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Meine Mandantin: Marie Kapretz

Anzeige wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit gem. § 99 StGB


gegen unbekannt

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit zeige ich unter Vorlage einer auf mich lautenden Vollmacht an, dass
mich Frau Marie Kapretz mit der Wahrnehmung ihrer rechtlichen Interessen
in der vorbezeichneten Angelegenheit beauftragt hat.

Hiermit erstatte ich namens und in Vollmacht meiner Mandantin, Frau Marie
Kapretz,

Strafanzeige

wegen des

Anfangsverdachts der geheimdienstlichen Agententätigkeit gemäß


§ 99 StGB

gegen unbekannte mutmaßliche Mitarbeiter spanischer Sicherheitsbehör-


den im Zusammenhang mit der Tätigkeit der Vertretung der Regierung von
Katalonien in Deutschland.

I. Meine Mandantin, Frau Marie Kapretz, ist deutsche Staatsangehörige. Sie


war von 2016 bis November 2017 Vertreterin der Regierung von Katalonien
in Deutschland. Der Sitz der Vertretung ist in der Friedrichstraße 185 in
10117 Berlin. Diese Vertretung wurde im November 2017 durch die spani-
schen Behörden aufgrund des Artikels 155 der Spanischen Verfassung ge-
schlossen. Sie wurde ab Juli 2018 wieder angestellt und fungiert, nachdem
am 19.09.2018 die Vertretung der Regierung von Katalonien in Deutschland
wieder eröffnet worden ist, wieder als deren Vertreterin. Zwischen November
2017 und Juli 2018 war meine Mandantin nicht bei der Vertretung der Regie-
rung von Katalonien angestellt.
II. Aus einer Anlage eines Schreibens des Außenministeriums des spanischen Staates, ver-
treten durch die dortige Anwaltschaft des Staates (El Abogado del Estado), vom 26.06.2019,
gerichtet an den Obersten Gerichtshof von Katalonien (Tribunal Superior de Justicia de Ca-
talunya), mit dem der Antrag auf Schließung der Auslandsvertretung der katalanischen Regie-
rung beantragt worden ist, ergibt sich der Anfangsverdacht, dass spanische Sicherheitsbehör-
den einer geheimdienstlichen Agententätigkeit im Geltungsbereich des Strafgesetzbuches
nachgehen. Aus den Unterlagen ergibt sich weiterhin der Anfangsverdacht, dass meine Man-
dantin Betroffene dieser geheimdienstlichen Agententätigkeit ist.

In dieser Anlage – einem Dossier des Staatssekretariats für Sicherheit des spanischen Staates
vom 02.05.2019 – werden unter dem Betreff "Deutschland – Zusammenfassender Bericht über
relevante Fakten über die Vertretung Kataloniens in Berlin und Deutschland, gerichtet an die
Botschaft Spaniens in Deutschland" mehrere Sachverhalte aufgezählt, die vorwiegend die An-
zeigeerstatterin betreffen. Davon umfasst werden u. a. Informationen über die Teilnahme an
Pressekonferenzen, Veranstaltungen, Interviews sowie über Zusammentreffen mit Dritten.

Diese Dossier ist nebst Anschreiben und einer deutschen Übersetzung dieser Anzeige beige-
fügt.

Ein Großteil der Informationen kann aus öffentlichen Quellen, wie Facebook oder Twitter, er-
langt worden sein. Allerdings sind in diesem Dossier auch Informationen enthalten, die aus
einer Überwachung des E-Mail-Verkehrs und/oder einer bei den jeweiligen Ereignissen anwe-
senden menschlichen Quelle herrühren.

Dies betrifft bspw. die Teilnahme meiner Mandantin an einer Veranstaltung am 10.01.2018 in
Berlin in der Braunschweiger Straße 53. In dem diese Veranstaltung betreffenden Absatz wird
der Raum, in der die Veranstaltung stattgefunden hat, und dessen Ausgestaltung beschrieben.
Es wird weiter ausgeführt, dass an dieser Veranstaltung auch Frau Kapretz teilgenommen hat,
ohne dass diese sich durch eigene Wortbeiträge an der Veranstaltung beteiligt hat. Wörtlich
wird auch – wie auch an anderen Stellen – ausgeführt, dass die Anwesenheit meiner Mandan-
tin „festgestellt“ worden sei. Dies begründet den Verdacht, dass diese Information durch eine
menschliche Quelle erlangt worden ist.

Bei der am 07.04.2018 durchgeführten Pressekonferenz in der Skalitzer Straße in Berlin wird
der genaue Zeitpunkt, wann Frau Kapretz den Raum betreten hat, vermerkt. Des Weiteren ist
dem Bericht ein Foto von der Anzeigeerstatterin beigefügt.
Bei der Kundgebung am 15.07.2018 am Potsdamer Platz in Berlin wird ebenfalls die Anwe-
senheit von Frau Kapretz unter Beifügung eines Fotos, worauf wohl die Anzeigeerstatterin
abgebildet sein soll (auf der Kopie ist das nicht zu sehen), vermerkt.

Bezüglich der Veranstaltung am 17.11.2018 in der Galerie Kreuzberg in Berlin wird der genaue
Zeitpunkt, zu dem Frau Kapretz den Raum betreten hat (19.30 Uhr), vermerkt und ein Foto
beigefügt.

Unter dem Datum des 30.11.2018 wird eine "besondere Aktivität" von Frau Kapretz bei der
Suche nach Personen bzw. Unterstützern vermerkt. Als Quelle werden "fuentes Vivas", also
menschliche Quellen/Informanten, genannt.

Hinsichtlich der am 29.03.2019 durchgeführten Präsentation eines Buches im Kino Babylon


Mitte in Berlin wird ebenfalls die Anwesenheit der Anzeigeerstatterin unter Beifügung eines
Fotos vermerkt. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang, dass bezüglich der
ebenfalls anwesenden Journalistin Carmela Negrete das Vorliegen eines "Documento de Se-
guiemento" erwähnt wird, also so etwas wie ein Protokoll der Verfolgung.

III. Aus diesem dargestellten Sachverhalt ergibt sich zumindest der Anfangsverdacht, dass die
aufgeführten Informationen aus geheimdienstlicher Tätigkeit in Deutschland, mutmaßlich von
Angehörigen spanischer Sicherheitsbehörden, gewonnen worden sind. Es besteht auch der
Anfangsverdacht, dass diese Tätigkeiten weiterhin stattfinden.

Somit liegt ein Anfangsverdacht einer Straftat der geheimdienstlichen Agententätigkeit gemäß
§ 99 StGB vor.

IV. Es wird darum gebeten,

den Eingang dieses Schreibens zu bestätigen und dem Unterzeichner mitzuteilen,


unter welchem Aktenzeichen diese Anzeige beim Generalbundesanwalt bearbeitet
wird.

Des Weiteren wird beantragt,

eine mögliche Ladung der Anzeigeerstatterin über das Büro des Unterzeichners vor-
zunehmen.
Schließlich wird bereits jetzt

Akteneinsicht

beantragt.

Die Akteneinsicht ist zur Prüfung einer Geltendmachung von zivilrechtlichen Ansprüchen bzw.
von sonstigen rechtlichen Schritten, die eine Rehabilitierung der Anzeigeerstatterin ermögli-
chen könnten, notwendig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Stolle
Rechtsanwalt