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Nityahomavidhi

Die Regel für das tägliche Feueropfer


(nach Nityakarma-Pūjāprakāśa, von Śrīrāmbhavanjī Miśra und Śrīlālbihārījī Miśra, Gītapress Gorakhpur,
saṃ 2052, p. 374-376)

Nachdem man das tägliche Morgenritual abgeschlossen hat, setze man sich mit dem
Gesicht nach Osten, reinige den Sitzplatz (āsana) rituell, schlürfe (dreimal) Wasser
(ācamana), übe prānāyāma und formuliere den Entschluß (saṃkalpa):

gotraḥ, pravaraḥ, Śārmā (Varmā/Guptaḥ/Dāsaḥ) ahaṃ nitya-karmānuṣṭhāna-siddhi-


dvārā śruti-smṛti-purāṇokta-phala-prāpty-arthaṃ śrī-parameśvara-prīty-arthaṃ ca
nitya-homaṃ kariṣye /

nach 'oṃ, heute... (Datum)' usw. sage man Ort und Zeit an (und fahre fort) 'aus dem Clan
(gotra) xxx stammend, mit xxx als erstem Vorfahr (pravara), werde ich, der ich Śarmā
(oder Varmā, Gupta, Dāsa) heiße, mittels des guten Effekts aus der Ausführung der
täglichen Morgenrituale, um die in Veda, Gesetzestexten, Purānas dargelegten Früchte zu
erlangen und um den höchsten Herrn zu erfreuen, das tägliche Feueropfer ausführen'.

Die fünf Erd-weihungen


Nach Formulierung des saṃkalpa nimm die im Folgenden beschriebenen fünf Weihun-
gen der Erde vor:
1. Reinige den Altarplatz oder das kupferne Feuergefäß mit drei Kuśa-Gräsern von
Süden nach Norden und wirf die Kuśa-Gräser dann nach Nordosten weg (darbaih
parisamuhya, 'indem1 ich mit Darbha-Gräsern [Wasser] umsprenkle...').
2. Reibe (den Platz) mit Kuhdung und Wasser ein (gomayodakenopalipya 'indem
ich mit Kuhdung vermischtem Wasser einreibe...').
3. Ziehe mit einerm Ritual-löffel oder einer Kuśa-Wurzel von Westen nach Osten
drei Linien von der Länge einer Spanne (Abstand von ausgestrecktem Daumen zum
Zeigefinger, 10 Fingerbreit lang) von Süden nach Norden (vajreṇollikhya 'indem ich mit
dem Donnerkeil aufkratze...').
4. Entferne in der Reihenfolge des Linienziehens mit dem rechten Ringfinger und
Daumen die Erde von den Linien und lege sie dreimal in die linke Hand. Dann lege die
ganze Erde in die rechte Hand und wirf sie nach Norden (anāmikāṅguṣṭhābhyāṃ
mṛdam uddhṛtya 'indem ich mit dem Ringfinger und dem Daumen die Erde
aufnehme...').
5. Dann besprenge die Feuergrube/das Feuergefäß oder den Altarplatz nochmals mit
Wasser (udakenābhyukṣya 'indem ich mit Wasser besprenkle...').

Nachdem Du auf diese Weise die fünf Erd-Weihungen vorgenommen hast, stelle das
opferreine (? pavitra) Feuer auf deiner rechten Seite ab, nimm aus jenem Feuer den
kleinen fleischessenden Anteil2 heraus und stelle ihn in der südwestlichen Ecke ab. Dann
platziere das vor dir hingestellte reine Feuer in der Feuergrube/dem Feuergefäß oder dem
Altarplatz mit dem folgenden mantra: oṃ agniṃ dūtaṃ puro dadhe havyavāham upa
bruve / devā 2 ā sādayād iha (oṃ, ich setze das Feuer als Boten nach vorn, spreche

1
Absolutiv-Konstruktion unklar - möglicherweise gehen die Sätze weiter, was hier nicht vermerkt ist,
vielleicht weil jeder anständige Mensch sie auswendig kennt.
2
wahrscheinlich der Teil, der auf dem Verbrennungsplatz die Leichen ißt.
den, der das Opfer [zu den Göttern] führt, demütig an, er möge die Götter [?]
veranlassen, sich hier her zu setzen)

Nachdem du mit diesem mantra das Feuer platziert hast, streue kuśa-Gras um den
Altarplatz. Lege im Osten der Feuergrube oder des Altarplatzes kuśa oder dūrvā-Gras mit
den Spitzen nach Norden nieder, im Süden drei kuśa oder dūrvā-Gräser mit den Spitzen
nach Osten, im Westen drei kuśa oder dūrvā-Gräser mit den Spitzen nach Norden, im
Norden drei kuśa oder dūrvā-Gräser mit den Spitzen nach Osten. Fache das Feuer mit
einem Rohr aus Bambus an. Danach meditiere über das Feuer:

Meditation (dhyāna) über Agni


oṃ
mukhaṃ yaḥ sarvadevānāṃ havyabhuk kavyabhuk tathā /
pitṝṇāṃ ca namastasmai viṣṇave pāvakātmane //

Welcher das Oberhaupt aller Götter ist, der die Opferspeise für die Götter genießt und
auch die Speisedarbringungen für die Ahnen, dem [sei] Verehrung, dem Viṣṇu, der aus
Feuer besteht.

Nachdem die Meditation und das Gebet oṃ agne śāṇḍilyagotra meṣadhvaja prāṅmukha
mama sammukho bhava (oṃ Agni, der dem Clan des Śāṇḍilya angehört, dessen Banner
der Widder ist, der nach Osten/vorn gewandt ist, sei einer, der mir zugewandt/freundlich
gesinnt ist) abgeschlossen sind, veranstalte mit dem mantra 'pāvakāgnaye namaḥ' eine
pūjā mit fünf Darreichungen. Bringe Duftstoff, Blüten, Räucherwerk, Licht und Speise
dar. Dann bringe im Feuer mit Ghee vermischte Opferspeise oder Ghee dar. Wenn
möglich, bringe im flammenden Teil des Feuers mittels einer Opferkelle mit Ghee drei
Feueropfergaben dar:

1 - oṃ bhūḥ svāhā, idam agnaye na mama /


2 - oṃ bhuvaḥ svāhā, idam vāyave na mama /
3 - oṃ svaḥ svāhā, idaṃ sūryāya na mama /
(oṃ Erde, svāhā, dies ist für Agni, nicht mein, oṃ Zwischenraum, svāhā, dies ist für den
Wind, nicht mein, oṃ Himmel, svāhā, dies ist für die Sonne, nicht mein.)

1. oṃ agnaye svāhā, idam agnaye na mama /


2. oṃ dhanvantaraye svāhā, idam dhanvantaraye na mama /
3. oṃ viśvebhyo devebhyaḥ svāhā, idam viśvebhyo devebhyo na mama /
4. oṃ prajāpataye svāhā, idam prajāpataye na mama /
5. oṃ agnaye sviṣṭakṛte svāhā, idam agnaye sviṣṭakṛte na mama /
(oṃ, für das Feuer, svāhā, dies ist für das Feuer, nicht mein - dasselbe für: Dhanvantari,
den Arzt der Götter, alle Götter, Prajāpati, Agni, der das Geopferte gut macht [?])

Nach Abschluß der fünf Feueropfergaben wie sie von Maharṣi Gautama gelehrt wurden,
gib mit folgenden mantras weitere Gaben ins Feuer:

1. oṃ devakṛtasyainaso 'vayajanam asi svāhā, idam agnaye na mama /


2. oṃ manuṣyakṛtasyainaso 'vayajanam asi svāhā, idam agnaye na mama /
3. oṃ pitṛkṛtasyainaso 'vayajanam asi svāhā, idam agnaye na mama /
4. oṃ ātmakṛtasyainaso 'vayajanam asi svāhā, idam agnaye na mama /
5. oṃ enasa enaso 'vayajanam asi svāhā, idam agnaye na mama /
6. oṃ yac cāham eno vidvāṃś cakāra yac cāvidvāṁs tasya sarvasyainaso
'vayajanam asi svāhā, idam agnaye na mama /
(oṃ, du bist das Mittel für die Wiedergutmachung der von den Göttern begangenen
Übeltaten, svāhā, dies ist für Agni, nicht mein - dasselbe für die Übeltaten der Menschen,
Ahnen, des Selbst/einem selbst, die Übeltat der Übeltat - dann: oṃ, und welches Übel ich
wissentlich oder unwissentlich getan habe, all dieses Übels Mittel für Wiedergutmachung
bist du, svāhā, dies ist für Agni, nicht mein.)

Nach Abschluß des homa in dieser Weise und nach der Schluß-pūjā mit fünf
Darreichungen (Duftstoff, Blüten, Räucherwerk, Licht und Speise) sprich ein Gebet für
die Wiedergutmachung von Mängeln:

oṃ sapta te agne samidhaḥ sapta jihvā sapta ṛṣayaḥ sapta dhāma priyāṇi / sapta
hotrāḥ saptadhā tvā yajanti sapta yonīr ā pṛṇasva ghṛtena svāhā //
(Oṃ, sieben sind, oh Agni, deine Umlegehölzer, sieben [deine] Zungen, sieben die Ṛṣis,
sieben die lieben Orte. Sieben Opferdienste (?) opfern dich (?) siebenfach, fülle die
sieben Mutterschöße mit Butterschmalz an, svāhā.)

Am Ende widme die getane Opferhandlung mit folgendem Satz dem Herrn:

anena nityahomakarmaṇā śrīparameśvaraḥ priyatām na mama /


oṃ tat sad brahmārpaṇam astu
(Durch dieses tägliche Feuerritual soll der glückhafte höchste Herr sich freuen - [es ist]
nicht mein. Oṃ, das ist wahr, es sei dem brahman hingegeben.)