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Quarzkreise

Sand knirscht unter den Füssen.

Wir hinterlassen Spuren.

Alles hat Bedeutung.

Sand. Millionen kleiner Felsen.

Stechen in die Sohlen,

erinnern.

Brennende Haut.

Leere Augen.

Geschmolzene Skelette im peitschenden Sturm.

Kein Moment für Abschied.

Kein Moment zum Innehalten.

Brachiale, lebenraubende Gewalt.

Kein letzter Blick zum Anderen.

Keine Zeit die suchende Hand zu erheben.

Perversion des Lichts.

Was noch meinen wir erst lernen zu müssen?

Das Wissen ist da.

Der Wille ist da?

Sand knirscht unter den Füssen.

Wir hinterlassen Spuren.

Alles hat Bedeutung.

Sand. Millionen kleiner Felsen.

Stechen in die Sohlen,

erinnern.

Brüllender Lärm des Sturms.

Keiner ihn zu hören.

Vaporisierte Natur.

Stille.

Kein Vogel sie zu zerreissen.

Kein KIndergeschrei.

Ende.

Anfang?

Frieden?

Ein Herzschlag.

Eine Berührung.

Ein Lächeln.

Sand knirscht unter den Füssen.

Wir hinterlassen Spuren.

Alles hat Bedeutung.

Sand. Millionen kleiner Felsen.

Stechen in die Sohlen,

erinnern.

Jetzt. In der Mitte des Moments

diesem zeitlosen Raum

sind wir ganz dort und ganz hier.

Damals, jetzt und morgen.

Ein Gedanke keimt auf.

Eine Ahnung.

Ein Vorhaben.

Wir gehen einen Schritt weiter und das Leben ist anders.

Du Mensch.

„Was hast du eigentlich dir vorgestellt?


Hast du dein Leben bis zum Schluss gedacht?“*
Du Mensch sei Mensch.

Auch morgen geht wieder die Sonne auf.

Wir strecken uns und glauben es sei wie gestern.

Doch das Sandkorn in unserem Schuh lässt uns erinnern.

Alles ist vergänglich

und doch vergeht nichts.

Wir treten aus dem Kreis und bleiben im Kreise des Lebens.

Kein Schritt wird mehr so sein wie der vorige.

Sand knirscht unter den Füssen.

Wir hinterlassen Spuren,

haken einander unter und haben Bedeutung.

* aus „Anders als die Andern“ von Georg Kreisler, 1969