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LEBEN UND ARBEITEN

IN DER SCHWEIZ

+ DAS SOZIALSYSTEM IN DER SCHWEIZ +


SOZIALSYSTEM xen oder Polikliniken öffentlicher Spitä-
Das schweizerische Sozialversiche- ler oder privater Kliniken vorgenom-
rungssystem ist ziemlich komplex. Je- men. Die Patientinnen und Patienten
der Zweig hat seine Besonderheiten. können ihre Ärztin oder ihren Arzt
Die Gründe dafür sind im Föderalismus grundsätzlich frei wählen; der direkte
und in der direkten Demokratie zu Zugang zu Spezialistinnen und Spezia-
suchen: Wo der Bund keine gesetz- listen ist nicht eingeschränkt.
gebende Kompetenz hat, liegt diese
bei den Kantonen. Zahnärztliche Behandlungen werden
Die Sozialversicherungen in der vor allem in Zahnarztpraxen oder öf-
Schweiz decken die Risiken Krankheit, fentlichen Dentalkliniken vorgenom-
Unfall und Berufskrankheit, Alter, Tod men. Die Grundversicherung der
und Invalidität (Grundversicherung obligatorischen Krankenversicherung
und berufliche Vorsorge) sowie Arbeits- deckt lediglich die Kosten bestimmter
losigkeit. Das System umfasst ausser- Behandlungen, vor allem chirurgischer
dem Leistungen bei Mutterschaft und Eingriffe.
Familienleistungen.

www
Soziale Sicherheit in der Schweiz:
KRANKENVERSICHERUNG 1
Die Krankenversicherung ist obli-
gatorisch für alle in der Schweiz
www.bsv.admin.ch wohnhaften Personen. Erwachsene
> Themen > Überblick > Grundlagen und Kinder sind individuell versichert.
Jede und jeder Versicherte bezahlt eine
GESUNDHEIT individuelle, einkommensunabhängi-
Ambulante medizinische Behandlun- ge Prämie, die je nach Versicherer,
gen werden hauptsächlich in Arztpra- Wohnort und Versicherungsform un-

1 Sie können verschiedene Zusatzversicherungen abschliessen (für Zahnbehandlungen, Alternativmedizin,


Privatabteilung in den Spitälern). Diese sind relativ teuer.
«Ich bin gerne in der Schweiz, weil
alle Kunden sehr freundlich sind und
ein gutes Arbeitsklima herrscht.»
Alex Marxer, Informatiker, Liechtenstein
terschiedlich ausfällt. Die Versicherung ALTERS- UND HINTERLASSENEN-
erbringt Leistungen bei Krankheit, VERSICHERUNG (AHV, 1. SÄULE)
bei von der Unfallversicherung nicht Männer, die das 65. und Frauen, die
gedecktem Unfall sowie Mutterschaft. das 64. Lebensjahr erreicht haben,
können eine Altersrente beanspru-
Achtung: Nicht erwerbstätige Personen chen. Der Rentenbezug kann um ein
müssen beim Abschluss einer Kranken- bis zwei Jahre vorgezogen oder um ein
versicherung zwingend auch eine Un- bis fünf Jahre aufgeschoben werden.
fallversicherung abschliessen. Der Vorbezug hat eine Reduktion der
Rente von 6,8% pro Vorbezugsjahr zur
Übernommen werden die Kosten von Folge, der Rentenaufschub eine Erhö-
Spital- und ambulanten Behandlungen hung von 5,2 bis 31,5%, je nach Anzahl
sowie von ärztlich verschriebenen Me- der Verlängerungsmonate. Unter ge-
dikamenten. Zahnbehandlungen sind wissen Voraussetzungen werden auch
im Prinzip nicht gedeckt. Die versicher- Kinderrenten gewährt.

www
te Person kann den Leistungserbringer
frei wählen. Bis zu einer jährlich be-
grenzten Höhe hat sie sich an den Kos- AHV/IV-Homepage:
ten zu beteiligen. www.ahv-iv.info

www
Krankenversicherung:
www
AHV-Grundlagen:
www.bag.admin.ch www.bsv.admin.ch
> Themen > Krankenversicherung > Themen > AHV
www.seco.admin.ch
> Themen > Arbeit
> Arbeitsrecht > Merkblätter,
Informationen
«Mein Schicksal hat mich als Kind in
die Schweiz geführt. Heute entscheide
ich mich dafür, in der Schweiz zu leben
und zu arbeiten.»
Marisa Fragnelli, Statistik-Spezialistin, Italien
INVALIDENVERSICHERUNG BERUFLICHE VORSORGE (2. SÄULE)
(IV, 1. SÄULE) Die berufliche Vorsorge gemäss BVG
Sämtliche in der Schweiz ansässige (Bundesgesetz über die berufliche Vor-
oder erwerbstätige Personen sind ob- sorge) hat als zweite Säule neben der
ligatorisch der Invalidenversicherung AHV/IV als erster Säule die Aufgabe,
(IV) angeschlossen. Staatsangehörige den Versicherten die Fortsetzung ihrer
der Schweiz, der EU und der EFTA, die bisherigen Lebenshaltung in angemes-
ausserhalb der EU oder der EFTA woh- sener Weise zu ermöglichen. Sie strebt
nen, können sich unter bestimmten dabei das Ziel an, mit der ersten Säule
Voraussetzungen freiwillig der IV an- zusammen ein Renteneinkommen von
schliessen. rund 60% des letzten Lohnes zu errei-
chen. Die berufliche Vorsorge ist für
Anspruch auf IV-Leistungen haben Ver- alle Arbeitnehmerinnen und Arbeit-
sicherte, die infolge eines Gesundheits- nehmer, die schon in der ersten Säule
schadens ihre Fähigkeit, erwerbstätig versichert sind und jährlich mindes-
zu sein oder sich im bisherigen Aufga- tens CHF 21’150 (Stand 2015) verdienen,
benbereich zu betätigen, ganz oder obligatorisch. Die Versicherungspflicht
teilweise einbüssen. beginnt mit Antritt des Arbeitsverhält-
nisses, frühestens mit Vollendung des
Die IV trifft in erster Linie Massnahmen 17. Altersjahres. Bis zum Erreichen des
zur beruflichen Wiedereingliederung. 24. Altersjahres decken die Beiträge

wwwIV-Grundlagen:
vorerst nur die Risiken Tod und Invalidi-
tät. Ab dem Alter von 25 Jahren wird
zusätzlich für die Altersrente ange-
www.bsv.admin.ch spart.
> Themen
> Invalidenversicherung IV
Verschiedene Personengruppen sind
dem BVG-Obligatorium nicht unter-
stellt: Selbstständigerwerbende, Ange-
stellte mit einem befristeten Arbeits- Eintritt der Arbeitslosigkeit während
vertrag von höchstens drei Monaten, mindestens 12 Monaten gearbeitet ha-
im eigenen Landwirtschaftsbetrieb tä- ben oder einen Grund für die Befreiung
tige Familienmitglieder oder Personen, von der Beitragspflicht vorweisen, sie
die im Sinne des IVG mindestens zu müssen in der Schweiz wohnhaft sein,
70% erwerbsunfähig sind. Unter Um- eine Arbeitsbewilligung haben, sich bei
ständen können sich diese Personen- der Regionalen Arbeitsvermittlung
gruppen jedoch freiwillig für die Mini- (RAV) anmelden und sich dabei auch
malvorsorge versichern. selber um Arbeit bemühen.

www
Berufliche Vorsorge:
Seit Inkrafttreten des Freizügigkeitsab-
kommens werden auch die in einem
www.bsv.admin.ch EU/EFTA-Land geleisteten Beitragszei-
> Themen > Berufliche Vorsorge ten mit angerechnet (Totalisierung).
und 3. Säule Auch für Personen mit einer Kurzauf-
enthaltsbewilligung gilt das Prinzip der
ARBEITSLOSENVERSICHERUNG Totalisierung. Für Staatsbürger aus Bul-
Alle unselbstständig Erwerbstätigen in garien und Rumänien gilt die Totalisie-
der Schweiz, die das Rentenalter noch rung mit einer Kurzaufenthaltsbewilli-
nicht erreicht haben, sind obligatorisch gung voraussichtlich erst ab 1.6.2016.
gegen Arbeitslosigkeit versichert. Der
Beitrag an die Arbeitslosenversiche- Die Arbeitslosenentschädigung be-
rung (ALV) wird zu gleichen Teilen zwi- trägt 70% des versicherten Lohnes
schen Arbeitgebenden und Arbeitneh- (während der letzten sechs Beitrags-
menden aufgeteilt. Damit Versicherte monate durchschnittlich erzielten Loh-
Anspruch auf Arbeitslosenentschädi- nes). Falls die Berechnung vorteilhafter
gung erheben können, müssen sie fol- ausfällt, basiert sie auf dem Durch-
gende Bedingungen erfüllen: Sie müs- schnittslohn der letzten zwölf Monate.
sen im Lauf der letzten beiden Jahre vor Versicherte mit unterhaltsberechtigten
«Ich liebe die kulturelle Vielfalt
der Schweiz, ihre Unterschiede.
In der Schweiz kann ich mehrere
Sprachen sprechen und Leute von
überallher treffen.»
Raquel Fernandez, Pflegefachfrau, Spanien
Kindern oder einer Arbeitslosenent- losenkasse ausgerichtet, die Sie bei Ih-
schädigung unterhalb des Minimalbe- rer Anmeldung gewählt haben. Weitere
trags erhalten 80% des versicherten Informationen erhalten Sie bei Ihrem
Lohnes. Monatliche Lohneinkommen RAV-Berater, bei Ihrer RAV-Beraterin.
über CHF 10’500.– oder unter CHF 500.–
sind nicht versichert (Stand 2015). MUTTERSCHAFTSVERSICHERUNG
Während des Bezugszeitraums von Die Mutterschaftsversicherung ge-
zwei Jahren können Sie maximal 400 währt allen selbstständig oder un-
Taggelder beziehen, wenn Sie weniger selbstständig erwerbstätigen Frauen
als 55 Jahre alt sind. 520 Taggelder ste- eine Mutterschaftsentschädigung von
hen Ihnen zu, wenn Sie über 55 Jahre alt 80% des letzten Lohnes oder Einkom-
sind und während mindestens 22 Mo- mens. Die Entschädigung beträgt
naten Beiträge bezahlt haben. höchstens CHF 196.– pro Tag (Stand
2015) und wird während 14 Wochen
Damit Sie Ihre Entschädigung beantra- nach der Geburt ausgerichtet. An-
gen können, müssen Sie sich spätestens spruchsberechtigt sind Frauen, die
am ersten Tag Ihrer Arbeitslosigkeit bei während 9 Monaten vor der Geburt
Ihrer Wohnsitzgemeinde oder im zu- versichert und in dieser Zeit während
ständigen RAV melden. Anschliessend mindestens fünf Monaten erwerbstä-
müssen Sie sich üblicherweise ein Mal tig waren.
pro Monat zu einem Beratungs- und
Kontrollgespräch im RAV einfinden. Die FAMILIENZULAGEN
Entschädigung wird von der Arbeits- Grundsätzlich werden die Familienzu-
lagen vom Arbeitgeber zusammen mit

www
dem Lohn ausbezahlt. Folgende Min-
destzulagen werden pro Kind und Mo-
Arbeitslosigkeit: nat ausgerichtet:
www.ch.ch – eine Kinderzulage von CHF 200.–
> Arbeit für Kinder bis 16 Jahren
Arbeitslos – was tun: – eine Ausbildungszulage von CHF
www.treffpunkt-arbeit.ch 250.– für Kinder von 16 bis 25 Jahren
Die Kantone können Leistungen vorse- SOZIALHILFE
hen, die über die gesetzlichen Vor- Für die Ausgestaltung der Sozialhilfe
schriften hinausgehen. sind die Kantone bzw. die Gemeinden

www Für Personen,


zuständig.
Um die Rechtsgleichheit und Rechtssi-
cherheit über die Kantonsgrenzen hin-
die in der Landwirtschaft weg zu fördern, hat die Schweizerische
erwerbstätig sind:
Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) Richtli-
www.bsv.admin.ch
nien für die Ausgestaltung und Bemes-
> Praxis > KMU/Betriebe
> Ratgeber > Landwirte sung der Sozialhilfe – kurz SKOS-Richtli-
nien – geschaffen.

www Sozialhilfe:
www.skos.ch

Fotos & Design: eisbrecher-expedition.ch


«An der Schweiz gefallen mir die Zuverlässig-
keit, Sauberkeit und Pünktlichkeit der Mit-
menschen. Ich kann meiner Familie, meinen
Kindern und meiner Frau Sicherheit für die
Zukunft bieten. Mehr als in meiner Heimat.»
Salvatore Tre Rose, Reinigungsfachmann, Italien
Wichtige Adressen
gration SEM
rtschaft Staatssekretariat für Mi
Staatssekretariat für Wi EURES
SECO Quellenweg 6
RES
Direktion für Arbeit/EU 3003 Bern-Wabern/Sch
weiz
Holzikofenweg 36 euresinfo@sem.ad mi n.c h
3003 Bern/Schweiz www.sem.admin.c h
info@eures.ch
www.eures.ch
h
www.treffpunkt-arbeit.c
25
Hotline: +41 (0)58 463 25

01.2015
2142979

«Die herrlichen Sonnenaufgänge


über dem See und den Alpen, das
liebe ich besonders an der Schweiz.»
Claudia Ruisi, Hebamme, Belgien