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DEUTSCHLAND

Quantitative Potenzialanalyse zur Energieversorgung der Zukunft GeneSys-Bohrung erfolgreich


Der Koordinierungskreis Chemische Ener- unter www.energie-und-chemie.de als Ex- abgeschlossen
gieforschung, ein gemeinsamer Arbeits- cel-Tabelle eingesehen werden, in der jeder
kreis von DBG, DECHEMA, DGMK, Nutzer Zahlen verändern und so die Auswir- Im März 2010 starten Tests zur
GDCh, VCI und VDI-GVC, nimmt in einem kung auf das Ergebnis beobachten kann. Nä- Erdwärme-Gewinnung
neuen Positionspapier eine Abschätzung der heres dazu bringt die kommende Ausgabe Die Bohrarbeiten für das Geothermie-Pilot-
Potenziale der verschiedener Technologie- der EEK. projekt »GeneSys« der Bundesanstalt für
Optionen für die Energieversorgung der Zu- Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in
kunft vor. Bei dieser zeitintensiven Analyse Neuer Internetauftritt Hannover sind erfolgreich abgeschlossen
waren zahlreiche Experten aus Forschung Mit einer sehr informativen Webseite prä- worden. Bei 3.901 m erreichte die Gene-
und Industrie beteiligt. Mit Hilfe einer Inter- sentiert sich der Koordinierungskreis Che- Sys-Bohrung ihre Endteufe. Im Frühjahr
netplattform wurden alle Berechnungen vor mische Energieforschung seit kurzem der Öf- 2010 starten an der Bohrung Forschungs-
Veröffentlichung ausführlich diskutiert und fentlichkeit (www.energie-und-chemie.de). und Testarbeiten zur Gewinnung der Erd-
geprüft. Damit kann das Papier den An- Der gemeinsame Arbeitskreis der DBG wärme. Ab 2013 soll das komplette GEO-
spruch erheben, den derzeitigen Stand der (Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physi- ZENTRUM Hannover geothermisch be-
Forschung aus Sicht »der Chemie« wieder- kalische Chemie), der DECHEMA (Gesell- heizt werden.
zugeben. schaft für Chemische Technik und Biotech- Obwohl für das Abteufen der Bohrung zwei
Die gedruckte Ausgabe (52 S.) und die Zu- nologie), der DGMK (Deutsche Wissen- Monate länger erforderlich waren als ge-
sammenfassung des Positionspapiers »Ener- schaftliche Gesellschaft für Erdöl, Erdgas plant, zog Projektleiter Dr. Michael Kosi-
gieversorgung der Zukunft – der Beitrag der und Kohle), der GDCh (Gesellschaft Deut- nowski am Ende der 154 Tage dauernden
Chemie: Eine quantitative Potentialanalyse« scher Chemiker), des VCI (Verband der Bohrarbeiten ein positives Fazit: »Wir haben
können über die Chemieorganisationen be- Chemischen Industrie) und von VDI-GVC den Zielhorizont 300 m höher als erwartet
zogen werden. Die genauen Berechnungen (Gesellschaft Verfahrenstechnik und Che- angetroffen. Gleichzeitig ist es in dieser Tie-
zur quantitativen Potentialanalyse können mieingenieurwesen) wurde 2006 gegründet. fe mit 150 °C deutlich wärmer als ursprüng-
lich gedacht. Das erhöht den Wirkungsgrad
für die spätere Beheizung.«
Grund für die Verzögerungen waren zum ei-
Geothermie ist »volks- und betriebswirtschaftlich sinnvoll« nen nicht vorhersehbare geologische und
Deutsche Bank Research prognostiziert Aufgrund der erfolgreichen Inbetriebnahme technische Probleme. Kosinowski: »Zu Be-
der Geothermie gute Chancen von mehreren Geothermieanlagen und der ginn der Bohrung sind wir auf unerwartet
»Die stärkere Nutzung der Erdwärme ist so- zunehmenden Diffusion der neuen Techno- weiche Tonschichten gestoßen, die das
wohl volks- als auch betriebswirtschaftlich logien, berge die Geothermie vor dem Hin- Bohrloch immer wieder zugedrückt haben.
sinnvoll«. Zu diesem Fazit kommt die Deut- tergrund des Klimawandels und der abseh- Das hat uns allein einen Monat Zeit gekos-
sche Bank Resarch in einem Report im Rah- baren Verknappung der fossilen Energie- tet.« Zum anderen verlängerte der Einsatz
men ihrer Reihe »Energie und Klimawan- quellen viele neue Chancen. der neuartigen Bohranlage die Abläufe. Aus
del« vom 5. November 2009. Gute Chancen Profitieren würden insbesondere der Bau- Gründen des Lärmschutzes wurde das Bohr-
biete demnach die Geothermie nicht zuletzt sektor, die Kredit gebenden Finanzinstitute gestänge bei der eingesetzten Anlage »Inno-
wegen ihrer mittlerweile verbesserten Wett- oder die Risiken abdeckenden Versicherun- vaRig« vor dem Turm auf dem Boden abge-
bewerbsfähigkeit gegenüber den fossilen gen. Denn bei sachgerechter Handhabe sei- legt und nicht wie üblich im Turm abgestellt.
Energiequellen. en die Risiken der Tiefengeothermie be- Damit dauert ein Meißelwechsel doppelt so
Dank beträchtlicher Förderung der Tiefen- herrschbar. »Werden im Vorfeld alle Risiken lange wie bei einer konventionellen Anlage.
geothermie unter anderem durch das Erneu- mittels einer adäquaten Standortuntersu- Ab März 2010 ist an der Bohrung ein um-
erbaren-Energie-Gesetz (EEG), das Markt- chung (inklusive Spannungsmessungen) fangreiches Forschungs- und Testprogramm
anreizprogramm oder das KfW-Kreditpro- ausgelotet und berücksichtigt, steht einer zur Gewinnung der Erdwärme vorgesehen.
gramm würden sich neue Erdwärmesysteme stärkeren Nutzung der Geothermie nichts im »Untersucht werden zwei unterschiedliche
bereits nach wenigen Jahren gegenüber dem Wege«, so im Report der Deutschen Bank Erschließungskonzepte«, so Dr. Torsten
Einsatz von Öl oder auch Erdgas rechnen. Research. Tischner. »Im ersten Konzept soll die Was-
serzirkulation zwischen zwei hydraulisch
miteinander verbundenen, porösen Sand-
steinschichten in ca. 3.550 und 3.700 m Tie-
RWE verschiebt Entscheidung zu IGCC-Kraftwerk in Hürth fe realisiert werden. Dabei wird kaltes Was-
Angesichts der noch nicht vorhandenen ge- Dies sei keine Absage an das Projekt, man ser in die eine Schicht gepumpt, auf dem
setzlichen Grundlage und der noch nicht habe lediglich »Geschwindigkeit aus dem Weg durch künstlich erzeugte Risse wärmt
vorliegenden Akzeptanz für die Speiche- Prozess« genommen, bis die Entschei- es sich auf und wird durch die zweite Schicht
rung von CO2 hat RWE die Entscheidung dungsgrundlagen für diese Milliardeninves- herausgefördert. Beim zweiten Konzept
zum Bau des geplanten Braunkohle-Kraft- tition gesichert seien, erklärte RWE Power wird in den Sommermonaten kaltes Wasser
werks in Hürth verschoben. RWE will mit Chef Dr. Johannes Lampert. Am wichtigsten in das Gestein gepresst, wo es sich auf-
dieser IGCC-Anlage demonstrieren, wie ist dabei die Umsetzung der CCS-Richtlinie wärmt. Im Winter kann es dann als heißes
CO2 mit Hilfe der Kohlevergasungstechno- aus dem Europäischen Klimapaket in deut- Wasser nach oben gefördert werden«, er-
logie abgeschieden werden kann. sches Recht. klärt Tischner.

2 ERDÖL ERDGAS KOHLE, 126. Jg. 2010, Heft 1

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