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Naturalismus

- beherrschende literarische Bewegung der ersten Phase der


III. Republik (nach der Commune)
- herausragender Vertreter Émile Zola

- Vorbilder Zolas Flauberts Éducation sentimentale (Desillusionierung des Protagonisten)und


Hauptwerk der Brüder Goncourt Germinie Lacerteux (1864
- In ihrer Préface betonen die Goncourt die soziologische
Ausweitung ihres Romans um den vierten Stand: „Ce livre
vient de la rue“ (zum ersten Mal, vorher Bürgertum)
- wissenschaftlicher Anspruch der Brüder Goncourt
- > Begriffe wie „analyse“, „enquête“, „étude“, „recherche“
- Germinie Lacerteux sei eine „étude clinique de l’amour“ = Wissenschaft kontaminiert Arbeit um
Roman, stütutzt sich auf

- Zolas erster naturalistischer Roman Thérèse Raquin (1867)


zeigt deutlich den Einfluss von Germinie Lacerteux

- Balzac war nochnicht positivistisch

Theoretische Grundlagen des Naturalismus :

- positivistische Philosophie Auguste Comtes = exakte Wissenschaft ; stützt sich auf positive Befund,
was überprüfbar ist ; 1870er

- Milieutheorie Hippolyte Taines (race, milieu, moment)> 3 Affekte, Pfeiler


Vererbung (Gene), Milieu und historische Situation bestimmen den
Menschen

- Evolutionstheorie Darwins = survival of the fittest, im Hinblick auf Gesellschaft untersucht

- Vererbungslehre Prosper Lucasʼ

- Experimentalmedizin Claude Bernards

- Zolas Aufsatzsammlung Le roman expérimental (1880):


Aufgabe des modernen Schriftstellers ist die Übertragung
naturwissenschaftlicher Methoden auf den Roman
- > Schriftsteller wird zum „observateur et expérimentateur“
Émile Zola (1840-1902)

- in Paris geboren, Vater italienischer Ingenieur


- verbrachte Kindheit und Jugend in Aix-en Provence, kannte
Cézanne

- weg von Träumen hin zu wissenschaftlichen Theorie : empirie der positivistischen


Naturwissenschaften ; beruht auf einem Nat. à la Balzac, gibt sich als wissenschaftlicher Strömung
aus (orientiert sich an)

- histoire naturelle : Natur (experimentelle Medizin, Vererbung und social (Geslelschaft)


- Analogie zu Balzac : Wissenschaftlicher Anspruch auf die Spitze getrieben, Wirklichkeit des
Proletariats.

Text : Le roman expèrimentel

- Programm, doctrine – Was er vor hat


- Experimentalmediziner Claude Bernard als Beispiel für seine Orientierung an der (exakten)
positivistischen Wissenschaft, die im Gegensatz zu den Geisteswissenschaften kein Problem bei
dessen Legitimierung hat.

- 2 Etappen :
- 1. L’observation des faits (wie Balzac) : beobachten den Wirklichkeit
- 2. Experimentation : (bei Balzac ähnlich der hazard, die verschiedenen
Kombinationsmöglichkeiten) : man bringt die Protagonisten/ Figuren in unterschiedliche Situationen
und schaut auf deren Reaktion, wie sie sich in bestimmten Kontexten bewegen). (Bezüglich ???) race
(Erbmasse), millieu (sozialer Kontext), moment (historischer Kontext)

- le romancier : pour voir


- Determinismus : genaue Bestimmung – Wissenschaftsnähe
- recherche d’une vérité :auch als moteur die Suche nach der Wahrheit.
- durchwandern der millieus um zu untersuchen wie sich die passion amoreuc entfaltet.
- nature et social : um die Natuur des Menschen und den sozialen Kontext – Zusammenspiel von
Mensch und sozialer Kontext untersucht
- romancier als Wissenschaftler, gibt aber zu das das Untersuchungsfeld komplex ist und das man
noch nicht so weit ist wie die exakten Wissenschaften
- icht gesellschaftlicher Stand wichtig, sondern warum wie handelt, « passion », « temperament
maux »

== es findet ein Wechsel statt weg von der exakten Beobachtung hin zur inneren Welt des Menschen,
immer verfeinert, kehrt sich jetzt nach innen, wird im UNterbewussten (Psychologie) münden,
- 1.), 2.) Hilfsmittel für die UNtersuchung nach außen vorhanden, dann nahc Innen = decadence,
renouveau catholique
Drei Phasen der Entwicklung seines Werks

1) Theoretische Schrift Mes haines (1860): Plädoyer für


Realismus und Empirismus, Abgrenzung gegenüber der
Romantik

2) Préface zur zweiten Auflage von Thérèse Raquin (1868): erster


Entwurf einer naturalistischen Theorie

3) literarische Umsetzung der naturalistischen Theorie im 20-


bändigen Romanzyklus der Rougon-Macquart (1871-93) >
Untertitel „Histoire naturelle et sociale d’une famille sous le
Second Empire“

- Familiengeschichte anhand derer die „événements et


sentiments de toute une époque sociale“ vom Staatsstreich
Napoleons bis zur Niederlage bei Sedan dargestellt werden

- Zyklus umfasst verschiedenste Schichten und Berufsgruppen


- Materialfülle, um naturgesetzliches Wirken der Faktoren
Erbmasse und Milieu zu zeigen
- Zola ist von der Veränderbarkeit dieser Lebensverhältnisse
überzeugt und will durch die Schilderung sozialer Missstände
zu ihrer Beseitigung beitragen
- Laster und Verbrechen sind für ihn unmittelbare Folgen des
sozialen Elends
- er macht bürgerliche Gesellschaft für die Situation des
Proletariats verantwortlich
- „rigueur d’une vérité scientifique“ steht im Widerspruch zur
mythischen Überhöhung der dargestellten Wirklichkeit,
archetypische Bilder wie Apokalypse, Turm zu Babel, Monster

- Wissenschaftliche Wahrheit durch mythische Überhöhung, Les Halles = gefrässiges Monster,


Mietskaserne, argot, Turmbau zu Babel, Einsturz Kohlegrube = Apokalypse
== Unterschicht wird dadurch künstlerisch aufgewertet

Rougon-Macquart-Zyklus (1871-93)

Le ventre de Paris (1873) > Darstellung des gewerbetreibenden


Kleinbürgertums
L’assomoir (1877) – der Totschläger, Name einer Kneipe >
unwürdige Lebensverhältnisse des Proletariats in den Elendsvierteln von Paris; das bescheidene
Glück der Wäscherin Gervaise zerbricht konsequent an Armut, Gewalt und Alkohol
Nana (1880)
Germinal (1885) > unwürdige Lebensverhältnisse des
Proletariats in den nordfranzösischen Kohlegruben
La terre (1887)
- ab 1880 Soirées de Médan, Novellenband, u.a. mit Huysmans
und Maupassant
Krise des Positivismus

- Wissenschaftlichkeit wird übertrieben,, zu exakt, Mensch lässt sich darauf nicht reduzieren und es
reicht nicht aus; Bereiche des menschlichen werden außen vor gelassen, mit dies Methode nicht
fassen == Irrationale, Gemütszustände = Dekadenzbewegung als Reaktion
- ab Mitte der 1880er
- Niedergang des Naturalismus aus der Bewegung
selbst heraus
- Hinwendung zum Irrationalen
- 1884 wendet sich Huysmans mit A rebours der
Dekadenzbewegung zu
- Zola schließt Rougon-Macquart ab und wendet sich
sozialistischem Humanismus zu
- Im Roman größerer Spielraum für subjektive Weltsicht

Renouveau catholique

- Ferdinand Brunetière: „une morale n’est rien si elle n’est pas


religieuse“
- Konversion zum Katholizismus Claudels, Huysmansʼ,
Bourgets u.a.
- offizielle Aussöhnung der 3. Republik mit dem Vatikan gab dem
renouveau catholique Auftrieb
- keine einheitliche literarische Schule! Gemeinsames Interesse
der moralischen Erneuerung Frankreichs
- Léon Bloy: nur bedingungsloser Glaube kann die moderne
Welt vor dem Zusammenbruch retten
- Weiterentwicklung des RC auch im 20. Jh., Claudel, Péguy,
Bernanos, Mauriac u.a.
Décadence
- Epoche des Niedergangs nach der Niederlage im dt-franz.-Krieg
1870/71
- ab Mitte der 1880er verstärktes Dekadenzbewusstsein als
gemeinsame Grundstimmung aller literarischen Manifestationen
- mit Annäherung an die Jahrhundertwende steigert sich das
Endzeitbewusstsein zu einer Fin de Siècle-Neurose (Gemütszustand)
- vor allem das gehobene Bürgertum sucht im Irrationalen
Zuflucht > Angst vor einem Vordringen der Arbeiterschaft und
einer „übersteigerten“ Demokratisierung, Misstrauen gegenüber
einer nicht mehr beherrschbaren Technik
- in der Literaturgeschichte Begriffe Dekadenz, Fin de siècle,
Symbolismus > keine zeitlich oder inhaltlich fest umrissene
Schulen

- Vorstellung des allgemeinen Verfalls (materiell, politischhistorisch)


verbunden mit Idee besonderer künstlerischer,
intellektueller und psychischer Verfeinerung

1880er bis 1900:

- Ende 1881 Kabarett Le chat noir, Treffpunkt der Bewegung;


wenig später gleichnamige Zeitschrift
- 1883 veröffentlicht Verlaine darin sein programmatisches
Gedicht Langueur (Lustlosigkeit, Langeweile)
- 1885 Paul Bourget: Essais de psychologie contemporaine>
Merkmale der neuzeitlichen Neurose: Metaphysische Unruhe (deswegen renouveau catholique,
Katholozismus bereitet weniger Probleme da nicht mehr im Dienste des Kaisers),
Hypersensibilität, Melancholie, Pessimismus
- Baudelaire der Spleen-Gedichte ist für Bourget Vorläufer des
zeitgenössischen Dekadenzbewusstseins

Themen 19. Jahrhundert: (kommen am Ende des 19.Jhdt. noch mal auf)

- Umwälzungen, kommt Ende des 19. Jahrhundert wieder (auch das Irrationale tritt zum Vorschein)
- Aufstieg des Bürgertums und all das was es mit sich bringt, Interesse am 4. Stand durch die
Demokratisierung (nach 1870)
- Aufstieg Demokratie – Unsicherheit
- Thema der Masse: sich hervorheben aus der Masse um ein Profil zu finden, auch die Angst vor der
Masse (Mangel an Rafinesse, nur noch Banalität) spiegelt sich Romanfiguren wieder. = Decadence
will dem Entwas entgegen stellen.
- Fortschritt: Angst vor Fortschrittsdenken/ Technik.
Joris-Karl Huysmans

- zuerst Naturalist, dann Hinwendung zum Christentum > beschrieben in En route (1895)
- 1898 La cathédrale > Proklamation seiner Heilsgewissheit, ästhetisch überhöht
Roman À rebours (1884)
- Kultbuch einer ganzen Generation
- Protagonist ist der exzentrische französische Aristokrat Jean Floressas Des Esseintes
- handlungsarmer Roman
- Des Esseintes ist dekadenter Ästhet, der Letzte seines Geschlechts; er ist Dandy > verachtet alles
Natürliche und Triviale, liebt das Raffinierte.

Weitere wichtige Romane im 19. Jh.


1831 Victor Hugo: Notre-Dame de Paris
1832 George Sand: Indiana
1842/43 Eugène Sue: Les mystères de Paris
1844 Alexandre Dumas: Les trois mousquetaires
1862 Victor Hugo: Les misérables
1865 Frères Goncourt: Germinie Lacerteux
Seit 1868/69 Émile Zola: Rougon-Macquart-Zyklus
1880 Émile Zola: Le roman expérimental
1884 Joris-Karl Huysmans: À rebours
1885 Guy de Maupassant: Bel ami