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Gewöhnliche inhomogene

Differentialgleichungen der 1. und 2.


Ordnung
Christopher Schael
1.1.) Anleitung Christopher Schael
DGL der 1. Ordnung 2

1.) DGL der 1. Ordnung


In diesem Abschnitt werde ich eine Anleitung zur Lösung von inhomogenen und homogenen Dif-

ferentialgleichungen der 1. Ordnung vorstellen. Dazu müssen wir uns zunächst auf Notationen

festlegen.

Zunächst sei eine Differentialgleichung der 1. Ordnung mit y0 + a( x )y = b( x ). Im


Allgemeinen heißen solchen Differentialgleichungen linear.
Diese Gleichung heißt homogen, falls b( x ) = 0 und inhomogene Differentialgleichung
falls b( x ) 6= 0. Die Funktion b( x ) wird häufig als Störfunktion bezeichnet.

1.1.) Anleitung

(i) Finde ein y, welches die homogene Differentialgleichung (DGL) löst. Diese Lö-
sung lässt sich häufig durch Trennung der Variablen finden. Alternativ kann
R
auch eine Lösung durch yh = C · e|− {z
a( x )dx
} für ein C ∈ R ermittelt werden.
=: f ( x )

(ii) Setze C ( x ) := C und differenziere die Lösung des homogenen Teils nach x, d.h.
berechne: y0h = ∂
∂x (C ( X ) · f ( x )).

(iii) Setze nun yh und y0h in die gegebene inhomogene Differentialgleichung ein und
forme das Ergebnis nach C 0 ( x ) um.

C 0 ( x )dx
R
(iv) Berechne C ( x ) =

(v) Setze dies in yh = C ( x ) · f ( x ) ein und erhalte so die allgemeine inhomogene


Lösung.

(vi) ist ein Anfangswertproblem (AWP) gegeben, so nutze dies um eine spezielle
Lösung zu finden.
1.2.) Beispiel Christopher Schael
1.2.) Beispiel 3

1.2.) Beispiel

2
Es sei das AWP y0 + 2xy − e− x = x mit der Fixierung y(0) = 1 zu lösen.
2
Dazu bringe die DGL in die allgemeine Form: y0 + 2xy = e− x .

2
xdx = x2 haben wir yh = C · e− x
R
(i) Berechne die homogene Lösung: Mit 2

2 2
(ii) Die Ableitung nach x: y0h = C 0 ( x )e− x − 2xC ( x )e− x

(iii) In die inhomogene DGL eingesetzt ergibt:

2 2 2 2 2
e− x + x = C 0 ( x )e− x − 2xC ( x )e− x + 2xC ( x ) · e− x = C 0 ( x )e− x
 2  2 2
⇔ C 0 ( x ) = e− x + x e x = 1 + xe x

2 2
C 0 ( x )dx = 1 + xe x = 12 e x + x + c
R R
(iv) Integration liefert:
 
1 x2 2 2
(v) Setze dies in yh ein: yh = 2e + x + c e− x = 1
2 + (c + x )e− x
2
(vi) AWP y(0) = 1 liefert: 1 = 1
2 + ( c + 0 ) e −0 = 1
2 +c ⇒ c = 21
 2
Damit ergibt sich die spezielle Lösung: y = 1
2 + 1
2 + x e− x
2.1.) Anleitung Christopher Schael
DGL der 2. Ordnung 4

2.) DGL der 2. Ordnung


In diesem Abschnitt werden wir uns der Lösung von Differentialgleichungssystemen (DGS) der

zweiten Ordnung zuwenden. Dazu müssen wir uns zunächst wieder auf ein paar Begrifflichkeiten

einigen.

Es sei das DGS y00 + ay0 + by = f ( x ) gegeben. Diese Gleichung heißt homogen, falls
f ( x ) = 0 und inhomogen, falls f ( x ) 6= 0.

2.1.) Anleitung

(i) Löse den homogenen Teil

(a) Berechne die Nullstellen λ1 und λ2 des charakteristischen Polynoms


χ(λ) = λ2 + aλ + b

(b) Wähle einen Lösungsansatz aus folgender Tabelle:

λ1 6 = λ2 , λ1 , λ2 ∈ R λ1 = λ2 , λ1 , λ2 ∈ R λ1 = α + iβ, λ2 = λ1
y 1 = e λ1 x y 1 = e λ1 x y1 = eαx cos ( βx )
y 2 = e λ2 x y2 = xeλ2 x y2 = eαx sin ( βx )
Tabelle (1): λ1 , λ2 sind Eigenwerte zu χ.

(c) Allgemeine homogene Lösung ist yh = c1 y1 + c2 y2 .

(ii) Zum lösen des inhomogenen Teils betrachte die Störfunktion f ( x ).

(a) Je nach Darstellung der Störfunktion muss ein unterschiedlicher Ansatz ge-
wählt werden, siehe dazu die folgende Tabelle.

f (x) = δ= Ansatz für partikuläre Lösung (y p =)


eαx α C · x k · eαx
P( x ) 0 xk · R( x )
P( x )eαk α x k R( x )eαx
Asin( βx ) + Bcos( βx )(=: z1 ) ± βi x k (c1 sin( βx ) + c2 cos( βx ))
P( x ) Asin( βx ) + Q( x ) Bcos( βx )(=: z2 ) ± βi x k ( R( x )sin( βx ) + S( x ) cos( βx ))
z1 eαx α ± βi x k (c1 sin( βx ) + c2 cos( βx )) eαx
z2 eαx α ± βi x k ( R( x )sin( βx ) + S( x ) cos( βx )) eαx
Tabelle (2): P( x ), Q( x ), R( x ) und S( x ) sind Polynome, wobei der gewählte Grad des Polynoms zu dem des gegebenen Polynoms
gleich sein sollte. Die Konstanten c1 , c2 ∈ R und k = µ(δ), wobei µ die algebraische Vielfachheit von δ bezüglich χ
bezeichnet. D.h. wie oft stimmt δ mit den Eigenenwerten λ1 und λ2 überein?
2.2.) Beispiele Christopher Schael
2.2.) Beispiele 5

(b) Bilde nun mithilfe dieser Lösungsansätze die partikuläre Lösung y p und be-
rechne y0p sowie y00p .

(c) Löse y00p + ay0p + by p = f ( x ), d.h. bestimme y p . Oft hilft hierbei die Trennung
der Variablen, ein Koeeffizientenvergleich oder einfaches Auflösen nach Va-
riablen. Diese Lösungstechniken müssen antrainiert werden.

(d) Erstelle die partikuläre Lösung y p .

(iii) Die Allgemeine Lösung der DGL lautet nun y = yh + y p .

(iv) Ist ein AWP gegeben, so verwende dies um die übrigen Konstanten aus yh zu
lösen.

Bemerkung: cos(− x ) = cos( x ) und sin(− x ) = − sin( x ). Daher wird oft der negati-
ve Eigenwert aus Tabelle ?? von χ dem cos −Term zugewiesen.

2.2.) Beispiele

2.2.1.) y00 − 4y0 + 4y = 0

Hierbei handelt es sich um eine homogene gewöhnliche Differentialgleichung der 2.


Ordnung.

(i) Löse λ2 − 4λ + 4 = 0 ⇒ λ1 = λ2 = 2

(ii) Nutze den zweiten Fall aus Tabelle 1. Dies liefert den Lösungsansatz: y = c1 y1 +
c2 y2 = c1 e2x + c2 xe2x , da keine weiteren Bedingungen angegeben sind, erhalten
wir hierdurch die allgemeine Lösung der homogenen DGL. Die Lösungsmenge
aller Lösungen lautet somit:

(iii) Lösungsmenge: MLös = c1 e2x + c2 xe2x | c1 , c2 ∈ R



2.2.) Beispiele Christopher Schael
2.2.) Beispiele 6

2.2.2.) y00 + 3y0 − 6y = xe− x

(i) Lösen des homogenen Systems


 √  √ 
3+ 33 33−3
(a) χ(λ) = λ2 + 3λ − 6 = 0 ⇒ λ1 = − 2 , λ2 = 2

(b) Betrachte den


√ 
Fall λ1 6= λ√2 , λ1, λ2 ∈ R und nutze:
3+ 33 33−3
−x 2 x 2
y1 = e , y2 = e
 √  √ 
3+ 33 33−3
−x x
(c) Allgemeine homogene Lösung ist: yh = c1 e 2
+ c2 e 2
, c1 , c2 ∈ R

(ii) Lösung des inhomogenen Teils, die Störfunktion ist f ( x ) = xe− x ,

(a) Wir haben hier ein Polynom vom Grad 1 als Produkt mit e(−1) x , damit ist
α = −1 = δ. D.h. wir betrachten den 3. Fall. Da −1 keine Nullstelle ist, ist die
algebraische Vielfachheit von (−1) : µ(−1) = 0 = k. Also nutzen wir den
Lösungsanstaz R( x )e− x mit einem allgemeinen Polynom vom Grad 1, d.h.
wir können R( x ) = A + Bx setzen. Wir rechnen also mit y p = ( A + Bx )e− x .

(b) Damit ist


y0p = Be− x − ( A + Bx )e− x = Be− x − y p und y00p = − Be− x − y0p = −2Be− x + y p

(c) Setzen wir dies in die Gleichung ein:

−2Be−x + y p + 3Be−x − 3y p − 6y p = Be−x − 8y p


= Be−x − 8Ae−x − 8Bxe−x
= xe−x
⇒ B − 8A − 8Bx = x

Ein Koeffizientenvergleich liefert nun folgende zwei Gleichungen:


−1
B − 8A = 0 und −8B = 1 d.h. B = 8
Setzen wir dies in die andere Gleichung ein, erhalten wir
1 −
−8A = ⇒ A = 64
8
 
1
(d) y p = − 64 + 8x e−x
 √  √ 
3+ 33 33−3
−x
 
x
(iii) Damit ist die Allgemeine Lösung: y = c1 e 2
+ c2 e 2
− 1
64 + x
8 e− x

(iv) Die Lösungsmenge lautet also: {y | c1 , c2 ∈ R}


2.2.) Beispiele Christopher Schael
2.2.) Beispiele 7

2.2.3.) y00 + 2y0 + 2y = −5 sin(2x ) mit y(0) = 1, y0 (0) = 0

(i) Homogene Lösung

(a) χ(λ) = λ2 + 2λ + 2 = 0 ⇒ λ1 = −1 + i, λ2 = λ1

(b) Betrachte den Fall λ1 = α − iβ, λ2 = λ1 und nutze:


y1 = e− x cos( x ), y2 = e− x sin( x )

(c) yh = c1 e− x cos( x ) + c2 e− x sin( x )

(ii) Lösen der partikulären Lösung

(a) Störfunktion: f ( x ) = −5 sin(2x ) d.h. wir betrachten den 4. Fall und er-
kennen, dass A = −5 und B = 0. Da keiner unser Eigenwerte gleich iβ
ist, haben wir k = 0, wobei β = 2. Wir nutzen also den Ansatz: y p =
c1 sin(2x ) + c2 cos(2x )

(b) y0p = 2(c1 cos(2x ) − c2 sin(2x )) und y00p = −4(c1 sin(2x ) + c2 cos(2x ))

(c) Löse y00p + 2y0p + 2y p = −5 sin(2x ):

− 4(c1 sin(2x ) + c2 cos(2x )) + 4(c1 cos(2x ) − c2 sin(2x )) + 2(c1 sin(2x ) + c2 cos(2x ))


= cos(2x )(4c1 − 2c2 ) − sin(2x )(2c1 + 4c2 )
= −5 sin(2x )

Ein Koeffizientenvergleich liefert nun: 4c1 − 2c2 = 0 und 2c1 + 4c2 = 5


1
Damit erhalten wir B = 1 und A = 2
1
(d) Die partikuläre Lösung ist also: y p = 2 sin(2x ) + cos(2x )

(iii) Die allgemeine Lösung ist: y = 1


2 sin(2x ) + cos(2x ) + c1 e− x cos( x ) + c2 e− x sin( x )

(iv) AWP: y(0) = 1 liefert: 1 = 0 + 1 + c1 + 0 ⇒ c1 = 0


und y0 (0) = 0 liefert für
y0 = cos(2x ) − 2 sin(2x ) − c2 e− x sin( x ) + c2 e− x cos( x )
0 = 1 + c2 ⇒ c2 = −1

(v) Die spezielle Lösung lautet folglich:


−1
y= 2 sin(2x ) + cos(2x ) − e− x sin( x )
3.2.) DGL 2. Ordnung Christopher Schael
Übungsaufgaben 8

3.) Übungsaufgaben
Beweisen Sie: Eine allgemeine Lösung einer gewöhnlichen homogenen Differenti-
R
algleichung der 1. Ordnung lässt sich durch y = C · e− a( x )dx finde.

3.1.) DGL 1. Ordnung

(1.) y0 + y = C ( x )e−nx mit dem AWP y(0) = 1 und C ( x ) als Polynom vom Grad 2.

(2.) xy0 + my = x mit AWP y(1) = −1 für m = 1, ..., 5 (d.h. hier sind 5 Aufgaben
gegeben).

3.2.) DGL 2. Ordnung

(1.) y00 + 3y0 − 4y = xe− x Bestimmen Sie die Lösungsmenge.


n   o
Zur Probe: MLös = − 36 1
+ 6x e−x + c1 e−4x + c2 e x | c1 , c2 ∈ R

(2.) y00 − 2y0 + 5y = 0

(3.) y00 − 2y0 + 10y = 0 mit dem AWP y(0) = 2 und y0 (0) = 0.

(4.) y00 − 2y0 + 5y = 5x2 − 17x + 6

(5.) y00 − 2y0 + 5y = (5x − 7)e− x cos(2x )

1 Ich verweise auf folgende Internetreferenz für mehr Übungen und Lösungen:
http://www.mp.haw-hamburg.de/pers/Vassilevskaya/download/m2/dgl/main-diff-eq.pdf