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Der langweilige Teil...

Normalerweise würde hier eine Abfolge von Dingen kommen, die


du alle nicht mit diesem Buch tun darfst (kopieren, weitergeben etc.)...
Weil das aber langweilig ist und im Grunde eh niemanden interessiert,
will ich dir lieber sagen, WAS du mit diesem Buch alles machen darfst:

1. Du darfst es so oft lesen, wie du willst, immer und immer wieder


(und ich hofe, das tust du auch)
2. Du darfst es an einen Freund weitergeben, dem es vielleicht auch
gut tun würde, die ein oder andere Passage anzuschauen
3. Du darfst es deinem ganzen Familienkreis laut vorlesen (vielleicht
an Weihnachten unterm Weihnachtsbaum?)
4. Und du darfst es selbstverständlich auch als Unterlage für deinen
Monitor verwenden, wenn der schon seit Ewigkeiten zu niedrig
eingestellt ist (lies das Buch aber davor :-).

Wenn du das Buch illegal aus dem Internet heruntergeladen hast,


dann soll dich der Blitz ersch**** ...dann komm wenigstens auf meiner
Webseite vorbei und hinterlasse einen netten Kommentar.

Und jetzt viel Spaß mit dem Buch!

Vielen Dank an Annika und Birgit, die das Buch Korrektur gelesen haben.
Ihr zwei seid spitze!

Selbstbewusstsein Stärken – Das Handbuch


Copyright © 2011 Moritz Bauer
Ausgabe: Januar 2012
Version: 1.3

Quellen:
Morgenroutine Intro: “Welcome to the Show” http://incompetech.com
Morgenroutine Aufwachen: “Feelin Good” http://incompetech.com
Morgenroutine Dankbarkeit: “Glow in the Dark” http://www.pacdv.com/sounds/
Morgenroutine Visualisation: “Cruising” http://www.pacdv.com/sounds/
Morgenroutine Afrmationen: “Welcome to the Show” http://incompetech.com
Meditation: “Impromptu 01 / 02 / 03” http://incompetech.com
Inhaltsverzeichnis
Vorwort.......................................................................................................... 6
Start................................................................................................................ 7
Eine kleine Bedienungsanleitung -oder- wie du das Maximale aus
diesem Buch herausholst......................................................................... 8
Meine Geschichte.................................................................................... 10
Los Geht's......................................................................................................12
Leben oder gelebt werden: Dein Leben - Deine Entscheidung............13
Grundlagen...................................................................................................23
Die Kunst der Selbst-Akzeptanz.............................................................24
Säulen des Selbstbewusstseins: Selbstbild und wahrgenommene
Realität..................................................................................................... 31
Das kleine Ein-mal-Eins der Persönlichkeits-transformation.....................33
Basiszutaten der Veränderung...............................................................34
Einstellung & Fokus................................................................................ 40
Wurzelbehandlung mit Wirkung: Die richtigen Glaubenssätze ...........47
Das Geheimnis der Hochleistungssportler: Kreative Visualisation.......53
Übung macht den Meister: Afrmationen und Routinen.....................57
Aufgepasst und Nachgemacht...............................................................63
Emotionale Intelligenz I & II: Beobachten & Beeinfussen...................65
Alltagsprobleme.......................................................................................... 70
Teil I...............................................................................................................70
Selbstbewusstsein ohne Selbst-bewusst-sein.......................................71
Problemlos vor anderen reden.............................................................. 74
Furchtlose Kommunikation: Auf andere Menschen zugehen .............77
Deine Meinung sagen............................................................................. 85
Frei sein: Wie man die "es ist mir egal, was andere über mich denken"
Einstellung bekommt............................................................................. 90
Alltagsprobleme ......................................................................................... 94
Teil II............................................................................................................. 94
Antriebslosigkeit adé: Energielevel boosten........................................95
Probleme angehen: Love it, Change it or Leave it..............................100
Wie man negative Verbindungen & schlechte Gefühle los wird ........104
Das Leben genießen: Mr. Fishers Formel für mehr Gelassenheit........111
Die Kraft des Hier und Jetzt.................................................................. 116
Angst in Mut verwandeln........................................................................... 121
Angsthasen aufgepasst: Wie man die Angst akzeptieren kann, sich
aber nicht davon beeinfussen lässt .....................................................122
Die drei Sekunden Regel....................................................................... 126
Die Vorher-Nachher Methode...............................................................129
8 Schritte zur Angstbewältigung.......................................................... 132
Gedankentricks........................................................................................... 137
Man sollte vielleicht eigentlich... aber...
Entschieden Entscheiden......................................................................138
Dem inneren Kritiker das Handwerk legen.......................................... 142
Selbst gemachte Sieger........................................................................ 148
Dein persönlicher Ruheraum................................................................ 150
Bonus.......................................................................................................... 153
Wie man zum Frühaufsteher wird........................................................ 154
Wie man den/die Angebetete/n nach einem Date fragt.....................158
10 Tipps für den sofortigen Selbstbewusstseinsschub.......................162
Epilog.......................................................................................................... 168
Anhang....................................................................................................... 169
Ressourcen & Hilfe................................................................................ 169
“Das Dasein ist köstlich, man muss nur den Mut haben, sein eigenes
Leben zu führen.” — Peter Roseger
Vorwort
Wie kommt man dazu, ein Buch übers Selbstbewusstsein zu
schreiben und eine gleichnamige Seite (http://www.selbstbewusstsein-
staerken.net) mit Informationen ins Internet zu stellen? Was kann man
überhaupt über so eine, von Person zu Person unterschiedliche
Problematik sagen? Gibt es Methoden und Denkweisen, die für alle
funktionieren - die sichere Resultate mit sich bringen? Warum sollte man
sich überhaupt mit dem Thema Persönlichkeitsentwicklung auseinander-
setzen und kann alleiniges Lesen von Büchern etwas verändern?
Dieses Buch soll Antworten geben.
Ich bin dabei nicht so sehr daran interessiert, warum die Dinge so
sind, wie sie sind. “Warum bin ich so?” “Warum ist der Andere anders?”
“Und wer ist schuld an allem?” sind Problem-Fragen, die in die falsche
Richtung zielen und am Ende in eine Sackgasse führen.
Was mich interessiert sind die Möglichkeiten, die dir und mir in jeder
Situation ofen stehen, die Frage: “Welche Möglichkeiten habe ich, was
kann ich hier und jetzt tun, um mein Leben zu verbessern?”.
Dieses Buch ist praktisch und pragmatisch. Wenn jemand zu mir
sagte: “Geh einfach hin und sei selbstbewusst” oder “Denke positiv”
brachte mir das herzlich wenig. Wie auch? Wie soll ich jetzt “einfach mal
selbstbewusst sein”? Wie? Nein, ich brauchte logische Erklärungen für
alles, für jedes noch so kleine Detail. Hatte ich die Idee hinter dem
Konzept dann erst einmal verstanden, machte es gleichzeitig “Klick” und
die Veränderung lies nicht lange auf sich warten.
Bleibende Veränderung fndet nämlich erst dann statt, wenn du die
hier besprochenen Ideen nicht nur intellektuell (im Kopf) verstehst,
sondern sie mit jedem kleinen Bisschen deines Daseins nachfühlen
kannst und in deinem tiefen Inneren für richtig befndest. Und genau
darum geht es hier! Um wirkliche, anhaltende Veränderung.
Ich will, dass es bei dir “Klick” macht, und zwar so oft wie möglich!
Start

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Eine kleine Bedienungsanleitung -oder- wie du das Maximale
aus diesem Buch herausholst

Das hier ist kein gewöhnliches Buch, das du am Abend mal kurz
durchliest und danach wieder vergisst. Es ist nicht zum schnellen
Konsum gedacht. In diesem Buch ofenbare ich dir neue und provokante
Denkweisen, praktische Tipps und pragmatische Methoden, wie du
besser und selbstbewusster leben kannst. Es geht darum, eine neue,
bestärkende Realität zu erschafen. Du tust also gut daran, dir Zeit zu
nehmen. Refektiere die einzelnen Passagen gründlich und übernehme,
was dir gefällt.
Dabei gilt: Lese dieses Buch nicht nur. Arbeite mit ihm. Unterstreiche
die Dinge, die dir wichtig erscheinen. Schreib dir die Schlüsselaussagen
heraus und deine eigenen Gedanken an den Seitenrand oder auf ein
extra Stück Papier. Mach es zu deinem Buch! Personalisiere es. Die
Bücher, die mir im Laufe meiner Entwicklung am meisten geholfen
haben, waren immer die, die mich aktiv zum Mitmachen aufgefordert
haben und nicht die, die ich nur stur heruntergelesen habe.
Lese das Buch am besten zwei mal nacheinander und in jeder
Situation, die auf ein bestimmtes Kapitel zutrift, erneut. Du wirst
feststellen, dass sich das Buch jedes mal anders liest und dir immer
wieder neue Dinge klar werden.

Ein paar Besonderheiten, die dir helfen werden

Um Schlüsselaussagen schnell wiederzufnden und die Lesbarkeit zu


erhöhen, verwende ich verschiedene Symbole in diesem Buch. Sie
bedeuten folgendes:
Zusammenfassung
Am Ende jedes Abschnitts gibt es einen kleinen Bereich,
um deine Gedanken zusammenzufassen. Hier kannst du
aufschreiben, was du aus dem Kapitel mitnehmen willst und was dir
wichtig erscheint. Mache regen Gebrauch davon und fasse jedes Kapitel
noch einmal in deinen eigenen Worten zusammen. Schreibe die für dich
wichtigen Schlüsselaussagen noch einmal heraus.

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Klick Symbol
Das Klick Symbol markiert Kernaussagen im Text. Lies sie
dir ein paarmal nacheinander durch und denke immer
wieder tagsüber an sie. Je öfter du sie wiederholst (in deinem Kopf oder
laut vor dich hergesagt) um so mehr verankerst du sie in deinem
Bewusstsein und um so schneller werden sie sich für dich wahr anfühlen
und „klicken“. Wenn sie einmal „geklickt“ haben, du sie also nicht nur
intellektuell (im Kopf) sondern mit deinem ganzen Dasein nachfühlen
kannst (sie sich für dich auch in deinem Bauchgefühl wahr und richtig
anfühlen), dann wird die dadurch bestärkende Realität nicht lange auf
sich warten lassen.

Informations Symbol
Dieses Symbol begleitet wichtige theoretische Denk-
weisen und Gedankengänge. Es lohnt sich, sie herauszu-
schreiben und sie dir immer mal wieder bewusst zu machen.

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Meine Geschichte

Es war ein verregneter Nachmittag. Ich saß wie so oft vor meinem
Computer an meinem kleinen Schreibtisch und vertrieb mir die Zeit mit
dem setzen und erhöhen, verlieren und zurückgewinnen von virtuellen
Pokerchips. Gerade als ich mir todsicher war, die Runde zu gewinnen, fel
der Strom aus. Es wurde dunkel im Zimmer und mein Schall-
plattenspieler leierte seine letzte Umdrehung.
Draußen wütete es. Es blitzte und donnerte wie man es nur von
seltenen Sommertagen kennt. Mein Blick schweifte von meinem
schwarz-gewordenen Monitor hinaus durch das Fenster und ich nahm
das intensive Geräusch des Wellblechdachs wahr, das von den schweren
Regentropfen geradezu bombardiert wurde. Ich verharrte so eine Weile
und beobachtete in Gedanken versunken das wilde Treiben.
Plötzlich, wie aus dem Nichts, schoss ein merkwürdiger Gedanke
durch meinen Kopf. “Willst du dein Leben ewig so leben, in dieser
virtuellen Welt? Willst du mit 80 immer noch so sein, wie du heute bist?”
Ich bin von Natur aus eher der stille, introvertierte Typ und hatte
öfter mal den Gedanken gehegt, etwas in die andere Richtung zu
unternehmen. Diese Vorhaben hatten sich aber bis dato - mangels
Courage - immer wieder sofort wie von selbst in Luft aufgelöst.
Nun war es da, das Signal, der Startschuss! Nein, ich wollte mit 80
nicht immer noch so schüchtern durch die Gegend laufen. Nein, ich war
es satt immer “Ja” zu sagen, obwohl ich innerlich “Nein” meinte. Ich
wollte ofener werden, das Leben in all seinen Farben genießen, ohne
ständig darüber nachdenken zu müssen, was die Menschen um mich
herum über mich dachten.
Ein Freund hatte mir kurz davor von einer Improvisations-
Theatergruppe erzählt, die gewöhnlich an diesem Tag probten. Ich
packte die Gelegenheit am Schopfe, hüpfte auf mein Fahrrad und fuhr
voller Aufregung durch den anhaltenden Sommerregen. Als ich ankam,
musste ich mich aber doch im Tag vertan haben, denn es war keine
Theatergruppe weit und breit auszumachen. Das tat der

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Aufruchstimmung aber keinen Abbruch, denn von da an wusste ich,
dass ich etwas verändern wollte, an mir und meinem Leben.
Und so begann meine Reise. Ich las unzählige Bücher, hörte alle
möglichen und unmöglichen Motivation-CDs, nahm an Kursen teil,
spielte in Theatergruppen mit und besuchte sogar ein halbes Jahr lang
eine Tanz- / Theaterschule.
Im Laufe meiner Entwicklung habe ich viele Dinge erlebt und so
einiges ausprobiert. Manche Sachen haben gut funktioniert, andere
weniger gut. Ich habe mir etliche Notizen gemacht, gar ganze Bücher
zusammengefasst, mich mit Gleichgesinnten ausgetauscht und in
Internetforen um Rat gefragt. Nun habe ich mein komplettes Wissen,
das ich mir über all die Jahre angeeignet habe, zusammengefasst. Zu
diesem Buch.
Es ist das Buch, das ich damals gerne gelesen hätte, als ich aus dem
verregneten Fenster sah und mir dachte: Ich will mehr aus meinem
Leben machen.

Ich hofe, es hilft dir, genauso wie es mir geholfen hat!

Alles Beste,
-Moritz

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Los Geht's

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Leben oder gelebt werden: Dein Leben - Deine Entscheidung

“Ich bin wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können
mich” und ich sage: “Leben oder gelebt werden”
— Konrad Adenauer & Oscar Wilde

Fakt: Du lebst dieses Leben nur einmal!

Ein harter Einstieg in ein Buch - zugegebenermaßen. Zugleich steckt


in ihm aber auch ein ungeheures Potential an Befreiung. Denn denk mal
nach:
Wenn du dieses Leben nur einmal lebst, diesen Weg nur einmal
gehst, was willst du dann aus diesem Leben machen? Wie willst du diese
einmalige Chance nutzen?
Wenn dir das einmal klar wird, wenn dir das nicht nur intellektuell in
deinem Kopf einleuchtet, sondern auch tief in deinem Bauch ankommt,
stellt sich automatisch die Folgefrage: Was will ich mit diesem
einzigartigen, einmaligen, meinem Leben anfangen? Wie will ich leben?
Was will ich mitnehmen, was will ich zurückgeben? Wer will ich werden
und was will ich tun und gemacht haben?
Gibt es Dinge in meinem Leben die anhand dieser Tatsache einfach
nur noch irrational und unwichtig erscheinen? Welche Dinge sind mir
überhaupt wichtig? Und auf was hätte ich am liebsten schon gestern
verzichtet?
Wenn es dir so geht wie mir, dann wirst du vielleicht plötzlich
feststellen, dass dein Leben viel zu wertvoll ist, um es nach den Regeln,
Meinungen, nach dem, was andere für richtig halten, zu leben. Du wirst
realisieren, dass es totaler Wahnsinn ist, dieses eine Leben nicht voll und
ganz auszukosten.
Wenn du diesen Weg nur einmal gehst, dieses Leben nur einmal
lebst, willst du dann nicht auch das Beste aus dir herausholen, das Beste
aus dir gemacht haben? Ein selbstbewusstes, ein selbstbestimmtes, ein
freies Leben leben? Dein Leben, dich selber voll entfalten - ohne all die
Begrenzungen und Erwartungen der anderen oder der Gesellschaft?

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Viele Menschen kommen leider erst viel zu spät in ihrem Leben zu
diesem Punkt und plötzlich stellt man sich die Frage:
“Was habe ich eigentlich aus diesem Leben gemacht”?
Diese Realisierung ist hart, besonders für diejenigen, denen es erst
kurz vor Schluss einleuchtet. Denn dann ist das Leben bereits vorbei, die
Zeit abgelaufen und man stellt plötzlich mit Erschrecken fest: Man hat
öfter als man zugeben will nach den Regeln und Meinungen anderer
gelebt, sich selbst zurückgestellt, sein wahres ICH unterdrückt und in
passiver Reaktion auf seine Umwelt anstatt in pro-aktiver Eigenhandlung
gelebt.
Eine Krankenschwester aus den USA, die Menschen in ihrer letzten
Phase begleitet hat, hörte ihre Patienten immer und immer wieder die
gleichen Dinge bedauern. Die Menschen wählten zwar unterschiedliche
Worte, das Thema war aber immer das Gleiche. Das, was die Menschen
mit Abstand am meisten bereuten, das, was sie im nächsten Leben auf
jeden Fall anders machen würden, lässt sich in zwei Sätzen
zusammenfassen:
“Hätte ich doch nur den Mut gehabt, mein Leben mir selbst getreu
zu leben - und nicht das, was andere von mir erwartet haben. Hätte ich
doch nur den Mut gehabt, meine wahren Gefühle zu zeigen, authentisch
und aufrichtig zu leben und mein wahres ICH zum Ausdruck zu bringen.”
Ist das nicht faszinierend? Wir leben ein ganzes Leben lang in
gewohnten Mustern und Erwartungen, nur um kurz vor Schluss
festzustellen, dass wir anstatt uns selber, vielmehr die Meinungen und
Vorschriften anderer gelebt haben. Wir realisieren plötzlich, wie viele
unerfüllte Träume, wie viele unerfüllte Wünsche und nicht gesagte
Worte noch in uns schlummern. Auf einmal fällt es uns wie Schuppen
von den Augen:

Sich selbst nicht voll zu entfalten, nicht in voller Authentizität mit


sich selbst zu leben und statt dessen die eigene Persönlichkeit zu
unterdrücken und das zu tun, was Andere von uns erwarten, ist
nichts weniger als purer Wahnsinn!

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Dieses Buch

Mit diesem Buch will ich dir helfen, von den Urteilen und Meinungen
der anderen loszukommen, deine einmalige Persönlichkeit zu entfalten
und dich selbst mehr zu leben!
Ich will dir zeigen, welche praktischen Methoden und
Gedankentricks es gibt - und im Speziellen natürlich - was mir selbst auf
diesem Weg zu einem selbstbewussteren Leben geholfen hat.
Ich will dich ermutigen, das Leben in die eigene Hand zu nehmen,
dich selbst, dein wahres ICH zu leben, unabhängig davon, was Andere
davon halten oder wie dein Umfeld darüber denkt.

Dein Leben - Deine Entscheidung

"In zwanzig Jahren wirst du mehr enttäuscht sein über die Dinge
die du nicht getan hast, als über die Dinge, die du getan hast. Also
wirf die Leinen los. Verlasse den sicheren Hafen. Fange den Wind
in deinen Segeln. Erforsche. Träume. Entdecke." — Mark Twain
Das größte Problem für die meisten Leute ist, dass sie denken, sie
hätten keine Wahl! Das Leben ist so wie es ist, was kann man schon
machen? Der langweilige Job, die halb-tote Beziehung, der ständig
nörgelnde Kollege, die nervigen “Verpfichtungen”...
Ich kann ja nicht einfach... …Und ob du kannst!
Ich behaupte: Du kannst (und tust es auch) zu jedem Zeitpunkt dein
Leben neu wählen! Egal wo du jetzt stehst, was du gerade machst, du
kannst in jedem Moment alles über den Haufen werfen, was du bisher
gemacht hast. Du hast die Wahl so zu leben wie es dir beliebt!
Alle deine Ausreden und Entschuldigungen, die du dir einfallen lässt,
um etwas nicht zu tun, sind nur Vorwände! Denn es gilt:

Wer sagt, ich kann nicht, der will nicht!

Du kannst noch heute deinen Job kündigen, deiner nervigen


Plapperfreundin Einhalt gebieten oder dich auf den Weg nach Hawaii
machen und deinen lange überfälligen Entspannungsurlaub antreten!

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Ja, aber wie, stopp mal… Nix stopp mal! Wenn du das dann nicht
machst (aus welchen guten Gründen auch immer), dann nicht weil du
nicht kannst, sondern weil du nicht willst! Jede Entscheidung hat
Konsequenzen und in diesem Fall bist du schlicht und einfach nicht dazu
bereit, diese zu tragen. Aber entscheiden kannst du immer! Du hast die
Macht über dein Leben zu entscheiden, genau so wie es dir passt!
Nehmen wir mal das Beispiel des langweiligen Jobs. “Ich muss doch
hier weiterarbeiten, auch wenn’s total langweilig und unerfüllend ist.
Wie soll ich sonst meine Miete zahlen und wo soll ich nur einen neuen
Job fnden? Nein, ich kann den Job nicht kündigen…” Natürlich kannst
du den Job kündigen, du willst nur nicht! Du kannst noch heute zum Chef
gehen und sagen, dass du morgen nicht mehr kommst!

1. Du kannst alles tun 2. Alles hat Konsequenzen

Wenn du das dann nicht machst, dann hast du einfach nur zwei
Preise abgewogen. Du hast verglichen und dich entschieden: “Menü 1
bitte, den langweiligen Job”! Genauso gut hättest du dich aber auch für
Menü 2 entscheiden können: “kündigen und nach einem neuen,
besseren, erfüllenderen Job suchen”.
Bei Menü 1 weiß man natürlich, was man bekommt und genau darum
wählen es die meisten Menschen Tag für Tag, immer und immer wieder
aufs Neue, auch wenn es ihnen schon seit Ewigkeiten zum Hals
raushängt.
Menü 2 bringt Neues, Unvorhersehbares, Veränderung – bringt
Konsequenzen mit sich. Wenn du diese nicht tragen willst, schön und
gut. Aber sei dir bewusst: Du kannst entscheiden. Du hast die Wahl.
Jeden Tag. In jedem Moment.
Nichts und niemand zwingt dich dazu, dein Leben so weiterzuleben
wie bisher. Du kannst in jeder Situation neu entscheiden, wie du
weitermachen willst.
Du hast die Wahl, immer.

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Eigenes Beispiel

Selbst in den Situationen, wo du jetzt denkst, dass du keine Wahl


hast, hast du eine Wahl! Lass mich erklären... Egal was auch passiert, du
hast immer die Wahl, wie du auf eine bestimmte Situation reagieren
willst. Dazu ein Beispiel aus meinem eigenen Leben:
Vor zwei Wochen wurde bei mir eingebrochen. Die Diebe haben
wirklich alles mitgenommen, was es zu holen gab, meine besten Pullis
und Hemden, meine Laufschuhe, meine Uhr, die ich von meinem Vater
zu Weihnachten bekommen habe, meinen Computer, meine mobile
Festplatte mit allen Backups (inklusive einer Vorabversion dieses Buches
und vielen Zusammenfassungen von anderen Büchern), meine
Schwimmbrille und sogar meine Allergiepillen blieben nicht verschont.
Was dabei besonders schmerzte war, dass plötzlich alle meine Daten
weg waren. Meine ganzen Unterlagen und Studienarbeiten, alle meine
Bilder und meine sämtliche Musikbibliothek. Projekte, in die ich Monate
investiert hatte, waren auf einen Schlag verschwunden. Dazu zählt auch
dieses Buch, das du hier gerade liest. Ich hatte bereits einige Nächte und
harte Arbeitsstunden hineingesteckt. Und nun war es weg! Einfach so,
ohne das ich etwas dagegen hätte unternehmen können. Ich würde alles
noch einmal schreiben müssen. Wieder komplett bei Null anfangen
müssen...
Bei diesem Gedanken fühlte ich mich schon mal kurz schwach und
wehrlos, das gebe ich zu. Aber es dauerte nicht lange und mir wurde
klar: Die Situation ist so wie sie ist, daran lässt sich nichts rütteln und
nichts ändern. Ich habe es vielleicht nicht gewählt, dass man all meine
Sachen klaut, was ich aber wählen kann, ist, wie ich jetzt auf diese
Situation reagiere.
Ich habe jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder versinke ich im
Selbstmitleid, verteufe die Welt und die Menschen da draußen und
jammere all meinen gestohlenen Sachen hinterher, oder ich akzeptiere
die Situation voll und ganz so wie sie ist und schaue nach vorne. Denn,
egal wie lange ich mich über alles und jeden aufrege, die Situation wird
sich dadurch nicht verändern!!!

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Du kannst manchmal vielleicht nicht wählen, was dir zustößt, aber
du hast immer die Wahl, wie du darauf reagieren willst.

In meinem Beispiel dauerte es weniger als den ersten Schock bis mir
klar wurde: Ich kann die Uhr nicht zurückdrehen, meine Dinge sind weg,
egal wie lange ich ihnen nachweine und egal wie lange ich mich darüber
aufrege. Jeder negative Gedanke ist somit verschwendete Energie und
macht mich nur noch mehr fertig.
Ich entscheide mich also jetzt sofort und ausschließlich dafür, nach
vorne zu schauen und das Beste aus dieser Situation zu machen. Anstatt
an den negativen Aspekten hängen zu bleiben, habe ich sofort damit
angefangen, nach Möglichkeiten zu suchen, warum diese Situation
vielleicht sogar etwas Gutes hat. Dabei kamen mir gleich mehrere
Einfälle:
Da im Grunde auf einen Schlag all meine Wertgegenstände weg
waren, war das ein guter Zeitpunkt mal wieder zu refektieren,
was mir eigentlich wirklich wichtig ist, im Leben. All die
materiellen Dinge, an denen wir hängen als ob sie
überlebenswichtig wären, sind im Grunde genommen nichts
wert. Meine Uhr, meine Laufschuhe und mein PC - alles nur
ersetzbare Gegenstände. Was wirklich wichtig ist, und was mir in
diesem Moment einmal mehr klar wurde ist, wie wichtig mir
meine Freundschaften, meine Familie und meine Gesundheit ist.

Ich habe immer viel Zeit an meinem Computer verbracht und


unterbewusst hat mich das schon öfter mal aufgeregt, dass ich
soviel Zeit meines Lebens dafür verbrauche. Die Situation war
also super um einfach mal ein paar Tage ofine zu gehen und
ohne den Computer auszukommen. Statt online irgendwelche
oberfächlichen Konversationen zu führen, traf ich die letzten
zwei Wochen vermehrt echte Freunde im echten Leben zu echten
“Chats”.

Ich kann gar nicht beschreiben, wie viel besser solche “Mensch
trift Mensch in realer Welt”-Interaktionen sind!

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Natürlich habe ich aber auch etwas aus der Situation gelernt:
Deine Backups sollten sich immer an einem anderen Ort befnden
als dein Computer! Ich werde dementsprechend meine Daten
vermehrt online speichern, wo sie nicht nur von überall aus
zugänglich sind, sondern auch automatisch gesichert werden.

Dieses Buch, das du hier liest, schreibe ich im Übrigen gerade in der
Bibliothek an einem öfentlichen Computer, weil ich gerade kein Geld
habe mir einen neuen zu kaufen. Wenn du das hier liest, will ich dir auf
diesem Wege Danke sagen! Danke, dass du mein Buch gekauft hast und
meine Arbeit dadurch unterstützt! Das erleichtert mir hofentlich die
Finanzierung eines neuen Laptops in der nahen Zukunft.

Du hast die Wahl, wie dein Leben aussehen soll! Es gilt: wer sagt, ich
kann nicht, der will nicht. Du kannst alles tun - alles hat
Konsequenzen. Selbst wenn dir etwas zustößt, auf das du keinen
Einfuss hast, hast du immer noch die Wahl aus welcher Perspektive
du die Situation betrachten willst. Entscheide dich immer für die
bestärkende Position!

Eigenverantwortlich leben

"Der Weg zum Ziel beginnt an dem Tag, an dem du die


hundertprozentige Verantwortung für dein Tun übernimmst."
— Dante Alighieri
Das Konzept des eigenverantwortlichen Lebens ist essentieller
Bestandteil eines jeden selbstbewussten, selbstbestimmten Lebens. Egal
wo du hinschaust, die Leute, die es zu etwas gebracht haben, haben sich
irgendwann einmal dafür entschieden, das Leben in die eigene Hand zu
nehmen. Sie haben eingesehen, dass niemand anders als sie selbst dafür
verantwortlich ist, sie glücklich zu machen.
Eigenverantwortlich leben heißt: die volle Verantwortung für das
eigene Leben zu übernehmen! Zu erkennen: “Ich bin meines eigenen
Glückes Schmied”. Zu wissen: es ist niemand außer mir selbst für meinen
Erfolg verantwortlich!

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Es verlangt von dir, herauszukommen aus der Passivität. Alle
Schuldzuweisungen zu unterlassen. Wenn du etwas haben willst, dann
werde aktiv. Geh raus und hol es dir! Warte nicht darauf, dass jemand
kommt und dir die Dinge auf dem Silbertablett serviert.
Es wird niemand kommen.
Übernehme Verantwortung für dein Leben! Werde dir deiner
Kapitänsrolle bewusst. Übernehme das Ruder deines Schifs und
gestalte dein Leben nach deinen Wünschen.

Ene mene mu, und schuld bist du...

"Man wird nicht dadurch besser, dass man andere schlecht macht."
— Heinrich Nordhof
Der Lehrer ist schuld, dass ich keine Lust am Unterricht habe, die
Wirtschaft ist schuld, dass ich keinen Job habe, meine Eltern sind schuld,
dass ich so bin wie ich bin, das Wetter ist schuld, dass ich mich heute
nicht gut fühle...
Kennst du das irgendwoher? Beschuldigst du auch gerne mal andere
(bewusst oder unbewusst) für deine Umstände? Dann bist du nicht
alleine!
In unserer Jammer-Gesellschaft ist es gang und gäbe, alles und
jedem die Schuld für unsere Umstände zuzuschieben. Den einzig
Schuldigen lassen wir dabei natürlich bewusst außer Acht, nämlich uns
selber. Das Gute dabei ist: Die Zahl der Jammernden ist groß und man ist
nie alleine. Willkommen im Jammer-Club!
Nur die Wenigsten haben den Mut sich einzugestehen, dass sie
selbst der Architekt ihres Lebens sind und niemand anders. Dass sie
selbst verantwortlich sind für alles, was in ihrem Leben passiert. Die
meisten Menschen machen es sich leicht und geben einfach XYZ die
Schuld für ihre Misere, dann müssen sie selber keine Verantwortung
übernehmen und auch nicht lange drüber nachdenken, was sie denn
jetzt tun könnten um ihr Problem zu beheben.

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Das Problem mit Schuldzuweisungen

Das Problem dabei ist:


1. Schuldzuweisungen bringen dich selber kein Stück weiter, sie
ändern deine Situation nicht im Geringsten. Im Gegenteil, sie
ziehen dir nur Energie ab und lassen dich in diesem Kreisel
von negativen Gedanken weiter traben.
2. Jetzt, da du einen Verantwortlichen (jemand anders oder die
Umstände) für deine Misere gefunden hast, kannst du selber
augenscheinlich nichts mehr tun um die Situation zu
verändern und hörst dementsprechend auch damit auf, nach
einer Lösung zu suchen.
Siehst du das Problem?
Wenn du anderen oder den Umständen die Schuld für deine
Probleme gibst, dann gibst du ihnen gleichzeitig Macht über dich. Sie
sind es nun, die über dein Leben bestimmen und dich nach Belieben
beeinfussen können. Du hast die Verantwortung für dein Leben und
deine Zufriedenheit an sie abgegeben. Du hast dich damit selbst in die
Ecke der Passivität gestellt und dich zum Zuschauer deines Lebens
gemacht, das nun von anderen oder irgendwelchen Umständen
bestimmt wird.
Wenn die Wolken regnen wollen und du deine gute Laune vom
Wetter abhängig machst, können sie dir dadurch den ganzen Tag
vermiesen.
Lass das bleiben und übernehme von heute an die volle
Verantwortung für dein Leben!

Anderen die Schuld zuzuschieben ist einfach, löst aber keine


Probleme. Du machst dich dadurch zum passiven Zuschauer deines
Lebens und gibst anderen oder den Umständen Macht über dich!

S e i t e | 21
Das Leben in die Hand nehmen

"Beklage dich nicht über die Dunkelheit. Zünde eine Kerze an."
— Konfuzius
Wenn du es wirklich ernst meinst mit dir selber und diesem einen
Leben, dann fängst du besser heute als morgen damit an, die volle
Verantwortung für dein Leben zu übernehmen. Das heißt: Keine
Schuldzuweisungen mehr! Gib die Macht über dein Leben nicht an
andere oder irgendwelche Umstände ab!
Mache dir klar: Du und niemand anders ist für dein Leben und das,
was damit passiert, verantwortlich.
Ein bekannter Philosoph hat einmal gesagt:
"Die Masse der Menschen führt ein Leben in stummer
Verzweifung." — Henry David Thoreau
Sei nicht einer von diesen!
Geh raus, segle!

Zusammenfassung

S e i t e | 22
Grundlagen

S e i t e | 23
Die Kunst der Selbst-Akzeptanz

"Akzeptiere ales an dir - Ich meine ales! Du bist du und das ist
der Anfang und das Ende. Kein entschuldigen, kein bedauern."
— Clark Moustakas
Der Grad deines Selbstbewusstseins steigt und fällt mit dem Grad
deiner Selbst-Akzeptanz. Ein starkes selbstbewusstes ICH ist ohne
restlose Selbst-Akzeptanz nicht möglich. Je mehr Kraft und Energie du in
inneren Kämpfen verlierst, umso weniger bleibt übrig, das nach außen
strahlen kann. Umso größer dein innerer Widerstand gegen dich selbst
ist, umso schwächer wirst du auch nach außen wirken.
Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass es unmöglich ist
selbstbewusst aufzutreten, wenn man sich innerlich nicht voll und ganz
als den einmaligen Menschen akzeptieren kann, der man ist.
Dieser Widerstand gegen sich selbst, diese Nicht-Akzeptanz gegen
das, was IST, ist nichts weniger als Widerstand gegenüber der Realität.
Und sich der Realität zu widersetzen, das ist der größte Wahnsinn
überhaupt! Du kannst dich der Realität nicht widersetzen! Die Dinge sind
im Moment eben so wie sie sind und der einzig mögliche Ausweg
besteht darin, die derzeitige Situation voll und ganz so zu akzeptieren,
wie sie ist und von diesem Standpunkt aus anzufangen zu arbeiten.

Akzeptiere die Realität

"Der erste Schritt zur Veränderung ist Bewusstsein. Der zweite


ist Akzeptanz." — Nathaniel Branden
Egal wo du jetzt stehst, egal was dich im Moment alles beschäftigt,
höre auf, dich der Realität zu widersetzen! Wenn du etwas verändern
willst, an deiner Lebenssituation, dann geht das nur dadurch, dass du
diese Situation, in der du dich gerade befndest, zu 100% akzeptierst.
Damit meine ich jetzt nicht, dass du plötzlich von heute auf morgen
alles an dir und deinem Leben lieben musst, was du bisher für
unaushaltbar hieltst.

S e i t e | 24
Nein, was ich damit sagen will, ist: Akzeptiere die Dinge einfach, so
wie sie sind! Ohne große Liebe, ohne großen Hass. Einfach nur
anerkennen - akzeptieren was IST.
Du kannst im Moment nichts daran ändern und jede Sekunde in der
du dich der Realität widersetzt, zieht dir nur wertvolle Lebensenergie ab,
die du besser gebrauchen kannst um die Dinge anzupacken. (Mal ganz
abgesehen davon, dass sich durch dieses sture Widersetzen Null Komma
Nix verändert, außer dass du vielleicht schlechte Laune bekommst).
Erst der Zustand “der vollen Akzeptanz” ermöglicht es dir, einen
Plan zu schmieden und die Dinge zu verändern, die dir nicht passen.

Wie kann ich mich selber und meine Situation jetzt akzeptieren? Das ist
so schwer, ich kann nicht...

Mach dir folgendes klar: Die Dinge sind so wie sie sind. Du kannst
dich noch so stark gegen sie sträuben, noch so verbittert wehklagen,
allen möglichen Leuten oder Umständen die Schuld zuschieben - es wird
nichts helfen! Die Dinge verändern sich dadurch nicht das kleinste
Bisschen.

Passivität, wehklagen und sich selbst Leid tun, hat noch nie
jemanden weitergebracht!

Der Unterschied zwischen dem Zustand der Akzeptanz und dem des
Widerstandes ist, dass du im Zustand der Akzeptanz die Möglichkeit
hast, die Dinge zu verändern, während du dich im Zustand des
Widerstandes nur ständig immer und immer wieder selbst aufreibst, dir
selbst Energie abziehst und dabei nicht einen hundertstel Millimeter
weiter kommst.

Lass das bleiben! Akzeptiere die Realität, in dem du dir klar machst,
dass alles andere purer Wahnsinn ist und dich kein Stückchen
weiterbringt. Komm heraus aus passiven Schuldzuweisungen und
unnützem wehklagen. Werde aktiv! Erkenne die Situation an, als das,
was sie ist, und lege von dort aus Schritte fest, um die Dinge zu
verändern, die dir nicht gefallen.

S e i t e | 25
Höre auf, dich mit anderen zu vergleichen

Diesen Schlechte-Laune-Macher habe ich selbst jahrelang betrieben


und ertappe mich auch heute noch ab und zu dabei, wie ich mich
unterbewusst mit anderen vergleiche. Natürlich wusste ich schon immer
(auf einer intellektuellen Ebene), dass man das nicht machen soll.
Tausend mal habe ich den Ratschlag gehört: “Hör auf, dich mit anderen
zu vergleichen”, geändert hat sich meine Einstellung aber erst dann, als
mir folgendes aufging:
Du kannst dich überhaupt nicht mit anderen vergleichen. Wie auch?
Jeder Mensch ist einmalig, hat eine einzigartige Geschichte hinter sich,
ist in unterschiedlichen Familien und Umfeldern mit unterschiedlichen
Glaubenssätzen und Ressourcen aufgewachsen. Jeder Mensch hat eine
eigene Erziehung genossen, hat sich anders entwickelt. Der eine hatte
vielleicht ein reiches Elternhaus, der andere ein armes. Der eine hatte
eine selbstbewusste große Schwester, die er nachahmen konnte, der
andere musste sich alles selber aneignen. Der eine zog mit seiner allein-
erziehenden Mutter fünf mal um und musste immer wieder einen neuen
Freundeskreis aufauen, der andere war schon von Geburt an das
Lieblingskind und bekam alle Aufmerksamkeit.
Es ist absolut unmöglich sich mit anderen Menschen zu vergleichen.
Das wäre wie Äpfel und Birnen zu vergleichen, das geht auch nicht. Jeder
hat seinen eigenen, individuellen Weg, der ihn zu dem unvergleichbaren
Wesen macht, das er ist. Es gibt niemand der “besser” oder “schlechter”
ist als du. Es gibt nur “anders”. Andere Fertigkeiten, andere Talente,
andere Aufnahmefähigkeiten, anderes Aussehen, andere Beweglichkeit,
andere Interessen, andere Freundlichkeit...
Fakt 2: Es bringt dich nicht das kleinste Stückchen weiter. Du kannst
dich so oft und so lange mit anderen vergleichen wie du willst, es wird
sich dadurch nichts verändern. Das Einzige, was passiert ist, dass du dich
nur noch schlechter fühlst und dir einmal mehr eintrichterst, dass die
Welt gemein ist und alle anderen es besser haben als du. Lass das sein.
Akzeptiere dich als das einmalige Individuum, das du bist und akzeptiere
die Anderen als die einmaligen Individuen, die sie sind. Es gibt kein
“besser” oder “schlechter”, es gibt nur “anders”.

S e i t e | 26
Nachdem mir diese zwei Dinge aufgegangen sind, war es plötzlich
überhaupt nicht mehr schwierig, diesen Gedankengang zu unterbinden.
Ab und zu kommt es zwar mal noch vor, dass mein altes Ich meint, sich
mit anderen vergleichen zu müssen, aber schon im nächsten Moment
erinnere ich mich an diese zwei Fakten und die Sache ist gegessen.

Also, sobald du dich das nächste mal selber dabei ertappst, wie du
dich mit anderen vergleichst, erinnere dich:

1. Du kannst dich gar nicht mit anderen vergleichen


2. Es bringt dich zudem kein bisschen weiter
3. Es gibt niemand der “besser” oder “schlechter” ist als du, es
gibt nur “anders”

Tödlicher Perfektionismus

Ein weiterer großer Akzeptanz-Killer ist das ständige Streben nach


Perfektion. Nie ist man sich selbst gut genug. Immer fndet man etwas
Neues, was einem nicht passt. Hat man ein Loch gefickt, entdeckt man
kurz darauf zwei neue. Auch in seinen Taten ist man unerbärmlich, nichts
genügt dem eigenen Anspruch. Man ist sich selbst der größte Feind.
Wie, höre ich da etwa ein leises Aufatmen? Du bist kein Perfektionist?
Bei dir ist es eher andersrum, du wärest gerne einer?
Das kann ich fast nicht glauben, denn jeder hat ihn in sich, diesen
kleinen Peiniger, dem nichts gut genug ist. Der sich beklagen kann über
alles und jeden und vor allem über die eigene Person. Höre doch mal
genau hin, in deinem Kopf, wenn sich dieser Kritiker mal wieder über
etwas (oder besonders dich selbst) beklagt. Ich wette, du brauchst gar
nicht lange auf ihn zu warten!
Das dieser Perfektionismus nirgends hinführt, sollte eigentlich jedem
klar sein. Und doch kann ich selbst ein Lied davon singen! Wie viel
unnötige Energie habe ich schon damit verbraucht, Dinge perfekt zu
machen, nur um sie kurz vor Schluss doch wieder entnervt aufzugeben.
Wie oft habe ich diesen Perfektionismus schon als Ausrede benutzt, um

S e i t e | 27
meine Arbeit nicht vorzeigen zu müssen, “weil sie nicht meinen
Ansprüchen genügt”.
Das neueste Beispiel: Dieses Buch, das du gerade liest. Ich könnte
jeden Abschnitt hundert mal umschreiben und wäre noch nicht
zufrieden! Die einzige Lösung: Akzeptiere, dass du und deine Taten nicht
perfekt sind. Lass die Dinge auch mal “gut genug” sein. In meinem
konkreten Fall darf ich ein Kapitel des Buches nur dann noch einmal
überarbeiten, wenn mein guter Freund ihn für verbesserungswürdig
hält. Hätte ich diese selbstauferlegte Sperre nicht, würde dieses Buch
wohl nie fertig werden!
Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen:

Das ständige Streben nach Perfektion führt, wenn überhaupt, in


die Depression.

Perfektionismus ist extrem anstrengend. Es erwartet niemand von


dir, alles richtig zu machen. Der einzige, der sich diesen Druck machen
kann, bist du selber. Lass das bleiben und akzeptiere, dass die Dinge
auch mal “nur” gut genug sind.
Schraub deine hohen Ansprüche an dich selbst herunter. Bleib
realistisch und überlege dir, was dich weiterbringt und was dich nur im
Kreisel rennen lässt, ohne dass du je ankommst. Sei zufrieden mit dir
selbst. Akzeptiere deine Fehler und Schwächen so, wie du sie auch bei
anderen akzeptierst!

Es gibt nichts zu bereuen. Du machst automatisch das Beste

Egal welche Entscheidungen du bisher getrofen hast und wie


unsinnig sie dir jetzt vielleicht vorkommen mögen, du hast dich zum
damaligen Zeitpunkt, als du die Entscheidung getrofen hast, für die
deiner Meinung nach beste Option entschieden. Du hast die
verschiedenen Vor- und Nachteile abgewogen und dann die deiner
Meinung nach beste Möglichkeit gewählt. Etwas Besseres hättest du mit
deinem damaligen Wissen nicht tun können!
Was ich damit sagen will ist: Es gibt nichts zu bereuen!

S e i t e | 28
Wenn du dich heute über Aktionen aus deiner Vergangenheit
aufregst, dann mach dir klar: zum damaligen Zeitpunkt, mit dem
damaligen Wissen, war es das Beste, das du tun konntest. Du hast dich
damals bewusst dafür entschieden, weil du dachtest, dass es das
Richtige sei. Denn niemand entscheidet sich absichtlich für etwas
Schlechtes. Du handelst deinem Wissenstand entsprechend immer für
deinen Vorteil. Ob sich dieser Weg dann auch als solcher herausstellt, ist
eine andere Sache.
Wie du diese Entscheidung im Lichte deines heutigen Wissens-
standes bewertest, spielt überhaupt keine Rolle. Damals war es das
Richtige.
Sich diesen Fakt vor Augen zu halten, macht es mir oft leichter,
vergangene Entscheidungen zu akzeptieren, die aus heutiger Sicht
einfach nur unsinnig erscheinen. Egal wie dumm die Aktion aus heutiger
Sichtweise sein mag, damals schien sie das Richtige zu sein und genau
deshalb habe ich sie auch so gemacht. Hier gibt es nichts zu bereuen.
Wie auch? Wie kannst du etwas bereuen, wenn du weißt, dass du dich in
der damaligen Situation für die deiner Meinung nach beste Option
entschieden hast? Das geht nicht!
Dazu kommt natürlich wieder das Obligatorische: Jedes Bereuen und
Nachtrauern vergangener Handlungen und nicht genutzter Chancen ist
verschwendete Lebensenergie. Dadurch verändert sich an deiner
jetzigen Situation absolut gar nichts, außer dass du dir mal wieder selbst
den Tag schwer machst.

Du entscheidest dich immer für die deiner Meinung nach beste


Option. Dementsprechend gibt es nichts zu bereuen. Du handelst
entsprechend deinem Wissensstand immer optimal. Ob sich diese
Entscheidungen hinterher auch als solches herausstellen, spielt
keine Rolle. Damals war es das Richtige.

Woher Selbstbewusstsein kommt

Ich will gar nicht viel darüber schreiben, warum man so ist, wie man
ist - denn es bringt uns hier nicht viel weiter. Nur diese eine Sache: Du

S e i t e | 29
hast dir dein Selbstbewusstsein im Laufe der Jahre (besonders in deinen
frühen Kindheitsjahren) selbst angeeignet. Vieles kommt durch die
Erziehung deiner Eltern und dein Umfeld, in dem du aufgewachsen bist.
Du hast deren Werte und Vorstellungen, ihre Verhaltensweisen, Sitten
und Sichtweisen übernommen. Diese Muster und Eindrücke, die du
damals gesammelt hast, sind die Grundlagen für dein jetziges Verhalten.
Genauso wie du dir diese Verhaltensweisen damals angeeignet hast,
kannst du sie dir aber auch wieder abgewöhnen bzw. dir neue,
bestärkende Verhaltensweisen angewöhnen. Selbstbewusstsein ist
nichts genetisch Veranlagtes oder etwas, das in deinen frühen
Kindheitsjahren auf immer und ewig in Stein gemeisselt wurde.
Im Gegenteil. Hier kommt die gute Nachricht:

Selbstbewusstsein kann antrainiert werden und zwar durch


wiederholte Arbeit an und mit dir selber.

Du kannst deine limitierenden Glaubenssätze durch bestärkende


ersetzen, deine schüchternen Verhaltensweisen langsam und Schritt für
Schritt in extrovertiertes, mutiges Verhalten umwandeln und dir ein
neues Selbstbewusstsein aufauen.
Es haben schon viele vor dir geschaft und es werden noch viele nach
dir schafen, also kannst du es auch!

Zusammenfassung

S e i t e | 30
Säulen des Selbstbewusstseins: Selbstbild und
wahrgenommene Realität

"Ob Du nun glaubst, dass Du etwas tun kannst, oder ob Du


glaubst, dass Du es nicht tun kannst, Du wirst immer recht
behalten." — Henry Ford
Wie siehst du dich selber? Was für ein Bild hast du von dir? Was traust
du dir zu, was erscheint dir schwierig? Wenn du die Augen zu machst und
dir dich selber vorstellst, was für eine Person siehst du? Welche
Fähigkeiten/Beschränkungen hat sie?
Dein Selbstbild ist deine eigene Aufassung über dich selber. Das was
du “siehst”, wenn du über dich selbst und deine Persönlichkeit
nachdenkst.
So wie du Bilder und Gefühle dafür hast, wie eine andere Person ist,
wie sie reagiert, was sie alles kann und nicht kann, genauso hast du auch
ein unterbewusstes Selbstbild von deiner eigenen Person.

Dieses Selbstbild ist ein essentieller Grundbaustein für dein


Selbstbewusstsein. Es bestimmt dein Verhalten, deine Gefühle, dein
Handeln und deine wahrgenommenen Möglichkeiten. Dein
Selbstbild bildet den Rahmen des “Möglichen”, in dem du dich
tagtäglich bewegst. Es grenzt sozusagen das Spielfeld ab, auf dem
du spielst. Es ist das Fundament deiner Persönlichkeit.

Je besser das Selbstbild, desto größer das Spielfeld und die damit
wahrgenommenen Möglichkeiten

Fakt 1: Du wirst immer im Einklang mit deinem Selbstbild agieren. Du


wirst nicht plötzlich, durch pure Willensanstrengung, selbstbewusst vor
anderen auftreten können, wenn dies nicht deinem inneren Selbstbild
entspricht. Im Gegenteil. Du wirst dich immer genau so verhalten,
bewusst oder unbewusst, dass es deinem inneren Selbstbild gleich
kommt.
Es ist nicht möglich, im Kontrast zu diesem Selbstbild zu handeln!

S e i t e | 31
Fakt 2: Du wirst immer gezielt nach den Ereignissen in deiner
Wahrnehmung Ausschau halten, die dein derzeitiges Selbstbild und
Weltbild bestärken. Der Mensch sucht nämlich in jedem Moment seines
Daseins nach Referenzerlebnissen, die sein gegenwärtiges Modell der
Realität bestätigen.
Wenn du dich z.B. als eine Person siehst, die ständig vom Pech
verfolgt ist, dann wirst du gezielt nach diesen Ereignissen Ausschau
halten und damit gleichzeitig dein derzeitiges Selbstbild untermauern.
“Wusste ich es doch, so etwas kann ja auch nur mir passieren...”

Selbstbild

Realität Handeln

Dein Selbstbild beeinfusst dein Handeln, dein Handeln beeinfusst


deine Realität und deine wahrgenommene Realität wiederum defniert
dein Selbstbild. Dieser geschlossene Kreis führt dazu, dass du dein
Selbstbild von Tag zu Tag durch dein Handeln erneut bestärkst, was
wiederum dazu führt, dass deine bisherige Persönlichkeit, dein
bisheriges Auftreten und deine bisherigen Verhaltensweisen unter-
mauert werden und diese wiederum dein bisheriges Selbstbild
bestärken. Wenn du nun aus diesem Kreisel ausbrechen willst und deine
Persönlichkeit und dein Verhalten ändern willst, dann musst du als aller
erstes an deinem Selbstbild arbeiten. Wie das geht, verrate ich dir in den
nächsten Kapiteln.

Zusammenfassung

S e i t e | 32
Das kleine Ein-mal-Eins der
Persönlichkeits-
transformation

S e i t e | 33
Basiszutaten der Veränderung

Bevor wir mit den praktischen Möglichkeiten loslegen, mit denen du


an deinem Selbstbewusstsein arbeiten kannst, gibt es hier erst mal noch
ein paar generelle Grundprinzipien, die für jede (Persönlichkeits-)
Entwicklung gelten.
Zutat 1: Aufgeschlossenheit
"Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es
muss anders werden, wenn es besser werden sol."
— Georg Christoph Lichtenberg
Aufgeschlossenheit ist die vielleicht wichtigste Grundbedingung für
Wachstum. Du musst ofen sein, für die neuen Denkweisen und
Methoden, die ich dir hier präsentiere. Versuche deine Vorurteile so gut
es geht loszulassen und gib allem eine faire Chance.
Wenn du die Dinge dann selber ausprobiert hast und nach einiger
Zeit zu deinem eigenen Schluss kommst, dass deine alte Lebensweise
besser war, kannst du ja immer noch in deine gewohnten Muster
zurückfallen. Aber gib jeder Denkweise, jeder Übung, und wenn sie noch
so abstrus klingen mag, eine Chance. Probier alles aus und entscheide
erst dann, was du davon wieder verwerfen bzw. behalten willst.
Zutat 2: Eigenverantwortung
"Wenn du dein Leben nicht selber planst, fälst du in den Plan der
anderen. Und jetzt rate mal was die für dich geplant haben?
Nicht viel!” — Jim Rohn
Ich habe im vorigen Kapitel schon ausführlich darüber geschrieben,
will es hier aber noch mal ansprechen, weil es wirklich essentiell ist. Du
musst diesen Gedanken zu 100% akzeptieren und verinnerlichen, wenn
du etwas in deinem Leben verändern willst:
Du bist verantwortlich für dein Leben!
Nicht der Staat, nicht deine Eltern und auch nicht dein Ehepartner.
Du bist der Kapitän deines Schifes, du bestimmst wo’s lang geht und
niemand anders.
Das hier ist DEIN Leben! Übernehme die Verantwortung dafür!

S e i t e | 34
Zutat 3: Ausdauer
"Ich bin weder besonders inteligent noch besonders schön. Ich
habe keine besondere Ausstrahlung und bin nicht besonders
sportlich. Ich hatte Erfolg, weil ich noch arbeitete, während die
Anderen schon schliefen." — Greg Egan
Jede Veränderung braucht Zeit. Das gilt ganz besonders im Bereich
der Persönlichkeitsentwicklung, wo es darum geht, alt eingefahrene
Verhaltensmuster und Denkweisen zu ändern oder ganz loszuwerden.
Erwarte nicht von dir, dass du dich von heute auf morgen um 180 Grad
drehst und sich plötzlich alles auf einen Schlag verändert. Diese
Veränderung braucht Zeit, Monate oder sogar Jahre, in denen du an dir
arbeiten musst, jeden Tag aufs Neue, immer und immer wieder. Das hört
sich jetzt vielleicht nach viel Arbeit an und ich will aufrichtig mit dir sein:
das ist es auch. Aber sei dir einer Sache gewiss, auf der anderen Seite
wartet ein unvergleichbares Leben auf dich. Ein Leben, das du dir heute
so noch gar nicht vorstellen kannst. Dieser Weg ist ultimativ belohnend,
wenn man nur dran bleibt und jeden Tag einen kleinen Schritt
weitergeht.
Leider geben viele schon nach kurzer Zeit wieder auf, weil sie nicht
sofort am zweiten Tag Ergebnisse sehen. Sie sind auf der Suche nach der
magischen Pille, der sofortigen Lösung für all ihre Probleme. Abends
schlucken, morgens aufwachen und das Leben hat sich über Nacht
verändert. Sie suchen die Abkürzung zu diesem Weg der langsamen
Transformation. Diese Abkürzung aber gibt es nicht. Auf diesem Weg der
Veränderung gibt es keine Geheimtürchen, Schleichwege oder andere
Schummelcodes. Egal wie oft dir die Werbung das Gegenteil weiß
machen will, reale Veränderung braucht Zeit (egal in welchem Bereich)
und Ausdauer. Die magische Pille existiert nicht!
Ein weiterer Knackpunkt ist, dass du vielleicht plötzlich so etwas
resümierst wie: “eigentlich ist mein Leben abgesehen von ein paar
kleineren Dingen doch ganz OK... warum sollte ich mir die Mühe
machen... diesen Persönlichkeitsentwicklungskram brauch ich doch
eigentlich gar nicht... ich leb mal lieber so weiter wie bisher, dann muss
ich mich nicht so anstrengen....”

S e i t e | 35
Wir Menschen gehen natürlicherweise immer den Weg mit dem
geringsten Widerstand. Sobald`s mal ein bisschen anstrengender wird,
reimen wir uns gleich alle möglichen Ausreden zusammen, nur um
wieder zu unseren alten Verhaltensweisen zurückkehren zu dürfen (du
kennst das vielleicht, wenn du mal versucht hast, morgens früher aus
dem Bett zu kommen... nur noch 5 Minuten, ich hab ja noch Zeit...).
Um nicht gleich wieder rückfällig zu werden, brauchst du eine
Prämisse. Ein Wort, einen Satz oder einen Abschnitt, der dich immer
wieder daran erinnert, warum du das hier tust, warum du unbedingt
weiterkommen willst.
Am Anfang kann all das ein bisschen schwierig erscheinen. Aber du
wirst sehen, schon nach kurzer Zeit wird es wie beim Joggen zur
unablässigen Routine. An diesem Punkt ist es dann schwieriger, nicht
mehr an sich zu arbeiten, als weiterzumachen und sich jeden Tag ein
kleines Bisschen weiterzuentwickeln.
Zutat 4: Es gibt keine Fehler, nur Feedback
"Den größten Fehler, den man im Leben machen kann, ist, immer
Angst zu haben, einen Fehler zu machen." — Dietrich Bonhoefer
Egal was du machst, es wird immer mal Rückschläge geben. Das ist
essentieller Bestandteil jeder Entwicklung. Denn genau daraus lernst du.
In diesem Sinne gibt es gar keine Fehler, sondern nur Ereignisse. Nutze
diese als wertvolle Lektion, um es nächstes Mal besser zu machen.
Außerdem entscheidest du dich in jeder Situation deines
Wissensstandes entsprechend optimal. Wie kannst du da einen “Fehler”
machen? Du kannst höchstens sagen: Aus heutiger Sicht, mit meinem
jetzigen Wissen, wäre es heute ein Fehler, die Entscheidung noch mal so
zu trefen. Damals war sie aber richtig, denn damals wusste ich ja noch
nicht, was ich heute alles weiß.
Diese Sichtweise ist äußerst hilfreich, egal in welchem Bereich du
dich bewegst!
Ich sehe die Dinge mittlerweile so: “Manchmal gewinne ich, und
manchmal lerne ich”. Es gibt keine Fehler, nur Feedback. Wichtig ist nur,
aus diesem Feedback zu lernen, um es nächstes Mal besser zu machen.

S e i t e | 36
Eine gute Orientierung für diese Lebenseinstellung bieten uns hierfür
übrigens Kleinkinder. Was glaubst du denken die sich, wenn sie anfangen
das Laufen zu lernen und Mal für Mal, hunderte Male am Stück umfallen,
bevor sie es mal einen halben Meter weit in Richtung Mama schafen?
Glaubst du, die sehen jedes Umfallen als Fehler und denken sich:
“Verdammt, schon wieder habe ich einen Fehler gemacht, ich kann ja
auch gar nichts...”? Da würden wir in unserer Entwicklung als Mensch
aber nicht weit kommen...
Nein, ein Kind denkt genau andersherum. Es sagt sich: “Hm, so hat
es anscheinend nicht funktioniert, dann probiere ich´s jetzt halt mal so...
hops auf die Beine und los geht`s...”. Jetzt kannst du dir auch mal
überlegen, warum Kleinkinder eine so unglaublich schnelle Entwicklung
hinlegen! Es gibt keine Fehler, nur Feedback.
Zutat 5: Orientierung auf Ziele anstatt Probleme
"Ein Pessimist sieht die Schwierigkeiten in jeder Möglichkeit, ein
Optimist sieht die Möglichkeiten in jeder Schwierigkeit.”
— Winston Churchil
Jede Situation kann aus mehreren Blickwinkeln betrachtet werden.
Einmal kannst du durch die “Problembrille” schauen und dich fragen:
“Warum ist das so?”, “Warum habe ich nicht den Mut meine/n
Angebetete/n nach einem Date zu fragen?” oder du setzt dir die
“Zielbrille” auf und fragst dich stattdessen: “Was kann ich jetzt tun?”,
“Welche Aktion kann ich hier und jetzt unternehmen, um mutiger zu
werden?”.
Welche Brille ist deine Lieblingsbrille? Und welche Perspektive
glaubst du, hilft dir mehr, um deine Probleme anzupacken?
Ich habe es mir abgewöhnt, diese “Warum sind die Dinge so wie sie
sind..” Fragen zu stellen. Sie bringen einen einfach nicht weiter. Statt
dessen überlege ich mir: “Was kann ich hier und jetzt tun, um die
Situation zu verbessern, das Problem zu lösen?”.
Anstatt also zu fragen: “Warum habe ich dieses Problem”, frage dich
“Wie kann ich dieses Problem lösen; was kann ich hier und jetzt dafür
tun, um die Situation zu verbessern?” Orientiere dich auf Ziele anstatt
auf Probleme.

S e i t e | 37
Zutat 6: Aktion
"Es ist nicht genug, zu wissen, man muss auch anwenden;
es ist nicht genug zu wolen, man muss auch tun."
— Johann Wolfgang von Goethe
Kennst du den Film “Das Geheimnis”? Wenn nicht, dann bekommst
du hier eine klitzekleine Inhaltsangabe. Er handelt davon, dass du alleine
durch positives Denken dein Leben umkrempeln kannst. Einfach nur
lange genug dran glauben, dann manifestieren sich deine Wünsche
irgendwann wie von selbst.
Hier kommt meine Sichtweise zu dieser These. Nur nachdenken oder
Bücherlesen wird dich nicht weit bringen! Du musst auch anwenden, so
wie Goethe sagt. Ich habe selber Ewigkeiten versucht, reale Umstände in
meinem Leben alleine durch meine mentale Einstellung zu verändern.
Das Resultat: Irgendwann bekam ich Kopfweh vor lauter
Gehirnanstrengung. Wäre ja auch zu schön gewesen, um wahr zu sein...
Überlege dir mal selber, was glaubst du, wie die Leute, die heute
selbstbewusst auftreten, dahin gekommen sind? Glaubst du, die haben
sich alleine durch positive Gedankenspielereien verändert oder durch
wiederholte, praktische Arbeit an sich selber in der realen Welt? Also ich
tippe da mal ganz stark auf Letzteres.
Positives Denken und eine positive Einstellung gegenüber dem
Leben sind sicherlich essentielle Eigenschaften eines jeden
selbstbewussten Menschen. Allerdings müssen diese Gedankengänge
auch durch reale Aktionen im realen Leben gestützt werden. Wirkliche
Veränderung braucht beides, die mentale Vorbereitung und die
praktische Ausführung. Das eine bringt ohne das andere wenig. Schritt
eins ist, sich so gut wie möglich mental Vorzubereiten, um sich in Schritt
zwei die Referenzerlebnisse aus der realen Welt zu holen. Du musst
durch deine Angst hindurchgehen, um festzustellen, dass das, wovor du
Angst hast, eigentlich gar kein Problem ist.
Die mentale Vorbereitung dient lediglich dazu, die Dinge im
“richtigen Licht” zu sehen. Damit meine ich, sie erleichtert es dir, deine
Herausforderung anzupacken, weil du sie plötzlich aus einer neuen,
bestärkenden Perspektive siehst. Sie motiviert dich, endlich zu handeln.
Aber genau das musst du dann auch tun!

S e i t e | 38
Wenn ich mich heute für nur eine Sache entscheiden müsste, würde
ich immer die aktive Aktion dem passiven Mentaltraining vorziehen. Nur
aktives Handeln bringt dir die realen Einsichten, die du brauchst, um dich
wirklich zu verändern. Die mentale Vorbereitung kann dir dein Handeln
zwar extrem erleichtern, aber Handeln musst du auf jeden Fall.
Egal in welchem Bereich du eine Veränderung herbeiführen willst,
hier kommt meine Vorgehensweise, die sich über die letzten Jahre
bewährt hat:
Vorbereitung: Bereite dich so gut es geht vor. Sieh das Problem
im “richtigen Licht” und korrigiere evtl. limitierende
Glaubenssätze.
Aktion: Geh hinaus in die Welt und stell dich deiner Aufgabe.
Erfahrung: Sammle Referenzerlebnisse und adaptiere dadurch
dein Realitätsmodell (damit meine ich: du stellst plötzlich fest,
dass alles nur halb so wild ist und hast deshalb nächstes mal
schon viel weniger Angst).

Zusammenfassung

S e i t e | 39
Einstellung & Fokus

"Das Glück deines Lebens hängt von der Beschafenheit deiner


Gedanken ab.” — Marcus Aurelius
Jetzt können wir gleich mal schauen, ob du Zutat #1 "sei
aufgeschlossen gegenüber Neuem" schon verinnerlicht hast. In diesem
Kapitel dreht sich nämlich alles um den Grundpfeiler schlechthin. Eine
positive Einstellung gegenüber deinem Leben. Du kennst sie sicher, die
ganzen schlauen Sprüche: "Denke positiv", "Sei optimistisch", "Schau
nach vorn".
Vielleicht hat es dich schon manchmal geärgert, wie Menschen nur
so denken können, wo doch alles um einen herum so düster aussieht.
Vielleicht hast du sogar innerlich beschlossen, dass das doch eh alles nur
Gerede ist und an der realen Situation nicht wirklich etwas verändert.
Aber bei näherem hinschauen wirst du feststellen, dass diese Sprüche
ihre Berechtigung haben und dazu noch das einzig Sinnvolle und
Praktische sind!
Wenn du um dich herumschaust und dir die (wenigen) wirklich
glücklichen, zufriedenen, selbstbewussten Menschen anschaust, dann
wirst du feststellen, dass die überwältigende Mehrheit von ihnen eine
positive Grundeinstellung gegenüber dem Leben hat. Sie laufen nicht mit
geknicktem Kopf durch die Gegend und denken ständig darüber nach,
was alles nicht funktioniert. Ganz im Gegenteil. Diese Menschen
konzentrieren sich extrem auf all das Positive in ihrem Leben und ihrer
Umwelt.
Ich will dich mal etwas fragen. Hast du jemals jemanden getrofen,
der dir glücklich und selbstbewusst erschien und gleichzeitig eine "das
Glas ist halb leer"-Einstellung hatte?
Wahrscheinlich nicht, und das hat seine guten Gründe.

Perspektive

Egal in welcher Situation du dich befndest, du kannst die Dinge


immer aus mehreren Blickwinkeln sehen. Es stimmt erst mal, dass sich
alleine durch die Perspektive noch nichts an den Tatsachen ändert. Was

S e i t e | 40
sich aber ändert sind die wahrgenommenen Möglichkeiten, die dir zur
Verfügung stehen. Im "das Glas ist halb leer"-Fall ziehst du dir selber
Energie ab, du siehst die negativen Aspekte der Situation und fühlst dich
schlecht. Im "das Glas ist halb voll"-Fall, siehst du die Situation aus dem
positiven Winkel, bist dankbar, dass du überhaupt ein Glas mit Wasser
hast und gibst dir damit selber Energie und ein gutes Gefühl.
Dabei gibt es gar keinen Grund, negativ zu denken. Warum auch? Es
hat absolut gar keinen Sinn und es bringt dich keine zwei Zentimeter
weiter! Im Gegenteil, es zieht dir nur Energie ab und macht dich dazu oft
noch unfähig etwas an der Situation zu verändern.
Beispiel: Mal angenommen du musst nächste Woche einen Vortrag
halten. Jetzt kannst du dir A) entweder eine Woche lang die Hölle heiß
machen, dir alle möglichen negativen Szenarien ausdenken, wie du da
vorne kein Wort rausbringst oder B) die Sache positiv angehen, daran
glauben, dass schon alles gut laufen wird und das Leben in der
Zwischenzeit genießen.
Kannst du mir auch nur eine Sache nennen, die du hinzugewinnst,
wenn du dir ständig selber Angst machst und negativ über deinen
Vortrag denkst? Nein? Natürlich nicht! Denn es gibt absolut keine
Vorteile! Es ist total unlogisch negativ zu denken, es geht gar gegen
jeden funktionierenden Menschenverstand. Negativ zu denken ist wie
wenn man sich selber ständig aufs Neue in den Fuß schießt. Es ändert
null Komma nix an der derzeitigen Situation und hindert einen dazu noch
am Weiterkommen.
Dabei spielt es auch überhaupt keine Rolle, was wahrscheinlicher ist,
also ob dein Vortrag gut oder nicht so gut ablaufen wird. Der Vortrag
wird ganz einfach so, wie er wird (und ich möchte mal behaupten, dass
negatives Gedankengut nicht sehr hilfreich ist, um ihn besser zu
machen).
Manchmal glaubt man, man müsse sich so verhalten, wie es die
Wahrscheinlichkeit gebietet. Also wenn ich glaube, mein Vortrag wird
wahrscheinlich gut ablaufen, dann fühle ich mich gut, wenn ich glaube,
er wird schlecht ablaufen, fühle ich mich schlecht. Hää?? Was hat denn
das bitte schön für einen Sinn? Wenn ich in beiden Fällen die Wahl habe
und egal welche Wahl ich trefe, das Resultat das Gleiche ist, dann

S e i t e | 41
entscheide ich mich doch immer für die bestärkende Sichtweise. Auch
wenn es im ersten Moment nichts am Ergebnis ändern mag (obwohl ich
100% davon überzeugt bin, dass du mit einer positiven Sichtweise weit
aus besser abschneiden wirst), so lebe ich wenigstens in der
Zwischenzeit ein viel besseres Leben!
Im Beispiel: Du kannst dich jetzt entweder eine Woche lang selber
runterziehen oder diese Woche genießen und positiv nach vorne
schauen. Was glaubst du also bringt dir mehr, nicht nur für die Woche
davor, sondern letztendlich auch für den Vortrag?

Also: Positives Denken ist nicht nur essentieller Bestandteil eines


selbstbewussten, selbstbestimmten, sorgenfreien Lebens, sondern
auch total logisch! Oder andersrum gesagt: Mach dir nicht ständig
selber schlechte Gefühle - es wird am Ergebnis nichts ändern - wenn
du das Leben genauso gut genießen kannst!

Ereignisse sind von Natur aus neutral. Erst du gibst ihnen eine
Bedeutung

"Denn an sich ist nichts weder gut noch böse; das Denken macht es
erst dazu." — Wiliam Shakespeare
Zwei Personen im Supermarkt. Es ist Samstag, beide haben frei und
es gibt keinen Grund zu hetzen. Beide warten in einer langen Schlange
darauf, bezahlen zu können. Person A ist total genervt. Es regt sie auf,
dass sie in der Schlange warten muss, dass alles so langsam geht und
dass das Personal im Supermarkt unterbesetzt ist. Sie bekommt einen
leichten Schweißausbruch und verfucht nicht nur das Warten, sondern
auch den Supermarkt und das dazugehörige Personal.
Person B steht ruhig in der Schlange und schaut sich um. Sie sieht
ein, dass die Situation so ist wie sie ist, und das egal wie stark sie sich
auch gegen das Warten sträuben mag, dies die Wartezeit nicht im
Geringsten verringern wird. Sie nutzt also die Zeit, um schon mal die
Aufschrift für den Kuchen durchzulesen, den sie heute Mittag backen
will. Nachdem sie fertig gelesen hat und die Schlange immer noch
unendlich lange zu sein scheint, beginnt sie ein Gespräch mit dem

S e i t e | 42
Kunden hinter ihr und erhält dabei den guten Tipp, noch etwas gehackte
Mandeln zum Kuchen dazuzugeben.
Die Ausgangssituation ist in beiden Fällen die Gleiche. Der
Unterschied zwischen Person A und Person B besteht darin, wie diese
die Realität wahrnehmen und welche Bedeutung sie ihr geben.
Denn jede Situation im Leben ist erst einmal ohne Bedeutung. Egal
was passiert, du erst gibst der Situation eine Wertung. Du interpretierst
etwas in sie hinein und gibst ihr somit eine Bedeutung. Was du aber in sie
hinein interpretierst, bzw. wie du die Situation wahrnehmen willst, ist
komplett dir überlassen. Ob du genervt oder gelassen in der
Warteschlange stehst, ist deine Wahl!

Vom Pessimist zum Optimist

"Ein Pessimist sieht die Schwierigkeiten in jeder Möglichkeit, ein


Optimist sieht die Möglichkeiten in jeder Schwierigkeit."
— Winston Churchil
Der grundlegende Unterschied zwischen Pessimisten und
Optimisten ist, welche Perspektive sie auf ein und die selbe Situation
einnehmen. Während der Pessimist das halb-leere Glas sieht, freut sich
der Optimist über das halb-volle Glas.
Nochmal zur Erinnerung. Beide Personen sehen das gleiche Glas, die
gleiche Realität. Der Unterschied liegt nur darin, welche Bedeutung sie
der Situation geben.
Wenn du es dir also nicht selber unnötig schwer machen willst, dann
versuche von jetzt an immer die positive Perspektive einzunehmen. Gib
den Ereignissen immer eine positive Bedeutung. Manchmal braucht man
eine Weile, um etwas Positives in einem Ereignis zu sehen. Es lohnt sich
in diesen Momenten deshalb intensiv darüber nachzudenken, was das
Gute an der Situation ist.
Wenn etwas passiert, das im ersten Moment total negativ erscheint,
suche um so hartnäckiger nach Möglichkeiten, warum diese Situation
positiv und genau das Richtig sein könnte. Du wirst fündig werden, es ist
nur eine Frage der Zeit.

S e i t e | 43
Warum ich?

Wenn etwas passiert, dass du absolut nicht verstehen kannst und du


dich fragst "Warum gerade ich...?" dann hab ich eine wirkungsvolle
Analogie für dich.
Dieses Ereignis ist gleichzusetzen mit einem Farbpunkt in einem
großen Gemälde. Alleine betrachtet hat dieser Klecks absolut keinen
Sinn, man kann nichts damit anfangen. Wenn man ihn durch eine Lupe
anschaut, denkt man sich: "Was soll das? Warum ist der da? Warum hat
er diese Farbe? Was nützt er? Welche Bedeutung kann so ein kleiner
Farbklecks schon haben?".
Schaut man sich aber das große Ganze an, so hat der Farbpunkt
seine Bedeutung und seine wichtige Aufgabe. Er trägt seinen Teil zum
großen Ganzen bei und ohne ihn wäre das Gemälde unvollständig und
nicht intakt.
Deswegen sehe jedes Ereignis als einen Farbpunkt in deinem
Lebensgemälde. Er hat seine Funktion und er ist wichtig, auch wenn es
im ersten Moment nicht danach aussieht!

Es tritt nie, nie, nie so schlimm ein, wie man es sich im Voraus ausmalt

Alle negativen Gedanken ziehen dir nur unnötig Energie ab und


bringen dich kein Stück weiter. Außerdem ist es total schwachsinnig, sich
damit ständig selbst aufzureiben. In 9 von 10 Fällen läuft nämlich alles
prima. Und in dem einen anderen Fall, in dem nicht alles glatt läuft, ist
meist alles nur halb so wild wie befürchtet.
Denk mal selber nach, wie oft du dir schon die schlimmsten der
schlimmsten Situationen ausgemalt hast, die dann doch wieder nicht
eintrafen. Wahrscheinlich musst du gar nicht weit zurück denken, denn
wir Menschen sind super darin uns in jeder möglichen Situation diese
Worst-Case Fälle auszudenken.
Witzig wird's dann, wenn wirklich einmal dieser eine Ausnahmefall
eintritt. Denn dann stellt man plötzlich mit Verblüfen fest, dass es nicht
mal halb so wild war, wie man es sich im Vorhinein ausgemalt hat.

S e i t e | 44
Dinge von gestern spielen heute keine Rolle mehr

Denk mal zurück an eine Situation, wo dieser Fall eingetreten ist, wo


wirklich etwas so richtig in die Hose ging (ich hab selber ein paar davon),
sind die jetzt noch von Relevanz für dich? Bedeuten die irgendwas für
dich? Hat sich irgendwas verändert an dir oder deinem Leben?
Ich musste mal auf der Bühne singen (meine größte Angst
überhaupt) und es war wirklich nicht besonders gut. Die Leute fanden es
auch nicht besonders, aber weißt du was diese Situation heute noch
bedeutet? Nichts, null, nada! Es ist vorbei. In der Situation selber war es
unangenehm aber sicherlich nicht so schlimm, wie ich es mir ausgemalt
habe und jetzt ist es einfach nur noch Vergangenheit und total egal.
Ich dachte immer die Leute würden mich auf ewig verachten, wenn
ich da auf der Bühne abnippeln würde. Aber weißt du was passiert? Es ist
ihnen im Grunde genommen total egal und nach zwei Tagen kräht kein
Hahn mehr danach. Es kann sich dann eh schon niemand mehr dran
erinnern und jeder geht seinem Alltag nach. Die Leute sind auch viel zu
beschäftigt mit sich selber und ihren eigenen Problemen. Der Gedanke,
dass sie dich bei jeder Bewegung beobachten und dir deine Fehler
ankreiden, ist total absurd. Genauso wenig wie du andere ständig
beobachtest und ihnen ihre Fehler ankreidest, genauso wenig sind die an
deinen Fehlern interessiert. Jeder hat sein eigenes Leben und seine
eigenen Probleme und genug damit zu tun.
Genau das Gleiche gilt für deinen Vortrag oder was auch immer du
machen musst, das dich herausfordert. Die Leute vergessen es schon
nach 10 Minuten wieder und im Grunde genommen ist es ihnen auch
total egal, was du da machst.

Die Welt ist dein Spiegel

"Das Leben ist ein Spiegel und refektiert das zurück, was der
Denker in es hineindenkt.” — Ernest Holmes
Dein internes Realitätsmodell bestimmt wie du die äußere Realität
wahrnimmst. Wenn du glaubst, die Leute sind gierig und selbstbesessen,
dann wirst du gezielt nach diesen Ereignissen Ausschau halten, die diese

S e i t e | 45
Vorstellung deiner Welt bestätigen. Wenn du andersherum glaubst, dass
die Leute freundlich und hilfsbereit sind, wirst du genau diese Realität
wahrnehmen. Du erschafst dir also deine eigene Realität mittels deiner
internen Welt- und Wertvorstellung.
Wenn du tief in dir drin den Gedanken hegst, dass die Menschen
freundlich und hilfsbereit sind, dass die Welt ein fröhlicher Ort ist und
dein Leben dazu da ist, voll und ganz gelebt zu werden, dann wirst du
das nicht nur als bloßes Gedankengut in dir herumtragen, sondern auch
in deinen Aktionen manifestieren. Du wirst ofener agieren und mit
einem Lächeln auf die Leute zugehen. Du wirst weniger Angst davor
haben, dass dich deine Mitmenschen hängen lassen oder gemein zu dir
sind. Du wirst keine Furcht mehr haben vor anderen zu versagen, denn
sie sind deine Freunde und nicht deine Feinde, die dir Böses wollen.
Darum sagt man auch, "die Welt ist dein Spiegel, lächelt man hinein,
so lächelt sie zurück". Ein weiteres wichtiges Sprichwort ist, "wer mit
dem Finger auf andere zeigt, der zeigt mit zwei Fingern auf sich selbst".
Wenn dir etwas an anderen nicht passt, dann ist das immer etwas an dir
selber, das dir nicht passt. Denn würdest du nicht, wenn du vollkommen
mit dir selber im Einklang und zufrieden wärest, den Anderen so sein
lassen, wie er ist? Was gäbe es dann noch am Anderen auszusetzen?
Nichts!

Du kannst dich nur deshalb über andere aufregen, weil du selber


noch nicht dort angekommen bist, wo du völlig mit dir selber im
Einklang lebst. Darum sei wachsam und frage dich das nächste Mal
selber, was ist es, das ich an mir selber nicht akzeptieren kann und
das ich nun dem Anderen verüble?

Zusammenfassung

S e i t e | 46
Wurzelbehandlung mit Wirkung: Die richtigen Glaubenssätze

"Wer die richtige Einstelung hat, den kann nichts und niemand
aufalten. Wer die falsche Einstelung hat, dem kann nichts und
niemand helfen." — Thomas Jeferson

Was sind Glaubenssätze?

Glaubenssätze sind innere Einstellungen und Denkweisen. Sie


bestimmen, wie du dich selbst und die Welt um dich herum wahrnimmst.
Man könnte sie auch als die Gläser deiner Brille bezeichnen, durch die du
das, was in deinem Leben alles geschieht, beobachtest. Je nachdem
welche Tönung deine Gläser nun haben (je nachdem welche
Glaubenssätze du hast) nimmst du deine Realität anders wahr und
verhältst dich dementsprechend.
Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Wir alle haben den Glaubenssatz,
dass Feuer brennt und weh tut, wenn man die Hand hineinlegt. Das ist
ein sehr universeller und fester Glaubenssatz, den wohl die meisten
Leute mit dir teilen. Andere universelle Glaubenssätze sind: Holz
schwimmt; Sonnenstrahlen sind warm; Die Erde ist eine Kugel.
Nun hat der Mensch aber auch individuelle Glaubenssätze über sich
selbst, und die Welt, in der er lebt, die weit schwammiger und leichter
veränderbar sind, als der universelle Glaube das Feuer brennt oder Holz
schwimmt.
Diese Glaubenssätze können z.B. sein: “Ich bin schüchtern”, “Ich
bekomme immer Angst, wenn ich vor anderen reden soll”, “Ich kann
nicht singen”, “Ich bin dick” usw...

Fehlerhaftes Realitätsmodell

Diese Glaubenssätze müssen nicht zwangsweise der wirklichen


Realität entsprechen. Dafür reicht ein einfacher Blick in die
Geschichtsbücher. Ganze Generationen von Menschen glaubten eine
Weile lang, die Welt sei eine Scheibe und hatten demnach Angst in See
zu stechen. Andere wiederum setzten dem irren Glauben auf, Frauen mit
roten Haaren seien Hexen und müssten verbrannt werden (solch

S e i t e | 47
abgewandelte Glaubenssätze fndet man selbst in unserer heutigen Zeit
noch bei verschiedenen Urvölkern). Ein neueres Beispiel: Es gibt
Holzarten (Azobe), die eine größere Dichte als Wasser haben und
demnach sinken, wenn man sie ins Wasser legt. Also: Nicht jedes Holz
schwimmt!
Was ich damit sagen will... Überleg mal: Wenn die gesamte
Menschheit über Generationen hinweg geirrt hat, besteht dann nicht
evtl. auch bei dir die klitzekleine Möglichkeit, dass du den ein oder
anderen fehlerhaften Glaubenssatz mit dir herumträgst? Einen
Glaubenssatz, den du unbewusst und ungeprüft irgendwann mal von
irgendjemand übernommen hast und ihn seitdem, ohne jegliche kritische
Untersuchung als die reine Wahrheit akzeptierst? Vielleicht denkst du, du
bist dick, nur weil irgendjemand beim Kuchennachmittag mal meinte, du
hättest etwas zugelegt. Vielleicht glaubst du, dass du nie den richtigen
Partner fnden wirst, nur weil die letzten zwei Beziehungen nicht ganz
das gelbe vom Ei waren. Oder vielleicht glaubst du auch, dass deine
Angst vor anderen Leuten zu reden nie verschwinden wird, denn bisher
ist sie nunmal immer wiedergekommen.
Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich dir sagen: Viele
Glaubenssätze, die du im Moment über dich und die Welt hast, halten
einer gründlichen Revision nicht stand! Viele Dinge, die du derzeit noch
als unveränderliche Wahrheit abtust, sehen andere Leute mit anderen
Weltansichten ganz anders. Es wird also Zeit, deine Glaubenssätze mal
genauer unter die Lupe zu nehmen.
Um limitierende Glaubenssätze loszuwerden, musst du sie dir
bewusst machen und mal ganz genau hinschauen. Woher kommen diese
Glaubenssätze überhaupt? Sind die von mir oder hab ich die einfach nur
übernommen? Wer sagt das noch? Welche konkreten Hinweise gibt es
dafür?
Oft wirst du dann feststellen, dass das, woran du dich da so tapfer
klammerst, einer gründlichen Untersuchung nicht standhält. Dass es
fehlerhaft ist, keine Grundlage und dementsprechend auch keine
Daseinsberechtigung hat, noch länger in deinem Kopf herumzuspuken
und dir das Leben schwer zu machen.
Für diesen Schritt musst du dir aber erst mal klar machen...

S e i t e | 48
Woher Glaubenssätze eigentlich kommen

Normalerweise bringt es einen nicht viel weiter, diese „Warum?“


Fragen zu stellen. In diesem Fall ist es aber von Nutzen, wenn du weißt,
woher deine Glaubenssätze kommen und wie du dir diese angeeignet
hast. Denn dieses Wissen befähigt dich letztendlich dazu, ein-
schränkende Glaubenssätze loszulassen und durch bestärkende
Glaubenssätze zu ersetzen.
Also... Die meisten Glaubenssätze hast du dir unbewusst im
Kindesalter durch die Erziehung deiner Eltern und das Umfeld, in dem du
aufgewachsen bist, angeeignet. Deine Mutter hat dir vielleicht
beigebracht, dass es sich nicht ziemt, fremde Menschen anzusprechen.
Heute trägst du diesen Glaubenssatz immer noch mit dir herum und
jedes mal, wenn du jemand neues kennenlernen willst, stellt sich dir
dieser Glaubenssatz gewaltig in den Weg. In späteren Jahren kommen
dann noch all die Glaubenssätze hinzu, die du durch wiederholte
Erfahrung und das Modellieren von Vorbildern adaptiert hast.
Manchmal reicht auch schon ein einziger Satz einer Person, der du
vertraust, um dein Weltbild auf den Kopf zu stellen. Du denkst dir dann,
"Wenn der andere das so sagt, dann wird's schon stimmen..."
Das Ding an der ganzen Sache ist, dass dieser Prozess größtenteils
unterbewusst abläuft. Es ist also nicht so, dass du dir deine
Glaubenssätze bisher in voller Klarheit ausgewählt hast. “Hallo Welt, ich
hätte dann mal gerne ne ordentliche Portion vom “Ich hab immer Angst,
wenn ich vor anderen reden soll”-Glaubenssatz :)“. Nein, ganz im
Gegenteil. Du hast sie meist unbewusst und ohne größere, kritische
Begutachtung übernommen, und jetzt glaubst du fest daran.

Deine Glaubenssätze bestimmen deine Realität und dein Verhalten

Die Krux liegt natürlich darin, dass diese Glaubenssätze deine


Realität und dein Verhalten formen. Der Geist ist mit deinem Körper
verbunden und man sagt auch, "der Geist führt und der Körper folgt
geschlossen". Solange du dir also deiner unterbewussten Glaubenssätze
nicht bewusst bist, wirst du dementsprechend agieren und die Situation
wird genau deinem Glauben nach verlaufen. D.h., wenn du glaubst,

S e i t e | 49
Angst zu bekommen, wenn du vor anderen reden sollst, dann wirst du
damit deinen Körper in Alarmbereitschaft versetzten und die Angst wird
schlussendlich genau so eintreten. Wenn du glaubst, dass du nicht gut
genug für die andere Person bist, dann wird sich dein Körper in ihrer
Anwesenheit versteifen, du wirst unsicher werden und es wird dir die
Luft abschnüren.
Du verhältst dich immer deinen Glaubenssätzen entsprechend. Das,
was für dich innerlich wahr ist, wird sich auch im Äußeren so
manifestieren. Ja, selbst dann, wenn dein Glauben absolut nichts mit der
realen Welt da draußen zu tun hat, wenn er selbst aus der Sicht der
anderen total irrsinnig ist (und sie dir das sogar so sagen), selbst dann
verhältst du dich immer ihm entsprechend. Du kannst gar nicht anders.
Denn er steuert dich und dein Verhalten aus dem Unterbewusstsein.
Leider können diese Glaubenssätze ganz schön hartnäckig sein,
wenn es darum geht, sie durch bestärkende Glaubenssätze zu ersetzen.
Wenn du z.B. in deinem tiefen Inneren fest daran glaubst, dass du nicht
singen kannst, dann wird dir auch noch soviel guter Zuspruch deiner
besten Freundin (oder selbst deines Gesanglehrers, wie in meinem Fall)
nicht helfen, diesen Glauben zu ändern. Im Endefekt kannst nur du
selber deine Glaubenssätze verändern, niemand anders.
Ein Beispiel aus meinem Leben. Ich hatte jahrelang den
Glaubenssatz, dass es sich nicht ziemt, fremde Leute einfach so auf der
Straße oder im Einkaufsladen anzusprechen. Dieser sehr allgemeine
Glaubenssatz lies sich runterbrechen in einzelne, kleinere Glaubenssätze.
Dazu gehörten: "Du kennst diese Person nicht, du hast also keinen Grund
und damit keine Erlaubnis mit ihr ein Gespräch anzufangen", "Du stiehlst
der anderen Person die Zeit", "Leute wollen nicht einfach so
angequatscht werden" usw. Also fng mein Unterbewusstsein in diesen
Situationen automatisch damit an, nach den kleinsten Anzeichen zu
suchen, die meine interne Realität und damit meine Glaubenssätzen
bestätigen würden. Ich redete mir ein, dass es die andere Person gerade
eilig hat oder nicht gut gelaunt ist und in Ruhe gelassen werden will. Mir
felen plötzlich wie aus dem Nichts 1000 Dinge, warum ich die andere
Person jetzt gerade nicht ansprechen könnte, warum es gerade
unpassend wäre und warum ich den Mund halten sollte. Natürlich waren
diese Gründe überhaupt nicht berechtigt und nur in meinem Kopf

S e i t e | 50
vorhanden, denn wie ich später herausfnden sollte, lieben es Menschen
sich auszutauschen und sich mit anderen zu sozialisieren. Sie leuchten
regelrecht auf, wenn man ihnen einen guten Tag wünscht oder sie um
ihre Meinung oder ihren Rat fragt.
All das musste ich aber erst durch wiederholtes Ausprobieren
erlernen und das gelang mir erst nachdem ich mich intensiv mit meinen
Glaubenssätzen beschäftigt hatte, und sie durch gezieltes Training in
positive und bestärkende Glaubenssätze umgewandelt hatte. Erst kam
die innere Vorbereitung, dann kam die Aktion und dadurch das
bestärkende Feedback, dass es total okay ist, sich mit wildfremden
Menschen auf der Straße, im Schwimmbad oder in der Bäckerei zu
unterhalten.
Heute rede ich mit fremden Menschen wo und wann immer ich Lust
habe und meine derzeitigen Glaubenssätze bestärken mich sogar dazu,
die soziale Interaktion zu suchen und meine Mitmenschen besser
kennenzulernen. Das neue Motto lautet: "Suche die Interaktion und gib
ihr alles, was du an Wissen und Liebe beitragen kannst".

Limitierende Glaubenssätze durch bestärkende Glaubenssätze ersetzen

Was ist jetzt also zu tun, wenn man sich von limitierenden
Glaubenssätzen befreien will?
Die Lösung besteht darin, sich seiner unterbewussten Glaubenssätze
überhaupt erst mal gewahr zu werden und sie dann einer ordentlichen
Revision zu unterziehen!
Du musst dich bewusst auf sie konzentrieren und sie im
klitzekleinsten Detail untersuchen. Du musst sie mit der Präzision eines
Uhrenmachers untersuchen und sie in ihre kleinsten Teile aufspalten. Du
musst dich fragen: Woher kommen sie? Sind das meine Glaubenssätze
oder habe ich die nur von jemand anders übernommen? Welche realen
Beweise gibt es dafür? Wer sagt überhaupt, dass das stimmt?

Erst wenn du dir deiner Glaubenssätze bewusst bist, kannst du sie


loslassen und durch neue, bestärkende Glaubenssätze ersetzen.

S e i t e | 51
Zusammenfassung

S e i t e | 52
Das Geheimnis der Hochleistungssportler: Kreative
Visualisation

"Stele dich lebhaf als geschlagen vor und Triumph wird


unmöglich werden. Stele dich lebhaf als Sieger vor und das
aleine wird unermesslich zu deinem Erfolg beitragen. Grossartiges
Leben startet mit einem Bild in deiner Imagination, was du tun
oder sein wilst." — Harry Emerson Fosdick
“Spiele werden im Kopf gewonnen”, das weiß nicht nur jeder
Fußballspieler, sondern auch im Bereich der Erfolgspsychologie ist dieses
Phänomen unumstritten. Bevor du im realen Leben voller
Selbstbewusstsein auftreten kannst, musst du diese Situationen, in
denen du anders agieren willst, erst mal vor deinem geistigen Auge
“sehen können”. Du musst dir dein neues Verhalten lebhaft vorstellen
können, damit es sich auch so in der Wirklichkeit manifestieren kann.
Du kennst das sicherlich selber: Wenn du im Vorhinein schon weißt,
wie du eine Sache angehen willst, klappt's meistens auch. Wenn du es dir
aber nicht so richtig vorstellen kannst, wie es klappen soll, funktioniert's
nur in seltenen Fällen. Du glaubst, du wirst nervös bei (deine
Herausforderung hier einfügen)? Genau so wird es kommen. Du siehst
dich selber souverän agieren und hast ein gutes Gefühl, wenn du an
(deine Herausforderung hier) denkst; genau so wird es eintreten.
Erinnere dich mal zurück an ein Erlebnis - positiv oder negativ - und
überlege dir welche Gedankengänge du im Vorhinein dazu hattest. War
es nicht so, dass du beim positiven Erlebnis schon davor wusstest, dass
alles gut gehen würde? Und andersherum, beim negativen Resultat
konntest du das vorher auch schon so “sehen”?
Eine meiner persönlichen größten Herausforderungen bisher war, als
ich das erste mal vor anderen Leuten auf der Bühne stand um Theater zu
spielen. Ich hatte so etwas zuvor noch nie gemacht und war
dementsprechend nervös. Ich lief tagelang mit fauem Bauchgefühl
durch die Gegend und stellte mir vor, was alles schief gehen könnte.
Ungefähr drei Wochen bevor ich dann meinen Auftritt hatte, fng ich -
erst unterbewusst - damit an, mir vorzustellen, wie ich meine Rolle
souverän auf der Bühne spielen würde. Ich malte mir in meinen

S e i t e | 53
Gedanken meine Laufwege auf, baute mir die Kulisse und die
Zuschauerränge auf, setzte Besucher darauf und sah mich selbst mit
erhobenem Haupte und mit vollem Selbstvertrauen meine Rolle spielen.
Das Ende der Geschichte kannst du dir ja schon denken. Es lief alles
wunderbar, war nicht mal halb so schlimm wie zuvor befürchtet, die
Leute fanden den Auftritt toll und meine Rolle glückte hervorragend.
Wie und was du dir in solchen Situationen im Vorhinein ausmalst,
kannst du wie immer selber bestimmen. Du musst diese Zukunftsvision
also nicht dem Zufall oder etwaigen negativen Gedanken überlassen. Du
kannst diesen Prozess aktiv beeinfussen und so deine Chancen auf ein
positives Resultat deutlich erhöhen.

Mentales Training

"Wir sind, was wir denken. Ales, was wir sind, entsteht aus
unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken formen wir die Welt"
— Buddha
Dein derzeitiges Verhalten, so wie du dich tagtäglich verhältst, ist
nichts weiter, als deine bisherigen mentalen Vorstellungen – also wie du
selbst denkst, dass du zu reagieren hast auf Grund deines Selbstbildes.
Genau diesen Prozess kannst du jetzt verwenden, um dir ein neues,
selbstbewussteres Verhalten anzutrainieren.
Nimm dir dazu mindestens zwei Wochen lang die Zeit, jeden Tag eine
halbe Stunde in dich zu gehen und dein Unterbewusstsein durch
mentales Training auf Erfolg zu programmieren. Setze dich in einer
ruhigen Umgebung hin, schließe die Augen und entspanne dich. Beginne
damit, dir eine Situation auszumalen, in der du selbstbewusster
auftreten willst.
Dabei ist es ganz egal, wie du gestern reagiert hast oder ob du
wirklich daran glaubst, dass du morgen so oder so reagieren wirst.
Machs einfach und du wirst feststellen, wie sich dein wirkliches
Verhalten über die Tage langsam an das deiner Imagination anpasst.
Setz dich hin und sage dir: “Ich stelle mir jetzt einfach die nächste
halbe Stunde lang vor, wie ich mich in dieser Situation verhalten will,
welches neue, selbstbewusste Verhalten ich an den Tag legen will.”

S e i t e | 54
Der Visualisierungsprozess

Mache dir die Bilder in deiner Imagination so klar und lebhaft wie
möglich. Wie genau reagierst du? Wo bist du? Wer ist noch dort? Wie ist
das Licht? Wie stehst du? Wohin schaust du? Was hörst du? Was fühlst
du? Sieh dich selbst agieren, wie du dich fühlst, wie du dich verhältst, wie
du “bist”. Dabei ist es wichtig, dass du dieses Bild so lebhaft, so echt wie
möglich in deiner Vorstellung erlebst. Sei aufmerksam gegenüber den
kleinsten Details.
Stelle dir vor, wie du dich fühlst, wenn du als diese neue
Persönlichkeit agierst. Wenn du bis jetzt eher schüchtern und
zurückhaltend warst, sieh dich selbst in Situationen mit vielen Menschen,
in denen du im Mittelpunkt stehst und das richtig genießt. Du liebst es
dort im Mittelpunkt zu stehen und du fühlst dich genau deswegen richtig
super. Wenn du in einer bestimmten Situation Angst hast, stell dir diese
Situation vor, nur diesmal trittst du ruhig und gelassen auf. Es macht dir
nichts aus, du bist selbstbewusst und du fühlst dich gut und stark in
dieser Situation.
Tipp: Für viele Leute ist es einfacher sich diese Situationen
vorzustellen, wenn sie sich selbst vor einer großen Kinoleinwand sehen
und dort einen Film von sich selbst anschauen.

Wirkungsweise

"Wer heute einen Gedanken sät, erntet morgen die Tat,


übermorgen die Gewohnheit und endlich sein Schicksal."
— Gottfied Keler
Warum und wie funktioniert dieses mentale Training? Hier kommt
uns zu Hilfe, dass unser Gehirn nicht zwischen einer lebhaft vorgestellten
Situation und einer realen Situation unterscheiden kann. Durch diese
lebhaft vorgestellten Bilder pfanzt du dir also neue “Erinnerungen”
bzw. positive Referenzerlebnisse in dein Unterbewusstsein ein. Diese
wiederum wirken sich auf dein Verhalten aus und lassen dich in der
jeweiligen Situation selbstbewusster und mit mehr Selbstvertrauen
auftreten. Im Endefekt baust du dir hier also durch reine Vorstellungs-
kraft eine praktische Erfahrung – als ob du diese Situation wirklich so

S e i t e | 55
erlebt hättest! Hört sich im ersten Moment nach faulen Zaubertricks an,
ich weiß. Aber erinnere dich an Basis-Zutat Nummer eins: Sei ofen für
neues und probier's einfach aus! Du wirst es nicht bereuen. Ich dachte
am Anfang auch: “was für'n Quatsch. Das hilft doch eh nicht.“ Bis ich es
ausprobiert habe und diese unschätzbare Technik seitdem aus meinem
Repertoire nicht mehr wegzudenken ist.
Wenn du diese Übung für die nächsten zwei Wochen machst, wirst
du verblüft sein, dass du in diesen Situationen nach einiger Zeit plötzlich
wie automatisch anders handelst. Du musst gar nicht mehr nachdenken,
wie und was du machen wolltest, es geschieht einfach automatisch. Und
genau so sollte es auch sein – agieren ohne groß nachdenken zu müssen.

Vorbereitung + Ausführung = Veränderung

Wie bei einem Fußballspiel auch, gewinnt man allerdings nicht alleine
durch die mentale Vorbereitung in der Kabine. Man muss schon raus auf
den Platz gehen und antreten, wenn man wirklich ein Tor schießen will!
Das mentale Training erhöht die Wahrscheinlichkeit drastisch, dass du
auf dem Platz gewinnst. Wirklich siegen tust du aber nur, wenn du dich
deinen Herausforderungen im realen Leben stellt.

Dein derzeitiges Verhalten ist einzig und alleine das Resultat deiner
bisherigen Erinnerungen – ob real erlebt oder lebhaft vorgestellt –
und wie du diese interpretiert hast. Genau so kannst du aber auch
dein zukünftiges Verhalten beeinfussen – mit dieser mentalen
Trainingsmethode. Fange gleich heute damit an!

Zusammenfassung

S e i t e | 56
Übung macht den Meister: Afrmationen und Routinen

"Es werden mehr Menschen durch Übung tüchtig als durch


Naturanlage." — Demokrit
Egal welchen Bereich du in deinem Leben verbessern willst, ob es
deine Lieblingssportart ist, deine Mathematikfertigkeiten oder deine
Körpersprache, der wichtigste Faktor für den Erfolg ist nicht etwa Talent,
wie viele glauben, sondern schlichtweg die Frage, wie viel Energie du
bereit bist, in die jeweilige Fertigkeit hineinzustecken.
Warum sind die Beatles so berühmt geworden? Nicht etwa weil sie
übermäßig Talent gehabt hätten, sondern weil sie sich jahrelang, einen
Tag nach dem anderen, aufs Neue zusammengesetzt haben, um Musik
zu machen. Sie spielten tagein tagaus immer wieder die gleichen Lieder
und verbesserten so Stück für Stück ihre Fertigkeiten und ihre Musik.
Warum ist Tiger Woods einer der besten Golfspieler dieses Planeten?
Weil er einfach seinen Abschlag 10.000 mal öfter geübt hat als sein
Kontrahent neben dran.
Wenn man sich Spitzenleute egal in welchem Bereich anschaut, wird
man feststellen, dass diese Leute einfach mehr Zeit und mehr Energie in
ihr Gebiet gesteckt haben als alle anderen. Sie haben mehr geübt als alle
anderen, haben dabei viele Fehler gemacht, ihre Herangehensweisen
angepasst und während dessen herausgefunden wie man es richtig
macht.
Übung macht den Meister. Dieser Satz gilt nicht nur für Sportarten,
sondern auch für den Bereich der Persönlichkeitsentwicklung.
Selbstbewusstes Auftreten, positive Denkweisen und eine aufrechte
Körperhaltung können antrainiert werden. Es ist egal wie alt du bist,
welchen Hintergrund du hast oder ob du meinst, dass du Talent dafür
hast oder nicht. Es spielt keine Rolle. Der einzig entscheidende Faktor ist,
dass du dich wiederholt darin übst.
Wenn du jemanden füssig vortragen hörst, dann kannst du dir sicher
sein, dass derjenige seinen Vortrag einige Male vorher zu Hause vor dem
Spiegel geübt hat. Wenn du Schauspieler auf der Bühne Dinge machen
siehst, die dir peinlich wären oder die großen Mut erfordern, dann sei dir
gewiss, dass diese das jahrelang Tag ein Tag aus geübt haben. Wenn du

S e i t e | 57
dir einen selbstgemachten Millionär anschaust, dann wirst du auch da
feststellen, dass der sich einfach immer und immer wieder darin geübt
hat, wie man ein Geschäft macht, dabei oft auf die Schnauze gefallen ist,
daraus gelernt hat und selbst dann noch weitergemacht hat, als alle
anderen um ihn herum bereits aufgegeben haben.
Viele Künstler, die heute berühmt sind, lebten vor ihrem großen
Erfolg jahrelang am Rande des Existenzminimums. Sie machten ein
Kunstwerk nach dem anderen, verfeinerten ihre Technik über die Jahre
und waren schlussendlich dazu in der Lage, ihr Meisterwerk zu
erschafen. Hätten sie aber nicht all die Jahre des Übens und der
konstanten Selbstverbesserung hinter sich, wäre es nicht dazu
gekommen.
Was ich damit sagen will, ist ganz einfach. Wenn du selbstbewusster
werden willst, dann übe dich in den verschiedenen Techniken, die hier in
diesem Buch beschrieben sind - jeden Tag. So oft wie möglich. Nutze
jede Gelegenheit um dich herauszufordern, um zu wachsen, um dich
darin zu üben.
Wenn du anfängst diese neuen Methoden auszuprobieren und deine
Verhaltensweisen zu verändern, dann kann die Schwerkraft deines alten
ICHs ganz schön kraftvoll sein. Sie wird dich versuchen zurückzusaugen,
in deine alten Angewohnheiten und Verhaltensweisen. Darum handelt
das nächste Kapitel genau darum.

Schlechte Angewohnheiten loswerden

"Eine schlechte Angewohnheit kann man nicht aus dem Fenster


werfen. Man muss sie die Treppe runterboxen, Stufe für Stufe."
— Mark Twain
Alte Gewohnheiten lassen sich leider nicht einfach auf Knopfdruck
abschalten oder in positive Gewohnheiten umwandeln. Du hast dir diese
Verhaltensmuster über Jahre hinweg angeeignet und sie haben sich tief
in deinem Kopf verankert. Um sie wieder loszuwerden, musst du sie
deshalb Stufe für Stufe die Treppe herunter-boxen. Dabei musst du bei
jedem Treppchen wachsam sein, denn sie sind stark und gerade wenn du
denkst: "Jetzt hab ich ihnen den letzten Hieb verpasst" kommen sie mit
ungeahnter Stärke zurück.

S e i t e | 58
Eine alt eingefahrene Gewohnheit loszuwerden ist mit das
Schwierigste überhaupt. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und wenn
ihm eine Sache schwer fällt, dann ist es alt-bekannte Verhaltensmuster
und die damit verbundenen Gedankengänge loszulassen bzw. durch
neue zu ersetzen.
Warum fällt es den Menschen so schwer, das Rauchen aufzuhören
oder sich andere (gesündere) Essgewohnheiten anzueignen? Warum
greifen sie immer wieder wie automatisch zum Kühlschrank, obwohl sie
wissen, dass es nicht gut für sie ist? Warum kann ein Hochleistungs-
sportler nicht einfach von heute auf morgen aufören Sport zu machen
oder ein Sänger aufören zu singen? Ganz einfach, es ist ihnen allen zur
Gewohnheit geworden. Das, was man lange genug wiederholt,
verankert sich irgendwann im Unterbewusstsein und läuft dann dort wie
von alleine weiter.
Im Falle des Selbstbewusstseins will ich mich nun hier speziell mit
deinen gewohnten Gedankenmustern beschäftigen. Denn sie sind es
vorwiegend, die wiederum dein Verhalten bestimmen. Wenn du deine
eingefahrenen Gedankenstrukturen ummodeln kannst, dann schafst du
damit gleichzeitig die Grundlage für ein neues, selbstbewussteres
Verhalten.

Afrmationen

" Wenn du erst mal negative Gedanken durch positive austauschst,


wirst du anfangen positive Resultate zu haben" — Wilie Nelson
Afrmationen sind positive Aussagen über uns selber. Wenn wir
diese Aussagen genügend oft wiederholen, verankern sie sich in
unserem Unterbewusstsein und werden früher oder später genau so
eintreten und zu den entsprechenden Taten führen. Afrmationen
müssen immer positiv und so formuliert sein, als wäre das Ergebnis
schon eingetreten. Also z.B. “Ich bin ein toller Redner”, “Alle Menschen
lieben mich”, “Ich bin extrem erfolgreich”.
Die Afrmationen müssen immer positiv sein. Das liegt daran, dass
unser Gehirn negierte Formulierungen nicht verarbeiten kann. Wenn du
dir also sagst: "Ich will keine Angst mehr haben, wenn ich vor anderen

S e i t e | 59
reden soll", dann wird genau das eintreten, weil dein Unterbewusstsein
keine negierten Sätze versteht. Ein kleines Beispiel dazu. Denke jetzt mal
für die nächsten fünf Sekunden nicht an einen rosa Elefanten...
Siehst du, obwohl ich dir explizit gesagt habe, du sollst nicht an einen
rosa Elefanten denken, hattest du dieses Bild eines rosa Elefanten in
deinem Kopf. Das Gleiche gilt für alle anderen Aussagen und
Afrmationen. Deshalb musst du sie stets positiv und im Präsens
formulieren, also so, als ob du dein Ziel schon erreicht hättest. Damit
suggerierst du deinem Unterbewusstsein, dass du dein Ziel in
Wirklichkeit schon erreicht hast und es wird sich darauf einstellen und
deine Verhaltensweisen dementsprechend beeinfussen.
Was macht man nun mit diesen Afrmationen? Du liest sie dir
morgens und abends mindestens drei mal laut vor. Am besten ist es, du
wiederholst diese Aussagen so oft es geht, in der Mittagspause, auf dem
Weg nach Hause und im Fahrstuhl. Wenn noch andere Menschen im
Fahrstuhl sind und du dich nicht traust, die Afrmationen laut vor dich
herzusagen, dann wiederhole sie ständig mit deiner "Stimme" im Kopf.
Versuche die Afrmationen so glaubwürdig wie möglich
auszusprechen, also wirklich so, als seien sie wahr und bereits
eingetreten. Umso mehr du dich einfühlen kannst und umso echter sie
für dich werden, umso schneller werden sie ihre volle Wirkung entfalten.
Hier habe ich dir eine Liste mit Afrmationen zusammengestellt.
Such dir deine Lieblingsaussagen heraus, schreib sie ab, kleb sie an
deinen Spiegel im Badezimmer und lies sie dir drei mal morgens und
abends laut vor.
Ich bin selbstbewusst
Ich akzeptiere mich voll und ganz
Ich bin toll
Ich liebe die Menschen und die Menschen lieben mich
Ich bin ein froher Mensch
Ich sage meine Meinung
Ich liebe Herausforderungen und gehe mutig ans Werk
Ich bin ein guter Redner und mag es vor anderen zu präsentieren
Ich liebe meinen Körper
Ich sage, was ich denke

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Ich bin ein ofener, lustiger Mensch
Ich gewinne meine Mitmenschen für mich und bin begehrt
Ich bin ein positiver Mensch und denke ausschliesslich positiv
Ich wahre eine gerade, selbstbewusste Körperhaltung
Ich kann ohne Probleme auf andere Menschen zugehen
Ich bin einzigartig und perfekt so wie ich bin
Ich liebe das Leben und mich selbst

Du kannst dir natürlich auch deine eigenen Afrmationen einfallen


lassen und dir eine Liste zusammenstellen. Wie gesagt, wiederhole diese
Afrmationen so oft wie möglich und mache sie dabei so lebhaft wie du
kannst. Je öfter du sie wiederholst und umso wahrer sie für dich klingen,
desto besser. Es ist sehr wahrscheinlich, dass du am Anfang auf inneren
Widerstand stoßen wirst. Dein Verstand sagt sich: "Warum sollte ich mir
diese Sätze laut vorlesen? Das bin nicht ich..."
Lass dich davon nicht beirren und mach's einfach. Denk wieder an
Basis-Zutat Nr. 1. Mach's einfach und du wirst schon nach kurzer Zeit
herausfnden, wie kraftvolle diese Afrmationen sein können! Gib dir
selbst mindestens 30 Tage Zeit, bevor du ein Urteil fällst. Wiederhole
deine Afrmationsliste mindestens einen Monat lang, drei mal morgens
und drei mal abends und schau was passiert!
Es braucht ein bisschen Zeit, bis diese Aussagen fest in dein
Unterbewusstsein verankert sind und ihre volle Wirkungskraft entfalten
können. Urteile also nicht vorschnell, wenn sich nicht gleich nach einem
Tag die vollständige Verwandlung einstellt. Sähe den Samen heute, gieße
ihn für die nächsten 30 Tage und dann schau was aus ihm wird.

Routinen

In dieser Phase der Veränderung ist es extrem nützlich, sich ein paar
Routinen anzueignen. Wie ich schon ein paarmal angedeutet habe, ist es
nicht ganz einfach alte Gewohnheiten abzuschütteln und sich neue
Verhaltensweisen anzueignen. Deshalb sind in diesem Zeitraum feste
Routinen deine Geheimwafe gegen die Versuchung, wieder in alte
Muster zurückzufallen. Sie werden dir helfen dich auf Kurs zu halten und
sie sind eine großartige Möglichkeit, um sich selbst zu motivieren.

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Du solltest auf jeden Fall eine Morgen- und eine Abendroutine
haben. Die Morgenroutine ist wichtig, damit du den Tag gleich richtig
startest (du erinnerst dich: die erste Stunde deines Tages bestimmt die
Energie des restlichen Tages). Die Abendroutine ist hilfreich, um sich
selbst und den Tag zu refektieren und den nächsten Tag zu planen. Die
bewährte Morgenroutine liegt bei. Für die Abendroutine empfehle ich
dir: Nimm dir nochmal bewusst 5 Minuten Zeit und überlege dir, was
alles gut lief und was dich alles erfreut hat am heutigen Tag!
Die Routinen müssen sich aber nicht nur auf den Morgen oder Abend
konzentrieren. Du kannst (und solltest unbedingt) dir auch ein paar
Routinen für deinen Alltag überlegen. Mach es dir z.B. zur Gewohnheit,
mindestens einmal im Unterricht oder in der Vorlesung zu Strecken -
oder wenn du schon im Berufsleben bist, mindestens einmal pro Tag
deine Meinung einzubringen. Mach dir eine kleine Mittagspausen-
routine, in der du deine Afrmationen durchgehst und dir 5 Minuten
visualisierst, wie und wo genau du am weiteren Nachmittag
selbstbewusster auftreten wirst. Mach es dir zur Routine dich immer mal
wieder im Laufe des Tages zu fragen: “Wie fühle ich mich gerade?“ &
“Was ist gerade in diesem Moment schön an meinem Leben?“

Zusammenfassung

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Aufgepasst und Nachgemacht

"Umgib Dich mit Leuten, die besser sind als Du. Es wird auf Dich
abfärben." — Warren Bufet
Ich hab's schon ein paar mal angesprochen. Trotzdem noch einmal:
Persönlichkeitsentwicklung braucht Zeit. Viel Zeit. Etwas an sich selbst
zu verändern dauert, besonders dann, wenn du dir deine gewohnten
Verhaltensmuster über Jahre hinweg angeeignet hast. Du kannst den
Prozess der Transformation aber beschleunigen, und zwar extrem. Der
Trick lautet: Suche dir Leute, die schon das haben/machen, was du gerne
haben/machen willst und umgebe dich mit ihnen so oft wie möglich.
Es wird auf dich abfärben - garantiert!
Dazu gibt es eine bekannte Theorie, vielleicht kennst du sie schon:

"Du bist der Durchschnitt der fünf Menschen, mit denen du die
meiste Zeit verbringst."

Ursprünglich kommt diese These aus dem Finanzbereich und besagt,


dass du im Schnitt so wohlhabend bist wie der Durchschnitt deiner fünf
nähsten Menschen. Aus meiner eigenen Beobachtungen kann ich sagen,
das haut hin.
Du kennst das sicherlich auch. Wenn du dich mit energielosen und
pessimistischen Menschen umgibst, wird dein Gemütszustand in null
Komma nix in ein Loch gezogen. Du fühlst dich plötzlich selber schlapp
und die vorher noch so rosige Welt bekommt immer mehr Flecken durch
das negativ Geplapper deiner Mitmenschen. Im Gegenzug dazu, wenn
du dich mit lebensfrohen und optimistischen Menschen umgibst, können
diese dir Kraft geben und deinen bis dato eher trägen Gemütszustand in
Schwung bringen und dich zu neuem Tatendrang und neuer Lebenslust
erwecken.

Wie du dir neue Verhaltensweisen aneignest

Du hast zwei Möglichkeiten, dir neue Verhaltensweisen anzueignen.


Entweder schaust du, wie andere Leute das machen, was du machen

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willst, oder du versuchst es dir selber, alleine und aus eigener Kraft
anzueignen. Ersteres machst du im frühen Kindesalter die ganze Zeit,
nämlich dann, wenn du das Verhalten deiner Umgebung, in diesem Fall
deiner Eltern, nachahmst und modellierst. Dieses Modellieren fndet aber
nicht nur in den ersten Lebensjahren statt, sondern begleitet dich
bewusst oder unbewusst dein ganzes Leben lang.
Du modellierst jeden Tag aufs Neue die Menschen und die
Umgebung um dich herum. Dieses Modellieren fndet natürlich
größtenteils unterbewusst und unbewusst statt. Wenn du diesen
Prozess nun aber bewusst machst, dann wird er dir extrem helfen, die
Verhaltensweisen anderer, selbstbewusster Personen anzueignen.
Das Modellieren von Menschen, die bereits selbstbewusst auftreten,
wird deine Reise zu einem selbstbewussteren Leben um einiges
verkürzen. Und damit meine ich, was dich im Einzelkampf vielleicht
mehrere Jahre harte Arbeit kosten würde, kannst du so unter
Umständen in wenigen Monaten erreichen!
Sich mit den richtigen Menschen zu umgeben ist ein gewaltiger
Vorteil, egal in welchem Bereich du dich bewegst. Du wirst sofort deren
Realitäten zu spüren bekommen und zwar nicht nur in Schrift und Wort,
so wie du das hier in meinem Buch gerade liest, sondern direkt
vorgelebt, in der realen Welt, dort draußen, live und in Farbe vor deinen
eigenen Augen.
Je mehr Zeit du also mit diesen Menschen verbringen kannst, umso
besser!
Eigenes Beispiel: Als ich damit angefangen habe, auf wildfremde
Leute zuzugehen, war ich am Anfang sehr nervös. Ich wusste nicht
genau, wie ich mein Vorhaben einordnen sollte und ob es überhaupt
okay ist, einfach so auf Leute zuzugehen und mit ihnen zu reden. In
dieser Anfangszeit war es sehr hilfreich einen guten Freund dabei zu
haben, der mir die Dinge vormachen konnte. Ich konnte so direkt vor
meinen eigenen Augen sehen, dass es überhaupt kein Problem ist, mit
der Bäckerin einen Small-Talk zu halten, jemand Fremden auf einen Café
einzuladen oder jemanden nach seiner Meinung zu einem bestimmten
Thema zu fragen.

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Emotionale Intelligenz I & II: Beobachten & Beeinfussen

"Kenne dich selbst" — Sokrates


Dein Leben wird maßgeblich durch deine Emotionen beeinfusst. Sie
bestimmen nicht nur, wie du dich fühlst, sondern auch welche
Kaufentscheidungen du trifst, ob du jemanden sympathisch oder
unsympathisch fndest oder mit welchem Partner du dich einlässt.
Viele Entscheidungen werden auf Grund des Bauchgefühls getrofen.
Wenn du dich in einer gespaltenen Situation wiederfndest, wo dein Kopf
Lösung A für richtig hält, dein Bauchgefühl dich aber eher in Richtung
Lösung B zieht, dann wirst du dich in den meisten Fällen für Lösung B
entscheiden. Dein Gefühl und deine Intuition gewinnen oft gegen deinen
Verstand! „Ich fühle einfach, dass das der richtige Weg ist“. Hast du das
nicht auch schon mal erlebt?
Emotionen bestimmen unser Verhalten und unser Wohlbefnden, oft
auf unterbewusste Weise. Sie sind wie die unterschwellige Musik im
Café, die wir oft schon gar nicht mehr wahrnehmen, die unseren Zustand
aber maßgeblich beeinfussen kann.
Leider lernen wir in der Schule nicht, wie wir mit diesen wichtigen
Signalen umgehen sollen. Wir lernen mit allem Möglichen umzugehen,
Algebra, Mittelalter, Zinseszins, nur die wichtigste Sache überhaupt wird
uns nicht beigebracht:
Wie wir mit uns Selber und unseren Gefühlen umgehen sollen.
Die meisten Menschen sind emotional ungebildet. Sie sind sich ihrer
Emotionen nicht bewusst und leben deshalb reaktiv, ihren Gefühlen
entsprechend. Sie haben nie gelernt mit ihren Gefühlen und Emotionen
umzugehen. Wahrscheinlich wissen die meisten noch nicht einmal, dass
man durch entsprechendes Training die innere Gemütslage selbst
beeinfussen kann. Und so laufen viele tagelang in einem gestressten
Zustand durch die Gegend ohne einmal inne zu halten und sich zu
fragen, was denn da im Inneren bei ihnen gerade los ist und warum sie
die ganze Zeit so gestresst sind. Der Zustand wird einfach über die Zeit
als „normal“ akzeptiert und das Nicht-Bewusstsein über die eigene
Gefühlslage damit nur noch weiter vergrößert.

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In diesem Abschnitt will ich dir zeigen, wie du emotional intelligenter
werden kannst, damit du deine Emotionen zu erst einmal wahr nimmst
und dann entsprechend auf sie reagieren kannst.

Beobachten

Um auf deine Emotionen reagieren zu können, bzw. um deinen


Gefühlszustand gezielt zu beeinfussen, musst du dir dessen natürlich
erst einmal bewusst werden. Denn ohne Bewusst-sein gibt es keine
Handlungsmöglichkeiten.
Emotionen sind Signale deines Körpers, die dir etwas sagen wollen.
Du tust also gut daran, genau hinzuhören, wenn dein Körper sich zu
Wort meldet. Oft sind die Emotionen, die wir am schmerzvollsten
empfnden, diejenigen, die uns etwas Dringendes sagen wollen. Dein
Körper spricht also in Form von Gefühlen zu dir, und wenn diese sich
nicht gut anfühlen, dann will er dir damit einfach nur sagen: „Stopp mal,
du fühlst dich nicht gut, du musst etwas ändern!“. Wenn du dir diesen
Gefühlen bewusst wirst, sie beobachtest und akzeptierst, anstatt sie zu
unterdrücken, kannst du sie nutzen, um deine Gefühlslage zu verändern.

Denn es gilt: Du hast zu jedem Zeitpunkt die Kontrolle darüber,


wie du dich fühlst. Niemand anders als du selber kontrolliert deine
Gefühle und deinen Zustand.

Hier ein kleines Experiment dazu.


Stelle dir etwas in der Zukunft vor, was du gerne hättest das passiert
und das du innerlich hofst, dass es passiert. Schließe deine Augen und
stelle dir das so lebendig wie möglich vor. Werde dir bewusst, wie es sich
anfühlt, darauf zu hofen, dass es passieren wird.
Konntest du dabei geistig zwei Möglichkeiten sehen, einmal, in der
die Sache funktioniert hat und einmal, wo es nicht funktioniert hat?
Dann öfne deine Augen und schüttle das Gefühl des „Hofens“ aus
deinem Körper heraus. Mach ein paar große Bewegungen.
Dann schließe wieder die Augen und stell dir etwas in der Zukunft
vor, was du wieder gerne hättest das passiert aber dieses Mal weißt du,

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dass es funktionieren wird. Du weißt jetzt mit 100% Wahrscheinlichkeit,
dass es hinhaut. Bemerke wieder wie sich das anfühlt und wie sich dieses
Gefühl vom Gefühl des „Hofens“ unterscheidet.
Und... was war der Unterschied?
Voilà, du hast soeben deine Emotionen kontrolliert!
Das Wichtigste bei der ganzen Sache ist jetzt, dass du dir tagsüber
immer mal wieder bewusst wirst, wie du dich gerade fühlst. Damit
vermeidest du die Falle, in die so viele tappen: über mehrere Tage in
einem schlechten Gefühlszustand herumzulaufen, ohne sich dessen
richtig bewusst zu werden. Sobald du dir deiner Emotionen und deiner
Gefühlslage bewusst wirst, kannst du anfangen, sie gezielt zu
beeinfussen und zu verbessern.

Beeinfussen

Die Gefühle, die du spürst sind nicht ohne Grund da. Sie wollen dir
etwas sagen. Sie sind Reaktionen deines Körpers und deiner Intuition auf
eine bestimmte Situation. Akzeptiere sie, anstatt sie zu unterdrücken.
Erst dadurch hast du die Möglichkeit auf sie Einfuss zu nehmen.
Hier ist eine kleine Tabelle mit den häufgsten Emotionen und was sie
dir sagen wollen.

Du fühlst dich... Das will dir sagen...


Verärgert Jemand hat deine Regeln verletzt. Sag es ihm/ihr
und unterdrücke deinen Ärger nicht.
Überwältigt Du musst priorisieren. Mach eine kleine Liste der
Dinge, die du erledigen willst und gib ihnen eine
Priorität.
Ängstlich Bereite dich vor auf das, was kommt.
Frustriert Du musst deine Herangehensweise ändern.
Enttäuscht Deine Erwartungen sind vielleicht zu hoch.
Ungemütlich Mach dir klar, was du willst und handle.
Schuldig Du hast deine eigenen Werte verletzt, sichere dich
dagegen ab, das nochmals zu tun.

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Drei Schritte, um deine Emotionen und deine Gefühlslage zu
beeinfussen:
1. Werde dir deinen Emotionen bewusst. Werde dir bewusst,
wenn es dir nicht gut geht und du negative Emotionen
erfährst. Begrüße sie und heiße sie herzlich willkommen,
denn sie wollen nur das Beste für dich und dir etwas sagen,
nämlich: „Du sollst etwas verändern“. Runterschlucken bringt
da nichts, sie werden sich dadurch nur verstärken. Also:
akzeptieren und genau beobachten!
2. Was will mir die Emotion sagen? Welche Emotion verspüre
ich genau? Ist es Angst, Überwältigung oder Frustration? Was
genau will mir diese Emotion sagen? Was könnte dieses
Gefühl noch bedeuten? Woher kommt diese Emotion und
warum fühle ich mich so?
3. Beeinfussen. Frage dich: Wie will ich mich in dieser jetzigen
Situation wirklich fühlen? Was müsste ich denken, damit ich
so fühlen könnte? Wie muss ich die derzeitige Situation
sehen, damit sich ein positives Gefühl einstellt? Was muss ich
verändern, um den negativen Gefühlszustand zu beenden?
Welche konkrete Aktion kann ich jetzt unternehmen, um mich
besser zu fühlen?
Wie bei Allem braucht es etwas Übung, um Emotionen erst mal
richtig wahrzunehmen und sie dann auch zu beeinfussen. Du wirst
vielleicht feststellen, dass obwohl du das hier gelesen hast, du trotzdem
wieder über Tage hinweg in einem Zustand herumläufst, der nicht
optimal ist, ohne dir dessen so richtig bewusst zu werden. Das ist ganz
normal, denn bisher hast du dich ja noch nie so richtig mit deinen
Emotionen beschäftigt.
Wichtig für dich ist nun also von jetzt an zu jeder Zeit einen kleinen
Fühl-sensor in deinem Inneren zu haben und dich öfter am Tag mal zu
fragen: „Wie fühle ich mich eigentlich gerade? Wie geht es mir gerade?“
und diesen Zustand dann entsprechend zu verändern, bevor er sich über
Tage unbewusst in deinem Körper breit macht und dir deine wertvolle
Energie absaugt.

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Zusammenfassung

S e i t e | 69
Alltagsprobleme
Teil I

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Selbstbewusstsein ohne Selbst-bewusst-sein

Warst du schon jemals so verschlafen oder neben der Kappe, dass du


plötzlich total vergessen hast, was so um dich herum passiert? Kennst du
das tranceartige Gefühl, in dem alles nur so an dir vorbeifiegt, ohne das
du speziell davon Notiz nimmst? Wenn du plötzlich aus deinem Tagtraum
aufwachst und feststellst, dass die letzten Minuten einfach nur so an dir
vorbeigefogen sind?
Wie hast du dich da verhalten? Hast du in dieser Zeitspanne darüber
nachgedacht, wie wohl die Menschen um dich herum über dich denken?
Hast du dir Gedanken darüber gemacht, was alles schief laufen könnte?
Hast du überhaupt an irgendetwas gedacht? Wahrscheinlich nicht...
In diesem Zustand der Trance bist du wie weggetreten - in einem
Modus des "Selbstvergessens". Du überwachst dich und deine Aktionen
nur noch eingeschränkt und hinterfragst daher nicht fortlaufend, was du
da eigentlich gerade machst oder welche Auswirkungen das haben
könnte bzw. ob die Situation evtl. peinlich ist. Dein innerer Kritiker, der
ansonsten sofort den Finger hebt, um dich darauf aufmerksam zu
machen, was alles Schlimmes passieren könnte, ist nun plötzlich im
Schlafmodus. Du bist frei von deinen inneren Überwachungs-
mechanismen, die dich oft hindern, dass zu tun was eigentlich
notwendig wäre, um deine Komfortzone zu erweitern.
Du bist so in deinem Halbschlaf gefangen, dass du schlicht keinen
Gedanken daran verschwendest, wer dir alles zuschaut oder was für eine
Figur du gerade abgibst. Man könnte diesen Zustand auch mit Trunken-
sein vergleichen. Du denkst schlichtweg nicht mehr über alles Mögliche,
morgen oder gestern nach und bist einfach nur im Hier und Jetzt.

Den Schlafzustand emulieren

Diesen Zustand des "Selbstvergessens" kannst du jetzt dazu nutzen,


dir ein gesundes Maß an Gleichgültigkeit zu besorgen. So, dass du in den
Situationen, in denen du selbstbewusst auftreten willst, nicht mehr von
deinen internen Alarmglocken betäubt und überwältigt wirst. Du
dämpfst damit deine internen Überwachungssensoren.

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Ok, und wie funktioniert das Ganze jetzt?
Um in den Zustand des “Selbstvergessens“ zu kommen, gibt es
verschiedene Methoden. Hier gilt es auszuprobieren:
Körperhaltung: Versetze dich in einen relaxten Zustand. Erinnere
dich mal zurück an einen Punkt in deinem Leben, an dem du total
entspannt warst. Welche Körperhaltung hattest du da? Welches
Gefühl hattest du da im Bauch? Wie war deine Atmung? Was hast
du gehört? Versuche dich wieder in diesen Zustand zu versetzen
und dieses Gefühl der Entspanntheit wiederzuerleben. Es ist
physiologisch unmöglich, Angst zu verspüren, wenn dein Körper
komplett entspannt ist!
Fokuswechsel: Verändere deinen Fokus. Konzentriere dich voll
und ganz auf deine Aufgabe und nicht auf das, was evtl. passieren
könnte oder wie dich die Menschen wahrnehmen. Lenke deinen
Fokus komplett auf deine Aufgabe. Schau wie durch einen Tunnel
auf das, was du da gerade machst und konzentriere dich voll und
ganz darauf. Blende alles um dich herum aus, die Mitmenschen,
den Raum, die Umgebung. Stelle dir vor, da bist nur du und das,
was du da tust.
Gedankentricks: Wenn du dir klar machen kannst, dass egal was
passiert, du heute Abend wieder in deinem Bett einschlafen wirst
und nicht wirklich etwas Schlimmes passieren kann, dann wird
sich automatisch ein entspannteres Gefühl in deinem Körper
einstellen. Allerdings musst du diese Realisation tief nachfühlen
können und nicht nur im Kopf „intellektuell“ verstehen. Dieser
Gedankengang ist aber zugleich der Mächtigste überhaupt. Wenn
du dir klar machen kannst, dass egal was kommt, du damit fertig
wirst und du heute Abend genau so wie gestern Abend auch
wieder in deinem Bett einschlafen wirst, du damit fertig wirst,
egal was kommt, dann wirst du nichts mehr fürchten müssen.
Versuche die verschiedenen Methoden aus und nimm dir das heraus,
was am besten für dich funktioniert. Mir hilft eine Kombination aller drei
Dinge. Zum einen versetze ich mich in einen entspannten Zustand,
Schultern locker, leicht gebeugte Knie, atme tief und fokussiere mich
total auf das, was ich dort mache, ohne mich zu stark auf das zu

S e i t e | 72
konzentrieren, was um mich herum geschieht. Gleichzeitig werde ich mir
fortlaufend bewusst, dass egal was passiert, ich heute Abend wieder in
meinem Bett einschlafen werde und sich nichts Wesentliches verändert
haben wird, außer dass ich ein großes Stück gewachsen bin, wenn ich
mich meiner Herausforderung stelle.
Es ist wichtig anzumerken, dass es physiologisch unmöglich ist,
Angst zu verspüren, wenn du total entspannt bist. Angst versetzt deinen
Körper in einen Alarmzustand, einen hochenergetischen Zustand voller
Angespanntheit. Du bist in jeder Sekunde bereit, wie ein gespannter
Bogen deine Energie loszulassen. Das Gegenteil dazu ist ein komplett
entspannter und geerdeter Körper. Umso mehr du dich in diesen
Situationen entspannen kannst, umso besser.
Diese Techniken kannst du auch gut im Alltag anwenden, wenn du
“zu viel nachdenkst“. Oft laufen wir selbst-befangen durch den Tag und
versuchen ständig auszurechnen, wie unser Verhalten wohl auf andere
wirkt. Wir überwachen unsere Taten minutiös und sind angespannt in
dem, was wir tun, weil wir glauben, wir müssten anderen etwas
beweisen oder so handeln, wie sie es von uns erwarten. Hier kann es
sehr hilfreich sein, ein paar mal tief durchzuatmen und sich
sprichwörtlich selbst-zu-vergessen. Den Fokus von sich selbst
abzulenken und sich auf andere Dinge zu konzentrieren.
Das wird dich nicht nur beruhigen, sondern auch die Qualität dessen,
was du tust, erhöhen. Es ist schwierig und anstrengend etwas zu tun,
wenn man ständig darüber nachdenkt, was andere davon halten oder ob
es wirklich so richtig ist, wie man es macht. Jeder Spitzensportler wird
dir sagen: Wenn du ein optimales Ergebnis erzielen willst, dann musst du
entspannt sein. Wenn du verkrampft bist, verschlechtert sich deine
Performance automatisch.
Also: Übe dich auch im Alltag entspannter zu werden. Werde dir
bewusst, wann du selbstbefangen durch die Gegend läufst und dann
atme ein paarmal tief durch und wechsle deinen Fokus.

Du kannst keine Angst verspüren, wenn dein Körper komplett


entspannt ist!

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Problemlos vor anderen reden

"Und wenn Ihr Euch nur selbst vertraut, vertrauen Euch die
anderen Seelen." — Johann Wolfgang von Goethe
Laut einer Umfrage ist öfentlich vor anderen zu reden die Nummer 1
Angst der Menschen (die Angst vor dem Tod kommt erst auf Platz 6!!!).
Viele Leute nehmen alles Mögliche auf sich, nur um nicht vor anderen
reden zu müssen. Kennst du das irgendwo her? Mir ging's auch eine
ganze Weile lang so und ich verspüre auch heute noch einen gehörigen
Adrenalinschub, wenn ich etwas vor anderen präsentieren soll. Obwohl
ich es jetzt schon zig Male gemacht habe – man müsste meinen so
langsam sollte es dann echt mal kein Problem mehr sein – überkommt
mich dieses aufwühlende Bauchgefühl immer und immer wieder.
Im Laufe der Jahre habe ich nun einige Erfahrungen gesammelt, die
dir helfen werden, das Reden vor anderen Menschen zu erleichtern. Es
sind ein paar ganz einfache Tricks, aber genau deshalb sind sie sehr
wirkungsvoll. Ohne viel weiteres Blabla, hier meine drei Geheimtricks um
problemlos vor anderen Menschen zu reden:
1. Bereite dich vor.
Wenn du vor anderen reden sollst, dann gibt es viele Dinge,
auf die du keinen Einfuss hast: den Raum, die Leute, die
Umgebung. Auf eine Sache hast du aber gehörigen Einfuss,
nämlich wie gut du dich vorbereitest. Eine gute Vorbereitung
ist essentiell für einen guten Vortrag und ein stabiles
Auftreten. Wie kannst du anderen Leuten von etwas
erzählen, über das du selber nicht Bescheid weißt? Das kann
gar nicht funktionieren. Umso besser du also dein Terrain
kennst, umso besser du dich vorbereitet hast, umso weniger
Angst wirst du verspüren, denn du bist dir deiner Sache
sicher. Du bist die Person im Raum, die sich am besten über
das Thema auskennt. Du kennst deine Folien in und
auswendig. Du brauchst Fragen aus dem Publikum nicht zu
fürchten, denn du weißt, du hast dich optimal vorbereitet.
Wenn ich einen Vortrag vorbereite, dann spreche ich ihn
mindestens fünf mal laut vor mich hin. Ich überlege mir,

S e i t e | 74
welche Fragen evtl. gestellt werden könnten und wie ich
darauf antworte. Ich stelle mir das Publikum vor und ich stelle
mich mir selber vor, wie ich zum Publikum spreche, wo und
wann ich Pausen während des Vortrags mache usw. Es hilft
auch, den Vortrag ein paar mal vor dem Spiegel zu üben, um
sich selbst zu sehen. Eine ordentliche Vorbereitung nimmt mir
den größten Teil meiner Angst, wenn ich vor anderen
präsentieren soll, weil ich weiß, dass ich mein Themengebiet
in und auswendig kenne und mich optimal vorbereitet habe.
Es lohnt sich, hier einige Zeit zu investieren und deinen
Vortrag optimal vorzubereiten.
2. Bevor's los geht: Entspannen
Ich versuche mindestens 15 Minuten vor meinem Vortrag am
entsprechenden Ort zu sein, um mich „aufzuwärmen“. Wie
bei allen anderen Dingen auch ist es sinnvoll, sich vorher auf
seine Aufgabe einzustellen und sich auch gedanklich startklar
zu machen. In dieser Zeit denke ich aber keine Sekunde mehr
über meinen Vortrag nach oder was ich alles sagen werde.
Diese Zeit ist nur noch dazu da, mir selbst und meinem Körper
bewusst zu werden und zu entspannen. Ich weiß, dass ich
mich optimal vorbereitet habe und es keinen Grund gibt, jetzt
nochmal über den Inhalt nachzudenken. Ich vertraue
komplett auf meine Vorbereitung und meine Intuition, dass
ich während des Vortrags dann schon weiss, was ich sagen
werde. Um mich „aufzuwärmen“ fange ich meist mit ein paar
großen Armbewegungen an. Einfach die Arme ein paarmal
durch die Luft schwingen und rotieren. Dabei leicht in den
Knien sein und den Boden unter den Füßen wahrnehmen.
Danach konzentriere ich mich gezielt auf meinen Atem.
Versuche einen langsamen Rhythmus in deine Atmung zu
bekommen. Tief in den Bauch einatmen und langsam
ausatmen. Dabei gerne die Augen schließen und versuchen
alle Muskeln im Körper zu entspannen, besonders die
Nackengegend und die Schultern fallen lassen. Dazu am
besten ein bisschen die Schultern durchschütteln, den
Oberkörper rotieren und den Kopf ein paarmal kreisen lassen.

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Dabei immer ganz gezielt auf die Atmung achten und in einen
ruhigen Rhythmus versinken. Wenn du jonglieren kannst,
dann ist auch das eine super Übung um runterzukommen.
Versuche dich also so gut es geht zu entspannen und denke in
dieser Zeit nicht über den Vortrag nach. Dein Fokus sollte
ganz bei dir, deinem Körper und deiner Atmung liegen.
3. Gedankentricks vor/während des Vortrags
Sehr hilfreich ist es, die ersten drei Sätze, die du sagen willst
einzustudieren. Lerne diese Begrüßung auswendig, dann hast
du gleich einen guten Start in deinen Vortrag. Versuche
während des Vortrags immer eine ofene und entspannte
Körperhaltung einzunehmen, besonders was deine Schulter-
und Nackengegend angeht. Viele Leute haben Angst vor
anderen vorzutragen, weil sie befürchten von anderen
beurteilt oder ausgelacht zu werden. Weil plötzlich alle
Aufmerksamkeit auf einen gerichtet ist, glaubt man, das
Publikum würde nur darauf warten, dass man einen Fehler
macht. Dazu kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Die Leute
haben kein Interesse daran, dich wie ein Adlerauge zu
begutachten und dich auszubuhen, wenn du einen Fehler
machst. Diese Vorstellung fndet alleine in deinem Kopf statt
und hat nichts mit der Realität zu tun. Die Leute sind viel zu
beschäftigt mit ihren eigenen Problemen, als dass sie dich in
jeder Sekunde beobachten würden. Denk doch mal selber
nach: Beurteilst oder verurteilst du jemanden, wenn er da
vorne seinen Vortrag hält? Warum glaubst du also, dass die
Andern das bei dir tun würden? Extratipp: Suche den
Augenkontakt mit freundlichen Personen im Publikum, die dir
gute Gefühle zukommen lassen und nicht diejenigen, die
schon ihr ganzes Leben grimmig durch die Gegend laufen.
Zusammenfassung: 1) Bereite dich ordentlich vor. Es steht in
deiner Macht, wie gut vorbereitet du zum Vortrag kommst 2) Gönne dir
15 Minuten Entspannung, bevor's los geht. Denke dabei nicht an deinen
Vortrag, sondern werde dir deines Körpers und deiner Atmung bewusst.
3) Niemand will dir Böses, genieße es und wahre eine ofene Haltung.

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Furchtlose Kommunikation: Auf andere Menschen zugehen

"Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird


am Ende beides verlieren" — Benjamin Franklin
Ein großes Problem für viele Menschen ist es auf andere Menschen
zuzugehen. Es fängt schon bei der simplen Begrüßung an. Das einfache
Wort „Hallo“ will uns einfach nicht über die Lippen kommen, unser
Körper versteift und der Kopf setzt aus. Wir haben Angst uns zu öfnen,
Angst nicht zu wissen, was wir sagen sollen, Angst langweilig zu wirken,
Angst dem Anderen Zeit zu stehlen und so weiter und so fort...
Ich war auch mal dort und weiß, wie schwierig es scheinen kann mit
(fremden) Menschen ein Gespräch zu beginnen. Aus meiner heutigen
Sicht ist es das Normalste der Welt und ich will dir auf den nächsten paar
Seiten zeigen, wie ich zu dieser neuen Realität gekommen bin.
Um zu dieser Einsicht zu gelangen, sind als erstes einmal ein paar
neue Glaubenssätze notwendig.

Grundgedanken

Je nachdem, was dich im Speziellen davon abhält, mit anderen ins


Gespräch zu kommen, musst du deine individuellen Glaubenssätze
einzeln angreifen. Du musst dich für jeden einzelnen Glaubenssatz davon
überzeugen, dass dieser nicht gerechtfertigt ist und dir dafür Beispiele
aus der realen Welt suchen. Hier habe ich dir ein paar unterstützende
Denkweisen aufgelistet, die dir dabei helfen werden.
1. Andere Menschen überbewerten
Wir Menschen lassen uns leicht blenden. Wir bilden uns viel zu
leicht eine Meinung über den Anderen, alleine auf Grund seines
äußeren Auftretens. Wir kommen z.B. in eine neue Situation mit
neuen Menschen und fühlen uns automatisch unwohl, weil alles
um uns herum neu ist. Die Anderen kennen sich schon alle und
wirken auf uns locker und selbstbewusst. Wir schreiben ihnen
nun einen höheren Wert zu, ohne dabei in Betracht zu ziehen,
dass diese die Situation und die anderen Leute schon kennen und
wir total neu hier sind. Wir überschätzen die Anderen und

S e i t e | 77
unterschätzen uns selbst. Dies trift nicht nur auf solche
speziellen Situationen zu, in denen wir neu sind und die anderen
Menschen sich schon kennen. Dies gilt nahezu überall, wo wir mit
anderen Menschen in Kontakt sind. Wir schreiben jedem
Menschen bewusst oder unbewusst einen gewissen Wert zu und
sind dabei gut darin, anderen einen hohen Wert zuzuschreiben
und uns selber eher niedrig einzuordnen. Das gilt ganz besonders
dann, wenn wir etwas von der anderen Person wollen und uns
selbst unseres eigenen Wertes nicht bewusst sind. Dann kommt
es sogar vor, dass wir die andere Person unbewusst auf ein
Podest stellen und im Geiste immer zu ihr aufschauen, wenn wir
mit ihr reden. Wir positionieren uns selbst in die Rolle des Minder-
wertigen und heben den Anderen auf den Königsthron. Diese
Positionierung fndet aber nur in deinem Kopf statt und hat nichts
mit der Realität zu tun. Der Andere ist kein bisschen besser oder
schlechter als du. Er ist anders, aber er hat keinen höheren oder
niedrigeren Wert als du. Deshalb gilt sich in diesen Situationen
immer wieder selbst bewusst zu werden und aufzupassen andere
nicht auf ein Podest zu heben – denn es gibt keinen Anlass dafür.
Versuche dich nicht vom äußerlichen Schein zu sehr beeindrucken
zu lassen. Dein Gegenüber ist auch nur ein Mensch, hat genauso
Probleme wie du, kennt die Situation vielleicht nur ein bisschen
besser und wirkt deshalb selbstbewusster. Versuche also, dir in
diesen Situation bewusst zu werden und festzustellen, wenn du
andere auf ein Podest stellst und dann erinnere dich wieder
daran, dass das nichts mit der Realität zu tun hat und der andere
auch nur ein Mensch ist.
2. Es gibt nichts zu fürchten
Egal vor was genau du Angst hast, wenn du auf andere Leute
zugehst, sie sind alle unberechtigt. Denn was soll schon groß
passieren? Du streckst hier ja nicht einem Krokodil den Kopf in
den Rachen, auch wenn es sich vielleicht so anfühlt. An der
Situation an sich ist überhaupt gar nichts gefährlich. Es kann nicht
wirklich etwas passieren. Mal angenommen du bringst nur ein
„Hallo“ heraus und dann nichts mehr. Na und? Dann entsteht
vielleicht ein komischer Augenblick und dann geht das Leben

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weiter. Was soll's. Nach zwei Minuten haben es die Anderen alle
vergessen und nach zwei Tagen hast es auch du wieder
vergessen. Das Leben ist doch viel zu kurz, um sich darüber
ständig Gedanken zu machen. Ich wette, mit 80 wirst du dich
wenn überhaupt nur an die richtig krassen Dinge erinnern können
(ich denke da z.b. an: wie du nackig schreiend über den
Marktplatz ranntest und dabei so tatest, als wärst du ein
Nashorn) und auch die werden dir dann nur vorkommen wie
Kleinigkeiten. Denn wenn man sich das Leben mal als Ganzes
anschaut, dann sind diese Dinge doch wirklich nur Lappalien.
Versuche dich also immer mal wieder daran zu erinnern, dass das,
wovor du da so Angst hast, im Licht des großen Ganzen nicht der
Rede wert ist. Aus dieser Perspektive gibt es nichts zu fürchten.
3. Du bist genug
Du alleine, so wie du bist, bist absolut genug. Du musst dich nicht
verstellen oder so tun als ob. Du, deine einmalige Persönlichkeit,
bist absolut genug, um an der Konversation teilzunehmen. Du
brauchst niemanden zu spielen oder dir irgendwelche
Geschichten einfallen zu lassen. Du hast genug davon in deinem
Leben und alles gekünstelte wirkt nicht nur so, sondern ist dazu
auch noch kontraproduktiv. Denn keiner will mit jemandem
zusammen sein, der sich selbst versteckt und durch eine Maske
spricht. Es gibt auch keinen Grund dazu. Wenn du fühlst, dass du
nicht gut genug bist, dann ist auch das nur in deinem Kopf so.
Mache dir dann mal wieder klar, dass jeder Mensch seinen
eigenen individuellen Weg hat, seine eigenen Stärken und
Schwächen hat und es keinen Grund gibt, dich und dein wahres
Selbst zu verstecken oder zu manipulieren. Du bist gut genug so
wie du bist, ohne wenn und aber. Diese Realisation kann seine
Zeit brauchen und wird erst dann volle Früchte tragen, wenn du
sie nicht nur intellektuell im Kopf verstehst, sondern auch im
Bauch für richtig befndest. Um diesen Vorgang zu beschleunigen
ist es wichtig, sich immer und immer wieder diese Grund-
gedanken, die ich eben besprochen habe vor Augen zu halten. Es
gibt niemand, der besser oder schlechter ist als du, es gibt nur
anders. Du hast deinen eigenen Weg hinter dir und du bist

S e i t e | 79
perfekt, so wie du bist. Wenn jemand anders selbstbewusst
auftritt, viele Freunde hat oder gut reden kann, dann macht ihn
das nicht automatisch besser als dich. Warum auch? Diese Fakten
alleine machen doch niemanden zu einem besseren oder
wertvolleren Menschen! Nur du in deinem Kopf gibst ihm diese
Wertung und wertest dich selber und deinen einmaligen Weg
damit automatisch ab. Lass das bleiben und erinnere dich wieder
daran, dass jeder Mensch seinen individuellen Weg geht, es kein
besser oder schlechter gibt (nur anders) und du mit deinem
einmaligen Weg, mit deinem einmaligen Wesen gut genug bist!

Der einfachste Gesprächsöfner: „Hallo“

Die erste Frage, die aufommt, lautet meistens: „Ja und was soll ich
dann sagen? Wie soll ich das Gespräch beginnen? Was ist richtig, was ist
falsch?“. Die Antwort ist ganz einfach: Es gibt kein richtig und kein falsch.
Du kannst sagen, was du willst. Du kannst sagen, was du heute zu Mittag
gegessen hast, du kannst eine Frage stellen, du kannst dem Anderen ein
Kompliment machen, du kannst einfach nur „Hallo“ sagen, du kannst
sagen, dass du dir heute morgen den kleinen Zeh verdreht hast, als du
versuchtest damit deine Schranktür aufzumachen. Du kannst wirklich
alles sagen, wichtig ist nur, dass es für dich richtig ist. Es spielt also
weniger eine Rolle, was du sagst, sondern wie du es sagst.
Vielleicht hegst du die Vorstellung, dass du mit einem super
intelligenten Spruch aufwarten musst, wenn du ein Gespräch beginnst.
Diese Vorstellung ist wieder mal selbstgemacht und fndet nur in deinem
Kopf statt. Niemand (außer du selber) erwartet von dir, dass du den
super tollen Spruch bringst, an den man sich noch drei Jahre später
erinnern wird. Diese Erwartungen haben nichts mit der Realität und den
anderen Menschen zu tun, sondern sind alleine deine eigenen
Hirngespinste.
Um also ein Gespräch mit jemand anderen zu beginnen, denke gar
nicht groß nach, was du alles Tolles sagen willst. Du machst dich dadurch
nur nervös und versuchst krampfaft dir deinen Spruch zu merken und
dann auch ja nichts falsch zu machen. Meine Empfehlung ist, geh ohne
große Gedanken auf den Anderen zu und sag einfach etwas,

S e i t e | 80
irgendetwas. Wenn dir nach 5 Sekunden nichts einfällt, kannst du ja
immer noch auf den Standard zurückgreifen und einfach nur „Hallo“
sagen (das funktioniert immer). Es ist viel besser, du sagst etwas
Spontanes, das sich in dem Moment richtig anfühlt, als etwas, das du
bereits drei mal auswendig gelernt hast und jetzt nur noch runtersagst.
Der Andere wird merken, dass du da gerade wie ein Roboter irgendwas
runterlallst, dass du dir vorher überlegt hast und das ist nicht der beste
Einstieg in ein Gespräch.
Daher gilt: Versuche dich zu entspannen und deinen Kopf
freizubekommen. Geh einfach auf die Person zu und vertraue darauf,
dass dir dann schon was einfällt, wenn du vor ihr stehst. Sollte dir nichts
einfallen, kannst du ja immer noch ganz einfach „Hallo“ sagen. Lieber
spontan und echt, als auswendig und robotermäßig.

Ich weiß nicht, was ich sagen soll

Dann kommt gleich die nächste Herausforderung. Was soll ich nur
sagen, wenn ich einmal im Gespräch bin. Ich fnde, ich habe nichts, was
ich erzählen könnte und ich habe Angst davor, dass andere mich
langweilig fnden...
Wie, du hast absolut nichts, worüber du erzählen könntest? Du lebst
jetzt schon wie lange auf dieser Erde? … und hast in all der Zeit nichts
erlebt, worüber man berichten könnte? Du hattest nie einen Moment in
deinem Leben, der wunderschön war und den du mit anderen teilen
könntest? Du hast absolut nichts, wofür du dich interessierst und womit
du dich beschäftigst? Das kann doch gar nicht sein...
Wenn du das Gefühl hast, dass du nicht weißt, was du sagen sollst,
dann liegt das viel mehr daran, dass du denkst, dass das, was du sagen
willst, nicht den Ansprüchen der Anderen genügt. Das kommt wieder
daher, dass du die Anderen auf ein Podest stellst und dich selbst unter-
bewertest. Du meinst, alles, was die Anderen machen, ist toll und
interessant und alles, was du machst, ist langweilig und nicht der Rede
wert.

S e i t e | 81
So ein Quatsch! Deine Geschichten sind mindestens so interessant
wie die der anderen Menschen, nur musst du diese Geschichten erst mal
in dir selber auflühen lassen und für dich selber spannend machen.
Du kannst niemanden etwas enthusiastisch erzählen, wenn du selber
nicht dafür brennst. Du musst für deine eigenen Geschichten brennen
und sie geradezu den Anderen erzählen wollen. Fang dabei am besten
bei deinen Hobbys an. Was machst du gerne? Womit verbringst du gerne
Zeit? Was kannst du gut? Was kannst du, das sonst keiner kann? Was hast
du erlebt, das nur du erlebt hast? Was könntest du dem Anderen
beibringen?
Wenn du jetzt immer noch denkst, dass du nichts Wertvolles zu
sagen hast, dann denkst du wahrscheinlich immer noch zu groß. Setze
deinen Maßstab an dich selbst herunter und suche nach den kleinen
Dingen im Leben, die dich berühren und begeistern. Denn man kann
selbst aus dem kleinsten Bisschen ein Feuerwerk machen – und diese
Dinge sind oft die Besten. Du musst nicht die Geschichte vom
Fallschirmsprung aus 4km Höhe erzählen, der kleine Spatz am
Wegesrand, der dir heute morgen den Tag versüßt hat, reicht
vollkommen aus. Also, konzentriere dich auf deine Hobbys, auf die
Dinge, die dir Spaß machen und auch auf die Kleinigkeiten, die dich
begeistern.

Warte nicht auf den perfekten Moment – den gibt es nicht!

Warte nicht bis der perfekte Augenblick kommt, um das Gespräch zu


beginnen. Denn dann wirst du ewig warten. Sobald du den- oder
diejenige siehst, mit dem/der du reden willst, gehe direkt auf ihn/sie zu
und beginne das Gespräch. Abwarten schürt die Angst und umso länger
du wartest, umso mehr Gedanken machst du dir im Kopf, ob du
überhaupt das „Recht“ hast, mit der anderen Person zu reden und ob
das, was du sagen willst, gut genug ist. Nimm deine anfängliche
Motivation und geh direkt los, es kann wie gesagt gar nichts Schlimmes
passieren.
Vielleicht stotterst du am Anfang ein bisschen (ging mir auch so) und
du fühlst dich komisch und neben dran, das macht aber nichts. Adaptiere
im Laufe des Gesprächs. Umso länger du im Gespräch bist, umso

S e i t e | 82
einfacher wird es, denn du wirst feststellen das die andere Person in den
meisten Fällen total nett ist und dich nicht einfach ohne Worte kalt
abspeist. Die meisten Menschen sind total freundlich und freuen sich,
wenn man ein Gespräch mit ihnen beginnt. Oftmals würden sie selber
auch gerne mit anderen reden, trauen sich nur nicht.
Wenn du dir oft überlegst, ob das, was du sagen willst, jetzt passt
und gut genug ist, dann kommt hier ein genereller Ratschlag:

Besser irgendetwas sagen, als gar nichts sagen.

Du kannst nicht lernen mit anderen perfekte Gespräche zu führen,


wenn du dich nicht darin übst. Du musst ins kalte Wasser hüpfen und
üben üben üben... Am Anfang wirst du noch stottern, dich unwohl
fühlen und vielleicht an einem Punkt gar nicht mehr wissen, was du
sagen sollst. Das ist alles kein Problem und einfach nur ein Schritt in
deinem Lernprozess. Du musst bereit sein, Fehler zu machen, hinzufallen
und wieder aufzustehen. Dann wirst du früh genug feststellen: Alles kein
Problem, ich lebe weiter und werde besser und besser in der Interaktion
mit anderen Menschen.
Es ist wie mit allem im Leben. Übung macht den Meister.
Beurteile auch nicht, wie die Gespräche ablaufen, ob sie nach 15
Sekunden enden oder du ganze 5 Minuten mit dem Anderen redest. Sieh
jedes Gespräch vielmehr als Schritt auf deinem Weg und kategorisiere
nicht in „das war jetzt schlecht“ und „das war gut“. Sieh alleine den
Fakt, dass du auf den Anderen zugegangen bist und mit ihm gesprochen
hast, schon als Sieg und werte dessen Ausgang nicht. Einfach nur, weil
du mit dem Anderen gesprochen hast, bist du schon ein Sieger. Wie das
Gespräch am Ende verläuft, spielt keine Rolle. Du hast Mut bewiesen und
dich hinausgewagt, alleine das zählt.
Wenn du dann mal ein Level erreicht hast, wo es überhaupt kein
Problem mehr ist, auf andere zuzugehen, dann kannst du dein Level
etwas höher schrauben und dir neue Ziele stecken. Bis dahin aber gilt:

Alleine der Fakt, dass du über deinen Schatten gesprungen bist und
das Gespräch initiiert hast, macht dich zum Gewinner.

S e i t e | 83
Zusammenfassung

S e i t e | 84
Deine Meinung sagen

"Die Fähigkeit, das Wort Nein auszusprechen, ist der erste Schritt
zur Freiheit." — Nicolas Chamfort
Wie oft hast du schon „Ja“ gesagt, obwohl du innerlich „Nein“
meintest? Wie oft hast du dich schon zu Dingen verpfichtet, zu denen du
eigentlich gar keine Lust hattest? Wie oft hast du deine Meinung
zurückgehalten und wieder so getan, wie die Anderen es von dir
erwarteten? Wie oft hast du gute Miene zum bösen Spiel gemacht? Wie
oft hast du Dinge heruntergeschluckt, weil du keinen Streit wolltest?
Und wie lange willst du das noch so machen?
Wenn du irgendwann mal aufrichtig und dir selbst getreu leben
willst, dann ist es absolut notwendig, dass du deine Wünsche und
Vorstellungen klar kommunizierst, das du aufstehst für dich selber und
nicht länger so tust, als wäre alles in Ordnung, obwohl es bei dir innerlich
brodelt. Wie willst du jemals unbeschwert leben können, wenn du
ständig einknickst und wieder Dinge tust, auf die du gar keine Lust hast?
Angenommen du willst dich selbst nicht ein Leben lang
unterdrücken, dann fang besser heute als morgen damit an, dich frei zu
schlagen und deine Meinung zu äußern. Hör auf, es dir immer und immer
wieder vorzunehmen und dann in Anwesenheit der anderen Person
doch wieder einzuknicken. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen dein Leben
in die eigene Hand zu nehmen und etwas zu verändern. Tu es!
Wenn du Angst hast vor Kritik und schlechter Stimmung, dann
willkommen im Club! Da bist du nicht alleine. Das geht allen anderen
inklusive mir genauso. Die Frage ist also nur, willst du ewig so
weiterleben oder wirklich etwas verändern? Ich hofe letzteres. Dazu ein
paar Tipps.

Wie mit Kritik und Streit umgehen

Wenn du anfängst deine Meinung zu äußern, obwohl du das bisher


noch nie gemacht hast, wird es natürlicherweise ein paar verdutzte
Gesichter geben. Ist doch klar, bisher hast du einfach alles geschluckt,

S e i t e | 85
was man dir aufgetischt hat und jetzt fängst du plötzlich an deine
Meinung zu äußern und für dich einzustehen. Was fällt dir denn ein?
Für deine Umgebung ist das erstmal ungewöhnlich, denn es passt
nicht in ihr Bild das sie von dir haben. Bisher warst du immer so still und
ruhig und jetzt plötzlich fängst du damit an deine Meinung zu äussern.
Das ist natürlich erstmal etwas Neues und passt so nicht in ihr Weltbild.
Die meisten Menschen werden am Anfang vielleicht nur ein bisschen
die Stirn runzeln und denken: „Was ist denn mit dir los?“ und sich nicht
weiter darüber Gedanken machen. Solltest du aber auf argen
Widerstand stossen, dann kannst du gleich mal üben mit solchen
Konfiktsituationen umzugehen. Du wirst im Laufe deiner Persönlich-
keitsentwicklung noch öfter auf Widerstand stoßen und hier gilt: Früh
übt sich, wer ein Meister werden will. Umso mehr Konfiktsituationen du
durchstehst, umso besser wirst du nach und nach mit ihnen umgehen
können.
Es mag sich gerade ein unwohles Gefühl in deinem Bauch formen,
weil man dir immer beigebracht hat Konfikte zu vermeiden und immer
das zu tun, was andere von dir verlangen. Diejenigen, die dir das
beigebracht haben, wollten sicherlich nur das Beste für dich, allerdings
sieht die Wirklichkeit so aus:

Du kannst nie allen Konfikten aus dem Weg gehen und du


kannst schon gar nicht immer das tun, was andere von dir wollen –
zumindest dann nicht, wenn du frei und selbstbestimmt leben willst.

Punkt 1 ist also, eventuelle Konfikte und Streitigkeiten zu


akzeptieren und sie als Chance wahrzunehmen, dich darin zu üben deine
Meinung weiterhin zu vertreten und nicht wieder einzuknicken.

Aber ich will keinen Streit...

Alles klar, kein Problem. Dann aber bitte nicht beschweren, wenn
sich nichts verändert! Entscheide dich, wie du weitermachen willst.
Entweder du stehst endlich auf, für dich und dein Leben oder du
schluckst weiterhin alles, was dir aufgetischt wird. Die Wahl ist deine.
Entscheide dich für einen Weg und dann trage die Konsequenzen.

S e i t e | 86
Meine Umgebung unterstützt mich nicht

Mal angenommen du nimmst nun allen Mut zusammen und äußerst


deine Meinung und deine Umgebung haut dir gleich eins auf den Deckel,
um dich klein zu halten. In diesem Fall überlege dir gut, will ich
überhaupt mit solchen Leuten weiter zusammen sein? Mit Leuten, die
mich klein halten wollen, damit sie mich als Spielball benutzen können?
Will ich mein Leben in einer solchen Umgebung verbringen? Will ich
dieses eine Leben, das ich habe, in solch stummer Verzweifung vor mich
hinleben?
Ich stelle mir gerade den schwierigsten der schwierigsten Fälle vor,
in dem du deinem Ehepartner sagst, dass dir etwas nicht passt und du
etwas verändern willst und er akzeptiert das aber nicht und versucht
dich dazu noch von deinem Weg abzubringen, damit du auch ja weiter so
„brav“ bleibst wie bisher. Frage dich auch hier, will ich überhaupt mit so
jemandem zusammen sein, der mich nicht nur nicht unterstützt, sondern
sogar gezielt demotiviert? Will ich mein Leben lang an der Seite dieses
Menschen verbringen, dessen Ziel es ist, mich klein zu halten? (Das gilt
übrigens nicht nur für Ehepartner, sondern auch nahe Freunde,
Bekannte, Geschwister, Mitarbeiter oder wer auch immer dich in deiner
Umgebung versucht herunter zu machen).
Mach einen Schnitt bei den Leuten, die dein neues Ich nicht
akzeptieren wollen. Höre auf ihnen nachzurennen und zu versuchen sie
wieder für dich zu gewinnen. Du wirst nur wieder in alte Muster
zurückfallen und dabei wahrscheinlich noch tiefer versinken, weil du ja
versucht hast „auszubrechen“. Kappe die Verbindung zu diesen
Energiefressern und suche dir neue Leute die deinem Weg bestärkend
gegenüber stehen. Selbst wenn das heißen sollte, dass du deine
komplette Umgebung verändern musst, tu es.
Du verlierst hier nichts, im Gegenteil, Verbindungen zu solchen
Menschen zu kappen ist kein Verlust, sondern ein Gewinn, denn nun hast
du einen Energiefresser weniger in deinem Leben und gleichzeitig die
erfrischende Chance, neue, unterstützende Menschen in dein Leben zu
holen. Lass dir aus eigener Erfahrung sagen: Du wirst dich danach soooo
viel leichter und besser fühlen.

S e i t e | 87
Die stärkere Realität gewinnt

Vielleicht willst du deine Meinung aber auch einfach nur in der


Schule, im Studium oder bei der Arbeit etwas öfter äußern oder in
Diskussionen etwas schlagkräftiger auftreten. Auch hier gibt es ein paar
interessante Dinge zu beachten.
Wahrscheinlich ist es dir selber schon aufgefallen. Es ist nicht immer
derjenige, der die besten Argumente hat, sondern meistens derjenige,
der am meisten an seine Argumente glaubt, der in einer Debatte
gewinnt. Das gilt nicht nur für Debatten, sondern auch für jede andere
Auseinandersetzung oder Entscheidung. Derjenige, der von sich selbst
und seinem Standpunkt am stärksten überzeugt ist, wird den Andern
entweder überzeugen oder ihn mit seinen Argumenten direkt
überfahren.
Dabei spielt es keine Rolle, wer in Wirklichkeit recht hat (der Einzelne
denkt ja immer, dass seine Sichtweise die richtige ist). Es dreht sich
alleinig darum, wer fester in seiner Realität verankert ist.
Wenn du dich also einer Auseinandersetzung gegenüber gestellt
siehst und die andere Person sich ihrer Sache extrem sicher ist, dann
musst du dir mindestens genauso sicher sein und darfst keinen Zweifel
an deinem Standpunkt aufommen lassen. Wenn du dir auch nur ein
kleines bisschen unsicher bist, wird dich der Andere in seine Realität
hineinsaugen und die Situation für sich gewinnen.
Wie bei allem anderen gilt natürlich auch hier, wer die meiste Übung
hat, hat den größten Vorteil. Egal worin man besser werden will, man
muss es üben. Wenn du schlagkräftiger werden willst, dann musst du das
üben. Bring deine Meinung so oft wie möglich ein und verteidige deinen
Standpunkt. Es spielt keine Rolle, wenn du am Anfang ein paar
Niederschläge einstecken musst. Betrachte den gesamten Prozess des
Übens und Besserwerdens, nicht das einzelne Ereignis.
Das einzige Kriterium für den Erfolg ist, dass du immer und immer
wieder deine Meinung einbringst und dich darin übst, deine Stellung zu
vertreten. Du kannst das nur lernen, wenn du dich im Alltag darin übst.
Fahrrad fahren kann man auch nicht durch Bücher lesen erlernen. Man
muss schon drauf steigen und ausprobieren.

S e i t e | 88
Zusammenfassung

S e i t e | 89
Frei sein: Wie man die "es ist mir egal, was andere über mich
denken" Einstellung bekommt

"Es ist besser, für den gehasst zu werden, der man ist, als für die
Person geliebt zu werden, die man nicht ist." — Kurt Cobain
Obwohl wir hier gerade in der Mitte des Buches sind, ist dies der
letzte Abschnitt, den ich schreibe. Alles andere ist fertig geschrieben.
Nur dieses Thema habe ich mir für den Schluss aufehalten. Denn es ist
nicht nur ein logisches Ende meiner Schreibarbeit für dieses Buch,
sondern markiert gleichzeitig das Ende einer langen Reise. Wenn du hier
angekommen bist, frei bist von den Meinungen anderer, dann hast du
den wichtigsten Schritt in Richtung deiner persönlichen Freiheit
gemacht.
Ich würde behaupten, dass der Gedanke „was denken nur die
anderen Menschen über mich?“ das Haupthindernis schlechthin ist,
wenn es darum geht, aus sich herauszukommen, neue Dinge zu wagen,
sich weiterzuentwickeln, sich selbst zu leben.
Wir lassen uns viel zu sehr von den Vorstellungen und Erwartungen
unserer Eltern, unserer Freunde und Geschwister, unserer
Arbeitskollegen und der Gesellschaft und dem, was als „normal“
bezeichnet wird, gefangen halten. Dabei ist eine Sache ganz klar:

Der Einzige, der uns in diesen Ketten gefangen hält, sind wir selber.

Wir können jederzeit ausbrechen. Niemand hält dich zurück, das


Leben zu leben, das du dir wünschst. Niemand zwingt dich dazu, so
weiterzuleben wie bisher. Du alleine bestimmst, wie es weitergeht.
Welches Leben du leben willst, liegt ganz bei dir!

Selbstgemachte Ketten sprengen

Wie aber kommt man zu diesem Punkt? Wie schlägt man sich frei von
den Meinungen der anderen? Wie entledigt man sich den Jahre alten
Erwartungen seiner Mitmenschen und den altbackenen Konventionen
der Gesellschaft?

S e i t e | 90
Dazu bedarf es eines kompletten Realitätswechsels. Du musst jede
Zelle deines Daseins mit dem Bewusstsein füllen, dass du und du alleine
der Macher deines Lebens bist und niemand anders. Es muss dir auf
jeder Ebene deines Daseins einleuchten, dass die Meinungen der
anderen Menschen keine Rolle spielen, nein, dass nur eine einzige
Meinung zählt, nämlich die Meinung, die du selber von dir hast.
Dieser Realitätswechsel ist nicht einfach und du musst bereit sein,
alte Verbindungen zu kappen, um neue Verbindungen aufzubauen. Du
musst bereit sein, alles aufzugeben, was deine derzeitige Realität bietet
um sie gegen eine neue, bestärkende Realität einzutauschen. (Ob das
dann auch so eintritt, ist eine andere Frage. Damit es aber funktionieren
kann, musst du in deinem Kopf die feste Entschiedenheit haben, alles
aufzugeben, um eine neue Realität zu gewinnen).
Dieser Schritt kann bedeuten, dass du viele alte Kreise aufgeben
musst. Das kann sich zum einen als praktisch schwierig erweisen und
zum anderen gefühlsmässig eine Achterbahnfahrt werden. Darum ist es
wichtig, zu jeder Zeit zu wissen warum du das hier tust. Du darfst in
keiner Sekunde zweifeln, dass das der richtige Weg für dich ist. Du musst
100% überzeugt sein, dass du das hier willst. In solchen Zeiten hilft es
auch extrem, eine vertraute Person um sich herum zu haben, die dich in
deinem Vorhaben unterstützt.
Wenn man diesen Weg geht, kann das Gefühl aufommen, die
Verbindungen zu seinen Mitmenschen zu verlieren. Alleine zu sein.
Niemanden mehr zu haben. Dieses Gefühl ist beängstigend und es ist
sehr wichtig, es im richtigen Licht zu sehen und damit gezielt
umzugehen. Denn wenn du diesen Zustand meistern kannst, wenn du
ohne jemand anderen sein kannst, wenn du dir alleine total genug bist,
dann bist du frei. Dann gibt es keine Abhängigkeiten mehr. Dann ist es
egal, was andere von dir halten. Du gehst deinen Weg und du bist dir
selbst genug. Das ist der Anfang und das Ende.
Wenn du Angst hast, alte Freunde oder Bekannte zu verlieren, dann
kann folgender Gedankengang hilfreich sein:

Du kommst alleine auf diese Welt und du gehst alleine von dieser
Welt. Alles, was du jemals haben wirst, bist du selber.

S e i t e | 91
Im Zentrum bist nur du, du ganz alleine. All deine Freunde und
Bekannte, all deine Mitmenschen, deine ganze Umgebung sind nur
Anbausteine an deine Basis.
Du kannst dein Glück nicht in anderen fnden. Im Gegenteil. Freiheit
und Erfüllung kannst du nur in dir selber fnden. Das kann dir niemand
anders geben. Nur du selber kannst dich glücklich machen. Darum sei
bereit, alles loszulassen, was nicht du bist, um dir die Möglichkeit zu
geben, dich voll zu entfalten.

Die Meinung der Anderen ist genau das, die Meinung der Anderen, und
nichts weiter

"Erinnere dich, dass ales nur Meinung ist und dass es in deiner
Macht steht zu meinen, was du wilst." — Mark Aurel
Sei dir auch immer bewusst: Alles, was andere Leute sagen oder tun,
entspringt ihren eigenen Sichtweisen der Welt. Sie sind anders
aufgewachsen, haben andere Erfahrungen gemacht und haben eine
andere Vorstellung davon, wie die Welt funktioniert. Meinungen
spiegeln deshalb immer nur den eigenen, individuellen, inneren Zustand
des Individuums wieder, nie aber die „eine“ Wahrheit.

Die „eine“ Wahrheit gibt es nicht. Jeder bildet sich seine


eigene(n) Wahrheit(en) über die Welt.

Versuche also die Meinungen der Anderen ins rechte Licht zu rücken
indem du dir immer und immer wieder sagst: Diese Meinungen sind
subjektive Sichtweisen von Menschen mit subjektiven Weltansichten. Es
gibt nicht die „eine“ „wahre“ Wahrheit. Es mag sein, dass diese Person
das so sieht, dass heißt aber noch lange nicht, dass es wirklich so ist! Sie
sieht es so und ich bin dankbar für ihre Sichtweise. Ich bilde mir nun
meine eigene Meinung, denn am Schluss ist das das Einzige was zählt.
Es liegt also an dir, ob du die Meinungen der Anderen zu deinem
Gefängnis machst oder sie einfach nur als das interpretierst, was sie in
Wirklichkeit sind: subjektive Aussagen von Menschen mit subjektiven
Weltansichten.

S e i t e | 92
Zusammenfassung

S e i t e | 93
Alltagsprobleme
Teil II

S e i t e | 94
Antriebslosigkeit adé: Energielevel boosten

"Ich kenne keinen bestärkenderen Fakt, als die unbestreitbare


Fähigkeit des Menschen, sein Leben durch ein bewusstes Bestreben
in Schwung zu bringen." — Henry David Thoreau
Hast du es schwer, morgens aus dem Bett zu kommen? Brauchst du
lange um aufzuwachen und in die Gänge zu kommen? Schläfst du
generell viel? Fühlst du dich den Tag über schlapp und antriebslos?
Meidest du alles, was irgendwie so aussieht als könnte es schwierig sein?
Machst du immer nur das Nötigste und schiebst wichtige Aufgaben von
einem Tag auf den nächsten?
Dann geht's dir gerade wie's mir schon oft ging! Also keine Panik, du
bist nicht der Einzige, der in seinem Leben mal ein Tief durchmacht :-)
Das einzig Wichtige ist jetzt, die Quelle deines Energielochs zu
identifzieren und dich dann selber aus dem Sumpf zu ziehen.
Weil ich das selber schon einige Male machen durfte (yeah, so ist das
Leben eben), kann ich dir hier jetzt ein paar tolle Tipps geben, wie du
deinem Leben den nötigen Energieschub verpassen kannst.
Davor aber noch ein paar wichtige Grundlagen.

Ohne Ziel keine Motivation und ohne Motivation keine Aktion

"Wer kein Ziel hat, kann auch keines erreichen" — Lao-Tse


Kein Ziel zu haben ist der Motivationskiller Nummer eins! Ich
wiederhole: Der Motivationskiller Nummer eins! Wenn du morgens nicht
aus dem Bett kommst, kann ich dir genau sagen warum: Du hast kein
Ziel, wofür es sich lohnen würde, aufzustehen. Das Gleiche gilt für
Schule/Studium/Beruf und alles andere, das du machst. Wenn du kein
Ziel/Sinn hinter dem siehst, was du da tust, dann wirst du wenn
überhaupt halbherzig dabei sein und die Sache so halbschlafend wie
möglich hinter dich bringen wollen.
Du musst dir also erstmal deinen Zielen bewusst werden, bevor du
anfangen kannst, diese in Motivation und schließlich in Aktionen
umzuwandeln.

S e i t e | 95
Umso aktiver du bist, umso mehr Energie hast du

Hier kommt ein kleines Paradox. Eigentlich müsste man meinen,


dass, je mehr Energie man verbraucht, umso weniger bleibt einem übrig.
Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Umso aktiver du lebst, umso mehr
du in Aktion kommst, umso mehr Energie hast du zur Verfügung. Umso
mehr Energie du in die Welt hinausträgst, umso frischer und
energetischer wirst du werden. Das Gleiche gilt natürlich auch für den
entgegengesetzten Fall. Umso weniger du tust, umso schlapper, müder
und antriebsloser wirst du.
Nicht ohne Grund sagt man: "Wenn du etwas gemacht haben willst,
dann gib es einer beschäftigten Person". Bei denen weiß man
automatisch, dass sie im "Aktions"-Modus sind und die Dinge einfach
umsetzen.
So, was kannst du aber jetzt tun, um so einem Energieloch zu
entfiehen?

Geh voll und ganz in dein Untätigkeitsgefühl hinein

Wie, was soll das jetzt schon wieder heißen? Geht's hier nicht darum
Energie aufzusammeln und loszulegen anstatt weiter in der Untätigkeit
zu verbleiben? Und ob... Allerdings brauchst du erstmal eine genügend
große Motivation dafür!
Ohne Ziel, ohne Motivation wird es extrem schwierig werden das
Blatt zu drehen und die derzeitige Situation zu verlassen. Darum kannst
du erstmal versuchen, so stark es geht in deine derzeitige Untätigkeit
hineinzugehen. Schlafe noch länger, laufe noch langsamer, tue generell
noch weniger und noch energieloser. Wenn du gerade bei einem
Energielevel von 4 (von 10) bist, dann mach eine gnadenlose 0 daraus.
Sei so faul und lustlos wie du nur kannst und gehe voll in dieses Gefühl
hinein.
Irgendwann wirst du an einen Punkt angelangen, an dem dir dein
Kopf sagt: "Verdammt noch mal, so geht's nicht länger weiter, jetzt muss
sich hier mal was verändern". Und genau zu diesem Punkt willst du
kommen. Dahin, wo es zum absoluten Muss wird, etwas zu verändern.

S e i t e | 96
Kleine Tipps für den großen Energieschub

Hier sind jetzt ein paar Tipps, die dir helfen werden, aus dem
Energieloch rauszukommen. Beachte dabei: Sie funktionieren auch dann,
wenn du kein richtiges Ziel hast. Sei dir aber gewiss, dass wenn du dieses
Grundproblem des "Warum mache ich das, was ich mache, überhaupt?"
nicht geklärt hast, dann wirst du früher oder später immer wieder in
deine alten Muster zurückfallen.
Diese Methoden helfen dir also erst dann langfristig, wenn du dir
deiner Ziele zu 100% bewusst bist und genau weißt, warum du das tust,
was du tust.
So, jetzt aber zu den praktischen Tipps für den Alltag.
1. Sport machen. Geh mal wieder ins Schwimmbad oder lauf ne
Runde. Wenn draußen Schnee liegt, wunderbar, pack den
Bob aus der Garage und fahr den nächsten Buckel runter.
Bringe einfach deinen Körper und deinen Kreislauf in
Schwung. Egal wie. Mach irgendwas, das dir Spaß macht und
Bewegung beinhaltet. Wenn du deinen Körper auf Touren
bringst, dann weckst du damit gleichzeitig deinen
verschlafenen Geist auf. Du wirst dich frischer und stärker
fühlen, klar, die Aufgaben, die vor dir liegen, anzupacken.
2. Kleine Erfolge erringen. Räume mal wieder dein Zimmer auf.
Kaufe endlich die fehlende Zahnpasta ein oder bring den Müll
raus. Kündige dein lang überfälliges Zeitschriftenabo oder
reparier das Rücklicht an deinem Fahrrad, das schon seit
einem halben Jahr nicht mehr funktioniert. Tue irgendwas
Kleines. Wenn's sein muss was Klitzekleines. Hauptsache ist,
du kommst in Aktion. Du wirst am Ende ein kleines
Erfolgserlebnis erringen, das dich befügelt, die nächst
größere Aufgabe anzugehen.
3. Anderen eine Freude machen. Mach einem deiner Mit-
menschen eine kleine Freude. Bastle ein Papierboot und
schenk es ihm. Kaufe zwei Postkarten, schreib was nettes
drauf und schick sie an deine zwei besten Freunde von früher.
Backe ein paar Mufns und lade zum Entspannungstee ein.

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Geh raus, suche nach ein paar schönen Blumen und
bereichere damit die Küche deiner Wohngemeinschaft. Du
wirst sehen, dass du gleich energetischer und lebensfroher an
die Sache rangehst. Denn es gibt nichts Schöneres für den
Menschen als Anderen eine Freude zu machen.
4. Iss ordentlich. Das heißt, drei geregelte Mahlzeiten am Tag.
Zwischendurch auch gerne einen Fruchtsnack wie Banane
oder Apfel. Aber keine Süßigkeiten und keinen Zucker!
Abends solltest du nichts Schweres mehr essen und am
besten gar nichts mehr 2 Stunden bevor du ins Bett gehst.
Dein Körper wird sich dafür bedanken. Du wirst besser
schlafen und mehr Energie haben. (Ich esse zur Zeit nur noch
Rohkost und ich kann den Unterschied gar nicht in Worte
fassen. Es ist einfach unglaublich wie viel mehr Energie ich
habe. Wenn du derzeit noch alles isst, dann versuche mal für
eine Zeit alle tierischen Eiweßsprodukte, d.h. Fleisch/Milch/
Eier/Käse... etc. wegzulassen. Du wirst dich noch nie so gut
gefühlt haben, versprochen!)
5. Schlafe genug. Man kann nicht nur zu viel schlafen, sondern
natürlich auch zu wenig. Beides ist schlecht. Finde also
heraus, wie viel Schlaf dein Körper braucht, um optimal zu
funktionieren und gönne dir diesen Schlaf dann auch. Versuch
auch mal, eine halbe Stunde früher ins Bett zu gehen und eine
halbe Stunde früher aufzustehen. Die Morgenstunden sind
extrem frisch und energiereich, während man in den
Abendstunden meist nicht mehr so viel hinkriegt.
6. Bewusst atmen. Atme bewusst in deinen unteren Bauchteil.
Nimm tiefe Atemzüge und lasse die Luft langsam ausströmen.
Dadurch entspannst du nicht nur deinen Körper, sondern
führst ihm gleichzeitig auch mehr lebenswichtigen Sauerstof
zu. Du wirst dich automatisch leichter fühlen und deine
unbewussten Verspannungen werden sich langsam aufösen.
Dadurch bekommst du mehr Energie in deinen Körper.
Probier's aus!

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Zusammenfassung

S e i t e | 99
Probleme angehen: Love it, Change it or Leave it

"Probleme bleiben Probleme weil Leute die ganze Zeit darüber


reden und sich beklagen anstatt die Dinge einfach mal anzupacken
und nach Lösungen zu suchen.”
In diesem Abschnitt will ich dir eine bestärkende Perspektive bieten,
um besser mit deinen "Problemen" umzugehen, wie auch immer diese
geartet sein mögen. Ich hofe, es macht "Klick" bei dir, wenn du das hier
liest, denn diese neue Sichtweise kann deine Lebensqualität maßgeblich
steigern!

Die neue Perspektive lautet: Es gibt gar keine "Probleme". Es


gibt nur Situationen, die es zu entscheiden gilt.

Eine Situation wird erst dann zum selbstgemachten "Problem",


wenn du ständig über sie nachdenkst ohne einen konkreten Plan zu
haben, wie du eigentlich damit umgehen willst. Wenn du dir also z.B.
ständig über deinen Vortrag nächste Woche Sorgen machst ohne
irgendeinen Schritt in irgendeine Richtung zu unternehmen, um die
Situation zu verbessern (wie z.B. Vortrag üben).
Für jegliche Situation, die dir nicht gefällt, gibt es drei Möglichkeiten
mit ihr umzugehen:
1. Akzeptiere die Situation voll und ganz (Love it)
2. Verändere die Situationen (Change it)
3. Verlasse die Situation (Leave it)
Zur Verdeutlichung, hier ein kleines Beispiel.

Wenn andere deine Entwicklung bremsen wollen

Mal angenommen deine treusten Freunde, die, von denen du am


meisten Unterstützung erwartet hättest, stellen sich plötzlich gegen
dich und deinen neuen Weg der Veränderung. Ihnen missfällt deine
Persönlichkeitsentwicklung, weil du plötzlich nicht mehr so reagierst,

S e i t e | 100
wie sie es gewohnt sind. Weil du auf einmal für dich selber einstehst und
weiterkommen willst im Leben.
Unterschwellig kommt das natürlich erstmal daher, dass auch sie
gerne ein selbstbewusstes Leben leben wollen. Aber weil sie selbst nicht
den Mut zur Veränderung haben, wollen sie auch nicht, dass jemand
anders weiterkommt. Sie wollen, dass du auf ihrer Stufe bleibst und ihr
Leid auch weiter teilst. Es gibt für sie nichts Schlimmeres, als selbst dort
hängen zu bleiben, während du etwas aus dir und deinem Leben machst.
Ein Problem? Nein, außer du machst es zu einem!
Wie geht man dann mit dieser Situation um?

Akzeptiere die Situation voll und ganz

Der erste Schritt an eine ungeliebte Situation heranzugehen ist sich


die Frage zu stellen: Kann ich diese Situation voll und ganz so
akzeptieren, wie sie ist? Gibt es irgendeine Möglichkeit, sehe ich
irgendeinen Weg, wie ich das, was jetzt ist, so wie es ist, total und
komplett akzeptieren kann?
In unserem Beispiel würde das heißen, dass du dieses hinderliche
Umfeld voll und ganz akzeptierst und bereit bist, dir jedes mal aufs Neue
einen Knüppel zwischen die Füße werfen zu lassen, wenn du etwas
Neues ausprobierst und eine Veränderung herbeiführen willst. Du
akzeptierst, dass dir diese Leute täglich ein Stück deiner wertvollen
Energie abziehen. Du darfst dich nicht ein einziges Mal darüber
beklagen, dass deine Freunde diesem Weg so konservativ gegenüber
stehen und dich in deinem Unterfangen nur hindern wollen. Denn du
hast es ja so gewählt, die Situation, so wie sie ist, voll und ganz zu
akzeptieren.
Frage dich also: Bin ich bereit all das in Kauf zu nehmen? Oder würde
ich lieber...

Die Situation verändern

Die zweite Möglichkeit eine Situation anzugehen. Wenn du zum


Schluss kommst, dass du die Situation so nicht akzeptieren willst, dann

S e i t e | 101
kannst du versuchen sie so zu verändern, bis sie dir gefällt. Du versuchst
all die negativen Dinge, die dich an der Situation stören, zu eliminieren
bis du dir selber mit ehrlichem Herzen sagen kannst: Damit kann ich jetzt
leben, so kann ich die Situation voll und ganz akzeptieren. Es gibt nichts
mehr was mich stört, bzw. das, was mich jetzt noch stört, kann ich
komplett so akzeptieren und werde keine Energie darüber verlieren.
Was heißt das in unserem Fall? Das heißt, du versuchst deine Freunde
mitzunehmen auf diese spannende Reise. Du versuchst ihnen klar zu
machen, wie wertvoll die eigene Persönlichkeitsentwicklung ist und
spornst sie an, eine unterstützende Gruppe zu bilden. Du machst ihnen
klar, dass du diesen Weg auf jeden Fall gehen wirst, mit oder ohne
Unterstützung. Dann kannst du schauen, ob sie bereit sind, sich zu
öfnen und ihr gemeinsam loslegen könnt. Sollte das nicht der Fall sein,
dann gibt's noch Möglichkeit Nummer drei...

Die Situation verlassen

Wenn du 1) die Situation so nicht akzeptieren willst und 2) jeder


Veränderungsversuch, die Situation zum Besseren zu wenden, keine
Früchte trägt, dann ist die Zeit gekommen die Situation zu verlassen. Es
hat keinen Sinn ständig Energie an ihr zu verlieren. Das führt am Ende
nur zu noch mehr Leid, weil du tatenlos in dieser miserablen Situation
ausharrst. Jede Sekunde, in der du etwas tust, wozu du eigentlich keine
Lust hast, ist eine verschwendete Sekunde deines Lebens! Verlasse diese
Situation und trage die Konsequenzen.
In unserem Beispiel würdest du dein hinderliches Umfeld verlassen.
Du siehst ein, dass du mit diesen Menschen nicht weiterkommst. Du hast
versucht sie mitzunehmen auf diese Reise, aber sie wollten nicht. Nun
gut, dann musst du dir eben Leute suchen, die das gut fnden, was du
machst. Du sagst freundlich auf Wiedersehen und beginnst aktiv damit,
dir Menschen und Umkreise zu suchen, die deine Entwicklung
unterstützen.
In jedem Fall gilt aber: Jammern oder sich über eine Situation oder
ein "Problem" zu beklagen, gilt ab heute nicht mehr! Jammern hat nichts
mit dem selbstverantwortlichen und selbstbestimmten Leben zu tun,
über das ich hier die ganze Zeit schreibe.

S e i t e | 102
Entweder, du akzeptierst die Situation vollkommen, so wie sie ist,
mit all ihren Vor- und Nachteilen, oder du versuchst die Situation zu
verändern, bis es dir passt, oder, wenn alles nichts hilft, verlässt du die
Situation!

Love it, Change it or Leave it.

Zusammenfassung

S e i t e | 103
Wie man negative Verbindungen & schlechte Gefühle los
wird

"Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über deinem Haupte
fiegen, kannst du nicht ändern, aber dass sie Nester in deinem
Haar bauen, kannst du verhindern." — Chinesischer Spruch
Wer ist der wichtigste Mensch in deinem Leben? Deine Mutter, dein
Vater, deine Kinder, dein bester Freund, deine beste Freundin, dein
Ehepartner? Was würdest du antworten? Nimm dir mal eine Minute Zeit
darüber nachzudenken, bevor du weiterliest.
Ich behaupte: Du selbst solltest der wichtigste Mensch in deinem
Leben sein. Du und deine Bedürfnisse sollten im Mittelpunkt deiner
Aufmerksamkeit liegen. Wenn es darum geht, Bedürfnisse zu erfüllen,
sollten deine an erster Stelle kommen. Du solltest dir selbst von erster
Priorität sein.
Denn: Erst wenn es dir selber gut geht, wenn du Kraft und Energie
hast, wenn du selber voller Liebe bist, dann kannst du diese auch wieder
weitergeben und andere Bedürfnisse stillen, für andere da sein. Du
kannst nur das geben, was du selber besitzt. Logisch oder?
Wenn du ein selbstbewusstes, selbstbestimmtes und am Ende ein
glückliches Leben führen willst, dann musst du dir selbst wichtig sein. Du
musst auf dich und deine Bedürfnisse achten und für sie einstehen.

Missverstandener Egoismus

Vielleicht hast du beim Lesen dieser Sätze ein ungutes Magengefühl


bekommen und deine konditionierte Kritikerstimme hat Alarm
geschlagen "Aaaaaber das ist doch egoistisch, wenn jetzt jeder nur noch
auf sich selber achtet, dann bricht die Welt auseinander".
In unserer Kultur ist der Egoismus-begrif ganz stark assoziiert mit
Selbstsucht, Eigeninteresse oder dem Gedanken, dass jeder sich selbst
der Nächste ist. Das dadurch aber auch Freiheit und Kreativität nicht nur
für den Einzelnen, sondern für die ganze Gesellschaft entstehen kann,
darüber redet irgendwie niemand.

S e i t e | 104
Die meisten denken an eine Ellenbogenmentalität, an Kulturverfall,
an Gemeinschaften, die auseinander brechen. Die Befürchtung ist, dass
soziale Kälte das Land überzieht.
Dabei muss doch klar sein: Ohne ein "Ich" gibt es kein "Wir".
Die Gesellschaft, dein Freundeskreis, deine Familie, das "Wir"
besteht aus einzelnen Individuen. Umso besser die einzelnen Teile der
Gruppe funktionieren, umso besser funktioniert die Gruppe als Ganzes.
Deshalb gilt: Jeder, der diesen positiven Egoismus lebt, der sagt,
jetzt habe ich gerade keine Kraft, keine Energie dafür, anderen zu helfen,
der sich erst mal auf sich selber konzentriert, dass es ihm gut geht, der
trägt am Ende viel mehr zur Gesellschaft bei als diejenigen, die durch die
Gegend laufen und helfen wo's nur geht, ohne dass es ihnen dabei selber
gut geht.
Natürlich wird es immer Menschen geben, die auf Teufel komm raus
mit ausgefahrenen Ellenbogen durch die Welt laufen und auf den
eigenen Vorteil bedacht sind, die einen negativen Egoismus praktizieren.
Aber die werden nicht weit kommen. Denn es will natürlich niemand
etwas mit ihnen zu tun haben, geschweige denn mit ihnen zusammen-
arbeiten.
Man muss also unterscheiden zwischen dem positiven Egoismus
(erst mal auf sich selber konzentrieren, dann helfen, wenn man kann und
Lust dazu hat) und dem negativen Egoismus (einfach nur stur auf sich
selbst konzentriert durch die Gegend laufen).
Was bedeutet das jetzt für dich?
Ich will, dass du dich selber zum Mittelpunkt deines Lebens machst.
Dass du schaust, dass es dir gut geht, dass deine Bedürfnisse gedeckt
sind, dass du deinen Interessen nachgehst. Dass du den positiven
Egoismus lebst.
Wenn das alles passt, dann bist du bereit zu helfen und dann hilfst du
natürlich auch, denn: Der aufgeklärte Egoist weiß, er tut sich selbst
etwas Gutes, wenn er anderen Gutes tut.
"Je mehr du gibst, desto mehr empfängst du. Und: Wer mit
Freuden gibt, gibt am meisten!" — Mutter Teresa

S e i t e | 105
Negative Verbindungen kappen - Energievampire ausschalten

"Deine erste Pficht ist, dich selbst glücklich zu machen. Bist du


glücklich, so machst du auch andere glücklich."
— Ludwig Andreas Feuerbach
In der Praxis sieht positiver Egoismus so aus: Trenne dich von Allem,
das dir nur unnötig Energie abzieht und umgebe dich bewusst mit den
Dingen, die dir Spaß machen und die dich aufauen.
Nimm Abstand zu all den Nörglern und Schwarzsehern in deinem
Leben und suche aktiv nach den Menschen, die positiv in die Welt blicken
und schon das besitzen, was du gerne haben willst. Wir hatten das ja
vorher schon mal: "Du bist der Durchschnitt deiner fünf engsten
Freunde". Jetzt schau mal um dich herum und guck dir deine fünf
engsten Beziehungen an. Wer sind diese Leute? Was für Ansichten haben
sie? Sind sie schon da, wo du gerne hin willst oder ziehen sie dir eher
Energie ab?
Genauso wie dich positive Menschen hochziehen und dich bestärken
können, genauso können dir diese Pessimisten nämlich auch so richtig
den Tag verderben und dir ungeheuer viel Energie abziehen. Ich kenne
das aus meinem eigenen Leben nur zu gut und da gibt es nur einen
Ausweg: Halte dich von diesen Leuten fern. Du wirst von niemandem
eine Tapferkeitsmedaille verliehen bekommen, nur weil du dir jeden Tag
aufs Neue deren Schwarzmalereien anhörst. Trenne dich von diesen
Leuten!
Wenn du dich partout nicht von ihnen trennen willst (ich denke da an
deinen Ehepartner/besten Freund), dann sprich es wenigstens an. Mache
den Anderen darauf aufmerksam, dass dich seine Verhaltensweise stört
und dass er in deiner Anwesenheit doch bitte nur noch Positives von sich
geben soll.
Was passiert im schlimmsten Fall? Na ja, es gibt Streit. Na und? Dann
kannst du dich gleich mal darin üben, deine Meinung zu vertreten. Du
musst aber ansprechen, was dir auf dem Herzen liegt. Denn wenn du das
nicht tust, dann wirst du dein Leben lang in stiller Zurückhaltung
verbringen und das wird am Schluss noch viel mehr schmerzen als sich
der Herausforderung zu stellen und die Dinge anzusprechen.

S e i t e | 106
Wenn du jetzt sagst: Aber ich hasse Streit und halte lieber den
Mund... Na gut, deine Wahl. Dann darfst du aber auch nicht meckern,
wenn sich an der Situation nichts verändert und es dich jeden Tag aufs
Neue Energie kostet, dieses Leid zu ertragen!

Stelle dich selbst in den Mittelpunkt deines Lebens. Erst wenn es dir
selber gut geht, kannst du für die Anderen da sein. Entscheide dich
jetzt also bewusst dafür, alle Energievampire aus deinem Leben
rauszuschmeißen.

Schlechte Gefühle loslassen

"Eine der Hauptquelen für Enttäuschung, Unzufiedenheit und


Missdeutung ist, das wir an unseren limitierenden Glaubenssätzen
und unseren Gefühlen festhalten." — Hale Dwoskin
Du verschwendest sicherlich auch ab und an mal eine ordentliche
Portion deiner guten Lebensenergie an schlechten Gefühlen. Du regst
dich über etwas Vergangenes auf, blickst sorgenvoll in die Zukunft oder
verweilst lethargisch im "Draußen ist's schlecht Wetter und darum geht's
mir nicht gut" Modus.
Das muss nicht so sein. Du kannst, wenn du dir deines Zustandes
bewusst wirst, etwas dagegen unternehmen. Du kannst dich von diesem
Gefühl aus eigener Kraft befreien. Aber nicht etwa, indem du es
versuchst zu unterdrücken, wie es die meisten Menschen machen,
sondern indem du es einfach loslässt, es frei gibst, es aus dir heraus lässt.
Etwas zu unterdrücken funktioniert auf lange Zeit nicht. Du wirst
vielleicht kurzzeitig einen Erfolg erringen, aber auf lange Sicht wird das
Unterdrückte mit nur noch mehr Druck an anderer Stelle hochkommen.
D.h., um ein schlechtes Gefühl dauerhaft loszuwerden, darfst du deine
inneren Zustände nicht unterdrücken sondern du musst sie vollkommen
zulassen, um sie danach freigeben zu können.
Das hört sich jetzt vielleicht ein bisschen kompliziert und psycho-
mässig an, ist aber in Realität ein total einfacher Vorgang in nur drei
Schritten. Der ursprüngliche Autor schreibt auf seiner Homepage, dass
diese Methode schon mehreren hunderttausend Menschen geholfen

S e i t e | 107
hat, ihre schlechten Gefühle loszulassen und ein glücklicheres Leben zu
führen. Nun, hunderttausend + eins, denn für mich funktioniert es auch
prima und darum will ich dir dieses Wissen unbedingt weitergeben.
Die Frage war also: Wie lässt man diese schlechten Gefühle los?
Antwort: Genau, so wie du einen Kugelschreiber fallen lässt. Du lässt sie
einfach los!
Klingt kindisch und aberwitzig? Mag sein. Funktioniert im echten
Leben? Durchaus!
Wenn in dir gerade Vorurteile wie "Oh je, jetzt kommt irgendsoein
Hokuspokus Quatsch" hochkommen, dann erinnere dich an Grundsatz #1
der Persönlichkeitsentwicklung: Sei ofen für neues! Versuche dem
kommenden Prozess so ofen wie möglich zu begegnen. Gib dir hier
selber die Chance, etwas Neues, Wunderbares zu entdecken, das
vielleicht dein Leben transformieren wird. Ich würde sagen: Es ist den
Versuch wert.

Vorgehensweise zum Loslassen von schlechten Gefühlen

Die Methode folgt drei einfachen Fragen, die du dir selber stellst:
1. Könnte ich es loslassen?
2. Würde ich es loslassen wollen?
3. Wann würde ich es loslassen?
Bevor ich weiter ins Detail gehe, will ich hervorheben, dass es egal
ist, wer du bist, wo du gerade stehst, wie alt du bist oder was du gerade
machst. Diese Methode funktioniert für jeden, zu jeder Zeit, an jedem
Ort. Du musst dich auch nicht speziell vorbereiten. Du kannst deine
Augen schließen oder ofen haben, es spielt keine Rolle. Für manche
funktioniert das Eine besser, für den Anderen das Andere.
Experimentiere selber und fnde heraus, was sich für dich am besten
anfühlt.
Ein Tipp noch bevor's losgeht: Versuche auf dein Herz zu hören und
nicht so sehr auf deinen Verstand. Der Verstand macht alles nur
komplizierter als es eigentlich ist. Folge einfach deinem Bauchgefühl.

S e i t e | 108
Es kommen jetzt ein paar Fragen. Es sind ganz einfache Fragen und
es ist nicht wichtig, wie du sie beantwortest. Du musst also nicht
unbedingt "Ja" sagen. Du kannst "Ja" oder "Nein" sagen, so wie du es
eben fühlst. Beide Antworten sind okay. Du musst nur ehrlich mit dir
selber sein. Versuche nicht viel zu überlegen, was wohl die "richtige"
oder "beste" Antwort wäre. Es gibt hier keine richtige Antwort. "Ja" und
"Nein" - beides ist gleich gut. Fühle einfach, was dein Herz zu sagen hat
und folge ihm. Gib dir für jede Frage ausreichend Zeit, um in dich hinein
zu fühlen. Ok, dann geht's los:
1. Lass jetzt eines deiner Probleme, dass du gerne geändert
oder verbessert haben willst, in dein Bewusstsein kommen.
Empfange das Gefühl erst mal, heiß es herzlich willkommen
und dann frage dich:
Könnte ich es loslassen? Nur rein hypothetisch. Könntest du
das Gefühl loslassen, wenn du wolltest?
2. Würdest du es loslassen wollen? Frage dich: Würdest du lieber
an diesem Gefühl oder diesem Schmerz festhalten wollen?
Oder würdest du dich lieber davon befreien? Wenn du es
lieber loslassen würdest, anstatt dich weiter daran
festzuklammern, dann wirst du merken, dass es anfängt sich
von ganz alleine aufzulösen.
3. Wann würdest du es loslassen wollen? In einer Woche?
Morgen? Jetzt gleich?
Sei ofen gegenüber der Möglichkeit, dass was auch immer dich
gerade belastet, du mit diesen drei einfachen Fragen davon loskommen
kannst. Höre wie gesagt auf dein Herz anstatt auf deinen Kopf. Fühle in
dich hinein. Fühle das Gefühl und stelle dir die drei Fragen:

1. Könnte ich es loslassen? 2. Würde ich es loslassen wollen?


3. Wann würde ich es loslassen?

S e i t e | 109
Wenn dein Kopf ein bisschen mit diesen Fragen und deinem Gefühl
kämpfen muss, ist das übrigens total in Ordnung.
Wiederhole diese Prozedur so lange wie du fühlst, dass es für dich
richtig ist und dein schlechtes Gefühl weggegangen ist.

Zusammenfassung

S e i t e | 110
Das Leben genießen: Mr. Fishers Formel für mehr
Gelassenheit

"Bei jedem Atemzug stehen wir vor der Wahl, das Leben zu
umarmen oder auf das Glück zu warten." — Andreas Tenzer
Mr. Fisher ist 35 Jahre alt, Bankangestellter in einer großen
Investmentbank und wohnt in einer üppigen Wohnung 40 Minuten
außerhalb des Stadtzentrums. Sein Job ist gut bezahlt und anstrengend.
Er arbeitet viel und isst schnell.
Das Handy ist nie aus und er immer erreichbar. Er schläft schlecht.
Das kommt vielleicht auch daher, dass ihn kürzlich seine langjährige
Freundin verlassen hat. Diesen Frust kompensiert er mit noch mehr
Arbeit. Er fühlt sich alleine. Richtige Freunde hat er nur wenige und die
wohnen in einer anderen Stadt.
An den Wochenenden muss er die Dinge erledigen, die er auf Grund
von Zeitmangel unter der Woche nicht hingekriegt hat. Und dann ist
auch schon wieder Montag. Mr. Fisher ist gestresst und nervös. Vor
anderen zu präsentieren macht ihm Angst.
Er fühlt sich gefangen in seinen Umständen. Nicht er bestimmt sein
Leben, sondern die um ihn herum. Früher ging er noch zweimal die
Woche zum Schwimmen. Auch dafür reicht die Zeit nicht mehr. Er ist
erschöpft. Oft denkt er an seine Schuljahre zurück, in denen er noch
unbeschwert das Leben genießen konnte...
1 Jahr später...
Mr. Fisher hat sich in der Winterpause Gedanken über sein Leben
gemacht. Er hat überlegt, was ihm wichtig ist im Leben, wo er hin will,
wie sein Leben einmal aussehen soll. Er weiß zwar noch nicht ganz
genau, was er eigentlich mit seinem Leben anstellen will, aber dass es so
nicht weitergehen kann, hat er fest beschlossen.
Er sucht aktiv nach Möglichkeiten, um den Alltag besser zu machen,
ohne ihn komplett über den Haufen zu werfen. Er will gelassener
werden, lockerer sein, das Leben, so wie es ist, mehr genießen.
Hier kommt, was Mr. Fisher dabei herausgefunden hat.

S e i t e | 111
Nimm dir Zeit - Zeit für dich selber

"Das einzige Mittel, Zeit zu haben, ist, sich Zeit zu nehmen.”


— Bertha Eckstein
Wir leben in einer rasanten Welt. Alles muss schnell gehen. Alles ist
schnelllebig. Was heute gilt, gilt schon morgen nicht mehr. Wir rennen
und rennen und wissen eigentlich gar nicht richtig wozu und wohin
überhaupt. Den eigenen Weg und das eigene Tun refektieren? Ne du,
gerade keine Zeit.
In dieser ganzen Hast und unter dem immer weiter steigenden
Druck, erfolgreich zu sein, vergessen wir oft eines: uns selber.
Wir sind wie der Hamster im Hamsterrad. Wir laufen schneller und
schneller und kommen doch nie an. Wenn du einen Hamster fragen
würdest, was er da macht, er würde antworten: “Frag mich doch jetzt
nicht so einen Quatsch, ich hab hier Wichtigeres zu tun”.
Wenn du nicht irgendwann total erschöpft aus dem Hamsterrad
kullern willst, dann hat Mr. Fisher hier einen guten Tipp für dich: Nimm
dir ab und zu mal ganz bewusst etwas Zeit für dich selber. Um in dich zu
gehen und nachzusehen: Wie geht’s mir eigentlich gerade?
Hier ein paar weitere Anregungen für dich, wie das Ganze in der
Praxis aussehen könnte:
Nimm dir am Wochenende eine halbe Stunde für dich selber. Und
damit meine ich: nur für dich selber, ohne beste Freundin oder
kleinen Bruder. Geh einen kleinen Spaziergang hinaus in die
Natur. Setze dich irgendwo auf eine Bank oder einen Stein und
refektiere dich und dein Leben. Wo bist du gerade? Wo willst du
hin? Was ist dir wichtig im Leben? Was macht dir Spass? Was willst
du noch alles tun? Wer willst du werden?
Plane dir deine Auszeiten regelrecht ein und halte dich dann auch
daran. In dieser Zeit willst du nicht gestört werden. Es ist deine
Zeit. Zeit für dich selber. Das, was wir in unserer heutigen Welt
immer weniger haben (außer wir nehmen sie uns aktiv heraus).
Mach es zur Gewohnheit und nimm dir fünf Minuten deiner
Mittagspause, um über all die tollen Dinge in deinem Leben

S e i t e | 112
nachzudenken. All die wundervollen Momente, die du schon
hattest, die tollen Erlebnisse und die frischen Sommertage.
Nimm dir morgens auf dem Weg zur Schule/Arbeit ein paar
Minuten mehr Zeit und achte bewusst auf all die kleinen Dinge
am Wegesrand. Die bunte Blume, die alte Mauer, den hüpfenden
Vogel. Schau sie dir genau an. Halte einen Moment inne und
sauge die kleinen Wunder dieser Welt in dich auf.
Noch ein kleiner Tipp: Am besten du hältst deine kleinen “Auszeiten”
zu einem fxen Zeitpunkt. Das macht es leichter diese Verabredungen mit
dir selber einzuplanen und sie dann auch einzuhalten.

Dankbarkeit

"Die Menschen sehen nur das, was sie noch ales haben und
bekommen könnten, schätzen aber nicht was sie haben, bis sie es
verlieren." — Jimi Hendrix
Wann warst du das letzte Mal so richtig krank? Kannst du dich noch
daran erinnern, wie du im Bett lagst und dir wünschtest, wieder gesund
zu sein? Wieder so frisch und munter durch die Gegend zu laufen, wie du
es normalerweise tust? Wie hast du dich da gefühlt? Ist dir da nicht auch
einmal wieder bewusst geworden, wie gut es dir eigentlich geht, wenn
du gesund bist?
Wir nehmen diesen Zustand als viel zu normal hin - als gegeben.
Schon wenige Tage nach Genesung überkommt uns der Alltagsstress mit
all seinen Verpfichtungen wieder und wir verlieren diese wichtige
Perspektive aus den Augen. Es wird wieder zur Normalität, dass man
gesund ist, einen Job hat oder in einem Land lebt, in dem jeder studieren
kann. Je kleiner dieses Bewusstsein wird, je größer werden deine nichts-
sagenden Alltagsprobleme.
Du verlierst dadurch das Wesentliche aus den Augen. Das Leben.
Deine Gesundheit. Deine Beziehungen. Diesen einmaligen Augenblick.
Wie oft erinnerst du dich im "normalen" Alltag daran, dass es dir
eigentlich an nichts fehlt? Dass all deine Probleme im Vergleich zu dem,
was andere Menschen durchmachen müssen, ein absoluter Klacks sind?
Dass es Menschen gibt, die heute nichts essen werden, weil einfach

S e i t e | 113
nichts da ist. Dass es Menschen gibt, die kein Bett haben, in das man sich
einfach mal so reinlegen kann, um seinen "Problemen" nachzuweinen?
Wenn dir diese Vorstellungen zu abstrus sind, dann erinnere dich doch
einfach an das letzte Mal als du selber krank im Bett lagst und alle
anderen "Probleme" plötzlich nicht mehr der Rede wert waren.
Wie oft bedankst du dich bei deinem Körper, dass alles so gut
funktioniert? Wie oft bedankst du dich bei dir selber, für alles, was du
schon erreicht hast? Wie oft bist du dankbar dafür, dass du zur Schule
gehen darfst/durftest? Wie oft bist du dankbar dafür, dass die Regale im
Supermarkt voll sind und du essen kannst, wonach dir die Lust steht?
Wie oft bist du dankbar dafür, dass du in einem sicheren Land wohnst?
Wie oft bist du dankbar für die Beziehungen zu deinen Mitmenschen?
Dankbar-sein ist eines der wichtigsten Rituale eines glücklichen,
selbstbewussten Lebens. Wer gegenüber sich selbst und den kleinen
Dingen im Leben dankbar ist, den kann so schnell nichts aus der Bahn
werfen, denn jedes "Problem" das auftritt, wird direkt ins richtige Licht
gerückt und man stellt sofort fest, dass es eigentlich gar keine wirklichen
Probleme gibt.

Das Leben genießen

"Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst fndet, ist es umsonst, sie
anderswo zu suchen." — François de la Rochefoucauld
In unserer heutigen Leistungsgesellschaft muss alles schnell und
efektiv sein. Man soll so schnell wie möglich studieren, dann einen
guten Job fnden und danach die Karriereleiter hochkraxeln.
Bei all dem Stress, bloß nicht Letzter im Rennen zu werden, verlieren
wir uns oft selbst. Wir stellen unsere eigenen Werte und Bedürfnisse
hinten an und übernehmen blind was uns Eltern, Lehrer und Gesellschaft
vorgeben. Wir leben das Leben anderer, die Vorstellungen und Normen
der Gesellschaft oder unserer Familien.
Dadurch unterdrücken wir uns selbst. Unsere eigenen Bedürfnisse
und Wünsche. Das kann auf Dauer natürlich nicht gut gehen. Denn alles
was unterdrückt wird, kommt irgendwo anders mit noch viel mehr Druck
wieder heraus.

S e i t e | 114
Deine inneren Wünsche und das Bedürfnis nach einem Leben voll
Sinn werden nie verschwinden. Sie werden immer da sein und sie
werden dich bis zu deinem Lebensende daran erinnern, dass das hier
dein Leben ist und du es so leben sollst, wie dir es passt! Jede Sekunde in
der du "gegen dich selbst lebst", werden sie stärker werden und dich
zum Umkehren mahnen.
Was will ich damit sagen?
Glaube nicht alles, was dir die Gesellschaft auftischt. Das Leben ist
nicht dazu da, wie im 1000 Meter Lauf heruntergerannt zu werden um
irgendwelche materiellen Besitztümer anzuhäufen. Wer ständig rastlos
von A nach B und wieder zurückrennt, übersieht all die feinen Dinge im
Leben. Die kleinen Gesten, die kleinen Geschenke, die kleinen Freuden.
All die winzigen Sachen, die uns lebendig werden lassen.
Darum: Mach mal langsam! Puste durch. Atme tief. Besinne dich
einmal wieder darauf, was dir wichtig ist. Denn alleine das zählt. Lass ab
von all den Erwartungen deiner Familie oder der Gesellschaft. Höre tief
in dich hinein und beachte deine Wünsche und deine Bedürfnisse. Sie
sind es am Ende, die dich glücklich werden lassen und nicht die
Vorstellungen und Werte anderer.

Zusammenfassung

S e i t e | 115
Die Kraft des Hier und Jetzt

"Du musst in der Gegenwart leben. Was war, ist für immer
vergangen; was in der Zukunf kommen mag ist ausserhalb deines
Einfusses bis es zur Gegenwart wird. Erinnerungen an die
Vergangenheit und nachdenken über die Zukunf sind wichtig,
aber nur zu dem Teil als das sie dir hier und jetzt in der
Gegenwart zu etwas dienen.” — S.N. Goenk
Bist du immer wo anders, nur nicht im gegenwärtigen Augenblick?
Wartest du darauf zu leben? Bist du oft mit deinen Gedanken in der
Zukunft, da wo alles besser wird? Reduzierst du manchmal die
Gegenwart zu einem unerwünschten Zustand, den du eben durchlaufen
musst, um weiterzukommen? Machst du die Dinge nur, weil du glaubst,
wenn du sie hinter dir hast, beginnt das Leben?
Wenn das auf dich zutrift dann keine Angst, so leben die meisten
Menschen in unserer heutigen Gesellschaft. Sie reduzieren den
gegenwärtigen Moment zu einem notwendigen Schritt, den man eben
machen muss, um dahin zu kommen, wo es schön ist. "Wenn ich erst
mal... dann...".
Wenn ich erst mal zehn Jahre gearbeitet habe, dann kann ich mich
ausruhen und das Leben genießen. Wenn ich erst mal eine eigene
Wohnung habe, dann bin ich glücklich. Wenn ich erst mal den richtigen
Partner gefunden habe, dann macht das Leben Spaß. Wenn ich erst mal
alle meine Kinder großgezogen habe, dann kann ich mich zurücklehnen...
Wenn ich erst mal... Wenn ich erst mal... Wenn ich erst mal... Die Welt
ist voller Wenn-ich-erst-mal's. Die Leute rennen in der Hofnung auf eine
bessere Zukunft rastlos von A nach B. Erst noch das hier erledigen, dann
das da fertig machen und das dort drüben zu Ende bringen. "Wenn ich
das erst mal alles hinter mich gebracht habe, dann kann ich glücklich
sein". Man will die lästige Tätigkeit des Augenblicks so schnell wie
möglich hinter sich bringen, um dahin zu kommen, wo scheinbar alles
wunderbar wird. Wir leben in Gedanken in der Zukunft und vergessen
dabei die Gegenwart. Dabei ist genau dieser einmalige Augenblick,
genau dieser Moment, in dem du das hier liest, das Einzige, was es gibt!

S e i t e | 116
Das Hier und Jetzt ist alles, was du hast

Die Vergangenheit ist vergangen und die Zukunft existiert nur in


deinen Gedanken. Sie sind nicht real. Sie sind fktiv. Du kannst mit
ihnen nicht viel anfangen. Der einzige Augenblick, in dem das Leben
stattfndet, ist im Hier und Jetzt.

Mach dir das mal klar! Das Einzige, was du je haben wirst, ist dieser
einmalige Moment gerade. Genau der hier, in dem du diese Zeilen liest.
Die Vergangenheit ist später nur noch eine Erinnerung an Augenblicke,
die du einmal im Hier und Jetzt erlebt hast und die Zukunft ist nichts
weiter als eine Vorstellung, eine Projektion deiner Gedanken, bis sie zur
Gegenwart wird. Der einzige Zeitpunkt, zu dem das Leben stattfndet, ist
also genau jetzt, in diesem Augenblick.
Frage dich mal selber: Gab es jemals einen Moment in deinem
Leben, in dem das Leben nicht im Hier und Jetzt statt gefunden hat?
Natürlich nicht. Denn der gegenwärtige Augenblick ist alles, was es
gibt. Wenn du dich an die Vergangenheit erinnerst, dann tust du das im
Hier und jetzt. Wenn du in der Zukunft schwelgst, dann malst du dir im
Hier und Jetzt diese Bilder aus. Das Leben fndet immer genau jetzt statt,
in diesem einmaligen Moment.

Was immer du tust, sei vollkommen da

Umso weiter weg du mit deinen Gedanken vom Hier und Jetzt bist,
umso weiter entfernst du dich damit auch vom echten Leben. Umso
mehr du in der Zukunft oder deinen Vergangenheitserlebnissen
schwelgst, umso mehr verpasst du die Gegenwart und damit die Chance,
dein Leben zu gestalten.
Versuche also, dich so oft wie möglich an diesen Fakt zu erinnern.
Mache dir in deinem Alltag zwischenzeitlich bewusst: Dieser Moment ist
alles, was ich habe, besser ich koste ihn voll aus. Warte deshalb nicht auf
einen fernen Punkt in der Zukunft, an dem alles anders wird. Lebe jetzt!
In diesem Moment. Es ist das Einzige, was du hast und was du
beeinfussen kannst.

S e i t e | 117
Tauche dabei so tief in deine derzeitige Tätigkeit ein, wie du nur
kannst. Tue das, was du tust, vollkommen. Gehe in dein Tun über und gib
dein bestes. Egal ob du Karotten schälst, dich mit deiner besten Freundin
unterhältst oder die Treppen zu deiner Wohnung hochgehst. Sei
vollkommen da, in dem was du machst und dein Leben wird sich
schlagartig verbessern!

Unbeliebtes durch die Kraft der Gegenwart aufösen

Wenn du etwas machen musst, das dir keinen Spaß macht, du es


aber trotzdem machen musst, aus welchen Gründen auch immer, dann
gehe voll in diese Tätigkeit hinein. Tue so, als ob du es selbst so gewählt
hättest. Sage "ja" zum gegenwärtigen Moment. Arbeite mit ihm, nicht
gegen ihn und gib dabei dein Bestes. Sei präsent und mit deiner
Aufmerksamkeit vollkommen im gegenwärtigen Augenblick und der
anliegenden Tätigkeit. Umso mehr du in der Gegenwart bist, umso
leichter wird dir die Aufgabe fallen.
Im Gegensatz dazu: Je mehr du dich dem gegenwärtigen Augenblick
widersetzt, umso mehr Leid und negative Gefühle wirst du ertragen
müssen. Dabei kannst du dich dem Augenblick gar nicht widersetzen.
Wie auch? Wie könnte man sich dem widersetzen, was jetzt gerade ist?
Das geht gar nicht. Das, was gerade ist, ist so, wie es ist. Es ist also der
reinste Wahnsinn zu versuchen, sich diesem Augenblick, diesen Fakten
zu widersetzen.
Verschwende auch nicht viel Energie daran, dich über vergangene
Dinge aufzuregen. Es wird sich dadurch nichts an deiner derzeitigen
Situation verändern und das Vergangene auch nicht rückgängig machen.
Ein weiser Mann hat mir einmal gesagt: Du kannst dich aufregen so lange
du willst, es hat keine vergangenheitsverändernde Wirkung. Welch
Ofenbarung!
Wenn du dich also dabei ertappst, wie du dich über Vergangenes
beklagst, dann fokussiere deine Aufmerksamkeit wieder ganz ins Hier
und Jetzt. Mach das, was du tust mit Hingabe und voller Konzentration.
Lass dir nicht durch Dinge, die du eh nicht mehr ändern kannst, deine
wertvolle Energie abziehen.

S e i t e | 118
Das gleiche gilt fürs Sorgen machen. Du kannst dir noch so lange und
noch so viele Sorgen über die Zukunft machen, dadurch wird sich nichts
verbessern. Außerdem kannst du die Zukunft eh nicht vorhersehen und
weißt gar nicht, was passieren wird. Darum gilt auch hier: Wenn du dich
dabei ertappst, wie du dir unnötig Sorgen über die Zukunft machst,
konzentriere dich auch wieder auf das Hier und Jetzt, den gegen-
wärtigen Moment und das, was du gerade tust.

Im Hier und Jetzt gibt es keine Probleme

Probleme sind immer selbstgemacht. Es sind Illusionen, Geschichten,


die wir uns selber erzählen. In Wirklichkeit gibt es nämlich gar keine
Probleme. Es gibt nur Situationen, die man entweder akzeptiert,
verändert oder verlässt. Wenn diese dann zu einem Problem werden,
dann nur dadurch, dass du sie selber zu einem solchen machst.
Probleme fnden immer nur in unserem Kopf statt - meist in der
Zukunft - und können im Hier und Jetzt nicht überleben. Werde dir jetzt
mal ganz diesem Moment hier bewusst. Denke nicht an morgen oder
gestern. Konzentriere dich komplett auf diesen Augenblick gerade.
Hast du jetzt gerade ein Problem?
Wahrscheinlich nicht. Denn es gibt keine Probleme, nur Situationen,
die es anzupacken gilt. Ein Problem entsteht erst dann, wenn du dich zu
sehr auf eine Situation einschießt, ohne die Absicht oder die Möglichkeit
zu haben, etwas zu verändern. Dann überkommt dich das Ohnmachts-
gefühl, der Situation hilfos ausgeliefert zu sein.
Deshalb gilt auch hier: Bringe deine Aufmerksamkeit wieder zurück
ins Hier und Jetzt. Lass deine selbstgemachten Probleme der Zukunft
einfach fallen und komme zurück in die Gegenwart, in der es nur
Situationen gibt, die man entweder akzeptiert, verändert oder verlässt.

"Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern
den Tagen mehr Leben." — Cicely Saunder

S e i t e | 119
Zusammenfassung

S e i t e | 120
Angst in Mut verwandeln

S e i t e | 121
Angsthasen aufgepasst: Wie man die Angst akzeptieren kann,
sich aber nicht davon beeinfussen lässt

"Fühle die Angst und mach's trotzdem" — Susan Jefers


Alkohol, Zigaretten und andere Drogen wirken wunderbar, wenn es
darum geht, unser gefühltes Angstlevel zu minimieren. Was genau
passiert da und können wir diesen Prozess evtl. auf natürliche Weise
nachahmen?
Diese Beruhigungsdrogen machen nichts anderes, als deine eigene
Reaktion auf den Angststimulus zu verringern bzw. ganz auszuschalten.
Sie ändern also nichts am ursprüngliche Angstimpuls - der ist immer noch
genau so da wie vorher - sondern setzen einfach nur dein internes
Reaktionslevel darauf herunter. Du reagierst also nicht mehr oder nur
noch in sehr geringem Umfang auf dein Angstgefühl.
In diesem vorigen Abschnitt liegt eine wertvolle Einsicht vergraben.
Unsere Gefühle hängen also nicht davon ab, was um uns herum passiert,
sondern davon, wie wir auf diese externen Stimuli in unserem Inneren
reagieren.
Wenn wir es nun schafen, den Angstimpuls zwar als äußeren
Stimulus zu akzeptieren, ihn aber nicht unsere innere Gefühlslage
beherrschen lassen, dann haben wir ein mächtiges Werkzeug um der
Angst entgegenzutreten. Wie du genau das machen kannst, verrate ich
dir im nächsten Abschnitt.

Das Telefon klingelt, aber ich gehe nicht ran.

Angenommen du sitzt gerade ganz entspannt in deinem Lieblings-


stuhl und liest diese Zeilen. Plötzlich klingelt das Telefon. Wie auf
Knopfdruck springst du auf um den Hörer abzunehmen. Das Klingeln des
Telefons hat deinen ursprünglichen Plan, in Ruhe dieses Buch zu lesen
und zu entspannen, total über den Haufen geworfen. Du hast dich auf
Grund deiner Angewohnheit, immer sofort das Telefon abzunehmen,
dem externen Stimulus gebeugt und bist aufgesprungen um ihm zu
folgen.

S e i t e | 122
Im Moment der Reaktion - des Aufspringens - dachtest du gar nicht
viel darüber nach, ob du überhaupt ran gehen sollst. Das Telefon klingelt,
ich geh ran, ist doch klar. Dieses Verhalten hast du dir im Laufe der Zeit
angeeignet. Du hast dich selbst darauf konditioniert. Es ist dir zur
Gewohnheit geworden.
Was will ich damit sagen? Ich will damit sagen, dass du in erster Linie
gar nicht hättest rangehen müssen! Das Telefon klingelt, okay, aber jetzt
kannst du entscheiden, was du mit diesem externen Reiz anstellen willst.
Ob du aufstehst und sofort hinrennst oder in Ruhe weiter dein Buch
liest, das Klingeln zwar hörst aber nicht mehr darauf reagierst und
einfach entspannt sitzen bleibst, bleibt dir überlassen. Du hast die Wahl,
wie du auf diesen Stimulus reagieren willst!
Mach dir diesen kleinen Film und die Bilder darin so klar wie möglich.
Stelle dir vor, wie das Telefon anfängt zu klingeln, während du in aller
Ruhe und Gelassenheit dein Buch liest. Du nimmst das Klingeln zwar
wahr, aber anstatt sofort aufzuspringen um den Hörer abzunehmen,
bleibst du ganz relaxed sitzen und liest dein Buch weiter. Du
entscheidest dich dafür, deinen ursprünglichen Plan des Buchlesens
weiter zu verfolgen und nicht auf den externen Stimulus zu reagieren.

Praktische Umsetzung

Verwende dieses hilfreiche Werkzeug um deine Reaktion auf einen


Angstimpuls zu kontrollieren. Anstatt einfach nur deiner Gewohnheit zu
folgen und dich von der Angst beeinfussen zu lassen, entscheidest du
von nun an selber darüber, wie du auf den Stimulus reagieren willst.
In der praktischen Umsetzung sieht das so aus: Sobald du merkst,
dass sich in dir ein Angstgefühl bildet (dein inneres Telefon fängt an zu
klingeln), sage dir:

Das Telefon klingelt, aber ich muss nicht ran gehen.


Ich kann es einfach klingeln lassen!

Hole dir wieder die Bilder von vorher in dein Bewusstsein, wie du
ganz entspannt in deinem Sessel sitzt und ruhig, als ob nichts wäre, dein
Buch weiterliest. Sage dir selber: Hm, da klingelt irgendwas. Macht aber

S e i t e | 123
nichts. Ich lass es einfach weiter klingeln und bleibe dabei ganz
entspannt und locker.
Dieser Gedanke muss so tief und fest in dir verwurzelt sein, dass er
automatisch kommt, sobald dein inneres Telefon anfängt zu klingeln. Er
muss dein Standardverhalten ersetzen, das du bisher hattest. Um das zu
erreichen, musst du dich in diesen Situation bewusst an diese Metapher
erinnern.
Sobald du Angst verspürst, denke an das Telefon, deinen Sessel und
wie du weiterhin ganz relaxed dein Buch liest.
Um so öfter du dich daran erinnerst, umso tiefer wird die
Verknüpfung in deinem Gehirn und umso schneller konditionierst du dich
auf diese alternative Reaktion. Es lohnt sich also dieses Verhalten so oft
zu üben wie es geht. Wenn du z.B. Angst vor Hunden hast, dann kannst
du dich bewusst ein paar Mal nacheinander diesen kleinen Angst-
situationen aussetzen und dabei an diese Methode denken. Denk an das
Telefon wie es klingelt, du aber ganz ruhig und gelassen in deinem Stuhl
dein Buch weiterliest. Das Telefon klingelt, aber ich gehe nicht ran!

Konditionierte Reaktion verzögern

Das Ziel ist natürlich das Klingeln (dein Angstsignal) am Ende gar
nicht mehr zu beachten. Übrigens: Ein großes Missverständnis ist, dass
man glaubt, selbstbewusste Menschen hätten keine Angst. Ganz im
Gegenteil. Sie verspüren exakt das Gleiche wie du auch, nur reagieren sie
nicht auf den Reiz. Sie lassen das Telefon klingeln, hören gar nicht
großartig hin und machen einfach weiter!
Es geht also nicht darum das Klingeln irgendwie wegzukriegen (es
wird nicht weggehen - es wird höchstens leiser werden), sondern darum,
sich nicht davon beeindrucken zu lassen und weiterzumachen!
Am Anfang kann es nun schwierig sein, sich diesem oft schrillen
Alarmton zu widersetzen. Man fühlt sich gedrängt dem Impuls zu folgen
und sich aus der Situation so schnell wie möglich zurückzuziehen. An
dieser Stelle kommt eine weitere Taktik ins Spiel:
Verzögere deine Reaktion!

S e i t e | 124
Wenn du merkst, dass dein Angstgefühl dich übermannt, dann
versuche es so lange zu verzögern wie es geht. Damit unterbrichst du
dein konditioniertes Verhalten (der Angst entfiehen) und du kommst
deiner alternativen Verhaltensweise (die Angst akzeptieren aber
trotzdem weitermachen) ein Stück näher.
Sobald du also merkst, dass da etwas in dir aufsteigt, fange an auf 10
zu zählen. Sage dir: Egal was jetzt gerade ist, ich zähle jetzt auf zehn und
dann schau ich mal wie's danach aussieht. Mir kann in dieser Zeit gar
nichts passieren und jetzt fange ich einfach an. Eins.. Zwei.. Drei..
Übe beide Methoden so oft es geht. Im Alltag, in der Schule/
Uni/Arbeitsplatz, zu Hause, beim Bäcker, in der Straßenbahn etc. Stelle
dich deinen Ängsten wann du nur kannst. Fange dabei am besten mit
deinen kleinen Ängsten an und steigere dich langsam. Umso öfter du
dich darin übst, umso schneller wirst du resistent gegenüber deinen
inneren Alarmglocken werden!

Zusammenfassung

S e i t e | 125
Die drei Sekunden Regel

"Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es
nicht wagen, ist es schwer." — Seneca
Wenn ich dir nur einen Rat geben dürfte, wie man am besten damit
anfängt sein Selbstvertrauen aufzubauen, dann würde ich dir sagen:
Schau, dass du in Aktion kommst. Stell dich deinen Ängsten und fordere
dich selbst heraus. Konfrontiere das, was dir Angst macht und du wirst
feststellen, dass alles nur halb so wild ist. Im Hinterher hört man sich
dann oftmals selber sagen: “Das war ja jetzt überhaupt nicht schwierig,
wieso hab ich das nicht schon früher gemacht”.
Es ist wie beim ersten Mal vom 5 Meter Turm zu springen. Da hat
man am Anfang auch eine riesen Angst. Wenn man dann einmal
gesprungen ist, weiß man: es passiert überhaupt gar nichts. Nein, ganz
im Gegenteil: es macht sogar noch sau viel Spaß!
Die Krux liegt natürlich darin, dass man das vorher nicht weiß und
sich deshalb die wildesten Dinge im Kopf ausmalt. Wir Menschen sind
nämlich super darin, uns immer die schlimmsten und peinlichsten
Situationen vorzustellen. “Die werden mich alle auslachen”, “Ich werde
dastehen wie ein Idiot”, “Niemand wird mehr mit mir reden wollen” –
alles totaler Schwachsinn.
Diese ganzen Gedanken fnden nur in deinem Kopf statt und haben
nichts mit dem realen Leben zu tun!
Leider verlieren wir dadurch oftmals den Mut uns diesen Situationen
zu stellen und agieren so wie wir schon immer reagiert haben. Wir lassen
die Situation vorbei streichen, bleiben passiv, machen den Mund nicht
auf und alles bleibt so wie es schon immer war…
So etwas nennt man auch einen Teufelskreis.
Nämlich genau das, womit du dein Selbstvertrauen aufauen
würdest, machst du nicht, weil du Angst davor hast, dass evtl. eine
unangenehme Situation entstehen könnte. Dadurch stärkst du deine
Angst nur weiter und es wird immer schwieriger werden sich der Angst
zu stellen.

S e i t e | 126
3..2..1.. Los!
Darum mein Rat: sobald du in eine Situation kommst, die dir Angst
macht, gib dir selber maximal drei Sekunden und dann konfrontiere die
Angst. Denk nicht viel nach, was alles passieren könnte. Entscheide
innerhalb von drei Sekunden, dass du das jetzt machst. Kein wenn und
aber und überhaupt und soundso.
Es ist wie morgens aus dem Bett zu kommen. Entweder du stehst
sofort auf oder du fängst an in deinem Kopf nach Gründen zu suchen
warum du nicht noch 5 Minuten länger liegen bleiben kannst. Und was
dann passiert, wissen wir ja alle…
Also. Situation erkennen, maximal drei Sekunden Zeit, nicht
anfangen darüber nachzudenken, sondern einfach machen! Vereinbare
mit dir selber, dass du nur diese drei Sekunden hast, um dich der
Situation zu stellen. Wenn du es bis dahin nicht angepackt hast, darfst du
es nach den drei Sekunden auch nicht mehr anpacken!
Warum?
Ganz einfach. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass du es nächstes
Mal machst, denn du willst ja nicht ewig davon laufen, oder?
Du kannst es dir selber erleichtern, indem du dich einfach ganz
physikalisch in Bewegung bringst. Damit meine ich: wenn du z.B. mit
jemandem über etwas reden willst, das aber immer wieder vermeidest,
dann geh einfach nächstes Mal direkt auf ihn, zu wenn du ihn siehst.
Setze einen Fuß vor den anderen und laufe auf die Person zu. Denke
nicht nach. Bring einfach deine Füße in Bewegung und geh zielgerichtet
auf ihn/sie zu. Wenn dich die Person dann bemerkt, gibt's kein Zurück
mehr. Sag es, JETZT!
Mir hat die drei Sekunden Regel schon oft geholfen mich über meine
Ängste hinwegzusetzen. Das eigentlich kraftvolle an dieser Regel ist,
dass du nicht gleich wieder anfängst dir irgendwelche peinlichen
Momente auszumalen. Es bleibt dir so schlicht und einfach keine Zeit
nachzudenken. Du verhinderst damit diese tückischen Nachdenkphasen,
in denen du dir all deine irrationellen Ausreden konstruierst es doch
nicht zu tun!

S e i t e | 127
Also: 3..2..1.. JETZT!
Geh raus und konfrontiere deine Ängste! Dadurch wird sich dein
Selbstvertrauen Stück für Stück aufauen und du wirst dich in diesen
Situationen zunehmend selbstsicherer fühlen.
"Selbstvertrauen gewinnt man dadurch, daß man genau das tut,
wovor man Angst hat, und auf diese Weise eine Reihe von
erfolgreichen Erfahrungen sammelt." — Dale Carnegie
P.S: Wenn du es beim ersten Mal nicht gleich machst, verurteile dich
danach nicht selber. Damit würdest du dich nur selber ohrfeigen und das
bringt dich schließlich keinen Schritt weiter. Entschließe dich statt-
dessen dafür, es nächstes Mal wirklich zu machen, komme was wolle!

Zusammenfassung

S e i t e | 128
Die Vorher-Nachher Methode

"Im Leben gibt es etwas Schlimmeres als keinen Erfolg zu haben:


Das ist, nichts unternommen zu haben."
— Franklin Delano Roosevelt
Ich weiß gar nicht, wo ich vor lauter Vorfreude über diese Methode
zu schreiben anfangen soll. Vielleicht damit: Ohne diese Methode wäre
ich heute nicht wo ich jetzt bin, das ist sicher. Ihr habe ich einen Großteil
meiner persönlichen Entwicklung zu verdanken. Sie hat mich dazu
gedrungen, die wildesten Dinge zu tun, die ich mir vorher nicht mal in
meinen Träumen ausgemalt hätte.
Jetzt bist du bestimmt ganz neugierig geworden, was es damit auf
sich hat. Und ich will dich nicht lange auf die Folter spannen.

Verpfichte dich heute, mach's morgen

Bei der Vorher-Nachher Methode geht es darum, dass du dich im


Vorhinein (zu einem Zeitpunkt, an dem du noch nicht viel Mut brauchst)
zu etwas verpfichtest, das du im Nachhinein tun wirst. Du verschreibst
dich einer Sache, die in der Zukunft liegt, bevor sie richtig real erscheint
und bevor sie dir Angst machen könnte.
Ein Beispiel aus meinem Leben: Ich hatte die Möglichkeit in einer
Theatergruppe mitzumachen. Die Voraussetzung dafür war am Schluss
auch in einer Vorstellungen mitzumachen. Nach kurzem Überlegen
wurde mir klar, welch großartige Chance das war. Und da die Vorstellung
und das Publikum noch in weiter Ferne lag, dachte ich gar nicht groß
darüber nach und sagte einfach "ja". Das war die vielleicht beste
Entscheidung, die ich je in meinem Leben getrofen habe!
Nun hatte ich mich nämlich all meinen Mitspielern verpfichtet, nicht
nur zu den wöchentlichen Übungstrefen zu kommen (die am Anfang
auch herausfordernd waren), sondern am Schluss auch in einer
Vorstellung vor Publikum mitzuspielen.
Meine Mitspieler zählten nun auf mich. Ich hatte "ja" gesagt, also
musste ich auch kommen und mitmachen. Je näher die Vorstellung
rückte, umso größer wurde auch meine Angst. Ich hatte so was zuvor

S e i t e | 129
noch nie gemacht und hatte keine Erfahrungswerte wie das Ganze
ablaufen würde. Aber alle Gedankenmalereien waren eh egal, denn ich
hatte mich schließlich verpfichtet und jetzt gab es kein Zurück mehr.
Ich würde mitmachen (müssen), komme was wolle.

Wirkungsweise

Die Vorher-Nachher Methode baut also auf einem ganz einfachen


Prinzip auf. Du gibst eine Verpfichtung gegenüber Anderen (umso mehr,
umso besser) ab und sicherst dich damit selber ab, dass du nicht doch
noch in letzter Minute einen Rückzieher machst. Das machst du zu einem
Zeitpunkt, an dem es dir noch relativ leicht fällt, "ja" zu sagen. D.h., an
dem das Ereignis, das dir Angst macht, noch in unscheinbarer Ferne liegt.
Dieses Versprechen ist dann so stark, dass selbst deine ansteigende
Angst dich nicht mehr zur Umkehr bringen kann. Der soziale Druck, ins
kalte Wasser zu springen ist also größer als der Drang vor der Angst
davonzulaufen.
Das hört sich jetzt - im Vorhinein - vielleicht ein bisschen merkwürdig
an, ist aber - im Nachhinein - das Beste, was dir passieren kann. Denn du
willst dich deinen Ängsten ja irgendwann mal stellen, oder? Und genau
dafür ist diese Methode bestens geeignet.
Du kennst das doch sicherlich auch. Im Nachhinein ist man so
unendlich froh, dass man es doch gemacht hat! Man hat sich seiner
Angst gestellt und dabei herausgefunden, dass alles nur halb so schlimm
ist. "Warum hab ich das nur nicht schon früher gemacht", hört man sich
dann oft selbst sagen.
Es müssen auch nicht gleich die wildesten Dinge sein, zu denen du
dich verpfichtest. Du kannst auch einfach mal damit anfangen, zu all den
kleinen Dingen in deinem Leben "ja" zu sagen, zu denen du
normalerweise aus Refex gleich immer automatisch "nein" sagst.
Tipp: Wenn du gefragt wirst, denk nicht lang nach. Du weißt intuitiv,
dass es das Richtige für dich ist! Erinnere dich an die drei Sekunden Regel
und sag's einfach: "Ja, ich bin dabei"!

S e i t e | 130
Zusammenfassung

S e i t e | 131
8 Schritte zur Angstbewältigung

"Im Hafen ist ein Schif sicher, aber dafür ist es nicht gebaut."
— Seneca
1. Erkenne und akzeptiere deine Angst
Viele Menschen versuchen ihre Ängste zu unterdrücken oder
ganz zu vergessen. Das funktioniert leider nicht. Im Gegenteil,
es wirkt sich eher kontraproduktiv aus und macht die Angst
am Ende nur noch größer. Denn alles was irgendwie
unterdrückt wird, kommt irgendwann wieder an einer
anderen Stelle mit noch mehr Kraft heraus! Die Angst
anzuerkennen und zuzulassen ist also der erste Schritt zur
Befreiung. Lasse das Gefühl zu, dass sich da in deinem Bauch
formt. Sperre dich nicht dagegen. Akzeptiere es und
beobachte es ganz bewusst. Erst dann hast du die Chance
damit umzugehen.
2. Schreib deine Angst auf
Dadurch bringst du die Ängste von deinem Bauch aufs Papier
und damit ans Licht. Du externalisierst sie in schriftlicher
Form. Du machst sie eindeutig und klar. Jetzt stehen sie vor
dir auf dem Papier und jetzt hast du Kontrolle über sie. Oft ist
einem nämlich gar nicht richtig klar, was einem da so Angst
macht. Sind es die beobachtenden Blicke, der gefürchtete
Imageverlust, die Angst etwas Falsches zu sagen oder jemand
anderen zu enttäuschen? Was genau ist deine Angst? Vor
wie/was/wann/w0/wem/unter welchen Bedingungen hast du
Angst? Kannst du ein allgemeines Muster erkennen oder sind
die Ängste nur situationsbezogen? Defniere ganz genau was
dir Angst macht und warum.
3. Du bist nicht alleine, es geht jedem so
Mache dir erst mal folgendes klar: Du bist nicht der Einzige
auf diesem Planeten, der Ängste hat. Im Gegenteil, jeder hat
sie, nur will es keiner zugeben. Ich, du, dein Nachbar, dein
Freund und Arnold Schwarzenegger. Es geht allen gleich. Der
Unterschied liegt nur darin, wie die verschiedenen Personen

S e i t e | 132
damit umgehen. Sage dir also selber: "Es ist nichts falsch
daran, Ängste zu haben. Jeder hat sie und es kommt nur
darauf an, wie ich damit umgehe."
4. Frage dich selbst: Was ist das Schlimmste, das passieren
kann?
Oftmals denken wir, wir müssen sterben, wenn wir da vorne
vor den Anderen reden sollen. Wir Menschen sind super
darin, uns immer die wildesten Horrorszenarien auszumalen,
die absolut nichts mit der wirklichen Welt zu tun haben.
Nimm dir also mal ganz bewusst ein paar Minuten Zeit und
überlege dir: Was kann denn schon weltbewegendes
passieren? Wenn du mal ein bisschen nachdenkst, kommst du
wahrscheinlich auch zum Schluss: Es kann eigentlich gar
nichts Großes passieren. Mal angenommen, du bekommst
absolut kein Wort raus, für ganze fünf Minuten, du frierst
einfach ein und sagst nichts mehr? Na und? Du wirst trotzdem
weiterleben. Du wirst an dem Tag genauso wie an jedem
anderen auch wieder in deinem Bettlein einschlafen. Die
Zuschauer werden sich vielleicht ein bisschen gewundert
haben, aber nach einem halben Tag hat's dann auch schon
wieder jeder vergessen und es interessiert keinen mehr. Diese
ganzen Horrorszenarien, dass alle den Raum verlassen oder
dich auslachen, sind total irreal (so was gibt's höchstens in
irgendwelchen komischen Hollywoodflmen) und haben
nichts mit der wirklichen Welt zu tun. Und selbst in diesem
total fktiven Fall würdest du weiterleben und es würde sich
nichts Grundlegendes verändern. Du bleibst du und die Welt
dreht sich weiter. Also überleg dir mal ganz realistisch: Was
ist denn bitte schön das Schlimmste, das passieren kann?
5. Bereite dich vor und spiel die Situation im Geiste durch
Umso besser du vorbereitet bist, umso mehr Selbstvertrauen
wirst du an den Tag legen. Dieser Punkt hilft mir extrem,
wenn es darum geht, Vorträge zu halten. Ich kenne meine
Materie und muss mir darum schon mal keine Sorgen mehr
machen. Das ist also ein Punkt, den du selbst aktiv, durch
deine eigene Vorbereitung beeinfussen kannst. Nutze das!

S e i t e | 133
Wenn du z.B. einen Vortrag halten sollst, dann übe ihn zu
Hause vor dem Spiegel ein paarmal. Bereite dich auf die
Situation, die dir Angst bereitet, so gut es geht vor. Spiel sie in
deinem Geiste ein paarmal durch. Visualisiere wie du die
Situation mit Bravour bestehst und alles wunderbar abläuft.
6. Sei im Hier und Jetzt
Alle Ängste, die wir haben sind Ängste der Zukunft. Ängste,
die unser Kopf und unsere Imagination erzeugen. Sie sind
immer Projektionen in die Zukunft - was evtl. unter
Umständen passieren könnte und haben nichts mit der
Gegenwart zu tun. Versuche daher, deinen Fokus ganz
bewusst auf die Gegenwart zu lenken. Damit ziehst du deinen
selbst-gemachten Horrorszenarien den Stecker. Sie können in
der Gegenwart nicht überleben! Denke also nicht über
morgen und gestern nach, sondern nur über das, was da
gerade im Hier und Jetzt vor deiner Nasenspitze passiert.
Vergiss alles, was vielleicht, unter Umständen, möglicherweise
wenn dies oder jenes eintritt passieren könnte. Lenke all deine
Aufmerksamkeit auf die Gegenwart, auf den jetzigen
Augenblick.
7. Fang mit kleinen Schritten an und feiere jeden noch
kleineren Erfolg
Mache kleine Schritte, mach Babyschritte. Beispiel: Du hast
Angst vor anderen Leuten zu reden. Mein Vorschlag: Übe erst
mal daheim vor dem Spiegel alleine, nur für dich, ohne das dir
jemand zuhört. Dann rede vor deinem besten Freund oder
Familienmitglied. Danach rede vor mehreren guten Freunden
oder Familienmitglieder. Dann rede vor einem Bekannten.
Dann rede vor mehreren Bekannten. Dann rede vor einem
Bekannten und einem Unbekannten usw... Und danach nicht
vergessen: Sei stolz auf dich und feiere jeden kleinen Sieg.
Gönne dir etwas. Eine Kleinigkeit reicht schon aus. Belohne
dich selber für deinen Einsatz und deine Arbeit. Dadurch
verstärkst du deinen eigenen Antrieb es noch einmal zu tun
und du assoziierst unterbewusst ein positives Resultat damit.

S e i t e | 134
8. Mach's einfach! Konfrontiere die Angst, geh mitten durch!
Mach's so oft du kannst!
Der letzte Schritt. Mach's einfach! Du hast dich nun in sieben
Schritten optimal vorbereitet. Jetzt gibt es nur noch eins zu
tun. Stell dich der Situation! Du hast die ganze Vorbereitung ja
nicht umsonst gemacht. Nun willst du schließlich auch die
Früchte deiner Arbeit ernten! Geh also im Wissen los, dass du
dich bestmöglich vorbereitet hast. Mehr konntest du bis zu
diesem Zeitpunkt nicht tun. Geh jetzt los, und stell dich deiner
Angst. Denk dabei nicht all zu viel darüber nach, was alles
passieren könnte. Du kannst die Zukunft nicht vorhersehen
und es zieht dir nur unnötig Energie ab, wenn du dir darüber
Gedanken machst.

Noch ein Tipp: Wenn es soweit ist, atme bewusst in die


untere Bauchgegend und versuche so entspannt wie möglich
zu sein. Es ist physiologisch unmöglich, Angst zu haben, wenn
der Körper total entspannt ist!

Und dann: Mach's einfach! Und mach's danach wieder und


wieder, so oft du nur kannst. Umso öfter du dich deiner Angst
stellst, umso kleiner wird sie werden. Denn du wirst plötzlich
feststellen, dass alles nicht mal halb so schlimm ist, wie du es
dir in deinem Kopf vorher ständig ausgemalt hast. Wenn du's
dann ein paarmal gemacht hast, wird es von Mal zu Mal
leichter und leichter bis es am Schluss sogar zur Gewohnheit
wird, die Angst zu konfrontieren, anstatt ihr aus dem Weg zu
gehen (ich weiß, hört sich komisch an, ist aber so).

S e i t e | 135
Zusammenfassung

S e i t e | 136
Gedankentricks

S e i t e | 137
Man sollte vielleicht eigentlich... aber...
Entschieden Entscheiden

"Erfolg im Leben ist das Resultat von guten Entscheidungen.


Gute Entscheidungen sind meistens das Resultat von Erfahrungen.
Erfahrungen sind meistens das Resultat von schlechten
Entscheidungen.” — Tony Robbins
Ein großes Hindernis im Leben weiterzukommen ist der Fakt, dass es
uns Menschen schwer fällt, Entscheidungen zu trefen. Wir zögern lange,
versuchen alle Vor- und Nachteile abzuwägen nur um nach der
Entscheidung ständig darüber nachzudenken, ob der andere Weg
vielleicht nicht doch besser gewesen wäre. Das Schlimmste jedoch ist,
sich gar nicht zu Entscheiden und darauf zu warten, dass etwas
“passiert”.
Wir wollen ja keine Fehler machen und vergessen dabei total, dass
wir genau dadurch lernen! Wir jagen der Illusion nach, das Ergebnis und
die Zukunft durch langes Überlegen kontrollieren zu können, wollen
dabei gleichzeitig aber kein Risiko eingehen. Anstatt proaktiv zu
entscheiden und eine Veränderung herbeizuführen, bleiben wir oft
reglos stehen.
Ich will dir hier eine neue Denkweise anbieten. Anstatt die
Entscheidung in einen “Verlierer-” und “Gewinnerweg” (Ich habe mich
“falsch”/”richtig” entschieden) zu unterteilen, fnde in beiden Wegen
den Gewinn. Sehe es mal so: Du entscheidest dich in jedem Augenblick,
deinem Wissensstand entsprechend, immer für die deiner Meinung nach
beste Lösung. Führt die Entscheidung dann nicht zum gewünschten
Ergebnis, hast du auf dem Weg wertvolle Dinge gelernt und kannst dich
nun neu entscheiden.

S e i t e | 138
Es gibt keine "falschen" Entscheidungen

In unserer Gesellschaft soll man ja keine Fehler machen. Alles soll


perfekt sein. Bloß nie Schwäche zeigen oder etwas Unkonventionelles
ausprobieren. Man könnte ja beim Versuch hinfallen. "Überlege dir bloß
gut, wofür du dich entscheidest". Und wehe dir, du fällst die falsche
Entscheidung...
Dabei vergisst man total, dass man genau dadurch am meisten lernt!

"Fehler" machen ist essentiell, wenn du weiterkommen will!

Wenn du nie neue Dinge ausprobierst und damit das Risiko "Fehler"
zu machen in Kauf nimmst, wird es auch keine neuen Erfahrungen und
dementsprechend keine Weiterentwicklung geben.

Es gilt: Es gibt keine "Fehler", nur Feedback. Du entscheidest dich in


jedem Moment richtig und deines Wissensstandes entsprechend.
Wenn die Entscheidung dann nicht zum gewünschten Ziel führt,
dann nutze diese wertvolle Information, um dich nun erneut, mit
neuem Hintergrundwissen zu entscheiden.

Sieh die Vorteile

Viele machen sich das Entscheiden selber schwer, in dem sie die
potentiellen negativen Folgen der verschiedenen Wege gegeneinander
aufwiegen, anstatt sich auf die positiven Aspekte zu konzentrieren.
Versuche dir also bei einer anstehenden Entscheidung immer die
positiven Aspekten des jeweiligen Weges vor Augen zu halten. Was
verbessert sich, wenn ich mich so entscheide? Welche Vorteile
beherbergt dieser Weg, was bringt mit der andere Weg? Welcher
versteckte Gewinn könnte in den verschiedenen Optionen liegen?
Welche neuen Möglichkeiten ergeben sich?
Wenn du dich auf die negativen Konsequenzen konzentrierst, dann
siehst du auf beiden Seiten des Entscheidungspfades nur die
unerwünschten Folgen. Das führt dann dazu, dass du fühlst, du müsstest
zwischen "schlecht" und "noch schlechter" entscheiden. Ich muss wohl

S e i t e | 139
nicht dazu sagen, dass du dich mit dieser inneren Einstellung selber
lähmst und dadurch in den meisten Fällen im regungslosen "Abwarte
Modus" verharrst. Und was dann passiert ist ganz einfach:

Andere entscheiden über dich

"Wer sich nicht entscheiden kann, muss die Folgen der


Entscheidungen hinnehmen, die andere für ihn trefen.“
Auch wenn du denkst, du entscheidest dich jetzt mal lieber nicht und
schaust was kommt, dann entscheidest du dich auch hier auf eine
gewisse Art und Weise. Und zwar fürs passive Abwarten und "mal
schauen was kommt". Was dann passiert ist meist nicht besonders
angenehm: Jemand anders oder die Umstände nehmen dir die
Entscheidung ab / entscheiden über dich - und das muss nicht immer in
deinem besten Interesse sein!
Wenn du also auch eher so ein "Abwarter" bist (hey, ich kenn das nur
zu gut), dann ist jetzt die Zeit gekommen, deine Entscheidungen und
dein Leben in die eigene Hand zu nehmen und bewusst anzufangen
Entscheidungen zu fällen.
Wie, die Entscheidung ist zu schwierig und du hast Angst dich zu
entscheiden und bleibst lieber reglos stehen?
Ok gut, dann darfst du dich aber bitte schön auch nicht beklagen,
wenn am Ende jemand anders daherkommt, der dir die Richtung vorgibt!

Deine derzeitige Lebenssituation ist die Summe deiner vergangenen


Entscheidungen

"Der heutige Tag ist die Frucht deiner Aktionen von gestern.
Um deine Zukunf zu verändern,
verändere deine Entscheidungen von heute.”
Wenn du also die Zukunft nach deinen Wünschen gestalten willst,
dann übernehme die Verantwortung für dein Leben, und fang jetzt damit
an, deine Entscheidungen bewusst zu trefen. Warte nicht ab, bis
irgendetwas passiert oder im schlimmsten Fall jemand anders über dich
entscheidet.

S e i t e | 140
Besorge dir die nötigen Informationen - wenn du dich unsicher
fühlst, hole dir noch den Rat eines guten Freundes - dann gönne dir eine
kleine Nachdenkphase und dann entscheide dich für eine Option! Du
kannst dabei gar nichts falsch machen oder verlieren. Im Gegenteil, du
kannst nur gewinnen (denn eine Entscheidung kommt über kurz oder
lang so oder so - die Frage ist nur: Wer fällt sie. Du selber oder jemand
anders).

Es gibt im Leben keine "richtigen" oder "falschen" Entscheidungen.


Nach einer Zeit des Überlegens ist aber jede Entscheidung besser als
gar keine!

Zusammenfassung

S e i t e | 141
Dem inneren Kritiker das Handwerk legen

"Achte dich selbst, wenn du wilst, dass andere dich achten solen!”
— Adolph Freiherr Knige
Dein Selbstbewusstsein hängt stark davon ab, wie du von dir selber
denkst (das hat auch wieder mit deinem Selbstbild zu tun). Welche
inneren Monologe du tagtäglich mit dir selber führst und von welcher
Art diese Gespräche sind.
Du kennst das sicherlich selber. Perioden, in denen du dich selber
runtermachst, in denen du dir immer und immer wieder selbst einbläust:
"Ich bin schlecht", "Dies und jenes hab ich verbockt", "Ich werde nie gut
vor anderen reden können", "Immer mache ich etwas falsch" usw. Es
sollte einen nicht stark verwundern, dass dieses wiederholte negative
Geplapper das Selbstbewusstsein in den Keller sinken lässt.
Im Gegenteil zu den Perioden, wo man sich die positiven Dinge des
Lebens vor Augen hält, sich einmal wieder darauf besinnt, was man
schon alles erreicht hat im Leben. Plötzlich scheinen die Dinge wieder
leicht zu gehen. Vorher noch überwältigende Probleme werden zu
machbaren Herausforderungen.
Deine inneren Monologe, die Geschichten, die du dir tagtäglich
immer und immer wieder aufs Neue selbst erzählst, sind also maßgeblich
daran beteiligt, wie du dich fühlst und was für ein Energielevel du an den
Tag legst.

Den Haupt-Energieräuber unschädlich machen

"Die größte Entscheidung deines Lebens liegt darin, dass du dein


Leben ändern kannst, indem du deine Geisteshaltung änderst”
— Albert Schweitzer
Es gibt viele Energieräuber. Stressige Jobs, nervige Verpfichtungen,
aufreibende Beziehungen. Der größte Energieräuber aber steckt tief in
dir drin. Es ist dein innerer Kritiker. Diese negative innere Stimme, die
dich bei allem misstrauisch beobachtet und nur darauf wartet, dass du
einen Fehler machst, um dir danach ordentlich eins auszuwischen.

S e i t e | 142
Diesem inneren Kritiker gilt es jetzt das Handwerk zu legen und ihn
durch eine positive, freundliche und aufmunternde Stimme zu ersetzen.
Dieser Prozess erfolgt in drei Schritten.
1. Werde dir deines Kritikers bewusst
2. Höre zu, was dir der Kritiker vorwirft
3. Schalte auf das "Lebe positiv" Programm um

Werde dir deines Kritikers bewusst

Der erste Schritt zur Veränderung: Bewusst-sein. Du musst dir deinen


inneren Kritiker erst mal bewusst machen, du musst ihn ans Tageslicht
deines Bewusstseins befördern, bevor du ihn unschädlich machen
kannst. Höre also tagsüber ganz bewusst in dich hinein und schau, was
für Geschichten du dir (über dich selber) erzählst. Du musst dabei
extrem wachsam sein. Der innere Kritiker ist sehr subtil und man erkennt
ihn oft erst nach sehr genauem Hinhören. Es gibt aber ein paar
Merkmale, durch die du ihn sofort erkennen kannst. Dazu gehören:
Schwarz / weiß Malerei. Unser innerer Kritiker liebt das Extreme.
Das Alles-oder-Nichts Denken. Für ihn gibt es nur Sieger oder
komplette Verlierer, Mittelstufen gibt es nicht. Beispiel: "Ich bin
ein totaler Versager". Wenn du auf solche Extreme stößt, dann ist
Vorsicht geboten. Jetzt gilt es genau zuzuhören, was er dir da
vorwirft.
Wenn wir uns nochmal das Beispiel von vorher hernehmen, dann
frage dich: Entspricht das den Tatsachen? Du kannst doch nicht
überall ein Versager sein! Du hast vielleicht in dieser einen Sache
nicht perfekt abgeschnitten, aber das macht dich doch nicht
automatisch zum totalen Versager der noch nie etwas
hinbekommen hat in seinem Leben. Außerdem hast du sicherlich
dein Bestes gegeben und mehr konntest du nicht tun. Nun gut,
du hast vielleicht einen “Fehler“ gemacht, aber den macht
schließlich jeder mal. Es ist also total schwachsinnig sich
deswegen runterziehen zu lassen.

S e i t e | 143
Übertriebene Verallgemeinerungen. "Ich werde immer Angst
haben, wenn ich vor anderen reden soll", "Ich werde nie gut
singen können". Sobald du Wörter wie "immer" oder "nie"
entdeckst, gilt es auch hier aufzupassen. Höchstwahrscheinlich ist
dein innerer Kritiker am Werk, der dir gerade eine übertriebene
Verallgemeinerung an den Kopf wirft. Wenn so etwas auftritt,
dann frage dich selber: Woher will der das denn wissen? Woher
will der denn schon wissen, dass ich mein ganzes Leben lang
Angst haben werde, wenn ich vor anderen reden muss? Woher
will der wissen, dass ich nie zu einem guten Sänger werde? Kann
er in die Zukunft schauen? Wohl kaum. Woher soll er das alles also
bitte wissen? Die Zukunft und meine Entwicklung kann niemand
vorhersagen und daher ist es total unrealistisch solche Aussagen
zu machen. Außerdem bin ich mir sicher, dass meine Redeangst
nach zwei Wochen intensiven Trainings um einiges reduziert ist!
Pass also auf bei diesen "immer" und "nie" Sätzen. Sie sind
Verallgemeinerungen und nehmen für sich in Anspruch, die
Zukunft vorhersagen zu können. Das kann niemand - nicht mal
dein ach-so-schlauer Kritiker - und darum kannst du diese
Aussagen getrost wieder vergessen!
Eingeengte Wahrnehmung. "Das ganze Ding war ein Desaster".
Du hast ein tolles Projekt abgeliefert nur die letzte Seite hatte
zwei Rechtschreibfehler. Sofort kommt dein Kritiker daher
gerannt und macht dich runter. Das ganze Projekt war schlecht,
schreit er dir ins Ohr.
Diese einengende Wahrnehmungstaktik ist ziemlich subtil und es
kann schwer sein, den Kritiker hinter all dem Gedankendickicht zu
erkennen. Schau also genau hin. Stell diese Anschuldigungen auf
den Prüfstand. Ist das real? Ist das eine Tatsache? Wer sagt das
noch? Ist das alles so grausam wie er das sagt?
Vergleich mit anderen. Ich hab es vorher schon mal an-
gesprochen und will es hier noch mal erwähnen, weil dieses
“sich-mit-anderen“ vergleichen sehr unterschwellig sein kann und
man genau hinschauen muss, um dieses Muster zu erkennen.
Sobald du dich so etwas sagen hörst wie: "Der Andere kann alles

S e i t e | 144
besser", "Der macht alles richtig, ich mach alles falsch" oder du
ein äquivalentes Gefühl bekommst, dann gilt es auch wieder
einen Moment inne zu halten und dir bewusst zu werden, dass
der Kritiker am Werk ist. Dann sage dir selber: Wer sagt denn
überhaupt, dass jemand besser ist, nur weil er etwas besser
kann/tut. Macht ihn das irgendwie zu einem besseren Menschen?
Ich bin doch vollkommen ok so wie ich bin.
Außerdem kann ich mich gar nicht mit dem Anderen vergleichen.
Wir sind beide total verschieden aufgewachsen, haben
unterschiedliche Erfahrungen gemacht, andere Talente
entwickelt, hatten andere Ressourcen zur Verfügung und wurden
von anderen Menschen beeinfusst. Ich kann mich also gar nicht
mit anderen vergleichen. Das wäre, wie wenn man Äpfel mit
Birnen vergleicht, das geht auch nicht. Hau also bei diesen
Vergleichen mit anderen sofort die Handbremse rein und mache
dir bewusst, dass du dich gar nicht mit anderen vergleichen
kannst. Mache dir bewusst, dass du toll bist so wie du bist, mit
deiner einmaligen Geschichte und dem, was du aus deinem Leben
gemacht hast.
Messen mit zweierlei Mass. Wir selber sind unsere größten
Kritiker. Wir beobachten und kritisieren niemanden so scharf wie
uns selbst. Wenn jemand anders einen Fehler macht, alles halb so
wild. Wenn du aber selber einen Fehler machst, kommt der
Kritiker mit 200 km/h angedüst und veranstaltet den halben
Weltuntergang in deinem Kopf. Versuche also deine "Fehler" (es
gibt genau genommen gar keine Fehler, nur Feedback, du
erinnerst dich...) im korrekten Licht zu sehen. Wie würdest du
jemand anderen beurteilen, wenn er das gemacht hätte, was du
gemacht hast?
Das waren die fünf wichtigsten Merkmale des Kritikers. Versuche
nun also deine innere kritischen Stimme anhand dieser Merkmale zu
identifzieren und bewusst zu werden. Denn erst wenn du ihr bewusst
bist, kannst du auch etwas dagegen unternehmen.

S e i t e | 145
Höre zu, was dir der Kritiker vorwirft

Den zweiten Schritt habe ich in den unterschiedlichen Fällen ja schon


angesprochen. Es geht immer darum, dich zu fragen, ob das überhaupt
der Wahrheit entspricht, was der Kritiker dir da vorwirft. Hier sind noch
ein paar nützliche Fragen, die dir dabei helfen können, die Wahrheit über
diese Aussagen ans Licht zu bringen. Frage dich:
Ist das überhaupt real? Stimmt das? Welche Indizien gibt es dafür?
Wer sagt das noch? Wenn ich mir mal 2 Sekunden Zeit nehme und einen
tiefen Atemzug nehme, wie denke ich dann darüber? Welche realen
Beweise gibt es und ist es wirklich so schlimm, wie diese fese Stimme es
mir weiß machen will?
Dieser innere Kritiker kann ganz schön hartnäckig sein. Kein Wunder,
du hast ihn auch über all die Jahre jeden Tag aufs Neue gefüttert und ihm
allen Freiraum gegeben. Damit ist jetzt aber Schluss. Denn ab heute
hörst du zwar noch zu, was er zu sagen hat, aber dann schaltest du auf
dein neues "Lebe positiv" Programm um und lässt dich von ihm nicht
mehr runterziehen.

Schalte auf das "Lebe positiv" Programm um

Der letzte Schritt um den Kritiker unschädlich zu machen ist auf dein
neues "Lebe Positiv" Programm umzuschalten. D.h., es geht nicht darum
die Kritikerstimme in deinem Kopf komplett zum Verschwinden zu
bringen (das ist sehr schwierig und kann ein Leben lang dauern),
sondern sie vielmehr auf lautlos zu schalten. Du hörst dir an, was sie zu
sagen hat, schaltest sie dann auf stumm und bildest dir deine eigene
Meinung über die Situation.
Sobald du dir also bewusst gemacht hast, was der Kritiker dir da
gerade vorgeworfen hat, sage zu dir selber: "Alles klar, wunderbar, du
hast jetzt ausgeredet und jetzt schalte ich auf mein ich-bin-toll-so-wie-
ich-bin Programm um, denn ich bin hier der Programmdirektor und ich
sag hier was läuft"!
Fokussiere deine Gedanken dann bewusst auf die positiven Dinge in
deinem Leben und die tollen Sachen in deiner Situation. Komme zurück

S e i t e | 146
ins Hier und Jetzt und fokussiere dich ganz auf diesen einmaligen
Augenblick. Nimm ein paar tiefe Atemzüge und realisiere, dass die
Vorwürfe deines Kritikers jeglicher Substanz entbehren und einer
kritischen Prüfung nicht standhalten.

Nochmal zur Erinnerung, die drei Schritte um dem inneren Kritiker


das Handwerk zu legen:

1. Werde dir deines Kritikers bewusst


2. Höre zu, was dir der Kritiker vorwirft
3. Schalte auf das "Lebe positiv" Programm um

Zusammenfassung

S e i t e | 147
Selbst gemachte Sieger

"Im Leben gibt es etwas Schlimmeres als keinen Erfolg zu haben:


Das ist, nichts unternommen zu haben.”
— Franklin Delano Roosevelt
Wir leben in einer Gesellschaft, in der nur Sieger zählen. Der zweite
Platz? Nicht erwähnenswert. Die Medien zeigen ausschließlich Bilder
vom glücklichen Gewinner. Wie er die Trophäe in den Himmel streckt
und ihm die angesammelte Menge zujubelt. Doch was ist mit der
Silbermedaille? Dem Zweitbesten im Tournament, den in manchen Fällen
nur eine halbe Sekunde vom höchsten Treppchen trennt? Warum wird
der nie gezeigt?
Die Medienindustrie gaukelt dir perfekte Bilder vor. Vom perfekten
Menschen ohne Fehler. Vom strahlenden Gewinner mit dem breiten
Lächeln. Platz zwei wird nicht mehr gezeigt. Der soll mal lieber noch ne
Runde üben gehen.
Warum ist das so?
Überleg mal was passieren würde, wenn sich die Menschen plötzlich
so akzeptieren würden, wie sie sind? Wenn es keinen Drang mehr gäbe,
zur ständigen Perfektion, zum Beeindrucken, zum Aufallen? Wenn es
O.K. wäre den zweiten Platz zu machen. Ja, wenn alleine das Antreten
zum Tournament schon als Sieg angesehen werden würde.

Die Werbung braucht dich, als imperfekten Verbraucher

Wer bräuchte dann noch all die Schönheitsprodukte (die dich zum
Schönsten aller Menschen machen, genauso wie du sie im Fernsehen
jeden Tag sieht), all die super duper Pro Golfschläger (mit denen du
garantiert die Nummer 1 im nächsten Tournier wirst – das sagt jedenfalls
Tiger Woods in der Werbung), all die Externalitäten, mit denen dir
vorgegaukelt wird, dass du durch sie automatisch zum Sieger mutierst?
Die Marketingindustrie (miss)braucht diese perfekten Bilder. Und sie
brauchen auch dich, der sich selbst nie genug ist. Dich, den imperfekten
Verbraucher. Sie wecken in dir Bedarf für etwas, dass du eigentlich gar
nicht brauchst. Dazu zeigen sie dir all diese strahlenden Sieger und

S e i t e | 148
danach gleich die Werbung – du kannst einer von Ihnen werden. Kaufe
dazu einfach jetzt unser Produkt für einmalig 99,99€!
Die ganze Werbeindustrie funktioniert nur, weil du dir selbst nie
genug bist. Nie genug sein kannst, denn es wird dir ja ständig unter die
Nase gehalten wie echte Gewinner, echte Sieger des Lebens aussehen.
Wie kann man sich da schon mit Platz zwei zufrieden geben?

Du bist ein Gewinner einfach nur, weil du antrittst

Hier kommt mein Gedankengang dazu: Egal was du machst, einfach


nur der Fakt, dass du antrittst, macht dich zum Sieger! Du bist ein Sieger,
ein Gewinner des Lebens, einfach nur weil du dich der Herausforderung
stellst. Es ist egal wie die Dinge danach ablaufen. Es gibt gar kein
Verlieren. Es gilt:

Manchmal gewinnst du, und manchmal lernst du.

Egal was passiert, du hast dich der Aufgabe gestellt, was viele
andere nicht gemacht haben. Alleine dieser Fakt macht dich zum
Gewinner. Wenn es dann nicht ganz optimal läuft, lernst du auf jeden Fall
etwas dazu, fürs nächste Mal.
Vergiss all die strahlenden Sieger, die jubelnde Menge und die ganze
Werbung, die dir das perfekte Leben vorgaukeln.

Sehe dich selbst als Gewinner, einfach nur weil du angetreten bist
und du wirst nie wieder eine Niederlage einstecken müssen!

Zusammenfassung

S e i t e | 149
Dein persönlicher Ruheraum

"Verbringe jeden Tag einige Zeit mit dir selbst."


— Chinesische Weisheit
Wir leben in einer extrem stimulierenden Welt. An jeder Ecke
fimmert es, Musik ertönt beim Einkaufen, mechanische Litfasssäulen
drehen Werbebanner und im Internet blinken personalisierte Angebote
über den Bildschirm. Wir werden bombardiert mit Informationen und
Nachrichten. Alles geht schnell und ist schnelllebig. Was gestern noch
galt, gilt schon heute nicht mehr.
In dieser Umgebung der Reizüberfutung ist es schwierig, sich auf
sich selbst zu konzentrieren.
Mit der Anzahl der steigenden Stimuli die tag-täglich auf uns
einprasseln, steigt auch das Stress-level. Wir kommen schlichtweg nicht
mehr mit. Wir können diese ganzen Eindrücke und Auforderungen gar
nicht mehr verarbeiten. Dazu kommen dann noch die ständig
klingelnden Telefone im Büro, die fackernden Neonlichter im
Supermarkt und die nervige Werbung.
Um dieser Krankheit der modernen Gesellschaft entgegenzuwirken,
ist es wichtig, dass du dir jeden Tag Zeit nimmst. Zeit für dich selber. Um
in dich zu gehen und all den Lärm, der dich normalerweise umgibt,
bewusst abzuschalten. Am besten du fängst hiermit an:

Baue dir deinen mentalen Ruheraum

Baue dir einen kleinen Ruheraum in deinen Kopf, in dem dich nichts
und niemand stören kann. In ihm ist es ganz still und friedlich. Niemand
anders kommt dort hinein. Nur du. Alle Sorgen, Spannungen, Stress,
nervige Mitmenschen oder Erwartungen müssen draußen bleiben. Sie
haben keinen Eintritt.
Mach die Augen zu und stelle dir diesen Raum so detailliert wie
möglich vor. Statte den Raum nach deinen Wünschen und Vorlieben aus.
Benutze Elemente, die für Ruhe und Gleichgewicht sorgen. Vielleicht
hast du eine wundervolle Berglandschaft darin, mit friedlich dahin-
trabenden Kühen und einem leichten, erfrischenden Sommerwind. Mit

S e i t e | 150
saftig grünen Wiesen und einem kleinen Bach, der vorbeifießt und
einem beruhigenden, blauen Himmel.
Du kannst aber auch einen ganz normalen Raum bauen. Streiche die
Wände mit einer hellen, sanften Farbe. Möbliere das Zimmer mit ein paar
wenigen Elementen. Halte es einfach und simpel. Wenn dir Bilder
gefallen, dann kannst du auch ein paar davon aufängen. Mach ein
kleines Fenster hinein, durch das du den Strand und das Meer sehen
kannst. Du siehst die Wellen aber du kannst sie nicht hören. Denn in
deinem Raum ist es ganz still und leise, entspannend und ruhig.
Baue ihn so, als würdest du ihn im echten Leben bauen. Wie würde
er in echt aussehen? Gib acht auf jedes kleine Detail. Mach ihn zu deinem
persönlichen Entspannungsraum.

Mach mal Urlaub: Ziehe dich in deinen Ruheraum zurück

Wann immer du tagsüber ein bisschen Zeit hast, auf der


morgendlichen Busfahrt zur Arbeit, in der Mittagspause, zwischen zwei
Trefen, nimm dir diese Zeit und ziehe dich in deinen persönlichen
Ruheraum zurück. Wenn du bemerkst, dass du gestresst bist oder du
dich von all den externen Reizen überwältigt fühlst, mach es zur
Gewohnheit, für ein paar Minuten in deinen Ruheraum zurückzukehren.
Sage bewusst zu dir selber: "Ich gehe jetzt ein bisschen ausruhen, in
meinen Ruheraum."
Schließe die Augen und stell dir deinen Ruheraum vor. Sie dich selbst,
wie du die Stufen zu ihm hochgehst und sage dir dabei selber: "Ich gehe
die Stufen hoch - jetzt mache ich die Türe auf - und jetzt bin ich
hineingegangen". Achte dann auf all die beruhigenden Details in deinem
Raum. Setze oder lege dich irgendwohin, wo du dich gut entspannen
kannst und lass alles von dir abfallen. Dein Raum ist sicher, es kann dir
nichts passieren und es kann auch niemand anders hineinkommen. Es
gibt nichts, worüber du dir Sorgen machen brauchst. Du hast nämlich
alle Sorgen und den ganzen Stress vor der Türe abgelegt. Du musst auch
keine Entscheidungen fällen und du hast keine Eile - es gibt nichts, was
dich stört.

S e i t e | 151
Meditiere

"Of sind es gut genutzte Mußestunden, in welchen der Mensch das


Tor zu einer neuen Welt fndet." — George M. Adams
Meditation ist der ultimative Weg, um sich selbst bewusst zu
werden. Denn genau das machst du, wenn du einfach nur hin sitzt, die
Augen schließt und in dich hineinhörst. Du wirst zum bewussten
Beobachter deiner selbst, deines Körpers und deiner Gefühle.
Du wirst dich vielleicht fragen, was dir das bringen soll, einfach nur
hinzusitzen, die Augen zu schließen und an nichts zu denken. Dadurch
verändert sich doch nichts, oder? Ich habe mich das damals auch gefragt,
als mir ein guter Freund empfohlen hatte, es einmal auszuprobieren. Wie
bei allem anderen gilt hier auch: Sei ofen für neues und probier's aus!
Mittlerweile habe ich ein Stückchen Meditation in meinen Alltag
eingebaut und ich kann gar nicht in Worten beschreiben, welche Vorzüge
dieses tägliche In-sich-gehen mit sich bringt. Ich habe mehr Energie,
atme tiefer, bin mehr mit der Welt und meinen Mitmenschen verbunden.
Ich lebe bewusster, bin aufmerksamer und generell gelassener
gegenüber den Herausforderungen des Lebens. Ich verarbeite
Niederschläge besser und mein Angstlevel gegenüber neuen
Herausforderungen ist sehr viel geringer. Ich bin besser geerdet als zu-
vor und lasse mich nicht mehr so schnell aus dem Gleichgewicht bringen.
Das Gleiche wünsche ich mir auch für dich! Fange also am besten
noch heute damit an.

Zusammenfassung

S e i t e | 152
Bonus

S e i t e | 153
Wie man zum Frühaufsteher wird

"Morgenstund hat Gold im Mund." — Sprichwort


Im Laufe meiner Persönlichkeitsentwicklung habe ich einige
Experimente unternommen, um morgens früher aus dem Bett zu
kommen. Ich habe gefühlt so ziemlich alles zum Thema gelesen und jede
Weisheit, die man da draußen fnden kann, ausprobiert. In den meisten
Fällen funktionierten die beschriebenen Techniken zwar für ein paar
Tage, aber am Ende fel ich doch immer wieder in meine alten Muster
zurück und alle guten Vorsätze waren dahin.
Irgendwann, als ich schon kurz davor war mich damit abzufnden,
dass ich es einfach mein ganzes Leben schwer haben würde morgens
aufzustehen, kam mir die erleuchtende Frage:

Warum willst du eigentlich aufstehen? Was ist dein Beweggrund?

Plötzlich ging es mir auf. Der Grund dafür, dass ich morgens nicht aus
dem Bett kam, war ganz einfach.
Ich hatte keinen triftigen Grund! Kein Motiv, kein Ziel.
Ich hatte absolut keine Ahnung wofür ich da jeden Tag um 5 Uhr früh
aufstehen sollte. Und so lange ich mir darüber nicht im Klaren war, war
es eine total natürliche und logische Reaktion meines Körpers, den
Wecker abzuschalten und sich wieder ins Bett zu legen.
Das ist also der wertvollste Tipp, den ich dir hier geben kann. Mache
dir klipp und klar, warum du früher aufstehen willst. Was willst du in
diesen neugewonnenen Stunden tun? Warum willst du das tun? Warum
willst du das am Morgen tun und nicht am Abend? Warum ist es
geradezu ein absolutes MUSS für dich früh aufzustehen?
Wenn du dir dessen vollkommen bewusst bist, dann hast du den
goldenen Gral des Frühaufstehers entdeckt.
Je eingängiger du dir das, wofür du da jeden Morgen aufstehen
willst, machen kannst, desto leichter wird es werden. Es hilft dabei
natürlich extrem, wenn dir das, was du vor hast, auch Spaß macht. Denn
wer steht schon gerne für etwas auf, auf das er keine Lust hat?

S e i t e | 154
Aber auch für diesen Fall gibt es ein paar hilfreiche Tricks, die dir
helfen können, das Schlafmonster zu bewältigen.
In Kombination mit deinem triftigen Grund machen sie dich in null
Komma Nix zum frisch-erquickten Frühaufsteher.
Viel Spaß beim Ausprobieren!
Stelle deinen Wecker ans andere Ende des Zimmers
Wenn du deinen Wecker direkt neben dem Bett hast, dann stell
ihn von jetzt an ans andere Ende des Zimmers. Damit stellst du
sicher, dass du auf jeden Fall aufstehst und dich in Bewegung
bringst, auch wenn's nur wenige Meter sind. Diese kurze Phase
kann schon über Sieg oder Niederlage im Kampf gegen das
Schlafmonster entscheiden.
Noch besser ist es, den Wecker irgendwohin zu stellen, wo er
noch schwieriger zu erreichen ist, so dass du noch mehr
physischen Aufwand betreiben musst um ihn auszuschalten.
Stelle ihn z.B. auf den Schrank, wo du nur mit einem Stuhl
hinkommst oder unter eine Schublade, wo du hinknien musst um
ihn hervorzuholen. Je aktiver du in dieser kritischen Phase bist,
umso wacher wirst du und umso wahrscheinlicher ist es, dass du
von dort nicht mehr den Weg zurück ins Bett antrittst. Umso
wacher du wirst, umso weniger attraktiv sieht dein Bettlein aus.
Mach den Schlummerknopf unbrauchbar
Falls du dir bald einen neuen Wecker kaufen solltest, kauf dir
einen ohne Schlummerknopf. Der Schlummerknopf bezweckt
absolut nichts Sinnvolles. Umso öfter man ihn drückt, umso mehr
regt man sich darüber auf, dass der Wecker doch wieder klingelt
und umso schlechter fühlt man sich, wenn man dann nach
geschätzten 15 Versuchen irgendwann aufsteht.
Die "ich wach aber lieber langsam auf" Lüge kannst du dir auch
sparen. Entweder du stehst auf, oder du bleibst liegen und
schläfst weiter.

Wenn dein Wecker einen Schlummerknopf hat, dann mache ihn


irgendwie unbrauchbar, indem du ihn zuklebst oder ganz
abmontierst!

S e i t e | 155
Gewöhne dir eine Routine an
Sobald du den Wecker ausgeschalten hast, musst du in eine
vordefnierte Routine übergehen. Du solltest dabei nicht viel
überlegen müssen. Die Routine muss einfach sein und ein paar
mal einstudiert werden, damit sie morgens füssig abläuft. Mach
dir also eine Routine zurecht und studiere sie tagsüber ein paar
mal ein. D.h. lege dich für 5 Minuten ins Bett, dann stehe auf, tu
so als würdest du den Wecker ausmachen und geh direkt in die
Routine über. Übe das 10 mal nacheinander bis du wirklich nicht
mehr viel nachdenken musst was zu tun ist.
Meine Routine sieht so aus: Wecker ausmachen, Türe aufmachen,
in die Küche laufen, Glas Wasser trinken, strecken. Die Routine
muss wie im Schlaf funktionieren, so als ob dein Körper und deine
Beine alles von alleine machen. Wenn du merkst, dass du noch
über deine Routine nachdenkst, während du sie machst, dann ist
sie noch nicht tief genug verankert. Übe sie noch ein paar mal.
Das Ganze hat folgenden Grund: Wenn du morgens aufstehst, ist
dein Kopf vernebelt. Du kannst noch nicht klar denken und
urteilst nicht bewusst. Du bist schlaftrunken und fällst nicht
gerade die besten Entscheidungen. Wenn du jetzt keinen starken
Grund hast, warum du aufstehen sollst, wird sich dein Kopf
einfach sagen: "Gibt eh nichts Wichtiges zu tun, geh ich mal lieber
wieder zurück ins Bett". Um diese Phase des Vernebelt-seins zu
überbrücken, brauchst du diese Routine. Dein Körper und deine
Füße müssen wie automatisch loslaufen, ohne dass dein Geist
Widerspruch einlegen kann. Sobald du dann mal für fünf Minuten
wach bist, ist auch dein Geist einigermassen klar und du wirst gar
nicht mehr ins Bett zurückwollen (vorausgesetzt natürlich, du
weißt, was du jetzt in diesen frühen Morgenstunden tun willst).
Gönne dir Ruhe bevor du ins Bett gehst
Schau nicht noch irgendwelche Action-Filme an bevor du ins Bett
gehst. Lass den Fernseher am besten ganz aus. Gönne dir selber
eine viertel Stunde bevor du ins Bett gehst, um all deinen Ballast,
den du über den Tag hinweg angesammelt hast, abzuwerfen. Am
besten ist es, du meditierst in dieser Zeit mit geschlossenen
Augen und lässt einfach alles abfallen, was dich gerade

S e i t e | 156
beschäftigt. Sage dir: Egal wie viele Dinge ich noch zu tun habe
und was da morgen alles auf mich wartet, jetzt ist Ruhezeit und
ich mach erst morgen damit weiter. Jetzt gönne ich mir meine
wohlverdiente Pause und ziehe mich in meinen Ruheraum zurück,
wo mich nichts beschäftigt und nichts stört. Versuche total
runterzukommen, an nichts mehr zu denken und einfach nur
noch in dich hineinzufühlen und deinen Atem zu spüren.
Entspanne all deine Muskeln und lass die Schultern fallen. Schalte
total ab. Dein Schlaf wird dadurch viel erholsamer werden und du
wirst am nächsten Morgen mit einer ganz anderen Energie
aufwachen!
Stell dir vor, du springst hellwach aus dem Bett
Es gibt noch einen klitzekleinen Gedankentrick, der sehr hilfreich
sein kann, einen Moment kurz bevor du einschläfst. Stelle dir
während dem Einschlafen vor, dass du am nächsten Morgen noch
bevor der Wecker klingelt top frisch und hellwach aus dem Bett
springst. Sieh diese Bilder lebhaft vor deinem geistigen Auge
ablaufen, wie du die Augen aufschlägst, einen tiefen Atemzug
nimmst und wie ein Flitzebogen aus dem Bett springst.

P.S.: Es soll schon vorgekommen sein, dass das wirklich so


eintritt :) D.h., du wachst auf bevor dein Wecker klingelt und bist
frisch und klar wie nie zuvor. Probier's mal aus!

S e i t e | 157
Wie man den/die Angebetete/n nach einem Date fragt

Wer kämpf, kann verlieren. Wer nicht kämpf, hat schon verloren.
— Bertolt Brecht
Der alte Herr Brecht hat recht: Wer nicht fragt, der hat schon von
vornherein verloren. Was dabei aber noch viel schlimmer ist, und das
wusste schon das Krümelmonster aus der Sesamstraße: Wer nicht fragt
bleibt dumm! Diese Art von Verlieren/im Ungewissen bleiben ist bei
weitem grausamer als eine Absage (und damit Klarheit über die
Situation) zu bekommen, wenn man es dann tatsächlich versucht.
Wenn du nie etwas unternimmst und so lange wartest bis alle
Chancen vorbeigefogen sind und dein/e Angebetete/r plötzlich umzieht
oder aus sonstigen Gründen aus deinem Leben verschwindet, dann hast
du gar nichts gewonnen, noch nicht mal Gewissheit darüber, ob es
vielleicht wirklich funktioniert hätte. Dieses Gefühl der Ungewissheit,
dass er oder sie dich vielleicht doch ganz toll gefunden hätte und sich
auch nur nicht getraut hat, etwas zu sagen, ist absolut grauenhaft. So
was kann einem über Wochen im Gehirn herumschwirren und zu
massivem Kopfweh führen (ich spreche da aus eigener Erfahrung).
Darum will ich dich mit diesem Bonuskapitel ermutigen, die Situation
in die eigene Hand zu nehmen und auf deine/n Angebetete/n zuzugehen!

Was du wissen solltest

Bevor du dich in die praktische Umsetzung stürzt, will ich dir hier
noch ein paar wissenswerte Grundlagen vermitteln.
Nervosität ist o.k. und akzeptiert. Es ist vollkommen normal, dass du
nervös bist, wenn du auf den Anderen zugehst. Das ist ein ganz normales
Zeichen und zeigt, dass du ein Mensch und noch am Leben bist :-). Ein
gewisses Maß ist daher nicht nur ganz normal, sondern wird sogar
erwartet!
Jemand, der versucht diese Nervosität zu überspielen, schießt sich
damit nur selber in den Fuß. Wir Menschen sind extrem feinfühlige
Wesen (besonders Frauen) und riechen so etwas auf 100 Meter.
Versuche also nicht deine Nervosität zu verstecken. Es wird nicht

S e i t e | 158
funktionieren und beim Anderen nur ein ungutes Gefühl hinterlassen.
Das willst du nicht, darum: Nix verstecken oder überspielen.
Es gibt keinen richtigen oder falschen Gesprächsöfner. Sicherlich
verschwendest du hin und wieder mal einen Gedanken daran, wie du
ihn/sie wohl am besten ansprichst. Hier die Erlösung: Du kannst aufören
mit Grübeln, den perfekten Ansprechsatz gibt es nicht! Im Grunde
genommen ist es auch ganz egal, was du sagst. Es kommt nur darauf an,
wie du es sagst!
Man sagt, das gesprochene Wort macht nur 7% der gesamten
Kommunikation aus. Der Rest sind non-verbale und meist sehr subtil
wahrgenommene Dinge wie: Körperhaltung, Gestik, Augenkontakt,
Sprechgeschwindigkeit, Tonlage, Intensität, Funkeln in den Augen,
Enthusiasmus usw. Mach dir also nicht all zu viele Gedanken darüber, wie
du das Gespräch am besten beginnst und über was du alles reden willst.
Ich schlage vor, du machst dir gar keine Gedanken und redest ihn/sie
einfach spontan an. Das ist am echtesten und funktioniert am besten.
Er/Sie ist nicht besser als du. Ein Fehler, den viele machen. Sie stellen
den Anderen auf ein Podest. "An den/die komm ich nicht ran. Er/Sie
befndet sich in einer ganz anderen Liga. Dem bin ich doch eh nicht
gewachsen.". Wenn man sich diesen Quatsch einredet, wie soll man
dann um Gottes Willen den Anderen ohne eine Herzattacke zu
bekommen, ansprechen? Das geht gar nicht.
Wenn du diesen Glauben hast, dass der/die Andere "besser" ist als
du, dann kannst du gar nicht - nicht Angst haben! Darum mach dir
folgendes klar: Dein/e Angebetete/r ist auch nur ein Mensch, so wie du.
Er muss essen so wie du, er hat Probleme genau so wie du und er hat
Ängste genau so wie du. Kurz, er hat die gleichen Bedürfnisse und
Probleme wie sie jeder Mensch hat, auch wenn er die nach außen
vielleicht nicht so zeigt. Aber glaube mir, hinter der härtesten Schale
fndet man oft den weichsten Kern. Und besonders die, die nach außen
hin den Abgeklärten geben, sehnen sich innerlich am meisten nach
Zuneigung. Es gibt also keinen Grund, ihn/sie auf ein Podest zu heben
oder Angst vor ihm/ihr zu haben.
Versuche nicht zu beeindrucken. Wenn du versuchst, den Anderen
auf Teufel komm raus zu beeindrucken, dann wird er das feststellen und

S e i t e | 159
das ist nicht gut. Warum? Weil du damit unterbewusst kommunizierst,
dass du dich selber, als die Person, die da vor ihm steht, nicht für gut
genug befndest. Dass du ihn mit irgendwelchen Stories (die dazu
wahrscheinlich noch erfunden sind) beeindrucken musst, weil du dich
selbst, als den, der du bist, als nicht genügend empfndest. Das ist
äußerst unattraktiv und am Ende natürlich kontraproduktiv.
Wenn der Andere diese Signale aufschnappt, ist es meist vorbei mit
dem Gespräch und er wird sich verabschieden. Jemand anderen bewusst
beeindrucken zu wollen funktioniert nur sehr selten und man sollte es
vermeiden. Stattdessen solltest du lieber den authentischen Weg gehen.
Der ist nämlich per Defnition schon beeindruckend. Ganz einfach
deshalb, weil so wenige Menschen es fertig bringen (oder sich trauen),
sich so zu geben, wie sie sind.
Darum: Zeige dein wahres Selbst, ohne Flunkern, Erfnden oder
große Stories, in dem du ihm/ihr deine wahren Gefühle ofenbarst und
dich einfach so gibst, wie du bist, aufrichtig und authentisch, als den
einmaligen Menschen, der du bist.

Aber ich hab nur diese eine Chance. Ich will's nicht vermasseln...

Das vielleicht größte Hindernis zum Erfolg. Wir Menschen wollen uns
immer so viele Türen wie möglich ofen halten. Bloß kein Risiko
eingehen. Wenn wir nun auf den Anderen zugehen, tun wir aber genau
das, wir riskieren, dass sich eine Türe schließt. Die Frage ist jetzt
natürlich, was kann man da tun? Wie kann man da rangehen?
Antwort: Sieh die Situation aus einem anderen Blickwinkel.
Wenn du nicht auf den Anderen zugehst, dann passiert auch nix.
Angenommen du stündest beim Start, dann bleibst du auch bei Start. Es
ändert sich nichts. Wenn du hingegen auf den Anderen zugehst, dann
gibt es zwei mögliche Resultate. Es funktioniert, oder es funktioniert
nicht. Wenn es funktioniert, dann hüpfst du automatisch vor bis auf Los.
Wenn es nicht funktioniert, dann machst du auf jeden Fall auch einen
großen Schritt nach vorn. Du weißt, woran du bist und wirst gleichzeitig
deinen mentalen Ballast los, der dir schon seit Tagen den Schlaf raubt.

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Egal was dabei rauskommt, du kommst vorwärts! Im Gegensatz zum
Nichts-tun, wo du für immer und ewig am Start hängen bleibst.
Außerdem: Du hast nicht nur eine Chance, sondern so viele wie du
selber bereit bist, dir zu geben. Ich kenne Menschen, die ihren
Traumpartner erst nach Jahren des Bemühens und Umwerbens von sich
überzeugen konnten. Hier gilt wie in jedem anderen Bereich des Lebens
auch:
Dran bleiben zahlt sich aus!

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10 Tipps für den sofortigen Selbstbewusstseinsschub

"Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt."
— Albert Schweitzer
Mit diesen zehn praktischen Tipps hast du einen kostbaren
Werkzeugkasten, um dein Selbstbewusstsein in null Komma nix
aufzubauen. Einige haben das Potential deinen Zustand Wort-wörtlich in
Sekunden ins Positive zu katapultieren. Probier's aus, schau was für dich
funktioniert und schreib dir die Dinge raus, die du ab jetzt öfter mal
machen willst bzw. an die du dich im Alltag erinnern willst. Und nicht
vergessen: hab Spaß dabei ;-)!
1. Lächle
Der schnellste Trick, den ich kenne, um sich innerhalb von
Sekunden mehr positive Gefühle und ein erhöhtes
Selbstbewusstsein zu holen. Dein Geist ist mit deinem Körper
verbunden. Das eine beeinfusst das andere. Du fühlst dich
gut und selbstbewusst: du bekommst ein Lächeln auf dein
Gesicht. Du forcierst ein Lächeln, wenn du dich unsicher und
unwohl fühlst: du wirst eine spürbare Veränderung deiner
Gefühle und deiner Selbstsicherheit feststellen.

Lächeln bewirkt nicht nur, dass im Körper Endorphine


(=bewirken Glücksgefühle) ausgeschüttet werden, sondern
es werden dich auch die Menschen um dich herum
automatisch selbstsicherer wahrnehmen. Der Ratschlag:
"Immer schön lächeln" (auch wenn du nicht weißt, was du da
gerade machst) kommt also nicht von ungefähr!

Tipp: Lächle so breit und stark wie du nur kannst. Strecke


dabei beide Arme in die Höhe als ob du gerade beim Triathlon
als erster ins Ziel eingelaufen wärest und balle deine Fäuste
so fest du kannst!
2. Atme
Wenn man aufgeregt ist, merkt man es am schnellsten: Der
Puls steigt drastisch, die Atmung wird fach und hektisch. Der

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Körper wechselt in einen hoch-erregten Zustand, in dem es
schwierig wird, einen kühlen Kopf zu bewahren. Diesen
körperlichen Zustand kannst du aber mit etwas Übung gezielt
beeinfussen. Und zwar mittels der richtigen Atemtechnik.
Sobald du merkst, dass dein Körper in einen erregten Zustand
wechselt, beginne bewusst damit, deine Atmung zu
verlangsamen und tief in deinen unteren Bauchteil zu atmen.
Durch die Nase einatmen und den Mund ausatmen.
Konzentriere dich ganz bewusst auf deine Atmung und wohin
der Luftstrom in deinem Körper geht. Fühle, wie sich dein
Bauch ausdehnt und wie die Luft beim Ausatmen ausströmt.
Atme rhythmisch und langsam. Mir hilft es dabei ein
erleichterndes Seufz-Geräusch zu machen. Das wirkt Wunder!
3. Körperhaltung
Wie bei Tipp #1 geht es hier auch wieder darum deinen
Gefühlszustand und damit dein Selbstsicherheitsgefühl durch
deine Körperhaltung zu beeinfussen. Richte dich bewusst
auf. Gerader Rücken, Kopf hoch, Blick geradeaus. Schultern
nach hinten unten in die hinteren Hosentaschen denken.
Brust raus. Denk dir ein drittes Auge auf deine Brust, das nach
oben schauen will. Knie sind leicht gebeugt und die generelle
Haltung ist trotz allem Aufrichten noch relaxt und fexibel.
Denk dich selber 10% größer als du eigentlich bist und mach
diese Haltung so stark und standfest wie möglich. Denke dir
ein Tornado käme auf dich zu und du würdest in dieser
Haltung mittendurch gehen und es würde dir nichts
passieren. So stark muss sich das anfühlen! Alles andere fiegt
weg, nur du bleibst stehen.
4. Laufe 25% schneller
Wie läuft ein zielgerichteter, selbstbewusster Mensch im
Vergleich zu einem niedergeschlagenen, ziellosen Mensch?
Die Antwort ist einfach: Selbstbewusste Menschen sind
generell energievoller unterwegs. Sie wissen wo sie
hinwollen. Sie haben eine Richtung und gehen voller Energie,
Vertrauen und frohen Mutes dem Ziel entgegen. Tu es ihnen
nach! Es gibt wohl nichts Einfacheres, um sich selbst

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aufzumuntern, als beim Gehen einfach einen Gang zuzulegen.
Du wirst dich automatisch energetischer, wichtiger und
selbstbewusster fühlen. Versuchs also mal aus! Gehe beim
nächsten mal ne Runde schneller durch die Gassen, mit
zielgerichtetem Blick und Schritt.
5. Mache Sport
Nimm dir Zeit für dich selber und für deinen Körper. Wenn du
dich in einem Energieloch befndest, fühlst du dich
automatisch träge und unsicher. Wie kann man da schon
selbstbewusst auftreten? Des Rätsels Lösung: Geh raus und
mach ne Runde Sport! Geh joggen, schwimmen, Fahrrad
fahren oder mach einfach nur einen Spaziergang. Du wirst
dich danach sehr viel besser fühlen - stärker und mit mehr
Energie und Lebenslust, um deine Aufgaben anzupacken.
Wenn du Sport machst, bringst du natürlich zum einen deinen
Körper in Bewegung - du tust etwas für dich selber - und du
hast ein kleines positives Erlebnis, das du an dem heutigen
Tag schon etwas fertig gebracht hast. Es gibt nichts Besseres!

Tipp: Versuche am besten eine sportliche Morgeneinheit in


deinen Tag einzubauen. Dann beginnst du den Tag gleich
richtig und du bist frisch und stark für das, was da so alles
kommen mag.
6. Setz dich in die erste Reihe
Wo man hinschaut, in den Schulen, Hörsälen und Besprech-
ungsräumen dieser Welt, setzten sich die Leute meist in die
hinteren Reihen. Sie haben Angst wahrgenommen zu werden
und bleiben lieber unsichtbar. Dieses Verhalten zeigt nicht nur
niedriges Selbstbewusstsein, sondern verstärkt es auch noch.
Also: Sei nicht einer von diesen. Entscheide dich von jetzt an
dafür, immer einen der vorderen Plätze aufzusuchen - auch
wenn die Veranstaltung schon angefangen hat. Damit
bekämpfst du diese irrationale Angst etwas Schlimmes
könnte passieren, wenn dich die Anderen plötzlich
wahrnehmen, und du stärkst gleichzeitig dein Selbst-

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bewusstsein. Also, von jetzt an sind die vorderen Plätze dein
Zuhause. Versprochen?
7. Sag es
Es ist unglaublich, wie wenige Menschen doch tatsächlich mal
den Mund aufriegen, um etwas zu sagen. Die meisten
Anderen sitzen einfach nur da und machen lieber nichts, dann
kann man auch nichts falsch machen (Ich weiß das nur zu gut,
war ich doch auch einmal so). Sie fürchten von anderen
beurteilt zu werden, wenn sie etwas "Dummes" sagen. Diese
Angst ist total überbewertet. Die Leute um dich herum sind
viel ofener und akzeptierender als du denkst. Du kannst gar
nichts "Falsches" sagen. In Wirklichkeit ist es nämlich so, dass
diese Leute genau die gleiche Angst haben wie du und meist
extrem froh sind, wenn jemand anders das Wort ergreift.
Also, auch hier gilt: Wenn du weiterkommen willst, dann
mach den Mund auf und sag es! Bring deine Ideen ein. Sag
was du von dies oder jenem hältst. Mach den Mund auf und
teile deine Meinung. Es kann nichts Schlimmes passieren!
8. Dankbarkeit
Überlege dir mal für was du alles dankbar bist im Leben. Es
wird dich vielleicht verwundern, wie wirkungsvoll dieser Tipp
ist. Einfach nur durch das bewusste Fokussieren auf die
Dinge, die richtig toll sind in deinem Leben, kannst du deinen
Gefühlszustand und dein Selbstvertrauen aufauen. Fange
bei dir selber an. Wofür bist du alles dankbar? Und jetzt sag
mir bloß nicht, es gibt nichts wofür du dankbar bist! Das glaub
ich nicht. Es gibt sicherlich einiges, du musst nur mal ein
bisschen nachdenken und es dir bewusst machen (du hast
z.B. einen Computer, an dem du das hier liest und mit dem du
alle Informationen der Welt zu dir nach Hause holen kannst -
dafür kann man auch schon mal dankbar sein). Es muss auch
nichts Weltbewegendes sein, die kleinsten Dinge sind oftmals
die Besten. Dann geh einen Schritt weiter und überlege dir,
für was du in deinem Umfeld (Familie/Freunde/Beruf) alles
dankbar bist. Konzentriere dich dabei bewusst auf die
positiven Dinge und nicht das, was dich aufregt oder nicht

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funktioniert. Hier geht's ausschließlich darum, wofür du
dankbar bist im Leben. Dann geh noch einen Schritt weiter
und überlege dir, was du in dieser Welt und an diesem
faszinierenden Leben, in diesem einmaligen Augenblick alles
toll fndest.

Tipp: Mach dir ein Dankbarkeits-Tagebuch und überlege dir


jeden Abend bevor du ins Bett gehst wofür du heute dankbar
bist.
9. Mache deinen Mitmenschen Komplimente
So oft und ehrlich wie möglich. Warum? Ganz einfach... Wenn
wir mit uns selbst nicht zufrieden sind, projizieren wir diese
Unzufriedenheit oft auf andere Menschen, in der Form von
Beleidigungen oder wenn wir hinter dem Rücken über andere
lästern. Um dieses negative Verhalten (dass dich im Übrigen
keinen Schritt weiter bringt, sondern im Gegenteil nur die
Negativität in deinem Leben verstärkt) zu unterbrechen,
gewöhne es dir an, anderen Leuten Komplimente zu machen.
Natürlich solltest du dabei ehrlich meinen was du sagst. Dann
werden dich diese Leute nicht nur mehr dafür mögen,
sondern du wirst damit auch automatisch dein Selbst-
bewusstsein stärken. Denn wenn du immer versuchst, das
Beste in der anderen Person zu sehen, dann bringst du damit
indirekt auch das Beste in dir hervor. Ganz zu schweigen
davon, dass das Komplimente machen am Anfang auch eine
Herausforderung darstellen kann, die deine Komfortzone
erweitert.

Tipp: Probier's mal für eine Woche lang aus und gib so viele
Komplimente wie du nur kannst und schau mal was sich dabei
alles verändert.
10. Trage etwas zu dieser Welt bei
Es gibt kein besseres Gefühl als das, eine Bedeutung zu haben
im Leben. Einen Unterschied zu machen. Für andere
Menschen wichtig zu sein. Etwas beizutragen, zur
Gesellschaft, zu dieser Welt, in der wir leben. Leider sind wir

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viel zu oft mit uns selbst beschäftigt, mit unseren eigenen
Wünschen und Bedürfnissen und natürlich auch unseren
"Fehlern" und "Mängeln". Fange deshalb damit an, dich mehr
darauf zu konzentrieren, was du dieser Welt und den
Menschen um dir herum geben kannst. Dann wirst du nicht
nur deren Dank ernten, sondern auch deine eigene
Selbstbefangenheit Stück für Stück aufösen. Dein
Selbstvertrauen in dich und die Welt wird steigen und du
wirst dieses tolle Gefühl haben, etwas beizutragen, für
jemanden wichtig zu sein, einen Unterschied zu machen.
Umso mehr du der Welt gibst, umso mehr wirst du am Ende
auch zurückbekommen.

So, hier hast du also ein paar tolle Tipps für deinen Alltag! Ich hofe
natürlich, du liest nicht nur darüber hinweg, sondern setzt auch die ein
oder andere Sache in die Tat um.

Hey, worauf wartest du noch?


Ich würde sagen, auf los geht’s los!

LOS!

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Epilog
Ich hofe, ich konnte dir mit diesem Buch einige Denkanstöße geben
und dir neue, bestärkende Sichtweisen ofenbaren, die dir den Alltag
erleichtern werden. Ich hofe, es hat bei dir einige Male „Klick“ gemacht
und ich konnte dich dazu bewegen, das Leben in die eigene Hand zu
nehmen und endlich aufzustehen, für dich selber und deinen Weg.
Ich hofe, ich konnte dich dazu bringen, nicht nur zu lesen, sondern auch
in die Tat umzusetzen.
Vielleicht war dieses Buch ja sogar der zündende Funken für einen
neuen Abschnitt in deinem Leben (lass es mich wissen!). Wenn das der
Fall sein sollte, dann habe ich mein Ziel erreicht, denn das war meine
ganze Motivation hinter dieser Sache - anderen Menschen zu helfen, die
wie ich damals, etwas verändern wollten.
Als ich anfng zu schreiben, wollte ich ein praktisches Buch
schreiben, ein Buch, das ich damals selber gerne gelesen hätte, als ich
mich auf diese Reise begab und nicht wusste wie und wo ich am besten
anfangen sollte.
Wenn ich zurückschaue kann ich sagen, dass die größte Entwicklung
dann stattfndet, wenn man sich am weitesten aus seiner Komfortzone
hinauswagt und dadurch hinterher feststellt, dass überhaupt nichts
Schlimmes passieren kann.
Ein letzter Ratschlag:
Ein starkes Selbstbewusstsein kommt nicht von heute auf morgen.
Persönliches Wachstum braucht Zeit und es gibt keine Abkürzungen
oder magischen Pillen auf diesem Weg. Gehe deshalb nicht überstürzt
ans Werk oder erwarte Wunder von dir gleich am ersten Tag.

Mache kleine Schritte, kontinuierlich, jeden Tag und steigere


dich langsam!

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Anhang
Ressourcen & Hilfe

Bücher
Ich habe eine kleine Büchersammlung zusammengestellt mit
Zusammenfassungen. Diese Bücher haben mir im Laufe meiner
Entwicklung sehr geholfen und es lohnt sich, hier mal einen Blick
reinzuwerfen:
http://www.selbstbewusstsein-staerken.net/buecher

Forum
Wenn du dich mit anderen austauschen willst, dann schau unbedingt
mal im Forum vorbei. Wenn du Fragen oder ein spezielles Problem hast
und dazu Hilfestellung brauchst, dann ist hier der richtige Ort:
http://www.selbstbewusstsein-staerken.net/forum

Schreibe mir
Wenn du Fragen, Kommentare, Feedback, Lob oder Tadel hast oder
einfach nur mal “Hallo“ sagen willst, dann schreibe mir gerne! Meine
Email Adresse lautet:
info@selbstbewusstsein-staerken.net
oder du gehst einfach auf meine Webseite und schreibst mir auf der
Kontakt Seite: http://www.selbstbewusstsein-staerken.net/kontakt

Ich wünsche dir alles Beste auf deinem Weg,


-Moritz

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