte Forderung neue Entwicklung!

DER FREIHEITSKÄMPFER Alte Forderung neue Entwicklung! Das Zeitzeugeninterview mit Heinrich Oberleiter unter:

Das Zeitzeugeninterview mit Heinrich Oberleiter unter: suedtiroler-freiheit.com/oberleiter

Sie waren an den Anschlägen der 1960er-Jahre beteiligt und müssen dafür bis heute einen hohen Preis bezahlen: die „Pusterer Buam“. Um Haft und Folter zu entgehen, aber auch um den Kampf fortsetzen zu können, flohen sie 1961, im Jahr der Feuernacht, ins Exil. Seit- her durften sie ihre Heimat nie wieder betreten. Eine Entscheidung des Oberlandesgerichts von Brescia lässt nun aber aufhorchen!

Heinrich Oberleiter war einer der vier Pusterer Buam. Zusammen mit Siegfried Steger, Sepp Forer und Heinrich Oberlechner, der 2006 im Exil starb, beteiligte er sich in den 1960er-Jahren am Kampf gegen die kulturelle Vernichtung der Süd-Tiro- ler. In Abwesenheit wurden die Puste- rer zu teils lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Ihnen wurden dabei auch Taten zur Last gelegt, die sie nie be- gangen hatten. Insbesondre ihre

vermeintliche Schuld am Mord des Carabinieri-Beamten Vittorio Tira- longo wurde längst widerlegt. Der heute 78-jährige Oberleiter, und vor allem seine Kinder, haben im vergangenen Jahr um Begnadigung angesucht. Das zuständige Gericht von Brescia hat zum Begnadigungs- verfahren ein positives Gutachten erlassen. Es ist ein wichtiger Schritt, damit Staatspräsident Mattarella das Gnadengesuch annehmen kann.

Die Süd-Tiroler Freiheit begrüßt die neusten Entwicklungen: „Die Begnadigung ist heute keine poli- tische Frage mehr, sondern ein Akt der Menschlichkeit“, unterstreicht der Landtagsabgeordnete Sven Knoll. „Es gilt, allen Freiheitskämpfern die Rückkehr in ihre Heimat und zu ih- ren Familien zu ermöglichen!“ Die Süd-Tiroler Freiheit wird demnächst auch wieder den Landtag mit dem Thema befassen. | SZ

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zu ermöglichen!“ Die Süd-Tiroler Freiheit wird demnächst auch wieder den Landtag mit dem Thema befassen. |

TIROLER STIMMEN 01/2019 | SÜD-TIROLER FREIHEIT

FLUGHAFEN Volksbefragung muss respektiert werden! 2016 stimmten die Süd-Tiroler in einer Volksbefragung mit über 70
FLUGHAFEN
Volksbefragung muss
respektiert werden!
2016 stimmten die Süd-Tiroler in einer Volksbefragung mit über
70 Prozent gegen das Flughafenkonzept der SVP. Das hindert die
Landesregierung aber nicht daran, an ihren Ausbauplänen festzu-
halten. Nun ermittelt die Antikorruptionsbehörde.
Anders als von Landeshauptmann
Kompatscher gerne darstellt, hat die
Bevölkerung nicht „nur“ gegen die Fi-
nanzierung des Flughafens mit Steu-
ergeld gestimmt. Zur Abstimmung
dem auszubauen. Genau auf jene
Länge, die die Bevölkerung bei der
Volksabstimmung abgelehnt hatte.
Die Landtagsfraktion der Süd-Tiroler
Freiheit kritisiert dieses Vorgehen:

„Es ist ein Hohn, besonders für die Betroffenen dieser verfehlten Politik in Bozen und im Unterland „

stand das Flughafen-Gesamtkonzept, enthalten im Gesetz Nr. 60 aus dem Jahr 2015. Teil dieser Bestimmungen waren auch der Ausbau und die Ver- längerung der Start- und Landebahn! Nun will die Landesregierung die neuen privaten Betreiber dazu anhal- ten, die Start- und Landebahn trotz-

„Die Landesregierung ignoriert den Wunsch der Bevölkerung! Es ist ein Hohn, besonders für die Betroffenen dieser verfehlten Politik in Bozen und im Unterland“. Gegenwind kommt von der Anti- korruptionsbehörde ANAC. Sie prüft die Rechtmäßigkeit der Aus- schreibung zur Abtretung der Flug- hafen-Betreibergesellschaft ABD an Private. Damit reagiert die ANAC auf eine entsprechende Eingabe des Dachverbandes für Natur- und Um- weltschutz in Zusammenarbeit mit dem Alpenverein, dem Heimatpflege-

Das Ergebnis der Volksbefragung wird ad absurdum geführt!

verband, der Umweltgruppe Eppan und Anrainern des Flugplatzes. Ermittelt wird vor allem wegen der niedrigen Ausschreibungssumme der ABD. Obwohl der Wert des Anlage- vermögens Ende 2017 mit über 32 Millionen Euro ausgewiesen wurde, schrieb die Landesregierung die Ge- sellschaft um lediglich 3,8 Millionen Euro aus! Für die Süd-Tiroler Freiheit ein

Unding: „Eine über Jahrzehnte mit Steuergeld am Leben gehaltene Struktur wird regelrecht verscherbelt. Die privaten Investoren bekommen den Flughafen praktisch geschenkt!“ Dies zeige, so die Landtagsfraktion abschließend, dass der Landesregie- rung alle Mittel recht seien, um den unnützen Flughafen zu erhalten. | SZ

NEUES AUS EUROPA Brexit ist Chance für Schottland! Vor drei Jahren stimmten die Briten für
NEUES AUS EUROPA
Brexit ist Chance für Schottland!
Vor drei Jahren stimmten die Briten für den Austritt aus der EU. Alle Briten? Nein! 62 Prozent
der Schotten waren für den Verbleib in der Staatengemeinschaft. Das Brexit-Chaos lässt den
Ruf nach der schottischen Unabhängigkeit wieder laut werden!
52 Prozent der Bürger des Vereinigten Kö-
nigreiches wollten nicht mehr Teil der Euro-
päischen Union sein. Viel Zeit ist seit diesem
23. Juni 2016 vergangen. Und eigentlich hätte
der Austritt am 29. März dieses Jahres erfol-
gen sollen. Eigentlich. Denn außer Chaos im
britischen Unterhaus ist in den drei Jahren
seit der Abstimmung nicht viel passiert. Das
Austrittsabkommen von Theresa May mit der
EU? No! Ein Harter Brexit ohne Abkommen?
No! Ein zweites Referendum? No! Den Brexit
abblasen? No! Die britischen Politiker wissen
zwar genau, was sie nicht wollen; was sie aber
wollen, weiß man bis heute nicht. Was man
weiß ist, dass noch in diesem Jahr eine Ent-
scheidung getroffen werden muss, sonst droht
ein Austritt ohne Abkommen.
Dieser „harte Brexit“ wäre für die Wirtschaft
der Insel äußerst schädlich, besonders aber für
die schottische Wirtschaft!
Neue Umstände
Das Chaos in London gibt den Unabhän-
gigkeitsbefürwortern in Schottland starken
Rückenwind. Die schottische Regierungschefin
Nicola Sturgeon strebt als Folgen des Brexits
ein Unabhängigkeitsreferendum bis Mai 2021
an. Sie glaube an die Unabhängigkeit, und die
Interessen Schottlands könnten am besten
in der EU geschützt sein. Es gehe darum, die
Lektionen aus dem Brexit zu lernen, bekräftigte
Sturgeon vor kurzem im schottischen Parla-
ment.
Bei einem ersten Referendum über die Un-
abhängigkeit im September 2014 hatten 55
Prozent der Schotten gegen eine Loslösung
vom Vereinigten Königreich gestimmt. Ein
vermeintliches Hauptargument der Gegner
war, dass ein unabhängiges Schottland aus der
EU fliegen würde. Für die europafreundlichen
Schotten – Umfragen zufolge sind mittlerweile
70 Prozent für den Verbleib in der EU – ein ge-
wichtiger Grund gegen die Unabhängigkeit zu
stimmen. Ironie der Geschichte.
Parlament für neues Referendum
Das schottische Parlament stimmte bereits
Ende März 2017 für die Abhaltung eines wei-
teren Referendums über die Unabhängigkeit.
Man wollte damals den Verhandlungen über
den Brexit aber nicht vorgreifen. Ein ungeord-
neter und harter Brexit, wie er derzeit wahr-
scheinlich scheint, wäre demnach für die
Schotten die Initialzündung zur Abstimmung.
Wie die britische Regierung auf die Forderung
reagieren und ob ein zweites Referendum unter
den veränderten Umständen anders ausgehen
würde als das erste, ist Spekulation. Sicher ist,
dass die Debatte um die schottische Unabhän-
gigkeit weitergehen wird. | SZ

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TIROLER STIMMEN 01/2019 | SÜD-TIROLER FREIHEIT

GRUNDDIENST IN GEFAHR

Pannen, Probleme, Poste Italiane

Überlange Zustellzeiten, überteuerte Preise, überlastete Mitarbeiter, überhandnehmende Kündigungen, übergangene Zweisprachigkeit, überflüssige Abkommen, überrumpelte Kunden. Kurzum: überall Probleme! Die italienische Post ist für Süd-Tirol zum großen Hindernis geworden. Das Abkommen des Landes mit der Post ist gescheitert. Die Hintergründe des Post-Chaos.

der Post ist gescheitert. Die Hintergründe des Post-Chaos. Die Post ist zu einem großen Problem für

Die Post ist zu einem großen Problem für Süd-Tirol geworden. Die Landesregierung tut zu wenig dagegen!

Von einem „autonomiepolitischen Erfolg“ war die Rede; von einer „Qua- litätsgarantie“ und einem Vertrag, von dem „jeder Süd-Tiroler und jede Süd-Tirolerin persönlich Nutzen ziehen wird“. Geradezu euphorisch klang Landeshauptmann Kompat- scher, als er am 5. April 2017 einen Vertrag mit der italienischen Post abschloss. Tägliche Postzustellung von Montag bis Samstag, Erhalt der Postämter, ein Verteilungszentrum in Bozen, Einhaltung der Zweisprachig- keit und neue Mitarbeiter: das waren die Eckpunkte des Übereinkommens. 10 Millionen Euro sollten dafür pro Jahr von Bozen nach Rom fließen. Der schon damals schlecht funktionie- rende Postdienst in Süd-Tirol sollte endlich auf einem annehmbaren Niveau sichergestellt werden. Sollte!

Die Probleme

Zwei Jahre nach der Unterzeich- nung weiß man: nichts ist besser geworden! Eine Untersuchung der Verbraucherzentrale zeigte, dass sich die Zustellzeiten der Post in den letz- ten fünf Jahren verdoppelt haben. Rechnungen, Zeitungen und sogar

eingeschriebene Briefe bleiben oft wochenlang liegen. Gleichzeitig stie- gen die Preise für einen Normalbrief um fast 60 Prozent! Anfang Februar wurden der Post- dienst in ganz Italien neu strukturiert und die Arbeitszeiten nach hinten geschoben. Damit sollen Pakete – ein lukratives Geschäft für die Post – auch nachmittags zugestellt werden können. Außerdem wurden die Post- zonen neu eingeteilt, oftmals ohne Rücksicht auf die Besonderheiten eines Berggebietes wie Süd-Tirol. Das neue Verteilerzentrum in Bozen – mit viel Tamtam eröffnet – konnte die Situation nicht verbessern. Die Leittragenden sind aber nicht nur die Kunden, sondern auch die Angestellten der Post. Durch die Neu- organisation leiden sie unter noch größerem Zeitdruck. Viele haben des- halb gekündigt. Ersetzt werden sie, wenn überhaupt, durch Aushilfen aus Italien. Sie können nicht Deutsch und tun sich entsprechend schwer mit den Namen und Adressen, noch dazu in einem Gebiet, das ihnen fremd ist. Der Postspitze sind die Probleme bekannt, aber egal. Denn nur mit der

Zustellung von Briefen gibt sich die Post schon lange nicht mehr zufrie- den.

Die Poste Italiane S.p.A.

Heute ist die italienische Post u.a. Bank, Versicherung, Spediteur, Zahlungsdienstleister, Berater und Mobilfunkanbieter. Damit lässt sich Geld verdienen. Viel Geld! Im Oktober 2015 wurde die Post zur börsennotierten Aktiengesellschaft. Der Umsatz belief sich im letzten Jahr auf fast elf Milliarden Euro. Das ist doppelt so viel wie der Süd-Tiroler Jahreshaushalt! Der Gewinn schlug mit 1,4 Milliarden Euro zu Buche. Ein florierendes Unternehmen. Und das freut die Aktionäre. Ganz beson- ders den Hauptaktionär: den Staat. Zwei Drittel der Aktien hält er. Fast 400 Millionen Euro konnte der Staat durch die Post im letzten Jahr durch Dividenden einnehmen.

durch die Post im letzten Jahr durch Dividenden einnehmen. Deshalb ist es dem Staat und der

Deshalb ist es dem Staat und der Postführung egal, ob ihr altes Kerngeschäft, die Postzustellung, funktioniert oder nicht. Vertrag mit Süd-Tirol hin oder her. Mit Briefen nach Pflersch, Prettau oder Trafoi lässt sich kein Geld verdienen!

Die Lösung

Das Abkommen des Landes mit der Post ist gescheitert. Die Süd-Ti- roler Freiheit wollte deshalb im Landtag erreichen, dass das Land mit den Postunternehmen der be- nachbarten Staaten in Verhandlun- gen tritt, um einen Kooperationsver- trag für die gesamte oder teilweise Briefabwicklung in Süd-Tirol ab- zuschließen. Auch andere autono- me Gebiete und Kleinstaaten, wie Liechtenstein, die Åland-Inseln oder die Färöer-Inseln, sind diesen Weg bereits gegangen. Der Antrag wurde abgelehnt. Ein eigener Postdienst „wäre kurzfristig schwierig“, erklärte Landeshaupt- mann Kompatscher. Doch langfristig führt kein Weg daran vorbei, argu- mentiert die Süd-Tiroler Freiheit. Das Post-Chaos, es geht weiter! | SZ

Freiheit. Das Post-Chaos, es geht weiter! | SZ Ein Abkommen mit besseren Post- anbietern wollte die

Ein Abkommen mit besseren Post- anbietern wollte die STF erreichen.

Weitere Infos und Hintergründe in den Videos:

suedtiroler-freiheit.com/beschlussantrag-post

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TIROLER STIMMEN 01/2019 | SÜD-TIROLER FREIHEIT

TIROLER STIMMEN 01/2019 | SÜD-TIROLER FREIHEIT ABSCHAFFUNG DES TOPONOMASTIKGESETZES Chance für Neubeginn VILLA OTTONE
ABSCHAFFUNG DES TOPONOMASTIKGESETZES Chance für Neubeginn VILLA OTTONE Dr. Cristian Kollmann ist Toponomastikexperte
ABSCHAFFUNG DES TOPONOMASTIKGESETZES
Chance für Neubeginn
VILLA OTTONE
Dr. Cristian Kollmann ist
Toponomastikexperte der Landtagsfraktion
der Süd-Tiroler Freiheit.
Im Pustertal sind einige Ortsna-
men nach Persönlichkeiten aus dem
frühmittelalterlichen fränkischen
Adelsgeschlecht der Agilolfinger be-
nannt. So weist der Ortsname Tes-
selberg auf den althochdeutschen
Personennamen Tassilo hin. Im
Ortsnamen Uttenheim ist dagegen
der althochdeutsche Personenname
Uota, dem neuhochdeutsch Ute ent-
spricht, verbaut.
Doch wie hat Ettore Tolomei den
Ortsnamen Uttenheim übersetzt?
Mit Villa Ottone! Dieses würde rück-
übersetzt „Otto-Dorf“ bedeuten. Doch
mit dem Personennamen Otto hat
der Ortsname Uttenheim überhaupt
nichts zu tun! Auch Montassilone für
Tesselberg ist freilich eine tolomeische
Erfindung, die es im Italienischen
nie gab.
Auf Antrag der Landesregierung hat im April der
Süd-Tiroler Landtag das Toponomastikgesetz ab-
geschafft, das im Jahr 2012 unter Luis Durnwalder
beschlossen worden war. Auch die Landtagsabge-
ordneten der Süd-Tiroler Freiheit sprachen sich
für die Abschaffung aus, wenngleich aus anderen
Gründen als die Landesregierung.
Fakt ist: Das Toponomastikgesetz war von An-
fang an zum Scheitern verurteilt. Es entbehrte
jeder wissenschaftlichen Grundlage und jedes
ideologiefreien Zugangs. Ja nicht einmal die Ab-
schaffung der faschistischen Ortsnamendekrete
sah es vor. Es war, kurzum, stümperhaft. Genau
aus diesen Gründen hat die Süd-Tiroler Freiheit
für die Abschaffung des Toponomastikgesetzes
gestimmt. Die SVP hingegen hat nur deswegen
einen Rückzieher gemacht, weil sie eine Niederlage
vor dem Verfassungsgericht fürchtet.
Dieser pocht nämlich darauf, dass die Zwei-
sprachigkeit in der Ortsnamengebung flächen-
deckend sein muss. Und genau hier kommt aber
die Sprachwissenschaft ins Spiel: Die gesetzliche
Verpflichtung zur Zweisprachigkeit in der Orts-
namengebung muss endlich aus der Sicht der
Sprachwissenschaft, wo es genaue Kriterien gibt,
definiert werden! Die SVP muss endlich erkennen,
dass sie es mit ihrer Bemühung, möglichst viele
erfundene italienische und somit bis heute mani-
pulative Ortsnamen zu retten, dem Verfassungs-
gerichtshof sowieso nicht recht machen kann.
Daher gilt es um so mehr, wissenschaftlich und
ideologiefrei zu argumentieren.
Zuallererst sind die drei faschistischen Orts-
namendekrete abzuschaffen. Doch diesen Schritt
hat die SVP immer gescheut. Als nächstes geht es
darum, die wissenschaftlichen Kriterien für die
Amtlichkeit der Orts- und Flurnamen festzulegen.
Diese sind dann erfüllt, wenn ein Name historisch
fundiert ist, also schon vor dem Faschismus und
außerhalb der faschistischen Ortsnamendekrete
dokumentiert ist. Neben den deutschen und la-
dinischen sind dies ca. 200 italienische Namen.
Die Politik ist eingeladen, der Sprachwissen-
schaft zu vertrauen und den Mut für ein Topono-
mastik-Gesetz aufzubringen, das Nägel mit Köpfen
macht. In der Abschaffung des Toponomastikge-
setzes könnte man also durchaus die Chance für
einen Neubeginn sehen.

LANDTAGSWAHL

Briefwahl-Skandal:

1.700 Stimmen vernichtet!

LANDTAGSWAHL Briefwahl-Skandal: 1.700 Stimmen vernichtet! Die Pressekonferenz im Video:

Die Pressekonferenz im Video:

suedtiroler-freiheit.com/briefwahl-skandal

Die Wahl ist nach internationalen Grundsätzen allgemein, unmittelbar, frei, gleich und geheim. Wenn man in Süd-Tirol aber per Brief wählt, ist sie oft eines: vergeblich. Bereits bei der vorletzten Landtagswahl wurde die Briefwahl von einem Skandal erschüttert: Hun- derte Stimmzettel wurden vernichtet, da sie nicht fristgerecht zugestellt werden konnten. Nun wiederholte sich die Misere!

zugestellt werden konnten. Nun wiederholte sich die Misere! Myriam Atz Tammerle zeigte große Unregelmäßigkeiten bei

Myriam Atz Tammerle zeigte große Unregelmäßigkeiten bei der Land- tagswahl auf.

Bei der Landtagswahl 2013 wurden dem zuständigen Landesamt erst drei Tage nach der Wahl 1.114 Wahlkarten zugestellt. Sie konnten deshalb nicht mitgezählt werden. Insgesamt wur- den damals fast 2.000 Stimmzettel vernichtet, weil sie im Wahlamt zu spät eintrafen. Das waren fast 20 Pro- zent aller Briefwahlstimmen! Haben das Land und vor allem die italieni- sche Post daraus gelernt? Nein! Schon einen Monat vor der Landtagswahl am 21. Oktober 2018 traten erste Fehler bei der Briefwahl auf: Bei einigen Wählern fehlten Unterlagen oder der Umschlag für die Rücksendung der Wahlkarte war nicht mit der Zieladresse bedruckt.

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Wie eine Anfrage der Süd-Tiroler Freiheit an die Landesregierung zeigte, trafen auch bei der letzten Wahl wieder hunderte Wahlkarten verspätet ein! 375 Wahlkarten waren es am Tag nach der Wahl, 562 Wahlkarten zwei Tage später und 282 Wahlkaten drei Tage später. Die letzten Wahlkarten wurden am 17. Dezember zugestellt, zwei Monate nach der Wahl. Insge- samt wurden 1.703 Stimmen von Süd-Tiroler Bürgern ungezählt ver- nichtet! Wie 2013 waren wieder fast 20 Prozent aller Briefwahlstimmen betroffen! „Trotz Verlängerung der Fristen für die Briefwahl vor der letzten Land-

tagswahl hat der Urnengang per Post wieder nicht funktioniert“, gibt Myriam Atz Tammerle, Landtags- abgeordnete der Süd-Tiroler Frei- heit, zu bedenken. Sie fordert eine erneute Anpassung desWahlgesetzes. In dieser Form habe die Briefwahl kaum Sinn. „Nach diesem erneuten Skandal muss nun alles unternom- men werden, um das Vertrauen der Briefwähler in einen reibungslosen Ablauf der Wahl wiederherzustellen“, betont Atz Tammerle. | SZ

TIROLER STIMMEN 01/2019 | SÜD-TIROLER FREIHEIT

AUTONOMIE

Deutschkenntnisse vor Einschreibung in Kindergarten erheben!

17 von 268 deutschen Kindergärten haben einen Anteil an Kindern aus Nicht-EU-Ländern von über 30 Prozent. Das ergab die neueste Er- hebung der Süd-Tiroler Freiheit. Betroffen sind vor allem Einrichtungen in den Städten und strukturschwachen Gemeinden. Die Süd-Ti- roler Freiheit regt nun Maßnahmen an. Das Ziel: eine bessere Entwicklung der Kinder und der Schutz der Autonomie.

„In der Provinz Bozen wird der Unterricht in den Kindergärten, Grund- und Sekundarschulen in der Muttersprache der Schüler, das heißt in italienischer oder deutscher Sprache, von Lehrkräften erteilt, für welche die betreffende Sprache eben- falls Muttersprache ist“. So sieht es das Autonomiestatut vor. In einigen Einrichtungen des Landes wird die- ses Recht aber praktisch außer Kraft gesetzt. Einige Beispiele: Im deut- schen Kindergarten Bozen/Weggen- steinstraße sind von den insgesamt 44 eingeschriebenen Kindern nur 17 Kinder (39 Prozent) Süd-Tiroler. Im Kindergarten Meran/Fröbel kommen auf sechs Süd-Tiroler elf Kinder aus Nicht-EU-Staaten. In den beiden deutschen Kindergärten Blumau und Waidbruck ist der Anteil von Nicht- EU-Bürgern und Süd-Tirolern gleich hoch. Hinzu kommt ein weiteres Prob- lem: Da die Landesregierung in den zur Verfügung gestellten Zahlen nur zwischen italienischen Staatsbür- gern, EU-Bürgern und Nicht-EU- Bürgern unterscheidet, nicht aber zwischen Deutschen und Italienern, ist davon auszugehen, dass der An-

Deutschen und Italienern, ist davon auszugehen, dass der An- Die Autonomie ist auch im Schul- und

Die Autonomie ist auch im Schul- und Kindergartenbereich einzuhalten!

teil deutschsprachiger Süd-Tiroler an den Kindergärten noch wesent- lich niedriger ist, da auch immer mehr Italiener ihre Kinder in den deutschen Bildungseinrichtungen einschreiben. Angesichts dieser Zahlen sieht die Süd-Tiroler Freiheit Handlungs- bedarf: „Alle Ankündigungen der Landesregierung wurden bisher ent- weder nicht umgesetzt oder blieben wirkungslos“, kritisiert die Landtags-

abgeordnete der Süd-Tiroler Freiheit, Myriam Atz Tammerle. Sie erachtet es für notwendig, die nicht-deutsch- sprachigen Kinder, auch in ihrem Sin- ne, besser aufzuteilen. Außerdem, ergänzt Landtags- abgeordneter Sven Knoll, seien die Deutschkenntnisse vor der Einschrei-

Sven Knoll, seien die Deutschkenntnisse vor der Einschrei- bung im Gespräch mit Kindern und Eltern zu

bung im Gespräch mit Kindern und Eltern zu prüfen. „Es geht nicht da- rum, einem Kind den Zugang zum Kindergarten zu verwehren, sondern die bestmögliche Zusammenarbeit von allen Beteiligten, Kindern, Eltern und Kindergartenbetreuerinnen zu gewähren“, stellt Knoll klar. Sollten Kinder über gar keine Deutsch- kenntnisse verfügen, müssten diese in gesonderten Gruppen mit Sprach- intensivprogrammen vorbereitet werden. Als Beispiel nennt Knoll das österreichische Modell „Deutsch vor Schuleintritt“. „In diesem Zusammenhang sei aber auch die Verantwortung der Eltern genannt, für das Erlernen der deutschen Sprache ihrer Kinder Sorge zu tragen. Ohne die Unterstützung des Elternhauses kann der Sprach- erwerb nicht erfolgen. Jeder hat in Süd-Tirol die Möglichkeit, in Kontakt mit der deutschen Sprachgruppe zu treten und auch abseits des Unter- richtes die deutsche Sprache zu ver- tiefen“, ist Knoll überzeugt. | SZ / SK

Videos und Hintergründe zum Thema:

suedtiroler-freiheit.com/kindergarten-obergrenze

„EIN GROSSER IST GEGANGEN“

Süd-Tiroler Freiheit trauert um Sandro Canestrini

Ein epochales Leben ist zu Ende! Am 4. März starb Rechtsanwalt Sandro Canestrini in Neumarkt. Die Stationen seiner 97 Lebensjahre lesen sich wie die Chronik Italiens im letzten Jahrhundert. Bei den dunklen Kapiteln – Faschismus, Mafia, Terroranschläge, Umweltka- tastrophen – stand Canestrini stets an der Seite der Schwachen und Entrechteten. Ein Nachruf.

Aus einer alten Welsch-Tiroler An- waltsfamilie stammend, nutzte Ca- nestrini seine Stellung, um sie auch für jene einzusetzen, die nicht zu den Privilegierten gehörten. Widerstand, Demokratie, Solidarität und Men- schenwürde waren die Schlagworte seines Lebens. Der Widerstand gegen Faschismus und Nationalsozialismus begleite- te ihn bis zum Tod. Als Kämpfer in der „Resistenza“, als Aufklärer von

Verbrechen der Nazis und als Mah- ner gegen den Neofaschismus. Und auch die Zeichen der Diktatur – die faschistischen Denkmäler in Süd-Ti- rol – lehnte er ab. Anfeindungen waren seine Be- gleiter. Er scheute sie nicht. Bei den großen Prozessen war Canestrini in der ersten Reihe, auch als sich sonst keiner dafür fand. Er vertrat die ge- schundenen Süd-Tiroler Freiheits- kämpfer beim Folterprozess in Trient

und beim Mailänder Prozess, wofür er von der tobenden italienischen Öffentlichkeit als „Verräter“ gebrand- markt wurde. Und ob Missbräuche der Geheim- dienste, die Terroranschläge der „bleiernen Jahre“, die Dammkatast- rophen vonVajont und Stava oder der Nato-Krimi um den Flugzeugabsturz über Ustica: Canestrini kämpfte für das Recht und für die Gerechtigkeit. Ruhe in Frieden! | SZ

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Flugzeugabsturz über Ustica: Canestrini kämpfte für das Recht und für die Gerechtigkeit. Ruhe in Frieden! |

TIROLER STIMMEN 01/2019 | SÜD-TIROLER FREIHEIT

Meine Muttersprache ist Deutsch Ich mache von meinem Recht, DEUTSCH zu sprechen, Gebrauch! Beschwerden bei
Meine
Muttersprache
ist
Deutsch
Ich mache von
meinem Recht,
DEUTSCH
zu sprechen,
Gebrauch!
Beschwerden bei
Verletzungen der
Zweisprachigkeits-
pflicht können unter
folgender Nummer
gemeldet werden:
Tel. 0471 412 236
oder 412 230

CHAOS IM REGIONALRAT

„Region ist Auslaufmodell, das nur Kosten verursacht!“

Am 21. Oktober 2018 fanden in Süd- und Welsch-Tirol Landtagswahlen statt. Erst am 27. Fe- bruar, nach langem Hin und Her, konnte der Regionalrat die nunmehr sechsköpfige Regional- regierung wählen. Eine Posse, die einmal mehr zeigt, wie unnütz die Region ist.

Monatelang rangen Lega und SVP um die Zusammensetzung der Regionalregierung. „Es war eine Mischung aus Postenscha- cherei, einem Machtkampf in der SVP zwischen Landeshauptmann und Parteiobmann und schiere Unfähigkeit“, gibt der Regional- ratsabgeordnete der Süd-Tiroler Freiheit, Sven Knoll, zu bedenken. Am Ende wurde die Regionalre- gierung von fünf auf sechs Sitze aufgestockt. Die „Reise nach Jeru- salem“ war damit beendet. Heute ist die Region Trenti- no-Südtirol weitestgehend eine leere Schachtel. Die meisten Kom- petenzen wurden längst an die beiden Provinzen übertragen. Die meisten Entscheidungen werden

in den Landtagen von Bozen und Trient getroffen und nicht mehr im Regionalrat. Angesichts des Chaos um die Wahl der neuen Regionalregie- rung wiederholt die Süd-Tiroler Freiheit ihre Forderung nach einer Abschaffung der Region. Anstatt sie durch eine Aufstockung der Regierungsmitglieder weiter auf- zuwerten, sollten die wenigen verbliebenen Kompetenzen an die beiden Provinzen bzw. – wo immer möglich – an die Europa- region Tirol übertragen werden. „Die Region ist ein Auslaufmo- dell, das nur Kosten verursacht und von der Politik und der Be- völkerung abgelehnt wird“, ist Knoll überzeugt. Zudem hätten

die Ergebnisse des Autonomie- konvents deutlich gemacht, dass sich die Bürger die Abschaffung der Region wünschten. „Wenn die Tiroler Landesteile Zuständigkei- ten wie Bildung, Gesundheit und öffentlicher Nahverkehr gemein- sam verwalten könnten, würde die Europaregion Tirol endlich mit Leben erfüllt werden! Die Süd-Tiroler Freiheit wird im Landtag und Regionalrat daher entsprechende Anträge einrei- chen, damit die Region Trenti- no-Südtirol durch die Europare- gion Tirol ersetzt wird. | SZ / SK

Der Zopf

die Europare- gion Tirol ersetzt wird. | SZ / SK Der Zopf In Europa mit Berlusco,

In Europa mit Berlusco, im Land mit dem Carroccio, nach Rom mit dem PD, das ist „unsre“ SVP!

Termine

2.-5. Juli:

Sitzungswoche des Landtages.

24.-26. Juli:

Sitzungswoche des Landtages.

27. August:

Sitzung des Regionalrates.

Ende September:

Nächste Ausgabe der „Tiroler Stimmen“.

Nach Vereinbarung:

Sprechstunden mit den Abgeordneten Myriam Atz Tammerle und Sven Knoll nach telefonischer Vereinbarung unter (0471 94 61 70).

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IMPRESSUM

Eigentümer und Herausgeber Süd-Tiroler Freiheit / Landtagsfraktion Süd-Tiroler Straße 13, 39100 Bozen

Süd-Tiroler Freiheit / Regionalratsfraktion Laubengasse 9, 39100 Bozen

Presserechtlicher Verantwortlicher Dr. Herbert Campidell

Redakteure dieser Ausgabe Stefan Zelger, BSc, BA (SZ) Dr. Cristian Kollmann (CK) Sven Knoll (SK)

Fotos Pixabay, Shutterstock (Titelbild), Süd-Tiroler Freiheit, ASGB

Druck Effekt GmbH (Neumarkt)

Eintragung Eingetragen im Register der Druckschriften des Landesgerichts Bozen Nr. 1/2015 vom 5.3.2015

GmbH (Neumarkt) Eintragung Eingetragen im Register der Druckschriften des Landesgerichts Bozen Nr. 1/2015 vom 5.3.2015