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MUSIK AKADEMIE BASEL Vera Oeri-Bibliothek

Ausstellung György Kurtág Signs, Games and Messages Zum 90. Geburtstag des Komponisten

(Donnerstag, 21. April Samstag, 28. Mai 2016)

Kuration: Martina Wohlthat Vitrinengestaltung: Friederike Hennig

Martina Wohlthat Vitrinengestaltung: Friederike Hennig Dank an Roland Moser, Heinz Holliger, Thomas Kessler, Alfred

Dank an Roland Moser, Heinz Holliger, Thomas Kessler, Alfred Knüsel, Beatrice und Peter Stein, Christian Sutter, Kurt Widmer, Heidy Zimmermann, Paul Sacher Stiftung Basel.

György Kurtág ist mit dem subjektiven Ausdrucksvermögen seiner Musik eine singuläre Erscheinung in der zeitgenössischen Musik. Der 1926 in Lugoj (im Banat) geborene ungarische Komponist und Pianist schafft sein Werk vor dem Hintergrund der Begrenztheit des Lebens. Seine Hommages verbinden sich zu Erinnerungsnetzen. Die kurzen Stücke entwickeln grosse Kraft. Kurtág hat 1959 nach einer Lebens- und Schaffenskrise mit dem Komponieren neu begonnen. Vorangegangen war ein tonales Frühwerk in der Tradition Bartóks. Die Westeuropareise 1957/58 brachte Krise und Neubeginn. In Paris besuchte Kurtág Kurse bei Olivier Messiaen und Darius Milhaud und erhielt wesentliche Impulse von der Psychologin Marianne Stein, die ihm half, ein neues Kapitel seines Schaffens aufzuschlagen. Zurück in Budapest schuf er 1959 sein Streichquartett op. 1. In den nächsten Jahren erprobte Kurtág den neu gewonnenen kom- primierten Stil in verschiedenen Besetzungen. 1968 schrieb er eines seiner bislang längsten Stücke, Die Sprüche des Péter Bornemisza op. 7 für Sopran und Klavier. In diesem Werk tritt das Wort als zweite semantische Ebene zur Musik hinzu. Aus den Sprüchen des Péter Bornemisza hat Kurtág einen Merk- spruch entnommen, der sich als Motiv und Motto durch seine Werke zieht: Virág az emberBlumen die Menschen. Blumen welken zwar, sie blühen aber auch eine Weile und zeichnen sich in die Welt ein.

Inzwischen stellt Kurtág seine Stücke zu offenen Werkreihen zusammen. Dies begann 1973 mit Spielen (Játékok) für Klavier, von denen es bisher acht Bände gibt. Seit den achtziger Jahren entstehen Signs, Games and Messages für Streicher. Eine Auswahl aus Játékok pflegt Kurtág gemeinsam mit seiner Frau Márta in Konzerten zu spielen, gemischt mit Bearbeitungen von Bach-Chorälen. Dabei ist der szenische Aspekt des vierhändigen Klavierspiels nicht zu übersehen. Das Klavierstück Virág az ember besteht aus sieben über die Tastatur verteilten Einzeltönen, in der dreihändigen Version überkreuzen sich Hände und Arme zu sich umschlingenden Tönen.

Seit einem ersten Interpretationskurs im Mai 1988 war Kurtág öfter zu Gast an der Musik-Akademie Basel, wo er im Elektronischen Studio arbeitete, Kammermusik und Instrumentation unterrichtete. Es entstanden freundschaftliche Kontakte zu Roland Moser, Thomas Kessler, Heinz Holliger, Christian Sut- ter, Alfred Knüsel und Kurt Widmer, die seine Werke einstudierten und denen sie teilweise gewidmet sind. Kurtágs musikalische Poetik vergegenwärtigt die Ausstellung in der Vera Oeri-Bibliothek mit Leih- gaben seiner Basler Freunde als Beitrag zu der Veranstaltungsreihe Messages à György Kurtág“ – Konzerte und Gespräche zum 90. Geburtstag an der Musik-Akademie Basel.

„ Messages à György Kurtág “ – Konzerte und Gespräche zum 90. Geburtstag an der Musik-Akademie

Vitrine 1 György Kurtág, Signs, Games and Messages for Viola Samuel Beckett: le nain. Hommage à Roland Moser (1994) Partitur Editio Musica Budapest 2005 (Vera Oeri-Bibliothek)

György Kurtág, Samuel Beckett: le nain. Hommage à Roland Moser [… pas à pas – nulle part … poèmes de Samuel Beckett op. 36 (199398)] Die Widmung bezieht sich auf Roland Mosers Stück Lebenslauf. Fünf Sätze über Hölderlin (1980/85) Privatsammlung Roland Moser

Programm Akademie-Konzert, 11. März 1986 Komponisten der Musik-Akademie machen Programme: Roland Moser Uraufführung von Lebenslauf. Fünf Sätze über Hölderlin mit dem Bariton Kurt Widmer Archiv der Musik-Akademie Basel

Vitrine 2 György Kurtág, Játékok VIII für Klavier zu vier Händen und für zwei Klaviere (1973) Virág az ember… Blumen die Menschen [sich umschlingende Töne] für drei Hände Partitur Editio Musica Budapest 2010 (Vera Oeri-Bibliothek)

Zeitschrift Fotó Fotoserie zu György und Márta Kurtág von Marian Reismann, Oktober 1990 Privatsammlung Beatrice und Peter Stein

Konzert Márta und György Kurtág an der Musik-Akademie Basel mit Stücken aus Játékok und Kommentaren des Komponisten, 16. Mai 1988 Archiv der Musik-Akademie Basel

Neue Wege im Klavierunterricht Interpretationskurs mit Kurtág an der Musik-Akademie Basel, 16. 20. Mai 1988 Archiv der Musik-Akademie Basel

Vitrine 3 Béla Bartók: Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta (1936) Bearbeitung des 1. Satzes für Klavier vierhändig von György Kurtág (undatiert) Geschenk an Paul Sacher zum 85. Geburtstag (1991) Faksimile der Handschrift, Widmung vom Umschlag und Schluss des 1. Satzes Paul Sacher Stiftung Basel, Sammlung Paul Sacher

Fotos György Kurtág von Rolf Hans (1993) Den in Basel lebenden Maler und Bildhauer Rolf Hans (19381996) verband eine Freundschaft mit György Kurtág. 1993 entstand eine Mappe mit eindrucksvollen Schwarzweiss-Fotografien. Privatsammlung Beatrice und Peter Stein

Vitrine 4 Friedrich Spangemacher (Hg.): György Kurtág, Bonn 1986 Mit Widmung „Für Marianne, der ich alles verdanke im Beruf und im menschlichen Werden. Gyuri“ Privatsammlung Beatrice und Peter Stein

Brief von Bálint András Varga an Marianne Stein vom 26. Oktober 1988 Die ungarische Psychologin Marianne Stein (19131994) lebte in den achtziger Jahren in Basel. Mit ihrer Hilfe befreite sich Kurtág 1957/58 in Paris aus einer Schaffenskrise. Privatsammlung Beatrice und Peter Stein

György Kurtág, Kafka-Fragmente [Meine Gefängniszelle meine Festung] op. 24 (198587) Partiturkopie der Erstschrift, Marianne Stein gewidmet, Titelseite und Nr. 4 Ruhelos Privatsammlung Roland Moser

Programm Basler Musik Forum, 19. Februar 1988 Basler Erstaufführung von Messages de Feu Demoiselle R.V. Troussova op. 17 (197680) Privatsammlung Alfred Knüsel

Vitrine 5 Brief aus dem Jahr 1995 und undatierte Postkarte von Kurtág an Elisabeth und Alfred Knüsel Privatsammlung Alfred Knüsel

György Kurtág, Drei Alte Inschriften für Gesang und Klavier op. 25 (198687) Partitur Editio Musica Budapest mit handschriftlicher Widmung Privatsammlung Alfred Knüsel

György Kurtág, Einige Sätze aus den Sudelbüchern Georg Christoph Lichtenbergs. Neufassung für Sopran und Kontrabass op. 37a (1999): [Nr. 1] Die Kartoffeln Kopie der Handschrift. Die Neufassung schrieb Kurtág für den Basler Kontrabassisten Christian Sutter. Privatsammlung Christian Sutter

György Kurtág, Message-consolation à Christian Sutter, erste Fassung (1999) Kopie Telefax vom 17. November 1999 Privatsammlung Christian Sutter

Patrick Hahn / Christian Sutter: Message-consolation à Christian Sutter Interview Stuttgart, 18. Februar 2013 Privatsammlung Christian Sutter

Vitrine 6 György Kurtág, …ein Sappho-Fragmentfür Englischhorn (1999) für Heinz Holliger zum 60. Geburtstag (komponiert 18. 21.2.1999) Faksimile der Handschrift Paul Sacher Stiftung Basel, Sammlung György Kurtág

Heinz Holliger: Beiseit (1990/91) Zwölf Lieder nach Gedichten von Robert Walser für Kontratenor, Klarinette, Akkordeon und Kontrabass, György Kurtág gewidmet. Faksimile Titelseite der autographen Partitur Paul Sacher Stiftung Basel, Sammlung Heinz Holliger

György Kurtág, Hommage à André Bernold. Paracelsus scripsit: „ichts musz zu nichts werden“ Kopie, datiert 3.11.2014 Paul Sacher Stiftung Basel, Sammlung Heinz Holliger

Brief von Heinz Holliger an Kurtág vom 25. Dezember 2014 über Paracelsus und „ichts“ Paul Sacher Stiftung Basel, Sammlung Heinz Holliger

Vitrine 7 György Kurtág, Hölderlin-Gesänge für Bariton, Posaune und Tuba op. 35a (199397) Partitur Editio Musica Budapest mit handschriftlicher Widmung für Kurt Widmer Privatsammlung Kurt Widmer

György Kurtág, Hölderlin-Gesänge für Bariton, Posaune und Tuba op. 35a (199397) Partiturkopie mit Einzeichnungen und Zeichnungen von Kurt Widmer Privatsammlung Kurt Widmer

Hölderlin-Gesänge op. 35a, Signs, Games and Messages,

Kurt Widmer (Bariton), Heinrich Huber (Posaune), David LeClair (Tuba) ECM Records 2003 (Vera Oeri-Bibliothek)

pas à pas nulle part

op. 36

Vitrine 8 György Kurtág, Suite for Piano ohne Opuszahl (1943) Partitur in nummerierter Auflage mit nachträglichen Bleistiftkorrekturen Kurtágs Privatsammlung Roland Moser

Postkarte von Kurtág an Käthi Gohl Moser und Roland Moser vom 9. Juni 1985 Privatsammlung Roland Moser

György Kurtág, Hölderlin-Gesänge op. 35b: Nun versteh' ich… für Roland Moser (1996) drei Fassungen (Erstfassung, Double, Double alio modo) Privatsammlung Roland Moser

Vitrine 9 Instrumentationsübungen von Studierenden der Hochschule für Musik Basel, 1999 Als Vorlage diente Kurtágs Stück … humble regard sur Olivier Messiaen… aus Játékok VI Instrumentationen von Márton Illés und Wanja Aloe für Bläserquintett Privatsammlung Roland Moser

Programm György Kurtág Begegnung mit dem Komponisten und Lehrer Musik-Akademie Basel Hochschule für Musik, 22.26.1.1999 Privatsammlung Roland Moser

Fotos Interpretationskurs mit Studierenden der Hochschule für Musik, 13.17.12.2004 Privatsammlung Roland Moser

Vitrine 10 György Kurtág, Perpetuum mobile II aus Zwiegespräch für Streichquartett & Live-Elektronik (1999/2000) Kompositionsauftrag der Hochschule für Musik Basel, Uraufführung am 12.11.1999 Partiturkopie mit Einzeichnungen Privatsammlung Thomas Kessler

Programm ECHT!ZEIT, Tage für Live-Elektronische Musik Basel 1999 mit Widmung an Beatrice Stein Privatsammlung Beatrice und Peter Stein

CD Neu!Zeit! Konzerte vom 12.11.1999 Aufnahme Schweizer Radio DRS (Vera Oeri-Bibliothek)

Fotos Proben zu Zwiegespräch für Streichquartett & Live-Elektronik im Neuen Saal 1999 mit Hansheinz Schneeberger, Karin Kessler (Violine), Patrick Jüdt (Viola), Michael Keller (Violoncello), György Kurtág junior (Live-Elektronik) Privatsammlung Thomas Kessler

Thomas Kessler: Kurtág und Computer. Arbeitsbericht über die Entstehung von «Zwiegespräch» Programmbuch Composers in Residence, Internationale Musikfestwochen Luzern 2000 Vera Oeri-Bibliothek