Sie sind auf Seite 1von 20

HARTMANN VON DER AUE

ZWEI FRAGMENTE

NACHGEDICHTET VON TORSTEN SCHWANKE

DER ARME HEINRICH

Ein Ritter so weise war,


Er las viel Bücher rein und klar,
Was er Schönes geschrieben fand:
Der ward Hartmann von der Aue genannt,
Diener war er der Frauen,
Er schaute in keuschem Schauen
Und mochte nicht die düsteren Bücher.
Da begann er zu suchen gute Bücher,
Ob er etwas Schönes und Weises finde.
In schwerer Stunde, mit dem Herz von einem Kinde,
Er wollte die alten Bücher sanfter machen
Und profitieren von den reichen Sachen.
Dass er lobe Gottes Güte,
Darum er sich täglich mühte,
Dass es womöglich gefalle den Leuten.
So begann er zu deuten
Eine Rede, die er geschrieben fand,
Die hat er einfach sein eigen genannt,
Dass er sich seiner Arbeit freut,
Den Menschenkindern zum Geleit.
Und ohne Lohn ist er geblieben,
Er schrieb nur, um recht zu lieben,
Was die Leute hören oder lesen,
Dass er immer im Gebet gewesen
Um das Seelenheil zu seinem Gotte.
Er war Gottes Engel, fern vom Spotte,
Und erlöste die andern Seelen damit,
Dass er täglich für sie bitt.
So las er einmal eine alte Märe,
Wie ein Herr gewesen wäre,
Der im Schwabenland gesessen,
Der hatte leider etwas vergessen
Den kindlichen Weg der Tugend,
Die ein Ritter auch noch in der Jugend
Zu Gottes Lobe haben soll.
Man sprach da niemals schön und voll
In allem dem deutschen Land.
Er hatte in seiner Hand
Eine gute Geburt und Reichtum der Zeit,
Seine Tugend war breit,
Wie es ganz sein Sinn und Denken war,
Seine Geburt unwandelbar
Und wohl den Fürsten gleich,
Doch was er dann tat, so reich,
Nach der Geburt und dem irdischen Gut,
War gegen die Ehre und des Herzens Mut.

Erkenntlich war sein Name, dies


War er, der Heinrich hieß,
Und war ein von-der-Aue geboren,
Sein Herz hatte sich verschworen
Der Lüge und der Düsterkeit,
Er bewahrte treu den Eid
Stets und bis an sein Ende,
Ohne alle böse Wende
Stand sein Ruhm und sein Leben.
Ihm war der rechte Wunsch eingegeben,
Zu erlangen Ruhm und weltliche Ehren.
Das konnte er wohl vermehren
Mit allerhand reiner Tugend.
Er war eine Blume der Jugend,
Der Weltwonne ein Spiegelglas,
Steter Treue ein Adamas,
Eine schöne Krone der Zucht,
Die Armen zu ihm nahmen ihre Flucht,
Ein Schild seiner Mägde und Diener,
In aller Schuld ein frommer Versühner.
Er trug ruhig in aller Hast
Der Arbeiter schwere Last,
Ihre Ehre auf seinem Rücken.
Er glich den Regenbogenbrücken
Und sang sehr viel von Mädchen-Minnen,
So in der Welt Ruhm zu gewinnen,
Menschen-Lob, dass ihn die Damen preisen,
Er war höflich und der Weiseste der Weisen.
Da des Herrn Heinrich gutes Ich
Also nicht genierte sich
Der Weltehren und des Gutes
Und des fröhlichen Mutes
Und aller weltlichen Wonne
(Er war aller Künste Bronne,
Gepriesen und geehrt),
Sein Hochmut ward verkehrt
In ein Leben zur Armut geneigt.
An ihm ward so gezeigt,
Was auch man sah an Absalone,
Dem die üppige Krone
Aller weltlichen Süße
Gefallen unter die Füße,
Fern der besten Würdigkeit.
Als uns die Schrift berichtet breit,
Da steht geschrieben, das ward uns gegeben:
Ach, mitten im Leben
Sind wir umfangen vom Tod!…
Das deutet man auf manche Not,
Dass wir stets halb im Tode schweben,
Wenn wir meinen, am lustigsten zu leben.

Diese Welt steht feste,


Die dauernde, die beste,
Und ihre große Manneskraft,
Die steht, doch ohne Meisterschaft,
Das wir an der Kerze sehen,
Da ist uns ein wahres Bild geschehen,
Da sie zu Asche wird,
Dieweil sie das Licht gebier,
Das sind so weltliche Sachen.
Nun sieh, wie unser närrisches Lachen
Unter Tränen erlischt,
Unsre Süßigkeit ist gemischte
Mit bitteren schwarzen Gallen.
Das Blümchen muss fallen,
Das das allergrünste wähnte zu sein.
So Herr Heinrich lebte im Schein,
Der im Vergehen und Werde
Lebte auf dieser Erde,
Der verschmähte den Herrn Zebaoth,
Der hielt nicht viel von Gottes Gebot,
Der kam aus seiner hohen Würdigkeit
Herab in ein schmähliches Leid.
Ihn ergriff die Lästersucht,
Da man gesündigt gegen Gottes Zucht
An seinem eigenen Leib,
So tut der Mann, so tut das Weib,
Die Menschen sind nicht zu zähmen.
Nun siehe, er wollte nehmen
Von der Welt die Ehre,
Da ward er selbst zu einer Märe,
Da lag er in dem grünen Gras,
Da er wie der Abschaum saß,
Den niemand gerne sah,
Wie es dem Hiob geschah,
Der edel war und reich,
Der jammerte, Jeremia gleich,
Dem ein Misthaufen ward zuteil
Mitten in seinem Seelenheil.

Des armen Heinrich elendes Ich


Verstand zum ersten Male sich,
Dass er der Welt widerstand,
Dass er alles nur geliehen fand,
Da lag er in bitterem Leid und Schuld
Und übte sich in Hiobs Geduld.
So hat Hiob gelitten, der war gut,
Der litt mit Geduld und Mut,
Was ihm alles an Leiden geschah.
In der Seele Kammer war da
Das Siechtum und die Schwäche,
Dass es ihn fast zerbreche.
Da lobte er Gott und freute sich.
Das tat des armen Heinrich elendes Ich
Leider niemals so,
Er war immer traurig und niemals froh,
Sein schwebendes Herz war schwank,
Seine schwimmende Freude ertrank,
Sein Hochmut musste fallen,
Sein Honig ward zu schwarzen Gallen,
Ein grimmig zorniger Donnerschlag
Zerbrach ihn mitten am Tag,
Trübe Wolken und Wolken dick
Verfinsterten die Sonne vor seinem Blick.
Er sehnte sich so sehr,
Dass er berühmt und gefeiert wär,
Das musste er alles verlassen.
Er verfluchte mit zornigem Hassen
Den ungesegneten Tag,
Da er zuerst in der Windel lag.

Ein wenig freute er sich doch,


Ein wenig Trost gabs noch,
Wenn ihm ward gesagt
Von einer frommen Magd,
Dass manches Leid sei nur misslich,
Andres aber sei gut genießlich,
Das musste er bei allem Schlagen und Schlachten
Doch als sein Ding achten,
Er dachte, dass er wäre
Geschickt, dass er das Licht gebäre,
Und also nahm er ein der Heilung Saat,
Ganz nach des Arztes Rat,
Gegen die Melancholie,
Da aber fand er die Klage, die,
Dass ihm mangle jeder, der ihn tröste,
Dass Gott ihn nie erlöste.
Das hörte er nicht gerne.
Und so fuhr er nach Salerne
Und suchte da in den Nebeldünsten
Die weisen Ärzte mit ihren Künsten.
Der beste Meister, den er fand,
Der sagte und legte ihm in die Hand
Eine seltsame Märe,
Dass er auf dem Weg der Genesung wäre
Und war doch noch immer ungenesen.
Da sprach er: Was für ein Wahn und Wesen!
Unmöglich ist die Rede gewesen,
Kann ich genesen, so werd ich genesen.
Was wird mir helfen
Ist Güte und Arbeit von Elfen.
Das getrau ich mich, selbst zu tun. -
Nun lass die Dinge ruhn,
Sprach der Meister da,
Dene Sucht ist immer nah,
Was also hilft, dass ich es tu?
Da gehört die Arznei dazu.
Dann wirst du gesund sogleich.
Nun aber ist niemand so reich
Noch von so starken Sinnen,
Der die Gesundheit kann gewinnen,
Der bleibt immer ungenesen.
Gottes ist des Arztes Wesen.

Da sprach des armen Heinrich krankes Ich:


Warum lässt du ohne Tröstung mich?
Noch hab ich wohl des Guten Kraft,
Du entbehrst der Meisterschaft,
Du wirst deine Worte brechen,
Was du tatest zuvor versprechen
Um mein Silber und mein Gold,
Ich mach dich mir gewogen und hold,
Du aber bist es, der mich narrt. -
Mir wäre unwert der Wille deiner Art,
Sprach der Meister da,
Und wäre die Arznei auch nah,
Dass man sie billig gefunden,
Oder dass man sie zu manchen Stunden
Mit List könnt erwerben,
Ich entließe dich aus dem Verderben.
Nun vermag das leider nicht mein Sinn,
Da musst du von mir der Hilfe Gewinn
Entschlagen, sie bleibt dir versagt.
Du musst brauchen eine Magd,
Die mannbar ist in aller Ehre
Und willig wäre,
Dass sie den Tod an deiner Stelle litte.
Das ist aber nicht der Leute Sitte,
Dass das jemand gerne tu,
Es gehört auch Mut dazu,
Gehört dazu der Jungfrau Blut,
Das wäre für deine Krankheit gut.
Nun erkannte der arme Heinrich frei,
Dass das unmöglich sei,
Dass ein Mensch einen Menschen erwürbe,
Der freiwillig gern für ihn stürbe.
Also war ihm der Trost benommen,
Auf den er eben erst gekommen.
Und nach dieser Frist
Entsagte er aller List,
Dass er seine Sache vermehre,
Die war seines Herzens Ehre
Also kraftvoll und groß,
Dass ihn das am allermeisten verdross,
Dass er noch länger sollte leben!
Da fuhr er heim und ließ sich geben
Sein Erbe und seines Vaters Gut,
Als er das nahm mit gutem Mut,
Da hörte er weisen Rates Lehre,
Wie er alles zum Besten kehre.
Er begann, mit Bescheidenheit gleich
Die armen Freunde zu machen reich,
Zu trösten die Fremden und die Armen,
Dass er tue Gottes Erbarmen,
Das gereicht der Seele zum Heil.
Den Klöstern fiel zu ein anderer Teil,
Also legte er ab
Demütig sein Gut und Hab,
Ohne dass ihn das gereute.
Dann floh er die Leute.
Diese jämmerliche Geschicht
War ihm eine Klage nicht,
In Klagen eilte er durch das Land,
Da er überall war bekannt,
Und auch war er in fremden Landen,
Die ihn nach dem Gerücht erkannten.
Der, den es gereute
Und der es gewann als Beute,
Das war ein freier Bauersmann,
Der vieles selten je gewann,
Nur daheim ein großes Ungemach,
Das ging andern Bauern nach,
Die schlecht gebettet waren
Und die sich nicht schützen vor Gefahren
Mit der Arbeit und den Gebeten.
Das wars, was die Bauern gerne täten,
Die beteten wahrlich genug.
Dazu er ihm übertrug,
Dass er zu seiner Arbeit habe
Der Fremden Kräfte als Gabe.
Da ward jener gleich
In dem Lande so reich.
Zu dem gesellte sich
Sein Herr, des armen Heinrich edles Ich.
Und was er hatte gespart,
Wie wohl das nun zum Diener ward,
Und wie schonte er seinen Genossen!
Wie viele Leute hat das verdrossen,
Was da geschehn durch ihn zum Gewinn.
Er bewahrte die Treue und den Sinn,
Dass er mit vielen Willigen teilt
Die Arbeit, und ihren Kummer heilt,
Was alles geschehen zu seinem Jammer.
Er schuf ihm eine schöne Kammer.

Gott hatte dem Mayer gegeben


Nach seiner Art ein reines Leben,
Er hatte einen arbeitstüchtigen Leib,
Dazu ein um Wollust werbendes Weib,
Und von ihr ein schönes Kind,
Wie Kinder des Vaters Freude sind.
Und er hatte, wie man sagt,
Auch eine liebe Magd,
Ein Mädchen von dreizehn Jahren,
Die konnte sich so fein gebaren
Mit rechter Güte ewiglich,
Dass nie sie dem Herrn entwich
Und immer saß zu seinen Füßen,
Um seine Huld und Gnade zu grüßen,
Diente sie ihm allewege
Mit ihrer gütigen Pflege.
Sie war von den Angenehmen,
Sie ließ sich zähmen,
So ehrte das Kind den Reichen,
Man fand nicht ihresgleichen.
Die andern hatten den Sinn,
Dass sie zu ihrem eignen Gewinn
Ihn immer gemieden, nie gerne gefunden,
Sie flohen ihn zu allen Stunden
Und waren anderswo immerdar.
Das Mädchen seine Kurzweil war,
Sie hatte ihr Gemüte
Rein und voll des Kindes Güte
An ihren Herrn gewandt,
Dass man sie zu allen Zeiten fand
Unter seinem Fuße,
Mit süßer Muße
Wohnte sie dem Meister bei,
Er war auch verliebt, er war so frei,
Dass er ihre Lippen saugte
Und dem Mädchen taugte
Zu ihrem lustigen Spiel,
Das gab der Herr ihr oft und viel.
Auch half ihm sehr, es war das Kind,
Wie Kinder leicht zu gewinnen sind,
Er schenkte ihr, was er billig fand,
Spiegel und Lockenband,
Und was dem Kinder lieb, manch schönes Ding,
Gürtel und Fingerring,
Damit hat er ihr offenbart,
Dass sie ihm also hold und lieblich ward,
Dass er sie sein Bräutchen hieß.
Die liebe Jungfrau ihn ließ
Nicht lieben sonst eine,
Er durfte sie nur lieben, die Reine,
Wie kräftig ihr das geraten,
In guten Worten und Taten,
Als Geliebte hatte sie allermeist
Von Geott empfangen den heiligen Geist.
Ihr Dienst war so gütig,
Das der arme Heinrich, edelblütig,
Der von ihrem süßen Leib beseelte,
Sich vor Gott sehr quälte
Mit großer Sehnsucht in seinem Leib.
Nun saß der Mayer mit seinem Weib,
Mit ihrer Tochter, mit der Magd,
Von der ich eben gesagt,
Bei ihm in ihrer Müßigkeit
Und beweinten des Meisters Leid.
Die Klage ging in großer Not,
Denn sie fürchteten, dass sein Tod
Sie sollte sehr entsetzen
Und sie im Herzen verletzen
Und dass sie verlören Ehre, Hab und Gut
Und dass mit stolzem Mut
Käme ein andrer Herr und Meister.
Da verzagten ihre Geister.
Und die Weiber und ihr Mann
Bangten, und er zu fragen begann:

Lieber Herr und Meister mein,


Möge mit mir deine Gnade sein,
Ich frage viel und gerne:
So viel in Salerne
Ein Arzt geschickt in Heilkunst ist,
Wie kommt es, dass seine List
Dich nicht heilen kann vom Ungesunden
Und dass bleiben deine tödlichen Wunden?
O Herr, das wundert mich doch sehr. -
Da holte der arme Heinrich mehr und mehr
Tiefe Seufzer aus seinem kranken Herzen
Und sprach mit bittern Schmerzen,
Mit tiefer Reue er sprach,
Dass ihm der Seufzer das Wort zerbrach:

Ich habe den schmählichen Spott,


Dass ich gedient dem lieben Gott,
Wie ich mich sah mit Vorsicht vor,
Dass mir weit offen stand das Tor
Zur weltlichen Lust und der Brunst
Und da niemand mit seiner Kunst
Hatte seinen eignen Willen wie ich so ganz und gar,
Was doch unmöglich war,
Da ich mit Frevel haschte manches Ding
Und war doch sehr gering,
Da Gott mir meiner Begierden Leben
Aus überreicher Gnade gegeben,
Das Herz mir wie ein Felsen stand,
Wie ich liebte der Toren Tand,
Wie mir geraten der Narren Übermut,
Da strebte man nach Lust, dem Höchsten Gut,
Was andre wohl mögen gefunden haben.
Der Trug hat mich ganz untergraben.
Als ich so die Leute sah,
Aus Gottes Gnade mir geschah,
Zu meiner Ehre und der Seele Gut,
Da mein Stolz und hoher Mut
Den heiligen Petrus sehr verdrossen,
Da hat er mir die Himmelspforte verschlossen,
Da kam ich leiden nimmer herein:
Das verwehrte die Dummheit mein.
Gott hat durch die Rache seiner Macht
Mich elend, krank und siech gemacht,
Wovon mich kein Mensch kann erlösen.
Nun widersagte ich dem Bösen,
Der Stinkefinger roch mir nicht gut,
Der Böse voller Frevel und Übermut,
Des Bösen Sklave musste ich dennoch sein,
Der mich betrug mit Wahn und Schein.
Er warf die Augen aus den Höhlen mir,
Nun scheint mir einzig an dir
Deine Treue fest,
Dass du mich Siechen bei dir lässt
Und vor mir nicht fliehst,
Obwohl du mich so elend siehst,
Wie meine Liebe gegolten dir,
Hast du dein Heil gewendet zu mir,
Du erträgst doch wohl meinen Tod?
Wie unwert bin ich, in welcher Not!
In dieser Welt kann ich nicht genesen.
Einst bin ich dein Herr gewesen,
Ich bin der Bedürftige nu.
Mein lieber Freund, mir kaufe du
Nun frei mein Bräutchen und dein Weib,
Meinen ewigen Leib,
Dass du mich siechen bei dir lässt.
Der du mich gefragt hast, treu und fest,
Das will ich sagen dir gerne.
Ich könnte wohl in Salerne
Einen weisen Meister finden,
Der möchte die Krankheit überwinden,
Wenn er mich nur trösten wollte,
Dass ich von seinen Künsten sollte
Von meiner Sucht genesen,
Das wäre dann die selbe Sache gewesen,
Die auf der Erde kann
Gewinnen kein Mann,
Mir ward andres nicht gesagt,
Als dass ich bräuchte eine Magd,
Die mannbar wäre, in aller Ehre,
Und die ganz und gar willig wäre,
Dass sie den Tod für mich erlitte
Und dass man sie in Stücke schnitte,
Und mir wird nicht anders der Gesundheit Gut
Als durch einer reinen Jungfrau Blut,
Nun ist das unmöglich genug,
Dass ein Mädchen mit Recht und Fug
Gerne erleide für mich den Tod,
Darum muss ich schändliche Not
Tragen bis an mein Ende.
Gott mir die reine Jungfrau sende!...

Das hatte er dem Vater gesagt,


Das hörte die junge Magd,
Da ihr, der viel süßen,
Lag mit seinen Füßen
Ihr lieber Herr in ihrem Schoß,
Der das genossen groß,
Ihr kindlich reines Gemüte
Von eines himmlischen Engels Güte,
Seine Rede nahm sie wahr
Und merkte sich alles ganz und gar,
Er war in ihres Herzens Ring.
Und sie nun schlafen ging
Zu des Vaters Füßen,
Da plagte sie ihr Büßen,
Die Eltern beide entschliefen.
Mannigfaltige Seufzer aus den Tiefen
Holte sie hervor aus dem Herzen
Um ihres Herrn beständige Schmerzen,
Was sie reute und verdross
Und aus den Augen Regen ergoss
Auf des Schlafenden Füße.
Da erwachte davon der Süße.

Da sie die Tränentropfen empfunden,


Erwachten sie vor den Morgenstunden,
Begannen, sie zu fragen, wie ihr wäre
Und welcher Schwermut Schwere
Sie ließe so weinen und klagen.
Sie wollt es ihnen nicht sagen.
Da ihr Vater aber täte
Drohen mit ernstem Gebete,
Dass sie es ihm müsse sagen,
Da sprach sie: Ihr möchtet mit mir klagen,
Was mag uns geschehen nah und fern
An unserm geliebten Herrn,
Dass wir ihn sollten verlassen
Und mit ihm alles lassen
An Gütern und Ehr?
Wir gewinnen nie mehr
Von irgendjemand solches Gut,
Wie er uns tat, wie er uns tut! -
Sie sprachen: Du redest wahr,
Er krümmte uns nie ein Haar.
Unser ist die Reue und Klage,
Liebes Mädchen, alle Tage.
Wir lieben ihn wie du,
Nur müssen wir lassen unsere Ruh,
Denn wir verlieren, den wir bekommen,
Gott hat ihn uns genommen!...
Hätte uns das jemand anders geschrieben ins Buch,
Dem hätten wir geschickt einen Fluch!...

Und sie schwiegen so,


Die Nacht machte sie wenig froh
Und auch der Morgen und der Tag,
Dass sie jemand anders plag,
Kam ihnen in den Sinn nicht, Ich will singen,
Dass sie wieder schlafen gingen
In den Betten nach Gewohnheit der Zeit.
Da sie aber ging mit Geleit
An ihres Bettes Gnade,
Sie badete noch in dem Bade
Ihrer weinenden Augen,
Die ihr zu Quellen taugen,
Die Tränen nahten ihrem Gemüte
Voll der allerhöchsten Güte,
Wie man je von einem Kind vernahm.
War je ein wilder Knabe so zahm?
Das eine dachte sie in ihrer Klage,
Dass sie morgen am Tage
Wollte hingeben ihm ihr junges Leben
Und es ganz ihrem Herrn und Meister geben!

Von dem Gedanken ward sie so


Beseligt und so froh,
Sie hatte keine Sorge mehr,
Dass ein andrer Mann verletze sie sehr.
So sie ihrem Herrn es sagte,
Dass er nicht länger verzagte,
Und sie dabei so selig schien,
Dass es sehr getröstet ihn,
Dass sie es täte, dass sie es könnte,
Dass sie ihm ihr Bestes gönnte!
Da ward sie aber verzagt,
Es sank der Mut der Magd,
Sie hat gewartet auf ihren Vater,
Dass er ihr rate als guter Rater.
Er stand gerade vor ihr
Und sagte: Welcher Wahnsinn kam zu dir?
Es ist, als ob deine Seele wäre
Beschwert von der Schwermut Schwere,
Dass du hast die Klage angenommen,
So kann man zu keinem guten Ende kommen.
Wann lässt du mich endlich schlafen? -
So wollte der strenge Vater sie strafen,
Dass sie sich nicht selber töte,
Denn das bringe ewige Nöte,
Die kein Büßer könne je büßen.
So sprach der Vater zur Süßen,
Die hat darauf geschwiegen,
Sich an den Vater zu schmiegen.
Dann gab Antwort die junge Magd:
Wie mein Herr zu uns gesagt,
So müssen wir ihn ernähren,
Dass wir nicht untreu wären,
So bin ich ihm zur Ärztin gut!…
Ich bin eine Jungfrau und habe Mut,
Eh ich ihn sehe verderben,
Will ich lieber freiwillig für ihn sterben!...

Von dieser Rede wurden so


Sehr traurig und wenig froh
Die Mutter und der Vater.
Seine Tochter bat er,
Dass sie die Rede lasse,
Dass sie ihr Leben nicht hasse,
Dass sie dem Herrn sag in der Morgenröte,
Dass sie sich nicht selber töte.
Der Vater sprach: Du bist ein Kind,
Und Kinder voll Treue sind,
Sie sind groß in Liebesdingen.
Du sollst uns nicht solchen Kummer bringen,
Denk an deiner Mutter Wehen,
Du hast des Todes Antlitz noch nicht gesehen.
Wenn es dir kommt in dieser Frist,
Dass es von Gott beschlossen ist,
Dass du müsstest jung versterbebn
Und die Ewigkeit schnell erwerben,
Du lebst doch gerne noch?
Du entkämest nie dem schwarzen Loch!
Schließe die Lippen von deinem Munde,
Und du wirst in dieser Stunde
Erkennen, dass dich solche Reden
Nicht führen in den Garten Eden. -
Der strenge Vater sprach so,
Dass er sie bitte, dass er ihr droh,
Worte zusammen flocht er.

Diese Antwort gab ihm die Tochter:


Vater, wie dumm ich sei,
Mir wohnt dennoch die Weisheit bei,
Dass ich wohl erkenne die Not
Und dass des Körpers Tod
Ist kein Spaß, ist ernst und strenge.
Wenn ich aber in die Länge
Im schwersten Joche leben soll,
Das ist auch nicht gerade toll,
Wenn er hier, der leicht wie ein Falter,
Sein Leben schleppen soll ins Alters
Mit Ächzen und Krächzen und steter Not,
So muss er doch leiden den Tod.
Geht ihm die Seele dann ewig verloren,
So wäre er besser ungeboren,
Kommt er nicht an der Seligkeit Ziel,
Die Hölle ist kein Kinderspiel,
Aber ich lobe Gott mit meinem Leben,
Dass ich will ihm ewig geben!

Aber ihr sollt wegen mir nicht leiden,


Vater und Mutter, ihr einigen beiden,
Wenn ich will ins Jenseits fahren.
Ich möchte euch nur bewahren
Vor Schaden und vor Leid,
Drum geb ich ihm Bescheid,
Wir haben von ihm Ehre und Hab und Gut,
Das kommt von unsres Herrn und Meisters Mut,
Der nie vom Leiden zu uns sprach,
Dass uns auch nichts Gutes gebrach.
Die Zeit, die er noch leben soll,
Da ist unser Leben toll,
Aber lassen wir ihn sterben,
So müssen wir elend verderben.
Da will ich uns verdienen eine Frist
Mit einer klugen List,
Damit wir alle genesen.
So gönnt das Opfer meinem Wesen. -
Die Mutter weinend sprach,
Da sie so ernst ihr Kind sah: Ach,
Gedenke doch, mein liebes Kind,
Wie schmerzlich die Wehen sind,
Die ich für dich erlitten in schweren Stunden,
Ich hätte gern bessern Lohn gefunden,
Als dass ich dich höre sprechen.
Du willst das Herz mir brechen!
Sende mir der Rede ein schöneres Teil!
Willst du denn dein Seelenheil
Verspielen vorm lieben Gott?
Treib nicht mit deinen Eltern solchen Spott!
Gott hat geboten und so bat er,
Du sollst ehren Mutter und Vater,
Du sollst die Mutter minnen
Und dem Vater folgen mit deinen Sinnen,
Dass die Seele selig werde
Und der Leib lang lebe auf der Erde.
Aber du willst scheiden und dein Leben
Zu unserm Kummer dem Tode geben,
Du willst Vater und Mutter, die einigen beiden,
Auf Erden lassen Schmerzen leiden!
Dass dein Vater und ich
Gerne leben, ist durch dich.
Was sollte uns alles Hab und Gut
Und aller weltliche Übermut,
Wenn wir dich sollten entbehren?
Das schaffte mir große Beschwerden!
Du solltest, liebes Kindlein mein,
Deiner Mutter Freude sein,
Meine Liebe ohne Leiden,
Schönste aller Augenweiden,
Meines Leibes Wonne,
Meiner Augen liebe Sonne,
Meinem Alter ein fester Stab!
Aber lässt du mich gehen über dein Grab,
Darein du dich versenktest mit Schuld,
Für immer verscherztest du Gottes Huld,
Wirst für immer von der Gottheit dich scheiden!
Das willst du kaufen uns beiden?
Willst du, liebes Wesen, gut,
So sollst du die Seele und den Mut
Dem Herrn nicht hingeben, deine Gabe,
Wie ich von dir vernommen habe.

Sie sprach; Mutter, ich danke dir,


Ich danke auch dem Vater hier,
Ihr seid gütiger Fürsorge voll,
Ich ehre euch, wie ich soll,
Wie es geboten ist dem Kinde,
Da ich mich sehr wohl befinde
An jedem Tage und liebe dich,
Denn von eurer Eheliebe habe ich
Die gute Seele, den schönen Leib,
Mich loben ja Mann und Weib,
Alle die mich sehen, gewiss sich sind,
Dass ich bin ein gutes, schönes Kind,
Dass sie je im Leben gesehen.
Das verdanke ich deinen Wehen!
Ihr seid meine Schöpfer nach Gott!
Darum verdient ihr von mir keinen Spott,
Sondern nach Gottes Gebot ich ehre dich echt,
Wie es ist der Mutter Recht.
O Mutter, seliges Weib,
Der ich verdanke Seele und Leib,
Da du die Wehen getragen mit Geduld,
Lass bei mir bleiben deine Huld,
Dass ich mich für euch beide
Auf ewig von dem Teufel scheide,
Mich in Gottes Arme zu begeben.
Ja, ist denn dies weltliche Leben
Nicht nur der Seele Verlust?
Auch hat mich nicht der Narren Lust
Befleckt und mit schmutzigen Händen berührt,
Die Weltlust, die nur zur Hölle führt!
Nun will ich von Gottes Gnade sagen,
Dass er mir in jungen Tagen
Schon solche Weisheit gegeben,
Dass ich auf dieser breiten Erde zu leben
Achte als das Harte und Kleine,
Ich will mich lieber als die Reine
Ganz übergeben in Gottes Gewalt.
Ich fürchte, werde ich alt,
Dass dann die Sünde, die süße,
Mich trete unter ihre Füße,
Wohin die Welt schon viele gezogen
‚Und viele um ihr Heil betrogen,
So wird sehr leicht dem Gott entsagt,
Das wird ewig beklagt.
Dass ich noch lange leben soll, scheint mir hohl,
Mir behagt das Erdenleben nicht wohl.
Der Erde Leben ist Arbeit weit und breit,
Ihre Liebe ist nichts als Herzeleid,
Ihr süßer Minnelohn ist elende Not,
Ihre beste Gunst ein früher Tod!
Nichts Gewisses ich seh
Als heute und morgen Weh
Und in der Hälfte des Lebens den Tod,
Das ist ein Jammer, eine Not,
Da schützt nicht Adel noch Hab und Gut,
Nicht Kraft und Schönheit und froher Mut,
Da frommt weder Tugend noch Ehre,
Nicht, dass sich das Gold vermehre,
Dahin ist Frömmigkeit und Tugend
Und Lebenslust und Wonne der Jugend!
Alles ist nur Dunst und Staub,
Unsere Kraft verwelkt wie das Laub.
Das ist ein böser Bube,
Der gerne liegt in der Welt ihrer Stube,
Das ist ein dummer und öder Mann,
Der die Eitelkeit nicht denken kann,
Und was der Welt Folge ist,
Dass wir uns suhlen im Mist,
Die Beine weit gespreizt.
Wenn nun der Blick uns reizt,
Dann sind wir für die Hölle geboren,
Da haben wir alles verloren,
Die unsterbliche Seele, den schönen Leib.
Nun gedenke, du seliges Weib,
In mütterlicher Treue
Und frommer Büßerin Reue,
Bei der Liebe, die du fühlst für mich,
So bedenke auch dein Ehemann sich,
Ich weiß wohl, er tat mir Fürsorge an,
Ist ein fürsorglich sorgender Mann,
Dass ihr erkennt, dass ihr
Nicht lange habt Freude an mir,
Ihr werdet nicht lange die Freude sehen,
Ich werde nicht mehr lange bestehen,
Wenn ich ohne Gatten bliebe
Drei Jahre in eurer Liebe,
So wäre mein Geliebter tot,
Und wir kommen in so große Not
Von Armut und von Bettelei,
Dass ich lieber selbst gestorben sei,
Ihr würdet keinem Gatten mich geben,
Ich müsste in Schwäche leben,
Dass ich lieber wäre tot!…
Nun schweigen wir aber von der Not,
Dass uns nicht bleibe fern
Das Heil von unserm lieben Herrn,
Der möge immer und ewig leben,
Man möge ihn mir zum Bräutigam geben,
Der ist reich und wert,
So geschieht, was ich begehrt,
Mir soll so wohl geschehen,
Anders würde mir der Mut vergehen,
Ist er mir lieb, so ists eine Not,
Ist er mir leid, so ists der Tod.
So habe ich immer Leid
Und bin voll Arbeit weit und breit
Und habe Ungemach aller Enden
Mit meinen eigenen Händen,
Was ein jedes Weib verwirrt,
Die sich in der Lust verirrt.

DER ERWÄHLTE

Mein Herz hat bezwungen


Nun dicht mit meinen Zungen
Das viel gesprochen hat
Nach der Welt und ihrer Stadt
Und das weiß ich wohl fürwahr
Es war durch den Höllenschergen gar
D>er den Trost seiner Jugend hat
Der schönen Jugend in der Stadt
Dass er darauf gesündigt
Wie es der Jugend verkündigt
Dass er gedenkt daran
Du bist doch ein junger Mann
Aller deiner Missetat
Da wird dir noch guter Rat
Du betest in dem Alter voll
Was dir nicht recht geraten soll
Den eitlen Dank richte
Was im Alter steht nicht zu Gesichte
Mit einem schnellen Ende
Der Gnaden Elende
Und hat den bessern Teil erkoren
Und ward aber geboren
Von Adam mit Abele
Und sollte mit seiner Seele
sein frei von der Sünden Schlag
Und an dem Jüngsten Tag
So hatte er nicht viel zu geben
Um das selige Leben
Das Kummer nicht enthält
Und nimmer vergeht die ewige Welt
Durch das ich wäre gern bereit
Zu sprechen die Wahrhaftigkeit
Dass meine sündliche Bürde
Davon geringer würde
Und ein Teil durch Bußfertigkeit
Und mit Werten mich hin geleit
Durch Gebirge und durch Wald
Da ists weder heiß noch kalt
Er wäre in des Leibes Not
Und ging auf Wegen zum Tod
Dieser Rede ist bereit
In deutschem Land und Zeit
Der Hartmann von der Aue
Der lobet die Liebe Fraue
Die seltenste Misere
Von einem guten Sünde wäre
Es ist das welsche Land
Aquitanien genannt
Und in dem Lande sehr
Des Landes guter Herr
Gewann von seinem Weibe
Zwei Kinder von ihrem Leibe
Nicht schöner konnten sie sein
Der Sohn und das Töchterlein
Derselben Kinder Mutter starb
Und das ewige Leben erwarb
Da die Kinder waren
Gekommen zu zehn Jahren
Der ergriff den Vater der Tod
Wie es ihm die Zukunft bot
So dass er hinüberkrieche
So elend und krank der Sieche
Er den Tod als Lohn erstand
War seiner Weisheit Tand
Doch er noch sandte
Die Besten vom Lande
Die standen in treuem Solde
Denen er befehlen wollte
Die sollten sich sorgen ums Kind
Nun sie fromm gekommen sind
Mägde und der dienende Mann
Sein Kind sah er an
Die waren sich gleich
So recht freudenreich
Geraten an dem Leib
Der einem herzlichen Weib
Zum Lachen war geschehen
Wie er sie durfte sehen
Das machte seinem Herzen
So bitterliche Schmerzen
Des Herren Jammer war so groß
Dass ihm der Augen Regen floss
Nieder auf des Bettes Stätte
Er sprach als ob er sonst nichts hätte
Das er nun müsse scheiden
Und nun wollte ich mit den beiden
Zu aller erst voll Freude walten
Und wie die wunderlichen Alten
Der Trost ist mir vergangen
Mich hat der Tod gefangen
Er band sie nun mit Banden
Befahl sie den Herren aller Landen
Die hierher waren gekommen
Hier ward großes Weinen vernommen
Und es schuf den Kindern die Treue
Eine große bittere Reue
Alle die da waren
Die begannen sich zu gebahren
Als ein Gesinde gut
Wie man zu lieb dem Herren tut
Als er sie so weinen sah
Er sagte zu ihnen da
Sohn warum weinst du so
Warum bist du nicht froh
Gefällt dir nicht mein Land und Ehre
Ich fürchte dass alles vergebens wäre
Und du beginnst nun spät zu klagen
Als ich in allen meinen Tagen
So hab ich es nie getan
So siehe deinen Vater an
Er nahm ihn bei der Hand
Und sagte Sohn sei ermannt
Dass du behaltest
Als Jüngling entfaltest
Das dein Vater gern gegeben hätte
Sei weise an dieser Stätte
Sei mild in deinem Gemüte
Diensteifrig und voller Güte
Sei nun voll Zucht und Mut
Den Herren treu den Armen
Mit allemm herzlichen Erbarmen
Die Deinen sollst du ehren
Den Fremden zu dich kehren
Wohne der Weisheit gerne bei
Bei der Dummheit sehr selten sei
Vor allem liebe Zebaoth
Und halte sein Gebot
Ich befehle dir meine Seele
Und deine Schwester ich dir befehle
Dass du dich an ihr bewährst
Und nett mit ihr verfährst
So geschieht euch beiden wohl
Gott möge euer Heil und Wohl
Und eure Seelen pflegen
Damit war er im Bette gelegen
Und ihn verließen Sprache und Kraft
Und er schied ohne Leidenschaft
Beide weinten in ihrem Leib
Der junge Mann das junge Weib
Einen solchen Befehl er nahm
Wie er zu Edlen nur kam
Nun dass das reiche Kind
Und sein Geschwister Waisen sind
Der Junker sich unterwand
Seine Schwester nahm zu Hand
Und pflegte sie so gut es ging
Als er sich traute dem süßen Ding
Er vollzog ihren Mut
Mit Leib und Gut
Sie war beschwert von ihm nie
Er pflegte sie ich sage nicht wie
Dass er nichts entwerte
Als in ihrem Garten die Gerte
Und Kleider und Gemache
Sie waren eins in jeder Sache
Gesellig und gemein
Sie waren ein einig Ein
Sie wohnten zu allen Zeiten
Einander stets zu Seiten
Das geziemte den Beiden
Sie waren nicht zu scheiden
Am Tisch oder anderswo
Ihre Betten standen beisammen froh
Da sie sich mochten sehen
Es sollte nicht anders gehen
Seine Pflege war so voll
Wie ein treuer Bruder soll
Tun seiner lieben Schwester
Die Liebe ward immer fester
Die sie zu ihm trug
Sie hatten nie genug
In Wonne und in Ungemach
Einer zum andern trostreich sprach
Da war kein Hochmut und kein Neid
Versiegelt war das Leid
Ihre Geschwisterlichkeit nur sie verdross
Das dünkte ihnen all zu groß
Und so sehnte er sich nach Gewohnheit
Nach dem Ende der Schonzeit